Wer unlängst einen (höheren) runden Geburtstag gefeiert hat, der kennt das bestimmt. Man beginnt sich Gedanken über sein Leben zu machen. War es das? Und mitunter hält man eine Rückschau auf das, was man bis jetzt erlebt und erreicht hat. Man erinnert sich auch an seine Kindheit und Jugendzeit, an jene Orte, wo man geboren, wo man aufgewachsen ist, wo man einen wichtigen Teil des Lebens verbracht hat. Solche Orte sind vielen wichtig. Und gerne geht der Mensch an diese zurück. Denn sie markieren Lebensabschnitte.
Je mehr man von einem Menschen weiß, desto besser kennt man ihn. Immer wieder rufen Jugendliche auf den Internetseiten von sozialen Netzwerken auf, doch hinaufzuposten, wann man wie diese Person kennengelernt hat, was man von ihr alles weiß. Dann würde man wissen, wer zu den sogenannten echten Freunden zählt.
Heute feiern wir das Fest der Geburt Mariens. Diese Person ist uns allen wichtig. Wir vertrauen ihr. Wir hoffen auf ihre Fürsprache. Sie ist uns nahe und vertraut. Sie ist die Mutter Jesu. Sie begleitete ihn auf seinem Weg. Sie stand unter seinem Kreuz. Sie war nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt bei den Jüngern. Sie wurde uns zur Mutter der Kirche.
Doch was wissen wir eigentlich tatsächlich von ihr? Wenn wir die biblischen Befunde lesen, nicht so viel. Historisches ist noch weniger von ihr überliefert. Nicht Maria selbst, sondern schon die frühen Christen gaben sich nicht damit zufrieden. Es entstand das Jakobus-Evangelium, in dem über die Umstände der Empfängnis und der Geburt Mariens geschrieben steht. Sie wollten Orte haben, wo sie ein Stück der Lebensgeschichte Mariens nachgehen konnten. Und so schufen sie solche Orte. Diese Orte sind historisch nicht belegt. Es sind vielmehr Orte des Gedenkens. Dieses Gedenken und die Gebete, die dort im Laufe der Geschichte gesprochen und erwogen worden sind, machen diese Orte bis heute so wertvoll.
Wenn man durch Jerusalem geht, dann kommt man auf dem Weg von der Via Dolorosa Richtung Ölberg an der St. Anna-Kirche vorbei: Hier ist Maria geboren. Schon sehr früh wurde diese Kirche als Ort des Gedenkens an Mariä Geburt geschaffen. Die alte Kreuzritterkirche zählt zu den ältesten in Jerusalem. Und bald schon hat man nicht allein einen Ort, sondern auch einen passenden Geburtstag für Maria gefunden: 8. September, 9 Monate nach dem 8. Dezember. Weder Ort noch Tag sind also historisch. Zu Recht kann man sich nun fragen: was soll dann das Ganze?
Es ist Ausdruck der Sehnsucht des Menschen, für das Gedenken an einen lieben, wertvollen Menschen eine gewisse Ordnung zu schaffen. Jetzt ist eine gute Zeit, dort ist ein guter Ort dafür. Viele Menschen haben das mehr oder weniger ausgeprägt.
Dieser ausgewählte Ort, an dem viele Christen der Geburt Mariens gedenken, ist ein Ort, der kaum Schmuck braucht, der bereits in seiner Schlichtheit erhaben wirkt. Es ist ein Ort, in dem vieles zu klingen kommt. Ein Kirchenraum, der mit seiner Akustik besticht und Menschen zum Staunen bringt. Viele Pilger und Pilgerinnen, die da vorbeikommen, stimmen ein Salve Regina an. Wie gewaltig ist es dort, einen Ton nach dem anderen zu singen, wenn möglich mehrstimmig. Vielleicht einen Dreiklang.
Dieser Dreiklang ist ein schönes Bild für das menschliche Leben, und auch für das Leben Mariens.
Da gibt es jenen Grundton, der immer da ist, der tragende Ton: Der Grundton ist die Lebensgeschichte, meine Biographie. Teil von mir selbst. Teil, den ich nicht abschütteln kann, Teil, der mich trägt.
Maria als Tochter des Joachim und der Anna, so die Überlieferung, hat auch ihre Biographie, einzigartig, von Anfang an unter einem besonderen Vorzeichen gestellt. Darum feiern wir das Fest von Mariä Empfängnis und das heutige Fest.
Der zweite Ton im Dreiklang ist der belebende, der anregende, bewegende Ton: meine Sehnsucht. Was will ich noch? Oder habe ich bereits alles erreicht? Da bin ich. Dort will ich hin. Wohin treibt mich die Sehnsucht meines Herzens?
Vom Evangelium wissen wir, dass Maria mit Josef verlobt war. Anscheinend sollte sie ein ganz normales Frauenleben haben, eingebunden in eine Familie, betraut mit den Aufgaben einer Ehefrau und Mutter.
Da gibt es aber im Dreiklang noch den dritten Ton, den unruhigen Ton. Der Unruhe bringt. Von außen her dringt er auf mich ein. Die Not der Welt. Die Frage meines Vorgesetzten: "Kannst du dir nicht vorstellen, dass du vielleicht ...?" Die Frage des Seelsorgers: "Hast du dir eigentlich schon einmal Gedanken gemacht? Ich könnte mich dir gut als Diakon, als Pastoralassistentin, als Religionslehrerin ... vorstellen?" Dieser dritte Ton ist jener, der aufhorchen lässt. Und vielleicht auch genauer hinhorchen lässt. Vielleicht auch sogar gehorchen lässt. Der etwas im Leben in Bewegung bringt. Etwas verändern kann, wenn man auf ihn hört.
In Mariens Leben gab es auch diesen dritten Ton. Der Engel Gabriel brachte in ihr: "Du wirst ein Kind empfangen. Ihm sollst du den Namen Jesu geben." Und es ist uns bekannt, wie Maria darauf antwortete: "Siehe, ich bin eine Dienerin des Herrn. Mir geschehe, wie du gesagt." Das meint dienen: einem anderen die Handlungshoheit über mich geben. Nicht wissend, was auf mich zukommt. Beunruhigt sein. Aber doch auch voll Vertrauen. Es braucht auch diesen dritten Ton im Dreiklang. Sonst fehlt ihm etwas Entscheidendes. Und so braucht es im Leben wohl auch das Zulassen der Frage und auch dem Suchen einer Antwort darauf, was Gottes Wille für mein Leben ist, um zum vollen Leben zu kommen.
Maria hat mit ganzer Seele und auch mit ihrem Körper Ja zu Gottes Willen gesagt: sie wurde schwanger und hat uns den Heiland geboren. Und wie es jeder Mutter, jedem Vater ergeht, wird sie immer wieder, selbst unter dem Kreuz ihres Sohnes, Ja gesagt haben. Auch dann, wann es schmerzlich war.
Wir feiern heute den Geburtstag von Maria, der Mutter Jesu. Es ist der Gedenktag ihrer Geburt. Denken hat zu tun mit danken. Wenn wir uns jetzt in dieser Betrachtung vergegenwärtigt haben, wie sehr sie durch ihr Leben im Dreiklang als Werkzeug Gottes dienen konnte, so kommen wir unmittelbar ins Danken:
Wir danken dir, o Maria, dass du bereit warst, dich ganz auf die Botschaft des Engels einzulassen.
Wir danken dir, o Maria, für alles, was du in deiner Lebensgeschichte getragen und ertragen hast.
Wir danken dir, o Maria, auch dafür, dass du uns so nahe und vertraut bist, dass wir auf deine Fürsprache vertrauen dürfen.
Anmerkung: Als Vorlage für die Passage mit dem Dreiklang dienten persönliche Aufzeichnungen von Predigtimpulsen, welche der Exerzitienmeister in der Dormitio Jerusalem im März 2009 hielt.
Barmherziger Gott,
öffne deinen Gläubigen die Schätze der himmlischen Gnade.
Die Geburt des Erlösers aus Maria
war für uns der Anfang des Heiles;
das Geburtsfest seiner allzeit jungfräulichen Mutter
festige und mehre den Frieden auf Erden.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Fest Mariä Geburt
Herr, unser Gott,
dein eingeborener Sohn komme uns zu Hilfe
in seiner großen Liebe zu uns.
Seine jungfräuliche Geburt hat die Jungfräulichkeit der Mutter nicht gemindert,
sondern geheiligt.
Durch seine Menschwerdung heilige auch uns.
Nimm von uns alle Schuld
und mache dir unsere Gabe wohlgefällig.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Fest Mariä Geburt
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und bei der Verehrung
der seligen Jungfrau Maria
das Werk deines Erbarmens zu rühmen.
Du hast sie aus allen Menschen erwählt
und gesegnet vor allen Frauen.
In ihr leuchtete auf die Morgenröte
der Erlösung, sie hat uns Christus geboren,
die Sonne der Gerechtigkeit.
Durch ihn preisen dich deine Erlösten und
singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Mariä Geburt
Allmächtiger Gott,
du hast deine Gemeinde mit dem heiligen Sakrament gestärkt.
Erfülle uns mit Freude am Geburtsfest der seligen Jungfrau Maria,
denn sie ist die Morgenröte des Heiles
und das Zeichen der Hoffnung für die ganze Welt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Fest Mariä Geburt
Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Jesája.
Sagt den Verzagten: Seid stark,
fürchtet euch nicht!
Seht, euer Gott!
Die Rache kommt, die Vergeltung Gottes!
Er selbst kommt und wird euch retten.
Dann werden die Augen der Blinden aufgetan
und die Ohren der Tauben werden geöffnet.
Dann springt der Lahme wie ein Hirsch
und die Zunge des Stummen frohlockt,
denn in der Wüste sind Wasser hervorgebrochen
und Flüsse in der Steppe.
Der glühende Sand wird zum Teich
und das durstige Land zu sprudelnden Wassern.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Jesaja.
Jubeln werden die Wüste und das trockene Land,
jauchzen wird die Steppe und blühen wie die Lilie.
Sie wird prächtig blühen
und sie wird jauchzen, ja jauchzen und frohlocken.
Die Herrlichkeit des Libanon wurde ihr gegeben,
die Pracht des Karmel und der Ebene Scharon.
Sie werden die Herrlichkeit des HERRN sehen,
die Pracht unseres Gottes.
Stärkt die schlaffen Hände
und festigt die wankenden Knie!
Sagt den Verzagten: Seid stark,
fürchtet euch nicht!
Seht, euer Gott!
Die Rache kommt, die Vergeltung Gottes!
Er selbst kommt und wird euch retten.
Dann werden die Augen der Blinden aufgetan
und die Ohren der Tauben werden geöffnet.
Dann springt der Lahme wie ein Hirsch
und die Zunge des Stummen frohlockt,
denn in der Wüste sind Wasser hervorgebrochen
und Flüsse in der Steppe.
Der glühende Sand wird zum Teich
und das durstige Land zu sprudelnden Wassern.
Auf der Aue, wo sich Schakale lagern,
wird das Gras zu Schilfrohr und Papyrus.
Dort wird es eine Straße, den Weg geben;
man nennt ihn den Heiligen Weg.
Kein Unreiner wird auf ihm einherziehen;
er gehört dem, der auf dem Weg geht,
und die Toren werden nicht abirren.
Es wird dort keinen Löwen geben,
kein Raubtier zieht auf ihm hinauf,
kein einziges ist dort zu finden,
sondern Erlöste werden ihn gehen.
Die vom HERRN Befreiten kehren zurück
und kommen zum Zion mit Frohlocken.
Ewige Freude ist auf ihren Häuptern,
Jubel und Freude stellen sich ein,
Kummer und Seufzen entfliehen.
Kv: Lobe den Herrn, meine Seele! – Kv
Oder GL 58,1
(Oder: Halleluja.)
Der Herr ist es, der Himmel und Erde erschafft, /
das Meer und alles, was in ihm ist. *
Er hält die Treue auf ewig.
Recht schafft er den Unterdrückten, /
Brot gibt er den Hungernden, *
der Herr befreit die Gefangenen. – (Kv)
Der Herr öffnet die Augen der Blinden, *
der Herr richtet auf die Gebeugten,
der Herr liebt die Gerechten. *
Der Herr beschützt die Fremden. – (Kv)
Er hilft auf den Waisen und Witwen, *
doch den Weg der Frevler krümmt er.
Der Herr ist König auf ewig, *
dein Gott, Zion, durch alle Geschlechter. – Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Jakobusbrief.
Meine Schwestern und Brüder,
haltet den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus,
den Herrn der Herrlichkeit,
frei von jedem Ansehen der Person!
Wenn in eure Versammlung
ein Mann mit goldenen Ringen
und prächtiger Kleidung kommt
und zugleich kommt ein Armer in schmutziger Kleidung
und ihr blickt auf den Mann in der prächtigen Kleidung
und sagt: Setz du dich hier auf den guten Platz!
und zu dem Armen sagt ihr: Du stell dich
oder setz dich dort zu meinen Füßen! –
macht ihr dann nicht untereinander Unterschiede
und seid Richter mit bösen Gedanken?
Hört, meine geliebten Brüder und Schwestern!
Hat nicht Gott die Armen in der Welt
zu Reichen im Glauben
und Erben des Reiches erwählt,
das er denen verheißen hat, die ihn lieben?
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Ein Hauptanliegen des Jakobusbriefes ist, daß die Christen nicht nur Hörer des Wortes Gottes sind, sondern auch danach leben und handeln. Die gehörte Botschaft soll also in die Tat umgesetzt werden.
In der christlichen Gemeinde besteht die Gefahr, daß rein äußerliche Zeichen (goldene Ringe, prächtige Kleidung... ) eine vorrangige Stellung einnehmen. Nach dem Autor des Jakobusbriefes kommt solch ein Verhalten einem Verrat von Glaube und Liebe gleich (vgl. Mt 5,3 und Lk 16,19 ff.). Das Beispiel in Vers 5 hat auch Eingang gefunden in mehrere "Kirchenordnungen". In den äthiopischen Apostelstatuten heißt es dazu etwa: "Wenn ein Mann oder eine Frau in feinen Kleidern eintritt, so sollst du, Ältester, nicht die Person ansehen, noch den Gottesdienst unterbrechen, um ihnen Plätze anzuweisen, sondern dich ruhig verhalten. Denn die Brüder werden sie empfangen, und wenn kein Platz mehr für sie da ist, wird jemand, der seine Brüder und Schwestern lieb hat, aufstehen und ihnen seinen Platz überlassen. Und wenn ein armer Mann oder eine Frau kommen sollte, dann sollst du, Ältester, ihnen von ganzem Herzen Platz machen, auch wenn du selbst am Fußboden sitzen mußt, damit kein Ansehen der Person, sondern Gottes sei."
Der Jakobusbiref, dem die zweite Lesung entnommen ist, will seine Adressaten nach der Art der alttestamentlichen Weisheitsliteratur ermahnen. Im vorliegenden Abschnitt wendet er sich gegen eine falsche Rücksichtnahme auf Reiche.
Die damalige Zeit war stark von sozialen Gegensätzen geprägt: Herkunft, Besitz und Bildung waren maßgeblich für das öffentliche Ansehen. Die Christen gehörten vor allem der unteren Volksschicht an. Deshalb soll es gerade bei ihnen kein besonderes Ansehen auf Grund der Abstammung oder des Besitzes geben.
Der Glaube trifft immer auch auf gesellschaftliche Umstände und es passt oft nicht zusammen, was der Glaube fordert und was Menschen daraus machen. Der Autor des Jakobus-Briefes wendet sich an die Judenchristen in der Diaspora. Damit sind zwei Schwierigkeiten der Gruppe benannt: Die Adressatenschaft befindet sich zum einen im Übergang vom alten Judentum zum neuen Christentum und war zum anderen nicht mehr am religiösen Urgund, in Jerusalem, ansässig. Um trotzdem glaubwürdig bleiben und überleben zu können, brauchte es gute Lebensführung und eiserne Disziplin.
Halleluja. Halleluja.
Jesus verkündete das Evangelium vom Reich
und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit
verließ Jesus das Gebiet von Tyrus wieder
und kam über Sidon an den See von Galiläa,
mitten in das Gebiet der Dekapolis.
Da brachten sie zu ihm einen, der taub war und stammelte,
und baten ihn, er möge ihm die Hand auflegen.
Er nahm ihn beiseite,
von der Menge weg,
legte ihm die Finger in die Ohren
und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel;
danach blickte er zum Himmel auf,
seufzte
und sagte zu ihm: Effata!,
das heißt: Öffne dich!
Sogleich öffneten sich seine Ohren,
seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit
und er konnte richtig reden.
Jesus verbot ihnen, jemandem davon zu erzählen.
Doch je mehr er es ihnen verbot,
desto mehr verkündeten sie es.
Sie staunten über alle Maßen
und sagten: Er hat alles gut gemacht;
er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Im Gebiet der Dekapolis, der zehn Städte am Ostufer des Sees Genesareth, bringen Unbekannte einen Unbekannten zu Jesus. Der Unbekannte ist taubstumm und wahrscheinlich ein Heide. Das griechische Wort für Stummheit bedeutet in etwa "er konnte nur stammeln".
Ein Kind, das nicht hören kann, stammelt meist nur und lernt (ohne heutige medizinische Standards) auch nie richtig sprechen. Ob er allerdings von Geburt an taubstumm gewesen ist oder erst aufgrund einer Krankheit, kann aus dem Text nicht geschlossen werden. Sicher ist hingegen, daß Taubheit damals oft mit Besessenheit gleichgesetzt worden ist. Dieser Taubstumme wird also zu Jesus gebracht, und seine Heilung, ein Wunder, wird erwartet.
Jesus nimmt den Kranken beiseite, da dieser in der Masse hilflos zu sein scheint, und Jesus möchte ihm den nötigen Raum zur "gesamtmenschlichen" Begegnung mit ihm geben. Die Finger waren oft Sinnbilder einer Kraftübertragung und werden hier auf die "Orte des Schmerzes" gelegt. Speichel kam im Alten Orient eine heilende und exorzistische Bedeutung zu. Der Blick zum Himmel drückt die tiefe Verbundenheit mit Gott aus. Die Heilung kommt nicht von verborgenen Kräften, es werden keine unverständlichen Riten und Rituale praktiziert, sondern die Heilung beruft sich auf die Kraft Gottes. Dadurch lösen sich die (dämonischen?) Blockaden im Körper des Taubstummen und er wird zu einer normalen menschlichen Kommunikation befähigt.
Jesus will aber nicht, daß die Menschen von dieser Heilung berichten. Seine Zeit, die Zeit in der die Menschen sein Tun erst begreifen werden, ist die Zeit des Kreuzes und diese ist noch nicht gekommen. Logisch, daß die Menge dieses Wunder nicht geheim halten konnte. Doch sie läuft gleichsam Gefahr, das Wesentliche zu übersehen und am Wunder "hängen zu bleiben". Das "effata", das "öffne dich" gilt auch für die Menge.
Das Evangelium dieses Sonntags erzählt von einer wunderbaren Heilung eines Tabstummen. Diese Geschichte ist einzigartig. Obwohl sie Matthäus und Lukas vorgelegen hat, haben sie sie nicht übernommen. Sie wird ganz nach dem Muster der Wunder- und Heilungserzählungen, die es im palästinenschischen und hellnistischen Umfeld gegeben hat, erzählt. Die Erzählung beschreibt ungewöhnlich bis ins Detail, was der Heiler mit dem zu Heilenden anstellt. So zu erzählen war damals üblich.
Markus gibt dieser Erzählung jedoch seine eigene Deutung. Diese läßt sich aus dem Kontext und dem Schweigegebot, das Markus an mehreren Stellen einfügt, ablesen. Für Markus ist Jesus der verborgene Gottessohn, der erst am Kreuz offenbar wird. Was man von ihm schon vor diesem Offenbarwerden erzählt und erzählen kann, ist mißverständlich. Deshalb fügt Markus immer wieder das Schweigegebot ein.
"Die Heiden" (Dekapolis und Gliläa, wo sie diese Ereignisse zutragen, gelten als heidnische Gebiete) mißverstehen Jesu Wundertäter, göttlichen Arzt, Wohltäter der Menscheit...
Jesus läßt sich aber auch nicht nach den Forderungen der Pharisäer nach jüdischen Vorstellungen verstehen.
Auch die Jünger verstehen ihn nicht (vgl. Mk 8, 21).
Der Abschluß der Erzählung knüpft jedoch an die alttestamentliche Überlieferung vom Schöpfer, der alles gut macht, und vom Retter, der heilt und die Schöpfung wieder herstellt, an.
Die Geschichte von der Heilung des Hör- und Sprachbehinderten steht im Zusammenhang von verschiedenen Heilungs- und auch anderen Wundergeschichten. Diese Wundergeschichten haben zwei Aussageebenen: Zuerst verweisen sie auf die Wirkmächtigkeit des Gottessohnes. Die Taten sollen die Menschen wissen lassen: Das, was er sagt, stimmt wirklich. Und all jene, die keine Ahnung haben von Torah und Propheten, bekommen mit: Da ist einer, mit dem bricht Neues an - da muss man wirklich daran glauben. Darüber hinaus soll der fromme Jude erfahren: Mit diesem Mann erfüllen sich die Schriften der Alten. Im Fall der Heilung des Hör- und Sprachbehinderten sind es die Worte aus Jesaja 35.
Ein kleines Detail in der Geschichte verwundert (und nicht nur in dieser): Immer wieder verbietet Jesus nach seiner Tat den Leuten - den Geheilten wie der Zeugenschaft - zu erzählen, was sie erlebt haben. Eigentlich sollte man annehmen, das Gegenteil müsse Jesu Absicht sein. Vermutlich ist das Schweigegebot ein Hinweis darauf, dass das Handeln Jesu mit der Heilung nicht fertig ist. Darauf verweist auch die Komposition unserer Sonntagsliturgie, wenn dem Evangelium die Jesaja-Lesung vorangeht, die von der Erfüllung des Heilsversprechens erzählt. Diesen Hinweis hatten die Menschen damals aber nicht. Für sie sollte sich der Sinn der Heils- und Wundertaten mit der Erfahrung der Auferstehung Jesu erschließen. Und bis zu diesem Moment sollten sie nicht marktschreierisch und unverständig von dem erzählen, was sie gesehen hatten. In allen Heilungsgeschichten können wir nachlesen: Dieses Schweigegebot ist ungehört verhallt.
Der "Effata-Ritus" der Tauffeier knüpft an die Erzählung von der Heilung eines Taubstummen an. Jesus geht es um mehr als nur die Wiederherstellung des Hör- und Sprachvermögens eines vom Schicksal Geschlagenen. Erst wenn er hören kann, kann er auch die Stimme Gottes vernehmen. Erst wenn er sprechen kann, kann er darauf im Lob Gottes antworten.
"Der Herr lasse dich heranwachsen, und wie er mit dem Ruf »Effata« dem Taubstummen die Ohren und den Mund geöffnet hat, öffne er auch dir Ohren und Mund, damit du sein Wort vernimmst und den Glauben bekennst zum Heil der Menschen und zum Lobe Gottes."
Der sogenannte Effata-Ritus ist Bestandteil einer jeden Taufe und lässt den Täufling wissen: Allein der Umstand, dass du durch die Taufe aufgenommen bist in die Gemeinschaft von Christinnen und Christen und dass Gott dich bei deinem Namen gerufen hat, ist wohl ein wichtiger Anfang - aber eben erst ein Anfang. Nach diesem Anfang geht es eigentlich erst richtig los. Vor dem Getauften liegt Weg des Christwerdens, des Hineinwachsens ins Christsein, der bestimmt ist durch das Hören der Botschaft Gottes, durch das Zeugnis für diese Botschaft, durch ein Sich-Hineinfühlen in das Leben der Christenheit. Wer nur getauft ist und sich im Glauben nicht weiter rührt, dessen Christsein trägt kaum Früchte. Um diesen Weg des Christwerdens gehen zu können, braucht es neben den offenen Ohren und dem offenem Mund alle Sinne des Menschen.
Vom biblischen Hintergrund des Effata-Ritus haben wir heute im Evangelium gehört: Die Menschenmenge, der Jesus begegnet, bringt einen, der hör- und sprachbehindert ist und entsprechend auch nicht selbst kundtun kann, was sein Anliegen an Jesus ist - auch wenn es da an Offensichtlichkeit kaum mangelt. Als Antwort tut Jesus ein paar heilsame Dinge, die bemerkenswert sind. Zunächst einmal: Jesus nimmt den Mann weg von der breiten Öffentlichkeit. Statt Inklusion Diskretion. Jesus wendet sich dem Mann, der namenlos bleibt, zu und schenkt ihm seine ganze Aufmerksamkeit. Er heilt ihn wohl, aber bis zum Schluss ruft er ihn nicht bei seinem Namen - und damit nicht in seine Nachfolge. Der Mann bleibt in einem Vorstadium der christlichen Berufung.
Dann legt Jesus ihm die Finger in die Ohren - wir fühlen uns erinnert an Psalm 8: "Seh ich deine Himmel, die Werke deiner Finger, Mond und Sterne, die du befestigt: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?" Jesus schenkt in der Heilung einen Anteil an diesem Himmel. Es geht nicht nur darum, dass der Mann körperlich ok wird, - die Heilung soll über sich selbst hinaus auf den Himmel verweisen. Mit dem Speichel schließlich legt Jesus dem Anderen etwas von sich selbst in den Mund. Der Geheilte soll nicht nur einfach reden können - er soll bekennen können: "Damit du sein Wort vernimmst und den Glauben bekennst zum Heil der Menschen und zum Lobe Gottes", heißt es im Effata-Ritus, der diese Heilungsgeschichte ausdeutet.
In der abschließenden Geste stellt Jesus für alle sichtbar die Verbindung her zwischen Himmel und Erde: Was mit dem hör- und sprachbehinderten Menschen geschieht, das ist nicht einfach ein Gesundwerdungsprozess, sondern ein Offenbarungsereignis. Und damit eben wesentlich mehr als nur die Heilung von einer Behinderung.
Und das meint: Wenn das so ist, dann kann die Erfahrung des Hör- und Sehbehinderten auch jede und jeder machen, der physisch eigentlich nicht eingeschränkt ist. Erkennen und bekennen können ist dann nicht mehr eine Frage des Zustandes von Ohren und Mund. Es stellt sich viel mehr die Frage, welch ein Geist in diesen Ohren und diesem Mund eines Menschen wohnt. - Der hl. Benedikt spricht dazu in der Einleitung zu seiner Ordensregel von den »Ohren des Herzens«. Diese Frage nach dem geistlichen Zustand von Ohren und Mund stellt sich nicht nur für jeden und jede, die und der in der Taufe in Jesu Fußspuren gesetzt wird - sie stellt sich uns allen immer wieder auch nach der Taufe. Immer wieder neu: Dringt die Botschaft Jesu in unsere Ohren und Herzen und sind wir auf unserem christlichen Lebensweg fähig und willens, von ihm zu erzählen, von ihm Zeugnis abzulegen? - Die Frage nach dieser Bereitschaft übrigens beantwortet der Hör- und Sprachbehinderte nicht. Wir erfahren nicht, was der Geheilte mit seinem Geheiltsein anstellt.
Als Jesus den zu heilenden Mann trifft und er die Bitte der Umstehenden um Heilung vernimmt, sondert er ihn von der großen Menschenmenge ab. - Das, was jetzt geschehen soll, ist einzig diesem Einen zugedacht. Jesus wendet sich ihm ganz individuell zu - das Heilungsgeschehen ist nur diesem einen zugedacht und sonst niemanden. Und das meint: Der Anruf Gottes trifft auf jedes Ohr und Herz ganz individuell, das Bekenntnis als Antwort ist das des je einzelnen Mundes und damit des je einzelnen Menschen. Wenn Gott uns beruft, von ihm Zeugnis zu geben, dann ist das eine Aufgabe, die auf jeden Einzelnen und jede Einzelne passgerecht zugeschnitten ist und entsprechend erfüllt werden will. Jede Christin und jeder Christ ist mit dem je eigenen Christsein speziell unterwegs.
Das ist einerseits schön zu wissen, andererseits auch eine Herausforderung. Lebenslang setze ich mich dann also mit den Fragen meiner christlichen Berufung auseinander, die die Fragen meines Lebens sind: Was bedeutet Christsein, also leben im Sinne Jesu, für mich? Wie lebe ich mein christliches Zeugnis in dieser Welt? Was kann ich - zwischenmenschlich, politisch, wirtschaftlich - verantworten, was nicht? Was ruft mir mein Gewissen zu?
Christsein im Sinne Jesu heißt dann nicht: schwimmen im Meer der Meinungsmöglichkeiten - es ruft vielmehr nach meinen dezidierten Entscheidungen und Antworten auf die Fragen des Lebens. Am Ende haben ja schließlich alle etwas davon - die Menschenmenge um den Geheilten stellt ja ganz erstaunt fest: "Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen."
Manchmal mag dieser Ruf Jesu zu einem Leben in seinem Sinne wie eine allzu große Herausforderung daherkommen. Lassen wir uns nicht abschrecken. Schon der Prophet Jesaja hat seinem Volk zugerufen - wir hörten es in der Lesung: Sagt den Verzagten: Seid stark, fürchtet euch nicht!
Was der geheilte Taubstumme erfahren hat, hat vermutlich jede und jeder von uns auch schon erlebt. Ein behutsamer Umgang mit solchen heilsamen Begegnungen kann uns Neues erschließen.
Ich möchte heute den Evangelientext dieses Sonntags befragen, was er uns am Beginn eines Schul- und Arbeitsjahres, am Beginn einer neuen Aufgabe, am Beginn einer neuen Woche oder einfach nur am Beginn eines neuen Tages zu erzählen hat -.
Es ist von „einem“ die Rede, den „sie“ zu Jesus brachten. Wir wissen nicht, wer „sie“ sind, wir kennen auch den Namen des Herbeigebrachten nicht. Diese Unbestimmtheit erlaubt es uns, probehalber einmal den eigenen Namen einzusetzen: Johanna, Renate, Josef, Peter, Maria, Franz, Leonie, Felix…
Wenn wir einen neuen Tag oder etwas größeres Neues beginnen, kommen wir so wie der Taubstumme nicht unversehrt. Wir alle haben etwas auf dem Buckel und ich denke, es wäre ein Irrtum zu glauben, Kinder hätten das nicht. Sie sind genau wie wir Älteren schon enttäuscht, abgewiesen und verletzt worden, haben Angst und Verlassenheit gespürt. Das alles bringen wir mit, wenn wir neues Terrain vor uns haben und die nächsten Schritte in unserem Leben setzen.
Aber da gibt es auch die „sie“, die, die uns bis hierher gebracht haben, Menschen, die an unserer Seite stehen, denen wir viel verdanken. Und so, wie sie im Evangelientext namenlos nur in einem Nebensatz erwähnt werden, so gehen auch wir oft mit ihnen um. Aber ich denke, es schadet nicht, sich manchmal ganz bewusst und dankbar an die zu erinnern, die uns in unserem Leben begleiten, die uns viel mitgeben oder mitgegeben haben, die uns auch stützen und tragen, wenn wir das nötig haben.
Dankbarkeit ist ein guter Boden für den Weg, den wir vor uns haben.
Dann kommt es für den Taubstummen zu der Begegnung mit Jesus, zu einer Begegnung ganz besonderer Art, mit magisch anmutenden Riten und seltsamen Handlungen. Es ist keine 08-15- Begegnung. „Er nahm ihn beiseite“, heißt es, weg von dem Trubel, den das Auftreten Jesu oft hervorruft. Dadurch entsteht ein intimer Raum, in dem sich die beiden anblicken, wahrnehmen, aufeinander einlassen können.
Erlaubt mir, dass ich bei unserem heutigen Durchgang durchs Geschehen diese Situation verallgemeinere und die intensiven, heilsamen Begegnungen unseres Lebens wachrufe. Welche solcher besonderen Begegnungen könnten noch vor uns liegen? Welche erwarten wir? Welche erhoffen wir? Vielleicht geht es uns wie dem Taubstummen und wir treffen auf Menschen, die sachte und behutsam den Finger in eine unserer Wunden legen und damit ein Stück Heilung ermöglichen. Vielleicht liegt in der irritierenden Erfahrung von Fremdartigem und Unverständlichem ein unerwarteter Impuls für unser Leben. Vielleicht entdecken wir im Zusammenkommen mit Menschen unsere speziellen Gaben und Fähigkeiten neu. Vielleicht werden wir in eine religiöse Begegnung geführt, die uns einen neuen Horizont eröffnet.
Was dabei von uns gefordert ist, ist wenig und viel zugleich. Es ist das Sich-Aussetzen und Sich-berühren-Lassen, wie es der Taubstumme an sich geschehen hat lassen.
Dann werden auch wir aus solchen Begegnungen als Hörende herausgehen, als Menschen, die ein offenes Ohr für andere haben, als Menschen, die wahrnehmen und verstehen können, was in unserer Welt geschieht, als Geöffnete für Gott. Wenn es vom Taubstummen heißt, er konnte nach seiner Begegnung mit Jesus wieder „richtig“ reden, so entspricht das, denke ich, auch bei uns einem täglichen Wunsch: richtig zu reden, das Richtige und Wichtige zu sagen - nicht nur mit Worten, sondern mit unserem Tun und mit unserem ganzen Leben.
Das wünsche ich euch, das wünsche ich uns allen, dass auf den Wegen, die vor uns liegen, neue, bereichernde Begegnungen liegen, solche, die unseren Horizont erweitern, die uns stärken und fähig machen, selber zu heilsamen Menschen zu werden.
© Mag.a Johanna Strasser-Lötsch, Wels
Was rundum den Taubstummen, der von Jesus geheilt wird, geschieht, verweist auf unterschiedliche Dimensionen des Heil-seins, Ganz-seins: leiblich, geistig, seelisch, sozial…
„Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde!“ Mit dieser Einleitung beginnen Diakone, Priester, Ordenschristen den neuen Tag im Breviergebet. Wünschenswert ist, diesen Eröffnungsvers gut zu verinnerlichen. Lob und Dankbarkeit sind Grundvoraussetzungen für die Begegnung mit Gott. Es soll immer ein freudiger Tagesanfang sein, der in der Eucharistie seinen Höhepunkt findet. Das ist oft sehr sehr schwer. Man könnte sagen, manche Sorgen drücken so stark, dass wir „taubstumm“, sprachlos werden, man sich zurückzieht. Göttliche Trostworte bilden Hilfestellungen. Gott schafft Recht und Heil. Das gibt uns bereits die erste Lesung mit. Wo diesen beiden Gedanken Raum gegeben wird, entsteht Freiheit und Leben, wird das anbrechende Reich Gottes sichtbar. Diese Visionen, die uns vor Augen geführt werden, brauchen den Durchbruch zur Realität: die Augen der Blinden zu öffnen, ebenso die Ohren der Tauben, was innerlich ausgetrocknet ist und nach außen hin im Bild der Wüste dargestellt wird, soll durchflutet werden. Abzusterben droht, neues Leben beginnt.
Der ganze Mensch wird mit all seinen Sinnen und Organen angesprochen. „Effata! - Öffne dich!“ In der zweiten Lesung wird der Gedanke der Öffnung im sozialen Bereich weitergeführt. In jeder Gemeinde gibt es Arme und Reiche. Diese stehen sehr oft im Vordergrund, ihr Aussehen lässt auf viel Besitz schließen, man räumt ihnen verschiedene Privilegien ein, bevorzugt sie, besonders dort, wo andere keine Chance haben, etwas zu erreichen. Auch hier gibt es Unterschiede. Nicht allen, die Geld und Besitz haben, sieht man das an. Nicht das Offenlegen von Besitz und Geld ist der Grund dieses Verhaltens, manchmal ist es Angst, dass etwas gestohlen wird. Nicht zu vergessen sind aber auch jene, die mit ihrem Reichtum sehr viel Gutes tun. Gleichheit vor Gott zeigt sich in der Nacktheit bei Geburt und Tod. „Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen, gepriesen sei der Name des Herrn.“ (Ijob 1,21).
Vorstellungen, wie sie in der Darstellung des reichen Mannes gezeigt werden, sehen oft anders aus. Wertschätzende Behandlung sollte jedem Menschen zuteil werden, Äußerlichkeiten vergehen, jeder Mensch hat eine königliche Würde. Diese wird ihm in der Taufe bereits zugesprochen. Diese Lesung will uns vermitteln, dass der Umgang mit den Armen Bewährung im Glauben ist. Konkret: Wenn uns ein Mensch begegnet, dessen Äußeres wir in der Kategorie Armut einstufen - vielleicht stimmt das wirklich - dann sollte uns bewusst werden, dass es verschiedene Formen der Armut gibt: geistige und materielle Armut, unfreiwillige Armut wie Kinderarmut, Armut nach Verlust des Arbeitsplatzes, die »working poor« mit schlecht entlohnten Arbeitsplätzen.
Wert und Würde haben ähnliche Wortwurzeln, sind getragen von (göttlicher) Weisheit. Oft neigt man dazu, den Wert nur im materiellen Bereich zu sehen Papst Gregor der Große (594 - 604): „Wenn wir die Bedürftigen mit dem Notwendigen versorgen, geben wir ihnen das Ihrige zurück und verschenken nicht das Unsrige.“ (in: Gregor der Große Regula pastoralis 3,1). Hier geht es um Verteilungsgerechtigkeit. Wer arm ist, wird ausgegrenzt oder grenzt sich selber aus.
Das geschieht auch bei Krankheiten. Damit sind wir beim Evangelium, bei der Heilung des Taubstummen. Bemerkenswert ist der Ort der Heilung. Es gibt auch eine Heilsgeographie. Diese Heilung geschieht in der Dekapolis, die östlich des Jordans liegt, also nicht mehr jüdisches Gebiet ist. Jesus ist nicht nur für die Juden da, sondern auch für die sogenannten Heiden - also für alle. Heilung soll für alle zugänglich sein, grenzüberschreitend. Das gilt auch für den Taubstummen, der durch sein Leiden ausgegrenzt war. Er wird der Gemeinschaft zurückgegeben.
Der Taubstumme kann nicht sprechen und hören. Es gibt ein gläubiges Hören, das zum Ge-horchen führt. „Der Glaube kommt vom Hören“ (Röm 10,17) ist Einlassen auf den Willen Gottes. Somit ist das Ohr nicht nur Brillenhalter, sondern auch nach außen hin Schalltrichter für Nachrichten. Es ist auch ein Wachorgan, weil es auch nachts wach bleibt, Geräusche wahrnimmt und für das Auge Ergänzung ist. Mit diesen beiden Sinnesorganen wird der ganzheitliche Mensch angesprochen. Hören und Zuhören benötigt Schweigen. Jesus verbot den Menschen von diesem Wunder zu erzählen. Dazu gibt es verschiedene Interpretationen. Jesus muss nicht ins Guinnessbuch der Rekorde kommen, um summarisch seine Wundertaten zu erfassen. Wohl aber könnte es Aufforderung zum Weitersagen sein, umgekehrt wieder: Was hier geschehen ist, bleibt unter uns. „Behutsames Schweigen ist das Heiligtum der Klugheit“, formuliert der spanische Jesuit Balthasar Gracian (1601-1658).
In der Stille geben wir dem Wirken des Heiligen Geistes Raum, ebenso im Zuhören. Vielleicht finden Sie am Beginn des Arbeitsjahres oder gerade jetzt am Sonntag Zeit für Stille, einen Ort, an dem es wirklich ruhig ist, durchatmen, Luft holen, reflektieren, sich nach innen beugen, beten. Das wünsche ich Ihnen.
Jesus heilt einen Taubstummen. Gegenwärtige Ereignisse machen uns sprachlos oder überfordern uns, sodass wir unsere Ohren verschließen… Die Heilung, die Jesus mit dem Wort Éphata bewirkt, erinnert an die Verheißungen des Jesaja und richtet auch uns auf in der Gewissheit, dass Gott da ist.
Er hörte nichts. Und wenn er etwas sagen wollte, konnte er nur stammeln. Laute, die aus seiner Kehle zu kommen schienen. Dabei wollte er so viel sagen! Dabei hatte er so viel zu sagen! Kopf und Herz waren voll. - Sie möchten gerne wissen, von wem ich gerade erzähle? Entschuldigen Sie, ich kenne nicht einmal seinen Namen. Mein Freund Markus erzählt von ihm. Die Geschichte eines Taubstummen. Eines Menschen, dem die Welt still geworden ist. Vielleicht auch von Anfang an still war.
Am Schluss ist ein großes Staunen in der Welt. Laut und vernehmlich. Kaum zu überhören. So viele Stimmen! In einem Satz, komprimiert:
„Er - Jesus - hat alles gut gemacht;
er macht, dass die Tauben hören
und die Stummen sprechen.“
Genau genommen, es ist ein Zitat. Ein geprägtes Wort mit Geschichte und Flair. Markus hat es eingesetzt, wenn auch ein wenig gekürzt, um das Wichtige kenntlich zu machen. Die Formulierung ist von keinem Geringeren als vom Propheten Jesaja:
„Sagt den Verzagten:
Habt Mut, fürchtet euch nicht!
Seht, hier ist euer Gott!
Dann werden die Augen der Blinden geöffnet,
auch die Ohren der Tauben sind wieder offen.
Dann springt der Lahme wie ein Hirsch,
die Zunge des Stummen jauchzt auf.“
(Jes.35,4-6).
Sprachlos sind auch heute viele Menschen. Auch, wenn sie ganz viel sagen, ständig reden, nicht einmal mehr zuhören können. Wenn Menschen die Welt nicht mehr verstehen, wenn ihnen ihr Leben fremd wird, wenn ihnen Gott verschwunden ist, ziehen auch die Worte aus.
Manchmal fehlen mir die Worte, beredt wie ich bin. Im Regal stehen Bücher, dicht gedrängt. Sie enthalten die Weisheit von Jahrhunderten. Und das Wissen von heute. Aber das Unheil, das Menschen trifft, macht mich sprachlos. Auch das Unheil, das die Erde verletzt. Besonders das Unheil, das Menschen anrichten. Ich spüre das. Jedes Wort, das ich sage, hört sich schal und verbraucht an. Eigentlich müsste ich schweigen, aber …
Ich bin in einem kleinen Ort. Idyllisch gelegen. Vor ein paar Wochen hat hier ein kleines Flüsschen gewütet. Rechts und links – in den Erdgeschossen stehen die Fenster offen, die Zimmer leergeräumt, Bauschutt auf den Gehwegen. Dann treffe ich die Menschen, die ich besuchen wollte …
Ich sehe die Bilder aus Afghanistan. Ich bin ganz kleinlaut. Am Hindukusch wollten wir unsere Sicherheit verteidigen. Jetzt lassen wir viele Menschen alleine zurück, die einmal große Hoffnungen auf uns gesetzt haben. Quasi über Nacht ist alles zusammengebrochen. Auch unsere (westlichen) Allmachtsphantasien. Jetzt sind wir in eine Schuld verstrickt, für die es kaum Worte gibt. Was werden wir den Flüchtlingen sagen? Dass sie nicht willkommen sind?
Die Welt ist voller Worte. Die Medien - die sozialen sowieso - gehen in Worten unter. Sie schwirren unsichtbar durch die Luft. Eigentlich müsste ich den Kopf einziehen, um den Wrackteilen zu entgehen. Aber ich bin abgestumpft. Digital haben sich Worte noch schneller vervielfältigt und verflüchtigt. Virtuell wabern Hass und Häme. Viele Worte haben alles verloren, was sie einmal hatten: Vertraulichkeit, Nähe und Verstehen. Jetzt dürfen die Worte einen Zweck erfüllen. Viele Menschen werden von ihnen nicht mehr verzaubert. Eingesperrt werden Worte wie Wahrheit und Gerechtigkeit. Dass Worte leiden an der Welt, dass sie weinen – wir hören es nicht.
Ich höre, verstehe aber nicht.
Eigentlich höre ich nicht einmal mehr hin.
Eigentlich sind meine Ohren voll.
Ich rede, zerfleddere aber die Worte
Eigentlich habe ich nichts gesagt.
Eigentlich habe ich nichts zu sagen.
Da schenkt uns die Geschichte, die Markus uns erzählt, jenseits vom Jordan, ein offenes Ohr. Wir hören, wir träumen von dem Wunder, von dem Wunder, hören zu können, dem Wunder, reden zu können. So, dass die Welt anders ist, noch einmal anders werden kann.
Die Geschichte spielt im Gebiet der Zehnstädte, griechisch Dekapolis, östlich vom Jordan. Die Gegend reicht von Damaskus bis nach Amman, heute Syrien und Jordanien. Markus findet, dass die Information wichtig ist. Jenseits des Jordan … das ist Heidenland, Ausland, vielleicht auch Niemandsland. Gott könne man da nicht finden, sagen die frommen Leute. Weil Gott da nicht sei. Weil er da nie und nimmer sein könne! Hier sei die Sünde zu Hause.
Was hat Jesus da zu suchen?
Jesus überschreitet die Grenzen. Gott kennt doch keine Grenzen. Schon gar keine Grenzen für seine Wunder. Wo er ist, geschehen Wunder!
„Dann werden die Augen der Blinden aufgetan
und die Ohren der Tauben geöffnet werden.
Dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch,
und die Zunge des Stummen wird frohlocken.“
Wir sehen die Menschen, die den fremden Taubstummen zu Jesus bringen. Auch ihre Namen kennen wir nicht, nicht ihre Erwartungen, nicht ihre Hoffnungen. Jesus solle ihm seine Hand auflegen. Mehr nicht. Was kann aber eine Hand schon ausrichten? Wenn die Ohren nicht hören, die Zunge gefesselt ist? Doch! Die Hand kann segnen. Sie kann einen Menschen behüten. Sie kann Nähe schenken. Alles, was jetzt geschieht, ist von einer intimen Vertrautheit gekennzeichnet. Speichel eingeschlossen. Jesus holt diesen Menschen aus der Menge heraus und wendet sich ihm zu. Die beiden sind ganz allein, so, als gäbe es die anderen nicht. Noch mehr Nähe, noch mehr Vertrauen geht nicht. Bevor auch nur ein Wort gesagt wird!
Eine Szene hat Markus besonders herausgestrichen: Jesus schaut zum Himmel. Und Jesus öffnet mit seinen Augen den Himmel!
Viele Worte verliert Markus sowieso nicht. Unter den Evangelisten ist er eigentlich der Verschwiegenste und Schweigsamste. Andeutungen von ihm sind oft so kostbar, dass sogar der Speichel zu sprechen beginnt – und von Liebe erzählt. Während ich, stirnrunzelnd, leicht angeekelt, wegschaue, geschieht ein Wunder: das Wunder einer Berührung, die zärtlicher nicht sein kann. Was dann geschieht, ist eigentlich nicht einmal neu.
„…Sogleich öffneten sich seine Ohren,
seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit,
und er konnte richtig reden..“
Wir wussten doch immer schon, dass Worte wachsen, wenn sie aus Vertrauen kommen - und dass Zungen gelöst werden, wenn sie Vertrauen finden, weiß jeder von uns. Es ist die Liebe, die Worten Flügel verleiht, Ohren verzaubert und Zungen flink macht. Fehlt die Liebe, reden sich die Worte um Kopf und Kragen – oder sie verstummen ganz leise.
Hephata! Es klingt wie ein Zauberwort, ist aber keins. Ein Wort aus der Muttersprache Jesu! Hier in der Fremde. Tu dich auf! Es gibt nicht viele Stellen wie diese! Wie sich das anhört? Komm, lockt die Mutter ihr Kind, als es die ersten Schritte wagt. Komm, sagt der Opa, als seine Enkelin Radfahren lernt. Komm, tröstet der Vater seine Tochter, als er sie ins Krankenhaus bringt. Immer wieder: Hephata! Tu dich auf! Hab keine Angst! Komm! Das Kind läuft in die Arme der Mutter. Die Enkelin schmiegt sich an die Schulter ihres Opas. Die Tochter spürt die Hand ihres Vaters, als sie alleine in ihrem Bett liegt. Im Krankenhaus. Hephata! Hephata heißt auch: Du tust dich auf! In diesem Wort steckt eine so große Gewissheit, dass Ohren und Zungen zu singen anfangen.
Eine Szene hat Markus besonders herausgestrichen: Jesus schaut zum Himmel. Und Jesus öffnet mit seinen Worten den Himmel!
Wundergeschichten müssen sich immer rechtfertigen. Bist du auch wahr, Geschichte? Doch: der unbekannte Mensch, den ich längst in mein Herz geschlossen habe, redet richtig! Er kann, er hat etwas zu sagen. Er ist offen, er ist geöffnet. Dazu gehört auch, die Wahrheit zu sagen, für andere Menschen einzustehen und ein offenes Ohr zu haben. Worte können alles aufschließen. Auch die Herzen. Gott hat das vorgemacht. Sein erstes Wort: Es werde Licht. Und: es ward Licht.
Der Prophet Jesaja hat das kommen sehen:
„Dann werden die Augen der Blinden geöffnet,
auch die Ohren der Tauben sind wieder offen.
Dann springt der Lahme wie ein Hirsch,
die Zunge des Stummen jauchzt auf.“
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Jesus berührt einen Taubstummen am Ohr und dessen Zunge. Berührung heilt und macht lebendig.
Gehörlose und Hörbehinderte haben es schwer, mit anderen zu kommunizieren. Allzuoft halten sie sich aus Gesprächen heraus. Sprachlosigkeit ist aber nicht immer angeboren. Oft sind wir nicht fähig, zur rechten Zeit und am rechten Ort zu sagen, was gesagt werden muss. Jesus kann und will auch unsere Ohren, unsere Augen und unseren Mund öffnen.
Vor einigen Jahren wurde ich gebeten, einen todkranken Mann die letzten Monate seines Lebens zu begleiten. Ich besuchte ihn immer wieder und wir führten interessante Gespräche. Dieser Mann war mit einer gehörlosen Frau verheiratet. Mit ihrem Mann konnte sie sich ganz gut verständigen. Sie hatte gelernt, ihm von den Lippen abzulesen, und sich auch stimmlich zu artikulieren, obwohl sie selbst nicht hörte, was sie sagte. Gegenüber Personen, mit denen sie nicht so vertraut war, hatte sie jedoch Hemmungen. Mir gegenüber war sie anfangs sehr zurückhaltend, da sie erst lernen musste, auch von meinen Lippen zu lesen. Bei diesen Besuchen wurde mir bewusst, wie schwer es für gehörlose Menschen sein muss, trotz aller erlernten Überbrückungen und technischen Hilfen, die es heute gibt, mit anderen Menschen zu kommunizieren. Schwierig ist vor allem, kompliziertere Zusammenhänge mitzuteilen.
Im Evangelium haben wir gehört, wie Jesus einen Mann, der taub war und von daher auch nicht reden konnte, von seiner Taubheit und Stummheit heilte. Interessant finde ich, dass diese Episode aus dem Wirken Jesu in den Taufritus Eingang gefunden hat. Auch da berührt der taufende Priester oder Diakon die Ohren und den Mund des Täuflings und sagt wie Jesus damals: Effata! – Öffne dich! Ausgedeutet wird dieser Ritus als Aufforderung, dass Getaufte ihre Ohren für das, was Gott ihnen zu sagen hat, öffnen sollen und dass sie in der Kirche Gottes ihre Stimme erheben sollen. (Täuflinge tun das oft lautstark und die Eltern versuchen dann, sie zu beruhigen...) Ich werde nicht müde zu betonen, dass dies nicht nur für das Beten und Singen gilt. Getaufte sollen in der Kirche und in der Gesellschaft mitreden, sie sollen zur Sprache bringen, was gesagt werden muss, was Gott ihnen auf die Zunge legt. Sie sollen sich weder in der Kirche noch außerhalb mundtod machen lassen.
Das ist nicht immer einfach. Viele Menschen sind nicht gewohnt, öffentlich zu reden und vor allen zu sagen, was sie sagen möchten. In gewissen Bereichen fehlen uns oft auch die Worte. Wir haben entweder nicht gelernt, über heikle Themen zu sprechen, oder wir fühlen uns nicht ausreichend kompetent. Wir überlassen das Reden dann gerne denen, von denen wir meinen, dass sie es besser können; studierten Theologen z.B. Es geht aber oft nicht um Fachwissen. Das Zweite Vatikanische Konzil betont, dass alle Gläubigen mit einer feinen Sensibilität für Glaubensfragen ausgestattet sind. Es nennt dies "sensus fidelium", Glaubenssinn der Gläubigen.
Der Apostel Paulus hat in Korinth den Frauen im Gottesdienst das Wort verboten. Das mag damals in der konkreten Situation vielleicht notwendig gewesen sein, daraus kann man jedoch nicht ableiten, dass Frauen in der Kirche nichts zu sagen hätten. Wer zu Wort kommen darf, ist meist auch eine Machtfrage. Jesus hat den sprachlosen Taubstummen ermächtigt zu reden und sich in die Gesellschaft einzubringen.
Es gibt aber aus Lebensbereiche, für die wir sprachlos geworden sind, die wir tabuisiert haben, über die wir nur hinter vorgehaltener Hand reden. So konnte man in unserer Gesellschaft lange Zeit nicht über die Verbrechen der Nazizeit sprechen, weil Angehörige, Nachbarn gesellschaftlich Anerkannte als Opfer oder als Täter involviert waren. So wurde auch die Frage der Mittäterschaft und der politischen Mitverantwortung vermieden.
Die Missbrauchsgeschichten, welche die Kirche zurzeit wieder einholen, konnten sich nur anhäufen, weil man einerseits nie gelernt hatte, über Sexualität und Abhängigkeit zu reden und andererseits die kirchlich Verantwortlichen sich blind und taub stellten. Kaum jemand wagte, die Doppelbödigkeit dieser Moral zur Diskussion zu bringen.
Ähnlich bestürzt waren wir, als die "Metoo-Debatte" ans Tageslicht brachte, wie oft und wie viele Frauen sexuelle Übergriffe über sich ergehen lassen mussten und nicht fähig waren, sich dagegen zu wehren.
Falsche Scham und Tabus machen sprachlos. Wir müssen lernen, auch über heikle Fragen klar und offen zu reden und jene zu hören, die den Mut haben, Untragbares öffentlich zu machen.
Aus den biblischen Erzählungen, in denen Jesus Menschen die Ohren, den Mund oder die Augen öffnet, lese ich die Aufforderung heraus, unsere Wahrnehmung zu schulen. Wir sehen, hören und bereden Vieles, wir sehen und hören aber oft nicht wirklich. Wir reden oft gar nicht so wenig, sagen aber nicht viel. Aber auch Mut zu sagen, was gesagt werden muss, muss hinzukommen.
Vom Messias hat man erhofft, dass er den Blinden die Augen öffnet, den Tauben die Ohren, den Stummen die Zunge löst und Lahme zum Gehen bringt. Wir haben davon in der Lesung aus dem Buch Jesaja gehört. Diese Hoffnung hat sich noch immer nicht endgültig erfüllt. Bitten wir den Herrn, dass er diese Wunder auch an uns wirke.
Sich verständlich machen und verstanden werden sind notwendige Voraussetzungen der Kommunikation sondern auch Grundlage einer heilsamen Beziehung.
Die Heilung eines Taubstummen hat im Taufritual Spuren hinterlassen. Dies zeigt, wie fundamental wichtig es ist, dass Menschen ihre sinnliche Wahrnehmung gebrauchen und sich ausdrücken können. Es fordert uns auf, dass wir unsere Stimme in der Kirche und in der Gesellschaft erheben.
Jesus öffnet einem Taubstummen die Ohren und den Mund. Offenheit ist Voraussetzung des Dialogs. Jesus legt den Grund, dass wir uns öffnen und auf einander zugehen können.
Lieder:
GL 81: Lobet den Herren alle, die ihn ehren
GL 140: Kommt herbei, singt dem Herrn (4. Str.)
GL 147: Herr Jesu Christ, dich zu uns wend
GL 149: Liebster Jesu, wir sind hier
GL 221: Kündet allen in der Not: Fasset Mut und habt Vertrauen
GL 268: Erbarme dich, erbarm dich mein (5 . Str.)
GL 342: Komm, Heilger Geist, der Leben schafft (3 . Str.)
GL 348: Nun bitten wir den Heiligen Geist (3 . Str.)
GL 351: Komm, Schöpfer Geist (3 . Str.)
GL 383: Ich lobe meinen Gott (2 . Str.)
GL 385: Nun saget Dank und lobt den Herren,
GL 395: Den Herren will ich loben
GL 427: Herr, deine Güt ist unbegrenzt
GL 448: Herr, gib uns Mut zum Hören
GL 464: Gott liebt diese Welt
GL 467: Erfreue dich, Himmel, erfreue dich Erde
GL 485: O Jesu Christ, wahres Licht (3. Str.)
GL 489: Lasst uns loben, freudig loben
GL 551: Nun singt ein neues Lied dem Herren
Psalmen und Kehrverse:
GL 53: Hört auf die Stimme des Herrn, verschließt ihm nicht ds Herz - Mit Psalm 95 - VI.
GL 518: Beim Herrn ist Barmherzigkeit, bei ihm ist Erlösung in Fülle - Mit Psalm 130 - II.
GL 629,3-4: Ich gehe meinen Weg vor Gott im Lande der Lebenden - Mit Psalm 116 - VI.
GL 616,5-6: Alles, was Odem hat, lobe den Herrn. - Mit Psalm 150 - VII.
Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens - die Einleitung zur Ordensregel des hl. Benedikt verweist uns einmal mehr darauf, dass die Fähigkeit zu hören mehr ist als die Umsetzung von Tönen in Informationen mit den Organen unseres Körpers. Die Verkündigung des heutigen Sonntags bringt uns dies einmal mehr eindrücklich näher.
Hören ist ein Wunder, Sprechen auch. Wie Worte die Welt aufschließen, wie sie Vertrauen schenken, wie sie Herzen zum Leuchten bringen – ein Wunder! Dabei sind Worte nur Worte. Fein artikuliert, hingehaucht – mal frei Schnauze, mal wohlüberlegt.
Im Evangelium sagen die Leute von Jesus:
"Er hat alles gut gemacht;
er macht, dass die Tauben hören
und die Stummen sprechen."
Ihn bitten wir um offene Ohren und gelöste Zungen.
Wenn wir gemeinsam Liturgie feiern, spielen heilige Zeichen und Handlungen eine wichtige Rolle. Mindestens ebenso wichtig ist in der Liturgie jedoch auch die Sprache. Wir brauchen die Sprache, um uns klar und eindeutig verständlich machen zu können. Das Sprechen setzt aber das Hören voraus.
Bitten wir den Herrn, dass er unsere Ohren öffne, dass wir sein Wort aufnehmen und dass wir verstehen können, was wir einander zu sagen haben, und bitten wir den Herrn, dass er unsere Zungen löse, damit wir das Lob Gottes in gebührender Weise darbringen und dass wir uns gegenseitig verständlich machen können.
Herr, guter Gott,
Gerne verschließen wir unsere Ohren vor unbequemen Wahrheiten.
Herr, erbarme dich.
Wir verschließen uns vor dem Elend unserer Mitmenschen.
Christus, erbarme dich.
Du öffnest unsere Augen, Ohren, Münder und Herzen.
Herr, erbarme dich.
Herr,
es ist so laut in unserer Welt.
Wir hören deine Stimme kaum.
Öffne uns die Ohren!
Herr, erbarme dich.
Christus,
es ist so unruhig in uns.
Angesichts vieler Probleme verstummen wir.
Löse unsere Zungen!
Christus, erbarme dich.
Herr,
du berührst Menschen zärtlich und liebevoll.
Ein neues Leben beginnt.
Mache unsere Herzen weit!
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du öffnest uns die tauben Ohren unseres Herzens.
Herr, erbarme dich.
Du löst unsere Zunge zum Bekenntnis und Zeugnis.
Christus, erbarme dich.
Du rufst uns und sendest uns.
Herr, erbarme dich.
Wir sind von Worten umgeben,
laut, leise und in Farbe.
Doch wir gehen in Worten unter.
Herr, erbarme dich.
Du hast nur das Wort,
die Welt zu schaffen und uns zu lieben.
Du schließt uns dein Reich auf.
Christus, erbarme dich.
Die Worte sind traurig,
die für Hass und Angst eingesetzt zu werden.
Sie möchten das Glück der Menschen.
Herr, erbarme dich.
Der Herr hat Himmel und Erde gemacht,
das Meer und alle Geschöpfe;
er hält ewig die Treue.
(Ps. 146,6)
Ehre sei Gott in der Höhe…
Herr, Jesus Christus,
du kamst als lebendiges Wort Gottes in diese Welt.
Herr, erbarme dich.
Du hast erkannt, wo die Menschen besonders belastet und blockiert waren.
Christus, erbarme dich.
Du hast das lösende Wort gesprochen: „Éffata – öffne dich“.
Herr, erbarme dich.
Gott, unser Vater,
du hast uns durch deinen Sohn erlöst
und als deine geliebten Kinder angenommen.
Sieh voll Güte auf alle, die an Christus glauben,
und schenke ihnen die wahre Freiheit
und das ewige Erbe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 5. Sonntag der Osterzeit
MB 23. Sonntag im Jahreskreis
Gott, unser Vater.
Wir sind als deine Gemeinde versammelt
und rufen dich an:
Öffne unser Ohr,
damit wir hören und verstehen,
was du uns heute sagen willst.
Gib uns ein gläubiges Herz,
damit unser Beten dir gefällt
und unser Leben vor dir bestehen kann.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 1
Gott,
du gibst Tauben das Gehör
und Stummen die Sprache.
Wir bitten dich:
Öffne unsere Ohren für dein Wort,
löse unsere Zunge für dein Lob.
Entzünde das Herz für dich und deine Geschöpfe,
damit wir dich rühmen und preisen
durch Jesus Christus, deinen Sohn,
der mit dir und dem Heiligen Geist lebt
jetzt und in Ewigkeit.
WB 23. Sonntag im Jahreskreis B
Guter Gott
du hast uns Ohren gegeben,
dass wir unter den vielen Worten dieser Welt deines hören.
Du hast uns einen Mund gegeben,
um dich mit freudvollem Herzen zu bekennen.
Steh uns bei, dass wir zur richtigen Zeit
auch schweigen und staunen können.
So bitten wir dich, den Vater,
durch Jesus Christus,
der als dein Wort in diese Welt gekommen ist,
im Heiligen Geist
von heute bis in Ewigkeit. – Amen.
Liebender Gott,
schenke uns deine Fülle
Und gib uns einen offenen Blick und offene Ohren
für deine Liebe,
für die Liebe von anderen,
und die Liebe, die aus uns selbst kommt!
Lass uns hellhörig sein für die Stimme der Not
und halte unsere Sehnsucht nach Antwort und Sinn für alle wach!
Das bitten wir durch Jesus Christus, unsern Weggefährten und Bruder. - Amen.
© Mag.a Johanna Strasser-Lötsch, Wels
Du, Gott, hast uns Ohren gegeben,
damit wir hören können,
Worte, Geräusche und Töne.
Wir hören auch die Klagen und das Weinen.
Zungen hast du uns gegeben,
damit wir reden und singen.
Von Wahrheit und Gerechtigkeit.
Alles in der Welt klingt,
alles in der Welt vibriert.
Du selbst bist das Wort von Anfang an,
das Wort, das schafft und erlöst.
Hilf uns, dich zu hören und dir zu vertrauen,
einander zu verstehen und in deinem Wort
das Leben zu finden.
In Christus,
deinem Wort für uns. – Amen.
Herr, Jesus Christus,
ganz voll von der Woche,
die hinter uns liegt,
von all den Eindrücken
– schönen wie schweren –
kommen wir zu dir.
Unser Kopf und unser Empfinden sind zu,
wie eine verschlossene Tür.
Du sprichst uns heute
in besonderer Weise wieder zu:
„Effata!“ – „öffne dich!“
Ja, öffne unser ganzes Sein,
damit wir für deine Worte
und deinen Auftrag offen werden
und dir nachfolgen können. - Amen.
Wir freuen uns, Gott des Lebens,
dass wir heute deine Gäste sind.
Du hast uns eingeladen.
Bei dir finden Menschen, die sprachlos geworden sind,
Worte, die gut tun.
Bei dir auch finden Menschen, die nichts mehr hören wollen,
offene Ohren
für den Klang des Lebens,
für die Stimme des Herzens,
für die Melodie der Liebe.
Oft haben wir einander Fesseln angelegt,
Münder verschlossen,
Ohren überlaufen lassen.
Lass uns heute das Leben feiern,
dein Geschenk für uns
in Christus, unserem Herrn.
Guter Gott,
inmitten all der Worte dieser Welt hören wir so vieles, das uns hilflos und ohnmächtig werden lässt. Steh du uns bei und geh mit uns.
Wir rufen zu dir:
In diesen Wochen und Monaten stehen an verschiedenen Orten in der Welt Wahlen an, die Vieles verändern könnten.
Schenke den Wählerinnen und Wählern offene Ohren, um zu hören, was richtig und wichtig ist und lass sie Entscheidungen treffen, die lebensstiftend sind.
Immer wieder erleben wir, wie religiöser Hass Menschen zu schrecklichen Taten verleitet.
Öffne die Ohren der Herzen all jener, deren Herz verhärtet ist und deren Sinne fehlgeleitet sind, damit sie im Bekenntnis ihres Glaubens den Weg zu Frieden und Toleranz entdecken.
Unwetter und Naturkatastrophen haben diesen Sommer beeinflusst und werden uns vermehrt beschäftigen.
Mach uns hilfsbereit, wenn Menschen in Not geraten, und lass uns hinhören und mitmachen, wenn vernünftige Lösungen im Klimawandel angeboten werden.
Menschen sind von uns gegangen;
weil ihr Leben reich gefüllt war an Jahren;
weil Krankheit oder Lebensnot ihnen das Leben genommen haben;
weil sie Opfer von Krieg und Gewalt geworden sind.
Erhöre ihre Bitten und schenke ihnen einen Platz in deinem Reich.
Neige die Ohren unserer Herzen dir zu und lass uns erkennen, was wichtig und richtig ist. Lass es uns mit deiner Hilfe auch tun. Und vollende, wozu wir nicht fähig sind.
Das erbitten wir durch ihn, der für uns eingestanden ist, Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Liebender Gott,
schenke uns deine Fülle
Und gib uns einen offenen Blick und offene Ohren
für deine Liebe,Jesus Christus,
in unseren Fürbitten wollen wir unsere Welt in unser Gebet hineinnehmen, unsere Welt, mit all ihren Sorgen und Nöten:
Wir beten für die Menschen, die Probleme mit dem Hören haben und sich deshalb manchmal „draußen“ fühlen.
Christus, höre uns - Christus, erhöre uns!
Wir beten für alle Menschen, denen es die Sprache verschlagen hat und die stumm geworden sind in Einsamkeit oder Leid.
Wir beten für die Menschen, die nichts mehr hören wollen von der Welt und den Menschen um sie herum.
Wir beten um ein offenes Herz für die Menschen, deren Worte über Leben und Zukunft anderer Menschen entscheiden.
Wir beten für unsere Pfarrgemeinde, unsere Stadt und unser Land, dass wir offene Ohren, offene Augen und offene Lippen haben für die Herausforderungen unserer Tage.
Jesus Christus, du bist in unserer Mitte, wenn wir in deinem Namen versammelt sind. Dir vertrauen wir unsere Bitten und uns selber an, heute und alle Tage unseres Lebens. - Amen.
© Mag.a Johanna Strasser-Lötsch, Wels
für die Liebe von anderen,
und die Liebe, die aus uns selbst kommt!
Lass uns hellhörig sein für die Stimme der Not
und halte unsere Sehnsucht nach Antwort und Sinn für alle wach!
Das bitten wir durch Jesus Christus, unsern Weggefährten und Bruder. - Amen.
© Mag.a Johanna Strasser-Lötsch, Wels
Mit allen, mit denen wir uns im gemeinsamen Glauben an Christus verbunden fühlen, bitten wir ihn:
Öffne in deiner Kirche die Ohren für die Sehnsucht der Menschen, die sie still im Herzen tragen, für das Interesse an ihren Problemen und die Themen, die sie bewegen.
Öffne in unserer Welt die Ohren für die leisen Stimmen derer, die der Gewalt nicht mit Gegengewalt begegnen wollen.
Öffne uns für die Wunder der Natur, die vielen kleinen Freuden des Alltags und das Geschenk zwischenmenschlicher Beziehungen.
Öffne uns für dein Wort und das der anderen, das vielleicht schmerzt aber dabei unsere eigene beschränkte Sichtweise erweitert.
Öffne deinen Himmel für unsere Verstorbenen und ihre ewige Heimat bei dir.
Denn nur bei dir, Herr, finden wir Rettung und Heil. Weil dir unsere menschlichen Nöte nicht fremd sind, dürfen wir unsere Ängste ablegen und uns dir ganz anvertrauen.
Dir sei Dank und Lobpreis jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
»Effata«, öffne dich, sagte Jesus zu dem Taubstummen und siehe da: er konnte hören und sehen.
Wir dürfen unsere Bitten vor Gott bringen.
Für alle Menschen, die verstummt sind, denen die Worte fehlen, die sich nicht mehr mitteilen wollen oder können.
Öffne unsere Ohren, damit wir auch das Ungesagte erkennen.
Für alle Menschen, die stumm gemacht werden, die nichts sagen dürfen, die bedroht werden, wenn sie sich äußern.
Stärke sie, dass sie sich nicht mundtot machen lassen.
Für alle, die Menschen eine Stimme geben, damit sie gehört werden.
Stärke sie in ihrem Tun.
Für alle, die Flüchtlingen Sprachunterricht erteilen, die dolmetschen und versuchen, Sprachbarrieren zu überwinden und Brücken zu bauen.
Schenke ihnen die richtigen Worte.
Für alle, die Gottes Wort hören und verkünden.
Lass sie Gottes Liebe verbreiten und die richtigen Worte finden.
Für uns alle, die sich fragen, wem sie noch glauben können.
Dass sie lernen, die Spreu vom Weizen zu trennen und genau hinzuhören.
Für die Menschen, die in diesem Leben für immer verstummt sind.
Lass sie bei dir wiederauferstehen.
Wir Menschen sind darauf angewiesen, mit anderen zu kommunizieren: sie zu verstehen und uns verständlich zu machen. Dazu hast Du uns Ohren gegeben zu hören, eine Zunge, zu sprechen, die Sprache, um einander zu verstehen. Lass uns darauf vertrauen, dass dein Geist uns führt. Dafür danken wir dir in Jesus Christus, unserem Bruder und Herrn. – Amen.
Jesus sagt im fremden Land in seiner Muttersprache zu dem taubstummen Menschen:
Hephata! Tu dich auf!
Wir beten:
Für alle, die die Sprache verloren haben, die verstummt sind, die nichts mehr sagen können.
Dass Menschen sie verstehen.
Hephata! - Tu dich auf
Für alle, die zum Schweigen verurteilt, die auf Linie gebracht werden, die das Maul zu halten haben.
Dass sie sich nicht einschüchtern lassen.
Für alle, die Nachrichten, Informationen und Bilder in Worte kleiden.
Dass sie die Welt aufschließen.
Für alle, die Worte als Waffe einsetzen, Hass verbreiten und Verschwörungstheorien propagieren.
Dass sie die Wahrheit entdecken.
Für alle, die Kinder unterrichten, Flüchtlingen Sprachunterricht erteilen und zwischen den Kulturen dolmetschen.
Dass sie mit Worten Brücken bauen.
Für alle, die getauft werden, die Gottes Wort hören und sein Wort verkünden.
Dass sie Wunder wirken.
Du, Gott, hast uns Menschen eine Sprache gegeben,
Ohren, die hören, Zungen, die reden.
Du kennst unsere Sprachlosigkeit,
aber auch unsere Sehnsucht, einander zu verstehen.
Wenn du kommst, ziehen neue Worte in uns ein.
Öffne uns in deiner Liebe
Hepheta! Tu uns auf!
In Christus,
deinem Wort für uns. – Amen.
Gott des Lebens!
Du bist uns näher als wir es uns denken können.
Zu dir kommen wir mit unseren Bitten:
Gott des Lebens! Wir bitten dich für alle,
die sich in und für deine Kirche engagieren.
Gott des Lebens! Wir bitten dich für alle Menschen,
deren Leben von Unrecht, Gier und Gewalt bestimmt ist.
Bestärke sie und alle, die eingedenk deiner Weisungen zu leben versuchen,
in der Hoffnung, dass mit deiner Hilfe gutes Leben für alle möglich wird.
Gott des Lebens! Wir bitten dich für alle,
die den Wert und die Schönheit deiner Schöpfung schätzen
und sich für ihren Erhalt einsetzen.
Gott des Lebens! Wir bitten dich für alle,
die schwer an Leid und Hoffnungslosigkeit tragen,
dass auch sie in ihrem Leben eine unerwartete Wendung zum Guten erfahren dürfen.
Gott des Lebens! Wir bitten dich für unsere Verstorbenen,
an deren Verlust wir persönlich und als Gemeinschaft schwer tragen.
Gott des Lebens!
Du hörst unsere hier ausgesprochenen Bitten
und jene, die jeder von uns still im Herzen trägt.
Dir gilt unser Dank und unser Lob heute und allezeit. - Amen.
Menschen brachten einen Taubstummen zu Jesus.
Jesus rührte ihn an. Hephata! Tu dich auf!
Darum bitten wir:
Für die Menschen, die taubstumm sind,
die nichts hören, nichts sagen können,
die nicht verstanden werden.
Schenke uns Hochachtung für die Gebärdensprache
und die Geduld, uns verständlich zu machen.
Wir bitten dich: Herr, erbarme dich!
Für die Menschen, die mit einer Behinderung zur Welt kamen,
die nach einer Krankheit aus der Bahn geworfen werden,
die in ihrem Leben behindert werden.
Hilf uns, dass sie normal unter uns leben können
und nicht auf Barrieren stoßen, die wir achtlos errichten.
Wir bitten dich: Herr, erbarme dich!
Für die Menschen, die abgestumpft und taub
ihr alltägliches Leben über sich ergehen lassen,
die nicht mehr zuhören können,
die in einer lauten Welt hilflos untergehen.
Schenke uns Orte und Räume, in denen es still werden kann,
und Worte, die zu Herzen gehen.
Wir bitten dich: Herr, erbarme dich!
Für die Menschen, die in kirchliche Leitungsämter berufen wurden,
die als Meister des Wortes gelten,
die auf alles eine Antwort haben sollen.
Hilf uns, das Gespräch mit ihnen zu suchen
und kritische Wegbegleiter zu sein.
Wir bitten dich: Herr, erbarme dich!
Für die Menschen, die in Politik, Recht und Verwaltung nur Worte einsetzen können,
die sich öffentlichen Auseinandersetzungen stellen müssen,
die mit Formulierungen kunstvoll und achtsam umgehen.
Schenke uns, dass wir mit Worten kein Unheil anrichten
und uns über gute Wege verständigen.
Wir bitten dich: Herr, erbarme dich!
Du, Herr, sagst: Öffne dich, tu dich auf!
Lass uns füreinander ein Ohr haben und ein Wort.
Was wir verschlossen haben, machst du wieder auf,
was uns gefangennimmt, hält uns nicht mehr fest.
In Christus, unserem Herrn. Amen.
Herr, unser Gott,
du schenkst uns den Frieden
und gibst uns die Kraft, dir aufrichtig zu dienen.
Laß uns dich mit unseren Gaben ehren
und durch die Teilnahme
an dem einen Brot und dem einen Kelch
eines Sinnes werden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 23. Sonntag im Jahreskreis
4. Januar, 7.Januar
Herr, unser Gott,
dein Sohn hat uns versprochen,
er werde in unserer Mitte sein,
wann immer wir in seinem Namen versammelt sind.
Er selber erfülle das Lobgebet,
das wir über Brot und Wein sagen,
mit seiner Hingabe und Liebe.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Auswahl 4
Barmherziger Gott
wir sind um den Tisch versammelt,
der mit den Gaben gedeckt ist,
die die Gegenwart deines Sohnes bezeichnen.
Lass uns in dieser Gemeinschaft erfahren,
wie du uns stärkst und nährst.
Dafür danken wir dir
durch Christus, unseren Bruder und Herrn.
Wie ein kostbares Wort ist das Stück Brot
das auf der Zunge zergeht,
wie ein liebevolles Wort der Schluck Wein,
das unser Herz erfreut.
Dir danken wir, Herr,
dass du das Wort bist,
kostbar und liebevoll,
Brot, das uns Leben gibt,
Wein, der nach dem Himmel schmeckt.
Dir bringen wir dir unsere Gaben,
Brot und Wein,
verwandle sie
in deinen Leib, in dein Blut
und lass uns sein
ein Teil von dir.
Komm, unser Herr! – Amen.
Kerhvers:
Gelobt seist du, mein Herr (GL 559)
Heiliger und barmherziger Gott,
in dieser Feier wollen wir unseren Mund auftun
und Dir unseren Dank und unseren Lobpreis darbringen:
Wir danken Dir für unser Leben und für die Gesundheit.
Kehrvers
Wir danken dir, dass du uns so wunderbar ausgestattet hast,
für unseren Leib mit all seinen Sinnen und für die Lebensfreude.
Kehrvers
Wir danken dir für alle Menschen,
die uns in die Geheimnisse
und in die Kunst des Lebens eingeführt haben.
Kehrvers
Wir danken dir für alle Menschen,
die uns in Krankheit und Not beistehen
Kehrvers
Wir danken dir, dass du Wunden,
die das Schicksal manchmal schlägt,
wieder heilen lässt.
Kehrvers
Wir danken dir für das Heil, das du uns geschenkt hast,
und für das ewige Leben, das du uns verheißen hast.
Kehrvers
Mit den Engeln und Heiligen
stimmen wir ein in das Lob der ganzen Schöpfung
und singen:
Danklied, z. B. GL 81: Lobet den Herren alle, die ihn ehren, 1. 3. und 4. Strophe.
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem,
was du an uns getan hast:
Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit
zu Hilfe gekommen und
hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn
Rettung und Heil gebracht
aus unserer menschlichen Sterblichkeit.
So kam uns aus unserer Vergänglichkeit
das unvergängliche Leben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den
Chören der Engel das Lob
deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 3
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater,
zu danken und deine Größe zu preisen.
Du bedarfst nicht unseres Lobes,
es ist ein Geschenk deiner Gnade,
daß wir dir danken.
Unser Lobpreis kann
deine Größe nicht mehren,
doch uns bringt er Segen und Heil
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn rühmen wir jetzt
und in Ewigkeit dein Erbarmen und
singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Wochentage 4
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
immer und überall zu danken
durch deinen geliebten Sohn Jesus Christus.
Er ist dein Wort,
durch ihn hast du alles erschaffen.
Ihn hast du gesandt als unseren Erlöser und Heiland.
Er ist Mensch geworden durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria.
Um deinen Ratschluß zu erfüllen
und dir ein heiliges Volk zu erwerben,
hat er sterbend die Arme ausgebreitet
am Holze des Kreuzes.
Er hat die Macht des Todes gebrochen
und die Auferstehung kundgetan.
Darum preisen wir dich
mit allen Engeln und Heiligen
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Wochentage 6
MB 2. Hochgebet
Staunend bekennen wir mit dem Volk Gottes:
Du, Herr, hast alles gut gemacht!
(vgl. Mk 7,37)
Oder:
Sagt den Verzagten: Habt Mut, fürchtet euch nicht!
Seht, hier ist euer Gott!
(Jes 35,4)
Oder:
Gott selbst wird kommen und euch erretten:
Dann werden die Augen der Blinden geöffnet,
Auch die Ohren der Tauben sind wieder offen.
Dann springt der Lahme wie der Hirsch
und die Zunge des Stummen jauchzt auf.
(vgl. 35,5-6)
Er lebte nicht für sich
sondern war bei den Menschen
er zeigte ihnen die Nähe Gottes
er heilte Leib und Seele derer
die zu ihm kamen
er zog sich nicht von den Ausgestoßenen zurück
er gab sich vollkommen hin
er erlöste die Menschen
die an ihn glaubten
von ihrer Schuld
und führte sie zu Gott
er befreite alle
von der Sorge um ihr Leben
und gab ihnen Augen
für die Not der Anderen
und auch die Kraft
ihnen zu helfen
er zeigte ihnen die Zukunft
das Reich Gottes
wo Liebe herrscht
und alles heil wird
was sich von ihm berühren lässt
Herr, unser Gott,
in deinem Wort und Sakrament
gibst du uns Nahrung und Leben.
Laß uns durch diese großen Gaben
in der Liebe wachsen
und zur ewigen Gemeinschaft
mit deinem Sohn gelangen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 23. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
du hast uns diese heilige Feier geschenkt,
damit die Gnade der Erlösung
immer in uns wirksam bleibe.
Dein Sakrament sei uns ein Heilmittel
für heute und für unser ganzes Leben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Donnerstag der 1. Fastenwoche
Gütiger Gott
du hast uns die Ohren unseres Herzen geöffnet
und wir haben am Tisch des Wortes
deine Botschaft vernommen.
In der Versammlung am Tisch des Brotes
hast du uns die Gegenwart deines Sohnes schmecken lassen.
So gestärkt gehen wir jetzt hinaus,
um von dir Zeugnis abzulegen.
Sei du mit deinem Segen mit uns.
So bitten wir durch Christus, unseren Bruder und Herrn.
Als du die Welt geschaffen hast, Gott,
hast du uns Menschen Ohren gegeben,
aber es gab noch keine Worte.
Du hast uns Zungen gegeben,
aber es gab noch nichts zu sagen.
Aber jeden Tag ist die Welt gewachsen,
jeden Tag wächst sie weiter.
Mit Erkenntnissen und Nachrichten,
Verwerfungen und Albträumen.
Schenke uns Worte für unsere Erfahrungen,
für die Begegnungen mit anderen Menschen,
für unsere Hoffnungen.
Schenke uns Worte, für Wahrheit und Gerechtigkeit einzustehen
und denen eine Stimme zu geben,
die keinen Mut mehr haben.
In Christus, der uns in das Leben geleitet. – Amen.
Guter Gott,
du schenkst uns die vor uns liegende Woche,
mit allen Möglichkeit, die sie uns bietet.
Wir wissen,
dass sie uns vor neue Erfahrungen
und Herausforderungen stellen wird.
Mache uns wachsam,
damit wir die Bedürftigkeit
unserer Mitmenschen erkennen,
aber auch unsere eigene.
Halte uns offen,
alles aus deiner Hand entgegenzunehmen
und schenke uns deine Kraft
und deinen Segen dazu.
Das erbitten wir durch Jesus,
unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Du, Herr, hast gesagt:
Nicht vom Brot allein lebt der Mensch,
sondern auch von jedem Wort,
das von dir kommt.
Du hast uns beides geschenkt:
das Wort und das Brot.
Mach unser Leben zu einer Sprache,
die von den Menschen gehört und verstanden wird.
Lass uns durch dein Brot gestärkt, zu heilenden
Begegnungen beitragen. Das bitten wir dich,
Christus, unseren Herrn. Amen.
Guter Gott,
Segne unsere Ohren und unsere innere Offenheit,
damit wir dich in uns vernehmen!
Segne unseren Mund und unsere Stimme,
damit man dich durch uns wahrnehmen kann!
Segne unser Tun und das Werk unserer Hände,
damit wir selbst zum Segen für andere werden.
So segne uns Gott, du mütterlich-väterlicher, geschwisterlich in Jesus, gegenwärtig als Heilige Geistkraft. - Amen.
© Mag.a Johanna Strasser-Lötsch, Wels
Vater im Himmel, du schenktest uns Sinne –
Tore zu deiner ganzen Schöpfung.
Dank sei dir.
Jesus, Sohn Gottes,
du sprichst uns zu: „
Effata! – öffne dich!“.
Schenke uns den Segen der Offenheit.
Heiliger Geist,
du rüttelst auch an verschlossenen Türen.
Leite uns mit deiner Kraft.
So segne uns Gott,
der Vater und der Sohn und der Hl. Geist. - Amen.
Schon im Mutterleib beginnen unsere Ohren zu arbeiten. Sie sind 24 Stunden am Tag im Einsatz, ständig auf Empfang. Wir brauchen unsere Ohren, um das Gehirn mit lebenswichtigen Informationen aus der Umwelt zu versorgen.
Wer hören kann, muss fühlen
Ein Musikstück kann zu Tränen rühren. Sanfte Stimmen wirken beruhigend, während hartnäckiges Schnarchen manche Menschen zur Weißglut treibt. Die emotionale Wirkung von Klängen hat einen entwicklungsgeschichtlichen Hintergrund.
Unser Gehör warnt uns vor herannahenden Gefahren. Ursprünglich waren das Raubtiere, heute ist es hauptsächlich der Straßenverkehr. Anders als die Augen nehmen die Ohren auch im Schlaf Alarmsignale wahr.
Die Werbung hat sich die emotionale Bedeutung des Tons längst zunutze gemacht: Sounddesigner arbeiten daran, etwa Rasierapparate so zu konstruieren, dass sie besonders kraftvoll und leistungsstark klingen. Chips oder Cornflakes werden mit Stoffen versetzt, die ein knuspriges Krachen im Mund erzeugen. Das Ohr isst mit.
Das menschliche Ohr ist ein feines Organ
Was beim Hören passiert
So emotional wir auch auf Töne reagieren: Was das Ohr aufnimmt, ist nichts anderes als ein schwankender Luftdruck. Schallwellen sammeln sich in der Ohrmuschel, gelangen in den Gehörgang und zum Trommelfell. Dieses gerät in Schwingung.
Hinter dem Trommelfell sitzen die nach ihrer Form benannten Gehörknöchelchen: Hammer, Amboss und Steigbügel – die kleinsten Knochen des Menschen.
Der Hammer tastet die Schwingung ab, der Amboss leitet sie weiter, der Steigbügel überträgt sie ins Innenohr. Dort liegt die Gehörschnecke: Ein spiralig gewundener Knochenraum, der eine wässrige Flüssigkeit namens Perilymphe enthält.
Der Steigbügel presst diese Flüssigkeit zusammen. Die dadurch entstehende Wanderwelle erregt die Basilarmembran und die mit ihr verbundenen Haarzellen. Die Bewegung dieser Härchen wird in Nervenimpulse übersetzt, die im Gehirn den Höreindruck erzeugen.
Mit den Ohren sehen
Das Gehör hilft uns bei der Orientierung. Nicht umsonst haben wir zwei Ohren: Ein Ton von links erreicht das linke Ohr eher als das rechte. Die zeitliche Verschiebung ist minimal – sie beträgt weniger als eine Tausendstelsekunde.
Blitzschnell ortet das Gehirn die Geräuschquelle: Wir spüren sofort, ob ein Ton von links oder von rechts naht.
Wie komplex der Vorgang des Hörens ist, wissen vor allem die Blinden. Sie tasten sich nicht nur mit ihrem Stock voran, sondern lauschen auch seinem Klang nach. So wissen sie in einem Tunnel stets, wo sie sich befinden – der hallende Klang des Stockschlags gibt Auskunft.
Blinde nutzen auch eine weitere erstaunliche Leistung des Gehörs: den so genannten "Cocktaileffekt". Jeder kennt ihn von Partys: Wie groß das Stimmengewirr auch sein mag – wenn irgendwer über uns tuschelt, hören wir das sofort.
Ebenso schnell hören Blinde aus den Geräuschen der nahenden Bahn die Bremsen heraus: Sie liegen genau zwischen den Türen. Noch bevor sich eine Tür öffnet, hat der Blinde sie entdeckt.
Andrea Wengel und Mona Geier
https://www.planet-wissen.de/natur/sinne/hoeren/index.html
Herr, für dein Wort sei hoch gepreist;
lass uns dabei verbleiben
und gib uns deinen Heilgen Geist,
dass wir dem Worte glauben,
dasselb annehmen jederzeit
mit Sanftmut, Ehre, Lieb und Freud
als Gottes, nicht der Menschen.
Öffn uns die Ohren und das Herz,
dass wir das Wort recht fassen,
in Lieb und Leid, in Freud und Schmerz
es aus der Acht nicht lassen;
dass wir nicht Hörer nur allein
des Wortes, sondern Täter sein,
Frucht hundertfältig bringen.
Dein Wort, o Herr, lass allweg sein
die Leuchte unsern Füßen;
erhalt es bei uns klar und rein;
hilf, dass wir draus genießen
Kraft, Rat und Trost in aller Not,
dass wir im Leben und im Tod
beständig darauf trauen.
Gott Vater, lass zu deiner Ehr
dein Wort sich weit ausbreiten.
Hilf, Jesu, dass uns deine Lehr
erleuchten mög und leiten.
O Heilger Geist, dein göttlich Wort
lass in uns wirken fort und fort
Glaub, Lieb, Geduld und Hoffnung.
David Denicke (1659), in: EG 196.
Für Romano Guardini ist wichtig, daß man nicht mit einem Blick alles erfassen kann. Jede Sache bedarf, um wirklich erkannt werden zu können, einer Haltung, welche ihr zugeordnet ist. Gewisse Erkenntnisse erreicht man nur durch exaktes Messen. Zwischenmenschlichen Beziehungen kann man letztlich nur gerecht werden, wenn man sich auf die Person eines anderen vertrauensvoll einläßt. Gott kann man nur erkennen, wenn er der Heilige ist und bleibt, dem man sich in Anbetung und Ehrfurcht nähert. Wir haben sehr oft die Sensibilität für die verschiedenen Gegebenheitsweisen verloren. Romano Guardini ist ein Lehrmeister des Erkennens, Schauens und Verweilens. Dies ist auch eine ganz wichtige „Vorschule des Betens"
Karl Kardinal Lehmann, Romano Guardinis Erbe für die Kirche der Gegenwart. Vortrag bei der Akademischen Erinnerungsfeier im Centro per le Scienze Religiose am 14.Oktober 1998 in Trient.
https://bistummainz.de/organisation/ehemalige-mainzer-bischoefe/kardinal-lehmann/texte-predigten/a-blog/Romano-Guardinis-Erbe-fuer-die-Kirche-der-Gegenwart/
Manchmal
traue ich meinen Ohren nicht
Eindrücke
Eindrücke
Eindrücke
Nachrichten
Kriege
Katastrophen
Gerüchte
Schreckensworte
da möchte ich mir
die Decke
über den Kopf ziehen
mich taub stellen
einfach taub stellen
und
DU
HERR
sprichtst:
„Effata – öffne dich“
öffne dich
für diesen Moment
für diese kleine Begegnung
neben dir
sei wachsam
nimm wahr
tu das
was gerade
dieser Moment
von dir fordert
gib Zuspruch
in all die Schrecken -
in all die Bedürftigkeit -
dieser Welt
dem Menschen
direkt
neben
dir
und
die Welt wird
sich wandeln
auch für dich
Beatrix Senft 2021, unveröffentlicht.
Wenn das Leben Wurzel schlägt und die Hoffnung Blüten treibt,
wenn die Liebe Früchte trägt und auf Erden Frieden wächst.
Refrain:
„Dann hat der Himmel die Erde berührt
und unsere Erde den Himmel gespürt.
Herr lass uns spüren dein zartes Berühren
und gib uns die Kraft, die Berührungen schafft.“
Wenn ein Wort das Schweigen bricht und im Leid ein Lied erklingt,
wenn das Brot den Hunger stillt und dem Fels ein Quell entspringt,
Refrain
Wenn uns Gott als Mensch erscheint und ein Kind zum König wird,
wenn die Treue uns vereint und ein Mensch den andern liebt,
Refrain
Wenn der Tag die Nacht vertreibt und das Eis die Sonne spürt,
wenn ein Licht den Weg uns zeigt und die Angst die Macht verliert,
Refrain:
Lied: Text von Reinhard Bäcker; Musik von Detlev Jöcker.
Brich mit den Hungrigen dein Brot
1. Brich mit den Hungrigen dein Brot,
sprich mit den Sprachlosen ein Wort,
sing mit den Traurigen ein Lied,
teil mit den Einsamen dein Haus.
2. Such mit den Fertigen ein Ziel,
brich mit den Hungrigen dein Brot,
sprich mit den Sprachlosen ein Wort,
sing mit den Traurigen ein Lied.
3. Teil mit den Einsamen dein Haus,
such mit den Fertigen ein Ziel,
brich mit den Hungrigen dein Brot,
sprich mit den Sprachlosen ein Wort.
4. Sing mit den Traurigen ein Lied,
teil mit den Einsamen dein Haus,
such mit den Fertigen ein Ziel,
brich mit den Hungrigen dein Brot.
5. Sprich mit den Sprachlosen ein Wort,
sing mit den Traurigen ein Lied,
teil mit den Einsamen dein Haus,
such mit den Fertigen ein Ziel.
Text: Friedrich Karl Barth 1977, Musik: Peter Janssens 1977, EG Nr. 420.
Herr, unser Gott.
Wir bekennen Dir unsere Schuld.
Wir haben weggehört und uns taub gestellt,
wo Du uns durch Menschen gerufen hast.
Wir waren stumm,
wo wir für Dich das Wort hätten ergreifen müssen.
Wir haben unsere Hände in den Schoß gelegt,
wo wir in Deinem Auftrag hätten zupacken müssen.
Im Namen Jesu Christi, Deines Sohnes, bitten wir Dich:
Vergib uns!
Öffne unsere Ohren, damit wir richtig hören.
Öffne unsere Münder, damit wir wahrhaftig reden.
Setz uns in Bewegung, hin zu Dir.
Wir bitten Dich für alle körperlich und seelisch Sprachlosen,
für die, die nicht mehr zuhören können,
für die, die in ihrer Krankheit gefangen sind,
begegne ihnen und rühr sie an.
Heile sie!
Herr, wir bitten Dich auch für uns,
berühre uns mit Deinem Atem.
Amen.
Peter Böhlemann, in:
http://www.predigten.uni-goettingen.de/archiv-5/030907-6.html
http://www.predigten.uni-goettingen.de/archiv-5/030907-6.html
Herr,
du hast den Stummen
die Sprache wiedergegeben,
um uns zu sagen:
Erhebt eure Stimme!
Ich will, dass ihr sprecht.
Redet!
Seid nicht stumm,
wenn irgendwo Menschen Unrecht getan wird.
Deckt es auf! Macht es publik.
Redet!
Seid nicht stumm,
wenn Gott gelästert wird.
Am Stammtisch oder in den Medien, gedankenlos oder bewusst,
Redet!
Seid nicht stumm,
wenn Katastrophen hereinbrechen: Feuer, Wasser, Lawinen.
Bei Frost, bei Hitzewellen und wenn die Erde bebt, redet mit Gott.
Bittet!
Seid nicht stumm,
wenn ihr schweres Leid ertragen müsst, unheilbare Krankheit,
Verlust, den Tod eines geliebten Menschen. . .
Betet!
Seid nicht stumm,
wenn ihr glückliche Stunden erlebt,
wenn alles sich zum Guten wendet.
Jubelt!
Seid nicht stumm,
wenn ihr euren Glauben bekennen könnt,
heimlich oder offen vor aller Welt.
Jubelt!
Seid nicht stumm,
wenn euch etwas gelungen ist,
eine Hoffnung sich erfüllt hat.
Dankt!
Seid nicht stumm,
wenn Gott euch begegnet ist,
in einem Ereignis, in einem Menschen, in der Stille.
Dankt!
Du hast uns Stummen, Herr, die Sprache gegeben,
wie du dem Stummen in Galiläa die Sprache wiedergegeben hast.
Damit wir beten und jubeln, danken und bitten und ja sagen können
zu deinem Wort, sodass es alle hören.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Die erste Lesung ist dem Buch des Propheten Jesaja entnommen. Die Kapitel 1 bis 34, die unserem Text vorangehen, werden dem 8. Jahrhundert vor Christus zugeordnet, die Kapitel 40 bis 55 der späten Exilszeit (6. Jhdt. v. Chr.). Das Kapitel 35 will eine Art Brücke zwischen beiden Abschnitten schaffen; es hat Bezüge zu beiden Buchteilen. In gewissem Sinn ist es überzeitlich.
Der vorliegende Text (vgl. auch die Gesamtkomposition 35, 1-10) will Zuversicht wecken und Mut zusprechen. Mut zu machen ist zugleich eine Aufgabe. Der Grund der Hoffnung ist das Kommen Gottes, der sein Volk erretten wird. Diese Hoffnung wird in mehreren Kreisen von Bildern zum Ausdruck gebracht:
- Augen und Ohren werden geöffnet, Lahme und Stumme geheilt (Verse 5-6a)
- In der Wüste wecken Quellen, Bäche und Teiche neues Leben (Verse 6b-7)
- Das Ödland wird wegsam (Vers 8)
- Die Erlösten werden nicht mehr von wilden Tieren bedrängt (Vers 9)
- Die Rückkehr der Befreiten (Vers 10)
Der Text dieser Lesung ist ein kurzer Abschnitt aus der sogenannten "Jesaja-Apokalypse" (das 34. Kapitel des Jesajabuches handelt vom Weltgericht und im 35. Kapitel wird das endzeitliche Heil beschrieben). Obwohl der Prophet zum Volk Gottes während dessen Verbannung in Babylonien spricht, dürfte der Text höchstwahrscheinlich aus der Zeit nach dem Exil stammen.
Das Volk Gottes ist verzagt, da die Hilfe seines Gottes ausbleibt. In diese Situation hinein wird das Gericht über die Feinde Israels und die Rettung Israels - das Kommen seines Gottes - angekündigt. Die Getreuen müssen aber tapfer und mutig sein (vgl. dazu auch: 1Kön 2,2; Dtn 11,8; Ps 46,8; Jes 12,2). Wenn Gott selbst zu seinem Volk kommt, dann bleibt das nicht ohne Folgen: er wird die Folgen der Schuld wegnehmen (Taubheit, Blindheit etc. galten in der damaligen Zeit als "Folgen" sündhaften Verhaltens, wobei die Behinderung auch aufgrund eines Vergehens vorheriger Generationen entstanden sein konnte).
Das Bild der Verwandlung der Wüste in eine fruchtbare Landschaft ist ein in der Bibel öfter vorkommendes Motiv. Es soll die Wandlung des Menschen und das Kommen des Heils auch in der Natur ausdrücken und versinnbildlichen. Dieses fruchtbare Land dient dann wiederum dem Menschen als Grundlage für ein Leben ohne jeglichen Mangel (vgl. dazu auch: Esr 3,8; Dtn 8,7-10; Ps 107,33; Jes 50,2; Jer 2,11).
Wohlvertraute Worte aus der Adventszeit! Die Lesungen in der Liturgie bereiten uns dann vor auf die Ankunft des Herrn in der Krippe. Wenn Jesaja aber von Rettung durch den Herrn spricht ist, da nicht zuerst von der Ankunft eines Kindes die Rede, sondern von Gottes machtvollem Tun in einer desaströsen Lage des Volkes Israel: Fremde Völker setzten zunächst das Nordreich Israel und später das Südreich mit Jerusalem unter Druck und überfallen beide Teile. Diese historische Darstellung lässt uns wissen: Gottes Rettung ist kein lineares Geschehen. Nach der Errettung aus Ägypten ging es eben nicht immer nur erfolgreich und gut nach vorn. Dem Volk ist Vieles widerfahren, was nichts mit versprochenem Heil zu tun hat. Den Glauben an diesen Gott, der immer wieder rettet, aufrechtzuerhalten, war Aufgabe der Propheten. Das Versprechen, dass Gott da ist (»Jahwe«), stand aber zu allen Zeiten unverbrüchlich im Raum.