Lesung aus der Apostelgeschichte.
Am Pfingsttag trat Petrus auf,
zusammen mit den Elf;
er erhob seine Stimme und begann zu reden:
Ihr Juden und alle Bewohner von Jerusalem!
Dies sollt ihr wissen,
achtet auf meine Worte!
Jesus, den Nazoräer,
einen Mann, den Gott vor euch beglaubigt hat
durch Machttaten, Wunder und Zeichen,
die er durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst -
ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen
hingegeben wurde,
habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen
ans Kreuz geschlagen und umgebracht.
Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit
und auferweckt;
denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde.
David nämlich sagt über ihn:
Ich hatte den Herrn beständig vor Augen.
Denn er steht mir zur Rechten, dass ich nicht wanke.
Darum freute sich mein Herz
und frohlockte meine Zunge
und auch mein Leib wird in Hoffnung wohnen;
denn du gibst meine Seele nicht der Unterwelt preis,
noch lässt du deinen Frommen die Verwesung schauen.
Du hast mir die Wege zum Leben gezeigt,
du wirst mich erfüllen mit Freude vor deinem Angesicht.
Brüder,
ich darf freimütig zu euch über den Patriarchen David reden:
Er starb und wurde begraben
und sein Grabmal ist bei uns erhalten bis auf den heutigen Tag.
Da er ein Prophet war
und wusste, dass Gott ihm einen Eid geschworen hatte,
einer von seinen Nachkommen werde auf seinem Thron sitzen,
sagte er vorausschauend über die Auferstehung des Christus:
Er gab ihn nicht der Unterwelt preis
und sein Leib schaute die Verwesung nicht.
Diesen Jesus hat Gott auferweckt,
dafür sind wir alle Zeugen.
Zur Rechten Gottes erhöht,
hat er vom Vater den verheißenen Heiligen Geist empfangen
und ihn ausgegossen,
wie ihr seht und hört.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv - Von der Huld des Herr will ich ewig singen. - Kv
Oder: Kv - Halleluja. – Kv
(Oder GL 657,3)
Von der Huld des HERRN will ich ewig singen,
von Geschlecht zu Geschlecht mit meinem Mund deine Treue verkünden.
Denn ich bekenne: Auf ewig ist Huld gegründet,
im Himmel deine Treue gefestigt. - Kv
"Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten
und David, meinem Knecht, geschworen:
Auf ewig gebe ich deinem Haus festen Bestand
und von Geschlecht zu Geschlecht gründe ich deinen Thron." - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korinth.
Ich erinnere euch, Brüder und Schwestern,
an das Evangelium, das ich euch verkündet habe.
Ihr habt es angenommen;
es ist der Grund, auf dem ihr steht.
Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet werden,
wenn ihr festhaltet an dem Wort,
das ich euch verkündet habe,
es sei denn, ihr hättet den Glauben unüberlegt angenommen.
Denn vor allem habe ich euch überliefert,
was auch ich empfangen habe:
Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift,
und ist begraben worden.
Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift,
und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.
Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich;
die meisten von ihnen sind noch am Leben,
einige sind entschlafen.
Danach erschien er dem Jakobus,
dann allen Aposteln.
Zuletzt erschien er auch mir,
gleichsam der Missgeburt.
Ob nun ich verkünde oder die anderen:
Das ist unsere Botschaft
und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
An diesem Sonntag steht auch die 2. Lesung in thematischer Verbindung zur 1. Lesung und zum Evangelium - und kann als sich entwickelnde Einheit betrachtet werden:
Herrlichkeit Gottes in der Theophanie des Jesaja, Herrlichkeit Gottes im Wort der Predigt Jesu und in der Überfülle des reichen Fischfangs, Herrlichkeit Gottes in der Erscheinung Jesu als Auferstandener für die Apostel und für Paulus, Erkenntnis der Unzulänglichkeit bei Jesaja, Petrus und Paulus, Reinigung, Indienstnahme und Zustimmung.
Deshalb wären wohl alle drei Texte zu verlesen und könnten in ihrem inneren Zusammenhang ein Thema der Verkündigung sein: unzulängliche Menschen sind berufen, Gottes allumfassendes Heil und die überreiche Fülle seines Lebens zu bezeugen:
- Jesaja: die Rettung des "heiligen Restes" durch Gott,
- Petrus: die Rettung der Menschen im Wirken der Kirche,
- Paulus: die Rettung der Menschen durch die "unverdiente Gnade" des Auferstandenen.
Zum zeitlichen Ablauf:
Die Bekehrung des Paulus ist etwa für die Zeit 30-32 einzuordnen. Um das Jahr 50 entstand die Gemeinde in Korinth, bei deren Organisation Paulus entscheidend mitgewirkt hat. Im Sommer 51 verlässt Paulus Korint und bald stellen sich Misstände und Probleme ein:
Streitigkeiten zwischen Judenchristen und Heidenchristen, zwischen arm und reich treten auf, Missstände beim Gottesdienst werden erkannt und vor allem wird die Meinung laut, Paulus sei nicht rechtens Apostel und die Auferstehung könne es gar nicht gegeben haben. Diese Vorwürfe machen ihm zu schaffen und spiegeln sich wider in dem Brief, den er ca. 54/55 aus Ephesus nach Korinth geschrieben hat.
Verse 1-8 befassen sich mit Christus, die Verse 9-11 mit Paulus selbst.
Verse 1-2:
Paulus weist hin auf eine wohl in der jungen Gemeinde bestehende Glaubensformel, die er "Evangelium" nennt. Diese Glaubensformel ist nicht nur inhaltlich, sondern sogar wörtlich festzuhalten.
Der Glaube an die Auferstehung ist der Grund, auf dem Verkündigung und Leben stehen, Halt für Gegenwart und Zukunft.
Verse 3-8:
Wenn wir davon ausgehen, dass der Brief lange vor den Osterevangelien geschrieben ist, und Paulus betont, dass er keine neue Botschaft verkündet, dann finden wir hier eins der ältesten schriftlichen Zeugnisse des vorhandenen Osterglaubens, der sich wörtlich ausgeformt hat. Diese Formel hat Paulus "empfangen" - das verweist auf eine verlässliche Überlieferungskette.
Der Tod Christi stellvertretend und zugunsten der Menschen geschieht der Schrift gemäß (vgl. Gen 22; Ex 12; Jes 53; Ps 16,10...)
Die Liste der Auferstehungszeugen beginnt mit Petrus, führt über den Zwölferkreis, führt über fünfhundert Brüder hin zu allen Missionaren der jungen Gemeinde.
Vers 8:
Paulus reiht sich in den Kreis der Zeugen ein, obwohl es ihm nicht zusteht. "Fehlgeburt - Missgeburt" meint wohl mehr das Verhalten vor der Bekehrung - vor der neuen geistlichen Geburt.
Verse 9-10 begründen nun, warum Paulus rechtmäßiger Verkünder des Evangeliums ist, trotzdem er die Kirche verfolgt hatte: Gottes Gnade wirkt in ihm.
Vers 11 ist gleichsam noch einmal eine Zusammenfassung seines Anliegens.
Im 15. Kapitel seines 1. Korintherbriefes entfaltet Paulus die Auferstehungshoffnung der Christen. Der Apostel erinnert an das Evangelium, das er in Korinth verkündet hat. Dabei hat er das Evangelium auch nur empfangen, ohne etwas davon wegzunehmen oder hinzuzutun.
Das Evangelium ist hier kein Erzählzusammenhang, sondern die Zusammenfassung dessen, was die Christusbotschaft ausmacht: für unsere Sünde gestorben, begraben und am dritten Tage auferweckt - und Tod und Auferweckung "gemäß der Schrift" (=AT). Wir haben hier eine der ersten "Kurzformeln" des Glaubens vor uns - oder das Urbekenntnis überhaupt.
Welche Bedeutung dieses Bekenntnis hat, erläutert Paulus mit dem Wort "erscheinen". Jesus ist dem Kephas (Petrus) erschienen, den Zwölf, mehr als fünfhundert Brüdern - und als "Letztem" auch ihm, Paulus. Paulus nennt sich eine "Missgeburt“ und spielt auf seine Biographie an. Was "erscheinen" heißt, ist unterschiedlich erfahrbar und erfahren worden. Was sie alle verbindet, denen Jesus "erschienen" ist, ist, dass sie Zeugen seiner Auferweckung geworden sind (passiv!).
Leider hat Paulus die Frauen "vergessen", die nach dem einhelligen Zeugnis der Evangelien die ersten Zeugen der Auferweckung wurden. Aber: das Evangelium, wie es von Paulus den Korinthern in Erinnerung gerufen wird, ist das "erste" überhaupt - die Evangelien sind später entstanden.
Paulus formuliert sehr dicht: "das ist unsere Botschaft, und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt".
Die heutige 2. Lesung ist das älteste Schriftzeugnis über die Auferstehung Jesu (um 55/57 n. Chr.) und ist damit älter als die Auferstehungsberichte der Evangelien. Das Zentrum bildet die Bekenntnisformel des Paulus, die er vermutlich selber aus früherer Tradition übernommen hat und in Botschaft von Tod und Auferstehung Jesu zusammengefasst hat (Vers 3).
Paulus selbst hat in seinem Damaskuserlebnis Jesus als den Lebenden erfahren (Apg 9,4). Er kennt eine ganze Reihe von Augenzeugen , denen der Auferstandene erschienen ist.
Halleluja. Halleluja.
Brannte nicht unser Herz,
als der Herr unterwegs mit uns redete
und uns den Sinn der Schriften eröffnete?
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:
Am ersten Tag der Woche
waren zwei von den Jüngern Jesu
auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus,
das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.
Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.
Und es geschah:
Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten,
kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen.
Doch ihre Augen waren gehalten,
sodass sie ihn nicht erkannten.
Er fragte sie: Was sind das für Dinge,
über die ihr auf eurem Weg miteinander redet?
Da blieben sie traurig stehen
und der eine von ihnen - er hieß Kleopas - antwortete ihm:
Bist du so fremd in Jerusalem,
dass du als Einziger nicht weißt,
was in diesen Tagen dort geschehen ist?
Er fragte sie: Was denn?
Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret.
Er war ein Prophet,
mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk.
Doch unsere Hohepriester und Führer
haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen.
Wir aber hatten gehofft,
dass er der sei, der Israel erlösen werde.
Und dazu ist heute schon der dritte Tag,
seitdem das alles geschehen ist.
Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis
haben uns in große Aufregung versetzt.
Sie waren in der Frühe beim Grab,
fanden aber seinen Leichnam nicht.
Als sie zurückkamen,
erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen
und hätten gesagt, er lebe.
Einige von uns gingen dann zum Grab
und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten;
ihn selbst aber sahen sie nicht.
Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen,
deren Herz zu träge ist,
um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.
Musste nicht der Christus das erleiden
und so in seine Herrlichkeit gelangen?
Und er legte ihnen dar,
ausgehend von Mose und allen Propheten,
was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.
So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren.
Jesus tat, als wolle er weitergehen,
aber sie drängten ihn
und sagten: Bleibe bei uns;
denn es wird Abend,
der Tag hat sich schon geneigt!
Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.
Und es geschah:
Als er mit ihnen bei Tisch war,
nahm er das Brot,
sprach den Lobpreis,
brach es und gab es ihnen.
Da wurden ihre Augen aufgetan
und sie erkannten ihn;
und er entschwand ihren Blicken.
Und sie sagten zueinander:
Brannte nicht unser Herz in uns,
als er unterwegs mit uns redete
und uns den Sinn der Schriften eröffnete?
Noch in derselben Stunde brachen sie auf
und kehrten nach Jerusalem zurück
und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren.
Diese sagten:
Der Herr ist wirklich auferstanden
und ist dem Simon erschienen.
Da erzählten auch sie,
was sie unterwegs erlebt
und wie sie ihn erkannt hatten,
als er das Brot brach.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Diese Erzählung von den Emmausjüngern findet sich nur bei Lukas. Der Evangelist reflektiert die Osterereignisse in Form einer Erzählung. Dabei werden geschickt alle Elemente des Auferstehungsglaubens der ersten Christen in einen erzählerischen Zusammenhang gebracht:
- Die Überlieferung vom Tod Jesu;
- Die Kunde vom leeren Grab;
- Die Botschaft, daß er lebe.
Noch fehlt den beiden Jüngern der Glaube. Wie die Urkirche deutet ihr noch nicht erkannter Begleiter die Ereignisse vor dem Hintergrund des Alten Testamentes, "ausgehend von Mose und den Propheten", als "göttliches Muß".
Erst beim Mahl - die Sprache gleitet dabei über in die Sprechweise der urchristlichen Eucharistiefeier - erkennen die Jünger den Auferstandenen. Dieser läßt sich jedoch nicht festhalten, er entschwindet ihnen. Das Erkennen des Auferstandenen führt unmittelbar in die Verkündigung. Sie brechen unverzüglich auf, um das Erfahrene weiterzutragen.
Die Jünger, die nach Emmaus gehen, sind in einer so tiefen Depression, dass sie Jesus nicht erkennen. Die Begegnung mit dem Auferstandenen bricht ihre Verschlossenheit auf. Dazu brauchen sie die Hilfe von außen, die ihnen in der Begegnung geschenkt wird.
Ich vermute, Sie kennen das auch aus Ihrem Bekanntenkreis: Jemand gerät, über Tage und Wochen hinweg, in eine depressive Verstimmung und eine echte Schwärze und Verzweiflung hinein. Er oder sie kann sich aus eigenem Antrieb nicht daraus befreien, sondern wird zunehmend antriebsloser, stiller, verzagter, unglücklicher.
Ein wenig so kommt mir dieses Evangelium heute auch vor: Eine ganze Gruppe von Menschen - die Jesus nachgefolgt sind - ist verzweifelt, erschüttert über Jesu grausamen Tod, traurig, wie gelähmt, auch voller Angst vor dem, was da noch kommen kann. Gemeinsam verharren sie in dieser Verzweiflung und Angststarre.
Am vierten Tag nach diesem Ereignis machen sich zwei von den JüngerInnen auf in einen nahen Ort. Wir wissen nicht, warum sie das tun, was sie dort zu erledigen haben, vermutlich wohnen sie dort, weil sie den Mitwanderer zu sich heim einladen. Aber dass sie aufbrechen, sich nach draußen begeben, macht eine Möglichkeit erst auf: dass sie jemandem begegnen können, einer Person, die vielleicht nicht so verstrickt ist in das, was sie selber massiv beschäftigt. Bemerkenswert ist, dass sie gerade dem auferstandenen Jesus begegnen - und am Anfang des Gespräches wirkt es, als ob er selbst wirklich nicht wüsste, worum es geht. Dass die beiden in ihrem Begleiter Jesus nicht erkennen, muss uns nicht seltsam vorkommen - ist doch der gerade gefoltert und umgebracht worden. Dieser Begleiter auf ihrem Weg ist kein Gequälter, sondern ein inspirierender Mensch, der sie zu neuen Gedankengängen bewegen kann und Zusammenhänge öffnet.
Die Gefühlszustände und Tätigkeiten der Männer werden sehr unterschiedlich beschrieben: sie sind unterwegs, sprechen miteinander und denken nach - reflektieren, können einfach nicht erkennen, sind niedergeschlagen und traurig, sie erzählen das Geschehene aus ihrer Sicht, hören (Jesus) zu und beginnen zu begreifen, sie bitten und drängen, sie setzen sich zum Essen und beten, öffnen ihre Augen und erkennen; ihr Herz brennt; sie stehen auf und kehren zurück zu den anderen, sie finden diese, hören deren Bericht und erzählen, was sie erlebt und wie sie Jesus erkannt haben.
So vieles ist möglich im Aufbruch aus der Bedrücktheit. Die beiden ahnen noch nichts davon, als sie sich aus der Gruppe der Erschütterten lösen. Sie meinen wahrscheinlich, nach diesem „Aus“ für ihre Hoffnung an ihr vorheriges Leben wieder anzuknüpfen, den Tätigkeiten des Alltags wieder nachzugehen. Sicher, eine gewisse Alltagsroutine würde ihnen helfen, aus der Lähmung herauszukommen. Aber was das Denken und Fühlen so schwer macht und belastet, will auch bearbeitet sein.
Zwei Möglichkeiten, zwei Wege dieses Herausfindens sind im Evangelium angedeutet: selber aufzubrechen aus der Enge, sich auf den Weg machen, hinausgehen und sich ansprechen zu lassen - und einen „Einbruch“ in die eigene Verschlossenheit geschehen zu lassen, wie der Auferstandene zur Gruppe der Verzweifelten und Ängstlichen geht.
Das widerspricht stark einem Denken, das meint, alles für sich selber lösen zu können und zu müssen. Hilfe draußen zu suchen und Hilfe im eigenen System annehmen zu können, das zeigt freilich die eigenen Grenzen des Selber-Machens auf und macht uns als bedürftige Wesen offenbar, aber Menschen sind als soziale Wesen auf andere hin geschaffen. Wenn jemand „Autonomie“ als höchsten Wert für sich hochhält, kann das leicht in Einsamkeit und Ausweglosigkeit enden.
Für einander zu sorgen, andere Menschen und ihr Wohlergehen im Blick zu haben, macht Menschen zu Menschen, macht uns zu „Werkzeugen“, zu Händen, Füßen, Ohren und Mündern Gottes, zu Vermittelnden seiner Liebe. Gott wird auch in schwierigen Situationen in unser Leben einbrechen - auf vielfältige, manchmal auch sehr unerwartete Weise. Leichter geht es, wenn man ihm die Tür dafür offenhält.
© Mag.a Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Pastoralassistentin Wels-St. Franziskus.
Eine Reihe von Paradoxien.
Jesus kommt auf die Erde - damit wir in den Himmel kommen.
Jesus wird Mensch - dass wir göttlich werden können.
Jesus - Der Sohn Gottes wird zum Sklaven, damit wir frei werden können.
Jesus wurde gehasst - damit wir lernen können, zu lieben.
Jesus vergibt – wir können lernen, dasselbe zu tun.
Jesus wurde verletzt - damit wir geheilt werden können.
Der Himmel wurde dunkel, damit wir seine Herrlichkeit sehen konnten.
Jesus wurde mit Dornen gekrönt - damit wir die unvergängliche Krone des Lebens ewig tragen können.
Aber vielleicht der größte Widerspruch, das größte Paradoxon
ist das, woran wir uns erinnern,
das was wir heute wieder feiern:
dass derjenige, der tot war, jetzt lebt.
Wir nehmen die Worte fast für selbstverständlich,
aber lassen Sie mich es noch einmal sagen:
Der, der tot war, lebt jetzt - und wird für immer leben.
und so sagen wir - als Nachfolger Christi - mit große Freude.
Der Herr ist auferstanden! Halleluja!
P. Dominic O'Toole CSsR
Nicht erst im Brotbrechen begegnet uns der Auferstandene. Er begegnet uns im Alltag, wenn wir seinem Beispiel folgen.
Die Erfahrungen der Jünger auf dem Weg nach Emmaus geben einen Trauerprozess wider, durch den sie/wir Schritt für Schritt mit der Botschaft von der Auferstehung Jesu vertraut werden, und Osterfriede in uns einkehrt.
Der Schock, den der Tod Jesu am Kreuz bei einigen Jüngern ausgelöst hat, lässt sie sich zurückziehen. Erst nach behutsamer Trauerarbeit lernen sie das Erlebte neu zu deuten. Es braucht geschützte Räume, in denen der Schmerz ausgedrückt werden kann, um dann irgendwann verwandelt werden zu können.
Der lange Weg durch die Karwoche hin zum Ostersonntag zu Tod und Auferstehung ist liturgisch vorläufig zu Ende. Diese Woche ist eine Woche der Freude, aber noch nicht so richtig, wie ein Teil dieser Perikope zeigt. Die Jünger gehen zunächst traurig ihren Weg nach Jerusalem. Im Gespräch der beiden untereinander ist noch nichts von Freude zu bemerken. Da mischt sich ein Dritter ein: Jesus selber, der ihnen sagt: „Ich lebe!“ und der sein Versprechen abgibt: „Auch ihr werdet leben, denn im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen, und ich habe auch für euch einen Platz bereitet“ (nach Joh.14).
Einige Verse davor, ebenfalls im Lukas-Evangelium lesen wir: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ (Lk.24,5). Das macht Jesus den beiden Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem klar, gleichsam als „Stein des Anstoßes“, sich von der Trauer, der Dunkelheit, von allem Zweifel zu lösen und sich für die Frohbotschaft, für die Botschaft des Lebens zu öffnen. Wälzt ihn weg, diesen Stein der Hoffnungslosigkeit, der so viel verschließt, diesen Stein, der zur Enge, zur Dunkelheit beiträgt.
Das Evangelium zeigt, dass wir Menschen Suchende sind und dabei einen langen Marsch auf uns nehmen müssen - genaugenommen lebenslang. Die Liturgie der Kirche deutet es an in einem sehr langen Osterfestkreis, beginnend mit dem Aschermittwoch und endend hoffnungsfroh mit dem Pfingstfest, in dem wir die Zusage bekommen, dass unser der Beistand, der Heilige Geist, immer begleiten wird. Sehr oft suchen wir nach Dingen, die kein Leben schenken kann: Geld, Macht, Ansehen, Eitelkeiten verschiedenster Art. - Das allein kann nicht den Sinn des Lebens ausmachen. Das ist alles „Windhauch“, wie der Prediger Kohelet sagt.
Wie schwierig diese Sinnsuche ist, zeigt das Evangelium an den beiden Jüngern. Nicht nur dort, denken wir auch an die beiden Gottsucher Thomas und Nikodemus, jeder auf seine Art. Thomas will Beweise, Nikodemus, der Ratsherr, geht zu nächtlicher Stunde zu Jesus und will Auskunft haben. Die tröstlichen Worte von Jesus dazu: „Wer glaubt, ist schon gerettet.“ (Joh.3,21). Es geht um Aufbau des Vertrauens, aus dem Liebe entstehen soll.
Sehr oft schwingt auch in unserem Leben noch Vergänglichkeit, Einsamkeit, Verlassenheit mit: verlassen von der Freundin oder vom Freund, vom Partner, von der jugendlichen Schönheit, verlassen dort, wo wir Hilfe erwarten, sie aber nicht bekommen. Das Leben verletzt oft, sodass wir traurig unterwegs sind, vielleicht wie in Trance sehend, aber doch nicht erkennend, eher apathisch. Möglicherweise entstehen Schwermut, Kränkungen auch durch falsche Erwartungen, durch Erwartungen, die viel zu hoch angesetzt sind, auch durch eigene Realitätsverweigerung, einfach manche Gegebenheit nicht wahrhaben zu wollen.
Die österliche Zeit will uns darauf hinführen, in den Blick zu nehmen: Was war gestern? Schmähung, Leid, Tod. Aber dabei bleiben wir nicht stehen, denn da wäre ja Ostern sinnlos. Was ist heute, jetzt? Auferstehung, schon hier, sichtbar, vor dem Tod, allerdings noch sehr eingegrenzt, aber möglich: Aufstehen gegen alle Ungerechtigkeiten, Aufstehen, aufeinander zugehen, den Neuanfang wagen. Die Natur selber lädt dazu ein, den Neuanfang zu wagen, indem sie neues Leben hervorbringt.
Die Jünger gehen mit Jesus nach Jerusalem in ihre Gemeinschaft zurück. Schrift und Eucharistie sind auch schon damals bis heute und auch für die Zukunft konstituierende Elemente einer Gemeinde - heute leider auch schon europaweit ausgedünnt - dazu kommt die Caritas, die Liebe zum Nächsten, den wir oftmals sehr weit weg angesiedelt denken, die Selbstliebe, die Liebe zum Feind.
Das ist die österliche Botschaft, die wir, wie erwähnt, ganz intensiv bis Pfingsten feiern und sich dann im österlichen Geheimnis eines jeden Sonntags fortsetzt, denn jeder Sonntag ist ein kleines Osterfest. Suchen Sie bitte diese österliche Freude und bewahren Sie diese auch in Ihren Herzen.
GL 318 oder:
Herr, Jesus Christus,
du hast deine Jünger eingeführt in die Geheimnisse des Glaubens.
Herr, erbarme dich.
Du hast ihnen den Sinn der Heiligen Schriften erschlossen.
Christus, erbarme dich.
Du hast ihnen die Augen geöffnet für die Liebe und das Wirken Gottes.
Herr, erbarme dich.
Gott,
du Herr allen Lebens,
durch die Taufe schenkst du deiner Kirche
Jahr für Jahr neue Töchter und Söhne.
Gib, dass alle Christinnen und Christen
in ihrem Leben dem Sakrament der Taufe treu bleiben,
das sie im Glauben empfangen haben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Ostermontag
Gott, unser Vater,
du hast uns durch deinen Sohn erlöst
und als deine geliebten Kinder angenommen.
Sieh voll Güte auf alle, die an Christus glauben,
und schenke ihnen die wahre Freiheit
und das ewige Erbe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 5. Sonntag der Osterzeit
MB 23. Sonntag im Jahreskreis
Herr Jesus Christus,
die Not vieler Menschen brennt uns auf dem Herzen.
Wir möchten sie mit dir teilen und dich bitten:
Für alle, die am Zerbrechen gewohnter Formen kirchlichen Lebens leiden und sich um die Zukunft der Kirche Sorgen machen.
Lass sie spüren, dass du auch heute mit uns auf dem Weg bist.
Für alle, die nicht glauben können, dass du von den Toten auferstanden bist und lebst.
Lass sie dein Wirken in der Welt erfahren.
Für alle, die aus ihrer Heimat vertrieben worden sind
oder geflüchtet sind, um ihr Leben zu retten.
Lass sie Wegbegleiter in eine bessere Zukunft finden.
Für alle Heranwachsenden.
Lass sie glaubwürdige Zeugen der Frohen Botschaft von deinem Leben, deinem Tod und deiner Auferstehung begegnen.
Für unsere Verstorbenen.
Lass die Hoffnung, die sie auf dich gesetzt haben, in Erfüllung gehen.
Herr, wir vertrauen darauf, dass wir durch das Evangelium,
das uns deine Jünger verkündet haben, gerettet werden.
Durch dich danken wir dem Vater im Heiligen Geist. - Amen.
Gott,
du hast deinem Volk
durch das Bekenntnis des Glaubens
und durch den Empfang der Taufe neues Leben geschenkt.
Nimm die Gaben,
die wir dir nun bereitet haben, gnädig an
und lass uns in dir Seligkeit und ewiges Leben finden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Ostermontag
Kehrvers
Christus ist erstanden. Halleluja.
Er hat den Tod bezwungen. Halleluja. (GL 333)
Guter Gott und Vater,
wir kommen zu dir, um dir zu danken und dir unser Lob darzubringen.
Du bringst Leben hervor und gibst ihm Raum, sich zu entfalten,
und du sorgst für alles, was du geschaffen hast.
Kehrvers
Wie alle Geschöpfe sind auch wir dem Werden und Vergehen unterworfen.
Du lässt uns aber nicht allein, wenn unser Leben von Leiden überschattet ist.
In Jesus von Nazareth hast du unsere Ohnmacht
den Mächten des Todes gegenüber mitgetragen.
In seiner Auferstehung hast du uns neue Hoffnung
auf unvergängliches Leben gegeben.
Kehrvers
Auf dem Weg nach Emmaus hat er an der Not und Verzweiflung seiner Jünger Anteil genommen und in ihnen die Kraft geweckt,
ihre Resignation zu überwinden.
Sie haben entdeckt, dass er in neuer Weise in ihrer Mitte ist und dass er lebt.
Sein Geist hat auch in ihnen neues Leben entfacht
und sie zu Zeugen deiner Frohen Botschaft werden lassen.
Kehrvers
Dein heiliger Geist bewegt auch uns. Er führt uns zu neuer Lebendigkeit
und lässt uns mit Zuversicht an unsere Herausforderungen herangehen.
So loben und preisen wir dich mit der ganzen Schöpfung
und singen wir dir mit allen Engeln und Heiligen unseren Dank:
Danklied, z. B. Gelobt sei Gott im höchsten Thron (GL 328)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater, immer und überall zu danken,
diese Nacht (diesen Tag, diese Tage)
aber aufs höchste zu feiern,
da unser Osterlamm geopfert ist,
Jesus Christus.
Denn er ist das wahre Lamm,
das die Sünde der Welt hinwegnimmt.
Durch seinen Tod
hat er unseren Tod vernichtet
und durch seine Auferstehung
das Leben neu geschaffen.
Darum jubelt in dieser Nacht (heute)
der ganze Erdkreis in österlicher Freude,
darum preisen dich die himmlischen Mächte
und die Chöre der Engel
und singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Osterzeit 1
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn erstehen die Kinder des Lichtes
zum ewigen Leben,
durch ihn wird den Gläubigen
das Tor des himmlischen Reiches geöffnet.
Denn unser Tod ist durch seinen Tod überwunden,
in seiner Auferstehung ist das Leben für alle erstanden.
Durch ihn preisen wir dich (in österlicher Freude)
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Osterzeit 2
Wie die Emmaus-Jünger hat der Herr auch bei uns den Lobpreis gesprochen
und uns das Brot gebrauchen.
Bevor wir den Leib des Herrn empfangen,
beten wir voller Vertrauen das Gebet,
das er selber uns zu beten gelehrt hat:
Als er mit ihnen bei Tisch war,
gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn.
(vgl. Lk 24,31)
Oder:
Christus ist vom Tod erstanden; er stirbt nicht mehr.
Gebrochen ist die Macht des Todes. Halleluja.
(vgl. Röm 6,9)
Jesus ist wirklich auf erstanden
Tote Seelen werden lebendig
Stumme reden plötzlich
Hilflose werden zu Helfern
Blinde sehen neue Möglichkeiten
Unbewegliche kommen in Bewegung
Ängstliche stürzen sich in Vorhaben
Anonyme machen sich einen Namen
Passive packen kräftig an
Unsichtbare lassen sich sehen
Fernstehende kommen näher
Die mit den Ausreden nehmen die Einladung an
Die sonst nie kommen sind alle da
Alle spüren es
AUFERSTEHUNG
Allmächtiger Gott,
du hast uns durch die österlichen Geheimnisse
auf den Weg des Lebens geführt.
Lass deine Gnade in uns mächtig werden,
damit wir uns deiner Gaben würdig erweisen
und unseren Weg zu dir vollenden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Ostermontag
Allmächtiger Gott,
im heiligen Sakrament haben wir
den Leib und das Blut deines Sohnes empfangen.
Laß diese österliche Gabe in uns weiterwirken
und fruchtbar sein.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Sonntag der Osterzeit
Abba,
Vater,
Du gibst mir
Atem,
Leben,
hast mich
gewollt,
bist mir
zärtlich
wie eine Mutter,
bist mir Nahrung.
Ich atme
Dich ein,
bin geborgen
bei Dir,
im Ausatmen
überlasse
ich mich Dir,
gebe mich hin,
füge mich
in Deinen Willen,
bin ganz leer,
um erneut
wieder
Dich
einzuatmen.
Aus: Ilse Pauls, Späte Ernte. Gedichte. Rhönverlag Hünfeld 1996.
Nicht erst,
wenn alle Mißverständnisse
weggeräumt sind,
sondern
wenn ich alles
vergeben habe.
Wenn der schwere Stein
meiner Traurigkeit
vom Herzen weggeweint ist
und ich wieder
Hoffnung habe.
Wenn ich nicht mehr
flüchten will,
sondern mich
auf den Weg mache
zu meinen Brüdern und Schwestern.
Dann erst
werde ich IHM begegnen
in den Gesichtern
der geringsten meiner Brüder,
in Seinem Wort,
in Seinem Brot.
Dann erst werden mir
die Augen aufgehen,
und mein totes Herz
lebt wieder
und brennt für Dich
Ilse Pauls
Zu Paul Celans Gedicht „Zürich, Zum Storchen“
Den goldenen Schimmer der Auferstehung
lass uns hinüberretten in den Alltag.
Seinen Glanz bewahren,
seine Gegenwart erspähen
in manchen Bildern,
Offenbarungen,
Gesprächen …
Es gibt Worte,
die Glanz innehaben,
Blicke, die strahlen,
Begegnungen,
die Ewigkeit ahnen lassen …
Lass uns das Hellwort finden,
das uns trägt,
das mit uns geht.
Ilse Pauls

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Die Predigt des Petrus stellt noch einmal – sehr einfach und eindrücklich – Leben und Geschick Jesu vor, erinnert an "machtvolle Taten, Wunder und Zeichen" und bezeugt "Gottes beschlossenen Willen und Vorauswissen2 – ohne die Schuld zu verschweigen, die Menschen auf sich geladen haben.
Im Mittelpunkt der Predigt steht die Auslegung von Psalm 16,8-11, eingeleitet mit: "David nämlich sagt über ihn". Dieser Verweis begründet die Auferstehungsbotschaft in der alttestamentlichen Überlieferung – und erlaubt gleichzeitig einen Blick in die Predigtpraxis der frühen Kirche.
Gott hat einen Eid geschworen, dass ein Nachkomme Davids auf seinem Thron sitzt: Petrus sieht das in der Auferweckung Christi in Erfüllung gegangen. In der Predigt des Petrus, wie Lukas sie überliefert, heißt es am Schluss (unsere Lesung hört vorher auf): "So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat." (V. 36).
Die uns im Neuen Testament überlieferten Aussagen zur Auferstehung lassen sich vom Gesichtspunkt der Überlieferung her in zwei Gruppen einteilen.
Zum einen gibt es die Formeltraditionen, die auf eine frühe Bekenntnisbildung schließen lässt. Sie sind die frühesten Zeugnisse eines Auferstehungsglaubens. Dazu gehören die Aussagen in 1 Kor 15 (2. Lesung).
Auch in der 1. Lesung sind wohl ältere Formeltraditionen verarbeitet. Die in 1 Kor 15, 3b-5 zitierte Glaubensformel kann wegen ihres Alters und ihres Gewichts als das wichtigste Zeugnis des NT angesehen werden.
Zum anderen liegen uns die Ostererzählungen der Evangelien vor. Sie sind wesentlich jünger als die älteren Formeltraditionen. Zu diesen Erzählungen gehört auch die Emmausperikope. Hier kann man einen längeren Reflexionsprozess voraussetzen. Vermutlich sind aber auch hier ältere Traditionselemente verarbeitet. So taucht das Motiv, dass Jesus von den Jüngern beim Brotbrechen erkannt wird, auch bei Joh auf (Joh 21,12ff).
Formale Beobachtungen der Auferstehungszeugnisse lassen eine Zweigliederung erkennen. In den beiden Lesungen werden sie gegenübergestellt. Dabei wird in der Apg der Kontrast durch die Betonung des menschlichen Unheilshandelns gegenüber dem Heilshandeln Gottes unterstrichen. Schriftbeweise und Hinweise auf Zeugen sind weitere Strukturelemente, die immer wieder auftauchen.
Apg 2, 23f:
Ihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde,
habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht.
Gott aber hat ihn von den Wehen des Todes befreit und auferweckt.
1 Kor 15, 4ff:
Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift
und ist begraben worden.
Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift,
und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.
Die Auferstehung Jesu ist ein entscheidendes Spezifikum des Neuen Bundes. Daher werden am Ostermontag beide Lesungen aus dem Neuen Testament genommen.
Es ist die Pfingstrede und damit die Missionspredigt des Petrus an das Volk Israel, die heute bereits gelesen wird. Die Kernaussage ist die älteste Verkündigungsformel der Urgemeinde über den Tod und die Auferstehung Jesu: "Gott aber hat ihn auferweckt." (Vers 24)
Die ist durch die Zeugen verbürgt, die dem Auferstandenen begegnet sind. Petrus begnügt sich nicht damit, sondern führt ein Schriftzeugnis an. Er zitiert den Psalm 16, 8-11. Dieser Psalm wurde gebetet, wenn man sein Leben bedroht sah. Erst durch Christus, durch seinen Tod und seine Auferstehung, wird der Vollsinn dieses Psalmes deutlich, dass Gott den, der ihm treu ist, nicht der Verwesung preis gibt. Der Tod ist durch das Leben, durch die Auferstehung Jesu überwunden. Der an die Auferstehung glaubt, kann diesen Psalm beten als Ausdruck der Hoffnung.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz