Lesung aus dem Buch Jesaja.
Jubeln werden die Wüste und das trockene Land,
jauchzen wird die Steppe und blühen wie die Lilie.
Sie wird prächtig blühen
und sie wird jauchzen, ja jauchzen und frohlocken.
Die Herrlichkeit des Libanon wurde ihr gegeben,
die Pracht des Karmel und der Ebene Scharon.
Sie werden die Herrlichkeit des HERRN sehen,
die Pracht unseres Gottes.
Stärkt die schlaffen Hände
und festigt die wankenden Knie!
Sagt den Verzagten: Seid stark,
fürchtet euch nicht!
Seht, euer Gott!
Die Rache kommt, die Vergeltung Gottes!
Er selbst kommt und wird euch retten.
Dann werden die Augen der Blinden aufgetan
und die Ohren der Tauben werden geöffnet.
Dann springt der Lahme wie ein Hirsch
und die Zunge des Stummen frohlockt.
Die vom HERRN Befreiten kehren zurück
und kommen zum Zion mit Frohlocken.
Ewige Freude ist auf ihren Häuptern,
Jubel und Freude stellen sich ein,
Kummer und Seufzen entfliehen.
Lesung aus dem Buch Jesaja.
Jubeln werden die Wüste und das trockene Land,
jauchzen wird die Steppe und blühen wie die Lilie.
Sie wird prächtig blühen
und sie wird jauchzen, ja jauchzen und frohlocken.
Die Herrlichkeit des Libanon wurde ihr gegeben,
die Pracht des Karmel und der Ebene Scharon.
Sie werden die Herrlichkeit des HERRN sehen,
die Pracht unseres Gottes.
Stärkt die schlaffen Hände
und festigt die wankenden Knie!
Sagt den Verzagten: Seid stark,
fürchtet euch nicht!
Seht, euer Gott!
Die Rache kommt, die Vergeltung Gottes!
Er selbst kommt und wird euch retten.
Dann werden die Augen der Blinden aufgetan
und die Ohren der Tauben werden geöffnet.
Dann springt der Lahme wie ein Hirsch
und die Zunge des Stummen frohlockt,
denn in der Wüste sind Wasser hervorgebrochen
und Flüsse in der Steppe.
Der glühende Sand wird zum Teich
und das durstige Land zu sprudelnden Wassern.
Auf der Aue, wo sich Schakale lagern,
wird das Gras zu Schilfrohr und Papyrus.
Dort wird es eine Straße, den Weg geben;
man nennt ihn den Heiligen Weg.
Kein Unreiner wird auf ihm einherziehen;
er gehört dem, der auf dem Weg geht,
und die Toren werden nicht abirren.
Es wird dort keinen Löwen geben,
kein Raubtier zieht auf ihm hinauf,
kein einziges ist dort zu finden,
sondern Erlöste werden ihn gehen.
Die vom HERRN Befreiten kehren zurück
und kommen zum Zion mit Frohlocken.
Ewige Freude ist auf ihren Häuptern,
Jubel und Freude stellen sich ein,
Kummer und Seufzen entfliehen.
Kv: Komm, o Herr, und erlöse uns! - Kv
(Oder: Halleluja, oder GL 229)
Der HERR ist es, der Himmel und Erde erschafft, /
das Meer und alles, was in ihm ist. *
Er hält die Treue auf ewig.
Recht schafft er den Unterdrückten, /
Brot gibt er den Hungernden, *
der HERR befreit die Gefangenen. - Kv
Der HERR öffnet die Augen der Blinden, *
der HERR richtet auf die Gebeugten,
*der HERR liebt die Gerechten.
Der HERR beschützt die Fremden. - KV
Er hilft auf den Waisen und Witwen, *
doch den Weg der Frevler krümmt er.
Der HERR ist König auf ewig, *
dein Gott, Zion, durch alle Geschlechter. - Kv
Lesung aus dem Jakobusbrief.
Schwestern und Brüder, haltet geduldig aus
bis zur Ankunft des Herrn!
Siehe, auch der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde,
er wartet geduldig auf sie,
bis Frühregen oder Spätregen fällt.
Ebenso geduldig sollt auch ihr sein;
macht eure Herzen stark,
denn die Ankunft des Herrn steht nahe bevor.
Klagt nicht übereinander, Brüder und Schwestern,
damit ihr nicht gerichtet werdet!
Seht, der Richter steht schon vor der Tür.
Brüder und Schwestern, im Leiden und in der Geduld
nehmt euch die Propheten zum Vorbild,
die im Namen des Herrn gesprochen haben!
Der Jakobusbrief gehört mit einigen anderen kleinen Briefen des Neuen Testamentes zur Gruppe der sog. Katholischen Briefe: Sie gehen nicht an eine bestimmte Gemeinde wie die Paulus-Briefe, sondern an einen größeren Verteiler. Den Verfasser zu erkennen ist schwierig - die Person des Jakobus ist schwer auszumachen.
Der ganze Brief enthält Mahnungen zur Gestaltung eines christlichen Lebens. Eine interessante theologische Komponente ist die Haltung in der Frage des Gnadenerwerbs: Gegen Paulus - grob skizziert - hält Jakobus: Glaube und Taten aus dem Glauben gehören zusammen, der Glaube allein reicht nicht.
Die vorliegende Perikope ermahnt die Menschen, auch in Bedrängnis auszuharren und weder vom Glauben zu lassen noch von Taten der Liebe.
Halleluja. Halleluja.
Der Geist des Herrn ruht auf mir.
Der Herr hat mich gesandt,
den Armen die Frohe Botschaft zu bringen.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit
hörte Johannes im Gefängnis von den Taten des Christus.
Da schickte er seine Jünger zu ihm
und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll,
oder sollen wir auf einen anderen warten?
Jesus antwortete ihnen:
Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht:
Blinde sehen wieder und Lahme gehen;
Aussätzige werden rein und Taube hören;
Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet.
Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.
Als sie gegangen waren,
begann Jesus zu der Menge über Johannes zu reden:
Was habt ihr denn sehen wollen,
als ihr in die Wüste hinausgegangen seid?
Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt?
Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid?
Einen Mann in feiner Kleidung?
Siehe, die fein gekleidet sind,
findet man in den Palästen der Könige.
Oder wozu seid ihr hinausgegangen?
Um einen Propheten zu sehen?
Ja, ich sage euch:
sogar mehr als einen Propheten.
Dieser ist es, von dem geschrieben steht:
Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her,
der deinen Weg vor dir bahnen wird.
Amen, ich sage euch:
Unter den von einer Frau Geborenen ist kein Größerer aufgetreten
als Johannes der Täufer;
doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.
Das Evangelium stellt Johannes den Täufer und Jesus gegenüber. Es greift dabei auf eine Überlieferung zurück, die sowohl Lukas als auch Matthäus vorgelegen hat. Im 4. Kapitel berichtet Matthäus, dass Johannes der Täufer ins Gefängnis geworfen worden sei. Beim Auftreten Jesu ist also die Zeit des Propheten Johannes bereits vorbei. Die christlichen Gemeinden schätzten Johannes so sehr, dass sich die Frage erhob, in welchem Verhältnis er zu Jesus steht, zumal die Anhängerschaft des Johannes auch nach dessen Tod Gemeinden bildete (vgl. Apg 19,1-7). Als Antwort darauf hat sich unter den Christen offenbar die Formel durchgesetzt, Johannes sei der erwartete Vorläufer (vgl. Ex 23,20 und Mal 3,1), Jesus hingegen der Messias. So harmonisch, wie dies die Evangelien darstellen, dürften beide Propheten jedoch nicht zusammengepasst haben. Johannes trat als Buß- und Gerichtsprediger auf. Wer nicht dem Willen Gottes folge, verfalle dem Gericht (vgl. Mt 3,7-10). Ihn musste die Predigt Jesu irritieren, der sich mit Zöllner und Sündern abgab, den Anbruch des Reiches Gottes ausrief und als Heilsprediger allen "Armen" das Heil zusprach. Niederschlag hat diese Auseinandersetzung in der vorliegenden Szene gefunden. Johannes schickt zu Jesus und lässt fragen, ob er der erwartete Messias sei. Jesus antwortet nicht mit einem Ja oder Nein, sondern zitiert aus dem Propheten Jesaja (vgl. Jes 35,5 und 61,1). Dort wird die Heilung der Kranken als Zeichen des erwarteten Heiles (vgl. 1. Lesung) angekündigt. Bei Matthäus und Lukas wird die vorliegende Liste noch um "Aussätzige werden rein" und "Tote stehen auf" erweitert. Diese Zeichen entsprechen dem, was Matthäus in den vorangehenden Kapiteln als Worte und Taten Jesu beschreibt. Im zweiten Abschnitt bezeugt Jesus seinen Respekt vor dem Propheten Johannes und kennzeichnet ihn ausdrücklich als den Vorläufer. Er stellt aber auch klar heraus, dass mit dem Messias und mit dem Anbruch des Himmelreiches eine ganz neue, mit der bisherigen unvergleichbare Zeit angebrochen sei.
In der vorliegenden Perikope geht es um eine (indirekte) Begegnung zwischen Jesus und dem Täufer Johannes. Johannes war Zeuge des Geredes über den Mann aus Nazareth und wollte mehr wissen: Es ging schließlich für ihn darum, ob sich mit diesem Jesus seine Verheißung erfüllen sollte. Damit beschreibt der Text eine wichtige Scharnierstelle zwischen Altem und Neuem Bund.
Auf die Frage des Johannes, ob er jener sei, auf den sie warten, antwortet Jesus mit einem Rückgriff auf das Prophetenbuch Jesaja. Er gibt sich damit als jener zu erkennen, der die Verheißungen der Alten erfüllt: Die Visionen des Jesaja werden mit Jesus Wirklichkeit. Johannes wiederum wird - mit dem Propheten Elija als Vorlage - als der bezeichnet, der dem Übergang vom Alten zum Neuen den Weg bereitet.
Die verschiedenen Rückgriffe auf die Verkündigung des Alten Bundes zeigen an, dass der Evangelist Matthäus und all jene, die die gleiche Erzählvorlage benutzen, Jesus als Vollender einer immer schon dagewesenen Verheißung darstellen wollen, nicht als Revolutionär und Begründer von etwas ganz Anderem und völlig Neuem.
Advent ist eine Zeit der Besinnung, der Umkehr und Erneuerung. Wenn Gott mit seinem Wort kommt, blüht alles auf. Diese Aussicht erfüllt Menschen mit Freude und motiviert, sich ihm zu öffnen.
Die Wüste jubelt? Die Steppe jauchzt? Was für gewaltige, großartige Bilder! Es ist von prächtigen Blüten die Rede! Eine schöner als die andere. Bilder des Lebens! Alles Vertrocknete, Versandete, Verkommene – lebt auf. Auch nicht einfach so: Gott kommt. Kommt er, sind Wüsten und Steppen nicht mehr wiederzuerkennen. Es ist, als ob die Welt noch einmal ganz von vorne anfängt. Anfangen kann. Mit Blüten, nicht mit Dornen! Mit üppigem Grün, nicht mit vertrockneten Wäldern! Mit Lachen, nicht mit verzerrten Minen! Wir werden die Herrlichkeit des HERRN sehen, die Pracht unseres Gottes!
Heute, am 3. Advent, sollen wir aus dem Vollen schöpfen! Sie erinnern sich an die letzten beiden Adventssonntage? Sie waren ernst gestimmt. Wir wurden mit Weltuntergängen konfrontiert. Und zur Buße, zur Umkehr aufgerufen. Das Gefühl, auf einem zerbrechlichen Planeten zu hocken, beschleicht uns ohnehin. Manchmal fehlen uns dafür die Worte, manchmal machen wir uns auch einfach nur Mut. Aber die Erde wird verletzt, zugemüllt und überfordert. Von Tag zu Tag, von Generation zu Generation. Was sind Wüsten anderes als verwüstetes Land – so schön und bezaubernd Wüsten auch sind? Was sind Steppen anderes als verstepptes Land – so weit und reich auch die Steppen sind? Die Erde hat eine Geschichte. Hinter mancher Naturschönheit verbirgt sich eine Katastrophe. Eine vergangene. Die üppigen und opulenten Bilder dieses Sonntags erzählen von einem neuen Anfang. Heute, am 3. Advent, sollen wir aus dem Vollen schöpfen! Gaudete! Freut euch!
Wir können heute leider nicht so weit zurückgehen, um Jesaja live zu erleben. Er hat mit mutlosen und verzagten Leuten zu tun. Sie sind Opfer großer Geschichte geworden und ganz, ganz kleinlaut. Die markigen Worte der Propaganda – weggefegt. Die vielen falschen Hoffnungen – im Nu zerstoben. Die letzten Nachrichten – ein Desaster. Oder ganz einfach: die Hände sind schlaff, die Knie müde. Alles fällt uns aus der Hand. Das Gehen fällt schwer. Eine Qual. Wen Jesaja wohl vor Augen hat? Nicht nur Menschen, die am Ende sind – oder auch einfach nur noch alt aussehen -, auch Menschen, denen er etwas zutrauen kann! Hört selber:
Stärkt die schlaffen Hände
und festigt die wankenden Knie!
Sagt den Verzagten: Seid stark,
fürchtet euch nicht!
Seht, euer Gott!
Dass Gott etwas mit müden Händen und mutlosen Knie zu tun hat, ist schon eine eigenartige Entdeckung. Ganz nebenbei: wir feiern heute die Geburtsstunde der Seelsorge. Sie ist was für jeden Menschen! Nicht nur für Profis, Fachleute und Geistliche. Schlaffe Hände wissen viel zu erzählen, wankende Knie auch. Von dieser Müdigkeit, die sich auf die Glieder legt, wenn es keine Freude mehr gibt, kein Lachen, keine Hoffnung. Kennen Sie die Körperhaltung, die Körpersprache? Den Gesichtsausdruck? Die leeren Augen? Gaudete!
So! Ein wenig eingeübt – wenigstens eingestimmt – wollen wir Johannes besuchen, Johannes den Täufer. Ob wir ihn trösten können? Schade! Das Gefängnis ist geschlossen. Aber wir wissen, dass er hier ist. Johannes hat den Mund zu voll genommen und es mit dem Recht – oder besser Unrecht – des Königs zu tun bekommen. Kein schöner Ort! Nicht einmal für einen Asketen und Bußprediger, wie er einer war. Sie wissen, dass der Kopf des Johannes auf einem Silbertablett präsentiert wurde? Das ist zwar eine andere Geschichte, aber Johannes kannte schlaffe Hände und wankende Knie, ohne darüber ein Wort zu verlieren. Doch von der Frage ist er hin- und hergerissen, ob denn mit Jesus die neue Zeit angebrochen ist. Er schickt seine Leute zu ihm. „Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ Überhaupt: Kann Johannes noch auf etwas – oder jemanden – warten? Auf etwas, was nicht Tod ist?
Sind uns bei Jesaja verunsicherte, verstummte und müde Menschen begegnet, treffen wir hier auf eine große Erwartung. Gefängnis hin, Ketten her. Die Frage ist auch so einfach gestellt, dass eine Antwort fast schon in der Luft liegt. Von Zweifel keine Spur, eher die Sehnsucht, ein eindeutiges „Ja“ auch zu hören – oder zu sehen. Und die Antwort, die Jesus gibt, ist merkwürdigerweise ein großes, fast wörtliches Zitat. Ein Zitat aus der Predigt, die Jesaja tatsächlich vor Menschen gehalten hat, die mit dem Leben schon abgeschlossen haben. Was seht ihr?
Blinde sehen wieder und Lahme gehen;
Aussätzige werden rein und Taube hören;
Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet.
Das ist doch ein ganz anderer Blick! Nichts ist verloren! Nichts geht unter! Wenn Blinde sehen und Lahme gehen, wenn Aussätzige rein werden und Taube hören, ist es mit dem alten Schlendrian vorbei! Dass jetzt so manche Fragen auftauchen, verstehe ich, aber was haltet ihr, was halten Sie davon, wenn wir alles so wörtlich nehmen wie es gesagt ist?
Menschen gehen die Augen auf! Sie lassen sich nichts mehr vormachen. Sie spielen kein Versteck mehr. Sie sehen nicht mehr weg.
Und die Füße, die wir gelähmt waren, nehmen gleich zwei, drei Schritte auf einmal. Wir können doch nicht immer nur still stehen bleiben, nicht immer nur abwarten, nicht immer nur verkriechen. Auf einmal sind Wege da!
Die, die schon aussortiert waren – oder die sich aussortieren ließen – wie Aussätzige, nehmen ihren Platz im Leben ein. Im Leben der anderen! Eine große Unruhe macht sich breit. Die Grenzen funktionieren nicht mehr, die abgesteckten und mit Furcht eingehegten Lebensräume – auf einmal offen.
Und die, die bisher nicht nur nichts sehen, sondern auch nichts hören wollten, bekommen große Ohren. Ohren für die vielen Laute, für die vielen Klagen, für die vielen Geschichten. Auf einmal darf auch das Schweigen etwas sagen, die Verstummten erzählen, die Wortkargen Worte finden.
Und Jesus sagt nur: Seht!
Wie das alles ineinander läuft! Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören.
Die Krönung muss dann auch noch sein: Tote stehen auf! Armen wird das Evangelium verkündigt.
Ich kann es in den Händen spüren! In den Knien! Schlaff war gestern, mutig ist heute. Und alles, was sich so fromm anhört, weltfremd oder irgendwie abgehoben – wir spüren den neuen Atem auf unseren Gesichtern. Wer hat gesagt, dass die Welt so bleiben muss wie sie ist? Wie sie gemacht wird? Wie sie verhunzt wird? Mit den Mächtigen haben wir noch ein Wörtlein zu reden. Am besten: wir zitieren einfach Jesaja – und Jesus! Gaudete!
Johannes wusste nicht, dass er der Vorläufer Jesu werden sollte. Er musste ins Gefängnis, um das zu entdecken! Nein, um das zu hören. Hier in der Öde, die nur nach Nacht riecht, wird es ihm zur Gewissheit. Ich bin vorangegangen! Als er zur Umkehr aufrief – damals am Jordan, damals, als auch Jesus sich von ihm taufen ließ – fing die Wüste um ihn herum zu blühen an und das trockene Land atmete auf.
Es ist eigentlich nur das Wort, das die Welt verwandelt. Es gleicht – und jetzt sind wir wieder ganz bei Jesaja – dem Regen, dem Schnee. Jesaja hat dazu sogar ein großes Gedicht geschrieben. Mit diesem tollen Satz, dass Gottes Wort nicht leer zurückkommt. Und die so angeblich seelenlose Natur liefert das Schauspiel immer noch: Auf einmal regen sich Pflanzen, Blüten und Tiere – wenn der Regen kommt. Wenn die Wüste zu sprudeln anfängt. Wenn die Steppe aufwacht. Dass die Wüste lebt, weiß die Natur schon lange. Eigentlich von Anfang an.
Gott kommt mit seinem Wort. Die Wüste jubelt! Die Steppe jauchzt! Was für gewaltige, großartige Bilder! Es ist von prächtigen Blüten die Rede! Eine schöner als die andere. Bilder des Lebens! Alles Vertrocknete, Versandete, Verkommene , alles Verbrauchte – lebt auf. Alles wird jung. Hände packen an und den Füßen ist kein Weg zu weit. Und das Seufzen hat aufgehört. Das Seufzen hat einem großen Staunen Platz gemacht:
Gaudete, gaudete! Christus est natus ex Maria virgine, gaudete!
Freut euch, freut euch! Christus ist geboren.
Noch einen schönen 3. Advent!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Im Matthäusevangelium nimmt Jesus in seiner Predigt Gedanken der Propheten auf und spricht den Armen, Behinderten und von Krankheit Gezeichneten das Heil zu. Vergleichbare Zeichen des Heiles auch heute zu setzen ist Zeugnis der Barmherzigkeit Gottes, die Menschen rettet und aufrichtet.
„Sagt den Verzagten: seid stark, fürchtet euch nicht!
Seht, euer Gott! Er selbst kommt und wird euch retten.“
(Jes 35,4)
Blinden werden die Augen und Tauben die Ohren geöffnet, der Lahme springt wie ein Hirsch und die Stummen jauchzen auf. Es sind dies Zeichen für die Zeit der Erfüllung, der Ankunft des Messias. Diese Verheißungen des Jesaja gehen weit über den Advent und Weihnachten hinaus.
In der Zeit Jesu bekommen diese Verheißungen eine besondere, religiös-politische Sprengkraft. Blinde, Stumme, Taube - das waren in den Augen der gesetzestreuen Gläubigen gottferne Menschen: ihre Behinderung wurde als ein Hinweis auf eine Strafe Gottes gesehen und deshalb wurden sie an den Rand der Gesellschaft gedrängt, beziehungsweise ganz ausgeschlossen.
Jesus hingegen spricht ausgerechnet ihnen seine Trostworte zu, jenen, die außerhalb des Gesetzes stehen: er findet Worte der Rettung für die Verlorenen und nicht nur für „die Braven“.
Eine Provokation für die Pharisäer und Schriftgelehrten, weil ihr Gottesbild ein gegenteiliges ist: Zöllner, Dirnen und Sünder haben die Gemeinschaft mit Gott auf Dauer verloren, weil sie die Gesetze der Tora nicht mehr halten können. Wer ein Gesetz nicht zur Gänze halten konnte, wurde konsequent gemieden, verachtet. Auch Aussätzige und Arme wurden wegen eines vermeintlichen Vergehens gegen Gott und das Gesetz bestraft und für schuldig abgestempelt. Und wer seine Schuld nicht bei den Priestern im Tempel durch Brand- und Sühneopfer bezahlen konnte, blieb ebenso auf Dauer von der priesterlich verwalteten Gemeinschaft mit Gott ausgeschlossen.
Ein unmenschliches und ungerechtes System.
Gerade gegen dieses unbarmherzige System verkündet Jesus: Kehrt um! Kehrt um - zum befreienden Gottesbild der alten Propheten, bleibt nicht länger am unmenschlichen Gottesbild der Pharisäer und Schriftgelehrten hängen. Gott straft und vernichtet nicht, sondern er sammelt und rettet. Er ist der mütterliche Vater, voll Erbarmen für alle.
Beim Evangelisten Matthäus wird dieses Programm Jesu bereits in der Bergpredigt (Mt 5) - seinem ersten öffentlichen Auftreten - unüberbietbar angekündigt. Die erste Seligpreisung lautet: Selig, die arm sind vor Gott, oder wie wir auch übersetzen können: Selig die ohne Gesetz sind, denn ihnen gehört das Himmelreich! Euch, denen vorgeworfen wird, das Gesetz nicht zu halten, Euch gehört schon jetzt der ganze Himmel! Eine Anlehnung an den Propheten Hosea, durch den Gott sich den Menschen mitgeteilt hat: Auch wenn du untreu bist, werde ich umso mehr mit dir gehen. (Hos 2). Durch diesen Hosea mahnt Gott auch ein: Liebe und Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. (Hos 6,6). Dies gipfelt bei Matthäus in der mittleren Seligpreisung: Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden.
„Die Zeit ist erfüllt“ - können wir das auch für unsere Tage in Anspruch nehmen? In drei Ereignissen des zu Ende gehenden Jahres sind für mich - beispielhaft wohl für unzählige andere - so etwas wie messianische Zeichen aufgeleuchtet.
Kardinal Krajewski, Almosenmeister des Papstes in Rom, stieg in einer Samstagnacht im Mai 2019 in den Keller einer Obdachlosenunterkunft, um das Haus wieder an das Stromnetz anzuschließen. Das leerstehende Haus war von bedürftigen Familien und Obdachlosen in Beschlag genommen worden, 450 Personen, darunter 100 Kinder. Die Situation der BewohnerInnen war dramatisch: jede/r Dritte hatte gesundheitliche Probleme. Sie waren seit Tagen ohne Kühlschrank, Warmwasser, Waschmaschine, Licht und Kochgelegenheit, nachdem ihnen der Stromversorger wegen unbezahlter Rechnungen den Strom abgedreht hatte. Der Kardinal sah sich zu diesem humanitären Akt verpflichtet und übernahm auch die volle Verantwortung.
„Blinden werden die Augen und Tauben die Ohren geöffnet.“
Auch im Mai dieses Jahres haben, gemeinsam mit dem ehemaligen Politiker und Flüchtlingskoordinator Ferry Maier, mehrere beherzte Leute die menschenverachtende Tafel „Ausreisezentrum“, die an der Erstaufnahmestelle für Asylsuchende in Traiskirchen angebracht worden war, entfernt. Nicht nur für sie war die Tafel eine „Dokumentation der Unanständigkeit und Menschenverachtung“ (Zitat Maier). „Die Stummen jauchzen auf.“
Und schließlich ein Beispiel aus der Welt des Sportes, wo Konkurrenz, jeder gegen jeden, Sieg und Niederlage systemimmanent sind. Im September 2019, bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Doha/Katar, kam es am ersten Wettkampftag zu einer großen menschlichen Geste. In einem Vorlauf über 5000 Meter nahm ein Läufer einen völlig erschöpften und entkräfteten Kontrahenten 200 Meter vor dem Ziel in seine Arme und führte ihn unter dem Jubel der etwa 5000 Zuschauer im Schritttempo ins Ziel. „Der Lahme springt wie ein Hirsch.“
„Sagt den Verzagten: seid stark, fürchtet euch nicht!
Seht, euer Gott! Er selbst kommt und wird euch retten.“ (Jes 35,4).
Zur Umkehr zu diesen Verheißungen und zu diesem Gottesbild ruft Jesus auf, auch in unseren Tagen. Gott genügt, dass es ein Mensch ist. Denn die Sonne geht über allen dieser Erde auf, Gerechten und Ungerechten. Gott will retten, er schenkt sein Erbarmen allen Menschen und wendet sich besonders jenen zu, die ihn am meisten brauchen.
Das ist die Frohe Botschaft Jesu: Freut euch - Gott ist barmherzig, rettet und richtet auf!
© Peter Schwarzenbacher, MSc, Referent für Diakone, Diözese Linz.
Jesus unterscheidet sich von Johannes durch sein neues Gottesverhältnis. Sein Vertrauen auf Gott macht Mut. Dieser Mut geht über auf jene, die ihm und seinem neuen Gottesverhältnis folgen.
Der Weg, den Johannes der Täufer zu gehen hatte, ist der bittere Weg des Martyriums, kaum Anlass zur Freude. Jesus erinnert ihn an die Worte des Propheten Jesaja. Über dem Leben des Johannes steht die Frohe Botschaft des Benediktus.
Was in diesen Texten angeboten wird, geht weit über Advent und Weihnachten hinaus. Es sind viele Trostworte in der alttestamentlichen Lesung und im Evangelium zu finden. Die zweite Lesung ermuntert Geduld zu haben, bis zur Ankunft des Herrn.
Der Prophet Jesaja (8. Jhdt.v.Chr.) lebte in einer fürchterlichen Zeit und kritisiert mit scharfen Worten die zersetzende Lebensart und die elenden politischen Verhältnisse in Juda und Jerusalem. Trotz aller Kritik: Blinden werden die Augen geöffnet- also zu Erkenntnissen kommen, dass es so nicht weitergeht, die Zunge des Stummen jauchzt auf, will heißen, dass diejenigen, die am Rande der Gesellschaft stehen, beachtet werden, Taube hören, Tote stehen auf- alles Trostworte für einen Neuanfang, Visionen freilich, die anzustreben sind und zu einer bevorstehenden Vollendung führen, weil der Herr nahe ist. Es ist eine Parusieerwartung, die Wiederankunft des Herrn.
Das meinte auch Paulus, aber der Beginn des Evangeliums spricht zunächst eine andere Sprache: „In jener Zeit hörte Johannes im Gefängnis von den Taten Christi.“ Also doch nicht die heile Welt, von der Jesaja spricht und was Jesus ankündigt. Im Evangelium steht Johannes am Ende seines Lebens. Er wird umgebracht. Das ist eine große Spannung zwischen dem, was geschieht und, was angekündigt wird. Daher die berechtigte Frage: „Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ (Mt.11,3). Es sind Spannungen, die nicht aufgehoben, sondern schwer auszuhalten sind.
Augustinus, der Kirchenlehrer des 4. und 5. Jhdts., zeigt das sehr deutlich an der Person des Johannes: „Er scheint so etwas wie eine Grenzlinie zwischen den beiden Testamenten, dem Alten und dem Neuen zu sein... Johannes stellt in seiner Person das Alte dar und verkündet doch das Neue. Weil er das Alte darstellen sollte, wurde er von einer Greisin (Elisabeth) geboren; weil er aber schon das Neue vertritt, wird er noch im Schoß der Mutter zum Propheten erklärt. Als er noch nicht geboren war, jubelte er im Mutterschoß bei der Ankunft Mariens. Schon dort hatte er seine Bestimmung schon vor der Geburt; wessen Vorläufer er sein sollte, wurde angezeigt. Zacharias, der Vater des Johannes, schweigt und verliert seine Stimme, weil er nicht glauben kann, dass Elisabeth in hohem Alter noch einen Sohn zur Welt bringt; bis Johannes geboren ist und er die Stimme wieder bekommt. Verkündete Johannes sich selbst, könnte er den Mund des Zacharias nicht öffnen. Johannes ist Stimme auf Zeit, Christus im Anfang das ewige Wort.“ (nach Lektionar zum Stundenbuch I/5 S 286f).
Johannes ist auch von der Vergangenheit belastet und sagt: „Tut Buße!“ Jesus vertritt eine andere Sichtweise: „Fangt neu an!“ Somit eine sehr optimistische Grundstimmung. Diese wird auch im Sonntag „Gaudete“ – Freuet Euch!“ durch die rosa Farbe ausgedrückt. Der Eingangsvers lautet: „Freuet euch im Herrn zu jeder Zeit! Und nochmals sage ich: Freut euch im Herrn, denn der Herr ist nahe.“ (Phil.4,4.5).
Die Freude, von der Jesus spricht, dass sie „in uns“ sei, ist keine „Zugabe“ zum Leben des Christen. Ohne diese Freude gibt es kein wirkliches christliches Leben. Es ist die Freude über die „kostbare Perle“, über den „Schatz im Acker“ (Mt.13,44-52). Diese Freude gibt der Kirche ihre Lebenskraft, sie stärkt uns in den Mühen des Alltags und ist das herausragende Merkmal der christlichen Gemeinden. (Kardinal Carlo Martini +). Werden wir also „Künder des Wortes und Diener dieser Freude, denn im Glauben sind wir fest verwurzelt“ (2 Kor 1,24).
Lieder:
GL 220: Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern
GL 221: Kündet allen in der Not (4. und 5. Str.)
GL 222: Herr, send herab uns deinen Sohn
GL 223: Wir sagen euch an den lieben Advent
GL 227: Komm, du Heiland aller Welt
GL 228: Tochter Zion, freue dich
GL 230: Gott heilger Schöpfer aller Stern
GL 231: O Heiland, reiss die Himmel auf
GL 233: O Herr, wenn du kommst, wird die Welt wieder neu
GL 360: Macht weit die Pforten in der Welt
GL 365: Meine Hoffnung und meine Freude
GL 372: Morgenstern der finstern Nacht
GL 551: Nun singt ein neues Lied dem Herren
GL 554: "Wachet auf", ruft uns die Stimme
GL Ö790/Ö791: Tauet Himmel, den Gerechten
GL Ö798: O komm, o komm Emmanuel
Psalmen und Kehrverse:
GL 47: In den Tagen des Herrn sollen Gerechtigkeit blühen und Fülle des Friedens - Mit Psalm 72 - V.
GL 48: Biete deine Macht auf, Herr, unser Gott, und komm uns zu retten - Mit Psam 80 - I.
GL 55: Jubelt, ihr Lande, dem Herrn; alle Enden der Erde schauen Gottes Heil. - Mit Psalm 98 - VIII.
GL 56: Freut euch: Wir sind Gottes Volk, erwählt durch seine Gnade. - Mit Psalm 100 - V.
GL 77: Der Herr ist erhaben, doch er schaut auf die Niedrigen: Ja, seine Rechte hilft mir. - Mit Psalm 146 (GL 77,2) - VII.
GL 232: Dein Reich komme, ja dein Reich komme! Maranatha!
GL 229: Herr, erhebe dich, hilf uns und mach uns frei - Mit Psalm 146 - I.
GL Ö794: Maranatha. O Komm, Herr jesus, und erbarme dich unser. - Mit Psalm 42 und/oder 43 (GL 42,2 oder GL 42,3) - VI.
GL Ö796: Freut euch und jubelt, denn unser Herr ist nah. - Mit Psalm 112 (GL 61,2) oder Psalm 121 (GL 67,2) VI.
GL Ö797,1: Hebt euch, ihr Tore, unser König kommt. - Mit Psalm 98 (GL 55,2) - VIII.
GL Ö797,2: Siehe, dein König kommt zu dir, öffne die Tür. - Mit Psalm 121 (GL 67,2) - VI.
Die Adventszeit ist eine Bußzeit, eine Zeit der Umkehr, eine Zeit der Stille. Die Farbe dieser Zeit: lila. Aber am dritten Advent legt sich schon weihnachtlicher Glanz auf diese Zeit. Die Farbe von Weihnachten: weiß. Und mischen wir lila und weiß, fängt ein wunderbares rosa an zu leuchten. Das ist die Farbe des 3. Advents. Er trägt den Namen: Gaudete! Freut euch!
Wir werden in einen wundersamen Neuanfang geführt. Sozusagen in rosa Farben.
Stärkt die schlaffen Hände
und festigt die wankenden Knie!
Sagt den Verzagten: Seid stark,
fürchtet euch nicht!
Seht, euer Gott!
Herr,
wenn wir enttäuscht sind, keine Hoffnung mehr haben,
legt sich eine große Müdigkeit auf unser Leben.
Alles in uns erschlafft.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du kommst uns mit Liebe entgegen und bleibst bei uns.
Neuer Mut wächst uns zu.
Wir können große Sprünge machen.
Christus, erbarme dich.
Herr,
wenn wir Menschen verzagen sehen,
und die Nacht, die sich um sie ausbreitet,
schenke uns kräftige Hände, sie zu halten.
Herr, erbarme dich.
Der Propheten Jesaja konnte sagen:
Jubel und Freude stellen sich ein,
Kummer und Seufzen entfliehen.
Allmächtiger Gott,
sieh gütig auf dein Volk,
das mit gläubigem Verlangen das Fest der Geburt Christi erwartet.
Mache unser Herz bereit für das Geschenk der Erlösung,
damit Weihnachten für uns alle ein Tag der Freude und der Zuversicht werde.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 3. Adventsonntag
Herr, du hast die Farben geschaffen
damit deine Welt bunt und schön ist.
Du hast ihnen symbolische Bedeutungen beigegeben
damit wir Erfahrungen, Gefühle und Träume ausdrücken können.
Wir danken dir heute für die Farbe rosa,
die deinen weihnachtlichen Glanz auf unsere Umkehr,
unsere Aufbrüche und Neuanfänge legt.
Du nimmst auch unsere Hände und Knie in deinen Blick
unsere Ermüdungserscheinungen,
unseren Kleinmut, unsere Resignation
Schenke uns die große Freude,
mit sehenden Augen und offenen Ohren,
mit weiten Schritten und fröhlichen Gesichtern,
dich zu erwarten.
Du kommst zu uns.
In Christus, unserem Bruder und Herrn.
Heute, am dritten Advent, dürfen schlaffe Hände und wankende Knie sichtbar sein, Verzagtheit, Trauer und Verbitterung.
Heute, am dritten Advent, sehen wir Wüsten und Steppen in unserem Leben. Vertrocknete Hoffnungen, verbrauchte Träume, verschwiegene Ängste.
Aber wir hören auch, dass Gott sich zu uns aufmacht. Freude wird sich ausbreiten.
Wir befehlen Gott unser Leben, die Welt, die Natur, alle Menschen:
Herr,
wir schauen auf das Leben in unseren Häusern, Nachbarschaften, Kollegenkreisen.
Schwäche darf nicht sichtbar sein. Alle müssen die Starken spielen. Viele Tränen sehen wir nicht.
Zu dir rufen wir: Lass Blinde sehen und Lahme springen.
In Madrid haben sich die Vertreter vieler Nationen zur Klimakonferenz getroffen.
Weltweit müssen Ziele vereinbart werden, um das Klima nicht noch weiter zu belasten.
Zu dir rufen wir…
Die Medien wissen zu berichten, dass das Geschäft mit Waffen sehr lukrativ und erfolgreich ist.
Menschen, Menschengruppen, ganze Völker rüsten sich auf und stellen sich gegeneinander.
Zu dir rufen wir…
Viele Pflanzen und Tiere sind vom Aussterben bedroht. Die Erde ächzt unter dem Raubbau.
Aus wirtschaftlichen Erwägungen werden Urwälder gerodet und Grünflächen verbaut.
Zu dir rufen wir…
Terror, Krieg und Hunger treiben Menschen in die Flucht. Schon Kinder müssen sich alleine durchschlagen. Vielen Menschen bleibt nur der Mut der Verzweiflung.
Zu dir rufen wir…
Mache uns reich mit Ideen, Kraft und Leidenschaft,
in Wüsten und Steppen Blumen zu pflanzen,
deine Liebe zu teilen
und einander Zukunft zu schenken.
Dann jubeln die Wüste und das trockene Land,
dann jauchzt die Steppe
und wir werden die Herrlichkeit des HERRN sehen,
die Pracht unseres Gottes.
In Jesus, der ein Mensch wurde.
Die ersten Christen haben in der Naherwartung des Wiederkommens Christi gelebt. Wir leben derzeit in der Erwartung des Weihnachtsfestes. Im Gegensatz zu den ersten Christen haben wir es uns in dieser Welt so gut eingerichtet, dass es scheint, dass wir die Sehnsucht nach Gott und seinem Reich verloren haben.
In Besinnung auf unser Heil, das nur von ihm kommen kann, lasst uns bitten:
Für eine Kirche, die sich nicht immer wieder in weltliche Machenschaften verstrickt.
Für ein Europa, in dem Politiker und Bürger gemeinsam versuchen, unsere europäischen Werte zu bewahren.
Für alle Menschen, die verbittert und hasserfüllt leben, dass sie an deine Liebe glauben können und dadurch wieder Hoffnung finden.
Für uns selbst, dass wir von und mit dir, dem Gott, der uns liebt und hält, leben.
Für unsere Verstorbenen, dass sie von deiner ewigen Freude erfüllt werden.
Dich, unseren Vater, bitten wir, hilf uns dem Fest der Ankunft deines Sohnes so entgegenzugehen, dass er wirklich in unseren Herzen ankommt. - Amen.
Herr, unser Gott,
in dieser Feier
erfüllen wir den Auftrag deines Sohnes.
Nimm unsere Gaben an
und gib deiner Kirche die Gnade,
immer und überall sein Opfer zu feiern.
Schenke uns durch dieses Geheimnis dein Heil,
das du der Welt bereitet hast.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Adventsonntag
Brot und Wein sind, Herr, deine Gaben.
Du stillst den Hunger nach Leben.
Du schenkst uns ein großes Fest.
Unsere Enttäuschungen dürfen wir mitbringen,
die Arbeit, die uns ausfüllt und bedrängt,
die Menschen, die wir lieben und vergessen.
Du verwandelst alles Leben,
du deckst uns den Tisch in deinem Reich.
Lass uns deine Liebe sehen und schmecken.
Christus.
In Brot und Wein.
Er ist deine Gabe,
unser Glück.
(für Wortgottesdienstfeiern)
Kehrvers:
Lobet den Herrn, preist seine Huld und Treue.
(GL 401)
Guter Gott und Vater;
Wir kommen vor dein Angesicht, um dir Dank zu sagen.
Du hast auf die Not deines Volkes geachtet und Jesus gesandt,
dass er jenen zu Hilfe komme,
die an den Verwundungen der Schöpfung leiden.
Kehrvers
Er hat erfüllt, was die Propheten verheißen haben:
Er hat die erschlafften Hände gestärkt,
die wankenden Knie wieder gefestigt
und allen Menschen Mut zugesprochen.
Kehrvers
Den Blinden hat er die Augen geöffnet,
den Tauben die Ohren,
die Zungen der Stummen hat er gelöst
die Lahmen geheilt,
Tote auferweckt
und die Ausgeschlossenen
in die Gemeinschaft des Volkes zurückgeführt.
Kehrvers
Wie Johannes der Täufer
hat der den Armen die Frohe Botschaft verkündet
und ihnen die Freude des Reiches Gottes erschlossen.
Kehrvers
Mit allen Menschen, die sich für das Fest seiner Menschwerdung bereiten,
stimmen wir ein in das Lob der ganzen Schöpfung und singen:
Danklied, z. B. Danket, danket dem Herrn... (GL 406)
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Ihn hast du der verlorenen Menschheit
als Erlöser verheißen.
Seine Wahrheit leuchtet den Suchenden,
seine Kraft stärkt die Schwachen,
seine Heiligkeit bringt den Sündern Vergebung.
Denn er ist der Heiland der Welt,
den du gesandt hast, weil du getreu bist.
Darum preisen wir dich
mit den Cherubim und Serafim
und singen mit allen Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Advent 3
Du unser Gott,
schenke uns Freude.
Freude, die sich nicht ersticken lässt
durch die Hektik unserer Tage,
von all der Arbeit,
von dem Trubel und Lärm.
Mache sie stark in uns
und lass nicht zu,
dass wir sie für uns behalten.
Mache uns freigiebig
mit unserer Freude,
damit wir sie weitertragen
hinaus auf die Straßen,
hinein in die Häuser,
zu den Menschen,
die die wahre Freude so bitter nötig haben,
damit sie leben können -
nicht gejagt von sinnlosem Suchen nach mehr,
nicht voll Sorge und Angst,
sondern erfüllt von der Freude,
der wahren Freude,
die nur du schenken kannst.
Barmherziger Gott,
komm durch dieses heilige Mahl
uns schwachen Menschen zu Hilfe.
Reinige uns von Schuld
und mache uns bereit für das kommende Fest.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Adventsonntag
Wir danken dir, Herr, für diesen Tag,
für den dritten Advent.
Manchmal sind wir so müde und verbraucht,
dass wir auf nichts mehr warten,
auch nichts mehr erwarten.
Wir wollen nur noch Ruhe, nur noch schlafen.
Öffne uns die Augen,
schenke uns große weite Ohren.
Dann sehen wir dich.
In der Ferne bist du schon zu erkennen.
Dann hören wir dich.
Du kommst auf uns zu.
Wir sehen Gesichter,
wir hören Stimmen.
Von Menschen, die geschäftig und laut,
aber auch traurig und leise durch die Straßen eilen.
Lass uns dich unter ihnen entdecken
und mit ihnen die Freude zu teilen,
die immer schon bei dir ist.
In Christus, der einer von uns wurde.
Liebe Gemeinde, wenn Gott kommt, bleibt nichts „beim Alten“. Menschen geraten neu in Bewegung. Sie beginnen zu hoffen und zu wünschen. Wer wunschlos ist, der ist nicht glücklich, sondern verstorben, hat einmal ein kluger Politiker gesagt. Wer wunschlos ist, der ist nicht glücklich, sondern verstorben, denn er hat sich vergraben in einer Weltsicht ohne Erwartungen, ohne Hoffnung, ohne Horizont. Das ist in der Politik nicht anders als im persönlichen Leben. In einer solchen Weltsicht ist die Hoffnung ein Störfaktor.
Wenn Gott kommt, wird diese Weltsicht aufgebrochen, denn Gott provoziert neue Erwartungen und Hoffnungen, Sehnsüchte und Wünsche. Die Wüste beginnt zu blühen. Das ist wie eine Vision. Sind das Utopien, zu schön, um wahr zu sein? Die blühende Wüste, in der sich Teiche erstrecken, wo Dürre war? Das sind überschwängliche Hoffnungsbilder. Sie können annähernd fassen, was sich ereignet, wenn Gott kommt: neue Lebensmöglichkeiten, wo wir keine Möglichkeiten mehr sehen, neuer Mut, wo nur Angst herrschte, Vertrauen, wo nur Hass war. Diese Bilder malen mehr als alles. Menschen werden aus der Wüste ihrer erstorbenen Erwartungen, ihrer versteinerten Herzen, ihrer verlorenen Hoffnungen herausgeholt.
Prof. Dr. Gunda Schneider-Flume, Predigt über Jes. 35, 3-10 „Kraft der Erwartung“ in:
https://predigten.evangelisch.de/predigt/die-kraft-der-erwartung-predigt-ueber-jesaja-35-3-10-von-gunda-schneider-flume
„Das lohnt doch nicht mehr!“
Ich habe diesen Satz noch im Ohr. Er hat mich damals getroffen. Der Satz war möglicherweise wahr.
Deshalb wog er schwer.
Drei Jahre ist es her. Ich saß in der Küche einer älteren Frau, sie war gerade 75 Jahre alt geworden.
Sie war immer aktiv, hatte ihr Leben lang gearbeitet, vier Kinder groß gezogen, einen großen Garten bestellt, ein großes Haus geführt. Sie war immer unterwegs und sie war immer motiviert. Und so hat sie viel geschafft und andere mitgenommen.
Und nun aus ihrem Mund: „Das lohnt doch nicht mehr!“
Seit zwei Jahren schmerzten die Knie. Physiotherapie, Spritzen, Kuren – alles wurde versucht.
Die Schmerzen aber nahmen zu. Inzwischen ging sie an zwei Krücken. Jeder Schritt – ein stechender Schmerz. Operation – ja oder nein? Der eine Arzt sagte so, der andere so. Sie musste sich entscheiden. Die Schmerzen aushalten und nicht mehr gehen können. Oder: Operieren – beide Knie – auch das ein langer beschwerlicher Weg, auch da Schmerzen, Unwägbarkeiten, vielleicht Komplikationen, vielleicht ein Ergebnis, das nicht zufrieden stellt.
Sie schob die Entscheidung Woche für Woche vor sich her.
„Das lohnt doch nicht mehr für mich!“ – so ihre Haltung vor drei Jahren.
Dann aber, nach vielen Gesprächen in der Familie und mit Bekannten, doch der Schritt.
Die erste Operation – Reha – wieder laufen lernen und auch die zweite Operation, wieder Reha. Dann nach zwei Jahren ein Knochenbruch an anderer Stelle, langes Warten auf Heilung, wieder laufen lernen.
Und nun nach drei Jahren:
“Ich freue mich an jedem Tag, dass ich mit meinen eigenen Beinen ohne Schmerzen laufen kann. Jeden Morgen gehe ich eine Runde durch den Garten und wenn ich etwas brauche, kann ich selbst ins Dorf gehen und es holen.“
„Das lohnt doch nicht mehr!“ – an diesen Satz erinnert sich die Frau, inzwischen 78 kaum noch. Mir hat er sich eingegraben. Ich spreche sie darauf an. „Ja, stimmt,“ so die Frau, „so habe ich damals gedacht. Ein Glück, dass ich mich habe überreden lassen. Ein Glück, dass die Mühen nicht umsonst waren.“
Dr. Matthias Rein, Predigt über Jes. 35,3-10, in:
https://predigten.evangelisch.de/predigt/predigt-ueber-jesaja-35-1-10-von-matthias-rein
Naturenthusiasten und Fotografen zieht es gerade in großer Zahl in die südkalifornische Anza-Borrego-Wüste: Ein bislang feuchter Winter gefolgt von wärmeren Wetter sorgt dort für eine »Superblüte«. Massenhaft wachsen und blühen pinkfarbene Bigelow-Affenblumen (Mimulus bigelovii), gelboranger Parish-Mohn (Eschscholzia parishii), magentafarbene Sandverbenen (Abronia umbellata), weiße Monotropa uniflora und gelbe Nachtkerzen der Gattung Oenothera. Ein dichter Blütenteppich überzieht Hänge und Täler des Anza-Borrego Desert State Park, wie Bilder in sozialen Medien zeigen. Es ist die zweite Superblüte in den letzten drei Jahren; zuvor lockte das Ereignis 2017 Schaulustige an – im Mittel kommen Superblüten nur alle zehn Jahre in der Region vor.
Viele Wüstenpflanzen sind an diese extremen Bedingungen angepasst. Sie besitzen Samen mit dicker Schale oder einer Wachsschicht, mit der sie teilweise jahrzehntelang im Wüstenboden überdauern können. Fällt in einer Saison ausreichend Regen, entwickeln sie sich in kurzer Zeit zu erwachsenen Pflanzen und zur Samenreife, so dass für die nächste Generation gesorgt ist. Bisweilen tauchen auch Arten auf, die man für ausgestorben hielt, die aber im Untergrund noch vorhanden war. Die Pflanzen locken zahlreiche Bestäuber wie Bienen und Schmetterlinge an, die in der Wüste sonst ebenfalls selten sind. Das Schauspiel dauert allerdings nur relativ kurze Zeit, dann sorgen steigende Temperaturen und vor allem Trockenheit dafür, dass die Pflanzen absterben
Daniel Lingenhöhl, Die Wüste blüht wieder ( 08.03.2019), in:
https://www.spektrum.de/news/die-wueste-blueht-wieder/1628574
Von: Christian Sepp / Sendung: Dagmar Röhrlich
Stand: 22.07.2019
Im Gefängnis erlebt Johannes eine tiefe Krise, Dunkelheit und Zweifel, innere Nacht. Hat er sich getäuscht? Hat Gott ihn getäuscht? Was er von Jesus hört, passt nicht zu dem, was er sich erwartet hat. Er hatte eine radikale Wende angekündigt. Endlich werde Gott durch seinen Gesandten, den Messias, dem Unrecht ein Ende setzen, Frieden und Gerechtigkeit auf Erden bringen. Statt dessen wächst überall das Böse, er selber muss es am eigenen Leib erleben, und Gott schweigt, und Jesus, auf den er seine Hoffnung gesetzt hat, scheint die Wende nicht zu schaffen. Es wird nicht besser, sondern schlimmer. In seiner inneren Not schickt er jemanden zu Jesus und lässt ihn direkt fragen: Bist du der Erlöser - oder habe ich mich getäuscht?
Das ist ein Hilferuf eines Menschen, dem alles sinnlos zu werden droht.
Es ist ein Trost zu sehen, dass selbst so große Menschen wie Johannes durch Dunkelheiten gehen mussten, die vielen auch heute nicht erspart bleiben, wenn etwa schwere Krankheit oder ein Unfall alle Lebenspläne durchkreuzen, wenn Erfahrungen der Verlassenheit, der Einsamkeit allen Sinn des Lebens in Frage stellen. Da ist Johannes wirklich ein Bruder in der Not.
Kardinal Schönborn, Wer ist der Retter? (16.12.2001), in:
https://www.erzdioezese-wien.at/site/glaubenfeiern/christ/bibel/gedankenzumevangelium/article/34085.html
Johannes der Täufer entspricht dem Archetyp des wilden Mannes. Schon sein Auftreten hat manchem Schrecken eingejagt. Markus schildert ihn so: »Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften, und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig.« (Markus 1,6) Er hat alle Kultur hinter sich gelassen und lebt wie die Beduinen in der Wüste. Der lederne Gürtel erinnert an den Propheten Elija, der ähnlich bekleidet war. Er lebt in der Wüste, nicht nur unter den wilden Tieren, sondern angetan mit einem Kleid aus Kamelhaaren. In manchen Handschriften heißt es sogar, daß sein Kleid aus Kamelhaut war. Das würde die jüdischen Reinheitsvorschriften verletzen. Aber dieser Johannes ist ausgestiegen aus dem Kreis derer, die sich an die äußeren Gesetze halten, die die Kultur des Landes repräsentieren. Und die Kamelhaut zeigt, daß er das Tierische in sich integriert hat, die Vitalität, die Sexualität, die Triebkraft der Tiere. Johannes ist der wilde Mann, der Zugang hat zu allem Wilden in sich und um sich herum. Das Wilde dient ihm als Kraftquelle, um seine Botschaft von Gott den Menschen zu verkünden und um die Menschen zur Umkehr aufzurufen.
Seine Predigt paßt zu seinem Auftreten. Sie ist rau, ohne Rücksicht auf die Empfindlichkeiten seiner Zuhörer. Die in der Bevölkerung hochgeachteten Pharisäer fährt er an: »Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, daß ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt? Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt, und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben Abraham zum Vater.« (Matthäus 3,7f) Johannes muß sich bei keinem beliebt machen. Er sagt das, was er in sich spürt. Er tritt auf, ohne sich von Menschen abhängig zu machen. Er weiß sich im Dienst Gottes. Er ist innerlich frei. Seine Freiheit führt ihn dazu, auch den König Herodes anzugreifen und ihm Vorwürfe zu machen, weil er Herodias, die Frau seines Bruders Philippus, geheiratet hatte. Herodes läßt ihn deshalb ins Gefängnis werfen. Seine Frau will ihn am liebsten töten. Doch »Herodes fürchtete sich vor Johannes, weil er wußte, daß dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Darum schützte er ihn. Sooft er mit ihm sprach, wurde er unruhig und ratlos, und doch hörte er ihm gern zu.« (Mk 6,20) Der mächtige König hat Angst vor dem wilden Mann. Aber zugleich fühlt er sich von ihm angezogen. Er spürt, daß in diesem Menschen eine innere Kraft und Freiheit ist, die er bei sich selbst vermißt. Und er weiß, daß Johannes ein gerechter und heiliger Mann ist. Er ist in sich richtig, aufrecht, ohne Angst vor Menschen. Er läßt sich nicht verbiegen. Und er ist heilig, das heißt er ist unverfügbar, er ist herausgenommen aus dem Kreis der anderen Menschen. Man kann nicht über ihn herrschen. Denn er hat in sich eine andere Kraft, eine heilige Kraft. Herodes redet gerne mit Johannes und zugleich wird er dabei »unruhig und ratlos«. Er spürt in ihm etwas Echtes und Authentisches. Und er hat eine Ahnung davon, daß ihm guttun würde, wenn er sich auf diesen wilden Mann einlassen würde. Aber zugleich hat er Angst davor, sein Leben zu ändern, von seinem Königsthron herabzusteigen und sich der eigenen Wahrheit zu stellen. Doch der wilde Mann läßt sich nicht einschüchtern. Er zwingt jeden, sich mit seinem eigenen Herzen zu befassen, das Wilde und Ungebändigte darin zu erkennen, aber auch die Kraft und die Klarheit.
Jesus spricht im Matthäusevangelium über Johannes, der zu ihm Boten gesandt hat, um ihn zu fragen, ob er wirklich der ist, auf den die Frommen Israels gewartet haben: »Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt? Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Leute, die fein gekleidet sind, findet man in den Palästen der Könige. Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Um einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch: Ihr habt sogar mehr gesehen als einen Propheten: Er ist der, von dem es in der Schrift heißt: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen. Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer.« (Mt 11,7-11) Es ist eine gute Charakteristik, die Jesus hier von Johannes entwirft. Er schwankt nicht wie ein Schilfrohr, sondern steht zu sich. Er richtet sich nicht nach der Meinung der Menschen. Er ist kein Wendehals, der sich nach dem Wind dreht. Er gibt nichts auf seine Kleidung. Hier hat Jesus als Gegensatz sicher Herodes im Blick, der sehr viel Wert darauf legte, in feinsten Kleidern aufzutreten. Herodes ist das Gegenbild des wilden Mannes. Einerseits lebt er in ungeheurem Luxus, ist er verweichlicht. Gleichzeitig aber ist er sehr grausam - so läßt er alle seine Gegner heimtückisch ermorden. Und dieser scheinbar so mächtige Mann ist in Wirklichkeit abhängig von Frauen. Das zeigt die Szene, in der er Salome die Hälfte seines Reiches verspricht. Er läßt sich von Salome und deren Mutter zum Mord an Johannes treiben und übergeht dabei die Stimme seines eigenen Herzens. Johannes ist klar und eindeutig, nach außen wild und kraftvoll, aber zugleich mit einem milden und guten Herzen. Er verletzt die Menschen nicht, sondern richtet sie auf. Johannes hat vor niemandem Angst. Er sagt das, was er denkt.
Johannes braucht auf sein Äußeres keinen Wert zu legen, weil er in sich stimmig ist. Er braucht keine Maske. Er ist, wie er ist. Und dann beschreibt Jesus die Aufgabe des Johannes: Er soll ihm den Weg bereiten. Das ist die geschichtliche Aufgabe in Beziehung zu Jesus. Es ist aber auch eine psychologische Aufgabe, die immer gilt. Der wilde Mann bahnt dem wahren Selbst in uns den Weg. Er befreit uns von allen Rollen und Masken, mit denen wir unser wahre Selbst verstellen. Er wirft die Fassaden ein, die wir aufgebaut haben, um nach außen hin gut aufzutreten. Alles Äußere zerbricht er, damit wir den Weg nach innen finden, zu unserem unverfälschten Kern, zu unserem Selbst, zum >Christus in uns<
Aus: Anselm Grün, Kämpfen und lieben. Wie Männer zu sich selbst finden. Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 2003.
Das deutsche Wort „warten“ meint eigentlich, auf der "Warte" wohnen. "Warte" ist der Ort der Ausschau, der Wachturm. "Warte" ist der Ort der Ausschau, der Wachturm. Warten meint also: Ausschau halten, ob jemand kommt, umherschauen, was alles auf uns zukommt. Warten kann aber auch heißen: auf etwas Acht haben, etwas pflegen, so wie der "Wärter" auf einen Menschen aufpasst und auf ihn acht gibt. Warten bewirkt beides in uns: die Weite des Blickes und die Achtsamkeit auf den Augenblick, auf das, was wir gerade erleben, auf die Menschen, mit denen wir gerade sprechen. Warten macht das Herz weit. Wenn ich warte, spüre ich, dass ich mir selbst nicht genug bin. Jeder von uns kennt das, wenn er auf einen Freund oder eine Freundin wartet. Er blickt jede Minute auf die Uhr, ob es noch nicht Zeit für ihr Kommen ist. Er ist gespannt auf den Augenblick, da der Freund oder die Freundin aus dem Zug aussteigt oder an der Haustüre klingelt. Und wie enttäuscht sind wir, wenn statt des Freundes jemand anders an der Haustür steht. Warten erzeugt in uns eine prickelnde Stimmung. Wir spüren, dass wir uns selbst nicht genug sind. Im Warten strecken wir uns aus nach dem, der unser Herz berührt, der es höher schlagen lässt, der unsere Sehnsucht erfüllt.
Wie fühlst Du Dich, wenn Du auf das Kommen eines lieben Menschen wartest? Es tritt etwas Neues in dein Leben. Du wirst beschenkt. Du freust Dich auf den Menschen. Du fühlst Dich lebendig. Starke Gefühle steigen in dir hoch. Du wartest nicht nur selbst. Du wirst auch erwartet. Wie fühlst Du Dich, wenn andere auf Dich warten, wenn Gott auf Dich wartet? Andere haben Erwartungen an Dich. Die Erwartungen können Dich einengen. Aber wenn keiner mehr etwas von dir erwartet, fühlst Du Dich überflüssig. Die Adventszeit will Dich einladen, im Warten Dein Herz zu weiten und Dich als Erwarteten aufzurichten. Du bist wertvoll. Viele warten auf Dich. Gott wartet auf Dich, damit Du wahrhaft lebst.
Aus: Anselm Grün, Weihnachten – Einen neuen Anfang feiern, Freiburg 1999, Seite 16f
Heute kam ich von einer Reise zurück. Als sich der Zug München näherte, erfüllte mich ein freudiges Gefühl: Es gibt jemand, der auf mich wartet. Und ich dachte an Christus, der so oft im Evangelium davon spricht, dass er erwartet werden will. Vielleicht deshalb, weil die Ankunft ganz anders ist, wenn man erwartet wird – für den Wartenden wie für den Kommenden. Oder weil Gott uns nur so die ganze Freude schenken kann, die er für uns bereit hält?
Niemand
besitzt Gott so,
dass er nicht mehr auf ihn warten müsste.
Und doch kann niemand
auf Gott warten,
der nicht wüsste,
dass Gott schon längst auf ihn gewartet hat.
(Dietrich Bonhoeffer)
Aus: Wolfgang Bader, Türen zum Advent, München, 2. Auflage, 2002, Seite 53f
Auch in der Kirche gibt es Menschen, die noch nicht auf dem Boden des Reiches Gottes leben; und es gibt Menschen im Reich Gottes, die nicht der sichtbaren Kirche angehören.
Ein schlagendes Beispiel dafür ist die Tatsache, wie es viele Leute mit der Herrschaft Christi halten. Viele Katholikinnen und Katholiken haben zwölf Jahre Religionsunterricht hinter sich und haben sich dennoch niemals persönlich der Herrschaft Jesu unterstellt. Vielleicht haben sie noch nie etwas von der Herrschaft Christi gehört – oder nur als liturgisch vorformulierte Aussage im Kontext des Gottesdienstes; vielleicht haben sie keine Ahnung, dass das für sie ganz persönlich etwas bedeuten könnte. Vielleicht meinen sie, es bedeutet, dass der Sohn in seiner Eigenschaft als Mitglied der Dreifaltigkeit in irgendeiner fernen und abstrakten Weise das Universum regiert. Aber die Evangelien stellen klar, dass diejenigen, die im Reiche Gottes sind, Jesus als ihren persönlichen Herrn anerkennen – und als Herrn aller Systeme, Institutionen, Nationen und Kulturen dieser Welt (einschließlich des Abendlandes und der Katholischen Kirche!).
Andererseits gibt es viele Nichtkatholiken und Nichtkatholikinnen, die ganz klar verstanden haben, was die Herrschaft Christi bedeutet. Sie bedeutet, dass er entweder die Nummer eins in deinem Leben ist – oder dass er nicht der Herr ist. Die Familie kann nicht das erste sein. Die Karriere kann nicht an erster Stelle kommen. Geld kann nicht die erste Geige spielen. Die Armee kann nicht über allem stehen. Und es reicht nicht, „Jesus ist Herr!“ als Glaubensbekenntnis oder als Katechismusantwort zu repetieren. Lippenbekenntnisse zählen nicht. Wie Jesus selber sagt: Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt (Matthäus 7, 21).
Was zählt, ist dies: auf Jesus zu hören und ihm zu erlauben, dich leben zu lehren. Was zählt, ist die Bereitschaft, sein persönlicher Jünger, seine persönliche Jüngerin zu werden. Das Wort bedeutet ursprünglich soviel wie Schülerin oder Lernender. Es kommt darauf an, das zu tun, was Jesus uns sagt – sowohl durch die Bibel als auch durch persönlichen Gebetskontakt. Was Jesus lehrt, ist immer der Wille des Vaters.
Es gibt viele, die den Lehren Jesu folgen und den Willen Gottes tun, obwohl sie nicht zur Kirche gehören!
Aus: Richard Rohr, Das entfesselte Buch, Eine Einführung in die Bibel, Freiburg 2003, Seite 219f
Johannes ist uns mit seinen Fragen sehr nahe. Lange haben wir gemeint, wir wüssten Bescheid über Gott. Man bräuchte nur die Katechismusfragen und antworten kennen. Doch das trägt nicht mehr. Gott ist anders als unsere Vorstellungen und Erwartungen. Zweifel kommen auf: Ist er wirklich der, der uns und unsere Welt retten kann und will?
Das sagt Jesus uns: Wo Menschen neu leben lernen, da beginnen sich schon die großen Hoffnungen zu realisieren. Lahme gehen: da denke ich an den Behindertenkreis, der Lahmen Füße macht, sie zusammenbringt und Freude erfahren lässt. Ich denke an unsere Krankenbesucherinnen und Krankenbesucher, in denen Kranke und Einsame Zuhörer finden, auch wenn die Krankenhauswelt um sie herum taub zu sein scheint für ihre eigentlichen Fragen. Unser Eine Welt Kreis macht viele Blinde sehend für das Elend in der Welt und die Unrechtsstrukturen, die Menschen und Völker niederhalten. So könnten wir fortfahren.
Aus: Ferdinand Kerstiens, Große Hoffnungen – erste Schritte, Glaubenswege durch das Lesejahr A, Seite 22f

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Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
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Die 1. Lesung aus dem Jesajabuch trägt der liturgischen Tradition des Sonntags "Gaudete" Rechnung. Der Gottesdienst beginnt mit dem Ruf "Freut euch im Herrn zu jeder Zeit..." Die Aufforderung zur Freude leitet die 1. Lesung ein. Das Kapitel 35 nimmt im Jesajabuch eine Sonderstellung ein. Es ist hier eingefügt worden, als das 1. (Kapitel 1 bis 39) und das 2. Jesajabuch (Kapitel 40 bis 62) zu einem Werk zusammengefasst worden sind. Der Verfasser dieses Abschnittes meditiert am Ende des 4. vorchristlichen Jahrhunderts die Gegenwartsbedeutung der Verheißungen der ihm vorliegenden Jesajaschriften. Die Heimkehr aus der babylonischen Gefangenschaft hatte sich bereits erfüllt. Jahweh ist auf den Zion zurückgekehrt. Dennoch sind viele Juden verzagt. Der größere Teil von ihnen lebt über die damals bekannte Welt verstreut. Die alte Glanzzeit Jerusalems lässt sich nicht wiederherstellen. An diese Verzagten richtet der Verfasser die Verse des Kapitels 35. Im 1. Abschnitt (Verse 1 und 2) vergleicht er die Freude mit dem Aufblühen der Wüste in der Regenzeit. Sie blüht so prächtig und reich, dass sie den Vergleich mit dem üppig bewaldeten Libanon, dem fruchtbaren Berg Karmel oder mit der Scharonebene nicht zu scheuen braucht. Der zweite Abschnitt (Verse 3 bis 6) spricht den Verzagten Mut zu und fordert auf, die Erschlafften aufzurichten. Der Grund der Hoffnung liegt im "Seht, hier ist euer Gott!" Das Wirken Gottes zeigt sich in der Heilung der körperlichen Gebrechen, die nicht nur geistig/geistlich erfahren wird, sondern für alle Menschen sichtbar und spürbar ist. Sichtbar wird das Wirken Gottes auch im Fruchtbarwerden der Wüste und Steppe (vgl. "ungekürzte Fassung", in der Lesung werden diese Verse leider ausgelassen). In einem dritten Abschnitt (Verse 8 bis 10 - 8 und 9 sind wieder ausgelassen) wird eine Straße als der Heilige Weg beschrieben, die aus der Wüste zum Zion führt und auf der die Befreiten voll Jubel und Freude zurückkehren. Die Lesung endet mit dem Motiv der Freude, mit dem sie auch begonnen hat.
Wie schon an den vorhergehenden Sonntagen hören wir in der Jesaja-Perikope eine der Visionen des Propheten. In schillernden Bildern beschreibt der Prophet seine Hoffnung, die er auf Jahwe setzt. Jahwe rettet sein Volk aus aller Bedrohung und führt es weiter der Verheißung entgegen, auf die Israel seinen Bestand gründet. Gründe zur Sorge gab es: Das Reich Juda war schwer bedroht durch Völker, die sich zur Eroberung aufgemacht hatten. Die vorliegende Perikope entstand unter dem Eindruck der anrückenden Assyrer.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive