Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Jesaja.
Siehe, mein Knecht wird Erfolg haben,
er wird sich erheben
und erhaben und sehr hoch sein.
Wie sich viele über dich entsetzt haben -
so entstellt sah er aus,
nicht mehr wie ein Mensch,
seine Gestalt war nicht mehr die eines Menschen - ,
so wird er viele Nationen entsühnen,
Könige schließen vor ihm ihren Mund.
Denn was man ihnen noch nie erzählt hat,
das sehen sie nun;
was sie niemals hörten,
das erfahren sie jetzt.
Wer hat geglaubt, was wir gehört haben?
Der Arm des HERRN - wem wurde er offenbar?
Vor seinen Augen wuchs er auf wie ein junger Spross,
wie ein Wurzeltrieb aus trockenem Boden.
Er hatte keine schöne und edle Gestalt,
sodass wir ihn anschauen mochten.
Er sah nicht so aus, dass wir Gefallen fanden an ihm.
Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden,
ein Mann voller Schmerzen,
mit Krankheit vertraut.
Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt,
war er verachtet;
wir schätzten ihn nicht.
Aber er hat unsere Krankheit getragen
und unsere Schmerzen auf sich geladen.
Wir meinten, er sei von Gott geschlagen,
von ihm getroffen und gebeugt.
Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Vergehen,
wegen unserer Sünden zermalmt.
Zu unserem Heil lag die Züchtigung auf ihm,
durch seine Wunden sind wir geheilt.
Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe,
jeder ging für sich seinen Weg.
Doch der HERR ließ auf ihn treffen
die Schuld von uns allen.
Er wurde bedrängt und misshandelt,
aber er tat seinen Mund nicht auf.
Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt,
und wie ein Schaf vor seinen Scherern verstummt,
so tat auch er seinen Mund nicht auf.
Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft,
doch wen kümmerte sein Geschick?
Er wurde vom Land der Lebenden abgeschnitten
und wegen der Vergehen meines Volkes zu Tode getroffen.
Bei den Frevlern gab man ihm sein Grab
und bei den Reichen seine Ruhestätte, '
obwohl er kein Unrecht getan hat
und kein trügerisches Wort in seinem Mund war.
Doch der HERR hat Gefallen an dem von Krankheit Zermalmten.
Wenn du, Gott, sein Leben als Schuldopfer einsetzt,
wird er Nachkommen sehen und lange leben.
Was dem HERRN gefällt, wird durch seine Hand gelingen.
Nachdem er vieles ertrug,
erblickt er das Licht.
Er sättigt sich an Erkenntnis.
Mein Knecht, der gerechte,
macht die Vielen gerecht;
er lädt ihre Schuld auf sich.
Deshalb gebe ich ihm Anteil unter den Großen
und mit Mächtigen teilt er die Beute,
weil er sein Leben dem Tod preisgab
und sich unter die Abtrünnigen rechnen ließ.
Er hob die Sünden der Vielen auf
und trat für die Abtrünnigen ein.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. - Kv
(GL 308,1)
HERR, bei dir habe ich mich geborgen. /
Lass mich nicht zuschanden werden in Ewigkeit;
rette mich in deiner Gerechtigkeit!
In deine Hand lege ich voll Vertrauen meinen Geist;
du hast mich erlöst, HERR, du Gott der Treue. - Kv
Vor all meinen Bedrängern wurde ich zum Spott, /
zum Spott sogar für meine Nachbarn.
Meinen Freunden wurde ich zum Schrecken,
wer mich auf der Straße sieht, der flieht vor mir.
Ich bin dem Gedächtnis entschwunden wie ein Toter,
bin geworden wie ein zerbrochenes Gefäß.- Kv
Ich aber, HERR, ich habe dir vertraut,
ich habe gesagt: Mein Gott bist du.
In deiner Hand steht meine Zeit;
entreiß mich der Hand meiner Feinde und Verfolger! - Kv
Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht,
hilf mir in deiner Huld!
Euer Herz sei stark und unverzagt,
ihr alle, die ihr den HERRN erwartet.- Kv
Lesung aus dem Hebräerbrief.
Schwestern und Brüder!
Da wir nun einen erhabenen Hohepriester haben,
der die Himmel durchschritten hat,
Jesus, den Sohn Gottes,
lasst uns an dem Bekenntnis festhalten.
Wir haben ja nicht einen Hohepriester,
der nicht mitfühlen könnte mit unseren Schwächen,
sondern einen, der in allem wie wir
versucht worden ist,
aber nicht gesündigt hat.
Lasst uns also voll Zuversicht hinzutreten zum Thron der Gnade,
damit wir Erbarmen und Gnade finden
und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit!
Christus hat in den Tagen seines irdischen Lebens
mit lautem Schreien und unter Tränen
Gebete und Bitten vor den gebracht,
der ihn aus dem Tod retten konnte,
und er ist erhört worden aufgrund seiner Gottesfurcht.
Obwohl er der Sohn war,
hat er durch das, was er gelitten hat, den Gehorsam gelernt;
zur Vollendung gelangt,
ist er für alle, die ihm gehorchen,
der Urheber des ewigen Heils geworden.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Hebräerbrief deutet das Leben Jesu in den Bildern und der Sprache jüdischer Überlieferungen: Durchschritt der Hohepriester den Tempel, um am Versöhnungstag allein das Allerheiligste zu betreten, wird Jesus hier vorgestellt als der, der den Himmel durchschritten hat. Er ist hier zu Hause. Für den Hebräerbrief folgt daraus, an dem Bekenntnis festzuhalten: Er ist der Sohn Gottes.
Der Gedankengang, der im Himmel beginnt, nähert sich menschlichen Erfahrungen. Von Schwachheiten ist die Rede und von der Versuchung. Ohne sie zu spezifizieren oder konkretisieren, wird der Hohepriester – Jesus – als der vor Augen gestellt, der „mitfühlen“ oder, eine andere Übersetzung, „mitleiden“ kann. Nur: gesündigt hat er nicht. Der Hebräerbrief setzt die Geschichten voraus, die in den Evangelien erzählt werden. Da ist von der vertrauten Nähe Jesu zu Menschen die Rede, aber auch von seiner Stellung und Würde. Im Hebräerbrief formuliert: ohne Sünde.
Eine Szene, die zur Leidensgeschichte Jesu gehört, wird im Hebräerbrief besonders herausgehoben: Der sog. Gebetskampf Jesu in Gethsemane. Mit „lautem Schreien und unter Tränen“ hat Jesus mit seinem Vater gerungen. Aber was in der synoptischen Überlieferung zu dem Ja Jesu führt, den Kelch zu trinken, ist im Hebräerbrief zu dem Ja Gottes geworden, ihn aus seiner Angst zu befreien. Schon innerhalb der neutestamentlichen Überlieferung hat die Gethsemane-Erfahrung Jesu vielfältige Aneignungen hervorgebracht. Nach dem Hebräerbrief ist die Bitte Jesu, dass der Kelch an ihm vorübergehen möge, in der Auferstehung in Erfüllung gegangen.
Am Schluss ist es fast eine Kurzformel, die das Leben Jesu zusammenfasst: Obwohl er der Sohn war, hat er durch Leiden den Gehorsam gelernt; zur Vollendung gelangt, ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden.
Zu beachten ist: Jesus und die Seinen sind im Gehorsam miteinander verbunden.
In dieser Lesung vernehmen wir, dass Jesus, der Sohn Gottes, unser Hoherpriester ist. Damit trägt Jesus Christus einen Titel, der im weiteren entfaltet wird. Nicht nur "Kyrios", "Christus", sondern auch "Hoherpriester". Der Verfasser stellt Jesus Christus damit in die Reihe der Hohenpriester vor ihm, vor allem Aaron, dessen Amtseinsetzung zitiert wird. Während die Propheten jeweils von Gott berufen werden, wird die Würde des Hohenpriesters innerhalb der Familie weitergegeben. Dieses Spezifikum lässt uns aufhorchen, denn es verweist uns auf den Ursprung Jesu: Er ist Sohn Gottes. Dadurch wird Christus zum erhabendsten aller Hohenpriester – zugleich aber auch einer, der sich von den Menschen und seiner Gemeinde nicht entfernt, sondern den Menschen gleichgeworden ist. Diese Nähe ist Grund zum Bekenntnis und zur Zuversicht.
Die zweite Lesung des Karfreitags ist dem Hebräerbrief entnommen und möchte das unfaßbare Leiden Jesu theologisch deuten.
Der Hebräerbrief entstand in einem Umfeld, das zutiefst mit der jüdischen Schrifttradiotion und dem jüdischen Tempelkult verbunden war und daraus lebte. Mit den Mitteln der überlieferten jüdischen Theologie versucht der Verfasser, das Christusereignis zu verstehen und in Worte zu fassen. Dabei ist er fest überzeugt, daß die jüdische Tradition in Jesus Christus ihr Ziel gefunden hat.
Der Jerusalemer Tempelkult verstand sich als irdisches Abbild des realen Kultes vor dem Thron Gottes im Himmel. Die Rolle, die der Hohepriester im Tempelkult wahrnahm, nimmt in Wirklichkeit Jesus Christus im Himmel wahr. Für den Verfasser des Hebräerbriefes ist Jesus Christus der Hohepriester, der die Himmel durchschritten hat und zugleich unter Schreien und Tränen menschliche Existenz erfahren hat. Er ist Gott und Mensch zugleich. Wie der irdische Hohepriester die Gebete und Bitten des Volkes stellvertretend vor Gott bringt, bringt sie Christus im Himmel vor den Thron Gottes. Dies ist Anlaß, am Bekenntnis, daß Jesus der Sohn Gottes ist, festzuhalten und sich ihm in Gehorsam unterzuordnen.
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre! - Kv
Christus war für uns gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott erhöht
und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen.
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!
Die Verhaftung Jesu
E Jesus ging mit seinen Jüngern hinaus,
auf die andere Seite des Baches Kidron.
Dort war ein Garten;
in den ging er mit seinen Jüngern hinein.
Auch Judas, der ihn auslieferte, kannte den Ort,
weil Jesus dort oft
mit seinen Jüngern zusammengekommen war.
Judas holte die Soldaten
und die Gerichtsdiener der Hohepriester und der Pharisäer
und kam dorthin mit Fackeln, Laternen und Waffen.
Jesus, der alles wusste,
was mit ihm geschehen sollte,
ging hinaus
und fragte sie:
+ Wen sucht ihr?
E Sie antworteten ihm:
S Jesus von Nazaret.
E Er sagte zu ihnen:
+ Ich bin es.
E Auch Judas, der ihn auslieferte, stand bei ihnen.
Als er zu ihnen sagte: Ich bin es!,
wichen sie zurück und stürzten zu Boden.
Er fragte sie noch einmal:
+ Wen sucht ihr?
E Sie sagten:
S Jesus von Nazaret.
E Jesus antwortete:
+ Ich habe euch gesagt, dass ich es bin.
Wenn ihr also mich sucht,
dann lasst diese gehen!
E So sollte sich das Wort erfüllen, das er gesagt hatte:
Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast.
Simon Petrus, der ein Schwert bei sich hatte, zog es,
traf damit den Diener des Hohepriesters
und hieb ihm das rechte Ohr ab;
der Diener aber hieß Malchus.
Da sagte Jesus zu Petrus:
+ Steck das Schwert in die Scheide!
Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat -
soll ich ihn nicht trinken?
Jesus vor Hannas
E Die Soldaten,
der Hauptmann
und die Gerichtsdiener der Juden nahmen Jesus fest,
fesselten ihn
und führten ihn zuerst zu Hannas;
er war nämlich der Schwiegervater des Kajaphas,
der in jenem Jahr Hohepriester war.
Kajaphas aber war es, der den Juden den Rat gegeben hatte:
S Es ist besser, dass ein einziger Mensch für das Volk stirbt.
E Simon Petrus und ein anderer Jünger folgten Jesus.
Dieser Jünger war mit dem Hohepriester bekannt
und ging mit Jesus in den Hof des Hohepriesters.
Petrus aber blieb draußen am Tor stehen.
Da kam der andere Jünger,
der Bekannte des Hohepriesters, heraus;
er sprach mit der Pförtnerin und führte Petrus hinein.
Da sagte die Pförtnerin zu Petrus:
S Bist nicht auch du einer von den Jüngern dieses Menschen?
E Er sagte:
Ich bin es nicht.
E Die Knechte und die Diener
hatten sich ein Kohlenfeuer angezündet
und standen dabei, um sich zu wärmen;
denn es war kalt.
Auch Petrus stand bei ihnen und wärmte sich.
E Der Hohepriester
befragte Jesus über seine Jünger und über seine Lehre.
Jesus antwortete ihm:
+ Ich habe offen vor aller Welt gesprochen.
Ich habe immer in der Synagoge und im Tempel gelehrt,
wo alle Juden zusammenkommen.
Nichts habe ich im Geheimen gesprochen.
Warum fragst du mich?
Frag doch die, die gehört haben,
was ich zu ihnen gesagt habe;
siehe, sie wissen, was ich geredet habe.
E Als er dies sagte,
schlug einer von den Dienern, der dabeistand, Jesus ins Gesicht
und sagte:
S Antwortest du so dem Hohepriester?
E Jesus entgegnete ihm:
+ Wenn es nicht recht war, was ich gesagt habe,
dann weise es nach;
wenn es aber recht war,
warum schlägst du mich?
E Da schickte ihn Hannas
gefesselt zum Hohepriester Kajaphas.
Simon Petrus aber stand da und wärmte sich.
Da sagten sie zu ihm:
S Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern?
E Er leugnete und sagte:
S Ich bin es nicht.
E Einer von den Knechten des Hohepriesters,
ein Verwandter dessen,
dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, sagte:
S Habe ich dich nicht im Garten bei ihm gesehen?
E Wieder leugnete Petrus
und gleich darauf krähte ein Hahn.
Jesus vor Pilatus
E Von Kajaphas brachten sie Jesus zum Prätorium;
es war früh am Morgen.
Sie selbst gingen nicht in das Gebäude hinein,
um nicht unrein zu werden,
sondern das Paschalamm essen zu können.
Deshalb kam Pilatus zu ihnen heraus
und fragte:
S Welche Anklage erhebt ihr gegen diesen Menschen?
E Sie antworteten ihm:
S Wenn er kein Übeltäter wäre,
hätten wir ihn dir nicht ausgeliefert.
E Pilatus sagte zu ihnen:
S Nehmt ihr ihn doch
und richtet ihn nach eurem Gesetz!
E Die Juden antworteten ihm:
S Uns ist es nicht gestattet, jemanden hinzurichten.
E So sollte sich das Wort Jesu erfüllen,
mit dem er angedeutet hatte, welchen Tod er sterben werde.
E Da ging Pilatus wieder in das Prätorium hinein,
ließ Jesus rufen
und fragte ihn:
S Bist du der König der Juden?
E Jesus antwortete:
+ Sagst du das von dir aus
oder haben es dir andere über mich gesagt?
E Pilatus entgegnete:
S Bin ich denn ein Jude?
Dein Volk und die Hohepriester
haben dich an mich ausgeliefert.
Was hast du getan?
E Jesus antwortete:
+ Mein Königtum ist nicht von dieser Welt.
Wenn mein Königtum von dieser Welt wäre,
würden meine Leute kämpfen,
damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde.
Nun aber ist mein Königtum nicht von hier.
E Da sagte Pilatus zu ihm:
S Also bist du doch ein König?
E Jesus antwortete:
+ Du sagst es,
ich bin ein König.
Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen,
dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege.
Jeder, der aus der Wahrheit ist,
hört auf meine Stimme.
E Pilatus sagte zu ihm:
S Was ist Wahrheit?
E Nachdem er das gesagt hatte,
ging er wieder zu den Juden hinaus
und sagte zu ihnen:
S Ich finde keine Schuld an ihm.
Ihr seid aber gewohnt,
dass ich euch zum Paschafest einen freilasse.
Wollt ihr also, dass ich euch den König der Juden freilasse?
E Da schrien sie wieder:
Nicht diesen, sondern Barabbas!
E Barabbas aber war ein Räuber.
E Darauf nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln.
Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen;
den setzten sie ihm auf das Haupt
und legten ihm einen purpurroten Mantel um.
Sie traten an ihn heran und sagten:
S Sei gegrüßt, König der Juden!
E Und sie schlugen ihm ins Gesicht.
E Pilatus ging wieder hinaus
und sagte zu ihnen:
S Seht, ich bringe ihn zu euch heraus;
ihr sollt wissen,
dass ich keine Schuld an ihm finde.
E Jesus kam heraus;
er trug die Dornenkrone und den purpurroten Mantel.
Pilatus sagte zu ihnen:
S Seht, der Mensch!
E Als die Hohepriester und die Diener ihn sahen,
schrien sie:
S Kreuzige ihn,
kreuzige ihn!
E Pilatus sagte zu ihnen:
S Nehmt ihr ihn und kreuzigt ihn!
Denn ich finde keine Schuld an ihm.
E Die Juden entgegneten ihm:
S Wir haben ein Gesetz
und nach dem Gesetz muss er sterben,
weil er sich zum Sohn Gottes gemacht hat.
E Als Pilatus das hörte,
fürchtete er sich noch mehr.
Er ging wieder in das Prätorium hinein
und fragte Jesus:
S Woher bist du?
E Jesus aber gab ihm keine Antwort.
Da sagte Pilatus zu ihm:
S Du sprichst nicht mit mir?
Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich freizulassen,
und Macht, dich zu kreuzigen?
E Jesus antwortete ihm:
+ Du hättest keine Macht über mich,
wenn es dir nicht von oben gegeben wäre;
darum hat auch der eine größere Sünde,
der mich dir ausgeliefert hat.
E Daraufhin wollte Pilatus ihn freilassen,
aber die Juden schrien:
S Wenn du diesen freilässt, bist du kein Freund des Kaisers;
jeder, der sich zum König macht,
lehnt sich gegen den Kaiser auf.
E Auf diese Worte hin ließ Pilatus Jesus herausführen
und er setzte sich auf den Richterstuhl
an dem Platz, der Lithostrotos,
auf Hebräisch Gabbata, heißt.
Es war Rüsttag des Paschafestes,
ungefähr die sechste Stunde.
Pilatus sagte zu den Juden:
S Seht, euer König!
E Sie aber schrien:
S Hinweg, hinweg,
kreuzige ihn!
E Pilatus sagte zu ihnen:
S Euren König soll ich kreuzigen?
E Die Hohepriester antworteten:
S Wir haben keinen König außer dem Kaiser.
E Da lieferte er ihnen Jesus aus,
damit er gekreuzigt würde.
Kreuzigung, Tod und Begräbnis Jesu
E Sie übernahmen Jesus.
Und er selbst trug das Kreuz
und ging hinaus zur sogenannten Schädelstätte,
die auf Hebräisch Golgota heißt.
Dort kreuzigten sie ihn
und mit ihm zwei andere,
auf jeder Seite einen,
in der Mitte aber Jesus.
E Pilatus ließ auch eine Tafel anfertigen
und oben am Kreuz befestigen;
die Inschrift lautete:
Jesus von Nazaret,
der König der Juden.
Diese Tafel lasen viele Juden,
weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde,
nahe bei der Stadt lag.
Die Inschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefasst.
Da sagten die Hohepriester der Juden zu Pilatus:
S Schreib nicht: Der König der Juden,
sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden.
E Pilatus antwortete:
S Was ich geschrieben habe,
habe ich geschrieben.
E Nachdem die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten,
nahmen sie seine Kleider
und machten vier Teile daraus,
für jeden Soldaten einen Teil,
und dazu das Untergewand.
Das Untergewand war aber ohne Naht von oben ganz durchgewoben.
Da sagten sie zueinander:
S Wir wollen es nicht zerteilen,
sondern darum losen, wem es gehören soll.
E So sollte sich das Schriftwort erfüllen:
Sie verteilten meine Kleider unter sich
und warfen das Los um mein Gewand.
Dies taten die Soldaten.
E Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter
und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas,
und Maria von Magdala.
Als Jesus die Mutter sah
und bei ihr den Jünger, den er liebte,
sagte er zur Mutter:
+ Frau, siehe, dein Sohn!
E Dann sagte er zu dem Jünger:
+ Siehe, deine Mutter!
E Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
(Hier stehen alle auf.)
E Danach, da Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war,
sagte er, damit sich die Schrift erfüllte:
+ Mich dürstet.
E Ein Gefäß voll Essig stand da.
Sie steckten einen Schwamm voll Essig auf einen Ysopzweig
und hielten ihn an seinen Mund.
Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er:
+ Es ist vollbracht!
E Und er neigte das Haupt
und übergab den Geist.
(Hier knieen alle zu einer kurzen Gbetsstille nieder.)
E Weil Rüsttag war
und die Körper während des Sabbats
nicht am Kreuz bleiben sollten
- dieser Sabbat war nämlich ein großer Feiertag - ,
baten die Juden Pilatus,
man möge ihnen die Beine zerschlagen
und sie dann abnehmen.
Also kamen die Soldaten
und zerschlugen dem ersten die Beine,
dann dem andern, der mit ihm gekreuzigt worden war.
Als sie aber zu Jesus kamen
und sahen, dass er schon tot war,
zerschlugen sie ihm die Beine nicht,
sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite
und sogleich floss Blut und Wasser heraus.
Und der es gesehen hat, hat es bezeugt
und sein Zeugnis ist wahr.
Und er weiß, dass er Wahres sagt,
damit auch ihr glaubt.
Denn das ist geschehen,
damit sich das Schriftwort erfüllte:
Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen.
Und ein anderes Schriftwort sagt:
Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.
E Josef aus Arimathäa war ein Jünger Jesu,
aber aus Furcht vor den Juden nur im Verborgenen.
Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen,
und Pilatus erlaubte es.
Also kam er und nahm den Leichnam ab.
E Es kam auch Nikodemus,
der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte.
Er brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloe,
etwa hundert Pfund.
Sie nahmen den Leichnam Jesu
und umwickelten ihn mit Leinenbinden,
zusammen mit den wohlriechenden Salben,
wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist.
E An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten
und in dem Garten war ein neues Grab,
in dem noch niemand bestattet worden war.
Wegen des Rüsttages der Juden
und weil das Grab in der Nähe lag,
setzten sie Jesus dort bei.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Passionsgeschichte, die am Karfreitag vorgetragen wird, ist dem Johannes-Evangelium entnommen. Es ist eine dramatische Geschichte mit vielen Auseinandersetzungen, Dialogen und Perspektivwechseln.
Schlüsselszenen sind:
Die Gefangennahme Jesu
Das Verhör vor dem Hohen Rat
Die Verleugnung des Petrus
Die Verhandlung vor Pilatus
Geißelung und Verspottung
Das Todesurteil
die Kreuzigung und Jesu Tod
Die Grablegung.
Schon bei der Gefangennahme, aber besonders in der Verhandlung vor Pilatus, ist Jesus der Herr, der das letzte Wort hat: Er lässt sich gefangen nehmen, verhören und verurteilen. Menschen sind zwar Akteure in dieser Geschichte, haben aber – im wahrsten Sinn dieses Wortes – „nichts“ zu sagen. Vor den religiösen und politischen Instanzen, die über Tod und Leben befinden, klärt sich der Wahrheitsanspruch Jesu. Es wird alles darauf ankommen, die Geschichte so vorzutragen, dass die Linien scharf hervortreten.
Am Beispiel des Petrus wird in der Passionsgeschichte, wie sie Johannes überliefert, Gewalt einerseits (18,10 f.) und Versagen andererseits (18,15-18) zusammen gesehen: Der mit dem Schwert kämpfen will, verliert mit seinem Mund. Wenn davon zu reden ist, das Petrus Jesus verleugnet, ist auch davon zu reden, wie denn die Wahrheit Jesu bezeugt werden kann.
Auf eine Wunde, die die Passionsgeschichte besonders in der johanneischen Fassung geschlagen hat, ist behutsam zu achten: Die Juden erscheinen in dieser Geschichte als die, die die Hauptschuld an Jesu Tod haben. Pilatus wird von ihnen seiner Karriere geopfert und vereinnahmt. Aber eine antijudaistische Interpretation des Evangeliums, bedauerlicherweise über lange Strecken der Auslegungsgeschichte geübt, wird dem Anspruch Jesu nicht gerecht, Herr des Verfahrens zu sein. Die Juden stehen hier stellvertretend für die Menschen, die sich der Wahrheit Jesu verschließen. Der schärfste Widerspruch wird von Jesus vor Pilatus formuliert: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Dieses Wort wird von Jesus ausgelegt: Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme.
Was dieses „Hören“ angeht: Besonders in den Ich-bin-Worten Jesu ist festgehalten, wer er in Wahrheit ist: Brot, Weg, Tür, Licht, Leben usw. Und immer ausschließlich: DAS Brot, DER Weg, DIE Tür. Diese Ich-bin-Worte Jesu sind der rote Faden, der das Johannes-Evangelium durchzieht. Schon im Prolog heißt es: In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat´s nicht ergriffen (1,4 f.).
In der Karfreitagsliturgie wird die Leidensgeschichte nach dem Evangelisten Johannes vorgetragen. Dieser griff auf eine von den anderen Evangelisten unabhängige Überlieferung zurück, setzte jedoch eigene theologische Akzente. Ihm geht es um mehr als die historische Beschreibung der Vorgänge um den Tod Jesu.
So beschreibt Johannes nicht wie seine Evangelistenkollegen, wie schwer es Jesus fiel, sich in das einzufügen, was auf ihn zukam. Er, "der alles wußte, was mit ihm geschehen sollte", tritt selbstbewußt und überlegen den Soldaten und Dienern der Hohenpriester gegenüber und läßt sich festnehmen. Er ist der Sohn Gottes, der den Weg durch das Leiden hindurch zur Erhöhung und Verherrlichung geht.
Im Verhör durch Hannas und Pilatus führt der Evangelist Johannes aus, was er bereits im Prolog zu seinem Evangelium hervorkehrt: "Das wahre Licht kam in die Welt [...] aber die Welt erkannt ihn nicht"; und "Er kam in sein Eigentum, aber die seinen nahmen ihn nicht auf". Im Prozeß Jesu ist dem Evangelisten wichtig, zu zeigen, daß Jesus der wahre "König der Juden" ist, von seinem Volk jedoch nicht als der Messias erkannt wird. Sie stellen ihn vor das staatliche Gericht. Pilatus ist zu feige, um der Wahrheit Rechnung zu tragen. Er läßt Jesus hinrichten, obwohl er erkannt hat, daß Jesus keinen politischen Anspruch stellt.
Ein anderes Motiv, das die Passion des Johannes durchzieht, ist das des wahren Paschalammes. Johannes legt den Zeitablauf im Gegensatz zu den anderen drei Evangelien so fest, daß Jesus zu der Zeit am Kreuz stirbt, als im Tempel die Paschalämmer geschlachtet werden. Er ist das wahre Paschalamm, das für uns geschlachtet wurde... Er betont, daß ihm die Beine nicht zerschlagen wurden und daß seine Seite mit einer Lanze geöffnet wurde, sodaß Blut und Wasser daraus flossen. In den Bestimmungen für die Paschafeier (Ex 12:46) heißt es, daß dem Lamm kein Bein zerbrochen werden dürfe. Das Blut des Paschalammes schützte in Ägypten die Häuser der Israeliten vor dem Würgengel, der die Erstgeborenen der Ägypter schlug.
Johannes beton auf Schritt und Tritt, wie souverän Jesus das Todesleiden durchgegangen ist. In allem sollte sich die Schrift erfüllen. Vom Kreuz aus vertraut er seine Mutter dem Jünger, den er liebte an, und diesen ihr. Mit den Worten "Es ist vollbracht!" neigt er sein Haupt und gibt er seinen Geist auf.
Der Blick auf das Kreuz hilft uns, unser Kreuz zu tragen. Das Kreuz muss uns nicht in die Knie zwingen, sondern ist ein Zeichen des Lebens geworden.
Am Karfreitag steht das Kreuz im Mittelpunkt: In den Texten der Liturgie und auch in unserem Tun. Wir treten vor das Kreuz, um Jesus, der daran sein Leben für uns hingab, zu verehren. Das Kreuz – ein Zeichen, welches uns immer wieder begegnet, in Kirchen, an Wegen, auf Feldern, in unseren Häusern und Wohnungen.
Nicht wenige Menschen tragen ein Kettchen mit einem Kreuz als Anhänger, oder es hängt am Innenspiegel so manchen Autos. Das Kreuz, es stellt uns unsere menschliche Begrenztheit vor Augen. Immer wieder wird unser Leben "durchkreuzt", da verändert sich urplötzlich das Leben, der gewohnte Ablauf:
- eine Krankheit, die mich zwingt, meine Lebensgewohnheiten zu ändern,
- die Sorge um den Arbeitsplatz
- das Scheitern von Beziehungen
- die drohenden Umweltkatastrophen
- die Kriege, die immer mehr werden
- die Konfrontation mit dem Tod
"Der oder die hat ein schweres Kreuz zu tragen" - so drücken wir solche und andere notvolle Situationen von Menschen aus. Mit dem Kreuz wird uns vor Augen gestellt, wie brutal und gewaltvoll Menschen sein können, was sie einander antun können.
Schauen wir auf das Kreuz, so sehen wir einen Menschen - geschunden, zerschlagen, er verzichtet auf sein Recht. Schauen wir auf das Kreuz, so sehen wir einen Menschen, der sich uns mit ausgebreiteten Armen zuneigt. Jesus hat durchlebt, was auch wir immer wieder erfahren müssen, womit wir in unserm Leben nicht zurechtkommen, woran wir leiden. Jesus kennt die Passionsgeschichten der Menschen und der Welt. ER ist den Weg bis zum Ende, bis zum Äußersten gegangen.
Seine Freunde hätten gerne gesehen, dass er sich mit Gewalt und Macht gegen diesen Weg wehrt. Jesus am Kreuz - er breitet die Arme aus, will uns mit unseren Leiden und Gebrechen in seine Arme schließen und uns sagen: "Du bist nicht allein, ich weiß um dich und ich bin mit deiner Not vertraut."
Weil Jesus selber durch all das menschliche Leid hindurchgegangen ist, hat er sich solidarisch gezeigt mit uns, die wir unser Kreuz durch unser Leben tragen, so wie es in einem westfälischen Sprichwort heißt: Jedet Hüsken häs sin Krüsken (Jedes Haus trägt sein Kreuz).
Aber das Kreuz muss uns nicht in die Knie zwingen. Das Kreuz ist zum Zeichen des Lebens geworden, zum Zeichen, dass Tod und Elend überwunden wurden durch Jesus Christus. Darum können wir singen: »Seht das Holz des Kreuzes, an dem der Herr gehangen, das Heil der Welt.« Jetzt, in der Stunde, wo wir an Jesu Tod denken, stehen wir nicht vor dem Nichts.
Die Botschaft vom Kreuz ist die Botschaft des Glaubens:
"Du bist nicht allein, glaube mir. Leg deine Zweifel, all deine Not an mein Kreuz."
Die Botschaft vom Kreuz ist die Botschaft der Hoffnung:
"Schau auf mich, ich richte dich wieder auf, ich will Leben für dich - Leben in Fülle."
Die Botschaft vom Kreuz ist die Botschaft der Liebe:
"Ich gebe mich hin für dich, damit du am Leid nicht zerbrichst.
Es ist wichtig und not-wendig, dass wir Christen den Karfreitag feiern. Wir fordern damit alle Welt auf innezuhalten und zu bedenken, wie Hass, Unrecht und Gewalt die Menschen zu Tode bringen.
Wir haben unsere Karfreitagsliturgie mit einer stillen Gedenkminute begonnen. Wer auf zum Kreuz schaut, bleibt davon nicht unberührt. Was damals an Jesus von Nazareth geschehen ist, erschüttert jeden, der die Botschaft des Kreuzes an sich heranlässt. Das Schauen auf das Kreuz erinnert aber auch an das grausame Morden, das die Menschheit begleitet, seit es Menschen gibt. Österreich beklagt in diesem Jahr einen traurigen Rekord an Frauenmorden. Fast immer sind es Beziehungstaten. Krieg Terror, Völkermord sind täglich Themen aller Medien. Wir nehmen dies oft nicht mehr wahr, weil es selbstverständlich geworden ist.
In den 60er und 70er-Jahren warben Mitglieder der Katholischen Arbeiterjugend und anderer Bewegungen am Karfreitag an den Fabrikstoren für eine Gedenkminute zur Todesstunde Jesu. Heute ist dieser Brauch kaum wo erhalten geblieben. Wir können das auch symbolisch deuten: Die Welt bleibt nicht stehen wegen eines Toten. Sie dreht sich weiter. Sie nimmt bestenfalls Notiz von vielen Toten. Nur in besonders krassen Fällen werden da und dort Gedenkminuten gehalten.
In Österreich wurde in den vergangenen Wochen die Frage diskutiert, ob der Karfreitag Feiertag für alle werden solle. Bei allen Schwierigkeiten, eine für alle befriedigende und gerechte Lösung zu finden, hat die von der Politik vorgestellte Lösung, dass jeder das Recht in Anspruch nehmen könne, sich aus religiösen Gründen einen Urlaubstag zu nehmen, auch symbolische Bedeutung: Für die kleine Zahl an evangelischen oder altkatholischen Christen können wir keine Ausnahme machen. Die Interessen der Mehrheit und der Wirtschaft können darauf nicht Rücksicht nehmen. - Auch dieses Rad dreht sich weiter…
Wozu innehalten? Was gibt es am Karfreitag zu feiern? Die religiösen Deutungen des Kreuzestodes Christi lassen sich nicht auf einen einheitlichen Nenner bringen. Schon gar nicht in einer pluralen und multikulturellen Gesellschaft. Wie dieser Tag gefeiert und ausgestaltet wird, muss den einzelnen Religionsgemeinschaften und jedem Einzelnen überlassen bleiben.
Eines aber können, sollen, müssen wir Christen aber der Mehrheitsgesellschaft in Erinnerung rufen: Was damals in Jerusalem geschehen ist, wiederholt sich auf vielfältige Weise immer wieder. Was im Laufe der Geschichte so selbstverständlich geworden ist, dass scheinbare Sieger über Opfer hinweggehen, darf um der Menschlichkeit willen nicht als selbstverständlich hingenommen werden. Der Karfreitag ruft in Erinnerung, dass wir in ein unmenschliches und grausames System hineinverwoben sind, das wir nicht als unveränderbar akzeptieren dürfen.
Wir schöpfen zwar unsere Hoffnung aus dem Glauben an die Auferstehung und an die Liebe Gottes, die Hass und Tod überwinden können, wir dürfen aber nicht müde werden, auf Hass, Unrecht und Gewalt, die Menschen zu Tode bringen, aufmerksam zu machen. Wir Christen feiern den Karfreitag als Bedenktag, um alle Welt aufzufordern, sich zu besinnen und innezuhalten.
"Deinen Tod, o Herr, verknden wir!" Alle Welt soll es hören und bedenken: Nur wenn sie innehält und sich die Todesnot der Menschen zu Herzen gehen lässt, wird sie auch bereit werden, gegen Hass, Unrecht und Gewalt an der Schöpfung etwas zu tun.
„Nicht die Gewalt erlöst, sondern die Liebe“ (Benedikt XVI).
Jesus Christus bezeugt bis zum Tod, dass seine Worte Gottesworte, dass seine Taten Gottestaten sind, die aus der Liebe entspringen. Er wurde durch sein Leiden und Sterben zum Märtyrer der Liebe und Wahrheit. Warum hat man Jesus angeklagt? Warum wollte man ihn mundtot machen? Was hat er verbrochen, dass man ein „solch scharf Urteil hat gesprochen?“ (GL 290) Es fällt einem auf, dass schon im Hintergrund der Krippe das Kreuz steht. König Herodes wollte den „neugeborenen König der Juden“ (Mt 2,2) suchen, „um ihn zu töten“ (Mt 2,13). Der greise Simeon sagte über Jesus zu Maria: „Dieser ist gesetzt, dass in Israel viele durch ihn zum Fall kommen und viele aufgerichtet werden. Er ist ein Zeichen, dem widersprochen wird“ (Lk 2,34).
Man wirft Jesus vor dass er sich der Betrüger, Zöllner und Sünder annimmt. Er isst sogar mit ihnen. Darüber murrten eine Reihe von Schriftgelehrten und Pharisäern (Lk 5,29f). Außerdem schenkt er Sündern eine neue Zukunft, weil er ihnen die Schuld vergibt. Da dachten die Schriftgelehrten und Pharisäer bei sich: „Wer ist dieser, der Gotteslästerungen ausstößt? Wer kann Sünden vergeben als Gott allein?“ (Lk 5,21) Jesus sagt: „Ich und der Vater sind eins. Da hoben die Juden Steine auf, um ihn zu steinigen“ (Joh 10,30f). Denn er stellt sich Gott gleich (Joh 5,18). Er kann nicht von Gott kommen, da er sich im Kreis von Sündern aufhält. Doch „Gott will, dass alle Menschen gerettet werden“ (1 Tim 2,4).
Als aber Jesus auf einem Esel in Jerusalem einzog, wurde die Situation brisant. Das Volk jubelte ihm zu. Es sah in ihm den neuen Herrscher. Doch Jesus wollte kein König dieser Welt sein. Er wusste, was auf ihn zukam. „Die Karriere nach unten war kein Unfall, sondern ein Programm. Jesus selbst hat es so gewollt“ (Richard Geier). Er will auch bei den Menschen sein, die keinen Ausweg mehr sehen.
Im Johannesevangelium steht der Satz: „Jetzt ergeht das Gericht über diese Welt, jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden“ (Joh 12,31). Doch das Gericht traf nicht die Menschen, sondern Jesus. Christus nahm freiwillig unsere Schuld auf sich. Beim letzten Abendmahl deutete Jesus sein Sterben als Hingabe an Gott und an die Menschen (1Kor11,24f; Mt 26,26). Jesus ist der gute Hirt, der sich für uns geopfert hat. Er ist „das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt“ (Joh 1,29). Wer daher „an Jesus glaubt, wird nicht gerichtet“ (Joh3,18). Jetzt wird wahr, dass Jesus alle Menschen an sich ziehen wird. (Joh 12,31f). Alle werden erkennen, dass Jesus Gottes Sohn ist, der keinen Menschen fallen lässt. „Er erlöst nicht durch Gewalt, sondern durch Liebe“ (Papst Benedikt XVI). Seit Ostern steht das Kreuz für die Überwindung des Todes und für neues Leben. Jesus ist einer, der durch seine Auferstehung alles Dagewesene übersteigt. So wurde er das Zeichen Gottes in der Welt, in der das Ewige in die Zeit eingetreten ist.
Die Botschaft vom Kreuz ist die Botschaft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe.
Das Kreuz ist für Christen ein zentrales Symbol, weil es einerseits Gewalt, Hass und Leid vor Augen führt, andererseits die Liebe Christi verkörpert, die Gewalt, Hass und Leid überwindet.
Ein wichtiger Teil des Karfreitagsgottesdienstes ist die Enthüllung und Verehrung des Kreuzes. Alle Mitfeiernden sind eingeladen, ihre Verehrung des Kreuzes durch eine Kniebeuge oder eine andere persönliche Geste zum Ausdruck zu bringen.
Unter Nichtchristen ist das Symbol des Kreuzes umstritten. Immer wieder fordern einige, Kreuze aus öffentlichen Räumen wie Schulen oder Kindergärten zu entfernen. Sie sehen darin ein Mittel der Indoktrination. Zum anderen werden historische Argumente angeführt. Das Kreuz wurde im Laufe der Geschichte immer wieder als Kampf- und Siegeszeichen missbraucht. Im Zeichen des Kreuzes wurden Kriege geführt. Einige fürchten, durch das Kreuz könnten Gewaltanwendung und Leid verherrlicht werden. Menschen, die das Kreuz verehren, könnten sich nicht entschieden genug für die Bekämpfung des Leids einsetzen.
Soll man schon Kinder mit diesem Bild von Gewalt vertraut machen? Sollten wir zu ihnen nicht besser gleich von der Auferstehung als Sieg über Hass und Tod sprechen?
Religions- und kunstgeschichtlich lässt sich das Kreuz nicht einfach aus unserem Leben wegretuschieren. Es hat zu lange eine bedeutsame Rolle in der Welt der Zeichen und Symbole gespielt. Ich trete dafür ein, dass dieses Zeichen auch in Zukunft nicht aus der Öffentlichkeit verschwindet, dass wir jedoch behutsam damit umgehen. Wir dürfen es nicht zu einem Kampfsymbol machen, weil dies seine tiefere Symbolik verdunkelt.
Ja, es zeigt das hässliche Gesicht der Gewalt und alles, was wir Menschen einander an Bösem antun können. Auch in der Gegenwart werden Menschen verfolgt, aufs grausamste gefoltert und umgebracht. Das darf nicht totgeschwiegen werden. Es wäre verlogen, den Menschen eine heile Welt vorzugaukeln. Wenn wir das den Menschen vor Augen führen, heißt das nicht, dass wir damit Gewalt propagieren. Im Gegenteil: wir Christen schauen auf den Gekreuzigten, weil wir in dem Weg, den Jesus gegangen ist, auch das Heilmittel erkennen, das Gewalt, Hass und Ungerechtigkeit überwinden kann: Eine Liebe, die bis ans Äußerste geht und die stärker ist als der Tod. Jesus war so tief in Gott verwurzelt, dass er Folter und Tod freiwillig auf sich nehmen konnte.
Am Karfreitag schauen wir auf zum Kreuz und wir prägen uns ein, was allein Hass und Gewalt überwinden kann. Der Blick aufs Kreuz lädt uns darüber hinaus ein, uns wie Jesus in Gott zu verwurzeln, damit auch wir die Kraft haben, alles Dunkle durchzustehen, womit uns unser persönliches Lebensschicksal konfrontieren könnte.
Jesus geht freiwillig durch das Dunkel des Leids und des Sterbens. Er durchlebt das Gefühl der Gottverlassenheit. Doch Gott ist ihm im Leid nahe. Er geht mit ihm.
Jesus wird gefangen genommen, verurteilt und hingerichtet. Er muss leiden und sterben. Jesus glaubt an seinen Vater, dessen Willen er erfüllt. Er glaubt, dass er immer von ihm unendlich geliebt wird, auch im Leiden und Tod. Am Ölberg ringt er: „Nicht mein Wille geschehe, sondern der Deine!" Jesus betet um Glauben und Kraft gegen das, was kommt, das grausame Sterben am Kreuz. Er betet die Psalmen, besonders die Klage- und Bittpsalmen seines Volkes. Jesus ruft zum Vater um Hilfe und wird erhört: ein Engel kommt und stärkt ihn. Dann geht er den Kreuzweg, er bricht öfter zusammen. Er wird gekreuzigt. Er spürt die ganze Schuld der Menschen, die sich auf ihn legt und die er freiwillig auf sich nimmt. Er will in das größte Elend der Menschen hineingehen. So begibt er sich in die äußerste Gottesfinsternis. Er hat nur mehr den nackten Glauben. Er kann auch seinen Vater nicht mehr fühlen. In seiner Verlassenheit betet er den Psalm 22: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ Er, der Gottessohn ist von Gott verlassen, weil alle Sünde, alles Leid von uns auf ihm lastet. Er wird für uns „zur Sünde“, wie Paulus sagt. Jesus glaubt im blinden Vertrauen weiter, er liebt, er zündet in dem äußersten Dunkel der Menschen das Licht der Liebe an. Er vertraut weiter: „Vater, in Deine Hände empfehle ich meinen Geist!“ Vorher schenkt er noch dem gläubigen Schächer das Paradies, vergibt seinen Feinden, er stirbt.
Glauben auch wir, dass Gott die Liebe ist, in jeder Situation, auch im Leid? - Auch für mein Leben gilt, wie für das Leben Jesu: Gottes Liebe begleitet alle Stufen meines Lebens. Gottes Liebe lässt mich in Schmerz, Unglück und Leid nicht fallen. Er trägt mich. Er spricht zu mir in meinen Schmerzen: „Fürchte Dich nicht, ich bin da für dich!“ Paul Claudel, der katholische französische Dichter, sagte: „Gott lässt das Leid zu, weil er uns darin nahe sein möchte“. Wir halten das Leid für eine Katastrophe, wir sehen oft nicht die Nähe Gottes. Wir sehen nicht, wie er mir entgegengeht und mir zuruft mit ermutigender Stimme: „Fürchte Dich nicht, ich bin es!“ Denken wir nicht: Es hat uns erwischt, das Leid hat uns erwischt? Nein, Er begegnet mir, der schon alles in Liebe getragen und gewandelt hat am Kreuz. Er sagt: „Fürchte Dich nicht! Ich bin es! Ich habe Dich erlöst!“ Als die hl. Katharina von Siena Jesus fragte. „Mein Gott, wo warst Du, als mein Herz in Finsternis und Todesschatten fiel?“ antwortete Jesus: „Meine Tochter, hast Du es nicht gespürt, ich war in Deinem Herzen.“
Er kommt und ist da, wenn wir leiden. Die heilige Theresia von Lisieux, sagte, als sie ihre Todeskrankheit spürte, 1897: „Als ich meiner tödlichen Krankheit gewahr wurde, als ich Blut spuckte, war dies für mich wie die frohe Ankunft meines Bräutigams“. Was kann ich also tun? Sich nicht fürchten und den Bräutigam erkennen, das ist Jesus, der uns unendlich liebt. Konkret: Wenn mir seine Liebe im Schmerz entgegenkommt, ihm sagen: „ich entscheide mich für Dich, Ich liebe Dich! Du hast Dich schon für mich entschieden!“ Der Gekreuzigte antwortet uns und sendet uns den heiligen Geist, der uns erfüllt, Licht verbreitet. Denn Jesus hat versprochen: „Wenn ich am Kreuz erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen“.
Ein Thema beschäftigt jeden Menschen: das Kreuz. Es ist für mich zu einem Buch geworden, das nie ausgelesen werden kann. Für den einen ist das Kreuz Christi Torheit, für den anderen Gottes Kraft (1 Kor 1,18). Jesus sagt: „Wer mein Jünger sein will, verleugne sich selbst, nehme das Kreuz auf sich und folge mir nach“ ( Mt 16,24). Jesus nachfolgen heißt auch für andere leiden.
Als die Sünde groß wurde, ist die Liebe Gottes noch größer geworden. Am Karfreitag aber wurde das größte Verbrechen begangen, die Kreuzigung des Messias. Jesus aber betete: „Vater vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lk 23,34). Er ging durch die Mühle des Leidens, um für uns Brot zu werden. Er nahm das Leiden auf sich, um als höchster Priester alle Sünden zu tilgen. Das ist seine schenkende Liebe, die alles für uns tut. Der Hohepriester Christi ist für uns gestorben, damit wir in der Eucharistie die Nahrung für das ewige Leben empfangen können. Die Länge, Breite und Höhe dieser Liebe ist daher mit dem Verstand nicht fassbar. Das wollen die Fastenkrippen andeuten. Daher ist die Eucharistiefeier die Quelle und der Höhepunkt unseres Glaubens. Das heißt: Wir werden schon jetzt in die dreifaltige Liebe Gottes hineingenommen. Wer daher in Gott ist, für den hat die Auferstehung schon begonnen.
Über einen Satz denke ich immer wieder nach. Als Jesus seinen Leidensweg antrat, sagte er sinngemäß: „Jetzt wird Gott verherrlicht“ (Joh.13,31). Warum? Der Karfreitag zeigt, wie weit Gottes Liebe zu uns geht. Er lässt wie ein Pelikan sein Herz öffnen, „damit keiner verloren gehe, sondern das ewige Leben habe“ (Joh 3,16). Die Liebe Gottes geht wirklich bis zum Äußersten. Sie lässt sich ans Kreuz nageln, damit wir wissen, dass uns nichts von der Lieben Gottes trennen kann. Daher sagt Paulus: „Nichts will ich mehr kennen außer Jesus Christus, den Gekreuzigten“ (1Kor. 2,3). Im Hohen Lied der Liebe heißt es: „Stark wie der Tod ist die Liebe. Ihre Gluten sind Feuersgluten. Mächtige Wasser sind nicht in der Lage, die Liebe auszulöschen“ (Hohelied 6,8).
Die Liebe Gottes vergilt das Böse mit Gutem, geht über das Zeitliche hinaus. Daher verkünden Tod und Auferstehung Jesu den Triumph der Liebe Gottes. Alle Menschen werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben. Und wir erkennen darin die größte Offenbarung Gottes, das Wunder der Liebe. So wurde aus der Unheilsgeschichte der Menschen eine Heilsgeschichte, aus dem Kreuz eine Monstranz. Das ist der Triumph der Liebe.
Papst Benedikt XVI. sagte zu Beginn seines Pontifikates 2005: „Nicht die Gewalt erlöst, sondern die Liebe. Die Welt wird durch den Gekreuzigten und nicht durch die Kreuziger erlöst. Die Welt wird durch die Geduld Gottes erlöst und durch die Ungeduld der Menschen verwüstet.“
Wer in seinem Leben erlebt und begriffen hat, dass Liebe in sich ihren Sinn hat, dessen Leben wird eine besondere „Gestalt“ annehmen. Das Leben des Gottesknechtes hat so eine besondere Gestalt angenommen: nicht schön, nicht lieblich. Dafür wurde er nicht beneidet, denn seine Gestalt „war nicht mehr die eines Menschen“. Und doch war er es, der durch sein Leben, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen vermochte.
Am Karfreitag begegnen uns Menschen, die ihr Ansehen verloren haben. Gerade sie werden zu Heilszeichen Gottes.
Am Kreuz zeigt sich die unfassbare Liebe Gottes. Sie ist größer als die Sünde.
Das Kreuz ist mehr als ein Schmuckstück. Es ist über Nacht wieder als Zeichen für Härte und Grausamkeit aktuell geworden. Ungezählte Christen sind heute der Verfolgung ausgesetzt. Wir sind herausgefordert, wie Jesus zu handeln und unsere Liebe an den Verfolgten und Notleidenden unserer Zeit zu unter Beweis zu stellen.
"Man sagt: Tote lässt man ruhen.
Wir sagen: Nein, Tote lässt man auferstehen,
ihre guten Ideen, ihre Taten, ihr Leben:
Tote lässt man auferstehen.
Man sagt: Vorbei ist vorbei.
Nein, wir sagen: Vorbei ist nicht vorbei:
Jetzt fängt die Sache erst an.
Jesus ist nicht vorbei...
Jetzt, heute, fängt die Sache mit Jesus an."
(Wilhelm Willms).
Aber: Daran können viele nicht mehr glauben, vor allem, wenn ihnen ein lieber Mensch genommen wird. Sehr groß und sehr tief sitzt der Schmerz darüber. Der Tod ist uns lebenslanger, unfreiwilliger Begleiter, der uns mahnt, mit der Zeit, mit der Kraft und unseren Begabungen verantwortungsvoll umzugehen.
Für einen sehr großen Teil von uns ist der Tod im wahrsten Sinn des Wortes der Todfeind, der uns Todesangst macht. Die Erfahrung lehrt, dass Geburt und Tod die einzige Gewissheit in unserem Leben darstellen. "Mors certa, hors incerta", also: Der Tod ist sicher, unsicher hingegen die Zeit, die Stunde unseres Todes.
Der Tod ist wohl die radikalste Form des Abschieds und auch des "Los-Lassen-Müssens". Jeden Tag werden wir mit ihm konfrontiert, ohne dass es uns wirklich bewusst wird. Das Ende eines Tages, die mitternächtliche Stunde bringt einen neuen Tag hervor. Jedes Ende eines Lebens- und Zeitabschnittes hat einen Neubeginn. Es ist so wie mit dem Weizenkorn, das in die Erde eingesenkt wird, um neues Leben zu schaffen.
Wann ist ein Mensch wirklich tot? Vielleicht schon mitten im Leben, wenn die Auferstehung für ihn sinnlos, nur Märchen, billige Vertröstung ist, wenn er nicht mehr nachdenkt, zurück, - vor- und weiterdenkt über seinen eigenen Tod hinaus, wenn er nicht nach dem Sinn des Lebens fragt, nach seiner Zukunft.
Vielleicht ist er schon mitten im Leben herztot, wenn er nicht mehr mitfühlt, nachfühlt und vorfühlt in die Auferstehungshoffnung mit dem Blick auf Christus.
Die christlichen Kirchen verkünden heute, dass die Liebe stärker ist als der Tod, und sie berufen sich dabei auf die Auferstehung: nicht als Wiederkehr eines Toten in die vergängliche Schöpfung, sondern als Auferstehen in eine Welt, in der es kein Leid, keine Not und auch keinen Tod mehr gibt.
So ist also der Tod derjenige, der uns das Ticket überreicht in die ewige Heimat, in das Haus des Vaters, der für uns eine Wohnung bereithält. Der Tod als Übergang in jenen Frieden, der die große Sehnsucht nach Gott stillt.
Lieder:
GL 140: Kommt herbei, singt dem Herrn
GL 147: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr
GL 283: Aus der Tiefe rufe ich zu dir: Herr, höre meine Klagen
GL 287: Christus war für uns gehorsam bis zum Tod
GL 289: O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn
GL 290: Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen
GL 291: Holz auf Jesu Schultern
GL 292: Fürwahr, er trug unsre Krankheit
GL 294: O du hochheilig Kreuze, daran mein Herr gehangen
GL 295: O Traurigkeit, o Herzeleid!
GL 297: Wir danken dir, herr Jesu Christ
GL 299: Der König siegt, sein Banner glänzt
GL 300: Heiliger Herre Gott, heiliger starker Gott
GL 430: Von guten Mächten treu und still umgeben
GL 460: Wer leben will wie Gott auf dieser Erde
GL 497: Gottheit tief verborgen, betend nah ich dir
GL Ö819: Laß mich deine Leiden singen
GL Ö820: Herr Jesus Christ, wir suchen dich
GL Ö822: O du mein Volk, was tat ich dir?
GL Ö823: Heilges Kreuz, sei hoch verehret
Psalmen und Kehrverse:
GL 293: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? - Mit Psalm 40 (GL 41,2) oder mit Psalm 51 (GL 639,2) - IV.
GL 296: Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung - Mit Psalm 40 (GL 41,2) - IV.
GL 308,1: Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist - Mit Psalm 40 (GL 41,2) - IV.
GL 308,4: Sei uns gegrüßt, du heiliges Kreuz! - Mit Psalm 22 (GL 36,2) - II.
GL 308,5: Heiliger Gott! heiliger starker Gott! Heiliger, Unsterblicher, erbarme dich unser - Mit Psalm 40 (GL 41,2) - IV.
GL 518: Beim Herrn ist Barmherzigkeit und reiche Erlösung - Mit Psalm 46 (GL653,2) oder mit Psalm 57 (GL649,6) - VII.
GL 639: Beim Herrn ist Barmherzigkeit, bei ihm ist Erlösung in Fülle - Mit Psalm 130 oder mit Psalm 22 (GL 36,2) - II.
Voll Ehrfurcht und Dankbarkeit
haben wir uns vor dir niedergeworfen.
Voller Ehrfurcht und Dankbarkeit
wollen wir in dieser Stunde Worte deines Leidens hören.
Voll Ehrfurcht und Dankbarkeit wollen wir
dich am Kreuz verehren,
während andere dich verhöhnten.
Wir stehen mit Johannes, deinem Apostel
und mit Maria bei dir.
Gleich ihnen wollen wir
unsere Herzen bereit machen für den Willen Gottes,
auch wenn er für uns durch Dunkel und Leiden geht. - Amen.
Die Österreichische Bischofskonferenz hat für die Feier des Karfreitags für 2021 folgende Regelungen erlassen:
Schreien
um Hilfe
und niemand hört
Weinen
vor tiefem Schmerz
und keiner tröstet
Betteln
um heilsame Nähe
und keine Hand öffnet sich
Verlassen von Gott
und den Menschen
ausgeliefert
und doch
glauben
alles wird gut
Herr, unser Gott,
reicher Segen komme herab auf dein Volk,
das den Tod deines Sohnes gefeiert hat
und die Auferstehung erwartet.
Schenke ihm Verzeihung und Trost,
Wachstum im Glauben und die ewige Erlösung.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Karfreitag
Gedenke, Herr, der grossen Taten, die dein Erbarmen gewirkt hat.
Schütze und heilige deine Diener,
für die dein Sohn Jesus Christus sein Blut vergossen
und das österliche Geheimnis eingesetzt hat,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.
(MB Karfreitag)
GL 532 (KG 31/1): "Lob dir Christus, König und Erlöser"
"Christus war für uns gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen,
der grösser ist als alle Namen."
GL 180 (KG 391): "Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen"
Kreuzenthüllung an drei Stationen: Eingang/Mitte/vor den Altarstufen.
3 x Ruf "Seht das Holz des Kreuzes"
Ein Mensch hängt zwischen Himmel und Erde, '
Mittler zwischen Gott und den Menschen.
Welch große Liebe!
Welch großer Hass!
"Es ist vollbracht!"
Was ist vollbracht?
Der Wille des Vaters?
Das Opfer des Sohnes?
Das Leiden des Menschseins?
Das Werk der Liebe!
Ich kann am Karfreitag nicht Traurigkeit spielen
im Bewusstsein der Freude des Ostermorgens.
Ich kann nur diese Liebe in stiller Freude annehmen,
mich ihr entgegenstrecken - und danken.
(Hans Waltersdorfer)
Oder:
An das Kreuz haben sie ihn gehängt
- diesen Jesus
Er war der verachtetste Mensch
- dieser Jesus
Er war der einsamste Mensch
- dieser Jesus
Sichtbar für alle war es aufgerichtet
- das Kreuz
Ein Zeichen für totale Niederlage
- das Kreuz
Jesu Auferstehung machte es zum Siegeszeichen
- das Kreuz
Es wurde zum Zeichen für Glaube, Liebe, Hoffnung
- das Kreuz
Deshalb können wir
im Zeichen des Kreuzes glauben
an Gottes Barmherzigkeit zu uns.
Deshalb können wir
im Zeichen des Kreuzes glauben
an Gottes Liebe zu uns.
Deshalb können wir
im Zeichen des Kreuzes hoffen
auf die Auferstehung.
(Günter Weigel)
Oder:
Ecce Homo
Weniger als die Hoffnung auf ihn
Das ist der Mensch
Einarmig
Immer
Nur der gekreuzigte
Beide Arme
Weit offen
Der Hier-Bin-Ich
(Hilde Domin)
Oder:
Wird je ein Mensch erahnen können, was in Jesus Christus in dieser letzten Stunde vor sich geht? Wie tief ist der Riss zwischen Gott und Mensch? Unter qualvollen Schmerzen, die bis zum Wahnsinn und zur Ohnmacht treiben, stirbt Jesus. Und doch - unbegreiflich bleibt die liebende Kraft dieses Menschen, der zwischen Himmel und Erde mit dem Tod ringt.
Er vergibt denen, die ihn töten; er vergibt dem der neben ihm hängt und um Vergebung bittet; er übergibt seine Mutter an seinen liebsten Freund und damit an all seine Freunde; seinem Vater legt er sich in die gütigen Hände; liebend und tröstend schenkt er im Todeskampf anderen Kraft und Mut.
Und als dies alles vollbracht ist, bricht das tiefste Dunkel der Todesnacht über ihn herein. Der Durst - der Durst nach Leben schreit aus ihm heraus, und er versinkt in Gottesferne und Verlassenheit. Im grausamsten Dunkel der Grenze menschlichen Lebens schreit er nach Gott: Warum? Warum, Gott?
Und als er sein Haupt neigt, gibt Gott sich selbst und uns die Antwort: Es ist vollbracht. Er, wir, alles ist vollbracht. Seither ist menschliches Leben im Frieden Gottes geborgen.
(Br. Immanuel Jacobs)
mit Blumen und Kerzen. . .
GL 189 (KG 389,3.+ 4. Str.): "Ich danke dir von Herzen"
(Kreuz aufstellen und Kerze entzünden)
V.: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A.: denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja.
Siehe, mein Knecht wird Erfolg haben,
er wird sich erheben
und erhaben und sehr hoch sein.
Wie sich viele über dich entsetzt haben -
so entstellt sah er aus,
nicht mehr wie ein Mensch,
seine Gestalt war nicht mehr die eines Menschen - ,
so wird er viele Nationen entsühnen,
Könige schließen vor ihm ihren Mund.
Denn was man ihnen noch nie erzählt hat,
das sehen sie nun;
was sie niemals hörten,
das erfahren sie jetzt.
Wer hat geglaubt, was wir gehört haben?
Der Arm des HERRN - wem wurde er offenbar?
Vor seinen Augen wuchs er auf wie ein junger Spross,
wie ein Wurzeltrieb aus trockenem Boden.
Er hatte keine schöne und edle Gestalt,
sodass wir ihn anschauen mochten.
Er sah nicht so aus, dass wir Gefallen fanden an ihm.
Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden,
ein Mann voller Schmerzen,
mit Krankheit vertraut.
Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt,
war er verachtet;
wir schätzten ihn nicht.
Aber er hat unsere Krankheit getragen
und unsere Schmerzen auf sich geladen.
Wir meinten, er sei von Gott geschlagen,
von ihm getroffen und gebeugt.
Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Vergehen,
wegen unserer Sünden zermalmt.
Zu unserem Heil lag die Züchtigung auf ihm,
durch seine Wunden sind wir geheilt.
Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe,
jeder ging für sich seinen Weg.
Doch der HERR ließ auf ihn treffen
die Schuld von uns allen.
Er wurde bedrängt und misshandelt,
aber er tat seinen Mund nicht auf.
Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt,
und wie ein Schaf vor seinen Scherern verstummt,
so tat auch er seinen Mund nicht auf.
Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft,
doch wen kümmerte sein Geschick?
Er wurde vom Land der Lebenden abgeschnitten
und wegen der Vergehen meines Volkes zu Tode getroffen.
Bei den Frevlern gab man ihm sein Grab
und bei den Reichen seine Ruhestätte, '
obwohl er kein Unrecht getan hat
und kein trügerisches Wort in seinem Mund war.
Doch der HERR hat Gefallen an dem von Krankheit Zermalmten.
Wenn du, Gott, sein Leben als Schuldopfer einsetzt,
wird er Nachkommen sehen und lange leben.
Was dem HERRN gefällt, wird durch seine Hand gelingen.
Nachdem er vieles ertrug,
erblickt er das Licht.
Er sättigt sich an Erkenntnis.
Mein Knecht, der gerechte,
macht die Vielen gerecht;
er lädt ihre Schuld auf sich.
Deshalb gebe ich ihm Anteil unter den Großen
und mit Mächtigen teilt er die Beute,
weil er sein Leben dem Tod preisgab
und sich unter die Abtrünnigen rechnen ließ.
Er hob die Sünden der Vielen auf
und trat für die Abtrünnigen ein.
Gotteslob Nr. 270: Kreuz, auf das ich schaue
1. Kreuz, auf das ich schaue, steht als ein Zeichen da;
der, dem ich vertraue, ist in dir mir nah.
2. Kreuz, zu dem ich fliehe aus der Dunkelheit;
statt der Angst und Mühe ist nun Hoffnungszeit.
3. Kreuz, von dem ich gehe in den neuen Tag,
bleib in meiner Nähe, dass ich nicht verzag.
Sie übernahmen Jesus.
Und er selbst trug das Kreuz
und ging hinaus zur sogenannten Schädelstätte,
die auf Hebräisch Golgota heißt.
Dort kreuzigten sie ihn
und mit ihm zwei andere,
auf jeder Seite einen,
in der Mitte aber Jesus.
Pilatus ließ auch eine Tafel anfertigen
und oben am Kreuz befestigen;
die Inschrift lautete:
Jesus von Nazaret,
der König der Juden.
Diese Tafel lasen viele Juden,
weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde,
nahe bei der Stadt lag.
Die Inschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefasst.
Da sagten die Hohepriester der Juden zu Pilatus:
Schreib nicht: Der König der Juden,
sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden.
Pilatus antwortete:
Was ich geschrieben habe,
habe ich geschrieben.
Nachdem die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten,
nahmen sie seine Kleider
und machten vier Teile daraus,
für jeden Soldaten einen Teil,
und dazu das Untergewand.
Das Untergewand war aber ohne Naht von oben ganz durchgewoben.
Da sagten sie zueinander:
Wir wollen es nicht zerteilen,
sondern darum losen, wem es gehören soll.
So sollte sich das Schriftwort erfüllen:
Sie verteilten meine Kleider unter sich
und warfen das Los um mein Gewand.
Dies taten die Soldaten.
Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter
und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas,
und Maria von Magdala.
Als Jesus die Mutter sah
und bei ihr den Jünger, den er liebte,
sagte er zur Mutter:
Frau, siehe, dein Sohn!
Dann sagte er zu dem Jünger:
Siehe, deine Mutter!
Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
(Hier stehen alle auf.)
Danach, da Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war,
sagte er, damit sich die Schrift erfüllte:
Mich dürstet.
Ein Gefäß voll Essig stand da.
Sie steckten einen Schwamm voll Essig auf einen Ysopzweig
und hielten ihn an seinen Mund.
Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er:
Es ist vollbracht!
Und er neigte das Haupt
und übergab den Geist.
Stille
Warum hängen wir Kreuze auf? - Provoziert das nicht? Immerhin gibt es zunehmenden Rechtsstreit um dieses Zeichen bis zu höchsten Gerichten. Als Gegenreaktion hat man im Bundesstaat Bayern zur Pflicht gemacht, in allen öffentlichen Häusern ein Kreuz aufzuhängen, nicht verschämt, sondern deutlich sichtbar. Aber, kann man denn ein Kreuz – ein Schandzeichen – aufhängen und verehren?
Gegenwärtig hat es, so liest und hört man, seine Zeichenhaftigkeit und Selbstverständlichkeit verloren. Auch für uns? Hängen wir es auch ab, wie es in vielen öffentlichen Räumen zunehmend geschieht? Oder hängen wir es ab, weil wir doch so tolerant gegenüber anderen Religionen sein wollen. Was aber ist das für eine Toleranz, wenn gleichzeitig andere Religionsgemeinschaften ihre religiösen Zeichen öffentlich tragen und sogar dafür kämpfen, es tun zu dürfen?
Vielleicht sollten wir uns jetzt neu diesem Zeichen nähern: Schon in der frühen Christenheit galt das Kreuz als Skandalzeichen. Dennoch wurde es als einfaches Zeichen auf die Grabplatte in den Katakomben geritzt, aber nie mit Korpus. Das erste, mit Korpus dargestellte Zeichen, war ein Spottzeichen der Gegner mit einem Eselskopf. (2. Jhdt.). Es war im frühen Christentum nicht selbstverständlich, vom gekreuzigten Retter und Erlöser zu sprechen. Sie stießen auf Unverständnis und sogar Abwehr, wie man es aus dem 1. Korintherbrief entnehmen kann (1 Korinther 2,1–5).
Paulus schreibt: "Als ich zu euch kam, Brüder, kam ich nicht, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen, sondern um euch das Zeugnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten. Zudem kam ich in Schwäche und in Furcht, zitternd und bebend zu euch.
Meine Botschaft und Verkündigung war nicht Überredung durch gewandte und kluge Worte, sondern war mit dem Erweis von Geist und Kraft verbunden, damit sich euer Glaube nicht auf Menschenweisheit stützte, sondern auf die Kraft Gottes."
Auch im Evangelium lesen wir, dass die Jünger erschraken, als Jesus ihnen erklärte, dass er sterben müsse. Petrus protestiert sogar, als Jesus von seinem Leiden und Tod sprach (Matthäus 16,21–23): "Jesus erklärte seinen Jüngern, er müsse nach Jerusalem gehen und werde von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten vieles erleiden müssen; er werde getötet werden, aber am dritten Tag auferstehen. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe; er sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen."
Wie also umgehen mit dem Zeichen und sich ihm nähern, auch heute?
Zugänge: (nach jedem Impuls eine kurze Stille halten)
Ein Kind sagte mir einmal, als ich mit ihm vor dem Bild des Apostel Andreas im Dom zu Aachen stand: Sag mir, warum ist der denn durchgestrichen? Mir wurde in dem Moment klar, wie recht das Kind hatte. Jesus, Andreas und Petrus wurden gleichsam durchgestrichen, weil sie nicht ins Bild der antiken Vorstellungen passten und sich weigerten, dem Kaiser und den Göttern zu opfern.
Ist uns noch bewusst, dass wir zur durchkreuzten Gemeinschaft gehören? Immerhin stellen uns immer mehr Menschen unseren Glauben an einen Gekreuzigten in Frage. Doch es bleibt dabei, dass Jesus uns auch heute dazu auffordert: „Wer mein Kreuz nicht trägt, kann mein Jünger nicht sein!“
Beim Kreuzweg hören wir bei der zweiten Station: „Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern.“ Interessanterweise finden wir diese Aussage bei den Synoptikern nicht, die berichten nur davon, dass Simon von Zyrene das Kreuz trägt. Nur Johannes spricht von Jesus, dem Kreuzträger. Ihm wird also das Kreuz aufgebürdet, so dass er mehrmals zusammenbricht.
Er nahm die Kreuzigung auf sich um zu zeigen, dass er und Gott bereit sind, mit uns aus Liebe die Solidarität bis in Leid und Tod lebt. Das kann uns helfen, unser Kreuz, unsere Kreuze, annehmen, unsere Pläne durchkreuzen zu lassen und mit ihm auch darin eins zu werden.
Wer das Kreuz annimmt, ist hineingenommen in die Liebe und Erlösung durch Gott in Jesus Christus. Verehren wir also im Kreuz den Erlöser, der sich liebend mit offenen Armen für uns hingibt.
Ein abschließender Impulstext von Lothar Zenetti:
Das Wort vom Kreuz
Wer mein Jünger sein will,
der muss täglich sein Kreuz
auf sich nehmen und
mir nachfolgen.
Wer zu mir gehören
und mit mir gehen will
den Weg des Friedens
der grenzenlosen Liebe
auch zu den Feinden,
der muss auf sich nehmen
die Konsequenzen
die das fordert
die Konflikte
die das mit sich bringt
zwangsläufig.
Konflikt und Konsequenz,
so könnte man das Wort
vom Kreuz auch übersetzen.
Wer das auf sich nimmt,
Konflikt und Konsequenz,
der nimmt sein Kreuz
auf sich und ist
mein Jünger.
(Lothar Zenetti, in: 7 Farben hat das Licht)
Wir berühren das Kreuz und sprechen für uns oder für alle vernehmbar eine Bitte aus.
Diese Bitten, aber auch all die anderen Bitten, die wir in unseren Herzen tragen, können wir in dem Gebet zusammenfassen, das Herr selbst uns zu beten gelehrt hat:
Der Herr sei vor dir,
um dir den rechten Weg zu zeigen.
Der Herr sei neben dir,
um dich in die Arme zu schließen
und dich zu schützen vor Gefahren.
Der Herr sei hinter dir,
um dich zu bewahren vor der Heimtücke des Bösen.
Der Herr sei unter dir,
um dich aufzufangen, wenn du fällst.
Der Herr sei in dir,
um dich zu trösten, wenn du traurig bist.
Der Herr sei um dich herum,
um dich zu verteidigen,
wenn andere über dich herfallen.
Der Herr sei über dir,
um dich zu segnen.
Und so sprechen wir gemeinsam:
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Zum Abschluss singen oder beten wir:
Gotteslob Nr. 291,1-3+6: Holz auf Jesu Schulter
1. Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht,
ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht.
Kyrieleison, sieh, wohin wir gehen…
Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.
2. Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt,
Friede unsre Herzen und die Welt bewahrt.
Kyrieleison…
3. Denn die Erde klagt uns an bei Tag und Nacht.
Doch der Himmel sagt uns: Alles ist vollbracht!
Kyrieleison…
4. Wollen wir Gott loben, leben aus dem Licht.
Streng ist seine Güte, gnädig sein Gericht.
Kyrieleison…
5. Denn die Erde jagt uns auf den Abgrund zu.
Doch der Himmel fragt uns: Warum zweifelst du?
Kyrieleison…
6. Hart auf deiner Schulter lag das Kreuz, o Herr,
ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer.
Kyrieleison…
Zusammengestellt von Pfarrer Wolfgang Acht und Kirchenmusiker Stefan Thomas
Kerze, Seil (bzw. Schnur), zwei Stöcke (bzw. dünne Holzscheite), eine Blume für jedes Familienmitglied
[Die Familie versammelt sich im Wohnzimmer. Auf dem Tisch steht eine Kerze, die ein Kind entzündet.]
[Vater:] Gestern haben wir uns mit Jesus an den Tisch gesetzt und haben gegessen und getrunken. Wir haben uns an seiner Gegenwart erfreut. Heute erinnern wir uns daran, was danach kam: Er wurde gefangengenommen, verhöhnt, gefoltert und getötet. Wir folgen Jesus auf seinem Weg.
[Mutter]: Am Abend nach dem letzten Abendmahl mit seinen Freunden geht Jesus zum Garten Getsemani. Jesus weiß, dass er bald verraten werden wird. Er bekommt Angst und sagt zu seinen Jüngern:
[Kind:] Bleibt hier und wacht!
Bleibet hier und wachet mit mir! Wachet und betet, wachet und betet!
[Mutter:] Doch die Jünger schlafen bald ein. Sie lassen Jesus im Stich. Jesus leidet Todesangst. Er fühlt sich ganz allein. Da wendet sich Jesus zu seinem Vater. Er beginnt zu beten:
[Kind:] Vater, nimm diesen Kelch von mir. Aber nicht was ich will, sondern was du willst, soll geschehen.
[Mutter:] In der Nacht wird Jesus verhaftet. Er wird gefesselt und vor den Hohen Rat gebracht.
[Ein Kind legt das Seil zur Kerze.]
[Mutter:] Der Hohe Rat fasst den Beschluss, ihn zum römischen Richter Pilatus zu bringen. Pilatus fragt Jesus:
[Vater:] Bist du der König der Juden?
[Kind:] Du sagst es.
[Mutter:] Die Hohenpriester bringen viele Anklagen gegen Jesus vor. Da wendet sich Pilatus wieder an ihn und fragt:
[Vater:] Willst du denn nichts dazu sagen? Hör doch, wie viele Anklagen sie gegen dich vorbringen.
[Mutter:] Jesus aber gibt keine Antwort mehr.
Jeweils zum Fest pflegte Pilatus einen Gefangenen freizulassen, den sich das Volk aussuchen konnte. Pilatus fragt die Menge, die zusammengekommen war:
[Vater:] Was wollt ihr? Wen soll ich freilassen? Bárabbas, der wegen Mord im Gefängnis sitzt oder Jesus, den König der Juden?
[Mutter:] Da rufen sie laut:
[Vater:] Bárabbas!
[Vater:] Was soll ich dann mit Jesus tun? Was für ein Verbrechen hat er begangen?
[Vater:] Ans Kreuz mit ihm! Ans Kreuz mit ihm!
[Mutter:] Darauf lässt Pilatus Bárabbas frei und gibt den Auftrag, Jesus zu kreuzigen. Die Soldaten führen Jesus hinaus, um ihn zu kreuzigen. Jesus bekommt den Balken auf die Schulter geladen und muss den schweren Kreuzweg gehen.
[Ein Kind lehnt einen Stock an die Kerze.]
[Mutter:] Unterwegs bricht Jesus zusammen. Ein Mann namens Simon von Zyrene wird gezwungen, ihm das Kreuz zu tragen. Viele Menschen folgen ihnen, darunter auch Frauen, die um Jesus weinen.
Sie bringen Jesus hinaus auf den Hügel der Golgota heißt. Dort nageln sie ihn ans Kreuz und richten es auf.
[Ein Kind legt die beiden Stöcke zu einem Kreuz.]
[Mutter:] Sie werfen das Los und verteilen seine Kleider unter sich. Zusammen mit ihm kreuzigen sie zwei Räuber, den einen rechts von ihm, den anderen links.
Die Leute, die vorbeikommen, verspotten ihn.
[Vater:] Hilf dir doch selbst und steig herab vom Kreuz!
[Mutter:] Auch die Hohenpriester und die Schriftgelehrten verhöhnen ihn und sagen zueinander:
[Vater:] Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen.
[Mutter:] Einer der Verbrecher, die neben ihm hängen, verhöhnt ihn:
[Vater:] Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns!
[Mutter:] Der andere aber weist ihn zurecht und sagt:
[Vater:] Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.
[Kind:] Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.
[Mutter:] Als die sechste Stunde kommt, bricht über das ganze Land eine Finsternis herein. Sie dauert bis zur neunten Stunde. Und in der neunten Stunde ruft Jesus laut:
[Kind:] Es ist vollbracht. Vater, in Deine Hände lege ich meinen Geist.
[Mutter:] Nach diesen Worten haucht er den Geist aus.
[Ein Kind bläst die Kerze aus.]
[Mutter:] Josef aus Arimathäa war ein Jünger Jesu, aber aus Furcht vor den Juden nur im Verborgenen. Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen, und Pilatus erlaubte es.
Es kam auch Nikodémus, der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte. Er brachte wohlriechende Salben. Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden.
An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten und in dem Garten war ein neues Grab. Dort setzten sie Jesus bei.
(nach Nora Bösch, PAS in Dornbirn St. Martin)
Du für mich – wie so groß ist die Liebe
Du für mich – wie so groß ist die Liebe,
Du für mich – deine Arme so weit.
Du am Kreuz, das ist mehr, als ich fassen kann,
eine Quelle der Gnade -
und so ziehst du mich an.
Du für mich – wie so groß ist die Liebe,
Du für mich – deine Arme so weit.
Du am Kreuz, das ist Ohnmacht, die stärker ist
als der Hass und das Dunkel.
Welch ein Licht du doch bist!
Du für mich – wie so groß ist die Liebe,
Du für mich – deine Arme so weit.
Du am Kreuz, das ist Kraft zur Versöhnung hin.
So wie du zu vergeben,
alle Hoffnung darin.
(Kathi Stimmer-Salzeder)
[Jedes Familienmitglied liest eine Bitte]
O Gott, unser Heiland, zeige Dein Erbarmen für die ganze Menschheitsfamilie, die gerade in Aufruhr ist und beladen mit Krankheit und Angst.
Komm uns zur Hilfe nun, da sich der Coronavirus auf der ganzen Erde ausbreitet. Heile die, die krank sind, unterstütze und beschütze ihre Familien, Angehörigen und Freunde vor Ansteckung.
Schenk uns deinen Geist der Liebe und Besonnenheit, aufdass wir zusammenwirken, um die Ausbreitung des Virus und seine Wirkungen einzuschränken und zum Erliegen bringen zu können.
Mach uns wach, aufmerksam und vorausschauend im Blick auf die Bekämpfung von Krankheiten überall: die Malaria, das Dengue-Fieber, die HIV-Krankheit und die vielen anderen Krankheiten, die bei Menschen Leid verursachen und für etliche tödlich enden.
Heile unsere Selbstbezogenheit und unsere Gleichgültigkeit, wo wir uns nur dann sorgen, wenn wir selbst vom Virus oder anderem Leid getroffen sind. Eröffne uns Wege, aus unserer Zaghaftigkeit und Furcht hinaus, wenn unsere Nächsten für uns unsichtbar werden.
Stärke und ermutige die, die im Gesundheitswesen, in Praxen und Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und anderen Bereichen der Medizin arbeiten: Pflegende, Fürsorgende, Ärztinnen und Ärzte, Klinikseelsorgerinnen und -seelsorger, Mitarbeitende in Krankenhäuser – alle, die sich der Aufgabe widmen, für Kranke und ihre Familien zu sorgen.
Inspiriere die Forschenden, die an Impfstoffen, Medikamenten und der Herstellung medizinischer Ausstattung arbeiten. Gib ihnen Erkenntnisse und Weitblick.
Erhalte die Menschen, deren Arbeit und Einkommen durch Schließungen, Quarantänen, geschlossene Grenzen und andere Einschränkungen bedroht sind. Beschütze alle, die reisen müssen.
Leite die politisch Verantwortlichen, dass sie die Wahrheit sagen und danach handeln. Halte die Ausbreitung von Falschinformation und Gerüchten zurück. Hilf, dass Gerechtigkeit waltet, sodass allen Menschen auf der Erde Heil und Heilung erfährt.
Heile unsere Welt. Heile unsere Körper. Stärke unsere Herzen und Sinne. Und in der Mitte des Aufruhrs gib uns Hoffnung und Frieden.
In deinen gnädigen Armen halte alle, die gestorben sind und die in dieser Zeit sterben werden. Tröste ihre Hinterbliebenen, tröste die, die verzweifelt sind.
Gedenke deiner Familie, der ganzen Menschheit, und deiner ganzen Schöpfung, in deiner großen Liebe. Amen.
(Fürbitten des Lutherischen Weltbundes zu Corona)
Im Dunkel unsrer Ängste,
im Schrei aus unsrer Not:
Du leidest mit uns an unserm Kreuz,
du stirbst auch unseren Tod.
Im Wahnsinn unsres Handelns,
im Krieg, der uns bedroht:
Du weinst mit uns an unserm Kreuz,
du stirbst auch unseren Tod.
In Nächten des Alleinseins,,
im Tagen ohne Brot:
Du stirbst mit uns an unserm Kreuz,
du stirbst auch unseren Tod.
[Mutter:] Wir schmücken das Kreuz mit unseren Blumen.
[Jeder legt eine Blume zum Kreuz.]
[Vater:] Das Kreuz erzählt von Jesus; es ist ein Zeichen für Jesus.
Das Kreuz ist aber auch ein Zeichen für alle Menschen, die an Jesus glauben und ihm vertrauen.
Deswegen machen wir oft im Gottesdienst oder wenn wir zuhause beten, ein Kreuzzeichen.
Auch jetzt beenden wir unsere Gedenkfeier mit einem großen Kreuzzeichen:
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Zusammengestellt von Christian Enzinger, Katsdorf (OÖ)
© LIEDERLAND Musikverlag GbR.
aus: "Von Palmsonntag bis nach Ostern - ein musikalischer Wegbegleiter". Warburg 2006.
Das Kreuz,
es hat seine Härte
verloren.
Die Liebe,
die durch Jesus Christus
in das Kreuz
eingedrungen ist,
sie strömt aus ihm heraus
und wird
zum Heil
der Welt.
Für dich – für mich – für alle.
Und für alle Zeit.
AMEN.
Beatrix Senft, unveröffentlicht.
Ostern ist das große Fest der Liebe, die stärker ist als der Tod. Ostern feiern wir das Trotzdem dieser Liebe. Im Gegensatz zum rechthaberischen Trotz ist das widerständige Trotzdem eine prophetische und hoffnungsvolle Haltung. Ich möchte zeigen, wie stark die Bibel geprägt ist von Trotzdem-Haltungen und Trotzdem-Personen; und dass dies gerade in der Karwoche und zu Ostern Hoffnung und Mut geben kann.
Der ganze Text >>>
tehocare.network: Theologie im zeichen von (Post)Corona. Hrsg. Institut für Praktische Theologie der katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien,
Das Kreuz ist für manche ein anstößiges Symbol, das mit schöner Regelmäßigkeit heftige Debatten hervorruft. Wir stehen seit Längerem in einem Wandel von einer christlichen Monokultur zu einer religiös pluralen Gesellschaft. Dabei wächst auch die Konfession der Konfessionslosen. Das mag nicht allen gefallen, aber es ist ein religionssoziologisches Faktum. Und wir müssen damit umgehen lernen.
Ganzer Beitrag >>>
Jan-Heiner Tück in Die Presse am 26.2.2020
Nach der Verleugnung
Wie sieht Jesus ihn an?
Nicht vorwurfsvoll,
nicht anklagend.
Nur wissend um seine Schwäche,
voll Liebe und Verzeihen.
In seinem Erkennen –
ist er von IHM erkannt.
Ilse Pauls
Die deutsche Sprache unterscheidet nicht wie die lateinische oder englische zwischen dem, der ein heiliges Opfer - ein Sacrificium oder sacrifice - darbringt, und dem, der zum Opfer wird, Victima oder victim. In beiden Fällen ergibt sich das Opfer aus dem spannungsreichen Wechselspiel von Liebe, Begehren, Schuld und Leid. Seit den 60-er Jahren verbreitet Aufopferung aus Liebe einen altmodischen, moralischen Mief, dem es zu entkommen gilt. Im aufgeklärten Zeitalter war Selbstverwirklichung und Spaß angesagt, sowohl in der Liebe als auch in der Liturgie. Die religiös aufgeklärten 68-ger haben intellektuell nur noch die selbstmitleidige Opferrolle victima zugelassen, die es kritisch zu hinterfragen gilt, da wir doch alle viel zu lange den Repressalien einer „falschen“, verkrusteten Weltanschauung, Theologie und Moral nicht zuletzt der Kirche zum Opfer gefallen sind. Das alltägliche Sacrificium verdünnte sich bis zur Unkenntlichkeit und eine Hl. Messe für drei oder vier Besucher zahlt sich gar nicht aus. Außerdem ist ein Wortgottesdienst gemütlicher. Wer dennoch daran festhielt, wurde als konservativer Hinterwäldler von Gestern abgestempelt. Denn wenn Gott die Liebe sei, kann er doch nicht seinen Sohn geopfert haben! Das wäre blanker Sadismus. Nein danke! Diese „Gedanken“ lösten bei den Gläubigen in den post 68-iger Jahren bis heute eine anhaltende geistig-religiöse Revolution aus. Wozu in der Spaßgesellschaft aus Liebe zu Gott und dem Nächsten etwas und gar sein Leben aufopfern, wie es die Heiligen taten? Die herkömmlichen Stätten dieses Opfergedankens wie Klöster, Ordenshäuser und Priesterseminare leeren sich. Religiöse Selbstverwirklichung und Freizeit schauen eben anders aus als „Hingabe“. Und doch: Liebe und Leid lassen sich nicht wegrationalisieren. Wer wirklich jemanden liebt, nimmt so manches Opfer freiwillig auf sich, auch für Gott. Und nicht nur der Mensch — auch Gott. Credo quia absurdum est!
MJP in: "Die Brücke", Pfarrblatt der katholischen Stadtkirche Leoben. 44. Jg. / Nr. 2 / 2019
MJP in: "Die Brücke", Pfarrblatt der katholischen Stadtkirche Leoben. 44. Jg. / Nr. 2 / 2019
Zweitausend Jahre sind es fast,
seit du die Welt verlassen hast,
du Opferlamm des Lebens!
Du gabst den Armen ihren Gott.
Du littest durch der Reichen Spott.
Du tatest es vergebens!
Du sahst Gewalt und Polizei.
Du wolltest alle Menschen frei
und Frieden auf der Erde.
Du wusstest, wie das Elend tut
und wolltest allen Menschen gut,
damit es schöner werde!
Du warst ein Revolutionär
und machtest dir das Leben schwer
mit Schiebern und Gelehrten.
Du hast die Freiheit stets beschützt
und doch den Menschen nichts genützt.
Du kamst an die Verkehrten!
Du kämpftest tapfer gegen sie
und gegen Staat und Industrie
und die gesamte Meute.
Bis man an dir, weil nichts verfing,
Justizmord, kurzerhand, beging.
Es war genau wie heute.
Die Menschen wurden nicht gescheit.
Am wenigsten die Christenheit,
trotz allem Händefalten.
Du hattest sie vergeblich lieb.
Du starbst umsonst.
Und alles blieb
beim alten.
Eine Vertonung dieses Textes von Reinhard Burchhardt steht als PDF zum Download zur Verfügung.
https://www.deutschelyrik.de/dem-revolutionaer-jesus-zum-geburtstag.html
https://www.predigtforum.com/dl/prLkJKJLnoJqx4LJK/Burchhardt_Dem_Revolutionaer_Jesus_zum_Geburtstag_pdf
Herr, Jesus Christus,
wir danken dir für dein Haupt voll Blut und Wunden.
Dein Haupt, das alle Ehre verdient,
wird von dichtem Dornengeflecht zerstochen.
Dein Antlitz, schön vor allen Menschenkindern,
wird durch Speichel entehrt.
Deine Augen, leuchtender als die Sonne,
werden im Tod verfinstert.
Deine Ohren, die den Gesang der Engel kennen,
vernehmen die Lästerreden der Sünder.
Dein Mund, der uns Worte des ewigen Lebens kündete,
wird mit Essig und Galle getränkt.
Es bleibt dir nichts als die Zunge,
damit du für uns Sünder betest.
Um dieser schmerzlichen Wunden willen hilf uns,
wenn wir gedemütigt werden um deinetwillen.
Lass dein göttliches Antlitz über uns leuchten und segne uns.
Nach Bernhard v. Clairvaux

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Das 4. Knecht-Gottes-Lied, das von Deuterojesaja überliefert wird, stellt eine Figur vor, die sich historischen Zuordnungen entzieht. Mitten im Exil, dass das Volk Gottes in Babylon erleidet und durchsteht, wird der Knecht Gottes vorgestellt: Seine Gestalt ist von Leiden gezeichnet, aber es ist fremdes Leiden, das er – stellvertretend – auf sich nimmt. „Unsere Sünden“ sind es, die er trägt. In diesem Lied wird auch der Ungehorsam des Volkes Gottes auf dem zerschundenen Körper des Knechtes sichtbar gemacht. Nur: wer ihn sieht, erschrickt vor ihm, wendet sich angewidert und hilflos ab – sieht selbst aber nicht, welche Rolle er in dieser Geschichte spielt. In diesem Lied verlieren die Augen ihre Unschuld. Sie, die die Welt an Schönheit und Erfolg messen, werden einer Schuld ansichtig, in die Menschen tief verwickelt sind.
Aber das Lied weiß auch von einer großen Zuversicht: Jahwe findet Gefallen an seinem Knecht, macht ihn groß und rettet ihn. Von ihm heißt es: „Mein Knecht, der gerechte, macht die vielen gerecht.“ Nicht nur das Leiden, sondern auch die Auferstehung (wie wir übersetzen dürfen) ist bei ihm stellvertretend zu erblicken.
Einer der ältesten Hymnen greift die Linien, die im 4. Knecht-Gottes-Lied auf vielfältige Weise verwoben sind, auf: Es ist der Christus-Hymnus, den Paulus in seinem Brief an die Gemeinde zu Philippi überliefert (2:5 ff.). Wenn auch der Knecht Gottes, der im Buch des 2. Jesaja Israel neu zu seiner Berufung verhilft, für uns nicht fassbar ist, so bekommt er doch in Jesus und seinem Geschick ein Gesicht:
Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr lud auf ihn die Schuld von uns allen.
Als alttestamentliche Lesung des Karfreitagsgottesdienstes ist das sog. vierte Lied vom Gottesknecht aus dem Jesaja-Buch vorgesehen. Die vier Gottesknechtslieder dürfte der Verfasser des zweiten Teiles des Jesajabuches bereits als zusammengehörige Überlieferungseinheit vorgefunden und an vier Stellen in sein Werk eingefügt haben. Als Verfasser des zweiten Teiles des Jesajabuches wird ein Schüler des "ersten" Jesaja in Betracht gezogen. Er lebte vermutlich im babylonischen Exil und suchte in seinen prohetischen Texten dem Volk in der Gefangenschaft Hoffnung zu geben.
Ähnlich unklar wie die Person des "zweiten" Jesaja ist die Gestalt des Gottesknechtes, von dem die vier Gesänge erzählen. Ist mit dem Gottesknecht das in der Verbannung lebende Volk Israel selbst gemeint? Ist es der zweite Jesaja selbst? In diesem Falle hätten seine Jünger den vierten Gesang verfaßt. Dies läßt sich heute nicht mehr feststellen.
Ebenso interessant wie die Person des Gottesknechtes ist die Theologie, die in diesen Liedern, vor allem im vierten dargeboten wird. Das Lied erzählt von einem Knecht, der im Ansehen der Menschen so weit abgesunken und erniedrigt ist, daß er als verachtet und auch von Gott verlassen gelten mußte. Seine Krankheit, seine Schmerzen, sein schlechtes Aussehen konnten damals nur als von Gott Verlassensein und als Strafe Gottes verstanden werden.
Doch da kommt die Wende: Er hat die Erniedrigung nicht als Strafe für seine eigene Schuld erlitten, sondern er hat "unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen". Sein Leiden ist nicht als Strafe zu betrachten sondern als Sühne für die Schuld anderer, für unsere Schuld. Sein Leiden wird geschildert in der Art, wie in den Klagepsalmen Leidende ihr unverdientes und Unverstandenes Leid vor Gott zur Sprache bringen.
Die zweite überraschende Wende setzt ein, wenn gesagt wird: Der geschlagene Knecht findet Gefallen bei Gott. Sein Leben wird durch Nachkommenschaft und lange Dauer gesegnet.
Die Gottesknechtslieder dienten den Christen der ersten Generation als Verstehenshilfe für das unverstehbare Schicksal Jesu. Sie sahen in ihm den Gottesknecht, der trotz aller Redlichkeit die Schmach des Verbrechertodes zu erleiden hatte. Sie verstehen sein Leiden als Sühneleiden und als Weg zur Erhöhung durch Gott.
Der erste Vers der alttestamentlichen Lesung stellt einen neuen Einsatz mit der Gottesrede und der Aufforderung zum Sehen dar. Jahwe lenkt den Blick auf seinen Knecht. Dazwischengeschoben ist der Bericht eines anderen über das Leiden jenes Knechtes. Die Gottesrede selbst setzt mit "Mein Knecht" wieder ein. Eingerahmt von der Zusage Gottes werden die Verachtung und die Schmerzen des Gottesknechtes breit entfaltet. Dann macht sich ein Wechsel in der Darstellungsweise bemerkbar: Weg von der Vordergründigkeit werden nun die Hintergründe des Leidens durchschaut: Aus dem blossen "Meinen" wird die Gewissheit "Für uns": wegen unserer Krankheit und unserer Schmerzen, wegen unserer Sünden, zu unserem Heil, die Schuld von uns. Dann wird betont, dass der Gottesknecht all das Leid zu dem wortlos auf sich genommen hat. Seine Gefühle, sein Leid spielen keine Rolle. Es geht allein darum, den Plan Gottes zu erfüllen. Die Zwischenrede findet sein Ende in der Gewissheit, dass dieser getreue Knecht seinen Lohn erhalten wird. Zusammengefasst: Von der Vordergründigkeit der Oberflächlichkeit des Betrachters durch das Hintergründige des Warum auf die Verheißung einer licht- und heilvollen Zukunft.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive