Lesung aus der Offenbarung des Johannes:
Ich, Johannes,
sah vom Aufgang der Sonne her
einen anderen Engel emporsteigen;
er hatte das Siegel des lebendigen Gottes
und rief den vier Engeln,
denen die Macht gegeben war,
dem Land und dem Meer Schaden zuzufügen,
mit lauter Stimme zu und sprach:
Fügt dem Land, dem Meer und den Bäumen keinen Schaden zu,
bis wir den Knechten unseres Gottes
das Siegel auf die Stirn gedrückt haben!
Und ich erfuhr die Zahl derer,
die mit dem Siegel gekennzeichnet waren.
Es waren hundertvierundvierzigtausend
aus allen Stämmen der Söhne Israels, die das Siegel trugen:
Danach sah ich und siehe, eine große Schar
aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen;
niemand konnte sie zählen.
Sie standen vor dem Thron und vor dem Lamm,
gekleidet in weiße Gewänder,
und trugen Palmzweige in den Händen.
Sie riefen mit lauter Stimme und sprachen:
Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt,
und von dem Lamm.
Und alle Engel standen rings um den Thron,
um die Ältesten und die vier Lebewesen.
Sie warfen sich vor dem Thron auf ihr Angesicht nieder,
beteten Gott an
und sprachen:
Amen, Lob und Herrlichkeit,
Weisheit und Dank,
Ehre und Macht und Stärke
unserem Gott in alle Ewigkeit. Amen
Da nahm einer der Ältesten das Wort und sagte zu mir:
Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen,
und woher sind sie gekommen?
Ich erwiderte ihm: Mein Herr, du weißt das.
Und er sagte zu mir:
Dies sind jene, die aus der großen Bedrängnis kommen;
sie haben ihre Gewänder gewaschen
und im Blut des Lammes weiß gemacht.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Aus allen Völkern hast du sie erwählt,
die dein Angesicht suchen, o Herr. – Kv
GL 653,3
Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt, *
der Erdkreis und seine Bewohner.
Denn er hat ihn auf Meere gegründet, *
ihn über Strömen befestigt. – (Kv)
Wer darf hinaufziehn zum Berg des Herrn, *
wer darf stehn an seiner heiligen Stätte?
Der unschuldige Hände hat und ein reines Herz, /
der seine Seele nicht an Nichtiges hängt *
und keinen trügerischen Eid geschworen hat. – (Kv)
Er wird Segen empfangen vom Herrn *
und Gerechtigkeit vom Gott seines Heils.
Das ist das Geschlecht, das nach ihm fragt, *
die dein Angesicht suchen, Jakob. – Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem ersten Johannesbrief.
Schwestern und Brüder!
Seht, welche Liebe uns der Vater geschenkt hat:
Wir heißen Kinder Gottes
und wir sind es.
Deshalb erkennt die Welt uns nicht,
weil sie ihn nicht erkannt hat.
Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes.
Doch ist noch nicht offenbar geworden,
was wir sein werden.
Wir wissen,
dass wir ihm ähnlich sein werden,
wenn er offenbar wird;
denn wir werden ihn sehen, wie er ist.
Jeder, der diese Hoffnung auf ihn setzt,
heiligt sich,
so wie er heilig ist.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der erste Johannesbrief, ein Rundschreiben für die Gemeinden Asiens, die durch die Wirren der ersten Irrlehren bedroht waren, ist um das Ende des ersten nachchristlichen Jahrhunderts entstanden. Es klingt ein Hauptthema der johanneischen Mystik an, das Thema "Gemeinschaft".
Die Einheit der christlichen Gemeinde beruht auf der Einheit jedes Gläubigen mit Gott in Christus. Diese Einheit wird auf unterschiedlichste Weise erfahrbar. Letztlich werden wir die Tiefe dieser Einheit, von der die heutige Perikope spricht, erst ergründen können, wenn wir ihn sehen, wie er ist (Joh 3,2).
In diesem Abschnitt stärkt der Verfasser des Johannesbriefes, der wohl gegen Ende des 1. Jahrhunderts entstanden ist, die christlichen Gemeinden, die wie im Abschnitt zuvor aufgrund der Irrlehrer unsicher geworden sind. Die Lesung, die wir hören, ist die eine goldene Kehrseite der Medaille - im Anschluss daran geht es weiter mit Ermahnungen, nicht zu sündigen.
In diesem Zusammenhang steht aber der große Zuspruch der Liebe Gottes, die uns zu seinen Kindern macht - nicht aus eigenem Antrieb der Menschen, sondern als Geschenk, das der Mensch annehmen kann oder nicht (vgl. V1b). Was dieses Geschenk der Kindschaft Gottes umfasst, mögen wir noch nicht zu begreifen. Und doch bleibt die Zuversicht (be-)stehen, dass wir so werden wie Gott ist - heilig: von der Sünde befreit, Gott zugehörig.
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Kommt alle zu mir,
die ihr mühselig und beladen seid!
Ich will euch erquicken.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit,
als Jesus die vielen Menschen sah,
die ihm folgten,
stieg er auf den Berg.
Er setzte sich
und seine Jünger traten zu ihm.
Und er öffnete seinen Mund,
er lehrte sie und sprach:
Selig, die arm sind vor Gott;
denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden;
denn sie werden getröstet werden.
Selig die Sanftmütigen;
denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit;
denn sie werden gesättigt werden.
Selig die Barmherzigen;
denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die rein sind im Herzen;
denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften;
denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.
Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen;
denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt
und alles Böse über euch redet um meinetwillen.
Freut euch und jubelt:
Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Seligpreisungen sind gewiss ein Herzstück der Botschaft Jesu, und sie gehören zu den berühmtesten Abschnitten der Evangelien. Im Matthäusevangelium stehen sie am Beginn der Bergpredigt (Mt 5-7), welche Jesus als den neuen Mose stilisiert. Allerdings: Mose ist auf den Berg gestiegen, um stellvertretend für das Volk die Weisungen Gottes zu empfangen, wohingegen Jesus selber diese Weisungen gibt. Und: Es handelt sich nicht in erster Linie um eine Aufzählung von Pflichten oder gar Verboten, sondern um Verheißungen und Ermutigungen.
Die vielen Menschen, die sich um Jesus scharen und zu denen er spricht, repräsentieren das ganze Volk Israel, an welches er die Botschaft vom Gottesreich zuerst und vor allem richtet. Die Jünger, die näher hinzutreten, stehen für all jene, die tatsächlich für sein Wort und seine Stimme empfänglich sind. Ihnen soll sich das ganze Volk anschließen bzw. umgekehrt: Sie sollen das Volk zur Teilhabe an der Reich-Gottes-Bewegung anstiften. Nach der Auferstehung wird sich der Bestimmungskreis der Botschaft Jesu entschieden ausweiten: Die Jünger werden den Auftrag erhalten, alle Völker mit seiner Lehre bekannt zu machen, alle Menschen dafür zu gewinnen. Nicht zufällig ergeht dieser Auftrag erneut auf einem Berg (Mt 28:16-20).
Wie lassen sich die Seligpreisungen grundsätzlich deuten? Es handelt sich um Verheißungen und Ermutigungen für die Jünger Jesu auf ihrem Weg der Nachfolge. Sie beschreiben gewissermaßen den Wertmaßstab der Teilhabe am Reich Gottes, welches Jesus verkündet hat und das mit ihm angebrochen ist. Es geht um die innersten Haltungen des Herzen, die notwendig sind, um der von Jesus eröffneten Gemeinschaft mit Gott teilhaftig zu werden. Der Blick wird dabei zweifellos nicht bloß in die Zukunft gewendet. Besonders in der allerletzten Seligpreisung kommt zum Ausdruck, dass man, die Vollendung vor Augen, schon jetzt sich freuen und jubeln kann. Aber angesichts der starken Betonung des Endgerichts im Matthäusevangelium gilt wohl dennoch, dass die endgültige Einlösung der Verheißungen erst nach dem letzten Gericht zu erwarten ist.
Im Aufbau lassen die Seligpreisungen eine kunstvolle und gezielte Anlage erkennen. Abgesehen von der Seligpreisung zum Schluss, in der Jesus über die Verfolgung um seinetwillen spricht und sich damit direkt an die zur Nachfolge bereiten Jünger wendet, handelt es sich um acht empfindsam und prägnant formulierte Verse. In den ersten vier geht es dabei mehr um eine geistig-menschlich-gesellschaftliche Mangelsituation, in der zweiten Viererreihe wird stärker auf das sittliche Bemühen abgehoben. Mit der ersten Seligpreisung wird zudem eine grundsätzliche Haltung angesprochen, die in allem wichtig und notwendig ist: das Armsein vor Gott, welches animiert, sein ganzes Vertrauen in Gott zu setzen und sich zutiefst seinem Erbarmen auszuliefern.
Die erste und die achte Seligpreisung haben im übrigen dieselbe Verheißung, sie formulieren gewissermaßen die Grundvision: „denn ihnen gehört das Himmelreich“. Demgegenüber beinhalten die dazwischen liegenden Verse Verdeutlichungen bzw. Veranschaulichungen. „Das Land erben“ spielt etwa auf Ps 37 an: „Die Armen werden das Land bekommen, und sie werden Glück in Fülle genießen.“ Die Gottesschau und die Sohn-(Kind-)schaft Gottes bilden zweifellos den Höhepunkt der Verdeutlichung, was Himmelreich bzw. Gottesreich heißt. Dass wir Gott schauen und in allem Kinder Gottes sind, darum sollen wir uns strebend bemühen, aber mehr noch dürfen wir uns hoffend darauf freuen!
Die Evangelienstellle des Allerheiligentages wird auch als die Charta des Himmelreiches bezeichnet. In einer programmatischen Rede legt Jesus den Geist des Reiches Gottes dar. Im Matthäusevangelium ist in dieser grundlegenden Rede Jesu verschiedenster Überlieferungsstoff zusammengestellt. Es geht um eine tatbereite Entschiedenheit, die die Kinder Gottes auszeichnen soll. (Die sittliche Haltung des Menschen wird bei Mt mehr als bei Lk betont). Die Armen und Demütigen, die, die den Geist gläubiger "Kindlichkeit" haben, haben Anteil an den Segnungen Gottes. Für sie gelten die schon im Alten Testament geltenden Glückwunschformeln, in denen Weisheit, Wohlergehen und Frömmigkeit gepriesen werden.
Die ersten 7 Seligpreisungen sind in sehr ähnlicher Form gestaltet, hingegen hebt sich die letzte formal deutlich ab. Im Mt 5:11 tritt Jesus selbst an die Stelle der in 5:10 erwähnten "Gerechtigkeit". Mit ihm kam die vollkommene Gerechtigkeit in die Welt (5:17). Durch ihn erhält das Gesetz seine Erfüllung und Vollendung. Die früheren Vorschriften sollen nun ins Innerste des Menschen vordringen und dort in Liebe erfüllt werden.
Heilige sind Menschen, die genauso wie du und ich in der Spannung zwischen gut und böse, Liht und Dunkel leben. Heilig sein, heilig werden ist das Streben nach Ganzheit. Mutter Teresa beschreibt das Leben nach den Seligpreisungen als »Trotzdem-Mentalität«
In vielen alten Kirchen leuchten uns mit Gold und schönen bunten Farben Heiligenfiguren entgegen. Von ihrem Anblick sind wir meist überwältigt. Bei genauerem Hinsehen und mehrseitiger Betrachtung merken wir: Innen sind sie hohl, an der Vorderseite kleine, wenig auffällige Löcher, der Sockel ein bisschen ramponiert. »Da ist der Wurm drinnen!« Was so farbenprächtig und kunstvoll erscheint, ist fehlerhaft. Der Wurm hat sich einquartiert. - Heilige mit Wurmbefall!
Das bringt unsere Vorstellung von den Heiligen wohl durcheinander. Außen hui, strahlend prächtig und doch morbid. Wie passt das zusammen?
Wir erwarten doch von den Heiligen ein perfektes Leben, nicht sündhaft, meist in Gebet versunken, schon jetzt dieser Welt entrückt. Vielleicht war oder ist der eine oder andere Mensch wirklich so. Das wird wohl eine ganz große Ausnahme sein. Unsere Erwartungen an Heilige bewegen sich um ihr Wirken als Wunderwuzzis für verlorene Wohnungsschlüssel, Geldbörsen oder andere Gegenstände, manche erhoffen Heilige als Nothelfer in Krankheitsfällen, die sie vielleicht sogar wegzaubern können. Und da soll »der Wurm drinnen sein«?! Nein, denkunmöglich!
Was hier mit der Heiligenstatue gesagt wurde, passt aber auch haarscharf auf weite Teile unserer Gesellschaft, und da sind auch die Heiligen miteinbezogen. Wir sind teilweise eine »Bluffgesellschaft«, weil es oft an Orientierungsmöglichkeiten mangelt. Das ist jetzt in Coronazeiten besonders spürbar. Unsicherheiten, sehr viele kennen sich nicht mehr aus! Wir brauchen »Stars« und Prominenz, die hochstilisiert wird. Das übertragen wir dann auf ein großes Heiligenrepertoire. Das war schon früher so, und ist es bis heute geblieben.
Theresa von Avila (1515 - 1582, spanische Ordensfrau und Kirchenlehrerin), auch heiliggesprochen, holt uns auf den Boden der Realität, wenn sie im „Abendgebet einer Nonne“ feststellt: „Ich möchte kein Heiliger sein, mit ihnen lebt es sich so schwer.“
Was verstehen wir dann unter einem Heiligen bzw. unter dem Begriff »heilig«? Da hilft vielleicht eine sprachliche Überlegung weiter: »heilig« ist »heil werden«; englisch: »holy«, »holydays« sind besonders herausgehobene Tage zu unserem Heil und »Holismus« ist die ganzheitliche Schöpfung. Da gehört auch der Mensch dazu. Diese Ganzheit besteht aus Geist und Materie, aus Licht und Dunkel, aus Gut und Böse. All das trifft auf die gesamte Menschheit zu. So wird auch klar, dass im Menschen, in den Institutionen der Gesellschaft »der Wurm drinnen« ist, Schönheit und Widerwertigkeit zugleich, und dass jeder einzelne von uns lebenslang sich von manchen Würmern befreien muss, etwa dem Wurm der Habgier, dem Wurm der Gleichgültigkeit, dem Wurm der Machtbesoffenheit, der Wurm des Egotrips und und und…
So ist es auch den Heiligen mit ihren guten und verwerflichen Eigenschaften ergangen. All der vielen Frauen und Männer, derer wir heute gedenken, auch der Namenlosen, die Gott bei ihrem Namen ruft – (Jes 45: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir“) - haben sich bemüht, den Weisungen der Bergpredigt zumindest ansatzweise gerecht zu werden. Sie werden glücklich genannt. Das bedeutet: Ordnung im Inneren der Seele und Zufriedenheit und auch Joh.10,10: „Damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“.
Mutter Teresa von Kalkutta (1910- 1997) übersetzt die Bergpredigt in die heutige Zeit:
Die Leute sind unvernünftig, unlogisch und selbstbezogen, liebe sie trotzdem!
Wenn du Gutes tust, werden sie dir egoistische Motive und Hintergrundgedanken vorwerfen, tue trotzdem Gutes!
Wenn du erfolgreich bist, gewinnst du falsche Freunde und echte Feinde, sei trotzdem erfolgreich!
Das Gute, das du tust, wird morgen vergessen sein, tue trotzdem Gutes!
Ehrlichkeit und Offenheit machen dich verwundbar, sei trotzdem ehrlich und offen!
Diese »Trotzdem- Mentalität« auf dem Weg zur Heiligkeit, zum Heilwerden wünsche ich Ihnen aus ganzem Herzen.
Allerheiligen ist ein Fest der Verbundenheit mit Menschen, die durch ihr „heiligmäßiges Leben“ - mit allen Licht- und Schattenseiten - den Himmel auf Erden „verorten“; einst und jetzt.
Wir glauben an die „Gemeinschaft der Heiligen“, so bekennen wir im Credo! Zu Allerheiligen feiern wir den Himmel auf Erden, die Gemeinschaft mit jenen, die das Göttliche in sich haben aufleuchten lassen und nach außen getragen haben. Damit haben sie anderen Menschen ein Stück Himmel auf Erden erfahrbar gemacht.
Damit wir alle, die „heiligmäßig“ gelebt und das Gute, das sie auf Erden vermehrt haben, nicht vergessen, ist Allerheiligen als Sammelfest entstanden!
Was ist unter »heilig«, unter »heiligmäßig leben« im Zusammenhang mit dem Fest Allerheiligen zu verstehen?
Einst wurde der Begriff geprägt von der Bedeutung der Märtyrer und Märtyrerinnen, die ihren Glauben an Christus mit ihrem Leben bezeugt haben. Die Verbundenheit mit ihnen war bei den ersten Christen und Christinnen verknüpft mit dem Glauben an ein vollendetes Leben bei Gott. Es war somit ein österliches Fest und ein Fest der Auferstehung. Anfangs wurde es bald nach Ostern gefeiert.
Zu den ersten Märtyrer und Märtyrerinnen, deren Leben als »heilig« angesehen wurde, kamen die »heiligmäßig« lebenden Christen und Christinnen, bekannte und unbekannte, dazu! Das sind jene Menschen, die das Gute und die Liebe gesucht und getan haben. Egal wie ihr Leben verlaufen ist, sie haben sich an der christlichen Botschaft orientiert. Auch sie haben in ihrem Leben Glück und Unglück erfahren und wurden dadurch auch geprägt.
Was bezeichnen wir heute als »heilig« im Leben von Menschen? - Gute Erfahrungen im »menschlichen Zusammenleben können wir besonders hervorheben und diese als »heilig« bezeichnen und dadurch das „Lebensbejahende“ dieser Erfahrungen unterstreichen.
Wo eine „dunkle“ Lebenssituation den Nächsten kaum erkennen und seine Nähe nicht spüren lässt, leuchtet durch erlebte, erfahrene Menschlichkeit das »Heilige« für uns. Es wird sichtbar, was möglich ist.
Gerade im alltäglichen Leben, lässt diese Menschlichkeit, die eine Vielfalt an guten Möglichkeiten beinhaltet, durch Menschen, die in der Nachfolge Jesu leben, die Welt in einem Licht erstrahlen, die das Göttliche in uns und im anderen erkennbar macht.
Wenn wir davon ausgehen, dass wir alle zur Heiligkeit berufen sind, dann wird es möglich sein, das Heilige in uns und bei anderen wahr zu nehmen. Salopp gesagt mit einem Wort aus der Wirtschaft: der Umgang miteinander würde daraus „profitieren“.
Das „Heilige“ im Alltag suchen und finden erfordert:
- ein Offensein für Positives,
- ein Bereitsein für das Annehmen von Beispielhaftem, das zum Nachahmen anregt,
- einen Wagemut, um davon zu erzählen
- und ganz viel Kreativität, um dem Guten, das täglich geschieht, auch eine Plattform zu geben.
In diesem Sinne soll von einem konkreten Beispiel erzählt werden. Es ist ein Beispiel aus diesen Tagen, welches das Fest Allerheiligen „unter die Haut gehen lässt“, denn was da an Hinwendung zum Nächsten gedacht, geplant und angeboten wird ist einfach „heilig“!
Am 25. September 2020 war in einer Aussendung vom ORF.at zu lesen:
„Auschwitz-Gedenkstätte: Gnadenbitte für Buben aus Nigeria“
Der Direktor dieser Gedenkstätte, Piotr Cywinski, hat um Gnade für einen nigerianischen Buben, 13 Jahre alt, der zu 10 Jahren Gefängnis wegen Blasphemie in Nigeria (Bundesstaat Kano, wo zum Teil die Scharia gilt) verurteilt wurde, mit einem Schreiben an den nigerianischen Präsidenten gebeten. „Als Direktor der Gedenkstätte des deutschen Konzentrationslagers, wo Kinder inhaftiert und ermordet wurden, könne er angesichts dieses 'die Menschheit beschämenden Urteils' nicht gleichgültig bleiben. Der Bub solle nicht um seine Jugend, seine Chancen und seine Bildung gebracht werden.“ (aus dem Text vom ORF). Dazu hat er den Vorschlag, das Angebot gemacht, dass er und 120 andere Menschen anstelle des 13-jährigen Buben die Haft im dortigen Gefängnis (jeweils einen Monat = 10 Jahre Haft) absitzen.
Ergriffen von dieser Reaktion, die Länder, Kontinente, Religionen, Altersgruppen übergreift, von einem Ort des ehemaligen Grauens zum Schutz eines Buben, der im Gefängnis sitzt, konnte ich nicht anders als weitersagen, was für mich heute »heilig« ist!
Dieses Verhalten vom Direktor der Gedenkstätte Auschwitz ist für mich »heiligmäßiges Leben«.
Allerheiligen – der Gedanke, dass wir mit den Heiligen in Gemeinschaft verbunden sind, macht dieses Fest zu einem Fest der Hoffnung und der Auferstehung mitten im Leben werden.
Heilige sind einerseits Menschen, die durch ihr Lebenszeugnis aus dem Alltag herausragen, andererseits Menschen, die die Seligpreisungen Jesu im Alltag leben. Die Berufung zur Heiligkeit fordert uns heraus, dass wir so leben, dass man auch von uns einmal sagen kann: Das war für mich ein wertvoller Mensch.
Am 13. Oktober diesen Jahres wurden 5 Menschen auf dem Petersplatz heiliggesprochen. Das bedeutet: Die Kirche erkennt an, dass diese 4 Frauen und 1 Mann ein exemplarisches Leben vollendet haben. Sie sind Zeugen, dass es möglich ist, zu ihrer Zeit und in ihrem Land so zu leben, dass Menschen sagen: In ihnen begegnet mir Gott. Ob 1879 in der Schweiz, 1890 in England, 1911 in Italien, 1926 in Indien oder 1992 in Brasilien – immer starben Menschen, die anderen Mut zum Glauben gemacht haben.
Diese 5 Heiligen sind auch Zeugen dafür, dass andere von ihrem Lebensweg und -werk erfahren haben. Immer gehört zum Prozess der Heiligsprechung das Wunder. Menschen haben zu den angehenden Heiligen gerufen. Sie haben gebetet: „Hilf uns als FürsprecherIn bei Gott in einer schweren und fast ausweglosen Situation.“ Diese Bitten wurden erhört. Heilungen geschahen.
Diese neuen Heiligen sind bei weitem nicht die einzigen Menschen, die Vorbilder des Glaubens waren. Vielen von uns werden Menschen einfallen, die sie überzeugt haben.
- Es waren Menschen, die mit sich und Gott im Reinen waren.
- Es waren Menschen, die nicht sagen mussten: „Ich bin überzeugter Christ!“ Wir sahen es ihnen an.
- Es waren Menschen, deren Zuneigung zu anderen echt war.
- Es waren Menschen, die bereit waren, ihre Fähigkeiten für jene einzusetzen, die suchten.
Vor diesem Hintergrund ist mir das Evangelium der Seligpreisungen wertvoll. Alle Fähigkeiten, für die Jesus die Menschen seligpreist, sind wichtige Haltungen. Wer sie lebt, gibt damit seiner Mitwelt ein Geschenk.
„Selig, die Frieden stiften“ – denn sie tun das auch im Nachbarschaftsstreit. Sie werden um Vermittlung gebeten, wenn die Situation verfahren ist. Und die Menschen um sie sind dankbar. Manchmal ist diese Fähigkeit wichtig für eine größere Zahl von Menschen. Ich denke an Bruder Klaus von der Flüe und die Tagsatzung von Stans. Er wurde später tatsächlich heiliggesprochen.
„Selig die Barmherzigen“ – denn sie zeigen, dass Neuanfang in verfahrenen Situationen möglich ist. Sie zeigen, dass Liebe stärker sein kann als Hass. Dieses Beispiel wirkt nach – und bewegt die Menschen dann, wenn sie merken: „Ich habe es doch erlebt. Jetzt bin ich dran.“
„Wir heißen Kinder Gottes“ steht im ersten Johannesbrief. Das erkennen jene, die Gott kennen. Und das übersehen jene, die Gott nicht kennen. Wieweit also sind wir? Wie viel von der Gotteskindschaft sehe ich selbst? Erkenne ich den goldenen Anteil in meinem Leben? Merke ich, dass Menschen mich anschauen und sagen: „Jetzt kann ich glauben, dass es einen Gott gibt!?“
„Was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden“ heißt es weiter. Gott gibt seinen Geschöpfen, seinen Kindern, seinen Boten – zusammengefasst: uns – noch viel mehr. Wir können gerne träumen. Aber meistens reichen unsere Träume nicht aus. Es geht um mehr.
Für viele von uns gehören der Allerheiligentag und der Besuch der Gräber der Verstorbenen zusammen. Was geschieht an diesem Grab? Oftmals ist es doch die Erinnerung, die wir wach halten. Was habe ich mit meinen Eltern, Geschwistern, Partnern, Großeltern, Onkeln und Tanten erlebt? Es kommen die kleinen Anekdoten wieder hoch, die uns lächeln lassen. Es kommen die Momente der Geborgenheit wieder hoch, die wir bei und mit ihnen erlebt haben. Es wird deutlich: Sie waren auch große und wertvolle Menschen.
Spätere Generationen sollen auch die Möglichkeit haben, über uns zu sagen: Sie/er war für mich ein wertvoller Mensch.
Johannes, der Verfasser der Offenbarung, malt uns ein großartiges Panorama mit 144 000 Heiligen, obwohl er sich selbst in großer Bedrängnis befindet. Es ist ein Bild der Vollendung des Menschen, ein Bild des Glücks. Heilige sind die von Gott Geliebten.
Zu Allerheiligen/Allerseligen gedenken wir nicht nur der verstorbenen Angehörigen. Wir weiten unseren Blick auf alle Verstorbenen, auch auf die Opfer der Kriege und der Unrechtsregime. Erinnern weitet den Blick für die Gegenwart.
In vielen Orten Oberösterreichs wird zu Allerheiligen an den Kriegerdenkmälern in unterschiedlichster Weise der Gefallenen der beiden Weltkriege gedacht. In der Pfarre St. Georgen an der Gusen wurde vor einigen Jahren in einem Kunstprojekt das Kriegerdenkmal für mehrere Monate verhüllt. „Sichtbar machen durch verdecken“, so nannte die Künstlerin diese gewagte Intervention. Es gab große Aufregung in der Bevölkerung. An den Stammtischen wurde darüber intensiv diskutiert. Gleichzeitig wurde von der Künstlerin am Kirchenvorplatz ein Spiegelsteg errichtet, der auf die unterirdischen Waffenwerke während der NS-Zeit ganz nahe der Kirche und auf das Konzentrationslager Gusen hinweist.
„Sichtbar machen durch Verdecken.“ - So wurde der Blick auf die 40.000 Menschen gelenkt, die in dieser Pfarre zur Zeit des Nationalsozialismus grausam zu Tode kamen und viele Jahrzehnte fast gänzlich in Vergessenheit gerieten. Heute am Allerheiligen Fest gedenkt man dort sowohl der Gefallenen der Kriege am Kriegerdenkmal, als auch der Opfer der Konzentrationslager, der gegenwärtigen Kriege und des Terrors auf unserer Welt.
Warum gedenken wir zu Allerheiligen und Allerseelen nicht nur der uns lieb gewordenen Verwandten, der eigenen Freundinnen, Freunde und Bekannten? Warum gedenken wir als Christinnen und Christen auch der Opfer von Kriegen und Unrechtsregimen?
In Österreich begehen wir das Gedenkjahr 2018. Die Österreichischen Bischöfe haben dazu eine beeindruckende Erklärung abgegeben und darauf hingewiesen, dass das Erinnern und Gedenken insbesondere der Opfer unserer Geschichte zutiefst christlich sei und jede humane Kultur auszeichne. In der Erklärung der österreichischen Bischöfe heißt es wörtlich: Wir „gedenken vor allem der Opfer, die in Folge der nationalsozialistischen Machtübernahme gedemütigt, vertrieben, verfolgt, eingekerkert, verschleppt und ermordet wurden. Wir schauen aber auch auf die Orientierungslosen, die Mitläufer und die Täter ... Auch heute schmerzt noch, dass damals, im März 1938, und in den sieben düsteren Jahren danach, die ChristInnen - auch und gerade die Bischöfe - nicht stärker der Macht des Hasses, der Unmenschlichkeit und der Diktatur entgegengetreten sind. ... Traurig und beschämt haben wir erkannt, dass mit der Zerstörung der Synagogen und der Shoah unschuldige und wehrlose Menschen getötet und der Name des Ewigen geschändet wurde.“
80 Jahre danach - klare Worte der österreichischen Bischöfe, versehen mit der reinigenden Kraft des Bekenntnisses der eigenen Mitschuld. Die österreichischen Bischöfe sprechen aber auch von Menschen, „die sich in der damaligen Zeit als 'Gerechte' erwiesen und die sich nicht vom Sog dieser unmenschlichen und verbrecherischen Ideologie mitreißen ließen“.
Unter Vielen seien in diesem Zusammenhang stellvertretend nur zwei Personen unserer Diözese genannt, die Ihnen wohl bekannt sind: der Wehrdienstverweigerer und Selige Franz Jägerstätter und der Priester und Pädagoge Dr. Johann Gruber, der von den KZ-Mithäftlingen in Gusen als „Engel in der Hölle“ verehrt wurde. Diese beiden Oberösterreicher lebten ihren Glauben, sie widersetzten sich der Macht des Hasses und der Unmenschlichkeit und sie wurden hingerichtet. „Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.“ So hörten wir es im heutigen Evangelium.
Wie geht es uns als Christinnen und Christen heute angesichts der Kriege, des Elends in den Flüchtlingslagern dieser Welt, mit dem wir via Fernsehen konfrontiert werden? Berühren uns diese Bilder noch? Sind unsere Herzen eingefroren - in einem Land, in dem „Gutmensch“ zu einem Schimpfwort geworden ist? Wie geht es uns als Christinnen und Christen angesichts der Tatsache, dass etwa 800 Millionen Menschen gegenwärtig an chronischer Unterernährung leiden? Wir leben in einer Welt, in der innerhalb einer Woche mehr Geld für die Armeen ausgegeben wird, als es kosten würde, die Hungernden unserer Erde auf der ganzen Welt für ein ganzes Jahr zu sättigen. Ist uns diese Realität bewusst? „Wo bin ich, wenn vor meinen Augen großes Unrecht geschieht, wenn Ausgrenzung, Entsolidarisierung und Hass ihren Lauf nehmen?“ So fragen die Bischöfe in ihrer vorher erwähnten Erklärung.
Zunehmend ist in unserer Gesellschaft spürbar, dass Menschen aufgrund ihrer Nationalität, Herkunft oder Hautfarbe ausgegrenzt werden. Denken Sie an die Ausländerfeindlichkeit, an die Unbarmherzigkeit, die manchen AsylwerberInnen zuteil wird. Denken Sie etwa an die jungen AsylwerberInnen, die in Österreich nun keine Chance mehr auf einen Lehrplatz haben und kaum Möglichkeiten haben, sich am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen. Bischof Manfred Scheuer und der Caritasdirektor der Diözese Linz, Franz Kehrer betonen in ihrer Stellungnahme zu Asyl und Integration „Viele Menschen haben bei uns in den vergangenen Jahren Asyl gesucht und suchen es auch gegenwärtig. Wir sollten nie vergessen, dass sie hier ein Menschenrecht in Anspruch nehmen, und dass jede und jeder von uns ebenso in eine Lage geraten kann, in der sie/er aus der eigenen Heimat flüchten muss.“
Liebe Pfarrgemeinde, widerstehen wir als Christinnen und Christen - kraftvoll und entschieden - einer zunehmenden Stimmung in der Bevölkerung, in der Menschen in ihrer Gottesebenbildlichkeit, in ihrer Würde nicht wahrgenommen werden! Andre Heller sagte anlässlich des Gedenkjahres beim Staatsakt in der Hofburg in seiner vielbeachteten Rede: „Vergessen wir nicht, dass am Anfang der nationalsozialistischen Herrschaft nicht Ausschwitz, sondern die Ausgrenzung von Menschen, die als störend, als schädlich betrachtet wurden, stand. Und weil es dafür viel Zustimmung gab, hatten die Nazis freie Bahn und die humanitäre Katastrophe wurde immer größer.“
Kommen wir zurück auf unsere Frage: Warum gedenken wir Christinnen und Christen zu Allerheiligen und Allerseelen der Opfer von Krieg und Terror, warum gedenken wir der Menschen, die sich der Macht des Hasses und der Unmenschlichkeit widersetzten und dies mit ihrem Leben bezahlen mussten?
Für den bekannten Konzils-Theologen Johann Baptist Metz gehört die Erinnerung und das Gedächtnis an die Leiden und an die Opfer unserer Geschichte zu den Grundpfeilern des christlichen Glaubens. In seinem Buch „Memoria Passionis“, Gedächtnis des Leidens, schreibt Metz, dass man Gott nicht mit dem Rücken zur menschlichen Leidensgeschichte verehren könne. „Die Botschaft Jesu lässt es nicht zu, dass wir über seine Leidensgeschichte die Leidensgeschichte der Welt vergessen; sie lässt es nicht zu, dass wir über seinem Kreuz die vielen Kreuze in der Welt übersehen.“
Das Kreuz Jesu Christi öffnet den Blick für die Geschundenen, für die vielen Kreuze in der Welt, für vergangenes und gegenwärtiges Leid. Zu Allerheiligen erinnern wir uns an die Verheißung, dass es mit dem Tod nicht einfach aus ist, dass der Tod nicht alle und alles gleichschaltet, dass uns über den Tod hinaus die universale Gerechtigkeit Gottes verheißen wird: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein..." So heißt es imBuch der Offenbarung (Off. 21,4).
Erinnern weitet den Blick für die Gegenwart. Der Vorstand des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich bringt das Erinnern mit der Gegenwart in Berührung. In seiner Erklärung zum Gedenkjahr 2018 heißt es: „Wir als Kirchen wollen uns dafür einsetzen, dass Österreich - 80 Jahre nach der Katastrophe von 1938 - zu einem Haus mit offenen Fenstern und zu einer Heimatstätte für Verfolgte wird. Wir wollen in einem Land leben, in dem der soziale Friede gewahrt wird und in dem Menschen Geborgenheit und die Möglichkeit zu einem erfüllten Leben finden."
Auch heute haben wir Christinnen und Christen eine große Verantwortung, dort wo wir stehen, für Menschlichkeit und Menschenwürde zu sorgen. Die Seligpreisungen, die wir heute im Evangelium gehört haben, weisen uns die Richtung, sie sind so etwas wie das Leitbild der großen Vision Gottes mit uns Menschen:
„Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne und Töchter Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein."
© Dr. Christoph Freudenthaler, Pädagogische Hochschule der Diözese Linz.
Erklärung österreichische Bischofskonferenz (2018). „1918-1938-2018. Erinnern und Gedenken". Verfügbar unter:
https://www.katholisch.at/aktuelles/2018/03/12/bischoefe-1918-1938-2018.-erinnern-und-gedenken - [27.8.2018]
Scheuer Manfred, Kehrer Franz (2018). Stellungnahme zu Asyl und Integration. Verfügbar unter:
https://www.dioezese-linz.at/news/2018/03/13/stellungnahme-zu-asyl-und-integration - [27.8.2018]
Heller Andre (2018). Rede anlässlich des Gedenkaktes zum 80. Jahrestag des 12. März. Verfügbar unter:
https://www.youtube.com/watch?v=rL7k2XzJxcA&feature=youtu.be - [27.8.2018]
Erklärung des Vorstandes des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich zum Gedenkjahr 2018 (2018). Verfügbar unter:
http://www.oekumene.at/site/erklaerungen/article/1844.html - [27.8.2018]
Metz, Johann Baptist (2006). Memoria Passionis. Freiburg im Breisgau: Herder.
Die Seligpreisungen nach dem Evangelisten Matthäus formulieren Kriterien der Heiligkeit. Heilige sind Menschen, die danach gelebt haben, bzw. die auch heute danach ihr Leben ausrichten.
Zu Allerheiligen und zu Allerseelen denken wir an unsere Verstorbenen, wir erinnern uns an die Heiligen unserer Kirche, wir erinnern uns aber auch an Menschen, die ein heiligmäßiges Leben führten, die sich von Gott berühren ließen und in deren Leben die Seligpreisungen, die wir im heutigen Evangelium gehört haben, in ganz besonderer Weise spürbar werden.
Eine Vielzahl von Heiligen lebt mitten unter uns. Nur Gott weiß, wer das ist. Gottes Liebe umfasst ihr Leben und ist der Grund ihres Glaubens.
Eine unzählige Schar von Menschen, die Christus nachgefolgt sind, haben dieser Nachfolge jeweils eine eigene Gestalt gegeben. Heilige sind fleischgewordene Auslegung des fleischgewordenen Wortes Gottes. Ihr Beispiel kann auch uns inspirieren.
Anlässlich der Heiligsprechung Mutter Theresas sind Berichte aufgetaucht, die ihr Fehler und Mängel vorwerfen. Angesichts dieser Kritik ist zu fragen: welche Vorstellungen haben wir von Heiligen. Heilige sind Menschen, die Liebe konkret werden lassen, keine „spirituellen Wunderwuzzis“.
Jeder Mensch sehnt sich nach Glück. Doch was macht uns glücklich? Im Märchen vom "Hans im Glück" wird uns eine eigenartige Geschichte erzählt, in der ein Mensch glücklich wird, obwohl er alles, was er besaß, verloren hat. Die Seligpreisungen verweisen auf einen Weg ins Glück, ja sogar Seligkeit, das unserer gewohnten Wertordnung konträr entgegensteht. Es ist die Wertordnung des Reiches Gottes. Heilige sind Menschen, die in dieser neuen Welt angekommen sind.
In den Seligpreisungen legt uns Jesus neue Grundwerte vor. Seine Liebe gilt den Armen und allen, die auf Barmherzigkeit angewiesen sind.
Lieder:
GL 164: Der in seinem Wort uns hält
GL 210: Das Weizenkorn muss sterben
GL 380: Großer Gott, wir loben dich (4., 7. und 8. Str.)
GL 395: Den Herren will ich loben
GL 430: Von guten Mächten treu und still geborgen
GL 437: Meine engen Grenzen
GL 424: Wer nur den lieben Gott lässt walten
GL 455: Alles meinem Gott zu Ehren
GL 458+459: Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt
GL 460: Wer leben will wie Gott auf dieser Erde
GL 479: Eine große Stadt ersteht
GL 482: Die Kirche steht gegründet (3. Str.)
GL 491: Ich bin getauft und Gott geweiht
GL 542: Ihr Freunde Gottes allzugleich
GL 543: Wohl denen, die da wandeln
GL 548: Für alle Heiligen in Herrlichkeit
GL Ö897: Von guten Mächten treu und still geborgen
GL Ö907: Meine Zeit steht in deinen Händen
GL Ö909: Da wohnt ein Sehnen tief in uns
Psalmen und Kehrverse:
GL 54,1: Singt dem Herr alle Länder der Erde, singt dem Herrn und preist seinen Namen - Mit Psalm 96 - VIII.
GL 55: Jubelt ihr Lande dem Herrn; alle Enden der Erde schauen Gottes Heil. - Mit Psalm 98 - VIII.
GL 544: Halleluja - Mit Seligpreisungen - V.
GL 622,4: Sieh, der Herr kommt in Herrlichkeit und mit ihm seiner Heilgen Schar... - V.
GL 651,7-8: Selig, die bei dir wohnen, Herr, die dich loben alle Zeit - Mit Seligpreisungen - V.
GL 652,1: Du hast uns erlöst mit deinem Blut... (Responsorium)
GL 653,3-4: Selig, die bei dir wohnen, Herr, die dich loben alle Zeit - Mit Ps 84 - V.
„Wer ist Ihr Vorbild?“ Das werden Menschen manchmal gefragt. Sportler nennen dann gerne den Namen eines Großen ihrer Disziplin.
Wer ist mein Vorbild als Christ? Von wem kenne ich die Lebensdaten und die entscheidenden Wendepunkte? Von wem sind mir Sinnsprüche bekannt, die ich nicht erst nachschlagen muss? Diese Menschen könnten die Heiligen sein. Am heutigen Fest feiern wir sie – und hoffen auch auf ihren helfenden Dienst an uns.
So rufen wir:
Heute feiern wir das Fest aller Heiligen, der allseits bekannten wie der namenlosen und unbekannten. Es erinnert uns daran, dass alle Getauften zur Heiligkeit berufen sind.
Heilige sind Menschen, die jene Vollendung erreicht haben, die Gott ihnen von Beginn an zugedacht hat. Das ist wohl eine unzählbare Schar. Wir hoffen, dass viele von den Menschen, die wir gekannt und geschätzt haben, dazugehören.
Mit ihnen allen stimmen wir ein in das Lob Gottes und in den Dank, den wir ihm schulden.
Am Beginn der Feier treten wir vor Gott hin und bitten wir um sein Erbarmen.
Herr Jesus,
der du den Menschen Gaben und Kräfte geschenkt hast:
Kyrie, eleison.
Herr Christus,
der du Menschen seliggepriesen hast, die ihre Berufung leben:
Christe, eleison.
Herr Jesus,
auf den wir uns verlassen können in unserem Alltag:
Kyrie, eleison.
Herr, Jesus Christus,
du hast die Kleinen und Machtlosen, die auf dich vertrauen, selig gepriesen.
Herr, erbarme dich.
Du hast ihnen das Himmelreich zugesagt.
Christus, erbarme dich.
Du hast uns verheißen, dass wir Gott schauen
und ihm ähnlich sein werden.
Herr, erbarme dich.
Allmächtiger, ewiger Gott,
du schenkst uns die Freude,
am heutigen Fest
die Verdienste aller deiner Heiligen zu feiern.
Erfülle auf die Bitten so vieler Fürsprecher unsere Hoffnung
und schenke uns dein Erbarmen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Allerheiligen
Gott und Vater,
wir können sehen: Menschen haben dich verstanden
und haben so ihr Leben gestaltet.
Menschen haben dich erfahren
und haben verständlich davon erzählt.
Menschen haben gespürt, wen du trösten willst
und haben es getan.
Wir danken dir für diese Zeugen deiner Liebe zu uns.
Und wir bitten deinen Sohn, Jesus Christus,
uns das immer wieder zu zeigen in der Kraft deines Geistes. - Amen!
Auf die Fürsprache all jener, die durch ihr Leben anderen etwas von Gottes Liebe und Größe nahegebracht haben, lasst uns den Vater bitten:
Für alle, die in deiner Kirche Verantwortung tragen,
dass sie Mittel und Wege finden, dass deine Botschaft auch in dieser schwierigen Zeit bei denen ankommt, die sich nach ihr sehnen.
Für die Politiker aller Parteien,
dass sie wagen, notwendende Maßnahmen zu ergreifen und parteipolitisch bedingte Äußerungen hintanzustellen.
Für alle Verunsicherten, Depressiven und Verzweifelten,
dass sie erfahren dürfen, dass du uns in allen Schwierigkeiten des Lebens nahe bist.
Für alle, die sich nach einer Welt sehnen, in der Gerechtigkeit und Friede herrscht,
dass sie beginnen, in ihrem eigenen kleinen Wirkungsbereich deiner Botschaft immer mehr Raum zu geben.
Für die Verstorbenen, die in unserem Herzen für immer einen bedeutenden Platz einnehmen,
und für die, an die niemand mehr denkt.
Im Vertrauen auf deine Größe und Macht bringen wir diese und alle Bitten, die wir dir im Stillen anvertrauen, vor dich.
Denn wir bauen darauf, dass du letztlich alles zum Guten wenden wirst.
Dafür preisen wir dich und danken dir jetzt und allezeit. - Amen.
Großer und allmächtiger Herr! Deine Gegenwart erfüllt Himmel und Erde. Die ganze Schöpfung und alles Leben hat in dir Ursprung und Ende. Vater! Erhöre gnädig die Bitten derer, die sich deine Kinder nennen dürfen:
Hilf den christlichen Kirchen Wege zur Einheit zu finden.
Bestärke die Friedfertigen in allen Nationen in ihrem Bemühen Problemlösungen ohne Waffengewalt herbeizuführen.
Erfülle alle, die sich gegen Armut, Hunger und Benachteiligungen einsetzen, mit dem Geist der Kraft deiner Liebe.
Erhalte in unseren Herzen eine Unruhe, die danach strebt, sich dir und unseren Mitmenschen zu öffnen.
Beschenke unsere Verstorbenen mit der Fülle deiner Verheißungen.
Großer und allmächtiger Herr, mit allen Heiligen stimmen wir in deinen Lobpreis ein und danken dir jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Zu Gott, dessen Kinder wir sind, rufen wir:
Erfülle das Leben deiner Kinder
Du hast uns Nachbarn und Freunde gegeben, die versuchen, ihr Leben zu meistern. Wir bitten:
Dir empfehlen wir alle, die unsere Gesellschaft lebenswert machen und bitten dich:
Wir ahnen um manche Menschen, die es im Moment schwer haben. Für sie hoffen wir und bitten:
Dir gehören die Menschen auf der ganzen Welt. Mit ihnen wollen wir fühlen und dich bitten:
Kranke und Leidende, ihre Pflegenden und Freunde brauchen Kraft und Nähe. Wir bitten dich:
Wir denken an jene, die unser Leben begleitet und geprägt haben und die schon dein Reich erleben. Für Sie bitten wir:
Denn einmal wird deutlich, was wir sein werden. Darauf warten wir und bis dahin freuen wir uns des Lebens in dir. - Amen.
Heiliger, starker Gott,
die Welt in der wir leben, ist in vielerlei Hinsicht unerlöst und unheilig.
Wir bringen dir unsere Bitten und Gebete vor:
Wir beten für alle, die unter Hass und Krieg leiden und für alle, die Hass und Krieg schüren.
Zeige ihnen Wege zu einer friedlichen Lösung ihrer Konflikte.
Wir beten für alle, die nur ihren eigenen Vorteil im Sinn haben und damit Frieden und Gerechtigkeit verhindern.
Öffne ihren Blick für die Not ihrer Mitmenschen.
Wir beten für alle, die um ihres Glaubens und ihrer Überzeugung willen verfolgt, angefeindet oder gar vertrieben werden.
Schenke ihnen einen Ort der Ruhe, an dem sie sich entfalten können.
Wir beten für alle, die ihre Heimat verlassen, um in einem anderen Land bessere Lebensbedingungen zu finden.
Gib ihnen langen Atem und lass sie wohlwollenden Menschen begegnen.
Wir beten für alle, die für sich selbst keine Hoffnung sehen und ihr eigenes Leben und das ihrer Mitmenschen zerstören.
Wecke in ihnen das Vertrauen, dass du alles zum Guten führen kannst.
Wir beten für unsere verstorbenen Angehörigen, Freunde und Bekannten.
Lass sie bei dir Vollendung und die Erfüllung ihres Lebens finden.
Vater im Himmel,
wir ehren heute alle, die sich deiner Frohen Botschaft geöffnet haben
und von dir haben heiligen lassen.
Dein Reich komme auch zu uns und zu allen Menschen. - Amen.
Herr, unser Gott,
nimm die Gaben entgegen,
die wir am heutigen Fest darbringen.
Wir glauben, dass deine Heiligen bei dir leben
und dass Leid und Tod sie nicht mehr berühren.
Erhöre ihr Gebet
und lass uns erfahren,
dass sie uns nahe bleiben und für uns eintreten.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Allerheiligen
Unser Vater,
dein Sohn wird uns sagen: Ich für euch!
Und wir werden ihn empfangen.
Segne diese Gaben von Brot und Wein,
damit es gelingen kann: Ich für euch.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
(für Wortgottesfeiern):
Kehrvers:
Dich, Gott, loben wir / dich, Herr, preisen wir.
Oder:
Gott, du bist herrlich und heilig,
wir wollen dir lobsingen. Halleluja. (GL 488,2)
Dir, dem ewigen Vater, huldigt das Erdenrund.
Dir rufen die Engel alle,
die Himmel und Mächte insgesamt,
die Kerubim dir und die Seraphim,
mit nie endender Stimme zu:
Heilig; heilig, heilig der Herr der Scharen!
Voll sind Himmel und Erde von deiner hohen Herrlichkeit.
Kehrvers
Dich preist der glorreiche Chor der Apostel;
dich der Propheten lobwürdige Zahl;
dich der Märtyrer leuchtendes Heer;
dich preist über das Erdenrund die heilige Kirche;
dich, den Vater unermessbarer Majestät;
deinen wahren und einzigen Sohn;
und den Heiligen Fürsprecher Geist.
Kehrvers
Du hast der Jungfrau Schoß nicht verschmäht,
bist Mensch geworden, den Menschen zu befreien.
Du hast bezwungen des Todes Stachel
und denen, die glauben, die Reiche der Himmel aufgetan.
Du sitzest zur Rechten Gottes in deines Vaters Herrlichkeit.
Kehrvers
Als Richter, so glauben wir, kehrst du einst wieder.
Dich bitten wir denn, komm deinen Dienern zu Hilfe,
die du erlöst hast mit kostbarem Blut.
In deiner ewigen Herrlichkeit zähle uns deinen Heiligen zu.
Danklied, Nun lobet Gott im hohen Thron (GL 393)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dich mit der ganzen Schöpfung zu rühmen.
Denn heute schauen wir deine heilige Stadt,
unsere Heimat, das himmlische Jerusalem.
Dort loben dich auf ewig
die verherrlichten Glieder der Kirche,
unsere Brüder und Schwestern,
die schon zur Vollendung gelangt sind.
Dorthin pilgern auch wir im Glauben,
ermutigt durch ihre Fürsprache und ihr Beispiel
und gehen freudig
dem Ziel der Verheißung entgegen.
Darum preisen wir dich
in der Gemeinschaft deiner Heiligen
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig. . .
MB Allerheiligen
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Die Schar der Heiligen verkündet deine Größe,
denn in der Krönung ihrer Verdienste
krönst du das Werk deiner Gnade.
Du schenkst uns in ihrem Leben ein Vorbild,
auf ihre Fürsprache gewährst du uns Hilfe
und gibst uns in ihrer Gemeinschaft
das verheißene Erbe.
Ihr Zeugnis verleiht uns die Kraft,
im Kampf gegen das Böse zu siegen
und mit ihnen die Krone der Herrlichkeit zu empfangen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Darum preisen wir dich mit allen Engeln
und Heiligen und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig. . .
MB Heilige 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und das Werk deiner Gnade zu preisen.
Denn in den Heiligen schenkst du der Kirche
leuchtende Zeichen deiner Liebe.
Durch das Zeugnis ihres Glaubens
verleihst du uns immer neu die Kraft,
nach der Fülle des Heiles zu streben.
Durch ihre Fürsprache und ihr heiliges Leben
gibst du uns Hoffnung und Zuversicht.
Darum rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen
und singen wie aus einem Munde
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig. .
MB Heilige 2
Wir glauben als Kinder Gottes an den Vater, der uns Leben ermöglicht. Darum rufen wir:
Herr Jesus,
du hast die Friedensstifter seliggepriesen, denn sie leben, was auch dich erfüllt hat.
Darum bitten wir dich:
Schaue nicht auf unsere Sünden…
Heilig werden wir,
wenn wir füreinander das Brot brechen.
Heilig werden wir,
wenn wir bereit sind miteinander zu teilen.
Heilig werden wir,
wenn wir uns von den anderen beschenken lassen.
Heilig werden wir,
wenn wir aufeinander hören.
Heilig werden wir,
wenn wir uns den Mitmenschen zuwenden.
Heilig werden wir,
wenn wir einander die Hand zur Versöhnung reichen.
Heilig werden wir,
wenn wir den Frieden suchen.
Heilig werden wir,
wenn die Liebe unser Leben bestimmt.
Heilig werden wir,
wenn wir tun,
was uns Jesus vorgelebt hat.
Endlich einer, der sagt:
Selig die Armen -
und nicht:
Wer Geld hat, ist glücklich
Endlich einer, der sagt:
Liebe deine Feinde -
und nicht:
Nieder mit den Konkurrenten
Endlich einer, der sagt:
Selig die Verfolgten -
und nicht:
Passt euch jeder Lage an
Endlich einer, der sagt:
Der Erste soll der Diener aller sein -
und nicht:
Zeig wer du bist
Endlich einer, der sagt:
was nützt es dem Menschen
wenn er die ganze Welt gewinnt -
und nicht.
Hauptsache vorwärtskommen
Endlich einer, der sagt:
Wer an mich glaubt, wird leben
in Ewigkeit -
und nicht:
wer tot ist, ist tot
SELIG
die das Wohl der Anderen lieben wie ihr eigenes
denn sie werden ihren Egoismus überwinden
SELIG
die immer bereit sind den ersten Schritt zu tun
denn sie werden für Frieden und Einheit sorgen
SELIG
die nie sagen: jetzt ist Schluss
denn sie werden einen neuen Anfang finden
SELIG
die zuerst hören und dann reden
denn man wird ihr Wort aufnehmen
SELIG
die eine andere Meinung gelten lassen
denn sie werden integrieren und vermitteln können
SELIG
die ihre Macht nie missbrauchen
denn sie werden geachtet werden
SELIG
die unterliegen und verlieren können
denn
dann kann GOTT gewinnen
nach einem unbekannten Verfasser
Gott du allein bist heilig,
dich ehren wir, wenn wir der Heiligen gedenken.
Stärke durch dein Sakrament in uns das Leben der Gnade
und führe uns auf dem Weg der Pilgerschaft
zum ewigen Gastmahl,
wo du selbst die Vollendung der Heiligen bist.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Allerheiligen
Gott, unser großes Du,
wir durften dich neu erfahren.
Wir durften dir Menschen von heute ans Herz legen.
Wir durften uns mit Menschen verbinden,
die nun viel mehr von dir wissen.
Für all das danken wir und bitten:
Lass es uns nie verlieren.
Darum bitten wir mit deinem Sohn Jesus,
den du uns gesandt hast. – Amen.
Komm, Heiliger Geist, heilige uns!
Erfülle unsere Herzen mit brennender Sehnsucht
nach der Wahrheit, dem Weg und dem vollen Leben.
Entzünde in uns Dein Feuer,
dass wir selber davon zum Lichte werden,
das leuchtet und wärmt und tröstet.
Lass unsere schwerfälligen Zungen
Worte finden, die von Deiner Liebe und Schönheit sprechen.
Schaffe uns neu,
dass wir Menschen der Liebe werden,
Deine Heiligen, sichtbare Worte Gottes.
Dann werden wir das Antlitz der Erde
erneuern, und alles wird neu geschaffen.
Komm, Heiliger Geist, heilige uns, stärke uns, bleibe bei uns.
Amen.
(Gebet aus der Ostkirche)
Gott erfülle euch mit seinem Segen,
denn er liebt euch als seine Kinder. - Amen!
Gott erfülle euch mit seinem Segen,
dass ihr den Worten und Zeichen seines Sohnes folgen könnt. - Amen!
Gott erfülle euch mit seinem Segen,
dass ihr in seinem Geist auch morgen Zeugen Gottes sein könnt. - Amen!
So begleite euch und halte euch lebendig
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. - Amen.
Carlos Acutis, der 2006 im Alter von 15 Jahren an Leukämie starb, wird seit seinem Tod als "Cyber-Apostel" verehrt. Am 10. Oktober soll er in der italienischen Stadt Assisi seliggesprochen werden.
Eine ungewöhnliche Seligsprechung findet am 10. Oktober in der italienischen Stadt Assisi statt. Carlos Acutis, der 2006 im Alter von 15 Jahren an Leukämie starb, wird seit seinem Tod aufgrund seiner Affinität zum Internet und seiner intensiven Eucharistie- sowie Marienfrömmigkeit als "Cyber-Apostel" verehrt, wie das Internetportal www.katholisch.de berichtete.
Im Vorfeld der Seligsprechung wurde sein offenbar gut erhaltener Leichnam nun in einem mit einer Glasscheibe versehenen Grab in einem Altar zur öffentlichen Verehrung ausgestellt. Acutis' Körper trägt seine damalige Alltagskleidung: "Zum ersten Mal in der Geschichte sehen wir einen Heiligen in Jeans, Sneaker und Sweater", sagte Carlos Acacio Goncalves Ferreira, der Rektor der Kirche in Assisi, in der Acutis bestattet ist.
Ganzer Artikel:
https://www.diepresse.com/5876753/
6. Denken wir nicht nur an die, die bereits selig- oder heiliggesprochen wurden. Der Heilige Geist verströmt Heiligkeit überall, in das ganze heilige gläubige Gottesvolk hinein, denn es hat Gott gefallen, »die Menschen nicht einzeln und unabhängig von aller wechselseitigen Verbindung zu heiligen und zu retten, sondern sie zu einem Volke zu machen, das ihn in Wahrheit anerkennen und ihm in Heiligkeit dienen soll«.[3] Der Herr hat in der Heilsgeschichte ein Volk gerettet. Es gibt keine vollständige Identität ohne Zugehörigkeit zu einem Volk. Deshalb kann sich niemand allein, als isoliertes Individuum, retten, sondern Gott zieht uns an, wobei er das komplexe Geflecht zwischenmenschlicher Beziehungen berücksichtigt, das der menschlichen Gemeinschaft innewohnt: Gott wollte in eine soziale Dynamik eintreten, in die Dynamik eines Volkes.
7. Es gefällt mir, die Heiligkeit im geduldigen Volk Gottes zu sehen: in den Eltern, die ihre Kinder mit so viel Liebe erziehen, in den Männern und Frauen, die arbeiten, um das tägliche Brot nach Hause zu bringen, in den Kranken, in den älteren Ordensfrauen, die weiter lächeln. In dieser Beständigkeit eines tagtäglichen Voranschreitens sehe ich die Heiligkeit der streitenden Kirche. Oft ist das die Heiligkeit „von nebenan“, derer, die in unserer Nähe wohnen und die ein Widerschein der Gegenwart Gottes sind, oder, um es anders auszudrücken, „die Mittelschicht der Heiligkeit“.[4]
Mehr dazu:
https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2018-04/gaudete-et-exultate-exhortation-wortlaut-amtliche-uebersetzung.html
Aus: Apostolisches Schreiben Gaudete et exsultate des Heiligen Vaters Papst Franziskus über den Ruf zur Heiligekeit in der Welt von heute. Rom 19. März 2018.
Allerheiligen wird gerne als ein Fest beschrieben, welches das Gedächtnis aller Heiligen und Märtyrer vereint. So richtig das ist, kommt in dieser Erklärung doch ein Aspekt zu kurz, der in der Frühzeit des Festes eine Rolle gespielt hat: seine Nähe zu Ostern. Das hat durchaus Bedeutung: Die Heiligenverehrung sollte transparent sein auf das Osterereignis hin und wurde von hierher gedacht. Heiligenverehrung einesteils und Oster- oder Christusereignis andernteils wurden eng miteinander verbunden. Im Leben der Heiligen würde demnach sichtbar, was Nachfolge Christi bedeutet. Heilige nehmen in besonderer Weise an Leiden, Tod und Auferstehung Christi teil.
Die Geschichte von Allerheiligen ist nicht sehr gradlinig verlaufen. Nach Aussagen der Forschungsliteratur entwickelte sich aus einem stark österlich geprägten Festtag mehr und mehr ein Fest, das, vom Osterereignis gelöst, die Heiligenverehrung in den Vordergrund stellte. Allerheiligen wurde zudem immer enger mit Allerseelen, also dem Totengedächtnis, verbunden.
Erste Spuren für ein Fest aller Heiligen meint man in Syrien im 4. Jahrhundert ausmachen zu können. Am 13. Mai begegnet dort ein Fest, mit dem man aller Märtyrer gedachte. An anderer Stelle feierte man ein Gedächtnis aller Bekenner am Freitag der Osterwoche. Und einer Äußerung des Johannes Chrysostomus kann man entnehmen, dass in Konstantinopel am Sonntag nach Pfingsten ein entsprechendes Fest begangen wurde: „Es sind noch nicht sieben Tage vergangen, dass wir Pentecoste gefeiert haben“ (PG 50, 705), beginnt er eine Predigt, die alle Märtyrer auf dem ganzen Erdenrund preist. Der starke Bezug auf Ostern und die Osterzeit hat sich im Osten bis heute durchgehalten.
In Rom findet man ein solches Fest erst zwei Jahrhunderte später. Auch hier ist nach Pfingsten ein Sonntag, der als „Dominica in natali sanctorum“ bezeichnet wird, überliefert, also ein Festtag, der an den Todestag der Heiligen wie an einen „Geburtstag“ erinnert. Der Tag soll unter Papst Gregor I. (590-604) jedoch wieder abgeschafft worden sein.5 Papst Bonifatius IV. (608- 615) hat dann das Pantheon, das ihm der Kaiser zu diesem Zweck überlassen hatte,6 zu einem Memorialort für Maria und alle Heiligen erhoben. Legendarisch wird ausgemalt, der Papst habe auf 28 Wagen Gebeine von Märtyrern aus den Katakomben in die Kirche bringen lassen.
Aus: Benedikt Kranemann, Allerheiligen – Entstehung und Bedeutungswandel eines Hochfestes. – Theologisch Praktische Quartalschrift 4/2019. Verlag Friedrich Pustet.
Ich glaube, ein Grashalm ist nicht geringer
Als das Tagewerk der Sterne.
Und die Ameise ist ebenso vollkommen
Und ein Sandkorn und das Ei des Zaunkönigs
Und die Baumkröte ist ein Meisterwerk
Vor dem Höchsten
Und die Brommbeerranken wären eine Zierde
Der himmlischen Hallen,
Und das kleinste Gelenk meiner Hand
Spottet aller Maschinen,
Und die Kuh, wiederkäuend mit gesenktem Kopf
Übertrifft jede Statue,
Und eine Maus ist ein so großes Wunder,
Dass es Abermillionen von Ungläubigen erschüttert.
Walt Withman in: Anselm Spring; Leben im Licht. Herder Verlag Freiburg – Basel – Wien 1989.
Am 1.11. jeden Jahres feiert die katholische Kirche das Fest Allerheiligen, d.h. aller Heiligen. Damit nimmt sie Menschen in den Blick, deren Leben beispielhaft für andere war, die sich an Gott hielten und sich für andere Menschen einsetzten.
Heilig meint heil sein, ganz sein. Wie Gott zu Abraham sagt: „Geh vor mir und sei ganz.“ Katharina Kasper nennt das: „in sich ruhen und Gottes Gegenwart genießen.“ Überall Gottes gegenwärtig werden im Menschen, in der Natur, in den Ereignissen… Das Leben in einem großen Zusammenhang sehen.
Heilige sind nicht weggerückte Menschen, die auf einem Sockel stehen. Das hätten sie selbst sicher abgelehnt. Heilige sind Menschen, denen es gelungen ist, nach dem zu leben, was der Schöpfer ihnen in diese Welt mitgegeben hat. Der inneren tiefen Lebenssehnsucht Raum geben.
Schwester M. Simone ADCJ in: Aus der Stille leben. Ermutigende Impulse von Ordensleuten zum Kirchenjahr. Benno Verlag Leipzig, o. J.
Als das Schiff des Bischofs für einen Tag an einer fernen Insel anlegte, beschloss er, diesen Tag so gut wie möglich zu nutzen, Er schlenderte am Strand entlang und traf drei Fischer, die ihre Netze flickten. In Pidgin Englisch erklärten sie ihm, dass sie vor vielen Jahrhunderten von Missionaren christianisiert worden waren. „Wir Christen!“ sagten sie stolz und zeigten auf sich.
Der Bischof war beeindruckt. Kannten sie das Vaterunser? Davon hatten sie noch nie gehört. Der Bischof war schockiert. Wie konnten diese Männer behaupten, Christen zu sein, wenn sie nicht etwas so Grundlegendes wie das Vater Unser kannten?
„Was sagt Ihr also, wenn Ihr betet?“
„Wir heben Augen zum Himmel. Wir beten: ‚Wir sind drei, du bist drei, sei uns gnädig‘ Der Bischof war bestürzt über dieses primitive, ja zutiefst ketzerische Gebet. So verbrachte er den ganzen Tag damit, sie das Gebet des Herrn zu lehren.
[…]
Monate später passierte das Schiff des Bischofs zufällig wieder diese Inseln.
Als der gedankenverloren aufblickte, sah er im Osten einen hellen Fleck. Das Licht kam auf das Schiff zu, und als der Bischof verwundert hinsah, erkannte er drei Gestalten, die sich auf dem Wasser dem Schiff näherten. Der Kapitän stoppte, alle Matrosen beugten sich über die Reling, um das erstaunliche Ereignis zu sehen.
Als sie so nahe waren, dass man sie verstehen konnte, erkannte der Bischof seine drei Freunde, die Fischer. „Bischof“ riefen sie, „wir so froh, dich zu sehen. […] Wir vergessen schönes Gebet. Bitte sag uns ganzes Gebet noch einmal.“ Demütig sagte der Bischof: „Geht nach Hause zurück, gute Leute, und sagt, wenn Ihr betet: ‚Wir sind drei, du bist drei, sei uns gnädig‘“
Aus: Anthony de Mello; Warum der Vogel singt. Geschichten für das richtige Leben. Herder Verlag Freiburg – Basel – Wien 1984.
Paulus schreibt in den Briefen immer wieder die Formulierung: „Grüßt mir die Heiligen bei Euch!“
Er sieht in ihnen, wie es gelingt, das Leben zu meistern. Er sieht in ihnen, wie Gottes Liebe durch sie in unserer Welt präsent ist. Paulus meisterte das Ende seines Lebens Wer ihn erlebt hatte in seinen großen Predigten, fühlte sich von Gottes Liebe angesprochen und bestätigt.
Wenn wir am Freitag oder Samstag die Gräber unserer Angehörigen besuchen oder daran denken, wie wir es in besseren Tagen tun konnten, dann darf auch die Erinnerung lebendig bleiben: Sie haben ihr Leben zum Teil recht gut gemeistert. Sie waren darin für uns Vorbilder.
Sie waren Heilige!
Aus: Sonntagsgruß 94/43 vom 27.10.2019
In den kommenden Tagen feiern wir alle Heiligen und alle Verstorbenen, die in unserem Leben Spuren hinterlassen haben.
„Herr, ich möchte Dir danken für alle, denen du geholfen hast, überzeugende Boten deiner Liebe zu sein. Sie hat man heiliggesprochen.
Herr, ich möchte Dir danken für alle, deren Leben Du erfüllt hast mit Deinen Zeichen und Deiner Ermutigung, dem Leben zu trauen.
Darf ich mit der Bergpredigt sagen: Selig sind Sie?
Herr, ihnen hast Du es getan - und wenn Du willst, dann tue es auch mir.“
Aus: Sonntagsgruß 94/43 vom 27.10.2019
Geboren als Anjezë (Agnes) Gonxha Bojaxhiu; * 26. August 1910 in Üsküb, Osmanisches Reich (heute Skopje, Mazedonien); † 5. September 1997 in Kalkutta, Indien) war eine indische Ordensschwester und Missionarin albanischer Herkunft. Weltweit bekannt wurde sie durch ihre Arbeit mit Armen, Obdachlosen, Kranken und Sterbenden, für die sie 1979 den Friedensnobelpreis erhielt. In der katholischen Kirche wird Mutter Teresa als Heilige verehrt. Unter anderem wegen der sozialen und hygienischen Zustände in den Sterbehäusern sowie ihrer vermuteten eigentlichen Motivation der Missionierung und nicht der Hilfe sind ihre Arbeit und ihre Person umstritten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Mutter_Teresa
Wikipedia
[HTML] Den Brauch, für jene Verstorbenen zu beten, für die sonst niemand betet, finde ich berührend und sinnvoll. Es ist das Gebet für jene »vergessenen Seelen«, deren Leben auf Erden im Gedächtnis keines einzigen Lebenden noch eine Spur hinterlassen hat. Darauf geht wohl auch der persönliche Brauch einer älteren Dame zurück, besonders die vergessenen Heiligen zu verehren. Ein wenig Mitleid mit diesen namenlosen Heiligen im Himmel mag dabei eine Rolle spielen. Vielleicht kommt ein gewisser Gerechtigkeitssinn dazu. Heilige haben oft einen schweren, oft von anderen nicht beachteten Weg hinter sich. Die Heiligsprechung wäre wenigstens eine posthume Anerkennung. Aber die unbekannten Heiligen müssen auch auf diese Wiedergutmachung verzichten. So könnten die Überlegungen dieser Dame sein. Vielleicht ist auch eine gewisse Schlauheit dabei. Vielleicht die Annahme, daß solche Heilige, die von anderen Menschen nicht als Fürsprecher angerufen werden, deswegen auch weniger zu tun haben und sich eines Falles besser annehmen können. So wie man in einem Supermarkt schaut, bei welcher Kasse sich die wenigsten Leute angestellt haben. Diese liebenswürdige Schrulle einer freundlichen Dame meint vielleicht doch auch Bedenkenswertes. Denn es gibt sie natürlich wirklich, diese namenlosen Heiligen. Sie haben mit uns gelebt, sie leben unter uns, alte, aber auch junge. Wir haben sie nicht erkannt. Manchmal ist man mit einem solchen Menschen ins Gespräch gekommen. Als einen Heiligen aber hat man ihn nicht erkannt. Nur nachher hat man sich darüber gewundert, wie auf einmal der Alltag leuchtete und woher wohl der Frieden gekommen sein mag, den man in seinem Herzen spürte.
Aus: Joop Roeland, Die Stimme eines dünnen Schweigens, Die Quelle Verlag, Feldkirch 1992.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Der Text dieser Lesung stammt aus der literarischen Gattung der Apokalypse. Man bezeichnet damit göttliche Offenbarungen, die der Verfasser in Form von Visionen oder Auditionen empfangen hat. Diese schriftlich niedergelegten Visionen enthalten viele Symbole, die aus der Entstehungszeit her verstanden werden sollen.
Der Verfasser, ein Johannes, der sicher eine bedeutende prophetische Gestalt und Autorität in den kleinasiatischen Gemeinden war (aber nicht unbestritten mit dem Apostel Johannes gleichgestellt werden kann), verfasste die Apokalypse (= Enthüllung) unter der Regierung Kaiser Domitians um 95 n.Chr. Die Schrift sollte Mut machen in einer Zeit, in der heftige Christenverfolgungen ausgebrochen waren.
Der Verfasser ruft die Zusage in Erinnerung, die auch dem alttestamentlichen Volk in Zeiten der Not und Verfolgung von den Propheten gegeben wurde: der "große Tag Jahwes" kommt; Gott ist der absolute Herr der menschlichen Geschichte, er übergibt dem Lamm (= Christus) das Buch, das die volle Verwirklichung des Planes enthält. Trotz zahlreicher Schrecken (Verfolgung, Krieg, Hunger, Pest) werden die Gläubigen bewahrt werden.
Der Abschnitt der Lesung spricht tröstend davon, dass die Gläubigen sich ihres Sieges im Himmel freuen dürfen. Auch uns sagt der Text: "Die Welt ist nicht so finster, wie sie manchmal scheinen mag. Für die Treuen kommt die Rettung von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm." (Offb 7,10)
Die Lesung beinhaltet zwei apokalyptische Visionen: In der ersten erscheinen die vier Engel und bezeichnen die "Knechte unseres Gottes" mit dem Siegel - so wie in der Antike auch Tiere und Sklaven mit dem Siegel ihres Herrn bezeichnet waren und damit die Zugehörigkeit sichtbar gemacht wurde (vgl. auch Ez 9,2-7). Der Sinn des Siegels ist es, die auserwählten Knechte nicht vor den Stürmen der Endzeit, sondern in diesen Stürmen zu bewahren, damit sie durch sie hindurch zur Rettung gelangen.
Die Zahl der Knechte Gottes ist mit hundertvierundvierzigtausend angegeben. Das ist eine symbolische Zahl (12 mal 12 mal 1000), die besagt, dass es sich um die Fülle der Erwählten handelt. In dem Zwischenstück, das in der Perikopenordnung ausgelassen wird, wird die Zahl auf die zwölf Stämme Israels aufgeteilt. D. h. kein Stamm, kein Volk wird von Gott bevorzugt. Alle sind gleich.
Die zweite Vision: In dieser Endzeit gibt es keinen Unterschied mehr - weder im alten Gottesvolk, noch im neuen. Es hat sein Ziel erreicht: durch Drangsale und Opfer hindurch nun endlich vor Gott und mit Gott zu leben.
In den Visionen der Apokalypse spiegelt sich die Situation der Kirche wider: Laut Irenäus sei die Apokalypse des Johannes gegen Ende der Regierungszeit des Kaisers Domitian (81-96 n. Chr.) geschrieben worden. Christenverfolgungen sind vorausgegangen, neue Auseinandersetzungen stehen der Kirche bevor. In dieser Zeit soll die geheime Offenbarung die christlichen Gemeinden stärken.
Die Apokalypse richtet sich an sieben im Römischen Reich stark bedrängte christliche Gemeinden in Kleinasien, die von der Mission des Paulus von Tarsus theologisch geprägt waren, aber auch an allgemein an einen weiteren Adressatenkreis. Als Entstehungszeit können die Jahre 81 - 96 nach Christus - also die Regierungszeit des römischen Kaisers Domitian -angenommen werden.
In den Visionen der Apokalypse spiegelt sich die Situation der Kirche wider: Christenverfolgungen sind vorausgegangen, neue Auseinandersetzungen stehen der Kirche bevor. In dieser Zeit soll die Prophetie der Apokalypse die christlichen Gemeinden stärken. Das Buch möchte den Heilsplan Gottes enthüllen und so die Gemeindemitglieder ermutigen, den römischen Kaiserkult abzulehnen und auf die Wiederkunft Christi als Endrichter zu hoffen.
Die heutige Lesung ist ein Hoffnungstext, denn er spricht Rettung und Erlösung zu. Die Getauften aller Völker und die Zahl des Volkes Israel werden zusammengeführt. Das ist die Zahl der Vollkommenheit (12 x 12 x 1000). Alle erscheinen im weißen Kleid der Getauften und erringen den Sieg durch das Blut des Lammes, durch den Tod Jesu, der als Sühne verstanden wird. Als Sühne, die uns erlöst, befreit und zu neuem Leben berufen hat. Ihm verdanken alle, wir alle, unsere Rettung.
Nach einer einleitenden Vision wendet sich Christus selbst an sieben Gemeinden. Es folgt der längere Hauptteil, der vom thronenden Gott inmitten seines himmlischen Hofstaates spricht. Als Hauptthema sind die kommende Herrlichkeit und der Triumph Gottes anzusehen. Der endgültige und letztgültige Sieg Gottes hat bereits mit der Auferstehung Jesu begonnen.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz