Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
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Lesung aus dem Buch der Weisheit.
Gott hat den Tod nicht gemacht
und hat keine Freude am Untergang der Lebenden.
Zum Dasein hat er alles geschaffen
und heilbringend sind die Geschöpfe der Welt.
Kein Gift des Verderbens ist in ihnen,
das Reich der Unterwelt hat keine Macht auf der Erde;
denn die Gerechtigkeit ist unsterblich.
Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen
und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht.
Doch durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt
und ihn erfahren alle, die ihm angehören.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch der Weisheit.
Gott hat den Tod nicht gemacht
und hat keine Freude am Untergang der Lebenden.
Zum Dasein hat er alles geschaffen
und heilbringend sind die Geschöpfe der Welt.
Kein Gift des Verderbens ist in ihnen,
das Reich der Unterwelt hat keine Macht auf der Erde;
denn die Gerechtigkeit ist unsterblich.
Die Gottlosen aber
rufen den Tod mit Taten und Worten herbei
und sehnen sich nach ihm wie nach einem Freund;
sie schließen einen Bund mit ihm,
weil sie es verdienen, ihm zu gehören.
Sie tauschen ihre verkehrten Gedanken aus
und sagen:
Kurz und traurig ist unser Leben;
für das Ende des Menschen gibt es keine Heilung
und man kennt keinen, der aus der Unterwelt befreit.
Durch Zufall sind wir geworden
und danach werden wir sein,
als wären wir nie gewesen.
Rauch ist der Atem in unserer Nase
und das Denken ein Funke beim Schlag unseres Herzens;
verlöscht er, dann zerfällt der Leib zu Asche
und der Geist verweht wie dünne Luft.
Unser Name wird mit der Zeit vergessen,
niemand erinnert sich unserer Werke.
Unser Leben geht vorüber wie die Spur einer Wolke
und löst sich auf wie ein Nebel,
der von den Strahlen der Sonne verscheucht
und von ihrer Wärme zu Boden gedrückt wird.
Unsere Zeit geht vorüber wie ein Schatten,
unser Ende wiederholt sich nicht;
es ist versiegelt und keiner kommt zurück.
Auf, lasst uns die Güter des Lebens genießen
und die Schöpfung auskosten,
wie es der Jugend zusteht!
Erlesener Wein und Salböl sollen uns reichlich fließen,
keine Blume des Frühlings darf uns entgehen.
Bekränzen wir uns mit Rosen, ehe sie verwelken.
Keine Wiese bleibe unberührt von unserem Treiben,
überall wollen wir Zeichen der Fröhlichkeit zurücklassen;
denn dies ist unser Anteil und dies das Erbe.
Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen
und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht.
Doch durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt
und ihn erfahren alle, die ihm angehören.
Kv: Herr, du zogst mich herauf aus der Tiefe;
ich will dich rühmen in Ewigkeit. – Kv
Oder: GL 312,5
Ich will dich erheben, Herr, /
denn du zogst mich herauf *
und ließest nicht zu, dass meine Feinde sich über mich freuen.
Herr, du hast meine Seele heraufsteigen lassen aus der Totenwelt, *
hast mich am Leben erhalten, sodass ich nicht
in die Grube hinabstieg. – (Kv)
Singt und spielt dem Herrn, ihr seine Frommen, *
dankt im Gedenken seiner Heiligkeit!
Denn sein Zorn dauert nur einen Augenblick, *
doch seine Güte ein Leben lang. – (Kv)
Wenn man am Abend auch weint, *
am Morgen herrscht wieder Jubel.
Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt, *
Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit. – Kv
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korínth.
Schwestern und Brüder!
Wie ihr an allem reich seid,
an Glauben, Rede und Erkenntnis,
an jedem Eifer
und an der Liebe, die wir in euch begründet haben,
so sollt ihr euch auch an diesem Liebeswerk
mit reichlichen Spenden beteiligen.
Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus:
Er, der reich war,
wurde euretwegen arm,
um euch durch seine Armut reich zu machen.
Es geht nicht darum,
dass ihr in Not geratet, indem ihr anderen helft;
es geht um einen Ausgleich.
Im Augenblick soll euer Überfluss ihrem Mangel abhelfen,
damit auch ihr Überfluss einmal eurem Mangel abhilft.
So soll ein Ausgleich entstehen,
wie es in der Schrift heißt:
Wer viel gesammelt hatte, hatte nicht zu viel,
und wer wenig, hatte nicht zu wenig.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
In 2. Kor. haben wir sozusagen eine frühchristliche Spendenakquise vor uns. Paulus sammelt für die verarmte und bedrängte Gemeinde in Jerusalem eine Kollekte ein.
Der Apostel nennt die Korinther reich: an Glauben, Rede und Erkenntnis ... und wechselt das in Geld um: so sollt ihr euch auch an diesem Liebeswerk mit reichlichen Spenden beteiligen.
Tragend für seine Argumentation ist jedoch, dass Christus, "unser Herr" um „euretwegen“ (gemeint sind die Korinther) arm wurde, um „euch“ reich zu machen. Daraus leitet Paulus den Anspruch ab, geistlichen Reichtum auch materiell zu "teilen". Er nennt das Ausgleich.
In Korinth war eine heidenchristliche Gemeinde entstanden. Die Verbindung zu Jerusalem, der judenchristlichen Muttergemeinde, ist nur locker und im Bewusstsein einer aufstrebenden, aber auch streitbaren Gemeinde nicht präsent.
Zum ersten Mal erfahren wir von einer Sammlung, die unbekannten Mitchristen Solidarität erweist. Besonders wichtig ist, dass Paulus hier ein Bild von Kirche entwirft, das nicht von der Trennung der juden- und heidenchristlichen Gemeinden gezeichnet ist, sondern von der bleibenden Zugehörigkeit und Verantwortung. Dass die weitere Geschichte von Trennungen bestimmt werden könnte, hat Paulus wohl geahnt -. und auch für den finanziellen Ausgleich eine christologische Begründung gegeben.
Der zweite Brief an die Korinther des Apostels Paulus ist von der wechselvollen Geschichte der Gemeinde in Korinth bestimmt. Seit der Abfassung des ersten Briefes war einige Zeit verstrichen und die Geschichte der korinthische Gemeinde nahm einen wechselvollen Verlauf.
Drei Hauptthemen bestimmen diesen Brief: Das Apostelamt des Paulus, die Kollekte für die Armen (heutige Perikope) und die Auseinandersetzung mit seinen Gegnern. Der zweite Korintherbrief gibt uns bedeutsame Informationen über das Verständnis des paulinischen Apostelamtes und enthält auch wichtige Aussagen über die Beziehungen zwischen Amt und Gemeinde.
Im Textabschnitt für den heutigen Sonntag geht es schlicht und einfach ums Geld. Paulus bezeichnet es aber als „Liebeswerk", das die Kluft zwischen Armen und Reichen ausgleichen soll. Das Geben von Geld, die Unterstützung von Armen, schafft geschwisterliche Gemeinschaft. Der Geber wird Gott, dem Spender alles Guten, ähnlich und der Empfangende, Christus, der selbst arm wurde. Schenkende Liebe ist das Wesen Gottes.
Im 2. Brief an die Korinther (55/56 n.Chr.) ruft Paulus zu freigiebigem Spenden auf. Die Korinther hatten sich ein Jahr zuvor bereit erklärt, sich an einer Sammlung für die bedürftigen Christen in Jerusalem zu beteiligen. Wegen eines Zerwürfnisses mit Paulus kam es nicht dazu. Nun ermuntert Paulus die Korinther, ihr Versprechen einzulösen. Zunächst erinnert er sie an ihre reichen Gnadengaben, die sie eifrig einsetzen. Genauso großzügig sollen sie auch mit ihren irdischen Gütern umgehen. Dann zieht Paulus an Hand der Stichworte "arm" und "reich" eine Verbindung zur Christologie. Was das rechte Maß der Hilfe betrifft, so sollen die Korinther nicht belastet werden, damit andere sich einen guten Tag machen können. Vielmehr soll es zu einem geschwisterlichen Ausgleich kommen. Zur Zeit haben die Korinther mehr irdische Güter als die Christen in Jerusalem. Paulus setzt aber voraus, dass auch die Korinther Hilfe von den anderen erfahren, wenn sie in Not geraten. Zur Veranschaulichung der "Gleichheit" nennt Paulus ein Beispiel aus dem AT. Bei der Mannaspeisung (Ex 16,18) gab Gott jedem das für den momentanen Bedarf Erforderliche.
Wie geht es uns, wenn heute ein Spenden- oder Kollektenaufruf an uns ergeht? Geben wir Almosen von unserem Überfluss, um unser schlechtes Gewissen zu beruhigen? Oder lassen wir uns von der Not anderer berühren und teilen aus dieser Betroffenheit heraus mit ihnen? Das Fernsehen bringt heute die Not der Welt in unsere Wohnzimmer. Bilder von Naturkatastrophen, die Leben und Existenzgrundlage vieler Menschen zerstören, lassen unsere eigenen Sorgen plötzlich sehr klein erscheinen. So ist der Aufruf des Paulus, vom eigenen Reichtum abzugeben, auch an uns gerichtet. Aber nicht nur materielle Hilfe ist von uns gefordert. Menschen in unserer nahen Umgebung brauchen auch unsere persönliche Unterstützung. Bei Krankheit, Einsamkeit und Krisen anderer ist oft der Einsatz anderer Gaben gefragt: Zuhören, Anteilnehmen, Mutmachen und konkrete Hilfen. Wenn wir unsere Zeit und Zuwendung mit diesen Menschen teilen, ist das auch im Sinne den Paulus. Aber zugleich erinnert er uns an das rechte Maß: geben ja, aber uns nicht verausgaben. Diese Mahnung gilt besonders für jene von uns, die gerne für andere da sind und sorgen, aber darüber oft ihre eigenen Bedürfnisse vergessen. Gerade ihnen macht Paulus Mut, in eigener Not von anderen dankbar Hilfe anzunehmen. Nur so kann es zu einem geschwisterlichen Ausgleich kommen. Dann kann ein Stückweit wahr werden, was im Alten Testament bei der Mannaspeisung so anschaulich beschrieben wird: Jeder hatte soviel, wie er zum Leben brauchte.
Claudia Simonis-Hippel, in: Gottes Volk B 6/2006, Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2006, S. 13-24.
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korínth.
Schwestern und Brüder!
Wie ihr an allem reich seid,
an Glauben, Rede und Erkenntnis,
an jedem Eifer
und an der Liebe, die wir in euch begründet haben,
so sollt ihr euch auch an diesem Liebeswerk
mit reichlichen Spenden beteiligen.
Ich meine das nicht als strenge Weisung,
aber ich gebe euch Gelegenheit,
angesichts des Eifers anderer
auch eure Liebe als echt zu erweisen.
Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus:
Er, der reich war,
wurde euretwegen arm,
um euch durch seine Armut reich zu machen.
Ich gebe euch nur einen Rat, der euch helfen soll;
ihr habt ja schon voriges Jahr angefangen,
etwas zu unternehmen, und zwar aus eigenem Wollen.
Jetzt sollt ihr das Begonnene zu Ende führen,
damit das Ergebnis dem guten Willen entspricht
- je nach eurem Besitz.
Wenn nämlich der gute Wille da ist,
dann ist jeder willkommen mit dem, was er hat,
und man fragt nicht nach dem, was er nicht hat.
Es geht nicht darum,
dass ihr in Not geratet, indem ihr anderen helft;
es geht um einen Ausgleich.
Im Augenblick soll euer Überfluss ihrem Mangel abhelfen,
damit auch ihr Überfluss einmal eurem Mangel abhilft.
So soll ein Ausgleich entstehen,
wie es in der Schrift heißt:
Wer viel gesammelt hatte, hatte nicht zu viel,
und wer wenig, hatte nicht zu wenig.
Halleluja. Halleluja.
Unser Retter Jesus Christus hat den Tod vernichtet
und uns das Licht des unvergänglichen Lebens gebracht durch das Evangelium,
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit
fuhr Jesus im Boot
an das andere Ufer des Sees von Galiläa hinüber
und eine große Menschenmenge versammelte sich um ihn.
Während er noch am See war,
kam einer der Synagogenvorsteher namens Jaírus zu ihm.
Als er Jesus sah,
fiel er ihm zu Füßen
und flehte ihn um Hilfe an;
er sagte: Meine Tochter liegt im Sterben.
Komm und leg ihr die Hände auf,
damit sie geheilt wird und am Leben bleibt!
Da ging Jesus mit ihm.
Viele Menschen folgten ihm und drängten sich um ihn.
Darunter war eine Frau,
die schon zwölf Jahre an Blutfluss litt.
Sie war von vielen Ärzten behandelt worden
und hatte dabei sehr zu leiden;
ihr ganzes Vermögen hatte sie ausgegeben,
aber es hatte ihr nichts genutzt,
sondern ihr Zustand war immer schlimmer geworden.
Sie hatte von Jesus gehört.
Nun drängte sie sich in der Menge von hinten heran –
und berührte sein Gewand.
Denn sie sagte sich:
Wenn ich auch nur sein Gewand berühre,
werde ich geheilt.
Und sofort versiegte die Quelle des Blutes
und sie spürte in ihrem Leib,
dass sie von ihrem Leiden geheilt war.
Im selben Augenblick fühlte Jesus,
dass eine Kraft von ihm ausströmte,
und er wandte sich in dem Gedränge um
und fragte: Wer hat mein Gewand berührt?
Seine Jünger sagten zu ihm:
Du siehst doch, wie sich die Leute um dich drängen,
und da fragst du: Wer hat mich berührt?
Er blickte umher, um zu sehen, wer es getan hatte.
Da kam die Frau,
zitternd vor Furcht,
weil sie wusste, was mit ihr geschehen war;
sie fiel vor ihm nieder
und sagte ihm die ganze Wahrheit.
Er aber sagte zu ihr: Meine Tochter,
dein Glaube hat dich gerettet.
Geh in Frieden!
Du sollst von deinem Leiden geheilt sein.
Während Jesus noch redete,
kamen Leute,
die zum Haus des Synagogenvorstehers gehörten,
und sagten zu Jairus: Deine Tochter ist gestorben.
Warum bemühst du den Meister noch länger?
Jesus, der diese Worte gehört hatte,
sagte zu dem Synagogenvorsteher: Fürchte dich nicht!
Glaube nur!
Und er ließ keinen mitkommen
außer Petrus, Jakobus und Johannes,
den Bruder des Jakobus.
Sie gingen zum Haus des Synagogenvorstehers.
Als Jesus den Tumult sah
und wie sie heftig weinten und klagten,
trat er ein
und sagte zu ihnen: Warum schreit und weint ihr?
Das Kind ist nicht gestorben,
es schläft nur.
Da lachten sie ihn aus.
Er aber warf alle hinaus
und nahm den Vater des Kindes und die Mutter
und die, die mit ihm waren,
und ging in den Raum, in dem das Kind lag.
Er fasste das Kind an der Hand
und sagte zu ihm: Talíta kum!,
das heißt übersetzt:
Mädchen, ich sage dir, steh auf!
Sofort stand das Mädchen auf
und ging umher.
Es war zwölf Jahre alt.
Die Leute waren ganz fassungslos vor Entsetzen.
Doch er schärfte ihnen ein,
niemand dürfe etwas davon erfahren;
dann sagte er,
man solle dem Mädchen etwas zu essen geben.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Zwei Erzählungen sind in einer kunstvoll gestalteten Komposition verbunden: die Heilung der "blutflüssigen" Frau (ständige Menstruation) und der Totenauferweckung der Tochter des Synagogenvorstehers Jairus. Zahlreich sind auch die Entsprechungen und Querverweise: beide sind weiblich, die eine zwölf Jahre krank, die andere 12 Jahre alt, ärztliche Hilfe ohne Erfolg oder ohnehin zu spät – und beide werden als "Tochter" bezeichnet: die jüngere im wörtlich-genealogischen Sinn, die ältere im soteriologisch-übertragenen Sinn. Die Heilung bzw. Auferweckung erfolgt zwar durch Berührung, passiv und aktiv, aber von entscheidender Bedeutung ist der Glaube (VV 34.36, vgl. 16,16). Beide werden durch Jesus "gerettet", aber beide sind keineswegs nur Empfänger!
Der Wunderzyklus 4,35-5,43 ist eine Antwort auf die in 4,41 gestellte Frage: "Wer ist dieser?"
In den ältesten christlichen Textzeugnissen spielen Wunder keine Rolle. Erst Markus entfaltet sein Evangelium mit den Zeichen, die die "Fülle der Zeit" und das gekommene Reich Gottes (1,15) offenbaren.
Die Volksmenge allerdings kommt über die Kulisse nicht hinaus. Beide Erzählungen sind intim gestaltet. Das in Vers 43 formulierte, für Markus typische Schweigegebot, kontrastiert das Entsetzen der "Leute". Sosehr Wunder für Gottes Reich stehen, so wenig eignen sie sich für Massenerscheinungen. Markus stellt Innenräume vor, in denen Zeichen Gottes Gegenwart erfahrbar machen. Es ist der Glaube, der wahrnimmt, bittet und bezeugt.
Der Name Jairus ist programmatisch. Je nach hebr. Lesart "Gott wird erstrahlen" / "Gott wird erwecken" wird das Ziel der Geschichte, die Epiphanie Gottes, im Zeichen der Auferstehung angedeutet.
Traditionsgeschichtlich ist auf die Elija-Elischa-Überlieferung zu verweisen (1 Kön 17,17-24; 2 Kön. 4,8-37), die bei Markus christologisch überboten wird: Jesus ist mehr als ein Prophet. Er vertritt in beiden Geschichten Gott selbst.
Wer mehr wissen möchte, findet eine gute Hilfe unter:
http://www.perikopen.de/Lesejahr_B/13_iJ_B_Mk5_21-43_Schumacher
Nach alter kirchlicher Überlieferung gilt der hl. Markus als Verfasser des ältesten der drei Evangelien. Als Verfassungsort gilt Rom, das Entstehungsdatum ist gegen 70 n. Chr. Markus sammelte Geschichten über Jesus, vor allem Wundererzählungen und ordnete diese Stoffe zeitlich und sachlich, um sie zu einem Ganzen zu vereinen.
Gott hat durch Jesus seinen Willen offenbart: Die Menschen zu retten. Jesus ist der verheißene Messias und durch sein Wirken ist die Zeit der Gnade gekommen. Jesus überwindet das Unheil, die Herrschaft des Bösen, vergibt Sünden und predigt das Reich Gottes. Die bedrängten ersten Christen will der Verfasser durch seine Botschaft ermuntern, diesem Jesus - dem Messias - auch in Verfolgung und Leid treu zu bleiben.
Im heutigen Evangelium sind zwei Wundererzählungen miteinander verknüpft: die Heilung der blutflüssigen Frau und die Auferweckung des toten Mädchens. Markus berichtet, dass Jesus Macht über Krankheit und sogar über den Tod hat. Diese Eigenschaft Jesu macht ihn faszinierend und erschreckend für die Menschen seiner Zeit. Ob die Menschen, die dabei waren, durch diese Geschehnisse zum Glauben gefunden haben wird uns nicht mitgeteilt. Doch den Vater des gestorbenen Mädchens hat Jesus zum Glauben an das Unmögliche ermutigt.
Die Langversion der Evangeliumsperikope umfasst zwei ineinander komponierte Wundergeschichten: Mk 5,21-24. 35-43 beschreibt die Auferweckung der Tochter des Jaïrus und in diese Geschichte verwoben findet sich der Bericht von der Heilung der blutflüssigen Frau (Mk 5,25-34). Beide Geschichten bieten eine Fülle an Auslegungsmaterial, das hier nicht diskutiert werden kann.
Die Erzählungen verdeutlichen die Aussageabsicht des Evangelisten: Der Gottessohn ist Herr über die Grenzen der menschlichen Existenz, sogar noch über den Tod. Voraussetzung, dass der Mensch dies erfahren kann, ist der Glaube - er allein hilft, Mauern zu überspringen. Um dies noch eindrücklich hervorzuheben, wird der Glaube der Protagonisten in beiden Geschichten kontrastiert mit dem Unverständnis der Anderen: Bei der Heilung der Frau sind es sogar Jesu Jünger, die nicht verstehen, was vor sich gegangen ist (Vers 31); vor der Erweckung des Mädchens versuchen die Menschen, Jaïrus von Jesus abzuhalten (Vers 35).
Heutige Leser oder Hörerinnen tun sich mit solch plastischen Wundergeschichten oft schwer. Denn als Tatsachenberichte sind sie nach unserem heutigen Realitätsverständnis unglaublich: Eine Heilung durch die Berührung der Kleidung Jesu erscheint uns als magische Handlung. Und die Wiederbelebung eines Leichnams und die Rückkehr ins irdische Leben widerspricht völlig unserer Erfahrung. Aber solange wir in der Tatsachenfrage stecken bleiben, kann uns die tiefere Bedeutung des Textes nicht erreichen.
Dabei kann diese Erzählung uns heute auf verschiedenen Ebenen ansprechen. Literarisch betrachtet handelt es sich hier um zwei ursprünglich selbständige Wundergeschichten. Sie wurden nachträglich "verschachtelt", so dass die Auferweckung den Rahmen und den Höhepunkt des Ganzen bildet. Beide Erzählungen enthalten typische Motive von Heilungswundererzählungen und zielen auf den Glauben der Zuhörer. Das Evangelium führt uns auf zweierlei Weise einen Glauben vor Augen, der Berührungstabus bricht und der Gott alles zutraut, auch den Sieg über den Tod.
Auch von Thema und Struktur des inneren Prozesses her gehören die beiden Erzählungen zusammen. Die blutflüssige Frau wird beschrieben als jemand, dessen Lebenskraft sinnlos und fruchtlos verströmt. Wie viele andere Frauen - auch heute - sieht diese Frau ihre Lebensaufgabe darin, sich für andere zu verausgaben. Über diesem einseitigen Geben vernachlässigt sie, sich selbst das zu nehmen, was sie braucht und ihr zusteht. Erst als sie ganz am Ende ihrer Lebenskraft ist und Jesus begegnet, hat sie den Mut, für sich selbst zu sorgen: An diesem Wendepunkt ihres Lebens besitzt sie sogar die Kühnheit, ein Tabu zu brechen und als "Unreine" Jesus zu berühren. Das macht uns heute Mut, uns selbst zu nehmen, was wir für ein erfülltes Leben brauchen.
Das zwölfjährige Mädchen verliert schon alles Leben, bevor ihr Leben als Erwachsene überhaupt richtig beginnt. Die Schilderung ihres Vaters lässt ahnen, dass er sein "Töchterlein" klein und abhängig halten will. Übertriebene Fürsorge ist aber nicht hilfreich, sondern wirkt erdrückend. Häufig verlangen solche Eltern als Gegenleistung, dass das Kind, für das sie ja alles geben, sein eigenes Leben aufgibt. Ganz anders geht Jesus mit dem Mädchen um: Allen Totenklagen zum Trotz traut er ihr ein eigenes Leben zu, nimmt sie an der Hand, so dass sie aufstehen und auf eigenen Füßen stehen kann. Dieses Verhalten Jesu zeigt uns, wie auch wir auf lebendig machende Weise miteinander umgehen können.
Für Frauen hat der ganze Bibeltext noch einmal eine besondere Relevanz: Es geht hier auch um die Frage, wie Frau-Werden und Frau-Sein gelingen kann.
Claudia Simonis-Hippel, in: Gottes Volk B 6/2006, Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2006, S. 13-24.
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit
fuhr Jesus im Boot
an das andere Ufer des Sees von Galiläa hinüber
und eine große Menschenmenge versammelte sich um ihn.
Während er noch am See war,
kam einer der Synagogenvorsteher namens Jaírus zu ihm.
Als er Jesus sah,
fiel er ihm zu Füßen
und flehte ihn um Hilfe an;
er sagte: Meine Tochter liegt im Sterben.
Komm und leg ihr die Hände auf,
damit sie geheilt wird und am Leben bleibt!
Da ging Jesus mit ihm.
Viele Menschen folgten ihm und drängten sich um ihn.
Unterwegs kamen Leute,
die zum Haus des Synagogenvorstehers gehörten,
und sagten zu Jairus: Deine Tochter ist gestorben.
Warum bemühst du den Meister noch länger?
Jesus, der diese Worte gehört hatte,
sagte zu dem Synagogenvorsteher: Fürchte dich nicht!
Glaube nur!
Und er ließ keinen mitkommen
außer Petrus, Jakobus und Johannes,
den Bruder des Jakobus.
Sie gingen zum Haus des Synagogenvorstehers.
Als Jesus den Tumult sah
und wie sie heftig weinten und klagten,
trat er ein
und sagte zu ihnen: Warum schreit und weint ihr?
Das Kind ist nicht gestorben,
es schläft nur.
Da lachten sie ihn aus.
Er aber warf alle hinaus
und nahm den Vater des Kindes und die Mutter
und die, die mit ihm waren,
und ging in den Raum, in dem das Kind lag.
Er fasste das Kind an der Hand
und sagte zu ihm: Talíta kum!,
das heißt übersetzt:
Mädchen, ich sage dir, steh auf!
Sofort stand das Mädchen auf
und ging umher.
Es war zwölf Jahre alt.
Die Leute waren ganz fassungslos vor Entsetzen.
Doch er schärfte ihnen ein,
niemand dürfe etwas davon erfahren;
dann sagte er,
man solle dem Mädchen etwas zu essen geben.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Tod eines Kindes, der Tod von Kindern, macht sprachlos, lässt uns unsere Ohnmacht gegenüber dem Tod besonders intensiv erfahren. Der Tod hat jedoch nicht das letzte Wort, will uns die Erzählung von der Auferweckung der Tochter des Jairus erzählen. Jesus setzt ihm das "Talita kum!" entgegen. Es gibt Zukunft.
Ein zwölfjähriges Mädchen stirbt. Krank? Unfall? Nicht einmal den Namen kennen wir. Nur den Nachnamen: Jairus. Auf deutsch: Gott wird erstrahlen, Gott wird auferwecken. Ob das mehr ist als eine Andeutung? Nomen est Omen!
Wenn ein Kind stirbt, gerät die Welt aus den Fugen. Viele Kinder sterben. Das Lebensalter „Zwölf“ steht im Übrigen für das Ende der Kindheit. Es gibt keine Zukunft!
Oft denke ich darüber nach. Als ich meinen Zivildienst machte, verbrachte ich 1 ½ Jahre in einer Kinderklinik. Ein richtig großes Haus mit vielen Stationen. Dass Kinder krank, schwer krank sein können, wusste ich. Theoretisch. Ich habe dann viele Situationen erlebt, in denen ein kleines Leben erlosch.
Einmal kam er Junge zu uns auf die Station und verabschiedete sich. Es habe keinen Sinn mehr, weiter Medikamente zu nehmen und die Schmerzen zu ertragen. Er hatte Leukämie. Ein paar Tage später war er tot. Seinen Namen habe ich vergessen, aber seinen Handschlag spüre ich immer noch in meiner Hand.
Am Abend sehe ich die Nachrichten. Jeden Tag kommen Menschen um. Es werden Zahlen genannt. Gelegentlich mit dem Nachsatz, die Angaben hätten nicht unabhängig überprüft werden können. Wenn alle Namen genannt würden, genannt werden könnten … nein, Menschen verschwinden in Zahlen. Auch die Kinder. Dabei sind sie die Schwächsten, die Kleinsten, die Wehrlosesten.
Wenn ein Kind stirbt, gerät die Welt aus den Fugen. Viele Kinder sterben. Das Lebensalter „Zwölf“ steht im Übrigen für das Ende der Kindheit. Es gibt keine Zukunft!
Im Evangelium lesen wir heute: Es ist nicht Zwölf. Auch nicht kurz davor. Die Apokalypse ist abgesagt. Zwölf – das ist ein Neuanfang!
Markus, der als erster Evangelist die Geschichte Jesu aufgeschrieben hat, steht auch ganz im Bann der Frage: Wer ist Jesus? Die Frage der Leute steht auch im Raum. Wer ist Jesus? Unsere Frage ist das auch: Wer ist Jesus?
Markus erzählt dann, Geschichte an Geschichte gereiht, Wort für Wort, eine Geschichte, die in der Auferweckung Jesu zu ihrem ersten Ziel kommt. Jesus verkündigt das Reich Gottes, den Anbruch einer neuen Zeit – mit einem Wort: Zukunft. Zukunft, das ist das – was auf uns zukommt. Wir planen Zukunft zwar, aber machen können wir sie nicht – eher verspielen.
Klaus Peter Hertzsch hat 1989 ein Lied geschrieben. In der dritten Strophe können wir mitsingen:
Vertraut den neuen Wegen,
auf die uns Gott gesandt!
Er selbst kommt uns entgegen.
Die Zukunft ist sein Land.
Wer aufbricht, der kann hoffen
in Zeit und Ewigkeit.
Die Tore stehen offen.
Das Land ist hell und weit
Herr Jairus, Vorsteher einer Synagogengemeinde am See Genezareth, kommt zu Jesus. Seine Tochter liegt im Sterben. 12 Jahre alt. Ob Jesus helfen kann? Sein Vertrauen ist ganz einfach: Du musst doch nur deine Hand auf sie legen! Nur deine Hand! Und Jesus sagt zu ihm: Fürchte dich nicht, glaube nur! Glaube nur!
Zu Hause angekommen: Das Mädchen ist tot. Wir hören die Trauer. Nach orientalischem Brauch - laut, herzzerreißend. Ein großes Wehklagen. Es ist sogar von einem Tumult die Rede. Ob Übertreibung oder nicht – es ist eine schreckliche Geschichte. Markus erzählt, dass Jesus ins Haus geht, Markus erzählt auch, dass er die Klageweiber hinauswirft (so wird man das wohl übersetzen müssen) – und einen Satz sagt, der sogar in der Originalsprache Jesu überliefert ist: Talita kum! Steh auf! Ein seltener Originalton!
Dass die Leute von den Socken sind, aber nichts sagen sollen, ist typisch Markus. Nach dem tieferen Sinn will ich jetzt nicht fragen. Ich brauche auch noch Zeit, mich mit dieser Geschichte anzufreunden.
Eltern, die ein Kind verlieren, Großeltern ein Enkelkind - sie wünschten sich nichts so sehr wie dieses „Steh auf!“
Menschen, die mit Bomben leben müssen und ihre Kinder von jetzt auf gleich verlieren - sie brauchten nichts so sehr wie dieses „Steh auf!“
Gibt es einen Menschen, der es Jesus gleichtun könnte? Talita kum. Steh auf!?
Das Massensterben von Menschen wird von Menschen betrieben, gerechtfertigt und beschwiegen. Für die Sinnlosigkeit gibt es keine Worte. Da heißt „Talita kum“ – Hör auf! Hört auf! Steh auf!
Kinder werden krank. Manchmal kommen sie schon krank auf die Welt. Je nachdem, wo sie geboren werden, ist ihre Lebenserwartung gering. Da heißt „Talita kum“ – Helft! Steh auf!
Es ist nicht leicht, über den Tod zu reden, noch weniger, über den Tod eines Kindes. Eltern können sich in Schweigen flüchten, sich in ihrem Leid verschließen. Während das Leben weitergeht, Menschen auch funktionieren müssen, die anderen Kinder nicht vernachlässigt werden dürfen, ist da eine Wunde, die nicht heilen will. Viele Dinge werden zu Reliquien – Erinnerungen an ein verlorenes Leben. Erinnerungen an verlorene Zukunft. So manche liebgemeinte Äußerung von Dritten tut weh. Nicht für alle trauernden Eltern (und Geschwister) gibt es Hilfe.
Darf ich von der Beerdigung eines Mädchens erzählen? Sie wird auch so um die Zwölf gewesen sein. Irgendwann hat sie, haben die Eltern die Diagnose bekommen. Krebs. Ärzte haben um ihr Leben gekämpft. Etwas mehr als zwei Jahre hat der Kampf gedauert. Bis er verloren war. Das Mädchen hatte ihren eigenen Weg gefunden, damit umzugehen. Sie wusste auch, dass sie sterben wird. Aber sie war fröhlich. So, als wenn sie den Tod hat auslachen wollen.
Bei der Beerdigung haben wir dieses Evangelium gelesen. Von Jairus und seiner zwölfjährigen Tochter. Von Jesus und seinem „Talita kum“. Ein wenig von dem Entsetzen haben wir alle gespürt. Auch die Sprachlosigkeit. Aber merkwürdigerweise kam ein großer Frieden – ich kann es nicht besser beschreiben – in die Trauergemeinde. Wir haben für alle Kinder gebetet, die krank und verloren sind. Wir haben für die Ärzte, Krankenschwestern und Pflegekräfte gebetet. Für alle trauernden Eltern und Großeltern. Auch für die Kinder, die Terror und Krieg nicht überleben. Dann haben wir die Taufkerze angezündet. Sie wurde voran getragen. Ein Licht in der Dunkelheit.
Beim Trauergespräch spielte das Evangelium eine viel größere Rolle als ich dachte. Die Eltern sind zu Jesus gelaufen. Sie erzählten von ihren Hoffnungen: Du brauchst doch nur… Der Satz Jesu: „Fürchte dich nicht, glaube nur“ war dann wie ein Wink ins Freie.
Der Tod kann den Glauben nicht brechen – der Glaube bricht den Tod.
Ich weiß manchmal nicht, was ich sagen kann. Noch weniger, was ich sagen darf. Es ist ein Geschenk, wenn Menschen gemeinsam in einer schwierigen Situation entdecken, was Glaube ist. Für ihn gibt es keine Erklärungen. Ängste und Zweifel dürfen dann sein.
Die letzten Worte des Evangeliums können so stehen bleiben:
Die Leute waren ganz fassungslos vor Entsetzen.
Doch er schärfte ihnen ein,
niemand dürfe etwas davon erfahren;
dann sagte er,
man solle dem Mädchen etwas zu essen geben.
Wenn ein Kind stirbt, gerät die Welt aus den Fugen. Viele Kinder sterben. Das Lebensalter „Zwölf“ steht im Übrigen für den neuen Anfang. Es gibt Zukunft!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
In unserer wissensbetonten gegenwärtigen Welt erscheint uns manches, was Menschen in Notlagen als letzten Ausweg tun, fragwürdig. Oft jedoch wird gerade in solchem Verhalten tiefer Glaube und Gottverstrauen sichtbar.
Immer wieder wird der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod anzweifelt, als Illusion dargestellt oder auch hartnäckig geleugnet. Bei manchen Gelegenheiten wird uns aber auch bewusst, dass der Mensch auf Transzendenz angelegt ist, der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod als sinnvoll erscheint.
Das kommt auch in der ersten Lesung zum Ausdruck. Das feiern wir zu Ostern und auch jeden Sonntag. Das Reich des Todes hat keine Macht mehr. „Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg?“ (1 Kor 15,54).
Der Beginn des Buches der Weisheit spricht von Gerechtigkeit. Eine Form der Gerechtigkeit bekommen wir alle zu spüren, weil der Tod alle gesellschaftlichen Schichten trifft und in diesem Punkt alle Menschen gleich sind. Es ist Teil der Weisheit, das Leben auf die Vergänglichkeit auszurichten. Im jugendlichen Alter wirkt dieser Gedanke meist fern. Wenn ein Mensch sehr alt wird und stirbt, sagt man, er ist lebenssatt. Damit ist gemeint, dass er im Leben Sinn erfahren und bereits in diesem Leben ein Leben in Fülle geführt hat.
In der zweiten Lesung gibt der Apostel Paulus konkrete Hinweies zum Umgang mit irdischen Gütern. Im Zuge einer Spendensammlung für die verarmte Gemeinde in Jerusalem wirbt er darum, das Liebesgebot in eine konkrete Tat umzusetzen. Er nennt keine feste Regel, wie hoch eine Spende sein soll, sondern jeder soll so viel geben, wie er leicht entbehren kann, ohne selbst in die Armutsfalle zu geraten. Wie in der ersten Lesung kommt auch hier die Gerechtigkeit zur Sprache. Es geht um Verteilungsgerechtigkeit und Solidarität.
Beide Lesungen sind ein Ansporn, den eigenen Lebensstil zu überdenken: was brauche ich, wo ist Hilfe notwendend.
Notwendend ist auch das Stichwort zum Evangelium. Eine Frau leidet an Blutfluss. Sie sucht Hilfe bei den Ärzten, gibt ihr ganzes Vermögen aus, um wieder gesund zu werden, alles vergeblich… Eine Situation, wie wir sie auch heute kennen. Die Gesundheit ist oft unwiederbringlich, Leben kann nicht mehr weitergegeben werden, vielleicht noch schlimmer: der Tod klopft an… Auch Wunderheiler helfen nicht.
Nach heutigem Verständnis ist die Berührung von Jesu Gewand eine Form von Magie. Berührung heißt: Es rührt mich etwas an, es lässt mich nicht kalt. Inwiefern hat die Berührung des Gewandes mit Glauben zu tun? Leibliche und seelische Sorgen lassen sich nicht immer trennen. Es gibt Zusammenhänge. Die Frau nimmt durch ihren Glauben Heil in Anspruch. Man könnte auch sagen, im Glauben selbst liegt bereits das Wunder.
Im Leben passieren oft Dinge fast gleichzeitig, da bricht die Nachricht vom Tod der Tochter des Synagogenvorstehers herein. Auch hier gilt der entscheidende Satz: „Dein Glaube hat dir geholfen.“ Heilung und Totenerweckung sind Zeichen des anbrechenden Reichs Gottes. Das ist schwer zu verstehen: „Die Leute waren fassungslos vor Entsetzen.“ (Mk 5,42). Mit dabei lediglich die Eltern und die „Säulen der Gemeinde“ Petrus, Jakobus, Johannes, von denen wir als Zeugen im Glauben auch im Galaterbrief hören und die auch bei der Verklärung des Herrn anwesend waren.
Bei manchen löst diese Evangelienerzählung Kopfschütteln, vielleicht auch Spott aus. Wir Menschen - natürlich auch Christen - wollen Argumente, die Sicherheit geben, feste Beweise. Schließlich soll der Glaube auch alltagstauglich sein. Vielleicht gehört auch Einsicht dazu, nicht alles zu verstehen. Neben dem gesicherten Wissen gibt es auch eine Heilsgewissheit. Gewissheiten - eine Vielzahl an Wissen - wie wir uns auch in anderen Bereichen des Lebens darauf verlassen: Ich weiß, das war so, das stimmt. - Kann das nicht auch für unseren Glauben gelten?
Nähe und Berührung kann Unerwartetes auslösen, ja sogar heilen, wie uns der Evangelist Markus berichtet. Diese Nähe brauchen auch heute Menschen, auf diese Nähe warten auch heute Menschen.
„Wunder geschehn“ heißt es in einem Lied der deutschen Sängerin Nena, vielleicht kennen Sie es. Können wir das heute tatsächlich glauben? Gibt es sie immer noch, diese Wunder, oder sind das alte Geschichten aus einer vergangenen Zeit, die nichts mehr mit unserem Leben zu tun haben?
Gleich zwei Wundergeschichten verknüpft der Evangelist Markus im heutigen Evangelium. Während Jesus unterwegs zum Haus des Synagogenvorstehers Jairus ist, um dessen kranke Tochter zu heilen, erfahren wir von einer Frau, die schon 12 Jahre lang an Blutungen leidet. Sie hat wohl von Jesus gehört und setzt ihr ganzes Vertrauen darauf, ihn oder wenigstens seine Kleidung zu berühren, um geheilt zu werden. Und so geschieht es auch: Jesus lässt sich von dieser Frau berühren und sofort spürt sie eine Veränderung. Jesus spürt ebenso, dass etwas Besonderes geschehen ist. Als sich die Frau zu erkennen gibt, entlässt er sie mit den Worten: "Dein Glaube hat dich gerettet."
Die Tochter des Jairus wird ebenfalls aufgrund des tiefen Glaubens ihres Vaters gerettet, Jesus erweckt sie vom Tod zu einem neuen Leben als junge Frau. Diejenigen, die das mitbekommen, freuen sich nicht, sondern sind fassungslos vor Entsetzen. Wer weiß, wie ich reagiert hätte, wäre ich dabei gewesen…
Markus verbindet die beiden Geschichten durch einige Stichworte: berühren, glauben, heilen bzw. retten und durch die Zahl 12, die anzeigt, dass Jesus für das ganze Volk Israel gekommen ist.
Wesentlich ist für mich in den beiden Geschichten, dass Jesus sich berühren lässt. Er lässt sich auch heute berühren von Frauen, die sich ihr Leben lang verausgaben und aufopfern, denen die Energie fehlt, auch mal sich selbst etwas Gutes zu tun. Er lässt sich berühren von Frauen, mit denen die Kirche sich schwertut, weil diese Frauen ihre Stimme erheben, von ihren Berufungsgeschichten erzählen und nicht ernst genommen werden. Er lässt sich berühren von Jugendlichen, die an der Schwelle zum Erwachsenwerden manchmal wie tot sind, weil sich niemand richtig um sie kümmert, weil sie während der Pandemie keine Sozialkontakte hatten, weil sie in einem Flüchtlingslager leben, wo es keine Perspektive gibt. Es ist gut, dass Jesus sich berühren lässt.
Gleichzeitig muss auch ich mich berühren lassen und aufmerksam sein für die oft versteckte Not und das Leid anderer. Als Christin darf ich nicht wegschauen, sondern es ist meine Aufgabe, mich meinen Mitmenschen zuzuwenden. Zuwendung, Zuspruch und manchmal eine Berührung tun gut, wenn Menschen verzweifelt sind und das Gefühl haben, dass sie jetzt nur mehr ein Wunder retten kann. Wenn ich durch meinen Glauben mit Jesus verbunden bleibe, kann ich seine heilsame Nähe spürbar und für Menschen von heute erlebbar machen. Sakrament nennt die Kirche die Zeichen der spürbaren Nähe Gottes, doch er wirkt auch durch und Menschen, jetzt und hier.
So können wir mit Nena singen: Wunder geschehn, ich hab’s gesehn.
In Wundergeschichten wird Unmögliches möglich. Sie zeigen und führen uns in eine andere Welt. Wunder geschehen, wo Menschen dem Leben trauen und einander liebend begegnen.
Zwei Wunder erzählen von Menschen, die vom Leid hart getroffen sind. Sie glauben daran, dass sie, wenn sie Jesus berühren, Gott eine Kraft schenkt, die Leben rettet und heil werden lässt. Markus verwebt die zwei Erzählungen, die bezeugen „Wer glaubt, braucht keine Furcht zu haben“ kunstvoll ineinander.
In der Lesung aus dem 2. Korintherbrief fordert Paulus seine Adressaten auf, zur Unterstützung der verarmten Gemeinde in Jerusalem Geld zu sammeln. Er begründet dies mit der Feststellung, dass sie an allem reich seien und Solidarität üben sollten.
Jesus erhörte die Bitte des Jairus und erweckte dessen Tochter zu neuem Leben. Erhört Gott jedoch jedes Gebet? Oft erhört er unsere Gebete anders, als wir es wünschen. Manchmal geschehen sogar "Wunder", manchmal bekommen wir ein Nein zur Antwort. Wir können jedoch sicher sein, Christus ist uns immer nahe, gleich wie die Antwort auf unser Bitten ausfällt.
Angesichts der unbegreiflichen Amokfahrt eines jungen Mannes und des Schreckens, den er angerichtet hat, stellt sich die Frage, was die verheißungsvollen Zusagen der Lesung aus dem Buch der Weisheit noch bedeuten können. Ist Gott ein Gott des Lebens? Wir sind als Gottes Ebenbild geschaffen. Dem gilt es nachzugehen und daraus Kraft und Zuversicht zu schöpfen.
Dieser Tage fährt durch unsere Gegend ein Omnibus mit der großen Aufschrift: "Es gibt (mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit) keinen Gott." Die Aktion geht von London aus, wo ein ganzes Großaufgebot solcher Omnibusse durch die Straßen fuhr.
Dahinter steht der amerikanische Wissenschaftler Dawkins, der geradezu als Missionar der Gottlosigkeit auftritt. Dass er eine große Anhängerschaft hat, basiert auf einer immerwährenden Grundfrage des Menschen: Woher kommen Leid und Tod in der Welt? Und welchen Anteil haben die Religionen daran.
Woher kommen Leid und Tod in der Welt? Es fällt dem heutigen Menschen zusehends schwerer, an Gott zu glauben, weil er sich angesichts der Massenhaftigkeit von Mord, Gewalttat, der Zahl an Kriegstoten, dem Elend, der Krankheit, des Hungers einer ganzen Milliarde von Menschen fragt: "Wenn es wirklich einen Gott gibt, der allmächtig ist und der die Menschen wie ein Vater liebt, warum lässt er die Menschheit so leiden?" Der Schriftsteller Georg Büchner hat diese Frage in das Wort zusammengefasst: "Leid und Tod, das ist der Fels des Atheismus". Leid und Tod, so will er sagen, sind ein unerschütterlicher Beweis, dass es Gott nicht gibt.
Aber der Zweifel an Gottes Gegenwart und Dasein ist nicht neu. Das Buch der Weisheit, aus dem die heutige Lesung entnommen ist, 150 vor Christus verfasst, kreist vor allem um dieses Thema: Warum ist die Welt von Leid und Tod beherrscht? Auch vor zweitausend Jahren fragte man also schon und war im Zweifel über die Existenz eines guten Weitschöpfers.
Wir müssen uns klar darüber sein, dass dieses Grundproblem der Menschheit nicht in einer kurzen Predigt beantwortetet werden kann, auch in einer langen nicht. Aber einiges kann man dazu überlegen.
Sehen wir uns also die Lesung an. »Gott hat den Tod nicht gemacht, und hat keine Freude am Untergang der Lebenden. Zum Dasein hat er alles geschaffen, und heilbringend sind die Geschöpfe der Welt. «
Woher dann das Todesschicksal? »Durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt, und ihn erfahren alle, die ihm angehören.« Der Neid des Teufels ist schuld? Wir brauchen nur ein einziges Faktum in unserer Gegenwart anzuschauen: Eine Milliarde Menschen hungert und ist vom Hungerstod bedroht, obwohl es genügend Nahrung in der Welt gibt, um jeden satt zu machen. Und warum werden sie nicht satt? Weil die Güter dieser Welt absolut ungerecht verteilt sind, weil es Menschen gibt, die in teuflischer Gier alles an sich zu reißen suchen. Gerade in der gegenwärtigen Wirtschafskrise erfährt man, wer alles an diesem Zusammenbruch schuld war und welche unglaubliche Verantwortungslosigkeit in den mittleren und höheren politischen und wirtschaftlichen Etagen geherrscht hat. Aber denken wir nicht nur an die großen Raffer, auch bei den kleinen Leuten wird gerafft. Egoismus, Sünde bringt viel Leid und Tod in die Welt.
Aber dies allein kann nicht die ganze Ursache von Leid und Tod sein. Der heutige Mensch wird auf die Evolutionstheorie verwiesen, die heute auch von der Kirche anerkannt wird. (Johannes Paul II., 22. 10. 1996). Sie zeigt uns mit erdrückenden Beweisen, dass Leben ohne Tod nicht denkbar, dass der Tod untrennbar mit dem Leben verbunden ist. In mehr als drei Milliarden Jahren haben sich aus primitiven Lebensvorstufen die Pflanzen und Tiere entwickelt, bis schließlich der Mensch entstehen konnte. Dies war nur dadurch möglich, dass Generation um Generation dahinstarb, um neuen Lebewesen Platz zu machen. Entwicklung heißt Veränderung, heißt Werden und Vergehen. Gott hat eine Werdewelt erschaffen, und diese ist ohne Tod nicht denkbar, der Tod ist eine Naturkonstante.
Aber damit kommen wir erst recht zum Fragen. Die Natur ist doch die Schöpfung Gottes, also hat Gott den Tod in der Natur nicht nur geduldet sondern herbeigeführt. Aber nach heutiger wissenschaftlicher Weltsicht hätte es ohne Entwicklung, ohne das Werden und Vergehen, nicht diese Welt von so unglaublicher Vielfalt des Lebens geben können. Denn nur weil Gott Freude am Leben hat, ist auf diesem Planeten Erde, der einmal so wüst und leer war wie der Mond, das Leben in Überfülle entstanden. »Gott hat alles zum Dasein geschaffen, und heilbringend sind die Geschöpfe der Welt. «
Wenn der Tod nun eine grundlegende Naturkonstante ist, dann kann nicht stimmen, was wir eben aus dem Buch der Weisheit vernommen haben: »Durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt, und ihn erfahren alle, die ihm angehören»? Ja sterben denn nur die bösen Menschen? Es sterben doch alle! Dem Verfasser des Buches der Weisheit musste man dies nicht erst erzählen, aber er versteht unter Tod etwas Umfassenderes, nicht nur Tod und Leben im Diesseits, sondern auch im Jenseits. Er will sagen: Sterben muss jeder, aber der irdische Tod hat jeweils einen anderen Sinn für den guten wie für den bösen Menschen. Tod ist für den guten Menschen Übergang und Vollendung, denn der ewige Gott hat "den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht." Wer aber in dieser Welt in Gewissenlosigkeit und Rücksichtslosigkeit, Gier und Eigensucht lebt, da hat das göttliche Bild in sich verzerrt und entstellt, dem ist der Tod Ende, Gericht und Schrecken.
Und so dürfen wir, wenn auch oft mit Zweifeln beladen, hoffen, dass Gott für den Menschen ewiges Leben will. In einer alten Übersetzung der Ostersequenz heißt es: "Tod und Leben da kämpften seltsamen Zweikampf. Der Fürst des Lebens, dem Tode erliegend, herrscht als König und lebt." Christus der Auferstandene ist der Fürst des Lebens. Und so dürfen wir hoffen, dass er uns einst aufnimmt in sein Reich.
Lieder:
GL 103: Dieser Tag ist Christus eigen
GL 142: Zu dir, o Gott, erheben wir
GL 143: Mein ganzes Herz erhebet dich
GL 267: O Mensch bewein dein Sünde groß
GL 336: Jesus lebt, mit ihm auch ich
GL 360: Macht weit die Pforten in der Welt!
GL 362: Jesus Christ, you are my life
GL 365: Meine Hoffnung und meine Freude
GL 377: O Jesu, all mein Leben bist du
GL 385: Nun saget Dank und lobt den Herren
GL 389: Dass Du mich einstimmen lässt in deinen Jubel o Herr
GL 392: Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren
GL 393: Nun lobet Gott im hohen Thron
GL 395: Den Herren will ich loben, es jauchzt in Gott mein Geist
GL 396: Lobt froh den Herrn
GL 405: Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen
GL 409: Singt dem Herrn ein neues Lied
GL 414: Herr, unser Herr, wie bist du zugegen
GL 416: Was Gott tut, das ist wohlgetan
GL 422: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr
GL 423: Wer unterm Schutz des Höchsten steht
GL 427: Herr, deine Güt ist unbegrenzt
GL 428: Herr, dir ist nichts verborgen
GL 439: Erhör, o Gott, mein Flehen
GL 464: Gott liebe diese Welt
GL 465: Das Jahr steht auf der Höhe
GL 552: Herr, mach uns stark im Mut, der dich bekennt
GL Ö875: Preiset den Herrn, denn er ist gut
Psalmen und Kehrverse:
GL 37: Der Herr ist mein Hirt; er führt mich an Wasser des Lebens. - Mit Psalm 23 - VI.
GL 38: Der Herr ist mein Licht und mein Heil - Mit Psalm 27 - IV.
GL 629,1-2: Du führst mich hinaus ins Weite, du machst meine Finsternis hell. - Mit Psalm 30 - I.
In unserem Gottesdienst begrüßen wir in unserer Mitte auch Herrn Jairus. Synagogenvorsteher. Vater einer Tochter. Sein Kind liegt im Sterben. Wir fiebern mit ihm. Sein Kind stirbt. Wir suchen mit ihm Glauben und Vertrauen. Sein Kind lebt. Wir sind sprachlos.
Lasst uns unseren Herrn anrufen und um sein Erbarmen bitten:
Leid, Schmerz, Tod sind Erfahrungen menschlichen Lebens, die uns manchmal verzweifeln lassen. Die heutigen Texte rufen uns dazu auf, unsere Augen nicht davor zu verschließen und füreinander das zu tun, was uns in der jeweiligen Situation gerade möglich ist.
Herr,
wir sehen zerbrochene Hoffnungen und abgebrochenes Leben,
wir hören Schluchzen und Klagen.
Herr, erbarme dich-
Christus,
du sagst: Steh auf.
Wir bleiben sitzen.
Christus, erbarme dich-
Herr,
dir bringen wir Verzagtheit und Mutlosigkeit
und unsere Zweifel legen wir bei dir ab.
Herr, erbarme dich.
Wenn man am Abend auch weint, *
am Morgen herrscht wieder Jubel.
Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt, *
Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.
(Ps 30)
Herr Jesus Christus,
du willst Leben in Fülle für alle Menschen.
Kyrie eleison.
Herr Jesus Christus,
du bietest uns das Geschenk des Glaubens an.
Christe eleison.
Herr Jesus Christus,
dein Heiliger Geist treibt uns an zum Guten.
Kyrie eleison.
Herr, Jesus Christus,
du hast, wie der Vater, keine Freude an unserem Untergang,
darum hast du dich den Menschen geschwisterlich liebend, zusprechend und heilend zugewandt.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
deinen Auftrag vom Vater hast du bist in die letzte Konsequenz ernst genommen,
damit wir eine Hoffnung über den Tod hinaus haben.
Christus, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
dir war jeder willkommen mit dem, was er hat,
und du fragtest nicht nach dem, was er nicht hat und nicht vermag.
Der gute Wille allein zählte und reichte dir aus.
Herr, erbarme dich.
Du sprichst auch uns zu:
„Talita kum, steh auf.“
Schenke uns Kraft und Zuversicht,
dieser Aufforderung nachzukommen –
für ein Heute, ein Morgen, ja, für immer.
Herr,
wir kennen viele Leidensgeschichten.
Oft verstummen wir hilflos.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du hast kranke und verlorene Menschen geheilt.
Dem Tod hast du die Macht genommen.
Christus, erbarme dich.
Herr,
schenke uns eine Haut, die sich berühren lässt.
Und Worte, die achtsam und liebevoll sind.
Herr, erbarme dich.
Talita kum, steh auf, sagst du.
Im Bann des Bösen können wir nicht leben.
Du schenkst uns Kraft und Hoffnung.
Dich loben wir:
Ehre sei Gott in der Höhe!
Gott, unser Vater,
du hast uns in der Taufe zu Kindern des Lichtes gemacht.
Laß nicht zu,
daß die Finsternis des Irrtums über uns Macht gewinnt,
sondern hilf uns, im Licht deiner Wahrheit zu bleiben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 13. Sonntag im Jahreskreis
Gott, unser Heil,
du hast das Werk der Erlösung
im österlichen Geheimnis vollendet.
Darum verkünden wir in der heiligen Eucharistie
den Tod und die Auferstehung deines Sohnes.
Schenke uns in dieser Feier
immer reicheren Anteil an der Erlösung
und lass uns von Tag zu Tag neu erfahren,
dass wir gerettet sind.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Votivmesse von der hl. Eucharistie
Herr, unser Gott,
dein Sohn hat sich aus Liebe zur Welt
dem Tod überliefert.
Lass uns in seiner Liebe bleiben
und mit deiner Gnade aus ihr leben.
Darum bitten wir im Heiligen Geist durch Christus unseren Herrn.
MB 5. Fastensonntag
Gott des Lebens.
Durch die Auferstehung deines Sohnes wissen wir :
Der Tod ist überwunden,
der Weg zu dir steht offen,
unser Leben ist unvergänglich.
Hilf uns,
in dieser Gewißheit unser Leben anzunehmen
und daraus zu machen, was du von uns erwartest.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 9
Gott,
du hast den Tod nicht gemacht
am Untergang der Lebenden hast du keine Freude.
Zum Dasein hast du alles geschaffen
und heilbringend sind die Geschöpfe der Welt.
Wir danken dir für deine Schöpfung,
wir danken dir, nach deinem Bild geformt zu sein.
Schauen wir auf die Welt, die du liebst, sehen wir
Chaos und Leid,
Krankheit und Tod
im Leben vieler Menschen.
In unserem eigenen auch.
An vielen Orten zerstören Menschen, was ihnen anvertraut wurde.
An vielen Orten ist auch die Hoffnung schon zuletzt gestorben.
Wir bitten dich um dein Wort,
um deinen Geist,
um deine Liebe.
In Christus, der dem Tod die Macht genommen
und dem Leben ein unvergängliches Gesicht gegeben hat,
geistvoll und alles verändernd.
Du, Gott, hast viele Wunder an einander gereiht.
Wunder, die von Berührungen erzählen,
von heilvollen Begegnungen,
von überraschenden Entdeckungen.
Schenke uns den Mut,
uns nicht von alten Erfahrungen
und müden Träumen leiten zu lassen,
schenke uns die Kraft,
mit deinem Wort eine neue Welt zu gestalten!
Dann verwandeln sich leidvolle Geschichten
in Geschichten der Hoffnung und der Liebe
in Christus, unserem Freund und Herrn.
Mit dem Evangelium im Herzen, gehen wir mit Jairus zu Jesus, um ihm Todeserfahrungen und Todesängste anzuvertrauen.
Herr,
viele Kinder werden krank geboren, viele werden schwer krank, viele überleben den Kampf mit dem Tod nicht.
Wir bitten für die Eltern und Großeltern, für die Geschwister, für Ärzte und Pfleger, Lehrer und Freunde.
Zu dir rufen wir:
Verwandle Klagen in Tanzen, Herr!
Herr,
viele Menschen werden zu Opfern von Krieg, Terror und Gewalt. Unter ihnen sind viele Kinder, die in zerstörten Häusern hausen oder im Schutt begraben sind.
Wir bitten für alle Menschen, die für Frieden und Gerechtigkeit kämpfen und nicht aufgeben, der Zukunft Hoffnung zu geben.
Herr,
Kinder und Jugendliche sind weltweit auf der Flucht. Auf gefährlichen Fluchtrouten müssen sie sich durchschlagen. Viele kommen um.
Wir bitten für die vielen Gremien, in denen schier unlösbare Probleme gelöst werden müssen.
Herr,
viele Menschen wollen keine Kinder. Kinder stören die Karriere, sie sind eine finanzielle Belastung und an die Zukunft der Welt glauben viele schon nicht mehr.
Wir bitten für alle Menschen, die Welt mit den Augen von Kindern neu zu entdecken.
Herr,
manche Menschen wünschen sich ein Kind, können aber keins bekommen. So manche Familie ist davon betroffen. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften geraten oft noch immer unter Druck.
Wir bitten für die, die sich lieben und ihre Zukunft mit Kindern teilen wollen.
Jesus ist in das Haus des Jairus gegangen. Die, die klagten, hat er nach draußen geschickt.
Jesus sagt: Fürchte dich nicht. Glaube nur. Talita kum! Steh auf!
Darauf verlassen wir uns. Dafür beten wir in Christus, unserem Herrn.
Jesus ist uns in allen Situationen menschlichen Lebens nahe.
Dass wir uns dabei von seiner Botschaft berühren und führen lassen, bitten wir ihn:
Um eine Verkündigung seiner Botschaft, die spirituell berührt, der sich die Menschen öffnen und vertrauen können.
Um Friedensprojekte, die Kraft zu tatkräftiger Hilfe haben und Perspektiven für oft über Generationen währende ungelöste Konflikte aufzeigen.
Um eine Offenheit auf unseren Reisen und Urlauben für Begegnungen mit fremden Menschen und ihren Kulturen, die uns Gemeinsamkeit entdecken und Verschiedenheit achten lehrt.
Um einen Selbststand im Leben, der uns Hilfe schenken und uns selbst notwendige Hilfe auch annehmen lässt.
Um ewiges Leben an deiner Seite beim Vater für unsere Verstorbenen.
Denn du hast den Tod überwunden und dich als Gott des Lebens für die gesamte Schöpfung erwiesen.
Dir vertrauen wir uns an und danken dir jetzt und allezeit. - Amen.
Gott kennt unsere Sorgen und Nöte.
Voll Vertrauen kommen wir mit unseren Anliegen zu ihm und bitten:
Für alle, die sich für die Verkündigung des Frohen Botschaft einsetzen.
Für alle, die sich um ein gutes Miteinander von Menschen verschiedener Religionen und Kulturen einsetzen.
Für alle, die auf der Flucht sind und keine Hoffnung haben.
Für alle, die unheilbar krank sind.
Für alle, die in diesen Tagen unterwegs sind.
Guter Gott,
dir vertrauen wir und danken dir, dass du uns erhörst.
Wir loben und preisen dich, jetzt und in Ewigkeit. - Amen.
Wer glaubt, greift nicht ins Leere.
Er weiß, dass Gottes Hand ihn auffängt.
In diesem Vertrauen lasst uns den Vater bitten:
Hilf allen, denen in deiner Kirche ein Amt anvertraut ist, deine Botschaft anderen verständlich und mit Begeisterung weitergeben zu können.
Erfülle die Verantwortungsträger in Politik und Gesellschaft mit innovativen Ideen, wie sie zum Ausgleich unter den verschiedenen Gesellschaftsschichten beitragen können.
Lass alle Lehrkräfte, Jugendliche und Kinder nach diesem durch die Umstände problematischen Schuljahr in den kommenden Ferien anregende und interessante Begegnungen erfahren.
Hilf uns, die Begabungen und Talente der anderen zu erkennen und sie als Bereicherung und Ergänzung unserer eigenen Fähigkeiten schätzen zu lernen.
Tröste alle, die sich in den Monaten der Pandemie von ihren Angehörigen nicht so verabschieden konnten, wie sie es sich gewünscht hätten, und ihre Trauer noch nicht verarbeiten können.
Guter Gott,
du öffnest uns mit deinen Zusagen ein Leben in Hoffnung und Zuversicht.
Dafür danken wir dir jetzt und allezeit. - Amen.
Herr, unser Gott,
in den Geheimnissen, die wir feiern,
wirkst du unser Heil.
Gib, daß wir den Dienst an diesem Altar würdig vollziehen,
von dem wir deine Gaben empfangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 13. Sonntag im Jahreskreis
Herrn, unser Gott,
dieses Opfer erwirke uns deine Gnade
und lasse uns teilhaben
am ewigen Leben deines Sohnes.
Denn er ist in unser vergängliches Leben eingetreten,
um uns von unserer Sterblichkeit zu heilen.
Er, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Advent 18. Dezember
Reich hast du uns, Herr, beschenkt.
Mit Sonnenlicht. Mit Träumen. Mit Aufgaben.
Wir danken dir für Brot und Wein.
Reich wirst du uns, Herr, beschenken.
Mit der Gemeinschaft mit dir.
Wir danken dir für Leib und Blut
unseres Herrn Jesus Christus.
Reich willst du uns, Herr, beschenken.
Mit Augen, die einander ansehen,
mit Händen, die einander berühren,
mit Worten, die einander auffangen.
Du verwandelst Brot und Wein.
Kehrvers
Ich will dir danken, weil du meinen Namen kennst, Gott meines Lebens. (GL 433,1)
Guter und menschenfreundlicher Gott.
Wir danken dir für das Geschenk des Lebens
und für die Schöpfung,
in der dein Heiliger Geist auch heute wirkt.
Wie wunderbar hast du alles gestaltet
und uns Menschen zu einem Teil deiner Schöpfung gemacht.
Kehrvers
Wir danken dir für deine Nähe zu uns Menschen,
die in deinem Sohn Jesus Christus greifbar und spürbar wird.
Er hat sich vom Leid der Menschen berühren lassen
und tut es auch heute noch.
Ihm ist nichts Menschliches fremd,
er wendet sich auch heute den Armen und Leidgeplagten zu.
Kehrvers
Wir danken dir für deinen Heiligen Geist,
der in uns betet, wenn wir verstummen,
wenn wir vor Kummer erstarren.
Dein Geist schenkt uns Kraft und Durchhaltevermögen
und stärkt uns in schweren Zeiten.
Kehrvers
Wir danken dir und preisen dich, guter Gott.
Voll Freude singen wir dein Lob.
(Loblied)
Kehrvers:
Preiset den Herrn zu aller Zeit, denn er ist gut. (GL Ö875)
Oder:
Singt dem Herrn, alle Lander der Erde,
singt dem Herrn und preist seinen Namen. (GL 54,1)
Guter Gott und Vater, wir treten vor dich,
um dir unseren Dank und unseren Lobpreis darzubringen.
Denn zum Dasein hast du alles geschaffen
und du hast keine Freude am Untergang der Lebenden..
Den Menschen hast du zur Unvergänglichkeit berufen
und zum Abbild deines eigenen Wesens gemacht.
Kehrvers
Jesus von Nazareth hat deine Liebe zum Leben
in Wort und Tat verkündet.
Er hat Menschen in ihrer Lebensnot wahr- und ernstgenommen
und jene in die Mitte gerückt,
die von der Gesellschaft an den Rand gedrängt wurden.
Kehrvers
Er hat uns gelehrt, die Not unserer Nächsten wahrzunehmen
und zu helfen, wo Menschen in Bedrängnis geraten sind.
Er gibt uns die Kraft,
allen Raum und Aufmerksamkeit zu schenken,
die auf unsere Hilfe angewiesen sind.
Kehrvers
Wir danken dir, dass er gekommen ist,
damit wir das Leben haben und es in Fülle haben
Mit allem, was atmet, singen wir zu deinem Lob und Dank:
Danklied, z. B. Nun danke alle Gott (GL 405)
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem,
was du an uns getan hast:
Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit
zu Hilfe gekommen und
hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn
Rettung und Heil gebracht
aus unserer menschlichen Sterblichkeit.
So kam uns aus unserer Vergänglichkeit
das unvergängliche Leben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den
Chören der Engel das Lob
deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 3
Ich sage dir: Steh auf
Steh auf
auch wenn alle meinen: Tot ist tot
Steh auf
wenn dich etwas umgeworfen hat
Steh auf
wenn du meinst, es geht nicht mehr
Steh auf
wenn du unendlich müde und ausgelaugt bist
Steh auf
wenn du niedergeschlagen bist
Steh auf
wenn du meinst, das Leben hat keinen Sinn
Steh auf
und lass dich von Jesus ansprechen
lass dich von ihm berühren
lass dich heilen
Er sagt auch zu dir: Steh auf
geh in Frieden
und glaube
Gütiger Gott,
die heilige Opfergabe,
die wir dargebracht und empfangen haben,
schenke uns neues Leben.
Laß uns Frucht bringen in Beharrlichkeit
und dir auf immer verbunden bleiben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 13. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
du hast uns im heiligen Mahl gestärkt.
Durch das Sterben deines Sohnes
gibst du uns die Kraft,
das Leben zu erhoffen, das uns der Glaube verheißt.
Gib uns durch seine Auferstehung die Gnade,
das Ziel unserer Pilgerschaft zu erreichen.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Palmsonntag
Gütiger Gott,
die heilige Speise, die wir empfangen haben,
durchdringe uns mit ihrer Kraft.
Sie vertiefe unseren Glauben,
mache stark unsere Hoffnung
und entzünde unsere Herzen zu Werken der Liebe.
Lass das göttliche Leben, das du uns geschenkt hast,
sich entfalten und Frucht bringen für das ewige Leben.
Darum bitten wir…
MB Schlussgebete zur Auswahl 10
Bevor wir auseinandergehen,
Gott, der du alle unsere Wege kennst:
Begleite uns!
Die Ferienzeit hat begonnen,
für viele beginnt sie noch.
Begleite alle Reisenden!
Viele freuen sich auf Wasser, Berge und schattige Wege.
Begleite alle, die unterwegs sind.
Morgen beginnt wieder der Alltag.
Viele können auch nicht ausbrechen.
Segne und behüte alle Menschen!
Schenke fröhliches Lachen,
offene Herzen und langen Mut.
In Christus, der Weg, Wahrheit und Leben ist.
Jesus Christus,
du willst auch in unserem Leben heilsam wirken,
schaust uns an mit Leib und Seele.
Du siehst unsere Bedürftigkeit, Fehler und Verstrickungen,
aber auch unseren guten Willen.
Wir bitten dich,
schenke uns ein Gespür dafür,
wo du heilbringend an uns wirken willst
und mache uns zu Menschen,
die auch ihre Mitmenschen sehen –
so wie sie sind –
und befähige uns,
ihnen nach deinem Vorbild zu begegnen.
Amen.
Ich sage dir, steh auf!
Steh auf aus deiner Todesangst:
Gott führt dich ins Leben!
Steh auf aus deiner Trauer:
am Ende steht der Neubeginn!
Steh auf aus der Angst und Hoffnungslosigkeit
Steh auf aus in deiner Krankheit:
Gott trägt mit, du bist nicht allein.
Steh auf, wenn sie dich kleinmachen:
Für Gott bist du ein wertvoller Mensch.
Steh auf, wenn du nicht mehr weiter weißt:
Gottes Geist wird dich führen, wenn du ihn lässt.
Steh auf, wenn dir alles zu viel wird:
Mit Gott überspringst du Mauern.
Steh auf, wenn du Fehler gemacht hast:
Das Erbarmen Gottes ist dir sicher.
Steh auf, wenn dich Konflikte und Streit gefangen halten:
Mit Gott findest du einen Ausweg.
Steh auf, wenn das Leben dir Angst macht:
Mit Gott wirst du es schaffen.
Steh auf, wenn das Leben dich verwundet:
Gottes Nähe heilt.
© Fredi Bernatz, Pfarrer im Ruhestand
Wunder, die gescheh'n.
Wunder kannst Du täglich sehn.
Wunder, wunderschön,
wunder-wunder-schön!
Text und Musik: Reinhard Burchhardt, Warburg 2006.
Hände – Dir entgegen.
Hände – um zu geben.
Hände – zum Empfangen.
Hände – gehalten auch im Bangen.
Hände – Dir zu reichen.
Hände – um zu streicheln.
Hände – Gott entgegen.
Erfüll DU, HERR,
sie mit Leben.
Beatrix Senft, unveröffentlicht
Das könnte den Herren der Welt ja so passen,
wenn erst nach dem Tode Gerechtigkeit käme,
erst dann die Herrschaft der Herren,
erst dann die Knechtschaft der Knechte
vergessen wäre für immer.
Das könnte den Herren der Welt ja so passen,
wenn hier auf der Erde stets alles so bliebe,
wenn hier die Herrschaft der Herren,
wenn hier die Knechtschaft der Knechte
so weiterginge wie immer.
Doch ist der Befreier vom Tod auferstanden,
ist schon auferstanden, und ruft uns jetzt alle
zur Auferstehung auf Erden,
zum Aufstand gegen die Herren,
die mit dem Tod uns regieren.
Kurt Marti,
https://wurfbude.wordpress.com/2014/04/21/kurt-marti-anderes-osterlied/
Ich hoffe auf Dich Gott
Du neigst Dich mir zu
und hörst mein Schreien
Auch in Zeiten der Oberflächlichkeit
und der Resignation
traue ich Dir wundervolles zu
Du
durchbrichst unsere Gleichgültigkeit
Du
durchkreuzt unsere Kleinherzigkeit
Du
heilst unsere Lahmheit
holst uns heraus aus Sattheit und Langeweile
stiftest uns zum sinnvollen Handeln an
damit wunderbares geschieht und
Menschen sich neu begegnen können
Türen und Herzen sich zur Gastfreundschaft öffnen
Dank
sei Dir immer gesungen
(Nach Psalm 40,2)
Aus: Pierre Stutz, Du hast mir Raum geschaffen. Inspiriert von den Psalmen. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2003.
Wenn die Leute dir sagen:
"Kümmere dich nicht
soviel
um dich selbst"
dann sieh dir
die Leute an
die dir das sagen:
An ihnen kannst du erkennen
wie das ist
wenn einer
sich nicht genug
um sich selbst
gekümmert hat
Aus: Erich Fried, Beunruhigungen, Gedichte. Wagenbach-Verlag, Berlin 1985.

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Die weisheitliche Lesung, allerdings gestückelt, wurde passend zum Evangelium ausgewählt. Gott wird als Schöpfer vorgestellt, der das Leben will und den Menschen „zum Bild seines eigenen Wesens gemacht“ hat – also unsterblich. Darin begründet ist, dass Gott den Tod nicht gemacht hat.
Zur weisheitlichen Erfahrung jedoch gehört auch, den Tod wahrzunehmen. Er wird auf den Teufel zurückgeführt. Sein Beweggrund: Neid. Jedoch: nur die, die dem Teufel angehören, erfahren den Tod. Diese weisheitliche Sicht auf den Tod trennt allerdings Sterben und Tod.
Der schroffe Dualismus von Gott und Teufel, Leben und Tod ist schon in der biblischen Überlieferung hinterfragt worden. Über die Verbindung von Neid und Tod wird sich Kluges sagen lassen. Unbehaglich ist, den Teufel in einer so starken Position zu sehen, die ihn zu einem Antipoden Gottes macht. Der Focus wird daher auch in der Lesung auf dem Schöpferwillen Gottes ruhen müssen. Von besonderer Bedeutung ist die weisheitliche Auslegung von Gen 1,27.
Nur in der lateinischen Übersetzung trägt dieses Buch den Titel „Weisheit" – in der griechischen Bibel heißt es „Weisheit Salomos". Das Buch wird in die Zeit der jüdischen Diaspora in Ägypten datiert. Hinweise im 2. Kapitel sprechen für eine Entstehungszeit zwischen 80 und 30 v. Chr. Der Verfasser, ein gläubiger Jude, scheint hellenistisch gebildet zu sein. Er versteht es, sich in Griechisch klar und genau auszudrücken. Interessant ist, dass er keine Namen nennt, um die Allgemeingültigkeit der Weisheit hervorzuheben. Im Buch der Weisheit steht nicht Gott und sein Handeln, sondern der Mensch und sein Verhalten im Mittelpunkt.
Die Perikope des heutigen Sonntags spricht tröstlich vom Willen Gottes: Gott hat keine Freude am Untergang der Lebenden. Der Gläubige wird aufgerufen, auch in Leiden und Tod an Gottes Treue und Gerechtigkeit zu glauben. Gott hat den Menschen zum Glück und zur Unsterblichkeit berufen, durch sein Leben soll er heilbringend sein. Es liegt beim Menschen, ob er sich für den Weg des Todes oder den des Lebens entscheidet.
Das Buch der Weisheit ist das jüngste Buch des AT. Es entstand 80-30 v.Chr. in Alexandria, dem Zentrum hellenistischer Kultur und Wissenschaft. Der Autor verbindet jüdische Tradition mit griechischer Weisheit. Er wirbt bei den Juden in der Diaspora für die Weisheit, die Gott seinem Volk geschenkt hat. Wer sich auf sie einlässt, kann sein Leben gut bewältigen. Die personifizierte Weisheit ist Bild des menschenfreundlichen und barmherzigen Gottes. Das Buch war eine Trostschrift für die Juden, die in der Fremde in ihrem Glauben verunsichert waren. So kann es auch für den heutigen Menschen, der nach Orientierung sucht in einer orientierungslosen Zeit, Wegweiser zum wahren Leben sein.
Die Lesung spricht tröstlich vom Willen Gottes: Gott hat den Tod nicht geschaffen; er hatte nur das Heil aller Geschöpfe im Sinn. Gewalt und Tod werden auf den "Neid des Teufels" zurückgeführt, ein Motiv, das auf griechische Vorstellungen zurückgeht. Es wird betont, dass Gott den Menschen zum Glück und zur Unsterblichkeit berufen hat. Gott selbst stellt den Menschen vor die Entscheidung, den Weg des Todes oder den des Lebens zu wählen (vgl. Dtn 30,15-20). Tod meint hier den "geistigen Tod", nämlich Unglück und Verderben, das der Mensch selbst bewirken kann. Leben meint das Dasein aus Gott, der das Heil aller Menschen will.
Gott hat auch uns zu einem erfüllten Leben bestimmt. Das meint nicht ein Leben in anhaltendem Glücksgefühl, sondern ein Leben aus der intensiven Beziehung zu mir selbst, zu Gott und zu meinen Mitmenschen heraus. Das beinhaltet Höhen und auch Tiefen des Lebens. Ob solches Lebendigsein gelingt, hängt auch von meinem Denken und Verhalten ab. Mich für den "Weg des Lebens" zu entscheiden, heißt Weitblick zu haben für mein Heil und das der anderen, Freiräume zu schaffen für die Entfaltung des Einzelnen und offen zu sein für Neues. "Entscheide dich für die Lebendigkeit!" - so könnte der Aufruf der Lesung an uns heute lauten.
Claudia Simonis-Hippel, in: Gottes Volk B 6/2006, Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2006, S. 13-24.