Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus der Apostelgeschichte.
In jenen Tagen
wandte sich Petrus an das Volk:
Der Gott Abrahams, Ísaaks und Jakobs,
der Gott unserer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht,
den ihr ausgeliefert und vor Pilatus verleugnet habt,
obwohl dieser entschieden hatte, ihn freizulassen.
Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet
und die Freilassung eines Mörders erbeten.
Den Urheber des Lebens habt ihr getötet,
aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt.
Dafür sind wir Zeugen.
Nun, Brüder, ich weiß, ihr habt aus Unwissenheit gehandelt,
ebenso wie eure Anführer.
Gott aber hat auf diese Weise erfüllt,
was er durch den Mund aller Propheten
im Voraus verkündet hat:
dass sein Christus leiden werde.
Also kehrt um
und tut Buße,
damit eure Sünden getilgt werden.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus der Apostelgeschichte.
In jenen Tagen
gingen Petrus und Johannes zur Gebetszeit
um die neunte Stunde in den Tempel hinauf.
Da wurde ein Mann herbeigetragen,
der von Geburt an gelähmt war.
Man setzte ihn täglich an das Tor des Tempels,
das man die Schöne Pforte nennt;
dort sollte er bei denen, die in den Tempel gingen,
um Almosen betteln.
Als er nun Petrus und Johannes in den Tempel gehen sah,
bat er sie um ein Almosen.
Petrus und Johannes blickten ihn an
und Petrus sagte: Sieh uns an!
Da wandte er sich ihnen zu
und erwartete, etwas von ihnen zu bekommen.
Petrus aber sagte: Silber und Gold besitze ich nicht.
Doch was ich habe, das gebe ich dir:
Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers,
steh auf und geh umher!
Und er fasste ihn an der rechten Hand
und richtete ihn auf.
Sogleich kam Kraft in seine Füße und Gelenke;
er sprang auf, konnte stehen und ging umher.
Dann ging er mit ihnen in den Tempel,
lief und sprang umher und lobte Gott.
Alle Leute sahen ihn umhergehen und Gott loben.
Sie erkannten ihn als den,
der gewöhnlich an der Schönen Pforte des Tempels saß
und bettelte.
Und sie waren voll Verwunderung und Staunen über das,
was mit ihm geschehen war.
Da er sich Petrus und Johannes anschloss,
lief das ganze Volk bei ihnen
in der sogenannten Halle Salomos zusammen,
außer sich vor Staunen.
Als Petrus das sah, wandte er sich an das Volk:
Der Gott Abrahams, Ísaaks und Jakobs,
der Gott unserer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht,
den ihr ausgeliefert und vor Pilatus verleugnet habt,
obwohl dieser entschieden hatte, ihn freizulassen.
Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet
und die Freilassung eines Mörders erbeten.
Den Urheber des Lebens habt ihr getötet,
aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt.
Dafür sind wir Zeugen.
Und aufgrund des Glaubens an seinen Namen
hat dieser Name den Mann hier,
den ihr seht und kennt,
zu Kräften gebracht;
der Glaube, der durch ihn kommt,
hat ihm vor euer aller Augen die volle Gesundheit geschenkt.
Nun, Brüder, ich weiß, ihr habt aus Unwissenheit gehandelt,
ebenso wie eure Anführer.
Gott aber hat auf diese Weise erfüllt,
was er durch den Mund aller Propheten
im Voraus verkündet hat:
dass sein Christus leiden werde.
Also kehrt um
und tut Buße,
damit eure Sünden getilgt werden.
Kv: Lass dein Angesicht über uns leuchten, o Herr! – Kv
GL 46,1
Wenn ich rufe, gib mir Antwort, *
Gott meiner Gerechtigkeit!
Du hast mir weiten Raum geschaffen in meiner Bedrängnis. *
Sei mir gnädig und hör auf mein Flehen! – (Kv)
Erkennt, dass der Herr sich seinen Frommen erwählt hat, *
der Herr hört, wenn ich zu ihm rufe.
Viele sagen: „Wer lässt uns Gutes schauen?“ *
Herr, lass dein Angesicht über uns leuchten! – (Kv)
Du legst mir größere Freude ins Herz, *
als andere haben bei Korn und Wein in Fülle.
In Frieden leg ich mich nieder und schlafe; *
denn du allein, Herr, lässt mich sorglos wohnen. – Kv
Lesung aus der ersten Johannesbrief.
Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt.
Wenn aber einer sündigt,
haben wir einen Beistand beim Vater:
Jesus Christus, den Gerechten.
Er ist die Sühne für unsere Sünden,
aber nicht nur für unsere Sünden,
sondern auch für die der ganzen Welt.
Und daran erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben:
wenn wir seine Gebote halten.
Wer sagt: Ich habe ihn erkannt!,
aber seine Gebote nicht hält,
ist ein Lügner
und in dem ist die Wahrheit nicht.
Wer sich aber an sein Wort hält,
in dem ist die Gottesliebe wahrhaft vollendet.
Johannes ist für dichte Gedankenführungen bekannt. In wenigen Sätzen entfaltet er das Panorama christlichen Lebens: Es beginnt damit, Jesus Christus, den Gerechten, als "Beistand" zu bekennen. Er ist der Anwalt und Fürsprecher. Gerade weil er die Sünden der ganzen Welt gesühnt hat. Im Hintergrund ist sein Kreuz zu sehen. Wie Menschen ihn erkennen? Indem sie seine Gebote halten. Johannes formuliert sogar, dass die Gottesliebe in dem Menschen "wahrhaft" vollendet ist, der sich an sein Wort hält. Gebote und Wort sind Synonyme für den Anspruch, den Jesus erheben kann - als der, der die Sünden der ganzen Welt gesühnt hat.
Besonders liebt Johannes "Erkenntnis": Sie ist kein theoretischer oder abschließbarer Vorgang, der sich in einem Wissen oder einer Kenntnis erschöpft, sondern ein anderes Wort für Liebe, die sich ganz auf Jesus einlässt und dabei nicht weniger als "Wahrheit" findet - oder, anders formuliert: das ganze Leben. In der johanneischen Sehweise: In dem Menschen, der sich an Jesu Wort hält, wird die Gottesliebe wahrhaft vollendet. Also nicht stückweise, vorübergehend, teilweise - sondern ganz und ohne jeden Vorbehalt.
Halleluja. Halleluja.
Herr Jesus, erschließ uns die Schrift!
Lass unser Herz entbrennen, wenn du zu uns redest.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
Die beiden Jünger, die von Emmaus zurückgekehrt waren,
erzählten den Elf und die mit ihnen versammelt waren,
was sie unterwegs erlebt
und wie sie ihn erkannt hatten,
als er das Brot brach.
Während sie noch darüber redeten,
trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen:
Friede sei mit euch!
Sie erschraken und hatten große Angst,
denn sie meinten, einen Geist zu sehen.
Da sagte er zu ihnen:
Was seid ihr so bestürzt?
Warum lasst ihr in eurem Herzen Zweifel aufkommen?
Seht meine Hände und meine Füße an:
Ich bin es selbst.
Fasst mich doch an und begreift:
Kein Geist hat Fleisch und Knochen,
wie ihr es bei mir seht.
Bei diesen Worten
zeigte er ihnen seine Hände und Füße.
Als sie es aber vor Freude
immer noch nicht glauben konnten
und sich verwunderten,
sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier?
Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch;
er nahm es und aß es vor ihren Augen.
Dann sagte er zu ihnen:
Das sind meine Worte,
die ich zu euch gesprochen habe,
als ich noch bei euch war:
Alles muss in Erfüllung gehen,
was im Gesetz des Mose, bei den Propheten
und in den Psalmen über mich geschrieben steht.
Darauf öffnete er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften.
Er sagte zu ihnen: So steht es geschrieben:
Der Christus wird leiden
und am dritten Tag von den Toten auferstehen
und in seinem Namen wird man allen Völkern Umkehr verkünden,
damit ihre Sünden vergeben werden.
Angefangen in Jerusalem, seid ihr Zeugen dafür.
An eine Auferstehung des Fleisches zu glauben, fällt heute vielen schwer. Den Christen der ersten Generation war sie jedoch eminent wichtig. Sie wird daher auch in den Evangelien und den frühen Schriften hervorgestrichen. Ihre Betonung hat auch Folgen für unsere christliche Lebensgestaltung.
Alexey Nawalny ist nicht umsonst gestorben, schreibt Jan Buruma in einem Kommentar in der Wiener Tageszeitung Die Presse. Seine Anhänger, allen voran seine Gattin Julia Nawalnaja, versuchen, sein Engagement für eine freiere Gesellschaft weiterzutragen. Ist Nawalny doch nicht tot?
So erfreulich es ist, dass sein Kampf Früchte trägt, wir dürfen jedoch nicht mit seiner Lebendigerklärung seinen gewaltsamen Tod und das Unrecht, das an ihm geschehen ist, verharmlosen. Machthaber tun alles, dass ihre Opfer nicht als Märtyrer weiterwirken. Die Sympathisanten der Opfer versuchen, ihnen posthum Gerechtigkeit und Anerkennung zukommen zu lassen. Ihr Geist soll weiterleben und lebt weiter.
Nach dem gewaltsamen Tod Jesu gab es offenbar auch um sein Weiterwirken ein vergleichbares Tauziehen. Die Gegner der Jesusbewegung taten alles, um ihn bald vergessen sein zu lassen. Seine Anhänger waren bemüht, seinen Geist in die ganze Welt hineinzutragen. Die Erzählungen rund um seine Auferstehung spiegeln dieses Ringen wider.
Der Evangelist Lukas betont in dem heute gehörten Text, dass die Jünger Jesu mit ihm gegessen und getrunken haben. Er wehrt damit den Einwand ab, Jesus sei nur als Geist erschienen, oder seine Erscheinung sei nur eine Einbildung gewesen. Auch damals wollten manche seine Auferstehung und sein Weiterleben rein geistig verstanden wissen.
Dass sein Geist noch bis in unsere Zeit weiterwirkt, ist unbestritten und erfreulich, hat aber auch eine verfängliche Seite: Sein grausamer Tod und das an ihm geschehene Unrecht treten dank des Auferstehungsglaubens in den Hintergrund. Im Glaubensbekenntnis wird beides festgehalten und hervorgestrichen: Dort heißt es von Jesus: "gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben … am dritten Tag auferstanden von den Toten". Weiter beten wir: Wir glauben an eine Auferstehung der Toten - wörtlich: "an die Auferstehung des Fleisches" – und an das ewige Leben.
Die Auseinandersetzung, die damals geführt wurde, ist bis heute bedeutsam. Denn auch wir fragen uns, was bleibt von einem Menschen, wenn er gestorben ist. Bleibt mehr als nur die Erinnerung an ihn? Bleibt mehr als das, was ein Mensch aufgebaut und in die Welt gesetzt hat? Was wird einmal von uns bleiben? Irgendwann werden wir alle mit ganz wenigen Ausnahmen vergessen sein.
Im 15. Kapitel des Ersten Briefes an die Korinther setzt sich der Apostel Paulus ausführlich mit dem Glauben an die Auferstehung auseinander. Er glaubt keineswegs an eine simple lineare Fortsetzung des jetzigen Lebens nach dem Tod. Er spricht von einer Auferstehung in einem überirdischen Leib (1 Kor 15,44), von dem wir uns noch keine Vorstellung machen können.
Die Christen der ersten Generation waren fest überzeugt, dass uns ein leibhaftes Auferstehen erwartet. Daher betonen sie die Leibhaftigkeit des auferstandenen Christus. Die leibhafte Auferstehung war ihnen genauso wichtig wie die Fleischwerdung Gottes in Jesus Christus, die wir zu Weihnachten feiern.
Diese Betonung der Leibhaftigkeit und des Fleisches beinhaltet einen Auftrag an uns Christen. Als Jüngerinnen und Jünger Jesu haben wir Sorge zu tragen, dass das neue Menschsein, wie es Jesus verkündet hat, auch konkrete Gestalt annimmt. Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Geschwisterlichkeit aller Kinder Gottes, unsere neue Identität als Kinder Gottes und als Schwestern und Brüder Jesu muss konkret sichtbar, spürbar, begreifbar werden, muss Fleisch annehmen. Das neue Leben, das Neuwerden des Menschen beginnt schon hier und jetzt. Es reicht über die Grenze des Todes hinaus. Leid und Tod haben zwar nicht mehr das letzte Wort, sie dürfen aber auch nicht verharmlost werden.
Der Auferstandene weist sich den Jüngern gegenüber aus, indem er ihnen seine Hände und Füße zeigt, an denen er die Verwundungen trägt, die man ihm zugefügt hat. Wir leben in einer verwundeten Welt, in der Menschen auch heute verfolgt, gefoltert und getötet werden. Als Christen finden wir uns damit nicht ab. Wir flüchten auch nicht in eine eingebildete heile Welt, in der auf wunderbare Weise alles wieder gut werden wird.
Wir sind berufen, an der Neuordnung und an der Neuschöpfung Gottes mitzuwirken. Wir lassen uns nicht durch erfahrenes Leid entmutigen und wir nehmen Unrecht nicht einfach hin. Wir wissen uns dem neuen Geist, den Jesus in die Welt gebracht hat, verpflichtet und wir verkünden im Namen des Auferstandenen allen Völkern Umkehr.
Die Erzählungen von den Begegnungen der Jüngerinnen und Jünger mit dem Auferstandenen führen uns in einen Zwischenraum. Sie knüpfen an das alte Leben an, finden aber dennoch in völlig neuen Verhältnissen statt. Sie überwinden unsere Gebundenheit an Raum und Zeit und eröffnen uns so neue Lebensräume.
Mit den Worten „der Friede sei mit euch“ begegnet Jesus seinen Freunden, die in Jerusalem zusammensitzen und gerade der Schilderung der beiden Männer lauschen, die einen Begleiter auf dem Weg nach Emmaus am Brot brechen als Jesus erkannt haben. Sein Friedenswunsch ist Ausdruck tiefster inniger Zuneigung zu seinen treuen Wegbegleitern und vertrauten Freunden. Seine leibhaften Auferstehungsbegegnungen beschränken sich auch auf diesen inneren Freundeskreis. Es ist sein tiefster Wunsch ihre Enttäuschungen, Verwirrungen und Ängste, die sein Kreuzestod verursacht hat, wieder in Zuversicht und Vertrauen zu verwandeln.
Aber zunächst hat er keinen Erfolg. Sie sind zu verunsichert. Da hilft auch nicht, dass er seine Wundmale zeigt und sich als Wesen aus Fleisch und Blut zu erkennen gibt. Erst als er ihnen „den Sinn der Schrift eröffnet“ d.h. ihnen verständlich macht, dass alles, was passiert war, geschehen musste, damit sich die Weissagungen der Schrift erfüllten, damit aus dem alten Bund mit Gott ein neuer Bund mit Gott werden kann, kehrt langsam wieder Friede in ihre Herzen ein.
Er wünscht ihnen Frieden und meint ein Leben, dass durch seine Ausrichtung auf Gott jene Stabilität erhält, die auch in Krisenzeiten Hoffnung und Zuversicht bewahrt und so der Liebe den nötigen Raum schafft.
Wir erinnern in jedem Gottesdienst diesen Jesu-Wunsch „Der Friede sei mit euch!“. Die meisten von uns sind aber der Meinung „Friede“ das sei ein Leben ohne Krieg, ohne Konflikte, ohne Leid und Trauer. Davon hat Jesus nie gesprochen, auch nicht in dieser Begegnung mit den Seinen. Die schlimmen Erfahrungen für seine Freunde in der letzten Zeit bleiben, was sie sind, grauenvolle Erlebnisse. Aber das Eröffnen ihrer Sinnhaftigkeit nimmt diesen schlimmen Erfahrungen den Schrecken. Mehr noch, sie verwandeln sich und werden zum einzig möglichen Weg, den positiven Teil der Geschichte, Jesu Auferstehung und damit den Sieg über die einzige wirkliche Bedrohung für uns Menschen, den Tod gemeinsam zu feiern.
Was Jesus mit seinem Friedenswusch meint, ist die Zusicherung Gottes, jedes Menschenleben durch die Zeit zu begleiten. Nicht ohne Not, sondern in der Not, besonders intensiv in schweren Zeiten. Unser Glauben an den Auferstandenen lässt uns gerade durch Erzählungen wie im heutigen Evangelium seine Begleitung als Liebes- und Freundschaftsdienst an uns erkennen. Sein Angebot gilt allen Menschen, aber nur der Glaubende kann den inneren Frieden, der aus dem angenommenen Angebot resultiert schon in seinem irdischen Leben erfahren.
Dieses Angebot Gottes ist durch den Kreuzestod Jesu auch 2000 Jahre nach den geschilderten Ereignissen ungebrochen gültig. Der Auferstandene ist seinen Jüngern ja nicht als einer begegnet, der vom Toten erweckt wurde und jetzt sein irdisches Leben wieder weiterlebt, wie vor seinem Kreuzestod. Sondern seine Rückkehr ist die eines Menschen, für den der Tod keine Grenze mehr darstellt. Er lebt! Und er kann damals seine Freunde in Jerusalem begleiten und genauso jeden von uns heute. Der Tod dieses deutliche Zeichen irdisch-zeitlicher Begrenztheit gilt für ihn nicht mehr. Genau so, wie das zweite Kennzeichen irdischen Lebens, der Raum, für ihn keine Bedeutung mehr hat (er kommt durch geschlossene Türen). Er lebt! Aber nicht mehr nur auf der Erde, sondern im Reich seines Vaters, das sich über Himmel und Erde erstreckt. Hier - im Reich Gottes - wird menschliches Leben in Fülle gelebt. Das bedeutet: mit Leib und Seele, aber ohne die Begrenzung von Zeit und Raum - ewig und unendlich.
Er geht durch Wände und ist dennoch kein Geist. Er wird uns auch in Zukunft immer wieder überraschen mit seiner direkten Begleitung in Gestalt anderer Menschen, auf die wir zufällig in unserem Leben treffen (wie die Wanderer auf dem Wege nach Emmaus). Viele schicksalshafte Abzweigungen auf unserem Lebensweg, die wir oft erst im Nachhinein als göttliche Fügung erkennen, gehören zu diesem Themenkreis.
Und wenn jemand meint, ich trifte jetzt zu sehr in den Bereich der Phantasie ab, dem gebe ich zu bedenken, dass es in jedem Menschenleben Momente gibt, in denen wir eine leise Ahnung davon bekommen, dass es menschliches Leben auch außerhalb der Koordinaten von Zeit und Raum geben kann. Diese Momente erleben wir in besonders schmerzvollen, aber auch in besonders freudvollen Situationen. Allen gemeinsam ist, dass sie unser Leben in ein klares „davor“ und „danach“ unterteilen.
Dass die Zeit stehengeblieben ist, habe ich schon sagen hören, wenn ein Kind geboren wird, aber auch wenn der Tod eines geliebten Menschen seine Angehörigen überrascht, oder wenn mir jemand vom ersten Zusammentreffen mit seiner großen Liebe erzählt.
„Da ist die Zeit stehengeblieben“ oder „da war ich plötzlich nicht allein“ beschreiben außergewöhnliche Erfahrungen. Solche Formulierungen verwenden dann oft auch jene Menschen ganz selbstverständlich, die sich gerne über den Glauben und alles, was über die gewohnten irdischen Deutungsstrukturen hinausgeht, lustig machen.
In Verbindung mit dem heutigen Evangelium bringen uns solche Sätze aber näher hin zum Wesen unserer großen Osterfreude: Jesus lebt! Der Tod hat keine Macht mehr über ihn und über alle, die an ihn glauben.
Die Entdeckung des Auferstehungsglaubens ist von Phasen des Zweifelns begleitet, hören wir in den verschiedenen Erzählungen von den Jüngern, die dem Auferstandenen begegneten. Zweifel sind aber nicht ein Zeichen der Schwäche, sondern begleiten unsere Erkenntnisprozesse. Sie führen uns weiter zu tieferen Einsichten der Zusammenhänge. Sie sind "Nahrung der Erkenntnis".
Der Zweifel hat Hochkonjunktur. Überall auf der Welt erheben sich nach Monaten der Geduld Menschen und melden ihre Bedenken an hinsichtlich der Art und Weise, wie mit der herrschenden Pandemie und den Folgen umgegangen wird. Auch in der Kirche gibt es Menschen mit solchen Haltungen - die Schweiz kennt sogar einen Bischof, der sich öffentlich als Corona- und Impfskeptiker zu erkennen gibt. Inzwischen ist hinlänglich - wenn auch nicht vollständig - bekannt, wie das Virus wirkt und was man dagegen tun kann. Auch die Aussicht auf die Wirkung der Impfung verheißt ja mal zuerst viel Gutes, so dass eine derart öffentlich zur Schau getragene Skepsis andere weniger zum Nachdenken anregt sondern vielmehr fassungsloses Kopfschütteln auslöst. Skepsis, die im Zusammenhang mit der Pandemie, mit ihren Folgen und ihrer Bekämpfung zu tun hat, beruht nur zu oft weniger auf kritischer Reflexion und berechtigten Sorgen als auf - durchaus verständliche - Angst und Hilflosigkeit. Und leider oft auch auf populistischen Ambitionen.
Aber dennoch ist der Zweifel, die Skepsis, ja gar keine schlechte Haltung, wenn sie von ehrlichem Forschen und Suchen nach Erkenntnis begleitet ist. Unsere Wissenschaften sind ohne den Zweifel nicht denkbar. Der Überzeugung, dass etwas doch geht, was andere für unmöglich halten, verdanken wir viele Errungenschaften der Moderne. - Ich war verschiedene Male in der Stadt Dayton im amerikanischen Bundesstaat Ohio, wo zwei Velohändler, die Gebrüder Wright, sich sicher waren, dass der Menschen fliegen kann. Derweil ihre Umgebung sie immer wissen ließ "Ihr spinnt!", haben sie den Antrieb eines Velos solange in Gebilde von teils sehr eigenartiger Gestalt eingebaut, bis sie mit einem solchen Gerät schließlich von der Erde abhoben. Gegen jegliche Vorstellungen der damaligen Zeit konnte der Mensch plötzlich fliegen. Was für uns heute völlig normal ist, war damals ein Ansinnen gegen jegliche Vernunft.
So eine skeptische Haltung prägt auch das heutige Evangelium, wie schon am vergangenen Sonntag. In den Sonntagslesungen des Lesejahres B nimmt der Zweifel in der Verkündigung in der Osterzeit eine herausragende Rolle ein. Der Zweifel prägt nicht nur einen wissenschaftlichen Erkenntnisprozess, sondern viel mehr: Alle sind eigentlich hingegeben in die Freude. Ein Teil dieser Freude besteht darin, dass sie den Mut haben an die Auferstehung zu glauben. Erinnern wir uns an die Ostergeschichten: Der Auferstandene begegnet verschiedensten Menschen und sie spüren, wie der Auferstehungsglaube tatsächlich stimmig ist. Sie freuen sich, nun endlich erkennen zu können, was Jesus die ganze Zeit, in der er mit ihnen zusammen war, eigentlich meinte.
Jetzt aber, wo es konkret wird, wo Jesus in ihre Mitte tritt, anfassbar, wo er gegenwärtig wird für alle, da kippen die Jünger plötzlich um und der Zweifel überkommt sie massiv. Es ist, als ob die Auferstehungsfreude einfach in sich zu einem Nichts zusammensackt. Es ist, als wären es nicht die Tage nach dem Ostermorgen, sondern immer noch der dunkle Karfreitag. - Aber kennen wir das nicht auch? Diesen Freudentaumel, ein schönes Feeling, provoziert durch eingehende Musik und schöne Liturgien der Kirche? Aber wenn uns jemand fragt: Was ist es denn eigentlich, was du glaubst?, kommen wir gewaltig ins Schwimmen.
Das macht aber nichts. Das gehört in Gottes Konzept von Auferstehung. Im heutigen Evangelium hörten wir, wie Jesus in unendlicher Geduld den Zweifel und das beklemmende Gefühl der Jüngerschar sehr ernst nimmt. Als er in die Mitte der Freunde tritt, nimmt er es wahr, er nimmt den Zweifel auf und begegnet ihm. Wir hörten: "Darauf öffnete er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften." Der Jüngerkreis, auf den Jesus im heutigen Evangelium trifft, ist nicht die einzige Schar, bei der Jesus so vorgeht. Erinnern wir uns an die zwei Männer auf dem Weg nach Emmaus, die ebenso völlig gefangen waren in ihren Zweifeln und in ihrer Trauer. In der Emmaus-Perikope heißt es: "Jesus legt ihnen dar, ausgehend von Mose und den Propheten, was über ihn in den Schriften geschrieben steht."
Der Zweifel, das Nicht-Verstehen ist ein bedeutsamer Teil des Auferstehungsglaubens, von Anfang an. Die Begebenheiten, von denen wir in diesen Tagen hören, in denen Jesus den Menschen klarmacht, machen uns deutlich, wie wichtig dieses Aufschlüsseln der Glaubensgeheimnisse ist. Zuerst muss das Herz in Begeisterung versetzt werden - ganz ohne Zweifel: "Brannte uns nicht das Herz in der Brust?", sagen die zwei Emmaus-Jünger zueinander. Aber dann braucht es auch das Hineintauchen in die Bedeutung des Geheimnisses. Die beiden Lesungen aus dem Neuen Testament, die wir vor dem Evangelium gehört haben, sind solche Katechesen. Sie schlüsseln für die Zuhörerschaft das Geheimnis der Auferstehung auf und helfen auf dem Weg von der Begeisterung im Herzen zum Verständnis im Kopf. Es braucht beides.
Wenn das Herz in der Brust nicht brennt, bleibt der Glaube eine akademische Übung, eine intellektuelle Reflexion und ist damit ziemlich tot. Wenn nur das Herz brennt und die Reflexion ausbleibt, droht der Glaube zum Strohfeuer zu werden, das rasch auflodert und bald wieder erlischt. In den Kirchen finden wird immer mehr Gruppierungen, die oftmals eher wie solche kurze Stichflammen und weniger wie lodernde Feuer des Glaubens daherkommen.
Die Reflexion dessen, was der Glaube uns ins Herz gepflanzt hat, bleibt eine lebenslange Übung. Es ist gut, dass wir bei den Kindern in der Katechese damit anfangen, aber auch jeder Erwachsene, der dem Religionsunterricht entwachsen ist, sollte da dranbleiben. Denn unser Glaube entwickelt sich in uns weiter - wie unser ganzes Leben. Und dieses Wachstum braucht Nahrung. "Darauf öffnete er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften", heißt es im Evangelium. Das war nicht nur gut für den Kreis der zweifelnden Jünger. Das ist auch gut für uns.
Durch alle Evangelien zieht sich, dass die Jünger erst um den Glauben an die Auferstehung ringen müssen. Sie halten die Auferstehung zunächst für Weibergeschwätz. Ostern kann heute sichtbar werden, wenn wir die Frohe Botschaft aufgreifen und eine neue Wirklichkeit daraus machen. Wie Martin Luther King.
Wenn wir das Glaubensbekenntnis sprechen, erinnern wir uns damit an die Eckpunkte unseres Glaubens. Einer von ihnen ist der Glaube an die leibhafte Auferstehung der Toten. Wie das einmal konkret aussehen wird, übersteigt unser Vorstellungsvermögen. An die Auferstehung Jesu und an die Auferstehung der Toten zu glauben, fordert uns heraus. In den Tagen zwischen Ostern und Pfingsten machen wir uns bewusst, wie der Glaube an die Auferstehung unser Leben in einem neuen Licht erscheinen lässt.
Am Beginn dieser Feier treten wir vor Gott hin und preisen seine Größe und seine Liebe zu uns, seinen Geschöpfen.
Die Halleluja-Rufe und die Auferstehungsfreude der Ostertage haben wir noch in den Ohren. Mitten drin treffen wir aber auch auf Menschen, die sagen: Kann denn das wahr sein? - Eine Haltung, die uns völlig fremd ist?
Guter Gott und Vater,
durch die Auferweckung Jesu
hast du ihn, deinen Knecht, verherrlicht
und uns neues Leben geschenkt.
Herr, erbarme dich.
Jesus Christus, unser Herr und Bruder,
du bist in die Abgründe menschlichen Lebens hinabgestiegen,
doch dein Vater hat dich zu neuem Leben erweckt
und über alle erhöht.
Christus, erbarme dich.
Heiliger Geist, du unser Tröster, Lehrer und Begleiter,
du lässt uns erkennen, wie sehr Gott uns liebt.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
die Jünger zweifelten an deiner Auferstehung.
Herr, erbarme dich.
Du hast Dich ihnen offenbart und ihnen die Augen geöffnet.
Christus, erbarme dich.
Auch unsere Zweifel möchtest du zerstreuen.
Herr, erbarme dich.
Jesus Christus, Sohn Gottes,
du rufst uns auf, dir zu vertrauen, auf dich zu setzen.
Herr, erbarme dich.
Jesus Christus, auferstanden von den Toten,
du zeigst uns den Weg zu unvergänglichem Heil.
Christus, erbarme dich.
Jesus Christus, Bruder der Menschen,
in der Kraft des Geistes bist du immer unter uns.
Herr, erbarme dich.
Der barmherzige Gott schenke uns Heil,
Heil und Heiligung,
er befreie uns von Schuld und Sünde
und nehme uns einst auf in sein Reich.
Allmächtiger Gott,
lass die österliche Freude in uns fortdauern,
denn du hast deiner Kirche
neue Lebenskraft geschenkt
und die Würde unserer Gotteskindschaft
im neuen Glanz erstrahlen lassen.
Gib, dass wir den Tag der Auferstehung
voll Zuversicht erwarten
als einen Tag des Jubels und des Dankes.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 3. Sonntag der Osterzeit
Allmächtiger, ewiger Gott,
deinem Willen gehorsam,
hat unser Erlöser Fleisch angenommen,
er hat sich selbst erniedrigt
und sich unter die Schmach des Kreuz es gebeugt.
Hilf uns,
daß wir ihm auf dem Weg des Leidens nachfolgen
und an seiner Auferstehung Anteil erlangen.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
MB Palmsonntag
Gott des Lebens.
Durch die Auferstehung deines Sohnes wissen wir :
Der Tod ist überwunden,
der Weg zu dir steht offen,
unser Leben ist unvergänglich.
Hilf uns,
in dieser Gewißheit unser Leben anzunehmen
und daraus zu machen, was du von uns erwartest.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 9
Allmächtiger Gott
in der Auferstehung deines Sohnes
lässt du uns erkennen, was noch niemand erkannt hat,
machst du Unfassbares nahbar:
Leben in dir ist stärker als der Tod.
Lass uns an diesem Glauben festhalten
und schenke uns schon in diesem Leben
immer wieder die Erfahrung, dass du da bist.
So bitten durch deinen Sohn Jesus Christus, den Auferstandenen. – Amen.
Herr, Jesus Christus,
in diesen österlichen Tagen schauen wir auf deine Auferstehung,
aber auch auf die Verzweiflung,
die Zweifel und Ungläubigkeit deiner Jüngerinnen und Jünger.
Auch wir hätten es gerne,
wenn wir dich ganz leibhaftig erfahren dürften,
damit unsere Verzagtheit, unsere Zweifel und Anfragen eine Optik bekäme.
Hilf uns,
wenn wir uns in Ängsten, Zweifeln und Fragen nur noch im Kreis drehen,
aus unserer Enge und schenke uns einen neuen Blick auf dich. - Amen.
Herr, Jesus Christus,
du hast Hass, Verfolgung, Folter und Tod erlitten
und bist nach drei Tagen zu neuem Leben auferstanden.
Wir legen dir die Not der Menschheit ans Herz und bitten dich:
Wir bitten dich für die Menschen in den Kriegsgebieten, die täglich dem Hass und der Vernichtung ausgesetzt sind.
Lass sie den Glauben an das Gute und an die Liebe Gottes nicht verlieren.
Wir bitten dich für alle Menschen, deren Lebenspläne durch eine Krankheit oder einen Schicksalsschlag durchkreuzt worden sind.
Hilf ihnen, sich neu zu orientieren, und lass sie nicht verzweifeln.
Wir beten für alle Menschen, deren Leben durch den Klimawandel bedroht ist.
Lass sie Solidarität erfahren und bewege die Verantwortlichen zur Umkehr.
Wir beten für alle, die in diesem Jahr zur Neuwahl der Politiker und Verantwortungsträger aufgerufen sind.
Mache ihnen ihre Mitverantwortung bewusst und lass sie eine gute Wahl zum Wohl aller treffen.
Wir beten für alle, deren Leben zu Ende gegangen ist, und für alle, die von ihrem Tod mitbetroffen sind.
Tröste sie in ihrem Schmerz und stärke ihre Hoffnung.
Du, Herr, kannst die Not der Menschen wenden und neues Leben schenken.
Dir vertrauen wir uns an. - Amen.
Christus, den Urheber allen Lebens, lasst uns bitten:
Für die Kirche
um die Kraft, immer wieder neu nach deinem Willen zu suchen und ihre Freude über deine Auferstehung mit vielen zu teilen.
Für die Entscheidungsträger in Europa
um den Mut, trotz oft widriger Rahmenbedingungen nach christlichen Werten zu handeln.
Für alle Menschen, deren Leben durch Ängste, Zweifeln, Krankheit und Leid schwer zu ertragen ist,
um Mitmenschen, die ihnen Halt und Trost schenken können.
Für uns selbst
um das Vertrauen auf deinen Beistand, vor allem wenn unsere Erkenntnis von unserem Handeln weit abweicht.
Für unsere Verstorbenen
um die Fülle des Lebens in deiner Gegenwart.
Denn du, Jesus, bleibst uns Menschen auch nach deiner Auferstehung als Herr und Bruder eng verbunden.
Dafür danken wir dir und loben dich jetzt und allezeit. - Amen.
Herr Jesus Christus,
nach Deiner Auferstehung hast Du Dich den Jüngern gezeigt, um ihre Zweifel in Erkenntnis zu wandeln.
Wir bitten Dich:
Für alle Katechetinnen und Katecheten, Priester, Religionslehrerinnen und Religionslehrer und alle Menschen, die Deine Botschaft verbreiten.
Lass sie ihre Zweifel und die ihrer Zuhörer ernst nehmen und sich immer wieder neu auf die Suche nach dir machen.
Für die Theologinnen und Theologen, die mit den Mitteln der Wissenschaft nach neuen Erkenntnissen suchen.
Lass sie ihre Zweifel ernst nehmen und sich immer wieder neu auf die Suche nach dir machen.
Für alle Menschen, die ihr Leben darauf verwenden, dich aus dieser Welt zu vertreiben.
Lass sie dies nicht hasserfüllt tun, sondern ihre Zweifel ernst nehmen und sich immer wieder neu auf die Suche nach dir machen.
Für alle Menschen, die versuchen treu im Glauben zu leben.
Lass sie ihre Zweifel ernst nehmen und sich immer wieder neu auf die Suche nach dir machen.
Für alle Menschen, die gerne glauben möchten, deren Zweifel aber in den Wirren ihres Lebens und der lauten Welt überhand nehmen.
Lass sie ihre Zweifel ernst nehmen und sich immer wieder neu auf die Suche nach dir machen.
Für alle, die von der Kirche und ihren Priestern und Bischöfen enttäuscht sind, die verletzt wurden, deren Leben durch kirchlichen Machtmissbrauch zerstört wurde, und die austreten, weil sie dich in der Kirche nicht mehr finden können:
Lass sie ihre Zweifel ernst nehmen und sich immer wieder neu auf die Suche nach dir machen.
Für unsere Verstorbenen.
Lass sie bei dir in Frieden leben.
Herr Jesus Christus,
du entfaltest in uns dein österliches Licht und schenkst uns Erkenntnisse, die den Glauben stärken. Dafür danken wir dir. - Amen.
Guter Gott,
in der Auferstehung deines Sohnes schenkst du der Welt Heil und Heilung.
So bitten wir dich:
Für alle Theologinnen und Theologen, Religionspädagoginnen und Religionspädagogen und für alle, die wissenschaftlich nach dir suchen und fragen:
Schenke ihnen Einsicht und Erkenntnis, die sie weitersagen können.
Für alle Atheisten und Agnostiker, die sich große Mühe geben, dein Wirken in dieser Welt zu leugnen:
Schenke ihnen die Gnade, ruhig und entspannt deine Gegenwart in ihrem Leben zu erfahren.
Für alle, die sich im Gebet an dich wenden und auf deine Hilfe hoffen:
Lass sie in ihrem Vertrauen zu dir wachsen und steh ihnen bei, dass ihr Gebet nicht vergebens ist.
Für alle, die vor allem jetzt in dieser Zeit der Krise nichts und niemandem trauen und drohen, in Verzweiflung abzugleiten:
Entzünde in ihrem Leben das österliche Licht der Auferstehung deines Sohnes.
Für alle, die ihren irdischen Lebensweg vollendet haben:
Vergilt ihnen das Gute, das sie bewirkt haben,
schenke ihnen einen Platz in den Erinnerungen ihrer Lieben und führe sie heim in dein Reich.
Du hörst unsere Bitten und du weißt, was wir noch alles still im Herzen tragen.
Nimm all dies an durch Christus unseren Herrn. – Amen.
Im Glauben und Vertrauen auf Christus, der für jeden Einzelnen von uns gelitten hat und uns nach seiner Auferstehung seinen Beistand zugesprochen hat,
lasst uns unsere Bitten aussprechen:
Dich Christus, unseren Beistand beim Vater, bitten wir für deine Kirche, dass sie sich deiner Liebe öffnet und für deine Wege mit ihr immer wieder neu bereit ist.
Dich Christus, unseren Beistand beim Vater, bitten wir für unsere Gesellschaft, in der durch Konflikte, Verletzungen und Enttäuschungen Gräben entstanden sind, die gemeinsame Anstrengungen zur Bewältigung der Krise erschweren.
Dich Christus, unseren Beistand beim Vater, bitten wir für alle, die versuchen in deiner Nachfolge Leid und Schmerz anzunehmen und zu bejahen.
Dich Christus, unseren Beistand beim Vater, bitten wir: erschließe auch uns das Wort der Schrift und bestärke uns in der Sehnsucht nach dem wahren Leben, das du uns verheißen hast.
Dich Christus, unseren Beistand beim Vater, bitten wir für alle Verstorbenen, für die wir im Glauben an das Ostergeheimnis das ewige Leben in deiner Nähe erhoffen.
Dir Jesus, dem Urheber des Lebens, vertrauen wir diese Bitten an.
Dich loben und preisen wir jetzt und allezeit. - Amen.
Allmächtiger Gott,
nimm die Gaben an,
die deine Kirche dir in österlicher Freude darbringt.
Du hast ihr Grund gegeben zu solchem Jubel,
erhalte ihr die Freude bis zur Vollendung.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Sonntag der Osterzeit
Erhöre uns, allmächtiger Gott.
Du hast uns durch dein Wort
zum Zeugnis eines christlichen Lebens berufen.
Reinige uns durch dieses Opfer
und stärke uns zum Kampf gegen das Böse.
Darum bitten wir im Heiligen Geist
durch Christus unseren Herrn.
MB 5. Fastensonntag
Herr, du trägst Sorge für uns,
du hast uns Brot und Wein geschenkt
als Nahrung für unser vergängliches Leben.
Wir bringen diese Gaben zum Altar;
reiche sie uns neu als Sakrament der Unsterblichkeit.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Dienstag der Fastenzeit
Die Bittmesse
Guter Gott
hier am Altar vollziehen wir,
was dein Sohn seinen Freunden und auch uns aufgetragen hat:
Wir feiern seinen Tod und seine Auferstehung
und preisen dein Heilshandeln an uns Menschen.
Mach diese Gaben erhaben über unsere Zweifel, Ängste und Sorgen,
weil dein Sohn in ihnen unter uns gegenwärtig wird.
Dafür danken wir dir durch ihn,
Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. - Amen.
Brot und Wein, Herr,
sind einfache Gaben.
Sie wiegen nichts.
Du legst dein Wort auf sie,
legst dein Leben in sie,
und der Himmel tut sich uns auf.
Du verwandelst alles,
was wir dir in die Hand geben,
das Schwere machst du leicht,
Sünde vergibst du,
du machst alles neu.
In Brot und Wein
schmecken wir dich,
deine Liebe. Dein Leben.
Christus, unser Herr.
Wir danken dir! – Amen.
Kehrvers:
Singet dem Herrn alle Länder der Erde,
singt dem Herrn und preist seinen Namen. (GL 54,1)
Gott und Vater,
wir kommen zu dir, um dir zu danken und dich zu preisen.
Immer neu offenbarst du dich den Menschen
und zeigst du uns, wie sehr du uns liebst.
Kehrvers
Jesus von Nazareth hat deine Liebe
durch machtvolle Taten, Wunder und Zeichen bezeugt.
Seinen Jüngern hat er vorausgesagt,
dass der Messias leiden müsse
und am dritten Tag von den Toten auferstehen werde.
Kehrvers
Nach seiner Auferstehung hat er sich seinen Jüngern gezeigt
und hat mit ihnen gegessen.
Er öffnete ihre Augen für das Verständnis der Schrift
und sandte sie aus,
allen Völkern die Vergebung der Sünden zu verkündigen.
So hast du auch uns die Augen für deine Größe geöffnet.
Kehrvers
Wir danken dir dafür,
dass du auf geheimnisvolle Weise immer wieder in unser Leben trittst,
uns aufrichtest und uns mit deinem Wort und den Sakramenten nährst.
Mit allen Engeln und Heiligen
stimmen wir ein in den Lobgesang der ganzen Schöpfung
und singen:
Danklied, z. B.: Gelobt sei Gott im höchsten Thron… (GL 328)
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn erstehen die Kinder des Lichtes
zum ewigen Leben,
durch ihn wird den Gläubigen
das Tor des himmlischen Reiches geöffnet.
Denn unser Tod ist durch seinen Tod überwunden,
in seiner Auferstehung ist das Leben für alle erstanden.
Durch ihn preisen wir dich (in österlicher Freude)
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Osterzeit 2
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn durch seine Geburt
hat er den Menschen erneuert,
durch sein Leiden unsere Sünden getilgt,
in seiner Auferstehung den Weg zum Leben
erschlossen und in seiner Auffahrt zu dir
das Tor des Himmels geöffnet.
Durch ihn rühmen dich deine Erlösten und
singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 4
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem,
was du an uns getan hast:
Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit
zu Hilfe gekommen und
hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn
Rettung und Heil gebracht
aus unserer menschlichen Sterblichkeit.
So kam uns aus unserer Vergänglichkeit
das unvergängliche Leben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den
Chören der Engel das Lob
deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 3
Er trat in ihre Mitte
und sie erkannten ihn nicht.
Begegnung mit dem Auferstandenen -
wie kann das sein?
Keine Pauken und Trompeten '
sondern ganz normale menschliche Nähe
nicht gleich erkennbar
eigentlich unfassbar
wie bei Maria von Magdala
wie bei den Jüngern von Emmaus
angewiesen auf Erklärung und Hinweis
Gott hinterlässt Spuren
an denen wir ihn erkennen können
wenn wir sensibel sind
für seine Zeichen
und wenn wir offen sind
für Begegnung
oft merken wir sehr spät
dass Gott am Werk war
und doch
sollen wir
seine Zeugen sein
Ewiger Gott,
du hast uns durch die Ostergeheimnisse erneuert.
Wende dich uns voll Güte zu
und bleibe bei uns mit deiner Huld,
bis wir mit verklärtem Leib
zum unvergänglichen Leben auferstehen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Sonntag der Osterzeit
Allmächtiger Gott,
du hast uns durch die Auferstehung Christi
neu geschaffen für das ewige Leben.
Erfülle uns mit der Kraft dieser heilbringenden Speise,
damit das österliche Geheimnis in uns reiche Frucht bringt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 6. Sonntag der Osterzeit
Guter Gott
wir haben dein Wort vom Heil gehört,
das alle Zweifel zerstreuen will.
Und wir haben das Mahl gefeiert,
das deinen Sohn im Hier und Heute gegenwärtig werden lässt.
Dafür danken wir dir und preisen wir dich
von heute bis in alle Ewigkeit. – Amen.
Vater im Himmel,
dein Sohn hat die Anzweiflungen und die Ungläubigkeit seiner Jünger hingenommen
und sich ihnen noch einmal ganz neu offenbart.
Er hat sie aufgefordert,
seine Auferstehung und die Umkehr zum Glauben zu verkünden.
Mit allem, was diese jungen Gläubigen ausmachte, sind sie in die Welt gezogen
und haben seine heilbringende Botschaft verkündigt.
Getragen durch sein Beispiel, der dir treu blieb bis in den Tod.
Mache auch uns mutig,
Botinnen und Boten deiner verzeihenden Liebe zu sein.
Das erbitten wir durch ihn, Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Treuer, barmherziger Gott,
dass wir auf unserem Weg einhalten konnten,
dein Wort hören
und deine Verheißung mitnehmen,
ist ein Geschenk.
Hilf uns, wenn wir wieder in unseren Alltag zurückkehren,
ein offenes Herz,
ein gutes Wort,
eine leuchtende Sonne
zu sein.
Boten deiner Liebe,
Zeugen deiner Auferstehung.
Dann begleiten wir andere Menschen auf ihrem Weg zu dir.
Durch Jesus Christus.
Nawalnys Rückkehr nach Russland war nicht sinnlos. Offener Ungehorsam kratzt an der Fassade totaler Kontrolle einer Diktatur.
Als der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny am 17. Januar 2021 in Berlin, wo er nach seiner Vergiftung mit dem Nervengift Nowitschok behandelt worden war, einen Flug nach Moskau antrat, erklärte er öffentlich, er sei froh, nach Hause zu fahren. Doch er wusste natürlich um die Risiken: eine lange Gefängnisstrafe, Folter und sogar seinen Tod.
Nawalny, der am 16. Februar in einer arktischen Strafkolonie zu Tode gekommen ist, sah sich mit einem Dilemma konfrontiert, vor dem so gut wie alle politischen Dissidenten stehen: im Exil zu leben und in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, oder sich einem repressiven Regime entgegenzustellen und zu riskieren, als Märtyrer zu enden. So oder so sind die Chancen, die von ihnen abgelehnten Regierungen zu stürzen, praktisch null.
Ganzer Beitrag:
https://www.diepresse.com/18245982/
Ian Buruma in der Die Presse am 5. März 2024.
Die Witwe des verstorbenen Kremlkritikers Nawalny hat Russlands Machthaber Putin erneut schwere Vorwürfe gemacht. In einer Rede von dem EU-Parlament rief sie dazu auf, weiter gegen das "Monster" vorzugehen.
Julia Nawalnaja tritt in einem schwarzen Kleid mit großem weißen Kragen vor das Plenum. Sie kämpft mehrmals während ihrer kurzen Rede mit den Tränen: als sie daran erinnert, wie sie mit ihrem Mann und den zwei Kindern Straßburg besuchte, als sie seinen Mut und Erfindungsreichtum würdigt im Kampf gegen das russische Regime. Sie betont: "Seine öffentliche Ermordung hat allen noch einmal gezeigt, dass Putin zu allem fähig ist und dass man mit ihm nicht verhandeln kann."
Alexej Nawalny starb am 16. Februar in einem Straflager. Am Freitag soll er beigesetzt werden. Seine Witwe äußert sich besorgt, dass es bei den Trauerfeierlichkeiten in Moskau zu Festnahmen kommen könnte. Nawalny sei in seiner kleinen Zelle gequält und von der Außenwelt abgeschnitten worden, sagt seine Frau: keine Telefonanrufe, keine Briefe.
Dafür macht sie den Kreml-Chef direkt verantwortlich: "Sie haben es nicht mit einem Politiker zu tun, sondern mit einem blutrünstigen Monster. Putin ist der Anführer einer organisierten kriminellen Bande."
Ganzer Beitrag:
https://www.tagesschau.de/ausland/europa/nawalnaja-rede-eu-parlament-100.html
Von Jakob Mayr, ARD Brüssel, auf tagesschau.de am 28.02.2024.
Elvis Presley wäre am Mittwoch 85 Jahre alt geworden. Um sein Leben sowie seinen Tod halten sich auch 2020 noch hartnäckige Gerüchte.
Am heutigen 8. Januar 2020 würde Rock'n'Roll-Gott Elvis Presley (1935-1977) seinen 85. Geburtstag feiern. Er verstarb im Lebensalter von nur 42 Jahren an einem plötzlichen Herztod. Die Geldmaschine Presley ist allerdings nach wie vor höchst lebendig. Bis zu seinem Tod hat der Musiker schätzungsweise weltweit zwischen 400 und 500 Millionen Tonträger verkauft. Im ersten Jahr nach seinem Ableben waren es geschätzte 200 Millionen. Und bis heute sollen es weit über eine Milliarde sein, was seine Erben, darunter seine Tochter Lisa Marie Presley (51), zu wohlhabenden Leuten gemacht hat.
Doch nicht nur das Geld hat den verblichenen King of Rock'n'Roll am Leben gehalten. Der amerikanische Kommunikationswissenschaftler Prof. Gilbert B. Rodman schrieb 1996: "Für einen toten Mann ist Elvis Presley sehr laut. Sein Körper mag ihn zwar 1977 im Stich gelassen haben, aber sein Geist, sein Image und seine Mythen leben nicht nur einfach weiter: sie gedeihen, sie blühen und sie vermehren sich." So wurde Presley zum begehrten Objekt für Verschwörungstheoretiker und ihrer absurden Geschichten.
Es begann mit wilden Spekulationen um seinen plötzlichen Tod, offenbar konnten und wollten sich Freunde und Millionen von Fans nicht damit abfinden, dass ihr Idol einfach so tot von der Kloschüssel gefallen war. Er habe Knochenkrebs im fortgeschrittenen Stadium gehabt, hieß es. Bekannte munkelten von Diabetes und einem schweren Leberleiden.
Zweifel, wieder Zweifel an der Auferstehung! Ich war am Vorabend des weißen Sonntages in einem Gottesdienst, da wurde behauptet, der Zweifel sei der Tod des Glaubens. Ich sehe das anders: für mich ist der Zweifel der Anfang der Suche. Ich denke nicht, dass das Christentum darin besteht, Glaubenssätze auswendig zu lernen und für immer daran zu glauben. Ich glaube, wir sollen uns auf die Suche nach Gott begeben. Und das geht erst dann, wenn wir uns von auswendiggelerntem Wissen lösen.
Es gibt viele Quellen, aus denen sich unser „Glaubenswissen“ nährt: Da sind zunächst einmal die Worte der Bibel, die Evangelien, die Briefe der Apostel. Gottes Wort im Menschenwort… Die Evangelien berichten über das Leben Jesu. Sie sind nicht in allem deckungsgleich. Lange nach Jesu Tod sind sie aufgeschrieben worden. In welchem Sinn sind sie wahr? Was bedeutet dieses „wahr sein“? Welche Rolle spielt die Zeit und die Gesellschaft, in der sie aufgeschrieben worden sind?
Spielt es eine Rolle, das z.B. Frauen damals nicht zeugnissfähig waren – dass sie möglicherweise gar nicht wie die Apostel hätten agieren können? Lassen sich daraus wirklich die Schlüsse ziehen, die bis heute aus ihnen gezogen werden: Nur Männer waren als Apostel ausersehen, gilt das für Priester bis heute?
Die Gleichnisse waren an die Menschen der damaligen Zeit gerichtet. Wie können wir heute sicher sein, wie sie gemeint sind.
Lehrsätze wurden nach langen Diskussionen festgelegt und werden bis heute tradiert. Muss man das einfach glauben? Worauf fußen sie, wie können sie in heutiges Wissen eingeordnet werden? Darf ich da an der einen oder anderen Stelle Zweifel haben und sie hinterfragen?
Wer Zweifel ablehnt, der lehnt mündiges Glauben ab. Aber nur wer mündig glaubt, kann meiner Meinung nach Jesus nachfolgen. Denn nur, wenn ich aus mir heraus glauben kann, dann kann ich danach leben. Dazu muss ich aus Gewohnheiten ausbrechen, aus einem Glauben, der angelernt ist, an den ich mich gewöhne, der aber vielleicht gar nicht mehr so lebendig ist, wie er sein könnte.
Und so bin ich immer wieder auf der Suche nach Gott. Ich glaube an Gott, ich glaube an Jesus Christus, ich hoffe auf ein Leben nach dem Tod. Aber dieser Glaube muss für mich stimmig werden. Meine Zweifel helfen, die Suche nach der Wahrheit fortzusetzen.
Die Jünger durften zweifeln. Auch wir dürfen das. Ich wünsche uns den Mut zum Zweifel. Er hilft weiterzudenken und Gott näher zu kommen.
Aus: Axel Kühner, Überlebens-Geschichten für jeden Tag, Neukirchener Aussaat-Verlag, 2023.
angefangen in Jerusalem
vor mehr als 2000 Jahren
angefangen
von verunsicherten
von ungläubigen
Jüngerinnen und Jüngern
neu
angefangen
hinter verschlossenen Türen
neu
angefangen
durch die
die es selbst in der Freude nicht glauben konnten
durch die
die sich neu wundern mussten
die ihre Sinne neu öffnen lassen mussten
die ein neues Verständnis
geschenkt bekommen mussten
ja
durch sie
ist es in die Welt getragen worden
sie trugen
den Aufstand
des AUFERSTANDENEN
weiter
und
weiter
ja sie
in allen Generationen
sie die
zweifeln
anfragen
unsicher sein durften
die
denen immer wieder neu
das Wunder
der Auferstehung
nahegebracht
werden musste
in allen Generationen
in unserer Generation?
durch
mich?
durch
dich?
mit allem
was mich ausmacht?
mit allem
was dich ausmacht?
zweifel nur -
hinterfrage nur
nur so kannst du finden
den
der aufgestanden ist
auferstanden
zum Leben.
Beatrix Senft, unveröffentlicht.
Ich weiß wohl, dass manche unter euch hierher gekommen sind aus großer Bedrängnis und Trübsal. Einige von euch sind direkt aus engen Gefängniszellen gekommen. Einige von euch sind aus Gegenden gekommen, in denen ihr aufgrund eures Verlangens nach Freiheit mitgenommen und erschüttert wurdet von den Stürmen der Verfolgung und polizeilicher Brutalität. Ihr seid die Veteranen schöpferischen Leidens. Macht weiter und vertraut darauf, dass unverdientes Leiden erlösende Qualität hat.
Geht zurück nach Mississippi, geht zurück nach Georgia, geht zurück nach Louisiana, geht zurück in die Slums und Ghettos der Großstädte im Norden in dem Wissen, dass die jetzige Situation geändert werden kann und wird. Lasst uns nicht Gefallen finden am Tal der Verzweiflung.
Heute sage ich euch, meine Freunde, trotz der Schwierigkeiten von heute und morgen habe ich einen Traum. Es ist ein Traum, der tief verwurzelt ist im amerikanischen Traum. Ich habe einen Traum, dass eines Tages diese Nation sich erheben wird und der wahren Bedeutung ihres Credos gemäß leben wird: "Wir halten diese Wahrheit für selbstverständlich: dass alle Menschen gleich erschaffen sind."
Ich habe einen Traum, dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter miteinander am Tisch der Brüderlichkeit sitzen können.
Ich habe einen Traum, dass sich eines Tages selbst der Staat Mississippi, ein Staat, der in der Hitze der Ungerechtigkeit und Unterdrückung verschmachtet, in eine Oase der Gerechtigkeit verwandelt.
Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird. Ich habe einen Traum heute...
Ich habe einen Traum, dass eines Tages in Alabama mit seinen bösartigen Rassisten, mit seinem Gouverneur, von dessen Lippen Worte wie "Intervention" und "Annullierung der Rassenintegration" triefen ..., dass eines Tages genau dort in Alabama kleine schwarze Jungen und Mädchen die Hände schütteln mit kleinen weißen Jungen und Mädchen als Brüder und Schwestern. Ich habe einen Traum, dass eines Tages jedes Tal erhöht und jeder Hügel und Berg erniedrigt wird. Die rauhen Orte werden geglättet und die unebenen Orte begradigt werden. Und die Herrlichkeit des Herrn wird offenbar werden, und alles Fleisch wird es sehen.
Das ist unsere Hoffnung. Mit diesem Glauben kehre ich in den Süden zurück.
Mit diesem Glauben werde ich fähig sein, aus dem Berg der Verzweiflung einen Stein der Hoffnung zu hauen. Mit diesem Glauben werden wir fähig sein, die schrillen Missklänge in unserer Nation in eine wunderbare Symphonie der Brüderlichkeit zu verwandeln.
Mit diesem Glauben werden wir fähig sein, zusammen zu arbeiten, zusammen zu beten, zusammen zu kämpfen, zusammen ins Gefängnis zu gehen, zusammen für die Freiheit aufzustehen, in dem Wissen, dass wir eines Tages frei sein werden. Das wird der Tag sein, an dem alle Kinder Gottes diesem Lied eine neue Bedeutung geben können: "Mein Land von dir, du Land der Freiheit singe ich. Land, wo meine Väter starben, Stolz der Pilger, von allen Bergen lasst die Freiheit erschallen." Soll Amerika eine große Nation werden, dann muss dies wahr werden.
Dr. Martin Luther King Jr. Rede zum Marsch auf Washington am 28. August 1963 vor 250.000 Menschen am Lincoln Memorial.
http://www.dadalos.org/deutsch/Vorbilder/vorbilder/mlk/traum.htm
Bei allem Bezug auf Gott, dem Quell aller Güte, haben Vergebung und Versöhnung im einschränkungslosen Sinn eine zutiefst menschliche und humane Seite. Wir können sie in unsere Welt hinein übersetzen mit der Bereitschaft, andere – ohne Ansehen ihres Versagens – so anzunehmen, wie sie sind und ihnen dieselbe tiefe Freiheit zu gewähren, die wir für uns selbst ersehnen. Das heißt aber auch, dass eine solche Vergebung und eine solche Freiheit nicht das Vorrecht von uns Christen ist. ..
Aber es ist eine Tiefenstruktur, die wir auch im Judentum und im Islam ausgesprochen finden. Es ist zudem eine Tiefenstruktur, die überhaupt eine jede religiöse Grenze sprengt, – so sehr, dass unsere gemeinsame, christlich-menschliche Orientierung nur die Versöhnung der gesamten Menschheit einschließen kann, – in der heutigen Weltsituation mehr denn je. Wenn wir uns also vom Gedanken der Sündenvergebung, der Vergebung von Schuld und der Versöhnung leiten lassen, dann liefern wir für den Weltfrieden einen unverzichtbaren Beitrag.
https://www.hjhaering.de/vergebung-der-suenden-predigt/
Auf, auf, mein Herz, mit Freuden
nimm wahr, was heut geschicht;
wie kommt nach großem Leiden
nun ein so großes Licht!
Mein Heiland war gelegt
da, wo man uns hinträgt,
wenn von uns unser Geist
gen Himmel ist gereist.
Er war ins Grab gesenket,
der Feind trieb groß Geschrei;
eh er's vermeint und denket,
ist Christus wieder frei
und ruft Viktoria,
schwingt fröhlich hier und da
sein Fähnlein als ein Held,
der Feld und Mut behält.
Das ist mir anzuschauen
ein rechtes Freudenspiel;
nun soll mir nicht mehr grauen
vor allem, was mir will
entnehmen meinen Mut
zusamt dem edlen Gut,
so mir durch Jesus Christ
aus Lieb erworben ist.
Ich hang und bleib auch hangen
an Christus als ein Glied;
wo mein Haupt durch ist gangen,
da nimmt er mich auch mit.
Er reißet durch den Tod,
durch Welt, durch Sünd, durch Not,
er reißet durch die Höll,
ich bin stets sein Gesell.
Paul Gerhardt (1647) in: EG 112
https://www.youtube.com/watch?v=JPcFyk6CVfw
Jesus sagte: »Lebt ekstatisch. Zieht fort aus der Wohnstatt des Todes und geht auf das Leben zu. Denn ich bin der lebendige Gott. Wo immer ich bin, ist das Leben, ist eine Chance, ist Wachstum, Blüte, Gedeihen und etwas Neues. Ich mache alles neu!«
Das bedeutet für uns im Grunde der Glaube: ein Leben zu wagen, in dem wir fortdauernd die statischen Stätten verlassen und mit Vertrauen in neue Richtungen aufbrechen. Das griechische Wort für »Glaube« heißt »pistis«: Vertrauen; Vertrauen darauf, dass der Erdboden vor uns, den wir noch nie betreten haben, trägt, sicherer Boden ist. Boden Gottes, heiliger Boden.
Geht und fürchtet euch nicht! Meint nicht, dass ihr auf alles Brief und Siegel erhalten müsstet! Lasst es geschehen! Lasst etwas Neues wachsen! Das ist der Weg des Glaubens: mit dem Herrn gehen, immer fort von den vertrauten Stätten. »Verlass deinen Vater, verlass deine Mutter, verlass deinen Bruder, verlass deine Schwester. Folge mir nach! Ich bin der Herr der Liebe.« Und wo Liebe ist, verschwindet die Furcht. »Vollkommene Liebe bezwingt alle Furcht.«
Geht aus euch heraus, und ihr werdet leben. Ihr werdet ewig leben, denn Jesus ist der Herr des Lebens. Das heißt Ekstase. Ihr beginnt dann an ihr teilzuhaben, sooft ihr aus eurer Furcht und eurer Eintönigkeit ausbrecht. Es verlangt keine großen Sprünge, sondern einfache, kleine Schritte.
Wählt ihr das Leben? Oder wählt ihr den Tod - diese Stätte der Furcht, an der ihr hängt, weil sie euch am besten vertraut ist? Ekstatisches Leben, wahre Freude, hängt genau mit dem Betreten unbekannten Bodens zusammen und mit dem Vertrauen darauf, dabei in sicheren Händen zu sein.
Aus: Henri J. M. Nouwen, Dem vertrauen, der mich hält. Das Gebet ins Leben nehmen. Herder Verlag Freiburg Basel Wien 2003.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Die 1. Lesung dieses Sonntags bringt einen Teil einer Petruspredigt, die er unmittelbar nach der Heilung eines Gelähmten im Tempelbezirk an das Volk gerichtet vorträgt. Der für die Liturgie vorgesehene Text schneidet dabei die Heilungserzählung heraus und beschränkt sich auf den Text der Rede (vgl. ungekürzte Fassung).
Die Predigten der Apostelgeschichte enthalten vor allem theologische Reflexionen des Verfassers und sind nicht als historische Reden der Apostel zu verstehen.
Inhaltlich setzt sich dieser Teil der Predigt mit einem den Christen der ersten Generation vertrauten Thema auseinander: Wie konnte es geschehen, daß sich die meisten Juden weder von der Predigt des Jesus von Nazareth noch von der Botschaft der Auferstehung des Jesus Christus überzeugen ließen. Ihnen geht es um den Beweis, daß Tod und Auferstehung Jesu in der Linie der jüdischen Traditon liegt. Der Prediger knüpft an den Hoffnungen der Stammväter Israels an und stellt die Geschehnisse an Jesus als von den Propheten im voraus verkündigt heraus. Die Schuldfrage am Tod Jesu wird akzentuiert den Juden angelastet. In der Annahme der Predigt der Apostel eröffnet sich den Juden aber die Möglichkeit umzukehren und an Jesus als Messias zu glauben.
Der Ausschnitt, der vorgetragen wird, ist einer Predigt des Petrus entnommen, wie sie in der Apostelgeschichte überliefert wird. Es handelt sich um die Fortsetzung der Pfingstpredigt. Pfingsten legt Ostern aus, Pfingsten verteilt die Ostererfahrung, Pfingsten verbindet die Kirche unzertrennlich mit Ostern. Bezeichnenderweise endet das Evangelium vom 3. Sonntag der Osterzeit da, wo die Apostelgeschichte einsetzt - gemeinsamer Verfasser ist der Evangelist Lukas.
Was sieht Petrus? Petrus sieht nach der Heilung des Gelähmten (3,1-11) "alles Volk" zu ihm, Johannes und dem Geheilten "laufen" – und Lukas merkt an: "und sie wunderten sich sehr". Heilungsgeschichten Jesu stehen nicht nur im Hintergrund, sie werden sozusagen verlängert. Aber was Petrus in seiner Predigt sagt, legt Jesu Geschick und Verheißung aus. Schon der erste Satz fasst zusammen, was die "Männer von Israel" (3,12) – in der Heilung - gesehen haben: dass der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, seinen Knecht Jesus verherrlicht hat. Die Heilungsgeschichte wird als Ostergeschichte bezeugt.
Die Predigt schließt mit dem Ruf zur Umkehr. Die Umkehr jedoch erweist sich nunmehr als Anteil an der Auferstehung. Nichts liegt dem Ruf zur Umkehr ferner als alte Geschichten aufzuwärmen oder alte Rechnungen aufzumachen. Gleichwohl bleibt die Erinnerung und das "Gedächtnis" wichtig: Den Urheber des Lebens habt ihr getötet, aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt.
Im Kapitel 4 der Apostelgeschichte kommt es dann zur Konfrontation mit der anderen Seite, mit den Führenden der Synagogengemeinde.