Lesung aus dem Buch Jesus Sirach:
Die Weisheit lobt sich selbst
und inmitten ihres Volkes rühmt sie sich.
In der Versammlung des Höchsten öffnet sie ihren Mund
und in Gegenwart seiner Macht rühmt sie sich:
Der Schöpfer des Alls gebot mir,
der mich schuf, ließ mein Zelt einen Ruheplatz finden.
Er sagte: In Jakob schlag dein Zelt auf
und in Israel sei dein Erbteil!
Vor der Ewigkeit, von Anfang an, hat er mich erschaffen
und bis in Ewigkeit vergehe ich nicht.
Im heiligen Zelt diente ich vor ihm,
so wurde ich auf dem Zion fest eingesetzt.
In der Stadt, die er ebenso geliebt hat,
ließ er mich Ruhe finden,
in Jerusalem ist mein Machtbereich,
ich schlug Wurzeln in einem ruhmreichen Volk,
im Anteil des Herrn, seines Erbteils.
Lesung aus dem Buch Jesus Sirach:
Die Weisheit lobt sich selbst
und inmitten ihres Volkes rühmt sie sich.
In der Versammlung des Höchsten öffnet sie ihren Mund
und in Gegenwart seiner Macht rühmt sie sich:
Ich ging aus dem Mund des Höchsten hervor
und wie Nebel umhüllte ich die Erde.
Ich schlug in den Höhen mein Zelt auf
und mein Thron stand auf einer Wolkensäule.
Den Kreis des Himmels umschritt ich allein
und in der Tiefe der Abgründe ging ich umher.
Auf den Wogen des Meeres
und auf der ganzen Erde,
in jedem Volk
und in jeder Nation hatte ich Besitz.
Bei all diesen suchte ich Ruhe
und in wessen Erbteil ich verweilen kann.
Da gebot mir der Schöpfer des Alls,
der mich schuf, ließ mein Zelt einen Ruheplatz finden.
Er sagte: In Jakob schlag dein Zelt auf
und in Israel sei dein Erbteil!
Vor der Ewigkeit, von Anfang an, hat er mich erschaffen
und bis in Ewigkeit vergehe ich nicht.
Im heiligen Zelt diente ich vor ihm,
so wurde ich auf dem Zion fest eingesetzt.
In der Stadt, die er ebenso geliebt hat,
ließ er mich Ruhe finden,
in Jerusalem ist mein Machtbereich,
ich schlug Wurzeln in einem ruhmreichen Volk,
im Anteil des Herrn, seines Erbteils.
Kv: Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. - Kv
Oder: Halleluja
Oder: GL 255
Jerusalem, rühme den HERRN! *
Zion, lobe deinen Gott!
Denn er hat die Riegel deiner Tore festgemacht, *
die Kinder in deiner Mitte gesegnet. - Kv
Er verschafft deinen Grenzen Frieden, *
er sättigt dich mit bestem Weizen.
Er sendet seinen Spruch zur Erde, *
in Eile läuft sein Wort dahin. - Kv
Er verkündet Jakob sein Wort, *
Israel seine Gesetze und seine Entscheide.
An keinem anderen Volk hat er so gehandelt, *
sie kennen sein Recht nicht. - Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Ephesus.
Gepriesen sei Gott,
der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.
Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet
durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.
Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Grundlegung der Welt,
damit wir heilig und untadelig leben vor ihm.
Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt,
seine Söhne zu werden durch Jesus Christus
und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen,
zum Lob seiner herrlichen Gnade.
Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn.
Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken,
wenn ich in meinen Gebeten an euch denke;
denn ich habe von eurem Glauben an Jesus, den Herrn,
und von eurer Liebe zu allen Heiligen gehört.
Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn,
der Vater der Herrlichkeit,
gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung,
damit ihr ihn erkennt.
Er erleuchte die Augen eures Herzens,
damit ihr versteht,
zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid,
welchen Reichtum
die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt.
Die zweite Lesung stammt aus dem Anfang des Briefes an die Epheser, wo der Verfasser sich in Form eines Dank- und Fürbittgebetes an die Christen in Ephesus wendet. Er will sie daran erinnern, dass sie von Anfang an von Gott erwählt wurden und schon jetzt unter Gottes Segen stehen. Diese Gewissheit ist den Christen durch den Heiligen Geist geschenkt. Er lehrt sie die Erkenntnis, dass sie als Kirche Christi Leib sind und deshalb untrennbar mit Christus verbunden. Der Geist ist das Siegel der Liebe Gottes und damit unserer Erlösung.
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Ephesus.
Gepriesen sei Gott,
der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.
Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet
durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.
Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Grundlegung der Welt,
damit wir heilig und untadelig leben vor ihm.
Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt,
seine Söhne zu werden durch Jesus Christus
und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen,
zum Lob seiner herrlichen Gnade.
Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn.
In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut,
die Vergebung der Sünden
nach dem Reichtum seiner Gnade.
Durch sie hat er uns reich beschenkt,
in aller Weisheit und Einsicht,
er hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan,
wie er es gnädig im Voraus bestimmt hat in ihm.
Er hat beschlossen,
die Fülle der Zeiten heraufzuführen,
das All in Christus als dem Haupt zusammenzufassen,
was im Himmel und auf Erden ist, in ihm.
In ihm sind wir auch als Erben vorherbestimmt
nach dem Plan dessen, der alles so bewirkt,
wie er es in seinem Willen beschließt;
wir sind zum Lob seiner Herrlichkeit bestimmt,
die wir schon früher in Christus gehofft haben.
In ihm habt auch ihr das Wort der Wahrheit gehört,
das Evangelium von eurer Rettung;
in ihm habt ihr das Siegel
des verheißenen Heiligen Geistes empfangen,
als ihr zum Glauben kamt.
Der Geist ist der erste Anteil unseres Erbes,
hin zur Erlösung,
durch die ihr Gottes Eigentum werdet,
zum Lob seiner Herrlichkeit.
Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken,
wenn ich in meinen Gebeten an euch denke;
denn ich habe von eurem Glauben an Jesus, den Herrn,
und von eurer Liebe zu allen Heiligen gehört.
Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn,
der Vater der Herrlichkeit,
gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung,
damit ihr ihn erkennt.
Er erleuchte die Augen eures Herzens,
damit ihr versteht,
zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid,
welchen Reichtum
die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt.
am 2. Sonntag der Weihnachtszeit
vgl. 1 Tim 3,16
Halleluja. Halleluja.
Christus, offenbart im Fleisch, verkündet unter den Heiden,
Christus, geglaubt in der Welt: Ehre sei dir!
Halleluja.
Das fleischgewordene Wort Gottes ist als Licht in die Welt gekommen. In einer dunklen Zeit brauchen wir es. Dieses wahre Licht kann nur mit den Augen des Herzens gut gesehen werden.
Hell sind unsere Tage nicht gerade. Es wird nicht nur früh dunkel – die Nachrichten des Tages geben uns den Rest. Ob die Augen des Herzens, von denen im Brief an die Gemeinde zu Ephesus die Rede ist, erleuchtet werden können? Ein Schüler des Apostel Paulus hat dieses schöne Bild gefunden. Nur: können die Augen des Herzens mehr sehen als die beiden Augen, die so keck in die Welt schauen? In denen wir so vieles lesen können? In denen sich Menschen sogar verlieren (und verlieben) können?
Aber die Augen des Herzens sind wohl ein Geschenk. Für die, die von Gott erwählt, geliebt und gesegnet sind. Wir sollen sehen können, zu welcher Hoffnung wir berufen sind, welcher Reichtum uns zuteil wird, welcher Geist unter uns waltet. Eine ganz eigene Welt tut sich auf, in der nicht nur die Liebe alles zählt und wiegt, sondern Gottes Lob in allen Dingen liegt. Wie sagte der Kleine Prinz? „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“
Den Briefschreiber würde ich gerne kennen, aber er hat es vorgezogen, sich hinter einem großen Namen zu verstecken. Aber auch so ist es eine lichtvolle Geschichte: Gott hat uns aus Liebe, vor aller Zeit schon, ohne unser Zutun, als seine Söhne und Töchter, als seine Kinder bestimmt – und eben auch als Erben.
Die Augen des Herzens! Sie sehen tatsächlich mehr als das, was vor Augen ist. Sie sehen Gott. Hell sind unsere Tage nicht gerade. Es wird nicht nur früh dunkel – uns kommt die Hoffnung abhanden. Doch mitten drin: Gott.
Probieren wir doch einmal, mit den Augen des Herzens zu sehen! Was sehen wir? Wir sehen – ein Wort. Nein, das Wort. Kann man ein Wort sehen? Doch, wenn das Wort Fleisch wird, kann man es sehen. Sie schauen ein wenig ratlos? Die Formulierung ist von Johannes. Er hat sie an den Anfang des Evangeliums gestellt:
Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt
und wir haben seine Herrlichkeit geschaut,
die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit.
Ein wundersamer, überraschender Anfang! Mit dem Wort ist Gott selbst gemeint. Philosophen aller Couleur haben sich schon darüber den Kopf zerbrochen. Gott – Wort? Die Bücher, die darüber geschrieben wurden, brauchen eine eigene Bibliothek. Regale, die nicht in Metern, sondern in Kilometern zu messen wären. Mit einem Wort: Gott passt in keinen Raum. Aber: er wird Fleisch. In Liedern ist davon die Rede, dass sich das ewige Gut verkleidet, aber davon ist hier nicht die Rede. Fleisch ist übrigens vergänglich, hinfällig. Alles Fleisch ist wie Gras, heißt es beim Propheten Jesaja – geht der heiße Wind darüber, ist es nicht mehr da. Verdorrt, verbrannt, verloren. Dass Gott sich so zeigt, hat weniger Staunen, aber umso mehr Befremden ausgelöst: Der Ewige – Fleisch? Die Kirchenväter haben darüber lange Streitgespräche geführt, Konzilien um Formulierungen gerungen und Gelehrte fast den Verstand verloren. Aber es ist das Geheimnis Gottes: ein Mensch. Ganz. Und doch: Gott. Ganz.
Was sehen wir noch? Wir sehen es hell werden. Nein, wir sehen die Herrlichkeit Gottes.
Wir sehen sie – niedrig geworden, klein gemacht, am Kreuz hängen. Aber es liegt jetzt ein Glanz über uns. Es ist der Glanz einer Liebe, der sich von Finsternis nicht verdrängen lässt. Während die Finsternis alles frisst – meine Hoffnung auch – leuchtet das Licht in der Finsternis. Und die Finsternis ist nicht mehr Finsternis! Sie hat ihren Meister gefunden!
Johannes sieht, wie Menschen die Finsternis nicht nur fürchten, sondern sie für ihre Zwecke einsetzen, gar missbrauchen. Diese Menschen können das Licht nicht annehmen, mehr noch: sie fürchten sich vor nichts so sehr wie vor dem Licht. Halten sie es nicht aus, entlarvt zu werden? Fürchten sie sich, nackt da zu stehen? Glauben sie, nur mit Hass und Angst ihre Welt im Griff zu haben? Aber wieviel Finsternis braucht man, um das Licht unsichtbar zu machen – und wie wenig Licht braucht man, um die Finsternis hell werden zu lassen?
Wer das Wort, Jesus, aufnimmt, dem ist die Macht gegeben, Kind Gottes zu sein – und ein Licht zu sein.
Nur die Augen des Herzens werden das schauen können!
In seiner großen Vorrede zum Evangelium lässt uns Johannes schauen, wo Gott wohnt. Seine Anschrift, sozusagen. Aber es ist kein festes Haus, in das er sich zurückgezogen hätte. Es gibt auch keine Tür, keine Fenster, keine Klingel. Es ist ein – Zelt. Unbefestigt. Beweglich. Den Stürmen ausgesetzt. Wie die Flüchtlingszelte auf Lesbos. Da haust Gott. Da ist er zu Hause. Er sieht, wie die Ratten Kinder beißen. Er sieht, wie der Schlamm sich in die Matratzen frisst. Er sieht, wie Menschen sterben und entsorgt werden. Er sieht… Er ist mitten drin. Was Johannes wohl dabei dachte, als er das so aufschrieb:
Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gezeltet.
Oft denke ich, oft gefällt mir die Vorstellung, Gott wäre im Himmel. Das würde zu ihm passen. Zu seiner Weite und Größe. Voller Sterne. Unendlich. Doch, wenn er Mensch ist, bleibt ihm nur das Zelt. Immer unterwegs. Immer unter Menschen. Doch, wenn er Fleisch ist, eitern seine Wunden. Er braucht Hilfe. Er braucht Barmherzigkeit. Ob ich ihn da suche? Verschämt schaue ich weg. Alles, was ich von Gott denke – hat er längst hinter sich zurückgelassen. Ich schaue Jesus an. Ihm eilt der Ruf – und das Vertrauen – voraus, dass er der Anführer und Vollender des Glaubens ist. Seine Herrlichkeit finde ich nur in der Liebe.
Nur die Augen des Herzens werden das schauen können!
Heute, am Anfang eines neuen Jahres, wünschen wir uns Augen des Herzens! Wir erbitten einen neuen Blick darauf, aus den Fängen der Pandemie befreit zu sein, unbefangen zu leben und einander nahe kommen zu können.
Vielleicht übersehen wir in dieser so verständlichen Hoffnung, dass schon vor Corona die Finsternis grassierte. Klimaveränderungen, an denen wir Menschen nicht unschuldig sind, bringen weltweit große Not! Die soziale Ungleichheit taucht nicht nur in Statistiken auf, sondern auf der Straße! Viele Menschen hausen unter menschenunwürdigen Bedingungen in Zelten, in die kein Camper zieht!
Hell sind unsere Tage nicht gerade. Es wird nicht nur früh dunkel – die Nachrichten des Tages geben uns den Rest. Ob die Augen des Herzens, von denen im Brief an die Gemeinde zu Ephesus die Rede ist, erleuchtet werden können? Ob wir das Licht sehen? Ob wir zu Licht werden?
Gepriesen sei Gott,
der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.
Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet
durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Weihnachten ist ein Fest der Nähe Gottes. Wie können wir einander diese Nähe spüren lassen, wenn wir einander nicht nahekommen dürfen? Die Coronabeschränkungen haben viele neue Wege und Ausdrucksformen finden lassen. Auch im Bereich des Glaubens gilt es Neues zu probieren, um unsere Freude über das Nahesein Gottes zu zeigen und einander spüren zu lassen.
Wir feiern in diesem Jahr Weihnachten, wie wir es noch nie gefeiert haben. Zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus müssen wir eine Reihe von Regeln einhalten, die unsere Feierstimmung beeinträchtigen. Die Gesichtsmasken passten eher in den Fasching, es fehlt nur noch die bunte Bemalung. Wir sind angehalten, zu allen Personen, mit denen wir nicht im selben Haushalt leben, einen Babyelefanten weit Distanz zu wahren. Kein Händeschütteln, kein Umarmen, keine körperliche Nähe, kein gemeinsames Singen, auch auf den Chor müssen wir verzichten.
Warum ist uns körperliche Nähe so wichtig? Weil wir aus Fleisch und Blut sind! Menschen aus Fleisch und Blut wollen jene, die sie liebhaben, umarmen, manche auch liebkosen, ihre körperliche Nähe spüren. Dies tut uns gut und ist wichtig für unser emotionales Wohlbefinden.
Im Weihnachtsevangelium des Evangelisten Johannes haben wir den großartigen Hymnus von der Fleischwerdung Gottes gehört. Niemand weiß, wie Gott ist. Es fehlen uns die Worte ihn treffend zu beschreiben. Wir können nur erahnen, dass er der Inbegriff der Weisheit und der Liebe sein muss, aus dem die ganze Schöpfung hervorgegangen ist. Johannes fasst das Wesen Gottes mit dem griechischen Wort Logos zusammen. In unserer Sprache brauchen wir mehrere Wörter, um dieses Wort ausreichend zu übersetzen: Logos bedeutet Weisheit, Wort, Geist, Sinn und beinhaltet alle positiven geistigen Kräfte. In Jesus von Nazareth, so die Botschaft des Evangelisten, hat diese geballte Kraft Gottes menschliche Gestalt angenommen: "Und das Wort, der Logos, ist Fleisch geworden" lautet seine Zusammenfassung des Weihnachtsgeheimnisses.
Am Menschen Jesus von Nazareth sehen wir, wie Gott ist, wie wir uns Gott vorstellen können. In ihm ist Gott den Menschen nahegekommen, ist Gott sichtbar, berührbar und angreifbar geworden. Jesus hat sich berühren und umarmen lassen. Er hat Menschen berührt und umarmt. Diese Erfahrung haben Menschen, die mit Jesus in Berührung gekommen sind, als ein von Gott Berührtwerden erlebt. Diese Erfahrung hat sie geheilt, versöhnt, wieder ganz werden lassen, sie zu Menschen werden lassen, ihnen die verlorene Menschenwürde zurückgegeben.
Es fällt uns schwer, an diesem Weihnachtsfest auf viele Ausdrucksformen der Nähe und des Wohlwollens zu verzichten. Wenn wir vorübergehend unser diesbezügliches Repertoire einschränken müssen, ist es umso wichtiger, einander unser gegenseitiges Wohlwollen auf andere Weisen zu zeigen und spüren zu lassen: wenn wir z.B. Kindern zulächeln und ihnen signalisieren, dass sie in dieser Welt willkommen sind; wenn wir uns von der Not von Menschen, die es aus irgendeinem Grund schwer haben, berühren lassen; wenn wir alten Menschen Zeit und Aufmerksamkeit schenken…
Dieses Wohlwollen gilt es auch in unserem politischen Engagement für eine gerechtere Welt zu zeigen, für gesunde Lebensbedingungen aller Menschen, auch wenn dieses Umdenken uns Einschränkungen und Verzicht abverlangt.
Das Krisenjahr 2020 hat uns viel Verzicht abverlangt und uns viele Einschränkungen auferlegt. Vieles ist und war zum Jammern. Manches Mal hatte ich den Eindruck, dass in den Medien verschiedene Interessensgruppen um die Wette gejammert haben. Es wurde aber nicht nur gejammert. Es ist auch viel Neues entstanden. Es wurden viele positive Kräfte geweckt: Solidaritätsbekundungen, Zuversicht im Sinne "gemeinsam schaffen wir das!", aber auch Humor. Noch nie hat in den sozialen Medien der Witz und Schmäh so geblüht wie in den vergangenen Monaten.
Auch als Gläubige konnten und können wir viele gewohnte Ausdrucksformen unseres Glaubens nicht vollziehen. Die Not hat aber im religiösen Bereich viele Menschen neue Wege finden lassen, wie wir das Geheimnis des Glaubens, wie wir die Liebe und das Wohlwollen Gottes in unserer Welt aufs Neue sichtbar und spürbar machen können.
Ein jeder von uns ist gefordert, die Frohe Weihnachtsbotschaft von der Nähe und dem Wohlwollen Gottes in seine Welt hineinzutragen. Wünschen wir einander nicht nur mit Worten sondern auch mit Blicken und anderen Zeichen des Wohlwollens ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest. Wenn wir so unsere Zuversicht miteinander teilen, schenken wir Weihnachtsfreude und können wir so ein wenig vom Geheimnis der fleischgewordenen Liebe Gottes einander spüren lassen.
Das Weihnachtsgeheimnis ist unerschöpflich. Der Evangelist Johannes fasst diese Frohe Botschaft im Prolog zu seinem Evangelium zusammen. Er gibt darin unserem Staunen nicht nur Worte, sondern fordert uns auch auf, als Kinder Gottes die Liebe Gottes anzunehmen und weiterzuschenken.
In der "guten alten Zeit" haben die Redemptoristen an jedem 24. Eines Monats das Geheimnis der Menschwerdung in besonderer Weise meditiert und gefeiert. Das führte manches Mal zu grotesken Situationen, wenn etwa Novizen mitten im Sommer Weihnachtslieder gesungen haben.
Unser Ordensgründer Alfons Maria von Liguori war von der Menschwerdung Gottes, von der Inkarnation, so fasziniert, dass sie seine Spiritualität nachhaltig prägte. Auch die Eucharistie verstand er von der Inkarnation, der Menschwerdung Gottes her. Jesus wollte auch nach seinem Tod mit Fleisch und Blut unter den Menschen gegenwärtig sein. In der Anbetung und Verehrung des eucharistischen Brotes verneigte er sich vor der Liebe Gottes, die im Vollzug der Eucharistie so weit geht, dass sie in uns Fleisch werden will.
Am zweiten Sonntag nach Weihnachten lesen wir noch einmal den Beginn des Johannesevangeliums, den sog. Prolog, in dem der Evangelist sein ganzes Evangelium zusammenfasst. Das Wort, der Logos, die Weisheit und der Geist Gottes sind in Jesus Mensch geworden. Fleisch, handfest und konkret.
Dieses Evangelium lässt uns nicht nur staunen und nach Worten ringen, wie wir das ausdrücken können, sondern stellt an uns auch die Frage: Welche Konsequenzen ziehen wir aus diesem Sichtbarwerden der Liebe Gottes? Johannes beschreibt es als Inbegriff des Lebens und als Licht, das die Finsternis überwindet. Alle, die Jesus aufnehmen, werden bevollmächtigt, Kinder Gottes, göttlich, zu werden. Es liegt an uns, diese Welle göttlichen Lebens und Lichts in uns aufzunehmen und in die Welt hineinwirken zu lassen.
Wie können wir heute verstehen, was Johannes mit den Begriffen »Licht« und »Leben« zum Ausdruck bringen will?
"Die Kraft positiven Denkens" lautete ein viel beachteter Buchtitel des Autors Norman Vinzent Peale. Er zeigt darin, wie »positives Denken« das Leben eines Menschen verändern kann. Wird es lediglich als psychologische Selbstmanipulation angewandt, ist es nicht mehr als ein fragwürdiger Psychotrick. Was aber, wenn dieses positive Denken einen tieferen Grund in einer gläubigen, die Welt und das Leben bejahenden Weltsicht hat?
Wer das Leben und die Schöpfung als das Werk eines liebenden Gottes versteht und daran glauben kann, dass diese Liebe auch das Negative und Dunkle, das uns im Leben und in der Welt begegnet, überwinden kann, wird diesen Glauben als reiche Kraftquelle erfahren. Wer diese positive Weltsicht teilen kann, wird auch bereit, sich für die Entfaltung des Lebens einzusetzen.
Zu Weihnachten haben wir uns beschenken lassen. In den Geschenken haben wir uns gegenseitig unser Wohlwollen ausgedrückt. Zuvor schon sind wir von Gott reich mit seinem Wohlwollen beschenkt worden. Liebe entfaltet sich im Empfangen und im Geben. Wie Kinder durch die Liebe, die sie empfangen, lernen, was Liebe bedeutet, und selbst in der Liebe wachsen und fähig werden zu lieben, so lernen wir als Kinder Gottes aus der Liebe Gottes und werden wir befähigt, die Liebe Gottes weiterzugeben.
Dies kommt in vielen Weihnachtsliedern wie z.B. "Ich steh an deiner Krippe hier" von Paul Gerhardt zum Ausdruck. Wie die Hirten und die Sterndeuter stehen wir staunend vor dem Geheimnis der Liebe Gottes und nehmen sie in uns auf. Dies können wir nicht zu oft einüben. Wir sind jedoch nicht nur eingeladen, sie mit nach Hause zu nehmen, sondern wir sind auch berufen, sie fruchtbar zu machen und weiterzuschenken.
Während Matthäus und Lukas in Erzählungen über die Geburt Jesu dessen Bedeutung für die Menschen zum Ausdruck bringen, ordnet Johannes in seinem Prolog zum Evangelium sein Leben in kosmische Dimensionen ein.
Zum Jahreswechsel haben die Zeitungs- und Fernsehkommentatoren Hochsaison. Jahresrückblicke und -vorschauen fordern sie heraus, die vergangenen Ereignisse zu bewerten und in größere Zusammenhänge einzuordnen. Was noch vor wenigen Wochen als historisches Jahrhundertereignis gefeiert und medial ausgeschlachtet wurde, wird nun plötzlich nur mehr am Rand erwähnt. Die tägliche Berichterstattung ist häufig versucht, ein Geschehen als Jahrhundertereignis herauszustreichen, um damit die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erreichen. Was wirklich für die größeren Geschichtszusammenhänge bedeutsam ist, wird sich erst im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte herausstellen.
Die Evangelisten, die über die Geburt Jesu berichten, bemühen sich auch, das Auftreten Jesu in den großen Geschichtszusammenhängen zu verorten. Matthäus stellt einen Stammbaum Jesu vor (Mt 1,1-17), der bei Abraham, dem Stammvater Israels beginnt und über den König David bis Jesus von Nazareth keinen großen Namen der Geschichte Israels auslässt. Lukas bringt auch einen Stammbaum Jesu (Lk 3,23-38) und verfolgt die Abstammung Jesu zurück bis auf Adam, den ersten Menschen. Johannes holt noch einmal weiter aus und beginnt sein Evangelium mit den Worten "Im Anfang war das Wort..." Er lässt seine Geschichte also noch vor der Menschheitsgeschichte, sogar vor aller Schöpfung beginnen. Jeder der drei verfolgt dabei ein anderes theologisches Interesse. Während Matthäus die Bedeutung Jesu für die Geschichte Israels, also für die Geschichte des Gottesvolkes betont, geht es Lukas um die Bedeutung Jesu für die ganze Menschheit.
Für Johannes ist Jesus, seine Geburt und das, was er ausgelöst hat, Mittelpunkt des ganzen Universums. Auf ihn hin ist alles geschaffen. Er ist gleichsam der Schlüssel, wenn man den Sinn all dessen, was existiert, erfassen will.
Dabei geht es ihm nicht nur um eine zeitliche Einordnung in den Lauf der Geschichte. Er zieht auch alle Register, um die qualitative Einzigartigkeit Jesu zu beschreiben. Während sich Matthäus und Lukas bemühen, Jesus als den erwarteten Messias, bzw. als den Retter der Menschen vorzustellen, verwendet Johannes Begriffe wie »Wort«, »Sinn«, »Licht«, »Leben«. Sein Text ist so dicht, dass man ihn nicht oft genug lesen kann, um zu erahnen, wer da in der Person Jesu in die Welt getreten ist.
So genial Johannes die Bedeutung Jesu für den ganzen Kosmos, die gesamte Schöpfung und für das gesamte menschliche Dasein zusammenfasst, so sehr ist ihm auch daran gelegen, die Menschwerdung Jesu als Schlüssel für die persönliche Existenz jedes einzelnen Gläubigen herauszuarbeiten: "Und das Wort ist Fleisch geworden" (Joh 1,14). Damit wird die von vielen Menschen am eigenen Leib erfahrene und als Gegensatz empfundene Spannung zwischen Geist und Leib aufgehoben, bzw. versöhnt. Auch der Gegensatz von Himmel und Erde wird überwunden: "Allen die ihn aufnahmen, gab er die Macht, Kinder Gottes zu werden." (Joh 1,12). Nicht nur "Gott ist im Fleische", wie es ein einem Liedtext heißt, sondern auch wir sind als Kinder Gottes in Gott.
In der Liturgie des zweiten Sonntags der Weihnachtszeit klingt all das Große, das wir im Weihnachtsfest begehen, nach. Über dieses großartige Ereignis können wir nur staunen, Gott danken und anbetend vor dem Geheimnis seiner Menschwerdung verharren.
Der Johannesprolog ist ein zentraler Text des Johannesevangeliums. Mit dem Kind in der Krippe ist Sinn, Licht und Fülle in unser Leben gekommen.
Am 2. Sonntag nach Weihnachten hören wir als Evangelium nochmals den Anfang des Johannesevangeliums, den sog. Prolog. Den Älteren unter Ihnen ist dieser Text ja vielleicht noch als "Schlussevangelium" in lateinischer Sprache nach der alten Liturgie vor dem Konzil bekannt. Da wurde er am Ende jeder Messfeier gelesen. Es muss schon ein sehr wichtiger Text sein, wenn er damals praktisch täglich und heute auch noch zweimal hintereinander in der Weihnachtsliturgie vorkommt. In diesen ersten Worten seines Evangeliums hat der Evangelist Teile eines bereits in der Tradition früher vorkommenden Textes hineinverarbeitet. Leicht zu interpretieren sind diese Zeilen aber nicht. Ein Exeget schrieb darüber vor mehr als 100 Jahren (H. J. Holtzmann): „Überhaupt zeigt jeder Blick in die Commentare, dass die Exegese des Prologs sich jeher der Methode des Rathens bediente“. Deshalb will ich - ohne Anspruch auf eine vollständige Auslegung - nur einzelne Verse herausgreifen, die mir den Sinn von Weihnachten etwas mehr erhellen.
Der Text beginnt mit „Am Anfang“ und erinnert sofort an den Beginn der ganzen Bibel, an die Schöpfungsgeschichte in Gen 1; dort heißt es „Im Anfang“. In beiden Texten spielt das Wort die bedeutende Rolle. Das griechische »λογος« (logos) wird mit »Wort«, aber auch mit »Sinn« übersetzt. Den Sinn des eigenen Lebens entdecken und leben zu können, ist für den Einzelnen im Leben wichtiger als Macht, Reichtum und Anerkennung zu finden. Dieses Wort, von dem wir in der heutigen Perikope hören, vermittelt Leben, indem es uns Orientierung gibt.
In Joh 1, 4 heißt es: „In ihm war das Leben und das Leben war das Licht des Menschen.“ Damit ist nicht das natürliche Licht der Vernunft gemeint, das der Mensch im Gegensatz zum Tier besitzt. Dieses Licht, das unser ganzes Leben erhellt, ist an das »Wort« gebunden, das Fleisch geworden ist: an Jesus Christus. Er hat uns in einer für uns verständlichen Form vorgelebt, was es heißt, den Sinn des eigenen Lebens zu erkennen und das zu leben, was nur jeder Einzelne für sich leben kann. Er ist für uns das Wort geworden, in dem Gott sich für uns vernehmbar macht.
Indem er Fleisch angenommen hat, also sich den Gesetzen des Menschseins unterworfen hat, ist er zum Mittler zwischen dem Schöpfer und den Geschöpfen geworden. Und so kann uns der Evangelist einige Kapitel später auch das Jesuswort übermitteln: „Ich bin das Licht der Welt“. Er ist das innere Licht, das jeder, der an ihn glaubt, in sich trägt.
Wenn in einem total finsteren Raum auch nur eine Kerze angezündet wird, dann hat sie die Finsternis zunichte gemacht. Es kann nicht mehr finster sein, wenn auch nur ein schwaches Licht brennt. Licht löscht Finsternis aus. Mit dem Kind in der Krippe ist Licht in die Finsternis dieser Welt gekommen. Jesus Christus war nicht nur in seiner Lebenszeit vor 2000 Jahren präsent in dieser Welt, sondern jeder, der ihn aufnimmt, wird zum Kind seines Vaters und bringt wie er selbst durch sein auf Gott und seinen Nächsten bezogenes Verhalten Licht in die Finsternis dieser Welt. Mit dem Glauben an ihn ist zwischenmenschliches Handeln verbunden und die gelebte Hoffnung, dass der eigene Weg nicht ins Leere führt sondern ein Ziel hat, das für jeden von uns erreichbar ist. In jedem von uns, der ihn aufnimmt, brennt dieses Licht weiter: für ihn selbst und für die, die ihm auf seinem Lebensweg mitgegeben sind.
Das ist mehr als nur ein rein humanistisches Handeln, das die Fähigkeit des Menschen im Blickfeld hat, zu einer besseren Lebensform zu finden. Vielmehr ist ein Mensch, der sich dieses inneren Lichts und dessen Herkunft von Gott bewusst ist, ein religiöser Mensch. Religion kommt vom lateinischen relegere - gewissenhaft berücksichtigen - oder von religare, zurückbinden. In beiden Interpretationen geht es darum, dass sich der Mensch bewusst ist, dass er einem höheren Sein verpflichtet ist. Wie es der Johannesprolog ausdrückt: dem „wahren Licht, das jeden Menschen erleuchtet“. Dieses Licht feiern wir im fleischgewordenen Kind in der Krippe zu Weihnachten. Er hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen.
Die moderne Hirnforschung meint zu wissen, dass der Mensch als „Füllewesen“ auf die Welt kommt. Angeblich sind bereits bei der Geburt 98 % unseres gesamten menschlichen Potenzials in uns angelegt. Nur, je älter wir werden umso mehr verkommt dieses ursprünglich Angelegte in uns. Der Glaube an das uns geschenkte göttliche Kind, das Licht, das wir in uns tragen, kann uns helfen, unsere Talente zu leben, zu Gebenden zu werden, immer wieder aus dem Gewohnten herauszufinden, uns wandeln zu lassen, uns immer wieder auf Neues einzulassen.
Dieser Blick nach innen, auf unser inneres Licht, kann allem Leid, dem wir als Menschen ausgesetzt sind, durch Sinnerfahrung und Reife eine Wendung geben. Psychologen sprechen heute von Resilienz. Sie bezeichnen damit die Fähigkeit, die ein Mensch entwickeln kann und die ihm hilft, an schwierigen und schwierigsten Situationen in seinem Leben nicht zu verzweifeln. So kann Lebensfreude entstehen trotz Schmerz und Leid. Die Erfahrung des Sinns in allem, was uns begegnet, erspart uns die ständige mühsame Beurteilung, ob das oder jenes, was uns gerade widerfährt, ein Unglück oder Segen für uns bedeutet. Der Blick auf unser inneres Licht befreit uns zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes und hilft uns in hoffnungsvoller Erwartung zu leben.
Das ist die Botschaft von Weihnachten. Paul Gerhardt hat das in der 2. Strophe des Weihnachtsliedes „Ich steh an deiner Krippe hier“ sehr berührend ausgedrückt:
Da ich noch nicht geboren war,
da bist du mir geboren
und hast mich dir zu eigen gar,
eh ich dich kannt, erkoren.
Eh ich durch deine Hand gemacht,
da hast du schon bei dir gedacht,
wie du mein wolltest werden.
»Wem gehört die Welt?« beginnen sich immer mehr Menschen zu fragen. Früher schien das selbstverständlich zu sein. Die Herrscher verstanden sich eingesetzt von Gottes Gnade und ließen daran nach ihrem Gutdünken andere teilhaben, indem sie Ländereien als Lehen – sozusagen als Leihgabe – weiter gaben. Die Krönung des Kaisers durch den Papst unterstrich das noch und ließ keine Zweifel aufkommen, dass es auch anders sein könnte.
Auch Demokratien, in denen die Macht vom Volk ausging, verstanden sich häufig in einem religiösen Kontext, der oft auch in der Verfassung verankert war. Immer öfter wird der religiöse Bezug aus Verfassungstexten entfernt, weil es in pluralen Gesellschaften kaum mehr möglich ist, diesbezüglich einen Konsens herzustellen, ganz zu schweigen von Staaten, die sich atheistisch verstehen.
Um sich nicht plötzlich in einem rechtsfreien Raum vorzufinden, haben sich die meisten Organisationen einen rechtlichen Rahmen gegeben, der ihnen ermöglich, ihre Besitzansprüche zu begründen und wahrzunehmen.
Es bleibt aber die Frage: »Wem gehört die Welt?« Gibt es nicht Gemeingüter, die niemand für sich allein beanspruchen kann? Die Ressourcen der Natur, die Atmosphäre, die »Gemeingüter des Geistes«, die kreativen Hervorbringungen vergangener Generationen, wem gehören sie? Gehören sie allen? Wer darf sie wie nutzen? Dürfen Besitzende mit ihrem Besitz tun, was sie wollen? Wer kann ihnen mit welchem Recht Grenzen setzen?
Im Weihnachtsevangelium des Johannes, dem großen Prolog zum vierten Evangelium, haben wir heute gelesen: "Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf." Und: "Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht."
Der Evangelist stellt eine Verbindung her zwischen dem Schöpfer, der am Anfang aller Zeit alles, was da ist, hervor gebracht hat, und dem Auftreten des Messias mitten in der Weltgeschichte. Für ihn ist klar, wem die Welt gehört: Dem, der sie geschaffen hat. Aber damit tritt der Messias in Konkurrenz mit allen, die sich als rechtmäßige Besitzer dieser Welt fühlen. Damit wäre auch das Misstrauen all jener erklärt, die dem Messias mit Argwohn gegenüberstehen wie der biblische König Herodes; stellvertretend für alle, die mit allen Mitteln ihre Macht- und Besitzansprüche verteidigen.
Aber Gott sei Dank geht es der Lichtgestalt des Johannes nicht um den Herrschafts- und Besitzanspruch über diese Welt. Dies würde früher oder später zu einem Gottesstaat führen und ist oft genug in diesem Sinne missverstanden worden. Einen solchen mögen zur Zeit Jesu einige jüdische Gruppierungen vom kommenden Messias erwartet haben. Von der Idee eines Gottesstaates sind wir im Laufe der Geschichte hoffentlich ausreichend geheilt worden. Wohin dies führen kann, zeigt sich immer wieder, wenn eine Religion oder eine Ideologie das letzte Wort für sich beansprucht.
»Das Wort«, das in Jesus Christus in diese Welt gekommen ist, erhebt einen anderen Anspruch. Es wirkt auf geistige Weise und erweist sich immer neu als wahr. Jesus sucht die Begegnung mit Menschen auf Augenhöhe und will von diesen aufgenommen werden. Wie er diese Begegnung mit den Bewohnern der Erde gestaltet, davon hören wir in den folgenden Kapiteln des Johannesevangeliums. Jesus wirkt durch seinen Geist. Er ist selbst der Fleisch gewordene Geist Gottes. Er kommt nicht, um die Welt in Besitz zu nehmen, sondern um sie zu verwandeln.
Für uns ist sein Eintritt in diese Welt eine Einladung, ihm zu begegnen und ihn bei uns aufzunehmen. Bei seiner ersten Ankunft wurde er zunächst abgelehnt, hinaus geworfen und vor der Stadt hingerichtet. Wie weit er bei uns Aufnahme findet, muss sich immer neu herausstellen.
Kind Gottes zu sein bedeutet, von der Art Gottes zu sein. Als Kinder Gottes stehen wir in seiner Gnade und haben wir Anteil an seinem Geist. Als Kinder Gottes sind wir dazu berufen, sein Werk fortzusetzen; nicht, indem wir die Welt in Besitz nehmen, sondern indem wir sie aus dem Geist des Messias heraus verwandeln. Kinder Gottes wurden wir zwar durch den sakramentalen Akt der Taufe. Diese Berufung muss aber vom jedem erst persönlich eingeholt werden, indem er oder sie sich der Begegnung mit Jesus Christus öffnet und seinen Geist annimmt. Und das liegt immer neu vor uns.
Weihnachten sind uns in den einzelnen Evangelien viele bewegende und sehr zu Herzen gehende Bilder von der Liebe Gottes zu uns vorgestellt worden: die schlichte Geburt des Sohnes Gottes, die Hirten und die Engel, der Stern, der die Weisen aus dem Morgenland führt und leitet. Im Vergleich zu diesen Bildern begegnet uns das heutige Evangelium zwar feierlich, sonst aber eher nüchtern. Johannes hat einen so ganz anderen Stil als die übrigen biblischen Berichterstatter. Der vierte Evangelist kleidet seine Darstellung vom Eintreten Jesu in unsere Welt in eine hoch theologische Sprache, die wie ein Gedicht klingt, aber nur schwer zu verstehen ist. Was will uns der Evangelist sagen?
Johannes holt weit aus. Ihm ist es wichtig, die Geburt Jesu in die gesamte Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen zu stellen. Darum beginnt er mit der Erschaffung des Universums durch Gott: Am Anfang war das Wort. Johannes möchte, dass wir im Blick auf die Geburt unseres Erlösers Jesus Christus uns daran erinnern, dass Gottes Größe nicht erst in der Menschwerdung Jesu sichtbar wird und für uns zum Tragen kommt. In Gott hat alles Seiende seinen Ursprung. Gott sprach und alles ward. Und wenn der Evangelist von »dem Wort« spricht, das aus Gott hervorging, dann sollen wir uns die Größe dieses Gottes vorstellen. Er muss nicht lange und immer wieder befehlen oder diktieren, nicht alles neu regeln, leiten und lenken. Ein einziges Wort aus seinem Munde genügt, und alles wird. Dabei ist alles, was wird, ausgestattet mit Weisheit und Klugheit, Schönheit, Pracht und Majestät, mit geheimnisvollem Leben und vielfältigem Wandel.
In diesem Wort, das am Anfang von Gott ausgeht, ist auch unser Sein bereits eingeschlossen. Keiner von uns ist zufällig auf dieser Welt. Unser Werden ist eingebettet in die Schöpfung Gottes von allem Anfang an. Nichts ist geworden ohne seinen Willen. Alles Seiende wurde und wird durch das Wort Gottes am Anfang. Dabei ist jeder von uns ein Geheimnis. Jeder hat Würde und Wert in sich, weil er aus Gott, aus Gottes Wort hervorgegangen ist. In uns steckt also Göttliches, das es zu entdecken gilt. Je mehr uns dies gelingt, je mehr wir uns des Göttlichen in uns bewusst sind und es zur Wirkung bringen, indem wir dem Wesen Jesu ähnlich werden, umso mehr und tiefer werden wir Mensch nach Gottes Plan.
Die Krönung des göttlichen Wirkens und Schaffens durch ein einziges Wort ist die Menschwerdung seines Sohnes. Er geht von Gott aus, nimmt menschliche Gestalt an, wird Fleisch von unserem Fleisch. Die Menschwerdung Jesu, so will Johannes sagen, ist nicht ein Nachtrag, ist Gott nicht erst später zusätzlich eingefallen. Nein, sie ist geplant von allem Anfang an. Gott will für uns Menschen nicht ein totales Geheimnis, ein völlig Unbekannter bleiben. Er will sich sichtbar machen für uns Menschen in seiner Liebe und uns durch die Menschwerdung seines Sohnes zeigen, welchen Wert wir für ihn haben.
Allen, die dieses Handeln Gottes erahnen und begreifen, geht ein Licht auf. Sie werden in Jesus die Mensch gewordene Liebe Gottes erkennen. Ein Strahl der Freude und des Glücks wird sie erfassen. Sie werden fähig, in den Bereich des Göttlichen einzutauchen, um Gnade und Segen zu empfangen, wodurch sie erleuchtete Kinder Gottes werden, die nicht ablehnen, was Gott zu unserem Heil tut. So empfangen sie Gnade über Gnade.
Der Evangelist Johannes lädt uns mit seinem Evangelium ein, bei der Betrachtung der Geburt Jesu nicht nur auf Christus zu schauen, sondern Gott als Ganzen in den Blick zu nehmen:
- Seine Größe und Erhabenheit,
- sein machtvolles Wirken als Schöpfer und Lenker der Geschichte,
- seinen Anteil und sein Mitwirken am Heilswerk Jesu.
Weihnachten sollen wir nach Johannes nicht nur als den Geburtstag Jesu feiern, sondern auch als den großen Gedenktag an Gott, aus dem alles Seiende hervorgeht und in dessen Gnade alles Seiende ruht. Ohne das Wort Gottes am Anfang gäbe es keine Menschwerdung Jesu. Diesen Zusammenhang sollen wir bedenken am Geburtstag Jesu zu Weihnachten, aber auch sonst, wenn wir auf Jesu Leben und Wirken schauen.
Öffnen wir uns unserem Gott und seiner Herrlichkeit, nehmen wir ihn in uns auf, damit in uns sein Licht aufleuchte in der Freude darüber, dass auch wir zu seinem Eigentum zählen, geschaffen durch sein Wort am Anfang, durch das alles wurde. Feiern wir sehr bewusst, besonders in jeder hl. Messe, die umfassende Liebe und Größe Gottes, in die wir tief eingeschlossen sind. Öffnen wir unsere Herzen diesem großen Geheimnis.
Wenn ein Kind zur Welt kommt und kein Zweifel besteht, wer der Vater ist, fragt kaum jemand, von wo das Kind herkommt. Es ist selbstverständlich ein Produkt der Natur und mancher Vater behauptet sogar, er habe es »gemacht«.
Anders ist es schon, wenn ein Mensch das Leben wieder verlässt. Am Grab eines geschätzten und geliebten Menschen können sich viele nicht einfach vorstellen: „Das war es nun“. Zumindest gläubige Menschen sind sich gewiss: Das kann nicht alles gewesen sein. Das Leben steht – so hoffen sie – in einem größeren Zusammenhang, ist mehr als ein Produkt der Natur. Es steht „etwas Höheres“ dahinter, das »Woher« und das »Wohin« des Lebens ist umfassender zu beantworten.
Wenn ein so ungewöhnlicher Mensch wie Jesus von Nazareth stirbt, suchen die Hinterbliebenen nicht nur Antworten auf das »Wohin« und den Sinn seines Lebens, sondern beginnen auch nach dem »Woher« zu fragen. Sie geben sich nicht mit rein natürlichen Erklärungen zufrieden.
So ist es wohl zu verstehen, dass die Christen der Anfangszeit sich einerseits gewiss waren, dass dieser Jesus, der zwar gekreuzigt worden ist, noch lebt und in ihren Gemeinschaften gegenwärtig ist, dass sie aber andererseits gleichzeitig begonnen haben, nach seiner eigentlichen Herkunft zu fragen.
In den Evangelien hat dieses Fragen bei Matthäus und Lukas mit den Erzählungen über seine Herkunft und seine Kindheit einen Niederschlag gefunden. Das Historische interessiert sie kaum. Sie betonen seine göttliche Herkunft und erzählen übereinstimmend vom Wirken des Heiligen Geistes. Johannes holt noch weiter aus. In der Einleitung zu seinem Evangelium stellt er sogar einen kosmischen Zusammenhang her. Dieser Jesus war bereits vor aller Schöpfung und in Jesus ist der »Logos«, »das Wort«, Fleisch geworden. Für ihn hat alles schon vor aller Zeit begonnen und es bedarf keiner weiteren Diskussion, dass er als Sohn Gottes über den irdischen Tod hinaus existiert und lebendig ist.
Diese umfassender Sichtweise des Woher und Wohin des Lebens Jesu hat nicht nur für Jesus selbst Bedeutung, sondern lässt auch unser Leben in einem ganz neuen Licht erscheinen. Auch unser Leben darf nicht nur nach der Sichtweise der Naturwissenschaften betrachtet und beschrieben werden. Es ist auf eine die natürliche Betrachtungsweise übersteigenden Sichtweise in den Blick zu nehmen. Weil Gott dem Leben von Anfang an eine viel tiefere Bedeutung gegeben hat, als wir von Natur aus beobachten können, hat auch unser Glaube eine neue Grundlage bekommen.
Die hymnische Einleitung zum Epheserbrief, die uns in der Lesung vorgetragen worden ist, faltet noch konkreter aus, was diese Sichtweise des Glaubens für uns bedeutet: Durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel sind auch wir vor der Erschaffung der Welt erwählt und geheiligt worden. Wir sind bereits im Voraus berufen, als Töchter und Söhne Gottes untadelig vor Gott zu leben und sind als Erben Gottes eingesetzt.
Es tut uns gut, unser Leben von Zeit zu Zeit aus diesem Blickwinkel des Glaubens zu betrachten und diese Sichtweise als kostbares Geschenk zu schätzen und gebührend zu feiern.
Gleichzeitig ist diese Sichtweise aber auch gut geerdet: Das Wort ist Fleisch geworden und hat sich den Gesetzen von Raum und Zeit, von Werden, Wachsen und Vergehen unterworfen. Trotz dieser himmlischen Sichtweise sind wir gefordert, in einem erdhaften natürlichen Leben unseren Mann bzw. unsere Frau zu stellen und es dem Geist Jesu entsprechend auszugestalten.
Jesus selbst hat uns ein nachhaltiges Beispiel gegeben, wie Fleisch und Geist sich wechselseitig befruchten und wie sie miteinander Menschlichkeit zur Entfaltung bringen können.
Das Projekt Menschlichkeit, Menschenwürde und Schöpfungsgerechtigkeit ist nicht mit dem irdischen Leben Jesu abgeschlossen. Als Töchter und Söhne Gottes sind wir berufen, es weiterzuführen. Im Bewusstsein, dass der Geist Gottes in uns wirkt und uns trägt und beflügelt, ist es für uns kein Sisyphosprojekt mehr und keine Herkulesaufgabe. Jeder, jede, kann in seiner menschlich begrenzten Weise dazu beitragen. Im Blick auf das Ganze hat jeder Beitrag eines Einzelnen seinen Wert, und sei er noch so klein und ohnmächtig.
Für viele sind die Tage um Weihnachten eine willkommene Zeit der Erholung und Regeneration. Und das finde ich gut so. Wer dazu noch Zugang zu dieser gläubigen Sichtweise des Weihnachtsfestes findet, wird aus den Feiertagen in doppelter Weise gestärkt in den Lebensalltag zurückkehren.
In den hektischen letzten Tagen vor dem Weihnachtsfest ertappte ich mich beim Gedanken: Was wäre, wenn die Kirche das Weihnachtsfest abschaffte? Bei Tisch stellte ich diese Frage auch meinen Mitbrüdern. Ohne langes Nachdenken waren wir uns einig, dass sich am Verhalten der Menschen nicht viel ändern würde. Weihnachten ist längst schon ein "Selbstläufer" geworden. Es funktioniert auch ohne christlichen Hintergrund. Um auch jene Kunden anzusprechen, die über keinen christlichen Zugang zum Weihnachtsfest verfügen, hat die Wirtschaft genügend Anreize geschaffen, die ohne christliche Symbole und christlich gefärbte Erzählungen auskommen. Gäbe es Weihnachten nicht, müsste man es erfinden.
Es besteht ein hoher Bedarf, wenigstens einmal im Jahr den Familienangehörigen, nahen Verwandten, Freunden, Mitarbeitern und Vereinsmitgliedern gegenüber ein Zeichen des Dankes und der Verbundenheit zu setzen; vorzugsweise in kleine Aufmerksamkeiten.
Weiters besteht Bedarf, sich wenigstens einmal im Jahr auch selbst zu belohnen; vorzugsweise am Ende eines Wirtschaftsjahres, wenn alles gut gelaufen ist.
Schließlich gibt es auch Bedarf, wenigstens einmal im Jahr an jene Menschen zu denken und für sie etwas zu tun, die auf die Schattenseite des Lebens gefallen sind.
Weihnachten kommt da gerade recht, ganz gleich, ob man an die Geburt des Messias glaubt oder von einer saisonalen Zweckmäßigkeit ausgeht.
Ich möchte diese Art, ein Fest zu feiern keinesfalls abwerten oder madig machen. Mich bewegt eher die Frage: Was steht hinter diesem Bedürfnis? - Ich vermute hinter dem Eifer, mit dem Menschen Weihnachten feiern, sich beschenken und beglückwünschen, einen tiefen Hunger nach Sinn.
Sinnvoll und wertvoll wird unser Leben durch gute intakte Beziehungen. Und dafür möchten wir ab und zu ein Danke sagen.
Auch aus unserer Leistung und aus unserer Arbeit beziehen wir Sinn. Und es ist verständlich, dass wir dafür auch einmal belohnt werden möchten.
Die Beachtung der Menschen, für die das alles nicht so selbstverständlich ist, gehört ebenso dazu. Sie sollen wenigstens indirekt an dem teilhaben, was unserem Leben Sinn gibt.
Um die Sinnfrage kreist auch das Weihnachtsevangelium des Johannes. In einer großartigen Einleitung zu seinem Evangelium legt er dar, dass der Logos von allem Anfang an da war; noch vor der Schöpfung, noch vor dem Urknall. Dieses griechische Wort lässt sich nicht mit einem einzigen Wort ins Deutsche übersetzen. Logos bedeutet Geist, Sinn, Wort...
Der Evangelist spielt damit auf die Schöpfungserzählung an, in der es immer wieder heißt: "und Gott sprach...". Auf sein Wort hin entstand alles. Auf sein Wort hin wurde Licht und alles andere.
Und nun, so behauptet Johannes, wurde das Wort Gottes, also der Sinn der Schöpfung, der Geist Gottes, Fleisch in einem konkreten Menschen. Der Logos nimmt menschliche Gestalt an. An diesem Menschen sehen wir, wie Gott ist. Dieser Mensch ist die Antwort Gottes auf unseren Hunger nach Sinn.
Wenn ich von dieser Frohen Botschaft aus auf den Eifer so vieler Menschen schaue, wie sie Weihnachten feiern, sich beschenken, sich bedanken, sich belohnen, stimmt mich das zuversichtlich. Ihr Hunger nach Sinn wird für mich darin sichtbar. Und im Auftreten Jesu gibt es eine Antwort auf diese Sinnfrage.
Auch wenn ich mit dem Evangelisten zur Kenntnis nehmen muss, dass viele diesen Zusammenhang nicht herstellen können, so bleibt dennoch die Hoffnung, dass alle, die es begreifen, ihren Hunger nach Sinn auch in einem spirituellen Sinn sättigen können. In den Worten des Johannes ausgedrückt haben sie die Macht, Kinder Gottes zu werden.
Kinder geraten ihren Eltern nach, sind in einem gewissen Sinn Abbilder ihrer Eltern. Kinder Gottes sind Abbilder Gottes. Damit sind wir wieder bei der Schöpfung. Dort heißt es: "Dann sprach Gott: Lass uns den Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich."
Damit ist auch unsere Berufung als Christen ausgedrückt: Je mehr wir Christus ähnlich werden, desto mehr werden wir Abbilder Gottes, verwirklichen wir uns selbst nach dem Vor-Bild unseres Schöpfers.
Als ich noch ein Kind war, gab es an jedem Sonntagnachmittag eine Krippenandacht. Davon blieb mir in Erinnerung, dass Christus viele Namen hat. Man nennt ihn: "Wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater der Ewigkeit, Friedensfürst" (Jes9,5).
Im heutigen Evangelium, dem Johannesprolog, erfahren wir einen neuen Namen für Christus. Er ist auch der Logos, das ewige Wort Gottes. Und über Christus als Wort Gottes will ich heute sprechen. Wie ein Adler umkreist Johannes von der höchsten Perspektive aus das Wort Gottes.
Ich muss sagen, Johannes schreibt uns die schönste Geburtstagsrede für Jesus. Dieser Prolog ist mehr als eine Rede, er ist ein Hymnus auf das Wort Gottes. Der Aufbau dieses Prologs ist höchst dramatisch. Das Wort des Vaters, auch Logos genannt, ist so groß und gewaltig, dass es eine eigene Person, Gott selbst ist. Das Wort Gottes existiert von Ewigkeit her und hat Himmel und Erde erschaffen. Der Ausdruck Wort sagt mir, dass Gott seinem Wesen nach Mitteilung ist, dass er nicht alleine ist, dass er ein Liebender ist. Mit dem Ausdruck Wort deutet Johannes das innertrinitarische Gespräch an. Dieses Wort ist gezeugt, aber nicht geschaffen, ist eines Wesens mit dem Vater.
Dann kommt im Prolog der Höhepunkt: Dieses Wort nimmt Fleisch an. Der Logos verlässt seine Herrlichkeit beim Vater und begibt sich in die Endlichkeit, er entäußert sich, nimmt Knechtsgestalt an, um auch uns zeigen, wer und wie Gott ist. Der Logos will uns die Herrlichkeit Gottes, die Liebe des Vaters mitteilen. Wer Christus sieht, sieht auch Gott. Das sagt Johannes zu den Atheisten der damaligen Zeit.
Von England kommt eine Bewegung auf uns zu, die behauptet, dass es wahrscheinlich keinen Gott und auch kein Wort Gottes gibt. Es stimmt: "Niemand hat Gott je geschaut. Der eingeborene Sohn, der an der Brust des Vaters ruht, hat Kunde gebracht" (Joh1,18). Das sagen auch wir Christen zu den Atheisten unserer Zeit.
Doch das Wort Gottes erscheint nicht in Macht und Herrlichkeit, wie es bei der Schöpfung der Fall war. Es wird in einen Futtertrog gelegt, da in der Herberge kein Platz war. Armseliger hätte es wohl nicht mehr sein können. Der menschliche Logos wächst heran, wird erwachsen und beginnt mit etwa 30 Jahren seine öffentliche Lehrtätigkeit. Er fällt auf, weil sein Wort ungeheuer wirksam ist. Sein Wort kann Wunder wirken, Tote erwecken. Ja in seinem Wort ist Leben und Heil. Es ist verständlich, dass viele Menschen sagen: sein Wort soll über uns herrschen. Doch als der Logos erklärte, dass sein Wort auch zum eucharistischen Brot werden kann, haben sich viele vom Offenbarer Gottes abgewandt. Und als Jesus sagte: "Ehe Abraham ward, bin ich", wollten viele seine Worte gar nicht mehr hören. Man wollte Christus sogar steinigen. Schließlich verwarfen auch die Führer des Volkes das Wort Gottes. Sie haben nicht erkannt, dass in Christus das Wort des Vaters wirksam ist. Im Evangelium ist sogar eine Steigerung enthalten. Auch die Seinen nahmen Jesu Wort nicht auf. Da bin ich mitgemeint.
Dieses fleischgewordene Wort wird immer einsamer. Sogar unter den zwölf Aposteln ist ein Verräter. Jetzt kommt über das Wort Gottes eine Passion. Es "blutet aus allen Wunden, wird zertrampelt" (Kurt Marti) und zerfetzt, es wird mundtot gemacht und muss am Kreuz sterben. Doch als dieses Wort am Kreuz hing, hat es eindringlicher gepredigt, als wir es uns vorstellen können. Der Hauptmann erkennt, dass sich dieses Wort nur verströmen, nur Liebe geben möchte und keiner Person wehtun will.
Dieses Wort ist im Tod nicht untergegangen. Es bleibt von Ewigkeit zu Ewigkeit bestehen. Untergegangen ist nur die körperliche Hülle dieses Wortes.
Jetzt kommt für mich eine Überraschung: Die Verweigerung auf Gottes Wort zu hören, ist nicht das Ende der Heilspläne Gottes. Denn Gott liebt bedingungslos. Er schmiedet weiterhin Pläne des Heils und nicht des Unheils. Er will jedem eine Zukunft und eine Hoffnung geben (Jer 29.11). Kein Mensch darf verloren gehen, auch nicht die Menschen, die ihn ans Kreuz gebracht haben. Er will ohne Verluste arbeiten. Daher nimmt Christus, der das Alpha und Omega ist, auch den letzten Platz unter den Menschen ein, damit er auch diesem sein erlösendes Ja -Wort zusprechen kann: "Du bist nicht verloren, denn Gottes Liebe zu dir hört nie auf. Und wenn die ganze Welt gegen dich ist, so verlässt dich das Wort Gottes nicht".
Das fleischgewordene Wort zeigt uns, dass Gottes Liebe die stärkste Macht der Welt ist. In der Apostelgeschiche wird uns geschildert wie der auferstandene Logos weiterwirkt, über alle Jahrhunderte, über Raum und Zeit hinaus. Das Wort Gottes breitet sich überall aus, erlebt seit Ostern einen Siegeszug ohnegleichen. In der ganzen Welt anerkennt heute ein Drittel der Menschheit Jesus als Gottes Wort.
Dieses Wort ruht nicht, bis alle Menschen Gott gefunden haben. Dieses Wort ruht nicht, bis die Schöpfung vollendet ist. Ich danke Christus für die Erkenntnis und das Wort, das er gebracht hat.
Ich sehe Christus in tausend Bildern lieblich ausgedrückt, doch keines von allem kann dich schildern, wie meine Seele dich erblickt (frei nach Novalis). Das Wort Gottes kann ich nicht ausloten.
Wir haben die Herrlichkeit des Wortes gesehen, den göttlichen Glanz, der widerstrahlt von dem Antlitz Jesu.
Jesus, das menschgewordene Wort Gottes! In ihm ist alles gesagt, was Gott sagen kann. Mehr gibt es nicht zu sagen: Gott will sich uns mitteilen. Gott ist Liebe, Leben, Licht, nichts anderes, nichts weniger. Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. (Anton Rotzetter " An der Grenze des Unsagbaren" , Ostfildern 2002, S. 154)
Während wir gewohnt sind, an Weihnachten vom vordergründig sichtbaren, wenngleich nie restlos (be)greifbaren Erscheinen Jesu in dieser Welt zu hören - Verkündigung, Geburt, Anbetung der Hirten und der drei heiligen Magier (Könige) - führt uns der Evangelist Johannes heute sozusagen in das Herzgeheimnis den unendlichen Gottes ein. Das im Griechischen vieldeutige Wort "logos" wird mit "Wort" übersetzt (im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort). Mit diesem "Wort" wird der Sohn Gottes angesprochen, der selbst Gott ist und in diese Welt gekommen ist, um unser Bruder zu werden.
Aber Johannes bleibt nicht bei einer Schilderung dieses für uns Menschen immer unfassbar bleibenden innergöttlichen Geheimnisses, sondern er wendet sich dem Schicksal dieses als Sohn Gottes in die Welt gekommenen Wortes zu und bezeichnet es als Leben und Licht der Menschen. Freilich ist es nicht so, dass diesem Licht allenthalten ein begeisterter Empfang bereitet worden wäre, vielmehr stößt es von Anfang an auf Widerstand, Unverständnis und stellt sich als Finsternis dem Licht entgegen: "Die Finsternis hat es nicht ergriffen". Die Finsternisse aller Zeiten haben verschiedene Gesichter. Einig sind sie sich darin, dass sie die Finsternis mehr lieben als das Licht.
Manchmal stellt sich auch für den gläubigen Christen die Frage, ob Gott nicht anders in die Welt hätte eintreten können: Überzeugender, kraftvoller, vielleicht können wir sagen von Anfang an nachhaltiger. Aber die Redeweise, die Sprache Gottes, bleibt in so vielem dunkel. - In einem Gedicht, das die Überschrift "Geburt Christi" trägt, stellt Rainer Maria Rilke die Frage "Hast du ihn dir größer vorgestellt?". Es bedarf, wie der Dichter fortfährt, der "Einfalt", um das zu begreifen, was in der Menschwerdung Gottes geschehen ist. "Gott macht sich mild", er ist ein "behutsames Licht", das sich nicht gleisnerisch vordrängt, sondern der Sorgfalt des Sehens und Hörens bedarf , wenn es nicht in der herandrängenden Flut von Irrlichtern und lautem Getöse übersehen und überhört werden soll.
Behutsam, behütend, ist das Licht, das erschienen ist, um Menschen zu trösten, ihnen die Angst zu nehmen. So heißt es schon in der messianischen Weissagung des Propheten Jesaia "Tröstet, tröstet mein Volk" (Jes 40, 1). Behutsam heißt auch, dass dieses Licht behütet werden will, dass wir uns nicht von der scheinbaren Bedeutungslosigkeit, von der Kleinheit des unendlichen Gottes verwirren lassen. Dass wir vielleicht die Suche aufgeben, weil sie nicht (sofort) von Erfolg begleitet zu sein scheint. Dass wir nicht um das Goldene Kalb eines mächtigeren Gottes tanzen, nach einem anderen größeren Gott greifen, während die Größe des menschgewordenen Gottes gerade in seinem Kleinwerden besteht.
Dieser Gott lässt sich finden. Zunächst, sagen wir, von seinesgleichen: Von den armen mittellosen Hirten, die der Botschaft der Engel trauen, sich auf den Weg machen und ihn finden, die niederfallen und anbeten. Die von den verschiedenen Erscheinungsformen der Gottsucher, den Magiern, Weisen, Sterndeutern (Königen) geleitet werden, aber sich mitunter selbst erst mühsam durchfragen müssen "Wo ist der neugeborene König der Juden? (Mt 2,2). Gottsuche ist mühsam, weil es dabei auch des (langen) Wartenkönnens bedarf. Aber er lässt sich immer wieder finden von denen, die die Demut aufbringen, an die Größe des unscheinbaren Gottes, an seine Macht und Ohnmacht zu glauben.
Ein Fußballtrainer hat einmal vor einem wichtigen Spiel zu seiner Mannschaft gesagt: "Ein guter Start ist bereits das halbe Spiel!" Manchmal habe ich mich gefragt, ob der Evangelist Johannes mit seinen ersten Sätzen des Evangeliums, und Evangelium bedeutet ja Frohe Botschaft, für uns Menschen einen guten Start hingelegt hat. Denn bei mir löste dieser Text immer wieder unterschiedliche Erinnerungen und Gefühle an die Vergangenheit aus.
Ich denke da zum Beispiel an so manche Philosophiestunde im Gymnasium und auch an verschiedene Diskussionen während meines Theologiestudiums, wo wir über die unterschiedlichsten philosophischen Denkansätze und Vorstellungen debattiert haben. Aristoteles, Sokrates, Platon, Heraklit, und wie sie noch alle heißen bis herauf in die Gegenwart. Sie alle versuchten, mit ihren Gedanken hinter die Kulissen des Seins zu blicken und dieses Sein - den Sinn der Schöpfung, der Welt, des Lebens - in Worte zu fassen.
Für mich war es einerseits spannend zu versuchen, herauszubekommen, was diese Philosophen gedacht oder gemeint haben könnten mit ihren Worten. Ich versuchte die Weisheit zu entdecken, die in ihren Aussagen steckte.
Aber gleichzeitig hatte ich oft den Eindruck, dieses Debattieren war zwar eine schöne Gehirnarbeit, eine intellektuelle Spielerei, ein Training für meine grauen Zellen, aber wo lag der "Gewinn" für mein konkretes Leben? Was hatte das alles mit meinem täglich neu zu bestehenden Alltag zu tun? Ist das Ganze nicht viel zu "abgehoben" von der Realität der Welt, weil wir das Eigentliche mit unserem Verstand doch nie wirklich begreifen werden können, und schon gar nicht in verständliche Worte fassen?
Oder ist dieser Beginn des Johannesevangeliums nichts anderes als eine schöne Spielerei mit Worten? Am ANFANG war das WORT, und das WORT war bei GOTT, und das WORT war GOTT. Im ANFANG war es bei GOTT.
Ich erinnere mich an eine Deutschstunde im Gymnasium, in der wir einen Text von Ernst Jandl zu interpretieren hatten. Der Text bestand nur aus zwei verschiedenen Worten. Das erste Wort lautete Apfel. Es war oftmals auf das Blatt Papier geschrieben und ergab dabei die Form eines Apfels. Und mitten drin stand als zweites Wort: Wurm.
Ein interessanter Einfall und sicher auch Kunst, so mit Wörtern und Sprache umzugehen. Aber hat das Ganze auch einen tieferen Sinn? Gibt es eine Bedeutung, die für mein Leben entscheidend ist?
Und an ein Drittes denke ich, wenn ich die Anfangszeilen des Johannesevangeliums lese. Gerade zu Weihnachten und zu Neujahr gibt es viele Ansprachen. Um die Jahreswende wird viel gesprochen von unseren Politikern, von unserem Bundespräsidenten, vom Papst und den Bischöfen. Viele Worte werden in die Welt gesetzt um zu ermahnen und aufzumuntern, um Vertrauen zu wecken und Hoffnung zu geben.
Auch wir schreiben und sprechen manchmal viele Worte, wenn der Tag lang ist. Was aber bleibt letztlich von all diesen Worten?
Das Evangelium wäre ebenfalls eine Ansammlung von Worten, wäre nicht gegen Ende des heutigen Evangeliums der für mich wichtige Satz gewesen: "Und das Wort ist Fleisch geworden." Dieser Satz ist zum neuen Schlüssel für mein Verständnis geworden.
Denn: Wie oft sagen wir im Leben: Es ist wichtig, dass wir den Armen helfen. Es ist notwendig, dass es Nachbarschaftshilfe gibt, wenn jemand in Schwierigkeiten geraten ist. Die Kirche muss lebendiger werden - oder: die Kirche muss lebendig bleiben. Wir brauchen ein frohes und Hoffnung gebendes Christentum. Wir glauben an einen Gott, der mitten unter uns Menschen ist, uns durchs Leben begleitet.
Mit diesem Satz: "und das Wort ist Fleisch geworden" - ist das Evangelium keine philosophische Abhandlung mehr und auch keine Spielerei mit Worten, kein Austauschen von Theorien. Mit diesem Satz des Johannes wurde das Wort konkret, eine Wirklichkeit, lebendig.
Nächstenliebe ist deshalb für uns Christen kein Wort mehr, über das wir uns nur unterhalten, sondern Nächstenliebe zeigt sich durch unser aktives Tun im Leben.
Der Glaube an Gott ist nicht mehr nur das Bekenntnis, dass wir im Anschluss an eine Predigt beten, sondern dieses Bekenntnis zeigt und bewährt sich in der Art, wie wir mit dem Leben umgehen, wie wir unser Leben einsetzen, das Gott uns geschenkt hat.
Wir reden nicht mehr nur über Gott, sondern wir glauben und spüren gleichzeitig, dass er lebendig mitten unter uns und mit uns handelt.
Der Traurige, der Frohe, der Arme, der Glückliche, der Liebende, der Christ, das sind nicht mehr nur Worte, sondern diese Worte sind zu Menschen geworden mit einem konkreten Gesicht. Es sind Menschen, die alle Kinder Gottes genannt werden dürfen. So wird das Evangelium des Johannes schon von Beginn an für jeden von uns zur Frohen Botschaft.
"Wir haben doch alle den gleichen Herrgott." Dieser Spruch, liebe Hörerinnen und Hörer, wird oft gebraucht. Er möchte fern von allen Unterscheidungen hinweisen auf das Gemeinsame der Religionen. Er gilt als Ausdruck von Großzügigkeit und Toleranz. Richtig daran ist, dass nicht nur die Christen an e i n e n Gott glauben. Sie wissen sich in dieser Überzeugung mit den Juden und Muslimen verbunden.
Doch in diesem Gemeinsamen erschöpft sich nicht der christliche Glaube. Das wird deutlich, wenn der Brief an die Epheserbrief bekennt: "Gepriesen sei Gott, der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus." Ähnlich steht es im zweiten Korintherbrief. Christen glauben nicht nur wie andere Religionen an einen Gott, der die Welt geschaffen hat, sich seitdem um sie und die Menschen kümmert. Für Christen ist der Gott Jesu Christi maßgebend. Wer Gott wirklich ist, wissen Christen endgültig erst durch Jesus Christus. Christen schauen darauf, welche Beziehung Jesus von Nazareth zu Gott hatte, wie er von ihm gesprochen hat, wie er mit und vor ihm gelebt hat. Dabei fällt auf, dass Jesus ein einmaliges Verhältnis zu Gott hat, den er seinen und unseren Vater nennt. Andererseits möchte er seine Jünger in dieses besondere Verhältnis zu Gott einbeziehen.
In seinen Gebeten redet Jesus Gott als seinen Vater an. Diese Vertraulichkeit bestimmt seine Gottesbeziehung und damit sein Leben und Wirken, sein Erleben und Urteilen. So bevorzugt er es z.B. in aller Frühe, wenn es noch dunkel ist, aufzustehen, an einen einsamen Ort zu gehen, um allein zu beten. Diese Exklusivität wird auch nicht verwischt, wenn Jesus seinen Jüngern an seiner Anrede Gottes teil gibt: "So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel …" (Mt 6,9) Die einmalige, unüberbietbare Beziehung Jesu zu seinem Vater im Himmel zeigt sich besonders in seiner Anrede "abba", der Anrede eines Kindes, das seinen Vater liebt und ihm vertraut. Im Deutschen lässt sich das übersetzen mit "Papa". Das Judentum wagte diese intime Anrede bei Gott nicht. Doch Jesus hat auf diesen lieben Vater gesetzt. Von ihm hat er in seinen Gleichnissen gesprochen. Und er hat seine Anhänger ermutigt, ebenso mit Gott zu sprechen.
Es ist der Glaube der Bibel, dass Gott sein auserwähltes Volk, aber auch jeden Menschen liebt, und zwar so, als sei er der einzige auf der Welt. Deshalb kann jeder sagen und beten: "Mein Gott", "mein Vater im Himmel". Wenn aber Gott der Vater aller Menschen ist, dann sind auch alle seine Kinder und untereinander Brüder und Schwestern. Deshalb hat Jesus seine Jünger gelehrt, gemeinsam zu beten: "Unser Vater im Himmel".
Dies zu Gott sagen zu dürfen, hat Konsequenzen. Es verändert die Einstellung zum Leben. Ich fühle mich nicht als vaterloser Geselle, sondern weiß, zu wem ich gehöre. Ich habe ein Vaterhaus, in dem ich willkommen bin, geschehe, was da wolle. Wenn die Anrede "Vater im Himmel" meine Vorstellung von Gott bestimmt, stehen die Liebe und Sorge Gottes im Vordergrund. Auch dort, wo ich Gott wegen der Zumutungen meines Lebens nicht verstehe und mir sein Verhalten rätselhaft bleibt, rechne ich damit, dass er es gut mit mir meint. Bei allen Schwierigkeiten und Zweifeln traue ich ihm zu, dass er besser als ich weiß, was gut für mich ist, dass ich am besten fahre, wenn ich nach seinem Willen frage, so hart es dann auch werden mag, die Bitte "Dein Wille geschehe" zu leben.
Und immer, wenn ich Gott als Vater im Himmel anspreche, muss ich meine Schwestern und Brüder mitdenken. Das ist die Basis menschlicher Solidarität. Vor Gott, der "Vater unseres Herrn Jesus Christus" und "unser Vater im Himmel" ist, gibt es keinen Grund zu Über- und Unterordnungen, sondern nur das dankbare Bewusstsein, in die gleiche Zuwendung Gottes eingeschlossen zu sein.
Wenn man kleine Kinder beobachtet, wie sie sich ihre Welt erobern, dann ist das oftmals ein ganz amüsantes Schauspiel. Sie probieren aus, erleben Missgeschicke und je nach Fähigkeit, solche Erfahrungen zu verarbeiten, geschehen diese Missgeschicke öfter oder seltener. Dazu gehört dann vielleicht auch der berühmte Kontakt mit der heißen Herdplatte, nach dem eigentlich ein vorsichtigerer Umgang mit dem Gerät angesagt sein sollte.
Die einen lernen schneller, die anderen langsamer. Das Prinzip ist immer dasselbe: Eindrücke werden auf der Ebene der konkreten Erfahrung gemacht und anschließend - gleichsam - hochgerechnet auf ähnliche Situationen. Auf diese Art funktioniert nicht nur das individuelle Lernen von Menschen, sondern auch so manche erfahrungsgeleitete Wissenschaft. Nach einer Erfahrung versucht man, sich zu einer verallgemeinernden Theorie durchzuringen.
In einem solchen Verhältnis muss man den bekannten Einleitungstext zum Johannesevangelium und letztendlich das ganze Evangelium lesen. Viele Jahrzehnte nach dem Tod Jesu und im Angesicht der ersten Gemeinden in seiner Nachfolge reflektiert Johannes auf philosophischem Niveau seine Erfahrungen mit dem Mann aus Nazareth, der so nachhaltig in das Leben der Menschen eingegriffen hat. Die Theorie des Johannes, also seine Theologie, versucht von der Erfahrung mit diesem Jesus eine Erklärung für sein Auftreten und sein Wirken zu finden.
Drei sehr zentrale Bekenntnisstellen des Johannesevangeliums sind dabei effektvoll eingesetzt: zum einen die Eingangsworte, die wir gehört haben, zum anderen der Satz "Ich und der Vater sind eins” (10,30) ziemlich genau in der Mitte des Evangeliums und schließlich ganz am Ende die Aussage "Diese (Zeichen) aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes”. Im Wechselspiel von Erzählungen und Reflexionen versucht Johannes den Menschen, die ihn hören, das eigentliche Wesen Jesu verständlich zu machen: Dieser Mann ist Gottes Sohn, ist Gott selbst.
Dann stellt sich bald einmal die Frage: Warum so kompliziert, geht das nicht auch einfacher? Nun: Zunächst einmal ist der Autor des Johannesevangeliums ein Denker und Philosoph und liebt das Spiel mit der Sprache und den Gedanken, liebt das Ideenkonstrukt. Lassen wir ihm das doch! Wichtiger ist die Frage, warum es denn Johannes nicht einfach beim Erzählen von ausgefeilten Geschichten belassen hat, die unter die Haut gehen.
Erfahrungen, die wir Menschen machen, haben leider die Angewohnheit bald einmal wieder zu verblassen. Nach dem Griff auf die heiße Herdplatte braucht es die Reflexion, die Erklärung, das mahnende 'Siehst du, das macht man besser nicht' der Mutter, um abzuwenden, dass das ein nächstes Mal geschieht, wenn die Hand nicht mehr weh tut. Klar: Oft nutzen Mahnungen nichts, aber sie erhöhen doch die Chance zu lernen.
Ebenso steht es um die Erklärungen, Ausdeutungen und Philosophien eines Johannes: Allein das Kennen der Geschichten Jesu reicht nicht, - es bedarf der Ausdeutung, der Erhellung, der Weiterführung. Es bedarf des Wissens um die Absichten Jesu, um die Bedeutung seines Todes und seiner Auferstehung für heute nachvollziehen zu können. Gottesbegegnung, Glaube als Erfahrung unseres Lebens und seine Reflexion als stetig vorangehende Verinnerlichung müssen einander unbedingt ergänzen. Das Johannesevangelium ist dafür ein hervorragendes, wenn vielleicht auch etwas kompliziertes Beispiel.
Mit dem gehörten Prolog legt der Autor des Evangeliums den roten Faden des Buches. Diese Reflexion trifft auf unser Ohr unmittelbar nach den Feiern des Geburtsfestes Jesu. Dieses Fest ist sehr massiv geprägt von eingehenden Stimmungen. Das wollen wir uns auf keinen Fall nehmen lassen und das ist auch gut und richtig so. Aber: Die Emotionen des Weihnachtsfestes sind zumeist, aber nicht immer nur schön. Die Zeitungsmeldungen der Festtage zeigen, dass gerade an diesen so stimmungsvollen Tagen auch viele Konflikte eskalieren, weil eben auch negative Gefühle an diesen so gefühlsbetonten Tagen hoch kommen.
Dann ist es umso wichtiger, damit dieses Fest unseres Glaubens nicht zu einem Happening verkommt oder zur tragischen Lebenssituation eskaliert, dass der Grund des Feierns nicht aus dem Blick gerät. Das ist die eindringliche Botschaft des Johannes: Wir feiern Weihnachten nicht allein - wenn auch wohl - wegen des Kerzenscheins und des Zimtduftes, sondern zu allererst aus diesem einen Grund: "Und das Wort ist Fleisch geworden / und hat unter uns gewohnt / und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, / die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, / voll Gnade und Wahrheit.”
Das so hochphilosophische Johannesevangelium ist somit auch eine eindringliche Einladung: Genießt wohl bei all den Feiern all das Schöne, das ihr erlebt! Aber vergesst dabei nie, was der Grund eures Feierns ist. Und dieser Grund trägt eben auch dann noch, wenn der Christbaum seine Nadeln längst verloren hat.
Das neue Jahr hat gerade angefangen. Große Hoffnungen sind ihm mitgegeben. Wir haben uns alles Gute gewünscht. Die inzwischen vertrauten Einschränkungen spüren wir in unseren Gesichtern – auch heute. Wir feiern Gottesdienst; wir freuen uns, dass Gott uns das Beste schenkt. Das Vertrauen. Die Hoffnung. Und die Liebe. Dafür danken wir ihm.
Im Lobpreis, den wir gleich im Epheserbrief lesen, heißt es:
„Gepriesen sei Gott,
der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.
Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet
durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.“
Ihn bitten wir:
Weihnachten dauert noch an, obwohl die Dekoration in den Geschäftsstraßen schon auf Jahreswechsel oder Fasching/Karneval umgestellt worden ist.
Welche Wirkung hat Weihnachten über den Weihnachtsabend hinaus? Was bleibt davon? Was von Weihnachten überlebt unsere Neujahrsvorsätze?
Heute am zweiten Sonntag der Weihnachtszeit hören wir noch einmal die Botschaft vom "Wort, das am Anfang war" und vom "Wort, das Fleisch geworden ist", das durch Jesus Christus in diese Welt gekommen ist und hier seine Kraft entfaltet.
Herr,
du hast mit einem Wort das Licht geschaffen
und uns mit einem Wort zu deinen Kindern gemacht.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du bist der Sohn Gottes
und doch einer von uns geworden.
Christus, erbarme dich.
Herr,
du kennst unsere Zweifel,
du weißt um unsere Ängste und Vorurteile.
Herr, erbarme dich.
Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt,
seine Kinder zu werden durch Jesus Christus
und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen,
zum Lob seiner herrlichen Gnade.
Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn.
Ehre sei Gott in der Höhe …
Herr, Jesus Christus,
du bist das Wort, durch das alles geworden ist.
Herr, erbarme dich.
Du bist das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet.
Christus, erbarme dich.
Du kamst in dein Eigentum
und hast von deinem Vater Kunde gebracht.
Herr, erbarme dich.
Allmächtiger, ewiger Gott,
du erleuchtest alle, die an dich glauben.
Offenbare dich den Völkern der Erde,
damit alle Menschen das Licht deiner Herrlichkeit schauen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 2. Sonntag nach Weihnachten
Heute bitten wir dich,
Gott, der du alles geschaffen hast,
um das Wort,
das hell macht, was dunkel ist,
das befreit, was gefangen wurde,
das verändert, was lähmt.
Und um die Kraft bitten wir dich,
als deine Kinder voller Zuversicht und Vertrauen zu leben,
den Dingen auf den Grund zu gehen
und in deiner Liebe anderen Menschen zu begegnen.
In deiner Nähe dürfen alle Geschöpfe aufatmen
in Jesus Christus,
der uns den Himmel öffnet.
Sein Geist macht uns glücklich.
Von Ewigkeit zu Ewigkeit. - Amen.
Mit den Augen des Herzens wollen wir in die Welt schauen,
mit den Augen des Herzens Gottes Nähe entdecken.
Herr,
wir sehen die große Sehnsucht, aus dem Bann der Gefahren heraustreten zu können.
Viele Menschen leiden unter Einsamkeit, viele werden in der Pflege aufgerieben, viele fürchten um ihre Arbeit.
Erleuchte, Herr, die Augen unserer Herzen
Herr,
wir sehen die Finsternis, die sich bei hellem Tageslicht an vielen Orten ausbreitet.
Flüchtlingslager werden in Kauf genommen, Menschen weltweit entrechtet und enteignet,
Klimakatastrophen verharmlost und verschoben.
Herr,
wir sehen die Hoffnung, mit der Macht des Wortes Teufelskreisläufe aufzubrechen.
In vielen Völkern werden Friedensgespräche geführt. Medien mühen sich, sachlich und fair zu berichten. Gerichte suchen im Streit nach der Wahrheit und sprechen Recht.
Herr,
wir sehen die Trauer, dass kirchliche Traditionen bröckeln oder nicht mehr tragen.
Missbrauchsskandale erschüttern das Vertrauen der Menschen. Ökumenische Erwartungen werden enttäuscht. Alte und vertraute Formen verlieren sich.
Herr,
wir sehen in das neue Jahr.
Menschen werden sich verlieben. Kinder erblicken das Licht der Welt.
Viele sind glücklich mit ihrem Beruf. Viele treten in den Ruhestand.
So mancher wird von einer Diagnose in Angst versetzt,
so mancher auf dem letzten Weg begleitet.
Du, Herr, hast die Augen des Herzens.
Du schaust gütig und liebevoll zu uns,
als deine Kinder sind wir bei dir hoch angesehen.
Hilf uns, deine Barmherzigkeit zu teilen.
So, wie du Brot und Wein mit uns teilst,
dein Leben, dein Reich.
Dir vertrauen wir alle Menschen an
In Christus, unserem Herrn. – Amen.
Christus, das ewige Wort des Vaters steht hinter der ganzen Schöpfung. Alles ist von Gottes Weisheit erfüllt.
Zu ihm kommen wir mit unseren Bitten:
Gott, dein Wort ist Wahrheit.
Beten wir für alle, die in ihrer Sehnsucht nach Wahrheit noch nicht den Weg zu dir gefunden haben.
Gott, dein Wort ist mächtig.
Beten wir für unsere nächste Regierung, deren Aufgabe es sein wird, für die in unserer Gesellschaft anstehenden Probleme möglichst gerechte und nachhaltige Lösungen zu finden.
Gott, dein Wort ist Licht.
Beten wir für alle, die orientierungslos durch ihr Leben irren.
Gott, dein Wort ist Leben.
Beten wir für uns selbst, die anderen oft das Leben durch Missachtung ihrer Würde schwermachen.
Gott, dein Wort ist Gnade.
Beten wir für unsere Verstorbenen, dass sie deine Herrlichkeit schauen dürfen.
Gott!
Wir danken dir, dass dein Wort durch die Kraft deines Geistes in Christus einer von uns geworden ist. Durch ihn und im Heiligen Geist rühmen wir dich und preisen dich, jetzt und allezeit. - Amen.
Guter Gott,
durch dein Wort ist alles geworden, was geworden ist.
Durch dein Wort erneuerst du das Angesicht der Erde.
Wir tragen dir unsere Bitten vor:
Wir bitten dich für alle, die dein Wirken in der Welt noch nicht erkannt haben.
Schenke ihnen das Licht des Glaubens.
Wir bitten dich für alle, die eigenmächtig die Welt in Besitz nehmen, sie ausbeuten und ihr Gewalt antun.
Wecke in ihnen Ehrfurcht vor allem, was du geschaffen und der ganzen Menschheit anvertraut hast.
Wir bitten dich für die Kinder und Jugendlichen.
Befähige sie zum Staunen und zu einem behutsamen Umgang mit deiner Schöpfung.
Wir bitten dich für alle, deren Leben durch eine Behinderung oder durch eine unheilbare Krankheit beeinträchtigt ist.
Lass sie Wertschätzung ihres Lebens und persönliches Wohlwollen erfahren.
Wir bitten dich für alle, denen du die Macht gegeben hast, Kinder Gottes zu werden, und die sich Christen nennen.
Öffne ihre Augen für dieses Geschenk deiner Gnade.
Wir bitten dich für alle, deren Leben in dieser Welt zu Ende gegangen ist.
Öffne ihnen den verheißenen Himmel.
Aus deiner Fülle, guter Gott,
haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.
Dafür danken wir dir und darauf bauen wir unsere Hoffnung. - Amen.
Herr, unser Gott,
heilige unsere Gaben
durch die Menschwerdung deines Sohnes.
Durch seine Geburt hast du allen Menschen
den Weg der Wahrheit gewiesen
und ihnen dein Reich verheißen.
Laß uns in dieser Feier verkosten,
was du denen bereitet hast, die dich lieben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Sonntag nach Weihnachten
"Das Wort wurde Fleisch und hat unter uns gezeltet."
Dir, Herr, danken wir,
dass du unsere Vergänglichkeit angenommen hast,
um uns deine Ewigkeit zu schenken,
dass du unsere Schuld auf dich genommen hast,
um uns dich sehen zu lassen.
Jetzt bist du allezeit unter uns.
Mit Brot und Wein, deinen Gaben,
doch du, Herr, schenkst dich uns,
deinen Leib, dein Blut.
Und wir sehen deine Herrlichkeit
die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit. – Amen.
Als gesungener Lobpreis ist das Lied GL 252 (»Gelobt seist du, Jesus Christ«) geeignet.
Oder Kehrvers:
GL 633,8: Dankt dem Vater mit Freude, er schenkt uns seinen Sohn.
Großer Gott, wir danken dir für Jesus Christus,
er ist das Wort, durch das alles geworden ist
und das Fleisch geworden ist, um unter uns zu wohnen
und Glanz und Elend des menschlichen Lebens mit uns zu teilen.
Kehrvers:
Großer Gott, wir danken dir für Jesus Christus,
durch ihn hast du uns erwählt vor der Erschaffung der Welt
und hast du uns berufen, deine Töchter und Söhne zu werden.
Durch ihn hast du uns die Macht gegeben, Kinder Gottes zu werden
und an deinem Geist teilzuhaben.
Kehrvers:
Großer Gott, wir danken dir für Jesus Christus,
er ist das Licht, das unsere Finsternis erhellt
und jeden Menschen erleuchtet.
Er gibt uns Hoffnung und Trost in dunklen Stunden.
Kehrvers:
Großer Gott, wir danken dir für Jesus Christus,
durch ihn habe wir deine Weisheit und Liebe erkannt,
die alles Leben hervorgebracht hat
und zur Vollendung der Schöpfung führen wird.
Danklied, z. B. Jauchzet, ihr Himmel... (GL 251)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dein Erbarmen zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn schaffst du den Menschen neu
und schenkst ihm ewige Ehre.
Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen:
dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch,
und wir sterbliche Menschen
empfangen in Christus dein göttliches Leben.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 3
Gottes Wort aufnehmen
sich dafür öffnen
die Hände
das Herz
und
es lebendig werden lassen
durch unser Tun
unser Reden
unser Leben
Gottes Wort aufnehmen
ihm Raum geben
sich durchdringen lassen
und
dadurch
ein Gotteskind werden
Am Anfang
war dein Wort
mir zugesagt
und Mensch geworden
durch mich
und in mir
zum Leben gerufen
weil du mich liebst
du gehst mir nach
umwirbst mich
schenkst mir Vertrauen
willst mich
umarmst mich
und sendest mich
dein Wort
mein ganzes Sein
deine Liebe
mein Leben
das Wort ist Mensch geworden
und gibt mir Macht
Gotteskind zu werden
Weihnachten heißt:
Es hat sich erfüllt!
Die Verheißung ist wahr geworden:
Gott ist Mensch -
sein Wort hat unsere Welt hell gemacht,
unsere Nacht der Hoffnungslosigkeit durchbrochen,
unsere Finsternis erhellt,
alle Angst besiegt,
alle Zweifel weggewischt.
Ja, Gott hat sein Wort
in diese Welt hineingesprochen.
Er hat sich unser erbarmt.
Sein Wort ist lebendig geworden,
dieses Wort heißt:
Ich liebe dich
du Welt, du Mensch,
ich will dir nahe sein!
Das Wort ist Fleisch geworden.
Kommt lasst uns anbeten!
Herr, unser Gott,
befreie uns durch die Wirkung dieses Sakramentes
von unseren Fehlern und Sünden.
Erfülle unser Verlangen
und schenke uns alles, was wir zum Heil nötig haben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Sonntag nach Weihnachten
Du bist, Gott, das Licht in der Finsternis,
das Wort im Schweigen,
die Liebe in der Verlorenheit:
lass uns auf deinen Wegen den Frieden finden!
Segne unsere Arbeit und unsere Ruhe,
segne die Menschen, mit denen wir gerne leben,
segne auch die Menschen, die uns fremd bleiben.
Wir schauen gespannt in das neue Jahr.
Schenke uns helle Augen des Herzens!
Um Christi willen, dein Gesicht für uns.
In Ewigkeit. – Amen.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. - Amen.
Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil. (Ps 23,4)
Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Allen, die ihn
aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen
glauben. (Joh 1,9.12)
Zum Engel, der an der Pforte des neuen Jahres stand, sagte ich: Gib mir ein Licht, damit
ich sicheren Fußes der Ungewissheit entgegengehen kann. Aber er antwortete: Geh in
die Dunkelheit hinein und leg deine Hand in die Hand Gottes! Das ist besser als ein
äußeres Licht und sicherer als ein bekannter Weg. (Ein Christ aus China)
Du Gott des Friedens,
am Beginn des neuen Jahres legen wir alles in deine Hand.
Angesichts von Ohnmacht und Nervosität, Unsicherheit und Fragen
wagen wir Schritte des Vertrauens. Von dir und
nicht von einem blinden Schicksal wird unser Leben geleitet.
Erklärungen und Debatten über den Zustand der Welt greifen zu kurz.
Mit deinem Frieden wollen wir einen Weg der Zuversicht wählen.
Du Gott der Vergebung,
hilf uns, auf deine leise Gegenwart zu achten, die uns begleitet.
Angesichts der Pandemie, die immer noch nicht besiegt ist,
widersagen wir der Versuchung, Schuldige zu benennen und uns
auf das Versagen von Menschen und Institutionen zu fixieren.
An deiner Hand wollen wir Wege der Versöhnung gehen,
bereit zu einer Umkehr des Herzens – im Denken, Reden und Tun.
Du Gott des Lebens,
wir bitten für alle, die von Bitterkeit und Enttäuschung erfüllt sind.
Mit deiner heilsamen Nähe stärke alle Kranken und Leidenden.
Lehre uns in diesem neuen Jahr, mit Respekt und Wertschätzung
dem Leben in seiner Schönheit und Zerbrechlichkeit zu begegnen.
Aus Dankbarkeit für alles, was uns geschenkt ist, stärke unser
Mitgefühl und die helfende Kreativität für Bedürftige und Einsame.
Du Gott der Liebe,
schenke uns Ausdauer im Guten, Trost in der Bedrängnis
und Geduld in den Herausforderungen dieser schwierigen Zeit.
Hilf uns, dich in allem zu suchen, zu finden und zu lieben.
Mit Jesus, unserem Herrn und Bruder, der den Tod besiegt hat,
bist du uns Zuversicht und immer neue Quelle tiefer Freude.
Wir vertrauen auf dich und die Geisteskraft deiner Liebe.
Amen.
Gott segne dich und behüte dich.
Er lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig.
Er wende dir sein Angesicht zu und schenke dir Frieden.
(Num 6,24f.)
Originalgebetstext der österreichischen Bischofskonferenz zum Herunterladen:
https://www.bischofskonferenz.at/dl/OLpNJKJKLkmmlJqx4KJK/Novene-Jaenner-2020_pdf
Weitere Gottesdienstvorschläge auf: www.netzwerk-gottesdienst.at
Wieviel kostet ein
Lächeln
für ein Kind?
Nur die Zeitspanne
eines Augenblicks,
eine Sekunde
eines Atemzuges. –
Und das Kind spürt:
ich bin erwünscht,
ich habe Freunde,
ich bin geliebt,
das Leben
ist schön...
Ilse Pauls
In IHM ist auferstanden die Welt.
In IHM ist auferstanden der Himmel.
In IHM ist auferstanden die Erde.
Vertonung von Reinhard Burchhardt:
Ambrosius von Mailand
[HTML] Zürcher Forscher haben untersucht, wer global die Fäden in der Hand hält: Zu den wahren Mächten der Wirtschaft zählen gerade einmal 147 Unternehmen. von Ilka Kopplin und Von B und C, Hahn und Zimmermann.
http://www.zeit.de/2012/23/IG-Capitalist-Network
http://www.zeit.de/2012/23/IG-Capitalist-Network - (20.12.2014)
Unter Druck. Zu den Flüchtlingsmassen aus Afrika und Nahost kommt auch noch die innere Migration aus den ärmeren Ländern der EU.
https://www.diepresse.com/4619211/migrationsbewegungen-machen-europa-ratlos
Die Presse
http://diepresse.com/home/meinung/dejavu/4619211 - (20.12.2014)
Die den Stern gesehen
Wissen, was vollbracht;
Ihre Füße gehen
Sicher durch die Nacht.
Die das Licht verwirrte,
Dürfen Brüder sein:
König oder Hirte
Schließt das Leuchten ein.
Also läßt die Gnade
Finden sie den Ort,
Wo der Stern gerade
Strahlt auf Gottes Wort.
KARL SCHÖLLY in: Gedichte zur Weihnacht. Herausgegeben von Stephan Koranyi und Gabriele Seifert. Philipp Reclam jun. Stuttgart 2009.
Ein alter Brauch in der Liturgie gebot, die Knie zu beugen, wenn das Geheimnis der Menschwerdung Gottes mit Worten aus dem Prolog des Johannesevangeliums zur Sprache kam: "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt" (Joh 1,14). Fleischwerdung bedeutet hier Menschwerdung des göttlichen Wortes, Menschwerdung Gottes.
Der Mensch ist ein Teil der Welt, und zugleich stellt er sich im Erleben und Denken immer wieder der Welt gegenüber und baut auch Brücken, die über die Welt, über die Todesgrenze hinaus zielen. Bleiben diese Brücken für immer Fragmente oder erreichen sie ein anderes Ufer? Die Weihnachtsbotschaft bejaht die zweite Frage: Sie sagt, dass Gott dem Menschen entgegenkommt, dass er in seinem ewigen Sohn, den das Evangelium "das Wort" nennt, Mensch geworden ist. Der Sohn Gottes geht den Weg der Menschen. Nicht den Höhenweg des stolzen machthungrigen Menschen, sondern den niedrigen Weg von der Krippe zum Kreuz.
Im Laufe der Geschichte wollten Menschen viele Male Übermenschen werden, wollten sein wie Götter. Sie sahen aber das Göttliche nicht in der Liebe, sondern in der Macht. So bauten sie babylonische Türme, die immer wieder einstürzten. Als aber Gott Mensch geworden ist, da ist er in der Gestalt der verletzbaren und schließlich gekreuzigten Liebe erschienen. Er hat sich gezeigt in der Gestalt des Kindes von Betlehem und des jungen Mannes von Nazaret, der nicht schlug, als er geschlagen wurde, der in souveräner Friedfertigkeit den ihn bedrängenden Hass von innen her überwältigt hat.
Das ist Erlösung: Versöhnung zwischen Himmel und Erde, zwischen Mensch und Gott, zwischen Mensch und Mensch. Das ist auch Versöhnung des Menschen mit sich selbst. Darum drängt der liturgische Ruf "Das Wort ist Fleisch geworden" jene, die von seiner Wahrheit überzeugt sind, sich niederzuknien, sich klein zu machen vor einem so großen Geheimnis.
Aus: Egon Kapellari, Menschenzeit in Gotteszeit. Wege durch das Kirchenjahr. Styria Verlag, Graz Wien Köln 2002.
Das menschliche Dasein des Logos konnte auch kein anderes Los als das aller Geschöpflichkeit haben: es steht ganz und restlos in der Verfügung des Schöpfer-Gottes. Auch Jesus mußte anfangen. Wir können uns die Herrlichkeit dieses uns geschenkten Kindes noch so großartig vorstellen - seine Geburt selbst mußte jedenfalls schon Abstieg in die Enge bedeuten. Da hat er wahrhaft und echt unsere Geschichte angenommen. Wie wir das mit Vorzügen, die ihm die Theologie mit Recht zuschreibt, vereinigen können und müssen, ist eine andere Frage. Hier sollen wir merken, daß er gleich wie wir alle in die Welt gekommen ist, um mit uneinholbar Vorgegebenem, im Grunde mit dem Sterben zu beginnen. Nach Ignatius von Loyola [Exerzitien, Nr. 116] soll der Exerzitant [in den vierzigtägigen Exerzitien] "schauen und erwägen, was (Maria und Josef und andere) tun... dazu hin, daß der Herr... geboren werde und am Ende von so viel Mühen, von Hunger und Durst, Hitze und Kälte, von Schmähungen und Anwürfen am Kreuze sterbe, und das alles für mich". Nach Ignatius soll man das Leben des Herrn ohne Pseudoverklärung ansehen, ohne romantische Phrasen und ohne verharmlosenden Humanismus. Man soll bei der Betrachtung seiner Geburt betroffen feststellen: da, wo er geboren wird, beginnt der menschgewordene Logos mit seinem Todesgang, und alle die Dinge, die durch die Geschichte seiner Geburt hervorgehoben werden, künden schon das Ende in der restlosen Armut und Ohnmacht im Tode an.
Aus: Karl Rahner Lesebuch, herausgegeben von Karl Lehmann und Alber Raffelt. Herder Verlag Freiburg Basel Wien 2004 (1982).
Ich glaube an jesus christus
sohn des lebens bruder der menschen
erstgeborener aller schöpfung
der uns an unsere geschwister erinnert
die bäume und die vögel des himmels
schwester wasser und bruder feuer
er verbindet uns mit allem was lebt
auf unserem kleinen planeten erde
Ich glaube an jesus
den sohn des lebens
das uns geschenkt wird
damit wir es weiter verschenken
er hat die kranken geheilt und die traurigen
er hat die hungrigen gespeist und die verzweifelten
ein mitarbeiter der schöpfung
die weitergeht an jedem tag
in unserer arbeit
wenn wir unsere heimat vor der plünderung schützen
unseren kleinen planeten erde
Ich glaube an jesus
sohn des lebens und einer armen mutter
politischer gefangener unter pontius pilatus
zu tode gefoltert auch heute in den polizeikellern
lagern und kriegen
die wir noch immer dulden
auf unserem kleinen planeten erde
Ich glaube an jesus
den erstgeborenen aus dem tode
sie konnten ihn nicht fertigmachen
er ist von den toten auferstanden
er verbindet uns mit den toten vor uns
um die wir trauern
und den toten neben uns
die wir nicht gerettet haben
sie alle sind unsere schwestern und brüder
auf dem kleinen planeten erde
Ich glaube an jesus christus
kind des lebens
eine schwester für alle menschen
die wahrheit die uns frei machen wird
von dem zwang auszubeuten
und aus dem tode profit zu schlagen
In christus spüren wir den geist des lebens
in einer todessüchtigen welt
wir stehen auf mit ihm zu kämpfen
zu leiden und unser leben zu geben
bis gott sei alles in allem
auf unserm kleinen planeten erde
Amen
Aus: Dorothee Sölle, Mut. Kämpfe und liebe das Leben. Herder Verlag, Freiburg Basel Wein 2008.
Der Glaube ist mir in den fünfziger Jahren zugewachsen, in einer kirchlich stark engagierten Familie und in der Atmosphäre einer katholisch geprägten Schwarzwälder Kleinstadt. Ich habe mich nie bewusst für den Glauben entschieden, ihn auch nie ausdrücklich für mich entdeckt. Fasziniert haben mich seit Jugendtagen in erster Linie die intellektuelle Dimension und die kulturellen Ausdrucksformen des christlichen Glaubens. Als Oberstufenschüler habe ich Rahner, Welte und Metz gelesen und dann folgerichtig auch primär aus intellektuellem und kulturellem Interesse Theologie studiert. Dagegen habe ich mich mit religiösen Übungen, gleich welcher Art (den sonntäglichen Gottesdienst ausgenommen), immer schwergetan, ebenso mit »Glaubensgesprächen«, die ins Persönliche gehen.
Mein Zugang zum Glauben ist heute mehr denn je ein indirekter. Er speist sich zum einen aus den Texten älterer Kirchenlieder, nicht zuletzt aus der Feder von Paul Gerhardt. Ich finde es ausgesprochen hilfreich und auch der Sache angemessen, nicht mit eigenen Worten über die Geheimnisse des Glaubens sprechen zu müssen, sondern Texte vergangener Zeiten zitieren zu können. Zu den indirekten Annäherungen an den Glauben gehören für mich neben der Poesie auch Werke der Architektur und vor allem der Musik. Man sollte mit der Rede von einem »ästhetischen Beweis« für die Existenz Gottes oder seine Offenbarung in Jesus Christus vorsichtig sein. Aber es gibt für mich die Evidenz eines romanischen, gotischen oder barocken Kirchenraums, die Evidenz der h-moll-Messe, der Matthäuspassion und der Missa Solemnis. Solche Musik kann nicht lügen. »Solange die Kantate dauert, bin ich gerettet. Aber auch die himmlischste Musik mündet ins Schweigen« (Albert von Schirnding).
Ich weiß nach jahrzehntelanger Beschäftigung mit Theologie und Christentumsgeschichte viel über die verschiedensten Facetten praktizierten Glaubens und kirchlichen Lebens. Über dieses differenzierte Wissen bin ich auch froh, denn es hilft bei vielen Gesprächen oder Auseinandersetzungen über religionsbezogene Themen, die sich ja meistens im Vorfeld der eigentlichen Glaubensfragen abspielen. Aber gleichzeitig ist für mich der Glaube im Lauf der Zeit immer elementarer und damit auch in einem bestimmten Sinn geheimnishafter geworden. Es kommt mir zunehmend so vor, als sei der christliche Glaube so etwas wie ein kostbarer und gleichzeitig rätselhafter Kern, den es immer wieder vorsichtig zu umkreisen und an den es sich anzunähern gilt, den man verfehlt, wenn man ihn vorschnell oder plump bejaht und damit enträtselt. In diesem Sinn gibt es für mich als Glaubenden eine Solidarität mit nichtglaubenden Zweiflern und Skeptikern. Aber ich habe auch unverhohlenen Respekt vor Menschen, die ihren Glauben aus einer letzten Sicherheit, aber gleichzeitig unspektakulär leben und bezeugen. Es braucht vermutlich beides.
Lesung aus dem Buch Jesus Sirach:
Die Weisheit lobt sich selbst
und inmitten ihres Volkes rühmt sie sich.
In der Versammlung des Höchsten öffnet sie ihren Mund
und in Gegenwart seiner Macht rühmt sie sich:
Der Schöpfer des Alls gebot mir,
der mich schuf, ließ mein Zelt einen Ruheplatz finden.
Er sagte: In Jakob schlag dein Zelt auf
und in Israel sei dein Erbteil!
Vor der Ewigkeit, von Anfang an, hat er mich erschaffen
und bis in Ewigkeit vergehe ich nicht.
Im heiligen Zelt diente ich vor ihm,
so wurde ich auf dem Zion fest eingesetzt.
In der Stadt, die er ebenso geliebt hat,
ließ er mich Ruhe finden,
in Jerusalem ist mein Machtbereich,
ich schlug Wurzeln in einem ruhmreichen Volk,
im Anteil des Herrn, seines Erbteils.
Lesung aus dem Buch Jesus Sirach:
Die Weisheit lobt sich selbst
und inmitten ihres Volkes rühmt sie sich.
In der Versammlung des Höchsten öffnet sie ihren Mund
und in Gegenwart seiner Macht rühmt sie sich:
Ich ging aus dem Mund des Höchsten hervor
und wie Nebel umhüllte ich die Erde.
Ich schlug in den Höhen mein Zelt auf
und mein Thron stand auf einer Wolkensäule.
Den Kreis des Himmels umschritt ich allein
und in der Tiefe der Abgründe ging ich umher.
Auf den Wogen des Meeres
und auf der ganzen Erde,
in jedem Volk
und in jeder Nation hatte ich Besitz.
Bei all diesen suchte ich Ruhe
und in wessen Erbteil ich verweilen kann.
Da gebot mir der Schöpfer des Alls,
der mich schuf, ließ mein Zelt einen Ruheplatz finden.
Er sagte: In Jakob schlag dein Zelt auf
und in Israel sei dein Erbteil!
Vor der Ewigkeit, von Anfang an, hat er mich erschaffen
und bis in Ewigkeit vergehe ich nicht.
Im heiligen Zelt diente ich vor ihm,
so wurde ich auf dem Zion fest eingesetzt.
In der Stadt, die er ebenso geliebt hat,
ließ er mich Ruhe finden,
in Jerusalem ist mein Machtbereich,
ich schlug Wurzeln in einem ruhmreichen Volk,
im Anteil des Herrn, seines Erbteils.
Kv: Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. - Kv
Oder: Halleluja
Oder: GL 255
Jerusalem, rühme den HERRN! *
Zion, lobe deinen Gott!
Denn er hat die Riegel deiner Tore festgemacht, *
die Kinder in deiner Mitte gesegnet. - Kv
Er verschafft deinen Grenzen Frieden, *
er sättigt dich mit bestem Weizen.
Er sendet seinen Spruch zur Erde, *
in Eile läuft sein Wort dahin. - Kv
Er verkündet Jakob sein Wort, *
Israel seine Gesetze und seine Entscheide.
An keinem anderen Volk hat er so gehandelt, *
sie kennen sein Recht nicht. - Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Ephesus.
Gepriesen sei Gott,
der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.
Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet
durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.
Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Grundlegung der Welt,
damit wir heilig und untadelig leben vor ihm.
Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt,
seine Söhne zu werden durch Jesus Christus
und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen,
zum Lob seiner herrlichen Gnade.
Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn.
Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken,
wenn ich in meinen Gebeten an euch denke;
denn ich habe von eurem Glauben an Jesus, den Herrn,
und von eurer Liebe zu allen Heiligen gehört.
Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn,
der Vater der Herrlichkeit,
gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung,
damit ihr ihn erkennt.
Er erleuchte die Augen eures Herzens,
damit ihr versteht,
zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid,
welchen Reichtum
die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt.
Die zweite Lesung stammt aus dem Anfang des Briefes an die Epheser, wo der Verfasser sich in Form eines Dank- und Fürbittgebetes an die Christen in Ephesus wendet. Er will sie daran erinnern, dass sie von Anfang an von Gott erwählt wurden und schon jetzt unter Gottes Segen stehen. Diese Gewissheit ist den Christen durch den Heiligen Geist geschenkt. Er lehrt sie die Erkenntnis, dass sie als Kirche Christi Leib sind und deshalb untrennbar mit Christus verbunden. Der Geist ist das Siegel der Liebe Gottes und damit unserer Erlösung.
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Ephesus.
Gepriesen sei Gott,
der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.
Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet
durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.
Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Grundlegung der Welt,
damit wir heilig und untadelig leben vor ihm.
Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt,
seine Söhne zu werden durch Jesus Christus
und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen,
zum Lob seiner herrlichen Gnade.
Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn.
In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut,
die Vergebung der Sünden
nach dem Reichtum seiner Gnade.
Durch sie hat er uns reich beschenkt,
in aller Weisheit und Einsicht,
er hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan,
wie er es gnädig im Voraus bestimmt hat in ihm.
Er hat beschlossen,
die Fülle der Zeiten heraufzuführen,
das All in Christus als dem Haupt zusammenzufassen,
was im Himmel und auf Erden ist, in ihm.
In ihm sind wir auch als Erben vorherbestimmt
nach dem Plan dessen, der alles so bewirkt,
wie er es in seinem Willen beschließt;
wir sind zum Lob seiner Herrlichkeit bestimmt,
die wir schon früher in Christus gehofft haben.
In ihm habt auch ihr das Wort der Wahrheit gehört,
das Evangelium von eurer Rettung;
in ihm habt ihr das Siegel
des verheißenen Heiligen Geistes empfangen,
als ihr zum Glauben kamt.
Der Geist ist der erste Anteil unseres Erbes,
hin zur Erlösung,
durch die ihr Gottes Eigentum werdet,
zum Lob seiner Herrlichkeit.
Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken,
wenn ich in meinen Gebeten an euch denke;
denn ich habe von eurem Glauben an Jesus, den Herrn,
und von eurer Liebe zu allen Heiligen gehört.
Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn,
der Vater der Herrlichkeit,
gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung,
damit ihr ihn erkennt.
Er erleuchte die Augen eures Herzens,
damit ihr versteht,
zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid,
welchen Reichtum
die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt.
am 2. Sonntag der Weihnachtszeit
vgl. 1 Tim 3,16
Halleluja. Halleluja.
Christus, offenbart im Fleisch, verkündet unter den Heiden,
Christus, geglaubt in der Welt: Ehre sei dir!
Halleluja.
Das fleischgewordene Wort Gottes ist als Licht in die Welt gekommen. In einer dunklen Zeit brauchen wir es. Dieses wahre Licht kann nur mit den Augen des Herzens gut gesehen werden.
Hell sind unsere Tage nicht gerade. Es wird nicht nur früh dunkel – die Nachrichten des Tages geben uns den Rest. Ob die Augen des Herzens, von denen im Brief an die Gemeinde zu Ephesus die Rede ist, erleuchtet werden können? Ein Schüler des Apostel Paulus hat dieses schöne Bild gefunden. Nur: können die Augen des Herzens mehr sehen als die beiden Augen, die so keck in die Welt schauen? In denen wir so vieles lesen können? In denen sich Menschen sogar verlieren (und verlieben) können?
Aber die Augen des Herzens sind wohl ein Geschenk. Für die, die von Gott erwählt, geliebt und gesegnet sind. Wir sollen sehen können, zu welcher Hoffnung wir berufen sind, welcher Reichtum uns zuteil wird, welcher Geist unter uns waltet. Eine ganz eigene Welt tut sich auf, in der nicht nur die Liebe alles zählt und wiegt, sondern Gottes Lob in allen Dingen liegt. Wie sagte der Kleine Prinz? „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“
Den Briefschreiber würde ich gerne kennen, aber er hat es vorgezogen, sich hinter einem großen Namen zu verstecken. Aber auch so ist es eine lichtvolle Geschichte: Gott hat uns aus Liebe, vor aller Zeit schon, ohne unser Zutun, als seine Söhne und Töchter, als seine Kinder bestimmt – und eben auch als Erben.
Die Augen des Herzens! Sie sehen tatsächlich mehr als das, was vor Augen ist. Sie sehen Gott. Hell sind unsere Tage nicht gerade. Es wird nicht nur früh dunkel – uns kommt die Hoffnung abhanden. Doch mitten drin: Gott.
Probieren wir doch einmal, mit den Augen des Herzens zu sehen! Was sehen wir? Wir sehen – ein Wort. Nein, das Wort. Kann man ein Wort sehen? Doch, wenn das Wort Fleisch wird, kann man es sehen. Sie schauen ein wenig ratlos? Die Formulierung ist von Johannes. Er hat sie an den Anfang des Evangeliums gestellt:
Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt
und wir haben seine Herrlichkeit geschaut,
die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit.
Ein wundersamer, überraschender Anfang! Mit dem Wort ist Gott selbst gemeint. Philosophen aller Couleur haben sich schon darüber den Kopf zerbrochen. Gott – Wort? Die Bücher, die darüber geschrieben wurden, brauchen eine eigene Bibliothek. Regale, die nicht in Metern, sondern in Kilometern zu messen wären. Mit einem Wort: Gott passt in keinen Raum. Aber: er wird Fleisch. In Liedern ist davon die Rede, dass sich das ewige Gut verkleidet, aber davon ist hier nicht die Rede. Fleisch ist übrigens vergänglich, hinfällig. Alles Fleisch ist wie Gras, heißt es beim Propheten Jesaja – geht der heiße Wind darüber, ist es nicht mehr da. Verdorrt, verbrannt, verloren. Dass Gott sich so zeigt, hat weniger Staunen, aber umso mehr Befremden ausgelöst: Der Ewige – Fleisch? Die Kirchenväter haben darüber lange Streitgespräche geführt, Konzilien um Formulierungen gerungen und Gelehrte fast den Verstand verloren. Aber es ist das Geheimnis Gottes: ein Mensch. Ganz. Und doch: Gott. Ganz.
Was sehen wir noch? Wir sehen es hell werden. Nein, wir sehen die Herrlichkeit Gottes.
Wir sehen sie – niedrig geworden, klein gemacht, am Kreuz hängen. Aber es liegt jetzt ein Glanz über uns. Es ist der Glanz einer Liebe, der sich von Finsternis nicht verdrängen lässt. Während die Finsternis alles frisst – meine Hoffnung auch – leuchtet das Licht in der Finsternis. Und die Finsternis ist nicht mehr Finsternis! Sie hat ihren Meister gefunden!
Johannes sieht, wie Menschen die Finsternis nicht nur fürchten, sondern sie für ihre Zwecke einsetzen, gar missbrauchen. Diese Menschen können das Licht nicht annehmen, mehr noch: sie fürchten sich vor nichts so sehr wie vor dem Licht. Halten sie es nicht aus, entlarvt zu werden? Fürchten sie sich, nackt da zu stehen? Glauben sie, nur mit Hass und Angst ihre Welt im Griff zu haben? Aber wieviel Finsternis braucht man, um das Licht unsichtbar zu machen – und wie wenig Licht braucht man, um die Finsternis hell werden zu lassen?
Wer das Wort, Jesus, aufnimmt, dem ist die Macht gegeben, Kind Gottes zu sein – und ein Licht zu sein.
Nur die Augen des Herzens werden das schauen können!
In seiner großen Vorrede zum Evangelium lässt uns Johannes schauen, wo Gott wohnt. Seine Anschrift, sozusagen. Aber es ist kein festes Haus, in das er sich zurückgezogen hätte. Es gibt auch keine Tür, keine Fenster, keine Klingel. Es ist ein – Zelt. Unbefestigt. Beweglich. Den Stürmen ausgesetzt. Wie die Flüchtlingszelte auf Lesbos. Da haust Gott. Da ist er zu Hause. Er sieht, wie die Ratten Kinder beißen. Er sieht, wie der Schlamm sich in die Matratzen frisst. Er sieht, wie Menschen sterben und entsorgt werden. Er sieht… Er ist mitten drin. Was Johannes wohl dabei dachte, als er das so aufschrieb:
Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gezeltet.
Oft denke ich, oft gefällt mir die Vorstellung, Gott wäre im Himmel. Das würde zu ihm passen. Zu seiner Weite und Größe. Voller Sterne. Unendlich. Doch, wenn er Mensch ist, bleibt ihm nur das Zelt. Immer unterwegs. Immer unter Menschen. Doch, wenn er Fleisch ist, eitern seine Wunden. Er braucht Hilfe. Er braucht Barmherzigkeit. Ob ich ihn da suche? Verschämt schaue ich weg. Alles, was ich von Gott denke – hat er längst hinter sich zurückgelassen. Ich schaue Jesus an. Ihm eilt der Ruf – und das Vertrauen – voraus, dass er der Anführer und Vollender des Glaubens ist. Seine Herrlichkeit finde ich nur in der Liebe.
Nur die Augen des Herzens werden das schauen können!
Heute, am Anfang eines neuen Jahres, wünschen wir uns Augen des Herzens! Wir erbitten einen neuen Blick darauf, aus den Fängen der Pandemie befreit zu sein, unbefangen zu leben und einander nahe kommen zu können.
Vielleicht übersehen wir in dieser so verständlichen Hoffnung, dass schon vor Corona die Finsternis grassierte. Klimaveränderungen, an denen wir Menschen nicht unschuldig sind, bringen weltweit große Not! Die soziale Ungleichheit taucht nicht nur in Statistiken auf, sondern auf der Straße! Viele Menschen hausen unter menschenunwürdigen Bedingungen in Zelten, in die kein Camper zieht!
Hell sind unsere Tage nicht gerade. Es wird nicht nur früh dunkel – die Nachrichten des Tages geben uns den Rest. Ob die Augen des Herzens, von denen im Brief an die Gemeinde zu Ephesus die Rede ist, erleuchtet werden können? Ob wir das Licht sehen? Ob wir zu Licht werden?
Gepriesen sei Gott,
der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.
Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet
durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Weihnachten ist ein Fest der Nähe Gottes. Wie können wir einander diese Nähe spüren lassen, wenn wir einander nicht nahekommen dürfen? Die Coronabeschränkungen haben viele neue Wege und Ausdrucksformen finden lassen. Auch im Bereich des Glaubens gilt es Neues zu probieren, um unsere Freude über das Nahesein Gottes zu zeigen und einander spüren zu lassen.
Wir feiern in diesem Jahr Weihnachten, wie wir es noch nie gefeiert haben. Zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus müssen wir eine Reihe von Regeln einhalten, die unsere Feierstimmung beeinträchtigen. Die Gesichtsmasken passten eher in den Fasching, es fehlt nur noch die bunte Bemalung. Wir sind angehalten, zu allen Personen, mit denen wir nicht im selben Haushalt leben, einen Babyelefanten weit Distanz zu wahren. Kein Händeschütteln, kein Umarmen, keine körperliche Nähe, kein gemeinsames Singen, auch auf den Chor müssen wir verzichten.
Warum ist uns körperliche Nähe so wichtig? Weil wir aus Fleisch und Blut sind! Menschen aus Fleisch und Blut wollen jene, die sie liebhaben, umarmen, manche auch liebkosen, ihre körperliche Nähe spüren. Dies tut uns gut und ist wichtig für unser emotionales Wohlbefinden.
Im Weihnachtsevangelium des Evangelisten Johannes haben wir den großartigen Hymnus von der Fleischwerdung Gottes gehört. Niemand weiß, wie Gott ist. Es fehlen uns die Worte ihn treffend zu beschreiben. Wir können nur erahnen, dass er der Inbegriff der Weisheit und der Liebe sein muss, aus dem die ganze Schöpfung hervorgegangen ist. Johannes fasst das Wesen Gottes mit dem griechischen Wort Logos zusammen. In unserer Sprache brauchen wir mehrere Wörter, um dieses Wort ausreichend zu übersetzen: Logos bedeutet Weisheit, Wort, Geist, Sinn und beinhaltet alle positiven geistigen Kräfte. In Jesus von Nazareth, so die Botschaft des Evangelisten, hat diese geballte Kraft Gottes menschliche Gestalt angenommen: "Und das Wort, der Logos, ist Fleisch geworden" lautet seine Zusammenfassung des Weihnachtsgeheimnisses.
Am Menschen Jesus von Nazareth sehen wir, wie Gott ist, wie wir uns Gott vorstellen können. In ihm ist Gott den Menschen nahegekommen, ist Gott sichtbar, berührbar und angreifbar geworden. Jesus hat sich berühren und umarmen lassen. Er hat Menschen berührt und umarmt. Diese Erfahrung haben Menschen, die mit Jesus in Berührung gekommen sind, als ein von Gott Berührtwerden erlebt. Diese Erfahrung hat sie geheilt, versöhnt, wieder ganz werden lassen, sie zu Menschen werden lassen, ihnen die verlorene Menschenwürde zurückgegeben.
Es fällt uns schwer, an diesem Weihnachtsfest auf viele Ausdrucksformen der Nähe und des Wohlwollens zu verzichten. Wenn wir vorübergehend unser diesbezügliches Repertoire einschränken müssen, ist es umso wichtiger, einander unser gegenseitiges Wohlwollen auf andere Weisen zu zeigen und spüren zu lassen: wenn wir z.B. Kindern zulächeln und ihnen signalisieren, dass sie in dieser Welt willkommen sind; wenn wir uns von der Not von Menschen, die es aus irgendeinem Grund schwer haben, berühren lassen; wenn wir alten Menschen Zeit und Aufmerksamkeit schenken…
Dieses Wohlwollen gilt es auch in unserem politischen Engagement für eine gerechtere Welt zu zeigen, für gesunde Lebensbedingungen aller Menschen, auch wenn dieses Umdenken uns Einschränkungen und Verzicht abverlangt.
Das Krisenjahr 2020 hat uns viel Verzicht abverlangt und uns viele Einschränkungen auferlegt. Vieles ist und war zum Jammern. Manches Mal hatte ich den Eindruck, dass in den Medien verschiedene Interessensgruppen um die Wette gejammert haben. Es wurde aber nicht nur gejammert. Es ist auch viel Neues entstanden. Es wurden viele positive Kräfte geweckt: Solidaritätsbekundungen, Zuversicht im Sinne "gemeinsam schaffen wir das!", aber auch Humor. Noch nie hat in den sozialen Medien der Witz und Schmäh so geblüht wie in den vergangenen Monaten.
Auch als Gläubige konnten und können wir viele gewohnte Ausdrucksformen unseres Glaubens nicht vollziehen. Die Not hat aber im religiösen Bereich viele Menschen neue Wege finden lassen, wie wir das Geheimnis des Glaubens, wie wir die Liebe und das Wohlwollen Gottes in unserer Welt aufs Neue sichtbar und spürbar machen können.
Ein jeder von uns ist gefordert, die Frohe Weihnachtsbotschaft von der Nähe und dem Wohlwollen Gottes in seine Welt hineinzutragen. Wünschen wir einander nicht nur mit Worten sondern auch mit Blicken und anderen Zeichen des Wohlwollens ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest. Wenn wir so unsere Zuversicht miteinander teilen, schenken wir Weihnachtsfreude und können wir so ein wenig vom Geheimnis der fleischgewordenen Liebe Gottes einander spüren lassen.
Das Weihnachtsgeheimnis ist unerschöpflich. Der Evangelist Johannes fasst diese Frohe Botschaft im Prolog zu seinem Evangelium zusammen. Er gibt darin unserem Staunen nicht nur Worte, sondern fordert uns auch auf, als Kinder Gottes die Liebe Gottes anzunehmen und weiterzuschenken.
In der "guten alten Zeit" haben die Redemptoristen an jedem 24. Eines Monats das Geheimnis der Menschwerdung in besonderer Weise meditiert und gefeiert. Das führte manches Mal zu grotesken Situationen, wenn etwa Novizen mitten im Sommer Weihnachtslieder gesungen haben.
Unser Ordensgründer Alfons Maria von Liguori war von der Menschwerdung Gottes, von der Inkarnation, so fasziniert, dass sie seine Spiritualität nachhaltig prägte. Auch die Eucharistie verstand er von der Inkarnation, der Menschwerdung Gottes her. Jesus wollte auch nach seinem Tod mit Fleisch und Blut unter den Menschen gegenwärtig sein. In der Anbetung und Verehrung des eucharistischen Brotes verneigte er sich vor der Liebe Gottes, die im Vollzug der Eucharistie so weit geht, dass sie in uns Fleisch werden will.
Am zweiten Sonntag nach Weihnachten lesen wir noch einmal den Beginn des Johannesevangeliums, den sog. Prolog, in dem der Evangelist sein ganzes Evangelium zusammenfasst. Das Wort, der Logos, die Weisheit und der Geist Gottes sind in Jesus Mensch geworden. Fleisch, handfest und konkret.
Dieses Evangelium lässt uns nicht nur staunen und nach Worten ringen, wie wir das ausdrücken können, sondern stellt an uns auch die Frage: Welche Konsequenzen ziehen wir aus diesem Sichtbarwerden der Liebe Gottes? Johannes beschreibt es als Inbegriff des Lebens und als Licht, das die Finsternis überwindet. Alle, die Jesus aufnehmen, werden bevollmächtigt, Kinder Gottes, göttlich, zu werden. Es liegt an uns, diese Welle göttlichen Lebens und Lichts in uns aufzunehmen und in die Welt hineinwirken zu lassen.
Wie können wir heute verstehen, was Johannes mit den Begriffen »Licht« und »Leben« zum Ausdruck bringen will?
"Die Kraft positiven Denkens" lautete ein viel beachteter Buchtitel des Autors Norman Vinzent Peale. Er zeigt darin, wie »positives Denken« das Leben eines Menschen verändern kann. Wird es lediglich als psychologische Selbstmanipulation angewandt, ist es nicht mehr als ein fragwürdiger Psychotrick. Was aber, wenn dieses positive Denken einen tieferen Grund in einer gläubigen, die Welt und das Leben bejahenden Weltsicht hat?
Wer das Leben und die Schöpfung als das Werk eines liebenden Gottes versteht und daran glauben kann, dass diese Liebe auch das Negative und Dunkle, das uns im Leben und in der Welt begegnet, überwinden kann, wird diesen Glauben als reiche Kraftquelle erfahren. Wer diese positive Weltsicht teilen kann, wird auch bereit, sich für die Entfaltung des Lebens einzusetzen.
Zu Weihnachten haben wir uns beschenken lassen. In den Geschenken haben wir uns gegenseitig unser Wohlwollen ausgedrückt. Zuvor schon sind wir von Gott reich mit seinem Wohlwollen beschenkt worden. Liebe entfaltet sich im Empfangen und im Geben. Wie Kinder durch die Liebe, die sie empfangen, lernen, was Liebe bedeutet, und selbst in der Liebe wachsen und fähig werden zu lieben, so lernen wir als Kinder Gottes aus der Liebe Gottes und werden wir befähigt, die Liebe Gottes weiterzugeben.
Dies kommt in vielen Weihnachtsliedern wie z.B. "Ich steh an deiner Krippe hier" von Paul Gerhardt zum Ausdruck. Wie die Hirten und die Sterndeuter stehen wir staunend vor dem Geheimnis der Liebe Gottes und nehmen sie in uns auf. Dies können wir nicht zu oft einüben. Wir sind jedoch nicht nur eingeladen, sie mit nach Hause zu nehmen, sondern wir sind auch berufen, sie fruchtbar zu machen und weiterzuschenken.
Während Matthäus und Lukas in Erzählungen über die Geburt Jesu dessen Bedeutung für die Menschen zum Ausdruck bringen, ordnet Johannes in seinem Prolog zum Evangelium sein Leben in kosmische Dimensionen ein.
Zum Jahreswechsel haben die Zeitungs- und Fernsehkommentatoren Hochsaison. Jahresrückblicke und -vorschauen fordern sie heraus, die vergangenen Ereignisse zu bewerten und in größere Zusammenhänge einzuordnen. Was noch vor wenigen Wochen als historisches Jahrhundertereignis gefeiert und medial ausgeschlachtet wurde, wird nun plötzlich nur mehr am Rand erwähnt. Die tägliche Berichterstattung ist häufig versucht, ein Geschehen als Jahrhundertereignis herauszustreichen, um damit die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erreichen. Was wirklich für die größeren Geschichtszusammenhänge bedeutsam ist, wird sich erst im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte herausstellen.
Die Evangelisten, die über die Geburt Jesu berichten, bemühen sich auch, das Auftreten Jesu in den großen Geschichtszusammenhängen zu verorten. Matthäus stellt einen Stammbaum Jesu vor (Mt 1,1-17), der bei Abraham, dem Stammvater Israels beginnt und über den König David bis Jesus von Nazareth keinen großen Namen der Geschichte Israels auslässt. Lukas bringt auch einen Stammbaum Jesu (Lk 3,23-38) und verfolgt die Abstammung Jesu zurück bis auf Adam, den ersten Menschen. Johannes holt noch einmal weiter aus und beginnt sein Evangelium mit den Worten "Im Anfang war das Wort..." Er lässt seine Geschichte also noch vor der Menschheitsgeschichte, sogar vor aller Schöpfung beginnen. Jeder der drei verfolgt dabei ein anderes theologisches Interesse. Während Matthäus die Bedeutung Jesu für die Geschichte Israels, also für die Geschichte des Gottesvolkes betont, geht es Lukas um die Bedeutung Jesu für die ganze Menschheit.
Für Johannes ist Jesus, seine Geburt und das, was er ausgelöst hat, Mittelpunkt des ganzen Universums. Auf ihn hin ist alles geschaffen. Er ist gleichsam der Schlüssel, wenn man den Sinn all dessen, was existiert, erfassen will.
Dabei geht es ihm nicht nur um eine zeitliche Einordnung in den Lauf der Geschichte. Er zieht auch alle Register, um die qualitative Einzigartigkeit Jesu zu beschreiben. Während sich Matthäus und Lukas bemühen, Jesus als den erwarteten Messias, bzw. als den Retter der Menschen vorzustellen, verwendet Johannes Begriffe wie »Wort«, »Sinn«, »Licht«, »Leben«. Sein Text ist so dicht, dass man ihn nicht oft genug lesen kann, um zu erahnen, wer da in der Person Jesu in die Welt getreten ist.
So genial Johannes die Bedeutung Jesu für den ganzen Kosmos, die gesamte Schöpfung und für das gesamte menschliche Dasein zusammenfasst, so sehr ist ihm auch daran gelegen, die Menschwerdung Jesu als Schlüssel für die persönliche Existenz jedes einzelnen Gläubigen herauszuarbeiten: "Und das Wort ist Fleisch geworden" (Joh 1,14). Damit wird die von vielen Menschen am eigenen Leib erfahrene und als Gegensatz empfundene Spannung zwischen Geist und Leib aufgehoben, bzw. versöhnt. Auch der Gegensatz von Himmel und Erde wird überwunden: "Allen die ihn aufnahmen, gab er die Macht, Kinder Gottes zu werden." (Joh 1,12). Nicht nur "Gott ist im Fleische", wie es ein einem Liedtext heißt, sondern auch wir sind als Kinder Gottes in Gott.
In der Liturgie des zweiten Sonntags der Weihnachtszeit klingt all das Große, das wir im Weihnachtsfest begehen, nach. Über dieses großartige Ereignis können wir nur staunen, Gott danken und anbetend vor dem Geheimnis seiner Menschwerdung verharren.
Der Johannesprolog ist ein zentraler Text des Johannesevangeliums. Mit dem Kind in der Krippe ist Sinn, Licht und Fülle in unser Leben gekommen.
Am 2. Sonntag nach Weihnachten hören wir als Evangelium nochmals den Anfang des Johannesevangeliums, den sog. Prolog. Den Älteren unter Ihnen ist dieser Text ja vielleicht noch als "Schlussevangelium" in lateinischer Sprache nach der alten Liturgie vor dem Konzil bekannt. Da wurde er am Ende jeder Messfeier gelesen. Es muss schon ein sehr wichtiger Text sein, wenn er damals praktisch täglich und heute auch noch zweimal hintereinander in der Weihnachtsliturgie vorkommt. In diesen ersten Worten seines Evangeliums hat der Evangelist Teile eines bereits in der Tradition früher vorkommenden Textes hineinverarbeitet. Leicht zu interpretieren sind diese Zeilen aber nicht. Ein Exeget schrieb darüber vor mehr als 100 Jahren (H. J. Holtzmann): „Überhaupt zeigt jeder Blick in die Commentare, dass die Exegese des Prologs sich jeher der Methode des Rathens bediente“. Deshalb will ich - ohne Anspruch auf eine vollständige Auslegung - nur einzelne Verse herausgreifen, die mir den Sinn von Weihnachten etwas mehr erhellen.
Der Text beginnt mit „Am Anfang“ und erinnert sofort an den Beginn der ganzen Bibel, an die Schöpfungsgeschichte in Gen 1; dort heißt es „Im Anfang“. In beiden Texten spielt das Wort die bedeutende Rolle. Das griechische »λογος« (logos) wird mit »Wort«, aber auch mit »Sinn« übersetzt. Den Sinn des eigenen Lebens entdecken und leben zu können, ist für den Einzelnen im Leben wichtiger als Macht, Reichtum und Anerkennung zu finden. Dieses Wort, von dem wir in der heutigen Perikope hören, vermittelt Leben, indem es uns Orientierung gibt.
In Joh 1, 4 heißt es: „In ihm war das Leben und das Leben war das Licht des Menschen.“ Damit ist nicht das natürliche Licht der Vernunft gemeint, das der Mensch im Gegensatz zum Tier besitzt. Dieses Licht, das unser ganzes Leben erhellt, ist an das »Wort« gebunden, das Fleisch geworden ist: an Jesus Christus. Er hat uns in einer für uns verständlichen Form vorgelebt, was es heißt, den Sinn des eigenen Lebens zu erkennen und das zu leben, was nur jeder Einzelne für sich leben kann. Er ist für uns das Wort geworden, in dem Gott sich für uns vernehmbar macht.
Indem er Fleisch angenommen hat, also sich den Gesetzen des Menschseins unterworfen hat, ist er zum Mittler zwischen dem Schöpfer und den Geschöpfen geworden. Und so kann uns der Evangelist einige Kapitel später auch das Jesuswort übermitteln: „Ich bin das Licht der Welt“. Er ist das innere Licht, das jeder, der an ihn glaubt, in sich trägt.
Wenn in einem total finsteren Raum auch nur eine Kerze angezündet wird, dann hat sie die Finsternis zunichte gemacht. Es kann nicht mehr finster sein, wenn auch nur ein schwaches Licht brennt. Licht löscht Finsternis aus. Mit dem Kind in der Krippe ist Licht in die Finsternis dieser Welt gekommen. Jesus Christus war nicht nur in seiner Lebenszeit vor 2000 Jahren präsent in dieser Welt, sondern jeder, der ihn aufnimmt, wird zum Kind seines Vaters und bringt wie er selbst durch sein auf Gott und seinen Nächsten bezogenes Verhalten Licht in die Finsternis dieser Welt. Mit dem Glauben an ihn ist zwischenmenschliches Handeln verbunden und die gelebte Hoffnung, dass der eigene Weg nicht ins Leere führt sondern ein Ziel hat, das für jeden von uns erreichbar ist. In jedem von uns, der ihn aufnimmt, brennt dieses Licht weiter: für ihn selbst und für die, die ihm auf seinem Lebensweg mitgegeben sind.
Das ist mehr als nur ein rein humanistisches Handeln, das die Fähigkeit des Menschen im Blickfeld hat, zu einer besseren Lebensform zu finden. Vielmehr ist ein Mensch, der sich dieses inneren Lichts und dessen Herkunft von Gott bewusst ist, ein religiöser Mensch. Religion kommt vom lateinischen relegere - gewissenhaft berücksichtigen - oder von religare, zurückbinden. In beiden Interpretationen geht es darum, dass sich der Mensch bewusst ist, dass er einem höheren Sein verpflichtet ist. Wie es der Johannesprolog ausdrückt: dem „wahren Licht, das jeden Menschen erleuchtet“. Dieses Licht feiern wir im fleischgewordenen Kind in der Krippe zu Weihnachten. Er hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen.
Die moderne Hirnforschung meint zu wissen, dass der Mensch als „Füllewesen“ auf die Welt kommt. Angeblich sind bereits bei der Geburt 98 % unseres gesamten menschlichen Potenzials in uns angelegt. Nur, je älter wir werden umso mehr verkommt dieses ursprünglich Angelegte in uns. Der Glaube an das uns geschenkte göttliche Kind, das Licht, das wir in uns tragen, kann uns helfen, unsere Talente zu leben, zu Gebenden zu werden, immer wieder aus dem Gewohnten herauszufinden, uns wandeln zu lassen, uns immer wieder auf Neues einzulassen.
Dieser Blick nach innen, auf unser inneres Licht, kann allem Leid, dem wir als Menschen ausgesetzt sind, durch Sinnerfahrung und Reife eine Wendung geben. Psychologen sprechen heute von Resilienz. Sie bezeichnen damit die Fähigkeit, die ein Mensch entwickeln kann und die ihm hilft, an schwierigen und schwierigsten Situationen in seinem Leben nicht zu verzweifeln. So kann Lebensfreude entstehen trotz Schmerz und Leid. Die Erfahrung des Sinns in allem, was uns begegnet, erspart uns die ständige mühsame Beurteilung, ob das oder jenes, was uns gerade widerfährt, ein Unglück oder Segen für uns bedeutet. Der Blick auf unser inneres Licht befreit uns zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes und hilft uns in hoffnungsvoller Erwartung zu leben.
Das ist die Botschaft von Weihnachten. Paul Gerhardt hat das in der 2. Strophe des Weihnachtsliedes „Ich steh an deiner Krippe hier“ sehr berührend ausgedrückt:
Da ich noch nicht geboren war,
da bist du mir geboren
und hast mich dir zu eigen gar,
eh ich dich kannt, erkoren.
Eh ich durch deine Hand gemacht,
da hast du schon bei dir gedacht,
wie du mein wolltest werden.
»Wem gehört die Welt?« beginnen sich immer mehr Menschen zu fragen. Früher schien das selbstverständlich zu sein. Die Herrscher verstanden sich eingesetzt von Gottes Gnade und ließen daran nach ihrem Gutdünken andere teilhaben, indem sie Ländereien als Lehen – sozusagen als Leihgabe – weiter gaben. Die Krönung des Kaisers durch den Papst unterstrich das noch und ließ keine Zweifel aufkommen, dass es auch anders sein könnte.
Auch Demokratien, in denen die Macht vom Volk ausging, verstanden sich häufig in einem religiösen Kontext, der oft auch in der Verfassung verankert war. Immer öfter wird der religiöse Bezug aus Verfassungstexten entfernt, weil es in pluralen Gesellschaften kaum mehr möglich ist, diesbezüglich einen Konsens herzustellen, ganz zu schweigen von Staaten, die sich atheistisch verstehen.
Um sich nicht plötzlich in einem rechtsfreien Raum vorzufinden, haben sich die meisten Organisationen einen rechtlichen Rahmen gegeben, der ihnen ermöglich, ihre Besitzansprüche zu begründen und wahrzunehmen.
Es bleibt aber die Frage: »Wem gehört die Welt?« Gibt es nicht Gemeingüter, die niemand für sich allein beanspruchen kann? Die Ressourcen der Natur, die Atmosphäre, die »Gemeingüter des Geistes«, die kreativen Hervorbringungen vergangener Generationen, wem gehören sie? Gehören sie allen? Wer darf sie wie nutzen? Dürfen Besitzende mit ihrem Besitz tun, was sie wollen? Wer kann ihnen mit welchem Recht Grenzen setzen?
Im Weihnachtsevangelium des Johannes, dem großen Prolog zum vierten Evangelium, haben wir heute gelesen: "Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf." Und: "Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht."
Der Evangelist stellt eine Verbindung her zwischen dem Schöpfer, der am Anfang aller Zeit alles, was da ist, hervor gebracht hat, und dem Auftreten des Messias mitten in der Weltgeschichte. Für ihn ist klar, wem die Welt gehört: Dem, der sie geschaffen hat. Aber damit tritt der Messias in Konkurrenz mit allen, die sich als rechtmäßige Besitzer dieser Welt fühlen. Damit wäre auch das Misstrauen all jener erklärt, die dem Messias mit Argwohn gegenüberstehen wie der biblische König Herodes; stellvertretend für alle, die mit allen Mitteln ihre Macht- und Besitzansprüche verteidigen.
Aber Gott sei Dank geht es der Lichtgestalt des Johannes nicht um den Herrschafts- und Besitzanspruch über diese Welt. Dies würde früher oder später zu einem Gottesstaat führen und ist oft genug in diesem Sinne missverstanden worden. Einen solchen mögen zur Zeit Jesu einige jüdische Gruppierungen vom kommenden Messias erwartet haben. Von der Idee eines Gottesstaates sind wir im Laufe der Geschichte hoffentlich ausreichend geheilt worden. Wohin dies führen kann, zeigt sich immer wieder, wenn eine Religion oder eine Ideologie das letzte Wort für sich beansprucht.
»Das Wort«, das in Jesus Christus in diese Welt gekommen ist, erhebt einen anderen Anspruch. Es wirkt auf geistige Weise und erweist sich immer neu als wahr. Jesus sucht die Begegnung mit Menschen auf Augenhöhe und will von diesen aufgenommen werden. Wie er diese Begegnung mit den Bewohnern der Erde gestaltet, davon hören wir in den folgenden Kapiteln des Johannesevangeliums. Jesus wirkt durch seinen Geist. Er ist selbst der Fleisch gewordene Geist Gottes. Er kommt nicht, um die Welt in Besitz zu nehmen, sondern um sie zu verwandeln.
Für uns ist sein Eintritt in diese Welt eine Einladung, ihm zu begegnen und ihn bei uns aufzunehmen. Bei seiner ersten Ankunft wurde er zunächst abgelehnt, hinaus geworfen und vor der Stadt hingerichtet. Wie weit er bei uns Aufnahme findet, muss sich immer neu herausstellen.
Kind Gottes zu sein bedeutet, von der Art Gottes zu sein. Als Kinder Gottes stehen wir in seiner Gnade und haben wir Anteil an seinem Geist. Als Kinder Gottes sind wir dazu berufen, sein Werk fortzusetzen; nicht, indem wir die Welt in Besitz nehmen, sondern indem wir sie aus dem Geist des Messias heraus verwandeln. Kinder Gottes wurden wir zwar durch den sakramentalen Akt der Taufe. Diese Berufung muss aber vom jedem erst persönlich eingeholt werden, indem er oder sie sich der Begegnung mit Jesus Christus öffnet und seinen Geist annimmt. Und das liegt immer neu vor uns.
Weihnachten sind uns in den einzelnen Evangelien viele bewegende und sehr zu Herzen gehende Bilder von der Liebe Gottes zu uns vorgestellt worden: die schlichte Geburt des Sohnes Gottes, die Hirten und die Engel, der Stern, der die Weisen aus dem Morgenland führt und leitet. Im Vergleich zu diesen Bildern begegnet uns das heutige Evangelium zwar feierlich, sonst aber eher nüchtern. Johannes hat einen so ganz anderen Stil als die übrigen biblischen Berichterstatter. Der vierte Evangelist kleidet seine Darstellung vom Eintreten Jesu in unsere Welt in eine hoch theologische Sprache, die wie ein Gedicht klingt, aber nur schwer zu verstehen ist. Was will uns der Evangelist sagen?
Johannes holt weit aus. Ihm ist es wichtig, die Geburt Jesu in die gesamte Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen zu stellen. Darum beginnt er mit der Erschaffung des Universums durch Gott: Am Anfang war das Wort. Johannes möchte, dass wir im Blick auf die Geburt unseres Erlösers Jesus Christus uns daran erinnern, dass Gottes Größe nicht erst in der Menschwerdung Jesu sichtbar wird und für uns zum Tragen kommt. In Gott hat alles Seiende seinen Ursprung. Gott sprach und alles ward. Und wenn der Evangelist von »dem Wort« spricht, das aus Gott hervorging, dann sollen wir uns die Größe dieses Gottes vorstellen. Er muss nicht lange und immer wieder befehlen oder diktieren, nicht alles neu regeln, leiten und lenken. Ein einziges Wort aus seinem Munde genügt, und alles wird. Dabei ist alles, was wird, ausgestattet mit Weisheit und Klugheit, Schönheit, Pracht und Majestät, mit geheimnisvollem Leben und vielfältigem Wandel.
In diesem Wort, das am Anfang von Gott ausgeht, ist auch unser Sein bereits eingeschlossen. Keiner von uns ist zufällig auf dieser Welt. Unser Werden ist eingebettet in die Schöpfung Gottes von allem Anfang an. Nichts ist geworden ohne seinen Willen. Alles Seiende wurde und wird durch das Wort Gottes am Anfang. Dabei ist jeder von uns ein Geheimnis. Jeder hat Würde und Wert in sich, weil er aus Gott, aus Gottes Wort hervorgegangen ist. In uns steckt also Göttliches, das es zu entdecken gilt. Je mehr uns dies gelingt, je mehr wir uns des Göttlichen in uns bewusst sind und es zur Wirkung bringen, indem wir dem Wesen Jesu ähnlich werden, umso mehr und tiefer werden wir Mensch nach Gottes Plan.
Die Krönung des göttlichen Wirkens und Schaffens durch ein einziges Wort ist die Menschwerdung seines Sohnes. Er geht von Gott aus, nimmt menschliche Gestalt an, wird Fleisch von unserem Fleisch. Die Menschwerdung Jesu, so will Johannes sagen, ist nicht ein Nachtrag, ist Gott nicht erst später zusätzlich eingefallen. Nein, sie ist geplant von allem Anfang an. Gott will für uns Menschen nicht ein totales Geheimnis, ein völlig Unbekannter bleiben. Er will sich sichtbar machen für uns Menschen in seiner Liebe und uns durch die Menschwerdung seines Sohnes zeigen, welchen Wert wir für ihn haben.
Allen, die dieses Handeln Gottes erahnen und begreifen, geht ein Licht auf. Sie werden in Jesus die Mensch gewordene Liebe Gottes erkennen. Ein Strahl der Freude und des Glücks wird sie erfassen. Sie werden fähig, in den Bereich des Göttlichen einzutauchen, um Gnade und Segen zu empfangen, wodurch sie erleuchtete Kinder Gottes werden, die nicht ablehnen, was Gott zu unserem Heil tut. So empfangen sie Gnade über Gnade.
Der Evangelist Johannes lädt uns mit seinem Evangelium ein, bei der Betrachtung der Geburt Jesu nicht nur auf Christus zu schauen, sondern Gott als Ganzen in den Blick zu nehmen:
- Seine Größe und Erhabenheit,
- sein machtvolles Wirken als Schöpfer und Lenker der Geschichte,
- seinen Anteil und sein Mitwirken am Heilswerk Jesu.
Weihnachten sollen wir nach Johannes nicht nur als den Geburtstag Jesu feiern, sondern auch als den großen Gedenktag an Gott, aus dem alles Seiende hervorgeht und in dessen Gnade alles Seiende ruht. Ohne das Wort Gottes am Anfang gäbe es keine Menschwerdung Jesu. Diesen Zusammenhang sollen wir bedenken am Geburtstag Jesu zu Weihnachten, aber auch sonst, wenn wir auf Jesu Leben und Wirken schauen.
Öffnen wir uns unserem Gott und seiner Herrlichkeit, nehmen wir ihn in uns auf, damit in uns sein Licht aufleuchte in der Freude darüber, dass auch wir zu seinem Eigentum zählen, geschaffen durch sein Wort am Anfang, durch das alles wurde. Feiern wir sehr bewusst, besonders in jeder hl. Messe, die umfassende Liebe und Größe Gottes, in die wir tief eingeschlossen sind. Öffnen wir unsere Herzen diesem großen Geheimnis.
Wenn ein Kind zur Welt kommt und kein Zweifel besteht, wer der Vater ist, fragt kaum jemand, von wo das Kind herkommt. Es ist selbstverständlich ein Produkt der Natur und mancher Vater behauptet sogar, er habe es »gemacht«.
Anders ist es schon, wenn ein Mensch das Leben wieder verlässt. Am Grab eines geschätzten und geliebten Menschen können sich viele nicht einfach vorstellen: „Das war es nun“. Zumindest gläubige Menschen sind sich gewiss: Das kann nicht alles gewesen sein. Das Leben steht – so hoffen sie – in einem größeren Zusammenhang, ist mehr als ein Produkt der Natur. Es steht „etwas Höheres“ dahinter, das »Woher« und das »Wohin« des Lebens ist umfassender zu beantworten.
Wenn ein so ungewöhnlicher Mensch wie Jesus von Nazareth stirbt, suchen die Hinterbliebenen nicht nur Antworten auf das »Wohin« und den Sinn seines Lebens, sondern beginnen auch nach dem »Woher« zu fragen. Sie geben sich nicht mit rein natürlichen Erklärungen zufrieden.
So ist es wohl zu verstehen, dass die Christen der Anfangszeit sich einerseits gewiss waren, dass dieser Jesus, der zwar gekreuzigt worden ist, noch lebt und in ihren Gemeinschaften gegenwärtig ist, dass sie aber andererseits gleichzeitig begonnen haben, nach seiner eigentlichen Herkunft zu fragen.
In den Evangelien hat dieses Fragen bei Matthäus und Lukas mit den Erzählungen über seine Herkunft und seine Kindheit einen Niederschlag gefunden. Das Historische interessiert sie kaum. Sie betonen seine göttliche Herkunft und erzählen übereinstimmend vom Wirken des Heiligen Geistes. Johannes holt noch weiter aus. In der Einleitung zu seinem Evangelium stellt er sogar einen kosmischen Zusammenhang her. Dieser Jesus war bereits vor aller Schöpfung und in Jesus ist der »Logos«, »das Wort«, Fleisch geworden. Für ihn hat alles schon vor aller Zeit begonnen und es bedarf keiner weiteren Diskussion, dass er als Sohn Gottes über den irdischen Tod hinaus existiert und lebendig ist.
Diese umfassender Sichtweise des Woher und Wohin des Lebens Jesu hat nicht nur für Jesus selbst Bedeutung, sondern lässt auch unser Leben in einem ganz neuen Licht erscheinen. Auch unser Leben darf nicht nur nach der Sichtweise der Naturwissenschaften betrachtet und beschrieben werden. Es ist auf eine die natürliche Betrachtungsweise übersteigenden Sichtweise in den Blick zu nehmen. Weil Gott dem Leben von Anfang an eine viel tiefere Bedeutung gegeben hat, als wir von Natur aus beobachten können, hat auch unser Glaube eine neue Grundlage bekommen.
Die hymnische Einleitung zum Epheserbrief, die uns in der Lesung vorgetragen worden ist, faltet noch konkreter aus, was diese Sichtweise des Glaubens für uns bedeutet: Durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel sind auch wir vor der Erschaffung der Welt erwählt und geheiligt worden. Wir sind bereits im Voraus berufen, als Töchter und Söhne Gottes untadelig vor Gott zu leben und sind als Erben Gottes eingesetzt.
Es tut uns gut, unser Leben von Zeit zu Zeit aus diesem Blickwinkel des Glaubens zu betrachten und diese Sichtweise als kostbares Geschenk zu schätzen und gebührend zu feiern.
Gleichzeitig ist diese Sichtweise aber auch gut geerdet: Das Wort ist Fleisch geworden und hat sich den Gesetzen von Raum und Zeit, von Werden, Wachsen und Vergehen unterworfen. Trotz dieser himmlischen Sichtweise sind wir gefordert, in einem erdhaften natürlichen Leben unseren Mann bzw. unsere Frau zu stellen und es dem Geist Jesu entsprechend auszugestalten.
Jesus selbst hat uns ein nachhaltiges Beispiel gegeben, wie Fleisch und Geist sich wechselseitig befruchten und wie sie miteinander Menschlichkeit zur Entfaltung bringen können.
Das Projekt Menschlichkeit, Menschenwürde und Schöpfungsgerechtigkeit ist nicht mit dem irdischen Leben Jesu abgeschlossen. Als Töchter und Söhne Gottes sind wir berufen, es weiterzuführen. Im Bewusstsein, dass der Geist Gottes in uns wirkt und uns trägt und beflügelt, ist es für uns kein Sisyphosprojekt mehr und keine Herkulesaufgabe. Jeder, jede, kann in seiner menschlich begrenzten Weise dazu beitragen. Im Blick auf das Ganze hat jeder Beitrag eines Einzelnen seinen Wert, und sei er noch so klein und ohnmächtig.
Für viele sind die Tage um Weihnachten eine willkommene Zeit der Erholung und Regeneration. Und das finde ich gut so. Wer dazu noch Zugang zu dieser gläubigen Sichtweise des Weihnachtsfestes findet, wird aus den Feiertagen in doppelter Weise gestärkt in den Lebensalltag zurückkehren.
In den hektischen letzten Tagen vor dem Weihnachtsfest ertappte ich mich beim Gedanken: Was wäre, wenn die Kirche das Weihnachtsfest abschaffte? Bei Tisch stellte ich diese Frage auch meinen Mitbrüdern. Ohne langes Nachdenken waren wir uns einig, dass sich am Verhalten der Menschen nicht viel ändern würde. Weihnachten ist längst schon ein "Selbstläufer" geworden. Es funktioniert auch ohne christlichen Hintergrund. Um auch jene Kunden anzusprechen, die über keinen christlichen Zugang zum Weihnachtsfest verfügen, hat die Wirtschaft genügend Anreize geschaffen, die ohne christliche Symbole und christlich gefärbte Erzählungen auskommen. Gäbe es Weihnachten nicht, müsste man es erfinden.
Es besteht ein hoher Bedarf, wenigstens einmal im Jahr den Familienangehörigen, nahen Verwandten, Freunden, Mitarbeitern und Vereinsmitgliedern gegenüber ein Zeichen des Dankes und der Verbundenheit zu setzen; vorzugsweise in kleine Aufmerksamkeiten.
Weiters besteht Bedarf, sich wenigstens einmal im Jahr auch selbst zu belohnen; vorzugsweise am Ende eines Wirtschaftsjahres, wenn alles gut gelaufen ist.
Schließlich gibt es auch Bedarf, wenigstens einmal im Jahr an jene Menschen zu denken und für sie etwas zu tun, die auf die Schattenseite des Lebens gefallen sind.
Weihnachten kommt da gerade recht, ganz gleich, ob man an die Geburt des Messias glaubt oder von einer saisonalen Zweckmäßigkeit ausgeht.
Ich möchte diese Art, ein Fest zu feiern keinesfalls abwerten oder madig machen. Mich bewegt eher die Frage: Was steht hinter diesem Bedürfnis? - Ich vermute hinter dem Eifer, mit dem Menschen Weihnachten feiern, sich beschenken und beglückwünschen, einen tiefen Hunger nach Sinn.
Sinnvoll und wertvoll wird unser Leben durch gute intakte Beziehungen. Und dafür möchten wir ab und zu ein Danke sagen.
Auch aus unserer Leistung und aus unserer Arbeit beziehen wir Sinn. Und es ist verständlich, dass wir dafür auch einmal belohnt werden möchten.
Die Beachtung der Menschen, für die das alles nicht so selbstverständlich ist, gehört ebenso dazu. Sie sollen wenigstens indirekt an dem teilhaben, was unserem Leben Sinn gibt.
Um die Sinnfrage kreist auch das Weihnachtsevangelium des Johannes. In einer großartigen Einleitung zu seinem Evangelium legt er dar, dass der Logos von allem Anfang an da war; noch vor der Schöpfung, noch vor dem Urknall. Dieses griechische Wort lässt sich nicht mit einem einzigen Wort ins Deutsche übersetzen. Logos bedeutet Geist, Sinn, Wort...
Der Evangelist spielt damit auf die Schöpfungserzählung an, in der es immer wieder heißt: "und Gott sprach...". Auf sein Wort hin entstand alles. Auf sein Wort hin wurde Licht und alles andere.
Und nun, so behauptet Johannes, wurde das Wort Gottes, also der Sinn der Schöpfung, der Geist Gottes, Fleisch in einem konkreten Menschen. Der Logos nimmt menschliche Gestalt an. An diesem Menschen sehen wir, wie Gott ist. Dieser Mensch ist die Antwort Gottes auf unseren Hunger nach Sinn.
Wenn ich von dieser Frohen Botschaft aus auf den Eifer so vieler Menschen schaue, wie sie Weihnachten feiern, sich beschenken, sich bedanken, sich belohnen, stimmt mich das zuversichtlich. Ihr Hunger nach Sinn wird für mich darin sichtbar. Und im Auftreten Jesu gibt es eine Antwort auf diese Sinnfrage.
Auch wenn ich mit dem Evangelisten zur Kenntnis nehmen muss, dass viele diesen Zusammenhang nicht herstellen können, so bleibt dennoch die Hoffnung, dass alle, die es begreifen, ihren Hunger nach Sinn auch in einem spirituellen Sinn sättigen können. In den Worten des Johannes ausgedrückt haben sie die Macht, Kinder Gottes zu werden.
Kinder geraten ihren Eltern nach, sind in einem gewissen Sinn Abbilder ihrer Eltern. Kinder Gottes sind Abbilder Gottes. Damit sind wir wieder bei der Schöpfung. Dort heißt es: "Dann sprach Gott: Lass uns den Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich."
Damit ist auch unsere Berufung als Christen ausgedrückt: Je mehr wir Christus ähnlich werden, desto mehr werden wir Abbilder Gottes, verwirklichen wir uns selbst nach dem Vor-Bild unseres Schöpfers.
Als ich noch ein Kind war, gab es an jedem Sonntagnachmittag eine Krippenandacht. Davon blieb mir in Erinnerung, dass Christus viele Namen hat. Man nennt ihn: "Wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater der Ewigkeit, Friedensfürst" (Jes9,5).
Im heutigen Evangelium, dem Johannesprolog, erfahren wir einen neuen Namen für Christus. Er ist auch der Logos, das ewige Wort Gottes. Und über Christus als Wort Gottes will ich heute sprechen. Wie ein Adler umkreist Johannes von der höchsten Perspektive aus das Wort Gottes.
Ich muss sagen, Johannes schreibt uns die schönste Geburtstagsrede für Jesus. Dieser Prolog ist mehr als eine Rede, er ist ein Hymnus auf das Wort Gottes. Der Aufbau dieses Prologs ist höchst dramatisch. Das Wort des Vaters, auch Logos genannt, ist so groß und gewaltig, dass es eine eigene Person, Gott selbst ist. Das Wort Gottes existiert von Ewigkeit her und hat Himmel und Erde erschaffen. Der Ausdruck Wort sagt mir, dass Gott seinem Wesen nach Mitteilung ist, dass er nicht alleine ist, dass er ein Liebender ist. Mit dem Ausdruck Wort deutet Johannes das innertrinitarische Gespräch an. Dieses Wort ist gezeugt, aber nicht geschaffen, ist eines Wesens mit dem Vater.
Dann kommt im Prolog der Höhepunkt: Dieses Wort nimmt Fleisch an. Der Logos verlässt seine Herrlichkeit beim Vater und begibt sich in die Endlichkeit, er entäußert sich, nimmt Knechtsgestalt an, um auch uns zeigen, wer und wie Gott ist. Der Logos will uns die Herrlichkeit Gottes, die Liebe des Vaters mitteilen. Wer Christus sieht, sieht auch Gott. Das sagt Johannes zu den Atheisten der damaligen Zeit.
Von England kommt eine Bewegung auf uns zu, die behauptet, dass es wahrscheinlich keinen Gott und auch kein Wort Gottes gibt. Es stimmt: "Niemand hat Gott je geschaut. Der eingeborene Sohn, der an der Brust des Vaters ruht, hat Kunde gebracht" (Joh1,18). Das sagen auch wir Christen zu den Atheisten unserer Zeit.
Doch das Wort Gottes erscheint nicht in Macht und Herrlichkeit, wie es bei der Schöpfung der Fall war. Es wird in einen Futtertrog gelegt, da in der Herberge kein Platz war. Armseliger hätte es wohl nicht mehr sein können. Der menschliche Logos wächst heran, wird erwachsen und beginnt mit etwa 30 Jahren seine öffentliche Lehrtätigkeit. Er fällt auf, weil sein Wort ungeheuer wirksam ist. Sein Wort kann Wunder wirken, Tote erwecken. Ja in seinem Wort ist Leben und Heil. Es ist verständlich, dass viele Menschen sagen: sein Wort soll über uns herrschen. Doch als der Logos erklärte, dass sein Wort auch zum eucharistischen Brot werden kann, haben sich viele vom Offenbarer Gottes abgewandt. Und als Jesus sagte: "Ehe Abraham ward, bin ich", wollten viele seine Worte gar nicht mehr hören. Man wollte Christus sogar steinigen. Schließlich verwarfen auch die Führer des Volkes das Wort Gottes. Sie haben nicht erkannt, dass in Christus das Wort des Vaters wirksam ist. Im Evangelium ist sogar eine Steigerung enthalten. Auch die Seinen nahmen Jesu Wort nicht auf. Da bin ich mitgemeint.
Dieses fleischgewordene Wort wird immer einsamer. Sogar unter den zwölf Aposteln ist ein Verräter. Jetzt kommt über das Wort Gottes eine Passion. Es "blutet aus allen Wunden, wird zertrampelt" (Kurt Marti) und zerfetzt, es wird mundtot gemacht und muss am Kreuz sterben. Doch als dieses Wort am Kreuz hing, hat es eindringlicher gepredigt, als wir es uns vorstellen können. Der Hauptmann erkennt, dass sich dieses Wort nur verströmen, nur Liebe geben möchte und keiner Person wehtun will.
Dieses Wort ist im Tod nicht untergegangen. Es bleibt von Ewigkeit zu Ewigkeit bestehen. Untergegangen ist nur die körperliche Hülle dieses Wortes.
Jetzt kommt für mich eine Überraschung: Die Verweigerung auf Gottes Wort zu hören, ist nicht das Ende der Heilspläne Gottes. Denn Gott liebt bedingungslos. Er schmiedet weiterhin Pläne des Heils und nicht des Unheils. Er will jedem eine Zukunft und eine Hoffnung geben (Jer 29.11). Kein Mensch darf verloren gehen, auch nicht die Menschen, die ihn ans Kreuz gebracht haben. Er will ohne Verluste arbeiten. Daher nimmt Christus, der das Alpha und Omega ist, auch den letzten Platz unter den Menschen ein, damit er auch diesem sein erlösendes Ja -Wort zusprechen kann: "Du bist nicht verloren, denn Gottes Liebe zu dir hört nie auf. Und wenn die ganze Welt gegen dich ist, so verlässt dich das Wort Gottes nicht".
Das fleischgewordene Wort zeigt uns, dass Gottes Liebe die stärkste Macht der Welt ist. In der Apostelgeschiche wird uns geschildert wie der auferstandene Logos weiterwirkt, über alle Jahrhunderte, über Raum und Zeit hinaus. Das Wort Gottes breitet sich überall aus, erlebt seit Ostern einen Siegeszug ohnegleichen. In der ganzen Welt anerkennt heute ein Drittel der Menschheit Jesus als Gottes Wort.
Dieses Wort ruht nicht, bis alle Menschen Gott gefunden haben. Dieses Wort ruht nicht, bis die Schöpfung vollendet ist. Ich danke Christus für die Erkenntnis und das Wort, das er gebracht hat.
Ich sehe Christus in tausend Bildern lieblich ausgedrückt, doch keines von allem kann dich schildern, wie meine Seele dich erblickt (frei nach Novalis). Das Wort Gottes kann ich nicht ausloten.
Wir haben die Herrlichkeit des Wortes gesehen, den göttlichen Glanz, der widerstrahlt von dem Antlitz Jesu.
Jesus, das menschgewordene Wort Gottes! In ihm ist alles gesagt, was Gott sagen kann. Mehr gibt es nicht zu sagen: Gott will sich uns mitteilen. Gott ist Liebe, Leben, Licht, nichts anderes, nichts weniger. Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. (Anton Rotzetter " An der Grenze des Unsagbaren" , Ostfildern 2002, S. 154)
Während wir gewohnt sind, an Weihnachten vom vordergründig sichtbaren, wenngleich nie restlos (be)greifbaren Erscheinen Jesu in dieser Welt zu hören - Verkündigung, Geburt, Anbetung der Hirten und der drei heiligen Magier (Könige) - führt uns der Evangelist Johannes heute sozusagen in das Herzgeheimnis den unendlichen Gottes ein. Das im Griechischen vieldeutige Wort "logos" wird mit "Wort" übersetzt (im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort). Mit diesem "Wort" wird der Sohn Gottes angesprochen, der selbst Gott ist und in diese Welt gekommen ist, um unser Bruder zu werden.
Aber Johannes bleibt nicht bei einer Schilderung dieses für uns Menschen immer unfassbar bleibenden innergöttlichen Geheimnisses, sondern er wendet sich dem Schicksal dieses als Sohn Gottes in die Welt gekommenen Wortes zu und bezeichnet es als Leben und Licht der Menschen. Freilich ist es nicht so, dass diesem Licht allenthalten ein begeisterter Empfang bereitet worden wäre, vielmehr stößt es von Anfang an auf Widerstand, Unverständnis und stellt sich als Finsternis dem Licht entgegen: "Die Finsternis hat es nicht ergriffen". Die Finsternisse aller Zeiten haben verschiedene Gesichter. Einig sind sie sich darin, dass sie die Finsternis mehr lieben als das Licht.
Manchmal stellt sich auch für den gläubigen Christen die Frage, ob Gott nicht anders in die Welt hätte eintreten können: Überzeugender, kraftvoller, vielleicht können wir sagen von Anfang an nachhaltiger. Aber die Redeweise, die Sprache Gottes, bleibt in so vielem dunkel. - In einem Gedicht, das die Überschrift "Geburt Christi" trägt, stellt Rainer Maria Rilke die Frage "Hast du ihn dir größer vorgestellt?". Es bedarf, wie der Dichter fortfährt, der "Einfalt", um das zu begreifen, was in der Menschwerdung Gottes geschehen ist. "Gott macht sich mild", er ist ein "behutsames Licht", das sich nicht gleisnerisch vordrängt, sondern der Sorgfalt des Sehens und Hörens bedarf , wenn es nicht in der herandrängenden Flut von Irrlichtern und lautem Getöse übersehen und überhört werden soll.
Behutsam, behütend, ist das Licht, das erschienen ist, um Menschen zu trösten, ihnen die Angst zu nehmen. So heißt es schon in der messianischen Weissagung des Propheten Jesaia "Tröstet, tröstet mein Volk" (Jes 40, 1). Behutsam heißt auch, dass dieses Licht behütet werden will, dass wir uns nicht von der scheinbaren Bedeutungslosigkeit, von der Kleinheit des unendlichen Gottes verwirren lassen. Dass wir vielleicht die Suche aufgeben, weil sie nicht (sofort) von Erfolg begleitet zu sein scheint. Dass wir nicht um das Goldene Kalb eines mächtigeren Gottes tanzen, nach einem anderen größeren Gott greifen, während die Größe des menschgewordenen Gottes gerade in seinem Kleinwerden besteht.
Dieser Gott lässt sich finden. Zunächst, sagen wir, von seinesgleichen: Von den armen mittellosen Hirten, die der Botschaft der Engel trauen, sich auf den Weg machen und ihn finden, die niederfallen und anbeten. Die von den verschiedenen Erscheinungsformen der Gottsucher, den Magiern, Weisen, Sterndeutern (Königen) geleitet werden, aber sich mitunter selbst erst mühsam durchfragen müssen "Wo ist der neugeborene König der Juden? (Mt 2,2). Gottsuche ist mühsam, weil es dabei auch des (langen) Wartenkönnens bedarf. Aber er lässt sich immer wieder finden von denen, die die Demut aufbringen, an die Größe des unscheinbaren Gottes, an seine Macht und Ohnmacht zu glauben.
Ein Fußballtrainer hat einmal vor einem wichtigen Spiel zu seiner Mannschaft gesagt: "Ein guter Start ist bereits das halbe Spiel!" Manchmal habe ich mich gefragt, ob der Evangelist Johannes mit seinen ersten Sätzen des Evangeliums, und Evangelium bedeutet ja Frohe Botschaft, für uns Menschen einen guten Start hingelegt hat. Denn bei mir löste dieser Text immer wieder unterschiedliche Erinnerungen und Gefühle an die Vergangenheit aus.
Ich denke da zum Beispiel an so manche Philosophiestunde im Gymnasium und auch an verschiedene Diskussionen während meines Theologiestudiums, wo wir über die unterschiedlichsten philosophischen Denkansätze und Vorstellungen debattiert haben. Aristoteles, Sokrates, Platon, Heraklit, und wie sie noch alle heißen bis herauf in die Gegenwart. Sie alle versuchten, mit ihren Gedanken hinter die Kulissen des Seins zu blicken und dieses Sein - den Sinn der Schöpfung, der Welt, des Lebens - in Worte zu fassen.
Für mich war es einerseits spannend zu versuchen, herauszubekommen, was diese Philosophen gedacht oder gemeint haben könnten mit ihren Worten. Ich versuchte die Weisheit zu entdecken, die in ihren Aussagen steckte.
Aber gleichzeitig hatte ich oft den Eindruck, dieses Debattieren war zwar eine schöne Gehirnarbeit, eine intellektuelle Spielerei, ein Training für meine grauen Zellen, aber wo lag der "Gewinn" für mein konkretes Leben? Was hatte das alles mit meinem täglich neu zu bestehenden Alltag zu tun? Ist das Ganze nicht viel zu "abgehoben" von der Realität der Welt, weil wir das Eigentliche mit unserem Verstand doch nie wirklich begreifen werden können, und schon gar nicht in verständliche Worte fassen?
Oder ist dieser Beginn des Johannesevangeliums nichts anderes als eine schöne Spielerei mit Worten? Am ANFANG war das WORT, und das WORT war bei GOTT, und das WORT war GOTT. Im ANFANG war es bei GOTT.
Ich erinnere mich an eine Deutschstunde im Gymnasium, in der wir einen Text von Ernst Jandl zu interpretieren hatten. Der Text bestand nur aus zwei verschiedenen Worten. Das erste Wort lautete Apfel. Es war oftmals auf das Blatt Papier geschrieben und ergab dabei die Form eines Apfels. Und mitten drin stand als zweites Wort: Wurm.
Ein interessanter Einfall und sicher auch Kunst, so mit Wörtern und Sprache umzugehen. Aber hat das Ganze auch einen tieferen Sinn? Gibt es eine Bedeutung, die für mein Leben entscheidend ist?
Und an ein Drittes denke ich, wenn ich die Anfangszeilen des Johannesevangeliums lese. Gerade zu Weihnachten und zu Neujahr gibt es viele Ansprachen. Um die Jahreswende wird viel gesprochen von unseren Politikern, von unserem Bundespräsidenten, vom Papst und den Bischöfen. Viele Worte werden in die Welt gesetzt um zu ermahnen und aufzumuntern, um Vertrauen zu wecken und Hoffnung zu geben.
Auch wir schreiben und sprechen manchmal viele Worte, wenn der Tag lang ist. Was aber bleibt letztlich von all diesen Worten?
Das Evangelium wäre ebenfalls eine Ansammlung von Worten, wäre nicht gegen Ende des heutigen Evangeliums der für mich wichtige Satz gewesen: "Und das Wort ist Fleisch geworden." Dieser Satz ist zum neuen Schlüssel für mein Verständnis geworden.
Denn: Wie oft sagen wir im Leben: Es ist wichtig, dass wir den Armen helfen. Es ist notwendig, dass es Nachbarschaftshilfe gibt, wenn jemand in Schwierigkeiten geraten ist. Die Kirche muss lebendiger werden - oder: die Kirche muss lebendig bleiben. Wir brauchen ein frohes und Hoffnung gebendes Christentum. Wir glauben an einen Gott, der mitten unter uns Menschen ist, uns durchs Leben begleitet.
Mit diesem Satz: "und das Wort ist Fleisch geworden" - ist das Evangelium keine philosophische Abhandlung mehr und auch keine Spielerei mit Worten, kein Austauschen von Theorien. Mit diesem Satz des Johannes wurde das Wort konkret, eine Wirklichkeit, lebendig.
Nächstenliebe ist deshalb für uns Christen kein Wort mehr, über das wir uns nur unterhalten, sondern Nächstenliebe zeigt sich durch unser aktives Tun im Leben.
Der Glaube an Gott ist nicht mehr nur das Bekenntnis, dass wir im Anschluss an eine Predigt beten, sondern dieses Bekenntnis zeigt und bewährt sich in der Art, wie wir mit dem Leben umgehen, wie wir unser Leben einsetzen, das Gott uns geschenkt hat.
Wir reden nicht mehr nur über Gott, sondern wir glauben und spüren gleichzeitig, dass er lebendig mitten unter uns und mit uns handelt.
Der Traurige, der Frohe, der Arme, der Glückliche, der Liebende, der Christ, das sind nicht mehr nur Worte, sondern diese Worte sind zu Menschen geworden mit einem konkreten Gesicht. Es sind Menschen, die alle Kinder Gottes genannt werden dürfen. So wird das Evangelium des Johannes schon von Beginn an für jeden von uns zur Frohen Botschaft.
"Wir haben doch alle den gleichen Herrgott." Dieser Spruch, liebe Hörerinnen und Hörer, wird oft gebraucht. Er möchte fern von allen Unterscheidungen hinweisen auf das Gemeinsame der Religionen. Er gilt als Ausdruck von Großzügigkeit und Toleranz. Richtig daran ist, dass nicht nur die Christen an e i n e n Gott glauben. Sie wissen sich in dieser Überzeugung mit den Juden und Muslimen verbunden.
Doch in diesem Gemeinsamen erschöpft sich nicht der christliche Glaube. Das wird deutlich, wenn der Brief an die Epheserbrief bekennt: "Gepriesen sei Gott, der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus." Ähnlich steht es im zweiten Korintherbrief. Christen glauben nicht nur wie andere Religionen an einen Gott, der die Welt geschaffen hat, sich seitdem um sie und die Menschen kümmert. Für Christen ist der Gott Jesu Christi maßgebend. Wer Gott wirklich ist, wissen Christen endgültig erst durch Jesus Christus. Christen schauen darauf, welche Beziehung Jesus von Nazareth zu Gott hatte, wie er von ihm gesprochen hat, wie er mit und vor ihm gelebt hat. Dabei fällt auf, dass Jesus ein einmaliges Verhältnis zu Gott hat, den er seinen und unseren Vater nennt. Andererseits möchte er seine Jünger in dieses besondere Verhältnis zu Gott einbeziehen.
In seinen Gebeten redet Jesus Gott als seinen Vater an. Diese Vertraulichkeit bestimmt seine Gottesbeziehung und damit sein Leben und Wirken, sein Erleben und Urteilen. So bevorzugt er es z.B. in aller Frühe, wenn es noch dunkel ist, aufzustehen, an einen einsamen Ort zu gehen, um allein zu beten. Diese Exklusivität wird auch nicht verwischt, wenn Jesus seinen Jüngern an seiner Anrede Gottes teil gibt: "So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel …" (Mt 6,9) Die einmalige, unüberbietbare Beziehung Jesu zu seinem Vater im Himmel zeigt sich besonders in seiner Anrede "abba", der Anrede eines Kindes, das seinen Vater liebt und ihm vertraut. Im Deutschen lässt sich das übersetzen mit "Papa". Das Judentum wagte diese intime Anrede bei Gott nicht. Doch Jesus hat auf diesen lieben Vater gesetzt. Von ihm hat er in seinen Gleichnissen gesprochen. Und er hat seine Anhänger ermutigt, ebenso mit Gott zu sprechen.
Es ist der Glaube der Bibel, dass Gott sein auserwähltes Volk, aber auch jeden Menschen liebt, und zwar so, als sei er der einzige auf der Welt. Deshalb kann jeder sagen und beten: "Mein Gott", "mein Vater im Himmel". Wenn aber Gott der Vater aller Menschen ist, dann sind auch alle seine Kinder und untereinander Brüder und Schwestern. Deshalb hat Jesus seine Jünger gelehrt, gemeinsam zu beten: "Unser Vater im Himmel".
Dies zu Gott sagen zu dürfen, hat Konsequenzen. Es verändert die Einstellung zum Leben. Ich fühle mich nicht als vaterloser Geselle, sondern weiß, zu wem ich gehöre. Ich habe ein Vaterhaus, in dem ich willkommen bin, geschehe, was da wolle. Wenn die Anrede "Vater im Himmel" meine Vorstellung von Gott bestimmt, stehen die Liebe und Sorge Gottes im Vordergrund. Auch dort, wo ich Gott wegen der Zumutungen meines Lebens nicht verstehe und mir sein Verhalten rätselhaft bleibt, rechne ich damit, dass er es gut mit mir meint. Bei allen Schwierigkeiten und Zweifeln traue ich ihm zu, dass er besser als ich weiß, was gut für mich ist, dass ich am besten fahre, wenn ich nach seinem Willen frage, so hart es dann auch werden mag, die Bitte "Dein Wille geschehe" zu leben.
Und immer, wenn ich Gott als Vater im Himmel anspreche, muss ich meine Schwestern und Brüder mitdenken. Das ist die Basis menschlicher Solidarität. Vor Gott, der "Vater unseres Herrn Jesus Christus" und "unser Vater im Himmel" ist, gibt es keinen Grund zu Über- und Unterordnungen, sondern nur das dankbare Bewusstsein, in die gleiche Zuwendung Gottes eingeschlossen zu sein.
Wenn man kleine Kinder beobachtet, wie sie sich ihre Welt erobern, dann ist das oftmals ein ganz amüsantes Schauspiel. Sie probieren aus, erleben Missgeschicke und je nach Fähigkeit, solche Erfahrungen zu verarbeiten, geschehen diese Missgeschicke öfter oder seltener. Dazu gehört dann vielleicht auch der berühmte Kontakt mit der heißen Herdplatte, nach dem eigentlich ein vorsichtigerer Umgang mit dem Gerät angesagt sein sollte.
Die einen lernen schneller, die anderen langsamer. Das Prinzip ist immer dasselbe: Eindrücke werden auf der Ebene der konkreten Erfahrung gemacht und anschließend - gleichsam - hochgerechnet auf ähnliche Situationen. Auf diese Art funktioniert nicht nur das individuelle Lernen von Menschen, sondern auch so manche erfahrungsgeleitete Wissenschaft. Nach einer Erfahrung versucht man, sich zu einer verallgemeinernden Theorie durchzuringen.
In einem solchen Verhältnis muss man den bekannten Einleitungstext zum Johannesevangelium und letztendlich das ganze Evangelium lesen. Viele Jahrzehnte nach dem Tod Jesu und im Angesicht der ersten Gemeinden in seiner Nachfolge reflektiert Johannes auf philosophischem Niveau seine Erfahrungen mit dem Mann aus Nazareth, der so nachhaltig in das Leben der Menschen eingegriffen hat. Die Theorie des Johannes, also seine Theologie, versucht von der Erfahrung mit diesem Jesus eine Erklärung für sein Auftreten und sein Wirken zu finden.
Drei sehr zentrale Bekenntnisstellen des Johannesevangeliums sind dabei effektvoll eingesetzt: zum einen die Eingangsworte, die wir gehört haben, zum anderen der Satz "Ich und der Vater sind eins” (10,30) ziemlich genau in der Mitte des Evangeliums und schließlich ganz am Ende die Aussage "Diese (Zeichen) aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes”. Im Wechselspiel von Erzählungen und Reflexionen versucht Johannes den Menschen, die ihn hören, das eigentliche Wesen Jesu verständlich zu machen: Dieser Mann ist Gottes Sohn, ist Gott selbst.
Dann stellt sich bald einmal die Frage: Warum so kompliziert, geht das nicht auch einfacher? Nun: Zunächst einmal ist der Autor des Johannesevangeliums ein Denker und Philosoph und liebt das Spiel mit der Sprache und den Gedanken, liebt das Ideenkonstrukt. Lassen wir ihm das doch! Wichtiger ist die Frage, warum es denn Johannes nicht einfach beim Erzählen von ausgefeilten Geschichten belassen hat, die unter die Haut gehen.
Erfahrungen, die wir Menschen machen, haben leider die Angewohnheit bald einmal wieder zu verblassen. Nach dem Griff auf die heiße Herdplatte braucht es die Reflexion, die Erklärung, das mahnende 'Siehst du, das macht man besser nicht' der Mutter, um abzuwenden, dass das ein nächstes Mal geschieht, wenn die Hand nicht mehr weh tut. Klar: Oft nutzen Mahnungen nichts, aber sie erhöhen doch die Chance zu lernen.
Ebenso steht es um die Erklärungen, Ausdeutungen und Philosophien eines Johannes: Allein das Kennen der Geschichten Jesu reicht nicht, - es bedarf der Ausdeutung, der Erhellung, der Weiterführung. Es bedarf des Wissens um die Absichten Jesu, um die Bedeutung seines Todes und seiner Auferstehung für heute nachvollziehen zu können. Gottesbegegnung, Glaube als Erfahrung unseres Lebens und seine Reflexion als stetig vorangehende Verinnerlichung müssen einander unbedingt ergänzen. Das Johannesevangelium ist dafür ein hervorragendes, wenn vielleicht auch etwas kompliziertes Beispiel.
Mit dem gehörten Prolog legt der Autor des Evangeliums den roten Faden des Buches. Diese Reflexion trifft auf unser Ohr unmittelbar nach den Feiern des Geburtsfestes Jesu. Dieses Fest ist sehr massiv geprägt von eingehenden Stimmungen. Das wollen wir uns auf keinen Fall nehmen lassen und das ist auch gut und richtig so. Aber: Die Emotionen des Weihnachtsfestes sind zumeist, aber nicht immer nur schön. Die Zeitungsmeldungen der Festtage zeigen, dass gerade an diesen so stimmungsvollen Tagen auch viele Konflikte eskalieren, weil eben auch negative Gefühle an diesen so gefühlsbetonten Tagen hoch kommen.
Dann ist es umso wichtiger, damit dieses Fest unseres Glaubens nicht zu einem Happening verkommt oder zur tragischen Lebenssituation eskaliert, dass der Grund des Feierns nicht aus dem Blick gerät. Das ist die eindringliche Botschaft des Johannes: Wir feiern Weihnachten nicht allein - wenn auch wohl - wegen des Kerzenscheins und des Zimtduftes, sondern zu allererst aus diesem einen Grund: "Und das Wort ist Fleisch geworden / und hat unter uns gewohnt / und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, / die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, / voll Gnade und Wahrheit.”
Das so hochphilosophische Johannesevangelium ist somit auch eine eindringliche Einladung: Genießt wohl bei all den Feiern all das Schöne, das ihr erlebt! Aber vergesst dabei nie, was der Grund eures Feierns ist. Und dieser Grund trägt eben auch dann noch, wenn der Christbaum seine Nadeln längst verloren hat.
Das neue Jahr hat gerade angefangen. Große Hoffnungen sind ihm mitgegeben. Wir haben uns alles Gute gewünscht. Die inzwischen vertrauten Einschränkungen spüren wir in unseren Gesichtern – auch heute. Wir feiern Gottesdienst; wir freuen uns, dass Gott uns das Beste schenkt. Das Vertrauen. Die Hoffnung. Und die Liebe. Dafür danken wir ihm.
Im Lobpreis, den wir gleich im Epheserbrief lesen, heißt es:
„Gepriesen sei Gott,
der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.
Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet
durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.“
Ihn bitten wir:
Weihnachten dauert noch an, obwohl die Dekoration in den Geschäftsstraßen schon auf Jahreswechsel oder Fasching/Karneval umgestellt worden ist.
Welche Wirkung hat Weihnachten über den Weihnachtsabend hinaus? Was bleibt davon? Was von Weihnachten überlebt unsere Neujahrsvorsätze?
Heute am zweiten Sonntag der Weihnachtszeit hören wir noch einmal die Botschaft vom "Wort, das am Anfang war" und vom "Wort, das Fleisch geworden ist", das durch Jesus Christus in diese Welt gekommen ist und hier seine Kraft entfaltet.
Herr,
du hast mit einem Wort das Licht geschaffen
und uns mit einem Wort zu deinen Kindern gemacht.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du bist der Sohn Gottes
und doch einer von uns geworden.
Christus, erbarme dich.
Herr,
du kennst unsere Zweifel,
du weißt um unsere Ängste und Vorurteile.
Herr, erbarme dich.
Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt,
seine Kinder zu werden durch Jesus Christus
und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen,
zum Lob seiner herrlichen Gnade.
Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn.
Ehre sei Gott in der Höhe …
Herr, Jesus Christus,
du bist das Wort, durch das alles geworden ist.
Herr, erbarme dich.
Du bist das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet.
Christus, erbarme dich.
Du kamst in dein Eigentum
und hast von deinem Vater Kunde gebracht.
Herr, erbarme dich.
Allmächtiger, ewiger Gott,
du erleuchtest alle, die an dich glauben.
Offenbare dich den Völkern der Erde,
damit alle Menschen das Licht deiner Herrlichkeit schauen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 2. Sonntag nach Weihnachten
Heute bitten wir dich,
Gott, der du alles geschaffen hast,
um das Wort,
das hell macht, was dunkel ist,
das befreit, was gefangen wurde,
das verändert, was lähmt.
Und um die Kraft bitten wir dich,
als deine Kinder voller Zuversicht und Vertrauen zu leben,
den Dingen auf den Grund zu gehen
und in deiner Liebe anderen Menschen zu begegnen.
In deiner Nähe dürfen alle Geschöpfe aufatmen
in Jesus Christus,
der uns den Himmel öffnet.
Sein Geist macht uns glücklich.
Von Ewigkeit zu Ewigkeit. - Amen.
Mit den Augen des Herzens wollen wir in die Welt schauen,
mit den Augen des Herzens Gottes Nähe entdecken.
Herr,
wir sehen die große Sehnsucht, aus dem Bann der Gefahren heraustreten zu können.
Viele Menschen leiden unter Einsamkeit, viele werden in der Pflege aufgerieben, viele fürchten um ihre Arbeit.
Erleuchte, Herr, die Augen unserer Herzen
Herr,
wir sehen die Finsternis, die sich bei hellem Tageslicht an vielen Orten ausbreitet.
Flüchtlingslager werden in Kauf genommen, Menschen weltweit entrechtet und enteignet,
Klimakatastrophen verharmlost und verschoben.
Herr,
wir sehen die Hoffnung, mit der Macht des Wortes Teufelskreisläufe aufzubrechen.
In vielen Völkern werden Friedensgespräche geführt. Medien mühen sich, sachlich und fair zu berichten. Gerichte suchen im Streit nach der Wahrheit und sprechen Recht.
Herr,
wir sehen die Trauer, dass kirchliche Traditionen bröckeln oder nicht mehr tragen.
Missbrauchsskandale erschüttern das Vertrauen der Menschen. Ökumenische Erwartungen werden enttäuscht. Alte und vertraute Formen verlieren sich.
Herr,
wir sehen in das neue Jahr.
Menschen werden sich verlieben. Kinder erblicken das Licht der Welt.
Viele sind glücklich mit ihrem Beruf. Viele treten in den Ruhestand.
So mancher wird von einer Diagnose in Angst versetzt,
so mancher auf dem letzten Weg begleitet.
Du, Herr, hast die Augen des Herzens.
Du schaust gütig und liebevoll zu uns,
als deine Kinder sind wir bei dir hoch angesehen.
Hilf uns, deine Barmherzigkeit zu teilen.
So, wie du Brot und Wein mit uns teilst,
dein Leben, dein Reich.
Dir vertrauen wir alle Menschen an
In Christus, unserem Herrn. – Amen.
Christus, das ewige Wort des Vaters steht hinter der ganzen Schöpfung. Alles ist von Gottes Weisheit erfüllt.
Zu ihm kommen wir mit unseren Bitten:
Gott, dein Wort ist Wahrheit.
Beten wir für alle, die in ihrer Sehnsucht nach Wahrheit noch nicht den Weg zu dir gefunden haben.
Gott, dein Wort ist mächtig.
Beten wir für unsere nächste Regierung, deren Aufgabe es sein wird, für die in unserer Gesellschaft anstehenden Probleme möglichst gerechte und nachhaltige Lösungen zu finden.
Gott, dein Wort ist Licht.
Beten wir für alle, die orientierungslos durch ihr Leben irren.
Gott, dein Wort ist Leben.
Beten wir für uns selbst, die anderen oft das Leben durch Missachtung ihrer Würde schwermachen.
Gott, dein Wort ist Gnade.
Beten wir für unsere Verstorbenen, dass sie deine Herrlichkeit schauen dürfen.
Gott!
Wir danken dir, dass dein Wort durch die Kraft deines Geistes in Christus einer von uns geworden ist. Durch ihn und im Heiligen Geist rühmen wir dich und preisen dich, jetzt und allezeit. - Amen.
Guter Gott,
durch dein Wort ist alles geworden, was geworden ist.
Durch dein Wort erneuerst du das Angesicht der Erde.
Wir tragen dir unsere Bitten vor:
Wir bitten dich für alle, die dein Wirken in der Welt noch nicht erkannt haben.
Schenke ihnen das Licht des Glaubens.
Wir bitten dich für alle, die eigenmächtig die Welt in Besitz nehmen, sie ausbeuten und ihr Gewalt antun.
Wecke in ihnen Ehrfurcht vor allem, was du geschaffen und der ganzen Menschheit anvertraut hast.
Wir bitten dich für die Kinder und Jugendlichen.
Befähige sie zum Staunen und zu einem behutsamen Umgang mit deiner Schöpfung.
Wir bitten dich für alle, deren Leben durch eine Behinderung oder durch eine unheilbare Krankheit beeinträchtigt ist.
Lass sie Wertschätzung ihres Lebens und persönliches Wohlwollen erfahren.
Wir bitten dich für alle, denen du die Macht gegeben hast, Kinder Gottes zu werden, und die sich Christen nennen.
Öffne ihre Augen für dieses Geschenk deiner Gnade.
Wir bitten dich für alle, deren Leben in dieser Welt zu Ende gegangen ist.
Öffne ihnen den verheißenen Himmel.
Aus deiner Fülle, guter Gott,
haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.
Dafür danken wir dir und darauf bauen wir unsere Hoffnung. - Amen.
Herr, unser Gott,
heilige unsere Gaben
durch die Menschwerdung deines Sohnes.
Durch seine Geburt hast du allen Menschen
den Weg der Wahrheit gewiesen
und ihnen dein Reich verheißen.
Laß uns in dieser Feier verkosten,
was du denen bereitet hast, die dich lieben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Sonntag nach Weihnachten
"Das Wort wurde Fleisch und hat unter uns gezeltet."
Dir, Herr, danken wir,
dass du unsere Vergänglichkeit angenommen hast,
um uns deine Ewigkeit zu schenken,
dass du unsere Schuld auf dich genommen hast,
um uns dich sehen zu lassen.
Jetzt bist du allezeit unter uns.
Mit Brot und Wein, deinen Gaben,
doch du, Herr, schenkst dich uns,
deinen Leib, dein Blut.
Und wir sehen deine Herrlichkeit
die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit. – Amen.
Als gesungener Lobpreis ist das Lied GL 252 (»Gelobt seist du, Jesus Christ«) geeignet.
Oder Kehrvers:
GL 633,8: Dankt dem Vater mit Freude, er schenkt uns seinen Sohn.
Großer Gott, wir danken dir für Jesus Christus,
er ist das Wort, durch das alles geworden ist
und das Fleisch geworden ist, um unter uns zu wohnen
und Glanz und Elend des menschlichen Lebens mit uns zu teilen.
Kehrvers:
Großer Gott, wir danken dir für Jesus Christus,
durch ihn hast du uns erwählt vor der Erschaffung der Welt
und hast du uns berufen, deine Töchter und Söhne zu werden.
Durch ihn hast du uns die Macht gegeben, Kinder Gottes zu werden
und an deinem Geist teilzuhaben.
Kehrvers:
Großer Gott, wir danken dir für Jesus Christus,
er ist das Licht, das unsere Finsternis erhellt
und jeden Menschen erleuchtet.
Er gibt uns Hoffnung und Trost in dunklen Stunden.
Kehrvers:
Großer Gott, wir danken dir für Jesus Christus,
durch ihn habe wir deine Weisheit und Liebe erkannt,
die alles Leben hervorgebracht hat
und zur Vollendung der Schöpfung führen wird.
Danklied, z. B. Jauchzet, ihr Himmel... (GL 251)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dein Erbarmen zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn schaffst du den Menschen neu
und schenkst ihm ewige Ehre.
Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen:
dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch,
und wir sterbliche Menschen
empfangen in Christus dein göttliches Leben.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 3
Am Anfang
war dein Wort
mir zugesagt
und Mensch geworden
durch mich
und in mir
zum Leben gerufen
weil du mich liebst
du gehst mir nach
umwirbst mich
schenkst mir Vertrauen
willst mich
umarmst mich
und sendest mich
dein Wort
mein ganzes Sein
deine Liebe
mein Leben
das Wort ist Mensch geworden
und gibt mir Macht
Gotteskind zu werden
Weihnachten heißt:
Es hat sich erfüllt!
Die Verheißung ist wahr geworden:
Gott ist Mensch -
sein Wort hat unsere Welt hell gemacht,
unsere Nacht der Hoffnungslosigkeit durchbrochen,
unsere Finsternis erhellt,
alle Angst besiegt,
alle Zweifel weggewischt.
Ja, Gott hat sein Wort
in diese Welt hineingesprochen.
Er hat sich unser erbarmt.
Sein Wort ist lebendig geworden,
dieses Wort heißt:
Ich liebe dich
du Welt, du Mensch,
ich will dir nahe sein!
Das Wort ist Fleisch geworden.
Kommt lasst uns anbeten!
Gottes Wort aufnehmen
sich dafür öffnen
die Hände
das Herz
und
es lebendig werden lassen
durch unser Tun
unser Reden
unser Leben
Gottes Wort aufnehmen
ihm Raum geben
sich durchdringen lassen
und
dadurch
ein Gotteskind werden
Herr, unser Gott,
befreie uns durch die Wirkung dieses Sakramentes
von unseren Fehlern und Sünden.
Erfülle unser Verlangen
und schenke uns alles, was wir zum Heil nötig haben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Sonntag nach Weihnachten
Du bist, Gott, das Licht in der Finsternis,
das Wort im Schweigen,
die Liebe in der Verlorenheit:
lass uns auf deinen Wegen den Frieden finden!
Segne unsere Arbeit und unsere Ruhe,
segne die Menschen, mit denen wir gerne leben,
segne auch die Menschen, die uns fremd bleiben.
Wir schauen gespannt in das neue Jahr.
Schenke uns helle Augen des Herzens!
Um Christi willen, dein Gesicht für uns.
In Ewigkeit. – Amen.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. - Amen.
Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil. (Ps 23,4)
Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Allen, die ihn
aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen
glauben. (Joh 1,9.12)
Zum Engel, der an der Pforte des neuen Jahres stand, sagte ich: Gib mir ein Licht, damit
ich sicheren Fußes der Ungewissheit entgegengehen kann. Aber er antwortete: Geh in
die Dunkelheit hinein und leg deine Hand in die Hand Gottes! Das ist besser als ein
äußeres Licht und sicherer als ein bekannter Weg. (Ein Christ aus China)
Du Gott des Friedens,
am Beginn des neuen Jahres legen wir alles in deine Hand.
Angesichts von Ohnmacht und Nervosität, Unsicherheit und Fragen
wagen wir Schritte des Vertrauens. Von dir und
nicht von einem blinden Schicksal wird unser Leben geleitet.
Erklärungen und Debatten über den Zustand der Welt greifen zu kurz.
Mit deinem Frieden wollen wir einen Weg der Zuversicht wählen.
Du Gott der Vergebung,
hilf uns, auf deine leise Gegenwart zu achten, die uns begleitet.
Angesichts der Pandemie, die immer noch nicht besiegt ist,
widersagen wir der Versuchung, Schuldige zu benennen und uns
auf das Versagen von Menschen und Institutionen zu fixieren.
An deiner Hand wollen wir Wege der Versöhnung gehen,
bereit zu einer Umkehr des Herzens – im Denken, Reden und Tun.
Du Gott des Lebens,
wir bitten für alle, die von Bitterkeit und Enttäuschung erfüllt sind.
Mit deiner heilsamen Nähe stärke alle Kranken und Leidenden.
Lehre uns in diesem neuen Jahr, mit Respekt und Wertschätzung
dem Leben in seiner Schönheit und Zerbrechlichkeit zu begegnen.
Aus Dankbarkeit für alles, was uns geschenkt ist, stärke unser
Mitgefühl und die helfende Kreativität für Bedürftige und Einsame.
Du Gott der Liebe,
schenke uns Ausdauer im Guten, Trost in der Bedrängnis
und Geduld in den Herausforderungen dieser schwierigen Zeit.
Hilf uns, dich in allem zu suchen, zu finden und zu lieben.
Mit Jesus, unserem Herrn und Bruder, der den Tod besiegt hat,
bist du uns Zuversicht und immer neue Quelle tiefer Freude.
Wir vertrauen auf dich und die Geisteskraft deiner Liebe.
Amen.
Gott segne dich und behüte dich.
Er lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig.
Er wende dir sein Angesicht zu und schenke dir Frieden.
(Num 6,24f.)
Originalgebetstext der österreichischen Bischofskonferenz zum Herunterladen:
https://www.bischofskonferenz.at/dl/OLpNJKJKLkmmlJqx4KJK/Novene-Jaenner-2020_pdf
Weitere Gottesdienstvorschläge auf: www.netzwerk-gottesdienst.at
1. Zu Bethlehem geboren,
ist uns ein Kindelein,
das hab' ich auserkoren,
sein eigen will ich sein.
Eia, eia, sein eigen will ich sein.
2. In seine Lieb’ versenken
will ich mich ganz hinab;
mein Herz will ich ihm schenken
und alles, was ich hab’,
eia, eia, und alles, was ich hab’.
3. O Kindelein, von Herzen
will ich dich lieben sehr,
in Freuden und in Schmerzen
je länger und je mehr,
eia, eia, je länger und je mehr.
4. Die Gnade mir doch gebe,
bitt’ ich aus Herzensgrund,
dass ich allein dir lebe
jetzt und zu aller Stund’,
eia, eia, jetzt und zu aller Stund’.
5. Dich, wahren Gott, ich finde
in unser’m Fleisch und Blut;
darum ich mich dann binde
an dich, mein höchstes Gut,
eia, eia, an dich, mein höchstes Gut.
6. Lass mich von dir nicht scheiden,
knüpf’ zu, knüpf’ zu das Band
der Liebe zwischen beiden;
nimm hin mein Herz zum Pfand,
eia, eia, nimm hin mein Herz zum Pfand!
Friedrich Spee (1638)
1. Menschen, die ihr wart verloren,
lebet auf, erfreuet euch!
Heut ist Gottes Sohn geboren,
heut ward er den Menschen gleich.
Lasst uns vor ihm niederfallen,
ihm soll unser Dank erschallen:
„Ehre sei Gott, Ehre sei Gott,
Ehre sei Gott in der Höhe!“
2. Welche Wunder reich an Segen
stellt uns dies Geheimnis dar!
Seht, der kann sich selbst nicht regen,
durch den alles ist und war.
Lasst uns vor ihm niederfallen …
3. Selbst der Urquell aller Gaben
leidet solche Dürftigkeit!
Welche Liebe muss der haben,
der sich euch so ganz geweiht!
Lasst uns vor ihm niederfallen …
4. Menschen! Liebt, o liebt ihn wieder
und vergesst der Liebe nie!
Singt mit Andacht Dankeslieder
und vertraut, er höret sie!
Lasst uns vor ihm niederfallen …
Christoph Bernhard Verspoell (1810)
1) Lobt Gott, ihr Christen alle gleich,
in seinem höchsten Thron,
der heut schließt auf sein Himmelreich
und schenkt uns seinen Sohn,
und schenkt uns seinen Sohn.
2) Er kommt aus seines Vaters Schoß
und wird ein Kindlein klein,
er liegt dort elend, nackt und bloß
in einem Krippelein,
in einem Krippelein.
3) Er äußert sich all seiner G'walt,
wird niedrig und gering
und nimmt an eines Knechts Gestalt,
der Schöpfer aller Ding,
der Schöpfer aller Ding.
4) Er wechselt mit uns wunderlich:
Fleisch und Blut nimmt er an
und gibt uns in seins Vaters Reich
die klare Gottheit dran,
die klare Gottheit dran.
5) Er wird ein Knecht und ich ein Herr;
das mag ein Wechsel sein!
Wie könnt es doch sein freundlicher,
das herze Jesulein,
das herze Jesulein!
6) Heut schließt er wieder auf die Tür
zum schönen Paradeis;
der Cherub steht nicht mehr dafür.
Gott sei Lob, Ehr und Preis,
Gott sei Lob, Ehr und Preis!
1. Ich steh an deiner Krippen[3] hier,
o Jesu, du mein Leben;
ich komme, bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin
und laß dir’s wohlgefallen.
2. Da ich noch nicht geboren war,
da bist du mir geboren
und hast mich dir zu eigen gar,
eh ich dich kannt, erkoren.
Eh ich durch deine Hand gemacht,
da hast du schon bei dir bedacht,
wie du mein wolltest werden.
3. Ich lag in tiefster Todesnacht,
du warest meine Sonne,
die Sonne, die mir zugebracht
Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht
des Glaubens in mir zugericht’,
wie schön sind deine Strahlen!
4. Ich sehe dich mit Freuden an
und kann mich nicht satt sehen;
und weil ich nun nichts weiter kann,
bleib ich anbetend stehen.
O daß mein Sinn ein Abgrund wär
und meine Seel ein weites Meer,
daß ich dich möchte fassen!
1) Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket, ihr Engel in Chören,
singet dem Herren, dem Heiland der Menschen, zu Ehren!
Sehet doch da: Gott will so freundlich und nah zu den Verlornen sich kehren.
2) Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket, ihr Enden der Erden!
Gott und der Sünder, die sollen zu Freunden nun werden.
Friede und Freud wird uns verkündiget heut; freuet euch, Hirten und Herden!
3) Sehet dies Wunder, wie tief sich der Höchste hier beuget;
sehet die Liebe, die endlich als Liebe sich zeiget!
Gott wird ein Kind, träget und hebet die Sünd; alles anbetet und schweiget.
4) Gott ist im Fleische: wer kann dies Geheimnis verstehen?
Hier ist die Pforte des Lebens nun offen zu sehen.
Gehet hinein, eins mit dem Kinde zu sein, die ihr zum Vater wollt gehen.
5) Hast du denn, Höchster, auch meiner noch wollen gedenken?
Du willst dich selber, dein Herze der Liebe, mir schenken.
Sollt nicht mein Sinn innigst sich freuen darin und sich in Demut versenken?
6) König der Ehren, aus Liebe geworden zum Kinde,
dem ich auch wieder mein Herze in Liebe verbinde:
du sollst es sein, den ich erwähle allein; ewig entsag ich der Sünde.
7) Treuer Immanuel, werd auch in mir nun geboren,
komm doch, mein Heiland, denn ohne dich bin ich verloren!
Wohne in mir, mache ganz eins mich mit dir, der du mich liebend erkoren.
Aus Anlass der Corona-Pandemie im Jahr 2020
Die Welt ist aus den Fugen geraten.
Nichts ist mehr, wie es war.
So vieles, was für uns ganz selbstverständlich war,
ist auf einmal in Frage gestellt.
Geld, Erfolg, Ansehen
– was ist das alles noch wert,
wenn wir uns um unsere Gesundheit sorgen,
wenn wir Angst um unser Leben haben müssen?
Vorsichtig sind wir geworden.
Und demütig.
Und achtsam.
Die gegenseitige Rücksichtnahme
hat den Eigensinn in die Schranken gewiesen.
Das Habenwollen ist dem Geben gewichen.
Gemeinsam nach Wegen zu suchen, die aus der Not herausführen,
zählt mehr als das Streben, sich selbst wichtig zu machen.
Wir spüren,
was es bedeutet,
nicht allein zu sein,
jemanden zu haben,
der uns nahe ist
– und sei’s nur in Gedanken.
Und in Gebeten.
So bitten wir dich,
Gott,
gib uns Halt
in diesen haltlosen Zeiten.
Lass uns mutig nach vorn schauen,
zuversichtlich den Tag erwarten,
der der Nacht folgt,
dem Licht entgegensehen,
das die Dunkelheit verdrängt
und dann,
wenn es wieder hell geworden ist
– in uns und um uns herum –
das Unsere dafür tun,
dass das Gute,
das wir in diesen Tagen säen und pflanzen,
Früchte tragen
und bleiben möge.
Unter uns.
Allen zum Segen.
Eckhard Hermann
1. Das ist der Tag, den Gott gemacht,
der Freud in alle Welt gebracht.
Es freu sich, was sich freuen kann,
denn Wunder hat der Herr getan.
2. Verklärt ist alles Leid der Welt,
des Todes Dunkel ist erhellt.
Der Herr erstand in Gottes Macht,
hat neues Leben uns gebracht.
3. Wir sind getauft auf Christi Tod
und auferweckt mit ihm zu Gott.
Uns ist geschenkt sein Heilger Geist,
ein Leben, das kein Tod entreißt.
4. Wir schauen auf zu Jesus Christ,
zu ihm, der unsre Hoffnung ist.
Wir sind die Glieder, er das Haupt,
erlöst ist, wer an Christus glaubt.
5. Nun singt dem Herrn das neue Lied,
in aller Welt ist Freud und Fried.
Es freu sich, was sich freuen kann,
denn Wunder hat der Herr getan.
(Text: nach Heinrich Bone 1847/EGB 1975, 3. und 4. Str.: Friedrich Dörr 1972; Melodie: nach Johann Leisentritt 1567)
1. Jesus Christus, guter Hirte,
Hoherpriester, Osterlamm,
für das Lamm, das sich verirrte,
starbst du an dem Kreuzesstamm.
2. Baum des Lebens, Strom des Heiles,
edler Weinstock, Himmelsbrot,
du nur kennst und führst die Deinen
in das Leben aus dem Tod.
3. Wort des Vaters, offne Türe,
Licht der Stadt Jerusalem,
lass uns deine Stimme hören,
lass uns deine Wege gehen.
(Text: Adelgart Gartenmeier 1997, Melodie: Kamilla Usmanova 2008)
1. Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, Halleluja, Halleluja,
in deiner Urständ fröhlich ist. Halleluja, Halleluja.
2. Das himmlisch Herr im Himmel singt, Halleluja, Halleluja,
die Christenheit auf Erden klingt. Halleluja, Halleluja.
3. Jetzt grünet, was nur grünen kann, Halleluja, Halleluja,
die Bäum zu blühen fangen an. Halleluja, Halleluja.
4. Es singen jetzt die Vögel all, Halleluja, Halleluja,
jetzt singt und klingt die Nachtigall, Halleluja, Halleluja.
5. Der Sonnenschein kommt jetzt herein, Halleluja, Halleluja,
und gibt der Welt ein neuen Schein, Halleluja, Halleluja.
(Text: Friedrich Spee 1623, Melodie: Köln 1623, E: 1. Und 6. Str.: „Urständ: Auferstehung)
1. Vom Tode heut erstanden ist
der heilge Herre Jesus Christ,
der aller Welt ein Tröster ist. Halleluja.
2. Die ganze Erde staunt und bebt,
weil Gottes Herrlichkeit anhebt;
der Tod ist tot, das Leben lebt. Halleluja.
3. Des Herren Sieg bricht ins uns ein,
da sprengt er Riegel, Schloss und Stein;
in uns will Christus Sieger sein. Halleluja.
4. Nun jauchzt und jubelt überall.
Die Welt steht auf von ihrem Fall.
Gott herrscht in uns, er herrscht im All. Halleluja.
(Text: nach „Surrexit Christus hodie“ Engelberg1372, 2 – 4. Str.: Silja Walter 1968,; Melodie: 14. Jahrhundert/Böhmische Brüder 1501/bei Michael Weiße 1531)
1. Bleibe bei uns, du Wandrer durch die Zeit!
Schon sinkt die Welt in Nacht und Dunkelheit.
Geh nicht vorüber, kehre bei uns ein.
Sei unser Gast und teile Brot und Wein.
2. Weit war der Weg. Wir flohen fort vom Kreuz.
Doch du, Verlorner, führtest uns bereits.
Brennt nicht uns ein Feuer, wenn du sprichst?
Zeige dich, wenn du nun das Brot uns brichst.
3. Weihe uns ganz in dein Geheimnis ein.
Lass uns dich sehn im letzten Abendschein.
Herr, deine Herrlichkeit erkennen wir:
Lebend und sterbend bleiben wir in dir.
(Text: Peter Gerloff, Melodie: Henry Monk 1861)
Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt,
hast mich geheilt und mit Freude umgürtet.
Dir singt mein Herz und will nicht verstummen.
Dir will ich singen in Ewigkeit.
(Text: nach Psalm 30,12 – 13; Melodie: Johannes Falk *1963)
1. Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken?
Er, er lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken.
Er verklärt mich in sein Licht; dies ist meine Zuversicht.
2. Jesus lebt! Ihm ist das Reich über alle Welt gegeben;
mit ihm werd auch ich zugleich ewig herrschen, ewig leben.
Gott erfüllt, was er verspricht; dies ist meine Zuversicht.
3. Jesus lebt! Wer nun verzagt, lästert ihn und Gottes Ehre.
Gnade hat er zugesagt, dass der Sünder sich bekehre.
Gott verstößt in Christus nicht; dies ist meine Zuversicht.
4. Jesus lebt! Sein Heil ist mein, sein sei auch mein ganzes Leben;
reines Herzens will ich sein und den Lüsten widerstreben.
Er verlässt den Schwachen nicht; dies ist meine Zuversicht
5. Jesus lebt! Ich bin gewiss, nichts soll mich von Jesus scheiden,
keine Macht der Finsternis, keine Herrlichkeit, kein Leiden.
Er gibt Kraft zu dieser Pflicht; dies ist meine Zuversicht.
6. Jesus lebt! Nun ist der Tod mir der Eingang in das Leben.
Welchen Trost in Todesnot wird er meiner Seele geben,
wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht!
T: nach Christian Fürchtegott Gellert 1757.
Bewahre uns, Gott, behüte uns Gott:
https://www.youtube.com/watch?v=IopcSexAVls
Hilf, Herr meines Lebens, dass ich nicht vergebens,
https://www.youtube.com/watch?v=kclZw0H-mys
1. Du Sonne der Gerechtigkeit,
Christus, vertreib in uns die Nacht,
dass mit dem Licht des neuen Tags
auch unser Herz sich neu erhellt.
2. Du schenkst uns diese Gnadenzeit,
gib auch ein reuevolles Herz
und führe auf dem Weg zurück,
die deine Langmut irren sah.
3. Es kommt der Tag, dein Tag erscheint,
da alles neu in Blüte steht;
der Tag, der unsre Freude ist,
der Tag, der uns mit dir versöhnt.
4. Dir, höchster Gott, Dreifaltigkeit,
lobsinge alles, was da lebt.
Lass uns, durch deine Gnade neu,
dich preisen durch ein neues Lied. - Amen.
Youtube-Version:
https://www.youtube.com/watch?v=41cSIWZnPrk
Originaltitel: Zolang er mensen zijn op aarde, Text: Huub Oosterhuis, Übertragung: Dieter Trautwein.
Herr, ich bin dein Eigentum,
dein ist ja mein Leben,
mir zum Heil und dir zum Ruhm
hast du mir’s gegeben.
Väterlich führst du mich
auf des Lebens Wegen
meinem Ziel entgegen.
Deine Treue wanket nicht,
du wirst mein gedenken,
wirst mein Herz in deinem Licht
durch die Zeit hin lenken.
So weiß ich, du hast mich
in die Hand geschrieben,
ewig mich zu lieben.
Gib auch, dass ich wachend sei,
Herr, an deinem Tage,
und das Licht der Gnaden treu
durch mein Leben trage.
Dass ich dann fröhlich kann
dir am End der Zeiten
Herr, entgegenschreiten.
Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr;
fremd wie dein Name sind mir deine Wege.
Seit Menschen leben, rufen sie nach Gott;
mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen?
Bist du der Gott. der Zukunft mir verheißt?
Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen.
Von Zweifeln ist mein Leben übermannt,
mein Unvermögen hält mich ganz gefangen.
Hast du mit Namen mich in deine Hand,
in dein Erbarmen fest mich eingeschrieben?
Nimmst du mich auf in dein gelobtes Land?
Werd ich dich noch mit neuen Augen sehen?
Sprich du das Wort, das tröstet und befreit
und das mich führt in deinen großen Frieden.
Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt,
und laß mich unter deinen Söhnen leben.
Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst.
Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.
Originaltitel: Ik sta voor U
Text: Huub Oosterhuis
Übertragung: Lothar Zenetti
Herr, unser Herr, wie bist du zugegen
und wie unsagbar nah bei uns.
Allzeit bist du um uns in Sorge,
in deiner Liebe birgst du uns.
Du bist nicht fern, denn die zu dir beten
wissen, dass du uns nicht verlässt.
Du bist so menschlich in unsrer Mitte,
dass du wohl dieses Lied verstehst.
Du bist nicht sichtbar für unsre Augen,
und niemand hat dich je gesehn.
Wir aber ahnen dich und glauben,
dass du uns trägst, dass wir bestehen.
Guter Gott, dein Sohn ist für uns Mensch geworden und geht alle unsere Wege mit.
Wir bitten dich:
Unsere Fürbitten fassen wir zusammen und bekräftigen wir, in dem wir das Gebet des Herrn sprechen:
Wer unterm Schutz des Höchsten steht (GL 424)
1) Wer unterm Schutz des Höchsten steht, im Schatten des Allmächtgen geht,
wer auf die Hand des Vaters schaut, sich seiner Obhut anvertraut,
der spricht zum Herrn voll Zuversicht: Du meine Hoffnung und mein Licht,
mein Hort, mein lieber Herr und Gott, dem ich will trauen in der Not.
2) Er weiß, dass Gottes Hand ihn hält, wo immer ihn Gefahr umstellt;
kein Unheil, das im Finstern schleicht, kein nächtlich Grauen ihn erreicht.
Denn seinen Engeln Gott befahl, zu hüten seine Wege all,
dass nicht sein Fuß an einen Stein anstoße und verletzt mög sein.3)
Denn dies hat Gott uns zugesagt: Wer an mich glaubt, sei unverzagt,
weil jeder meinen Schutz erfährt; und wer mich anruft, wird erhört.
Ich will mich zeigen als sei Gott, ich bin ihm nah in jeder Not;
des Lebens Fülle ist sein Teil, und schauen wird er einst mein Heil.
Guter JESUS,
DU bist einer von uns Menschen geworden
und hast uns Freunde genannt.
DU hast dich für uns als Brot gegeben,
damit wir bewusst aus dir leben können.
Leider kann ich diese Speise jetzt nicht leiblich empfangen.
Aber DU hast uns auch den Heiligen Geist verheißen und gesandt.
In diesem Geist weiß ich, dass DU da bist – immer und überall!
DU hälts die Schöpfung im Dasein
und auch ich lebe in deiner Hand.
DU hast mich schon gekannt,
ehe ich gezeugt und geboren wurde.
DU bist in mir da und um mich herum – immer und überall.
Weil DU die Schöpfung liebst
und zur Vollendung führen wirst,
darf auch ich auf dich hoffen.
So vereine ich mich im Geiste mit dir
und bitte dich:
Mache auch mich zu einer „Brotgabe“ für die Welt,
lass mich teilnehmen an deinem Werk
und hilf mir dabei.
Ich danke dir so sehr, dass DU da bist;
dass DU immer da bist
und überall
und dass DU mit mir und uns allen da bleiben wirst
in Ewigkeit! - Amen.
Herr, erbarme dich. - Herr, erbarme dich.
Christus, erbarme dich. - Christus, erbarme dich.
Herr, erbarme dich. - Herr, erbarme dich.
Christus, höre uns. - Christus, höre uns.
Christus, erhöre uns. - Christus, erhöre uns.
Gott Vater im Himmel, - erbarme dich unser!
Gott Sohn, Erlöser der Welt,
Gott Heiliger Geist,
Heiliger dreifaltiger Gott,…
Hl Maria, unsere liebe Frau von Lourdes, - bitte für uns!
Hl. Erzengel Raffael,
Alle Heiligen Engel,...
Hl. Josef,...
Hl. Johannes der Täufer,...
Hl. Lukas,...
Hl. Cosmas und hl. Damian,...
Hl. Blasius,...
Hl. Pantaleon,...
Hl. Corona,...
Hl. Rochus, hl. Sebastian und hl. Rosalia,...
Hl. Elisabeth von Thüringen,...
Hl. Katharina von Siena und hl. Katharina von Genua,...
Hl. Camillo von Lellis,...
Hl. Johannes von Gott,...
Hl. Aloisius Gonzaga
Hl. Karl Borromeus,...
Hl. Martin von Porres,...
Hl. Louise de Marillac,...
Sel. Niels Stensen,...
Hl. Damian de Veuster,...
Sel. Petrus Donders,…
Hl. Josefine Vannini,...
Hl. Josef Moscati,...
Hl. Markus Ji Tianxiang,...
Sel. Karl aus dem Hause Österreich,...
Sel. Ladislaus Batthyany,...
Sel. Restituta Kafka,...
Hl. Gianna Beretta Molla,...
Hl. Mutter Teresa,...
Hl. …….
All Ihr Heiligen Gottes,...
Jesus, sei uns gnädig. - Herr, befreie uns.
Von allem Bösen, - Herr, befreie uns.
Von der Corona-Epidemie, - Herr, befreie uns.
Durch deine Menschwerdung und Deine Auferstehung, - Herr, befreie uns.
Durch die Sendung des Hl. Geistes, - Herr, befreie uns.
Wir armen Sünder, - wir bitten dich, erhöre uns.
Mach uns bereit zu Buße und Umkehr,...
Schenke den Kranken Genesung,...
Gib den Verstorbenen das ewige Leben,...
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt,
Herr, verschone uns.
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt,
Herr, erhöre uns.
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt,
Herr, erbarme dich.
Christus, höre uns. - Christus, höre uns.
Christus, erhöre uns. - Christus, erhöre uns.
Lasset uns beten.
Barmherziger Gott,
du hilfst deinen Dienern in ihrer Not,
in Bedrängnis sowie Krankheit
und erhörst ihr Bitten.
Wir danken dir,
denn du hast uns Barmherzigkeit erwiesen.
Bewahre uns vor Unheil und Seuche
und schenke uns Freude wieder
in Gemeinschaft und in deinem Dienst.
Durch Christus, unsern Herrn. Amen.
Unter deinen Schutz und Schirm
fliehen wir, o heilige Gottesmutter.
Verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten,
sondern errette uns jederzeit aus allen Gefahren,
o du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau,
unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin.
Führe uns zu deinem Sohne,
empfiehl uns deinem Sohne,
stell uns vor deinem Sohne.
Amen.
Die Heiligen dieser Litanei, ein wenig vorgestellt:
Im Buch Tobit heilt der Erzengel Raffael (daher auch das Attribut Fisch),
Lukas war Evangelist und Arzt,
Cosmas und Damian waren bekannte altrömische Arzt-Märtyrer,
Blasius wird bei Rachenleiden angerufen (dank seines Martyriums),
Pantaleon war ebenso Mediziner,
Corona war Märtyrerin, früher Patronin der Lottospieler und dank dieser Pandemie eine
Seuchen-Fürsprecherin,
Rochus, Sebastian und Rosalia sind die klassischen Epidemie-Heiligen.
Im Mittelalter:
Elisabeth von Thüringen arbeitete im von ihr gegründeten Spital,
die beiden Katharinen sind die klassischen italienischen Krankenpfege-Heiligen.
In der Neuzeit:
Camillo von Lellis und Johannes von Gott sowie Josefine Vannini, die alle drei jeweils Krankenpflegeorden gegründet haben,
Karl Borromeus und Aloisius von Gonzaga pflegten Pestkranke. Aloisius starb an der Infektion,
Niels Stensen war Arzt, Humanist und Konvertit.
Im 19, und 20. Jahrhundert gab es einige Krankenpflege-Heilige:
Damian de Veuster lebte und starb bei den Aussätzigen auf Hawaii,
Petrus Donders in Surinam.
Josef Moscati war Arzt der Armen,
Markus Ji Tianxiang, Arzt, Opium-krank und Märtyrer,
der selige Karl von Österreich wurde Opfer der letzten großen Pandemie in Österreich,
der selige Ladislaus Batthyany war Arzt und Krankenhausgründer,
Restituta Kafka Krankenschwester und NS-Opfer,
die hl. Gianna Beretta Molla, Ärztin und Mutter, die ihr Leben für ihr Kind opferte,
Mutter Teresa von Kalkutta, die Gründerin der Missionarinnen der Nächstenliebe.
Liebe Freunde, die Welt braucht Heilige,
und wir alle - ohne Ausnahme - sind zur Heiligkeit gerufen!
Habt keine Furcht!
Papst Franziskus
Gefunden in der Wallfahrtskirche Maria Grün, Wien
Lieber Gott,
dieser Corona Virus macht uns allen zu schaffen. Regale in Supermärkten sind leer. Alle drehen durch und hamstern. Die Menschen haben Angst und kaufen, dass die Einkaufswagen voll sind bis zum geht nicht mehr. Ich ärgere mich darüber, dass alle durchdrehen und die Schulen geschlossen sind, denn man kann nicht richtig lernen. Ich habe auch ein wenig Angst, aber nicht um mich, sondern um meine Omas.
Meine Omas bedeutet mir sehr viel, ich habe meine beiden Opas schon verloren und einen davon durfte ich nicht kennenlernen. Es ist beängstigend wie viele Menschen jetzt schon gestorben und infiziert sind. Ich ärgere mich auch über die Menschen die ignorant sind, die einfach sagen „mich interessiert das nicht, ich bin nicht geschädigt.“ Ich bitte dich, lass diese Menschen begreifen, was zurzeit los ist, damit nicht mehr Menschen sterben und dieser Albtraum bald vorbei ist.
AMEN.
Marc, 8. Klasse (RS CoJoBo - Collegium Josephinum Bonn)
Lieber Gott,
ich bin in diesen schweren Zeiten dankbar dafür, dass meine Oma ihre Operation und die Krankenhauszeit gut überstanden hat und ohne Infektion nach Hause konnte. Ich bin auch dankbar dafür, dass mein Vater in seiner Quarantänezeit sich wohl und gesund fühlt und dass es meiner Familie und meinen Freunden gut geht. Ich finde es schade, dass ich mich mit meinen Freunden nicht treffen kann, dass ich nicht Fußball spielen kann und nicht in die Schule gehe.
Ich möchte dich darum bitten, dass sich die Covid-19 Pandemie nicht verschlimmert, dass es allen Menschen so weit wie möglich gut geht in dieser Zeit und dass ein Heilmittel bald vorhanden ist.
AMEN
Noah, 8. Klasse (RS CoJoBo - Collegium Josephinum Bonn)
Herr, wir bringen Dir alle Erkrankten
und bitten um Trost und Heilung.
Sei den Leidenden nahe,
besonders den Sterbenden.
Bitte tröste jene, die jetzt trauern.
Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und Energie.
Allen Krankenschwestern und Pflegern Kraft in dieser extremen Belastung.
Den Politikern und Mitarbeitern der Gesundheitsämter Besonnenheit.
Wir beten für alle, die in Panik sind.
Alle, die von Angst überwältigt sind.
Um Frieden inmitten des Sturms,
um klare Sicht.
Wir beten für alle, die großen materiellen Schaden haben oder befürchten.
Guter Gott, wir bringen Dir alle,
die in Quarantäne sein müssen, sich einsam fühlen,
niemanden umarmen können.
Berühre Du Herzen mit Deiner Sanftheit.
Und ja, wir beten, dass diese Epidemie abschwillt,
dass die Zahlen zurückgehen,
dass Normalität wieder einkehren kann.
Mach uns dankbar für jeden Tag in Gesundheit.
Lass uns nie vergessen, dass das Leben ein Geschenk ist,
dass wir irgendwann sterben werden und nicht alles kontrollieren können,
dass Du allein ewig bist,
dass im Leben so vieles unwichtig ist,
was oft so laut daherkommt.
Mach uns dankbar für so vieles,
was wir ohne Krisenzeiten so schnell übersehen.
Wir vertrauen Dir.
Danke!
Johannes Hartl, Theologe, Augsburger Gebetshaus
Gott, du bist barmherzig und treu,
ein guter Hirte.
Du kennst die Wege, die wir gegangen sind,
auch die, über die wir nicht reden.
Du kennst auch die Strecken, die vor uns liegen,
unser Erwartung, unsere Sorge.
Dir vertrauen wir uns an.
Wenn wir uns in Tiefen verlieren,
führe uns,
wenn wir an Höhepunkten übermütig werden,
bewahre uns,
wenn Durststrecken vor uns liegen,
richte uns auf.
Du lässt uns an deinem Tisch das Leben schmecken.
In Christus, unserem Herrn.
Allmächtiger, ewiger Gott,
von Dir empfängt das ganze Universum Energie, Existenz und Leben,
wir kommen zu Dir und bitten um Dein Erbarmen,
weil wir heute die Zerbrechlichkeit der Menschheit
in der Erfahrung einer neuen Virusepidemie spüren.
Wir glauben, dass Du den Lauf der menschlichen Geschichte lenkst
und dass Deine Liebe unser Schicksal in der Not zum Besseren wenden kann.
Deswegen vertrauen wir Dir die Kranken und ihre Familien an:
Schenke Ihnen durch das Ostergeheimnis Deines Sohnes
Heil und gib Heilung ihrem Leib und ihrem Geist.
Hilf jedem Mitglied der Gesellschaft, seine Pflicht zu erfüllen,
und stärke den Geist der gegenseitigen Solidarität.
Stehe Ärzten und Pflegekräften, Erzieherinnen und Sozialarbeitern
in der Erfüllung ihres Dienstes bei.
Du, der Du unser Trost in der Schwachheit bist,
wende auf die Fürsprache der seligen Jungfrau Maria
und aller heiligen Ärzte und Krankenpfleger jedes Übel von uns ab.
Befreie uns von der Epidemie, die uns gerade plagt,
damit wir gelassen zu unserem alltäglichen Leben zurückkehren
und Dich mit erneuertem Herzen loben und Dir danken können.
Dir vertrauen wir uns an,
zu Dir erheben wir auf die Fürsprache Mariens, der Helferin der Menschen,
unsere Bitte durch Christus unseren Herrn. Amen.
(Dieses Gebet wird derzeit von der Don Bosco Familie weltweit gebetet; nach einem Gebet von Erzbischof Cesare Nosiglia,Turin)
https://www.donbosco4youth.at/de/news/details/novene-zu-maria-der-hilfe-der-christen-coronavirus.html
Heiliger Sebastian,
du warst und bleibst für viele Menschen
ein machtvoller Fürsprecher in Zeiten der Not.
Wir bitten dich demütig:
Erbitte uns die Gesundheit an Leib und Seele.
Beschütze uns vor einer Erkrankung durch den Corona-Virus.
Gib uns Klugheit in der rechten Sorge um unsere Gesundheit,
frei von Ängstlichkeit als auch von Gleichgültigkeit.
Stärke unser Vertrauen, dass unser Leben in Gottes Hand geborgen ist.
Das erbitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.
https://www.pfarre-gisingen.at/sebastian/gebet-zum-hl-sebastian-um-schutz-vor-dem-coronavirus/
Guter Gott,
ich fühle mich nicht wohl und habe immer wieder Angst. So viele Fragen schießen durch meinen Kopf. Wie geht es jetzt weiter? Bleibe ich gesund? Habe ich auch schon den Virus? Wie geht es den erkrankten Menschen bei uns und überall?
Mit all diesen Ängsten und Zweifeln komme ich zu Dir.
Du bist doch der liebe Gott seit meinen Kindertagen.
Ich schaue auf deinen Sohn am Kreuz, der all die Ängste und Nöte von uns Menschen selbst durchleben musste. Und ich sehe die vielen Kreuze in unseren Tagen, die Leid und Trauer bringen, die Hoffnung auf eine Zukunft zerstören.
Bist du der gute Gott, der auch jetzt zu mir steht?
Ich will glauben, dass Du mir nah bist in deiner Liebe.
Ich will vertrauen, dass Du treu bleibst in deiner Kraft der Nähe. Ich will hoffen, dass du mich erfüllst mit deiner Barmherzigkeit.
Guter Gott, gib uns deinen Geist der Solidarität und Stärke, der Hoffnung und Zuversicht. Lass uns erkennen, was jetzt wichtig ist und zählt.
Du bist der gute Gott, der uns befreit und begleitet! Lass uns in diesem Glauben die nächsten Schritte wagen. Amen.
https://mk-online.de/
Beten wir für alle Menschen, die am Corona-Virus erkrankt sind,
für alle, die Angst haben vor einer Infektion,
für alle, die sich nicht frei bewegen können,
für die Ärztinnen und Pfleger, die sich um die Kranken kümmern,
für die Forschenden, die nach Schutz und Heilmitteln suchen,
dass Gott unserer Welt in dieser Krise seinen Segen erhalte.
(Stilles Gebet)
Allmächtiger Gott, du bist uns Zuflucht und Stärke,
viele Generationen vor uns haben dich als mächtig erfahren,
als Helfer in allen Nöten.
Steh allen bei, die von dieser Krise betroffen sind,
und stärke in uns den Glauben, dass du dich um jede und jeden von uns sorgst.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
© Martin Conrad, Liturgisches Institut der deutschsprachigen Schweiz (www.liturgie.ch)
Beten wir für alle Menschen,
die am Corona-Virus erkrankt sind,
für alle, die unter der Angst vor der Ansteckung leiden,
für alle, die die Quarantäne einhalten,
für alle, die sich in den Spitälern um die Kranken kümmern,
für alle, die in der Forschung den Virus bekämpfen,
und für die Politiker, die gewichtige Entscheidungen treffen, dass Gott uns bewahre und uns den Weg durch diese Zeit weise.
Akklamation nach jeder Anrufung: Erbarme dich unser!
Du heiliger Gott. (Jes 6,1-3)
Du gerechter Gott.
Du langmütiger Gott. (Ex 34,6)
Du Gott, reich an Huld. (Ex 34,6)
Du treuer Gott. (Ex 34,6)
Du geduldiger Gott. (Röm 15,5)
Gott des Mitleids mit den Leidenden. (Ps 106,44f)
Vater des Erbarmens und Gott allen Trostes. (2 Kor 1,3)
Gott, der uns tröstet wie eine Mutter. (Jes 66,13)
Gott, in dessen Schoss wir geborgen sind. (Hos 11)
Gott, an dessen Brust wir ruhen können. (Ps 131)
Gott, der uns nie vergisst. (Jes 49,15)
Gott, dessen Namen wir kennen. (Ex 3,14)
Gott, der uns eingezeichnet hat in seine Hände. (Jes 49,16)
Gott, der uns beim Namen ruft. (Jes 43,1)
Gott, dem wir gehören. (Jes 43,1)
Gott mit uns. (Mt 1,23)
Gott für uns. (Röm 8,31ff)
Gott, der uns aus der Gefangenschaft herausführt. (Ex 13,17-14,31)
Gott der Armen und Kleinen und Hilflosen. (Lk 1,46-55)
Gott, dessen Güte reicht soweit der Himmel ist. (Ps 36,5)
Gott aller, die sich plagen und schwere Lasten zu tragen haben. (Mt 11,28ff)
Gott, der weiss, was wir brauchen. (Mt 6,8)
Gott, der die Verlorenen sucht. (Mt 18,12-14)
Gott, der grösser ist als unser Herz.(1 Joh 3,20)
Gott, der den Hoffnungslosen Hoffnung gibt. (Röm 15,13)
Gott, der uns Sündern gnädig ist. (Lk 18,9-14)
Gott, dessen Erbarmen uns aus dem Tod rettet. (Eph 4,24)
Gott, unser Retter.
Gott des Lebens.
Du unsagbar grosser Gott.
Du leidenschaftlich liebender Gott.
Du unbegreiflich verzeihender Gott. (Lk 15,11-32)
Du masslos gnädiger Gott.
Du unendlich gütiger Gott.
Du barmherziger Gott.
Die Litanei ist stark von biblischen Texten inspiriert. Bei den meisten Anrufungen sind deshalb entsprechende Bibelstellen angegeben. Wenn keine Bibelstelle angegeben ist, bedeutet dies, dass dieser Aspekt der Barmherzigkeit Gottes sich an vielen Stellen der Bibel findet.
Die Bitten haben Schwestern der Zisterzienserinnenabtei Magdenau formuliert - herzlichen Dank!
https://liturgie.ch/praxis/gottesdienst-waehrend-des-corona-virus/1583-corona-gebete
Herr Jesus Christus,
du bist das Brot des Lebens und der einzig wahre Weinstock.
Ich glaube, dass du wirklich anwesend bist
im heiligsten Sakrament der Eucharistie.
Ich suche dich.
Ich preise dich und bete dich an.
Da ich dich nicht empfangen kann
im eucharistischen Brot und Wein
bete ich, dass du in mein Herz und meine Seele kommst,
damit ich mit dir vereint sein kann
durch deinen allmächtigen und allgegenwärtigen Heiligen Geist.
Lass mich dich empfangen und von dir genährt werden.
Werde für mich das Manna in meiner Wüste,
das Brot der Engel
für meine sehr menschliche Reise durch die Zeit,
ein Vorgeschmack auf das himmlische Festmahl
und Trost in der Stunde meines Todes.
Ich erbitte all dies im Vertrauen darauf, dass du selbst
unser Leben, unser Friede und unsere immerwährende Freude bist.
Amen.
https://liturgie.ch/praxis/gottesdienst-waehrend-des-corona-virus/1583-corona-gebete
Gott unser Vater,
wir kommen in unserer Not zu dir,
um dich um Schutz vor dem Corona-Virus zu bitten,
der Leben gekostet hat
und viel Schaden über die Menschen bringt.
Wir beten um deine Gnade:
Für die Menschen, die das Virus erforschen
und gegen seine Verbreitung kämpfen.
Führe die Hände und Gedanken der Mediziner,
auf dass sie den Kranken dienen
durch ihr Können und ihr Mitgefühl,
und der Regierenden und Helfenden,
die auf der Suche nach einer Heilung
und einer Lösung der Epidemie sind.
Wir beten für die Kranken.
Mögen sie bald wieder gesund werden.
Gewähre all das durch unseren Herrn, Jesus Christus, deinen Sohn,
der mit dir lebt und herrscht in der Einheit des heiligen Geistes,
jetzt und in Ewigkeit. Amen.
https://liturgie.ch/praxis/gottesdienst-waehrend-des-corona-virus/1583-corona-gebete
Gott Vater, Schöpfer der Welt,
du bist allmächtig und barmherzig.
Aus Liebe zu uns hast du deinen Sohn zum Heil der Menschen an Leib und Seele in die Welt gesandt.
Schau auf deine Kinder,
die in dieser schwierigen Zeit der Prüfung und Herausforderung in vielen Regionen Europas und der Welt sich an dich wenden,
um Kraft, Erlösung und Trost zu suchen.
Befreie uns von Krankheit und Angst,
heile unsere Kranken,
tröste ihre Familien,
gib den Verantwortlichen in den Regierungen Weisheit,
den Ärzten, Krankenschwestern und Freiwilligen Energie und Kraft,
den Verstorbenen das ewige Leben.
Verlasse uns nicht im Moment der Prüfung,
sondern erlöse uns von allem Bösen.
Darum bitten wir dich,
der du mit dem Sohn und dem Heiligen Geist lebst und herrschst bis in alle Ewigkeit. Amen.
Maria, Mutter der Kranken und Mutter der Hoffnung, bitte für uns!
https://liturgie.ch/praxis/gottesdienst-waehrend-des-corona-virus/1583-corona-gebete
Gedenke, o Herr unser Gott, auch Deines ganzen Volkes,
gieß auf alle den Reichtum Deines Erbarmens aus ...
derjenigen, die wir aus Unwissenheit, Vergeßlichkeit und der Menge der Namen nicht erwähnt haben,
gedenke Du selbst, o Gott;
denn Du kennst eines jeden Alter und Namen,
und jeder ist Dir vom Mutterschoße an bekannt.
Denn Du, o Gott, bist die Hilfe der Hilflosen,
die Hoffnung der Hoffnungslosen ...
und der Arzt der Kranken.
Werde selbst allen alles,
da Du einen jeden kennst, seine Bitten, sein Haus und sein Bedürfnis.
Amen.
https://liturgie.ch/praxis/gottesdienst-waehrend-des-corona-virus/1583-corona-gebete
Herr, Du Gott des Lebens,
betroffen von der Not der Corona-Krise kommen wir zu Dir.
Wir beten für alle, deren Alltag jetzt massiv belastet ist
und bitten um Heilung für alle Erkrankten.
Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden.
Tröste jene, die jetzt trauern, weil sie Tote zu beklagen haben.
Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und Energie,
und allen Pflegenden Kraft in ihrer extremen Belastung.
Gib den politisch Verantwortlichen Klarheit für richtige Entscheidungen.
Wir danken Dir für alle, die mit vielfältigen Diensten
die Sicherheit und Versorgung unseres Landes aufrecht erhalten.
Wir beten für alle, die in Panik sind oder von Angst überwältigt werden.
Wir beten für alle, die großen materiellen Schaden erleiden oder befürchten.
Guter Gott, wir bringen Dir alle, die in Quarantäne mussten,
sich einsam fühlen und niemanden an ihrer Seite haben.
Stärke die Herzen der alten und pflegebedürftigen Menschen,
berühre sie mit Deiner Sanftheit und gib ihnen die Gewissheit,
dass wir trotz allem miteinander verbunden sind.
Von ganzem Herzen flehen wir, dass die Epidemie abschwillt
und dass die medizinischen Einrichtungen auch künftig
den übermäßigen Anforderungen entsprechen können.
Wir beten, dass die Zahl der Infizierten und Erkrankten abnimmt
und hoffen auf eine baldige Rückkehr zur vertrauten Normalität.
Guter Gott, mache uns dankbar für jeden Tag, den wir gesund verbringen.
Lass uns nie vergessen, dass unser Leben ein zerbrechliches Geschenk ist.
Wir sind sterbliche Wesen und können nicht alles kontrollieren.
Du allein bist ewig, Ursprung und Ziel von allem – immer liebend.
Getragen vom Frieden, der von Dir kommt, werden wir die Krise bestehen.
Jesus, Du Herr und Bruder aller Menschen,
Deine Gegenwart vertreibt jede Furcht, sie schenkt Zuversicht
und macht uns bereit – offen und aufmerksam für das Leben.
Jesus, wir vertrauen auf Dich!
Heilige Maria, Mutter unseres Herrn, und alle heiligen Frauen und Männer,
Nothelfer und Schutzpatrone unseres Landes, bittet für uns! Amen.
www.dibk.at/Meldungen/Gebet-in-der-Coronakrise
[HTML] Zürcher Forscher haben untersucht, wer global die Fäden in der Hand hält: Zu den wahren Mächten der Wirtschaft zählen gerade einmal 147 Unternehmen. von Ilka Kopplin und Von B und C, Hahn und Zimmermann.
http://www.zeit.de/2012/23/IG-Capitalist-Network
http://www.zeit.de/2012/23/IG-Capitalist-Network - (20.12.2014)
Unter Druck. Zu den Flüchtlingsmassen aus Afrika und Nahost kommt auch noch die innere Migration aus den ärmeren Ländern der EU.
https://www.diepresse.com/4619211/migrationsbewegungen-machen-europa-ratlos
Die Presse
http://diepresse.com/home/meinung/dejavu/4619211 - (20.12.2014)
Die den Stern gesehen
Wissen, was vollbracht;
Ihre Füße gehen
Sicher durch die Nacht.
Die das Licht verwirrte,
Dürfen Brüder sein:
König oder Hirte
Schließt das Leuchten ein.
Also läßt die Gnade
Finden sie den Ort,
Wo der Stern gerade
Strahlt auf Gottes Wort.
KARL SCHÖLLY in: Gedichte zur Weihnacht. Herausgegeben von Stephan Koranyi und Gabriele Seifert. Philipp Reclam jun. Stuttgart 2009.
Ein alter Brauch in der Liturgie gebot, die Knie zu beugen, wenn das Geheimnis der Menschwerdung Gottes mit Worten aus dem Prolog des Johannesevangeliums zur Sprache kam: "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt" (Joh 1,14). Fleischwerdung bedeutet hier Menschwerdung des göttlichen Wortes, Menschwerdung Gottes.
Der Mensch ist ein Teil der Welt, und zugleich stellt er sich im Erleben und Denken immer wieder der Welt gegenüber und baut auch Brücken, die über die Welt, über die Todesgrenze hinaus zielen. Bleiben diese Brücken für immer Fragmente oder erreichen sie ein anderes Ufer? Die Weihnachtsbotschaft bejaht die zweite Frage: Sie sagt, dass Gott dem Menschen entgegenkommt, dass er in seinem ewigen Sohn, den das Evangelium "das Wort" nennt, Mensch geworden ist. Der Sohn Gottes geht den Weg der Menschen. Nicht den Höhenweg des stolzen machthungrigen Menschen, sondern den niedrigen Weg von der Krippe zum Kreuz.
Im Laufe der Geschichte wollten Menschen viele Male Übermenschen werden, wollten sein wie Götter. Sie sahen aber das Göttliche nicht in der Liebe, sondern in der Macht. So bauten sie babylonische Türme, die immer wieder einstürzten. Als aber Gott Mensch geworden ist, da ist er in der Gestalt der verletzbaren und schließlich gekreuzigten Liebe erschienen. Er hat sich gezeigt in der Gestalt des Kindes von Betlehem und des jungen Mannes von Nazaret, der nicht schlug, als er geschlagen wurde, der in souveräner Friedfertigkeit den ihn bedrängenden Hass von innen her überwältigt hat.
Das ist Erlösung: Versöhnung zwischen Himmel und Erde, zwischen Mensch und Gott, zwischen Mensch und Mensch. Das ist auch Versöhnung des Menschen mit sich selbst. Darum drängt der liturgische Ruf "Das Wort ist Fleisch geworden" jene, die von seiner Wahrheit überzeugt sind, sich niederzuknien, sich klein zu machen vor einem so großen Geheimnis.
Aus: Egon Kapellari, Menschenzeit in Gotteszeit. Wege durch das Kirchenjahr. Styria Verlag, Graz Wien Köln 2002.
Das menschliche Dasein des Logos konnte auch kein anderes Los als das aller Geschöpflichkeit haben: es steht ganz und restlos in der Verfügung des Schöpfer-Gottes. Auch Jesus mußte anfangen. Wir können uns die Herrlichkeit dieses uns geschenkten Kindes noch so großartig vorstellen - seine Geburt selbst mußte jedenfalls schon Abstieg in die Enge bedeuten. Da hat er wahrhaft und echt unsere Geschichte angenommen. Wie wir das mit Vorzügen, die ihm die Theologie mit Recht zuschreibt, vereinigen können und müssen, ist eine andere Frage. Hier sollen wir merken, daß er gleich wie wir alle in die Welt gekommen ist, um mit uneinholbar Vorgegebenem, im Grunde mit dem Sterben zu beginnen. Nach Ignatius von Loyola [Exerzitien, Nr. 116] soll der Exerzitant [in den vierzigtägigen Exerzitien] "schauen und erwägen, was (Maria und Josef und andere) tun... dazu hin, daß der Herr... geboren werde und am Ende von so viel Mühen, von Hunger und Durst, Hitze und Kälte, von Schmähungen und Anwürfen am Kreuze sterbe, und das alles für mich". Nach Ignatius soll man das Leben des Herrn ohne Pseudoverklärung ansehen, ohne romantische Phrasen und ohne verharmlosenden Humanismus. Man soll bei der Betrachtung seiner Geburt betroffen feststellen: da, wo er geboren wird, beginnt der menschgewordene Logos mit seinem Todesgang, und alle die Dinge, die durch die Geschichte seiner Geburt hervorgehoben werden, künden schon das Ende in der restlosen Armut und Ohnmacht im Tode an.
Aus: Karl Rahner Lesebuch, herausgegeben von Karl Lehmann und Alber Raffelt. Herder Verlag Freiburg Basel Wien 2004 (1982).
Ich glaube an jesus christus
sohn des lebens bruder der menschen
erstgeborener aller schöpfung
der uns an unsere geschwister erinnert
die bäume und die vögel des himmels
schwester wasser und bruder feuer
er verbindet uns mit allem was lebt
auf unserem kleinen planeten erde
Ich glaube an jesus
den sohn des lebens
das uns geschenkt wird
damit wir es weiter verschenken
er hat die kranken geheilt und die traurigen
er hat die hungrigen gespeist und die verzweifelten
ein mitarbeiter der schöpfung
die weitergeht an jedem tag
in unserer arbeit
wenn wir unsere heimat vor der plünderung schützen
unseren kleinen planeten erde
Ich glaube an jesus
sohn des lebens und einer armen mutter
politischer gefangener unter pontius pilatus
zu tode gefoltert auch heute in den polizeikellern
lagern und kriegen
die wir noch immer dulden
auf unserem kleinen planeten erde
Ich glaube an jesus
den erstgeborenen aus dem tode
sie konnten ihn nicht fertigmachen
er ist von den toten auferstanden
er verbindet uns mit den toten vor uns
um die wir trauern
und den toten neben uns
die wir nicht gerettet haben
sie alle sind unsere schwestern und brüder
auf dem kleinen planeten erde
Ich glaube an jesus christus
kind des lebens
eine schwester für alle menschen
die wahrheit die uns frei machen wird
von dem zwang auszubeuten
und aus dem tode profit zu schlagen
In christus spüren wir den geist des lebens
in einer todessüchtigen welt
wir stehen auf mit ihm zu kämpfen
zu leiden und unser leben zu geben
bis gott sei alles in allem
auf unserm kleinen planeten erde
Amen
Aus: Dorothee Sölle, Mut. Kämpfe und liebe das Leben. Herder Verlag, Freiburg Basel Wein 2008.
Der Glaube ist mir in den fünfziger Jahren zugewachsen, in einer kirchlich stark engagierten Familie und in der Atmosphäre einer katholisch geprägten Schwarzwälder Kleinstadt. Ich habe mich nie bewusst für den Glauben entschieden, ihn auch nie ausdrücklich für mich entdeckt. Fasziniert haben mich seit Jugendtagen in erster Linie die intellektuelle Dimension und die kulturellen Ausdrucksformen des christlichen Glaubens. Als Oberstufenschüler habe ich Rahner, Welte und Metz gelesen und dann folgerichtig auch primär aus intellektuellem und kulturellem Interesse Theologie studiert. Dagegen habe ich mich mit religiösen Übungen, gleich welcher Art (den sonntäglichen Gottesdienst ausgenommen), immer schwergetan, ebenso mit »Glaubensgesprächen«, die ins Persönliche gehen.
Mein Zugang zum Glauben ist heute mehr denn je ein indirekter. Er speist sich zum einen aus den Texten älterer Kirchenlieder, nicht zuletzt aus der Feder von Paul Gerhardt. Ich finde es ausgesprochen hilfreich und auch der Sache angemessen, nicht mit eigenen Worten über die Geheimnisse des Glaubens sprechen zu müssen, sondern Texte vergangener Zeiten zitieren zu können. Zu den indirekten Annäherungen an den Glauben gehören für mich neben der Poesie auch Werke der Architektur und vor allem der Musik. Man sollte mit der Rede von einem »ästhetischen Beweis« für die Existenz Gottes oder seine Offenbarung in Jesus Christus vorsichtig sein. Aber es gibt für mich die Evidenz eines romanischen, gotischen oder barocken Kirchenraums, die Evidenz der h-moll-Messe, der Matthäuspassion und der Missa Solemnis. Solche Musik kann nicht lügen. »Solange die Kantate dauert, bin ich gerettet. Aber auch die himmlischste Musik mündet ins Schweigen« (Albert von Schirnding).
Ich weiß nach jahrzehntelanger Beschäftigung mit Theologie und Christentumsgeschichte viel über die verschiedensten Facetten praktizierten Glaubens und kirchlichen Lebens. Über dieses differenzierte Wissen bin ich auch froh, denn es hilft bei vielen Gesprächen oder Auseinandersetzungen über religionsbezogene Themen, die sich ja meistens im Vorfeld der eigentlichen Glaubensfragen abspielen. Aber gleichzeitig ist für mich der Glaube im Lauf der Zeit immer elementarer und damit auch in einem bestimmten Sinn geheimnishafter geworden. Es kommt mir zunehmend so vor, als sei der christliche Glaube so etwas wie ein kostbarer und gleichzeitig rätselhafter Kern, den es immer wieder vorsichtig zu umkreisen und an den es sich anzunähern gilt, den man verfehlt, wenn man ihn vorschnell oder plump bejaht und damit enträtselt. In diesem Sinn gibt es für mich als Glaubenden eine Solidarität mit nichtglaubenden Zweiflern und Skeptikern. Aber ich habe auch unverhohlenen Respekt vor Menschen, die ihren Glauben aus einer letzten Sicherheit, aber gleichzeitig unspektakulär leben und bezeugen. Es braucht vermutlich beides.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Jesus Sirach ist einer der großen Weisheitslehrer des AT. Er ist ein Pädagoge, der Unterweisungen gibt für die Erziehung eines Kindes.
Kapitel 24, Verse 1-22 stellen ein Loblied der Weisheit dar. Er läßt die Weisheit selbst sprechen (ab Vers 3). Sie erzählt von ihrer Suche nach einem Wohnort, einem Ort der Ruhe - und sie findet ihn in Jerusalem. Dort läßt sie sich nieder. Verse 13-17 schildern in schönen Bildern, wie sich die Weisheit dort breitmacht.
Verse 19-22 schildert die Vorzüge, die man von ihr hat: man fällt nicht in Sünde, man hat das ewige Leben.
Gewählt ist diese Stelle im Hinblick auf den "Logos" (Johannesevangelium): Die "Weisheit Gottes" wird oft als Synonym für das "Wort Gottes" verstanden und mit ähnlichen Attributen versehen.
Jesus Sirach gibt als Antwort: es ist Gottes Weisheit, die die Weisheit des Menschen trägt. An seiner Weisheit müssen sich die menschlichen Antworten messen.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz