Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
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Lesung aus der Apostelgeschichte.
Die Menge derer, die gläubig geworden waren,
war ein Herz und eine Seele.
Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum,
sondern sie hatten alles gemeinsam.
Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab
von der Auferstehung Jesu, des Herrn,
und reiche Gnade ruhte auf ihnen allen.
Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt.
Denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen,
verkauften ihren Besitz,
brachten den Erlös
und legten ihn den Aposteln zu Füßen.
Jedem wurde davon so viel zugeteilt, wie er nötig hatte.
Kv: Danket dem Herrn, denn er ist gut,
denn seine Huld währt ewig. – Kv
Oder: Kv Halleluja. – Kv
Oder: GL 444
So soll Israel sagen: *
Denn seine Huld währt ewig.
So sollen sagen, die den Herrn fürchten: *
Denn seine Huld währt ewig. – (Kv)
Die Rechte des Herrn, sie erhöht, *
die Rechte des Herrn, Taten der Macht vollbringt sie.
Ich werde nicht sterben, sondern leben, *
um die Taten des Herrn zu verkünden. – (Kv)
Der Herr hat mich gezüchtigt, ja, gezüchtigt, *
doch mich dem Tod nicht übergeben.
Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, *
er ist zum Eckstein geworden. – (Kv)
Vom Herrn her ist dies gewirkt, *
ein Wunder in unseren Augen.
Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; *
wir wollen jubeln und uns über ihn freuen. – Kv
Lesung aus dem ersten Johannesbrief:
Schwestern und Brüder!
Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist,
ist aus Gott gezeugt
und jeder, der den Vater liebt,
liebt auch den, der aus ihm gezeugt ist.
Daran erkennen wir, dass wir die Kinder Gottes lieben:
wenn wir Gott lieben und seine Gebote erfüllen.
Denn darin besteht die Liebe zu Gott,
dass wir seine Gebote halten;
und seine Gebote sind nicht schwer.
Denn alles, was aus Gott gezeugt ist, besiegt die Welt.
Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat:
unser Glaube.
Wer sonst besiegt die Welt,
außer dem, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?
Dieser ist es, der durch Wasser und Blut gekommen ist:
Jesus Christus.
Er ist nicht nur im Wasser gekommen,
sondern im Wasser und im Blut.
Und der Geist ist es, der Zeugnis ablegt;
denn der Geist ist die Wahrheit.
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Weil du mich gesehen hast, Thomas, glaubst du.
Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
Am Abend dieses ersten Tages der Woche,
als die Jünger aus Furcht vor den Juden
bei verschlossenen Türen beisammen waren,
kam Jesus,
trat in ihre Mitte
und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
Nach diesen Worten
zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite.
Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.
Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch!
Wie mich der Vater gesandt hat,
so sende ich euch.
Nachdem er das gesagt hatte,
hauchte er sie an
und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
Denen ihr die Sünden erlasst,
denen sind sie erlassen;
denen ihr sie behaltet,
sind sie behalten.
Thomas, der Didymus genannt wurde, einer der Zwölf,
war nicht bei ihnen, als Jesus kam.
Die anderen Jünger sagten zu ihm:
Wir haben den Herrn gesehen.
Er entgegnete ihnen:
Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe
und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel
und meine Hand nicht in seine Seite lege,
glaube ich nicht.
Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt
und Thomas war dabei.
Da kam Jesus bei verschlossenen Türen,
trat in ihre Mitte
und sagte: Friede sei mit euch!
Dann sagte er zu Thomas:
Streck deinen Finger hierher aus
und sieh meine Hände!
Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite
und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
Thomas antwortete und sagte zu ihm:
Mein Herr und mein Gott!
Jesus sagte zu ihm:
Weil du mich gesehen hast, glaubst du.
Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
Noch viele andere Zeichen
hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan,
die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind.
Diese aber sind aufgeschrieben,
damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist,
der Sohn Gottes,
und damit ihr durch den Glauben
Leben habt in seinem Namen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der vorliegende Text kann in drei abgeschlossene Einheiten geteilt werden: die Begegnung Jesu mit den Jüngern, die Begegnung Jesu mit Thomas und die Schlusserklärung. Anders als sonst (Joh 18:20) finden die Ereignisse hinter verschlossenen Türen statt. Jesus tritt in die Mitte seiner Jünger und begrüßt sie mit dem jüdischen Friedensgruß -dieser wird nun zum Zeichen des Heiles und der Auferstehung. Nach einer Legitimationsgeste beauftragt und ermächtigt Jesus die Jünger (und Jüngerinnen?) zur Sündenvergebung. Wie das aber genau aussehen soll (Taufe etc.), bleibt unklar. Die Beauftragung findet sich versinnbildlicht in der Weitergabe des Lebensatems (vgl. Gen 2,7; Ex 37,9).
Die Thomas-Begegnung hat den Charakter einer Ermahnung an die nachösterlichen Gemeinden. Sie müssen sich anders als die Apostel damit begnügen, dass sie glauben sollen ohne zu sehen - in diesem Glauben aber sollen sie standhaft sein. Die Aussage, dass sich die Jüngerschar jeweils am ersten Tag der Woche (der Ausdruck “achter Tag” beinhaltet Ausgangs- und Endtag der Zählung) versammelte, ist ein Hinweis auf den Herrentag, zu dem die Gemeinde zusammenkommt, das Mahl feiert und an Jesu Gegenwart in den Gestalten von Brot und Wein glaubt, ohne ihn leiblich zu sehen. Die Bedeutung der Thomas-Geschichte im Auferstehungsgeschehen selbst ist zweitrangig. Das zeigt sich an dem Umstand, dass - anders als bei der ersten Begegnung Jesu mit der Jüngerschar - recht ungenau formuliert wird. So bleibt etwa die Frage, warum Thomas nicht bei der Schar ist, ungeklärt. Auch wird nicht beschrieben, ob Thomas Jesus berührt hat. Die Abschlusserklärung (Vv. 30f) unterstreicht die Ermahnung.
Es ist eine paradoxe Situation, die Johannes beschreibt: Die Jünger wissen durch Maria Magdalena bereits, dass Jesus lebt, dieses Wissen bleibt aber ohne Folgen. Sie tun nichts, denn ohne Jesus sind sie noch unfähig, etwas zu tun. Sie fühlen sich alleingelassen und sind voll Furcht hinter verschlossenen Türen. Da erscheint plötzlich Jesus, mitten unter den Jüngern macht er sich sichtbar. Er entbietet ihnen seinen Frieden, als Zeichen, dass er die gottfeindliche Welt besiegt hat, und er zeigt sich ihnen als der verherrlichte Gekreuzigte. Nun können sich die Jünger auch darüber freuen, dass Jesus zum Vater zurückgegangen ist.
Der zweite Friedensgruß soll die Jünger befähigen, sich der Welt als Gesandte Jesu zuzuwenden. Von nun an wird der Heilige Geist, der von Gott und von Jesus stammt, in den Jüngern weiterwirken.
Thomas kann dem Wort der Übrigen nicht trauen. Das Kommen Jesu acht Tage später gilt Thomas. Jesus tadelt zwar sein Begehren, weist es aber nicht zurück. Thomas spricht sein Bekenntnis, ohne sein Begehren, die Wunden zu berühren, auszuführen. Johannes schreibt diese Szene für die skeptischen Menschen. Im Zweifel des Thomas kommt auch ihr Zweifel zum Ausdruck. Sie sollen ebenfalls zum Bekenntnis für Jesus gelangen, auch wenn sie keine Chance mehr haben, ihren Zweifel durch die Möglichkeit einer eigenen Untersuchung ausräumen zu können.
Jesus bricht nach dem Verrat, dem Tod am Kreuz und nach seiner Auferstehung den Kontakt mit seinen Jüngern nicht ab, sondern knüpft ihn neu an, stiftet von Neuem Gemeinschaft. Gemeinschaft und Zusammenhalt prägen auch die junge Kirche, sie veränderten die Welt.
Jahr für Jahr hören wir das Evangelium vom Auferstandenen und dem zweifelnden Apostel Thomas. Darum möchte ich heute mehr auf die Lesung aus der Apostelgeschichte eingehen. Sie führt uns vor Augen, was Ostern bei den ersten Christen in Gang gebracht hat. Dieses höchste Fest der Christen kann auch in unsere heutigen Probleme neue Kräfte und Schwung bringen.
In den Monaten Januar und Februar gab es im deutschen Sprachraum zahlreiche Demonstrationen gegen Rechtsextremismus. Die Sorge geht um, es könnte die demokratische Freiheit schwinden und die bunte Vielfalt in unserer Gesellschaft könnte beschnitten werden. Bange Erinnerungen an den Nationalsozialismus kommen hoch. In den letzten Jahren sind autokratische Systeme und Diktaturen im Vormarsch, Demokratie verliert an Boden. Ein Leben in Demokratie haben wir nicht zum Nulltarif.
Gemeinschaft macht stark
Auf diesem gegenwärtig wackeligen politischen Boden hören wir heute vom Miteinander der ersten Christen. Man kann es kaum glauben, was hier berichtet wird. "Die Menge derer, die gläubig geworden waren, war e i n Herz und e i n e Seele" (Apg 4,32). Zu schön, um wahr zu sein. Diese Ziele wurden zwar nie ganz verwirklicht. Trotzdem sollten wir sie als Spannung zwischen Ideal und Wirklichkeit ernst nehmen und als Ansporn vor Augen halten.
Über die heutige Lesung hinaus zählt die Apostelgeschichte eine lange Reihe von Punkten auf, die das gute Miteinander fördern. Da ist z.B. im 11. Kapitel (Vers 27) von einer Spende der Christen von Antiochia für hungernde Mitglaubende in Judäa die Rede.
Nur wenige Sätze vorher sucht Barnabas den Saulus in Tarsus auf, der kurz zuvor noch die Christen blutig verfolgt hatte (Vers 25). Ich staune, dass Barnabas den Mut dazu hatte und böse Erinnerungen und Bedenken überwinden konnte. In Antiochia wirkten beide ein volles Jahr in der Gemeinde und unterrichteten eine große Zahl von Menschen.
Paulus ging aber auch von sich aus auf die Apostel zu (APG 21,17). In Jerusalem wurden er und Silas freudig empfangen. Sie ihrerseits berichteten im Einzelnen alles, was Gott durch sie unter den Heiden getan hatte. Als Paulus auf einer Missionsreise von erregten jüdischen Gruppen (APG 17,14) verfolgt wurde, nahmen ihn Begleiter in Schutz und brachten ihn nach Athen.
Solcher Zusammenhalt hat geholfen, Belastungen zu bestehen. Es ist wie bei einem Weidenstock oder Bambusstab. Einer allein lässt sich leicht brechen. Wird aber ein ganzes Bündel von Stäben fest aneinander gefügt, hält es sogar mehr aus als die Summe der Einzelstäbe. Gemeinschaft macht stark. Damals wie heute.
Noch ein Zweites festigte die Glaubensgemeinschaft. Die Glaubenden verlieren Angst, wo sie Halt im auferstandenen Christus finden.
Wir können den Vergleich mit dem Weidenstock oder Bambusstab weiterführen und einen dicken Eisenstab dazustellen. Alle Einzelstöcke, die sich an den Eisenstab schmiegen, werden so stabil wie der Eisenstab selbst.
Ein weiteres Beispiel aus der Apostelgeschichte verweist auf diese entscheidende Kraft (Apg 4,24ff). Mehrmals wurden die Apostel ins Gefängnis geworfen, weil sie nicht aufhörten, die Auferstehung Christi zu verkünden. In dieser Bedrängnis taten sich die Glaubenden zusammen und beteten um Befreiung. Im Gebet mit Christus verbunden, waren sie stärker als ihre Gegner.
Geradezu unwahrscheinlich klingt der Satz der heutigen Lesung: Sie hatten alles gemeinsam (Apg 4,32). Dass die Urchristen fähig waren, viel umfassender zu teilen als wir, das kommt nicht von ungefähr. Ihre Freude, an Christus glauben zu dürfen, der sein ganzes Leben mit ihnen geteilt hat und als Auferstandener weiterwirkt, machte unabhängiger von materiellem Besitz. Es bedeutete ihnen mehr, einander näher zu kommen und sich gegenseitig helfen zu können. So bezeugten sie auch gegen Verbote die Auferstehung Christi, weil ihnen ihr Meister wertvoller war als alle anderen Habseligkeiten. Keine Macht, keine Gewalt konnte die Botschaft des Auferstandenen aufhalten.
Dazu sagt der jüdische Philosoph Max Horkheimer: "Letztlich kann nur zuverlässig sein, wer nicht nur eigene Ideen und Vorstellungen gelten lässt. Es braucht die Gebundenheit und das Gehaltensein der Einzelnen durch eine Instanz, die über ihnen steht und anerkannt wird. Zuverlässigkeit können wir von jenen Menschen am meisten erwarten, die sich auf Grundsätze und Ideale verpflichtet wissen, die schwerer wiegen als der eigene Nutzen."
Der Glaube an den Auferstandenen überstieg ihre bisherige Welt. Seine großartigen Qualitäten wirkten über den Tod hinaus. Jesus begegnete seinen Jüngern und zeigte ihnen seine Wundmale, nicht um Vorwürfe zu machen und sie zu verurteilen.
Er kam den Versagern mit dem Friedensgruß entgegen. Trotz allem, was vorgefallen war, schenkte er ihnen sein Vertrauen, traute ihnen einen neuen Glauben, eine neue Liebe und Treue zu.
Der Gekreuzigte und Auferstandene nahm die zerrissene Verbindung mit den Jüngern wieder auf. Er fing mit ihnen noch einmal an, bekannte sich neu zu ihnen. Jesus gab sie nicht auf. Er wollte mit ihnen weitermachen und traute ihnen Großes zu.
Jesus trennte sich nicht von fehlerhaften Menschen. Er erklärte sich mit seinen Jüngern solidarisch und sagte: Wer euch hört, der hört mich. Saulus, der die Christen verfolgte, bekam zu hören: Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?
Liebe Mitglaubende, in den letzten Jahren der Corona-Krise riefen Politiker wiederholt auf zu Geschlossenheit und Zusammenhalt. Die ersten Christen wurden aus tiefem Glauben heraus fähig, weit bedrohlichere Krisen zu bewältigen. Auch unser Weg in die Gemeinschaft mit Christus ist nicht länger als damals.
Bei einem Gespräch mit einem Unternehmungsberater kam die Frage auf: Was sollen wir denn in der Krise unserer Kirche heute tun? Die Fragenden meinten, es ginge um Ideen für bessere Kommunikation; man müsse besser planen, die Leute besser ausbilden, die Räume freundlicher einrichten… Aber nichts dergleichen war dem Berater wichtig genug. Der Unternehmensberater sagte: Die zentrale Frage ist: Haben Sie eine unternehmerische Vision?
Visionen zeigen, wohin es geht. Die Orientierung kommt aus der Kraft der Vision. Es gibt keine Lebendigkeit ohne Vision!
Der größte Visionsträger aller Zeiten ist kein anderer als CHRISTUS. Er hat in Wort und Tat Hoffnung geweckt. Und mit ihm ist es gut hinausgegangen. Seine Auferstehung taucht auch unsere Zukunft in ein neues Licht.
Der Osterglaube ist nicht unwirksam geblieben. Er hat die Menschen verwandelt und hat Gemeinschaft gestiftet, Solidarität ermöglicht. Er hat Platz auch für Zweifel - „Glaube ohne Zweifel ist ein toter Glaube“ – und lebt vom lebendigen Glaubenszeugnis.
Wir sind nun in „die freudenreichste Zeit“ eingetreten. Tertullian (erster christlicher lateinischer Schriftsteller 160-240) schreibt über die fünfzig Tage zwischen Ostern und Pfingsten: 7 x 7 und noch einen dazu, das ist „Überfülle“. Sieben als Zahl der Vollendung (des Schöpferwerkes, auch als Verhältnis von Schöpfer und Geschöpf). So soll das Reich Gottes einmal aussehen.
Die erste Lesung stellt die junge Christengemeinde als Gütergemeinschaft vor; als ein kleines Abbild des Reiches Gottes auch in materieller Hinsicht, wo es an nichts fehlt. „Sie waren ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum.“ (Apg 4,32). Eine sehr idealistische Darstellung!
So ist der Mensch nicht. Schon im 5. Kapitel der Apostelgeschichte hören wir bereits, dass das Ehepaar Hananias und Saphira sich doch nicht ganz vom Erlös eines eines verkauften Grundstücks trennen konnten. Petrus wirft dem Hananias vor, er habe den Heiligen Geist „belogen.“ Nach diesem Vorwurf sterben beide. Man merkt schon die Schwarz-Weiß-Malerei.
In der Geschichte gab es immer wieder den Versuch, eine Gütergemeinschaft zu bilden, wo alle Zugang zu den irdischen Gütern hatten und niemand an materiellem Mangel leiden sollte. Das war auch um 1530 in der Reformationszeit bei den Wiedertäufern zu Münster so. Diese radikalisierte Bewegung - eine Art theokratischer Herrschaftsbereich, der sich an der radikalen Nachfolge Jesu in wortwörtlicher Auslegung des Bibeltextes orientieren und zur Besitzlosigkeit aller führen sollte - dieses Bestreben ging gründlich daneben. Ein Grund dafür ist die Gier des Menschen nach möglichst viel Besitz, die aber auch zur Sinnleere führen kann.
Ähnliche Vorstellungen finden wir auch im Kommunismus, wo einer der Parolen lautete: Eigentum ist Diebstahl. Doch auch hier wieder: Gier und Neid der Menschen lassen nicht zu, solche Ziele zu verwirklichen. Wer das Paradies auf Erden schaffen will, schafft die Hölle. Der große mittelalterliche Denker Thomas von Aquin (Dominikaner, 1225-1274) weist darauf hin, dass sich die Existenz von Privateigentum aus der menschlichen Vernunft ergibt, weil er die materiellen Güter, die er erarbeitet hat und die sein Eigentum sind, sorgfältiger behandelt als den gemeinschaftlichen Besitz, für den sich niemand verantwortlich fühlt. In radikalen Systemen hat das immer wieder zu Versorgungsengpässen geführt.
Wenn Jesus ganz Mensch war - so die zweite Lesung - dann kommt das Liebesgebot zur Geltung. „Aus Liebe gezeugt“ wird zweimal erwähnt. Ostern ist ein Fest der Liebe bis zum Tod. „Gott gibt seinen Sohn aus Liebe dahin.“ (1 Joh 5,1-6) ist eine Kernaussage des Ostergeschehens.
Mit dem Osterglauben haben nicht nur Menschen, die keine Christen sind, ihre Zweifel. Auch viele unter den Christen haben mit dem Osterglauben Schwierigkeiten, obwohl wir auch außerhalb des Christentums noch immer eine starke christlich-kirchliche Kulturprägung haben. Wir genießen die Feiertage und die dazugehörigen Traditionen, aber als kirchliche Gemeinschaft können wir diesen Glauben für die Welt nicht mehr umsetzen. Das wird weiterhin ein Thema bleiben, weil wir den Rahmen dieses Festes schön gestalten, den Inhalt aber nicht erklären können. Es bleibt viel Unsicherheit und Zweifel.
Der spanische Philosoph Miguel de Unamuno (1874-1936) sagt: „Glaube ohne Zweifel ist ein toter Glaube.“ Zweifel regt zum Fragen an. Der Mensch ist ein fragendes Wesen. Er soll den Dingen auf den Grund gehen und Begründungen suchen. Der letzte Grund unseres Fragens ist Gott. Diesen Fragen geht Thomas von Aquin in seiner „Summa theologica“ nach, entstanden zwischen 1265 und 1273. Dieses Werk ist Basis für Mystik und Spiritualität.
Der biblische Thomas, mit Beinamen Didymus, ist ein Gottsucher, er nimmt jedoch den Auferstehungsglauben nicht gleich an. Wir können ihn heute als aufgeklärten Bildungsbürger sehen. Messiasse und Scharlatane laufen und liefen zu allen Zeiten genug herum. Glaube und damit Vertrauen wurden immer schon missbraucht. Wo sind die Beweise, dass dieser Messias tatsächlich der richtige ist?
Bei Thoma ereignet sich im Christusbekenntnis eine Umkehr, die nicht beschreibbar ist. „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20,18). Die Antwort Jesu: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“. Das ist ein ganz persönliches Vertrauen, eine Heilsgewissheit persönlicher Art, die man nicht verordnen oder kirchenrechtlich fixieren kann, weil Glaube immer auch persönliche Mitarbeit Bemühen und Suchen erfordert.
Dem Glauben auf den Grund gehen! Bemühen wir uns, anderen Auskunft über unseren Glauben zu geben, zu begründen, was uns in dieser hoffnungsarmen Zeit Hoffnung gibt, welche Hoffnung uns erfüllt. Zeigen wir dies durch das Beispiel unseres Lebens, welches das Liebesgebot in christliche Praxis umsetzt.
Michelangelo Merisi da Caravaggio hat die Szene des heutigen Evangelium in drastischer Weise gemalt und damit spürbar gemacht, was es heißt, den Finger in die offenen Wunde Jesu zu legen. Die Erzählung von der Begegnung zwischen Jesus und Thomas und das Bild Caravaggios konfrontieren uns mit den offenen Wunden der Menschheit. Der Finger in der Wunde – das ist ein Schlüssel für die neue Welt. Für die Welt Gottes. Für die Auferstehung.
Das trifft sich doch gut! Ist heute nicht der 8. Tag? Der 8. Tag nach Ostern? Der richtige Tag für Zweifler.
„Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe
und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel
und meine Hand nicht in seine Seite lege,
glaube ich nicht.“
Glaube i c h nicht!
Ich sehe Thomas vor mir. Ich sehe mich in dieser Geschichte. Am 8. Tag nach Ostern.
Heute ist Thomas auch da, als Jesus kommt. Vor einer Woche fehlte er. Warum, wissen wir nicht. Aber die 8 Tage erhöhen die Spannung ungemein. War zu erwarten, dass Jesus kommt? Hatte er sich angekündigt? War er auf einmal da?
Bild Caravaggio: https://brandenburg.museum-digital.de/singleimage.php?imagenr=26073
Mir geht ein Bild nicht aus dem Kopf. Sie kennen es vielleicht auch. Caravaggio hat es 1602 in Rom gemalt. Richtig massiv – und brutal. Schauen Sie sich doch im Internet einmal das Bild an! Man sieht 4 Gestalten. Alle in Brauntönen. In der Farbe der Erde. Einer von ihnen ist Jesus. Er präsentiert seine klaffende Seitenwunde – und Thomas geht mit seinem Zeigefinger richtig hinein. Licht fällt auf diese Szene. Licht, das von außen kommt. Schaut man genauer hin: Jesus selbst führt Thomas die Hand. Die Figuren kommen förmlich aus dem Dunkel heraus. Ob Thomas nicht so recht will? Den Mut verloren hat? Zaudert? Man sieht die Falten auf seiner Stirn. Große Augen. Staunen – oder Entsetzen? Hat er genug gesehen? Hält er aus, was er sieht? Was sieht er eigentlich?
Zwei Figuren starren in die Szene. Was wohl mehr auffällt? Die Wunde, der Finger, Jesus? Doch Jesus selbst beugt seinen Kopf, um diese Begegnung – oder Berührung – auszukosten. Für Kinder gibt es sogar eine Malvorlage. Ob ich sie nutzen soll, weiß ich nicht. Stimmt schon: Wenn ich etwas erzähle, entstehen die Bilder im Kopf, lebendig und offen, male ich etwas, ist das Bild fest und festgelegt. Erst auf dem Papier, dann auf der Leinwand. Was ist das für ein Finger, der Zeigefinger in der Wunde? Im Bild sieht die Wunde nur schön aus. Gar nicht wie eine Wunde. Jesus übrigens sieht auch blendend aus. Barockes Schönheitsideal eben. Vor wieviel Tagen hat ein Soldat in die Seite Jesu gestochen? Sind es nicht erst 10 Tage her? Ist er da nicht am Kreuz gestorben? Aber die Wunde, die Caravaggio malt, heilt nicht, sie schmerzt auch nicht – sie ist einfach nur offen. Und soll wohl auch offen bleiben. Für Neugierige? Zweifler? Voyeure? Für Andächtige? Fromme? Ach Thomas, was hast du uns angetan. Und du, Caravaggio – was hast du dir dabei gedacht?
Den Ruf, Zweifler zu sein, wird unser Thomas wohl nie mehr los. Wenn es jemand namentlich in ein Sprichwort schafft, ist ihm Ewigkeit gesichert. Der ungläubige Thomas! Aber war etwas anderes von ihm zu erwarten? Hätte ich etwas anderes gesagt?
Caravaggio hat tatsächlich etwas gesehen und dann auch abgebildet, was er in dieser Geschichte mit Thomas entdeckt hat. Es geht auch nicht einfach darum, den ebenso sprichwörtlichen Finger in eine Wunde zu legen – das auch! -, es geht darum, das Herz Jesu zu berühren. Wie man das wohl malen kann? Thomas hat mit seinem Zweifel tatsächlich die Vorlage geschaffen: Jesus hat sein Herz in einer Wunde geöffnet. Der Zeigefinger passt dann sogar. Womit Caravaggio wohl nicht gerechnet hat, ist, dass jetzt alle Leute auf diese Szene stieren, entweder den Kopf schütteln, angewidert wegschauen oder am liebsten auch den Finger ihrer rechten Hand in die Wunde legen möchten. Was gibt es überhaupt hier zu sehen?
Kritische Geister haben allerdings auch schon angemerkt, dass hier der moderne Mensch sichtbar wird, der seine dreckigen Finger überall im Spiel hat – sogar im Allerheiligsten. Wenn das so wäre – Jesus öffnet sich auch dann dem Thomas. Er darf Jesus berühren, er darf seinen Finger in die Wunde legen, nein, er darf seinem Herzen nahe kommen. So entsteht übrigens Glauben! Ohne Zweifel – Thomas wär‘ nicht der, der er geworden ist. Einer, der nicht nur Jesus berührte, sondern von ihm berührt wurde! 8 Tage nach Ostern.
Und jetzt sind wir mitten drin in einer Geschichte, die sich überschlägt. Als sie erzählt wurde, ganz am Anfang, wehrten sich die Christen gegen den Vorwurf, ihr Jesus sei nur ein Geist. Oder nur noch ein Geist. Aber hat ein Geist – eine Wunde? Ein Herz? Liebevoll malt der Evangelist Johannes die Szene aus. Klar, nach Ostern sieht Jesus anders aus und bleibt in seiner Liebe doch der, der er immer schon war. Das erzählt die Wunde. Die offene Wunde. Die berührbare. Als Caravaggio die beiden Zuschauer in ihrer Aufregung malte – es mögen Jünger gewesen sein – hat er für mich einen Platz freigehalten. Einen Platz in dieser Auferstehungsgeschichte.
Doch dann hören wir: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Im kirchlichen Sprachgebrauch ist dieses Jesus-Wort zu einem Renner geworden. Sehen, wahrnehmen, nachfragen, genau hinschauen – lieber nicht. Vornehme Distanz gibt es in einem Hofzeremoniell. Wo Menschen aber verwundet werden, wo Wunden sichtbar sind, wo viele Wunden nicht einmal heilen können, hören wir Jesus sagen: Streck deinen Finger aus – streck deine Hand aus. Die Geschichte erzählt von Nähe, von körperlicher Nähe. Von großen Augen. Fängt hier nicht Glaube an? Für die Menschen, die Thomas – und sich - kennenlernen, ist die Geschichte voller Überraschungen und einer große Ermutigung: Selig sind, die ab jetzt nicht noch mehr sehen müssen, die jetzt alles gesehen haben, vor allem: die nicht länger warten. Ein Augen-Blick genügt. Und der ist Caravaggio mehr als gelungen!
Sehen wir Jesus, sehen wir die Wunden, die Wunden von Menschen, auch die, die nicht heilen wollen. Auch die, die nicht heilen sollen. Die immer wieder neu aufgerissen werden.
Sehen wir Jesus, sehen wir verwundete Herzen, aber auch Herzen voller Vertrauen. Auch mit den Hoffnungen, wieder leben zu können. Mit den Hoffnungen, dass die Liebe stärker ist als der Tod.
Sehen wir Jesus, sehen wir uns als zweifelnde Menschen. Wir möchten alles verstehen, aber auch alles beherrschen. Wir machen uns zu Herren der Welt, schlagen aber Wunden über Wunden.
Kommt der Auferstandene, zeigt er uns nicht nur seine Wunde. Er hilft, die Welt neu aufzublättern, aus dem Dunkel herauszutreten und im Licht Berührungen zu wagen, Nähe, Verstehen.
Wer nicht sieht, wer nicht hinsieht, kann nicht glauben – doch wer glaubt, dem gehen die Augen auf! Selig sind, die viel sehen! Die können viel glauben! Ob Jesus mir jetzt widersprechen würde? Sein Wort vom Sehen und vom Glauben ist so wunderbar, dass er alle Gegensätze überwindet.
Ist heute nicht der 8. Tag? Der 8. Tag nach Ostern? Der richtige Tag für Zweifler. Für Zweifler, die Liebe entdecken und Liebe schenken. Der Finger in der Wunde – das ist ein Schlüssel für die neue Welt. Für die Welt Gottes. Für die Auferstehung.
Was ich jetzt noch sagen will: Danke, Caravaggio!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Den aufmerksamen Bibelleser überrascht es, dass Jesus bei der Begegnung mit seinen Jüngern als erstes Thema die Frage der Vergebung und der Barmherzigkeit in den Mittelpunkt stellt. Er sendet seine Jünger aus, eine Kultur der Barmherzigkeit aufzubauen.
Das Beispiel der Urgemeinde basiert auf einer neuen Eistellung gegenüber der Gemeinschaft. Dazu gehören Tugenden wir Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit.
Jesus Christus, der als Auferstandener den Weg mit den Glaubenden weitergeht, er sei mit euch.
Vor wenigen Tagen haben wir Ostern, das höchste Fest des Kirchenjahres gefeiert. Von der Auferstehung Christi ging eine nie dagewesene Bewegung aus. Auch unser Glaube geht darauf zurück. Wir hören heute aus der Apostelgeschichte vom Miteinander der ersten Christen. Ein Idealbild, das erahnen lässt, was göttliche Gnade bewirken kann.
Wir sind hier zusammen gekommen, weil wir glauben, dass wir in Einheit mit dem Auferstandenen mehr Gutes bewirken können.
Heute ist der 8. Tag nach Ostern. Die Zeitangabe wird uns im Evangelium noch begegnen. Jesus kommt zu seinen Jüngern. Besonders zu einem: Thomas. Den Ruf, der „ungläubige Thomas“ zu sein, wird er nicht mehr los. Aber wir lieben ihn. Ostern ist so ungeheuerlich, dass der Zweifel normal, der Glaube aber ein Geschenk ist.
Was wir nicht verstehen, befehlen wir ihm: dem Auferstandenen.
(für einen Kinder- oder Familiengottesdienst)
Vater im Himmel, wir alle sind auf dem Weg, diese Welt immer wieder zu entdecken. Wir probieren vieles aus. Manches gelingt uns gut, manches macht uns Mühe und es gibt auch Dinge, die wir extra falsch machen.
Nimm du uns an, mit allem was uns ausmacht und verzeihe uns, was wir falsch gemacht haben und womit wir dadurch anderen weh getan haben.
Herr, erbarme dich.
Christus, erbarme dich.
Herr, erbarme dich.
Zu Christus, der uns seine Gegenwart zugesichert hat, rufen wir:
Herr Jesus Christus,
der schändliche Kreuzestod war für dich nicht das Ende.
Herr, erbarme dich.
Als Auferstandener hast du das Werk deiner Liebe fortgesetzt.
Christus, erbarme dich.
Als Glaubende dürfen auch wir spüren, dass du lebst.
Herr, erbarme dich.
Herr,
viele Menschen sind verwundet,
körperlich und seelisch.
Was wir sehen, halten wir nicht aus.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du lässt uns deine Wunden sehen,
dein Kreuz und deine Liebe.
Gewalt und Hass nehmen kein Ende.
Christus, erbarme dich.
Herr,
du verbindest Wunden
und heilst, was verletzt ist.
Komm als Auferstandener in unsere Mitte.
Herr, erbarme dich.
Die Rechte des Herrn, sie erhöht,
die Rechte des Herrn, Taten der Macht vollbringt sie.
Ich werde nicht sterben, sondern leben,
um die Taten des Herrn zu verkünden.
(Ps 118)
Ehre sei Gott in der Höhe…
Barmherziger Gott,
durch die jährliche Osterfeier
erneuerst du den Glauben deines Volkes.
Laß uns immer tiefer erkennen,
wie heilig das Bad der Taufe ist,
das uns gereinigt hat,
wie mächtig dein Geist,
aus dem wir wiedergeboren sind,
und wie kostbar das Blut, durch das wir erkauft sind.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 2. Sonntag der Osterzeit
Allmächtiger, ewiger Gott,
du hast uns im Sakrament der Taufe
neues Leben geschenkt.
Festige unsere Verbundenheit mit Christus,
damit wir Früchte bringen, die bleiben,
und die Freude des ewigen Lebens erlangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 4. Samstag der Osterzeit
Allmächtiger Gott,
laß uns die österliche Zeit
in herzlicher Freude begehen
und die Auferstehung unseres Herrn preisen,
damit das Ostergeheimnis,
das wir in diesen fünfzig Tagen feiern,
unser ganzes Leben prägt und verwandelt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 6. Sonntag der Osterzeit
Gott des Lebens.
Durch die Auferstehung deines Sohnes wissen wir :
Der Tod ist überwunden,
der Weg zu dir steht offen,
unser Leben ist unvergänglich.
Hilf uns,
in dieser Gewißheit unser Leben anzunehmen
und daraus zu machen, was du von uns erwartest.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 9
Gott,
Friede und Vergebung
sind die großen Gaben des Auferstandenen an seine Jünger.
Schenke auch uns den Glauben,
daß der Herr mitten unter uns lebt und wirkt.
Durch Christus, unseren Herrn.
Allmächtiger Gott,
im Ostersieg deines Sohnes
hat die Erneuerung der Welt begonnen.
Öffne uns die Augen für die Gegenwart
des Auferstandenen in unserem Leben.
Darum bitten wir durch ihn, der mit dir lebt und
herrscht in Ewigkeit.
Du, Gott, hast das Licht geschaffen
und der Welt eine Form gegeben,
die uns glücklich macht.
Du schenkst uns den Sieg,
der die Welt überwindet.
Du schenkst uns den Glauben.
Heute kommst du zu uns.
Du lässt uns deine Wunden sehen
und zeigst uns dein Herz.
Nimm unsere Zweifel in deine Hand
und lege deine Finger in unsere Wunden.
Du bist der Herr,
von den Toten auferstanden,
führst du uns in deine Liebe.
In der Kraft deines Geistes
Von Ewigkeit zu Ewigkeit. - Amen.
(für einen Kinder- oder Familiengottesdienst)
Jesus, von dir wissen wir, dass du die Kinder zu dir gerufen hast.
Du hast mit ihnen geredet und deinen Vater im Himmel gebeten, sie zu segnen.
Heute dürfen wieder Kinder aus unserer Gemeinde zum ersten Mal die Hl. Kommunion empfangen. Sie dürfen zum ersten Mal an deinem Tisch Platz nehmen. Sie sind aufgeregt und voller Erwartung. Schenke ihnen und auch uns immer wieder die Erfahrung, wie schön es ist, dass wir deine Gäste sein und zu dir kommen dürfen. Zu dir kommen mit allem, was in unseren Herzen liegt: alle Freude, alle Sorgen, unser Fröhlichsein und unsere Traurigkeit. Und mit noch so vielem mehr.
Wir danken dir, dass du uns annimmst und verstehst. - Amen.
Auferstandener Herr und Meister,
wir sind hier versammelt, weil es gut tut, nicht allein zu sein.
Wir sind um den Altar versammelt, weil wir an deine Gegenwart glauben.
Wir bringen unsere Bitten vor dich:
Lass alle Getauften tiefer eindringen in deine Botschaft, die die größten Verheißungen enthält.
Vereine die Familien, die zerrissen sind,
und erbarme dich der Eheleute, die sich entzweit haben.
Schenke Ideen, wie wir die Schätze der heiligen Eucharistie einander und den Kindern näher bringen können.
Schenke uns Mut, einander mit guten Erfahrungen zu stärken.
Lass uns noch mehr spüren, wo andere uns brauchen.
Führe unsere Verstorbenen zur ewigen Tischgemeinschaft mit dir.
Himmlischer Vater,
lass alle, die sich zum eucharistischen Mahl versammeln, auch des himmlischen Mahles teilhaftig werden.
So bitten wir durch Christus, unseren Herrn. – Amen.
Der auferstandene Herr ist überall dort, wo sein Wort auf fruchtbaren Boden fällt.
Ihn lasst uns bitten:
Um Einheit und Taten der Liebe in deiner Kirche,
dass so deine Botschaft in der Welt sichtbar wird.
Um deine Barmherzigkeit im Dienst am Leben vieler,
die weltweit in scheinbar unlösbaren Konflikten verstrickt viel Leid ertragen.
Um Begeisterung für ein Leben aus dem Glauben an dich, den Auferstandenen,
für alle, die sich in diesen Wochen durch den Empfang von Taufe, Erstkommunion und Firmung deiner Gnadenfülle öffnen.
Um deinen Geist, der uns selbst und durch unser Zeugnis auch anderen ermöglicht,
immer wieder neu die Gemeinschaft mit dir zu suchen.
Um Anteil an deinem ewigen Leben für unsere Verstorbenen.
Denn durch dich erfahren wir die Größe und Weite der Liebe und Barmherzigkeit des Vaters, den wir in dir und dem Heiligen Geist allzeit preisen. - Amen.
Der „ungläubige Thomas“ darf seinen Finger in die Wunden Jesu legen und dabei sein Herz berühren. Er darf sehen, was er glauben kann.
Um offene Augen und Herzen bitten wir
Herr, wir kennen Menschen, die durch Gewalt verwundet sind, die traumatische Erfahrungen machen, die sich verkriechen.
Wir rufen zu dir: Schenke uns offene Herzen
Wir wissen um Menschen, die Angst um sich verbreiten, Hass predigen und alles unter ihre Kontrolle bringen.
Wir träumen von Menschen, die sich liebevoll um andere kümmern, Mut zusprechen und Teufelskreisläufe ins Leere laufen lassen.
Wir fürchten um Menschen, die im Kampf mit Ungerechtigkeit ihre Kräfte verzehren, die sich Machtspielen verweigern und für Wahrheit und Recht bereit sind, ihr Leben einzusetzen.
Wir freuen uns mit Menschen, die ihre Lebensaufgabe gefunden haben, die andere glücklich machen und dabei ihre Freude nicht verlieren.
Der „ungläubige Thomas“ sagt: Mein Herr und mein Gott.
Hilf uns, dich zu bekennen,
Wunden zu heilen und
deiner Auferstehung zu trauen
im Leben und im Sterben.
Durch Christus, unserem Herrn.
Christus, der Auferstandene, spricht uns auch heute seinen Frieden zu.
Im Glauben an ihn, unseren Herrn und Gott, lasst uns bitten:
Um eine Kirche, die in dieser Welt voll Misstrauen und gegenseitigen Anschuldigungen ein Zeugnis ehrlicher geschwisterlicher Liebe geben kann.
Um Frieden in den Familien und in der Gesellschaft und ganz besonders in jenen Ländern, in denen sich derzeit das Volk gegen Gewalt und Diktatur erhebt.
Um die Bewältigung dieser Pandemie. Hilf uns, auf den Erfahrungen des letzten Jahres an einer guten und gerechten Zukunft für alle zu bauen.
Um die Gnade, deine Botschaft immer besser aus den von den ersten Glaubenszeugen verfassten Schriften zu verstehen und zu leben.
Um deine Barmherzigkeit für unsere Verstorbenen.
Mit dem Hl. Apostel Thomas bekennen wir „mein Herr und mein Gott.“
Dich, den Auferstandenen, den Vater und den Heiligen Geist beten wir an
und stimmen ein in das österliche Halleluja jetzt und allezeit. - Amen.
Im Heiligen Geist, der uns Kraft zum Leben schenkt,
lasst uns miteinander und für einander beten:
Für alle Neugetauften,
dass sie Kirche als lebendige Gemeinschaft erleben,
in der in Offenheit und gegenseitigem Wohlwollen Reich Gottes verwirklicht wird.
Für alle verfolgten Christen,
dass sie im Glauben an den auferstandenen Herrn für ihre persönlichen Nöte die Hoffnung auf Hilfe nicht verlieren.
Für alle jene, die sich in ihren Zweifeln nicht ernst genommen fühlen.
Für alle, die erkennen müssen, dass im Leben nicht alles machbar ist,
sondern in Geduld und Gottvertrauen die Lösung mancher Probleme erwartet werden muss.
Für unsere Verstorbenen,
dass sie durch Gottes Barmherzigkeit Anteil am ewigen Leben erhalten.
Denn der Heilige Geist ist über uns ausgegossen.
In ihm und durch Jesus Christus, den auferstandenen Herrn,
loben wir dich, den Vater, jetzt und in Ewigkeit. - Amen.
Gott,
du hast deinem Volk
durch das Bekenntnis des Glaubens
und den Empfang der Taufe neues Leben geschenkt.
Nimm die Gaben (der Neugetauften und aller)
deiner Gläubigen gnädig an
und laß uns in dir Seligkeit und ewiges Leben finden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Sonntag der Osterzeit
Allmächtiger Gott,
nimm die Gaben an,
die deine Kirche dir in österlicher Freude darbringt.
Du hast ihr Grund gegeben zu solchem Jubel,
erhalte ihr die Freude bis zur Vollendung.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Sonntag der Osterzeit
Herr, unser Gott,
gib, dass wir dir allzeit danken
durch die Feier der österlichen Geheimnisse.
In ihnen führst du das Werk der Erlösung fort,
mache sie für uns zur Quelle der unvergänglichen Freude.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Sonntag der Osterzeit
Aus vielen gemahlenen Körnern, Herr, wird Brot,
aus vielen gekelterten Trauben Wein.
Viele Geschichten und Erfahrungen bringen wir dir,
verlorenes und geschenktes Leben.
Wenn du uns das Brot brichst, erkennen wir dich,
wenn du uns den Kelch reichst, bist du mitten unter uns.
Du schenkst uns Gemeinschaft mit dir,
du schenkst uns Gemeinschaft unter einander.
Sei du uns Brot und Wein.
Leib und Blut.
In deiner Gegenwart leben wir
bis wir sehen, was wir glauben.
In Christus, der von den Toten auferstanden ist. - Amen.
Kehrvers:
"Gott, du bist herrlich und heilig,
wir wollen dir lobsingen. Halleluja."
(GL 488,2)
Großer und erhabener Gott.
Wir treten vor dich, um dir zu danken für alles Großartige,
das du an uns getan hast.
Wir danken dir für alles Lebendige in der Schöpfung
und dafür, dass wir am Leben teilhaben dürfen.
Kehrvers
Wir danken Dir für Jesus Christus, der von den Toten auferstanden ist
und den Tod für immer überwunden hat.
Er ist der Erste und der Letzte und der Lebendige.
Er war tot und lebt nun in alle Ewigkeit.
Kehrvers
Wir danken dir, dass du ihn zu deiner Rechten erhöht
und ihm die Herrschaft über die ganze Welt übergeben hast.
Er lässt uns teilhaben an dem neuen Leben, das du ihm gegeben hast.
Kehrvers
Wir danken dir, dass er uns ganz nahe ist,
dass er unsere Zweifel und Ängste kennt und versteht
und uns entgegenkommt, wenn uns deine Wege unbegreiflich sind.
Kehrvers
Wir danken dir für den Heiligen Geist, den er uns eingehaucht hat,
Er gibt uns die Kraft, einender die Schuld zu erlassen, die Sünden zu vergeben
und einander so zu lieben, wie er uns geliebt hat.
Kehrvers
Für all das danken wir dir.
In Freude stimmen wir ein in den Lobgesang der ganzen Schöpfung
und singen mit allen Engeln und Heiligen:
Danklied, z. B. GL 328: Gelobt sei Gott im höchsten Thron
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater, immer und überall zu danken,
diese Nacht (diesen Tag, diese Tage)
aber aufs höchste zu feiern,
da unser Osterlamm geopfert ist,
Jesus Christus.
Denn er ist das wahre Lamm,
das die Sünde der Welt hinwegnimmt.
Durch seinen Tod
hat er unseren Tod vernichtet
und durch seine Auferstehung
das Leben neu geschaffen.
Darum jubelt in dieser Nacht (heute)
der ganze Erdkreis in österlicher Freude,
darum preisen dich die himmlischen Mächte
und die Chöre der Engel
und singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Osterzeit 1
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn erstehen die Kinder des Lichtes
zum ewigen Leben,
durch ihn wird den Gläubigen
das Tor des himmlischen Reiches geöffnet.
Denn unser Tod ist durch seinen Tod überwunden,
in seiner Auferstehung ist das Leben für alle erstanden.
Durch ihn preisen wir dich (in österlicher Freude)
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Osterzeit 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben.
Denn in dir leben wir,
in dir bewegen wir uns und sind wir.
Jeden Tag erfahren wir aufs neue
das Wirken deiner Güte.
Schon in diesem Leben
besitzen wir den Heiligen Geist,
das Unterpfand ewiger Herrlichkeit.
Durch ihn hast du Jesus auferweckt von den Toten
und uns die sichere Hoffnung gegeben,
daß sich an uns das österliche Geheimnis vollendet.
Darum preisen wir dich
mit allen Chören der Engel und
singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 6
Ich glaube
dass es für diese Welt
nun Hoffnung gibt
Ich glaube
dass die Schreie der Armen
nicht vergessen werden
und dass Taten der Liebe
nicht umsonst sind
Ich glaube
dass der Hass
nicht mehr das letzte Wort hat
und der Tod kein Ende mehr ist
Ich glaube
dass alle Zweifel
von uns genommen werden
und aller Unglaube
seine Überzeugung verliert
Ich glaube
dass alle Traurigen getröstet werden
und die Freude
alle Angst vertreibt
Ich glaube
dass uns Christus
nicht aus seinen Händen gibt
und dass er unsere Wege mitgeht
überall hin
Allmächtiger Gott,
im heiligen Sakrament haben wir
den Leib und das Blut deines Sohnes empfangen.
Laß diese österliche Gabe in uns weiterwirken
und fruchtbar sein.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Sonntag der Osterzeit
Ewiger Gott,
du hast uns durch die Ostergeheimnisse erneuert.
Wende dich uns voll Güte zu
und bleibe bei uns mit deiner Huld,
bis wir mit verklärtem Leib
zum unvergänglichen Leben auferstehen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Sonntag der Osterzeit
Allmächtiger Gott,
du hast uns durch die Auferstehung Christi
neu geschaffen für das ewige Leben.
Erfülle uns mit der Kraft dieser heilbringenden Speise,
damit das österliche Geheimnis in uns reiche Frucht bringt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 6. Sonntag der Osterzeit
Allmächtiger Gott,
du hast uns durch die österlichen Geheimnisse
auf den Weg des Lebens geführt.
Lass deine Gnade in uns mächtig werden,
damit wir uns deiner Gaben würdig erweisen
und unseren Weg zu dir vollenden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Ostermontag
Du, Gott,
hast uns deine Liebe sehen und schmecken lassen.
Wir danken dir, dass du auch unsere Zweifel,
Bedenken und Einreden
annimmst.
Was uns umtreibt und Sorgen bereitet,
befehlen wir dir:
die Unsicherheiten mit Corona,
die Angst um Klimaveränderungen,
die Zerrissenheit zwischen Menschen und Völkern.
Wir befehlen dir auch die Menschen in unseren Familien,
Siedlungen und Arbeitsstätten.
Hilf uns, Wunden zu sehen und zu verbinden,
Hoffnungen aufzurichten
und Vertrauen zu teilen
in Jesus Christus,
der seine Hände segnend über uns hält.
Herr, unsere Zeit fordert uns ganz schön heraus.
Oft sind wir wie Thomas,
können gar nicht glauben,
dass du auch jetzt bei uns bist,
dass wir es auch jetzt spüren dürfen,
dass deine Worte und Zusagen tragend sind.
Hier, im Gottesdienst, konnten wir etwas davon erahnen.
Wenn wir jetzt wieder in den alltäglichen Trott des Lebens mit all seiner Mühe gehen,
dann hilf uns, auch da ein Gespür für deine Gegenwart zu bewahren,
damit wir bestehen können.
Das erbitten wir durch Jesus, unseren Bruder,
der in dir erfahren durfte, was Auferstehung heißt. – Amen.
(für einen Kinder- oder Familiengottesdienst)
Vater im Himmel, wir danken dir für diesen Tag. Er ist ein besonderer Tag für uns alle.
12 (?) Kinder hast du wieder eingeladen, mit dir und uns allen, zu deiner Tischgemeinschaft zu gehören. Bei den Kindern, die schon länger zu deiner Tischgemeinschaft gehören, und bei vielen Erwachsenen, hast du die Erinnerung an ihren Tag der Erstkommunion wachgerufen. Wir alle freuen uns, dass du uns Jesu geschickt hast, damit er uns ganz viel von dir erzählt und einlädt, bei ihm zu sein.
Hilf uns allen, Jesus immer mehr zu verstehen,
das erbitten wir mit ihm, Jesus unserem Freund und Begleiter. – Amen.
Gott der Vater,
der seinen Sohn aus der Finsternis des Todes rief,
er segne auch dich in all den Schrecken deines Lebens.
Jesus, Gottes Sohn,
der dem Willen des Vaters folgte
und der nach Angst, Leid und Tod
neues Leben im Auferstehen erfahren durfte,
er bleibe an deiner Seite, was immer dir widerfährt.
Der Hl. Geist,
den Jesus uns verheißen hat,
er komme auf dich herab,
stärke und leite dich.
So segne dich die Dreieinheit Gottes,
der Vater, der Sohn und der Hl. Geist. – Amen.
(für einen Kinder- oder Familiengottesdienst)
Es segne uns alle Gott der Vater,
der uns alle und diese Welt geschaffen hat.
Es segne uns sein Sohn, unser Freund,
der uns von Gottes Liebe viel erzählt hat.
Es segne uns die Kraft des Geistes,
die uns zum guten Tun lenkt.
endlich
nicht der nabel der weit sein
nicht in meiner unvollkommenheit
schon alles
nicht alleine vollständig
endlich
ich darf so bedürftig sein
immer einer ergänzung wert
ich bin ein halbes geschöpf
und ohne andere nicht ganz
endlich
der mensch ist nur im doppelpack gut
nur in der vielzahl großartig
der mensch ist als menschheitsfamilie gedacht
endlich
das zauberwort der zukunft heißt nicht ich
das zauberwort der zukunft heißt zusammen
Martina Kreidler-Kos
Ein Junge versuchte, einen schweren Stein fortzuheben. Aber so sehr er sich auch plagte, der Stein ließ sich nicht bewegen. Niedergeschlagen berichtete er es seinem Vater.
"Und du hast alles versucht, um den Stein zu heben?", fragte der Vater.
"Natürlich!", rief der Junge gereizt.
"Nein", sagte der Vater gelassen, "eine Möglichkeit hast du noch nicht probiert: Du hast mich nicht gebeten, dir zu helfen."
Aus: 2 Minuten vor dem Tag, Friedrich Dietz, Parzeller/Butzon&Bercker.
Es war in Amerika in der guten alten Zeit, als eine Grundschullehrerin zu Beginn der Religionsstunde ihre Klasse fragte: „Wer von euch möchte später einmal in den Himmel kommen?“ Alle Kinder der Klasse streckten den Arm. Nur Charlie nicht. Da wandte sich die Lehrerin erstaunt an ihn: „Nun Charlie, möchtest du nicht?“ Der Junge antwortete: „Natürlich will ich in den Himmel kommen, aber doch nicht mit dem Haufen da!“
Es gibt kein Christsein ohne Gemeinde. Sowenig ein Blatt ohne den Baum und seine Wurzeln leben kann, sowenig kann ein Mensch im Glauben ohne die Verwurzelung in der Gemeinde Jesu leben.
Manchmal gleicht die örtliche Gemeinde tatsächlich einem kümmerlichen Haufen. Und doch ist dort unser Platz, unsere Aufgabe und unsere Bewahrung.
Die kleine, menschliche Gemeinde hat eine große, göttliche Verheißung: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben" (Lukas 12,32).
Aus: Axel Kühner, Überlebens-Geschichten für jeden Tag, Neukirchener Aussaat-Verlag, 2023.
Ich bin Thomas,
der zweifelt,
der nicht glauben kann,
der nur auf Tatsachen baut,
nicht auf andere hört …
Der die Zweifel erst vergessen kann
im Hinübergehen
ins andere Leben – abgeholt von IHM. –
„Mein Herr und mein Gott!“
Ilse Pauls
Du großer Schmerzensmann, vom Vater so geschlagen,
Herr Jesu, dir sei Dank für alle deine Plagen:
für deine Seelenangst, für deine Band und Not,
für deine Geißelung, für deinen bittern Tod.
Ach das hat unsre Sünd und Missetat verschuldet,
was du an unsrer Statt, was du für uns erduldet.
Ach unsre Sünde bringt dich an das Kreuz hinan;
o unbeflecktes Lamm, was hast du sonst getan?
Dein Kampf ist unser Sieg, dein Tod ist unser Leben;
in deinen Banden ist die Freiheit uns gegeben;
dein Kreuz ist unser Trost, die Wunden unser Heil,
dein Blut das Lösegeld, der armen Sünder Teil.
O hilf, dass wir auch uns zum Kampf und Leiden wagen
und unter unsrer Last des Kreuzes nicht verzagen;
hilf tragen mit Geduld durch deine Dornenkron,
wenns kommen soll mit uns zum Blute, Schmach und Hohn.
Dein Angst komm uns zugut, wenn wir in Ängsten liegen;
durch deinen Todeskampf lass uns im Tode siegen;
durch deine Bande, Herr, bind uns, wie dirs gefällt;
hilf, dass wir kreuzigen durch dein Kreuz Fleisch und Welt.
Lass deine Wunden sein die Heilung unsrer Sünden,
lass uns auf deinen Tod den Trost im Tode gründen.
O Jesu, lass an uns durch dein Kreuz, Angst und Pein dein Leiden,
Kreuz und Angst ja nicht verloren sein.
Adam Thebesius (1652), in: EG 87. https://www.youtube.com/watch?v=yQOtj57pO6E
Wir müssen aus uns herauskommen und auf die Straßen der Menschen gehen, um zu entdecken, dass die Wundmale Jesu auch heute noch am Körper all jener Brüder sichtbar sind, die Hunger und Durst leiden, die nackt, erniedrigt und geknechtet sind, die sich im Gefängnis oder im Krankenhaus befinden. Und gerade durch die Berührung und Liebkosung dieser Wunden wird es uns möglich, »den lebendigen Gott mitten unter uns anzubeten«.
Der dem heiligen Apostel Thomas geweihte Festtag bot Papst Franziskus die Gelegenheit, wieder auf eine Vorstellung zurückzukommen, die ihm ganz besonders am Herzen liegt: die Finger in die Wunden Jesu legen. So war die Geste des hl. Thomas, der die Finger in die Wundmale des auferstandenen Jesus legt, das zentrale Thema der Predigt, die der Papst im Verlauf der Messe hielt, die er am Mittwoch, 3. Juli, in der Kapelle der Domus Sanctae Marthae feierte.
Ganzes Dokument >>>
Papst Franziskus, Frühmesse im Vatikanischen Gästehaus "Domus Sanctae Martae", Mittwoch, 3. Juli 2013.
Aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 29, 19. Juli 2013-
Die Corona-Pandemie hat viele WUNDEN geschlagen in unserem Leben, persönlich wie gesellschaftlich.
In der Turmkapelle der St.-Agatha-Kirche haben wir einen Ort des Gebetes und des kurzen Innehaltens eingerichet. Dort steht seit heute die Osterkerze 2020 mit ver-BUND-enen WUND-malen. Was es damit auf sich hat, ist im ebenfalls ausliegenden Textheftchen nachzulesen.
Die ungewöhnlich verfremdete Osterkerze 2020 will einladen, die eigenen Wunden anzusehen und mit Blick auf die ver-BUND-enen WUNDmale der Osterkerze das Herz offen zu machen für die Erfahrung "Durch seine Wunden sind wir geheilt!"
Am Sonntagmorgen feierten wir gemeinsam Gottesdienst. Dazu gehört, dass wir einander die Füße wuschen, so wie es Jesus mit seinen Jüngern an seinem letzten Abend vor der Passion gehalten hat. Ich kniete also vor Salvador, berührte seine Füße, und die Tränen liefen über unsere Gesichter.
In diesem Augenblick habe ich eine Geschichte aus der Bibel neu verstanden, jene, die in vielen Bibeln überschrieben ist mit "Der ungläubige Thomas": Die anderen Jünger erzählen Thomas, sie hätten den Auferstandenen gesehen. Und Thomas antwortet: "Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich’s nicht glauben" (Johannes 20,25). Bis zu jenem Sonntag irgendwo in Kolumbien hatte ich immer gedacht, die Geschichte bemängele, dass Thomas den Auferstandenen anfassen will, weil er nur glaubt, was sich beweisen lässt.
Während ich Salvadors Füße berührte, hat sich mir der Text neu erschlossen.
Der Auferstandene wendet sich Thomas zu und fordert ihn auf, seine Finger in die Wunden – auf Griechisch "traumata" – zu legen, ihn zu berühren. In dem Moment bekennt Thomas seinen Glauben und sagt zu Jesus: "Mein Herr und mein Gott." Thomas erkennt, wer der Auferstandene tatsächlich ist: ein Verwundeter.
Im Grunde ist auch Salvador ein Traumatisierter, ein Verwundeter. Seine Wunden und die der Geschändeten und Verschleppten von El Garzal – das sind Christi Wunden. Und wenn ich Christus bekennen will, dann kann ich mich nicht einfach von diesen Wunden abwenden. Dann geht Salvadors Leid mich etwas an.
Ich bin von Berufs wegen - und, wie ich mutmaße, nicht nur von Berufs wegen - Philosoph, jedoch ganz und gar kein professioneller Theologe. Und auch der Umstand, dass ich mich seit vielen Jahren mit religiösen Themen beschäftige, wäre wohl kaum Legitimation genug, mich einem Thema zu widmen, welches die Hoffnung auf ein ewiges Leben ins Zentrum der Betrachtung rückt. Denn falls ich recht verstehe, entfaltet diese Hoffnung ihren guten Sinn nur innerhalb eines Glaubenskontextes, also - um mit Wittgenstein zu reden - eines „Sprachspiels“, welches nicht dasjenige der Philosophie ist. Zum religiösen Sprachspiel nämlich gehört eine Lebensform, die über die möglichen philosophischen Denkfiguren weit hinausgeht.
Wenn sich ein Philosoph, unbeschadet seines persönlichen Glaubens, trotzdem des Themas annimmt, dann meistens deshalb, weil man es auch negativ formulieren kann: Demnach ergibt, vom Standpunkt rationalen Denkens aus, der Begriff des ewigen Lebens, wie er sich dem Gläubigen als zentraler Hoffnungsmittler nahelegt, einfach keinen guten Sinn. Und meistens ist dann auch nicht von irgendeinem Glauben die Rede, sondern vom Glaubenstyp des Christen, der, heilsgeschichtlich bewegt, das persönliche Fortleben nach dem Tod zu den zentralen Grundsätzen seines Credos zählt. Wie könnte man sich so ein persönliches Fortleben vorstellen? Das ist die Frage des Philosophen, des Außenstehenden, und darüber hinaus die Frage des Gläubigen selbst, der schließlich nicht umhin kann, sich den Herausforderungen der - sagen wir - weltlichen Vernunft zu stellen.
Ich entsinne mich eines neueren Beispiels, zu dem sich schwerlich ein Besseres wird finden lassen: Terrence Malicks Filmepos The Tree of Life aus dem Jahre 2011. Dieser Film, dessen weibliche Hauptfigur, Mrs. O’Brian, nicht den Weg der Natur, sondern - wie es heißt - der Gnade wählte, endet mit einer Jenseitssequenz. In deren Verlauf begegnet der älteste Sohn der O’Brians in einer Strand- und Salzwüstenlandschaft seiner Familie und weiteren Menschen, die Teil seines Lebens waren oder auch nicht und sich als eine kleine Menschheit aufeinander zuzubewegen scheinen. Man mag diese Szene, die am Rand des Kitsches dahinschwebt, zur Not als eine Traumsequenz verstehen; näher liegt es freilich, sie als eine ambitionierte Verbilderungsbemühung der menschlichen Nachtodesexistenz aufzufassen, ist doch Malicks Film ein durch und durch religiös gestimmtes Opus.
Beim Betrachten der Szene konnte ich mich, Kitsch hin oder her, einer profunden Rührung nicht erwehren, und zwar gerade deshalb, weil die Bilder der sich aufeinander sanft und liebevoll Zubewegenden dem Zuschauer erst voll zu Bewusstsein bringen, dass eine derartige Wiederbegegnung mit den eigenen Lieben nach dem Tod undenkbar ist. Nicht nur können wir unseren Körper nicht mitnehmen, auch das, was wir unseren Geist nennen mögen, ja, unsere Seele, verliert mangels der Fähigkeit, den gehirnabhängigen Strom der Lebenserinnerungen zu konservieren, alle personale Identität. Als körperlose, außerräumliche, ihres Bewusstseins und Selbstbewusstseins verlustig gegangene Wesen hätten wir keinen Bezugspunkt mehr, um uns als die, die wir im Leben waren, selbsterkennend auf uns zu beziehen.
Falls wir indes postmortal als Teil der Weltseele oder des Weltgeistes weiterexistieren sollten, würden wir dies als entpersönlichte Wesen tun, die keinerlei Erinnerung mehr an ihre irdische Existenz und ihren Bestand in der Zeit hätten. Das Jenseits, einmal als Möglichkeit unterstellt, löscht Persönlichkeit und Individualität. Warum also auf ein personales Leben nach dem Tod hoffen, wo wir doch nicht einmal zu sagen imstande sind, wovon wir reden, wenn wir uns auf ein solches Leben beziehen? Nun, die Antwort, die uns an den Rand der Hoffnungslosigkeit und darüber hinaus zu bringen scheint, lautet: Wenn wir nicht einmal zu sagen imstande sind, worauf sich die Hoffnung auf ein ewiges Leben nach dem Tod beziehen könnte, weil wir gar nicht wissen, wovon wir reden, wenn wir ein solches Leben ins Auge zu fassen versuchen - dann ist unsere ganze Existenz ohne Bedeutung inmitten eines bedeutungslosen Universums.
Es ist akkurat diese Antwort, die schon früh in der christlichen Lehrtradition davon hat reden lassen, dass wir, um nicht trostlos zu sich dabei um eine Manifestation des „Credo quia absurdum“ handelt. Man hat oft gesagt, dass eine solche Antwort aus der Innenperspektive des Glaubens, zumal in entsprechender konfessioneller Umrahmung und kraft ritueller Einbettung, darauf hinauslaufe, in den Gott der Liebe ein bedingungsloses Vertrauen zu setzen. Indem man sich in Gott absolut geborgen fühle, erübrige sich jede weitere Frage danach, wie es unter der Bedingung des Ablebens möglich sei, an ein ewiges Leben „danach“ - nach dem Exitus, nach dem Tod des Gehirns, nach dem Stillstand des Herzens, nach dem unumkehrbaren Ausfall aller Bewusstseinsfunktionen - zu glauben.
Geborgenheit in Gott bedeutet dieser Auffassung zufolge ewiges Leben. Von außen betrachtet freilich mutet die Haltung des Gläubigen als eine vollständige Kapitulation des Verstandes an. Frag nicht, glaube! Ist dies nicht der Imperativ, auf den alles hinausläuft, sobald es um Dinge geht, die entweder bloß fromme Märchen oder aber in ihrer Bedeutung opak, undurchdringlich, sind? Ich sagte soeben: „von außen betrachtet“, und hier wurzelt eine Grundschwierigkeit für jeden Gläubigen, namentlich auch für jeden durch die Schule der Aufklärung gegangenen Christenmenschen, der seine Hoffnung zugleich an ein persönliches Fortleben nach dem Tod bindet. Denn indem der Christ Mensch ist - eben Christenmensch -, kann er seiner Natur nicht entsagen. Er ist ein Homo Sapiens, ein denkendes Wesen, und als solches wird er nicht wahrhaft, nicht authentisch, ganz ohne doppelten Boden zu glauben imstande sein, sobald er die Wahrheiten, die ihm sein Verstand zwingend nahelegt, systematisch abdrängt und als Verstandeswesen kapituliert.
Peter Strasser in: Walter Kardinal Kasper / George Augustin (HG., Hoffnung auf das ewige Leben. Kraft zum Handeln heute. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2015

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
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Schneller am Ziel
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Der Sammelbericht will die Einheit der jungen Gemeinde herausstellen. Dies dürfte ihre Stärke gewesen sein und ihre Attraktivität ausgemacht haben. Diese Einheit ist ein Zeichen dafür, daß in ihr der Heilige Geist wirkt. Mittelpunkt sind die Apostel und deren genuines Zeugnis von der Auferstehung Jesu Christi.
Die Gütergemeinschaft der jungen Gemeinde ist nicht als zukunftsweisende Sozialordnung zu verstehen. Vielmehr soll sie zeigen, daß in dieser Gemeinschaft das endzeitliche Heil angebrochen ist. In ihr hat sich die Verheißung aus dem Buch Deuteronomium (15,4), wonach es im Volk Gottes keinen Armen mehr geben wird, erfüllt. Im Bild des Zu-Füßen-Legens wird angedeutet, daß die Apostel die Letztverantwortung auch für die Güterverwaltung getragen haben.