Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus der Apostelgeschichte.
In jenen Tagen
sagte Petrus,
erfüllt vom Heiligen Geist:
Ihr Führer des Volkes und ihr Ältesten!
Wenn wir heute
wegen einer guten Tat an einem kranken Menschen
darüber vernommen werden,
durch wen er geheilt worden ist,
so sollt ihr alle und das ganze Volk Israel wissen:
im Namen Jesu Christi, des Nazoräers,
den ihr gekreuzigt habt
und den Gott von den Toten auferweckt hat.
Durch ihn steht dieser Mann gesund vor euch.
Dieser Jesus ist der Stein,
der von euch Bauleuten verworfen wurde,
der aber zum Eckstein geworden ist.
Und in keinem anderen ist das Heil zu finden.
Denn es ist uns Menschen
kein anderer Name unter dem Himmel gegeben,
durch den wir gerettet werden sollen.
Lesung aus der Apostelgeschichte.
Während Petrus und Johannes zum Volk redeten,
traten die Priester, der Tempelhauptmann und die Sadduzäer zu ihnen.
Sie waren aufgebracht, weil die Apostel das Volk lehrten
und in Jesus die Auferstehung von den Toten verkündeten.
Und sie legten Hand an sie
und hielten sie bis zum nächsten Morgen in Haft.
Es war nämlich schon Abend.
Viele aber von denen, die das Wort gehört hatten, wurden gläubig;
und die Zahl der Männer stieg auf etwa fünftausend.
Es geschah:
Am anderen Morgen versammelten sich ihre Oberen
sowie die Ältesten und die Schriftgelehrten in Jerusalem,
dazu Hannas, der Hohepriester, Kajaphas,
Johannes, Alexander und alle,
die aus dem Geschlecht der Hohepriester stammten.
Sie stellten die beiden in die Mitte
und forschten sie aus:
Mit welcher Kraft oder in wessen Namen habt ihr das getan?
Da sagte Petrus,
erfüllt vom Heiligen Geist zu ihnen:
Ihr Führer des Volkes und ihr Ältesten!
Wenn wir heute
wegen einer guten Tat an einem kranken Menschen
darüber vernommen werden,
durch wen er geheilt worden ist,
so sollt ihr alle und das ganze Volk Israel wissen:
im Namen Jesu Christi, des Nazoräers,
den ihr gekreuzigt habt
und den Gott von den Toten auferweckt hat.
Durch ihn steht dieser Mann gesund vor euch.
Dieser Jesus ist der Stein,
der von euch Bauleuten verworfen wurde,
der aber zum Eckstein geworden ist.
Und in keinem anderen ist das Heil zu finden.
Denn es ist uns Menschen
kein anderer Name unter dem Himmel gegeben,
durch den wir gerettet werden sollen.
Kv Ein Stein, den die Bauleute verwarfen,
er ist zum Eckstein geworden. – Kv
Oder:
Kv Halleluja. – Kv
GL 558,1
Danket dem Herrn, denn er ist gut, *
denn seine Huld währt ewig!
So sollen sagen, die den Herrn fürchten: *
Denn seine Huld währt ewig. – (Kv)
Besser, sich zu bergen beim Herrn, *
als zu vertrauen auf Menschen.
Besser, sich zu bergen beim Herrn, *
als zu vertrauen auf Fürsten. – (Kv)
Ich will dir danken, dass du mir Antwort gabst, *
du bist mir zur Rettung geworden.
Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, *
er ist zum Eckstein geworden. – (Kv)
Vom Herrn her ist dies gewirkt, *
ein Wunder in unseren Augen.
Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn! *
Wir segnen euch vom Haus des Herrn her. – (Kv)
Mein Gott bist du, dir will ich danken. *
Mein Gott bist du, dich will ich erheben.
Danket dem Herrn, denn er ist gut, *
denn seine Huld währt ewig! – Kv
Lesung aus dem ersten Johannesbrief.
Schwestern und Brüder!
Seht, welche Liebe uns der Vater geschenkt hat:
Wir heißen Kinder Gottes
und wir sind es.
Deshalb erkennt die Welt uns nicht,
weil sie ihn nicht erkannt hat.
Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes.
Doch ist noch nicht offenbar geworden,
was wir sein werden.
Wir wissen,
dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird;
denn wir werden ihn sehen, wie er ist.
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Ich bin der gute Hirt.
Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit sprach Jesus:
Ich bin der gute Hirt.
Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.
Der bezahlte Knecht aber,
der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören,
sieht den Wolf kommen,
lässt die Schafe im Stich und flieht;
und der Wolf reißt sie und zerstreut sie.
Er flieht,
weil er nur ein bezahlter Knecht ist
und ihm an den Schafen nichts liegt.
Ich bin der gute Hirt;
ich kenne die Meinen
und die Meinen kennen mich,
wie mich der Vater kennt
und ich den Vater kenne;
und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.
Ich habe noch andere Schafe,
die nicht aus diesem Stall sind;
auch sie muss ich führen
und sie werden auf meine Stimme hören;
dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.
Deshalb liebt mich der Vater,
weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen.
Niemand entreißt es mir,
sondern ich gebe es von mir aus hin.
Ich habe Macht, es hinzugeben,
und ich habe Macht, es wieder zu nehmen.
Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.
Am vierten Sonntag der Osterzeit stellt sich Jesus uns als der Gute Hirte vor. Es genügt nicht, dass wir uns von ihm umsorgen lassen, bzw. über eine gute Versorgung der Kirche Gedanken machen. Dem "Hirtenmangel" der Kirche kann begegnet werden, indem wir alle an der Hirtensorge Jesu teilnehmen.
Jahrzehntelang kämpfen wir nun schon gegen den Priestermangel. Ich will gar nicht aufzählen, was die Diözesen und Orden alles gegen das Ausbleiben von Nachwuchs unternommen haben. Gegenwärtig ringen alle europäischen Diözesen um eine Neuordnung der kirchlichen Strukturen, da die traditionell mit Priestern besetzten Planposten nicht mehr mit Priestern aufgefüllt werden können. Nicht nur die Zahl der Priester und der übrigen kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sinkt, Sorge bereitet vor allem der Rückgang an Kirchenmitgliedern. Kirchenaustritte, immer weniger Taufen, kirchliche Hochzeiten, kirchliche Begräbnisse… Woran liegt das?
Parallel dazu klagt man auch in der Wirtschaft, im Pflege- und Gesundheitssektor oder auch im Bildungsbereich über ausreichend neue Berufseinsteiger. Hier fällt es leichter, Gründe für diese Entwicklung auszumachen. Lange Listen von Mangelberufen werden erstellt, weltweit wird um den Zuzug von qualifizierten Fachkräften geworben. Man gibt nicht nur der demografischen Entwicklung die Schuld. Die junge Generation ist mehr als frühere Generationen wählerisch geworden und um ihre "work-life-balance" besorgt. Auch die Besoldung ist dabei ein Thema. Welche Bedingungen müssen verbessert werden, um dem Mangel abzuhelfen?
Auch im kirchlichen Bereich diskutiert man über notwendige Qualifikationen und Zulassungsbedingungen. Hürden sind für manche Interessenten die geforderten Studienabschlüsse, Auflagen bezüglich der Lebensform wie Ehelosigkeit, Verfügbarkeit an Wochenenden u.a.m. Priester aus anderen Kulturkreisen sind keine Seltenheit mehr. Da und dort behilft man sich mit Abstrichen bei den Zulassungsbedingungen und drückt das eine oder andere Auge zu, wenn nicht alle Voraussetzungen hundertprozentig erfüllt werden. Notgedrungen probiert man neue Organisationsformen, errichtet Pfarrverbände, Seelsorgsräume, Aufgabenverteilungen… Manches von dem, was in den letzten Jahrzehnten mühevoll aufgebaut worden ist, bleibt auf der Strecke.
Bereits Jesus klagte über eine schlechte Versorgung des Volkes Gottes mit guten Hirten. Seine Diagnose und Kritik kreist vor allem um die Qualität der Hirten. Er stellt sich selbst als den guten Hirten vor, dem das Wohl der Herde am Herzen liegt. Im Evangelienabschnitt, den wir heute gelesen haben, werden drei zentrale Qualifikationen eines guten Hirten genannt: die Bereitschaft, das Leben für die Schafe hinzugeben, das Kennen jedes einzelnen Mitgliedes der Herde und der Blick auf jene, die noch zur Herde dazugehören könnten.
Wenn ich diese Kriterien auf die gegenwärtige Krise der kirchlichen Berufe umlege, frage ich mich, ob wir auf dem richtigen Weg der Erneuerung sind. Die Kirche lebt von der Hingabe der Jüngerinnen und Jünger Jesu, von ihrem vollen Einsatz. Nicht zufällig steht das Sakrament der Hingabe Jesu, die Feier der Eucharistie im Mittelpunkt unseres spirituellen Lebens. Aber auch sie verliert an Zuspruch.
Im Laufe meines Lebens habe ich viele Menschen, Priester, Diakone, Ordensleute und Laien, kennengelernt, die sich voll und ganz an den Dienst am Reich Gottes hingegeben haben. Mir sind aber auch viele – zu viele – Priester wie auch Laien begegnet, die mehr an ihrer Karriere und an ihrem Einfluss interessiert waren als am Aufbau des Reiches Gottes. Genannt werden müssen in diesem Zusammenhang auch die vielen, die im Laufe ihres Lebens aus den unterschiedlichsten Gründen resigniert haben, die innerlich emigriert sind oder gar hinausgemoppt worden sind; Laien, Ordensleute, Diakone und Priester!
Mit Sorge beobachte ich den Aufbau neuer Strukturen. Es werden größere Verwaltungseinheiten geschaffen, die meist schwer überschaubar sind und in denen man einander nicht mehr oder nur oberflächlich kennt. "Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich", sagt Jesus. Zum eingehenden sich Kennenlernen bleibt selten ausreichend Zeit und Energie. Priester, Diakone und pastorale Mitarbeiter hetzen im Stundentakt von einem zum nächsten Gottesdiensttermin… Der Mangel an wechselseitiger Empathie wird spürbar im herzlosen Umgang miteinander, im Streit um Grundsatzfragen und nicht zuletzt in Predigten, in der die Not und die Fragen der Menschen nicht oder nur verallgemeinert zur Sprache kommen.
Obwohl Jesus sich bewusst ist "Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter" (Lk 10,2), richtet er seinen Blick über den Tellerrand hinaus auf die, die noch zur Herde gehören könnten: "Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen…"
Aufmerksame Kritiker bemängeln immer wieder, dass wir uns so sehr mit innerkirchlichen Fragestellungen beschäftigen, dass wir den missionarischen Auftrag, für den wir Kirche sind, vernachlässigen oder gar vergessen. Wir sind Kirche, damit wir den Geist Jesu, die Frohe Botschaft von der Liebe und Barmherzigkeit Gottes, in die Welt hineintragen.
Jesu fordert seine Jünger auf: "Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden!" (Lk 10,2). – Das Gebet um gute Hirten ist das Eine. Es genügt aber nicht. Es braucht darüber hinaus die Pflege der Qualifikationen, die Jesus sich selbst und jedem Guten Hirten zuschreibt. Hingabe, Empathie und missionarischer Geist. Diese können und sollen von jedem Christen, von jeder Christin, entwickelt und entfaltet werden. Jede und jeder von uns hat seine Begabungen und Charismen. Jede und jeder von uns lebt mitten in der Welt und kann dort den Geist Jesu spürbar werden lassen und so an der Hirtensorge Jesu teilhaben.
Es ist nicht selbstverständlich, dass sich Hirten für ihre Herde einsetzen wie Jesus. Es braucht Begeisterung und Hingabe.
Kennen Sie Ihren Hirten überhaupt? Können Sie Auskunft geben, wer Jesus Christus für Sie ist? Die erste Lesung sagt, was dazu notwendig ist – Begeisterung! In der ersten Lesung erfahren wir, dass sich Petrus und Johannes als Repräsentanten der jungen Gemeinde vor dem Synedrium, einer religiösen und politischen Behörde, einem Gericht unter dem Vorsitz des amtierenden Hohenpriesters, verantworten müssen. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie einen Gelähmten geheilt haben und über Jesus Christus, den Auferstandenen gesprochen hätten. Durch Jesus Christus steht der Mann jetzt gesund da. Er, Christus, ist es, der heilt.
Die Behörde hat Angst vor dieser aufstrebenden Gemeinde, die sich rasch verbreitet und zu einer Hauskirche entwickelt. Heute hat niemand Angst vor der Kirche. Viele Gemeinden schrumpfen. Es gibt dafür verschiedene Gründe. Ein wesentlicher Grund ist wohl der, dass wir vielerorts nicht in der Lage sind, das Wort Gottes zeitgemäß fragenden und suchenden Menschen nahezubringen.
In der Rede des Petrus hört man heraus, wie er vor Begeisterung im wahrsten Sinn des Wortes glüht, trotz aller Schikanen. Er weist auf die guten Taten an kranken Menschen hin und wirft der Behörde vor, die Jesus gekreuzigt hat, an seinem Tod schuldig zu sein, Jesus wurde aber durch „Gott von den Toten auferweckt.“ (Apg 4,10).
Die religiöse Elite als Gegner der jungen Gemeinde war nicht in der Lage, etwas dagegen einzuwenden. Der Enthusiasmus des Petrus zeigte Wirkung. Am Heiland soll sich das Leben orientieren.
Heute könnten wir mehr Begeisterte für die Sache Jesu brauchen. Leider aber gibt es viel Müdigkeit, Gleichgültigkeit, Ahnungslosigkeit sowie Ignoranz der Einladung Jesu gegenüber.
In einem einzigen Satz des 1. Johannesbriefs hören wir gleichsam eine Einladung „Seht, welche Liebe uns der Vater geschenkt hat“ (1 Joh.3,1). Da wird Vertrauen aufgebaut. Seht, nehmt es doch wahr, geht und lasst euch überzeugen. Vertrauen zu gewinnen ist auf sehr vielen Gebieten des Lebens schwer. Zu viel Misstrauen, negative Stellungnahmen hindern gute Beziehungen. Wir erleben auch, dass alles, was an Vertrauen aufgebaut wird, manchmal rasant verloren geht.
Damit sind wir beim Evangelium: Ich bin der gute Hirte. Ein Bildwort, das sehr oft bei der Idylle stehen bleibt: Der Hirt mit dem Stock, das Lamm auf der Schulter, die grünende Wiese, Eindruck eines tiefen Friedens. Vorübergehend wird das schon der Fall sein. Dem Hirten kommen aber mehrere Aufgaben zu: Er hat eine Schutzfunktion, dazu dient der Stock, der aber auch Orientierungshilfe ist, dass sich kein Tier verläuft. Der Hirt braucht auch Vertrauen. Die Tiere erkennen ihn an der Berührung, am Geruch, an der Stimme.
Dieses Bild des guten Hirten wird auf die Menschen übertragen. Der Hirt hat große Verantwortung bei den Tieren, dass keines zu Schaden kommt. Wenn der Hirt auf der Alm nicht auf die Tiere achtet, wenn sich eines verletzt, abstürzt, gibt es großen Ärger, verbunden mit hohen Kosten für den Rettungseinsatz. Die Hirten sollen Hilfestellung und Orientierung geben.
Jesus, der gute Hirt, verlangt viel: „Ich gebe mein Leben hin für die Schafe.“ (Joh 10,11). Das heißt: Einsatzbereitschaft bis zum Letzten. Hirte hat mit Leitung und Orientierung zu tun, dazu gehört auch Empathie, gutes Zuhören. Das Alte Testament zeigt aber, dass sehr viele Könige in ihrer Hirtenfunktion versagt haben. „Die Hirten sollen nicht länger sich selbst weiden. Ich rette meine Schafe aus ihrem Rachen.“ (Ez 4,10-11). Im Evangelium ist von „bezahlten Knechten" die Rede, der die Schafe im Stich lassen und fliehen, wenn der Wolf diese reißt.“ (Joh 10,12). Sogar die Jünger versagen in der Gefolgschaft Jesu, Petrus etwa durch Verleugnung, die anderen durch Feigheit, Unverständnis. Der schlechte Hirt hat kein inneres Verhältnis zu den Schafen.
Wie sieht dieses Bild auf uns Menschen übertragen aus? Jeder/jede hat Hirtenaufgaben je nach Talent für den anderen. Der Wolf steht als Bild für das Abgründige mit seinen fletschenden Zähnen, er erzeugt Angst. Menschen von ihrer Angst zu befreien, ist Aufgabe des guten Hirten, und nicht sich selbst zu weiden; sprich: sich selbst darzustellen, in den Mittelpunkt zu rücken. Die Freundschaft und Partnerschaft, die Jesus vorgelebt hat, sollte sich im Liebesdienst am Nächsten zeigen. Es ist mein österlicher Wunsch, dass das in Ihrem Leben und in Ihrer Umgebung geschehen möge.
Das Johannesevangelium wie auch der Erste Johannesbrief kreisen um das Thema "Gott ist (die) Liebe". Die Verfasser möchten uns einladen, uns von Gott beschenken zu lassen und aus dieser Liebe heraus unser Leben zu gestalten und die erfahrene Liebe weiterzuschenken.
Es sind nur 2 Verse aus dem Ersten Johannesbrief, aber die haben es in sich, so kräftig sind sie in ihrer Aussage! Den Ersten Johannesbrief können wir als eine Erläuterung zum Johannes-Evangelium sehen. Beide Schriften wollen an das Gebot der Liebe erinnern, welches durch und in Christus Jesus seine Vollendung fand.
Aus dem Glauben heraus „Gott ist Liebe“ wurde der Mensch im Ersten Johannesbrief ein „Geliebter“ Gottes, dem Gottes Liebe „innewohnt“ und so ihn selbst liebesfähig macht: „Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es.“ (1 Joh 3,1).
Die jungen christlichen Gemeinden, die in und aus dieser Liebe Gottes ihr Leben gestalteten, sind vielerorts aufgefallen und forderten andere religiöse Strömungen heraus. Dabei kam es auch zu Konflikten und daraus resultierende Abgrenzungen der „Kinder Gottes“ anderen gegenüber.
Das Gottesbild „Gott ist (die) Liebe“ ist auch einzigartig und keinesfalls selbstverständlich. Woher „leitet“ sich diese Bild Gottes im Johannesbrief Brief ab? Ganz einfach: vom „Gott der Bibel“! Der Gott der Bibel ist ein passionierter Menschenfreund, ein Gott der Zuneigung, der Leidenschaft und der tiefen Liebe.
Der Erste Johannesbrief lädt ein, an der Liebe dieses Gottes teilzuhaben. Dies wurde schon in den johanneischen Kreisen der Urkirche verkündet im Glauben an Christus Jesus, die „sichtbar gewordene“ Liebe Gottes. Um sich in diese 2 Verse einfühlen und sie im eigenen Glaubensleben zu integrieren zu können, ist es hilfreich, das Anliegen des ersten Johannesbriefes zu verstehen.
Es geht um das Christusbekenntnis, auf das die jungen Gemeinden aufgebaut waren. Ihre tiefe Christusbeziehung feierten sie und lebten sie. Daraus waren sie sozial, caritativ und missionarisch tätig. Vom Bekenntnis zu Christus Jesus werden Merkmale einer christlichen Gemeinde im Kontext zu anderen damaligen religiösen Bewegungen gedeutet.
Es ist das Thema der Liebe, die den Charme, die Ausstrahlung dieses Briefes über den „Gott, der liebt“ ausmacht. Es wird darüber nachgedacht, dass es der Gott der Liebe ist, den Christus Jesus in seinem Leben verkündet! Gott liebt nicht nur, sondern er „ist die Liebe“ und aus dieser Liebe sieht sich auch die christliche Gemeinde als Geliebte. Aufgrund dieser Zusage Gottes sind sie auch Liebende, deren Herz im Übermaß erfüllt ist von der Liebe Gottes. Dieses übervolle Herz befähigt sie, ihre Taten der Liebe in der Verschwendung zu erfüllen.
Kinder Gottes – wie heute in der Lesung verkündet wurde – sind sie deswegen, weil sie durch die Taufe (Wiedergeburt aus Wasser und Geist), durch das Bekenntnis zu Christus Jesus neu geboren sind. Sie haben Neues erkannt und angenommen.
Zwei Verse und so eine Impulskraft, eine Herausforderung, um zu leben, was beschrieben ist: „Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es.“
Wir selbst sind damit gemeint, diese Gotteskindschaft durch unseren Glauben in Wort und Tat zu bezeugen, die uns geschenkte Liebe zu verschwenden an die, die sie im Moment benötigen, weil es ihre Not abwendet bzw. weil wir sie in ihrer Not wahrnehmen und ihnen beistehen, sie nicht allein lassen.
Wir selbst sind gemeint, angesprochen als Schwestern und Brüder, als christliche Gemeinde, Christus Jesus, dem Gerechten unter den Gerechten und seiner Botschaft der Gottes- und Nächstenliebe zu folgen. Die Liebe verlangt von uns, wo Streit, Hass, Schwierigkeiten usw. uns und unsere Welt zu entzweien drohen, Wege zu finden, die zu Lösungen der Konflikte führen. Dies ist der Anspruch, der im Johannesbrief „schriftlich“ mitgeteilt wird.
Das Hirtenbild vieler Menschen ist eher idyllisch und verkennt, wie hart dieser Beruf in der Vergangenheit war. Jesus hat sich als der Gute Hirte ganz auf die Seite der ihm Anvertrauten gestellt. Wir sind berufen, an seiner Hirtensorge teilzunehmen.
niedlich
Wenn ich in die Bilder meiner Kindheit gehe, dann sehe ich noch ein Kommunionbild vor mir, ein Hirte mit einem Lämmchen auf den Schultern. – Ja, lange gehalten hat sich dieses doch so niedliche Bild.
Ein zweites Bild taucht auf, ein Hirte mit seiner Herde in der blühenden Lüneburger Heide. Wie idyllisch.
Als ich mich zum ersten Mal wirklich mit den Hirten auseinandersetzte, denen die Geburt Jesu verkündet wurde, musste ich mich von diesem Kindchen-Bild verabschieden. Sie ist den Hirten verkündet worden; nicht Menschen der oberen Klasse; nicht den Besitzern der Herde. Nein, den Menschen, denen als Tagelöhner oft mehr als alles abverlangt wurde. Menschen, die den Widrigkeiten der Gegend, des Wetters, und allen Belangen der Herde ausgesetzt waren.
Eine Herde, die den Hirten anvertraut wurde. Das hieß auch: „Wehe, es geht euch eines verloren!“ – Nein, verloren gehen sollte auf keinen Fall eines. Ich kann mir gut vorstellen, dass dies ernste Konsequenzen gehabt hat. Jedes Tier war kostbar, sicherte es doch den Fortbestand der Familie des Besitzers. Jedes Tier gab ihm Ansehen.
Dem Hirten die Herde anzuvertrauen hieß auch: „Schütze ihr Leben, wenn dir dein eigenes weiteres Leben wichtig ist. Ich vertraue dir Hab und Gut an.“ Darin steckte mehr oder weniger auch eine leichte Drohung.
Das hieß für die Hirten Kampf um gute Weide- und Wasserstellen, damit die Tiere nicht „vom Fleisch fielen“. Das hieß, danach zu schauen, was „ihnen unter den Hufen brennt“, welche Laus ihnen im Fell saß, welcher Weg sicher war, welche tierischen und menschlichen Räuber sich rumtrieben. Das hieß: in jeder Weise achtsam sein, bei Tag und bei Nacht.
Darüber hinaus hieß es aber auch, sich selbst oft mit dem Notwendigsten zufrieden geben. Mit den Tieren allem ausgesetzt zu sein. Bei Nacht ihre Nähe suchend, weil in ihrer Mitte vielleicht etwas Wärme zu bekommen war.
Und da geht der Hirte nicht nur dem kleinen Lämmchen nach, dass vielleicht, wie ein junger Hund, neugierig die Welt erkundete und wieder eingefangen werden muss, sondern da geht er auch dem schweren Bock nach oder einem Muttertier. Der Bock verletzt, das Muttertier geschwächt von der Geburt. Große Tiere, die man sich nicht nur so mal eben auf die Schultern legt. Nein, Tiere, die einem körperlich alles abverlangen, um sie wieder in Sicherheit zu bringen und zu versorgen.
Ja, dieses Bild wird Jesus vor Augen gehabt haben, als er davon sprach, dass er der gute Hirte ist. Der Hirte, der von seinem Vater die geliebte Herde anvertraut bekommen hat. Der Hirte, der bis in die letzte Konsequenz alles auf sich genommen hat, um die ihm anvertraute Herde in das „gelobte Land der Auferstehung“ zu führen.
Und, wenn er uns als Hirtinnen und Hirten in seine Nachfolge gerufen hat, dann meint er nicht für jede und jeden eine große Herde, dann meint er aber mit Sicherheit: „Schau auf die Menschen und ihre Zukunft, die ich dir in deinem Umfeld anvertraue. Schau auf sie! Schau, was ihnen unter den Füßen brennt, was in ihren Seelen feststeckt und geheilt werden will. Schaut nach ihnen, ich vertraue sie euch an. Um meine große Herde zu hüten brauche ich eure Hilfe, euer Mittun, sonst geht meine Herde verloren.“ Geben wir unser Bestes, an unserem Ort, in unseren Aufgaben und Verantwortungen, da, wo wir hingestellt sind.
Wir brauchen Vorbilder, zu denen wir aufschauen können. Jesus hat sich als der Gute Hirte bewährt. Er hat ganz für uns gelebt. Menschen, die für einander leben und andere zu Gott hinführen, werden einander gute Hirten nach dem Vorbild Jesu.
Wer wir sind, ist nicht leicht in Worte zu fassen. Wir versuchen das an verschiedenen Merkmalen abzulesen. Der erste Johannesbrief sagt uns zu, dass wir Kinder Gottes sind und eine große Zukunft vor uns haben, auch wenn wir das vorerst nur erahnen können.
In Jesus hat die Rede vom Guten Hirten, die im Volk Israel von den Psalmen und den Propheten her vertraut war, eine neue Qualität bekommen. Er ist der Gute Hirte, der sein Leben für die Schafe hingegeben hat.
Jesu Wort beschreibt keine Idylle. Wir sehen eine bedrohte, heimgesuchte, gefährdete Welt. In ihr gi bt es Wölfe, die Herden zersprengen, Schafe reißen, Hirten verjagen. Gehen wir mit dem guten Hirten, schenkt er uns Erbarmen und Liebe. Geht er mit uns, führt er uns in sein Reich. Jesus ist er der gute Hirte, der sein Leben für die Schafe gibt. Mit ihm sind wir unterwegs.
Nach Romano Guardini ist der zentrale Satz in diesem Abschnitt: „Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich“. Da wird uns Entscheidendes über die Beziehung zwischen Jesus Christus und uns gezeigt. Da ist einer, der kennt uns, kennt jeden einzelnen mit Namen. Er weiß, wer dieser Mensch ist, er sieht, wie wertvoll und einmalig er als Geschöpf Gottes in dieser Welt lebt. Er weiß auch, wie groß die Hirten-Not in den Gemeinden ist. Nützen wir seine Liebe zu uns und bitten wir ihn: Rufe junge Menschen in deine Nachfolge.
In und durch die Taufe wird Wirklichkeit, was Jesus gesagt hat: "Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich; wie mich mein Vater kennt, und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe." Jede und jeder hat durch die Taufe Anteil an dieser Berufung und Sendung.
So lautet eine Feststellung des Karl Rahners. Diesen Satz habe ich im Buch meines Pastoraltheologieprofessors und Mitbruders Hermann Stenger gefunden. In der Vorbereitung auf die Predigt zum 4. Ostersonntag und Weltgebetstag um geistliche Berufe, erinnerte ich mich an das 2000 von ihm erschienene Buch mit dem Titel "Im Zeichen des Hirten und des Lammes". Dieses Buch, an dem Hermann Stenger 10 Jahre gearbeitet hat, übersteigt zwar den Rahmen einer Sonntagspredigt, bringt jedoch zum Ausdruck, wie umfangreich das Bild vom Hirten schon in der Bibel mit seinen orientalischen Lebenserfahrungen war und dass Hirte-Sein bis in unsere Zeit eine äußerst sensible Aufgabe geblieben ist. (Siehe Kontexte aus dem oben genanntem Buch).
Gerade in der kath. Kirche, die weltweit heute vor fast unlösbaren Herausforderungen steht und in vielen Ländern der Erde (nicht bloß in Europa oder Nordamerika) große Probleme mit dem Nachwuchs von geistlichen und kirchlichen Berufen hat, wird die Sicht Hermann Stengers vom Hirtenamt in der Kirche und der Leitungsaufgabe in der Gemeinde immer bedeutsamer.
Jesus greift das Bild vom guten Hirten auf, das seinen ZuhörerInnen sicher vertrauter war als es uns heute ist. Wer kennt heute den Beruf eines Hirten wirklich? Vielleicht aus einer kurzen Bergwanderung, die auf eine Alm vorbei führte oder endete, vielleicht noch etwas oberflächlicher durch diverse Werbeeinschaltungen bis hin zur violetten Kuh für eine bekannte Schokolademarke. Wir tun uns schon schwer mit dem Bild vom Hirten und wohl noch viel schwerer, wenn es um die theologische Umsetzung des Hirten und seiner Herde auf die Person Jesu und auf die JüngerInnengemeinde geht.
Das aber mindert nicht die tiefe Aussage, die uns der Evangelist Johannes mit dieser Perikope vor Augen stellt. "Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich; wie mich mein Vater kennt, und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe". Nach den Ostererzählungen von den Begegnungen der Jünger mit dem Auferstandenen in der Osterzeit ist das Hirtenbild für den Auferstandenen für mich so etwas wie eine Krönung.
Was Jesus zu Lebzeiten seinen Jüngern gesagt hat, wird von den Evangelisten Jahre nach der Auferstehung aus der Auferstehungserfahrung niedergeschrieben. Schon zu Lebzeiten Jesu haben die Jünger und Jüngerinnen, ja die Menschen, die ihm begegnet sind, die er geheilt hat, die er angesprochen hat, die sich ihm anvertraut haben, erfahren dürfen, dass er sich von allen anderen unterscheidet. Ja, viele haben gespürt, dass er die Menschen kennt wie kein anderer. In seinen Worten, in seinem Denken, in seinem Handeln war etwas von der Liebe und Barmherzigkeit, Güte und Weite seines Vaters spürbar. Und er hat nie eine Gelegenheit ausgelassen, dass es letztlich nicht er ist, sondern er immer im Auftrag und in der Sendung seines Vaters handelt.
Ob nun bei der Begegnung mit der Sünderin Maria Magdalena, mit dem Zöllner Zachäus, mit dem Gelähmten, den er in der Synagoge in die Mitte stellt und ihn heilt oder in dem nächtlichen Gespräch mit Nikodemus, immer kommt ein ganz neues Denken, ein ganz neues Gottesbild durch. Und Jesus kann zum Staunen, ja oft auch zum Entsetzen der Schriftgelehrten und Pharisäer aufzeigen: das ist alles schon in den Schriften der Väter enthalten. Aber er befreit von allen unmenschlichen, unfrei machenden und den Menschen knechtenden Gesetzen und Vorschriften, ja Denken und Urteilen, er befreit alle, die meinen, den Glauben auf diese Art bewahren zu müssen.
Wer in diesen Ostertagen, sei es in der Osternachtliturgie selber oder in den folgenden Tagen, eine Taufe mitgefeiert hat, wird wie ich bei der Tauffeier eines achtjährigen Mädchens, das heuer zur Erstkommunion geht, besonders ergriffen, wenn der Taufspender, die Neugetaufte mit Chrisam salbt und ihr zusagen darf: "Du bist gesalbt zur Priesterin, Prophetin und Königin." Welch eine Würde wird durch diese Salbung ausgedrückt!
Nehmen wir dieses Ritual in unserer Kirche wirklich ernst? Es muss für einen Erwachsenen in der Urkirche ein für sein Leben prägender Augenblick gewesen sein und wohl auch heute noch sein, wenn mit dieser Salbung das tiefe und große Geheimnis der Taufe, durch das ich Christi Namen tragen darf, ausgedrückt wird: Christos, der Gesalbte. Jede Christin und jeder Christ ist eine Gesalbte, ein Gesalbter und damit eine von Gott durch Jesus Christus Berufene, ein Berufener und mit der Firmung - in der Erwachsenentaufe wird sie ja gleich anschließend an die Taufe gespendet - eine Gesandte, ein Gesandter.
In und durch die Taufe wird Wirklichkeit, was Jesus gesagt hat: "Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich; wie mich mein Vater kennt, und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe." Jede und jeder hat durch die Taufe Anteil an dieser Berufung und Sendung, jede und jeder auf seine und ihre Weise, jede und jeder durch sein und ihr ganzes Leben.
Das Evangelium des vierten Ostersonntag vom Guten Hirten erinnert uns neu daran, wie Karl Rahner es ausdrückte: "Jeder Getaufte ist ein geweihter Seelsorger, eine geweihte Seelsorgerin"
Im Bild des Hirten vergleicht sich Jesus als der "gute Hirt" mit einem Mietling. Unter seiner Obhut und mit seiner uns verliehenen Kraft vermögen wir mehr, als wenn wir uns nur auf uns selbst verlassen. Ihm, der in seiner Auferstehung gezeigt hat, dass er sein Leben hingeben und es sich neu nehmen kann, dürfen wir glauben und uns mit unserem Leben anvertrauen.
Der Evangelist Johannes berichtet im Vergleich mit den anderen Evangelisten weitaus weniger Wunder als diese. Dafür fügt er den Wunder- oder Gleichnisberichten sehr häufig eine Selbstdarstellung oder Selbstoffenbarung Jesu hinzu. Im heutigen Evangelium begegnen wir einer solchen Selbstdarstellung Jesu.
Im Bild des Hirten vergleicht sich Jesus als der "gute Hirt" mit einem Mietling. Das Bild des "guten Hirten" war für die Israeliten ein geläufiger Begriff. Als Auszeichnung und Ehrentitel wurde er jenen Persönlichkeiten beigegeben, die sich um das Volk Gottes in besonderer Weise verdient gemacht hatten wie z.B. Moses, David, Salomo. Für das Volk sorgen, es auf guten Wegen führen und im Glauben an Jahwe bewahren. Das waren die Bilder und Vorstellungen, die jeder mit dem Begriff "guter Hirte" verband. Dabei schwang sehr deutlich mit: Die Sorge um das Volk und die Menschen diente nicht dem eigenen persönlichen Profit, sondern war auf die Vorteile, das Wohlergehen und Heil aller im Volk ausgerichtet.
Diese ganz der Herde sich hingebende Fürsorge, der Verzicht, selbst dabei Gewinn für sich herauszuschlagen, die Bereitschaft, ein Höchstmaß an Mühe ohne Lohnansprüche auf sich zu nehmen, das war das Markenzeichen des guten Hirten. Jesus greift dieses Bild für sich auf und verstärkt es noch mit dem Hinweis, nicht nur alle denkbare Mühe auf sich zu nehmen, sondern sogar das Leben für die Herde einzusetzen.
Und nun kommt das Entscheidende, nämlich die Begründung seiner Haltung und damit die Offenlegung seines Wesens. Jesus sagt: Ich kenne den Vater, wie mich der Vater kennt. Das biblische Wort "kennen" bedeutet mehr als unser deutsches Wort "kennen". Es geht über das, was wir normaler Weise darunter verstehen, von jemandem etwas oder viel wissen, hinaus. Das biblische Wort "kennen" besagt: Ich bin eins mit dem, den ich kenne. Seine Gedanken, seine Absichten und Ziele, sein Wollen sind auch ganz meine Gedanken, meine Absichten und Ziele, mein Wollen. Jesus macht deutlich: So wie Gott sich um jeden einzelnen sorgt, müht, um ihn ringt, weil er ihn liebt, so sehr liegt mir jeder einzelne am Herzen. Darum bin ich bereit, alles, selbst mein Leben, einzusetzen und hinzugeben.
Dabei legt Jesus Wert darauf, dass seine Bereitschaft, das Leben hinzugeben, seine ganz persönliche Entscheidung ist. Er gibt sein Leben nicht, weil man es ihm entreißt und er sich nicht wehren könnte. Niemand kann ihm das Leben gegen seinen Willen nehmen; wenn er es hingibt, geschieht dies aus freien Stücken. Zur Hingabe des Lebens ist Jesus bereit, weil er um nichts in der Welt Abstriche von der Liebe zu machen bereit ist. Und seine Liebe, seine Sorge, sein Mühen gelten nicht nur dem Volk Gottes, sondern allen Menschen. Jesus drückt dies aus mit den Worten: "Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen". Weil eine umfassende, ausnahmslose Liebe in Jesus ist, darum gleicht er dem Vater, ist er eins mit ihm.
Nachdem Jesus so sein Wesen kundgetan hat, liefert er auch ein Stichwort für das Wesen der Schafe: "die Meinen kennen mich". Wieder ist das Wort "kennen" im biblischen Sinn gebraucht. Zu Christus gehört, wer sich bemüht, Grundzüge des Wesens Jesu - sein Denken, sein Wohlwollen, sein Handeln, seinen Charakter - in das eigene Wesen einfließen zu lassen. An anderer Stelle im Evangelium wird das Gleiche ausgedrückt mit den Worten: Sie hören auf meine Stimme.
Mit dem Hinhören auf Jesus beginnt und vertieft sich unser Christ-Sein. Wer auf die Weisungen Jesu achtet, so soll uns immer wieder bewusst werden, kann sich vor Abwegen und Irrwegen bewahren. Er findet in der Botschaft Jesu Nahrung für Geist, Herz und Seele. Im Hinhören auf Jesus kann Totes, Abgestorbenes in uns wieder lebendig werden, können Verwundungen leichter heilen, werden uns viele neue Ideen kommen, unserer Liebe Ausdruck zu verleihen.
Im Hinhören auf Jesus legen wir wie von selbst den Herdentrieb ab, der uns tun und sich verhalten lässt, was alle tun, wie alle handeln und sich verhalten. Im Hinhören auf Jesus werden wir zu Menschen, die das Leben und den Alltag beherzt anpacken und im Geiste Jesu Gestalt geben - mit unserer persönlichen und ganz individuellen Eigenart. Wir werden ein entschiedenes Ja zu einem christlichen Leben sagen und uns davon auch dann nicht abbringen lassen, wenn wir Spott, Leid, Ablehnung, Benachteiligung ernten und erfahren.
Jesus als Leitbild für uns annehmen und sich ihm als Hirten anschließen, bedeutet: In den Schutzbereich dessen eintauchen, der nicht wie ein Mietling flieht, sobald uns Gefahr droht. Jesus sichert uns zu, dass zu seinem Wesen das uns Behüten und Bestärken gehört. Unter seiner Obhut und mit seiner uns verliehenen Kraft vermögen wir mehr, als wenn wir uns nur auf uns selbst verlassen. Ihm, der in seiner Auferstehung gezeigt hat, dass er sein Leben hingeben und es sich neu nehmen kann, dürfen wir glauben und uns mit unserem Leben anvertrauen. Wir werden in der beschützenden Kraft Jesu nicht nur im Sterben dem Tot-Sein für alle Zeiten entrissen; nein, schon in dieser Welt wird uns mehr an Lebendigkeit und Kraft verliehen.
Erproben wir dies im Alltag und überzeugen wir uns auf diese Weise, dass Jesu Worte und Verheißungen wahr sind.
In Westeuropa und Nordamerika beobachten wir schon seit vielen Jahren, dass immer weniger junge Menschen zum priesterlichen Dienst in der Kirche bereit sind. Wie kann die Kirche sie bewältigen?
Während sich weltweit die Politiker und Wirtschaftfachleute mit der Frage beschäftigten, wie die derzeitige Wirtschaftskrise bewältigt werden kann, erlebte die Katholische Kirche Erschütterungen, die von vielen Beobachtern ebenfalls als Symptom einer Krise interpretiert wurden.
Was haben die weltweite Finanz- und Wirtschftkrise und die Krise der Kirche gemeinsam? So fragt sich vielleicht manch einer, den meine Einleitung heute irritiert. Ich meine, dass es sehr viele Gemeinsamkeiten gibt und dass es sich lohnen würde, länger darüber nachzudenken, als in einer Sonntagspredigt Platz hat.
Die wichtigste Gemeinsamkeit sehen ich darin, dass beide Krisen vielschichtige Ursachen haben, die lange Zeit ignoriert worden sind und dann zu einer heftigen Erschütterung des Vertrauens geführt haben.
In Westeüropa und Nordamerika beobachten wir schon seit vielen Jahren, dass immer weniger junge Menschen zum priesterlichen Dienst in der Kirche bereit sind. Damit einher geht in Mitteleuropa schon seit vielen Jahren ein Rückgang des sonntäglichen Gottesdienstbesuchs. In Osteuropa, das in den vergangenen Jahren viele Geistliche Berufungen hatte, scheinen sich ähnliche Entwicklungen anzubahnen. Die gegenwärtig angestrebten Lösungen dieser Probleme in einer Neuordnung der Seelsorgsräume sind eher pragmatischer Natur und weichen den grundsätzlichen Fragestellungen aus. Darüber hinaus setzen sie die handelnden Personen - Priester wie Laien - noch mehr unter Stress und Druck und verstärken das Unbehagen.
In vielen Fragen des kirchlichen Lebens ist man sich nicht mehr so einig wie in früheren Zeiten. Das führt zu Konflikten, die ebenfalls auf dem Rücken der Amtsträger aller Ebenen ausgetragen werden.
Die Zahl der Priester, die durch die vielfältigen Belastungen unter die Räder kommen, die ausgebrannt sind und eigentlich nicht mehr können - in jedem Zivilberuf würde man sie in Frühpension schicken - ist in meiner Wahrnehmung beängstigend und wird weiter steigen.
Mich wundert es nicht, dass so wenige junge Menschen bereit sind, ihr künftiges Leben in ein so hoch aufgeladenes Spannungsfeld hineinzustellen. Hinzu kommt, dass vor wenigen Jahren noch der Beruf des Priesters gesellschaftlich hoch angesehen war. Außerhalb kirchlicher Kreise wird man heute als Priester selten für voll genommen und man muss mit vielen Unterstellungen und Verdächtigungen leben.
Wie können wir mit dieser Kriese umgehen? Wie kann die Kirche sie bewältigen? Was können wir zur Bewältigung der Krise beitragen?
Ich möchte drei Punkte nennen, die ich für vordringlich halte.
Was wir der Finanz- und Wirtschaftskrise voraushaben, führt uns Jesus in der Rede vom Guten Hirten vor Augen. Noch bevor wir daraus neue Forderungen für unsere Unter- und Oberhirten ableiten, müssen und dürfen wir festhalten: Hier ist in erster Linie von Jesus als dem Guten Hirten die Rede, der sein Leben für seine Herde hingegeben hat. Er wird für seine Herde auch in unserer Zeit sorgen. Ich traue ihm zu, dass er uns aus der gegenwärtigen Krise herausführen wird, auch wenn ich noch nicht erkennen kann, wie dies konkret aussehen wird.
Das heißt aber nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen und nichts tun sollen.
Am Sonntag des Guten Hirten werden wir alljährlich aufgefordert, um Geistliche Berufe zu beten. Viele tun dies nicht nur an diesem einen Tag, sondern das ganze Jahr über.
Wie bei jedem Bittgebet gilt aber auch hier: Wir können dem Herrn nicht vorschreiben, was er aus unseren Bitten zu machen hat. Ich bin gewiss, dass er dadurch, dass er unsere Bitten nicht umgehend erfüllt, uns etwas sagen will.
Wir tun gut daran, bei unserem Beten darüber nachzudenken, worum wir bitten; vielleicht auch darüber nachdenken, wie wir mit den Geistlichen Berufungen umgehen, um die wir gebeten haben; nachdenken, wie viel an Forderung und Überforderung in unserem Beten oft auch drinnen steckt.
Wir tun auch gut daran, darüber nachzudenken, ob der, den wir bitten, unsere Gebete nicht bereits auf andere Weise erfüllt, als wir erwarten. In meiner seelsorglichen Tätigkeit treffe ich immer wieder auf Menschen, die ein geistliches Hirtenamt ausüben, jedoch nicht in die kirchlichen Wunschbilder von Seelsorgern passen. Vielleicht lässt uns der Herr so lange auf die Erfüllung unserer Bitten warten, weil wir erst reif werden müssen für neue Wege, die er mit uns gehen will.
Noch ein Drittes ist mir am heutigen Tag ein Anliegen. Es richtet sich einerseits an die Theologen und Vordenker der Kirche, andererseits doch auch an alle.
Eine Besonderheit der Kirche, die auch vom II. Vatikanischen Konzil hervorgehoben worden ist, ist ihre sakramentale Verfassung. Die Kirche ist ein sichtbares und leibhaftes Zeichen des Heiles, das Gott in der Welt und an der Welt wirkt.
Was dies in unserer gegenwärtigen Zeit bedeutet, in welcher konkreten Gestalt die Sakramentalität der Kirche und der einzelnen Sakramente sichtbar, erlebbar, spürbar werden sollen, wird meiner Einschätzung nach zu wenig bedacht. Ich vermute, dass die Krise eines sakramental verstandenen Priestertums und auch die Krise in der Feier der Sakramente damit zusammenhängt.
Dass die jungen Leute uns mit ihren Füßen sagen, was sie von unseren Gottesdiensten und sakramentalen Lebensvollzügen halten, müsste uns mehr beunruhigen. Dabei geht es nicht nur um die Häufigkeit und um Pflichtbewusstsein, sondern um die Inhalte und ihre Gestalt. Es ist offensichtlich, dass dies in anderen Kulturen besser gelingt als in unserer westlichen.
Bitten wir den Guten Hirten, dass er uns auch heute, wie es im Psalm heißt, auf grüne Auen und zu den Quellen lebendigen Wassers führt.
Wir haben Priestermangel. Es liegt wohl an unserem unterentwickelten Bewusstsein. Jesus hat alle Getauften auch zu seinen Jüngern und Zeugen bestellt. Wir sind Apostel, Gesandte, Missionare durch unser Sosein. Wir haben Mangel an Begeisterten, wenngleich alle in Taufe und Firmung den Heiligen Geist empfangen haben zur Mündigkeit und Verantwortung. Wir haben einen Mangel an kleinen, lebendigen Gemeinschaften, wo noch jeder mit jedem bekannt ist und jeder für jeden verantwortlich sein kann.
Es ist wieder Gut-Hirten-Sonntag. Die Idylle des Schäferlebens ist selten geworden. Dennoch ist die Pastoraltheologie auch heute noch danach benannt. Aber den Pastoren bleibt kaum Zeit für nach-gehende Seelsorge. Im Weinberg ist viel Arbeit - Mancher Winzer bekommt keine Taglöhner, ja nicht einmal einen Nachfolger. Landwirtschaft rechnet sich nicht mehr, eine Familie kann nicht mehr davon leben. Ist die Frage nach einer heutigen Berufungstheologie erlaubt? Zu Menschenfischern hat Jesus wetterfeste Männer bestellt - warum wohl wollen junge Männer heutzutage kaum mehr Menschen fischen und mit Netzen zu tun haben? Sind ihnen die Rahmenbedingungen vielleicht zu suspekt?
Wir sollen also für Priesterberufe beten. Weiter nichts? Die Priesterdonnerstagsbewegung tut dies seit Jahrzehnten, gewachsene Gemeinden beten heute darum, dass sie wenigsten noch einen Messeleser behalten können. Bischöfe müssen Gemeinden wegen Priestermangels zusammenlegen und wegen rückläufiger Kirchen-Finanzen werden Sakralbauten profaniert.
Dabei hat der Herr versprochen: "Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, wird euch zuteil werden." Freilich sagt der Apostel Paulus auch: "Wir wissen nicht, um was wir bitten sollen, damit Gott uns erhören kann." ( Röm 8,26).
Ich bin sicher, Gott erhört unser Gebet, wenn auch manchmal nicht so, wie wir es gerne hätten, sondern wie es für uns am besten ist. Ich hoffe, dass auch die Bischöfe um Priesterberufe beten. Bei manchem Würdenträger bin ich mir nicht so sicher, worum er genau betet. Allerdings: wer mit den Menschen kaum redet, von dem kann ich mir schwerlich vorstellen, dass er mit Gott mehr spricht. Dabei könnte man vielleicht im Priestermangel auch eine Nachhilfestunde des Heiligen Geistes für unsere Oberhirten sehen. Von einem Bischöfemangel hört man wohlgemerkt nichts.
Wir haben um Priester, Gemeindeleiter und Eucharistievorsteher gebetet, und mancher Pfarrer hat
früher das Seinige getan, um einen Nachfolger in seiner Führungsposition zu bekommen, wie das jeder weitsichtige Firmenchef rechtzeitig macht. Da haben in unserer Zeit viele junge Männer Theologie studiert, aber sie haben sich nicht weihen lassen, weil sie anscheinend zu gut Theologie studiert haben. Ein Regens sagt kürzlich: die heutige junge Generation ist bindungsscheu. Ja, wer lässt sich schon mit 20/25 Jahren für den Rest eines langen Lebens gerne binden oder festnageln? Ich dachte unwillkürlich an Isaak, den sein Vater Abraham auf den Opferaltar binden wollte, um ihn zu schlachten. Wollte denn Jesus freiwillig ans Kreuz geheftet werden, um die Welt erlöster und menschlicher zu machen? Hat er nicht gelehrt: Barmherzigkeit will ich, und nicht Opfer!? (Hebr 10,5-8; Amos 5,21 ; Hos 6,6; Mt 9,13).
Wir arbeiten für die Kirche, wenn wir zum Aufbau seines Gottesreiches arbeiten. Menschen sehnen sich nach mehr Gerechtigkeit, Friede, Wohlergehen, Freude, Hoffnung über den Tod hinaus. Und dies, so wissen wir, ist der Wille Gottes. Dies alles soll der Priester vermitteln, dafür steht er als Gewährs- und Mittelsmann. Dazu sollten Priester die Animateure sein, das sollte ihr Lebensinhalt sein. Das wollen sie in großer Souveränität vorleben.
Warum sollte Gott heute dazu nicht mehr berufen? Oder bitten wir ihn vielleicht nicht vorbehaltlos und ohne menschliche Bedingungen? Gott kann doch, wenn er wollte, aus Steinen Söhne Abrahams er-wecken. (Lk 3,8) Jesus hat es damals schon verabsäumt, aus Steinen Brot zu machen, obwohl selbst der Teufel es ihm zutraute. (Mt 4,3) Was Menschen selber tun können, das müssen sie schon selber tun und nicht auf Wunder warten.
Ja, es müsste heute schon mit dem Teufel zugehen, wenn kaum noch ein junger Mann Pfarrer werden will. Da hocken sie dann, dennoch Theologen geworden, alle in der kategorialen Seelsorge drin und basteln an Großraumpfarrverbänden, diese gescheiten Akademiker und Pastoralspezialisten, aber zum Aufwandeln sind sie nicht zu gebrauchen. Wo doch dies das wichtigste wäre, wenigstens nach Aussagen von Kardinal Meisner in seinem Fastenhirtenbrief 2009. "Ohne Priester ist Jesus nicht real präsent!" So schreibt er lapidar.
Könnte es nicht sein, dass Gott anders beruft als wie wir es uns billigerweise vorstellen? Der Hohepriester Kajaphas sagt: "Es ist besser, dass ein einziger Mensch für das ganze Volk stirbt." Woher nimmt er das Recht, einen Menschen für seine Interessen zu verzwecken? Die Herrscher dieser Welt, dürfen sie Menschen für ihre Vorstellungen gebrauchen und verheizen? Menschen haben und hatten dazu nie ein Recht.
Ja, sicher: Gott braucht und gebraucht Menschen, er ruft auch durch Menschen, vor allem durch die gläubige Gemeinde. Als die Stelle des Iskariot nachzubesetzen war, da betete die Gemeinde und wählte zwei aus, die die einzig wichtige Voraussetzung für ein Kirchenamt haben: sie müssen Zeugen für die Auferstehung und das Leben sein. Unter diesen beiden warfen sie das Los: Joseph Barsabbas kennt und verehrt heute kaum jemand. Matthias wurde der Nachrücker-Apostel.
Sind Ministrantenbuben (in Italien heißen sie Chiericetti = die Mini-Kleriker) auch schon Zeugen des Lebens oder haben diese jungen Schnösel von Auferstehung so viel Ahnung wie die schlafenden Wächter an Jesu Grab und haben gehätschelte Seminarknaben vom wirklichen Leben nicht so wenig mitbekommen wie die bunten Vögel, die man noch flügellahm in einen goldenen Käfig gesetzt hat, wo sie jetzt nur noch die goldenen Gitterstäbe lobpreisen können?
Handauflegung, Beorderung, Bestellung zu einem Vorsteheramt, das ist handfest und nicht so hoch gehängt wie eine "heilige Weihe", wo Primiz als Vorschusslorbeer gefeiert wird im Zelt mit 1500 Menschen. Ein Priester oder ein Bischof soll genommen sein aus dem Volk und für das Volk, und sollte auch bestellt werden vom Volk, dem er vorsteht, und so lange wie die Gemeinde ihn in seinem Amt bestätigt. Sie sind nicht Auserwählte aus einer ganz anderen Welt, die Gott aus unergründlichem Ratschluss bevorzugen wollte. Da fließt schnell Dünkel und Einbildung mit ein, die zu Neid und Eifersüchteleien führen.
Wir sehen bei Kain und Abel, dass eingebildete Bevorzugung zu Neid, Mord und Todschlag führen kann. Seit Jesu Himmelfahrt, garantiert seit dem Jahre 70, gibt es keine Priesterkaste und keinen Tempeldienst mehr. Jeder Ort und jede Zeit und jeder Stand ist heilig. Jesus zeigte auf sich und sagt: "Reißt diesen Tempel nieder, ich werde ihn in drei Tagen wieder aufbauen!" Damit hat die Entgrenzung zwischen Heilig und Profan begonnen, das Priestertum ist entsakralisiert. "Ihr alle seid ein von Gott auserwähltes Volk, seine königlichen Priester, ihr gehört ganz zu ihm." (1. Petr 2,9).
Also: Es liegt an uns, unser Priestertum wahrzunehmen. Wir müssen das tun, was unser einziger Hoher Priester Jesu uns zu tun aufgetragen hat. Dankbar sein für das Opfer seines Lebens, seine Auferstehung und sein Bei-uns-sein bis ans Ende der Tage, Anteil nehmen an den Nöten aller Menschen, teilen der irdischen Güter mit allen Bedürftigen. Es genügt nicht, seinen Leib zu nehmen und zu essen - geschweige dieses verwandelnde Brot lediglich herzuzeigen, damit alle in Ehrfurcht versinken - und darüber dennoch verhungern. Wir müssen vielmehr dieses Lebensbrot und unser tägliches Brot teilen mit allen Menschen. Indem wir das Brot brechen und mit den Menschen teilen, beweisen wir unsere Dankbarkeit gegenüber Gott. Sonst könnten wir nicht bestehen vor dem, der sich das Angesicht eines jeden geschundenen Menschen zueigen macht - und aus diesem spricht: "Ich war hungrig - und ihr habt mich nicht gespeist!"
Ja, wir haben Priestermangel. Es liegt wohl an unserem unterentwickelten Bewusstsein. Jesus hat alle Getauften auch zu seinen Jüngern und Zeugen bestellt. Wir sind Apostel, Gesandte, Missionare durch unser Sosein. Es wäre fatal, wenn einige wenige sich dafür auserwählt wähnten, dass sie allein Gesandte, Beauftragte, Eingeweihte seien. Wir können es nicht zulassen, dass diese sich das Monopol auf Gottes Gnadengaben unter den Nagel reißen wie Mautner oder Zolleinnehmer an belebten Durchgangsstraßen im Mittelalter.
Ja, wir haben Mangel an Begeisterten, wenngleich alle in Taufe und Firmung den Heiligen Geist empfangen haben zur Mündigkeit und Verantwortung. Weil 14-jährige und dann die so genannten "Laien" dessen ungeachtet kaum etwas zu sagen haben, deswegen gehen sie auf und davon, so ähnlich wie die Fledermäuse den zu aufwändig restaurierten Kirchturm meiden werden. Ist denn Mitdenken und Mitarbeiten und Mitbestimmen der Kirche wesensfremd gleichwie die Demokratie? Wenn das so ist, dann ist auch Hierarchie der Kirche wesensfremd. "Der Größte unter euch sei der Diener aller!" Und dies nicht nur in schönen Sprüchen und symbolhaft.
Ja, wir haben einen Mangel an kleinen, lebendigen Gemeinschaften, - "small is beautiful" - wo noch jeder mit jedem bekannt ist und jeder für jeden verantwortlich sein kann. "Wir machen das schon für euch, wir werden dafür ja schließlich bezahlt!" Und die Weisheit der Sieben Schwaben kennen wir ja auch: "Hannemann, geht du voran, du hast die größeren Stiefel an!" Übrigens: der Paulus war Apostel, obwohl er die Auferstehung versäumt hatte und er arbeitete auf Missionsreise immer noch als Zeltweber, um von seiner eigenen Hände Arbeit zu leben und niemandem zur Last zu fallen. Er wollte sich wohl von niemandem sagen lassen: "Wird doch alles bezahlt!" Und wer zahlt, der schafft an.
Und als Petrus nach dem Evangelisten Matthäus aufzählt, dass er alles verlassen hat und den Herrn bedrängt: Was wird uns denn dafür zuteil werden? Da zählt Jesus vieles auf, was sie verlassen haben. Bemerkenswerter Weise zählt er nicht auf die Ehefrau. Alles andere werden sie hundertfach bekommen - und das ewige Leben. Und Erste werden Letzte sein, und Letzte werden Erste im Gottesreich. Warum haben wir wieder so viele Hochwürden, Prälaten und Väter, obwohl Jesus sagt, dass sich niemand Vater nennen lassen soll, weil es mehr als genug ist, dass wir einen Vater im Himmel haben. Aber daran wollen sie offensichtlich nicht glauben, weil wir sonst wie würdige Geschwister miteinander umgehen müssten.
Wollen wir beten für alle mit Geist und Charismen Begabten und für alle Amtsträger männlichen oder auch weiblichen Geschlechts in all den Gemeinden Gottes auf dem ganzen Erdenrund, dass Menschen die Zeichen der Zeit zu deuten vermögen und nicht unter der Last ihres Amtes aufgerieben werden, sondern ihre Schwestern und Brüder im Glauben zu stärken vermögen. Seelsorger brauchen Zeit und Ansprechpartner für ihre eigene Seele, sonst erleiden sie nicht selten ein Burn-out-Syndrom.
Wir sollten Gott nicht Grenzen aufzeigen, wie und wen er berufen darf: nur ziemlich junge, unerfahrene, zölibatäre Männer. Ausnahmen von diesem scheinbar allerheiligsten Gesetz gibt es nur für Konvertiten und Proselyten, aus anderen Konfessionen Heimgeholte in die einzig wahre Kirche.
Und Akademiker sollten es wegen des Konkordats aber schon sein. Nur bei Polen und Indern kann man die Maßstäbe nicht so genau anlegen. Inkulturationskurse für sie sind wohl auch eher peinlich. Jetzt sehen wir möglicherweise, wie die Missionare im Gefolge der Kolonisatoren manchmal wie Elefanten im Porzellanladen gewirkt haben mögen. Und Priester im Ehrenamt oder mit Zivilberuf, beispielsweise Arbeiterpriester kommen auch nicht in Frage.
Die vielen Diakone kann kein Bischof - aus Rücksicht auf die weltkirchlicher Monokultur, versteht sich - fragen, ob sie nicht aus ihrem "Volkssturmstatus" (letztes Aufgebot mit unzulänglicher Ausrüstung) heraus wollen und am Sonntag anstelle von Wortgottesdiensten Eucharistiefeier halten wollten.
Und Frauen sind nach wie vor weiheunfähig. Darüber nachzudenken oder dafür Verständnis gegen tief eingeschliffene Antipathien zu wecken ist nach wie vor "kraft päpstlichen Amtes" untersagt. Viele meinen, dies sei ein Dogma, dabei ist es nur ein sexistischer Skandal, dass die beiden letzten Päpste in diesem Punkt mit den Mullahs Hand in Hand gehen.
Warum hat sich das Christentum damals gegen das Judentum so rasch und leicht durchgesetzt?
Weil Jesus von Menschen erdachte Grenzen niedergerissen hat. "Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann noch Frau; denn ihr alle seid eine neue Schöpfung in Christus Jesus." (Gal 3,28). "Durch Christus wurde euch die Freiheit geschenkt. Nehmt daher in gegenseitiger Liebe Rücksicht aufeinander." (Gal 5,13).
Wir sollten wieder buchstabieren lernen: wir glauben an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Diese Kirche wächst von unten, wie aus einem Senfkorn wächst das Reich Gottes, nicht aus Machtbündnissen und Staatsverträgen. "In Stille und Vertrauen ruht eure Kraft" (Jes 30,15). So ähnlich wie ein Weizenkorn müssen wir sein, das sich selber stirbt, aber so hundertfache Frucht trägt.
Manche werden vom Mutterleib an geistliche Herren. Andere sehen spät, was und wie gnadenvoll ihre ureigenste Berufung war, gegen die sie sich lange zur Wehr gesetzt haben wie gegen ein undankbares Prophetenschicksal.
© Wolfgang Dettenkofer (ehem. Berufsschulreligionslehrer) Eisenbartlingerweg 2, D-83093 Bad Endorf, Tel. +49 (8053) 795 661.
e-mail: hwdkha@t-online.de
Lieder:
GL 144: Nun jauchzt dem Herren alle Welt (3. Str.)
GL 213: Christ ist erstanden
GL 244: Vom Tode heut erstanden ist
GL 223: Wir wollen alle fröhlich sein
GL 281: Also sprach beim Abendmahle (3. Str.)
GL 329: Das ist der Tag, den Gott gemacht
GL 332: Die ganze Welt, herr Jesu Christ
GL 334: O Licht der wunderbaren Nacht
GL 336: Jesus lebt, mit ihm auch ich!
GL 337: Freu dich, erlöste Christenheit
GL 338: Jerusalem, du neue Stadt
GL 366: Jesus Christus, guter Hirte
GL 384: Hoch sei gepriesen unser Gott (3. Str.)
GL 421: Mein Hirt ist Gott der Herr
GL 455: Alles meinem Gott zu Ehren (3. Str.)
GL 477: Gott ruft sein Volk zusammen ( 3. Str.)
GL 481: Sonne der Gerechtigkeit (2. und 3. Str.)
GL 485: O Jesu Christe, wahres Licht (1. und 2. Str.)
GL 487: Nun singe Lob du Christenheit (4. Str.)
GL Ö834: Das Grab ist leer, der Held erwacht
GL Ö835: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt
GL Ö837: Halleluja! Lasst uns singen
GL Ö838: Christ ist erstanden! Halleluja!
Kehrverse und Psalmen:
GL 37: Der Herr ist mein Hirt; Er führt mich an Wasser des Lebens. - Mit Psalm 23 - VI.
GL 66: Das ist der Tag, den der Herr gemacht; lasst uns frohlocken und seiner uns freuen. - Mit Psalm 118 -VI.
GL 618: Confitemini Domino, quoniam bonus... - Mit Psalm 63 - VII.
Am vierten Sonntag der Osterzeit kreisen die liturgischen Texte um den Guten Hirten, der sein Leben für seine Herde einsetzt. Jesus ist für uns dieser gute Hirte, der seine Herde umsorgt, führt und leitet. Zugleich ist er auch Opferlamm. Um die ihm Anvertrauten zu retten, hat er sein Leben hingegeben. Im Feiern der Eucharistie führt uns Jesus selbst in dieses Geheimnis des Glaubens hinein.
Am Beginn der Feier rufen ihn als den Guten Hirten an und erkennen wir in ihm unseren Erlöser.
Herr Jesus Christus,
jede und jeder Einzelne von uns ist dir wichtig.
Herr, erbarme dich.
Auch uns sollen alle Menschen wichtig sein.
Christus, erbarme dich.
Wir brauchen deinen Beistand, in deiner Nachfolge zu leben.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du bist der Gute Hirte, du kennst und liebst die Deinen.
Herr, erbarme dich.
Du gibst dein Leben für die Deinen
und vereinigst alle, die auf deine Stimme hören, zu einer Herde.
Christus, erbarme dich.
Durch dich erkennen wir die Liebe des Vaters
und erfahren wir uns als Kinder Gottes.
Herr, erbarme dich.
Allmächtiger, ewiger Gott,
dein Sohn ist der Kirche siegreich vorausgegangen
als der Gute Hirt.
Geleite auch die Herde,
für die er sein Leben dahingab,
aus aller Not zur ewigen Freude.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
MB 4. Sonntag der Osterzeit
Herr, unser Gott,
wir haben uns im Namen deines Sohnes
versammelt und rufen zu dir:
Erhöre die Bitten deines Volkes,
mach uns hellhörig für unseren Auftrag in dieser Zeit
und gib uns die Kraft, ihn zu erfüllen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 1. Woche im Jahreskreis
Wir bitten dich, allmächtiger Gott,
präge und forme unser Leben
durch die österlichen Geheimnisse,
die wir in diesen Tagen feiern.
Heile und schütze uns durch die Macht
unseres auferstandenen Herrn Jesus Christus,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 5. Freitag der Osterzeit
Beten wir zu Christus, dem Guten Hirten, der als Eckstein das Haus unseres Lebens zusammenhält und auf dessen Beistand wir immer vertrauen dürfen:
Um Leitungsverantwortliche in deiner Kirche, die alle einbinden und so mit ihnen gemeinsam eine christliche Identität leben, die im Alltag aller sichtbar wird.
Um Menschen an der Spitze der Staaten, die in einer Zeit der allgemeinen Verunsicherung und Zukunftsangst als verlässliche Autoritäten agieren und das Ganze des Weltgeschehens im Blick haben.
Um einen kritischen Blick auf alle Größen der digitalen Welt, deren Autorität auf Erfolg und öffentliche Aufmerksamkeit gründet, die zwar Menschen begeistern aber auf Dauer keinen Halt geben können.
Um eine Gesellschaft, in der es nie an Menschen mangelt, die sich in deiner Liebe geborgen fühlen, daraus Kraft schöpfen und anderen tragfähige Hoffnung schenken..
Um deine Begleitung als treuer Weggefährte in den Grenzsituationen menschlichen Lebens bis in den Tod hinein.
Denn dir, dem Guten Hirten, liegt das Wohl aller am Herzen, die dir nachfolgen und vertrauen. Du schenkst ein Leben in Geborgenheit und Sicherheit.
Dafür danken wir dir jetzt und allezeit. - Amen.
Herr guter Gott,
dein Sohn Jesus, unser Hirt, hat gesagt, dass er uns kennt, jeden und jede einzelne von uns.
Wir bitten dich:
Für alle Menschen, die in Deiner Kirche ein Hirtenamt innehaben:
Katechetinnen und Katecheten, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer, hauptamtliche Laien, Ordenschschwestern und -brüder, Diakone, Priester und Bischöfe… Lass sie erkennen, dass es nicht um sie selbst geht, sondern um die Menschen, die ihnen anvertraut sind.
Für alle Menschen, die sich in irgendeiner Form für andere verantwortlich zeigen:
Lass sie erkennen, was wirklich an Hilfe benötigt wird.
Für alle Menschen, die außerhalb der Gesellschaft stehen, die das Gefühl haben, ausgestoßen und vergessen zu sein, nicht mehr gebraucht zu werden:
Sende ihnen Menschen, die sie zurück ins Leben holen.
Für alle, die ihre Heimat verlassen müssen, weil sie dort nicht mehr leben können, und die hier bei uns erfahren, dass sie nicht gewollt sind:
Stelle ihnen Menschen zur Seite, die sie wertschätzen und ihnen helfen, eine neue Heimat zu finden.
Für unsere Regierungen, die Europa immer mehr zu einem Bollwerk gegen Geflüchtete machen wollen:
Gib ihnen die Einsicht, dass jeder Mensch ein Recht auf menschenwürdiges Leben hat.
Für unsere Gesellschaft:
Mach uns bewusst, dass es auf jede und jeden von uns ankommt, ein friedliches Miteinander voller Wertschätzung für die jeweils anderen zu leben.
Für unsere Verstorbenen:
Schenke Ihnen ein Leben bei dir.
Herr guter Gott,
du kennst uns alle und weißt um unsere Fehler aber auch um unsere Bemühungen. Sende uns deinen Geist, damit wir erkennen, wo wir gebraucht werden.
Darum bitten wir Dich durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. - Amen.
Ewiger Gott und Vater,
in Jesus, deinem Sohn haben wir deine Hirtensorge kennengelernt.
Mit ihm und durch ihn bitten wir dich:
Für alle, die sich in dieser Zeit der Pandemie bedroht erleben:
für die Erkrankten, Arbeitslosen, Einkommenslosen, für die Verarmten, die Vereinsamten und Verbitterten.
Gib ihnen Halt und Hoffnung.
Für alle von wirtschaftlicher Not und Aussichtslosigkeit aus ihrer Heimat Vertriebenen.
Führe sie an Orte, wo sie aufleben und überleben können.
Für alle, die deiner Stimme gefolgt sind und in der Gemeinschaft der Kirche Geborgenheit und geistliche Nahrung suchen.
Lass sie Menschen begegnen, die ihnen in deinem Geist Gute Hirten und Seelsorger sind.
Für alle Frauen und Männer, die als Seelsorger, Lehrer oder Priester an deiner Hirtensorge teilhaben.
Schenke ihnen Kraft und Freude an ihrer Berufung.
Für die jungen Menschen in unserer Gesellschaft, die nach einem geeigneten Beruf und einer erfüllenden Lebensform suchen.
Lass sie erleben, wie gut es ist, sich für andere und für die Gemeinschaft einzusetzen.
Für unsere Verstorbenen; besonders für unsere verstorbenen Seelsorger, Seelsorgerinnen, Ordensleute und Priester.
Lass sie Erfüllung finden in der Liebe deines himmlischen Vaters.
Ewiger Guter Hirte,
wir vertrauen Deiner väterlichen Liebe
und sagen dir dafür Dank
durch Jesus, der sein Leben für uns hingegeben hat. – Amen.
Jesus, der gute Hirt, kennt jeden der Seinen. Jedem persönlich schenkt er seine volle Aufmerksamkeit. Das verbindet uns alle solidarisch miteinander.
Als Gottes geliebte Kinder richten wir an ihn unsere Bitten:
Für Papst Franziskus, alle Bischöfe und Priester und für alle Menschen,
die durch deine Liebe und Hingabe in deiner Kirche verbunden sind.
Für eine Gesellschaft, in der Eigeninitiative und Urteilsfähigkeit hochgeschätzt sind,
und für ihre Verantwortungsträger, die von den an sie gestellten Erwartungen mitunter hart gefordert sind.
Für alle, die leiden, weil sie sich allein gelassen, unverstanden, benachteiligt, in der Masse verloren, verkannt und zu wenig beachtet fühlen.
Für uns selbst, dass wir deine Botschaft immer besser verstehen lernen
und deine Liebe und Hingabe auch in unserem Handeln zum Ausdruck bringen können.
Für alle Verstorbenen aber auch für uns alle, die am Ende des Lebens als Schauende und angeschaut Werdende vor dir stehen werden.
Jesus, du liebst jeden von uns wie kein anderer seit Anbeginn der Zeit.
Dafür danken wir dir jetzt und allezeit. - Amen.
Herr, unser Gott,
gib, dass wir dir allzeit danken
durch die Feier der österlichen Geheimnisse.
In ihnen führst du das Werk der Erlösung fort,
mache sie für uns zur Quelle der unvergänglichen Freude.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Sonntag der Osterzeit
Herr,
nimm die Gebete und Gaben deines Volkes an
und beschütze alle, die sich zur Feier
dieses heiligen Opfers versammelt haben,
vor jeder Gefahr.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Mittwoch der Fastenzeit
Herr,
nimm die Gebete und Gaben deines Volkes an.
Mehre die Zahl deiner Dienerinnen und Diener,
die du als Seelsorgerinnen und Seelsorger
und als Priester und Diakone
mit der Verkündigung der Frohen Botschaft
und der Spendung der Sakramente auserwählt hast.
Erhalt sie in deiner Liebe und Treue zu dir.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.
MB: Orationen Messen um Priesterberufe
Kehrvers:
Der Herr ist mein Hirt;
er führt mich an Wasser des Lebens.
(GL 37,1)
Großer und treuer Gott, wir treten vor dich,
um dir zu danken.
Du bist der wahre Hirte,
der sein Volk hütet wie ein Hirt seine Herde.
Kehrvers
Den Hirten Abraham hast zu du zum Stammvater
und Vorbild jenes Volkes gemacht,
das du erwählt und ins Herz geschlossen hast.
Kehrvers
Einst hast du Israel, dein Volk, der Hand des Pharao entrissen
und heimgeführt in das verheißene Land,
das von Milch und Honig fließt.
Kehrvers
Den Hirten David hast du von den Herden geholt
und zum König über ganz Israel gesalbt.
Mit Weisheit hat er das Volk geführt
und vor den Augen aller Völker stark gemacht.
Kehrvers
In Jesus von Nazareth hast du dich selbst zum Hirten gemacht,
um dein Volk aufs Neue zu sammeln,
es vor allem Bösen zu schützen und auf gute Weide zu führen.
Kehrvers
Er ist selbst zum Lamm geworden,
das sich für die Seinen geopfert hat,
und das neue Volk Gottes aus der Bedrängnis herausgeholt hat.
Kehrvers
Er führt seine Herde zu den Quellen,
aus denen das Wasser des Lebens strömt.
Er gibt den Seinen ewiges Leben
und lässt sie niemals zugrunde gehen.
Kehrvers
Für deine Sorge und Treue danken wir dir
und stimmen wir ein in den Lobgesang der großen Schar,
die du aus allen Nationen und Völkern zusammengeholt hast
und die nun vor dir stehen:
Danklied, z. B. Lobet den Herren (GL 392)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Du hast deinen eingeborenen Sohn gesalbt
mit dem Heiligen Geist und ihn bestellt
zum Hohenpriester des Neuen und Ewigen Bundes:
du hast bestimmt,
daß dieses eine Priestertum fortlebe in deiner Kirche.
Denn Christus hat dein ganzes Volk ausgezeichnet
mit der Würde seines königlichen Priestertums,
aus ihm hat er in brüderlicher Liebe Menschen erwählt,
die durch Auflegung der Hände teilhaben
an seinem priesterlichen Dienste.
In seinem Namen feiern sie immer neu das Opfer,
durch das er die Menschen erlöst hat,
und bereiten deinen Kindern das Ostermahl.
Sie dienen deinem Volke in Werken der Liebe,
sie nähren es durch das Wort
und stärken es durch die Sakramente.
Ihr Leben sollen sie einsetzen für dich
und das Heil der Menschen, dem Vorbild Christi folgen
und dir ihre Liebe und ihren Glauben bezeugen.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen das Lob deiner Herrlichkeit:
MB Chrisammesse
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater,
in diesen Tagen freudig zu danken,
da unser Osterlamm geopfert ist,
Jesus Christus.
Als er seinen Leib am Kreuz dahingab,
hat er die Opfer der Vorzeit vollendet.
Er hat sich dir dargebracht zu unserem Heil,
er selbst ist der Priester,
der Altar und das Opferlamm.
Durch ihn preisen wir dich in österlicher Freude
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Osterzeit 5
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
Ein guter Hirt
gibt sein Leben für seine Schafe
und er geht jedem nach
das sich verlaufen hat
Jesus, du sagst
ich bin euer Hirt
ich kenne euch alle
ich sorge mich um euch
ich gehe euch nach
ich suche euch
und wenn ihr mitgeht
bringe ich euch heim
Es tut gut, Herr
dir vertrauen zu dürfen
deine Freundschaft anzunehmen
mit dir Gemeinschaft zu haben
Lass mich von dir lernen
auch selber Sorge zu tragen
Freundschaft anzubieten
Gemeinschaft zu leben
dankbar und froh
weil ich dir folgen darf
Gott, du Hirt deines Volkes,
sieh voll Huld auf deine Herde,
die durch das kostbare Blut deines Sohnes erkauft ist;
bleibe bei ihr
und führe sie auf die Weide des ewigen Lebens.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB 4. Sonntag der Osterzeit
Gott, du Hirte und Schützer deines Volkes,
blicke auf uns, die wir erkauft sind
durch das Blut deines Sohnes.
Im heiligen Opfermahl
hast du das göttliche Leben in uns gestärkt.
Behüte es auch in den Gefahren, die uns drohen,
und vollende es am Tage Christi, deines Sohnes,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Schlussgebete zur Auswahl 11
Allmächtiger Gott,
wir danken dir für das Brot des Lebens,
das du uns gereicht hast.
Gib uns durch dieses Sakrament
Kraft für unseren Weg zu dir
und schütze uns in deiner nie versagenden Liebe.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 5. Tag der Weihnachtsoktav
5. Januar
Herr, unser Gott,
dieses heilige Sakrament tilge unsere Schuld
und gewähre uns deinen Schutz.
Es entreiße uns der Gleichgültigkeit
und erwecke in uns einen lebendigen Glauben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Dienstag der Fastenzeit
Allmächtiger Gott,
du hast uns von den alten
zu den neuen Zeichen des Heils hinübergeführt.
Lass uns die Gewohnheiten des alten Menschen ablegen
und neu werden in Heiligkeit und Gerechtigkeit.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Freitag der 4. Woche der Fastenzeit
Vater im Himmel,
bei dir dürfen wir uns geborgen fühlen.
Jeder und jede von uns ist dir wertvoll und kostbar.
Keine und keiner soll bei dir verloren gehen.
Du gehst uns nach, wohin wir uns auch verirren mögen,
und nimmst uns liebevoll wieder bei dir auf.
Dafür danken wir dir und loben dich,
jetzt und bis in deine Unendlichkeit. – Amen.
Der gestiegenen Arbeitslosigkeit zum Trotz – es stehen 421.000 Arbeitslose 87.000 offenen Stellen beim AMS gegenüber – will sich der Personalmangel in vielen Branchen nicht entschärfen. Im Gegenteil, die Liste der Mangelberufe, die jedes Jahr vom Wirtschaftsministerium festgelegt wird, ist erneut gewachsen. 2023 waren es 100 Berufe bundesweit, dieses Jahr sind es 110. Neu auf der Liste sind beispielsweise Jobs in der nachhaltigen Mobilität und in der Grüne-Technologie-Branche. Schon länger unter akutem Personalmangel leiden etwa der Gesundheitsbereich und der Dienstleistungssektor.
Die Gründe für die Personalknappheit sind vielfältig, von langen Ausbildungen bis zu unattraktiven Arbeitsbedingungen. Aber auch der strukturelle Wandel hin zur Klimaneutralität macht relevante Branchen hungrig auf neues Fachpersonal. Dazu kommen Pensionierungswellen bei den Babyboomern, die die Situation weiter verschärfen. In anderen Branchen wird indes Personal abgebaut, aber die vielen Arbeitslosen kommen nicht in den Mangelberufen unter.<
Ganzer Beitrag:
https://www.derstandard.at/story/3000000207412/mehr-mangelberufe-trotz-hoeherer-arbeitslosigkeit
Paul Sajovitz und Melanie Raidl auf derstandard.at am 20. Februar 2024.
Auf der Berufsinformationsmesse BeSt in der Stadthalle konnte man sich zu Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten beraten lassen. Mit dabei waren unter anderem die Berufungspastoral und die Personalentwicklung der Erzdiözese Wien, das Canisiuswerk und die Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Krems.
Viele, vor allem junge Menschen strömten durch die Stadthalle und informierten sich über ihre Möglichkeiten für die Zukunft. Seitens der Erzdiözese Wien waren die Berufungspastoral, die Personalentwicklung, das Zentrum für Theologiestudierende, die Ausbildung pastoraler Berufe und das Priesterseminar vertreten. Die Berufsmöglichkeiten sind vielfältig: PastoralassistentIn, Jugendleiter, Ordensmann oder -frau, Priester, Diakon, ReligionslehrerIn oder auch KirchenmusikerIn.
Edina Kiss von der Berufungspastoral erklärt: "Wir haben über Ausbildungswege und haupt- bzw. ehrenamtliche Arbeits- und Berufsmöglichkeiten im kirchlichen Dienst der Erzdiözese Wien informiert, beraten, aber auch längere Gespräche bezüglich Lebensorientierung und Berufung geführt."
Elisabeth Grabner vom Canisiuswerk schildert, dass immer mehr Menschen auf der Suche nach einer sinnvollen Arbeit seien und die Kirche als Arbeitgeberin und Ausbildnerin tolle Chancen dafür biete. Es kommen auch immer wieder Personen, die sich beruflich umorientieren möchten und sich hier auf der Messe für Beruf, Studium und Weiterbildung beraten lassen. "Oft findet hier ein Erstgespräch statt und Wochen später melden sich die Personen dann wieder bei mir," so Grabner.
Katharina Mayr am 8. März 2024 auf erzdioezese-wien.at
https://www.erzdioezese-wien.at/site/home/nachrichten/article/119251.html
Mehr als 1.400 katholische Religionslehrer:innen unterrichten derzeit in allen öffentlichen oder mit Öffentlichkeitsrecht ausgestatteten Schulen in der Erzdiözese Wien. Doch schon jetzt fehlen vereinzelt Lehrkräfte. Die Situation könnte sich weiter verschärfen, viele Religionspädagog:innen gehen in den kommenden Jahren in Pension. Um mehr Nachwuchs zu motivieren, geht die Erzdiözese Wien nun neue Wege, z. B. mit einer Postkartenkampagne.
122.955 Kinder und Jugendliche besuchen im aktuellen Schuljahr den katholischen Religionsunterricht an einer Schule auf dem Gebiet der Erzdiözese Wien. 107.199 gehören dem katholischen Glauben an, weitere 15.756 Schüler:innen ohne religiöses Bekenntnis melden sich zusätzlich zum katholischen Religionsunterricht an. Unterrichtet werden all diese Kinder und Jugendlichen von derzeit 1.420 engagierten Religionspädagog:innen. Deren Zahl ist allerdings rückläufig, es fehlt an Jungpädagog:innen, die den Beruf ergreifen wollen.
„Der katholische Religionsunterricht ist ein Unterrichtsgegenstand, der sich bei jungen Menschen großer Beliebheit erfreut, da er ihre Fragen und Sorgen, Hoffnungen und Ängste zum Thema macht, also so bunt wie das Leben ist. Mit einer gewissen Sorge blicken wir aber auf den Berufsstand der Religionspädagoginnen und -pädagogen“, erklärt dazu Andrea Pinz, Leiterin des Erzbischöflichen Amtes für Schule und Bildung in Wien. „Aktuell sind fast 40 Prozent unserer Lehrkräfte 56 Jahre oder älter — und zuletzt war die Zahl der neu bestellten Religionslehrer:innen leider rückläufig, vor allem als Folge der geänderten Ausbildung“, umreißt sie die Problematik.
Dabei bietet der Beruf so einiges: „Als Religionslehrer:in können Sie sich auf einen sinnstiftenden Beruf mit sicherer Zukunft freuen“, erklärt die Schulamtsleiterin weiter. Denn Religionslehrer:innen würden aufgrund der Alterspyramide besonders in den nächsten Jahren dringend gebraucht. Das gelte im Übrigen für den Religionsunterricht an allen Schularten. Der Unterricht bringe zudem viel Abwechslung mit sich, so Andrea Pinz. „Ein zeitgemäßer Religionsunterricht ist dialogisch gestaltet und sehr nah an den Schüler:innen und ihrer Lebenswelt dran. Unser Religionsunterricht will Kinder und Jugendlichen bei religiösen Themen und Fragestellungen diskursfähig machen und will sie zum kritischen Denken ermuntern und dazu, Position zu beziehen und mit anderen in Austausch zu treten. Das ist gerade heute wichtiger denn je.“
Ganzer Beitrag:
Katharina Mayr und Schulamt am 23. März 2024 auf erzdioezese-wien.at.
Am Samstag, den 6. April 2024 spendete Bischof Dr. Matthias Heinrich das Weihesakrament an zwei junge Dominikaner in der Berliner Klosterkirche St. Paulus. Rafael Maria Klose OP wurde zum Diakon und Justinus Grebowicz OP zum Priester geweiht.
An der Feier nahmen nicht nur Familienmitglieder, Freunde und Bekannte der beiden Weihkandidaten teil, sondern auch Mitbrüder, Dominikanerinnen und Mitglieder der Dominikanischen Laiengemeinschaften. Die Kirche des Dominikanerkonvents St. Paulus war voll mit Gläubigen, die die Weihe der beiden jungen Ordensmänner mit spürbarer Freude begleiteten.
Die Auswahl der biblischen Lesungen spiegelt ihre zukünftige Aufgabe wider: Menschen die frohmachende Botschaft des Evangeliums nahezubringen. Weihbischof Dr. Heinrich griff diese Texte auf, um die besondere Verantwortung der Dominikaner für die Verkündigung des Glaubens und die pastorale Begleitung der Gläubigen zu betonen.
Nach der Weihe äußerten sich die Frischgeweihten zu ihren Erwartungen und Zielen.
„Durch die Priesterweihe werde ich nicht zum Religionsvertreter, Gutmenschen oder Küchenpsychologen, sondern darf als Mittler zwischen Gott und Menschen in der Welt wirken" so P. Justinus, "Das ist eine unvorstellbare Aufgabe, aber mit dem Herrn an der Seite bin ich guten Mutes und voller Dankbarkeit für diesen schönen Dienst!“, Er wird seinen Primiz-Gottesdienst in St. Paulus u.a. am 5. Mai in seiner Heimatgemeinde in Warstein feiern.
„Diakon zu sein, heißt für mich, in der Nachfolge Jesu seinen Dienst an den Menschen weiterzuführen. Jetzt, wo viele ihren Glauben und ihr Vertrauen verloren haben, möchte ich als Diakon für die Kirche (ein-)stehen, die ja ,Dienerin aller ist` wie Papst Franziskus immer wieder betont“, fasst Frater Rafael zusammen. Frater Rafael wird am 14. April in der Wiener Dominikanerkirche S. Maria Rotunda szum ersten Mal bei der Eucharistie als Diakon dem Priester assistieren und die Predigt halten. Anschließend wird er im Hamburger Dominikanerkonvent als Seelsorger für kranke und benachteiligte Menschen da sein. Der Begriff „Diakon“ geht zurück auf ein Amt der frühen Kirche, sich als „Diener“ um Menschen am Rande der Gesellschaft zu kümmern.
Ganzer Beitrag:
https://www.erzdioezese-wien.at/site/home/nachrichten/article/120226.html
Auf erzdioezese-wien.at am 10. April 2024.
Wenn wir heute eine Schafsherde zu sehen bekommen, ist es meist eine Herde, die zur Landschaftspflege eingesetzt wird, etwa auf einem Deich. Oft ist kein Hirte dabei. Manchmal hat man das Glück, auch einen Hirten oder eine Hirtin zu Gesicht zu bekommen. Man sieht sie, wie sie auf ihren Stab gestützt die Herde anschauen. Das Bild erweckt den Eindruck so aussehen, als hätten sie den ganzen Tag nichts anderes zu tun als ab und an mal ein verirrtes Lamm einzufangen. Da kommen dann Bilder von Jesus mit einem Lämmlein auf dem Arm in den Sinn, wie es sie unzählig gibt. Kurz und gut: eine sehr romantische Vorstellung.
Aber 2000 Jahre alte Gleichnisse sind mit Vorsicht zu genießen. Wir stülpen allzuleicht eine Vorstellung darüber, die der damaligen Zeit gar nicht mehr entspricht. Ein Hirt zu Jesu Zeit stand auf der untersten Stufe der Gesellschaft. Er war ein schlecht bezahlter Tagelöhner, der von seinem Einkommen nur schlecht leben und kaum eine Familie ernähren konnte. Wenn ihm ein Schaf verloren ging, musste er es in der Regel bezahlen. Die Weideplätze waren karg, die Konkurrenz zu anderen Hirten groß und auf den weiten Wegen zwischen zwei Weideplätzen konnten Schafe leicht verloren gehen, denn die Wege waren gefährlich; wilde Tiere, Räuber... Sicher wird der Tagelöhner alles Mögliche getan haben, alle Tiere zu behalten, sein Leben wird ihm aber schlussendlich dann doch wichtiger.
Jesus dagegen ist anders. Ihm ist kein Opfer zu groß. Dieser gute Hirte gibt sein Leben für die Schafe: Jesus ist am Kreuz gestorben, er war konsequent bis zum Schluss, sich selbst zu retten, war keine Option.
Und wie kommen wir da jetzt ins Spiel? Wir, die wir uns als Schafe behütet sehen und den Hirten das Drumherum überlassen? Die wir gerne fordern, die Kirche müsste…?
Durch die Taufe sind wir zum Hirtenamt berufen, zum allgemeinen Priestertum der Gläubigen. Das bedeutet: auch wir sind Hirten. Hirten, die in die Nachfolge Jesu eingetreten sind.
Das geht nicht vom Sofa aus. Das geht nicht in eingefahrenen Bahnen. Wir müssen uns aufmachen und für die Menschen da sein; die retten, die verloren zu gehen scheinen – aus der Gemeinschaft der Gläubigen, aus der Gesellschaft, aus dem Leben. Da, wo wir leben; in der Familie, in der Nachbarschaft… Da, wo wir gebraucht werden, ein offenes Ohr haben, ein gutes Wort, tatkräftige Hilfe anbieten. In der Gesellschaft, in der Welt.
Niemand kann alle retten. Und an Jesu Vorbild kommen wir nicht heran. Müssen wir auch nicht. Aber jeder und jede von uns kann etwas zur Rettung von Menschen beitragen. - Eine Herde, die viele gute Hirten hat, kann überleben.
Aus: Axel Kühner, Überlebens-Geschichten für jeden Tag, Neukirchener Aussaat-Verlag, 2023.
Er, der gut ist
der mich kennt
der mich führt
der immer da ist
der mir Speise gibt
zur rechten Zeit
Er wird mich auch
dorthin führen
in ein anderes Leben
mit sicherer Hand
Ilse Pauls (unveröffentlicht)
Ich, Besitzer einer großen Schafherde, suche:
verlässlichen Hirten für meine Herde.
Meine Herde ist gerade sehr weit verstreut und verunsichert; es besteht eine große Unruhe innerhalb der Herde, viele Tiere sind auf vielfältige Weise verletzt oder stehen mit dem Rücken zum Zaun.
Auch ist die Herde lange durch dürres Land geführt worden, so dass sie einen starken Durst nach frischem Wasser verspürt.
Darüber hinaus ist es zu manchen Früh- und Fehlgeburten gekommen und Wölfe konnten in die Herde eindringen. Auch ist es so, dass Tiere, die nicht ins optische Bild der Herde passen, von den Alt-Böcken ausgestoßen und zu „unzumutbaren Sündenböcken“ gemacht werden.
Daher suche ich einen Hirten:
* der sich behutsam der Herde nähert
* der ihre Verletzungen und Bedürfnisse ernst nimmt - sehr ernst
* der mit liebevollem Stab Richtung für sie zu suchen bereit ist
* der sich damit auseinandersetzt, welche Nahrung und welche Quelle dazu beitragen kann, ihr wieder Lebenskraft zu spenden
* der auch in engen Schluchten und in reißenden Strömen verlässlich bei meiner Herde weilt
* der sie vor äußeren und inneren Gefahren schützt
* der danach schaut, auf welche Weise und aus welchem Grund Tiere verloren gingen und der behilflich ist, dass sie zurückfinden, wenn sie wieder in meiner Herde leben wollen
* der mit meiner Herde lebt, wie ein Schaf unter Schafen - damit er den rechten Blickwinkel erhält
Ich weiß, dass ich damit eine hohe Anforderung stelle. Eine Anforderung, der ich mit einer Bezahlung sicherlich nicht gerecht werden kann.
Doch, all meine Liebe liegt in dieser Herde und es jammert mich ihr Zustand. –
Vielleicht geht es Ihnen genauso, wenn Sie auf diese Herde schauen.
Auch weibliche Bewerberinnen sind mir herzlich willkommen.
Mit liebevollem Aufruf:
WEIDET MEINE HERDE,
Ihr und Euer GOTT
Beatrix Senft, unveröffentlicht.
Herr, mit meinen Kindern
kann ich nur noch selten sprechen.
Sie sind erwachsen und leben ihr eigenes Leben.
So lass mich mit dir über sie sprechen,
dich für sie bitten.
Du hast sie mir anvertraut,
ich durfte ihnen auf ihrem Weg ins Leben helfen,
in guten und in schweren Zeiten.
Leider habe ich in ihrer Erziehung
auch manches falsch gemacht,
war ihnen kein rechtes Vorbild.
Ich kann es nicht mehr ungeschehen machen,
das Versäumte nicht nachholen.
So nimm du sie, Herr, bei der Hand.
Führe sie auf den Weg,
auf den ich sie hätte führen sollen.
Erleuchte sie in ihren Entscheidungen
Und stärke sei auf ihrem Lebensweg.
Ich danke dir, o Gott, für meine Kinder.
Bleib bei ihnen und bei mir. Amen.
Aus: Annegret Kokschal / Peter Kokschal, Gebete für das ganze Leben, Leipzig 2004.
Samstagabend oder Sonntag werden wir folgenden Evangelientext in der Messe hören:
Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen. Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle, und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen. Ich und der Vater sind eins. (Johannes 10,27-30)
Das Bild des Hirten sollte eigentlich positiv besetzt sein, biblisch gesehen zumindest. Schutz und Fürsorge sollen sich darin ausdrücken. Aber das Bild hat Grenzen. Meine Erfahrungen mit und mein Wissen um Schafe und Hirten kommt mir beim Lesen der biblischen Hirtenbilder in die Quere.
Wozu hat denn ein Hirte Schafe? Um ihrer selbst willen eher nicht! Im besten Fall geht es lange Zeit nur um ihre Wolle und die Milch. Mit ewigem Leben ist es allerdings gerade bei den Tieren, die bereits als Lammfleisch auf dem Essensteller landen, nicht weit her gewesen. Bis zum Schlachten hat sich der Schäfer hoffentlich gut um seine Tiere gekümmert. Selbst ein solches, wenn auch begrenztes Leben in Würde ist ja keine Selbstverständlichkeit! Aber bis auf die Tiere, die auf einem Gnadenhof oder ähnlichem bis zu ihrem natürlichen Lebensende gepflegt werden, ist ihre Lebenszeit immer streng limitiert.
Muss ich mir beim biblischen Bild vom Hirten Gott also besser als einen "Tierschützer auf einem Gnadenhof" vorstellen, der sich um alte, kranke, vernachlässigte "Schafe" kümmert? Zunächst ist das ein fremdes Bild. Aber wenn es darum geht, besonders die Armen und Zukurzgekommenen in den Blick zu nehmen, weil sie Jesus besonders am Herz lagen und liegen, könnte etwas von dem Bild stimmen: letztlich ist jeder Mensch, bin auch ich zuwendungsbedürftig mit meinen Schwächen.
Aber allein bei dieser Sicht zu bleiben, hieße auch, Gott nur als den "ganz anderen", den "mir gegenüber" oder gar "über mir" zu sehen. Der Aspekt des "mir ganz nahen" Gottes, dem, der mir so nahe kommt, dass ich mich "mit ihm eins" weiß, "du in mir und ich in dir", kommt darin nicht vor und lässt das Hirten-Bild schief hängen. Es hängt erst dann wieder gerade, wenn auch ich mir die Rolle der Hirtin zu eigen mache, überall dort, wo mir Menschen anvertraut sind. Als "Hirtin" kann es nicht meine Aufgabe sein, andere zu melken, zu scheren und dann dem Metzger auszuliefern. Als Hirtin in der Nachfolge Jesu habe ich mich gemeinsam mit anderen mit um ein Leben in Fülle zu kümmern. Für alle. Jetzt. Und für immer.
Freche-fromme Frauen-Gedanken, in:
http://frech-fromm-frau.blogspot.de/2013/04/wie-passt-das-biblische-hirtenbild-zur.html

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Zunächst ist der größere Zusammenhang von Apg 3,1 - 4,31 zu beachten, denn die Stellung einer Perikope im Kontext ist oft der älteste Kommentar, der gegeben wird: Nach dem unmittelbaren Pfingstereignis folgt in diesem Abschnitt die erste große Konfrontation mit dem Judentum. Daraus kommt das Gesamtkonzept des Lukas zu Tage: Lösung aus der judaistischen Mission hin zur Heidenmission.
Die Worte des Petrus sind eine Missionsrede; ein öffentliches Wort, eine Komposition, die an "das ganze Volk" gerichtet ist. Die anwesende höchste Behörde des Judentums ist nur Repräsentant für Gesamtisrael zum Zweck der Konfrontation. Die Petruspredigt geht in Wahrheit an die Leser des Lukas-Werkes. In Wendungen aus dem bekannten altchristlichen Sprachschatz erfolgt die Rede und geht über den konkreten Anlaß - die Lahmenheilung - hinaus.
Heil und Heilung sind nicht voneinander zu trennen. Daß in der Apostelgeschichte viele Wunder, Geistwirkungen und göttliche Eingriffe erfolgen, will eine Grundaussage dokumentieren: Die Auferstehung Jesu war nicht ein vergangenes Ereignis, sondern ist ein gegenwärtiges. Die Auferstehung greift in die geschichtliche Situation.
Die Negation "in keinem anderen" ist urchristliche Grundformel geworden: "Rettung ist durch keine andere Kraft als durch den großen und herrlichen Namen Gottes." Die Heilung ist nicht ein malerischer Wunderbeweis, sondern ein Zeugnis, daß das Jesusheil wirksam ist. Das Heil ist gegenwärtig; es beginnt mit der Auferstehung, noch verborgen im Glauben, wird es aber Schritt für Schritt offenbar bis zum Tag der Wiederkunft.