Lesung aus dem Buch Jesaja.
Der Geist GOTTES, des Herrn, ruht auf mir./
Denn der HERR hat mich gesalbt;
er hat mich gesandt,
um den Armen frohe Botschaft zu bringen,
um die zu heilen, die gebrochenen Herzens sind,
um den Gefangenen Freilassung auszurufen.
Von Herzen freue ich mich am HERRN.
Meine Seele jubelt über meinen Gott.
Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils,
er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit,
wie ein Bräutigam sich festlich schmückt
und wie eine Braut ihr Geschmeide anlegt.
Denn wie die Erde ihr Gewächs hervorbringt
und der Garten seine Saat sprießen lässt,
so lässt GOTT, der Herr, Gerechtigkeit sprießen
und Ruhm vor allen Nationen.
Lesung aus dem Buch Jesaja.
Der Geist GOTTES, des Herrn, ruht auf mir./
Denn der HERR hat mich gesalbt;
er hat mich gesandt,
um den Armen frohe Botschaft zu bringen,
um die zu heilen, die gebrochenen Herzens sind,
um den Gefangenen Freilassung auszurufen
und den Gefesselten Befreiung,
um ein Gnadenjahr des HERRN auszurufen,
einen Tag der Vergeltung für unseren Gott,
um alle Trauernden zu trösten,
den Trauernden Zions Schmuck zu geben
anstelle von Asche,
Freudenöl statt Trauer,
ein Gewand des Ruhms
statt eines verzagten Geistes.
Man wird sie Eichen der Gerechtigkeit nennen,
Pflanzung des HERRN zum herrlichen Glanz.
Dann bauen sie die uralten Trümmerstätten wieder auf
und richten die Ruinen der Vorfahren wieder her.
Die verödeten Städte erbauen sie neu,
die Ruinen vergangener Generationen.
Fremde stehen bereit und weiden eure Herden,
Ausländer sind eure Bauern und Winzer.
Ihr aber werdet Priester des HERRN genannt,
Diener unseres Gottes sagt man zu euch.
Den Reichtum der Nationen werdet ihr genießen
und euch mit ihrer Herrlichkeit brüsten.
Anstelle ihrer doppelten Schande
und des Frohlockens über die ihnen zuteilgewordene Schmach
werden sie in ihrem Land das Doppelte besitzen,
ewige Freude wird ihnen zuteil.
Denn ich, der HERR, liebe das Recht,
ich hasse Raub und Unrecht.
Ich zahle ihnen den Lohn in Treue aus
und schließe einen ewigen Bund mit ihnen.
Ihre Nachkommen werden unter den Nationen bekannt sein
und ihre Sprösslinge inmitten der Völker.
Jeder, der sie sieht, wird sie erkennen:
Das sind die Nachkommen, die der HERR gesegnet hat.
Von Herzen freue ich mich am HERRN.
Meine Seele jubelt über meinen Gott.
Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils,
er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit,
wie ein Bräutigam sich festlich schmückt
und wie eine Braut ihr Geschmeide anlegt.
Denn wie die Erde ihr Gewächs hervorbringt
und der Garten seine Saat sprießen lässt,
so lässt GOTT, der Herr, Gerechtigkeit sprießen
und Ruhm vor allen Nationen.
Kv: Meine Seele soll jubeln über Gott, meinen Retter. – Kv
Meine Seele preist die Größe des Herrn *
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. *
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. – Kv
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan *
und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht *
über alle, die ihn fürchten. – Kv
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben *
und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an *
und denkt an sein Erbarmen. – Kv
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Thessalonich.
Schwestern und Brüder!
Freut euch zu jeder Zeit!
Betet ohne Unterlass!
Dankt für alles;
denn das ist der Wille Gottes für euch
in Christus Jesus.
Löscht den Geist nicht aus!
Verachtet prophetisches Reden nicht!
Prüft alles und behaltet das Gute!
Meidet das Böse in jeder Gestalt!
Er selbst, der Gott des Friedens, heilige euch ganz und gar
und bewahre euren Geist,
eure Seele und euren Leib unversehrt,
damit ihr ohne Tadel seid
bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.
Gott, der euch beruft, ist treu;
er wird es tun.
Halleluja. Halleluja.
Der Geist des Herrn ruht auf mir.
Der Herr hat mich gesandt,
den Armen die Frohe Botschaft zu bringen.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt;
sein Name war Johannes.
Er kam als Zeuge,
um Zeugnis abzulegen für das Licht,
damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
Er war nicht selbst das Licht,
er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
Und dies ist das Zeugnis des Johannes,
als die Juden
von Jerusalem aus Priester und Leviten zu ihm sandten
mit der Frage: Wer bist du?
Er bekannte und leugnete nicht;
er bekannte: Ich bin nicht der Christus.
Sie fragten ihn: Was dann?
Bist du Elija?
Und er sagte: Ich bin es nicht.
Bist du der Prophet?
Er antwortete: Nein.
Da sagten sie zu ihm: Wer bist du?
Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Antwort geben.
Was sagst du über dich selbst?
Er sagte:
Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste:
Ebnet den Weg für den Herrn!,
wie der Prophet Jesaja gesagt hat.
Die Abgesandten gehörten zu den Pharisäern.
Sie fragten Johannes und sagten zu ihm:
Warum taufst du dann, wenn du nicht der Christus bist,
nicht Elija und nicht der Prophet?
Johannes antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser.
Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt,
der nach mir kommt;
ich bin nicht würdig,
ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
Dies geschah in Betanien,
jenseits des Jordan,
wo Johannes taufte.
Unser Text vereinigt zwei nicht unmittelbar zusammenhängende Stellen aus dem ersten Kapitel des Johannesevangeliums (Joh 1,6-8 und Joh 1,19-28). Es geht uns zunächst einmal um die zweite Stelle, in der in szenischer Schilderung vom Zeugnis Johannes des Täufers über Jesus gegenüber der Jerusalemer Obrigkeit erzählt wird. Die innere Dynamik dieser Verse besteht in einem sukzessiven Aufmerksammachen auf Jesus durch Johannes unter beständiger Zurücknahme seiner eigenen Persönlichkeit: Ist am Beginn noch die Identität des Täufers von Interesse, so geht es am Ende um die Identität des angekündigten Herrn. Er ist der geheimnisvoll Anwesende, nicht Erkannte, der Kommende.
Dennoch: Die Rolle Johannes' ist eine unverzichtbare. Er ist der charismatische Zeuge und damit Urbild jeder christlichen Verkündigung. "Zeugnis" ist ein Leitwort im Johannesevangelium. Es bezweckt immer den Glauben der Angesprochenen. Später wird Jesus selber Zeugnis ablegen, schließlich auch der Geist, bzw. von ihm geleitet, die Jünger.
Das Wort "Zeugnis" bildet auch die Klammer zur vorangehenden Stelle, die aus dem kunstvollen Prolog des Johannesevangeliums entnommen ist. Es soll gewissermaßen durch einen Vorspann deutlich gemacht werden, daß es um sich offenbarende göttliche Wirklichkeit ("Licht") geht und deshalb Gott auch zum Zeugnis beruft.
Johannes der Täufer ist gleichsam das Bindeglied zwischen dem Alten und dem Neuen Testament und steht an der Schwelle zum Neuen Bund. Er ist sowohl letzter Prophet des Alten Testaments, als auch direkter Wegbereiter, bzw. "Ankündiger" Jesu.
Für sich selbst lehnt er den Anspruch, der Messias, Elias oder ein Prophet zu sein, ab. An sich selbst liegt ihm scheinbar nichts. Er versteht sich vielmehr als den fast sprichwörtlichen "Rufer in der Wüste", der auf einen Anderen, einen noch Kommenden hinweist. Dieser ist bereits unter uns, und er wird nicht mit Wasser, sondern mit Geist taufen.
Indem der Autor des Evangeliums zu Beginn der heutigen Evangelienstelle den Prolog seines Evangeliums zitiert, ist es eindeutig, dass mit dem "nach Johannes Kommenden" Jesus Christus gemeint ist.
Johannes der Täufer ruft uns auf, dem Herrn den Weg zu bereiten. Die Zeit des Wartens hat ein Ende. Wir erahnen das erhoffte und erwartete Licht.
Den Ort kennen wir schon einmal: jenseits des Jordan. Aber so richtig kennen wir den Ort dann doch nicht. Wo ist jenseits des Jordan? Wie mag das Nest wohl heißen? Sind es womöglich mehrere? Doch: das wissen wir jetzt: an diesem Ort wird Großes vorbereitet – und auch gebührend bekannt gemacht. Dabei sind es nur Worte, die hier gesagt, gehört, geglaubt werden. Mehr nicht. Nur Worte. Aber die haben es in sich: Sie versprechen etwas. Was? Dass jetzt einer kommt und schon unterwegs ist! Das Licht! Schon die Ankündigung nimmt dem Dunkel Macht und Schrecken. Wird auch Zeit!
Unschwer für uns zu erraten – damals schon um einiges schwieriger. Jesus kommt. Jesus ist schon unterwegs. Johannes, von Gott gesandt, spielt sozusagen die Vorhut, den Boten – vielleicht auch das Empfangskomitee. Mit uns zusammen? Es muss auch nicht immer oder nur jenseits des Jordan sein. Jenseits des Jordan sind wir auch – irgendwie. Klar ist: Johannes ist nicht das Licht. Wir auch nicht. Es soll auch kein falscher Gedanke aufkommen: Wenn Licht – dann ER. Jesus. Aber schon der Gedanke daran macht die Gedanken hell, den Kopf frei, die Seele leicht. Jetzt verliert sogar die Wüste ihren Schrecken. Geröll und Sand. Die Einöde. Das unwegsame Gelände. Die Ruinen.
Ebnet den Weg für den Herrn! Johannes sagt das mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, dass die Welt stillstehen kann. Die alltäglichen Routinen, die kunstvollen Läufe in den Hamsterrädern, das müde Hetzen – alles wird aufgehellt. Ein Licht kommt!
Und wir kommen als Zeugen, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit – so heißt es im Evangelium - alle durch uns zum Glauben kommen. Das ist eine Perspektive! Das Licht kommt durch das Ohr!
Ich sehe viele Ohren. Sie werden von dem Lärm eingeholt. Von schlechten Nachrichten. Von verletzenden Worten. Von schrillen Tönen. Ob Ohren – Licht empfangen? Empfangen können? Wie doch Worte hell machen! Mal ein wenig stiller als sonst. Dann ein wenig schweigend. Nur zuhören. Schließlich geduldig und aufmerksam: Ich muss dir etwas sagen. Dann kann die Hoffnung den Weg in die Seele finden. Ein gutes Wort Tote aufwecken. Eine Stimme den Himmel öffnen. Jenseits des Jordan. Das Licht kommt durch das Ohr.
Jürgen Henkys hat 1981 ein niederländisches Lied ins Deutsche übersetzt. Es ist 1959 entstanden.
Das Volk, das noch im Finstern wandelt –
bald sieht es Licht, ein großes Licht.
Heb in den Himmel dein Gesicht
und steh und lausche, weil Gott handelt.
Die ihr noch wohnt im Tal der Tränen,
wo Tod den schwarzen Schatten wirft:
Schon hört ihr Gottes Schritt,
ihr dürft euch nicht mehr verlassen wähnen.
Er kommt mit Frieden. Nie mehr Klagen,
nie Krieg, Verrat und bittre Zeit!
Kein Kind, das nachts erschrocken schreit,
weil Stiefel auf das Pflaster schlagen.
Jürgen Henkys hat an das Evangelium gedacht, das uns heute jenseits des Jordan führt. Und dann doch mitten unser Leben trifft.
Die biblischen Überlieferungen und Geschichten wissen von schwierigen Zeiten zu erzählen.
Da sind wir in guter Gesellschaft. Aber hören wir doch noch einmal in die Predigt des Propheten Jesaja hinein:
Der Geist GOTTES, des Herrn, ruht auf mir.
Denn der HERR hat mich gesalbt;
er hat mich gesandt,
um den Armen frohe Botschaft zu bringen,
um die zu heilen, die gebrochenen Herzens sind,
um den Gefangenen Freilassung auszurufen.
Unbefangen, fast schon ein wenig verwegen, stellt sich Jesaja hin – um eine frohe Botschaft zu bringen, gebrochene Herzen zu heilen und den Gefangenen die Freiheit anzusagen. Die Autorität, in der er spricht, benennt er auch: Der Geist Gottes ruht auf ihm. Jesaja ist sich sicher: Das Evangelium geschieht! Gebrochene Herzen werden heil! Gefangene werden frei! Mit jedem Wort geschieht ein Wunder. Was die Menschen dann später erzählen? Sie erzählen von der Hoffnungslosigkeit, von der Verzagtheit, von ausweglosen und verworrenen Situationen, aber sie erzählen auch von der Hoffnung, die Flügel verliehen hat.
Klagen verleihen keine Flügel. Klagen fressen sich fest. Klagen sind wie zerrissene Klamotten. Jesaja wusste das. Wir wissen es auch. Wenn Menschen in der Liebe, in der Treue Gottes geborgen sind, müssen die dunklen Schatten weichen und der Freude Platz machen. Und – kaum zu glauben: das ist das Wunder der Predigt. Im Reigen der Worte wird das Wunder, wird das Licht sichtbar:
Von Herzen freue ich mich am HERRN.
Meine Seele jubelt über meinen Gott.
Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils,
er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit,
wie ein Bräutigam sich festlich schmückt
und wie eine Braut ihr Geschmeide anlegt.
Hier ist sie wieder: die Freude, der Jubel. Schauen wir dann genauer hin, gibt es wohl etwas zu feiern – sagen wir, eine Hochzeit. Wir brauchen etwas Neues zum Anziehen! Was ziehen wir uns an? Gewänder des Heils und den Mantel der Gerechtigkeit. Apropos Gewänder des Heils und Mantel der Gerechtigkeit: Diese edle Gewandung macht sich nicht nur vor dem Spiegel gut – sie verzaubert andere Menschen. In einem Lied heißt es, dass wir in ihnen „prangen“. Was wir hoffen, was wir glauben, was wir lieben – wir tragen es nach außen und, ganz nebenbei, fühlen wir uns so richtig gut in diesem Outfit!
Jesaja wartet noch mit einer Überraschung auf. Er lässt uns tatsächlich Gäste einer Hochzeit sein. Es ist ein betörendes Bild: Gott selbst erscheint als Bräutigam – und wir als Braut. Jesaja spricht von einem Geschmeide, das wir anlegen – Sie dürfen sich jetzt den schönsten und teuersten Schmuck vorstellen.
Das Bild von der Hochzeit ist ein ganz altes Bild für Kirche und für das Reich Gottes. Manche Gedanken haben sich da eingeschlichen, die nicht immer gut waren. Gott hat sich auf eine nicht standesgemäße Hochzeit eingelassen! Wenn ein Bild passt, dann das von der Magd. Oder von Aschenputtel. Eine faszinierende Begegnung: Gott hat uns seine Liebe erklärt. Es ist eine Liebesgeschichte. Unsere Liebesgeschichte mit Gott.
Ich stehe vor dem Kleiderschrank. Eigentlich passt nichts zu diesem Anlass. Meine Mittel reichen auch nicht. Da kommt er! Er bringt aus seinem schier unerschöpflichen Fundus Gewänder des Heils mit – und als Obergewand hüllt er uns in den Mantel der Gerechtigkeit. So habe ich mich noch nie gesehen – jetzt werde ich so gesehen. Von Gott und von den Menschen.
Gehen wir doch noch mal zum Schluss an den Jordan. Johannes muss sich gerade erklären. Wer bist du? Haben die Priester und Leviten gefragt. Ich höre Johannes sagen:
"Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste:
Ebnet den Weg für den Herrn!,
wie der Prophet Jesaja gesagt hat."
Ich bin zwar nicht Johannes – heißt jemand von Ihnen so? -, aber das will ich gerne machen:
Einfach einen Weg ebnen. Dann kann die Hoffnung den Weg in die Seele finden. Ein gutes Wort Tote aufwecken. Eine Stimme den Himmel öffnen. Jenseits des Jordan. Das Licht kommt durch das Ohr.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Die Stimmer des Rufers in der Wüste möchte uns im Advent erreichen. Die Wüste ist ein Ort, „gefüllt“ mit Erfahrungen des Glaubens. Johannes wird gefragt, wer er sei. Johannes fordert uns auf, uns selbst zu fragen, wer wir sind.
Der Sonntag Gaudete weckt Erwartungen im Hinblick auf das Kommen des Messias, den Johannes der Täufer ankündigt. Er bringt Bilder des Trostes und des Heilwerdens.
Zwei Drittel des Advent sind heuer schon vorbei. Eine kurze Adventszeit. Diesen Sonntag zünden wir die hellere Kerze, die rosa Kerze an, auch die liturgische Kleidung ist angepasst. Die Vorfreude strahlt auf das kommende Ereignis der Geburt Jesu aus. Christus hat sich als „Licht der Welt“ offenbart. Das sollten auch wir sein als einzelne Person, noch viel mehr als Pfarre, als kirchliche Gemeinschaft.
Freude, gute Nachricht, wird uns verkündet. Haben wir aber wirklich Grund zur Freude? Diese Tage und auch das gesellschaftspolitische Umfeld würden eher zumindest zum Stirnrunzeln neigen, gar nicht zu denken an plötzliche Schicksalsschläge, die zu Weihnachten noch schmerzhafter sind als sonst. Entsteht da nicht ein krasser Widerspruch, wenn wir im Thessalonicherbrief hören: „Der Gott des Friedens … bewahre euren Geist, eure Seele und euren Leib unversehrt.“? »Unversehrt bewahren«, wenn wir im wahrsten Sinn des Wortes vom Schicksalsschlag getroffen werden! „Wo bleibst du Trost der ganzen Welt, worauf sie all ihr Hoffen stellt?“, singen wir in einem Kirchenlied.
Die Texte bedürfen somit einer genaueren Untersuchung. Der Thessalonicherbrief enthält bemerkenswerte Stichworte: „Freut euch!“ Die Freude zeigt sich im Gespräch. Wollen Sie es anders hören? Im Dialog mit Gott, im Hinhören, was Gott uns sagt, im Gebet als unsere Antwort. Die Freude zeigt sich hoffentlich auch im Dank. Eucharistie, das griechische Wort, ist der feierliche Dank an Gott, dass er uns Heil zusagt aus aller Not. „Löscht den Geist nicht aus!“ Prüfen wir, ob diese Gute Nachricht, das Versprechen glaub-würdig ist. Ist es wert zu glauben, was uns mitgeteilt wird? Wir werden aufgefordert, unseren Verstand einzuschalten. Wir haben keine Beweise für diese Frohe Botschaft, wohl aber Heilsgewissheit. Ich weiß, diese Botschaft ist glaub- würdig.
Wer vermittelt uns diese Gute Nachricht, die Heilsgewissheit? In diesen Tagen des Advents begleitet uns Johannes der Täufer. Wir kommen nicht an ihm vorbei, denn alle vier Evangelisten sprechen von seinem Wirken. Er ist kein Diplomat, der tausendmal überlegt, wie er auch Unangenehmes auf sanfte Tour verbreitet, sondern ein authentischer Zeuge für die Wahrheit, die ihm auch das Leben kostet. Durch die ganze Menschheitsgeschichte löst diese Heilszusage Jesu immer wieder Konflikte und Unverständnis aus. Die Taufe des Johannes ist eine Umkehrtaufe, die Taufe nachher ist Geisttaufe, Taufe der Unsterblichkeit, der Wiedergeburt; nicht als Ratte, Mistkäfer, Prinz oder Prinzessin, sondern auf ewiges Leben bei Gott, dort wo es keinen Tod, keine Krankheit, kein Leid, keine Angst mehr gibt. Gott sagt uns zu, dass er vollendet, was er in der Taufe begonnen hat. Er schickt uns also nicht im Kreis herum, das wäre unbarmherzig. Getauft wird im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Nach dem authentischen Zeugen Johannes kommt Jesus selber. „Im Anfang war das Wort“ (Joh.1,1), also die Person Jesu, die eine neue Ethik bringt, die auf Liebe, Wahrheit und Gerechtigkeit, auf Menschenwürde und Gewaltlosigkeit aufbaut. Wenn wir heute ein Stück aus dem Evangelium des Alten Testaments, aus Jesaja hören, dann berichtet auch der Evangelist Lukas (Lk 4,18-20), dass Jesus in der Synagoge diese Stelle verkündet: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Gefesselten die Befreiung, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ Mit der Geburt Jesu hat das Reich Gottes schon begonnen. „Der Geist des Herrn ruht auf mir“, heißt auch für uns: Auskunft geben, Rechenschaft über unseren Glauben ablegen, den Verstand zu gebrauchen, frei werden von der Enge des Denkens und der Kleinkariertheit, sich loslösen und befreien lassen, sich nicht mehr gefangen und gefesselt fühlen von Ängstlichkeit und Hoffnungslosigkeit. Das ist Anliegen dieser Frohen Botschaft und des Freudensonntags „Gaudete“.
Freilich bringen gar nicht selten Wahrheit und Ehrlichkeit Nachteile in Beziehungen und beruflichem Fortkommen. Johannes büßt das sogar mit dem Leben. Gewiss, ein unlösbares Problem. Die sonntäglichen Texte sprechen aber Mut und Freude zu. Das wird mit weiteren Bildern aus der 1. Lesung untermauert: die Hochzeit mit dem Bild von Braut und Bräutigam, ein Glückszustand; die Saat wächst, Zeichen für werdendes Leben mit Zukunft; der Garten als Symbol für blühendes Leben. Bezeichnend auch, dass in der Bibel am Anfang ein Garten steht, nämlich das Paradies und am Ende der Bibel der Garten der Auferstehung.
Mein Adventwunsch an Sie: Tragen Sie diese Bilder hinein in die Tage des Advents. Es sind Bilder der Freude, der Zuversicht, prüfen Sie, wo Irrlichter, das eigentliche „Licht der Welt, Jesus Christus“ als Orientierungshilfe verdrängen. „Prüfet alles, und behaltet das Gute!“ (1 Thess.5,21).
Der 3. Advent steht ganz im Zeichen großer Freude. Der schöne lateinische Name heißt. „Gaudete“ – „Freut euch“. Eine eigene Farbe hat dieser Tag auch: Rosa.
Rosa ist die Mischung aus Weiß und Violett. Weiß sind die Herrenfeste. Wie Weihnachten und Ostern. Violett sind die Bußtage. Wie die Advents- und Fastenzeit. Rosa ist die Farbe durchbrochener Zeit. Rosa ist die Farbe gemischten Lebens. Gaudete! Freut euch! Es wird hell!
Am Anfang des Gottesdienstes steht die Bitte um Erbarmen. Und doch ist diese Bitte auch ein Huldigungsruf. Wenn der Herr kommt, bringt er uns sein Erbarmen mit.
Wir freuen uns, dass du kommst.
Herr, erbarme dich.
Im Dunkel sehen wir das Licht.
Christus, erbarme dich.
in der Angst suchen wir Frieden.
Herr, erbarme dich.
Nun jauchzet, all ihr Frommen,
in dieser Gnadenzeit,
weil unser Heil ist kommen,
der Herr der Herrlichkeit,
zwar ohne stolze Pracht,
doch mächtig zu verheeren
und gänzlich zu zerstören
des Teufels Reich und Macht.
Allmächtiger Gott,
sieh gütig auf dein Volk,
das mit gläubigem Verlangen das Fest der Geburt Christi erwartet.
Mache unser Herz bereit für das Geschenk der Erlösung,
damit Weihnachten für uns alle ein Tag der Freude und der Zuversicht werde.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 3. Adventsonntag
Du, Herr, stiftest mich zur Freude an
und ich schaue mich vorsichtig um.
Wo denn die Freude sei, frage ich.
Doch du nimmst mir die Zeitung aus der Hand.
Ich könne sie auch nachher noch lesen.
Du legst mein Handy zur Seite.
Ich wäre lange genug online.
Du nimmst meine Gedanken in die Hand.
Das Gold, das ich so lange vermisse, hältst du mir vor die Nase.
Du machst mir eine Liebeserklärung.
Auf alles war ich vorbereitet – darauf nicht.
Ich möchte ganz aus dem Häuschen sein –
Ich danke dir für alles,
was untrennbar mit meinen Namen,
mit meiner Geschichte verknüpft ist.
Ich schaue mich vorsichtig um.
Du, Herr, stiftest mich zur Freude an.
(Diese Fürbitten sind ohne Akklamationen gedacht, aber mit mehreren „Schweigeminuten“)
Wenn wir ins Gebet nehmen, was wir sehen, was wir wissen, was uns verborgen bleibt, legen wir alles in Gottes Hand.
Ihn bitten wir:
Heute, am 3. Advent, denken wir an die Kinder. Sie lernen eine Welt kennen, die wir ihnen und uns am liebsten ersparen würden. Aber ihr Lachen ist so ansteckend, dass die Schatten, die über unseren Tagen lauern, fliehen. – Stille.
Heute denken wir an die alten Menschen in den Heimen. Sie müssen Einschränkungen in Kauf nehmen. Manchmal machen sogar Besuche Angst. Eine große Unsicherheit macht sich breit. Aber wenn sie lächeln, sind auch die Pflegerinnen und Pfleger glücklich. – Stille.
Heute denken wir an die Menschen, die auf Intensivstationen arbeiten. Sie kämpfen für andere mit dem Tod. Sie leiden besonders darunter, wenn sie nicht mehr helfen können. Ihre Freundlichkeit müssen sie hinter Masken verstecken. – Stille.
Heute denken wir an die Politiker. Auf ihnen ruhen viele Erwartungen. Nicht alle können sie erfüllen. Von allen Seiten hagelt es auch Kritik. Sie dürfen keine Fehler machen. Dabei müssen sie immer freundlich bleiben. – Stille.
Heute denken wir an die Geschäftsleute und Wirte. Der Lockdown macht ihnen und ihren Mitarbeitern zu schaffen. Viele haben Angst, es nicht zu schaffen. So manches Lebenswerk ist in Gefahr. Trotzdem machen sie anderen sogar noch Mut. – Stille.
Heute, am 3. Advent, befehlen wir dir alle Menschen, ihre Geschichten, Sorgen und Schmerzen. Und unser Leben befehlen wir dir auch, unsere Familien, Freunde, Kollegen und Nachbarn. Lass das Licht unter uns wachsen. Wie das Licht auf unseren Adventskränzen. Schenke uns die Freude, die wir teilen können.
In Christus, unserem Herrn.
Herr, unser Gott,
in dieser Feier
erfüllen wir den Auftrag deines Sohnes.
Nimm unsere Gaben an
und gib deiner Kirche die Gnade,
immer und überall sein Opfer zu feiern.
Schenke uns durch dieses Geheimnis dein Heil,
das du der Welt bereitet hast.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Adventsonntag
Du, Herr,
machst uns mit Brot und Wein eine große Freude.
Es sind nur kleine Gaben,
aber sie machen uns satt und fröhlich.
Wenn wir sie in die Hand nehmen, sind wir reich,
wenn wir sie teilen, wächst das Glück.
Sprich du das Wort, das Brot und Wein verwandelt.
Du gibst dich dann in unsere Hände,
deinen Leib, dein Blut – dich.
Und wir schmecken deine Liebe
wie die Engel,
die immer schon bei dir sind.
Du, Herr, machst uns mit dir eine große Freude,
die reicht von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Kehrvers:
Danket dem Herrn, denn ewig währt seine Liebe. (GL 444)
Herr und Gott,
wir kommen zu dir, um dir Dank zu sagen und deine Größe zu preisen,
denn wir haben Grund, uns von Herzen über dich zu freuen.
Wie die Erde die Saat wachsen lässt,
bringst du, Gott und Herr, Gerechtigkeit hervor.
Kehrvers
Du hast uns den Messias gesandt,
damit er den Armen die Frohe Botschaft bringe
und alle heile, deren Herz zerbrochen ist.
Den Gefangenen ließest du Befreiung verkünden
und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufen.
Kehrvers
Johannes der Täufer ist ihm vorausgegangen
und hat Zeugnis abgelegt für das Licht.
Er hat auf den hingewiesen, der nach ihm kommt.
Als Stimme des Rufers in der Wüste hat er aufgefordert,
den Weg für den Herrn zu ebnen.
Kehrvers
Der Geist des Herrn leitet auch uns an,
dem Messias den Weg zu bereiten,
für Gerechtigkeit zu sorgen und Frieden zu stiften
Mit der ganzen Schöpfung singen wir dir zum Lob:
Danklied, z.B. "Singt dem Herrn ein neues Lied" (GL 409)
oder "Nun saget Dank und lobt den Herren" (GL 385)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel,
zu danken und dein Erbarmen zu preisen.
Denn schon leuchtet auf der Tag der Erlösung,
und nahe ist die Zeit unsres Heiles,
da der Retter kommt
unser Herr Jesus Christus.
Durch ihn rühmen wir das Werk deiner Liebe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
Präfation vom Advent 5
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Ihn hast du der verlorenen Menschheit
als Erlöser verheißen.
Seine Wahrheit leuchtet den Suchenden,
seine Kraft stärkt die Schwachen,
seine Heiligkeit bringt den Sündern Vergebung.
Denn er ist der Heiland der Welt,
den du gesandt hast, weil du getreu bist.
Darum preisen wir dich
mit den Cherubim und Serafim
und singen mit allen Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Advent 3
Wenn ich im Dunkeln bin
und niemandem dafür
die Schuld zuweise
Wenn ich das Dunkel zulasse -
und nicht davor fliehe
Wenn ich das Dunkel aushalte
und dabei die Hoffnung nicht verliere
Wenn ich das Dunkel ertrage
und trotzdem die Liebe leben lasse
Wenn ich das Dunkel achte
weil ich selbst ein Teil des Dunkels bin
Wenn ich vor dem Dunkel
nicht zurückschrecke
aus Mut zum Leben
Dann leuchtet
mitten im Dunkel
ein Licht auf
das den Weg weist
mir und dir
Barmherziger Gott,
komm durch dieses heilige Mahl
uns schwachen Menschen zu Hilfe.
Reinige uns von Schuld
und mache uns bereit für das kommende Fest.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Adventsonntag
Noch ein paar Tage, Herr,
dann ist Weihnachten.
Du hast schon oft gehört, dass wir sagten,
in diesem Jahr sei alles anders.
Es fällt uns schwer,
gerade in diesen Tagen,
Vertrautes und Gewünschtes
zu finden.
Wenn sich eine dunkle Stimmung auf uns legt,
die Zweifel überwiegen,
das Lächeln schwer fällt,
schenkst du uns das Vertrauen,
einen guten Weg zu finden -
schenkst du uns die Freude,
dass du zu uns kommst!
Segne alles, was wir tun –
auch die Geschenke, die wir gerade suchen.
In deiner Nähe wird es hell.
Unter uns.
In Jesus Christus,
deinem Gesicht
für uns.
Weitere Gottesdienstvorschläge auf: t
Wir zünden die 3. Kerze an unserem Adventskranz an.
Heute feiern wir den 3. Advent.
Er trägt den lateinischen Namen „Gaudete“ – Freut euch.
Er hat sogar eine eigene liturgische Farbe: rosa.
Rosa ist die Mischung aus Weiß und Violett.
Weiß sind die Herrenfeste. Wie Weihnachten und Ostern.
Violett sind die Bußtage. Wie die Adventszeit.
Heute ist alles rosa. Rosa ist die Farbe durchbrochener Zeit.
Rosa ist die Farbe gemischten Lebens.
Wir freuen uns, dass du kommst, Herr.
Im Dunkel sehen wir das Licht,
in der Enttäuschung einen neuen Beginn,
in der Angst Frieden.
Im Namen des Vaters …
(Michael Schirmer, 1640)
Der Link zum Mitsingen:
https://www.youtube.com/watch?v=wMwMgJwM2X8
1. Nun jauchzet, all ihr Frommen,
in dieser Gnadenzeit,
weil unser Heil ist kommen,
der Herr der Herrlichkeit,
zwar ohne stolze Pracht,
doch mächtig zu verheeren
und gänzlich zu zerstören
des Teufels Reich und Macht.
2. Er kommt zu uns geritten
auf einem Eselein
und stellt sich in die Mitten
für uns zum Opfer ein.
Er bringt kein zeitlich Gut,
er will allein erwerben
durch seinen Tod und Sterben,
was ewig währen tut.
3. Kein Zepter, keine Krone
sucht er auf dieser Welt:
Im hohen Himmelsthrone
ist ihm sein Reich bestellt.
Er will hie seine Macht
und Majestät verhüllen,
bis er des Vaters Willen
im Leiden hat vollbracht.
Wir beten zusammen das Magnificat, den Lobgesang der Maria (Lk 1,46b-50. 53-54)
Kv: Meine Seele soll jubeln über Gott, meinen Retter. – Kv
Meine Seele preist die Größe des Herrn *
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. *
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. – Kv
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan *
und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht *
über alle, die ihn fürchten. – Kv
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben *
und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an *
und denkt an sein Erbarmen. – Kv
Du, Herr, stiftest mich zur Freude an
und ich schaue mich vorsichtig um.
Wo denn die Freude sei, frage ich.
Doch du nimmst mir die Zeitung aus der Hand.
Ich könne sie auch nachher noch lesen.
Du legst mein Handy zur Seite.
Ich wäre lange genug online.
Du nimmst meine Gedanken in die Hand.
Das Gold, das ich so lange vermisse, hältst du mir vor die Nase.
Du machst mir eine Liebeserklärung.
Auf alles war ich vorbereitet – darauf nicht.
Ich möchte ganz aus dem Häuschen sein –
Ich danke dir für alles,
was untrennbar mit meinen Namen,
mit meiner Geschichte verknüpft ist.
Ich schaue mich vorsichtig um.
Du, Herr, stiftest mich zur Freude an.
Schwestern und Brüder!
Freut euch zu jeder Zeit!
Betet ohne Unterlass!
Dankt für alles;
denn das ist der Wille Gottes für euch
in Christus Jesus.
Löscht den Geist nicht aus!
Verachtet prophetisches Reden nicht!
Prüft alles und behaltet das Gute!
Meidet das Böse in jeder Gestalt!
Er selbst, der Gott des Friedens, heilige euch ganz und gar
und bewahre euren Geist,
eure Seele und euren Leib unversehrt,
damit ihr ohne Tadel seid
bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.
Gott, der euch beruft, ist treu;
er wird es tun.
Freut euch zu jeder Zeit
Fällt Ihnen auf, wie die Worte sprudeln? „zu jeder Zeit“! „ohne Unterlass“! „Für alles“! Von Bescheidenheit, Vorsicht oder Skepsis - kein Wort. So hört sich Freude an! So fühlt sich Freude an! Ewigkeit im Kleinen. Wir dürfen uns freuen, beten und danken: dass uns in Jesus Licht geschenkt wird, Wärme, Liebe. Gottes Zuneigung für uns, die wir unseren Glauben doch oft in Zweifeln hüllen und dabei frieren.
Jetzt können wir alles, was uns in unserem Leben begegnet, ins Gebet nehmen – ohne große Worte oder glänzende Formulierungen. Wir müssen uns auch nicht absichern oder in eine fromme Rolle schlüpfen. Ein Herzensseufzer darf es ebenso sein wie ein fröhliches Lachen. Gebet ist alles, was die Seele sagt – und vielleicht manchmal auch einfach versteckt. Papst Franziskus meinte sogar, auch Tiere würden beten. Wenn er wüsste, wie gut mir diese Vorstellung gefällt!
Jetzt können wir für alles danken. Und „alles“ meint „alles“. Obwohl uns die Klage gelegentlich eher auf den Leib geschneidert wird, heißt danken, uns geborgen, angenommen, ja geliebt zu wissen. Was einer Klage nicht gelingt, gelingt dem Dank: In ihm geht ein Licht auf. Für den Humor, der uns nicht verlässt. Für den Mut, der nicht klein zu kriegen ist. Für die Nähe, die uns selbst in der Distanz geschenkt wird. Kennen Sie nicht auch Menschen, die für schlechte Erfahrungen „danke“ sagen können, weil sie über sich hinwegsehen lernen? Zu danken, zaubert unter uns Menschen ein Lächeln aufs Gesicht. Es fängt zu leuchten an.
Dass das der Wille Gottes für uns ist, in Jesus Christus, geht wie eine Sonne auf.
Besonders gut gefällt mir, alles auch zu prüfen – und das Gute zu behalten. Obwohl es für die Freude „zu jeder Zeit“, für ein Gebet „ohne Unterlass“, für einen Dank „für alles“ viele gute Gründe gibt, fällt uns ein kritischer Blick zu. Oder: wir werden dazu eingeladen, sogar einen kritischen Blick zu haben. Oder: Einen kritischen Blick müssen wir einüben. Der kritische Blick ist nicht der böse Blick. Es ist auch nicht der heimtückische Blick. Es ist auch nicht der scheele Blick. Es gilt, Erfahrungen und Begegnungen abzuwägen – und ihnen das Gute abzugewinnen. Ob wir es heute wagen, allen Erfahrungen und Begegnungen zuzutrauen, Gutes in ihnen zu finden? Das Gute bleibt übrig, wenn die vielen anderen Dinge die Prüfung nicht bestanden haben.
Da sind wir dann schnell auch wieder bei der Klage, die sich keck nach vorne drängt. Die Klage ist immer einfach. Schwarz – weiß. Die Klage beißt sich immer fest. Nein – um das Gute zu behalten, müssen wir es erst einmal freilegen. Behutsam wie ein Archäologe, der geduldig die Kostbarkeiten aus der Erde hebt, mit einem Schäufelchen und einem Pinsel bewaffnet. Manchmal müssen dann sogar die Geschichtsbücher neu geschrieben werden! Eine Scherbe schließt dann die Welt auf. Doch – um das Gute zu behalten, müssen wir es erst einmal freilegen. Behutsam wie ein Goldwäscher, der manchmal sehr lange sein Sieb bewegen muss, um endlich Gold, unscheinbar, vor seinen Augen glänzen sieht. Wie viele Steine, wieviel Dreck hat er dann schon sortiert? Die Sehnsucht nach dem großen Fund treibt ihn an.
Eigentlich bin ich fasziniert davon, was Paulus in wenigen Sätzen den Leuten in Thessalonich schreibt. Ein richtiges Adventsprogramm. Geeignet in Coronazeiten – und weit darüber hinaus. Es geht um die große Freude, die uns geschenkt wird, die wir nicht verdient haben, die wir uns auch nicht aneignen können. Die große Freude ist teilbar. Sie muss geteilt werden – dann wird sie immer größer. Paulus macht die Freude in der Treue Gottes fest. Weil er treu ist, beständig, verlässlich,
weil er uns zugewandt bleibt, egal woher der Wind weht,
weil er uns liebt, selbst dann, wenn wir mit unserem Latein am Ende sind –
sind wir in seinem Frieden geborgen.
Das ist das Geheimnis der Freude.
Er selbst, der Gott des Friedens, heilige uns ganz und gar
und bewahre unseren Geist,
unsere Seele und unseren Leib unversehrt,
damit wir ohne Tadel sind
bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.
Gott, der uns beruft, ist treu;
er wird es tun.
Heute, am 3. Advent, denken wir an die Kinder. Sie müssen sich auch an Masken gewöhnen. Aber ihr Lachen ist so ansteckend, dass die Schatten, die über unseren Tagen lauern, fliehen. – Stille.
Heute denken wir an die alten Menschen in Heimen. Sie müssen Einschränkungen in Kauf nehmen. Aber oft lächeln sie, wenn eine Pflegerin, ein Pfleger bei ihnen vorbeischaut. – Stille.
Heute denken wir an die Menschen, die auf Intensivstationen arbeiten. Sie kämpfen für andere mit dem Tod. Ihre Freundlichkeit müssen sie hinter Masken verstecken. – Stille.
Heute denken wir an die Politiker. Viele Erwartungen können sie nicht erfüllen. Von vielen Seiten werden sie in die Zange genommen. Nach Lachen ist ihnen nicht immer zumute. – Stille.
Heute denken wir an die Geschäftsleute und Wirte. Der Lock down macht ihnen zu schaffen. Viele haben Angst, es nicht zu schaffen. Viele machen sich gegenseitig Mut. – Stille.
Heute, am 3. Advent, befehlen wir dir alle Menschen, ihre Geschichten, Sorgen und Schmerzen. Und unser Leben befehlen wir dir auch, unsere Familien, Freunde, Kollegen und Nachbarn.
Lass das Licht unter uns wachsen. Wie das Licht auf unseren Adventskränzen.
Schenke uns die Freude auf Weihnachten.
4. Ihr Mächtigen auf Erden,
nehmt diesen König an,
wollt ihr beraten werden
und gehn die rechte Bahn,
die zu dem Himmel führt;
sonst, wo ihr ihn verachtet
und nur nach Hoheit trachtet,
des Höchsten Zorn euch rührt.
5. Ihr Armen und Elenden
in dieser bösen Zeit,
die ihr an allen Enden
müsst haben Angst und Leid:
Seid dennoch wohlgemut,
lasst eure Lieder klingen,
dem König Lob zu singen,
der ist euer höchstes Gut.
6. Er wird nun bald erscheinen
in seiner Herrlichkeit,
der all euer Klag und Weinen
verwandeln wird in Freud.
Er ist’s, der helfen kann,
halt’t eure Lampen fertig,
und seid stets sein gewärtig,
Er ist schon auf der Bahn.
Komm, o mein Heiland Jesu Christ,
meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein;
dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit
den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, oh Herr,
sei ewig Preis und Ehr.
https://www.youtube.com/watch?v=z-lmOVjt1NI
Die Pfarrgemeinschaft Eggenburg/Burgschleinitz/Roggendorf/Kattau lädt ein zum Gottesdienstfeiern zuhause und hat dazu ein Feierhilfe für alle 4 Sonntage des Advent erstellt. Download als PDF
Link zur Website der Pfarrgemeinschaft Eggenburg/Burgschleinitz/Roggendorf/Kattau
Weitere Gottesdienstvorschläge auf: www.netzwerk-gottesdienst.at
Gott, du bist barmherzig und treu,
ein guter Hirte.
Du kennst die Wege, die wir gegangen sind,
auch die, über die wir nicht reden.
Du kennst auch die Strecken, die vor uns liegen,
unser Erwartung, unsere Sorge.
Dir vertrauen wir uns an.
Wenn wir uns in Tiefen verlieren,
führe uns,
wenn wir an Höhepunkten übermütig werden,
bewahre uns,
wenn Durststrecken vor uns liegen,
richte uns auf.
Du lässt uns an deinem Tisch das Leben schmecken.
In Christus, unserem Herrn.
Gedenke, o Herr unser Gott, auch Deines ganzen Volkes,
gieß auf alle den Reichtum Deines Erbarmens aus ...
derjenigen, die wir aus Unwissenheit, Vergeßlichkeit und der Menge der Namen nicht erwähnt haben,
gedenke Du selbst, o Gott;
denn Du kennst eines jeden Alter und Namen,
und jeder ist Dir vom Mutterschoße an bekannt.
Denn Du, o Gott, bist die Hilfe der Hilflosen,
die Hoffnung der Hoffnungslosen ...
und der Arzt der Kranken.
Werde selbst allen alles,
da Du einen jeden kennst, seine Bitten, sein Haus und sein Bedürfnis.
Amen.
https://liturgie.ch/praxis/gottesdienst-waehrend-des-corona-virus/1583-corona-gebete
Aus Anlass der Corona-Pandemie im Jahr 2020
Die Welt ist aus den Fugen geraten.
Nichts ist mehr, wie es war.
So vieles, was für uns ganz selbstverständlich war,
ist auf einmal in Frage gestellt.
Geld, Erfolg, Ansehen
– was ist das alles noch wert,
wenn wir uns um unsere Gesundheit sorgen,
wenn wir Angst um unser Leben haben müssen?
Vorsichtig sind wir geworden.
Und demütig.
Und achtsam.
Die gegenseitige Rücksichtnahme
hat den Eigensinn in die Schranken gewiesen.
Das Habenwollen ist dem Geben gewichen.
Gemeinsam nach Wegen zu suchen, die aus der Not herausführen,
zählt mehr als das Streben, sich selbst wichtig zu machen.
Wir spüren,
was es bedeutet,
nicht allein zu sein,
jemanden zu haben,
der uns nahe ist
– und sei’s nur in Gedanken.
Und in Gebeten.
So bitten wir dich,
Gott,
gib uns Halt
in diesen haltlosen Zeiten.
Lass uns mutig nach vorn schauen,
zuversichtlich den Tag erwarten,
der der Nacht folgt,
dem Licht entgegensehen,
das die Dunkelheit verdrängt
und dann,
wenn es wieder hell geworden ist
– in uns und um uns herum –
das Unsere dafür tun,
dass das Gute,
das wir in diesen Tagen säen und pflanzen,
Früchte tragen
und bleiben möge.
Unter uns.
Allen zum Segen.
Eckhard Hermann
Bewahre uns, Gott, behüte uns Gott:
https://www.youtube.com/watch?v=IopcSexAVls
Hilf, Herr meines Lebens, dass ich nicht vergebens,
https://www.youtube.com/watch?v=kclZw0H-mys
Herr, wir bringen Dir alle Erkrankten
und bitten um Trost und Heilung.
Sei den Leidenden nahe,
besonders den Sterbenden.
Bitte tröste jene, die jetzt trauern.
Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und Energie.
Allen Krankenschwestern und Pflegern Kraft in dieser extremen Belastung.
Den Politikern und Mitarbeitern der Gesundheitsämter Besonnenheit.
Wir beten für alle, die in Panik sind.
Alle, die von Angst überwältigt sind.
Um Frieden inmitten des Sturms,
um klare Sicht.
Wir beten für alle, die großen materiellen Schaden haben oder befürchten.
Guter Gott, wir bringen Dir alle,
die in Quarantäne sein müssen, sich einsam fühlen,
niemanden umarmen können.
Berühre Du Herzen mit Deiner Sanftheit.
Und ja, wir beten, dass diese Epidemie abschwillt,
dass die Zahlen zurückgehen,
dass Normalität wieder einkehren kann.
Mach uns dankbar für jeden Tag in Gesundheit.
Lass uns nie vergessen, dass das Leben ein Geschenk ist,
dass wir irgendwann sterben werden und nicht alles kontrollieren können,
dass Du allein ewig bist,
dass im Leben so vieles unwichtig ist,
was oft so laut daherkommt.
Mach uns dankbar für so vieles,
was wir ohne Krisenzeiten so schnell übersehen.
Wir vertrauen Dir.
Danke!
Johannes Hartl, Theologe, Augsburger Gebetshaus
1. Du Sonne der Gerechtigkeit,
Christus, vertreib in uns die Nacht,
dass mit dem Licht des neuen Tags
auch unser Herz sich neu erhellt.
2. Du schenkst uns diese Gnadenzeit,
gib auch ein reuevolles Herz
und führe auf dem Weg zurück,
die deine Langmut irren sah.
3. Es kommt der Tag, dein Tag erscheint,
da alles neu in Blüte steht;
der Tag, der unsre Freude ist,
der Tag, der uns mit dir versöhnt.
4. Dir, höchster Gott, Dreifaltigkeit,
lobsinge alles, was da lebt.
Lass uns, durch deine Gnade neu,
dich preisen durch ein neues Lied. - Amen.
Youtube-Version:
https://www.youtube.com/watch?v=41cSIWZnPrk
Originaltitel: Zolang er mensen zijn op aarde, Text: Huub Oosterhuis, Übertragung: Dieter Trautwein.
Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr;
fremd wie dein Name sind mir deine Wege.
Seit Menschen leben, rufen sie nach Gott;
mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen?
Bist du der Gott. der Zukunft mir verheißt?
Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen.
Von Zweifeln ist mein Leben übermannt,
mein Unvermögen hält mich ganz gefangen.
Hast du mit Namen mich in deine Hand,
in dein Erbarmen fest mich eingeschrieben?
Nimmst du mich auf in dein gelobtes Land?
Werd ich dich noch mit neuen Augen sehen?
Sprich du das Wort, das tröstet und befreit
und das mich führt in deinen großen Frieden.
Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt,
und laß mich unter deinen Söhnen leben.
Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst.
Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.
Originaltitel: Ik sta voor U
Text: Huub Oosterhuis
Übertragung: Lothar Zenetti
Allmächtiger, ewiger Gott,
von Dir empfängt das ganze Universum Energie, Existenz und Leben,
wir kommen zu Dir und bitten um Dein Erbarmen,
weil wir heute die Zerbrechlichkeit der Menschheit
in der Erfahrung einer neuen Virusepidemie spüren.
Wir glauben, dass Du den Lauf der menschlichen Geschichte lenkst
und dass Deine Liebe unser Schicksal in der Not zum Besseren wenden kann.
Deswegen vertrauen wir Dir die Kranken und ihre Familien an:
Schenke Ihnen durch das Ostergeheimnis Deines Sohnes
Heil und gib Heilung ihrem Leib und ihrem Geist.
Hilf jedem Mitglied der Gesellschaft, seine Pflicht zu erfüllen,
und stärke den Geist der gegenseitigen Solidarität.
Stehe Ärzten und Pflegekräften, Erzieherinnen und Sozialarbeitern
in der Erfüllung ihres Dienstes bei.
Du, der Du unser Trost in der Schwachheit bist,
wende auf die Fürsprache der seligen Jungfrau Maria
und aller heiligen Ärzte und Krankenpfleger jedes Übel von uns ab.
Befreie uns von der Epidemie, die uns gerade plagt,
damit wir gelassen zu unserem alltäglichen Leben zurückkehren
und Dich mit erneuertem Herzen loben und Dir danken können.
Dir vertrauen wir uns an,
zu Dir erheben wir auf die Fürsprache Mariens, der Helferin der Menschen,
unsere Bitte durch Christus unseren Herrn. Amen.
(Dieses Gebet wird derzeit von der Don Bosco Familie weltweit gebetet; nach einem Gebet von Erzbischof Cesare Nosiglia,Turin)
https://www.donbosco4youth.at/de/news/details/novene-zu-maria-der-hilfe-der-christen-coronavirus.html
Heiliger Sebastian,
du warst und bleibst für viele Menschen
ein machtvoller Fürsprecher in Zeiten der Not.
Wir bitten dich demütig:
Erbitte uns die Gesundheit an Leib und Seele.
Beschütze uns vor einer Erkrankung durch den Corona-Virus.
Gib uns Klugheit in der rechten Sorge um unsere Gesundheit,
frei von Ängstlichkeit als auch von Gleichgültigkeit.
Stärke unser Vertrauen, dass unser Leben in Gottes Hand geborgen ist.
Das erbitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.
https://www.pfarre-gisingen.at/sebastian/gebet-zum-hl-sebastian-um-schutz-vor-dem-coronavirus/
Guter Gott,
ich fühle mich nicht wohl und habe immer wieder Angst. So viele Fragen schießen durch meinen Kopf. Wie geht es jetzt weiter? Bleibe ich gesund? Habe ich auch schon den Virus? Wie geht es den erkrankten Menschen bei uns und überall?
Mit all diesen Ängsten und Zweifeln komme ich zu Dir.
Du bist doch der liebe Gott seit meinen Kindertagen.
Ich schaue auf deinen Sohn am Kreuz, der all die Ängste und Nöte von uns Menschen selbst durchleben musste. Und ich sehe die vielen Kreuze in unseren Tagen, die Leid und Trauer bringen, die Hoffnung auf eine Zukunft zerstören.
Bist du der gute Gott, der auch jetzt zu mir steht?
Ich will glauben, dass Du mir nah bist in deiner Liebe.
Ich will vertrauen, dass Du treu bleibst in deiner Kraft der Nähe. Ich will hoffen, dass du mich erfüllst mit deiner Barmherzigkeit.
Guter Gott, gib uns deinen Geist der Solidarität und Stärke, der Hoffnung und Zuversicht. Lass uns erkennen, was jetzt wichtig ist und zählt.
Du bist der gute Gott, der uns befreit und begleitet! Lass uns in diesem Glauben die nächsten Schritte wagen. Amen.
https://mk-online.de/
Beten wir für alle Menschen, die am Corona-Virus erkrankt sind,
für alle, die Angst haben vor einer Infektion,
für alle, die sich nicht frei bewegen können,
für die Ärztinnen und Pfleger, die sich um die Kranken kümmern,
für die Forschenden, die nach Schutz und Heilmitteln suchen,
dass Gott unserer Welt in dieser Krise seinen Segen erhalte.
(Stilles Gebet)
Allmächtiger Gott, du bist uns Zuflucht und Stärke,
viele Generationen vor uns haben dich als mächtig erfahren,
als Helfer in allen Nöten.
Steh allen bei, die von dieser Krise betroffen sind,
und stärke in uns den Glauben, dass du dich um jede und jeden von uns sorgst.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
© Martin Conrad, Liturgisches Institut der deutschsprachigen Schweiz (www.liturgie.ch)
Beten wir für alle Menschen,
die am Corona-Virus erkrankt sind,
für alle, die unter der Angst vor der Ansteckung leiden,
für alle, die die Quarantäne einhalten,
für alle, die sich in den Spitälern um die Kranken kümmern,
für alle, die in der Forschung den Virus bekämpfen,
und für die Politiker, die gewichtige Entscheidungen treffen, dass Gott uns bewahre und uns den Weg durch diese Zeit weise.
Akklamation nach jeder Anrufung: Erbarme dich unser!
Du heiliger Gott. (Jes 6,1-3)
Du gerechter Gott.
Du langmütiger Gott. (Ex 34,6)
Du Gott, reich an Huld. (Ex 34,6)
Du treuer Gott. (Ex 34,6)
Du geduldiger Gott. (Röm 15,5)
Gott des Mitleids mit den Leidenden. (Ps 106,44f)
Vater des Erbarmens und Gott allen Trostes. (2 Kor 1,3)
Gott, der uns tröstet wie eine Mutter. (Jes 66,13)
Gott, in dessen Schoss wir geborgen sind. (Hos 11)
Gott, an dessen Brust wir ruhen können. (Ps 131)
Gott, der uns nie vergisst. (Jes 49,15)
Gott, dessen Namen wir kennen. (Ex 3,14)
Gott, der uns eingezeichnet hat in seine Hände. (Jes 49,16)
Gott, der uns beim Namen ruft. (Jes 43,1)
Gott, dem wir gehören. (Jes 43,1)
Gott mit uns. (Mt 1,23)
Gott für uns. (Röm 8,31ff)
Gott, der uns aus der Gefangenschaft herausführt. (Ex 13,17-14,31)
Gott der Armen und Kleinen und Hilflosen. (Lk 1,46-55)
Gott, dessen Güte reicht soweit der Himmel ist. (Ps 36,5)
Gott aller, die sich plagen und schwere Lasten zu tragen haben. (Mt 11,28ff)
Gott, der weiss, was wir brauchen. (Mt 6,8)
Gott, der die Verlorenen sucht. (Mt 18,12-14)
Gott, der grösser ist als unser Herz.(1 Joh 3,20)
Gott, der den Hoffnungslosen Hoffnung gibt. (Röm 15,13)
Gott, der uns Sündern gnädig ist. (Lk 18,9-14)
Gott, dessen Erbarmen uns aus dem Tod rettet. (Eph 4,24)
Gott, unser Retter.
Gott des Lebens.
Du unsagbar grosser Gott.
Du leidenschaftlich liebender Gott.
Du unbegreiflich verzeihender Gott. (Lk 15,11-32)
Du masslos gnädiger Gott.
Du unendlich gütiger Gott.
Du barmherziger Gott.
Die Litanei ist stark von biblischen Texten inspiriert. Bei den meisten Anrufungen sind deshalb entsprechende Bibelstellen angegeben. Wenn keine Bibelstelle angegeben ist, bedeutet dies, dass dieser Aspekt der Barmherzigkeit Gottes sich an vielen Stellen der Bibel findet.
Die Bitten haben Schwestern der Zisterzienserinnenabtei Magdenau formuliert - herzlichen Dank!
https://liturgie.ch/praxis/gottesdienst-waehrend-des-corona-virus/1583-corona-gebete
Herr Jesus Christus,
du bist das Brot des Lebens und der einzig wahre Weinstock.
Ich glaube, dass du wirklich anwesend bist
im heiligsten Sakrament der Eucharistie.
Ich suche dich.
Ich preise dich und bete dich an.
Da ich dich nicht empfangen kann
im eucharistischen Brot und Wein
bete ich, dass du in mein Herz und meine Seele kommst,
damit ich mit dir vereint sein kann
durch deinen allmächtigen und allgegenwärtigen Heiligen Geist.
Lass mich dich empfangen und von dir genährt werden.
Werde für mich das Manna in meiner Wüste,
das Brot der Engel
für meine sehr menschliche Reise durch die Zeit,
ein Vorgeschmack auf das himmlische Festmahl
und Trost in der Stunde meines Todes.
Ich erbitte all dies im Vertrauen darauf, dass du selbst
unser Leben, unser Friede und unsere immerwährende Freude bist.
Amen.
https://liturgie.ch/praxis/gottesdienst-waehrend-des-corona-virus/1583-corona-gebete
Gott unser Vater,
wir kommen in unserer Not zu dir,
um dich um Schutz vor dem Corona-Virus zu bitten,
der Leben gekostet hat
und viel Schaden über die Menschen bringt.
Wir beten um deine Gnade:
Für die Menschen, die das Virus erforschen
und gegen seine Verbreitung kämpfen.
Führe die Hände und Gedanken der Mediziner,
auf dass sie den Kranken dienen
durch ihr Können und ihr Mitgefühl,
und der Regierenden und Helfenden,
die auf der Suche nach einer Heilung
und einer Lösung der Epidemie sind.
Wir beten für die Kranken.
Mögen sie bald wieder gesund werden.
Gewähre all das durch unseren Herrn, Jesus Christus, deinen Sohn,
der mit dir lebt und herrscht in der Einheit des heiligen Geistes,
jetzt und in Ewigkeit. Amen.
https://liturgie.ch/praxis/gottesdienst-waehrend-des-corona-virus/1583-corona-gebete
Gott Vater, Schöpfer der Welt,
du bist allmächtig und barmherzig.
Aus Liebe zu uns hast du deinen Sohn zum Heil der Menschen an Leib und Seele in die Welt gesandt.
Schau auf deine Kinder,
die in dieser schwierigen Zeit der Prüfung und Herausforderung in vielen Regionen Europas und der Welt sich an dich wenden,
um Kraft, Erlösung und Trost zu suchen.
Befreie uns von Krankheit und Angst,
heile unsere Kranken,
tröste ihre Familien,
gib den Verantwortlichen in den Regierungen Weisheit,
den Ärzten, Krankenschwestern und Freiwilligen Energie und Kraft,
den Verstorbenen das ewige Leben.
Verlasse uns nicht im Moment der Prüfung,
sondern erlöse uns von allem Bösen.
Darum bitten wir dich,
der du mit dem Sohn und dem Heiligen Geist lebst und herrschst bis in alle Ewigkeit. Amen.
Maria, Mutter der Kranken und Mutter der Hoffnung, bitte für uns!
https://liturgie.ch/praxis/gottesdienst-waehrend-des-corona-virus/1583-corona-gebete
Herr, Du Gott des Lebens,
betroffen von der Not der Corona-Krise kommen wir zu Dir.
Wir beten für alle, deren Alltag jetzt massiv belastet ist
und bitten um Heilung für alle Erkrankten.
Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden.
Tröste jene, die jetzt trauern, weil sie Tote zu beklagen haben.
Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und Energie,
und allen Pflegenden Kraft in ihrer extremen Belastung.
Gib den politisch Verantwortlichen Klarheit für richtige Entscheidungen.
Wir danken Dir für alle, die mit vielfältigen Diensten
die Sicherheit und Versorgung unseres Landes aufrecht erhalten.
Wir beten für alle, die in Panik sind oder von Angst überwältigt werden.
Wir beten für alle, die großen materiellen Schaden erleiden oder befürchten.
Guter Gott, wir bringen Dir alle, die in Quarantäne mussten,
sich einsam fühlen und niemanden an ihrer Seite haben.
Stärke die Herzen der alten und pflegebedürftigen Menschen,
berühre sie mit Deiner Sanftheit und gib ihnen die Gewissheit,
dass wir trotz allem miteinander verbunden sind.
Von ganzem Herzen flehen wir, dass die Epidemie abschwillt
und dass die medizinischen Einrichtungen auch künftig
den übermäßigen Anforderungen entsprechen können.
Wir beten, dass die Zahl der Infizierten und Erkrankten abnimmt
und hoffen auf eine baldige Rückkehr zur vertrauten Normalität.
Guter Gott, mache uns dankbar für jeden Tag, den wir gesund verbringen.
Lass uns nie vergessen, dass unser Leben ein zerbrechliches Geschenk ist.
Wir sind sterbliche Wesen und können nicht alles kontrollieren.
Du allein bist ewig, Ursprung und Ziel von allem – immer liebend.
Getragen vom Frieden, der von Dir kommt, werden wir die Krise bestehen.
Jesus, Du Herr und Bruder aller Menschen,
Deine Gegenwart vertreibt jede Furcht, sie schenkt Zuversicht
und macht uns bereit – offen und aufmerksam für das Leben.
Jesus, wir vertrauen auf Dich!
Heilige Maria, Mutter unseres Herrn, und alle heiligen Frauen und Männer,
Nothelfer und Schutzpatrone unseres Landes, bittet für uns! Amen.
www.dibk.at/Meldungen/Gebet-in-der-Coronakrise
Herr, unser Herr, wie bist du zugegen
und wie unsagbar nah bei uns.
Allzeit bist du um uns in Sorge,
in deiner Liebe birgst du uns.
Du bist nicht fern, denn die zu dir beten
wissen, dass du uns nicht verlässt.
Du bist so menschlich in unsrer Mitte,
dass du wohl dieses Lied verstehst.
Du bist nicht sichtbar für unsre Augen,
und niemand hat dich je gesehn.
Wir aber ahnen dich und glauben,
dass du uns trägst, dass wir bestehen.
Wer unterm Schutz des Höchsten steht (GL 424)
1) Wer unterm Schutz des Höchsten steht, im Schatten des Allmächtgen geht,
wer auf die Hand des Vaters schaut, sich seiner Obhut anvertraut,
der spricht zum Herrn voll Zuversicht: Du meine Hoffnung und mein Licht,
mein Hort, mein lieber Herr und Gott, dem ich will trauen in der Not.
2) Er weiß, dass Gottes Hand ihn hält, wo immer ihn Gefahr umstellt;
kein Unheil, das im Finstern schleicht, kein nächtlich Grauen ihn erreicht.
Denn seinen Engeln Gott befahl, zu hüten seine Wege all,
dass nicht sein Fuß an einen Stein anstoße und verletzt mög sein.3)
Denn dies hat Gott uns zugesagt: Wer an mich glaubt, sei unverzagt,
weil jeder meinen Schutz erfährt; und wer mich anruft, wird erhört.
Ich will mich zeigen als sei Gott, ich bin ihm nah in jeder Not;
des Lebens Fülle ist sein Teil, und schauen wird er einst mein Heil.
1. Das ist der Tag, den Gott gemacht,
der Freud in alle Welt gebracht.
Es freu sich, was sich freuen kann,
denn Wunder hat der Herr getan.
2. Verklärt ist alles Leid der Welt,
des Todes Dunkel ist erhellt.
Der Herr erstand in Gottes Macht,
hat neues Leben uns gebracht.
3. Wir sind getauft auf Christi Tod
und auferweckt mit ihm zu Gott.
Uns ist geschenkt sein Heilger Geist,
ein Leben, das kein Tod entreißt.
4. Wir schauen auf zu Jesus Christ,
zu ihm, der unsre Hoffnung ist.
Wir sind die Glieder, er das Haupt,
erlöst ist, wer an Christus glaubt.
5. Nun singt dem Herrn das neue Lied,
in aller Welt ist Freud und Fried.
Es freu sich, was sich freuen kann,
denn Wunder hat der Herr getan.
(Text: nach Heinrich Bone 1847/EGB 1975, 3. und 4. Str.: Friedrich Dörr 1972; Melodie: nach Johann Leisentritt 1567)
1. Jesus Christus, guter Hirte,
Hoherpriester, Osterlamm,
für das Lamm, das sich verirrte,
starbst du an dem Kreuzesstamm.
2. Baum des Lebens, Strom des Heiles,
edler Weinstock, Himmelsbrot,
du nur kennst und führst die Deinen
in das Leben aus dem Tod.
3. Wort des Vaters, offne Türe,
Licht der Stadt Jerusalem,
lass uns deine Stimme hören,
lass uns deine Wege gehen.
(Text: Adelgart Gartenmeier 1997, Melodie: Kamilla Usmanova 2008)
1. Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, Halleluja, Halleluja,
in deiner Urständ fröhlich ist. Halleluja, Halleluja.
2. Das himmlisch Herr im Himmel singt, Halleluja, Halleluja,
die Christenheit auf Erden klingt. Halleluja, Halleluja.
3. Jetzt grünet, was nur grünen kann, Halleluja, Halleluja,
die Bäum zu blühen fangen an. Halleluja, Halleluja.
4. Es singen jetzt die Vögel all, Halleluja, Halleluja,
jetzt singt und klingt die Nachtigall, Halleluja, Halleluja.
5. Der Sonnenschein kommt jetzt herein, Halleluja, Halleluja,
und gibt der Welt ein neuen Schein, Halleluja, Halleluja.
(Text: Friedrich Spee 1623, Melodie: Köln 1623, E: 1. Und 6. Str.: „Urständ: Auferstehung)
1. Vom Tode heut erstanden ist
der heilge Herre Jesus Christ,
der aller Welt ein Tröster ist. Halleluja.
2. Die ganze Erde staunt und bebt,
weil Gottes Herrlichkeit anhebt;
der Tod ist tot, das Leben lebt. Halleluja.
3. Des Herren Sieg bricht ins uns ein,
da sprengt er Riegel, Schloss und Stein;
in uns will Christus Sieger sein. Halleluja.
4. Nun jauchzt und jubelt überall.
Die Welt steht auf von ihrem Fall.
Gott herrscht in uns, er herrscht im All. Halleluja.
(Text: nach „Surrexit Christus hodie“ Engelberg1372, 2 – 4. Str.: Silja Walter 1968,; Melodie: 14. Jahrhundert/Böhmische Brüder 1501/bei Michael Weiße 1531)
1. Bleibe bei uns, du Wandrer durch die Zeit!
Schon sinkt die Welt in Nacht und Dunkelheit.
Geh nicht vorüber, kehre bei uns ein.
Sei unser Gast und teile Brot und Wein.
2. Weit war der Weg. Wir flohen fort vom Kreuz.
Doch du, Verlorner, führtest uns bereits.
Brennt nicht uns ein Feuer, wenn du sprichst?
Zeige dich, wenn du nun das Brot uns brichst.
3. Weihe uns ganz in dein Geheimnis ein.
Lass uns dich sehn im letzten Abendschein.
Herr, deine Herrlichkeit erkennen wir:
Lebend und sterbend bleiben wir in dir.
(Text: Peter Gerloff, Melodie: Henry Monk 1861)
Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt,
hast mich geheilt und mit Freude umgürtet.
Dir singt mein Herz und will nicht verstummen.
Dir will ich singen in Ewigkeit.
(Text: nach Psalm 30,12 – 13; Melodie: Johannes Falk *1963)
1. Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken?
Er, er lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken.
Er verklärt mich in sein Licht; dies ist meine Zuversicht.
2. Jesus lebt! Ihm ist das Reich über alle Welt gegeben;
mit ihm werd auch ich zugleich ewig herrschen, ewig leben.
Gott erfüllt, was er verspricht; dies ist meine Zuversicht.
3. Jesus lebt! Wer nun verzagt, lästert ihn und Gottes Ehre.
Gnade hat er zugesagt, dass der Sünder sich bekehre.
Gott verstößt in Christus nicht; dies ist meine Zuversicht.
4. Jesus lebt! Sein Heil ist mein, sein sei auch mein ganzes Leben;
reines Herzens will ich sein und den Lüsten widerstreben.
Er verlässt den Schwachen nicht; dies ist meine Zuversicht
5. Jesus lebt! Ich bin gewiss, nichts soll mich von Jesus scheiden,
keine Macht der Finsternis, keine Herrlichkeit, kein Leiden.
Er gibt Kraft zu dieser Pflicht; dies ist meine Zuversicht.
6. Jesus lebt! Nun ist der Tod mir der Eingang in das Leben.
Welchen Trost in Todesnot wird er meiner Seele geben,
wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht!
T: nach Christian Fürchtegott Gellert 1757.
Lieber Gott,
dieser Corona Virus macht uns allen zu schaffen. Regale in Supermärkten sind leer. Alle drehen durch und hamstern. Die Menschen haben Angst und kaufen, dass die Einkaufswagen voll sind bis zum geht nicht mehr. Ich ärgere mich darüber, dass alle durchdrehen und die Schulen geschlossen sind, denn man kann nicht richtig lernen. Ich habe auch ein wenig Angst, aber nicht um mich, sondern um meine Omas.
Meine Omas bedeutet mir sehr viel, ich habe meine beiden Opas schon verloren und einen davon durfte ich nicht kennenlernen. Es ist beängstigend wie viele Menschen jetzt schon gestorben und infiziert sind. Ich ärgere mich auch über die Menschen die ignorant sind, die einfach sagen „mich interessiert das nicht, ich bin nicht geschädigt.“ Ich bitte dich, lass diese Menschen begreifen, was zurzeit los ist, damit nicht mehr Menschen sterben und dieser Albtraum bald vorbei ist.
AMEN.
Marc, 8. Klasse (RS CoJoBo - Collegium Josephinum Bonn)
Lieber Gott,
ich bin in diesen schweren Zeiten dankbar dafür, dass meine Oma ihre Operation und die Krankenhauszeit gut überstanden hat und ohne Infektion nach Hause konnte. Ich bin auch dankbar dafür, dass mein Vater in seiner Quarantänezeit sich wohl und gesund fühlt und dass es meiner Familie und meinen Freunden gut geht. Ich finde es schade, dass ich mich mit meinen Freunden nicht treffen kann, dass ich nicht Fußball spielen kann und nicht in die Schule gehe.
Ich möchte dich darum bitten, dass sich die Covid-19 Pandemie nicht verschlimmert, dass es allen Menschen so weit wie möglich gut geht in dieser Zeit und dass ein Heilmittel bald vorhanden ist.
AMEN
Noah, 8. Klasse (RS CoJoBo - Collegium Josephinum Bonn)
Herr, ich bin dein Eigentum,
dein ist ja mein Leben,
mir zum Heil und dir zum Ruhm
hast du mir’s gegeben.
Väterlich führst du mich
auf des Lebens Wegen
meinem Ziel entgegen.
Deine Treue wanket nicht,
du wirst mein gedenken,
wirst mein Herz in deinem Licht
durch die Zeit hin lenken.
So weiß ich, du hast mich
in die Hand geschrieben,
ewig mich zu lieben.
Gib auch, dass ich wachend sei,
Herr, an deinem Tage,
und das Licht der Gnaden treu
durch mein Leben trage.
Dass ich dann fröhlich kann
dir am End der Zeiten
Herr, entgegenschreiten.
Guter Gott, dein Sohn ist für uns Mensch geworden und geht alle unsere Wege mit.
Wir bitten dich:
Unsere Fürbitten fassen wir zusammen und bekräftigen wir, in dem wir das Gebet des Herrn sprechen:
der sagt ich bin
sagt uns ihr seid
der sagt ihr seid
sagt uns ich bin
das licht der welt
Aus: kurt marti, geduld und revolte. Die gedichte am rand. Im radius-verlag, Stattgart 1995.
Es ist gut, dass es Weihnachten gibt. Allerdings müssen wir aufpassen, wie wir es verstehen und feiern. Der Glanz der Friedensbotschaft von Weihnachten darf nicht zum Flitter werden. Kerzenlicht darf uns nicht die Welt verstellen, so wie sie ist.
Manchmal habe ich den Eindruck, ein solcher Hinweis sei in unserer Welt wichtiger als früher. Man flüchtet sich aus der Realität des täglichen Lebens, dem Stress der Vorbereitung und der Hast unseres Lebens in ein Weihnachten, bei dem man endlich alles sonst selig vergessen kann; viele schlagen die Tür hinter sich zu und fahren in die Ferne. Nehmen wir so Weihnachten ernst? Ist es nicht bloß ein schöner Kindertraum, aber am Ende doch nichts für die Erwachsenen? Haben das Lametta und mancher Kitsch etwas mit unserer Welt zu tun?
[…]
Aber genau in diese Welt kommt Gott selbst. Er kommt in unsere zerrissene, schäbige und oft banale Welt, in der z. B. das Recht des Stärkeren immer zu siegen scheint. Es ist die Welt, wo uns so viel Ungerechtigkeit, Bosheit und Egoismus die Luft und fast jede Hoffnung auf eine Besserung der Verhältnisse nehmen. Das ist gerade das Wunder der Weihnacht, dass uns nicht ein edles Paradies vorgegaukelt wird, sondern dass Gott seinen einzigen, vielgeliebten Sohn in diese Zeit schickt. Die Verheißungen von Gottes Frieden auf dieser Erde gelten uns. Es ist eine Hoffnung, die der Not ins Gesicht schaut und ihren Fragen nicht ausweicht. Darum ist es auch gut, wenn wir an Weihnachten all jene nicht vergessen, die nicht auf der Sonnenseite dieser Erde wohnen können: die Armen, die Kranken, die Straßenkinder, die Obdachlosen, die trotz vieler Anstrengungen immer wieder von Ungerechtigkeit und Elend bedrängten Menschen der Dritten Welt. Es ist gut, dass es gerade heute und in diesen Tagen die Sammlungen für Adveniat und Brot für die Welt gibt.
Weihnachten ist ein Fest der Ermutigung und dabei ganz bodennah. Deswegen dürfen wir auch unseren eigenen Sorgen und Nöten nicht ausweichen. Ganz in unserer Nähe. Gerade die vielen einfachen und kleinen Leute, die uns in der Weihnachtsgeschichte begegnen, angefangen bei einem ohnmächtigen Kind, rufen uns an diesem Fest auf, die Spuren der Hoffnung auch bei uns selbst zu suchen. Wir werden sie, wenn wir uns etwas mühen, auch leicht finden.
Aus: Karl Kardinal Lehmann, Mut zum Umdenken. Klare Positionen in schwieriger Zeit. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2003.
Der Herr ist mit euch (& mit deinem Geiste)
kommt alle her, die ihr müde & beladen seid,
die ihr euch plagt & euch fragt, warum ihr ziehende Nomaden seid.
weit, weit, weit seid ihr hierher gekommen:
ihr jungen & fremden, bekannten & frommen.
egal welcher Farbe, egal welcher Haut,
die ihr eingeladen seid, miteinander vertraut
ohne danach zu fragen, woher & wohin,
wir sind Brüder & Schwestern auf der Suche nach Sinn.
wir sind Pilger im Leben, wo überall wir uns bewegen,
auf der Suche nach uns selbst, auf der Suche nacheinander -
zum Lichte, zur Dichte von Leben & Fülle,
Liebe ist der Kern und Freude die Hülle.
die Sehnsucht nach Geborgenheit & Verständnis
bündelt unsere Vielheit zu einem Bekenntnis:
wir leben, wir atmen nur durch seinen Geist
wir leben, wir atmen... ihr wisst, was das heißt:
der Herr ist mit euch (& mit deinem Geiste)
also öffnet euch: öffnet euer Herz, öffnet eure Seelen,
so wie Fenster, werft die Gespenster
fehlender Gelassenheit, quälender Enthaltsamkeit,
werft eure Sorgen über Bord, eure Nöte weit, weit fort.
werdet Ruhe, werdet Stille, stoppt das Reden,
werdet Hörer, hört zu, lauscht dem Leben,
fragt nicht woher, fragt nicht wohin,
denn ihr geht euern Weg vor Gott im Land der Lebenden.
ihr seid Beschenkte mit den Gaben seines Geistes,
also schenkt selbst, gebt euch ganz, denn das heißt es.
ihr seid berufen alle Stufen so zu überspringen,
wir sind hier, um Dank darzubringen,
um zu weinen, zu lachen, zu tanzen, zu singen.
tun wir alles gemeinsam, wird es gelingen.
singen wir Lieder um besser zu sehen.
ihr seid die Glieder, ihr werdet verstehen ...
der Herr ist mit euch (& mit deinem Geiste)
Text: Thomas Gerlach
Wer von Ihnen einmal in Muße die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven zu Ende gehört hat, dem werden diese Verse bekannt vorkommen. Der fast taube Beethoven greift in seinem letzten Satz zur Überraschung seiner damaligen Zuhörer, die ganz auf ein Instrumentalstück eingestellt waren, auf Friedrich Schillers "Ode an die Freude" zurück und lässt Chor und Solisten daraus zitieren.
"Freude, schöner Götterfunke, Tochter aus Elysium. Wir betreten feuertrunken, Himmlische, dein Heiligtum!"
Fr. Franziskus Knoll OP, Köln, Predigt über Jes. 35, 1-6a.10.
19 Betrachten wir nun ein wenig die Person Jesu im Verlauf seines irdischen Lebens. Er hat in seiner Menschheit unsere Freuden erfahren. Er hat offenbar eine breite Skala menschlicher Freuden kennengelernt, geschätzt und geteilt, einfache tägliche Freuden, wie sie jedem zugänglich sind. Die Tiefe seines Innenlebens hat keineswegs seinen Blick für das Konkrete abgestumpft, nicht seine Empfindungsfähigkeit beeinträchtigt. Er bewundert die Vögel des Himmels und die Lilien des Feldes. In ihm wiederholt sich auf unmittelbare Weise der Blick Gottes auf die Schöpfung am Morgenrot der Geschichte. Gern hebt er die Freude des Sämanns und des Schnitters hervor, die Freude des Mannes, der einen verborgenen Schatz findet, die des Hirten, der sein Schaf, oder die der Frau, die ihr verlorenes Geldstück wiederfindet, die Freude der zum Fest geladenen Gäste, die Freude bei einer Hochzeit, die Freude des Vaters, der seinen Sohn, von einem Leben der Verschwendung endlich heimgekehrt, aufnimmt, und die der Frau, die ein Kind zur Welt bringt. Diese menschlichen Freuden sind für Jesus von solch hoher Bedeutung, da sie für ihn die Zeichen der geistlichen Freuden des Reiches Gottes sind: Freude jener Menschen, die in dieses Reich eintreten, dorthin zurückkehren oder dort arbeiten; Freude des Vaters, der sie empfängt. Auch Jesus selbst zeigt seinerseits Zärtlichkeit, als er Kindern begegnet, die zu ihm kommen wollen, als er einen reichen Jüngling trifft, der gewissenhaft und bestrebt ist, noch mehr zu tun; als er zu Freunden kommt, die ihm ihr Haus öffnen wie Marta, Maria und Lazarus. Eine Freude ist es für ihn vor allem, wenn er erlebt, dass man das Wort aufnimmt, seine Reichtümer opfert, dass eine Sünderin oder ein Zöllner wie Zachäus sich bekehrt, dass eine Witwe sich trotz ihrer Not zum Geben entschließt. Er jubelt vor Freude, als er feststellt, dass den Kleinen und Demütigen die Botschaft vom Reich geoffenbart wird, während sie den Weisen und Klugen verborgen bleibt (20).
20 Ja, weil Christus "wie wir als Mensch gelebt hat, in allem uns gleich, außer der Sünde" (21), so hat er auch die gefühlsmäßigen und geistlichen Freuden als Gabe Gottes erfahren und angenommen. Er verkündete rastlos "den Armen die Botschaft vom Heil, den Trauernden Freude" (22). Das Lukasevangelium bezeugt in besonderer Weise diesen Anlass zur Freude. Alle Wunder Jesu und seine Verzeihung schenkenden Worte sind ebenso viele Zeichen für die Güte Gottes: das ganze Volk aber freute sich über all die herrlichen Taten, die durch ihn geschahen (23), und gab Gott die Ehre. Für den Christen geht es wie für Jesus darum, die menschlichen Freuden, die der Schöpfer ihm gewährt, zu leben, in Danksagung vor dem Vater.
Papst Paul VI., Über die christliche Freude, Apostolisches Schreiben "Gaudete in Domino" (9.5.1975)
http://www.kathpedia.com/index.php?title=Gaudete_in_domino_%28Wortlaut%29 - (09.12.2014)
I. Wäre Zeit wie ein Kleid, dann könnte ich in sie hineinschlüpfen, einmal in die Arbeitszeit, dann in die Freizeit, in die Mußestunden, in die Sommerzeit, oder in den Urlaub. Ich würde sie tragen wie einen Arbeitsanzug, wie ein Partykleid, wie eine Küchenschürze oder einen Smoking. Wäre Zeit wie ein Kleid, dann könnte ich auch leicht wieder aus ihr heraus. Wie herrlich wäre das! Aus der Schulzeit, aus der Wartezeit, aus der Ölbergstunde, aus der Leidenszeit, aus dieser mir manchmal so schrecklichen heutigen Zeit, aus der Todesstunde.
II. Aber Zeit ist mir näher als ein Kleid, näher sogar als meine Haut, als meine Hand, als mein Fleisch, als mein Blut, als mein Herz. Sie ist kein Ding, keine Sache, kein Besitz, den ich haben kann, kaufen kann, erwerben kann. Ich habe nicht Zeit: Ich bin zeitlich! Ich bin in der Zeit, seit dem Tag, da ich lebe. Ich bin von gestern auf heute, von heute auf morgen. Ich werde, ich wachse, ich bin unterwegs, ich verändere mich, ich entwickle mich, ich reife, ich altere, ich bin zum Tode. Ich werde nicht mehr sein, wenn die Zeit für mich abgelaufen ist. Ich bin als Mensch zeitlich, das ist meine Definition, meine Bestimmung, meine Begrenzung, meine Voraussetzung (...)
V. Ich kenne einen, der in seinem Sterben sagte: Es ist vollbracht. Dabei war er - menschlich gesehen - gescheitert, seine Liebe brachte ihm Hass, seine Rede brachte ihm Verurteilung, seine Wahrheit brachte ihm den Tod. Dennoch sagte er: Es ist vollbracht. Ich schaue auf ihn und erkenne, dass seine Geschichte ein deutliches Woher und Wohin hatte, eine Herkunft und eine Zukunft: Gott als Vater. Mit diesem Gott lebte er, liebte er, sprach er, handelte er, litt er, starb er und konnte sagen: Es ist vollbracht. Und der gleiche Gott hat diese kurze, 33 Jahre währende, begrenzte Geschichte in der Auferweckung bestätigt und gerechtfertigt, als wollte er sagen: Dies gilt vor mir, so gilt einer bei mir, das ist das Leben eines Menschen, wie es mir gefällt.
VI. Ich möchte einmal sagen können: Es ist vollbracht! Und ich darf hoffen, dass mir dies hinter Jesus her gelingt, dass meine Geschichte zu einer Heilsgeschichte wird. So will ich versuchen, mein Leben vollzubringen, zu füllen wie er mit geteiltem Brot, mit geschwisterlicher Umarmung, mit gestiftetem Frieden, mit geschenkter Vergebung, mit erwiesener Gerechtigkeit, mit erwirkter Freiheit, mit gehaltener Treue, mit redlicher Wahrhaftigkeit, mit Liebe zu denen, die mich brauchen. So will ich versuchen, mein Leben vollzubringen, zu füllen wie er unter der Last der Konflikte, in der Zwickmühle von Spannungen, unter der Bürde von Verantwortung, in den Zwängen der Probleme, unter dem Druck der Leistung, in den Stunden der Leiden, unter dem Kreuz, dem ich nicht ausweichen kann. So will ich versuchen, mein Leben vollzubringen, zu füllen wie er im aufmerksamen Bewusstsein, im ständigen Hören, im immer wieder aufgenommenen Gebet, im liebenden Gehorsam zu Gott, der allein mein Leben richten und ins Recht setzen kann ...
Alois Albrecht, in: das Thema 23 (1981).
Lesung aus dem Buch Jesaja.
Der Geist GOTTES, des Herrn, ruht auf mir./
Denn der HERR hat mich gesalbt;
er hat mich gesandt,
um den Armen frohe Botschaft zu bringen,
um die zu heilen, die gebrochenen Herzens sind,
um den Gefangenen Freilassung auszurufen.
Von Herzen freue ich mich am HERRN.
Meine Seele jubelt über meinen Gott.
Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils,
er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit,
wie ein Bräutigam sich festlich schmückt
und wie eine Braut ihr Geschmeide anlegt.
Denn wie die Erde ihr Gewächs hervorbringt
und der Garten seine Saat sprießen lässt,
so lässt GOTT, der Herr, Gerechtigkeit sprießen
und Ruhm vor allen Nationen.
In der alttestamentlichen Lesung sind der Beginn und das Ende aus dem 61. Kapitel des Prophetenbuches Jesaja zusammengefügt, die mittleren sieben Verse fehlen - vermutlich aus praktischen Gründen (Länge!). Um den inneren Gehalt der Lesung wirklich zu erfassen, ist es jedoch ratsam, sich das gesamte Kapitel anzusehen (vgl. 1. Lesung Langfassung).
Unser Text enthält eine Heilsverheißung Jahwes an sein Volk in der noch instabilen Zeit nach der Heimkehr aus dem Babylonischen Exil. Dabei wird besonders den "Armen" die Zuwendung Gottes zugesagt, womit nicht nur die materiell Bedürftigen gemeint sind, sondern alle, die in irgendeiner Not leben. Ein eindrucksvolles Bild für ihren Zustand ist das Wort vom "gebrochenen Herzen". Das Herz bedeutet in der hebräischen Anthropologie soviel wie die Personmitte, den Sitz der menschlichen Identität. Gottes Zuwendung gilt den Gebrochenen und Gebeugten. Unser Text hat dabei Zustände harter Realität im Blick. Mit den "Gefangenen" sind etwa jene Menschen gemeint, die in Schuldsklaverei gefallen sind, und denen nun im angekündigten "Gnadenjahr" (vgl. die Rechtsinstitution des Jubeljahres Lev 25:39-41) eine Aufhebung ihrer erniedrigenden Arbeitsverhältnisse verheißen wird.
Gott bedient sich, um seine Heilsverheißung an die Menschen zu bringen, eines Sprechers. Seine besonderen Merkmale ("Geist Gottes", "Salbung") sind weniger Auszeichnungen für ihn, sondern Merkmale des besonderen Ranges der Verheißung. Im zweiten Teil (Vers 10-11) ist er deshalb mehr ein repräsentatives Mitglied der von ihm angesprochenen Gemeinde, wenn sie psalmenartig Gott preist.
Lesung aus dem Buch Jesaja.
Der Geist GOTTES, des Herrn, ruht auf mir./
Denn der HERR hat mich gesalbt;
er hat mich gesandt,
um den Armen frohe Botschaft zu bringen,
um die zu heilen, die gebrochenen Herzens sind,
um den Gefangenen Freilassung auszurufen
und den Gefesselten Befreiung,
um ein Gnadenjahr des HERRN auszurufen,
einen Tag der Vergeltung für unseren Gott,
um alle Trauernden zu trösten,
den Trauernden Zions Schmuck zu geben
anstelle von Asche,
Freudenöl statt Trauer,
ein Gewand des Ruhms
statt eines verzagten Geistes.
Man wird sie Eichen der Gerechtigkeit nennen,
Pflanzung des HERRN zum herrlichen Glanz.
Dann bauen sie die uralten Trümmerstätten wieder auf
und richten die Ruinen der Vorfahren wieder her.
Die verödeten Städte erbauen sie neu,
die Ruinen vergangener Generationen.
Fremde stehen bereit und weiden eure Herden,
Ausländer sind eure Bauern und Winzer.
Ihr aber werdet Priester des HERRN genannt,
Diener unseres Gottes sagt man zu euch.
Den Reichtum der Nationen werdet ihr genießen
und euch mit ihrer Herrlichkeit brüsten.
Anstelle ihrer doppelten Schande
und des Frohlockens über die ihnen zuteilgewordene Schmach
werden sie in ihrem Land das Doppelte besitzen,
ewige Freude wird ihnen zuteil.
Denn ich, der HERR, liebe das Recht,
ich hasse Raub und Unrecht.
Ich zahle ihnen den Lohn in Treue aus
und schließe einen ewigen Bund mit ihnen.
Ihre Nachkommen werden unter den Nationen bekannt sein
und ihre Sprösslinge inmitten der Völker.
Jeder, der sie sieht, wird sie erkennen:
Das sind die Nachkommen, die der HERR gesegnet hat.
Von Herzen freue ich mich am HERRN.
Meine Seele jubelt über meinen Gott.
Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils,
er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit,
wie ein Bräutigam sich festlich schmückt
und wie eine Braut ihr Geschmeide anlegt.
Denn wie die Erde ihr Gewächs hervorbringt
und der Garten seine Saat sprießen lässt,
so lässt GOTT, der Herr, Gerechtigkeit sprießen
und Ruhm vor allen Nationen.
Kv: Meine Seele soll jubeln über Gott, meinen Retter. – Kv
Meine Seele preist die Größe des Herrn *
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. *
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. – Kv
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan *
und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht *
über alle, die ihn fürchten. – Kv
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben *
und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an *
und denkt an sein Erbarmen. – Kv
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Thessalonich.
Schwestern und Brüder!
Freut euch zu jeder Zeit!
Betet ohne Unterlass!
Dankt für alles;
denn das ist der Wille Gottes für euch
in Christus Jesus.
Löscht den Geist nicht aus!
Verachtet prophetisches Reden nicht!
Prüft alles und behaltet das Gute!
Meidet das Böse in jeder Gestalt!
Er selbst, der Gott des Friedens, heilige euch ganz und gar
und bewahre euren Geist,
eure Seele und euren Leib unversehrt,
damit ihr ohne Tadel seid
bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.
Gott, der euch beruft, ist treu;
er wird es tun.
Halleluja. Halleluja.
Der Geist des Herrn ruht auf mir.
Der Herr hat mich gesandt,
den Armen die Frohe Botschaft zu bringen.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt;
sein Name war Johannes.
Er kam als Zeuge,
um Zeugnis abzulegen für das Licht,
damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
Er war nicht selbst das Licht,
er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
Und dies ist das Zeugnis des Johannes,
als die Juden
von Jerusalem aus Priester und Leviten zu ihm sandten
mit der Frage: Wer bist du?
Er bekannte und leugnete nicht;
er bekannte: Ich bin nicht der Christus.
Sie fragten ihn: Was dann?
Bist du Elija?
Und er sagte: Ich bin es nicht.
Bist du der Prophet?
Er antwortete: Nein.
Da sagten sie zu ihm: Wer bist du?
Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Antwort geben.
Was sagst du über dich selbst?
Er sagte:
Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste:
Ebnet den Weg für den Herrn!,
wie der Prophet Jesaja gesagt hat.
Die Abgesandten gehörten zu den Pharisäern.
Sie fragten Johannes und sagten zu ihm:
Warum taufst du dann, wenn du nicht der Christus bist,
nicht Elija und nicht der Prophet?
Johannes antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser.
Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt,
der nach mir kommt;
ich bin nicht würdig,
ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
Dies geschah in Betanien,
jenseits des Jordan,
wo Johannes taufte.
Unser Text vereinigt zwei nicht unmittelbar zusammenhängende Stellen aus dem ersten Kapitel des Johannesevangeliums (Joh 1,6-8 und Joh 1,19-28). Es geht uns zunächst einmal um die zweite Stelle, in der in szenischer Schilderung vom Zeugnis Johannes des Täufers über Jesus gegenüber der Jerusalemer Obrigkeit erzählt wird. Die innere Dynamik dieser Verse besteht in einem sukzessiven Aufmerksammachen auf Jesus durch Johannes unter beständiger Zurücknahme seiner eigenen Persönlichkeit: Ist am Beginn noch die Identität des Täufers von Interesse, so geht es am Ende um die Identität des angekündigten Herrn. Er ist der geheimnisvoll Anwesende, nicht Erkannte, der Kommende.
Dennoch: Die Rolle Johannes' ist eine unverzichtbare. Er ist der charismatische Zeuge und damit Urbild jeder christlichen Verkündigung. "Zeugnis" ist ein Leitwort im Johannesevangelium. Es bezweckt immer den Glauben der Angesprochenen. Später wird Jesus selber Zeugnis ablegen, schließlich auch der Geist, bzw. von ihm geleitet, die Jünger.
Das Wort "Zeugnis" bildet auch die Klammer zur vorangehenden Stelle, die aus dem kunstvollen Prolog des Johannesevangeliums entnommen ist. Es soll gewissermaßen durch einen Vorspann deutlich gemacht werden, daß es um sich offenbarende göttliche Wirklichkeit ("Licht") geht und deshalb Gott auch zum Zeugnis beruft.
Johannes der Täufer ist gleichsam das Bindeglied zwischen dem Alten und dem Neuen Testament und steht an der Schwelle zum Neuen Bund. Er ist sowohl letzter Prophet des Alten Testaments, als auch direkter Wegbereiter, bzw. "Ankündiger" Jesu.
Für sich selbst lehnt er den Anspruch, der Messias, Elias oder ein Prophet zu sein, ab. An sich selbst liegt ihm scheinbar nichts. Er versteht sich vielmehr als den fast sprichwörtlichen "Rufer in der Wüste", der auf einen Anderen, einen noch Kommenden hinweist. Dieser ist bereits unter uns, und er wird nicht mit Wasser, sondern mit Geist taufen.
Indem der Autor des Evangeliums zu Beginn der heutigen Evangelienstelle den Prolog seines Evangeliums zitiert, ist es eindeutig, dass mit dem "nach Johannes Kommenden" Jesus Christus gemeint ist.
Johannes der Täufer ruft uns auf, dem Herrn den Weg zu bereiten. Die Zeit des Wartens hat ein Ende. Wir erahnen das erhoffte und erwartete Licht.
Den Ort kennen wir schon einmal: jenseits des Jordan. Aber so richtig kennen wir den Ort dann doch nicht. Wo ist jenseits des Jordan? Wie mag das Nest wohl heißen? Sind es womöglich mehrere? Doch: das wissen wir jetzt: an diesem Ort wird Großes vorbereitet – und auch gebührend bekannt gemacht. Dabei sind es nur Worte, die hier gesagt, gehört, geglaubt werden. Mehr nicht. Nur Worte. Aber die haben es in sich: Sie versprechen etwas. Was? Dass jetzt einer kommt und schon unterwegs ist! Das Licht! Schon die Ankündigung nimmt dem Dunkel Macht und Schrecken. Wird auch Zeit!
Unschwer für uns zu erraten – damals schon um einiges schwieriger. Jesus kommt. Jesus ist schon unterwegs. Johannes, von Gott gesandt, spielt sozusagen die Vorhut, den Boten – vielleicht auch das Empfangskomitee. Mit uns zusammen? Es muss auch nicht immer oder nur jenseits des Jordan sein. Jenseits des Jordan sind wir auch – irgendwie. Klar ist: Johannes ist nicht das Licht. Wir auch nicht. Es soll auch kein falscher Gedanke aufkommen: Wenn Licht – dann ER. Jesus. Aber schon der Gedanke daran macht die Gedanken hell, den Kopf frei, die Seele leicht. Jetzt verliert sogar die Wüste ihren Schrecken. Geröll und Sand. Die Einöde. Das unwegsame Gelände. Die Ruinen.
Ebnet den Weg für den Herrn! Johannes sagt das mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, dass die Welt stillstehen kann. Die alltäglichen Routinen, die kunstvollen Läufe in den Hamsterrädern, das müde Hetzen – alles wird aufgehellt. Ein Licht kommt!
Und wir kommen als Zeugen, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit – so heißt es im Evangelium - alle durch uns zum Glauben kommen. Das ist eine Perspektive! Das Licht kommt durch das Ohr!
Ich sehe viele Ohren. Sie werden von dem Lärm eingeholt. Von schlechten Nachrichten. Von verletzenden Worten. Von schrillen Tönen. Ob Ohren – Licht empfangen? Empfangen können? Wie doch Worte hell machen! Mal ein wenig stiller als sonst. Dann ein wenig schweigend. Nur zuhören. Schließlich geduldig und aufmerksam: Ich muss dir etwas sagen. Dann kann die Hoffnung den Weg in die Seele finden. Ein gutes Wort Tote aufwecken. Eine Stimme den Himmel öffnen. Jenseits des Jordan. Das Licht kommt durch das Ohr.
Jürgen Henkys hat 1981 ein niederländisches Lied ins Deutsche übersetzt. Es ist 1959 entstanden.
Das Volk, das noch im Finstern wandelt –
bald sieht es Licht, ein großes Licht.
Heb in den Himmel dein Gesicht
und steh und lausche, weil Gott handelt.
Die ihr noch wohnt im Tal der Tränen,
wo Tod den schwarzen Schatten wirft:
Schon hört ihr Gottes Schritt,
ihr dürft euch nicht mehr verlassen wähnen.
Er kommt mit Frieden. Nie mehr Klagen,
nie Krieg, Verrat und bittre Zeit!
Kein Kind, das nachts erschrocken schreit,
weil Stiefel auf das Pflaster schlagen.
Jürgen Henkys hat an das Evangelium gedacht, das uns heute jenseits des Jordan führt. Und dann doch mitten unser Leben trifft.
Die biblischen Überlieferungen und Geschichten wissen von schwierigen Zeiten zu erzählen.
Da sind wir in guter Gesellschaft. Aber hören wir doch noch einmal in die Predigt des Propheten Jesaja hinein:
Der Geist GOTTES, des Herrn, ruht auf mir.
Denn der HERR hat mich gesalbt;
er hat mich gesandt,
um den Armen frohe Botschaft zu bringen,
um die zu heilen, die gebrochenen Herzens sind,
um den Gefangenen Freilassung auszurufen.
Unbefangen, fast schon ein wenig verwegen, stellt sich Jesaja hin – um eine frohe Botschaft zu bringen, gebrochene Herzen zu heilen und den Gefangenen die Freiheit anzusagen. Die Autorität, in der er spricht, benennt er auch: Der Geist Gottes ruht auf ihm. Jesaja ist sich sicher: Das Evangelium geschieht! Gebrochene Herzen werden heil! Gefangene werden frei! Mit jedem Wort geschieht ein Wunder. Was die Menschen dann später erzählen? Sie erzählen von der Hoffnungslosigkeit, von der Verzagtheit, von ausweglosen und verworrenen Situationen, aber sie erzählen auch von der Hoffnung, die Flügel verliehen hat.
Klagen verleihen keine Flügel. Klagen fressen sich fest. Klagen sind wie zerrissene Klamotten. Jesaja wusste das. Wir wissen es auch. Wenn Menschen in der Liebe, in der Treue Gottes geborgen sind, müssen die dunklen Schatten weichen und der Freude Platz machen. Und – kaum zu glauben: das ist das Wunder der Predigt. Im Reigen der Worte wird das Wunder, wird das Licht sichtbar:
Von Herzen freue ich mich am HERRN.
Meine Seele jubelt über meinen Gott.
Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils,
er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit,
wie ein Bräutigam sich festlich schmückt
und wie eine Braut ihr Geschmeide anlegt.
Hier ist sie wieder: die Freude, der Jubel. Schauen wir dann genauer hin, gibt es wohl etwas zu feiern – sagen wir, eine Hochzeit. Wir brauchen etwas Neues zum Anziehen! Was ziehen wir uns an? Gewänder des Heils und den Mantel der Gerechtigkeit. Apropos Gewänder des Heils und Mantel der Gerechtigkeit: Diese edle Gewandung macht sich nicht nur vor dem Spiegel gut – sie verzaubert andere Menschen. In einem Lied heißt es, dass wir in ihnen „prangen“. Was wir hoffen, was wir glauben, was wir lieben – wir tragen es nach außen und, ganz nebenbei, fühlen wir uns so richtig gut in diesem Outfit!
Jesaja wartet noch mit einer Überraschung auf. Er lässt uns tatsächlich Gäste einer Hochzeit sein. Es ist ein betörendes Bild: Gott selbst erscheint als Bräutigam – und wir als Braut. Jesaja spricht von einem Geschmeide, das wir anlegen – Sie dürfen sich jetzt den schönsten und teuersten Schmuck vorstellen.
Das Bild von der Hochzeit ist ein ganz altes Bild für Kirche und für das Reich Gottes. Manche Gedanken haben sich da eingeschlichen, die nicht immer gut waren. Gott hat sich auf eine nicht standesgemäße Hochzeit eingelassen! Wenn ein Bild passt, dann das von der Magd. Oder von Aschenputtel. Eine faszinierende Begegnung: Gott hat uns seine Liebe erklärt. Es ist eine Liebesgeschichte. Unsere Liebesgeschichte mit Gott.
Ich stehe vor dem Kleiderschrank. Eigentlich passt nichts zu diesem Anlass. Meine Mittel reichen auch nicht. Da kommt er! Er bringt aus seinem schier unerschöpflichen Fundus Gewänder des Heils mit – und als Obergewand hüllt er uns in den Mantel der Gerechtigkeit. So habe ich mich noch nie gesehen – jetzt werde ich so gesehen. Von Gott und von den Menschen.
Gehen wir doch noch mal zum Schluss an den Jordan. Johannes muss sich gerade erklären. Wer bist du? Haben die Priester und Leviten gefragt. Ich höre Johannes sagen:
"Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste:
Ebnet den Weg für den Herrn!,
wie der Prophet Jesaja gesagt hat."
Ich bin zwar nicht Johannes – heißt jemand von Ihnen so? -, aber das will ich gerne machen:
Einfach einen Weg ebnen. Dann kann die Hoffnung den Weg in die Seele finden. Ein gutes Wort Tote aufwecken. Eine Stimme den Himmel öffnen. Jenseits des Jordan. Das Licht kommt durch das Ohr.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Die Stimmer des Rufers in der Wüste möchte uns im Advent erreichen. Die Wüste ist ein Ort, „gefüllt“ mit Erfahrungen des Glaubens. Johannes wird gefragt, wer er sei. Johannes fordert uns auf, uns selbst zu fragen, wer wir sind.
Der Sonntag Gaudete weckt Erwartungen im Hinblick auf das Kommen des Messias, den Johannes der Täufer ankündigt. Er bringt Bilder des Trostes und des Heilwerdens.
Zwei Drittel des Advent sind heuer schon vorbei. Eine kurze Adventszeit. Diesen Sonntag zünden wir die hellere Kerze, die rosa Kerze an, auch die liturgische Kleidung ist angepasst. Die Vorfreude strahlt auf das kommende Ereignis der Geburt Jesu aus. Christus hat sich als „Licht der Welt“ offenbart. Das sollten auch wir sein als einzelne Person, noch viel mehr als Pfarre, als kirchliche Gemeinschaft.
Freude, gute Nachricht, wird uns verkündet. Haben wir aber wirklich Grund zur Freude? Diese Tage und auch das gesellschaftspolitische Umfeld würden eher zumindest zum Stirnrunzeln neigen, gar nicht zu denken an plötzliche Schicksalsschläge, die zu Weihnachten noch schmerzhafter sind als sonst. Entsteht da nicht ein krasser Widerspruch, wenn wir im Thessalonicherbrief hören: „Der Gott des Friedens … bewahre euren Geist, eure Seele und euren Leib unversehrt.“? »Unversehrt bewahren«, wenn wir im wahrsten Sinn des Wortes vom Schicksalsschlag getroffen werden! „Wo bleibst du Trost der ganzen Welt, worauf sie all ihr Hoffen stellt?“, singen wir in einem Kirchenlied.
Die Texte bedürfen somit einer genaueren Untersuchung. Der Thessalonicherbrief enthält bemerkenswerte Stichworte: „Freut euch!“ Die Freude zeigt sich im Gespräch. Wollen Sie es anders hören? Im Dialog mit Gott, im Hinhören, was Gott uns sagt, im Gebet als unsere Antwort. Die Freude zeigt sich hoffentlich auch im Dank. Eucharistie, das griechische Wort, ist der feierliche Dank an Gott, dass er uns Heil zusagt aus aller Not. „Löscht den Geist nicht aus!“ Prüfen wir, ob diese Gute Nachricht, das Versprechen glaub-würdig ist. Ist es wert zu glauben, was uns mitgeteilt wird? Wir werden aufgefordert, unseren Verstand einzuschalten. Wir haben keine Beweise für diese Frohe Botschaft, wohl aber Heilsgewissheit. Ich weiß, diese Botschaft ist glaub- würdig.
Wer vermittelt uns diese Gute Nachricht, die Heilsgewissheit? In diesen Tagen des Advents begleitet uns Johannes der Täufer. Wir kommen nicht an ihm vorbei, denn alle vier Evangelisten sprechen von seinem Wirken. Er ist kein Diplomat, der tausendmal überlegt, wie er auch Unangenehmes auf sanfte Tour verbreitet, sondern ein authentischer Zeuge für die Wahrheit, die ihm auch das Leben kostet. Durch die ganze Menschheitsgeschichte löst diese Heilszusage Jesu immer wieder Konflikte und Unverständnis aus. Die Taufe des Johannes ist eine Umkehrtaufe, die Taufe nachher ist Geisttaufe, Taufe der Unsterblichkeit, der Wiedergeburt; nicht als Ratte, Mistkäfer, Prinz oder Prinzessin, sondern auf ewiges Leben bei Gott, dort wo es keinen Tod, keine Krankheit, kein Leid, keine Angst mehr gibt. Gott sagt uns zu, dass er vollendet, was er in der Taufe begonnen hat. Er schickt uns also nicht im Kreis herum, das wäre unbarmherzig. Getauft wird im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Nach dem authentischen Zeugen Johannes kommt Jesus selber. „Im Anfang war das Wort“ (Joh.1,1), also die Person Jesu, die eine neue Ethik bringt, die auf Liebe, Wahrheit und Gerechtigkeit, auf Menschenwürde und Gewaltlosigkeit aufbaut. Wenn wir heute ein Stück aus dem Evangelium des Alten Testaments, aus Jesaja hören, dann berichtet auch der Evangelist Lukas (Lk 4,18-20), dass Jesus in der Synagoge diese Stelle verkündet: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Gefesselten die Befreiung, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ Mit der Geburt Jesu hat das Reich Gottes schon begonnen. „Der Geist des Herrn ruht auf mir“, heißt auch für uns: Auskunft geben, Rechenschaft über unseren Glauben ablegen, den Verstand zu gebrauchen, frei werden von der Enge des Denkens und der Kleinkariertheit, sich loslösen und befreien lassen, sich nicht mehr gefangen und gefesselt fühlen von Ängstlichkeit und Hoffnungslosigkeit. Das ist Anliegen dieser Frohen Botschaft und des Freudensonntags „Gaudete“.
Freilich bringen gar nicht selten Wahrheit und Ehrlichkeit Nachteile in Beziehungen und beruflichem Fortkommen. Johannes büßt das sogar mit dem Leben. Gewiss, ein unlösbares Problem. Die sonntäglichen Texte sprechen aber Mut und Freude zu. Das wird mit weiteren Bildern aus der 1. Lesung untermauert: die Hochzeit mit dem Bild von Braut und Bräutigam, ein Glückszustand; die Saat wächst, Zeichen für werdendes Leben mit Zukunft; der Garten als Symbol für blühendes Leben. Bezeichnend auch, dass in der Bibel am Anfang ein Garten steht, nämlich das Paradies und am Ende der Bibel der Garten der Auferstehung.
Mein Adventwunsch an Sie: Tragen Sie diese Bilder hinein in die Tage des Advents. Es sind Bilder der Freude, der Zuversicht, prüfen Sie, wo Irrlichter, das eigentliche „Licht der Welt, Jesus Christus“ als Orientierungshilfe verdrängen. „Prüfet alles, und behaltet das Gute!“ (1 Thess.5,21).
Der 3. Advent steht ganz im Zeichen großer Freude. Der schöne lateinische Name heißt. „Gaudete“ – „Freut euch“. Eine eigene Farbe hat dieser Tag auch: Rosa.
Rosa ist die Mischung aus Weiß und Violett. Weiß sind die Herrenfeste. Wie Weihnachten und Ostern. Violett sind die Bußtage. Wie die Advents- und Fastenzeit. Rosa ist die Farbe durchbrochener Zeit. Rosa ist die Farbe gemischten Lebens. Gaudete! Freut euch! Es wird hell!
Am Anfang des Gottesdienstes steht die Bitte um Erbarmen. Und doch ist diese Bitte auch ein Huldigungsruf. Wenn der Herr kommt, bringt er uns sein Erbarmen mit.
Wir freuen uns, dass du kommst.
Herr, erbarme dich.
Im Dunkel sehen wir das Licht.
Christus, erbarme dich.
in der Angst suchen wir Frieden.
Herr, erbarme dich.
Nun jauchzet, all ihr Frommen,
in dieser Gnadenzeit,
weil unser Heil ist kommen,
der Herr der Herrlichkeit,
zwar ohne stolze Pracht,
doch mächtig zu verheeren
und gänzlich zu zerstören
des Teufels Reich und Macht.
Allmächtiger Gott,
sieh gütig auf dein Volk,
das mit gläubigem Verlangen das Fest der Geburt Christi erwartet.
Mache unser Herz bereit für das Geschenk der Erlösung,
damit Weihnachten für uns alle ein Tag der Freude und der Zuversicht werde.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 3. Adventsonntag
Du, Herr, stiftest mich zur Freude an
und ich schaue mich vorsichtig um.
Wo denn die Freude sei, frage ich.
Doch du nimmst mir die Zeitung aus der Hand.
Ich könne sie auch nachher noch lesen.
Du legst mein Handy zur Seite.
Ich wäre lange genug online.
Du nimmst meine Gedanken in die Hand.
Das Gold, das ich so lange vermisse, hältst du mir vor die Nase.
Du machst mir eine Liebeserklärung.
Auf alles war ich vorbereitet – darauf nicht.
Ich möchte ganz aus dem Häuschen sein –
Ich danke dir für alles,
was untrennbar mit meinen Namen,
mit meiner Geschichte verknüpft ist.
Ich schaue mich vorsichtig um.
Du, Herr, stiftest mich zur Freude an.
(Diese Fürbitten sind ohne Akklamationen gedacht, aber mit mehreren „Schweigeminuten“)
Wenn wir ins Gebet nehmen, was wir sehen, was wir wissen, was uns verborgen bleibt, legen wir alles in Gottes Hand.
Ihn bitten wir:
Heute, am 3. Advent, denken wir an die Kinder. Sie lernen eine Welt kennen, die wir ihnen und uns am liebsten ersparen würden. Aber ihr Lachen ist so ansteckend, dass die Schatten, die über unseren Tagen lauern, fliehen. – Stille.
Heute denken wir an die alten Menschen in den Heimen. Sie müssen Einschränkungen in Kauf nehmen. Manchmal machen sogar Besuche Angst. Eine große Unsicherheit macht sich breit. Aber wenn sie lächeln, sind auch die Pflegerinnen und Pfleger glücklich. – Stille.
Heute denken wir an die Menschen, die auf Intensivstationen arbeiten. Sie kämpfen für andere mit dem Tod. Sie leiden besonders darunter, wenn sie nicht mehr helfen können. Ihre Freundlichkeit müssen sie hinter Masken verstecken. – Stille.
Heute denken wir an die Politiker. Auf ihnen ruhen viele Erwartungen. Nicht alle können sie erfüllen. Von allen Seiten hagelt es auch Kritik. Sie dürfen keine Fehler machen. Dabei müssen sie immer freundlich bleiben. – Stille.
Heute denken wir an die Geschäftsleute und Wirte. Der Lockdown macht ihnen und ihren Mitarbeitern zu schaffen. Viele haben Angst, es nicht zu schaffen. So manches Lebenswerk ist in Gefahr. Trotzdem machen sie anderen sogar noch Mut. – Stille.
Heute, am 3. Advent, befehlen wir dir alle Menschen, ihre Geschichten, Sorgen und Schmerzen. Und unser Leben befehlen wir dir auch, unsere Familien, Freunde, Kollegen und Nachbarn. Lass das Licht unter uns wachsen. Wie das Licht auf unseren Adventskränzen. Schenke uns die Freude, die wir teilen können.
In Christus, unserem Herrn.
Herr, unser Gott,
in dieser Feier
erfüllen wir den Auftrag deines Sohnes.
Nimm unsere Gaben an
und gib deiner Kirche die Gnade,
immer und überall sein Opfer zu feiern.
Schenke uns durch dieses Geheimnis dein Heil,
das du der Welt bereitet hast.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Adventsonntag
Du, Herr,
machst uns mit Brot und Wein eine große Freude.
Es sind nur kleine Gaben,
aber sie machen uns satt und fröhlich.
Wenn wir sie in die Hand nehmen, sind wir reich,
wenn wir sie teilen, wächst das Glück.
Sprich du das Wort, das Brot und Wein verwandelt.
Du gibst dich dann in unsere Hände,
deinen Leib, dein Blut – dich.
Und wir schmecken deine Liebe
wie die Engel,
die immer schon bei dir sind.
Du, Herr, machst uns mit dir eine große Freude,
die reicht von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Kehrvers:
Danket dem Herrn, denn ewig währt seine Liebe. (GL 444)
Herr und Gott,
wir kommen zu dir, um dir Dank zu sagen und deine Größe zu preisen,
denn wir haben Grund, uns von Herzen über dich zu freuen.
Wie die Erde die Saat wachsen lässt,
bringst du, Gott und Herr, Gerechtigkeit hervor.
Kehrvers
Du hast uns den Messias gesandt,
damit er den Armen die Frohe Botschaft bringe
und alle heile, deren Herz zerbrochen ist.
Den Gefangenen ließest du Befreiung verkünden
und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufen.
Kehrvers
Johannes der Täufer ist ihm vorausgegangen
und hat Zeugnis abgelegt für das Licht.
Er hat auf den hingewiesen, der nach ihm kommt.
Als Stimme des Rufers in der Wüste hat er aufgefordert,
den Weg für den Herrn zu ebnen.
Kehrvers
Der Geist des Herrn leitet auch uns an,
dem Messias den Weg zu bereiten,
für Gerechtigkeit zu sorgen und Frieden zu stiften
Mit der ganzen Schöpfung singen wir dir zum Lob:
Danklied, z.B. "Singt dem Herrn ein neues Lied" (GL 409)
oder "Nun saget Dank und lobt den Herren" (GL 385)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel,
zu danken und dein Erbarmen zu preisen.
Denn schon leuchtet auf der Tag der Erlösung,
und nahe ist die Zeit unsres Heiles,
da der Retter kommt
unser Herr Jesus Christus.
Durch ihn rühmen wir das Werk deiner Liebe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
Präfation vom Advent 5
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Ihn hast du der verlorenen Menschheit
als Erlöser verheißen.
Seine Wahrheit leuchtet den Suchenden,
seine Kraft stärkt die Schwachen,
seine Heiligkeit bringt den Sündern Vergebung.
Denn er ist der Heiland der Welt,
den du gesandt hast, weil du getreu bist.
Darum preisen wir dich
mit den Cherubim und Serafim
und singen mit allen Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Advent 3
Wenn ich im Dunkeln bin
und niemandem dafür
die Schuld zuweise
Wenn ich das Dunkel zulasse -
und nicht davor fliehe
Wenn ich das Dunkel aushalte
und dabei die Hoffnung nicht verliere
Wenn ich das Dunkel ertrage
und trotzdem die Liebe leben lasse
Wenn ich das Dunkel achte
weil ich selbst ein Teil des Dunkels bin
Wenn ich vor dem Dunkel
nicht zurückschrecke
aus Mut zum Leben
Dann leuchtet
mitten im Dunkel
ein Licht auf
das den Weg weist
mir und dir
Barmherziger Gott,
komm durch dieses heilige Mahl
uns schwachen Menschen zu Hilfe.
Reinige uns von Schuld
und mache uns bereit für das kommende Fest.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Adventsonntag
Noch ein paar Tage, Herr,
dann ist Weihnachten.
Du hast schon oft gehört, dass wir sagten,
in diesem Jahr sei alles anders.
Es fällt uns schwer,
gerade in diesen Tagen,
Vertrautes und Gewünschtes
zu finden.
Wenn sich eine dunkle Stimmung auf uns legt,
die Zweifel überwiegen,
das Lächeln schwer fällt,
schenkst du uns das Vertrauen,
einen guten Weg zu finden -
schenkst du uns die Freude,
dass du zu uns kommst!
Segne alles, was wir tun –
auch die Geschenke, die wir gerade suchen.
In deiner Nähe wird es hell.
Unter uns.
In Jesus Christus,
deinem Gesicht
für uns.
Weitere Gottesdienstvorschläge auf: t
Wir zünden die 3. Kerze an unserem Adventskranz an.
Heute feiern wir den 3. Advent.
Er trägt den lateinischen Namen „Gaudete“ – Freut euch.
Er hat sogar eine eigene liturgische Farbe: rosa.
Rosa ist die Mischung aus Weiß und Violett.
Weiß sind die Herrenfeste. Wie Weihnachten und Ostern.
Violett sind die Bußtage. Wie die Adventszeit.
Heute ist alles rosa. Rosa ist die Farbe durchbrochener Zeit.
Rosa ist die Farbe gemischten Lebens.
Wir freuen uns, dass du kommst, Herr.
Im Dunkel sehen wir das Licht,
in der Enttäuschung einen neuen Beginn,
in der Angst Frieden.
Im Namen des Vaters …
(Michael Schirmer, 1640)
Der Link zum Mitsingen:
https://www.youtube.com/watch?v=wMwMgJwM2X8
1. Nun jauchzet, all ihr Frommen,
in dieser Gnadenzeit,
weil unser Heil ist kommen,
der Herr der Herrlichkeit,
zwar ohne stolze Pracht,
doch mächtig zu verheeren
und gänzlich zu zerstören
des Teufels Reich und Macht.
2. Er kommt zu uns geritten
auf einem Eselein
und stellt sich in die Mitten
für uns zum Opfer ein.
Er bringt kein zeitlich Gut,
er will allein erwerben
durch seinen Tod und Sterben,
was ewig währen tut.
3. Kein Zepter, keine Krone
sucht er auf dieser Welt:
Im hohen Himmelsthrone
ist ihm sein Reich bestellt.
Er will hie seine Macht
und Majestät verhüllen,
bis er des Vaters Willen
im Leiden hat vollbracht.
Wir beten zusammen das Magnificat, den Lobgesang der Maria (Lk 1,46b-50. 53-54)
Kv: Meine Seele soll jubeln über Gott, meinen Retter. – Kv
Meine Seele preist die Größe des Herrn *
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. *
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. – Kv
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan *
und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht *
über alle, die ihn fürchten. – Kv
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben *
und lässt die Reichen leer ausgehen.
Er nimmt sich seines Knechtes Israel an *
und denkt an sein Erbarmen. – Kv
Du, Herr, stiftest mich zur Freude an
und ich schaue mich vorsichtig um.
Wo denn die Freude sei, frage ich.
Doch du nimmst mir die Zeitung aus der Hand.
Ich könne sie auch nachher noch lesen.
Du legst mein Handy zur Seite.
Ich wäre lange genug online.
Du nimmst meine Gedanken in die Hand.
Das Gold, das ich so lange vermisse, hältst du mir vor die Nase.
Du machst mir eine Liebeserklärung.
Auf alles war ich vorbereitet – darauf nicht.
Ich möchte ganz aus dem Häuschen sein –
Ich danke dir für alles,
was untrennbar mit meinen Namen,
mit meiner Geschichte verknüpft ist.
Ich schaue mich vorsichtig um.
Du, Herr, stiftest mich zur Freude an.
Schwestern und Brüder!
Freut euch zu jeder Zeit!
Betet ohne Unterlass!
Dankt für alles;
denn das ist der Wille Gottes für euch
in Christus Jesus.
Löscht den Geist nicht aus!
Verachtet prophetisches Reden nicht!
Prüft alles und behaltet das Gute!
Meidet das Böse in jeder Gestalt!
Er selbst, der Gott des Friedens, heilige euch ganz und gar
und bewahre euren Geist,
eure Seele und euren Leib unversehrt,
damit ihr ohne Tadel seid
bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.
Gott, der euch beruft, ist treu;
er wird es tun.
Freut euch zu jeder Zeit
Fällt Ihnen auf, wie die Worte sprudeln? „zu jeder Zeit“! „ohne Unterlass“! „Für alles“! Von Bescheidenheit, Vorsicht oder Skepsis - kein Wort. So hört sich Freude an! So fühlt sich Freude an! Ewigkeit im Kleinen. Wir dürfen uns freuen, beten und danken: dass uns in Jesus Licht geschenkt wird, Wärme, Liebe. Gottes Zuneigung für uns, die wir unseren Glauben doch oft in Zweifeln hüllen und dabei frieren.
Jetzt können wir alles, was uns in unserem Leben begegnet, ins Gebet nehmen – ohne große Worte oder glänzende Formulierungen. Wir müssen uns auch nicht absichern oder in eine fromme Rolle schlüpfen. Ein Herzensseufzer darf es ebenso sein wie ein fröhliches Lachen. Gebet ist alles, was die Seele sagt – und vielleicht manchmal auch einfach versteckt. Papst Franziskus meinte sogar, auch Tiere würden beten. Wenn er wüsste, wie gut mir diese Vorstellung gefällt!
Jetzt können wir für alles danken. Und „alles“ meint „alles“. Obwohl uns die Klage gelegentlich eher auf den Leib geschneidert wird, heißt danken, uns geborgen, angenommen, ja geliebt zu wissen. Was einer Klage nicht gelingt, gelingt dem Dank: In ihm geht ein Licht auf. Für den Humor, der uns nicht verlässt. Für den Mut, der nicht klein zu kriegen ist. Für die Nähe, die uns selbst in der Distanz geschenkt wird. Kennen Sie nicht auch Menschen, die für schlechte Erfahrungen „danke“ sagen können, weil sie über sich hinwegsehen lernen? Zu danken, zaubert unter uns Menschen ein Lächeln aufs Gesicht. Es fängt zu leuchten an.
Dass das der Wille Gottes für uns ist, in Jesus Christus, geht wie eine Sonne auf.
Besonders gut gefällt mir, alles auch zu prüfen – und das Gute zu behalten. Obwohl es für die Freude „zu jeder Zeit“, für ein Gebet „ohne Unterlass“, für einen Dank „für alles“ viele gute Gründe gibt, fällt uns ein kritischer Blick zu. Oder: wir werden dazu eingeladen, sogar einen kritischen Blick zu haben. Oder: Einen kritischen Blick müssen wir einüben. Der kritische Blick ist nicht der böse Blick. Es ist auch nicht der heimtückische Blick. Es ist auch nicht der scheele Blick. Es gilt, Erfahrungen und Begegnungen abzuwägen – und ihnen das Gute abzugewinnen. Ob wir es heute wagen, allen Erfahrungen und Begegnungen zuzutrauen, Gutes in ihnen zu finden? Das Gute bleibt übrig, wenn die vielen anderen Dinge die Prüfung nicht bestanden haben.
Da sind wir dann schnell auch wieder bei der Klage, die sich keck nach vorne drängt. Die Klage ist immer einfach. Schwarz – weiß. Die Klage beißt sich immer fest. Nein – um das Gute zu behalten, müssen wir es erst einmal freilegen. Behutsam wie ein Archäologe, der geduldig die Kostbarkeiten aus der Erde hebt, mit einem Schäufelchen und einem Pinsel bewaffnet. Manchmal müssen dann sogar die Geschichtsbücher neu geschrieben werden! Eine Scherbe schließt dann die Welt auf. Doch – um das Gute zu behalten, müssen wir es erst einmal freilegen. Behutsam wie ein Goldwäscher, der manchmal sehr lange sein Sieb bewegen muss, um endlich Gold, unscheinbar, vor seinen Augen glänzen sieht. Wie viele Steine, wieviel Dreck hat er dann schon sortiert? Die Sehnsucht nach dem großen Fund treibt ihn an.
Eigentlich bin ich fasziniert davon, was Paulus in wenigen Sätzen den Leuten in Thessalonich schreibt. Ein richtiges Adventsprogramm. Geeignet in Coronazeiten – und weit darüber hinaus. Es geht um die große Freude, die uns geschenkt wird, die wir nicht verdient haben, die wir uns auch nicht aneignen können. Die große Freude ist teilbar. Sie muss geteilt werden – dann wird sie immer größer. Paulus macht die Freude in der Treue Gottes fest. Weil er treu ist, beständig, verlässlich,
weil er uns zugewandt bleibt, egal woher der Wind weht,
weil er uns liebt, selbst dann, wenn wir mit unserem Latein am Ende sind –
sind wir in seinem Frieden geborgen.
Das ist das Geheimnis der Freude.
Er selbst, der Gott des Friedens, heilige uns ganz und gar
und bewahre unseren Geist,
unsere Seele und unseren Leib unversehrt,
damit wir ohne Tadel sind
bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.
Gott, der uns beruft, ist treu;
er wird es tun.
Heute, am 3. Advent, denken wir an die Kinder. Sie müssen sich auch an Masken gewöhnen. Aber ihr Lachen ist so ansteckend, dass die Schatten, die über unseren Tagen lauern, fliehen. – Stille.
Heute denken wir an die alten Menschen in Heimen. Sie müssen Einschränkungen in Kauf nehmen. Aber oft lächeln sie, wenn eine Pflegerin, ein Pfleger bei ihnen vorbeischaut. – Stille.
Heute denken wir an die Menschen, die auf Intensivstationen arbeiten. Sie kämpfen für andere mit dem Tod. Ihre Freundlichkeit müssen sie hinter Masken verstecken. – Stille.
Heute denken wir an die Politiker. Viele Erwartungen können sie nicht erfüllen. Von vielen Seiten werden sie in die Zange genommen. Nach Lachen ist ihnen nicht immer zumute. – Stille.
Heute denken wir an die Geschäftsleute und Wirte. Der Lock down macht ihnen zu schaffen. Viele haben Angst, es nicht zu schaffen. Viele machen sich gegenseitig Mut. – Stille.
Heute, am 3. Advent, befehlen wir dir alle Menschen, ihre Geschichten, Sorgen und Schmerzen. Und unser Leben befehlen wir dir auch, unsere Familien, Freunde, Kollegen und Nachbarn.
Lass das Licht unter uns wachsen. Wie das Licht auf unseren Adventskränzen.
Schenke uns die Freude auf Weihnachten.
4. Ihr Mächtigen auf Erden,
nehmt diesen König an,
wollt ihr beraten werden
und gehn die rechte Bahn,
die zu dem Himmel führt;
sonst, wo ihr ihn verachtet
und nur nach Hoheit trachtet,
des Höchsten Zorn euch rührt.
5. Ihr Armen und Elenden
in dieser bösen Zeit,
die ihr an allen Enden
müsst haben Angst und Leid:
Seid dennoch wohlgemut,
lasst eure Lieder klingen,
dem König Lob zu singen,
der ist euer höchstes Gut.
6. Er wird nun bald erscheinen
in seiner Herrlichkeit,
der all euer Klag und Weinen
verwandeln wird in Freud.
Er ist’s, der helfen kann,
halt’t eure Lampen fertig,
und seid stets sein gewärtig,
Er ist schon auf der Bahn.
Komm, o mein Heiland Jesu Christ,
meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein;
dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit
den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, oh Herr,
sei ewig Preis und Ehr.
https://www.youtube.com/watch?v=z-lmOVjt1NI
Die Pfarrgemeinschaft Eggenburg/Burgschleinitz/Roggendorf/Kattau lädt ein zum Gottesdienstfeiern zuhause und hat dazu ein Feierhilfe für alle 4 Sonntage des Advent erstellt. Download als PDF
Link zur Website der Pfarrgemeinschaft Eggenburg/Burgschleinitz/Roggendorf/Kattau
Weitere Gottesdienstvorschläge auf: www.netzwerk-gottesdienst.at
der sagt ich bin
sagt uns ihr seid
der sagt ihr seid
sagt uns ich bin
das licht der welt
Aus: kurt marti, geduld und revolte. Die gedichte am rand. Im radius-verlag, Stattgart 1995.
Es ist gut, dass es Weihnachten gibt. Allerdings müssen wir aufpassen, wie wir es verstehen und feiern. Der Glanz der Friedensbotschaft von Weihnachten darf nicht zum Flitter werden. Kerzenlicht darf uns nicht die Welt verstellen, so wie sie ist.
Manchmal habe ich den Eindruck, ein solcher Hinweis sei in unserer Welt wichtiger als früher. Man flüchtet sich aus der Realität des täglichen Lebens, dem Stress der Vorbereitung und der Hast unseres Lebens in ein Weihnachten, bei dem man endlich alles sonst selig vergessen kann; viele schlagen die Tür hinter sich zu und fahren in die Ferne. Nehmen wir so Weihnachten ernst? Ist es nicht bloß ein schöner Kindertraum, aber am Ende doch nichts für die Erwachsenen? Haben das Lametta und mancher Kitsch etwas mit unserer Welt zu tun?
[…]
Aber genau in diese Welt kommt Gott selbst. Er kommt in unsere zerrissene, schäbige und oft banale Welt, in der z. B. das Recht des Stärkeren immer zu siegen scheint. Es ist die Welt, wo uns so viel Ungerechtigkeit, Bosheit und Egoismus die Luft und fast jede Hoffnung auf eine Besserung der Verhältnisse nehmen. Das ist gerade das Wunder der Weihnacht, dass uns nicht ein edles Paradies vorgegaukelt wird, sondern dass Gott seinen einzigen, vielgeliebten Sohn in diese Zeit schickt. Die Verheißungen von Gottes Frieden auf dieser Erde gelten uns. Es ist eine Hoffnung, die der Not ins Gesicht schaut und ihren Fragen nicht ausweicht. Darum ist es auch gut, wenn wir an Weihnachten all jene nicht vergessen, die nicht auf der Sonnenseite dieser Erde wohnen können: die Armen, die Kranken, die Straßenkinder, die Obdachlosen, die trotz vieler Anstrengungen immer wieder von Ungerechtigkeit und Elend bedrängten Menschen der Dritten Welt. Es ist gut, dass es gerade heute und in diesen Tagen die Sammlungen für Adveniat und Brot für die Welt gibt.
Weihnachten ist ein Fest der Ermutigung und dabei ganz bodennah. Deswegen dürfen wir auch unseren eigenen Sorgen und Nöten nicht ausweichen. Ganz in unserer Nähe. Gerade die vielen einfachen und kleinen Leute, die uns in der Weihnachtsgeschichte begegnen, angefangen bei einem ohnmächtigen Kind, rufen uns an diesem Fest auf, die Spuren der Hoffnung auch bei uns selbst zu suchen. Wir werden sie, wenn wir uns etwas mühen, auch leicht finden.
Aus: Karl Kardinal Lehmann, Mut zum Umdenken. Klare Positionen in schwieriger Zeit. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2003.
Der Herr ist mit euch (& mit deinem Geiste)
kommt alle her, die ihr müde & beladen seid,
die ihr euch plagt & euch fragt, warum ihr ziehende Nomaden seid.
weit, weit, weit seid ihr hierher gekommen:
ihr jungen & fremden, bekannten & frommen.
egal welcher Farbe, egal welcher Haut,
die ihr eingeladen seid, miteinander vertraut
ohne danach zu fragen, woher & wohin,
wir sind Brüder & Schwestern auf der Suche nach Sinn.
wir sind Pilger im Leben, wo überall wir uns bewegen,
auf der Suche nach uns selbst, auf der Suche nacheinander -
zum Lichte, zur Dichte von Leben & Fülle,
Liebe ist der Kern und Freude die Hülle.
die Sehnsucht nach Geborgenheit & Verständnis
bündelt unsere Vielheit zu einem Bekenntnis:
wir leben, wir atmen nur durch seinen Geist
wir leben, wir atmen... ihr wisst, was das heißt:
der Herr ist mit euch (& mit deinem Geiste)
also öffnet euch: öffnet euer Herz, öffnet eure Seelen,
so wie Fenster, werft die Gespenster
fehlender Gelassenheit, quälender Enthaltsamkeit,
werft eure Sorgen über Bord, eure Nöte weit, weit fort.
werdet Ruhe, werdet Stille, stoppt das Reden,
werdet Hörer, hört zu, lauscht dem Leben,
fragt nicht woher, fragt nicht wohin,
denn ihr geht euern Weg vor Gott im Land der Lebenden.
ihr seid Beschenkte mit den Gaben seines Geistes,
also schenkt selbst, gebt euch ganz, denn das heißt es.
ihr seid berufen alle Stufen so zu überspringen,
wir sind hier, um Dank darzubringen,
um zu weinen, zu lachen, zu tanzen, zu singen.
tun wir alles gemeinsam, wird es gelingen.
singen wir Lieder um besser zu sehen.
ihr seid die Glieder, ihr werdet verstehen ...
der Herr ist mit euch (& mit deinem Geiste)
Text: Thomas Gerlach
Wer von Ihnen einmal in Muße die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven zu Ende gehört hat, dem werden diese Verse bekannt vorkommen. Der fast taube Beethoven greift in seinem letzten Satz zur Überraschung seiner damaligen Zuhörer, die ganz auf ein Instrumentalstück eingestellt waren, auf Friedrich Schillers "Ode an die Freude" zurück und lässt Chor und Solisten daraus zitieren.
"Freude, schöner Götterfunke, Tochter aus Elysium. Wir betreten feuertrunken, Himmlische, dein Heiligtum!"
Fr. Franziskus Knoll OP, Köln, Predigt über Jes. 35, 1-6a.10.
19 Betrachten wir nun ein wenig die Person Jesu im Verlauf seines irdischen Lebens. Er hat in seiner Menschheit unsere Freuden erfahren. Er hat offenbar eine breite Skala menschlicher Freuden kennengelernt, geschätzt und geteilt, einfache tägliche Freuden, wie sie jedem zugänglich sind. Die Tiefe seines Innenlebens hat keineswegs seinen Blick für das Konkrete abgestumpft, nicht seine Empfindungsfähigkeit beeinträchtigt. Er bewundert die Vögel des Himmels und die Lilien des Feldes. In ihm wiederholt sich auf unmittelbare Weise der Blick Gottes auf die Schöpfung am Morgenrot der Geschichte. Gern hebt er die Freude des Sämanns und des Schnitters hervor, die Freude des Mannes, der einen verborgenen Schatz findet, die des Hirten, der sein Schaf, oder die der Frau, die ihr verlorenes Geldstück wiederfindet, die Freude der zum Fest geladenen Gäste, die Freude bei einer Hochzeit, die Freude des Vaters, der seinen Sohn, von einem Leben der Verschwendung endlich heimgekehrt, aufnimmt, und die der Frau, die ein Kind zur Welt bringt. Diese menschlichen Freuden sind für Jesus von solch hoher Bedeutung, da sie für ihn die Zeichen der geistlichen Freuden des Reiches Gottes sind: Freude jener Menschen, die in dieses Reich eintreten, dorthin zurückkehren oder dort arbeiten; Freude des Vaters, der sie empfängt. Auch Jesus selbst zeigt seinerseits Zärtlichkeit, als er Kindern begegnet, die zu ihm kommen wollen, als er einen reichen Jüngling trifft, der gewissenhaft und bestrebt ist, noch mehr zu tun; als er zu Freunden kommt, die ihm ihr Haus öffnen wie Marta, Maria und Lazarus. Eine Freude ist es für ihn vor allem, wenn er erlebt, dass man das Wort aufnimmt, seine Reichtümer opfert, dass eine Sünderin oder ein Zöllner wie Zachäus sich bekehrt, dass eine Witwe sich trotz ihrer Not zum Geben entschließt. Er jubelt vor Freude, als er feststellt, dass den Kleinen und Demütigen die Botschaft vom Reich geoffenbart wird, während sie den Weisen und Klugen verborgen bleibt (20).
20 Ja, weil Christus "wie wir als Mensch gelebt hat, in allem uns gleich, außer der Sünde" (21), so hat er auch die gefühlsmäßigen und geistlichen Freuden als Gabe Gottes erfahren und angenommen. Er verkündete rastlos "den Armen die Botschaft vom Heil, den Trauernden Freude" (22). Das Lukasevangelium bezeugt in besonderer Weise diesen Anlass zur Freude. Alle Wunder Jesu und seine Verzeihung schenkenden Worte sind ebenso viele Zeichen für die Güte Gottes: das ganze Volk aber freute sich über all die herrlichen Taten, die durch ihn geschahen (23), und gab Gott die Ehre. Für den Christen geht es wie für Jesus darum, die menschlichen Freuden, die der Schöpfer ihm gewährt, zu leben, in Danksagung vor dem Vater.
Papst Paul VI., Über die christliche Freude, Apostolisches Schreiben "Gaudete in Domino" (9.5.1975)
http://www.kathpedia.com/index.php?title=Gaudete_in_domino_%28Wortlaut%29 - (09.12.2014)
I. Wäre Zeit wie ein Kleid, dann könnte ich in sie hineinschlüpfen, einmal in die Arbeitszeit, dann in die Freizeit, in die Mußestunden, in die Sommerzeit, oder in den Urlaub. Ich würde sie tragen wie einen Arbeitsanzug, wie ein Partykleid, wie eine Küchenschürze oder einen Smoking. Wäre Zeit wie ein Kleid, dann könnte ich auch leicht wieder aus ihr heraus. Wie herrlich wäre das! Aus der Schulzeit, aus der Wartezeit, aus der Ölbergstunde, aus der Leidenszeit, aus dieser mir manchmal so schrecklichen heutigen Zeit, aus der Todesstunde.
II. Aber Zeit ist mir näher als ein Kleid, näher sogar als meine Haut, als meine Hand, als mein Fleisch, als mein Blut, als mein Herz. Sie ist kein Ding, keine Sache, kein Besitz, den ich haben kann, kaufen kann, erwerben kann. Ich habe nicht Zeit: Ich bin zeitlich! Ich bin in der Zeit, seit dem Tag, da ich lebe. Ich bin von gestern auf heute, von heute auf morgen. Ich werde, ich wachse, ich bin unterwegs, ich verändere mich, ich entwickle mich, ich reife, ich altere, ich bin zum Tode. Ich werde nicht mehr sein, wenn die Zeit für mich abgelaufen ist. Ich bin als Mensch zeitlich, das ist meine Definition, meine Bestimmung, meine Begrenzung, meine Voraussetzung (...)
V. Ich kenne einen, der in seinem Sterben sagte: Es ist vollbracht. Dabei war er - menschlich gesehen - gescheitert, seine Liebe brachte ihm Hass, seine Rede brachte ihm Verurteilung, seine Wahrheit brachte ihm den Tod. Dennoch sagte er: Es ist vollbracht. Ich schaue auf ihn und erkenne, dass seine Geschichte ein deutliches Woher und Wohin hatte, eine Herkunft und eine Zukunft: Gott als Vater. Mit diesem Gott lebte er, liebte er, sprach er, handelte er, litt er, starb er und konnte sagen: Es ist vollbracht. Und der gleiche Gott hat diese kurze, 33 Jahre währende, begrenzte Geschichte in der Auferweckung bestätigt und gerechtfertigt, als wollte er sagen: Dies gilt vor mir, so gilt einer bei mir, das ist das Leben eines Menschen, wie es mir gefällt.
VI. Ich möchte einmal sagen können: Es ist vollbracht! Und ich darf hoffen, dass mir dies hinter Jesus her gelingt, dass meine Geschichte zu einer Heilsgeschichte wird. So will ich versuchen, mein Leben vollzubringen, zu füllen wie er mit geteiltem Brot, mit geschwisterlicher Umarmung, mit gestiftetem Frieden, mit geschenkter Vergebung, mit erwiesener Gerechtigkeit, mit erwirkter Freiheit, mit gehaltener Treue, mit redlicher Wahrhaftigkeit, mit Liebe zu denen, die mich brauchen. So will ich versuchen, mein Leben vollzubringen, zu füllen wie er unter der Last der Konflikte, in der Zwickmühle von Spannungen, unter der Bürde von Verantwortung, in den Zwängen der Probleme, unter dem Druck der Leistung, in den Stunden der Leiden, unter dem Kreuz, dem ich nicht ausweichen kann. So will ich versuchen, mein Leben vollzubringen, zu füllen wie er im aufmerksamen Bewusstsein, im ständigen Hören, im immer wieder aufgenommenen Gebet, im liebenden Gehorsam zu Gott, der allein mein Leben richten und ins Recht setzen kann ...
Alois Albrecht, in: das Thema 23 (1981).

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In der alttestamentlichen Lesung sind der Beginn und das Ende aus dem 61. Kapitel des Prophetenbuches Jesaja zusammengefügt, die mittleren sieben Verse fehlen - vermutlich aus praktischen Gründen (Länge!). Um den inneren Gehalt der Lesung wirklich zu erfassen, ist es jedoch ratsam, sich das gesamte Kapitel anzusehen (vgl. 1. Lesung Langfassung).
Unser Text enthält eine Heilsverheißung Jahwes an sein Volk in der noch instabilen Zeit nach der Heimkehr aus dem Babylonischen Exil. Dabei wird besonders den "Armen" die Zuwendung Gottes zugesagt, womit nicht nur die materiell Bedürftigen gemeint sind, sondern alle, die in irgendeiner Not leben. Ein eindrucksvolles Bild für ihren Zustand ist das Wort vom "gebrochenen Herzen". Das Herz bedeutet in der hebräischen Anthropologie soviel wie die Personmitte, den Sitz der menschlichen Identität. Gottes Zuwendung gilt den Gebrochenen und Gebeugten. Unser Text hat dabei Zustände harter Realität im Blick. Mit den "Gefangenen" sind etwa jene Menschen gemeint, die in Schuldsklaverei gefallen sind, und denen nun im angekündigten "Gnadenjahr" (vgl. die Rechtsinstitution des Jubeljahres Lev 25:39-41) eine Aufhebung ihrer erniedrigenden Arbeitsverhältnisse verheißen wird.
Gott bedient sich, um seine Heilsverheißung an die Menschen zu bringen, eines Sprechers. Seine besonderen Merkmale ("Geist Gottes", "Salbung") sind weniger Auszeichnungen für ihn, sondern Merkmale des besonderen Ranges der Verheißung. Im zweiten Teil (Vers 10-11) ist er deshalb mehr ein repräsentatives Mitglied der von ihm angesprochenen Gemeinde, wenn sie psalmenartig Gott preist.
Die ersten Verse (1-3) sind wie eine Proklamation der Heilsbotschaft (Kap. 60-62) eines Mannes, der sich von Gott gesandt und ausgerüstet weiß, die Heilsbotschaft zu verkünden (mehrere Sätze und Begriffe in diesem Abschnitt gehen auf die Gottesknechtlieder (42,1-4. 49,1-6) zurück).
Das angesprochene "Gnadenjahr des Herrn" greift die Tradition des Erlaßjahres (Ex 23,10-12) sowie des Jubeljahres (Lev 25) auf. Diese Zeiten sollen gerade den Verschuldeten, den Armen und den Versklavten einen neuen Anfang geben. Verarmung und Schuldsklaverei widersprechen dem Willen Gottes.
Die Worte am Anfang der Lesung hat Jesus bei seinem ersten öffentlichen Auftreten auf sich selbst bezogen (Lk 4,18-19). Er ist der Gesalbte Gottes, der "Christus".
Der vorliegende Text wurde zu einem Kerntext der Befreiungstheologie Lateinamerikas. Es soll auf die umfassende Befreiung hingewiesen werden (d.h. auch die Befreiung von ökonomischen Fesseln und Ungerechtigkeiten, usw.).
Im Jahre 1999 wurde in vielen Ländern Europas - unter Mitwirkung der Kirchen - eine Kampagne unter dem Titel: Schuldenerlaß 2000 gestartet. Ein Kernsatz daraus stammt aus der heutigen Lesung.
Formal handelt es sich in den ersten Versen um eine so genannte Heilsproklamation oder Heilsverheißung. Es wird von einem Mann gesprochen, der von Gott gesandt wurde und sich in der Lage sieht, die Gottes Heilsbotschaft zu verkünden.
Wichtig ist es, bei dieser Lesung zu beachten, dass hier einerseits die tatsächliche materielle Sorge der damaligen Menschen angesprochen wird. Dass andererseits aber darüber hinaus mit dem Bild vom "gebrochenen Herz" noch tiefer Liegendes mitgemeint wird: In der alttestamentlichen Sicht des Menschen gilt das Herz als Synonym für die menschliche Identität. Somit wird klar, dass die Zuwendung Gottes mehr als materiellen Wohlstand bewirken wird.
Mit den "Gefangenen" sind jene Menschen gemeint, die in die Schuldsklaverei gedrängt wurden. Im angekündigten Gnadenjahr werden sie dann aus dieser befreit. Hier werden inhaltlich das Erlassjahr aus Ex 23,10ff. und das Jubeljahr aus Lev 25,39ff. aufgegriffen und thematisiert.
Ist derjenige, der die Botschaft Gottes verkündet, im ersten Teil der Lesung gleichsam in der Funktion eines Sprechers zu sehen, dessen sich Gott bedient, so ist er im zweiten Teil der Lesung wohl als Mitglied der von ihm adressierten Gemeinde zu verstehen, die Gott mit psalmenähnlichen Texten preist.