Lesung aus der Apostelgeschichte:
In jenen Tagen
kehrten Paulus und Barnabas
nach Lystra, Ikonion und Antiochia zurück.
Sie stärkten die Seelen der Jünger
und ermahnten sie, treu am Glauben festzuhalten;
sie sagten:
Durch viele Drangsale
müssen wir in das Reich Gottes gelangen.
Sie setzten für sie in jeder Gemeinde Älteste ein
und empfahlen sie unter Gebet und Fasten dem Herrn,
an den sie nun glaubten.
Nachdem sie durch Pisidien gezogen waren,
kamen sie nach Pamphylien,
verkündeten in Perge das Wort
und gingen dann nach Attalia hinab.
Von dort segelten sie nach Antiochia,
wo man sie für das Werk, das sie nun vollbracht hatten,
der Gnade Gottes übereignet hatte.
Als sie dort angekommen waren,
riefen sie die Gemeinde zusammen
und berichteten alles, was Gott mit ihnen zusammen getan
und dass er den Heiden die Tür zum Glauben geöffnet hatte.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus:
Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht
und Gott ist in ihm verherrlicht.
Wenn Gott in ihm verherrlicht ist,
wird auch Gott ihn in sich verherrlichen
und er wird ihn bald verherrlichen.
Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch.
Ihr werdet mich suchen,
und was ich den Juden gesagt habe,
sage ich jetzt auch euch:
Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht gelangen.
Ein neues Gebot gebe ich euch:
Liebt einander!
Wie ich euch geliebt habe,
so sollt auch ihr einander lieben.
Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid:
wenn ihr einander liebt.
Der Verfasser der Offenbarung sieht einen neuen Himmel und eine neue Erde kommen und tröstet mit dieser Sichtweise seine Gemeinden in schwerer Zeit. Was Jesus gebracht und angestoßen hat, bringt Neues hervor. Menschen die lieben, wie er geliebt hat, erneuern die Erde...
Wir sind im Wonnemonat Mai. Ihm wird nachgesagt, er mache alles neu! Wir träumen vom Frühling, von Farbenpracht, von warmen langen Tagen. Ein alter Liebes-Film verspricht: im Prater blüh‘n wieder die Bäume. Und wer im Mai heiraten möchte, muss sein Fest sehr früh planen. Alles voll!
Was „neu“ wird, löst etwas Altes ab, markiert einen Wendepunkt, verträgt vielleicht sogar einen Superlativ. Super! Gelegentlich. Wenigstens. Ob der Mai das hinbekommt? Vielleicht braucht er einen Werbetexter? Eine Marketingstrategie? Was hat dieser Monat, was andere nicht haben?
Das Wort „neu“ taucht übrigens immer wieder neu auf, ziert Produkte und Plakate, ist beliebt, bunt und auffallend – nur: meistens nicht neu. Glaubt man gar Kohelet, dem alten Weisheitslehrer, gibt es nichts Neues unter der Sonne. Ist das pessimistisch? Verbittert? Nostalgisch? Kohelet hat in ein Wespennest gestochen. Ernüchtert schaut er hinter alles, was „neu“ daherkommt – oder ist es einfach befreiend? Jetzt ist das Schwirren groß. In endlosen Wiederholungsschleifen. Doch der Gedanke, dass „neu“ nur eine Schönheitsfarm für Altes ist, will mir nicht gefallen. Was darf alt bleiben? Was muss neu werden? Was ist das eigentlich: „neu“? Die Welt der Dinge und ihrer Vermarktung verschwindet hinter unseren Köpfen. Wir verlassen sie, lassen sie hinter uns zurück. Wir werden in einer anderen Liga spielen.
Wir sehen einen neuen Himmel, eine neue Erde! Jedenfalls, wenn wir uns die Augen von Johannes leihen! Er ist auf der Sträflingsinsel Patmos verbannt. Geht es nach dem Willen des Kaisers, wird er von hier nicht mehr wegkommen. Sein Vergehen? Wollen Sie es wirklich wissen? Er ist Christ! Was daran so verwerflich ist? Der Kaiser sieht sich als Gott, beansprucht Verehrung über alle Maßen und gibt das letzte Wort nicht ab. Johannes erzählt Bände davon – und tröstet die kleinen verunsicherten und ängstlichen Gemeinden in Kleinasien. Ihre Lage ist bedrohlich. Nein, trösten ist doch viel zu wenig: Johannes weckt und stärkt ihren Widerstandsgeist. Gegen Rohheit, Gewalt und Machtmissbrauch, gegen Einschüchterung, Propaganda und Beschönigung. Die alte Welt sieht Johannes untergehen. Sie kann nicht bestehen. Es ist ein Sonntag, der erste Tag der Woche, der Tag, an dem Jesus von den Toten auferstand. Er ist der Herr! Der Kaiser nur ein Mensch. Johannes aber beschreibt, was er sieht. Heute. Den neuen Himmel, die neue Erde. Die Stadt Gottes kommt zu den Menschen. Ich sehe, wie Johannes mit seinen Augen verfolgt, wie eine neue Welt, eine neue Zeit sich unaufhaltsam nähert. Auf uns zukommt. Mit einer Gewissheit, die von keiner menschlichen Macht in Frage gestellt oder in Zweifel gezogen werden kann.
Johannes schreibt:
"Seht die Wohnung Gottes unter den Menschen!
Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein.
Und er, Gott, wird bei ihnen sein."
Was ist jetzt neu? An Himmel und Erde? Was wie ein Traum beginnt, sich zu einer Vision auswächst, ist in Wirklichkeit das Wohnen Gottes unter uns. Das ist ein uraltes Bild, das Bild von der Heimat Gottes inmitten seines Volkes, der Menschen, die er liebt. Fromme Juden sprechen von der Schechina Gottes, wahren aber sein Geheimnis, seine Verborgenheit, seine Heiligkeit. Der Ewige wohnt mit seinem Namen unter uns.
In allen Gefährdungen, Verletzungen und Verleumdungen sind wir nicht alleine, auch nicht alleingelassen: Er ist in unserer Mitte. Angefochten, verklagt und bedroht. Aber er hält für uns stand. Er hält mit uns stand. Ist das der neue Himmel? Die neue Erde?
Es ist ein Sonntag, der erste Tag der Woche. Christen feiern die Auferstehung Jesu. Johannes auf seiner Insel, die kleinen Gemeinden in Kleinasien, Indios in ihren Reservaten, KZ-Häftlinge im Lager – und wir feiern mit ihnen. Was bei uns oft so gewöhnlich, vertraut, selbstverständlich geworden ist, ist aber trotzig, widerspenstig und mutig - Zeugnis eines so großen Vertrauens, dass Tod und Teufel das Fürchten lernen. Herr ist Jesus. Das ist auch das älteste Bekenntnis, das unter uns lebt. Sein Name.
Die sog. Geheime Offenbarung mag uns ein Buch mit den sieben Siegeln sein, fremdartig, geheimnisvoll, sperrig. Dabei ist es eines der schönsten Bücher, die uns im Neuen Testament begegnen. Trost und Widerstand in einem. So ziemlich alle Bedrohungen und Ängste, die wir kennen, sind in diesem Buch aufbewahrt, benannt und entzaubert.
Heute entdecken wir in unserem Gottesdienst, dass der neue Himmel, die neue Erde, im Evangelium mit der Liebe bezeichnet und gefüllt wird. Es ist Johannes, der Evangelist, der diese Geschichte noch einmal aus einer anderen Perspektive zu erzählen hat. In wenigen Worten deutet sich eine Katastrophe an. Judas wird Jesus verraten – und verlässt das Haus. Er wird es nicht mehr betreten. Als er gegangen ist, spricht Jesus aber von seiner Herrlichkeit. Das überrascht. Herrlichkeit? In der Situation? Weiß Jesus nicht… Ahnt Jesus nicht? Aber was ist herrlich? Hören wir Jesus:
"Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander!
Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.
Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: Wenn ihr einander liebt."
Wie ich euch geliebt habe, sagt Jesus – und das wird zum Maßstab, zur Richtschnur und zum Vermächtnis. Und wie hat Jesus uns geliebt? Der Evangelist breitet das vor uns, mit immer neuen Anläufen, immer neuen Ausblicken. Jesus hat aus Liebe sein Leben gegeben, aus Liebe den Tod überwunden, uns aus Liebe angenommen. Wenn wir einen neuen Himmel, eine neue Erde sehen können, dann nur, weil wir geliebt sind. Davon können wir nicht genug hören, nicht genug reden. Um daran Maß zu nehmen!
Gewagt und übermütig ist das schon. Es ist schwer, Menschen zu lieben, die anders sind, anders aufgewachsen, anders sozialisiert, anders geprägt - die eine andere Sprache sprechen, eine andere Religion haben, eine andere Geschichte erzählen. Jesus lässt uns in seiner Liebe Liebe entdecken, die mehr ist als Toleranz. Liebe sucht den anderen Menschen, während Toleranz ihn nur erträgt, Liebe gewinnt den anderen Menschen, während Toleranz ihn verliert. Ich merke eine Schere im Kopf, eine Schere im Herzen. Kann ich das? Darf ich das?
Jesus spricht von einem neuen Gebot. Kann es ein neues Gebot richten? Große Fragen tun sich auf. Ist das Liebesgebot nicht uralt? Nicht von Anfang an gegeben? Was kann daran neu sein? Neu werden? Oder ist es nur neu zu sagen, neu zu beleben, neu zu üben?
Liebe dürfte das meist gebrauchte Wort sein. Gleichzeitig aber auch das meist verbrauchte. Das schönste, aber auch das gefährlichste. Jesus gibt uns ein neues Gebot, das mit seinem Leben so eng verknüpft ist, dass die Liebe immer neu wird. Sie verwandelt auch die schlechten Erfahrungen, die Minderwertigkeitskomplexe und den alltäglichen Größenwahn, der Spuren von Verbitterung und Einschüchterung hinterlässt (und hinterlassen will).
Liebe muss um ihrer selbst willen immer wieder jung, immer wieder neu werden. Das neue Gebot, das Jesus gibt, lässt unter uns den neuen Himmel, die neue Erde sichtbar werden. Mit den Augen des Johannes, mit den Augen der Liebe: wir sehen die Stadt Gottes. Und alles wird neu!
Was „neu“ wird, löst etwas Altes ab, markiert einen Wendepunkt, verträgt vielleicht sogar einen Superlativ. Kleine Brötchen backt die Liebe nicht. Sie baut eine Stadt!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Unser Umgang mit Menschen ist gleitet vom ersten Eindruck, die leicht zu einem Vorurteil werden. Jesus begegnet Menschen offen und unvoreingenommen. Ihm darin zu folgen, fordert er auch von uns.
Der Schriftsteller Max Frisch, so wird berichtet, soll gesagt haben: Wer sich ein Bild vom anderen macht, hört auf, ihn zu lieben.
Nun kommen wir in der Praxis wohl nicht darum hin, Menschen vorerst einzuschätzen, um mit ihnen umgehen zu können. Wem stehe ich gegenüber? Was prägt diesen Menschen? Ist es leicht, mit ihm umzugehen oder ist er eher ein schwieriger, komplizierter Typ? Dieses erste, grobe Einschätzen als Hilfsmittel für den Umgang mit Menschen wird Max Frisch wohl kaum im Blick gehabt haben. Ihm geht es vermutlich mehr um das Festhalten eines Bildes, das wir nicht mehr bereit sind zu verändern – auch dann nicht, wenn der andere sich im Laufe der Zeit ändert.
Im Evangelium haben wir gehört, dass Jesus seinen Jüngern sagt: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe. So sollt auch ihr einander lieben.
Worin zeichnet sich eigentlich die Liebe Jesu aus? Im Blick auf Max Frisch können wir bei Jesus beobachten: Er macht sich nicht erst ein Bild von den Männern, die er in die Schar seiner Jünger beruft, ob sie auch treu, zuverlässig, intelligent genug sind. Jesus beruft, ohne nach dem Charakter des jeweiligen Menschen zu fragen. Er schickt niemanden weg, der sich ihm nicht unterordnet und nicht nach seinem Vorbild lebt. Selbst von einem Judas, der im Evangelium erwähnt wird, trennt er sich nicht. Jesus begegnet den Menschen wie sie sind: Frommen und Sündern, geldgierigen Zöllnern und Dirnen, begüterten Pharisäern und armen Witwen. Mit seiner Liebe, Güte und seinem Wohlwollen wirbt er um Umkehr und bewirkt bei vielen Besinnung. Nicht wenige ließen sich durch seine Liebe bewegen, ihr Leben zu ändern. Diese Art der Liebe, so möchte Jesus, sollen auch wir uns aneignen.
Wohin es führen kann, wenn man sich ein starres, unverrückbar festes Bild von jemanden gemacht hat, kann man an den Aposteln und Jüngern beobachten. Sie hatten ein unveränderliches Bild und unverrückbare Vorstellungen vom Messias, den die Juden erwarteten. So waren sie überzeugt: Der Messias werde Israel zu einer allen anderen Ländern überlegenen Großmacht führen. Solange Jesus in seinem Auftreten und in seinem Wunderwirken ihrem Bild entsprach, glaubten sie an seine Messianität. Als er dann aber bereit war, den Weg des Leidens anzutreten, um der Liebe treu zu bleiben, verschwand ihr Glaube an ihn. Es bedurfte enormer Kraft des Hl. Geistes, um ihre festgefahrenen Messiasvorstellungen aufzugeben. Sie begriffen: Nicht im Aufbau eines mächtigen, jüdischen Reiches besteht die Aufgabe des Messias, sondern in der Hinführung der Menschen auf den Weg der Liebe, wie Jesus sie gelebt hatte.
Zu dieser Liebe werden wir heute neu von Jesus aufgerufen. Sie beschränkt sich nicht auf ein freundschaftliches Verhalten, auf ein Wohlwollen denen gegenüber, die wir mögen, auf ein gutes-Tun gegenüber denen, die uns mit ihrer Hilfe beistanden. Jesus will, dass wir lieben wie er geliebt hat. Das heißt: Menschen, so wie sie sind, mit Wohlwollen, Güte, Aufmerksamkeit begegnen. Dies heißt jedoch nicht, das Negative an ihnen gutheißen. Das hat Jesus auch nicht getan. Nur in der Art, wie er mahnte und Fehlverhalten ansprach, lag keine Verurteilung des betreffenden Menschen, sondern ein ringen mit ihm, um Veränderung und Besserung.
Jesus gelang es nicht jedes Mal auf Anhieb, Menschen zur Veränderung ihres Verhaltens zu bewegen und schon gar nicht, alle in seinem Umfeld überzeugend anzusprechen. So wird es auch uns ergehen. Nur dadurch sollen wir uns nicht dazu verleiten lassen, innerlich von diesen Menschen Abstand zu nehmen und sie zu meiden. Jesus ruft uns auf, für alle in der Liebe offen zu bleiben. Denn das bietet die Chance, dass wir zur Besinnung und zum Nachdenken anregen, wie Jesus es getan hatte. Einander geduldig, mit Langmut und offen in Liebe begegnen ist die erfolgreichste, wenn auch sehr mühevolle Form, einander zum Guten zu bewegen. Lassen wir uns von Jesus ansprechen und treten wir in seine Fußstapfen.
Die hohen Erwartungen an das Ergebnis der Bischofssynoden zu Fragen des Familienlebens haben gezeigt, wie notwendig wir Leitlinien brauchen, mit denen wir strittige Fragen der Lebensgestaltung im Geiste Jesu lösen können. Das "neue Gebot Jesu", einander zu lieben wie er uns geliebt hat, weist uns den Weg. Es ist eine einfache und allen verständliche Regel. Diese verlangt von uns, dass wir uns das Vorbild Jesu immer neu vergegenwärtigen.
Am 8. April 2016 wurde das mit Spannung erwartete Rundschreiben "Amoris Laetitia" des Papstes Franziskus veröffentlicht. Die Reaktionen waren erwartungsgemäß unterschiedlich. Die einen vermissten klare Regelungen für die Lösung umstrittener Fragen wie die der Zulassung zu den Sakramenten für wiederverheiratete Geschiedene, mit vorehelichen Beziehungen, den Umgang mit homosexuell Liebenden und manches andere mehr. Andere begrüßten, dass vieles stärker als in bisherigen Verlautbarungen der Gewissensentscheidung jedes einzelnen und der seelsorgerlichen Begleitung der Priester überantwortet wird. Gelobt wurde von vielen der neue Ton, dessen das Rundschreiben sich bedient, wenngleich einige den "Pastoralismus" beklagten und klare theologische Weichenstellungen vermissten.
Die beiden vorangegangenen Bischofssynoden zeigten, dass hinter den Fragen ehelicher Beziehungen und des Umgangs mit Sexualität je nach Kulturkreis und geschichtlicher Epoche unterschiedliche Vorstellungen von Liebe und Beziehung stehen, die sich nicht ohne Biegen und Brechen in einheitliche Vorgaben bringen lassen. Dennoch versucht Papst Franziskus einen Weg zu weisen, der der Botschaft Jesu entspricht.
Im Evangelium dieses Sonntags wurde uns das Vermächtnis Jesu aus dem Abschiedsreden vorgetragen. Er fasst es in einem neuen Gebot zusammen: "Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, sollt auch ihr einander lieben." Dieses neue Gebot ist Angelpunkt des ganzen Christseins. In ihm sind alle Gebote zusammengefasst, alle Vorschriften und Normen müssen mit diesem einen Gebot übereinstimmen.
Aber wie kann man Liebe klar regeln? Der Begriff Liebe ist sehr dehnbar, und jeder hat seine eigene Vorstellung davon. Deshalb dürfen wir den ganz persönlichen Zusatz Jesu nicht überlesen: "Wie ich euch geliebt habe, sollt auch ihr einander lieben." Ohne diesen Zusatz laufen wir Gefahr, dass Jesu Liebesgebot der Beliebigkeit jedes einzelnen überlassen bleibt oder dass wir einem vom jeweiligen Zeitgeist geprägten Liebesideal anhangen.
Die Idealisierungen der ehelichen Liebe haben uns in eine Situation geführt, dass Menschen, die aus welchen Gründen auch immer an diesem hohen Ideal gescheitert sind, sich von der Gemeinschaft der Kirche lieblos behandelt und ausgeschlossen gefühlt haben. Mit Recht haben sie darauf hingewiesen, dass Jesus mit den am Eheideal seiner Zeit Gescheiterten anders umgegangen ist als die meisten seiner Zeitgenossen. Er hat seine Arme gerade für die Gescheiterten geöffnet - gegen den Widerstand der Frommen und Gesetzestreuen. Allerdings hat er nicht gesagt oder gezeigt, wie wir diese Probleme für alle Zeiten lösen können. Das "liebt einander, wie ich euch geliebt habe", muss offenbar zu jeder Zeit neu eingelöst werden.
Über die Lösung von Beziehungsfragen hinaus kann diese einfache Weisung Jesu aber auch als Basis für Herausforderungen dienen, die damals noch niemand absehen konnte; etwa für den Umgang mit Fragen der Familienplanung oder mit Personen, deren Liebesfähigkeit auf Menschen gleichen Geschlechtes ausgerichtet ist.
Das Gebot Jesu ist aber auch Richtschnur für den Umgang mit Fremden, mit in Not Geratene, Flüchtlinge, für den Umgang mit Besitz, mit den Umweltressourcen und mit Fragen der sozialen Gerechtigkeit.
All diese Aufgaben lassen sich nicht ein für alle Mal lösen und in allzeit gültige Vorschriften gießen. Sie müssen immer wieder neu diskutiert und verhandelt werden. Damit wir aber den vorgegebenen Maßstab nicht aus den Augen verlieren, ist es notwendig, dass wir diesen Jesus gut kennen, dass wir uns immer neu damit vertraut machen, wie er die Menschen geliebt hat, und dass wir die Erinnerung an ihn lebendig halten.
Wir Christen feiern sein Gedächtnis, indem wir uns immer wieder die Erzählungen über ihn, die uns in den heiligen Schriften überliefert sind, und wie die Menschen ihn die Menschen in der Umgebung Jesu verstanden haben, vor Augen halten. Dazu gehören sein Leben, sein Tod, den er als Hingabe für die Seinen verstanden hat, seine Auferstehung und die Geistsendung.
In der Lesung aus der Apostelgeschichte haben wir von der Rückkehr des Apostels Paulus und Barnabas von ihrer ersten Missionsreise, die sie durch Kleinasien geführt hat, gehört. Ihr Erfolg bei den Nicht-Juden hat die junge Kirche in eine ganz neue Situation gebracht. Es wurde ein erstes Konzil notwendig, auf dem man beraten hat, wie man mit diesem neuen Typ von Christen auf Dauer umgehen soll.
Das neue Gebot Jesu – so einfach es ist – hat die Kraft in sich, dass es ausreichend Richtschnur sein kann in unseren gegenwärtigen gesellschaftlichen Umbrüchen, die sich nicht zuletzt in neuen Formen des Zusammenlebens und des Familienverständnisses zeigen. Es führt uns immer wieder zur Person Jesu zurück und hindert uns daran, dass sich Normen und Vorschriften verselbständigen.
Jesus gibt seinen Jüngern eine letzte Weisung mit auf den Weg für die Zeit, wenn er nicht mehr in leiblicher Gegenwart mit ihnen geht. Sie sollen einander lieben, wie er sie geliebt hat. Bei Lukas finden wir Faustregeln der Liebe und Barmherzigkeit: Richtet nicht! Verurteilt nicht! Demütigt nicht!
Das "neue Gebot", das Jesus den Jüngern gab, geht über das "alte Gebot" der Gottes- und Nächstenliebe hinaus. Jesus setzt einen neuen Maßstab der Liebe. Diese Liebe wird in der Gemeinschaft gelernt und geübt.
Heute wird uns ein weiter Blick geschenkt: wir sehen einen neuen Himmel, eine neue Erde.
Eine Stadt kommt aus dem Himmel zu uns. Und Gott wohnt unter uns.
Aber wir nehmen einen dunklen Himmel wahr und eine bedrohte Erde, die Sehnsucht nach neuen Anfängen und die Sorge, Altes aufgeben zu müssen.
Im Evangelium hören wir Jesus: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.
Ihn bitten wir um seine Barmherzigkeit mit uns:
Wir alle, die wir hier versammelt sind, möchten liebevolle Menschen sein. Da uns im Evangelium Jesus auffordert „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe!“, bleibt die Frage nach der Art, die Jesu Liebe auszeichnete. Wo liegt der Unterschied zu der von uns oft praktizierten Liebe?
Wenden wir uns zunächst Christus innerlich zu und bitten wir ihn:
Herr,
für uns gehören Neuheiten und Neuigkeiten zum alltäglichen Leben.
Wir brauchen neue Ideen, neue Sachen zum Anziehen und neue Ziele.
Doch unsere Hoffnungen altern.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du wurdest von Judas verraten, aber du hast ihn nicht fallengelassen.
Den Himmel hast du verlassen, um den Tod zu überwinden.
Deine Liebe macht alles neu.
Christus, erbarme dich.
Herr,
von vielen alten Dingen, Vorstellungen und Träumen können wir uns nicht trennen,
sehnen uns aber danach, Neuland zu erobern und Zukunft zu haben.
Dabei machen wir es einander schwer.
Herr, erbarme dich.
Der Herr ist gnädig und barmherzig,
langmütig und reich an Gnade.
Der Herr ist gütig zu allen,
sein Erbarmen waltet über all seinen Werken.
(Ps 145,8f)
Herr Jesus Christus,
Liebe zu uns Menschen führte dich auf unsere Erde.
Herr, erbarme dich.
In Vollendung hast du die Liebe gelebt.
Christus, erbarme dich.
Die Form deiner Liebe sollen auch wir anstreben.
Herr, erbarme dich.
Gott, unser Vater,
du hast uns durch deinen Sohn erlöst
und als deine geliebten Kinder angenommen.
Sieh voll Güte auf alle, die an Christus glauben,
und schenke ihnen die wahre Freiheit
und das ewige Erbe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 5. Sonntag der Osterzeit
MB 23. Sonntag im Jahreskreis
Du, Gott, machst alles neu.
Du schenkst Aufbrüche, Neuland und Wege ins Freie.
Schenke uns die Weisheit,
zwischen alt und neu zu unterscheiden,
deinem Wort zu trauen
und, wenn wir zerrissen sind,
in deiner Liebe Frieden zu finden.
Du zeigst uns den neuen Himmel, die neue Erde.
Und willst doch unter uns wohnen.
Dir vertrauen wir unsere Ängste, Zweifel und Sorgen an
In Christus, unserem Herrn.
In der Offenbarung sehen wir einen neuen Himmel und eine neue Erde.
Gott wohnt unter uns.
Im Evangelium empfangen wir von Jesus das neue Gebot der Liebe.
Darum nehmen wir die Welt, die Menschen, die ganze Schöpfung ins Gebet
und beten für einander:
Herr,
an vielen Stellen der Welt sehen wir verbrauchte Hoffnungen und altgewordene Träume.
Europa ist in einer Krise.
Wir bitten dich für die Europawahl, für die Kandidaten, für die Medien.
Bewahre uns Menschlichkeit und Wahrheit.
Wir rufen zu dir: Hilf uns, dein Volk zu sein
Herr, viele Menschen sind im Bann der Dinge und brauchen immer neue Anreize.
Die Werbung spielt mit Träumen und Bedürfnissen.
Wir bitten dich für Hersteller, Marketingfachleute und Käufer, Käuferinnen.
Bewahre uns davor, alles haben zu müssen.
Herr, alte Traditionen und Vorstellungen gewähren Sicherheit.
Viele Menschen igeln sich auch in der Kirche ein in dem Glauben,
alles müsse am Alten gemessen werden.
Wir bitten dich für alle, die in der Kirche Verantwortung für Entwicklungen und Denkprozesse haben.
Bewahre uns davor, keine neuen Hoffnungen mehr zu teilen.
Herr, Menschen werden um ihres Glaubens wegen attackiert, verfolgt und geächtet.
Religions- und Meinungsfreiheit ist an vielen Stellen der Welt verloren.
Wir bitten dich für alle, die menschlichen Schicksalen nachgehen,
die Dinge beim Namen nennen und für Wahrheit und Recht eintreten.
Bewahre uns davor, Potentaten und Despoten in Ruhe zu lassen.
Schenke uns, Herr, die Liebe, die uns einen neuen Himmel und eine neue Erde aufschließt.
Du hast den Tod überwunden. Du bist verherrlicht.
Du wohnst unter uns.
Lass uns in deiner Nähe das Leben neu entdecken,
die Liebe, die alles neu macht. – Amen.
Herr Jesus Christus,
du hast uns aufgerufen, deine Liebe nachzuahmen.
Wir bitten dich:
Mehre in uns die Liebe zu dir, damit wir deinem Aufruf gern und freudig folgen.
Christus, höre uns…
Hilf uns, unser Wohlwollen niemanden gegenüber einzuschränken.
Lass uns zusammen mit dir in besonderer Weise Helfer werden für Menschen in Not, Leid, Krankheit und bei Schicksalsschlägen.
Fülle unsere Herzen mit Gedanken zur Versöhnung, um gegenseitiger Zuwendung und Liebe neu einen Weg zu bahnen.
Für alle Menschen wollen wir dich um deinen Segen bitten.
Herr Jesus Christus,
in dir haben wir einen guten Helfer und Fürsprecher.
Dafür danken wir dir und dem Vater, der dich zu uns sandte, und dem Hl. Geist, der uns Kraft verleiht. - Amen.
Dir Gott, der du die Liebe bist, vertrauen wir unsere Bitten an:
Du hast deine Botschaft der Liebe an alle Menschen gerichtet.
Hilf deiner Kirche, so zu leben und zu wirken, dass diese Botschaft auch erkannt werden kann.
Europa basiert auf christlichen Werten.
Hilf seinen Bürgern, durch ihre Teilnahme an der kommenden EU-Wahl zum Schutz einer europäischen Gesellschaftsordnung beizutragen.
Neben den Eltern investieren viele Erwachsene viel Zeit und Engagement in unsere Jugend.
Hilf ihnen, im Vertrauen auf dich und ihre Fähigkeiten ihrem Wert für unsere Gesellschaft gerecht zu werden.
Oft meinen wir, an den Ansprüchen, die das Leben an uns stellt, verzweifeln zu müssen.
Hilf uns, in der Gewissheit zu leben, dass du uns immer schon im Voraus mit deiner Liebe beschenkst.
Du hast Jesus nicht im Grab gelassen.
Hilf auch unseren Verstorbenen, in dein Reich der Liebe und des ewigen Friedens zu gelangen.
Guter Gott!
In und mit Jesus Christus hast du zu unserem Heil gehandelt.
Dafür loben und preisen wir dich jetzt und allezeit. - Amen.
Erhabener Gott,
durch die Feier des heiligen Opfers
gewährst du uns Anteil an deiner göttlichen Natur.
Gib, dass wir dich nicht nur als den einen wahren Gott erkennen,
sondern unser ganzes Leben nach dir ausrichten.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 5. Sonntag der Osterzeit
Wir bringen dir, Herr, mit Brot und Wein
unsere Sehnsucht nach Leben,
altgewordene Träume
und müde Zweifel.
An uns und deiner Welt.
Du schenkst uns, Herr, mit Brot und Wein
deine Liebe,
neue Hoffnungen
und einen jugendlichen Glauben.
Wir danken dir für einen neuen Himmel,
eine neue Erde.
Sprich du das Wort,
das uns Brot und Wein verwandelt.
Komm, unser Herr!
Kehrvers:
Danket dem Herrn, denn er ist gütig,
denn seine Huld währt ewig.
(GL 558,1)
Großer und unendlicher Gott,
wir treten vor dich, um dir zu danken.
Du bist die Liebe und aus Liebe hast du alles erschaffen.
Kehrvers
Aus Liebe hast du dein Volk nie im Stich gelassen.
Du hast dich seiner genommen,
als es von feindlichen Völkern bedrängt wurde,
und ihm Lebensraum gegeben.
Du hast deinem Volk die Treue gehalten,
auch als es von dir abfiel und fremden Göttern diente.
Kehrvers
In Jesus hast du uns das Übermaß deiner Liebe sehen lassen.
In inniger Liebe war er mit dir eins.
Voll Liebe hat er sich den Armen und Schwachen zugewandt
und sie in die Gemeinschaft des Gottesvolkes zurückgeholt.
Kehrvers
Er hat uns ein Beispiel der Liebe gegeben,
wie es nicht größer sein könnte.
Für seine Freunde hat er sein Leben hingegeben
und uns aufgefordert, dass auch wir so einander lieben.
Kehrvers
Durch deine heilige Kirche setzt du das Werk deiner Liebe fort.
Unüberschaubar ist die Zahl derer, die dem Beispiel Jesu folgen.
Mit ihnen allen preisen wir deine Größe und singen:
Danklied, z. B.: Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen (GL 400)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater,
in diesen Tagen freudig zu danken,
da unser Osterlamm geopfert ist,
Jesus Christus.
Das Alte ist vergangen,
die gefallene Welt erlöst,
das Leben in Christus erneuert.
Darum preisen wir dich in österlicher Freude und
singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Osterzeit 4
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken und
dich mit der ganzen Schöpfung zu loben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Am Kreuz erhöht,
hat er sich für uns dahingegeben
aus unendlicher Liebe
und alle an sich gezogen.
Aus seiner geöffneten Seite strömen Blut und Wasser,
aus seinem durchbohrten Herzen
entspringen die Sakramente der Kirche.
Das Herz des Erlösers steht offen für alle,
damit sie freudig schöpfen aus den Quellen des Heiles.
Durch ihn rühmen dich deine Erlösten und
singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
MB Herz Jesu
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
Christus spricht:
Liebt einander!
Wie ich euch geliebt habe,
so sollt auch ihr einander lieben.
(Joh 13,34)
Oder:
Er wird in ihrer Mitte wohnen,
und sie werden sein Volk sein,
und er, Gott, wird bei ihnen sein.
(Offb 21,3b)
Oder:
Christus spricht:
Daran werden alle erkennen,
dass ihr meine Jünger seid:
wenn ihr einander liebt.
(Joh 13,35)
Gott spricht
Seht ich mache alles neu
das Alte ist überwunden
Tränen, Mühsal und Tod
werden nicht siegen
Siegen wird die Liebe
Man wird erkennen
ob wir Gotteskinder sind
wenn wir einander liebevoll begegnen
wenn wir lernen zu verzeihen
wenn wir Leidenden beistehen
wenn wir Trauernde trösten
wenn wir Gottes Liebe wirken lassen
Dann wird die Liebe siegen
dann wird die Verheißung wahr
Seht ich mache alles neu
Barmherziger Gott, höre unser Gebet.
Du hast uns im Sakrament das Brot des Himmels gegeben,
damit wir an Leib und Seele gesunden.
Gib, daß wir die Gewohnheiten des alten Menschen ablegen
und als neue Menschen leben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 5. Sonntag der Osterzeit
Herr, unser Gott,
in deinem Wort und Sakrament gibst du uns Nahrung und Leben.
Laß uns durch diese großen Gaben in der Liebe wachsen
und zur ewigen Gemeinschaft mit deinem Sohn gelangen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Du, Gott, wirst nicht alt.
Unverbraucht ist dein Wort,
die Weite deines Herzens,
die Freiheit deiner Kinder.
Wir bitten dich für die neue Woche.
Auf vieles freuen wir uns schon.
Auf Menschen, mit denen wir gerne zu tun haben,
auf Gespräche, die wir fortsetzen können,
auf Arbeit, die uns ausfüllt.
Vor manchem graut uns.
Streit, der nicht sein muss,
Eitelkeit, mit der wir nicht umgehen können,
Worte, die wieder nur verletzen.
Begleite uns in die neue Woche
mit deiner Liebe,
die allen Dingen und Erfahrungen
einen neuen Glanz schenkt.
Dann sehen wir den neuen Himmel,
die neue Erde
in Christus, unserem Herrn. – Amen.
Die Verheißung des Neuen, das weiß man auch aus der Entstehung der Offenbarung des Johannes, gewinnt ihre Farbe sehr oft aus der Kontrasterfahrung, aus der Sehnsucht nach dem, was in aller Vergänglichkeit Bestand behält. Sie gewinnt Anhalt daran, dass auch in unserer eigenen Erfahrung Zerstörung und Gewalt nicht das letzte Wort behalten.
Mir ist das hier in Würzburg auf eigentümliche Weise deutlich geworden. Im Sommer führte mich ein Besuch in diese Stadt. Mit meiner Frau streifte ich durch das Museum oben auf der Festung. Plötzlich blieb ich wie angewurzelt vor einem Bild stehen. Vom Steinberg nach Süden hatte der Maler Fried Hegner am 16. März 1945 das brennende Würzburg gemalt. Unter dem Bild liegt zerschmolzenes Silberbesteckt – als Symbol dafür, welche Zerstörungsgewalt da wütete. Und wenn man sich umwendet, steht man vor dem Modell der Stadt Würzburg im Jahr 1945, eine vollkommen zerstörte Stadt, ein Bild unvorstellbaren Grauens.
Dann schaut man auf die Wirklichkeit und wundert sich, dass wieder erstehen konnte, was da in Schutt und Asche gelegt worden war. Es gelang, an die dreizehnhundertjährige Geschichte der Stadt anzuknüpfen, ihre traditionsreichen Gebäude wieder erstehen zu lassen und dem Leben eine neue Chance zu geben.
Und doch bleibt der Unterschied zwischen dem, was wir Menschen neu machen können, und der endgültigen Verheißung, dass alles neu wird. Es bleibt der Unterschied zwischen dem, was wir tun – in den endlichen Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen, und dem, was Gott tut. Ich glaube, gerade heute ist nichts nötiger als die Fähigkeit, das wieder zu unterscheiden. Das können wir aber nur, wenn die Sehnsucht eine Sprache behält, die über alles Menschenmögliche hinaus denkt und hinaus hofft.
In unnachahmlicher Weise hat dieses Fragen und Sehnen Johann Gottfried Hermann aufgenommen in einem Lied:
(1) Geht hin, ihr gläubigen Gedanken,
ins weite Feld der Ewigkeit,
erhebt euch über alle Schranken
der alten und der neuen Zeit;
erwägt, daß Gott die Liebe sei,
die ewig alt und ewig neu!
(10) Die Hoffnung schauet in die Ferne
durch alle Schatten dieser Zeit;
der Glaube schwingt sich durch die Sterne
und sieht ins Reich der Ewigkeit;
da zeigt mir deine milde Hand
mein Erbteil und gelobtes Land.
Da ist mehr im Spiel als der Gedanke, dass das Spätere eine qualitative Steigerung der Gegenwart enthält. Da ist auch mehr im Spiel als nur ein „auferstanden aus Ruinen“. Nirgendwo in der Bibel ist davon die Rede, dass Gott den ständigen Fortschritt vom Schlechteren zum Besseren garantiert. Gott ist nicht ein Gott des Fortschritts, sondern des Neuen.
Und dieses Neue trägt nichts Altes in sich. Das Neue entsteht nicht dadurch, dass die Teile des Alten wie ein Puzzle neu kombiniert werden. Das Neue, auf das Christen warten und nach dem sie sich sehnen, ist deshalb nicht von Menschen zu schaffen. Nicht durch menschlichen Willen, durch menschliche Kunst oder durch menschliche Arbeit. Das Neue, von dem Johannes spricht, kommt von selbst, kommt aus dem Ewigen und ist deshalb neu. Es lässt sich nicht erzwingen. Für dieses Neue können Menschen nur bereit sein. Diese Bereitschaft beinhaltet das Wissen darüber, dass das Alte vergehen muss, und innerlich zerbricht, wer mit aller Macht versucht, an dem Alten festzuhalten und es vermeintlich zu retten.
Wenn Johannes schreibt: Siehe, ich mache alles neu, dann verweist dieses Ich auf die Quelle des Neuen hin: auf Gott, der in Jesus Christus das Neue hat sichtbar werden lassen. Gott selbst ist es, der das Neue in uns und unter uns werden lässt. Die Sehnsucht nach dem Neuen ist ein Abglanz der Sehnsucht nach der Gegenwart Gottes.
Der Traum Gottes muss nicht auf die Ewigkeit warten. Ich denke da auch an die vielen Menschen in Cottbus, die sich um Flüchtlinge kümmern, ihnen helfen Deutsch zu lernen, sie bei Behördengängen begleiten, ihnen praktische Tipps für den Alltag geben, mit ihnen hoffen, dass Asylverfahren einen positiven Ausgang nehmen.
Der Traum Gottes muss nicht auf die Ewigkeit warten, wenn Menschen auf ihre berufliche Karriere oder auf eine eigene Familie verzichten, um Angehörige oder Freunde zu pflegen und ihnen trotz Krankheit oder Behinderung ein Leben in Gemeinschaft und Würde zu ermöglichen.
Ich sehe in diesen und ähnlichen Erfahrungen Beispiele dafür, wie die warme und menschliche Wirklichkeit des Traumes Gottes auf die kalte und unmenschliche Wirklichkeit dieser Welt trifft und sie überwindet.
Herzlich tut mich erfreuen
die liebe Sommerzeit,
wenn Gott wird schön erneuen
alles zur Ewigkeit.
Den Himmel und die Erde
wird Gott neu schaffen gar,
all Kreatur soll werden
ganz herrlich, schön und klar.
Kein Zung kann je erreichen
die ewig Schönheit groß;
man kann's mit nichts vergleichen,
die Wort sind viel zu bloß.
Drum müssen wir solchs sparen
bis an den Jüngsten Tag;
dann wollen wir erfahren,
was Gott ist und vermag.
Da werden wir mit Freuden
den Heiland schauen an,
der durch sein Blut und Leiden
den Himmel aufgetan,
die lieben Patriarchen,
Propheten allzumal,
die Märt'rer und Apostel
bei ihm in großer Zahl.
Also wird Gott erlösen
uns gar von aller Not,
vom Teufel, allem Bösen,
von Trübsal, Angst und Spott,
von Trauern, Weh und Klagen,
von Krankheit, Schmerz und Leid,
von Schwermut, Sorg und Zagen,
von aller bösen Zeit.
Er wird uns fröhlich leiten
ins ewig Paradeis,
die Hochzeit zu bereiten
zu seinem Lob und Preis.
Da wird sein Freud und Wonne
in rechter Lieb und Treu
aus Gottes Schatz und Bronne
und täglich werden neu.
Wir werden stets mit Schalle
vor Gottes Stuhl und Thron
mit Freuden singen alle
ein neues Lied gar schön:
"Lob, Ehr, Preis, Kraft und Stärke
Gott Vater und dem Sohn,
des Heilgen Geistes Werke
sei Lob und Dank getan."
Million Mile Joe: eine bemerkenswerte Marketing-Aktion von Honda. Aus zweierlei Gründen. Erstens finde ich schön, wie sie den Menschen, den Nutzer Ihres Produkts in den Mittelpunkt stellen und aus einem besonderen Anlass überschwänglich feiern. Zum Zweiten, weil sie nicht die Aussage typischer Marketing-Aktionen verfolgt. Es geht nicht um „Liebe das Produkt xy und kaufe es“, sondern „Liebe das Produkt, pflege es und kümmere Dich darum“!
Das ist ungewöhnlich in einem Markt, der eigentlich darauf aus ist, dass wir möglichst schnell etwas Neues kaufen. Produkte lange zu hegen und zu pflegen passt da normalerweise nicht rein. Viele Marketing-Kampagnen versuchen trotzdem emotionale Bindungen herzustellen, ist ja auch wichtig. Doch das ist ein Widerspruch zwischen Marketing und Markt: etwas, das ich wirklich liebe, schmeiße ich nicht zugunsten etwas Neuem einfach weg!
Das Papst-Schreiben "Freude der Liebe" stößt in München auf zwiespältige Resonanz. Homosexuelle in der Kirche sprechen von "Stagnation auf niedrigem Niveau".
Süddeutsche Zeitung - 10. April 2016, 18:54 Uhr
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/katholiken-keine-reine-freude-1.2943142
Johannes führt diese Gedanken weiter, er führt sie vollends in die Tiefe. Nach ihm sind wir von Gott (Joh 14, 21) geliebt, damit wir einander lieben (Joh 13,34). Angesichts dieser strikt theologischen Begründung spricht Johannes vom neuen Gebot der Liebe als dem Erkenntnismerkmal des Christen, »Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt« (Joh 13,34 f.). Er macht damit deutlich, dass Liebe das Spezifikum des christlichen Lebens ist. Ihr Maß geht über jedes normalmenschliche Maß hinaus und bemisst sich an der Liebe, die Jesus selbst uns durch seine Lebenshingabe erwiesen hat. »Das ist mein Gebot: Liebt einander so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde« (Joh 5,12 f.).
Aus: Walter Kardinal Kasper, Barmherzigkeit. Grundbegriff des Evangeliums – Schlüssel christlichen Lebens. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2012.

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Interessant an diesem Abschnitt ist, daß Paulus nach dieser Darstellung im Gegensatz zu den Paulusbriefen nicht mit der unmittelbar bevorstehenden Wiederkunft Christi rechnet. Er ermahnt die Jünger, treu am Glauben festzuhalten. Das ist eine Redeweise, die man erst nach der Aufgabe der Naherwartungsvorstellung antrifft.
Weiters ist der Verfasser daran interessiert zu zeigen, daß die Missionare kirchliche Strukturen hinterlassen, indem sie Verantwortliche einsetzen. Auch dies dürfte in der dargestellten Weise nicht mit den Paulusbriefen übereinstimmen und erst aus späterer Zeit stammen.
Aus diesen Beobachtungen kann man schließen, daß es dem Verfasser der Apostelgeschichte hier weniger um Geschichtsschreibung geht als um eine Abrundung der missionarischen Tätigkeit, die feste Gemeindestrukturen schafft, damit die Gemeinden überleben können.