Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch der Weisheit.
Die Frevler tauschen ihre verkehrten Gedanken aus
und sagen:
Lasst uns dem Gerechten auflauern!
Er ist uns unbequem und steht unserem Tun im Weg.
Er wirft uns Vergehen gegen das Gesetz vor
und beschuldigt uns des Verrats an unserer Erziehung.
Wir wollen sehen, ob seine Worte wahr sind,
und prüfen, wie es mit ihm ausgeht.
Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes,
dann nimmt sich Gott seiner an
und entreißt ihn der Hand seiner Gegner.
Durch Erniedrigung und Folter wollen wir ihn prüfen,
um seinen Gleichmut kennenzulernen
und seine Widerstandskraft auf die Probe zu stellen.
Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen;
er behauptet ja, es werde ihm Hilfe gewährt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch der Weisheit.
Die Frevler tauschen ihre verkehrten Gedanken aus
und sagen:
Kurz und traurig ist unser Leben;
für das Ende des Menschen gibt es keine Heilung
und man kennt keinen,
der aus der Unterwelt befreit.
Durch Zufall sind wir geworden
und danach werden wir sein,
als wären wir nie gewesen.
Rauch ist der Atem in unserer Nase
und das Denken ein Funke beim Schlag unseres Herzens;
verlöscht er, dann zerfällt der Leib zu Asche
und der Geist verweht wie dünne Luft.
Unser Name wird mit der Zeit vergessen,
niemand erinnert sich unserer Werke.
Unser Leben geht vorüber wie die Spur einer Wolke
und löst sich auf wie ein Nebel,
der von den Strahlen der Sonne verscheucht
und von ihrer Wärme zu Boden gedrückt wird.
Unsere Zeit geht vorüber wie ein Schatten,
unser Ende wiederholt sich nicht;
es ist versiegelt und keiner kommt zurück.
Auf, lasst uns die Güter des Lebens genießen
und die Schöpfung auskosten,
wie es der Jugend zusteht!
Erlesener Wein und Salböl sollen uns reichlich fließen,
keine Blume des Frühlings darf uns entgehen.
Bekränzen wir uns mit Rosen, ehe sie verwelken.
Keine Wiese bleibe unberührt von unserem Treiben,
überall wollen wir Zeichen der Fröhlichkeit zurücklassen;
denn dies ist unser Anteil und dies das Erbe.
Lasst uns den Gerechten unterdrücken,
der in Armut lebt,
die Witwe nicht schonen
und das graue Haar des betagten Greises nicht scheuen!
Unsere Stärke soll bestimmen, was Gerechtigkeit ist;
denn das Schwache erweist sich als unnütz.
Lasst uns dem Gerechten auflauern!
Er ist uns unbequem und steht unserem Tun im Weg.
Er wirft uns Vergehen gegen das Gesetz vor
und beschuldigt uns des Verrats an unserer Erziehung.
Er rühmt sich, die Erkenntnis Gottes zu besitzen,
und nennt sich einen Knecht des Herrn.
Er ist unserer Gesinnung ein Vorwurf,
schon sein Anblick ist uns lästig;
denn er führt ein Leben,
das dem der andern nicht gleicht,
und seine Wege sind grundverschieden.
Als falsche Münze gelten wir ihm;
von unseren Wegen hält er sich fern wie von Unrat.
Das Ende der Gerechten preist er glücklich
und prahlt, Gott sei sein Vater.
Wir wollen sehen, ob seine Worte wahr sind,
und prüfen, wie es mit ihm ausgeht.
Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes,
dann nimmt sich Gott seiner an
und entreißt ihn der Hand seiner Gegner.
Durch Erniedrigung und Folter wollen wir ihn prüfen,
um seinen Gleichmut kennenzulernen
und seine Widerstandskraft auf die Probe zu stellen.
Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen;
er behauptet ja, es werde ihm Hilfe gewährt.
Kv: Gott ist mir Helfer,
der Herr ist unter denen, die mein Leben stützen. – Kv
Oder: GL 431
Gott, durch deinen Namen rette mich, *
verschaff mir Recht mit deiner Kraft!
Gott, höre mein Bittgebet, *
vernimm die Worte meines Mundes! – (Kv)
Denn fremde Menschen standen auf gegen mich, /
Gewalttätige trachteten mir nach dem Leben, *
sie stellten sich Gott nicht vor Augen.
Siehe, Gott ist mir Helfer, *
der Herr ist unter denen, die mein Leben stützen. – (Kv)
Bereitwillig will ich dir opfern, *
will deinem Namen danken, Herr, denn er ist gut.
Denn er hat mich herausgerissen aus all meiner Not, *
mein Auge schaut herab auf meine Feinde. – Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Jakobusbrief.
Schwestern und Brüder!
Wo Eifersucht und Streit herrschen,
da gibt es Unordnung und böse Taten jeder Art.
Doch die Weisheit von oben
ist erstens heilig,
sodann friedfertig, freundlich, gehorsam,
reich an Erbarmen und guten Früchten,
sie ist unparteiisch, sie heuchelt nicht.
Die Frucht der Gerechtigkeit
wird in Frieden für die gesät,
die Frieden schaffen.
Woher kommen Kriege bei euch,
woher Streitigkeiten?
Etwa nicht von den Leidenschaften, die in euren Gliedern streiten?
Ihr begehrt
und erhaltet doch nichts.
Ihr mordet und seid eifersüchtig
und könnt dennoch nichts erreichen.
Ihr streitet und führt Krieg.
Ihr erhaltet nichts, weil ihr nicht bittet.
Ihr bittet und empfangt doch nichts,
weil ihr in böser Absicht bittet,
um es in euren Leidenschaften zu verschwenden.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Halleluja. Halleluja.
Durch das Evangelium hat Gott uns berufen
zur Herrlichkeit Jesu Christi, unseres Herrn.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit
zogen Jesus und seine Jünger durch Galiläa.
Jesus wollte aber nicht, dass jemand davon erfuhr;
denn er belehrte seine Jünger
und sagte zu ihnen:
Der Menschensohn
wird in die Hände von Menschen ausgeliefert
und sie werden ihn töten;
doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen.
Aber sie verstanden das Wort nicht,
fürchteten sich jedoch, ihn zu fragen.
Sie kamen nach Kafárnaum.
Als er dann im Haus war,
fragte er sie:
Worüber habt ihr auf dem Weg gesprochen?
Sie schwiegen,
denn sie hatten auf dem Weg miteinander darüber gesprochen,
wer der Größte sei.
Da setzte er sich,
rief die Zwölf
und sagte zu ihnen: Wer der Erste sein will,
soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.
Und er stellte ein Kind in ihre Mitte,
nahm es in seine Arme
und sagte zu ihnen:
Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt,
der nimmt mich auf;
und wer mich aufnimmt,
der nimmt nicht nur mich auf,
sondern den, der mich gesandt hat.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Dieser Abschnitt aus dem Mk-Evangelium zeigt, dass es bereits dem Ende zugeht. Der Tod Jesu rückt näher ins Blickfeld. Wir hören bereits die 2. Leidensankündigung (9,30-32). Der Weg nach Jerusalem hat für Jesus längst begonnen.
Im zweiten Teil (9,33-37) gibt Jesus den Jüngern entscheidende Hinweise für ein Leben in der Nachfolge. Doch begreifen die Jünger wieder einmal die Dringlichkeit dieser letzten Weisungen Jesu noch nicht. Jesus erteilt den Jüngern eine Lehre und beantwortet ihre unausgesprochene Frage. Dabei stellt er ein Kind in die Mitte. Es folgen viermal dasselbe Wort vom Aufnehmen im Vers 37. Eine der vier Bedeutungen meint, jemanden gastlich (ins Haus) aufnehmen. Eine freie Deutung wäre demnach: Wer ein Kind um Christi Willen aufnimmt, bei dem ist Gott zu Gast, bei dem nimmt Gott Wohnung.
Unübersehbar steht das Evangelium im großen Zusammenhang mit Mk 10,15: "Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen."
Erster bzw. Erste zu werden, gilt als die große Triebfeder in allen Bereichen der Gesellschaft. Davon geht große Motivationskraft aus – auch in der Kirche. Das war zu allen Zeiten so und auch unter den Jüngern Jesu nicht anders. Jesus stellte diesem Denken ein Kind gegenüber. Er stellte es in die Mitte. - Wie ist das nun, wenn alle zu Kindern Gottes werden?
Die Jünger haben ausnahmsweise jetzt keine Namen. Wir wissen nicht, wer redet, wer was redet. Das macht es schwer, ihnen auf die Schliche zu kommen. Immerhin: sie reden darüber, wer von ihnen der „größte“ sei? Der größte – was? Der größte Jünger? Der größte Hoffnungsträger? Der größte Kluge?
Ich ahne, was die Jünger umtreibt: ihre Rangordnung, ihre Hierarchisierung! Gibt es einen großen Jünger, gar den größten, muss es wohl auch einen kleinen Jünger geben, gar den kleinsten. Wäre doch gelacht, wenn es bei den Jüngern anders wäre als auch sonst im Leben von Menschen, die groß sein wollen und dann auch noch eine gewisse Kunstfertigkeit haben, andere klein zu machen – ohne dass die das merken. Hat es denn im Jüngerkreis keinen Streit gegeben? Der Evangelist schweigt. Vielleicht, weil die Jünger doch nur große Kinder sind? Große Kinder!
Dass Menschen groß sein wollen, groß werden wollen – wir wissen das. Wir wissen auch, dass es schlecht ist, sich klein zu machen oder klein machen zu lassen. Nach den Sternen zu greifen, hat Menschen immer schon bewegt. Gelegentlich auch in endlose Weiten geführt.
Der Wunsch der Jünger, groß zu sein – oder größer – steht in einem merkwürdigen Zusammenhang: Sie möchten - sozusagen als Minister im Kabinett Jesu - an seiner Weltherrschaft beteiligt werden. Da ist es dann nicht einmal unwichtig, die richtige Hierarchie zu haben: wer ist näher dran an Jesus? Wer sein Sprachrohr? Wer sein Vertrauter?
Zwischen den Zeilen kommt heraus, dass die Jünger herrschaftliche Ambitionen hegen. Endzeitlichen Glanz! Reich Gottes! Reich Gottes gegen die Reiche dieser Welt. Reich Gottes über den Reichen dieser Welt. Reich Gottes mit uns. Darf ich das so sagen? Fischer im Allmachtswahn. Einem Historiker läuft da das Wasser im Mund zusammen. Oder ein Schauer über dem Rücken. Wie klein die Jünger Jesu dabei denken – und sich selbst klein machen: Zwölf Jünger sind schon zu viel. Wenn es um den Platz rechts und links von Jesus geht. Direkt neben ihm. Dass die Jünger alle gleich seien – ich muss lächeln. Ist schon recht, dass der Evangelist keine Namen nennt. Die Geschichte ist peinlich, nicht heilig.
Mit Hierarchien, Rang- und Sitzordnungen haben wir es auch bei uns zu tun. Organigramme stellen dar, welche Abteilungen – und Menschen - oben sind und unten. Das kann auch nicht umgedreht werden. Die Spielregeln sind klar. Mehr oder weniger freiwillig ordnen sich Menschen in dieser Welt mit ihren Kästchen ein – und unter. Der Streit, wer größer ist, bedeutender, erfolgreicher, lässt sich nur nicht in Kästchen bannen. Die Frage Jesu steht im Raum: Worüber habt ihr auf dem Weg gesprochen?
Was die Jünger wirklich gedacht haben? Wir wissen es nicht. Indizien deuten darauf hin, dass sie tatsächlich davon geträumt haben, dass das Reich Gottes jetzt kommt. Mit Jesus. Hätten sie nur zugehört!
„Der Menschensohn
wird in die Hände von Menschen ausgeliefert
und sie werden ihn töten;
doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen.“
Von Herrschaft, von Mitherrschaft – kein Wort. Vom Leiden redet Jesus. Davon, Menschen ausgeliefert zu werden. Davon, am Kreuz zu sterben. Von diesen Leidensankündigungen gibt es mehrere aus dem Munde Jesu. Er wird für Menschen sterben.
Die Jünger verstehen nicht. Sie fragen aber auch nicht. Sie bleiben unter sich. Große Kinder!
Die Frage nach der Macht, nach Rang- und Sitzordnungen zerreißt auch die Kirche. Bis heute. Rechts und links von Jesus, ihm ganz nahe – und dann in seinem Namen reden. Es gibt sogar Weihestufen. Wohl geordnet ist, was „oben“ ist und was „unten“. Es gibt Geistliche und Laien. Und auch die Geistlichen sind nicht gleich. Es gibt solche – und solche … oben und unten… - Wie sich doch die Geschichten gleichen!
Worüber habt ihr auf dem Weg gesprochen? In euren Sitzungen? In euren Zirkeln? Wir spüren an vielen Stellen den schalen Geschmack und die Bitterkeit im Schweigen. Wir verstehen nicht. Wir fragen aber auch nicht. Wir bleiben unter uns. Große Kinder.
Und Jesus stellte ein Kind in ihre Mitte,
nahm es in seine Arme
und sagte zu ihnen:
Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt,
der nimmt mich auf;
und wer mich aufnimmt,
der nimmt nicht nur mich auf,
sondern den, der mich gesandt hat.
Diese Szene ist die Krönung! Ein Kind in der Mitte. In der Mitte heißt: wir drumherum. Und nicht einmal mehr zufällig: alle gleich. Es gibt keine Rangordnung, kein „vorne“, kein „hinten“, kein „näher“, kein „ferner“, kein „zuerst“, kein „später“. In der Mitte heißt: in der Mitte! Wir bekommen ein Zentrum – ein Zentrum zu sehen und zu bestaunen!
Das Kind steht im Evangelium auch an anderen Stellen für die Kleinen, Geringen, für die, die nichts zu sagen haben – aber auch für die, die unbelastet von allem gerade erst anfangen, mit Staunen die Welt entdecken, ihren Platz erst finden müssen. Wo Jesus das Kind aufgegabelt hat, erzählt Markus, der uns diese Geschichte überliefert, nicht. Es gibt viele Kinder. Auch viele große Kinder. Mit Bart und mit Buckel, mit Kopftuch und ohne. Viele Menschen, die nicht gesehen werden, die im Kampf der Großen und Mächtigen einfach untergehen, die keine Zukunft haben. Wenn Kinder Häuser fallen sehen, Leichen auf den Straßen, Trauerszene an Trauerszene … was nehmen sie mit? Was werden sie denken?
Jesus kann mit wenigen Worten die Dinge zurechtrücken und das Wichtige vom Unwichtigen trennen: "Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf."
Was groß ist, was Größe ausmacht, was größer werden kann: das ist die Liebe, um die wir uns gruppieren. Ihn, Jesus, in unserer Mitte – aber mit den Augen und den Hoffnungen eines Kindes.
Dass wir dabei Gott aufnehmen, ist an Größe nicht mehr zu überbieten. Aber das andere ist dann auch wahr: Wir können Gott verlieren. Er kann – mitten unter uns – einfach verschwinden.
So ganz nebenbei sind auch unsere Rangordnungen geklärt – und ihres Mythos beraubt. In meinem Kopf, in meinem Herzen darf diese Szene heimisch sein:
Und Jesus stellte ein Kind in ihre Mitte,
nahm es in seine Arme…
Das möchte ich verstehen! Danach möchte ich fragen! Ich möchte nicht, dass wir unter uns bleiben. Kinder Gottes! Ihnen ist eine herrliche Freiheit verheißen!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Der Jakobusbrief zeichnet sich durch sehr konkrete Anregungen für einen konstruktiven und aufbauenden Umgang miteinander aus. Diese sind auch für unseren Umgang miteinander in unseren Gemeinden und in der Gesellschaft auch heute noch hilfreich.
„Es ist unmöglich, die Menschen zu kennen, ohne die Macht der Worte zu kennen“ heißt es in einem Sigmund Freud zugeschriebenen Zitat. Was der große österreichische Psychoanalytiker hier festhält, daran erinnert schon das dritte Kapitel des Jakobusbriefes sehr eindrücklich: an die Macht der Sprache, an die Macht „richtiger“ und „falscher“ Kommunikation - was auch immer diese Zuschreibungen im Anlassfall bedeuten mögen. Wie verständigen wir uns? Wie wenden wir uns einander zu? Und können wir an dieser Stelle von Jesus und der Bibel lernen?
Jakobus beschreibt gleich zu Beginn des Abschnitts - sehr bildhaft - die Zunge als klein, aber mit ungeheurem Einfluss. Sie besitzt die Fähigkeit, gleich einem Feuer einen Brand zu stiften. Wir alle wissen: Unsere Worte können sowohl Segen als auch Fluch sein, sie können aufbauen oder zerstören, trösten oder das sprichwörtliche „Öl ins Feuer gießen“. Jakobus mahnt uns zur Vorsicht und vor allem zur Verantwortung im Umgang mit unserer Sprache. Seine klare Ansage: Worte sind nicht nur willkürliche Äußerungen, sondern haben tiefe Wirkung, sowohl auf uns selbst als auch auf unsere Mitmenschen.
Im Alltag sind wir uns des Einflusses negativer Sprache oft nicht bewusst: murren, meckern, maulen… Damit verbreiten wir nicht selten eine Atmosphäre der Abfälligkeit und des Misstrauens, oft ohne böse Hintergedanken, sondern einfach, um unserer eigenen Unzufriedenheit Luft zu machen.
Jakobus fordert uns auf, unsere Sprache auf eine Weise einzusetzen, die ein Umfeld der Zugewandtheit schafft, zu Gott und unseren Mitmenschen.
Schon der griechische Philosoph Sokrates leistet Orientierungshilfe. Bevor wir sprechen, sollten wir unsere Worte durch 3 Siebe laufen lassen und uns folgende Fragen stellen: Sind unsere Worte wahr, sind sie gut und sind sie notwendig? Wenn wir diese Prinzipien in unseren Alltag integrieren, können unsere Worte zu positiven Werkzeugen werden.
Wichtig ist, meinem Umfeld in einer Sprache des Respekts zu begegnen. Jesus ermutigt zum Dialog, sich unabhängig vom sozialen Status auf einen Dialog einzulassen, Fragen zu stellen, und so eine echte Verbindung zu den Menschen zu schaffen. Im Falle einer Kritik ist sie besser nachzuvollziehen, wenn klar ist, was vom Gegenüber erwartet wird. Jesus eröffnet z.B. in seiner Sprache immer wieder Gelegenheit zu Veränderung und persönlichem Wachstum. Scheitern bedeutet nicht das Ende, sondern den Beginn von etwas Neuem. Beim letzten Abendmahl sagte er zu Petrus: „Wenn du später umgekehrt und zu mir zurückgekommen bist, dann stärke deine Brüder“ (Lk 22,32).
Jakobus spricht aber nicht nur von der Macht der Sprache, sondern auch von so genannter „echter Weisheit“, die für ihn den Gegensatz zur zerstörerischen Kraft des Streits bildet. Wo boshafte Uneinigkeit herrscht, bleibt kein Platz für Liebe und Harmonie und damit auch kein Platz für Glück und Wohlstand. Der Friede in einer Gemeinschaft ist dahin.
Wir alle haben selbst schon verheerende Auswirkungen von Streit in Familien, Nachbarschaften oder Gemeinden erlebt. Wo ein Streit nicht beigelegt wird, ist kein Fortschritt im Miteinander zu erwarten. Für Jakobus kann nur „echte Weisheit“ eine Umkehr bringen. Dabei geht es nicht so sehr um „Wissen“, sondern vor allem um die Art und Weise, wie wir unser alltägliches Leben gestalten, besonders im Verhalten und der Kommunikation unserem Umfeld gegenüber. „Echte Weisheit“ bedeutet, mit seinen Mitmenschen nicht stolz, arrogant oder „von oben herab“ umzugehen.
Jakobus fordert uns auf, uns von falscher Weisheit zu distanzieren, die sich in Fanatismus, Schärfe oder Neid zeigt. „Echte Weisheit" hat mit Liebe zu tun und bedeutet die Fähigkeit zu hören und zu lernen statt andere zu belehren. Wahre Weisheit ist friedfertig und gütig. Menschen, die trotz ihrer Klugheit und ihres scharfen Verstandes immer wieder Unruhe stiften, handeln nicht im Geiste Gottes und nicht im Sinne der Gemeinschaft.
Bemühen wir uns also, diese „echte Weisheit" zu finden und zu leben: Sanftmut, Demut und Liebe statt Stolz, Arroganz und Neid. So sollte konstruktive Kommunikation und aufbauender Umgang miteinander sein. Unsere Worte und Taten sollten dazu dienen, ein gutes Miteinander zu fördern und Gemeinschaft zu stärken, indem wir bewusst positive Sprache nutzen, um zu Einheit und Zugewandtheit beizutragen.
© Eva Bauernfeind-Schimek, Referentin im FB Gesellschaft und Soziales, Diözese Linz.
Als Christen haben wir oft eine gewisse Scheu zu streiten. Wenn wir dann streiten, meinen wir oft, wir müssten um Grundsätzliches umso heftiger streiten. Wie kommen wir bei unterschiedlichen Vorstellungen zu guten gemeinsamen Lösungen? Wir dürfen dabei unsere gemeinsame Sendung (Mission) nicht aus den Augen verlieren.
„Auch unter Christen/ innen kann es schon einmal Streit geben!“ Ich erinnere mich, wie mir einmal mein Heimatpfarrer gesagt hat: Streit ist auch normal. Denn wir Menschen sind nun einmal verschieden. Wir haben unterschiedliche Lebenserfahrungen. Es ist auch für die Kirche gut, wenn um das und jenes gestritten wird.
Papst Franziskus hat vor ein paar Tagen eine Synode der Weltkirche angekündigt. Dabei geht es um Fragen, wie das Leben der Kirche in der Zukunft zu gestalten sei. Ich kann mir gut vorstellen, dass es harte Diskussionen geben wird. Sogenannte konservative und progressive Christ*innen werden aufeinanderprallen. Da gibt es die einen, die längst das Priestertum auch für Frauen fordern. Da gibt es die anderen, die das nicht wünschen. Anhängerinnen der Bewegung Maria 2.0. und Maria 1.0. sitzen einander gegenüber.
Da ist wünschenswert, dass Menschen aufeinander hören, einander zu verstehen suchen. Am fairsten kann ein Streit geführt werden, wenn ich im Gegenüber einen Bruder und eine Schwester sehe, die wie ich nach Wahrheit sucht. Ich gehe davon aus, dass es auch ihnen wichtig ist, dass die Kirche und der Glaube einen guten Weg in die Zukunft finden. Der Jakobusbrief lässt grüßen. „Die Weisheit ist erstens heilig, sodann friedlich, freundlich, gehorsam, voll Erbarmen und reich an guten Früchten.“ Friede schafft Gerechtigkeit. Die gegenseitige Achtung vor dem anderen muss wichtig sein.
Doch leider, ja leider, so muss man sagen, wird eben nicht immer fair gestritten. Auch unter uns Christ*innen, die wir Jesus nachfolgen, gibt es Eifersüchteleien. Auch unter uns gibt es den Ehrgeiz, dass wir als Einzelne oder als bestimmte Gruppe den besseren Weg kennen. Der Brief des Jakobus, die zweite Lesung, lässt grüßen. Wir dürfen uns da nichts vormachen. Es geht auch bei uns, sei es in einer Pfarrgemeinde, sei es in einem Orden, ja auch unter Priestern um diese Fragen: „Wer ist der bessere Christ? Wer kann am meisten? Wer kann die Jugend besser ansprechen? Wer kommt bei den Menschen besser an?
Das Evangelium lässt grüßen. Schon die Apostel hatten nichts anderes zu tun als darüber zu diskutieren, wer von ihnen der Größte sei. Das zeigt, dass sie Jesus noch lange nicht verstanden hatten. Eifersüchteleien und Streit in der Kirche zeigen, dass auch wir weit entfernt sind von dem, was Jesus will, und ihn oft genug nicht verstanden haben. Solange wir nach Macht, nach Einfluss gieren, solange wir besser sein wollen, entstehen Streitigkeiten, die uns als Kirche nicht weiterbringen, sondern mehr zerstören als aufbauen. Ich vermute, die meisten haben erlebt, dass manche Streitigkeiten unnötig sind. Beim Streiten ist immer entscheidend, wie ich streite.
Es gibt noch eine andere Frage. Welchen Auftrag hat die Kirche als Gemeinschaft aller, die an Jesus glauben? Die Kirche hat doch zuerst Jesu Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden. Sie hat Zeuge zu sein für die Liebe Gottes, besonders zu den Armen und schwachen Menschen. Jesus stellt ein Kind in die Mitte und sagt: „Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, nimmt mich auf...“. Ein Kind ist der Inbegriff eines schutzbedürftigen Menschen. Ein Kind symbolisiert die Armen, die auf Hilfe angewiesen sind. Es steht für Menschen, die nichts leisten können, nichts vorzuweisen haben. Darum müssen wir gerade als Nachfolger Jesu gerade diese Menschen beachten. Vergesst die Armen nicht!
Wenn ich Forderungen an die Kirche stellen, dann stelle ich sie zu gleich an mich selber. Denn ich bin durch meine Taufe und Firmung - als Priester auch noch durch die Weihe - ein Glied der Kirche und ich repräsentiere dies Kirche und auch den Glauben. Jesus spricht mich mit seinen Worten immer persönlich an.
Wenn ich mir klarmache, dass Jesus von seinem Leiden und seinem Sterben spricht, dann muss ich als Christ bereit sein, Leiden und Verfolgung auf mich zu nehmen. In vielen Ländern ist die Kirche verfolgt, ist die Kirche arm. Wenn die Kirchen in diesen Ländern einmal unsere Sorgen hätten, wären sie froh.
Die Kirche muss sich – vor allem bei uns – auf den Weg machen, den Glauben und die Liebe zu Jesus neu zu beleben. Es ist viel Bereitschaft nötig, aufeinander zuzugehen, aufeinander zu hören. Doch eines will Jesus auch nicht. Jesus will keinen faulen Frieden, keine falsche Harmonie, in dem wir Fragen unter den Teppich kehren, Jesus will keine Harmonie, bei der es Gewinner und Verlierer gibt. Lösungen verschiedener Fragen müssen im gemeinsamen Suchen und Ringen und nicht zuletzt im gemeinsamen Gebet gefunden werden. Es darf Streit geben. Wir werden noch viele Auseinandersetzungen führen müssen. Fragen wir uns aber immer wieder: Was will Jesus? Und: Wofür lohnt es sich zu streiten? Beten wir um die Führung des Heiligen Geistes, wo immer in der Kirche gestritten wird.
Papst Franziskus hat bei seinem Amtsantritt einige Signale gesetzt, die erwarten ließen, das er neue Wege geht. Jeus hat Signale gesetzt, die auf Gott hinwiesen. Er führt seine Jünger einen Weg, der nicht leicht ist. Das Kind, das er in die Mitte stellt ist ein Signal für die Wertschätzung der Einfachen und Geringen. Wir sind eingeladen, in Jesu Fußstapfen zu treten.
Ein menschlicher Urinstinkt treibt uns an, zu den Ersten zu gehören, der Größte und der Beste zu sein. Jesus stellt uns ein Gegenkonzept vor. Liebe dient dem anderen, will den anderen groß machen und freut sich daran.
In der Lesung aus dem Buch der Weisheit stehen der Frevler und der Gerechte einander gegenüber. Der Weg zu Friede und Gerechtigkeit ist jedoch nicht immer so eindeutig vorgezeichnet. Die jüngste Enzyklika Papst Franziskus' Laudato Si' zeigt Wege auf, wie wir zu Frieden und Gerechtigkeit gelangen können.
Als Jesus seine Jünger dabei ertappt, dass sie darüber spekulieren, wer von ihnen denn der größte sei – stellt er ein Kind in die Mitte…
In einem Kinderlied heißt es – mit den entsprechenden Bewegungen natürlich:
„Gottes Liebe ist so wunderbar,
Gottes Liebe ist so wunderbar,
so wunderbar groß.
So hoch, was kann höher sein,
so tief, was kann tiefer sein,
so weit, was kann weiter sein?
So wunderbar groß“
Heben wir doch einmal die Arme hoch, beugen wir sie zur Erde, umarmen wir mit ihnen – unsere Banknachbarn. So wunderbar groß…
Als einzelne Christen und Christinnen wie auch als Gemeinschaft sind wir zeitlebens unterwegs. Wir brauchen ein Leben lang, um zu lernen und zu begreifen, was es wirklich heißt, in der Nachfolge von Jesus zu leben. Dabei gibt es auch Streit und Eifersucht.
Grüßen wir Jesus, der uns vorausging, in unserer Mitte. Bitten wir um sein Erbarmen, wo unser Leben und Denken unvollkommen ist.
Herr Jesus Christus,
du bist uns vorausgegangen im Leiden und Sterben.
Wo wir einem Zeugnis für dich ausweichen, rufen wir:
Herr, erbarme dich unser.
Herr Jesus Christus,
wer der Erste sein will, soll Diener aller sein.
Wo es Eifersucht unter uns gibt, rufen wir:
Christus, erbarme dich unser.
Herr Jesus Christus,
wer ein Kind aufnimmt, nimmt dich auf.
Wo Mitmenschen nach Rang und Ordnung, nach Besitz und Leistung ansehen, rufen wir:
Herr, erbarme dich unser.
Herr,
wir sind im Bann von allem, was groß ist und groß daher kommt.
Das Kleine und Geringe geht oft bei uns unter.
Herr, erbarme dich.
Christus,
klein bist du geworden, klein hast du dich gemacht.
Du hebst uns auf, du machst uns groß.
Christus, erbarme dich.
Herr,
wir kämpfen um unser Ansehen, um unsere Stellung.
Dabei verrutschen uns Perspektiven und Prioritäten.
Herr, erbarme dich.
Siehe, Gott ist mir Helfer, *
der Herr ist unter denen, die mein Leben stützen
(Ps. 54)
Ehre sei Gott in der Höhe…
Herr, Jesus Christus,
du bist zu den Menschen gegangen,
um ihnen das Wort des Vaters zu künden.
Herr, erbarme dich.
Du bist nicht davor zurückgeschreckt,
dass dein Weg eine Herausforderung bis in den Tod ist.
Christus, erbarme dich.
Du hast zu denen, die dich nicht verstehen konnten,
in Bildern gesprochen.
Herr, erbarme dich.
Heiliger Gott,
du hast uns das Gebot der Liebe
zu dir und zu unserem Nächsten aufgetragen
als die Erfüllung des ganzen Gesetzes.
Gib uns die Kraft,
dieses Gebot treu zu befolgen,
damit wir das ewige Leben erlangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 25. Sonntag im Jahreskreis
Gott, unser Vater,
du hast uns durch deinen Sohn erlöst
und als deine geliebten Kinder angenommen.
Sieh voll Güte auf alle, die an Christus glauben,
und schenke ihnen die wahre Freiheit
und das ewige Erbe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 5. Sonntag der Osterzeit
MB 23. Sonntag im Jahreskreis
Gott.
In Jesus von Nazareth hast du der Welt
den neuen Menschen gegeben.
Wir danken dir,
dass wir ihn kennen dürfen;
dass sein Wort und Beispiel
in dieser Stunde unter uns lebendig werden.
Öffne uns für seine Gegenwart.
Rühre uns an mit seinem Geist.
Mach durch ihn auch uns zu neuen Menschen.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 29
Gott,
du hast deinen Sohn in die Welt gesandt
als Diener aller.
In ihm schenkst du uns deine Gegenwart.
Gib, dass wir sein Wort verstehen
und seinem Beispiel folgen.
Darum bitten wir durch ihn,
Jesus Christus, unseren Herrn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.
WB 25. Sonntag im Jahreskreis B
An diesem Morgen / Abend,
singen wir dir, Gott, unser Lob,
wir preisen dich für deine Treue.
Sie ist jeden Tag neu.
Von Menschen sind wir oft enttäuscht.
Wir fühlen uns nicht verstanden.
Von uns sind wir auch oft enttäuscht.
Wir hadern mit uns.
Stecke uns mit deinem Geist an,
öffne uns dein Wort,
lass uns dein Licht leuchten.
In der großen Freiheit deiner Kinder lass uns leben
in Christus, deinem Sohn, unserem Bruder,
verbunden in dem Geist,
der alle Dinge erneuert.
Herr Jesus Christus,
oft geht es sehr menschlich zu bei uns,
in den Familien,
in den Gemeinden,
in den Orden.
Dein Wort erfülle uns mit dem Geist,
einander zu dienen und zu lieben und zu versöhnen.
Amen.
Gott,
in der Geburt deines Sohnes
hast du die Größe deiner Liebe
klein und menschlich werden lassen.
Ihn hast du zum Diener aller gemacht,
damit wir ein Beispiel deiner Liebe erfahren.
Hilf uns, dass wir diesem Weg folgen können,
mache uns offen für Jesu Botschaft und für seine Nachfolge.
Im Evangelium stoßen wir auf die großen Fragen, was groß ist, was uns groß macht.
Darum beten wir:
Herr, wir denken an Menschen, die an Ansprüchen scheitern, die keinen klaren Blick mehr auf ihr Leben haben, die im alltäglichen Kleinkrieg untergehen.
Wir rufen zu dir: Reiße uns heraus aus aller unserer Not.
Herr, wir denken an Menschen, die über Leichen gehen, die keine Achtung haben vor anderen Menschen,
denen nichts heilig ist.
Herr, wir denken an Menschen, die falsche Informationen lieben, die Verschwörungstheorien verbreiten,
die Wahrheit nach Gutdünken formen.
Herr, wir denken an Menschen, die auf der Flucht sind, die von Krieg und Terror klein gemacht werden,
die nicht wissen, wo sie leben können.
Herr, wir denken an Kinder, die mit offenen Augen ins Leben starten,die auf Hass stoßen und auf Angst,
die missbraucht werden als Kindersoldaten und Schutzschilde.
„Wo Eifersucht und Streit herrschen,
da gibt es Unordnung und böse Taten jeder Art.
Doch die Weisheit von oben
ist erstens heilig,
sodann friedfertig, freundlich, gehorsam,
reich an Erbarmen und guten Früchten,
sie ist unparteiisch, sie heuchelt nicht.
Die Frucht der Gerechtigkeit
wird in Frieden für die gesät,
die Frieden schaffen.“
(Jak 3,16-18)
Jesus hat sich für uns alle in Dienst nehmen lassen. Dadurch wurde unsere Erlösung und Versöhnung mit Gott möglich.
Durch ihn lasst uns den Vater bitten:
Für eine Kirche, in der es weniger um oben und unten, um Mit– und Gegeneinander, sondern um mehr Füreinander und den gemeinsamen Dienst an Jesu Botschaft geht.
Für alle Menschen, die in diesen letzten Tagen von Hochwasser- und Sturmschäden getroffen worden sind,
und für alle, die ihnen Hilfe geleistet und wieder Hoffnung geschenkt haben.
Für alle jene Menschen, die sich in Beruf, Familie und Gesellschaft von anderen in Dienst nehmen lassen und sich dadurch in ihrem Selbstwert bestätigen.
Für mehr Zuversicht und Dankbarkeit für alles, was uns geschenkt ist, und für alles, das wir dadurch bewirken können.
Für alle Verstorbenen, besonders aber für die, die für ihren Dienst und ihre Werke im Leben nicht belohnt und bedankt wurden.
Jesus hat sich trotz aller Leiden, Zweifel und Ängste ganz dem Willen des Vaters anvertraut.
Versuchen auch wir mit ihm zu seinem und unseren Vater zu beten: „Dein Wille geschehe“. - Amen.
Guter Gott,
du willst, dass wir in Frieden miteinander leben.
Wir bitten dich:
Segne den synodalen Weg deiner Kirche.
Hilf allen, die beteiligt sind, in gegenseitiger Achtung nach guten Wegen zu suchen.
Sende deinen Heiligen Geist der Versöhnung
in alle Gemeinden und Familien, die zerstritten sind.
Öffne die Augen aller für die Sorgen und Nöte der Schwachen,
ganz besonders der Kinder, die Gewalt erleiden.
Sei nahe den Menschen in Afghanistan
und füge es, dass sie in Frieden und Freiheit leben können.
Lass alle Verantwortlichen nach Frieden und Gerechtigkeit streben.
Erbarme dich unserer Verstorbenen und nimm sie in deine Liebe auf.
Dir zu folgen, das hat Folgen.
Dir allein wollen wir dienen,
durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Gott kennt unsere Gedanken.
Lasst uns ihn um seine Hilfe, um Frieden in unserem Inneren und das rechte Maß bitten:
Um die Bereitschaft, eigene festgefahrene Positionen zu überdenken,
den Standpunkt anderer einzubeziehen und von dort aus unseren Blick auf das Ganze der Kirche zu richten.
Um deinen Schutz für alle Journalisten und Bürger,
die unbequeme Wahrheiten ansprechen und auf Fehlentwicklungen hinweisen.
Um Kraft für alle Menschen, die sich der Realität ihres Lebens nicht stellen können
und sich in Träume, Süchte und falsche Hoffnungen flüchten.
Um Mut, sich den Schattenseiten und fehlgeleiteten Leidenschaften des eigenen Lebens zu stellen.
Um deine Barmherzigkeit für alle,
die sich am Ende ihres irdischen Lebens deinem Urteil stellen müssen.
Denn du traust uns zu, dass dein Reich unter uns Wirklichkeit werden kann.
Dafür danken wir dir und loben dich jetzt und allezeit. - Amen.
Herr, unser Gott,
nimm die Gaben deines Volkes an
und gib, dass wir im Geheimnis
der heiligen Eucharistie empfangen,
was wir im Glauben bekennen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 25. Sonntag im Jahreskreis
Ein Stück Brot kann nach Himmel schmecken,
ein Schluck Wein Wunder wirken
Du, Gott, lässt wachsen,
was wir für unser Leben brauchen,
was unser Leben schön macht.
Wir danken dir.
Verwandle mit deinem Wort
Brot und Wein
und uns.
Dann schmecken wir dich.
Ein Stück Brot – das bist du.
Ein Schluck Wein – das bist du.
Komm, unser Herr!
Herr Jesus Christus,
Brot und Wein sind Zeichen,
wie echt und ehrlich deine Worte waren.
Brot und Wein sind Zeichen deiner Liebe,
die sich für uns hingibt.
Brot und Wein sind Zeichen,
dass Streit und Hass
durch Liebe überwunden werden können.
Komm uns nahe in diesen Gestalten
Und durchdringe uns mit deinem Frieden. – Amen.
Was wir bringen, haben wir von dir, guter Gott:
Brot und Wein, die Früchte der Erde;
unsere Fähigkeiten und Begabungen, deine Schöpfung;
Nimm all das an
und schenke uns in der geistgewirkten Gegenwart deines Sohnes
einen Vorgeschmack deines ewigen Reiches.
So bitten wir durch Christus unseren Herrn.
Kehrvers:
Der Herr hat Großes an uns getan,
sein Name sei gepriesen.(GL 69,1)
Guter Gott,
wir loben dich und danken dir,
dass du uns deinen Sohn gesandt hast
Er hat sich der Gewalt der Menschen ausgeliefert
und ist in den Tod gegangen,
um uns deine übergroße Liebe zu offenbaren.
Kehrvers
Doch Du hast dich seiner angenommen
und ihn, den Gerechten, der Hand der Gegner entrissen.
Du hast ihn auferweckt und über alle erhöht.
An ihm hast du gezeigt, wie du für die Rechtschaffenen eintrittst.
Kehrvers
Am Abend vor seinem Tod
hat er wie ein Sklave seinen Jüngern die Füße gewaschen
und ein Beispiel gegeben, wie wir einander dienen sollen.
Er hat die Jünger gelehrt: Wer der Erste sein wolle,
soll der Diener aller sein.
Kehrvers
Dich preisen wir für das Wohlwollen,
das du durch ihn uns Menschen erwiesen hast.
Wir stimmen ein in den Lobgesang der Schöpfung und aller Heiligen
und singen:
Danklied, z. B. Den Herren will ich loben (GL 395)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dein Gnade zu rühmen.
So sehr hast du die Welt geliebt,
daß du deinen Sohn als Erlöser gesandt hast.
Er ist uns Menschen gleich geworden
in allem, außer der Sünde,
damit du in uns lieben kannst,
was du in deinem eigenen Sohne geliebt hast.
Durch den Ungehorsam der Sünde
haben wir deinen Bund gebrochen,
durch den Gehorsam deines Sohnes
hast du ihn erneuert.
Darum preisen wir das Werk deiner Liebe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ....
MB Sonntage 7
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn durch seine Menschwerdung
hat er das Menschengeschlecht
aus der Finsternis zum Licht des Glaubens geführt.
Wir sind als Knechte der Sünde geboren,
er aber macht uns zu deinen Kindern
durch die neue Geburt
aus dem Wasser der Taufe.
Darum preisen wir jetzt
und in Ewigkeit dein Erbarmen
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Fastensonntag 4
Wenn du wissen willst,
wie Gott zu den Menschen kommt,
dann darfst du nicht nach oben schauen.
Dann darfst du nicht
deine eigene Ehre in den Vordergrund stellen,
dann darfst du dich nicht
mit den Reichen und Mächtigen verbünden.
Wenn du wissen willst,
wie Gott kommt,
dann musst du nach unten schauen.
Dann musst du dorthin schauen,
wo die Unbeachteten
und Machtlosen wohnen,
wo die dunklen Winkel unserer Welt sind,
wo die Kleinen und Hilflosen leben:
Da wirst du Gott finden.
Da ist er,
selber klein und hilflos geworden
für uns Menschen
leidend und liebend
kommt er uns nahe.
Allmächtiger Gott,
du erneuerst uns durch deine Sakramente.
Gewähre uns deine Hilfe
und mache das Werk der Erlösung,
das wir gefeiert haben,
auch in unserem Leben wirksam.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 25. Sonntag im Jahreskreis
Herr, du hast uns gestärkt
durch das Sakrament deines Sohnes.
Mache das Werk deiner Kirche fruchtbar
und enthülle durch sie den Armen
das Geheimnis unserer Erlösung;
denn die Armen hast du vor allem dazu berufen,
Anteil zu haben an deinem Reich.
Durch Christus, unseren Herrn.
„Gottes Liebe ist so wunderbar,
Gottes Liebe ist so wunderbar,
so wunderbar groß.
So hoch, was kann höher sein,
so tief, was kann tiefer sein,
so weit, was kann weiter sein?
So wunderbar groß“
Heben wir doch einmal die Arme hoch,
beugen wir sie zur Erde,
umarmen wir mit ihnen – unsere Banknachbarn.
So wunderbar groß.
Um deinen Segen bitten wir dich.
Für uns.
Für unsere Lieben.
Und auch für die, die uns fremd bleiben.
Im Namen des Vaters…
Herr Jesus Christus,
wir gehen jetzt zurück dorthin, wo wir leben,
zu unseren Familien,
zu unseren Arbeitsplätzen,
in unsere Ordensgemeinschaften,
zu unseren Freunden.
Hilf uns, immer mehr nach deinen Worten
und nach deinem Beispiel zu leben.
Hilf uns zu Frieden und Versöhnung.
Befähige und segne uns dazu. - Amen.
Es kennt der Herr die Seinen
und hat sie je gekannt,
die Großen und die Kleinen,
in jedem Volk und Land.
Er lässt sie nicht verderben,
er führt sie aus und ein;
im Leben und im Sterben
sind sie und bleiben sein.
Er kennet seine Scharen
am Glauben, der nicht schaut
und doch dem Unschaubaren,
als säh er ihn, vertraut,
der aus dem Wort gezeuget
und durch das Wort sich nährt
und vor dem Wort sich beuget
und mit dem Wort sich wehrt.
Er kennt sie als die Seinen
an ihrer Hoffnung Mut,
die fröhlich auf dem einen,
dass er der Herr ist, ruht.
In seiner Wahrheit Glanze
sich sonnet frei und kühn
die wunderbare Pflanze,
die immerdar ist grün.
Er kennt sie an der Liebe,
die seiner Liebe Frucht
und die mit lauterm Triebe
ihm zu gefallen sucht,
die andern so begegnet,
wie er das Herz bewegt,
die segnet, wie er segnet,
und trägt wie er sie trägt.
So kennt der Herr die Seinen,
wie er sie stets gekannt,
die Großen und die Kleinen,
in jedem Volk und Land
am Werk der Gnadentriebe
durch seines Geistes Stärk,
an Glauben, Hoffnung, Liebe
als seiner Gnade Werk.
So hilf uns, Herr, zum Glauben
und halt uns fest dabei,
lass nichts die Hoffnung rauben,
die Liebe herzlich sei.
Und wird der Tag erscheinen,
da dich die Welt wird sehn,
so lass uns als die Deinen
zu deiner Rechten stehn.
Philipp Spitta (1843), EG 358.
In früherer Zeit war der Regenbogen für die Menschen ein Symbol des Friedens und der Harmonie. Sie brachten damit auch Gott in Verbindung, der will, dass alle Lebewesen in Frieden miteinander leben und gedeihen. Die nachfolgende Geschichte aus Indien erzählt davon. Es war einmal, da fingen die Farben in der Welt einen Streit an. Jede behauptete, die beste, die wichtigste, die nützlichste zu sein:
GRÜN sagte: “Ganz klar, dass ich die wichtigste bin. Ich bin das Symbol des Lebens und der Hoffnung. Ich wurde für das Gras, die Bäume und die Blätter ausgewählt – ohne mich würden alle Tiere sterben. Schaut euch die Landschaft an, und ihr werdet sehen, dass ich am häufigsten vorkomme.”
BLAU unterbrach: “Du denkst nur an die Erde, aber sieh einmal den Himmel und das Meer an. Das Wasser ist die Grundlage des Lebens, und es wird von den Wolken aus dem blauen Meer aufgesogen. Der Himmel gibt Raum und Frieden und Heiterkeit. Ohne meinen Frieden wäret ihr alle nur Wichtigtuer.”
GELB kicherte: “Ihr seid alle so furchtbar ernst. Ich bringe Lachen, Fröhlichkeit und Wärme in die Welt. Die Sonne ist gelb, der Mond ist gelb, die Sterne sind gelb. Jedes Mal, wenn man eine Sonnenblume betrachtet, beginnt die Welt zu lächeln. Ohne mich gäbe es keinen Spaß.”
ORANGE begann als nächste, ihr Eigenlob zu singen: “Ich bin die Farbe der Gesundheit und der Kraft. Ich mag wohl seltener vorkommen, doch bin ich besonders wertvoll, weil ich den inneren Bedürfnissen des Lebens diene. Ich bin der Träger der meisten Vitamine – denkt an Karotten und Kürbisse, Orangen und Mangos. Und wenn ich bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang den Himmel erfülle, dann ist meine Schönheit so auffällig, dass niemand einen weiteren Gedanken an euch andere verschwendet.”
ROT konnte es nicht mehr länger aushalten und schrie heraus: “Ich bin der Herrscher über euch alle – Blut, Lebensblut. Ich bin die Farbe der Gefahr und der Tapferkeit. Ich bin bereit, für eine Sache zu kämpfen. Ich bringe Feuer ins Leben. Ich bin die Farbe der Leidenschaft und der Liebe – die rote Rose, der rote Mohn.”
VIOLETT sprach viel ruhiger als alle anderen, jedoch nicht weniger entschlossen: “Denkt an mich. Ich bin die Farbe des Geheimnisses. Ihr bemerkt mich kaum, aber ohne mich wärt ihr alle belanglos. Ich stehe für das Denken und Überlegen, bin wie ein tiefes Wasser, dessen Grund man nur erahnen kann. Ihr braucht mich als Gleichgewicht und Gegensatz, für das Gebet und für den inneren Frieden.”
So fuhren die Farben fort, sich zu rühmen – jede davon überzeugt, die beste zu sein. Ihr Streit wurde immer lauter. Doch plötzlich zuckte ein strahlend weißer Blitz auf, ein Donner rollte und dröhnte. Es begann unbarmherzig zu regnen. Die Farben kauerten sich ängstlich nieder und schmiegten sich – Trost suchend – eng aneinander.
Da sprach der REGEN: “Ihr närrischen Farben! Was streitet ihr untereinander? Jede versucht, sich wichtig zu machen und die anderen zu übertrumpfen. Wisst ihr denn nicht, dass jede von euch von Gott eine Aufgabe bekommen habt, jede eine einzigartige und jede eine andere? Reicht euch die Hände und kommt mit mir. Ich werde euch in einem großen farbigen Bogen über den Himmel spannen. Dieser Regenbogen soll euch daran erinnern, dass Gott euch alle liebt und dass ihr in Frieden miteinander leben sollt. So seid ihr ein Zeichen der Hoffnung, der Hoffnung für die Zukunft.” Dieses Gleichnis kann uns lehren, dass auch wir bereit werden, das Zeichen des Regenbogens in uns wirksam werden zu lassen – jede an ihrem Platz, jeder mit seinen einmaligen Fähigkeiten.
Die Geschichte vom Regenbogen von Shiralee Cooper
https://de.slideshare.net/Rocky53/der-regenbogen
... Carl Gustav Jung, der Schweizer Psychotherapeut, hat Buddha und Christus in ihrer Einstellung dem Leiden gegenüber verglichen. Für Jung ist Jesus als Leidender menschlicher und wirklicher als Buddha. „Buddha versagte sich das Leiden, damit aber auch die Freude. Er war von Gefühlen und Emotionen abgeschnitten und darum nicht wirklich menschlich.“ In einem Gespräch mit dem evangelischen Theologen Uhsadel erzählte C.G. Jung von seinem Indienbesuch. Dort, so sagte er, sei ihm aufgegangen, dass die Einstellung zum Leid eine grundsätzliche Frage sei, von der das Gelingen der Menschenwelt abhänge. Der Westen versucht das Leid zu verdrängen, indem er es mit Drogen zudecke. Der Osten versucht das Leiden aufzulösen, indem er die Berührung mit der Welt aufhebe. Denn die Ursache des Leidens sei für Buddha die Berührung mit der Welt. Doch der eigentliche Weg wäre, durch das Leid hindurchzugehen: „Das Leiden muss überwunden werden, und überwunden wird es nur, indem man es trägt. Dabei zeigt Jung auf das Kreuz, das in seinem Arbeitszimmer hing. Nur vom Gekreuzigten, so meinte er, können wir lernen, mit dem Leid richtig umzugehen...
Aus: Anselm Grün, Bilder von Jesus, Münsterschwarzach 2021, 2. Auflage.
Das Kreuz hat bei jedem Evangelisten eine andere Bedeutung. Für Matthäus symbolisiert es die Gewaltlosigkeit Jesu. Jesus ist der barmherzige Prophet, der nicht auf Macht setzt und der sich gewaltlos gefangen nehmen und töten lässt. Für Markus wird das Kreuz zum Sieg Jesu über die Mächte der Finsternis. Bei Lukas ist das Kreuz Ausdruck für die Bedrängnisse, die auch wir bestehen müssen auf unserem Weg zur Herrlichkeit Gottes. Johannes ist wohl am weitesten in der Deutung des Kreuzes vorgedrungen. Für ihn hat Jesus am Kreuz seine Liebe bis zur Vollendung erwiesen. Er hat uns eingeweiht in das Geheimnis der Liebe Gottes, der uns seinen Sohn schenkte, damit wir in ihm das Leben haben. Daher haben die frühen Christen sich mit dem Kreuz bezeichnet. Sie haben sich gleichsam die Liebe Gottes, die in Jesu Kreuz am klarsten aufgeleuchtet ist, in den Leib geritzt. Das Kreuz ist zugleich das Symbol für alle Gegensätze der Welt. Daher wies es die ersten Christen darauf hin, dass alles in ihnen von Gottes Liebe berührt und geheilt ist, dass es nichts in ihnen gibt, was nicht durch die Liebe Jesu verwandelt wird...
Aus: Anselm Grün, Bilder von Jesus, Münsterschwarzach 2021, 2. Auflage.
Das Wort Jesu hat auch eine politische Dimension. Er möchte mit dem Gebot der Feindesliebe den Riss heilen, der durch unsere Gesellschaft und durch die Völker geht. Jesus lässt uns nicht in Ruhe mit unseren Feindesbildern. Er fordert unsere Phantasie und Kreativität heraus, nach Wegen zu suchen, wie die verschiedenen Gruppierungen in der Gesellschaft und wie verfeindete Völker einen anderen Weg miteinander finden könnten. Wenn sich die Völker ihre Verletzungen gegenseitig aufrechnen, dann entsteht ein heilloser und endloser Konflikt. Das zeigt uns die Situation auf dem Balkan. Was sich angestaut hat an Hass das wird von Generation zu Generation weitergegeben. Wenn dieses Hasspotential nicht aufgearbeitet und durch Versöhnung ausgelöst wird, dann wird kein militärisches Mittel den Frieden garantieren können. Die Aufforderung Jesu zur Feindesliebe will das alte Schwarz-Weiß-Denken ablösen und zu neuen Wegen des Friedens und der Versöhnung aufrufen.
Aus: Anselm Grün, Bilder von Jesus, Münsterschwarzach 2021, 2. Auflage.
Ich glaube an Jesus Christus, der mir vorgelebt hat, wie Menschen miteinander leben sollen; der selbst erfahren hat, wie Menschen von Menschen ungerecht behandelt werden, und der durch seine grenzenlose Liebe zu uns gezeigt hat, wie Gott zu uns steht.
Ich glaube an Jesus Christus, der mir seine Liebe durch andere Menschen sagen lässt; durch Menschen, die mir helfen und mich verstehen; durch Freunde, die zu mir halten und mich annehmen. Er befreit mich von meinen Ängsten und gibt meinem Leben Sinn und Halt.
Ich glaube an Jesus Christus, der mich zum Leben frei macht; der mich bestärkt, anderen zu helfen und zu verzeihen; der von mir erwartet, dass ich viel Phantasie und Engagement entwickle, um sein Botschaft in meinem Leben zu verwirklichen.
Ich glaube an Jesus Christus, der Gottverlassenheit und Todesangst selbst durchlebte, das schwere Kreuz auf sich nahm und so Leid und Tod überwunden hat. Er gab mir Hoffnung auf ein Leben in Fülle.
Benedikta Hintersberger, Mein Credo, in: Wo meine Sehnsucht ein Zuhause hat, Ein Firmkurs. Leseheft für Jugendliche, München 2. Auflage, 1999.
Was soll sich ändern? Die innere Haltung? So kann man es oft lesen und hören: Autorität in der Kirche sei zwar an die üblichen Ausdrucksformen gebunden, man müsse sie aber in der Gesinnung des Dienens ausüben. Damit ist die Aussage des Evangeliums entschärft. Jesus hat uns nicht durch seine Gesinnung erlöst, er hat „sein Leben hingegeben als Lösegeld für viele“. Nachfolge erschöpft sich nicht im Nachsinnen. Wir müssen uns in Bewegung setzen, aufbrechen zu einem neuen Verhalten, das neue Verhältnisse schafft.
In der Nachfolge Jesu gilt die Autorität des Dienstes. Das ist so, weil Jesus sich selbst und seine Sendung so verstanden hat, bis zur Hingabe seines Lebens. Dieser seiner Autorität verdankt sich jede kirchliche Autorität, verdanken sich kirchliche Autoritäten. Das Amt erhält seine Autorität allein von Jesus Christus her – woher denn sonst? Glaubwürdig und überzeugend kann es nur werden, wenn es sich am Verhalten Jesu orientiert.
Aus: Franz Kamphaus, Priester aus Passion, Freiburg 1993.
so wie ein Kind
täglich neu lernen
ehrlich sein –
nicht um den heißen Brei herumreden
mit Neugier und Interesse
auf das Gegenüber
zu-gehen
versinken können im Augenblick
sich mal richtig zanken können
Streit schnell beenden
Bereitschaft zu teilen
sich freuen können wie ein König
mit großen Augen
schauen und
staunen
mit der Ausstrahlung von Glück
lachen können
bis zum Umfallen
dem Gegenüber mal schnell
sagen können
„ich hab'dich soooo lieb“
sich vertrauensvoll in die Arme
der Eltern
fallen lassen
ich will es „wachküssen“
das Kind in mir
damit Leben
wieder
besser
gelingt
Beatrix Senft, unveröffentlicht.
Ich möchte dir erzählen, wie es zur Kreuzigung Jesu kam, und auch, wie er selber seinen Tod verstanden hat. Zu beidem gibt uns die Bibel deutliche Hinweise.
Eigentlich war das Ganze ja unbegreiflich und furchtbar: Ein Mann muss sterben, der nur Liebe gepredigt und gelebt hat! Doch dabei darf man nicht vergessen, wie sehr Jesus mit seiner Offenheit die Mächtigen in Israel gegen sich aufgebracht hat - zum Beispiel als er den Pharisäern ihre Scheinheiligkeit vorhielt. Und auch die Leute, die ihm gefolgt sind, haben ihn ja nicht wirklich verstanden, so dass sie umkippten, als es ernst wurde. Der Römer Pilatus hat Jesus als “König der Juden“, also als politischen Aufrührer verurteilt. Jüdische und römische Machthaber haben ihn gemeinsam zu Fall gebracht. Deshalb ist es übrigens falsch, von einer Alleinschuld der Juden am Tode Christi zu sprechen.
Viel wichtiger ist es, wie Jesus selbst zu alldem stand. Er hat ja seinen Tod geahnt, ihn schließlich als Willen des Vaters bejaht und zum Heil aller auf sich genommen. Er hat alles erduldet, was einen Menschen erniedrigen kann: Ungerechtigkeit, Verrat, Folterung, politisches Herumschachern auf seinem Rücken, Spott, Wehrlosigkeit, Todesurteil, körperlichen Zusammenbruch, gaffende Menschen, Gottverlassenheit. Für uns hat er das alles getragen!
Sein Tod ist das äußerste Zeichen der Liebe Gottes zu den Menschen. Auch mit dem Verlassensten auf dieser Erde ist der Sohn Gottes eins.
Aus: Glauben ist schön, ein katholischer Familienkatechismus, Köln Harsum 2001.
Das Neue und Faszinierende am Christentum war seit Anbeginn die konkret gelebte Diakonie: „Seht, wie sie einander lieben!“
Aus der Todeszelle schreibt Alfred Delp SJ, Blutzeuge unter Hitlers Fallbeil: Ob die Kirche noch einmal einen Weg zu den Menschen finde, hänge an der Rückkehr der Kirchen in die Diakonie: in den Dienst an der Menschheit“. Er erklärt: „Damit meine ich das Sich-Gesellen zum Menschen in allen Situationen mit der Absicht, sie ihm meistern zu helfen… Damit meine ich das Nachgehen und Nachwandern auch in die äußerste Verlorenheiten und Verstiegenheiten des Menschen, um bei ihm zu sein genau und gerade dann, wenn ihn Verlorenheit und Verstiegenheit umgibt. ‚Geht hinaus‘, hat der Meister gesagt und nicht ‚Setzt euch hin und wartet, bis einer kommt‘“
Das „Sakrament der Fußwaschung“ können alle spenden. Den Aposteln, seinen Jüngern hat es Jesus jedenfalls sinnenfällig ins Herz gelegt, als er sich selbst vor ihnen niederkniete und die Seligpreisung anschloss: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt... Selig seid ihr, wenn ihr das wisst und danach handelt“ (Joh. 13, 15)
Louis Evely schreibt: „Ihr könnt von allen Sakramenten dispensiert werden...; aber es gibt ein Sakrament, eine Gegenwart Christi, an der ihr immerwährend teilnehmen könnt: an dem demütigen Dienst für den Nächsten. – Es wird immer die Füße des Nächsten geben ... Der heilige Johannes wollte uns durch den Bericht von der Fußwaschung zu verstehen geben, dass es ein unbedingt notwendiges Sakrament gibt, und über dieses werdet ihr gerichtet werden, nicht über eure Kommunionen, nicht über eure Beichten, nicht über eure Taufe, sondern über eure Fußwaschung.“
Aus: Gerhard Bauer, Für euch – mit euch, was der Priester ist und was er nicht ist., München 2013.
Immer wieder spricht Evagius davon, dass die Askese allein nicht genügt für den geistlichen Weg. Entscheidend ist die Sanftmut. Sie allein verwandelt das Herz des Menschen und macht es offen für Gott.
Die Sanftmut ist für Evagius die Quelle der Erkenntnis Christi. Ohne Sanftmut kann man noch so viel in der Bibel lesen und eine noch so harte Askese üben, man wird das Geheimnis Christi nie verstehen. So schreibt er an einen seiner Schüler: "Vergiss aber vor allem die Sanftmut und die Besonnenheit nicht, die die Seele reinigen und der Erkenntnis Christi nahe bringen." (Brief 34).
Die Erkenntnis Christi ist ein anderer Ausdruck für Kontemplation. Ohne Sanftmut gibt es keine Kontemplation. An Rufinus schreibt Evagius: "Ich bin nämlich überzeugt, dass deine Sanftmut dir zu einer Ursache großer Erkenntnis geworden ist. Denn keine einzige Tugend bringt so die Weisheit hervor wie die Sanftmut, um derentwillen auch Mose gelobt ward, er sei sanftmütiger als alle anderen Menschen gewesen. Und auch ich bete darum, ein Schüler des Sanftmütigen zu werden und genannt zu werden." (Brief 36).
Ein sanftmütiger Mensch ist anziehend für viele. Er muss Andersgläubige nicht von seiner Rechtgläubigkeit bekehren oder überzeugen, er hat es nicht nötig, sie zu missionieren. Seine Sanftmut ist Zeugnis für Christus genug. Wer seiner Sanftmut begegnet, begegnet Christus und wird ihn darin erkennen.
Sanftmut und Barmherzigkeit sind Kriterien echter Spiritualität....
Nur wenn Menschen sanftmütig geworden sind und barmherzig mit ihren Mitmenschen umgehen, künden sie von einer Spiritualität, die christusgemäß ist.
Aus: Anselm Grün, Der Himmel beginnt in dir, Das Wissen der Wüstenväter für heute, Freiburg 2002.
Unicef-Studie beklagt die desolate Situation wegen Konflikten in Nahost und Nordafrika: „Wir könnten eine ganze Generation verlieren.“
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diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/4813193 - 03.09.2015 | 18:22 | (Die Presse) - abgerufen am 14. Sept. 2015
Allmächtiger Gott,
der du in der Weite des Alls gegenwärtig bist
und im kleinsten deiner Geschöpfe,
der du alles, was existiert,
mit deiner Zärtlichkeit umschließt,
gieße uns die Kraft deiner Liebe ein,
damit wir das Leben und die Schönheit hüten.
Überflute uns mit Frieden,
damit wir als Brüder und Schwestern leben
und niemandem schaden.
Gott der Armen,
hilf uns, die Verlassenen und Vergessenen dieser Erde,
die so wertvoll sind in deinen Augen, zu retten.
Heile unser Leben,
damit wir Beschützer der Welt sind
und nicht Räuber,
damit wir Schönheit säen
und nicht Verseuchung und Zerstörung.
Rühre die Herzen derer an,
die nur Gewinn suchen
auf Kosten der Armen und der Erde.
Lehre uns,
den Wert von allen Dingen zu entdecken
und voll Bewunderung zu betrachten;
zu erkennen,
dass wir zutiefst verbunden sind mit allen Geschöpfen
auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht.
Danke, dass du alle Tage bei uns bist.
Ermutige uns bitte
in unserem Kampf für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.
Aus: Enzyklika Laudato si’, von Papst Franziskus, Rom 2015.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Die Gerechten hören nicht auf, gegen die Frevler vorzugehen (Vers 12b). Die Frevler gehen daran, ihrerseits die Gerechten zu prüfen (Verse 17 und 19). Die Lesung zeigt, dass, wenn das Leben bloss in den Händen der Menschen bleibt, es begrenzt ist. Doch in Gottes Hand gelegt, ist ihm Unvergänglichkeit bestimmt (Vers 23). Diese frohe Botschaft des Ersten Testaments bleibt heute im Gottesdienst ungehört, es sei denn, man entschliesst sich, die Lesung in ihren Kontext zurückzulegen.
Im zweiten Kapitel wird zuerst das abstoßende Denken der Gottlosen aufgegriffen, also der Zyniker und skrupellosen Machtmenschen der damaligen Zeit, die, wenn schon nicht die Existenz Gottes, so zumindest sein Handlungsvermögen bezweifelten. "Das Leben ist kurz, der Tod unausweichlich - also genießen wir das Leben so gut als möglich!" könnte man ihre Weltanschauung zusammenfassen. Recht und Gerechtigkeit werden dabei zum Gut des Stärkeren.
Die folgenden Kapitel des Buches versuchen, hier eine andere Sicht der Dinge zu vermitteln und das Fundament für die Gewissheit zu legen, dass Gott die Welt und die Menschen liebt, Gerechtigkeit will und weder Unrecht noch Zynismus duldet.
Die Gerechten hören nicht auf, gegen die Frevler vorzugehen (Vers 12b). Die Frevler gehen daran, ihrerseits die Gerechten zu prüfen (Verse 17 und 19). Die Lesung zeigt, dass, wenn das Leben bloss in den Händen der Menschen bleibt, es begrenzt ist. Doch in Gottes Hand gelegt, ist ihm Unvergänglichkeit bestimmt (Vers 23). Diese frohe Botschaft des Ersten Testaments bleibt heute im Gottesdienst ungehört, es sei denn, man entschliesst sich, die Lesung in ihren Kontext zurückzulegen.