Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Ezéchiel.
So spricht Gott, der Herr:
Ich selbst nehme vom hohen Wipfel der Zeder
und setze ihn ein.
Einen zarten Zweig aus ihren obersten Ästen breche ich ab,
ich selbst pflanze ihn auf einen hohen und aufragenden Berg.
Auf dem hohen Berg Israels pflanze ich ihn.
Dort treibt er dann Zweige,
er trägt Früchte und wird zur prächtigen Zeder.
Alle Vögel wohnen darin;
alles, was Flügel hat, wohnt im Schatten ihrer Zweige.
Dann werden alle Bäume des Feldes erkennen,
dass ich der Herr bin.
Ich mache den hohen Baum niedrig,
den niedrigen Baum mache ich hoch.
Ich lasse den grünenden Baum verdorren,
den verdorrten Baum lasse ich erblühen.
Ich, der Herr, habe gesprochen
und ich führe es aus.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv - Gut ist es, dem HERRN zu danken. - Kv
(oder GL 401)
Gut ist es, dem HERRN zu danken,
deinem Namen, du Höchster, zu singen und zu spielen,
am Morgen deine Huld zu verkünden
und in den Nächten deine Treue. - Kv
Der Gerechte sprießt wie die Palme,
er wächst wie die Zeder des Libanon.
Gepflanzt im Haus des HERRN,
sprießen sie in den Höfen unseres Gottes. - Kv
Sie tragen Frucht noch im Alter
und bleiben voll Saft und Frische;
sie verkünden: Der HERR ist redlich,
mein Fels! An ihm ist kein Unrecht. - Kv
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korínth.
Schwestern und Brüder!
Wir sind immer zuversichtlich,
auch wenn wir wissen,
dass wir fern vom Herrn in der Fremde leben,
solange wir in diesem Leib zu Hause sind;
denn als Glaubende gehen wir unseren Weg,
nicht als Schauende.
Weil wir aber zuversichtlich sind,
ziehen wir es vor, aus dem Leib auszuwandern
und daheim beim Herrn zu sein.
Deswegen suchen wir unsere Ehre darin, ihm zu gefallen,
ob wir daheim oder in der Fremde sind.
Denn wir alle
müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden,
damit jeder seinen Lohn empfängt
für das Gute oder Böse, das er im irdischen Leben getan hat.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Halleluja. Halleluja.
Der Samen ist das Wort Gottes, der Sämann ist Christus.
Wer Christus findet, der bleibt in Ewigkeit.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:
Mit dem Reich Gottes ist es so,
wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;
dann schläft er und steht wieder auf,
es wird Nacht und wird Tag,
der Samen keimt und wächst
und der Mann weiß nicht, wie.
Die Erde bringt von selbst ihre Frucht,
zuerst den Halm,
dann die Ähre,
dann das volle Korn in der Ähre.
Sobald aber die Frucht reif ist,
legt er die Sichel an;
denn die Zeit der Ernte ist da.
Er sagte:
Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen,
mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben?
Es gleicht einem Senfkorn.
Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern,
die man in die Erde sät.
Ist es aber gesät,
dann geht es auf
und wird größer als alle anderen Gewächse
und treibt große Zweige,
sodass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.
Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort,
so wie sie es aufnehmen konnten.
Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen;
seinen Jüngern aber erklärte er alles,
wenn er mit ihnen allein war.
Jesu großes Anliegen ist die Botschaft vom Himmelreich, das unter uns schon präsent ist. Mit subtilen Vergleichen erzählt er vom Wirken Gottes unter den Menschen.
Senfkörner sind für Jesus wohl der Inbegriff des Kleinen. Aber welch gewaltige Kraft steckt in diesen kleinen Körnern! Eine Senfpflanze wird ca. 80 cm hoch – und damit ca. 800 mal größer, als das kleine Senfkorn. Letztlich gilt aber für alle Samen: im Kleinen steckt die Kraft, dass etwas Großes, etwas Neues werden kann.
Der Mensch kann dabei nur aussäen und hoffen, dass jährlich die Frucht aufgeht; dass eine Ernte möglich ist. Die Gewissheit einer sicheren Ernte hat keiner, wie so manche Gärtner und Bauern jährlich merken: Trockenheit oder Flut, Frost und zu große Hitze, Gewitter und Hagel - sie können alles vernichten. Die letzte Kontrolle hat der Mensch darüber nicht - er ist angewiesen darauf, auf Gott zu vertrauen.
In Lesung wird ebenfalls in Bildersprache erzählt, dass Gott das kleine Volk Israel groß gemacht hat. Es war nur ein kleiner Zweig der vielen Völker, des großen Baumes der Völker; aber durch Gottes Willen wurde es ein großes Volk.
Und dann kommt das Wort: „Ich lasse den grünenden Baum verdorren, den verdorrten erblühen.“ Ist Gott also ein willkürlicher Gott, der mit den Menschen spielt? Der nach Gutdünken Leben und Verderben schenkt? So ist es wohl nicht gemeint – sondern als Warnung vor Hochmut.
Damals für das Volk Israel, dass sie sich nicht auf ihrer Erwählung ausruhen; dass sie nicht meinen: Gott ist mit uns, also können wir tun und lassen, was wir wollen.
Aber es hat auch Bedeutung für uns heute: Wenn es uns gut geht, sollte uns das nicht verleiten, stolz und hochmütig zu werden.
Es gibt keinen Grund, auf andere hinabzublicken: weder auf Ärmere, noch auf Schwächere; nicht auf andere Religionen, noch auf andere Völker. Denn letztlich ist alles, was wir haben, Gottes Gabe. Das Leben, das wir haben, ist sein Geschenk. Das wissen jene am besten, die sehnlich (und leider manchmal auch vergeblich) auf neues Leben hoffen, auf Kinder. Nicht alles ist machbar, und es liegt letztlich in Gottes Hand. Und das wissen auch jene, deren Leben durch eine Krankheit geschwächt ist. Das Leben ist Gabe Gottes.
All dies ist nun "ein Gleichnis vom Reich Gottes". So sagt es das Evangelium: "Mit dem Reich Gottes ist es wie mit ..."
Die Natur ist Bild dafür, wie es auch mit unserem Glauben aussieht, mit der Hoffnung, mit der Liebe. Es sind kleine Anfänge, fast nicht sichtbar. Doch dieses Samenkorn von Glaube - Hoffnung - Liebe ist in jedem Menschen da. Es wird bei uns bestärkt durch die Taufe; durch Sakramente; durch Gottesdienst, durch den Dienst aneinander und füreinander.
Unsere Aufgabe als Pfarrteam, als Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, als gläubige Christinnen und Christen, als Väter und Mütter: unsere Aufgabe ist die Arbeit dieses Sämannes, des Bauern: das Wachstum nicht zu behindern, gute Bedingungen zu schaffen, dass Gottes Gnade wirken kann, das Unkraut immer wieder jäten und zu Gott zu beten.
Für das Wachstum des Glaubens sorgt schon Gott selbst, dafür, dass das Reich Gottes bei uns zur Reife gelangt. Wir müssen das Reich Gottes nicht selbst schaffen. Wir sollen ihm nur nicht im Weg stehen, indem wir anderes ansäen; indem wir das Unkraut großwerden lassen. Was wirklich in der Gemeinde oder in der Kirche wächst, sieht keine Statistik über Kirchenbesucher, das sieht wohl nur Gott selbst.
Das Evangelium ist damit nicht der Auftrag, sich auf die faule Haut zu legen und zu sagen: „Der Herrgott wird’s schon richten!“ Es ist der Auftrag, nach unseren Möglichkeiten am Wachstum des Gottesreichs mitzuwirken. Und es die Zusicherung: Gott lässt auch auf kargem Boden etwas wachsen.
Und was ist mit dem Himmelreich? Das ist schon längst unter uns präsent. Es braucht nur ein wenig Achtsamkeit – um z.B. im kleinen Senfkorn die große Kraft zu entdecken, denn gerade in den kleinen Dingen des Lebens ist Gott selber am Werk zu sehen.
Das Reich Gottes wird nicht konstruiert, wird nicht aufgebaut. Es wächst. Jesus unterstreicht dies eindringlich mit Vergleichen aus der Natur. Wachstum ist ein Geschenk Gottes. Wir können sorgsam damit umgehen und so das Unsere dazu beitragen.
„Hochmut kommt vor dem Fall“, sagen wir von Menschen mit unausstehlicher Arroganz. Das gilt aber auch für eine Gesellschaft, der es lange gut geht, die wirtschaftliche Erfolge hat und für die eine Umstellung nicht in Frage kommt.
Die erste Lesung könnten wir mit einem ähnlichen Sprichwort einleiten: „Die Bäume wachsen nicht in den Himmel.“ Von den Zedern ist hier die Rede. Sie sind bis heute im Wappen des Libanon abgebildet. Die Zeder, ein stolzer Baum. Mengenweise wurde ihr Holz für den ersten Tempelbau verwendet, aber auch die Schifffahrt bediente sich reichlich an diesen Bäumen. Dieser hohe, mächtige, feste Baum wirkt in dieser Schriftstelle trügerisch. Er verliert seine Wurzeln, was den Abfall von Gott bedeutet. Dahinter steckt aber auch schon der kommende Untergang des Jerusalemer Königreichs. Es sollte aber ein Neubeginn kommen. Das wird durch die kleinen Zweiglein vom früheren Baum dargestellt.
Gott lenkt die Geschicke der Menschen und führt immer wieder zum Neubeginn, nichts darf verlorengehen.
Auch die Kirche von heute kann mit einem stolzen Baum verglichen werden, der im Lauf der Jahrhunderte immer mächtiger geworden ist. Der Einfluss im gesellschaftlichen Leben wurde immer stärker. Und es kam zu Fehlentwicklungen; da wurden Äste morsch, brechen nun ab, kein Leben mehr darin.
Das ist nichts Neues. Theresa von Avila (1515-1582), Karmelitin, spanische Mystikerin, schreibt in einem Brief an engagierte Christen: „Die Kirche ist in vielen der Situation zu meiner Zeit ähnlich… Schon zu meiner Zeit gab es Krankheitsherde, die Kirchenspaltung mit Luther, übertriebene mystische Strömungen, die Inquisition, die vielen Menschen Angst einflößte… Darum bat ich meine Schwestern für die Kirche inständig zu beten… Auch ich habe sehr unter der Hierarchie gelitten…. Der Nuntius Sega sagte mir: Sie sind ein unruhiges Frauenzimmer… unter dem Schein von Frömmigkeit denken sie falsche Lehren aus und dozieren wie ein Universitätsprofessor.“ Gescheite und mutige Frauen gab es auch damals, auch viele, die ganz offen die Probleme beim Namen nannten und wie man sich leicht denken kann, bei den Vorgesetzten Ärger auslösten.
Die Frauenfrage zeigt sich auch heute als entscheidend für neue Wege in der Kirche. Der Heilige Geist wird auf seine Weise der Gemeinschaft der Kirche den Weg zeigen. Die Kirche wird nicht untergehen, weil Gott sie führt.
Die zweite Lesung erinnert daran, dass alles Irdische ein Ablaufdatum hat. Wir Menschen und auch die Institution der Kirche sind der Vergänglichkeit unterworfen. Das wird im Machtrausch und der mitunter unglaublichen Arroganz oft übersehen. Paulus macht deutlich, dass wir „aus unserem Leib auswandern werden, um daheim beim Herrn zu sein.“ (2 Kor 5,8). Damit werden menschliche Institutionen, so auch die Kirche einmal überflüssig.
Wachstum ist Entwicklung, so lehrt es diese Evangelienstelle. Die Wachstumsgleichnisse haben sehr viel mit unserer Eigenverantwortung und auch mit Mitarbeit zu tun. Ohne Säen gibt´s keine Ernte. Allerdings weisen diese Gleichnisse darauf hin, dass sehr viel ohne unser Zutun geschieht. Wir sind nicht unabhängig. Leistung und Arbeit sind notwendig. Das Wetter können wir nicht beeinflussen, viele andere Dinge im Leben auch nicht.
Vielleicht spricht Gott heute besonders deutlich durch die Natur zu uns. Immer wieder werden wir darauf verwiesen, dass alles seine Zeit hat und auch braucht. Viele Entwicklungen gehen langsam vor sich wie die Erziehung junger Menschen, damit verbunden ihre Ausbildung, aber alles können wir nicht steuern. In einer rastlosen Zeit, in der alles schnell gehen muss, ist Geduld erforderlich, die durch Erfahrung zur Gelassenheit führen soll.
Dazu ein Gebet:
Gott, ich bitte dich um Gelassenheit,
wenn mein Terminkalender übervoll ist,
Vereinbarungen platzen,
wenn mein Gegenüber vor lauter Nervosität schlecht zuhört
und dann alles verwechselt.
Fehler sind oft neue Möglichkeiten,
und manches, was schiefgeht,
erweist sich als dein Fingerzeig.
Amen.
Aus Kleinem kann Großes werden. Das sehen wir an der Kirche Jesu, die klein begonnen hat. Auch Graswurzelbewegungen funktionieren nach diesem Prinzip. Das nährt in uns die Hoffnung, dass dieser Prozess erneut stattfinden kann.
Im Gleichnis vom Senfkorn spricht Jesus von etwas, das im Kleinen beginnt und doch zu etwas Großem wird; von einem Senfkorn, das zu einem mächtigen Baum heranwächst, in dessen Zweigen Vögel nistend Schutz finden.
Auch Graswurzelbewegungen beginnen klein und erreichen am Ende, im besten und erfolgreichen Fall, eine große Gruppe von Menschen - dann nämlich, wenn ihre Saat aufgeht. Unsere Kirche war in ihren Anfängen eine Graswurzelbewegung - könnte sie zukünftig wieder eine sein? Und können wir uns dabei vom Senfkorn und seiner Geschichte anleiten lassen?
Graswurzelbewegungen sind vor allem im Zusammenhang mit umwelt- und gesellschaftspolitischen Themen in aller Munde, doch was versteht man eigentlich darunter?
Diese basisdemokratischen Initiativen entstehen unmittelbar aus der Bevölkerung oder kleinen Gruppen, zum Beispiel innerhalb einer Organisation oder eines Unternehmens. Graswurzelbewegungen versuchen, Veränderungen durch direkte Beteiligung zu bewirken und umgehen dabei eingefahrene Prozesse, stets, um im Interesse der Menschen Wandel zu erreichen. Sie setzen sich für gesellschaftliche Alternativen ein - durch den langfristigen Aufbau von Netzwerken, durch aufsehenerregende Einzelaktionen und durch zivilen Ungehorsam.
Graswurzelbewegungen entstehen oft lokal, doch wenn sie wachsen, erreichen sie mitunter nationales oder gar globales Ausmaß. Sie kämpfen gegen soziale Ungerechtigkeit, Umweltprobleme, Menschenrechtsverletzungen, Armut und wirtschaftliche Ungleichheit. Das Fundament sind immer Gemeinschaft und kollektives Handeln, aber auch der Mut einzelner.
Jesus erzählt in seinem Gleichnis von der Aussaat des vermeintlich kleinsten aller Samenkörner - dem Senfkorn. Es reift zu einem mächtigen Baum heran und überragt alle anderen Gewächse. In seinen Zweigen lassen sich die Vögel des Himmels nieder, um Schutz zu finden.
Jesus zeigt uns, dass selbst Unscheinbares zu etwas Bedeutendem werden kann - wie unsere Kirche, die klein begonnen hat und zu einer großen, manchmal mehr, manchmal weniger stabilen Gemeinschaft gewachsen ist; wie Graswurzelbewegungen, die bescheiden anfangen, um durch kollektive Aktionen oder den Einsatz einzelner Veränderung zu bewirken.
Wenn wir genau hinsehen, sehen wir Parallelen zwischen der Kirche und Graswurzelbewegungen. In vielen Gemeinden gibt es eine starke Basis leidenschaftlicher Christinnen und Christen; ein wirksames Engagement von Menschen, die für ihre Kirche als Ort der Gemeinschaft und des Zusammenhalts kämpfen, für ihre Kirche als Ort der gelebten Nächstenliebe, zum Beispiel im Umgang mit geflüchteten Menschen. Diese Basis kann wachsen und erstarken, wenn wir gemeinsam handeln und uns von der Vision einer lebendigen, aktiven Kirche anstecken lassen. Die Kirche, vielmehr die, die in ihr wirken, hat das Potential einer Graswurzelbewegung, die sich aktiv und direkt für soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und Menschenrechte einsetzt, wie zum Beispiel auch Papst Franziskus mit seiner Enzyklika „Laudato si“, in der er auf die brennenden ökologischen Fragen unserer Zeit eingeht. In einer Welt, die von großen, oft übermächtigen Strukturen dominiert wird, können wir als Kirche auf eine andere Weise wirken - durch Gemeinschaft und das Engagement jedes Einzelnen.
Gott arbeitet oft mit kleinen Anfängen, die große Kraft haben. Das Gleichnis erinnert uns daran, uns nicht entmutigen zu lassen, wenn unserer Anstrengungen unbedeutend erscheinen. Sehen wir es als Inspiration und werden aktiv, unsere Kirche zu einer Bewegung zu machen, die wirklich in der Welt wirkt und die Menschen verbindet; wenn wir zusammenstehen, fällt es leichter, die Herausforderungen unserer Zeit anzunehmen. Gleichzeitig sollten wir auch die Macht der „weltlichen“ Graswurzelbewegungen erkennen und unterstützen und mit ihnen kooperieren. Sie sind ein Zeichen dafür, dass Menschen auf der ganzen Welt bereit sind, sich für Friede, Gerechtigkeit und das Wohl ihrer Mitmenschen einzusetzen.
Handeln wir im Geist der Graswurzelbewegungen - lokal beginnen, aber mit der Vision und der Hoffnung, dass unsere Taten größere Auswirkungen haben können. So wie das Senfkorn zu einem großen Baum heranwächst, können auch unsere Bemühungen zu etwas Bedeutendem werden!
© Eva Bauernfeind-Schimek, Diözese Linz.
Manche Christen sehen sich in ihrem Engagement für Glauben und Kirche auf einem absteigenden Ast der Entwicklung. Zahlen und Statistiken scheinen ihnen recht zu geben. Doch woran misst man den Erfolg seelsorgerlicher Anstrengungen? Jesus antwortet auf diese Fragen, die sich auch schon am Anfang gestellt haben, mit den Gleichnissen vom Wachsen des Reiches Gottes.
Zu einer traditionellen Jahresschlussandacht gehörte, dass der Pfarrer eine Statistik des Pfarrlebens im abgelaufenen Jahr vortrug. Da wurde die Anzahl der Taufen, Hochzeiten und Begräbnisse und die jeweilige tendenzielle Entwicklung zum Vorjahr präsentiert und auch die Anzahl der gespendeten Kommunionen. Die hat man aus den Hostien-Bestellzahlen errechnet. Am Sakramentenempfang wurde der selsorgerliche Erfolg abgelesen. In vielen Diözesen wird auch heute noch an zwei Sonntagen im Jahr die Anzahl der Kirchenbesucher ermittelt. Mit der Auflösung der traditionellen Pfarreien und Gottesdienstgemeinden wird das immer schwieriger und weniger aussagekräftig.
Heute versucht man mit Umfragen und soziologischen Erhebungen, die Reichweite kirchlichen Einflusses auf den Grund zu gehen. Gebannt schaut die interessierte Öffentlichkeit auf die Entwicklung der Austrittszahlen. Zusammenhänge mit publik gewordenen Skandalen sind daraus deutlich ablesbar. Oft wird auch die Zustimmung zu einzelnen Glaubenssätzen abgefragt. Solche Ergebnisse sind mit besonderer Vorsicht zu betrachten, denn wie will man ergründen, was sich die Befragten unter einem Glauben an eine Auferstehung der Toten konkret vorstellen oder erwarten.
Grundsätzlich stellt sich die Frage: Wie misst man den Erfolg von Seelsorge? Nicht wenige, die aus der Kirche austreten, sagen von sich, dass sie in ihrer Weise weiterhin gläubig seien. Mit ihrem Austritt wollten sie zum Ausdruck bringen, dass sie ein Kirchensystem, das in ihrer Sichtweise mangelhaft ist, nicht unterstützen. All das hat zwar mit dem Glauben zu tun, aber kann man daran Gläubigkeit messen?
Jesus hat viele Menschen angesprochen. Sie sind ihm in Scharen gefolgt und haben ihm zugehört. Kranke haben sich von ihm Heilung erhofft. Manchen wurde diese nach biblischen Berichten auch geschenkt. Immer wieder heißt es da: Dein Glaube hat dir geholfen. Oder: Dein Glaube hat dich gerettet. Einige Male sagt Jesus sogar: Einen solchen Glauben habe ich in Israel – sprich bei den frommen Juden – nicht angetroffen. Es wird aber auch erzählt, dass Jünger sich von ihm auch wieder getrennt haben: "Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören?" (Joh 6,60), finden einige. Petrus beteuert im Namen derer, die bei Jesus geblieben sind: "Zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens"… (Joh 6,68).
Jesus ging es nicht um die Gründung einer Religionsgemeinschaft. Die hat sich aus seinem Wirken nach und nach entwickelt. Wer auf die Botschaft hört, die ihm am Herzen lag, entdeckt, dass es ihm um die Frohe Botschaft vom Reich Gottes geht. Auf wen immer er trifft, dem beteuert er: Habt Mut, verzagt nicht: Gott ist am Werk, er wirkt, er ist da.
Im Evangelium, das wir heute gelesen haben, vergleicht er das Wachsen des Reiches Gottes mit Samenkörnern, die auf einen Acker gestreut werden, mit einem Senfkorn, das wächst und große Zweige treibt, obwohl es so klein und unscheinbar ist. Vermutlich fragten sich auch damals viele Leute: Was soll denn aus dieser Botschaft werden? Was bewirkt sie? Was verändert sie? Es war auch eine persönliche Frage an Jesus: Warum tust du dir so viel Mühe an? Was erwartest du von deiner Predigt?
Die Bilder, die Jesus verwendet, sind der agrarischen Welt seiner Zeit entnommen. Die kannte jeder. Und jeder wusste, dass man zwar viel tun muss, dass Weizen wächst und guten Ertrag bringt. Es war wohl auch jedem klar, dass man Wachstum. nicht machen konnte. Das Wachstum haben die Menschen damals mehr als heute als ein Geschenk Gottes erlebt. Er macht das Entscheidende.
Um die Entwicklung der Kirche, die Entwicklungen in der Kirche, machen sich heute viele Menschen Sorge. Der Einfluss der Kirche auf unsere Gesellschaft scheint abzunehmen. Die Zahlen gehen offensichtlich nach unten. In unserer modernen Welt haben wir gelernt, wie man Wachstum optimiert, wie man zu noch größeren Ernten kommt, wie man die Qualität der Lebensmittel verbessert. Alle möglichen Techniken haben wir dazu entwickelt. Leicht verfallen wir der Meinung: Wir lassen wachsen. Wir machen gute Ernten. Alles können wir machen, wenn wir die Geheimnisse des Wachsens erforschen. Die Erwartung alles machen zu können, wenn man es nur richtig angeht, hat sich in den Köpfen vieler Menschen festgesetzt. Auch was die Kirche betrifft.
Mit seinen Gleichnissen sagt Jesus: Gott ist da, er lässt sein Reich wachsen. Unsere Rolle ist die des Sämanns. Wir können den Samen des Guten ausstreuen. Wir können für einen guten Boden sorgen. Wachsen lässt jedoch ein anderer. Unser Engagement für das Reich Gottes ist nicht umsonst. Gott wird daraus das Gute wachsen lassen.
Jesus spricht in Gleichnissen vom Wachsen des Reiches Gottes. Er macht Hoffnung. Unser Teil ist einerseits Warten, andererseits Vertrauen.
Jesus beschreibt das Wirken Gottes in der Welt als Wachstumsprozess. Wir können zum Wachsen des Reiches Gottes aber auch beitragen
Am Wachstum in der Natur können wir ablesen, wie Gott wirkt. Er wirkt durch die Menschen, doch das Wachstum schenkt er. Das gibt uns Zuversicht.
In der Natur können wir zu dieser Jahreszeit eine wunderbare Vielfalt wahrnehmen. Auch wir Menschen sind mit vielfältigen Begabungen ausgestattet, dennoch sind wir gleichwertig. Ein jeder soll in seiner Art am Wachstum des Reiches Gottes mitwirken.
Das Bild des Baumes, des Wachsens, der Sorge Gottes um den Menschen werden in Lesung und Evangelium als Bild des Reiches Gottes gezeigt. Die Bilder vom Sämann und vom Senfkorn lassen uns etwas vom geheimnisvollen Gott erahnen. Es gibt vieles im Leben, wo wir nicht viel dazu beitragen und trotzdem blüht und wächst etwas oft herrlicher, als wir es uns erträumt hätten.
Der Sonntag ist ein Tag der Schöpfung, ein Tag der Neuschöpfung, des Wachstums, an dem wir der Auferstehung Christi gedenken.
Herr Jesus Christus,
du lässt wachsen und erblühen,
wo manches verhärtet und abgestorben ist.
Herr, erbarme dich.
Du lässt uns schöpferisch sein,
auch wenn wir dabei falsche Wege gehen sollten.
Christus, erbarme dich.
Du schenkst Neuanfang und Leben,
wo wir an unsere Grenzen kommen.
Herr, erbarme dich.
Guter Gott,
Wie ein Sämann säst du den Samen deiner Liebe in uns aus.
Herr, erbarme dich.
Wenn er auf fruchtbaren Boden fällt, dann kann die Liebe in uns wachsen.
Christus erbarme dich.
Wenn wir deine Liebe weitergeben, dann wächst dein Reich.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus,
du vergleichst das Reich Gottes mit einem unscheinbaren Senfkorn.
Wir schauen meist lieber auf die Dinge, die groß und wunderbar vor uns stehen.
Herr, erbarme dich.
Christus,
durch deine Auferstehung hast du uns eine Hoffnung gegeben,
dass aus Abgestorbenem neues Leben entsteht.
Wir klammern uns in unserem mangelnden Vertrauen lieber an alles Irdische.
Christus, erbarme dich.
Herr, Jesus,
in vielen „Samenkörnern des Wortes und der Tat“ hast du uns die Sicht auf eine Weite in Gott geöffnet.
Oft vergessen wir, dieser „Pflanze“ genügend Raum in unserem Leben zu geben.
Herr, erbarme dich.
Gott,
du unsere Hoffnung und Kraft,
ohne dich vermögen wir nichts.
Steh uns mit deiner Gnade bei,
damit wir denken, reden und tun, was dir gefällt.
Darum bitten wir im heiligen Geist durch Jesus Christus.
MB 11. Sonntag im Jahreskreis
Bittmesse
Jesus Christus hat gesagt:
"Sorgt euch nicht um euer Leben!
Ängstigt euch nicht!
Euch soll es zuerst um das Reich Gottes gehen;
dann wird euch das andere dazugegeben."
Darum beten wir:
Gott. Wir fürchten, wenn wir uns auf dich einlassen,
wird unser Leben noch schwerer;
wenn wir uns für deine Sache mühn,
kommen wir selber zu kurz.
Mach uns frei von der Angst.
Gib uns Freude an deinem Reich
und laß uns erfahren,
daß dir allein die Zukunft gehört.
Das gewähre uns durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 40
Gnädiger Gott,
in deiner übergroßen Liebe
schenkst du der Kirche neues Wachstum.
Wache über das Volk, das du dir erwählt hast,
bewahre alle Getauften in deiner Gnade
und bekleide sie einst mit dem Gewand der Unsterblichkeit.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Samstag der Osteroktav
In der Taufe erhalten wir die Gnade für ein Leben im Glauben. An unserem Mittun liegt es, wie sich unser Glaube im Leben entwickeln und reifen kann.
An Gott, der uns dabei begleitet und stets nahe ist, richten wir unsere Bitten:
Für die vielen Christinnen und Christen, die in den unterschiedlichen Situationen ihres Alltags voll Hoffnung ihren Glauben leben und am Wachstum deines Reiches und der Verkündigung deiner Botschaft mitwirken.
Für eine christliche Gesellschaft in Europa, die für die Werte des Christentums eintritt und so zeigt, dass sie diese Bezeichnung schätzt und sich ihrer würdig erweist.
Für alle, die unsere Kinder und Jugendlichen in den Familien, durch ihre Patenschaft, in den Schulen, in den Vereinen oder Pfarren begleiten, ihren eigenen Glauben an sie weitergeben und so dazu beitragen, dass ihnen aus dem Gnadengeschenk der Taufe für ihr Leben Halt und Zuversicht erwachsen.
Für uns selbst, dass wir deiner Allmacht vertrauen und im rechten Augenblick erkennen, was gerade jetzt unsere Aufgabe ist.
Für unsere Verstorbenen, deren irdisches Leben vollendet ist. Für sie erhoffen wir, dass du sie in ihre Heimat bei dir aufgenommen hast.
Mit Staunen und in Dankbarkeit preisen wir dich, den Vater, Jesus, unseren Bruder und Herrn, im Heiligen Geist. - Amen.
Guter Gott,
wie ein Samenkorn legst du deine Liebe in unser Herz, damit sie wachse und wir dein Reich in dieser Welt verbreiten.
Wir bitten dich:
Immer mehr Menschen haben Angst vor der Zukunft. Die Welt ist ihnen zu kompliziert geworden und sie folgen denen, die ihnen einfache Antworten bieten, die oft in die Irre führen.
Herr, lege deine Liebe als Samenkorn in ihr Herz.
Immer mehr Menschen verbreiten Hass und Angst, um die Menschen zu manipulieren, damit sie ihnen folgen und ihnen zu mehr Macht verhelfen.
Immer mehr Menschen, die für Erziehung und Ausbildung der Kinder und Jugendlichen verantwortet sind, fühlen sich überlastet und hilflos.
Immer mehr Menschen schauen verbittert auf ihr Leben, haben nicht das Gefühl, Frucht gebracht zu haben, fühlen sich von anderen ausgebotet und vom Leben betrogen.
Immer mehr Menschen suchen nach Sündenböcken für ihr eigenes Versagen und werden bei denen fündig, die anders aussehen, anders leben, eine andere Sprache sprechen und bei uns Schutz und Zukunft suchen.
Immer mehr Menschen werden wach, sehen, was passiert, stehen auf und stellen sich denen entgegen, die menschenfeindlich agieren. Unermüdlich treten sie für Gerechtigkeit und Frieden ein.
Immer mehr Menschen leiden unter Kriegen und Terror oder sehen auf Grund des Klimawandels keine Möglichkeit mehr, in ihrer Heimat zu leben. Sie fliehen in der Hoffnung auf ein besseres Leben und sind doch nirgends willkommen.
Herr unser Gott,
immer wieder trifft dein Wort auf fruchtbaren Boden. Immer wieder setzen sich Menschen in deinem Namen für andere ein. Du säst dein Wort und deine Liebe in unser Herz. Hilf uns, darauf zu vertrauen, dass die Saat aufgeht.
Darum bitten wir Dich durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. - Amen.
Wie Gott die Schöpfung entstehen ließ, so lässt er auch sein Reich unter uns wachsen.
Unsere eigene Machermentalität tritt dabei in den Hintergrund.
Lasst uns ihn bitten, dass sein Reich unter uns reifen kann:
Für alle, die von ihrem Glauben an Dich so tief berührt sind, dass sie anderen Räume eröffnen, in denen Deine Botschaft angenommen werden kann.
Für alle, die durch Umweltkatastrophen und durch Schäden am Ökosystem ihre Lebensgrundlage verlieren.
Für eine Gesellschaft, die auch für Väter berufliche und finanzielle Bedingungen schafft, unter denen sie mit Freude und Staunen das Heranwachsen ihrer Kinder begleiten können.
Für alle, deren Leben sich entgegen ihren Plänen entwickelt hat, aber trotzdem viel Gutes durch Deine Fügung daraus entstanden ist.
Für unsere Verstorbenen, für die wir hoffen, dass sie Dich von Angesicht zu Angesicht schauen.
Durch Deine Kraft reift und wächst die Saat nicht nur im Ackerboden sondern auch in unser aller Leben.
Dafür danken wir Dir heute und allezeit bis in Ewigkeit. - Amen.
Herr, durch diese Gaben
nährst du den ganzen Menschen:
du gibst dem irdischen Leben Nahrung
und dem Leben der Gnade Wachstum.
Lass uns daraus immer neue Kraft schöpfen
für Seele und Leib.
Darum bitten wir im heiligen Geist durch Jesus Christus, unseren Herrn.
MB 11. Sonntag im Jahreskreis
Gott,
sieh auf dein Volk, das im Gebet versammelt ist,
und nimm unsere Gaben an.
Heilige sie, damit alle, die sie empfangen,
in deiner Liebe wachsen und dir immer treuer dienen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 15. Sonntag im Jahreskreis
Kehrvers:
Danket dem Herrn, denn ewig währt seine Liebe. (GL 444)
Gott und Schöpfer der ganzen Welt,
wir treten vor dich, um dir zu danken.
Denn du hast alles hervorgerufen, was ist,
allem, was lebt, hast du deinen Atem eingehaucht.
Wunderbar sind deine Werke, o Herr.
Kehrvers
Das Volk, das du dir erwählt hast,
hast du geschützt und genährt, wie Eltern ihr Kind umsorgen.
Wie ein Winzer den Weinstock hegt und pflegt,
hast du es wachsen und groß werden lassen.
Als es sich von dir abwandte,
hast du deinen Sohn gesandt,
damit er die Liebe deines Volkes zurückgewinne.
Kehrvers
Er hat dir aus allen Menschen, die auf seine Stimme hörten,
und aus allen, die dein Wort annahmen,
ein neues Volk erworben.
In ihnen keimt und wächst dein Reich.
Es treibt große Zweige und bringt reife Früchte.
Die Vögel des Himmels nisten in seinem Schatten.
Kehrvers
Auch uns hast du berufen,
diesem deinem Volk anzugehören,
Kinder und Erben deines Reiches zu sein.
Auch uns nährst und stärkst du mit deinem Wort.
Dafür loben und danken wir dir,
mit der ganzen Schöpfung
und mit allen Menschen, die auf dich hören,
preisen wir deine Größe.
Danklied, z.B. Erfreue dich, Himmel, erfreue dich, Erde (GL 467)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er hat Großes an uns getan:
durch seinen Tod und seine Auferstehung
hat er uns von der Sünde
und von der Knechtschaft des Todes befreit
und zur Herrlichkeit des neuen Lebens berufen.
In ihm sind wir ein auserwähltes Geschlecht,
dein heiliges Volk,
dein königliches Priestertum.
So verkünden wir die Werke deiner Macht,
denn du hast uns aus der Finsternis
in dein wunderbares Licht gerufen.
Darum singen wir
mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen
des himmlischen Heeres den Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 1
Es gibt
Zeiten der Dürre
der Suche
der Orientierungslosigkeit.
Zeiten
wo einfach nichts
wachsen will.
Bis sich endlich
neue Wege auftun
neue Ziele zeigen.
Neues beginnt
zu wachsen
zu blühen.
Zeiten
wo wieder Früchte reifen.
Vielleicht
beginnen diese Zeiten
gerade heute
gerade hier
gerade
bei mir.
Herr, unser Gott,
das heilige Mahl ist ein sichtbares Zeichen,
dass deine Gläubigen in dir eins sind.
Lass diese Feier wirksam werden
für die Einheit der Kirche
Darum bitten wir im heiligen Geist
durch Jesus Christus, unseren Herrn.
MB 11. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott,
das Sakrament der Erlösung,
das wir empfangen haben,
nähre uns auf dem Weg zu dir
und schenke dem wahren Glauben
beständiges Wachstum.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott,
das Sakrament der Erlösung,
das wir empfangen haben,
nähre uns auf dem Weg zu dir
und schenke dem wahren Glauben beständiges Wachstum.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Für die Ausbreitung des Evangeliums A
Gütiger Gott,
dem Auftrag deines Sohnes getreu,
haben wir das Opfer gefeiert
und das heilige Sakrament empfangen.
Es heile uns von unseren Sünden
und schenke uns Wachstum in deiner Gnade.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Heilige Frauen und Männer
Gott, der allmächtige Vater, segne euch
und schenke euch gedeihliches Wetter;
er halte Blitz, Hagel und jedes Unheil von euch fern. - Amen.
Er segne die Felder, die Gärten und den Wald,
und schenke euch die Früchte der Erde. - Amen.
Er begleite eure Arbeit,
damit ihr in Dankbarkeit und Freude gebrauchet,
was durch die Kräfte der Natur und die Mühe des Menschen gewachsen ist. - Amen.
Das gewähre euch der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. – Amen.
(Wettersegen, MB oder Benediktionale Nr. 8)
Der Bürgersteig vor unserem Haus
hat eine dichte solide Asphaltdecke
Jahrelang bin ich darüber gelaufen
Vorgestern bemerkt ich plötzlich
eine dicke Beule in dem glatten Asphalt
Gestern sah ich zwischen aufgeworfenen Asphaltbrocken
einen weißen Pilz
Heute war der Pilz fort
zertreten, zerstreut, tot
Aber jetzt
ist ein Loch im Asphalt
Aus: Andrea Schwarz, Ich mag Gänseblümchen, Verlag Herder, Freiburg 1985.
Die Gleichnisse der Bibel entstammen wie viele Geschichten und Psalmen des Alten Testamentes einer Zeit, in der Landwirtschaft überall präsent war. Die Menschen lebten mit der Natur, sie konnten sich Wachstum und Reife zwar nicht erklären, aber sie beobachteten und nutzen das, was da geschah. Aus einem Zweig der Zeder wuchs ein neuer Baum, aus einem winzig kleinen Senfkorn wächst ein großer Baum, der Schatten wirft. Das waren Dinge, die die Menschen kannten.
Auch wir kennen ähnliches: wenn sich irgendwo eine Birke sät, z.B., dann wächst sie ziemlich schnell, wenn man sie lässt. Sie braucht nicht mal Pflege.
Und so können wir uns das Wachsen des Reiches Gottes vorstellen. Der Same der Liebe Gottes zu uns Menschen und der Menschen untereinander ist von Gott gelegt. Wir sind der Nährboden, auf dem das Reich Gottes wachsen kann. Und wir sind auch die, die säen. Auch wenn wir oft das Gefühl haben, nichts ausrichten zu können in dieser kalten Welt, so können wir es doch versuchen, denn nicht umsonst heißt es in einem Sprichwort: geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude doppelte Freude.
Genauso ist es mit der Liebe und dem Frieden: jeder und jede von uns kann ihn verbreiten. Und das tägliche Leben zeigt: manchmal schlägt der Same aus. Wenn ich z.B. zu jemandem freundlich bin und hinterher merke, dass es diesen Menschen zumindest kurzzeitig verändert hat: weil er oder sie sich gesehen gefühlt hat und nun auch andere Menschen sieht.
In der Coronazeit habe ich angefangen, Briefe der Hoffnung zu schreiben. Einfach wahllos an Menschen, die mir näher oder ferner sind, deren Adressen ich aus den verschiedensten Gründen habe. Da erhielt ich nicht nur die Rückmeldung, dass die Briefe gutgetan haben, es gab auch Menschen, die ihrerseits angefangen haben, Briefe zu schreiben. Ohne, dass ich etwas dazu getan habe, breitete sich die Freude darüber, gesehen zu werden, wahrgenommen zu werden, immer weiter aus, auch zu Menschen, die ich gar nicht kenne.
Seien wir also wie der Sämann. Säen wir! Verbreiten wir das Wort Gottes! Verbreiten wir seinen Frieden und seine Liebe! - Und legen wir das Wachstum in die Hände Gottes.
Edith Furtmann 2024.
Mach hell, Herr, mein ganzes Denken,
mach hell mein ganzes Sein.
Und lass in deiner Liebe
mich wachsen und gedeihen.
Verwurzle mich auf Erden,
dass festen Stand ich find.
Doch richte Stamm und Äste,
dass sie dir nahe sind.
Und schenke mir Erblühen,
zu jeder guten Zeit.
Und lass mich Früchte tragen,
zu geben mich bereit.
Dass sich in meinem Schatten,
so mancher bergen mag.
Und schenk du mir die Nahrung,
dass ich stets wachse –
heute und jeden Tag.
Beatrix Senft, unveröffentlicht
Ein Samenkorn – ein Wunder!
Ins Erdreich fällt’s hinunter
und fängt dort im Geheimen
auch bald schon an zu keimen.
Im Körnlein schlummern Kräfte,
da wirken Lebenssäfte;
hervor sprießt eine Pflanze:
Ein Kunstwerk ist das Ganze!
Von all den vielen Samen
weiß ich nur wenig Namen,
weshalb ich mich bescheide,
zu reden von Getreide!
Schon viel zu sagen wäre
zu Wurzel, Halm und Ähre;
vor allem: Wer kann Leben,
Gestalt und Wachstum geben?
Das ist ein großer Meister.
Gott ist’s, und Schöpfer heißt Er.
Auf wunderbare Weise
sorgt Er für unsre Speise,
gibt Brot aus Weizen, Roggen,
aus Hafer feine Flocken,
schenkt Fülle an Getreide,
dass keiner Mangel leide!
Wenn Gott nichts wachsen ließe,
dass es der Mensch genieße –
wir würden bald verderben,
vor Hunger elend sterben!
Doch der einst sprach: „Es werde!“,
schafft Nahrung aus der Erde,
gibt Frucht und wieder Samen,
drum rühm' ich seinen Namen!
Beatrix Senft, unveröffentlicht
Das scheint alles so selbstverständlich zu sein und so klar, der Erde Zeit zu lassen und dadurch selber Zeit zu gewinnen, daß uns so etwas kaum des Nachdenkens wert ist. Und doch macht Jesus uns auf einen so ein-fachen Vorgang aufmerksam, um uns das Geheimnis von Gottes Reich mitzuteilen, das sich nicht irgendwo im Jenseits, sondern ganz in unserer Mitte abspielt. Und dieses Geheimnis besteht darin, daß einer unterscheiden kann zwischen der Zeit, die er sich nehmen muß, wenn er dran ist, und derjenigen Zeit, die er sich lassen kann, weil etwas von selbst zu seinem Besten geschieht, außerhalb seiner selbst. Mit so einer Unterscheidung der Zeiten werden mehr als bloß Erfolge produziert, Scheine gemacht, Leistungen erbracht. Es wächst vielmehr Frucht heran, und ich darf mir Zeit lassen, sie wachsen zu lassen, auch wenn sie jetzt noch verborgen ist.
Ach, wenn wir uns doch durch Jesu Gleichnis in dieses Unterscheiden zwischen Gottes Zeit und unserer Zeit einüben ließen! Wir hätten mehr Zeit und könnten uns mehr Zeit lassen. Das trennt ja den Teufel so abgrundtief von Gott: Der Teufel hat keine Zeit und läßt dir keine Zeit, sondern nimmt dir auch noch die letzte Zeit, so daß du unter teuflischen Zeitdruck gerätst und am Ende nicht einmal mehr schlafen kannst. Am Ende eines Semesters redet er dir ein: Zu spät, mein Lieber, du hast keine Zeit mehr. Das Durcheinanderbringen der Zeiten gehört zum Geschäft des Teufels: Gottes Zeit und deine Zeit wirft er durcheinander. Mal redet er dir ein, daß du ständig und immer dran bist und nimmt dir so die Zeit und jagt dich zu Tode. Und dann redet er dir wieder ein, daß du gar nicht mehr dran bist und alles zu spät ist und bringt dich so in Verzweiflung.
Jesus dagegen übt mit uns die Unterscheidung zwischen Gottes Zeit und unserer Zeit gleichnishaft ein. Und wenn ihr euch in dieses Unterscheiden von Jesus einüben laßt, dann beginnt ihr die Luft von Gottes Reich zu atmen. Gott hat nicht nur Zeit, er läßt uns auch Zeit und schenkt uns Zeit, so wie die Erde diesem Bauern Zeit schenkt, daß er schlafen und aufstehen kann Nacht und Tag.
Prof. Dr. Christian Möller, Predigt am Sonntag Sexagesimae (07.02.99) über Mk 4,26-29
in der Peterskirche Heidelberg.
https://www.uni-heidelberg.de/fakultaeten/theologie/universitaetsgottesdienste/990207.html
Im übrigen meine ich
Dass Gott der Herr uns gerade in diesen Tagen
Des wetterwendischen Frühlings
Aber auch der sich uns nähernden Wärme
Uns wieder den Aufbruch der Natur
Und damit den Neuanfang auch für unser Gemüt
Und unseren Geist deutlich spüren lässt
Dass er uns immer wieder in die Nähe seines Himmels führe
Sein Wort durch unseren Kopf gehen lässt
Seinen Blick in unser Herz senkt
Er möge uns
Sichtbar und unsichtbar zeigen
Dass wir nicht verloren sind
Auch wenn die Welt verloren ging
Und dass er sich unser erbarmt
So wie wir uns erbarmen wollen
Die Hilflosen und Beladenen
Die Obdach- und Besitzlosen
Sollen unser besonderes Augenmerk haben
Die Kunst des Zusammenfühlens und Zusammendenkens
Möchten wir wieder lernen
Mit ihm dem Sohne und dem Heiligen Geiste
Lehre uns auf deine Weise die Dinge zu Ende zu denken
So dass wir neu anfangen können
Mit dir und mit allen Geschöpfen die du gemacht
Mit der Schlange und dem Pferd
Den Menschen aller Arten und Abarten
Den weißen den farbigen allen die unter deinem Himmel
Der heute in Leib und Seele bei uns ist
Leben sterben und sich wiedersehen
Dafür danken wir dir und preisen dich auf unseren Wegen
Von dir und zu dir am Morgen wie am Abend ohne Ende
Aus: Michael Blum und Hans Dieter Hüsch, Das kleine Buch zum Segen, Düsseldorf 1999.
Auch im Zweiten Korintherbrief schreibt er (Paulus) von seiner Sehnsucht, beim Herrn zu sein: „Weil wir aber zuversichtlich sind, ziehen wir es vor, aus dem Leib auszuwandern und daheim beim Herrn zu sein.“ (2 Kor 5,8). Beim Herrn sein heißt für Paulus: daheim zu sein, Heimat zu haben in Christus, für immer bei ihm geborgen zu sein. Im Griechischen stehen hier zwei Worte für Auswandern und Daheimsein, die den gleichen Stamm haben: „ekdemesai“ und „endemesai“. Das heißt: aus dem Land, aus dem, was mir bisher Heimat ist, auszuziehen, und einzuziehen in das neue Land, in das der Verheißung, das uns Christus bei Gott bereitet hat, um dort daheim zu sein. Das ist die tiefste Sehnsucht des Paulus: für immer mit Christus zu sein, bei ihm daheim zu sein, in ihm Heimat haben, ihn anzuschauen und mit ihm eins zu werden.
Beim Herrn sein bedeutet, dass das ewige Leben vor allem in einer intimen Beziehung zu Jesus Christus besteht. Die Erfahrungen, die wir hier auf Erden mit Christus gemacht haben – im Gebet, in der Meditation, in den Sakramenten -, werden im Himmel erfüllt. In den Sakramenten berührt uns Jesus. In der Eucharistie wird er eins mit uns. Aber trotz der Sakramente erfahren wir immer auch Entfremdung und Fernsein von Christus. Wir können die Nähe nicht durchhalten. Im ewigen Leben, so wie Paulus sich es vorstellt, sind wir für immer beim Herrn und mit ihm. Wir dürfen uns an der Gemeinschaft mit ihm erfreuen.
Die Theologie hat diese Worte des Paulus aufgegriffen, wenn sie Christus selbst als den Himmel bezeichnet. Wenn wir in Christus und mit ihm sind, dann sind wir im Himmel, dann ist unsere Sehnsucht nach Angenommen werden, nach Geliebt werden, nach Eins werden, nach Verwandelt werden für immer erfüllt.
Aus: Anselm Grün, Was kommt nach dem Tod? Die Kunst zu leben und zu sterben Münsterschwarzach 2009.

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Ezechiel, Prophet und Begleiter Israels im babylonischen Exil, erzählt die Geschichte von einem neuen Anfang, mit Bildern, die über sich hinaus wachsen: kleine Ableger wachsen auf der Höhe in die Höhe, alles, was Flügel hat, wohnt im Schatten der übermächtigen Zweige und die Bäume, die in der Ebene wachsen, erkennen Gott als den Herren. Es sind Bilder, die in einer ausweglosen und verunsichernden Situation Hoffnung machen: Israel wird neu eingepflanzt, wird von weitem gesehen, wird zu einem Lebensraum in der Nähe des Himmels und lädt ein, Gottes Größe zu entdecken. Das alles wird im Exil verkündet und erwartet.. Es ist eine Zeit, in der das Volk Gottes in schuldbeladener Geschichte sich und Gott neu entdeckt
Der Schlussteil "Ich mache den hohen Baum niedrig, den niedrigen mache ich hoch. Ich lasse den grünenden Baum verdorren, den verdorrten erblühen" setzt den Akzent noch einmal anders. Der hohe und grünende Baum steht für Babylon, der niedrige und verdorrte für Israel. Im Magnificat, Lk 1, finden wir ähnliche Formulierungen: Er (Jahwe) stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen, er sättigt die Hungrigen mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. Jahwe steht zu dem Wort, dass er seinem Volk gegeben hat.
Im Vers 23 beginnt der Neuanfang Gottes. Er selbst handelt und schafft den Boden für das, was möglich werden soll. Es ist Heilung und Neuerweckung aus dem kleinen Rest.