Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Númeri.
In jenen Tagen
kam der Herr in der Wolke herab und redete mit Mose.
Er nahm etwas von dem Geist, der auf ihm ruhte,
und legte ihn auf die siebzig Ältesten.
Sobald der Geist auf ihnen ruhte,
redeten sie prophetisch.
Danach aber nicht mehr.
Zwei Männer aber waren im Lager geblieben;
der eine hieß Eldad,
der andere Medad.
Auch über sie kam der Geist.
Sie gehörten zu den Aufgezeichneten,
waren aber nicht zum Offenbarungszelt hinausgegangen.
Auch sie redeten prophetisch im Lager.
Ein junger Mann lief zu Mose
und berichtete ihm:
Eldad und Medad
sind im Lager zu Propheten geworden.
Da ergriff Jósua, der Sohn Nuns,
der von Jugend an der Diener des Mose gewesen war, das Wort
und sagte: Mose, mein Herr, hindere sie daran!
Doch Mose sagte zu ihm: Willst du dich für mich ereifern?
Wenn nur das ganze Volk des Herrn zu Propheten würde,
wenn nur der Herr seinen Geist auf sie alle legte!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Die Befehle des Herrn sind gerade;
sie erfüllen das Herz mit Freude. – Kv
GL 312,7
Die Weisung des Herrn ist vollkommen, *
sie erquickt den Menschen.
Das Zeugnis des Herrn ist verlässlich, *
den Unwissenden macht es weise. – (Kv)
Die Furcht des Herrn ist lauter, *
sie besteht für immer.
Die Urteile des Herrn sind wahrhaftig, *
gerecht sind sie alle. – (Kv)
Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen; *
reichen Lohn hat, wer sie beachtet.
Versehentliche Fehler, wer nimmt sie wahr? *
Sprich mich frei von verborgenen Sünden! – (Kv)
Verschone deinen Knecht auch vor vermessenen Menschen; *
sie sollen nicht über mich herrschen!
Dann bin ich vollkommen *
und frei von schwerer Sünde. – Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Jakobusbrief.
Ihr Reichen,
weint nur und klagt über das Elend, das über euch kommen wird!
Euer Reichtum verfault
und eure Kleider sind von Motten zerfressen,
euer Gold und Silber verrostet.
Ihr Rost wird als Zeuge gegen euch auftreten
und euer Fleisch fressen wie Feuer.
Noch in den letzten Tagen habt ihr Schätze gesammelt.
Siehe, der Lohn der Arbeiter, die eure Felder abgemäht haben,
der Lohn, den ihr ihnen vorenthalten habt,
schreit zum Himmel;
die Klagerufe derer, die eure Ernte eingebracht haben,
sind bis zu den Ohren des Herrn Zebaoth gedrungen.
Ihr habt auf Erden geschwelgt und geprasst
und noch am Schlachttag habt ihr eure Herzen gemästet.
Verurteilt und umgebracht habt ihr den Gerechten,
er aber leistete euch keinen Widerstand.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Halleluja. Halleluja.
Dein Wort, o Herr, ist Wahrheit;
heilige uns in der Wahrheit!
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit
sagte Johannes, einer der Zwölf, zu Jesus:
Meister, wir haben gesehen,
wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb;
und wir versuchten, ihn daran zu hindern,
weil er uns nicht nachfolgt.
Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht!
Keiner, der in meinem Namen eine Machttat vollbringt,
kann so leicht schlecht von mir reden.
Denn wer nicht gegen uns ist,
der ist für uns.
Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt,
weil ihr zu Christus gehört –
Amen, ich sage euch:
Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.
Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben,
Ärgernis gibt,
für den wäre es besser,
wenn er mit einem Mühlstein um den Hals
ins Meer geworfen würde.
Wenn dir deine Hand Ärgernis gibt,
dann hau sie ab;
es ist besser für dich,
verstümmelt in das Leben zu gelangen,
als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen,
in das nie erlöschende Feuer.
Und wenn dir dein Fuß Ärgernis gibt,
dann hau ihn ab;
es ist besser für dich, lahm in das Leben zu gelangen,
als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden.
Und wenn dir dein Auge Ärgernis gibt,
dann reiß es aus;
es ist besser für dich,
einäugig in das Reich Gottes zu kommen,
als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden,
wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
»Gut gemeint« ist oft das Gegenteil von gut, sagt der Volksmund. Diese Erfahrung machten auch die Jünger. Wir sind gefordert, klug Gutes von Schlechtem zu unterscheiden.
Hätten Sie sich heute eine Kurzfassung des Evangeliums gewünscht? Es fing doch erst so gut an: „Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns“ (Mk 9,40). Dahinter kann man sich leicht stellen. Ich kann sagen: „Herr, ich bin nicht gegen dich. Dann ist ja alles gut!“
Nur ist dieser eben genannte Vers wie eine Kirsche in einem größeren Stück Kuchen. Zum ganzen Kuchen gehören auch die anderen Teile...
Am Anfang steht fast eine Eifersuchtsszene. Da handeln Leute, die Jesus nicht nachfolgen, in der Autorität Jesu. Sie bedienen sich seiner Autorität obwohl sie nicht zum Jüngerkreis gehören. Die Jünger scheinen zu denken: „Wir gehören dazu. Wir wollen unseren Premiumstatus bewahren.“
Schwerer und härter ist der zweite Teil. Wir können zerstören, obwohl wir aufbauen wollen. Wenn das Programm lautet: „Für Gott einladen und zu Gott bringen“, können unsere Hand, unser Fuß oder unser Auge uns einen Streich spielen. Dann erlebt unser Gegenüber es eher als eine Ausladung denn als Einladung. Wir handeln dann wie Menschen, die gegen die Zukunftsangebote Gottes sprechen. Hilft uns dann der Stoßseufzer: „Aber ich will doch gut sein?“, bzw. das "Gut gemeint"?
Dieser Sonntag fällt auf den 29. September. Es ist der Tag der Erzengel Gabriel, Raphael und Michael. Diese drei Engel stehen für den Weg Gottes mit seinem Volk.
Gabriel fragt Maria: „Hilfst du Gott? Bist du bereit, für ihn und uns da zu sein? Darf Gott mit deiner Hilfe in unsere Welt kommen?“ Maria sagt »ja«. Sie ist für uns.
Raphael ist der Engel, der heilt und der begleitet. Im alttestamentlichen Buch Tobit wird dies beschrieben. Der Engel begleitet den jungen Tobias ins Erwachsensein. In diesem Zusammenhang wird Geheilt wird auch sein Vater Tobit geheilt. Dieser hatte sich ganz nach den Gesetzen Gottes verhalten. Dadurch erblindete er. Nun wird er befreit und geheilt. Wer für Gott ist, wird von ihm gehalten und belohnt.
Und Michael? Er ist der Engel, der kämpft. Er verteidigt das Gute, das gewachsen ist. Was nicht gut ist, wird weggeworfen. Und wenn es der Satan ist, der aus dem Himmel geworfen wird.
Vor einigen Tagen kam die Meldung, dass die Population einer eingeschleppten Fischart im Bodensee arg dezimiert worden sei. Die Experten vermuten eine Seuche dahinter. Sie haben zugleich festgestellt, dass sich die Zahl der einheimischen Fische wieder erhöht hat. Die Natur scheint sich also selbst zu helfen.
Manchmal hilft auch der Zufall. Die bei manchen Menschen beliebten Spätleseweine waren am Anfang nicht geplant. Im 18. Jahrhundert sollten die Trauben geerntet und gekeltert werden. Dazu war eine schriftliche Erlaubnis nötig. Bis diese eintraf, war der Traubenstand anders als gewollt. Man erntete trotzdem und glaubte, dass der Wein eher unterste Qualität haben würde. Das Gegenteil trat ein. Ein neues Produkt war geboren.
Der Volksmund weiß: „Gut gemeint ist meist das Gegenteil von gut!“ Das kann auch für die Jünger gelten. Ihre Information an Jesus war gut gemeint. „Jemand tut etwas in deinem Namen, Jesus!“ Das kann für alle Verkünder der Frohen Botschaft gelten.
Manchmal stehen Wort und Verhalten zu einander im Gegensatz. Das gilt für die Menschen, von denen der Jakobusbrief spricht. Das kann aber auch für jede und jeden von uns gelten, wenn wir glauben, alles richtig gemacht zu haben. Paulus würde das mit der Unterscheidung der Geister zusammenfassen.
Das kann auch für uns gelten, die wir in diesen Tagen Erntedank.
© Pater Norbert Riebartsch, Kamillianer. September 2024.
Vorenthaltener Lohn schreit zum Himmel, mahnt der Jakobusbrief, im Markusevangelium fordert Jesus, dass den Kleinen und Geringen kein Ärgernis, d.h. kein Unrecht getan wird. Erntedank wird oft mit verengtem Blick auf landwirtschaftliche Früchte gefeiert. In den regelmäßigen Lohnverhandlungen fordern die Arbeitnehmervertreter gerechten Lohn für die Arbeitenden. Sie haben Anrecht auf gerechten Lohn und Anteil an den Früchten menschlicher Arbeit.
Die Frage nach dem gerechten Lohn, der monetäre Dank für geleistete Arbeit, stellt sich alle Jahre neu, wenn die Herbstlohnrunde startet. Ebenfalls im Herbst feiern wir Erntedank. Was hat nun das eine mit dem anderen zu tun? Wir wollen heute eine Verbindung zwischen den beiden Anlässen herstellen.
Wofür wollen wir danken? Welchen Früchten unseres Lebens schenken wir Aufmerksamkeit? Erntedank gibt uns alljährlich die Möglichkeit, Dankbarkeit in den Mittelpunkt unseres Lebens zu rücken. Dankbarkeit ist der Schlüssel zum Leben, bringt es Bruder David Steindl-Rast auf den Punkt. „Alles im Leben ist ein Geschenk. Und die passende Antwort darauf ist »Danke«", so Steindl-Rast. Im Blick auf die Verhältnisse dieser Welt und in Bezug auf Erntedank soll Dankbarkeit genauer beleuchtet werden.
Man könnte Erntedank erweitern, indem man zu dem bäuerlichen Symbol der Erntekrone, dass auf die Arbeit der Landwirtschaft und die Güter des Lebens Bezug nimmt, auch die realen Arbeitsverhältnisse vieler Menschen mit in den Blick nimmt und mit Arbeitshandschuhen, Laptop, Rollator, Einkaufswagen, Mullbinden, Mülltonnen usw. Symbole aus Arbeitswelten ergänzt. Erntedank lädt uns ein, über die Früchte der Arbeit in ihrer Vielfalt nachzudenken. Für viele ist der Monatslohn das Maß der Arbeit. Was kommt am Ende der Arbeit für mich raus? Und wie kann ich davon leben?
Die Frage nach gerechten Löhnen, die zum Leben reichen, stellt sich auch im biblischen Denken immer wieder. Das Weinberggleichnis verhandelt die Frage eines Lohnes zum Leben für alle, wo jeder Arbeiter 1 Denar erhält, den Lohn, den eine vierköpfige Familie damals zum Leben brauchte. Jene, die den ganzen Tag gearbeitet haben bekommen ihn genauso wie die, die eine Stunde gearbeitet haben, aber den ganzen Tag auf Arbeit gewartet haben. „Und wo wird da die Leistung miteinbezogen?", möchte man aus heutiger Sicht zwischenrufen. Von der Bibel her gedachtes Leben ist so ein Zeugnis des Widerstandes gegen den Status quo der politischen und ökonomischen Verhältnisse. Güte ist eine Kategorie Gottes.
Der Auszug aus den versklavenden Arbeitsverhältnissen aus Ägypten ist das Grundmoment unseres Glaubens. Ein Gott, der die Schreie der Arbeiter:innen hört und der mit den Menschen mitlebt, weist darauf hin, dass Arbeit in unserer Glaubenstradition eine wesentliche Rolle spielt und Arbeitsverhältnisse gut gestaltet sein müssen. Wo sie es nicht sind, empfiehlt die Bibel, daraus auszubrechen. Die Ausbeutung durch die Pharaonen hat ein Ende.
Alljährlich im Herbst startet die Metallindustrie mit ihren Kollektivvertragsverhandlungen, die wegweisend für die anderen Branchen sind. Auch viele von uns sind dadurch betroffen. Hier entscheidet sich für ein weiteres Jahr, ob die Gewerkschaften gemeinsam mit den Arbeitnehmer:innen einen Lohnzuwachs erkämpfen können oder am Ende des Jahres real wieder weniger geblieben ist, weil das Leben und die Energiepreise, die Mietkosten, die Lebensmittel mehr verteuert werden als die Löhne wachsen. Von Seiten der Wirtschaft wird dann immer die Lohn-Preis-Spirale bemüht. Dass es sich letztlich um eine Lohn-Profit Spirale handelt, wird von dieser Seite, die die Gewinne einstreifen, tunlichst nicht gesagt. In Österreich gibt es über 800 Kollektivverträge. Jährlich verhandeln die Gewerkschaften über 450 Kollektivverträge. Auch das Urlaubs- und Weihnachtsgeld ist im Kollektivvertrag geregelt und will immer neu mitverhandelt werden. Lohnerhöhungen fallen also nicht vom Himmel.
Gott gibt unserem Glauben zu tun. Erntedank stellt die Verteilungsfrage: Wer hat Anteil an den Gaben Gottes, die allen gegeben sind. Und wer hat Anteil am Land, das ja eigentlich auch nur geliehen ist, weil es nur einen Eigentümer gibt, Jahwe. Wer profitiert von den Gütern dieser Erde, indem sie nicht allen zur Verfügung stehen, sondern manche besitzen und andere des Allgemeineigentums beraubt werden.
Am Ende der hebräischen Bibel ist von der ersehnten „Sonne der Gerechtigkeit“ die Rede, die alles Unrecht wegbrennt und überall erleuchtet (Maleachi 3,19f.)
Der biblische Blick ist der Blick der Menschenfreundlichkeit. Bevorzugt in den Blick genommen werden Arme, Benachteiligte, Ausgebeutete. Das irritiert unser gewohntes Denken. Die Welt, wie wir sie eingeteilt haben wird im biblischen Denken auf den Kopf gestellt, durcheinandergewirbelt, was bisher war, verliert seine Gültigkeit. Reinigungskräfte, Pflegekräfte, Müllmänner und Gärtnerinnen verdienen so viel wie Managerinnen und Geschäftsführer. Solche Bilder bestärken, sich für gerechte Verteilung der Güter dieser Welt einzusetzen.
Eine wesentliche Verteilung passiert in der Arbeitswelt bei den Kollektivvertragsverhandlungen. Hier wird ausverhandelt, was Arbeitnehmer:innen und Arbeiter:innen im kommenden Jahr an Lohn zum Leben zur Verfügung steht. Aus Sicht der Gewerkschaften ist das zumindest die rollierende Inflation plus die zu erwartende Wirtschaftssteigerung. Eine wirkliche Umverteilung der Einkommen würde eine deutliche Anhebung der unteren Lohngruppen brauchen. Das fordert heraus, ist schier unvorstellbar, kratzt an der neoliberalen Leistungsgesellschaft. Biblisches Denken setzt jedoch Menschen gleich, denkt Menschen gleichwertig und gleichwürdig.
Der Anteil am gemeinsam Erarbeiteten soll gleich verteilt sein an alle. Her mit dem ganzen Leben, Brot und Rosen, lautete die Forderung nach deutlich höheren Löhnen 1912 beim Streik der Textilarbeiterinnen. Dieser Streik war sehr erfolgreich. Weil die Besitzenden freiwillig nicht bereit sind, die Gaben der Erde und der menschlichen Arbeit zu teilen, braucht es immer wieder Widerstand und Kämpfe. Das ist nicht neu, davon berichten uns auch immer Erzählungen der Bibel.
„Siehe, der Lohn der Arbeiter, die eure Felder abgemäht haben, der Lohn, den ihr ihnen vorenthalten habt, schreit zum Himmel. Die Klagerufe derer, die eure Ernte eingebracht haben, sind bis zu den Ohren des Herrn Zebaoth gedrungen.“ (Jak 5,4) Die Verhältnisse, in denen Arbeiterinnen ihren Lohn verdienen müssen, spielt auch bei Jakobus offensichtlich eine wesentliche Rolle. Die Frage sei erlaubt, ob sich seit damals wirklich so viel in den Arbeitswelten verändert hat. Sind nicht immer noch die mit ihren Händen Arbeitenden benachteiligter, verdienen weniger, sind bei Provisionen und Boni, die sich andere zuschanzen, außen vor? Umgelegt auf die Kollektivvertragsverhandlungen: Müssen sie, obwohl sie am Gesamtprodukt wesentlichen Anteil haben, ungleich schwerer um einen gerechten Anteil am Erwirtschafteten kämpfen? Und reißen sich nicht die Gewinne, den Mehrwert, dann wieder andere unter den Nagel? Jakobus formuliert es drastisch: „Ihr (die Reichen) habt auf Erden geschwelgt und geprasst und noch am Schlachttag habt ihr eure Herzen gemästet. Verurteilt und umgebracht habt ihr den Gerechten.“ (Jak 5,5-6).
Es stellt sich also in der Bibel, wie bei den KV-Verhandlungen, die Frage nach der Verteilung der Anteile und auch nach der Höhe, die es braucht, um ein gutes Leben zu garantieren. Die Vision, dass allen alles gehört, ist noch weit entfernte Utopie, ein Nicht-Ort, der aber zum Ort werden kann und soll. Dann nämlich, wenn geteilt wird und die Spaltung, in die einen, die sich nehmen, und die anderen, denen zugeteilt wird, aufgehoben wird, dann kann eine neue Gesellschaft des Reiches Gottes entstehen.
Bis dahin gilt es jährlich zu verhandeln, zu erkämpfen, sich nicht abspeisen zu lassen mit Reallohnverlusten und das Gejammere der Unternehmen und Geldbesitzenden und Aktionär:innen, die im Nichtstun verdienen wollen an der Arbeit anderer, zu verscheuchen. Erntedank soll uns alljährlich an unser Arbeiten erinnern und daran, dass Arbeit und Menschenwürde Hand in Hand gehen.
Danken wollen wir jenen, die noch vor Jahren als Systemrelevant bezeichnet wurden und ohne die unsere Gesellschaft zusammenbrechen würde. Ein Rollator als Symbol für jene, die unsere Alten und Kranken 24 Stunden am Tag pflegen, mit wenig Freizeit und fernab ihrer Heimat. Ein Einkaufswagen für die im Handel Tätigen, gering auch ihr Lohn, wiewohl sie für das Lebensnotwendige sorgen. Eine Mülltonne, ein gelber Sack für jene, die unseren Wohlstandsmüll schier unbemerkt entsorgen und uns so ein gutes Leben ermöglichen. Jene, die in Heimen und Spitälern sich um unsere Gesundheit sorgen, vielfach an der Grenze ihrer Kräfte arbeiten, auch ihr Einsatz ist in Geld nicht aufzuwiegen.
Eine Möglichkeit des Dankens von Seiten der Wirtschaft wäre, gute Löhne zu zahlen. Unverständlich ist, wenn man Jahr für Jahr über Inflationsabgeltung auf der einen Seite diskutiert und auf der anderen Seite die Reichen und Besitzenden, die, die sich die Produktionsmittel angeeignet haben, reicher und reicher werden und schon nicht mehr wissen, wie und wo sie ihr, von anderen Menschen verdientes Geld, anlegen sollen.
„Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde.“ (Mk 9,42). Drastisch klingt auch der Evangeliumstext. Klar ist, mit einem Mühlstein um den Hals im Meer wird man sterben. Markus macht deutlich, dass ein Leben auf Kosten anderer aus biblischer Sicht nicht geht. Gottes Maßstab ist die Menschenfreundlichkeit, in seinem Reich sollen alle leben können und in Fülle leben können. Das geht sich nur aus, wenn die Güter dieser Welt, auch der Arbeitswelt gerecht geteilt werden, alle den Anteil bekommen, der zum guten Leben reicht. Wenn bei Kollektivvertragsverhandlungen um Prozent gefeilscht wird, während Gewinne ausgeschüttet und Boni verteilt werden, wird deutlich, dass im Sinne der biblischen Botschaften noch weite Wege vor uns liegen. Der Auftrag einander Nächste zu werden ist uns gegeben. Das beinhaltet auch gerechte und gute Löhne. Erntedank kann in Anlehnung an Jakobus und Markus mehr in den Blick nehmen als eine immer weniger werdende bäuerliche Lebenswelt. Nutzen wir die Anregungen biblischer Texte für eine Neuausrichtung auf dem Weg zu einer Gesellschaft der Umverteilung und der Gerechtigkeit, zum Reich Gottes, das mitten unter uns anbrechen soll.
© Fritz Käferböck-Stelzer, Betriebsseelsorger, Diözese Linz.
Spirituelles und auch kirchliches Leben lässt sich nicht in allem regulieren. Der Geist Gottes wirkt auch neben den kirchlichen Strukturen. Trotzdem ist nicht alles gleich gültig. Es gilt die Geister zu unterscheiden.
Die Bibeltexte dieses Sonntags haben große Aktualität. Das beginnt schon mit der ersten Lesung. Mose versammelt 70 Älteste im Offenbarungszelt und gibt ihnen den Geist Gottes, den er empfangen hat, weiter. Wir kennen ihn als die Zehn Gebote. Zwei namentlich bekannte Männer befinden sich nicht im Heiligtum, sondern außerhalb, im Profanum, also vor dem Heiligtum. Eldad und Medad empfangen ebenfalls prophetische Gaben als persönliches Geschenk Gottes. Sofort kommt Josua, treuer Diener des Mose, vermeintlich ganz im Geist Geist Gottes orientiert, und wirft ihnen Amtsanmaßung vor. Unbefugte sprechen da und spielen sich auf. Auf wienerisch: „Derfn´s den des?“ (Dürfen das die beiden überhaupt?). Dürfen sie sich vom Geist Gottes ergreifen lassen? Das schreit ja nach Konsequenzen! Der Text sagt nicht, warum sich die beiden außerhalb des Zeltes befinden. Man spürt die Spannung, die sich da aufgebaut hat.
Was sagt uns diese Begebenheit heute? Der Geist weht, wo er will. Auch außerhalb der Institutionen der Kirchen. Wir unterscheiden mitunter sehr flott zwischen „gläubig“ und „ungläubig“, zwischen „amtlich“ und „nichtamtlich“, ohne wirklich zu wissen, warum viele „vor dem Heiligtum“ stehen, ob sie sich selbst abgesetzt haben oder ob sie hinausgeekelt wurden.
Das Prophetenamt ist allen zugänglich und soll allen dienen. Oft sind es Menschen, die wohl der Glaubensgemeinschaft den Rücken gekehrt haben, aber wertvolle Impulse geben; besonders im sozialen Bereich, die sich erstaunlich gut einsetzen für Arme und Entrechtete und so das Liebesgebot durch ihre Taten praktizieren. Die Sinnsuche dieser Menschen ist in vielen Fällen sehr groß, und ihre Sehnsucht darf nicht unbeantwortet bleiben.
Wie sieht das mit den 70 Personen im Zelt aus? Man könnte es so interpretieren: Glaube braucht Gemeinschaft. Die christlichen Kirchen haben alle die prophetische Aufgabe im Geist Gottes zu handeln, heilend, helfend und tröstend zu wirken, damit das Reich Gottes schon jetzt sichtbar wird. Ob das immer auch so geschieht, darf bezweifelt werden.
Wo liegen die Hindernisse, dass der Auftrag Jesu nur schleppend und mitunter gar nicht erfüllt wird? Die zweite Lesung macht das in Form einer Warnung deutlich. Nicht der Reichtum als solcher ist schlecht. Es geht bei genauer Betrachtung darum, auf welche Weise man reich wird; durch ehrliche Arbeit und viele Bemühungen oder durch Betrug, Vorenthaltung des gerechten Lohnes, fragwürdiges Austricksen von Gesetzen, wonach formal und nach außen hin alles in Ordnung scheint?
Das alles hat es damals schon gegeben und ist vielleicht inzwischen noch raffinierter geworden. Heute können sie großes Vermögen verborgen vor der Öffentlichkeit in Sekundenschnelle von einem Ort zu einem anderen, von einem Konto auf ein anderes transferieren. Oft ist es dann ein Problem der Verteilungsgerechtigkeit. Solche Vorkommnisse hindern die Ausbreitung des Reiches Gottes.
Außerdem werden wir darauf aufmerksam gemacht, dass alles vergänglich ist. „Euer Reichtum verfault und eure Kleider sind von Motten zerfressen, euer Gold und Silber verrostet.“ (Jak 5,2). Vielmehr sollten wir „Schätze im Himmel“ sammeln, die nicht von Motten und Rost gefressen werden (siehe Mt 6,19-21). Ein großer Schatz im Himmel ist die Option für die Armen; geben, teilen, Solidarität üben, in Beziehung mit Gott stehen, bereit sein zu vergeben, kurzum das Liebesgebot so gut wir können zu erfüllen.
Das Evangelium gibt dazu weitere Hinweise, wohl sehr radikale Worte, die leicht missverstanden werden können. Selbstverstümmelung ist gewiss nicht der Weg zum Himmelreich. Aus medizinischer Sicht wird man in manchen Fällen Amputationen der Gliedmaßen vornehmen müssen, da sonst der Körper durch absterbendes Gewebe vergiftet wird und zum Tod führt. Das kann man auch auf das spirituell-geistliche Leben anwenden. Miserable Haltungen, alle möglichen Laster, sind Gift für Leib und Seele. Alles Schlechte und Üble hindert die Liebe Gottes. Angesprochen mit diesen radikalen Worten wird der ganzheitliche Mensch. Auch soll man sich von Irrlichtern nicht blenden lassen (im Evangelium: »das Auge ausreißen«…)
Diese Lesungen wollen uns nahebringen: Der Geist Gottes weht, wo er will, nicht nur in der Kirche und ihren Amtsstuben, sondern überall in der Welt. Auch in kleinen Gemeinschaften sorgsam mit den (materiellen) Gütern umgehen und achtsam und wertschätzend einander gegenübertreten, um Schätze im Himmel zu sammeln. Beobachten wir uns auch selbst, wo wir leicht Versuchungen unterliegen, wo uns Augen, Ohren, Gliedmaßen den Weg zum Reich Gottes verstellen.
Das Heilen von Kranken und das Verbreiten eines neuen guten Geistes sind die Markenzeichen des Messias. Die Sendung der Jünger besteht darin, daran teilzunehmen und Jesus darin zu unterstützen.
Wieder einmal hält uns der Evangelist Markus mit seiner Erzählung von einem ganz konkreten Jüngerverhalten den Spiegel vor Augen. Johannes, einer der Zwölf, berichtet Jesus, dass er beobachtet hat, wie jemand im Namen Jesu Dämonen ausgetrieben hat. Und weil er sich ganz sicher ist, dass Jesus nicht recht sein könne, was Fremde da in seinem Namen tun, setzte er noch hinzu, dass er versucht habe, sie daran zu hindern, besonders weil diese Leute nicht zu ihrer Gruppe der Jesusnachfolger gehören. Johannes hegte offenbar keinen Zweifel daran, sich richtig verhalten zu haben. Unterschwellig können wir seinem Bericht sogar entnehmen, dass er Lob für sein vorbildliches Agieren erwartet hat.
Die Reaktion Jesu zeigt ihm und damit auch uns allen, dass seine Wahrnehmung der Situation auf einem verführerischen Mechanismus beruht, mit dem wir Menschen immer wieder und ganz leicht in eine Falle tappen. Doch Jesus möchte uns dringend davor warnen.
Was war geschehen? Johannes gehörte zu den Ersten, die auf den Anruf Jesu hin ihr bisheriges Leben aufgegeben hatten, um sich ganz der Nachfolge Jesu zu widmen. Sie zogen durch die Lande, Jesus predigte, heilte und begeisterte immer mehr Menschen mit seiner Botschaft vom Reich Gottes, das sich schon auf Erden für alle verwirklichen kann, die seine Worte in ihr Herz lassen und zu einem Leben in der Liebe Gottes umkehren. Sie waren schon zu einer ansehnlichen Gemeinschaft angewachsen. Ihr Zusammenleben war von einem achtsamen Umgang miteinander geprägt und vom Hören auf Jesu Worte und dem Miterleben seiner wunderbaren Taten. Es war ein gutes Leben, geordnet, geregelt und erfüllt von dem Gefühl, an einer wichtigen Mission mitzuwirken.
Mit dieser Zufriedenheit, Sicherheit und Selbstgerechtigkeit waren sie unterwegs, als sie Fremde trafen, die – man möchte es nicht für möglich halten – sich anmaßten, besessene Menschen unter Berufung auf Jesus und seine Lehre vom Dämon zu befreien.
Keiner der Jünger hätte das auf eigene Faust gewagt. Auch wenn deren Tun erfolgreich war, konnte man das nicht durchgehen lassen. Da könnte ja jeder kommen… Wer weiß, ob sie überhaupt getauft waren und wer ihnen von Jesus erzählt hatte. Sicher kannten sie nur Bruchstücke seiner Lehre. Ihr unverschämtes Vorgehen musste man auf alle Fälle verbieten. Hier störten sie...
Wir Menschen lieben es, zweidimensional zu denken. Die Kategorien vertraut/fremd, richtig/falsch, gut/böse, schwarz/weiß, innen/außen usw. verführen uns dazu, die Menschen wie auch die Welt mit diesem vereinfachten Denken wahrzunehmen. Obwohl wir immer wieder die Erfahrung machen, dass solches Denken weder der vielfältigen Menschennatur noch den komplexen Gegebenheiten auf unserer Erde auch nur annähernd gerecht werden kann, sind wir immer wieder bereit, einfache Erklärungen als „die Wahrheit“ zu akzeptieren.
Diese Schwäche macht uns leider leicht verführbar und manipulierbar. Geschickte Machtstrategen aus allen Bereichen der Gesellschaft, der Wirtschaft, der Kirche und der Politik setzen hier an, um uns vor ihren Karren zu spannen. Gerade in Zeiten von Wahlen, wie sie heute in Österreich stattfinden, können wir das häufig beobachten.
Aber zurück zu Jesus und seiner Wahrnehmung der Ereignisse. Obwohl er die Gedanken seines Lieblingsjüngers durchschaut hat, geht er nicht auf seine Bedenken ein. Stattdessen zeigt er sich erfreut über die Fremden, die in seinem Namen die Machttat der Dämonenaustreibung vollbringen. Solche Heilungen können nur Menschen vollbringen, die fest an seine göttliche Macht glauben. Das Tun aus solchem Glauben heraus macht sie in seinen Augen zu Mitgliedern der großen Reich-Gottes-Gemeinschaft. „Denn wer nicht gegen uns ist, ist für uns“ und "wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, […] wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.“ Mit diesen Aussagen macht er klar, dass das gläubige Tun diese Fremden legitimiert, zu den Erbauern des Reiches Gottes zu zählen.
Wie groß sein Respekt vor ihrem Handeln ist, zeigen auch die überaus drastischen Bilder der Sühnehandlungen für jene, die solchen einfachen Gläubigen Ärgernis geben.
Manchen Menschen sind diese Beschreibungen von Strafen durch Verstümmelungen, durch Ertränken mit einem Mühlstein um den Hals oder durch Ausreißen eines Auges zu heftig, um in einem Sonntagsgottesdienst verlesen zu werden. So schreckliche Bilder gehen nicht so schnell aus dem Kopf. Ich sehe in ihnen die eindringliche Warnung vor vereinfachendem Denken und Urteilen über Menschen und deren Handeln. Dazu gehört auch das Verharmlosen aller möglichen Ärgernisse wie Missbrauch, Entrechtung, Entwürdigung, Ausbeutung, die vor allem die Kleinen und Schwachen trifft.
Dem steht die Messianität Jesu gegenüber, die daran sichtbar wird, dass Blinde wieder sehen, Lahme gehen, Aussätzige rein werden, Taube hören, Tote auferstehen und den Armen das Evangelium verkündet wird. Daran mitzuwirken wird zum Markenzeichen der wahren Jünger Jesu.
Gerne würden wir das Wirken des Geistes eingrenzen, kontrollieren. Doch der Geist weht, wo er will, und bewirkt, was er will.
Wetten, dass Sie diese Namen noch nie gehört haben? Eldad und Medad! Von ihnen wird erzählt, dass sie der Geist Gottes überkommt, dass sie im Lager mit prophetischen Reden auffallen und dass Josua, „der von Jugend an der Diener des Mose gewesen war“, entsetzt ist: Die doch nicht! „Mein Herr, hindere sie daran!“ Redeverbot? Schweigegebot? Wer darf überhaupt reden? Wer soll schweigen? Eldad und Medad?
Ein wenig verwickelt ist die Geschichte schon. Das Volk Israel ist in der Wüste unterwegs. Mose bekommt Hilfe. Von siebzig Ältesten, wie sie genannt werden. Menschen, die für einander Verantwortung übernehmen. Die auch Wege wissen und vorangehen. Es ist auch dringend nötig. Mose kann nicht alleine bleiben. Mit der großen Herausforderung, das Volk Israel zu führen. Immerhin in das gelobte Land – in die Freiheit!
Wir sehen zu, wie Gott den Geist verteilt. Eins, zwei, drei … siebzig. Ein Geist! Eine Gemeinde! Aber so viele Menschen, die etwas zu sagen bekommen. In diesem kleinen Haufen immerhin siebzig. Fast alle? Das weiß ich natürlich nicht. Nur: Eldad und Medad sind Nachzügler. Sie fallen ein wenig aus der Ordnung und aus der Reihe. Sie waren auch nicht dabei, als der Geist verteilt wurde. Und der Geist kommt dann doch zu ihnen! Ein schönes Bild: Der Geist ist wie eine zärtliche Hand, die auf den Kopf gelegt wird. Wir spüren die Nähe und die Wärme. Es muss eine fremde Hand sein! Zu sehen ist der Geist nicht – nur zu hören. Die, die den Geist empfangen haben, reden prophetisch. Also tröstend, aber auch wegweisend. Worte bekommen eine Klarheit, die gut tut – und im Durcheinander der vielen Stimmen schält sich die Hoffnung heraus, dass die Wege nicht umsonst sind, die wir gehen. Gott selbst wird gehört – und verstanden. Wir werden uns das noch ein wenig genauer anschauen - oder anhören - können.
Sind Eldad und Medad zu spät gekommen? Haben sie den Aufbruch verschlafen? Hatten sie womöglich Bedenken, mit den anderen mitzugehen? So gerne ich das wüsste und erzählen möchte – sie bleiben zunächst einmal „außen“ vor. Sie gehören nicht dazu, jedenfalls nicht so richtig. Was aber auffällt: Mose lässt Eldad und Medad nicht nur das Reden, das öffentliche!, Mose hat den Wunsch, dass das ganze Volk des Herrn zu Propheten würden, dass der Herr seinen Geist auf „sie alle“ legte. Es ist dann nichts mehr Besonderes, Auserwähltes, Geist zu haben. Wer darf reden? Alle. Wer muss schweigen? Keiner.
Eldad und Medad sind Türöffner, Türöffner für eine geistvolle Gemeinschaft, in der Gottes Geist, Gottes Wort, Gottes Willen alle verbindet. Übrigens, Zufall ist das wohl auch nicht:
Eldad heißt „Gott ist wie ein Freund“ oder auch „Gott hat geliebt“ – und Medad bedeutet „Geliebter“ oder „Freund“. Beide Namen haben ihre eigenen Geschichten und Wurzeln. Jetzt tauchen sie zusammen auf. Eldad und Medad. Sie dürfen nicht nur reden, sie werden zu Kronzeugen für alle, denen das Wort nicht mehr verboten werden darf. Wenn Sie noch ein paar schöne Namen für Kinder und Enkel suchen, selten, unverbraucht und schön? Eldad und Medad!
In einem schwedischen Lied, von Markus Jenny ins Deutsche übersetzt, wird die alte Geschichte, die von Eldad und Medad erzählt wird, zu einer bewegenden Erfahrung:
Wind kannst du nicht sehen,
ihn spürt nur das Ohr
flüstern oder brausen wie ein mächt’ger Chor.
Geist kannst du nicht sehen;
doch hör, wie er spricht
tief im Herzen Worte voller Trost und Licht.
Wind kannst du nicht sehen,
aber, was er tut:
Felder wogen, Wellen wandern in der Flut.
Geist kannst du nicht sehen;
doch, wo er will sein,
weicht die Angst und strömt die Freude mächtig ein.
Hergesandt aus Welten,
die noch niemand sah,
kommt der Geist zu uns, und Gott ist selber da.
Und Gott ist selber da …
Dieses Lied besingt, was prophetisches Reden ist: Wir hören „tief im Herzen Worte voller Trost und Licht“, es „weicht die Angst und strömt die Freude mächtig ein“.
Die alttestamentliche Lesung verrät einen Konflikt und breitet ihn vor uns aus. Ein Konflikt um Rederechte. Ein Konflikt um den Geist. Wie lange das her ist und doch wie aktuell – wir sind mitten drin. In der Kirche gehen die Wogen inzwischen hoch her. Die, die von Amtswegen etwas zu sagen haben, müssen sich rechtfertigen, andere fordern Gehör ein, ringen um Rederechte und lassen alte Rollen und Dogmatiken nicht mehr gelten. Der Geist wird von allen beschworen. Während die einen voranstürmen, ziehen sich andere verängstigt zurück. In die alte, angeblich heile Welt. Während die einen meinen, die Kanzel müsse auch ihnen überlassen werden, fürchten sich andere davor, ihre alte Kirche nicht mehr wiederzuerkennen.
Doch Gottes Geist kennt keine Angst. Eins, zwei, drei – siebzig. Und Gott ist selber da.
Auch gesellschaftlich gibt es Konflikte. Konflikte um das offene Wort. Mit dem Unterton, dass jeder alles sagen darf. Doch: was ist, wenn Hass wuchert? Wenn Worte schöngefärbt werden? Wenn im Schutz von Anonymität Mobbing und Ausgrenzung gedeihen? Wir fragen nach dem Geist Gottes, treffen aber auf den Ungeist, auf den bösen Geist. Ist die Liebe das Kriterium des Geistes – dann kann es nur das offene Wort der Liebe geben.
Gottes Geist kennt keine Angst. Eins, zwei, drei – siebzig. Und Gott ist selber da.
Ich träume von einem Reden, das nicht verhärtet, sondern versöhnt, von einem Reden, das nicht verbittert, sondern befreit.
Wenn nur das ganze Volk des Herrn zu Propheten würde,
wenn nur der Herr seinen Geist auf uns alle legte!
Mit großen Augen habe ich dann auch gelesen, dass im Evangelium, das wir gerade hörten, sogar die Jünger Jesu ganz aufgeregt darüber sind, dass „jemand in deinem Namen“ Dämonen austreibt, böse Geister also, die einen Mensch so gefangen nehmen, dass er nicht mehr leben kann. Ob der „jemand“ das überhaupt darf? Maßt er sich nicht etwas an, was nur wir „können“? Nur wir können wollen? Auf einmal sind sie wieder da: die Alleinstellungsmerkmale, die Abgrenzungen, die Ängste: Was, wenn der sogar erfolgreich ist? Wer mag dieser "jemand“ sein? Doch Jesus sagt nur: "Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen eine Machttat vollbringt, kann so leicht schlecht von mir reden.“
In Jesu Namen eine Machttat vollbringen, heißt, eine Machttat der Liebe zu vollbringen. Markus, der die Szene erzählt, hält sich nicht daran auf, wer was und wo darf – es genügt ihm fast schon, von einem „jemand“ zu erzählen, der sich weder an Konventionen hält noch an Zugehörigkeiten. Die bösen Geister, die Dämonen, müssen vertrieben werden! Von Anfang an ist das Zeichen Jesu: Menschen werden frei. Menschen werden frei, weil sie geliebt sind.
Schon spannend zu sehen, dass auch der engste Kreis Jesu vor lauter Hinderungsgründen den bösen Geistern das Feld des Lebens überlassen würde. Doch Gottes Geist lässt sich nicht einhegen. Nicht von den Vorsichtigen. Nicht von den Besserwissern. Nicht von den Traumtänzern.
Leonhard Meisser hat 1847 in einem Lied die Bitte ausgesprochen:
Mache alle kranken Glieder
rüstig, kräftig und gesund.
Lass die erste Liebe wieder
einen unsern Christenbund,
dass bald wieder uns der eine,
grosse, heilge Gottesgeist
sichtbar sei in der Gemeine,
welche Christi Kirche heisst.
Ich bin froh, Eldad und Medad heute getroffen zu haben.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Im Evangelium droht Jesus denen, die sich an den Kleinen und Schutzlosen vergreifen, Höllenqualen an. Wir müssen uns bewusst sein, dass es böse Machenschaften gibt, gegen die es zu kämpfen gilt. Jedoch auch der Geist Gottes ist am Werk und bewirkt Gutes; sogar durch Menschen, denen wir es auf den ersten Blick nicht zutrauen.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass wir Menschen Prioritäten in unserem Leben setzen und diesen Schwerpunkten anderes unterordnen. Sind es die richtigen Prioritäten, und ist der Preis dafür wirklich angemessen? Die Botschaft des Evangeliums kennt nur eine wirklich Priorität: das Reich Gottes. Dafür ist kein Preis zu hoch. In „Prinzip und Fundament“ aus dem Exerzitienbuch des Hl.Ignatius v. Loyola können wir eine Hilfe finden, die „Dinge dieser Welt“ in das richtige Maß zu setzen.
Jesus grenzt einen Nachahmer seiner Dämonenaustreibung nicht aus, obwohl dieser ihm nicht im engeren Sinn nachfolgt. Er zeigt sich großzügiger als viele es erwarteten. Ordnung ist für jede Organisation wichtig, auch für die Kirche. D. h. aber nicht, dass es nicht auch andere Zugänge zu Christus gibt, als die in der Tradition geformte Kirchengliedschaft. Das Zweite Vaticanum hat dies klargestellt.
Die Ungerechtigkeit, von der der Jakobusbrief spricht, schreit zum Himmel und kann durch nichts gerechtfertigt werden. Ihnen gilt es Grenzen zu setzen und Ihnen das Unrecht vor Augen zu halten.
Das Gute gut sein lassen, der Abwehr des Bösen und dem Tun des Guten alle Kraft zu geben, ist die Herausforderung, die Jesus an seine Jünger stellt.
Jesus stellt sich in drastischen Bildern schützend vor die Kleinen. Ihnen zu dienen ist auch die Herausforderung an die Jünger Jesu.
Der Geist Gottes wirkt, wo er will und hält sich nicht an oft kleinliche menschliche Vorstellungen. "Wenn doch alle Propheten wären!" entgegnet Mose dem Josua in der Lesung. Ein prophetisches Volk Gottes zu werden, ist auch die Herausforderung, vor die Jesus seine Jünger stellt.
Wie ein Mühlstein lastet der fahrlässige Umgang mit Priestern und Ordensleuten, die sich des Missbrauchs ihnen anvertrauter Jugendlicher oder Erwachsener schuldig gemacht haben, auf der Kirche. Die Fakten und Zusammenhänge sind zu komplex, um sie an dieser Stelle ausreichend zu analysieren und aufarbeiten zu können. Wo immer die Vorwürfe zutreffen, lösen sie Abscheu und Erschütterung aus. Die Auseinandersetzung mit einzelnen Fällen hat gezeigt, dass es dabei meist nicht nur um Missbrauch im Bereich der Sexualität geht, sondern um den Missbrauch eines Vertrauensverhältnisses und um den Missbrauch eines Vertrauensvorschusses, den jemand auf Grund seines Amtes oder seiner Stellung genießt.
Das Bildwort vom Mühlstein, das wir heute im Evangelium gehört haben, ist vor dem Hintergrund derartiger Fakten gut nachvollziehbar, auch wenn damit noch nicht alles gesagt ist. Sieht man sich die persönliche Geschichte eines Täters näher an, entdeckt man nicht selten Zusammenhänge, die es nicht zulassen, dass man ihnen allein die Schuld anlastet. Manches davon lässt uns ratlos zurück. Trotz Mühlstein-Wort glaube ich an die Barmherzigkeit Gottes und die Möglichkeit der Vergebung. Diese darf aber nicht zum Vorwand für eine Verharmlosung werden.
Schwerer einzuordnen als das Wort vom Mühlstein sind die Aufforderungen Jesu, sich lieber selbst zu verstümmeln als unversehrt dem Gericht Gottes zu verfallen.
Um diese Worte zu verstehen, halte ich es für notwendig, auf den Zusammenhang des ganzen Abschnittes zu schauen. Am vergangenen Sonntag haben wir die Vorgeschichte dieser harten Rede Jesu vorgetragen bekommen. Während Jesu Gedanken um sein bevorstehendes Leiden, den Tod und die Auferstehung in Jerusalem kreisten, beschäftigten sich die Jünger mit der Frage, wer von ihnen im kommenden Reich Gottes welche (Macht-)Position einnehmen werde. Jesus demonstriert am Beispiel von Kindern, dass die eigentliche Größe vom Kleinsein und Dienen komme. Ihm geht es darum, die in diesem Sinne "Kleinen" um sich zu sammeln und nicht darum, eine mächtige Bewegung aufzubauen. Wer diesen "Kleinen" auch nur einen Becher Wasser reiche - ob er sich zu den Jüngern und Jüngerinnen rechnet oder nicht - werde nicht um seinen Lohn kommen. Wer hingegen einem dieser "Kleinen" schade - in welcher Weise auch immer - werde dem Gericht Gottes überantwortet.
Mit den Kleinen sind hier nicht nur die Kinder gemeint, sondern die Bedeutungslosen und Schwachen in der Gefolgschaft Jesu. Für sie da zu sein, darauf kommt es an. Die Versuchung, diese Kleinen als Steigbügel für den eigenen Aufstieg bzw. für den eigenen Egotrip zu missbrauchen, ist für alle gegeben, die sich selbst groß machen und verwirklichen wollen.
Jede Begabung, jedes Charisma hat auch eine Kehrseite und kann zur Versuchung werden. Es ist gut und notwendig, dass Menschen andere führen und leiten können. Wer andere führt und leitet, achte aber darauf, wohin er sie führt. Jede Machtposition beinhaltet auch die Versuchung zum Machtmissbrauch.
Missbrauch hat viele Facetten und darf nicht auf den sexuellen Missbrauch allein fixiert werden. Es gibt Zeitgenossen, die polieren ihr Image mit Geld, das nicht ihnen gehört. Andere gefallen sich in der Rolle des Meinungsmachers oder Gurus, der von allen um Rat gefragt wird und der um keinen Rat verlegen ist. Wieder andere blenden als Star oder Wunderwuzzi...
Gerade im religiösen Bereich gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, seine Rolle zu missbrauchen. Und dies gilt nicht nur für Priester. Dies gilt für alle, die ein Amt oder einen Dienst in der Kirche wahrnehmen. Der geistliche Berater ist unter Umständen versucht, in der geistlichen Begleitung seine eigenen Interessen oder die der Kirche zu verfolgen und das seelische Wohl des Ratsuchenden aus dem Blick zu verlieren. Der Liturge und alle Mitwirkenden in der Liturgie können versucht sein, mehr sich selbst oder die Größe der Kirche zu zelebrieren als das Lob Gottes. Ordensleute sind versucht, das Image ihrer Organisation höher zu stellen als das Heil der ihnen Anvertrauten. U.v.a.m.
Die Grenzen zum Missbrauch sind fließend. Dass ein Gemeinwesen funktioniert, dazu braucht es viele Begabungen und Fähigkeiten, die gefunden, geweckt und gepflegt werden müssen. Für jeden, der seine Möglichkeiten für die Gemeinschaft der Kirche einsetzt, müssen wir froh und dankbar sein. Es wäre genauso falsch, seine Talente zu vergraben, belehrt uns Jesus an anderer Stelle. Jede Begabung kann sich aber auch verselbständigen und das Ziel der Gemeinschaft, dem sie dienen soll, aus den Augen verlieren. In manchen Fällen kann eine Begabung, ein Charisma sogar zum Schaden anderer werden. Davor möchte Jesus seine Jüngerinnen und Jünger bewahren. Seine drastischen Worte zeigen, dass es dabei nicht nur um Ausrutscher oder Kavaliersdelikte geht. Unter Umständen können die Fehler Einzelner das Ganze gefährden und zum Mühlstein werden.
Wir müssen uns hüten, aus der Möglichkeit des Missbrauchs falsche Konsequenzen zu ziehen. Falsch wäre es meines Erachtens, zum Schutz vor Missbrauch neue Tabus aufzubauen. Der beste Schutz ist, dass wir über alles, was uns bewegt, offen reden. Auch über heikle Themen wie Sexualität und Machtverteilung. Dazu braucht Aufrichtigkeit, Feinfühligkeit, Diskretion, aber auch den Mut, wichtige Fragen offen anzusprechen.
Jesus spürt genau, was seine Jünger bewegt und worüber sie hinter seinem Rücken sprechen. Er spricht es offen aus und an. Er legt ihnen seine Vorstellungen vom Umgang mit Fragen der Machtausübung im Reich Gottes dar. Er mischt sich ein, redet, argumentiert und spielt seine göttliche Autorität nicht aus. – Da gibt es für uns noch manches zu lernen.
Gut oder schlecht – wie verhalte ich mich? Es gibt durch uns Menschen gutes Verhalten. Dies wirkt sich aus in einem Mehr an Freiheit und Leben für den Nächsten.
Wenn ich mich schlecht verhalte, enge ich dadurch den Raum für andere Menschen ein.
Sie wissen, wie das ist, an etwas gehindert zu werden? Sie haben gute Ideen, Vorschläge und Vorsätze, sie haben sie geäußert, für sich geworben – und die Bedenken sind größer als das Vertrauen. Sie sind dann traurig oder ärgerlich oder einfach nur enttäuscht.
Heute feiern wir einen Gottesdienst, in dem Menschen die Hauptrolle spielen, die „verhindert“ werden sollen. Und nicht gehindert werden können. Sie sollen reden, sie sollen gehört werden, sie sollen die bösen Geister vertreiben.
Gottes Geist gleicht einer zärtlichen Hand, die sich uns auf den Kopf legt.
Darum bitten wir heute um seine Kraft, um seinen Beistand.
Gut und böse liegen oft nahe beieinander. Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut. Der Anfang des Bösen sieht meist harmlos aus. Es braucht ein gewisses Maß an Klugheit, um das Gute, das wir anstreben, auch zu erreichen und das Böse, das wir ablehnen, auch zu vermeiden. Bitten wir den Herrn um diese Klugheit und bitten wir ihn um Vergebung des Bösen, in das wir hinein verwickelt wurden.
Herr Jesus Christus,
wenn wir deinem Wort folgen, geschehen viele gute Dinge unter uns.
Kyrie eleison.
Wer uns Gutes tut, schenkt uns damit deine Nähe auch wenn er sich nicht zu dir bekennt.
Christe eleison.
Du ermutigst uns, Gutes zu tun, warnst uns aber auch vor dem Bösen.
Kyrie eleison.
Herr,
du verteilst deinen Geist, ohne vorher unsere Fähigkeiten abzuklopfen.
Wir lieben es aber, unsere Kreise zu schließen.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du verheißt uns den Geist, der uns in die Wahrheit führt.
Dein Geist hat unter uns einen schweren Stand.
Christus, erbarme dich.
Herr,
in deinem Namen möchten wir böse Geister vertreiben.
Vorurteile und Ängste holen uns ein.
Herr, erbarme dich.
Die Weisung des Herrn ist vollkommen, *
sie erquickt den Menschen.
Das Zeugnis des Herrn ist verlässlich, *
den Unwissenden macht es weise
(Ps. 19,8)
Ehre sei Gott in der Höhe…
Herr, Jesus Christus,
du hast dir Menschen in deine direkte Nachfolge gerufen.
Herr, erbarme dich.
Du traust den Menschen, die sich auf deinen Namen berufen, viel zu.
Christus, erbarme dich.
Du hast denen, die deine Botschaft aufnehmen, zugesagt, immer bei ihnen zu sein.
Herr, erbarme dich.
Großer Gott, du offenbarst deine Macht
vor allem im Erbarmen und im Verschonen.
Darum nimm uns in Gnaden auf,
wenn uns auch Schuld belastet.
Gib, dass wir unseren Lauf vollenden
und zur Herrlichkeit des Himmels gelangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 26. Sonntag im Jahreskreis
Wir danken dir, Herr, für die Früchte der Erde
und für das Walten deiner Vorsehung.
Lass auch die Früchte deiner Gnade in uns reifen:
die Gerechtigkeit und die Liebe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB: Zum Erntedank
Gott, unser Vater,
alles Gute kommt allein von dir.
Schenke uns deinen Geist,
damit wir erkennen, was recht ist,
und es mit deiner Hilfe auch tun.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 10. Sonntag im Jahreskreis
Dienstag der 1. Woche
MB Die Bittmesse
Gott, unser Vater,
alles Gute kommt allein von dir,
ohne dich vermögen wir nichts.
Erweise allen, die zu dir rufen, deine Liebe.
Halte fern, was uns schadet,
und gewähre, was uns zum Heile dient.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Bittmessen
Gott, unser Vater,
du zeigst uns in deinem Sohn den Weg zum Leben.
Nimm alles von uns, was uns von ihm trennt,
damit wir nie die Gemeinschaft verlieren
mit ihm, unserem Herrn Jesus Christus,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.
WB 26. Sonntag im Jahreskreis B
Gott und Herr,
wir wollen das Gute für uns und dein Volk.
Manchmal geschieht es
und manchmal kommt es zum Gegenteil.
Lass uns in dieser Feier deine Worte aufnehmen
und zum guten Samen werden.
Mach uns offen für die Wahrnehmung der Stolperfallen
und lass uns sie umgehen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. – Amen.
Du, Herr,
vertraust darauf, dass wir unseren Weg mit dir finden.
Dein Auftrag an uns ist es,
diesen dort zu erfüllen,
wo du uns hinstellst.
Wir sollen mit wachen Augen immer wieder neu schauen,
was die Zeit von uns fordert
und getrost unseren Weg gehen –
hier und überall, wohin du uns rufst.
Schenke uns dazu deine Kraft
und die Offenheit der Bereitschaft.
Der du mit uns gehst, heute und alle Zeit. - Amen.
Gott, Du bist mächtig in Deinen Zeichen.
Leg deinen Geist auf dein ganzes Volk.
Wecke uns auf aus Trägheit und Oberflächlichkeit,
und lass uns deine Zeugen sein,
dass die Welt dich erkenne und an den glaube,
den du gesandt hast,
Jesus Christus,
deinen Sohn und unsern Bruder,
der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit.
(Messbuch der Altkatholiken S. 473)
Herr Jesus Christus,
du hast die Menschen gesucht und ihr Leben bereichert.
Tue es auch jetzt, wenn wir dich bitten und zu dir rufen:
Mache das Leben der Menschen reicher.
Sei bei den Menschen, die in den letzten Wochen Opfer der Überschwemmungen wurden.
Sei bei den Menschen, die mit aller Kraft im Wiederaufbau helfen.
Sei bei den Menschen, deren Not uns vor Jahren berührt hat und die nun vergessen sind.
Sei bei den Menschen, die in ein emotionales Loch gefallen sind.
Sei bei den Menschen, die das Gefühl haben »Nichts ist gut«
Sei bei den Menschen, in deren Herzen Traurigkeit lebt.
Sei bei den Menschen, die nichts sehen, wofür sie dankbar sein können.
Herr,
wir glauben, dass du auch heute an den Lebenden wirkst wie an den Verstorbenen, die dich schon von Angesicht zu Angesicht schauen. - Amen.
„Eine offene Kirche für alle“ steht über dem Reformprozess, den Papst Franziskus mit der Weltsynode angestoßen hat. Darüber werden sich Bischöfe, Ordensleute, Theologen und Laien in den kommenden Tagen in Rom austauschen.
Um die Kraft seines Geistes für die Synode lasst uns Gott gemeinsam bitten:
Deine Botschaft ist für alle Menschen bestimmt.
Hilf deiner Kirche, nicht exklusiv und eng zu denken.
Dein Wirken ist immer auch auf Zukunft angelegt.
Hilf uns, festgefahrene Standpunkte zu überwinden und Neues zu wagen.
Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe und das Teilen der gleichen Meinung verleihen oft trügerische Sicherheit.
Hilf uns, auf Andersdenkende zuzugehen und ihre Standpunkte verstehen zu wollen.
Du bist frei in der Zuteilung der verschiedenen Gaben und Charismen.
Hilf uns, dankbar deine Gaben in Verantwortung füreinander zu teilen.
Für unsere Verstorbenen erhoffen wir das ewige Leben in deiner Nähe.
Lass sie mit und durch Christus an deiner Herrlichkeit Anteil haben.
Deinem Geist, der unter uns Menschen und durch Menschen wirken kann, vertrauen wir uns an.
Dir dem dreieinen Gott danken wir und preisen wir dich jetzt und allezeit. - Amen.
70 Menschen reden prophetisch.
Eldad und Medad fallen auf mit dem, was sie sagen.
Und ein namenloser Mensch traut sich, Dämonen, böse Geister zu vertreiben.
Im Namen Jesu.
Wir beten um Rederechte, gutes Hören, Räume ohne Angst.
Herr,
dir erzählen wir heute von den vielen verpassten Gelegenheiten, in der Flut der Worte, die keine Hoffnung zulassen, von deiner Macht zu reden.
Wir reagieren abwartend, vorsichtig und oft auch entmutigt.
Herr, lege deinen Geist auf uns
Dir erzählen wir von den sprachlosen Menschen, die in der Öffentlichkeit verstummt sind,
die keine Lobby haben, für deren Geschichten sich keiner interessiert.
Wir wollen mit ihnen reden und ihnen Worte leihen.
Dir erzählen wir von den Vielrednern, die sich um Kopf und Kragen reden, die alles besser wissen,
die sich mit Widerworten nicht anfreunden können.
Wir suchen Denkpausen und Räume für neue Gedanken.
Dir erzählen wir von den Wahlkämpfen, die mit Hoffnungen und Befürchtungen verbunden sind.
Die Sorge, die Zukunft zu verspielen oder kurzfristigem Profit zu opfern, bewegt viele Menschen.
Wir brauchen einen kritischen Geist, den Dingen auf den Grund zu gehen.
Dir erzählen wir von dem Wind, der deiner Kirche um die Nase weht.
Sie soll Heimat sein für viele Menschen, die Einheit bewahren und doch neu aufbrechen.
Wir wünschen uns offene Ohren und dass wir von Herzen reden dürfen.
Du, Herr, hast den bösen Geistern den Kampf angesagt,
Dämonen vertreibst du und die Botschaft vom Leben schenkst du uns als Evangelium.
Nimm uns in deiner Liebe alle Angst und lass uns in der herrlichen Freiheit deiner Kinder leben.
In Christus, unserem Herrn. – Amen.
Keiner von uns kennt immer die ganze Wahrheit.
Es ist Gottes Geist, der uns Menschen bewegt
und immer wieder zu neuen Wegen aufbrechen lässt.
Ihn lasst uns bitten:
Für alle, die sich als Volk Gottes verstehen,
und für die, die sich außerhalb davon bemühen,
nach deinen Werten zu leben.
Für alle in Politik und Gesellschaft,
die ihrer Verantwortung entsprechend zu handeln versuchen,
und für die, die der Versuchung unterliegen,
die Hilfsbedürftigkeit der Schwachen für eigene Zwecke zu missbrauchen.
Für alle, die auch in chaotischen Situationen ihres Lebens noch einen Sinn finden,
und für die, die sich immer vom Leben betrogen fühlen.
Für uns selbst um die Größe, die Fähigkeiten der anderen in unseren Familien, im Beruf oder in den Vereinen zu sehen und sie zu fördern.
Für alle, von denen wir uns schon durch deren Tod verabschieden mussten.
Denn dein Geist begleitet uns,
wenn uns Sorgen bedrängen und wir mehr Fragen als Antworten haben.
Für seinen Beistand danken wir dir und preisen dich,
den Vater, durch Christus, unseren Erlöser, jetzt und allezeit. - Amen.
Barmherziger Gott,
nimm unsere Gaben an
und öffne uns in dieser Feier
die Quelle, aus der aller Segen strömt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 26. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
nimm die Gaben an, die wir darbringen,
und mache das heilige Opfer in uns wirksam.
Befrei uns von der alten Anhänglichkeit an das Böse
und laß das neue Leben der Gnade in uns wachsen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Montag der Fastenzeit
Herr,
zu deiner Ehre feiern wir dieses Opfer.
Es befreie uns vom Bösen
und helfe uns,
Tag für Tag das neue Leben sichtbar zu machen,
das wir von dir empfangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 14. Sonntag im Jahreskreis
Vater im Himmel,
lege deinen Geist in unser Herz,
damit er uns belebe und heilige
und zu einer wahren Opfergabe mache für dich.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Amen.
MB Auswahl 9
Du, Herr, sagst, wir sollen das Brot brechen.
Und du legst dich in unsere Hände.
Du, Herr, sagst, wir sollten den Kelch teilen.
Und du legst uns dein Leben in den Mund.
Wir danken dir für deine Liebe.
Wenn wir zweifeln, ob du da bist,
schmecken wir dich,
wenn unser eigenes Leben bitter auf der Zunge liegt,
schenkst du uns den Geschmack deines Reiches.
Komm, unser Herr!
Gott unser Vater,
auf dem Altar sehen wir, was gewachsen ist.
Die Gaben sind auch dein Geschenk an uns.
Nimm sie an und schenke sie uns wieder
als Leib und Blut deines Sohnes.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Kehrvers
Dir sei Preis und Dank und Ehre. (GL 670,8)
Guter Gott, wir preisen dich,
weil du immer wieder zeigst,
dass du ein Herz für die Hilflosen und Schwachen hast.
Einst hast du auf das Schreien deines unterdrückten Volkes gehört
und es aus der Sklaverei des Pharao herausgeführt.
Kehrvers
Durch die Propheten hast du immer wieder deine Stimme erhoben
und bist für die Rechte der Armen und Schwachen,
der Fremden oder Heimatlosen, der Witwen und der Waisen eingetreten.
Kehrvers
Jesus, dein Sohn hat den Armen und Ohnmächtigen,
den Hungernden, den Trauernden und Friedfertigen
Mut zugesprochen und sie selig gepriesen.
Die Kinder hat er in seinen Schutz genommen,
und ihr Vertrauen in deine Güte uns zum Vorbild gegeben.
Kehrvers
Mit den Ausgegrenzten und Sündern hat er sich an den Tisch gesetzt
und sie das Reich des Friedens erahnen lassen,
das du uns allen einmal schenken wirst.
Darum stimmen wir ein in den Lobpreis der ganzen Schöpfung
und singen wir mit allen Engeln und Heiligen.
Danklied, z. B. Nun danket alle Gott (GL 405)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben.
Denn du hast die Welt mit all ihren Kräften ins Dasein gerufen
und sie dem Wechsel der Zeit unterworfen.
Den Menschen aber hast du
auf dein Bild hin geschaffen und
ihm das Werk deiner Allmacht übergeben.
Du hast ihn bestimmt,
über die Erde zu herrschen,
dir, seinem Herrn und Schöpfer, zu dienen
und das Lob deiner großen Taten zu verkünden
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten und
mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 5
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
immer und überall zu danken für deine Liebe,
die du uns niemals entzogen hast.
Du hast den Menschen in deiner Güte erschaffen
und ihn, als er der gerechten Strafe verfallen war,
in deiner großen Barmherzigkeit erlöst
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir
das Werk deiner Gnade und singen
mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Wochentage 2
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen deinen heiligen Namen.
Denn jetzt ist die Zeit der Gnade,
jetzt sind die Tage des Heiles.
Du hilfst uns, das Böse zu überwinden,
du schenkst uns von neuem die Reinheit des Herzens.
Du gibst deinen Kindern die Kraft,
in dieser vergänglichen Welt
das unvergängliche Heil zu wirken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir dich
in deiner Kirche und vereinen uns
mit den Engeln und Heiligen zum Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig...
MB Fastenzeit 2
Wer mit Jesus das Gute sucht, kommt zu dem Guten, zu Gott.
Zu ihm beten wir:
Vater unser…
Herr Jesus, als andere in deinem Namen Menschen vom Bösen befreiten, hast du es zugelassen. Wir sehnen uns nach Menschen, die in deinem Namen Wege des Friedens ebnen und gehen.
Darum bitten wir:
Schaue nicht auf unsere Sünden...
Gott segne unsere Schritte,
dass wir aufeinander zugehen
und uns auf den Weg machen.
Segne unsere Sehnsucht,
dass wir im Zuhören
und in der Auseinandersetzung
Weitsicht gewinnen.
Gott segne unsere Schritte,
dass wir Orte entdecken
zum Ausruhen und Kraftschöpfen.
Segne unsere Sehnsucht nach Standfestigkeit,
die Orientierung ermöglicht.
Gott segne unsere Schritte,
dass wir Festigkeit und Sicherheit gewinnen.
Segne unsere Sehnsucht nach lebendiger Zukunft,
dass wir die Zeit des Lebens sinnvoll gestalten.
Gott segne unsere Schritte,
dass wir vertrauensvoll Wagnisse eingehen.
Segne unsere Sehnsucht nach Begegnungen,
die Reibungsflächen zulassen
und Entwicklung fördern.
Gott segne unsere Schritte,
dass wir behutsam gehen.
Segne unsere Sehnsucht,
den Boden, auf dem wir unterwegs sind,
zu gestalten als einen Ort,
wo Himmel und Erde sich berühren.
Allmächtiger Gott,
in der Feier der Eucharistie
haben wir den Tod des Herrn verkündet.
Dieses Sakrament stärke uns an Leib und Seele
und mache uns bereit mit Christus zu leiden,
damit wir auch mit ihm zur Herrlichkeit gelangen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 26. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
schenke uns durch dieses Sakrament die Fülle deines Erbarmens
und mache uns heil.
Gewähre uns deine Hilfe,
damit wir so vor dir leben können, wie es dir gefällt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB
Herr, unser Gott,
das Sakrament, das wir empfangen haben,
sei uns Heilmittel gegen das Böse in unserem Herzen
und Schutz in jeder Gefahr.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Mittwoch der 5. Woche der Fastenzeit
Gütiger Gott,
bewahre dem Volk der Erlösten deine Liebe und Treue.
Das Leiden deines Sohnes hat uns gerettet;
sein Geist, der von dir ausgeht, führe uns den rechten Weg.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Pfingstmontag
MB Freitag in der Osterwoche
Du, Gott, segnest alle Tage.
Die neue Woche nehmen wir aus deiner Hand.
Termine, Arbeiten und Begegnungen warten auf uns.
Vor manchem würden wir gerne fliehen.
Bewahre uns davor,
einander in der Hoffnung zu behindern,
Steine in den Weg zu legen
und Misstrauen zu schüren.
Schenke uns vielmehr den Mut,
prophetisch zu reden,
für Recht und Gerechtigkeit einzutreten,
zu trösten, zu heilen und zu versöhnen.
Schenke uns Worte, die die Welt verwandeln.
In Christus, dem Licht der Welt. – Amen.
Guter Gott,
du rufst uns immer wieder an,
gibst uns Zeichen,
wie wir deinen Weg gehen sollen.
Du schenkst uns den freien Willen, dir zu folgen.
Da wo wir dazu bereit sind,
lässt du deinen Geist auf uns ruhen,
schenkst uns, durch deinen Sohn,
Brot und Wein,
damit wir gestärkt unseren Weg gehen.
Wir bitten dich,
erhalte uns in deiner Liebe
und mache auch uns liebesfähig,
damit wir dem Beispiel Jesu folgen können.
Das erbitten wir durch ihn,
unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Gott, unser Vater,
du willst, dass wir Leben in Fülle haben.
Du stärkst uns durch dein Wort
und durch das Mahl deines Sohnes.
Wir bitten dich:
Dein Geist befreie uns von ängstlicher Sorge.
Christus, den wir empfangen haben,
durchdringe unser Denken, Fühlen und Handeln,
damit wir allezeit deine Zeugen sind
durch ihn, Christus, unsern Herrn.
(Messbuch der Altkatholiken S. 475)
Gott,
am Ende dieses Gottesdienstes danken wir für das,
was uns gestärkt hat,
und für die Worte, die in uns noch nachklingen.
Durch all das holst du uns in deine Nähe,
in der dein Sohn Jesus und der Heilige Geist schon sind. - Amen.
Schenke uns deinen Segen, allmächtiger Vater,
denn wir sind dein Volk.
Hilf uns, das Böse zu meiden
und zu erlangen, was uns zum Heil ist.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes +
und des Heiligen Geistes,
komme auf euch herab und
bleibe bei euch allezeit. - Amen.
MB Segensgebete 5
Gott der Vater,
der Aufbruch und Beheimatung ist,
segne und leite uns. – Amen.
Gottes Sohn,
der uns die Augen für die Menschenliebe Gottes öffnete,
halte uns auf seinem Weg. – Amen.
Gottes Hl. Geist,
der auf uns ruht,
befähige und stärke uns für seinen Dienst. – Amen.
Gottes Segen erfülle euch
und lasse euch die Freiheit seiner Kinder spüren. - Amen.
Gottes Segen erfülle euch
und lasse euch Botinnen und Boten Jesu sein. - Amen.
Gottes Segen erfülle euch
und lasse euch die Nähe des Geistes spüren. - Amen.
So begleite euch der Segen des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes
durch die neue Woche. - Amen.
Sprach der Leib:
Was in mich eingeht
Mir eingeht
Mich aufbaut
An meinem Haus baut
Ist mir freund
Sprach das Land:
Wer in mich eingeht
Mir eingeht
Mich aufbaut
An meinem Haus baut
Ist nicht fremd
Aus: Bernhard Winter, Wie weit ist ein wir? Spuren in die Liebe. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2023.
Aus dem Schweigen lass wachsen den Schrei
Aus dem Schrei lass wachsen den Klang
Aus dem Klang lass wachsen das Staunen
Aus dem Staunen den Dank
Aus dem Dank wird wachsen die Liebe
Aus der Liebe der Samen die Fülle das Wort
Aus: Bernhard Winter, Wie weit ist ein wir? Spuren in die Liebe. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2023.
Moses hat sein Volk durch die Wüste geführt und ist der Vermittler zwischen Gott und dem Volk Israel.
In der Bibelstelle Num 11,25-29 legt Gott seinen Geist nicht auf eine einzelne Person, sondern gießt ihn über viele. Der Geist hilft, Falsches und Unrechtes zu erkennen, aber das bedeutet noch lange nicht die automatische Rettung der Menschen. Vielmehr ist jeder gefragt, selbst aktiv zu werden. Und das gänzlich unabhängig von Geschlecht, Alter, Sozialstatus, sowie ethnischer Herkunft. Auch wenn es uns nicht passt: Der Geist Gottes ist größer als unsere eifersüchtigen Gedanken.
Der Geist wirkt, wo er will, und hält sich nicht an oft engherzige, menschliche Vorstellungen.
Claudia Füssl in: Sonntagsgruß, 99. Jahrgang 2024. 26. Sonntag im Jahreskreis.
Michael, kämpfe für die Ehre Gottes,
Engel des Friedens, banne Krieg und Unheil,
schütze die Kirche, schütze die Erlösten
vor allem Bösen.
Gabriel, künde Gottes Plan und Ratschluss,
Bote des Heiles, lehre uns, zu glauben,
und das Geheimnis, das du offenbartest,
neu zu verkünden.
Rafael, heile Krankheit und Gebrechen,
lindere die Schmerzen, spende Trost und Hilfe,
führe uns Blinde aus der Erde Dunkel
zum Paradiese.
Christus, du Freude aller heil'gen Engel,
Heiland der Menschen, König der Erlösten,
lass uns auf ewig mit den Engeln singen:
Lob dem Dreieinen. Amen.
Aus: Kleines Stundenbuch. Die Gedenktage der Heiligen. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 1984.
Und wohlgemerkt: nicht Gottes, Mose Geist wird verteilt. Der Geist eines Menschen also, der die Stärke hat, etwas aus der Hand zu geben. Der nicht an der Macht und seiner Anerkennung festhält. Und die siebzig Ältesten sind entzückt! Endlich können sie etwas bewirken, werden zum Teil des Geschehens. Sie kommen heraus aus der Rolle des Publikums, das applaudiert oder verwirft. Und genau hier, liebe Gemeinde, ereignet sich Pfingsten. Hier, bereits im Alten Testament, finden wir die Idee unserer Kirche. Weltzugewandt. Vielseitig. Gerade nicht mit dem einen charismatischen Führer, auf den alle schauen. Nein: Siebzig sind im Licht. Siebzig hoch siebzig Mal plural. Und dennoch eine Gemeinschaft. Beseelt von der Vision, die immer jung bleibt, weil sie schon die Alten in sich trugen: „Meinen Frieden gebe ich euch“, so übersetzt Jesus sie im Evangelium der vielen Sprachen. „Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“
Euer Herz erschrecke nicht. Es braucht in dieser Welt so viel mehr Unerschrockenheit, liebe Gemeinde. Und zwar eine, die nicht allein konfrontiert, sondern die auch etwas Nachgiebiges und Herzensnahes hat. Pfingsten singt und summt und sucht die Sprache der Wahrheit - jedoch Wahrheit, die die Liebe kennt! Die Liebe zum Versehrten, dem, was man nicht so gern anschaut. Den eigenen Grenzen, der Scham. Denn einzig die Liebe macht unerschrocken. Lässt einen aus sich heraus kommen. So wie Gott den Mose hat sein lassen, der er war. Und so wie damals in Jerusalem alle so außer sich waren, dass man dachte, sie wären betrunken vom Federweißen. Irrtum. Sie waren trunken vor Gottesnähe. Fühlten Wärme. Verständnis. Freundschaft. Liebe. Ungestüm und unverhofft. Sie haben bis an die Herzhaut gespürt, was das Evangelium sagt: Wo Menschen lieben, nimmt Gottes Geist Wohnung. Wo Menschen sich Sorgen machen umeinander, wo ein Wimpernschlag den anderen heiß rührt, wo sich ein Kind in den Schlaf trösten lässt, wo zwei reden, um wieder zueinander zu finden, wo gekämpft wird für die Würde eines anderen, wo dem Flüchtling Obdach gewährt, dort, wo Menschen im Schweigen miteinander tragen, was keine Wort mehr findet – wo die Liebe wohnt, wohnt auch Gott. Da ist er gegenwärtig. Vater. Sohn und heiliger Geist.
Kirsten Fehrs, Predigt am 19.05.2013 in St Michaelis.
https://www.nordkirche.de/nachrichten/nachrichten-detail/nachricht/19-mai-2013-predigt-ueber-4-mose-11-ia-von-bischoefin-kirsten-fehrs
Du bist nicht, Gott, wo Unrecht geschieht.
Es sei denn auf der Seite der Benachteiligten.
Du bist nicht, Gott,
wo man auf Kosten der anderen lebt.
Es sei denn auf der Seite der Armen.
Du bist nicht, Gott,
so man die Güter des Lebens anhäuft.
Es sei denn auf der Seite der Ausgeschlossenen.
Darum will ich dich suchen in der Gerechtigkeit
und bei den Benachteiligten,
Armen,
Ausgeschlossenen.
Aus: Rotzetter Anton, Gott, der mich atmen lässt. Gebete des Lebens. Verlag Herder, Freiburg i. Br. 1994.

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Numeri erzählt den Aufbruch Israels vom Sinai nach der Gesetzgebung, die neuerliche Wanderung durch die Wüste, bis an die Grenze des Verheißenen Landes.
Das Führungsteam
Der erste Teil des Buches Numeri Num 1,1 - 10,10 setzt sich mit der neuen Ordnung des Gottesvolkes nach der Gesetzgebung auseinander. Danach bricht das Volk unter der Führung des Mose auf, um in das von Gott verheißene Land zu ziehen (Num 10,11ff). Aber schon nach drei Tagen beginnt das Volk wieder zu jammern und sich nach Ägypten zurückzusehnen so wie vor dem Bundesschluß. In dieser Situation wird es dem Mose zuviel und er klagt Gott: "Warum hast du deinen Knecht so schlecht behandelt, und warum habe ich nicht deine Gnade gefunden, daß du mir die Last mit diesem ganzen Volk auferlegst?" (Num 11,11). Die Antwort Gottes sind wieder Wachteln für das Volk und ein Leitungsteam von 70 Ältesten für Mose.
Prophetie und Amt
Die 70 Ältesten empfangen Gottes Geist, und damit werden die zu Richtern und Volksführern Bestimmten zu Propheten. Auch auf die beide Ältesten, die nicht mit den anderen zum Offenbarungszelt hinausgegangen waren, kam der Geist Gottes. Der Geist Gottes nimmt keine Rücksicht auf Ort und Zeit, menschliche Konventionen und fromme Vorstellungen, er wirkt dort, wo sich Menschen von ihm berühren lassen, auch mitten im Alltag. Als es darüber zur Diskussion kommt, vertritt Mose eine neue Sicht der Berufung des Volkes Israel: Alle sollen Gottes Geist empfangen. Das Gesetz allein bringt das Volk nicht zum Halten der Gebote, wie Israel gerade erst bewiesen hat, sondern das Gesetz muß im Herz des Menschen, in seiner Personsmitte verankert sein. Der Prophet Ezechiel formuliert diese Notwendigkeit einige Jahrhunderte später so:
Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch.
Ich lege meinen Geist in euch und bewirke, daß ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Gebote achtet und sie erfüllt. (Ez 36,26-27)
Der Apostel Petrus sieht diesen Wunsch Mose, dessen Realisierung später auch als Zeichen für die messianische Endzeit galt, im Pfingstereignis erfüllt (Apg 2,16ff).