Lesung aus dem Buch Jesaja.
Um Zions willen werde ich nicht schweigen,
um Jerusalems willen nicht still sein,
bis hervorbricht wie ein helles Licht seine Gerechtigkeit
und sein Heil wie eine brennende Fackel.
Dann sehen die Nationen deine Gerechtigkeit
und alle Könige deine Herrlichkeit.
Man ruft dich mit einem neuen Namen,
den der Mund des HERRN für dich bestimmt.
Du wirst zu einer prächtigen Krone in der Hand des HERRN,
zu einem königlichen Kopfschmuck in der Hand deines Gottes.
Nicht länger nennt man dich "Verlassene"
und dein Land nicht mehr "Verwüstung",
sondern du wirst heißen: "Ich habe Gefallen an dir"
und dein Land wird Vermählte genannt.
Denn der HERR hat an dir Gefallen
und dein Land wird vermählt.
Wie der junge Mann die Jungfrau in Besitz nimmt,
so nehmen deine Söhne dich in Besitz.
Wie der Bräutigam sich freut über die Braut,
so freut sich dein Gott über dich.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv - Von der Huld des HERRN
will ich ewig sinden. - KV
(Oder GL 657,3)
Einst hast du in einer Vision zu deinen Frommen gesprochen: /
Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten
und David, meinem Knecht, geschworen:
Auf ewig gebe ich deinem Haus festen Bestand
und von Geschlecht zu Geschlecht gründe ich deinen Thron. - Kv
Selig das Volk, das den Jubelruf kennt,
HERR, sie gehen im Licht deines Angesichts.
Sie freuen sich allezeit über deinen Namen
und sie jubeln über deine Gerechtigkeit. - Kv
Er wird zu mir rufen: Mein Vater bist du,
mein Gott, der Fels meiner Rettung.
Auf ewig werde ich ihm meine Huld bewahren,
mein Bund mit ihm ist verlässlich. - Kv
Lesung aus der Apostelgeschichte.
In der Synagoge von Antiochia in Pisidien stand Paulus auf,
gab mit der Hand ein Zeichen
und sagte:
Ihr Israeliten und ihr Gottesfürchtigen, hört!
Der Gott dieses Volkes Israel hat unsere Väter erwählt
und das Volk in der Fremde erhöht, im Land Ägypten;
er hat sie mit hoch erhobenem Arm von dort herausgeführt.
Dann erhob er David zu ihrem König,
von dem er bezeugte:
Ich habe David, den Sohn des Isai,
als einen Mann nach meinem Herzen gefunden,
der alles, was ich will, vollbringen wird.
Aus seinem Geschlecht
hat Gott dem Volk Israel, der Verheißung gemäß,
Jesus als Retter geschickt.
Vor dessen Auftreten hat Johannes
dem ganzen Volk Israel eine Taufe der Umkehr verkündet.
Als Johannes aber seinen Lauf vollendet hatte,
sagte er: Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet;
aber siehe, nach mir kommt einer,
dem die Sandalen von den Füßen zu lösen ich nicht wert bin.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Lesungsperikope entstammt dem Bericht der Apostelgeschichte über die erste Missionsreise des Apostels Paulus (Apg 13,4-14,28). Darin wird von großen Missionserfolgen sowohl bei Juden wie auch bei Heiden erzählt. Innerhalb dieses Berichts nimmt die Verkündigung des Apostels in der Synagoge von Pisidien einen herausragenden Platz ein. Sie macht deutlich, dass die Verheißungen, die an das alttestamentliche Gottesvolk ergangen sind, sich in Jesus erfüllten, dass das von Gott zugesagte Heil aber über das Gottesvolk hinaus jedem, also auch den Heiden, gilt. So ist der ganzen Zuhörerschaft in der Synagoge von Pisidien genüge getan, die sich sowohl aus Juden wie aus gottesfürchtigen Heiden zusammensetzt.
Die Predigt beginnt mit dem Gedanken, dass Gott die Väter Israels erwählt hat und dieses Volk durch die Geschichte geführt hat. Dann kommt Paulus aber schnell auf Jesus zu sprechen, den er als von Gott gesandten Retter Israels verkündet, für welchen Johannes der Täufer den Weg bereitet hat. Der Apostel will damit die Hinwendung der Juden zu Jesus und seine Anerkennung als verheißenen Messias bewirken. Indem er auf die Umkehrpredigt Johannes des Täufers verweist, hält er fest, dass niemand den Messias erkennen wird, der nicht bereit ist, ein anderer Mensch zu werden.
Lesung aus der Apostelgeschichte.
In der Synagoge von Antiochia in Pisidien stand Paulus auf,
gab mit der Hand ein Zeichen
und sagte:
Ihr Israeliten und ihr Gottesfürchtigen, hört!
Der Gott dieses Volkes Israel hat unsere Väter erwählt
und das Volk in der Fremde erhöht, im Land Ägypten;
er hat sie mit hoch erhobenem Arm von dort herausgeführt
und etwa vierzig Jahre durch die Wüste getragen.
Sieben Völker hat er im Land Kanaan vernichtet
und ihr Land ihnen zum Besitz gegeben,
für etwa vierhundertfünfzig Jahre.
Danach hat er ihnen Richter gegeben
bis zum Propheten Samuel.
Dann verlangten sie einen König
und Gott gab ihnen Saul, den Sohn des Kisch,
einen Mann aus dem Stamm Benjamin,
für vierzig Jahre.
Nachdem er ihn verworfen hatte,
erhob er David zu ihrem König,
von dem er bezeugte:
Ich habe David, den Sohn des Isai,
als einen Mann nach meinem Herzen gefunden,
der alles, was ich will, vollbringen wird.
Aus seinem Geschlecht
hat Gott dem Volk Israel, der Verheißung gemäß,
Jesus als Retter geschickt.
Vor dessen Auftreten hat Johannes
dem ganzen Volk Israel eine Taufe der Umkehr verkündet.
Als Johannes aber seinen Lauf vollendet hatte,
sagte er: Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet;
aber siehe, nach mir kommt einer,
dem die Sandalen von den Füßen zu lösen ich nicht wert bin.
Die Lesungsperikope entstammt dem Bericht der Apostelgeschichte über die erste Missionsreise des Apostels Paulus (Apg 13,4-14,28). Darin wird von großen Missionserfolgen sowohl bei Juden wie auch bei Heiden erzählt. Innerhalb dieses Berichts nimmt die Verkündigung des Apostels in der Synagoge von Pisidien einen herausragenden Platz ein. Sie macht deutlich, dass die Verheißungen, die an das alttestamentliche Gottesvolk ergangen sind, sich in Jesus erfüllten, dass das von Gott zugesagte Heil aber über das Gottesvolk hinaus jedem, also auch den Heiden, gilt. So ist der ganzen Zuhörerschaft in der Synagoge von Pisidien genüge getan, die sich sowohl aus Juden wie aus gottesfürchtigen Heiden zusammensetzt.
Die Predigt beginnt mit dem Gedanken, dass Gott die Väter Israels erwählt hat und dieses Volk durch die Geschichte geführt hat. Dann kommt Paulus aber schnell auf Jesus zu sprechen, den er als von Gott gesandten Retter Israels verkündet, für welchen Johannes der Täufer den Weg bereitet hat. Der Apostel will damit die Hinwendung der Juden zu Jesus und seine Anerkennung als verheißenen Messias bewirken. Indem er auf die Umkehrpredigt Johannes des Täufers verweist, hält er fest, dass niemand den Messias erkennen wird, der nicht bereit ist, ein anderer Mensch zu werden.
Halleluja. Halleluja.
Morgen wird die Sünde der Erde getilgt,
und über uns herrscht der Retter der Welt.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
Buch des Ursprungs Jesu Christi,
des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams:
Abraham zeugte den Isaak,
Isaak zeugte den Jakob,
Jakob zeugte den Juda und seine Brüder.
Juda zeugte den Perez und den Serach
mit der Tamar.
Perez zeugte den Hezron,
Hezron zeugte den Aram,
Aram zeugte den Amminadab,
Amminadab zeugte den Nachschon,
Nachschon zeugte den Salmon.
Salmon zeugte den Boas
mit der Rahab.
Boas zeugte den Obed
mit der Rut.
Obed zeugte den Isai,
Isai zeugte David, den König.
David zeugte den Salomo
mit der Frau des Urija.
Salomo zeugte den Rehabeam,
Rehabeam zeugte den Abija,
Abija zeugte den Asa,
Asa zeugte den Joschafat,
Joschafat zeugte den Joram,
Joram zeugte den Usija.
Usija zeugte den Jotam,
Jotam zeugte den Ahas,
Ahas zeugte den Hiskija,
Hiskija zeugte den Manasse,
Manasse zeugte den Amos,
Amos zeugte den Joschija.
Joschija zeugte den Jojachin und seine Brüder;
das war zur Zeit der Babylonischen Gefangenschaft.
Nach der Babylonischen Gefangenschaft
zeugte Jojachin den Schealtiël,
Schealtiël zeugte den Serubbabel,
Serubbabel zeugte den Abihud,
Abihud zeugte den Eljakim,
Eljakim zeugte den Azor.
Azor zeugte den Zadok,
Zadok zeugte den Achim,
Achim zeugte den Eliud,
Eliud zeugte den Eleasar,
Eleasar zeugte den Mattan,
Mattan zeugte den Jakob.
Jakob zeugte den Josef, den Mann Marias;
von ihr wurde Jesus geboren,
der der Christus genannt wird.
Im Ganzen sind es also von Abraham bis David
vierzehn Generationen,
von David bis zur Babylonischen Gefangenschaft
vierzehn Generationen
und von der Babylonischen Gefangenschaft bis zu Christus
vierzehn Generationen.
Mit der Geburt Jesu Christi war es so:
Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt;
noch bevor sie zusammengekommen waren,
zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete -
durch das Wirken des Heiligen Geistes.
Josef, ihr Mann,
der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte,
beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen.
Während er noch darüber nachdachte,
siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum
und sagte: Josef, Sohn Davids,
fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen;
denn das Kind, das sie erwartet,
ist vom Heiligen Geist.
Sie wird einen Sohn gebären;
ihm sollst du den Namen Jesus geben;
denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.
Dies alles ist geschehen,
damit sich erfüllte,
was der Herr durch den Propheten gesagt hat:
Siehe: Die Jungfrau wird empfangen
und einen Sohn gebären
und sie werden ihm den Namen Immanuel geben,
das heißt übersetzt: Gott mit uns.
Als Josef erwachte,
tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte,
und nahm seine Frau zu sich.
Er erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar.
Und er gab ihm den Namen Jesus.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die als "erweiterte Fußnote" zu Mt 1,16 angefügte Darstellung, wie die Erzeugung Jesu durch den Heiligen Geist Josef offenbart wurde, ist eine in Erzählform gebotene christliche Erklärung des Geheimnisses der Herkunft Jesu. Die Matthäus aus der Glaubensüberzeugung urchristlicher Kreise gewisse Tatsache, daß nicht Josef, sondern der Heilige Geist der wahre Erzeuger Jesu ist, wird schon in Vers 18 ausgesprochen. Die Bedenken des "gerechten" Josef werden vom Offenbarungsengel durch die Enthüllung zerstreut, daß das Kind im Schoße Marias vom Heiligen Geist gezeugt ist. Ein weiteres Wort offenbart ihm, daß es ein Knabe ist, dem er den Namen Jesus geben soll. Daran schließt Matthäus ein Erfüllungszitat (Verse 22-23): Es ist ein prophetisch vorhergesagtes Geschehen, das die jungfäuliche Empfängis einschließt und im Zusammenhang der Erlösung steht.
Offenbarungen durch Träume sind in der antiken Welt verbreitet. Engel sind für das Judentum häufig Offenbarungsvermittler und auch dem Urchristentum als Boten Gottes vertraut. Es sind Darstellungsweisen für ein sonst unfaßbares Offenbarungsgeschehen.
Die Überlegungen Josefs setzen die Verhältnisse jüdischer Eheschließung und jüdische Anschauungen voraus. Schon mit der Verlobung (Heiratsvertrag) ist Josef rechtlich der Ehegatte Marias, doch mit der Überführung in sein Haus beginnt die eheliche Gemeinschaft. Wenn sich eine Braut mit einem anderen Mann einließ, galt das als Ehebruch. Josef, der die Schwangerschaft Marias erkennt, will sie nicht "bloßstellen", nicht in Verruf bringen, sondern ihr im Stillen den Scheidebrief ausstellen, damit sie nicht beschämt oder gar als Ehebrecherin bestraft wird.
Hauptpunkt der Offenbarung ist die Herkunft des Kindes vom Heiligen Geist. Trotz des Ausdrucks "erzeugt" bleibt (wie bei Lk 1,35) jede geschlechtliche Vorstellung fern, anders als in heidnischen Mythen, wo Götter mit Jungfrauen geschlechtlich verkehrten. Der Gedanke der geisterzeugten jungfräulichen Empfängnis hat eher an jüdisch-hellenistischen Vorstellungen einen Anhalt.
Matthäus will mit der Erzählung zugleich die Bedeutung des göttlichen Kindes den Lesern vor Augen führen. In der Namensgebung, die hier Josef zufällt, wird Jesus, abgeleitet von hebräisch Jehoschua (= Jahwe ist Hilfe), als Retter seines Volkes vorgestellt. Für Matthäus gewinnt der in Jes 7,14 dem Kind beigelegte Name "Immanuel" (= "Gott mit uns") eine hervorragende Bedeutung. Denn in Jesus ist Gott helfend, rettend, schützend mit seinem Volk und im Ausblick auf das neue Gottesvolk diesem nahe und gegenwärtig bis ans Ende der Welt.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
Mit der Geburt Jesu Christi war es so:
Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt;
noch bevor sie zusammengekommen waren,
zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete -
durch das Wirken des Heiligen Geistes.
Josef, ihr Mann,
der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte,
beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen.
Während er noch darüber nachdachte,
siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum
und sagte: Josef, Sohn Davids,
fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen;
denn das Kind, das sie erwartet,
ist vom Heiligen Geist.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Sie wird einen Sohn gebären;
ihm sollst du den Namen Jesus geben;
denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.
Dies alles ist geschehen,
damit sich erfüllte,
was der Herr durch den Propheten gesagt hat:
Siehe: Die Jungfrau wird empfangen
und einen Sohn gebären
und sie werden ihm den Namen Immanuel geben,
das heißt übersetzt: Gott mit uns.
Als Josef erwachte,
tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte,
und nahm seine Frau zu sich.
Er erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar.
Und er gab ihm den Namen Jesus.
Die als "erweiterte Fußnote" zu Mt 1,16 angefügte Darstellung, wie die Erzeugung Jesu durch den Heiligen Geist Josef offenbart wurde, ist eine in Erzählform gebotene christliche Erklärung des Geheimnisses der Herkunft Jesu. Die Matthäus aus der Glaubensüberzeugung urchristlicher Kreise gewisse Tatsache, daß nicht Josef, sondern der Heilige Geist der wahre Erzeuger Jesu ist, wird schon in Vers 18 ausgesprochen. Die Bedenken des "gerechten" Josef werden vom Offenbarungsengel durch die Enthüllung zerstreut, daß das Kind im Schoße Marias vom Heiligen Geist gezeugt ist. Ein weiteres Wort offenbart ihm, daß es ein Knabe ist, dem er den Namen Jesus geben soll. Daran schließt Matthäus ein Erfüllungszitat (Verse 22-23): Es ist ein prophetisch vorhergesagtes Geschehen, das die jungfäuliche Empfängis einschließt und im Zusammenhang der Erlösung steht.
Offenbarungen durch Träume sind in der antiken Welt verbreitet. Engel sind für das Judentum häufig Offenbarungsvermittler und auch dem Urchristentum als Boten Gottes vertraut. Es sind Darstellungsweisen für ein sonst unfaßbares Offenbarungsgeschehen.
Die Überlegungen Josefs setzen die Verhältnisse jüdischer Eheschließung und jüdische Anschauungen voraus. Schon mit der Verlobung (Heiratsvertrag) ist Josef rechtlich der Ehegatte Marias, doch mit der Überführung in sein Haus beginnt die eheliche Gemeinschaft. Wenn sich eine Braut mit einem anderen Mann einließ, galt das als Ehebruch. Josef, der die Schwangerschaft Marias erkennt, will sie nicht "bloßstellen", nicht in Verruf bringen, sondern ihr im Stillen den Scheidebrief ausstellen, damit sie nicht beschämt oder gar als Ehebrecherin bestraft wird.
Hauptpunkt der Offenbarung ist die Herkunft des Kindes vom Heiligen Geist. Trotz des Ausdrucks "erzeugt" bleibt (wie bei Lk 1,35) jede geschlechtliche Vorstellung fern, anders als in heidnischen Mythen, wo Götter mit Jungfrauen geschlechtlich verkehrten. Der Gedanke der geisterzeugten jungfräulichen Empfängnis hat eher an jüdisch-hellenistischen Vorstellungen einen Anhalt.
Matthäus will mit der Erzählung zugleich die Bedeutung des göttlichen Kindes den Lesern vor Augen führen. In der Namensgebung, die hier Josef zufällt, wird Jesus, abgeleitet von hebräisch Jehoschua (= Jahwe ist Hilfe), als Retter seines Volkes vorgestellt. Für Matthäus gewinnt der in Jes 7,14 dem Kind beigelegte Name "Immanuel" (= "Gott mit uns") eine hervorragende Bedeutung. Denn in Jesus ist Gott helfend, rettend, schützend mit seinem Volk und im Ausblick auf das neue Gottesvolk diesem nahe und gegenwärtig bis ans Ende der Welt.
Für die Vorabendmesse des Weihnachtsfestes ist als Evangelium der Stammbaum Jesu nach Matthäus vorgesehen. Was können wir mit den vielen Namen anfangen? Wir könnten sie als neue Krippenfiguren zur Krippe stellen und so Jesus als den von vielen Generationen ersehnten Heilbringer entdecken.
Der Stammbaum Jesu, mit dem Matthäus sein Evangelium beginnt, enthält eine Reihe von Irritationen. Diese bereiten auf das Geheimnis des Weihnachtsfestes vor: Das Kind, mit dem Maria schwanger ist, ist vom Heiligen Geist. Das Wirken des Heiligen Geistes ist der Schlüssel zum Weihnachtsfest; nicht nur für Josef und Maria sondern auch für uns.
Matthäus erzählt uns eine ganz andere Geschichte von der Geburt Jesu. Er versucht aufzuzeigen, dass Gott mit uns ist und dass er auf unerwartete Weise ins Weltgeschehen und ins Leben der Menschen eingreift.
Weihnachten ist ein total verkehrtes Fest: Plötzlich stehen Kinder im Vordergrund. Es gibt in der öffentlichen Aufmerksamkeit viel Platz für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Die starken Männer machen Pause mit ihren starken und die Welt bewegenden Ansagen. Einige stellen sich sogar für den Telefondienst bei »Licht ins Dunkel« zur Verfügung. Einen Tag lang eine total verkehrte Welt.
Das Evangelium vom Vorabend des Weihnachtsfestes, präsentiert uns eine lange Liste von großen und im Volk Israel einflussreichen Männern als Stammbaum Jesu. Dieser ist geschickt arrangiert. Er enthält nicht nur große Namen, sondern auch ein wenig Zahlensymbolik. Das Ziel, auf das er zusteuert, ist Josef, der Mann Marias. Dann heißt es aber überraschend: "Von IHR wurde Jesus geboren, der der Christus – der Messias – genannt wird." Gott geht seine eigenen Wege und durchkreuzt die Pläne der Menschen. Ohne Zutun der großen Akteure der Geschichte schreibt Gott selbst Geschichte. Er braucht die großen Männer nicht.
In einer berührenden Geschichte wird dann dargelegt, welche Rolle Josef in dieser Geschichte des Volkes Israel gespielt hat: Er legitimiert Jesus, obwohl er nicht sein leiblicher Sohn ist, gibt ihm den Namen, hält schützend die Hand über das Kind und seine Mutter. Er erweist sich in einem ganz anderen Sinn als gerecht, als wir es gewohnt sind, wenn Männer sich als rechtschaffen präsentieren oder Menschen ihre Rechte einfordern. Die Größe des Josef besteht darin, dass er das Wirken Gottes gläubig annimmt.
Was der Evangelist hier von Josef, dem Mann Marias erzählt, ist in erster Linie nicht ein moralischer Akt, der uns gegebenenfalls zur Nachahmung empfohlen wird. Worauf der Evangelist hinzielt und was diesen Mann auszeichnet, ist vielmehr ein religiöser Akt. Josef sagt Ja zum Tun Gottes. Das Ja des Josef hat für den Evangelisten Matthäus eine ähnliche Bedeutung wie für den Evangelisten Lukas das Ja Marias, das uns geläufiger ist. Beide Evangelisten zeigen uns, dass es darauf ankommt, dass wir Jesus, den Retter der Welt, den Gott uns zur Heilung unserer menschlichen Nöte gibt, gläubig annehmen.
In der Volksfrömmigkeit hat sich vielerorts der Brauch des Herbergsuchens erhalten. Er erinnert daran, dass Maria und Josef in den Herbergen Betlehems keinen Platz gefunden haben. Der Brauch mahnt uns, dass wir heute mit den Heimat- und Herbergsuchenden nicht in gleicher Weise verfahren. Er hat 2000 Jahre nach der biblischen Herbergsuche mehr denn je politische und soziale Brisanz. Vor unseren Türen stehen politisch Verfolgte, wirtschaftlich Aussichtslose aus anderen Ländern und Verarmte aus unserer eigenen Umgebung. Sie klopfen an unser soziales Gewissen und erinnern uns daran, dass in unserem Wohlstandsgefüge einiges verkehrt läuft, das wir nicht an diesem einen Abend lösen können.
Bei aller Aktualität des Herbergesuchens darf dabei nicht untergehen, dass es darüber hinaus noch um eine religiöse Dimension geht. Es geht um nicht weniger als um die Frage, ob wir den von Gott gesandten Retter Jesus Christus in unser Leben hereinlassen. Ob wir zu Jesus und zum mit ihm verbundenen Programm Gottes ja sagen wie Josef. Ob wir uns dieses Geschenk Gottes aneignen, wie Josef Jesus als seinen Sohn angenommen hat, oder ob wir dieses Geschenk heimlich umtauschen oder irgendwann zu einem Flohmarkt bringen, wie wir das mit Geschenken machen, die uns nicht gefallen.
Weihnachten ist für uns eine doppelte Herausforderung. Wir sollen unser Herz in zweifacher Weise öffnen: einerseits indem wir uns die Not der Menschen, die es heute in der gleichen Vielfalt gibt wie damals, zu Herzen gehen lassen; andererseits indem wir uns für den Messias Gottes, den Retter der Menschen, öffnen.
Wenn ein Kind in das Leben seiner Eltern tritt, ist das meist ein freudiger Anlass. Es ist aber erst der Anfang einer langen gemeinsamen Geschichte. Wenn das Kind heranwächst mit allen seinen Bedürfnissen und zu einer eigenständigen Person wird, bleiben die Eltern mit ihm verbunden. Ihr Leben lang werden sie damit beschäftigt sein, die Eigenart ihres Kindes zu verstehen und zu begreifen.
Uns Jesus als unseren Messias uns "anzueignen", unsere Lebensgeschichte mit seiner zu verbinden, ihn in seiner Eigenart immer tiefer zu verstehen und zu erkennen, ist die große Zumutung Gottes, die uns in gleicher Weise trifft wie Josef und Maria.
Gütiger Gott,
Jahr für Jahr erwarten wir voll Freude
das Fest unserer Erlösung.
Gib, dass wir deinen Sohn von ganzem Herzen
als unseren Retter und Heiland aufnehmen,
damit wir ihm voll Zuversicht entgegengehen können,
wenn er am Ende der Zeiten als Richter wiederkommt.
Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Weihnachten am Vorabend
Herr, unser Gott,
mit der Menschwerdung deines Sohnes
hat unsere Rettung begonnen.
Nimm diese Gaben an
und mache uns durch diese Opferfeier bereit
für das Geheimnis der Heiligen Nacht,
in der wir den Ursprung unserer Erlösung festlich begehen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Weihnachten - Am Vorabend
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dein Erbarmen zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn schaffst du den Menschen neu
und schenkst ihm ewige Ehre.
Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen:
dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch,
und wir sterbliche Menschen
empfangen in Christus dein göttliches Leben.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 3
Allmächtiger Gott,
gib uns Anteil am göttlichen Leben
durch die Menschwerdung deines Sohnes,
dessen Fleisch und Blut wir im Sakrament empfangen haben.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Weihnachten - Am Vorabend
Weihnachten ist das große „Trotzdem“ Gottes
angesichts der Ignoranz des Menschen:
„Er kam in sein Eigentum - doch die Seinen
nahmen ihn nicht auf“ (Joh 1,11)
Weihnachten trotzt der Macht
und setzt ihr die Ohnmacht des Kindes
entgegen.
Weihnachten trotzt den Konventionen
und ermöglicht Unerwartetes:
Eine unverheiratete Jungfrau wird zur
Gottesgebärerin,
Heu und Stroh sind das Lager des Königs,
einfache Hirtenmusik ersetzt
Posaunenklang.
Trotzig sein ist also manchmal
die göttliche Reaktion
auf menschliches Unverständnis:
Trotz der Fehler des Menschen - Mensch
werden.
Trotz ihrer Ablehnung - die Menschen
lieben.
Trotz des Todes am Kreuz - die
Menschen retten.
Gott ist ganz schön trotzig
- das ist unser Glück.
Johann Pock, Weihnachten 2019.
Märchen vom Auszug aller Ausländer
(nach Helmut Wöllenstein)
Es war einmal, etwa drei Tage vor Weihnachten, spät abends. Über dem Marktplatz der kleinen Stadt kamen ein paar Männer gezogen. Sie blieben an der Kirche stehen und sprühten auf die Mauer die Worte "Ausländer raus" und "Deutschland den Deutschen". Steine flogen in das Fenster des türkischen Ladens gegenüber der Kirche. Dann zog die Horde ab. Gespenstische Ruhe. Die Gardinen an den Fenstern der Bürgerhäuser waren schnell wieder zugefallen. Niemand hatte etwas gesehen.
"Los kommt, wir gehen." "Wo denkst Du hin! Was sollen wir denn da unten im Süden?" "Da unten? Da ist doch immerhin unsere Heimat. Hier wird es schlimmer. Wir tun, was an der Wand steht: 'Ausländer raus'!"
Tatsächlich: Mitten in der Nacht kam Bewegung in die kleine Stadt. Die Türen der Geschäfte sprangen auf. Zuerst kamen die Kakaopäckchen, die Schokoladen und Pralinen in ihrer Weihnachtsverkleidung. Sie wollten nach Ghana und Westafrika, denn da waren sie zu Hause. Dann der Kaffee, palettenweise, der Deutschen Lieblingsgetränk: Uganda, Kenia und Lateinamerika waren seine Heimat. Ananas und Bananen räumten ihre Kisten, auch die Trauben und Erdbeeren aus Südafrika.
Fast alle Weihnachtsleckereien brachen auf. Pfeffernüsse, Spekulatius und Zimtsterne, die Gewürze aus ihrem Inneren zog es nach Indien. Der Dresdner Christstollen zögerte. Man sah Tränen in seinen Rosinenaugen, als er zugab: Mischlingen wie mir geht's besonders an den Kragen. Mit ihm kamen das Lübecker Marzipan und der Nürnberger Lebkuchen. Nicht Qualität, nur Herkunft zählte jetzt. Es war schon in der Morgendämmerung, als die Schnittblumen nach Kolumbien aufbrachen und die Pelzmäntel mit Gold und Edelsteinen in teuren Chartermaschinen in alle Welt starteten. Der Verkehr brach an diesem Tag zusammen ... Lange Schlangen japanischer Autos, vollgestopft mit Optik und Unterhaltungselektronik, krochen gen Osten. Am Himmel sah man die Weihnachtsgänse nach Polen fliegen, auf ihrer Bahn gefolgt von den Seidenhemden und den Teppichen des fernen Asiens. Mit Krachen lösten sich die tropischen Hölzer aus den Fensterrahmen und schwirrten ins Amazonasbecken. Man musste sich vorsehen, um nicht auszurutschen, denn von überall her quoll Öl und Benzin hervor, floss in Rinnsalen und Bächen zusammen in Richtung Naher Osten. Aber man hatte ja Vorsorge getroffen.
Stolz holten die deutschen Autofirmen ihre Krisenpläne aus den Schubladen: Der Holzvergaser war ganz neu aufgelegt worden. Wozu ausländisches Öl?! - Aber die VWs und BMWs, Audis und Mercedes begannen sich aufzulösen in ihre Einzelteile, das Aluminium wanderte nach Jamaika, das Kupfer nach Somalia, ein Drittel der Eisenteile nach Brasilien, der Naturkautschuk nach Zaire. Und die Straßendecke hatte mit dem ausländischen Asphalt auch immer ein besseres Bild abgegeben als heute.
Nach drei Tagen war der Spuk vorbei, der Auszug geschafft, gerade rechtzeitig zum Weihnachtsfest. Nichts Ausländisches war mehr im Land. Aber Tannenbäume gab es noch, auch Äpfel und Nüsse. Und "Fröhliche Weihnacht" durfte gesungen werden - allerdings nur mit Ausnahmegenehmigung, das Lied kam immerhin aus England.
Nur eines wollte nicht ins Bild passen: Maria, Josef und das Kind waren geblieben. Drei Juden. Ausgerechnet.
Hinrich Schorling, Pastor in Witten und Jugendpastor in Rheinland-Westfalen.
Für den Vorabendgottesdienst ist als Evangelium der Stammbaum Jesu nach Matthäus vorgesehen. Er zeigt die Verwurzelung Jesu in der ihm vorausgehenden Geschichte (Mt 1,1-25).
In Kirchen aus dem Mittelalter sieht man den Stammbaum Jesu oft bildlich dargestellt: den Baum aus der Wurzel Jesse. Unten Jesse oder Isai, der Vater Davids, und dann geht es hinauf in die Äste und Zweige, bis hin zu Maria mit dem Jesuskind.
Es gibt Leute, die viel Zeit und Geld investieren in Ahnenforschung. Auch wenn man selbst nicht so weit geht: Es ist schon interessant zu sehen, woher man kommt; wer die Vorfahren waren, die uns ihr Erbe hinterlassen haben. Wir wissen meist kaum noch etwas über sie, sobald es über die Großeltern oder die Urgroßeltern hinausgeht. Und doch haben sie alle etwas an uns weitergegeben: nicht nur biologisches Leben; ihr Leben als Ganzes hat Wirkungen hinterlassen.
Der Stammbaum Jesu ist ein ziemlich trockener, eintöniger Text: eine Vielzahl von Namen, die fremd klingen. Diese kargen Angaben bekommen Farbe und Leben, wenn man die dazu gehörigen Geschichten aus dem Alten Testament liest. Es hat jedenfalls viel zu bedeuten, dass Jesus in eine menschliche Herkunftslinie hineingestellt wird.
Leben mit positiven und negativen Vorgaben
Jesus, der wie kein anderer Mensch von Gott her zu uns gekommen ist, ist gleichzeitig tief verwurzelt in der Geschichte Israels und der ganzen Menschheit. Im Lukasevangelium wird der Stammbaum Jesu bis auf Adam zurückgeführt (Lk 3,23-38).
Jesus Christus ist nicht wie ein Meteor vom Himmel gefallen, quer zu allen Verbindungslinien und Entwicklungen der Menschheitsgeschichte. Er steht im Zusammenhang einer langen Vorgeschichte. Es war bei Jesus wie bei uns allen. Wir sind Nachkommen und Erben. Und das prägt uns: helfend und gefährdend.
Jesus konnte auf guten Grundlagen aufbauen. Er konnte in die Spur einer großen religiösen Tradition eintreten. Er konnte anknüpfen an lang erprobte, bewährte Formen der Frömmigkeit und der ethischen Lebensführung. Sein Beten war vorbereitet und getragen durch die Gebetserfahrung und -sprache seines jüdischen Volkes. Man denke an die Psalmen! Bedeutende religiöse Persönlichkeiten konnten ihm Anreger und Vorbild sein: Abraham, Mose, die Propheten. Diese positiven Vorgaben wurden Jesus zunächst durch seine Familie vermittelt: durch Maria und Josef. Durch diese beiden ist dem menschlichen Bewusstsein Jesu auch sein himmlischer Vater in den Blick gekommen.
Jesus musste aber auch mit negativen Einflüssen fertigwerden, mit Hypotheken, die sich unter seinen Vorfahren angesammelt hatten und die ihm zur Versuchung werden konnten. In der Geschichte Israels gab es ja auch Abwege und Irrwege, Spuren ins Unheil. Von manchen der Männer, die im Stammbaum genannt werden, berichten die Bücher des Alten Testaments, dass sie gegen die Bundesordnung Gottes handelten und das Volk in eine falsche Richtung mitrissen. Das wird öfter von Königen Israels gesagt. Es gab Ungerechtigkeiten und Verbrechen; falsche Vorstellungen von dem, was zum Heile dient; Verehrung von „Götzen".
Mit solchen negativen Einflüssen musste sich Jesus auseinandersetzen, um seinen Weg zu gehen und dem Auftrag des Vaters zu entsprechen. Davon handeln zum Beispiel die „Versuchungen" in der Wüste, die Jesus vor Beginn seiner öffentlichen Tätigkeit bestehen musste (Mt 4,1-11; Mk 1,12f; Lk 4,1.13).
Ähnliches gilt von uns. Unsere Vorgeschichte wird positive Impulse enthalten; Hilfen, Ermutigung; zum Guten lockende Gestalten. Aber es gibt wahrscheinlich auch erschwerende oder gefährliche Elemente, zumindest, wenn man an die Geschichte des Volkes denkt, zu dem wir gehören. Es kommt darauf an, der Lichtspur in unserer Geschichte zu folgen.
Aus: Augustin Schmied, Für uns gekommen. Biblische Betrachtungen zur Advents- und Weihnachtszeit. Verlag Neue Stadt, München Zürich Wien 2016.
Ehrlich gesagt, wenn Sie diesen Text am 19. Dezember lesen und bis heute noch keinen Weihnachtsbaum haben, dann haben Sie ziemlich schlechte Karten. Nicht, dass die Händler keine Tannen oder Fichten mehr hätten, aber die Prachtexemplare sind garantiert schon lange ausverkauft. Das, was jetzt noch auf den Christbaummärkten zu finden ist, das sind die Bäume, die keiner wollte: Ein bisschen krumm gewachsen, an einer Stelle fehlt eindeutig ein Ast, und die Nadeln könnten ja auch ein bisschen dichter sein. Und ob er wirklich noch so ganz frisch ist?
Vor einigen Jahren verbrachte ich mit einer Gruppe ein Adventswochenende. Und dabei wurde uns der Gedanke wichtig, dass Gott sich in einem Kind klein macht, um zu uns Menschen zu kommen, so wie wir sind, mit all unseren Fehlern, all unseren Unzulänglichkeiten, mit all dem, was an uns schief und krumm ist. Und gerade das ist ja das Befreiende unseres Glaubens - dass wir eben nicht perfekt sein müssen, damit unser Gott zu uns kommt. »Ja«, sagte da plötzlich eine Teilnehmerin nachdenklich, »Gott kommt zu uns in unsere Unvollkommenheit - und was machen wir? Wir suchen den perfekten Weihnachtsbaum!« Wir anderen schwiegen einen Moment völlig verblüfft ob dieser kühnen Gedankenverbindung - aber da sprach sie auch schon weiter: »Und was ist mit den Bäumen, die ein bisschen schief sind oder ein wenig ungleichmäßig? Oder denen ein Ast fehlt? Oder ...? Dürfen die denn nie Weihnachtsbaum sein?«
Kurz und gut — wir erklärten uns kurzerhand solidarisch mit all den Weihnachtsbäumen, die niemand wollte und vereinbarten, in dem Jahr einen Baum »mit Macke« zu kaufen. Entschlossen ging ich einige Tage später zu einem Christbaummarkt in Alzey. Der Händler kam schon auf mich zu und fragte eifrig: »Was für einen Baum hätten Sie denn gerne?« Ich überlegte nicht lange und sagte: »Einen Baum mit Macke!« - »Wie bitte?«, fragte der Händler ungläubig zurück. »Na ja, einen Baum mit irgendeinem Fehler halt!« Er machte vorsichtshalber einen Schritt zurück - man konnte ja nie wissen. Ich sah mich jetzt doch etwas im Erklärungsnotstand, erzählte von unserem Kurs und der Idee - mit dem Ergebnis, dass der Händler noch einen Schritt zurücktrat, mich nachsichtig ansah, mir einen Christbaummarkt nannte, vielleicht fahren Sie da mal hin - die haben eine größere Auswahl!«
Etwas belämmert zog ich ohne Baum ab, aber man ist ja lernfähig. Beim nächsten Händler ging ich vorsichtiger vor. Als er mich nach meinen Wünschen fragte, sagte ich, vollkommen den Regeln gemäß: »Eine Nordmanntanne!« Er zeigte mir mehrere Bäume, und als er beim vierten schließlich sagte: »Aber dem fehlt ein Ast, den können Sie nur in eine Ecke stellen!«, stand meine Entscheidung fest: Das war mein Baum! Und mit dem zog ich auch ganz zufrieden nach Hause.
Seit der Zeit habe ich sehr bewusst jedes Jahr einen Weihnachtsbaum »mit Macke«. Mal ist er ein bisschen krumm, mal fehlt ein Ast — oder er hat sogar zwei Spitzen. Ich finde gerade das apart - und es macht mir diesen Baum jeweils sehr sympathisch. Einen perfekten Baum kann schließlich jeder haben, der sich früh genug auf den Weg macht — aber diese perfekten Bäume finde ich inzwischen genauso langweilig wie perfekte Menschen.
Und manchmal, am ersten Weihnachtsfeiertag zum Beispiel, abends nach der Vesper, da mag es sein, dass ich in meinem Wohnzimmer bei einem Glas Rotwein sitze, mir meinen »unperfekten« Weihnachtsbaum anschaue und denke: Ja, gerade Weihnachten ist die Botschaft, dass wir nicht perfekt sein müssen. Gott kommt uns mitten in unsere Unvollkommenheit entgegen, ja kommt sogar in einem Stall zur Welt, wird Kind - und er liebt uns trotzdem. Oder manchmal vielleicht sogar gerade deswegen?
Und wenn mich mein Weihnachtsbaum »mit Macke« ab und an daran erinnert, dann ist mir das wichtiger als Schönheit und Vollkommenheit.
Andrea Schwarz in: Für jeden leuchtet ein Stern. Weihnachtliche Texte. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2006.
Die Geburt Jesu wird seit dem 4. Jahrhundert am Jahresende, in der Zeit der Wintersonnenwende, gefeiert. Seit 400 Jahren prägen zwei ganz unterschiedliche Zeichen dieses Fest: Christbaum und Krippe. Der Christbaum ist zuerst im Elsaß nachgewiesen, in Bürgerhäusern in Schlettstadt und Straßburg, die Krippe in Jesuitenkirchen von Coimbra, Prag und Altötting.
Die ersten Christbäume waren mit Äpfeln, Hostien und Kerzen geschmückt. Sie wurden am 24. Dezember aufgestellt, nach dem alten kirchlichen Kalender der Gedenktag von Adam und Eva. Das Grün erinnerte an das Paradies, die Äpfel an den Sündenfall, die Hostien an die Erlösung, die Kerzen an Christus, „das wahre Licht, das in die Finsternis kam" (Joh 1,4-9). Der ganze Baum war Licht in der Finsternis der längsten Winternacht und Zeichen der Erlösung. Der Brauch, ihn im Wohnraum aufzustellen, wurde später durch die Hugenotten vom Elsaß aus nach Frankreich, in die Pfalz, nach Baden und andere evangelisch gewordene Landschaften verbreitet. In Bayern führte ihn Karoline von Baden, die erste Königin von Bayern, zum Weihnachtsfest 1800 ein.
In der Biedermeierzeit wurde der Christbaum zum Inbegriff der „Deutschen Weihnacht". [Unser Bild zeigt eine Darstellung zum Märchen vom Tannenbaum von Hans Christian Andersen.] Als die Nationalsozialisten ihn zum Zeichen eines heidnisch-germanischen Julfestes machen wollten, wurde er als Antwort darauf auch in katholische Kirchen übernommen. Seither umrahmen symmetrische Fichtenwälder viele Altarräume in der Weihnachtszeit. Aber der ursprüngliche Sinn, der sich im Grün, im Apfel, der Hostie und dem Licht konkretisiert, wird kaum irgendwo gesucht. Außerhalb der Kirchen wurden Christbäume, überreich beladen, zum Symbol des Konsums.
Wenn wir seine christliche Botschaft wieder entdecken wollen, sollten wir in der Kirche nur einen Baum aufstellen, ihn mit Äpfeln, Hostien und Wachs(!)kerzen schmücken und die Texte vom Paradies, vom Licht, vom Abendmahl lesen.
Das Figurentheater der Weihnachtskrippe haben die Jesuiten vielleicht nicht erfunden. Aber als Medium der Verkündigung haben sie es überall auf der Welt verbreitet, in Portugal, Böhmen und Bayern, in ihren Missionsgebieten in Amerika und Asien. Die Figuren aus Holz, Wachs oder Terrakotta wurden so aufgestellt und beleuchtet, daß sie zu sprechen und zu handeln scheinen. Das Geschehen wurde sowohl als Erzählung aus alter Zeit und einem fernen Land historisiert, als auch im Hier und Heute vergegenwärtigt. Das neue Bildmedium wurde zu einem Welterfolg. Bald wurden Weihnachtskrippen auch an Fürstenhöfen, in Bischofs- und Klosterkirchen nachgebaut, im 19. Jahrhundert dann auch in Privathäusern.
Mit den Krippen wurden zunächst das Weihnachtsevangelium des Lukas und die Erzählung von den Weisen aus dem Morgenland nach Matthäus illustriert. Bald aber überlagerten andere weihnachtliche Legenden, Privatoffenbarungen und Dichtungen die knappen Berichte der Evangelisten. Um 1900 bemühte man sich darum, in den Figuren und Landschaften Palästina realistisch darzustellen. Seit 1930 setzten sich Heimatkrippen mit blonden Frauen und Kindern in Trachtenkleidung durch.
Heute sollte sich eine Kirchenkrippe neu mit den Texten des Evangeliums auseinandersetzen. Sie sollte fremde Motive aus Privatoffenbarungen, Apokryphen und Weihnachtsmärchen reduzieren und sich entweder um Authentizität bemühen oder um Modernität. Entweder man entscheidet sich, Palästina zur Zeit Jesu nachzustellen, also Jesus und seine Mutter als orientalische Juden zu entdecken, oder man überträgt das Geschehen in unsere Gegenwart: Wo würde heute eine überall abgewiesene junge Schwangere ihr Kind bekommen können? In einer Tankstelle? Einem Gewerbepark? Und wen würden die Engel in der Nähe wach finden? Obdachlose, Polizisten, Müllmänner?
Die Geburt Jesu mit Figuren und Kulissen in eine angeblich „gute, alte Zeit", beispielsweise ein Bergdorf des 18. Jahrhunderts, zu versetzen, ist verlogen. Krippen sollten nicht gemütlich sein, sondern aufregend wie die Geburt und das Leben Jesu.
Aus: Peter B. Steiner, Glaubensästhetik. Wie sieht unser Glaube aus? 99 Beispiele und einige Regeln. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2008.
Gott sagt uns in der Menschwerdung seines Sohnes nicht nur, wer er ist; er sagt uns auch, wer wir Menschen sind. Auch das ist heute nötig. Denn viele haben die Orientierung verloren. Sie wissen nicht mehr, warum und wozu sie da sind. Sie kommen sich wertlos vor. Im vergangenen Jahrhundert sind Wert und Würde des Menschen oft auf der Strecke geblieben. Mord und Totschlag hat es zwar von Anfang an, seit Kain und Abel, gegeben. Aber hat es jemals zwei so schreckliche Weltkriege, so schlimme Massenvernichtungswaffen, so brutalen, Menschen verachtenden Terrorismus gegeben?
Wie banal wir oft über den Menschen denken zeigt sich daran, dass wir von Ungerechtigkeit, Lieblosigkeit, Treulosigkeit, Eitelkeit, Lüge und vielem anderen oft einfach sagen: »Das ist menschlich.« Müssten wir nicht umgekehrt sagen: Treue, Anstand, Fairness, Gerechtigkeit und Erbarmen sind die wahre Größe des Menschen und Zeichen einer wahrhaft menschlichen Kultur?
Gott hat durch die Menschwerdung eine eindeutige und endgültige Antwort auf die Frage gegeben: Was ist der Mensch? Die Antwort lautet: Der Mensch, jeder Mensch, ist ein erbarmungswürdiges und zugleich ein liebenswürdiges Wesen. Wir sind erbarmenswürdig, weil wir uns nicht aus eigener Kraft aus unserer Not und unserem Elend befreien können. Wir sind in unserem Elend auf Gottes Erbarmen angewiesen. Unsere Größe ist, dass wir - und zwar jeder Einzelne von uns - für Gott liebenswürdige Wesen sind, so liebenswürdig, dass Gott selbst Mensch geworden ist. Er wollte uns ganz nahe sein. So hat jeder Mensch einen unendlichen Wert, ganz unabhängig davon, ob er Einheimischer oder Fremder, gesund oder krank, alt, behindert ist, unabhängig davon, ob er reich oder arm ist. Jeder ist für Gott liebenswert; jeder ist unendlich wertvoll. Gott wollte Mensch werden, damit wir an seinem göttlichen Leben Anteil haben.
Sind wir uns dieser Würde immer bewusst? Sind wir nach dem Vorbild Gottes barmherzige Menschen, die Erbarmen haben mit den anderen, oder sind wir gleichgültig gegenüber dem Leid anderer? Ist es bei uns im zwischenmenschlichen Bereich nicht recht kalt geworden? Droht die Humantemperatur unserer Welt nicht oft unter den Gefrierpunkt zu fallen? Weihnachten eröffnet uns eine neue Kultur wahrer Menschlichkeit und menschlicher Solidarität.
Gott teilt unser schwaches Menschsein, um uns sein göttliches Leben mitteilen zu können. Wer schon einmal in Betlehem war und dort die Geburtskirche besucht hat, der weiß, dass man sie nur durch ein sehr niedriges Tor betreten kann; man muss sich also bücken, um hineinzukommen. Das scheint mir symbolisch zu sein. Gott selbst hat sich klein gemacht, als er in diese Welt kam. Da dürfen auch wir uns nicht groß machen. Wir müssen uns klein machen, wenn wir zum Kind in der Krippe kommen wollen, und wir müssen uns herunterbücken zu unseren Mitmenschen. Wenn wir niederknien und beten, dann sind wir am größten.
Aus: Walter Kardinal Kasper, Bedenke dein Geheimnis. Meditationen zu Advent und Weihnachten. Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2015.
In dieser Nacht öffnet sich der Himmel
um für immer offen zu bleiben.
In dieser Nacht berührt der Himmel die Erde,
um sie für immer zu verwandeln.
In dieser Nacht ist Gott Mensch geworden,
um sich auf ewig mit uns zu verbinden.
In dieser Nacht ist alles anders.
Für einen Augenblick
hält die Welt den Atem an.
Einsame und Verzweifelte,
Enttäuschte und Unzufriedene,
Starke und Selbstsichere,
Erfolgreiche und Glückliche
staunen über das Kind in der Krippe.
Gott wird Mensch.
Udo Hahn
Die in diesem Artikel versammelten Worte und Wortfelder bezeichnen die einander erwiesene freundliche, gütige, herzliche Zuwendung. chesed ist zunächst die familiäre und nachbarschaftliche Hilfe, das Maß an gegenseitiger Unterstützung, zu dem man sich verpflichtet fühlen kann, ohne dazu formal-rechtlich verpflichtet zu sein. Diese Zuwendung, die Familie, Nachbarschaft und (vor allem in Gesellschaften ohne zentrale staatliche Herrschaft) das soziale Leben aufrechterhält, gehört zum Recht und überschreitet es zugleich als freiwillig gewährte freundliche Gabe. chesed ist eine Haltung und ein Tun. Das Lieben, d. h. das freudige Tun von chesed gehört zum Kern biblischer Ethik (Mi 6,8). Rut und ihre Schwägerin Orpa haben ihren verstorbenen Männern und ihrer Schwiegermutter Noomi chesed erwiesen, und so wünscht ihnen Noomi, Gott möge ihnen ebenso chesed erweisen (Rut 1,8). Ein zweites von vielen möglichen biblischen Beispielen: Der greise Jakob bittet seinen Sohn Josef, ihn nicht in Ägypten zu begraben. Den Vater zu begraben gehört zur Sohnespflicht. Die Gewährung der weiter gehenden Bitte, ihn nicht in Ägypten zu begraben, geht über die Pflicht hinaus und ist chesed (Gen 47,29). Jakobs Bitte gründet darin, dass er in Josefs Augen chen gefunden habe. chen ist der Liebreiz, die Anmut, die eine Person ausstrahlt und die in den Augen einer anderen, oft höhergestellten, Person Anerkennung, Wohlgefallen, Wohlwollen und dann auch Wohltaten hervorruft. So findet Rut chen in den Augen des Boas (Rut 2,10). Lot hat in den Augen des Gottesboten Zuneigung (chen) gefunden, die sich als Freundlichkeit (chesed), in diesem Fall als Lebensrettung verwirklicht (Gen 19,19). Josef findet chen, Anerkennung, in den Augen Potifars und des Gefängnischefs (Gen 39,4.21). Ästhetik und Ethik kommen in diesen Wortfeldern zusammen. Für chesed konstitutiv und auch für chen zu berücksichtigen ist die Wechselseitigkeit der Beziehung. Darin liegt ein Problem der in vielen Bibelübersetzungen üblichen Wiedergabe beider Worte mit »Gnade«. Richtig daran ist die Betonung des Nicht-Herstellbaren, jedes Verdienst Überschreitenden; die ebenso grundlegende Gegenseitigkeit kommt im Wort »Gnade« dagegen nicht zum Ausdruck.
Auch da, wo von Gottes chesed-Erweisen die Rede ist oder Gott chanun genannt wird, geht es um eine Beziehung, so etwa in der Gottesrede »Ein mitfühlender, gnädiger (chanun) Gott bin ich, langmütig, treu und wahrhaftig« (Ex 34,7; Ps 78,38, vgl. auch Ex 20,5f). Gottes chesed und chen stehen für die liebevolle, umsichtige und nachsichtige Treue zu Menschen und zum Volk Israel. Diese Freundlichkeit Gottes ist von Dauer (so der immer wiederkehrende Leitsatz in Ps 136).
Das griech. Wort charis (von dem »Charme« abgeleitet ist) nimmt im NT das Wortfeld chesed und vor allem chen und die darin ausgedrückten wechselseitigen Beziehungen auf. Es steht für Anmut (Kol 3,16), für die Zuwendung Gottes (Röm 3,21; 5,2; 6,23), die sich bei denen, denen sie zuteil wird, in der Gabe verwirklichen kann, im Namen Jesu zu wirken (Röm 1,5). Es bezeichnet aber auch den Dank (Röm 6,17) als Reaktion auf Gottes Zuwendung. Besonders deutlich wird das Beziehungsgeflecht, das sich im Wort Charts ausdrückt, in 2 Kor. Hier verbindet der eine Begriff alle Beziehungsebenen: die gegenseitigen zwischen Gott und Menschen und die der Menschen untereinander, was das deutsche Wort »Zuwendung« besser ausdrücken kann als das übliche »Gnade«. Der Zuwendung Gottes (1,2) und Jesu (8,9) entspricht die des Paulus zur Gemeinde (1,15). Daraus folgt die materielle Zuwendung als Hilfe für die armen Gemeinden in Jerusalem (8,4.6.7; 9,8). Alles mündet in die Zuwendung zu Gott im Dank aller Beteiligten (8,16; 9,15).
Aus: Glossar. Bibel in gerechter Sprache. Herausgegeben von Ulrike Bail u.v.a. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2007 (2006).
Für den Vorabendgottesdienst ist als Evangelium der Stammbaum Jesu nach Matthäus vorgesehen. Er zeigt die Verwurzelung Jesu in der ihm vorausgehenden Geschichte (Mt 1,1-25).
In Kirchen aus dem Mittelalter sieht man den Stammbaum Jesu oft bildlich dargestellt: den Baum aus der Wurzel Jesse. Unten, die Wurzel: Jesse oder Isai, der Vater Davids, und dann geht es hinauf in die Äste und Zweige, bis hin zu Maria mit dem Kinde Jesus.
Es gibt Leute, die viel Zeit und Geld investieren in Ahnenforschung. Auch wenn man selbst nicht so weit geht: es ist schon interessant zu sehen, woher man kommt; wer die Vorfahren waren, die uns ihr Erbe hinterlassen haben. Wir kennen sie kaum noch, wenn es über die Großeltern oder die Urgroßeltern hinausgeht. Und doch haben sie alle etwas an uns weitergegeben: nicht nur biologisches Leben; ihr Leben als Ganzes, ihre Person, haben Wirkungen hinterlassen.
Kommen wir zurück zum Stammbaum Jesu! Es ist ein ziemlich trockener, eintöniger Text: ständig Namen, die fremd klingen. Diese kargen Angaben bekämen Farbe und Leben, wenn man die dazu gehörigen Geschichten aus dem Alten Testament läse. Es hat jedenfalls viel zu bedeuten, dass Jesus in eine menschliche Herkunftslinie hineingestellt wird.
Leben mit positiven und negativen Vorgaben
Jesus, der wie kein anderer Mensch, von Gott her zu uns gekommen ist, ist gleichzeitig tief verwurzelt in der vorausgehenden Geschichte Israels und der ganzen Menschheit. Im Lukasevangelium wird der Stammbaum Jesu bis auf Adam zurückgeführt (Lk 3,23-38).
Christus ist nicht wie ein Meteor vom Himmel gefallen, quer zu allen Verbindungslinien und Entwicklungen der Menschheitsgeschichte. Er steht im Zusammenhang einer langen Vorgeschichte. Es war bei Jesus wie bei uns allen. Wir sind Nachkommen und Erben. Und das prägt uns: helfend und gefährdend.
Jesus konnte auf guten Grundlagen aufbauen. Er konnte in die Spur einer großen religiösen Tradition eintreten. Er konnte anknüpfen an lang erprobte und bewährte Formen der Frömmigkeit und der ethischen Lebensführung. Sein Beten war vorbereitet und getragen durch die Gebetserfahrung und -sprache seines jüdischen Volkes. Man denke an die Psalmen! Bedeutende religiöse Persönlichkeiten konnten ihm Anreger und Vorbild sein: Abraham, Mose, die Propheten.
Diese positiven Vorgaben wurden Jesus näherhin und zunächst durch seine Familie vermittelt: durch Maria und Josef. Durch diese Beiden ist dem menschlichen Bewusstsein Jesu auch sein himmlischer Vater in den Blick gekommen.
Jesus musste aber auch mit negativen Einflüssen fertig werden, mit Hypotheken, die sich unter seinen Vorfahren angesammelt hatten; die ihm zur Versuchung werden konnten.
In der Geschichte Israels gab es auch Abwege und Irrwege, Spuren ins Unheil. Von manchen der Männer, die im Stammbaum genannt werden, berichten die Bücher des Alten Testaments, dass sie gegen die Bundesordnung Gottes handelten und das Volk in eine falsche Richtung mitrissen. Das wird öfter von Königen Israels gesagt. Es gab Ungerechtigkeiten und Verbrechen; falsche Vorstellungen von dem, was zum Heile dient; Verehrung von "Götzen".
Mit solchen negativen Einflüssen musste sich Jesus auseinandersetzen, um seinen Weg zu gehen und dem Auftrag des Vaters zu entsprechen.
Ähnliches gilt auch von uns. Unsere Vorgeschichte wird positive Impulse enthalten; Hilfen, Ermutigung; zum Guten lockende Gestalten. Aber es gibt wahrscheinlich auch erschwerende oder gefährliche Elemente, zumindest, wenn man auch an die Geschichte des Volkes denkt, zu dem wir gehören. Es kommt darauf an, der Lichtspur in unserer Geschichte zu folgen.
Grenzen, die kein Unheil sind
Der Stammbaum Jesu zeigt, dass zum menschlichen Leben Jesu konstitutive Begrenzungen gehörten; Grenzen, die trotzdem seinen Raum und Zeit umspannenden Einfluss nicht gemindert haben.
Jesus wurde in eine ganz bestimmte Menschheitslinie hineingeboren, in ein ganz bestimmtes Volk. Er war Jude; die Christen haben das oft vergessen. Er hat nicht alle Sprachen gesprochen und verstanden. Er ist in vielen Punkten "Kind seiner Zeit" gewesen.
In den Grenzen seines Lebens hat Jesus aber eine universale Ausstrahlung entfaltet. Er hat als Person und mit seiner Botschaft Menschen aller Völker ansprechen können. Die neutestamentliche Bibel, die seine Geschichte und seine Worte weitergibt, ist in alle Sprachen übersetzt; sie ist wohl das am meisten verbreitete Buch überhaupt geworden. Jesus hat die menschlichen Grunderfahrungen miterlebt - den Weg vom Kindsein bis zum Tode; er war mit den elementaren Situationen der Menschen vertraut. Deshalb kann er allen nahe kommen.
Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Interview, das der jüdische Schriftsteller und Nobelpreisträger Isaac Bashevis Singer (1904-1991) gegeben hat. Er sprach davon, dass öfter junge Leute, Studenten, zu ihm kommen und fragen, wie sie es machen sollten, um es zu einem guten Schriftsteller zu bringen. Singer meinte, er sage ihnen, dass sie sich nicht mit Gewalt und nicht zu weit weg von ihrem menschlichen Wurzelboden entfernen sollten. Möglichst Kontakt halten zu den eigenen Ursprüngen ("stay with it" -"bleib dran"!). Singer selbst hat den Nobelpreis in Literatur 1978 für Werke erhalten, die er zunächst in seiner Muttersprache, in Jiddisch, verfasst hatte, in einem (leider) nur noch von Wenigen gesprochenen Dialekt des Ostjudentums. Aber in dieser an sich begrenzten Ausdrucksform war er er selbst, konnte er Originelles und weltweit Bedeutendes schaffen.
Stammbaum Jesu Christi: Jesus eingesenkt in das Wurzelgeflecht der Menschheit! So ist er der Erlöser geworden. Aus dem Inneren der Menschheitsgeschichte her hat er uns einen Weg gebahnt: den Weg zu Gott, dem Vater, und den Weg zu den Mitmenschen. Auf diesen Weg können wir uns mitnehmen lassen.
Aus:
Augustin Schmied, Lichter, die uns begleiten. Gedanken zu den christlichen Festen, veröffentlicht im Dezember 2012 hier im Downloadbereich des Predigtforums.
Was würde sein, wenn es Jesus wirklich gibt...
https://www.youtube.com/watch?v=cr-2KSOg-v0
(Bettina Wegener Cover)
"Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht": Das ist und bleibt eine wunderbare Verheißung. Auch für den Glauben. Können wir uns wirklich auf Gott verlassen? Das fragen viele, die Dunkelheit empfinden in ihrem Leben... Glaube bleibt ein Ringen mit dem Zweifel, mit dem Leiden, mit der Frage nach Gott. Auch im 21. Jahrhundert. Wer aber fragt und ringt und zweifelt, steht schon mitten in einer Beziehungsgeschichte zu Gott.
Wir sollten ja nicht so tun, als hätten wir unser Leben, unsere Welt, ja die Schöpfung "im Griff" ... Glaubenshoffnung meint etwas anderes. Sie sagt: Was auch kommen mag, Gott wird mir zur Seite stehen. Gott ist bei denen, die einsam sind, die leiden. Gott steht denen bei, die sterben. Ja, unsere Hoffnung geht über den Tod hinaus. Gottvertrauen ist eine Lebenshaltung ...
Was uns bedrückt und was uns freut, was enttäuscht und wofür wir dankbar sind, wird hell bestrahlt von dem Licht der Wahrheit. Gott ist in die Welt gekommen. Gottes Lebenszusage reicht weit über das hinaus, was wir erkennen und sehen. Sie erhebt Anspruch auf eine Friedensherrschaft, die Recht und Gerechtigkeit bringt. Als Hoffnung über alle Zeiten hinweg. In Menschen, die an Gott glauben, bleibt die Hoffnung wach, dass alles sich ändern kann.
Wir haben die Gewissheit, dass wir gehalten sind, weil im Dunkel Licht scheint.
Margot Käßmann in: Unterwegs zum Licht, Weihnachtliche Worte und Weisen, Weihnachtssonderband, Herausgegeben von Ulrich Sander, Freiburg.
Es war einmal ein hartherziger Hirte, der sich und anderen nichts Gutes gönnte. Eines Nachts kam ein Mann zu ihm und bat um Feuer. Doch der hartherzige Hirte hetzte seine Schäferhunde auf den Fremden. Diese bissen ihm ins Bein und in seine Hand, und einer hängte sich sogar an seine Kehle. Aber zum großen Erstaunen des Hirten zeigten die Bisse keinerlei Wirkung. Der Fremde blieb völlig unverletzt.
Nun war der Fremde ganz nahe gekommen und sagte zu dem Hirten: "Guter Freund, hilf mir, leih mir ein wenig von deinem Feuer. Meine Frau hat soeben ein Kind geboren, und ich muss ein Feuer machen, um den Kleinen zu wärmen."
Da erwachte in dem Hirten wieder der alte Menschenhass. Da er wusste, dass weit und breit kein Eimer und keine Schaufel zu finden waren, um die glühenden Kohlen fortzutragen, sagte er zu dem Fremden: "Nimm von den glühenden Kohlen, so viel du brauchst." Und seine Schadenfreude begann zu wachsen.
Da hob der Fremde die glühenden Kohlen mit bloßen Händen auf und legte sie in seinen Mantel, und weder seine Hände noch sein Mantel wurden verbrannt. Der hartherzige Hirte wunderte sich zutiefst und fragte den Fremden: "Was ist das für eine seltsame Nacht heute?"
Da gab der Fremde zur Antwort:
"Mit Worten kann ich dir das nicht beschreiben. Komm mit und sieh!"
Der Hirte ging mit. Und sie kamen zu einem Viehstall. Im Stall kniete die Mutter neben ihrem Kind, das in einem Futtertrog lag. Etwas weiter hinten standen ein Ochse und ein Esel.
Da wurde die verhärtete Seele des Hirten weich. Das eiskalte Herz begann zu schmelzen, als der das frierende und zitternde Kind sah.
Und er nahm seinen dicken Mantel und deckte das Kind damit zu. Tränen standen in seinen Augen, und er fiel auf die Knie - vor diesem Kind.
Ein Kind kann eisige Herzen auftauen. Die Heilige Nacht ist jedes Jahr eine einmalige Chance, das Kind aus der Krippe in dein Herz zu legen. Und du wirst dich wundern, wie dieses Kind dich verändert und wie das Eis in deinem Herzen zu schmelzen beginnt.
Selma Lagerlöf in: Bardeler Adventsmeditationen, Osnabrück.
Guter Vater,
schau in Güte auf deine Diener,
die durch die Auflegung der Hände
die Gabe des Geistes empfangen haben.
Lass sie auf allen Straßen der Erde
voller Freude und Mut
das Evangelium weiter tragen.
Gib ihnen das Herz eines Hirten
voller Wärme und Mitgefühl
in den Spuren Jesus, des Guten Hirten.
Du hast sie ausgesondert,
aber nicht getrennt von deinem Volk,
damit in ihnen ganz leise,
aber im Takt der Ewigkeit,
das Herz dieser Welt schlagen kann.
Amen.
Aus: Jacques Gaillot, Folgt seiner Liebe, Verlag Herder, Freiburg, 1992.
Gott wird Mensch
das hat Folgen
das bringt alles in Bewegung
das eröffnet Möglichkeiten
das macht betroffen
Gott wird Mensch
damit wird man
sich auseinander setzen müssen
damit wird man leben dürfen
damit sieht alles anders aus
Gott wird Mensch
für die Verlorenen
für die Verfolgten
für die Verachteten
Gott wird Mensch
und alle Welt
könnte sich freuen
und jedermann könnte aufatmen
und niemand müsste abseits stehen
Gott wird Mensch
in unseren Zeiten
in der heutigen Situation
in der Welt die nur eines braucht:
Gott wird Mensch und der Mensch wird Mensch.
Aus: Werner Schaube, Weihnachts-Puzzle. Herder Verlag Freiburg Basel Wien 1983.
Maria und Josef sind auf ihrem Weg nach Betlehem
am Ende ihrer Kräfte und Möglichkeiten.
Erschöpft kehren sie im Stall ein.
Alle Kraft fließt in das Leben-Geben
für das Gottes-Kind.
Sie stellen ihr Leben für seines zur Verfügung.
Indem ihr Ruhe gegönnt wird,
wird die Er-Schöpfung
zur Teilhabe an der Neu-Schöpfung
durch den Schöpfer-Gott.
Zu Weihnachten können wir
die eigenen Er-Schöpfungen
dem Schöpfer anvertrauen.
Und hoffen, dass daraus
Neu-Schöpfung werden möge.
Johann Pock, Weihnachten 2025.
Gott hat sich klein gemacht für uns. Gott kommt nicht mit äußerer Macht, sondern er kommt in der Ohnmacht seiner Liebe, die seine Macht ist. Er gibt sich in unsere Hände. Er bittet um unsere Liebe. Er lädt uns ein, selbst klein zu werden, von unseren hohen Thronen herunterzusteigen und das Kindsein vor Gott zu erlernen. Er bietet uns das Du an. Er bittet, daß wir ihm vertrauen und so das Sein in der Wahrheit und in der Liebe erlernen. Das Kind Jesus erinnert uns natürlich auch an alle Kinder dieser Welt, in denen er auf uns zugehen will. An die Kinder, die in der Armut leben; als Soldaten mißbraucht werden; die nie die Liebe der Eltern erfahren durften; an die kranken und leidenden, aber auch an die fröhlichen und gesunden Kinder. Europa ist arm an Kindern geworden: Wir brauchen alles für uns selber, und wir trauen wohl der Zukunft nicht recht. Aber zukunftslos wird die Erde erst sein, wenn die Kräfte des menschlichen Herzens und der vom Herzen erleuchteten Vernunft erlöschen - wenn das Antlitz Gottes nicht mehr über der Erde leuchtet. Wo Gott ist, da ist Zukunft.
Aus: Papst Benedikt XVI., Predigt am 8. September 2007 in Mariazell: http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/homilies/2007/documents/hf_ben-xvi_hom_20070908_mariazell_ge.html
Das Weihnachtsgeheimnis ist zuletzt ein Geheimnis der übergroßen Liebe Gottes, wie es der heilige Paulus im Titusbrief ausdrückt, wenn er sagt: "Erschienen ist die Güte und Menschenliebe Gottes." Dabei steht im Hintergrund das Bewusstsein von der unvergleichlichen Größe Gottes und von der Geringheit, von der Armut, geradezu von der Nichtigkeit des menschlichen Geschöpfes. Aber Gott hat diese unendliche Differenz nicht gescheut. Er wollte und konnte diese Distanz kraft seiner Menschenliebe, die er schon in der Schöpfung und in der Begnadung bewies, überwinden. Dabei wollte Gott das Menschliche gleichsam an seinem tiefsten Punkt ergreifen, nämlich in der Schwäche und Bedürftigkeit eines Kindes. Vor allem der Bericht des Matthäus zeigt eine deutliche Neigung zum Armen, zum Bedrängten, zum Gefährdeten, dem Jesus vor allem verpflichtet sein wollte. Damit aber hat der Herr zugleich dem Armsein und Kindsein eine einzigartige Würde und Bedeutsamkeit zuerkannt, die wir heute, im Zeitalter der Zivilisation des Todes, als ernste Mahnung verstehen sollten.
Aus: Leo Kardinal Scheffczyk, Interview für "Kirche in Not", 2004.
Gibt es im Evangelium Dinge, die das Leben schön machen? Ja, es gibt sie. Zu ihnen gehört die Hoffnung. Mit ihr kann man Entmutigungen hinter sich lassen, gar den Geschmack am Leben wiederfinden. Wo liegt ihre Quelle? Sie liegt in der Kühnheit eines Lebens der Gemeinschaft in Gott. Aber wie ist solche Gemeinschaft möglich? Gott hat uns als Erster geliebt. Gott sucht uns unablässig, selbst wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Vertrauen, Hoffnung und Herzensfrieden entspringen einer geheimnisvollen Gegenwart, der Gegenwart Christi. Durch den Heiligen Geist bleibt er von Herzen demütig in jedem Menschen. Ruhig lässt sich seine Stimme vernehmen: Erkennst du den Weg der Hoffnung, der dir offen steht? Wie sollte es einen da nicht drängen, zu Christus zu sagen: Ich möchte dir ein Leben lang auf diesem Weg nachfolgen, aber kennst du meine Unzulänglichkeit? Durch das Evangelium antwortet er: "Ich kenne deine Bedrängnis und deine Armut ... Du meinst, dass du nichts oder fast nichts hast, um ein Leben lang die Treue zu halten. Und doch bist du erfüllt. Wovon erfüllt? Von der Gegenwart des Heiligen Geistes. Sein Erbarmen leuchtet bis in die Schatten deiner Seele."
Die Unendlichkeit der Zeit und des Raumes trennen uns von Gott. Wie sollten wir ihn suchen gehen? Wie sollten wir zu ihm gelangen? Selbst wenn wir alle Zeiten hindurch wanderten, wir täten doch nichts anderes, als die Erde umkreisen. Selbst im Flugzeug könnten wir nichts anderes tun. Wir sind außerstande, uns senkrecht aufwärts zu heben. Wir können nicht einen Schritt gegen den Himmel hinauf tun. Gott durchquert das All und kommt bis zu uns. Über die Unendlichkeit von Raum und Zeit hinweg kommt die unendlich viel unendlichere Liebe Gottes, uns zu ergreifen. Sie kommt zu ihrer Stunde. Wir haben die Macht, sie willig in uns zu empfangen oder sie abzuweisen. Verschließen wir ihr unsere Ohren, kommt sie wie ein Bettler wieder und wieder, doch ebenso wie ein Bettler bleibt sie eines Tages aus. Öffnen wir uns ihr in Willigkeit, dann legt Gott ein kleines Samenkorn in uns nieder und geht davon. Von diesem Augenblick an hat Gott nichts weiter zu tun, und auch wir nichts, als zu warten. Nur darf es uns nicht gereuen, daß wir unsere Einwilligung, das bräutliche Jawort, gegeben haben.
Aus: Simone Weil, Die Gottesliebe und das Unglück. Zeugnis für das Gute. Traktate, Briefe und Aufzeichnungen, Düsseldorf / Zürich: Patmos Verlag / Walter Verlag 1979.

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Der Text entstammt dem 3. Teil des Jesaja-Buches. Das babylonische Exil ist vorbei, aber Jerusalem ist besetzt und Teil des persischen Reiches. Dennoch besteht eine große Freiheit für das jüdische Volk - wie übrigens auch schon zur Zeit des Exils selbst. Die Autoren des dritten Jesaja-Buchteils blicken voll Hoffnung und Zuversicht in eine gute Zukunft: Fremde Herrscher sind zwar da, lassen aber viel Gnade walten.
Recht und Gerechtigkeit prägen diesen Abschnitt aus "Tritojesaja", dem dritten Teil des Jesajabuches. Der Prophet spricht mit jener Leidenschaft, die den Propheten des Herrn zueigen ist. Angelpunkt, um den es sich in der Lesungsperikope dreht, ist die Gottesstadt, Jerusalem mit dem Berg des Herrn, dem Zion. An ihr wird die Gerechtigkeit Gottes der Welt offenbar.
Der Begriff der Gerechtigkeit ist im Ersten Testament vielschichtig. Gerecht ist einerseits der, der so handelt, dass das Wohl einer Gemeinschaft gesichert ist. Die göttliche Gerechtigkeit ist im Alten Orient oft mit dem Tun des Menschen verbunden. Der Mensch, der gerecht lebt, darf sich der Gerechtigkeit und der Nähe Gottes sicher sein.
Letztlich aber geht die Gerechtigkeit von Gott aus. Von ihm kommt die Fähigkeit, sich der Gemeinschaft gegenüber treu und loyal zu verhalten. Gottes Gerechtigkeit ist Quelle von Recht und Ordnung und damit von erfülltem Leben in Israel. Diese Sicht von Gerechtigkeit wird auch in unserem Abschnitt deutlich gemacht.
Als Grund dafür, dass in Jerusalem das Licht der Gerechtigkeit erstrahlt, wird genannt: Gott ist mit dieser Stadt. Jerusalem wird Ort der Gegenwart Gottes. Das Verhältnis zwischen dem Herrn und seiner Stadt wird in wunderbaren Worten mit der Beziehung zwischen Bräutigam und Braut verglichen.
Die aus dem babylonischen Exil heimgekehrten Judäer befanden sich in einer schwierigen Situation. Die Menschen hatten den Glauben an Gott und das Vertrauen auf das versprochene Heil verloren. Die Sammlung des Tritojesaja ("Dritter Jesaja") versucht, anhand verschiedenartiger Texte dem Volk Hoffnung zu geben. In den Kapiteln 60 - 62 wird das leuchtende Bild der Gottesstadt Jerusalem aufgezeigt. In der Form der Volksklage, die den Hörern bekannt war, versucht der Prophet aufzuzeigen, daß Gott sein Volk liebt und nur daraus sich Glück und Heil erwarten lassen.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz