Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Daniel.
In jener Zeit tritt Michael auf,
der große Fürst, der für die Söhne deines Volkes eintritt.
Dann kommt eine Zeit der Not,
wie noch keine da war, seit es Völker gibt,
bis zu jener Zeit.
Doch zu jener Zeit wird dein Volk gerettet,
jeder, der im Buch verzeichnet ist.
Von denen, die im Land des Staubes schlafen,
werden viele erwachen,
die einen zum ewigen Leben,
die anderen zur Schmach, zu ewigem Abscheu.
Die Verständigen werden glänzen
wie der Glanz der Himmelsfeste
und die Männer, die viele zum rechten Tun geführt haben,
wie die Sterne für immer und ewig.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv - Behüte mich, Gott,
denn ich vertraue auf dich. – Kv
(Oder GL 312,3)
Der HERR ist mein Erbanteil, er reicht mir den Becher,
du bist es, der mein Los hält.
Ich habe mir den HERRN beständig vor Augen gestellt,
weil er zu meiner Rechten ist, wanke ich nicht. - Kv
Darum freut sich mein Herz und jubelt meine Ehre,
auch mein Fleisch wird wohnen in Sicherheit.
Denn du überlässt mein Leben nicht der Totenwelt;
du lässt deinen Frommen die Grube nicht schauen. - Kv
Ich sagte zum HERRN: Mein Herr bist du,
mein ganzes Glück bist du allein.
Du lässt mich den Weg des Lebens erkennen. /
Freude in Fülle vor deinem Angesicht,
Wonnen in deiner Rechten für alle Zeit. - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Jeder Priester des Ersten Bundes steht Tag für Tag da,
versieht seinen Dienst
und bringt viele Male die gleichen Opfer dar,
die doch niemals Sünden wegnehmen können.
Jesus Christus aber
hat nur ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht
und sich dann für immer zur Rechten Gottes gesetzt;
seitdem wartet er,
bis seine Feinde ihm als Schemel unter die Füße gelegt werden.
Denn durch ein einziges Opfer
hat er die, die geheiligt werden,
für immer zur Vollendung geführt.
Wo also die Sünden vergeben sind,
da gibt es kein Opfer für die Sünden mehr.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Hebräerbrief ist geprägt von der Vorstellung vom Hohenpriestertum Jesu Christi. Durch seinen Adressatenkreis - die hebräischen Gemeinden - ist bedingt, dass der Verfasser theologischen Anknüpfungspunkte im Alten Testament sucht. Jesus Christus wird in den Vergleich zu den Hohenpriestern des Alten Bundes gestellt. Der vorliegende Abschnitt zieht Parallelen zwischen dem Altaropfer des Tempels und dem Kreuzesopfer des Gottessohnes.
In diesem Textabschnitt handelt es sich um wesentliche Aussagen über Christus als den Hohenpriester, verbunden mit einer Kritik des Gottesdienste Israels - vergleichbar mit der Kritik des Paulus am jüdischen Gesetz. Die Christen sollen sich vom Tempelgottesdienst und von heidnischen Gottesdiensten lösen und ihren Gottesdienst in der Form schlichter eucharistischer Feiern begehen.
Inhaltlich wird davon gesprochen, daß die alten Opfer abgeschafft worden sind und den Menschen umfassende Vergebung durch Christus zuteil wird. Was hier in Christus geschehen ist, erfolgte ein für allemal und endgültig.
Lesung aus dem Hebräerbrief.
Jeder Priester des Ersten Bundes steht Tag für Tag da,
versieht seinen Dienst
und bringt viele Male die gleichen Opfer dar,
die doch niemals Sünden wegnehmen können.
Jesus Christus aber
hat nur ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht
und sich dann für immer zur Rechten Gottes gesetzt;
seitdem wartet er,
bis seine Feinde ihm als Schemel unter die Füße gelegt werden.
Denn durch ein einziges Opfer
hat er die, die geheiligt werden,
für immer zur Vollendung geführt.
Das bezeugt uns auch der Heilige Geist;
nachdem er gesagt hat:
Dies ist der Bund, den ich nach diesen Tagen
mit ihnen schließen werde - / spricht der Herr:
Ich lege meine Gesetze in ihr Herz /
und schreibe sie in ihr Denken hinein;
und: An ihre Sünden und Übertretungen denke ich nicht mehr.
Wo also die Sünden vergeben sind,
da gibt es kein Opfer für die Sünden mehr.
Halleluja. Halleluja.
Wacht und betet allezeit,
damit ihr hintreten könnt vor den Menschensohn.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
In jenen Tagen, nach jener Drangsal,
wird die Sonne verfinstert werden
und der Mond wird nicht mehr scheinen;
die Sterne werden vom Himmel fallen
und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.
Dann wird man den Menschensohn
in Wolken kommen sehen,
mit großer Kraft und Herrlichkeit.
Und er wird die Engel aussenden
und die von ihm Auserwählten
aus allen vier Windrichtungen zusammenführen,
vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.
Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum!
Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben,
erkennt ihr, dass der Sommer nahe ist.
So erkennt auch ihr,
wenn ihr das geschehen seht,
dass er nahe vor der Tür ist.
Amen, ich sage euch:
Diese Generation wird nicht vergehen,
bis das alles geschieht.
Himmel und Erde werden vergehen,
aber meine Worte werden nicht vergehen.
Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand,
auch nicht die Engel im Himmel,
nicht einmal der Sohn,
sondern nur der Vater.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der vorliegende Textabschnitt stammt aus einer Rede im Markusevangelium (13,1-37), die vom künftigen Reich Gottes erzählt. Diese Rede hat apokalyptische Züge. Wie viele Offenbarungshandlungen findet auch sie auf einem Berg statt. Historischer Hintergrund dieser Rede von Zerstörung ist der Jüdische Krieg (1. Jhdt. n. Chr.) mit der Zerstörung des Jerusalemer Tempels zu vermuten.
Die vorliegende Erzählung ist ein Teil einer Reihe von Antworten auf die Frage nach dem Zeitpunkt der von Jesus angekündigten Zerstörung des weltlichen Jerusalems als Zeichen der Wiederkunft des Herrn (Vers 2).
Zu gliedern ist der Text in folgende Teile: Ankündigung von kosmischen Zeichen und des Kommens des Gottessohnes (Verse 24-27), das Gleichnis vom Feigenbaum (eines der wenigen Gewächse in Palästina mit saisonal bedingtem Laubverlust) mit dem Ende der apokalyptischen Rede (28-32). Die nicht aufgeführte Ermahnung zur Wachsamkeit (33-37) beschließt den Textabschnitt.
Der Evangelientext wurde in der Zeit nach 70 n. Chr. geschrieben, nach den Greueln des Jüdischen Krieges, den Christenverfolgungen unter Nero, der Zerstörung Jerusalems und des Tempels.
Viele Christen dürften angesichts der Zeitumstände nahe an der Verzweiflung gewesen sein, denn nach damaliger judenchristlicher und jüdischer Überzeugung gehörten der Untergang des Tempels und der Untergang der Welt zusammen. Die Christengemeinden benötigten Orientierung und neue Kräfte. In dieser Situation gibt der Evangelist keine authentische Rede Jesu wieder, sondern er verkündet in apokalyptischer Sprach- und Bilderwelt die Botschaft Jesu Christi.
Die Christen gelangen durch Tod und Auferstehung zum wahren Leben. Markus berichtet aber nichts über die konkreten Details oder gar den Zeitpunkt zu dem dies alles erwartet werden kann, denn sein Text soll eine theologische Botschaft und keine Angaben über ein historisches oder kosmisches Ende der Welt transportieren.
Am vorletzten Sonntag des Kirchenjahres blicken wir auf den besorgniserregenden Zustand der Welt; damals wie heute. Bevor die neue Welt anbricht und der Menschensohn mit großer Kraft und Herrlichkeit kommt, wird die alte Welt zusammenbrechen… Unsere Rolle in diesem großen Weltendrama: wir sind zwischen diesen beiden Welten unbeirrbare Hoffnungsträger, Mutmacher.
Das hört sich nicht gut an! Drangsal. Verfinsterte Sonne. Fallende Sterne. So sieht doch der Weltuntergang aus, oder?
Mir kommen dann gleich unsere Krisen in den Sinn. Weil es so viele, unübersichtliche und nicht einmal fassbare sind, nennen wir sie, fast schon umgangssprachlich, „multiple Krisen“. Eine gewisse Weltuntergangsstimmung macht sich gefühlt an vielen Orten und in vielen Herzen breit. Dann überlagern Ängste Hoffnungen und Zweifel Gewissheiten.
In drei Beispielen könnten wir heute einmal versuchen, dem ein wenig auf den Grund zu gehen.
Klimaveränderung ist nicht nur ein Wort. Lebensorte verschwinden im Wasser oder werden von Feuer gefressen. Den Überblick habe ich schon verloren. Die Schäden sind unvorstellbar. Wasser und Feuer – das sind Urgewalten, die schon in Mythen und Tragödien ihr Unwesen treiben.
Heißt es nicht in der Schöpfungsgeschichte, Gott habe diese Urgewalten gezähmt? Für immer?
„Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, dass es gut war! Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut und fruchtbare Bäume […] Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut und Bäume, die da Früchte tragen […] Da wurde aus Abend und Morgen der dritte Tag“ (Gen 1,10-13).
Feindbilder stehen zwischen Ost und West. Es wird von neuen Weltordnungen geträumt. Aber Weltordnung heißt Hegemonie. Aus Hegemonie wird Krieg. Aus Krieg wird: eine Welt geht kaputt. Wir müssen aufrüsten. Für unsere Sicherheit. Für unsere Abwehr. Fast über Nacht sind alte Sicherheiten zusammengefallen und Lebenslügen offenbarten sich als Wahrheit.
Hatte Gott nicht eine Ordnung der Welt geschaffen, in der das Chaos keine Chance mehr hatte?
„Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er sie; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllt die Erde und übernehmt für sie Verantwortung […] Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe!, es war sehr gut. Da wurde aus Abend und Morgen der sechste Tag“ (Gen 1,27-31).
Die Demokratie gerät unter Druck. Diese Redeweise schafft es immer mehr, in Medien und Gesprächen verbreitet zu werden. Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung? Eine Warnung? Ein Entsetzen? Viele Menschen suchen einfache Antworten auf Herausforderungen, die nie einfach sein werden, viele sehnen sich nach einer starken Führungsfigur, die weiß, wo es lang zu gehen hat – und viele haben sogar Angst, dass ihnen die Freiheit über den Kopf wächst. Wir müssen jetzt nicht nur nach Amerika blicken.
Hatte Gott nicht in einer großen Ruhe den Überblick behalten über die vielen Konflikte, die sich zu allen Zeiten in das Gedächtnis der Menschen festgefressen hatten?
„Und so vollendete Gott am siebten Tag seine Werke, die er machte, und ruhte am siebten Tag von allen seinen Werke, die er gemacht hat. Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hat. So sind Himmel und Erde geworden, als die geschaffen wurden“ (Gen 2,1-4).
Drei Erfahrungen. Nur drei von vielen, wenn auch besonders dominant: Klima, Weltordnung, Demokratie. Die privaten Lebenskrisen, die sich auch wie Weltuntergänge anfühlen, sind jetzt nicht einmal in den Kanon der Katastrophen aufgenommen.
Ich höre Jesu Worte:
„In jenen Tagen, nach jener Drangsal,
wird die Sonne verfinstert werden
und der Mond wird nicht mehr scheinen;
die Sterne werden vom Himmel fallen
und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.“
Das hört sich alles nicht gut an! Gibt Gott tatsächlich seine Schöpfung auf? Stellt er sie zur Disposition? Gibt er sie Despoten und Möchtegern-Göttern preis? Oder ist nicht viel eher von menschlicher Schuld zu reden, in der nicht nur einzelne Menschen untergehen, sondern die ganze Welt geopfert wird? Für viele Unglücke gibt es handfeste Interessenten.
Das Evangelium lädt uns ein, den Blick zu heben, den Blick aufzuheben:
„Dann wird man den Menschensohn
in Wolken kommen sehen,
mit großer Kraft und Herrlichkeit.
Und er wird die Engel aussenden
und die von ihm Auserwählten
aus allen vier Windrichtungen zusammenführen,
vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.“
Da ist von großer Kraft und Herrlichkeit die Rede, aber auch von einer Erlösung, die die ganze Welt umfasst: von einem Ende zum anderen – und der Himmel berührt, der Himmel umarmt die Erde.
Es ist ein großes „Dann“ – das Einbrechen – man beachte das Wort – das Einbrechen einer neuen Welt.
Heute ist der vorletzte Sonntag im Kirchenjahr. In Deutschland trägt er auch den Namen „Volkstrauertag“. Ursprünglich wird der Opfer des Krieges, der Kriege gedacht – mit Kranzniederlegungen an Kriegerdenkmälern, Ansprachen und dem Lied von Ludwig Uhland (1809) „Ich hatt' einen Kameraden“.
Ich hatt’ einen Kameraden,
Einen bessern findst du nit.
Die Trommel schlug zum Streite,
Er ging an meiner Seite
Im gleichen Schritt und Tritt.
Wir ahnen: der Kamerad fällt.
Will mir die Hand noch reichen,
Derweil ich eben lad.
Kann dir die Hand nicht geben,
Bleib du im ew’gen Leben
Mein guter Kamerad!
Das Lied hat eine Geschichte. Aber in dieser Geschichte gibt es keinen Frieden. Es gibt den Kampf. Es gibt das Leid. Die große Geschichte muss in der kleinen, eigenen, privaten erlitten werden. Heil, gesund, wird die Welt so nicht. Sie ist einfach – so. So, wie sie nun einmal ist.
Das Evangelium führt uns heute in eine Welt, die den schönen und fremden Namen „Apokalyptik“ trägt. Das ist eine eigene Gattung und hat vielfältige Formen gefunden. Wörtlich: „Enthüllung“, „Offenbarung“. Was wird enthüllt, was offenbart? Der Untergang der Welt! Enthüllt, offenbart wird auch menschliche Schuld. Größenwahnsinn. Die Schritte über Leichen.
Es kann doch so nicht weitergehen. Irgendwann ist alles so schrecklich verworren und verkommen, dass nur noch ein Neuanfang erhofft werden kann. Das Alte immer nur noch verlängern, die Dinge unendlich laufen lassen, sich einfach immer nur ergeben – nein, es muss ein Ende haben. Wir sehen die Schrecken, die alles auffressen. Die die Hoffnung auffressen. Die die Zukunft auffressen.
Damit eine neue Welt entstehen kann, wird die alte untergehen. Sie muss vergehen. Abgeschlossen, für immer. Es muss eine ganz neue Welt sein, die nicht aus Ruinen erwächst. In der nicht nur die Minen geräumt werden. In der nicht alte Hassgeschichten auf Auferstehung hoffen. Die Apokalyptik öffnet uns sozusagen die Augen: eine neue Welt wird enthüllt, eine neue Welt wird offenbart. Den Schreckensvisionen und Albträumen zum Trotz - und über sie hinaus - sollen wir den großen Frieden kommen sehen, in dem auch der Tod überwunden ist. Unbeteiligte Zuschauer sind wir dabei nicht.
Hoffnungsträger! Mutmacher! Unbeirrbare!
Das Evangelium ist ein Meisterstück der Apokalyptik. Enthüllung und Offenbarung:
„Himmel und Erde werden vergehen,
aber meine Worte werden nicht vergehen.
Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand,
auch nicht die Engel im Himmel,
nicht einmal der Sohn,
sondern nur der Vater.“
Nur der Vater! Und was am Ende herauskommt, war schon von Anfang an da:
„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
Und die Erde war wüst und leer – Tohuwabohu.
Es war finster auf der Tiefe
und der Geist Gottes schwebte über den Wassern.
Und Gott sprach:
Es werde Licht!
Und es wurde – Licht!
Das hört sich gut an! Eine Welt, wie Gott sie schafft. Eine Sonne, die den Tag regiert. Sterne, die die Nacht hell machen. Menschen, die Brot und Glück miteinander teilen.
„Wenn gleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken, wenngleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen – dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind.“ (Psalm 46).
Der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus
unserem Herrn.
Am Ende des Kirchenjahres blicken die liturgischen Texte auf das Ende der Welt. Ein mögliches Ende in Schrecken ist nicht eine Erfindung der Bibel. Bilder vom Untergang dieser Welt beschäftigen die Menschen von jeher und sind auch in den gegenwärtigen Weltkrisen aktuell. Die christliche Verkündigung kennt aber auch ein Danach, das uns im Vertrauen auf Gott und das Wiederkommen Christi wachsam und zuversichtlich unseren Weg gehen lässt.
Im Evangelientext dieses Sonntags schildert Jesus in dramatischen Bildern das Ende dieser Welt, den Jüngsten Tag wie wir es auch nennen. Die Sonne wird verfinstert werden, der Mond wird nicht mehr scheinen, die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Das sind furchtbare Bilder.
Erst kürzlich habe ich in einer Fernsehsendung mittels Computeranimation gesehen, was passieren würde, wenn ein Asteroid auf die Erde treffen würde. Die Folgen wären dramatisch: gewaltige Erdbeben und Tsunamis würden entstehen, Trümmer und Ascheteile würden vom Himmel fallen. Alles würde zerstört. Kaum ein Mensch könnte diese Ereignisse überleben. So könnte es am Jüngsten Tag geschehen.
Auf den ersten Blick überhaupt keine Frohe Botschaft. Warum schildert uns Jesus diese furchteinflößenden Ereignisse, wo Jesus sagt, jenen Tag, jene Stunde kennt niemand, nur Gott der Vater? Jesus selbst gibt uns die Antwort: Gebt Acht und bleibt wach, denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist. Und immer wieder die Warnung: Seid wachsam! Wachsam sein ist das Gegenteil von Sorglosigkeit und gedankenlos in den Tag hineinleben.
Unser eigenes Leben ist endlich, wie wir immer wieder erfahren müssen. Wenn man wie ich über 70 Jahre alt ist, wird einem das immer wieder bewusst. Viele meiner Klassenkameraden und Kameradinnen aus dem Jahrgang 1952 leben nicht mehr. Ebenso einige meiner Arbeitskollegen und Musikkameraden. Unser Leben ist ein Geschenk Gottes, für das wir dankbar sein sollen.
Wachsam sein bedeutet, mit offenen Augen durch das Leben gehen. Mit offenen Augen die Mitmenschen sehen, ihre Nöte wahrnehmen und versuchen zu helfen, wo wir es können. Und nicht egoistisch nur seine eigenen Vorteile zu suchen.
Wachsam sein, heißt für mich auch, die Worte Jesu ernst nehmen und zu versuchen, im Alltag danach zu leben. Dies wird uns nicht immer gelingen, aber wir müssen uns darum bemühen. Die katholische Kirche hat wohl bewusst diese nachdenklichen Texte für das zu Ende gehende dieses Kirchenjahr ausgewählt. Diese Texte sollen uns wachrütteln und aus unserer Trägheit, unserer Selbstzufriedenheit und Überheblichkeit herausholen.
Wer von uns kann sich sicher sein, dass wir zu den Auserwählten gehören, welche die Engel am Ende aus allen vier Windrichtungen zusammenführen? Als gläubige Christen hoffen wir darauf und glauben an die Auferstehung und das ewige Leben bei Gott. Aber ein Selbstläufer ist das nicht. Deshalb sollten wir die eindringliche Warnung Jesu ernstnehmen: Seid wachsam! Seid nicht gleichgültig! Bleibt verbunden mit Gott und Jesus Christus durch das Gebet und die Sakramente, welche Jesus uns geschenkt hat. Helft mit, in den Bereichen, wo wir es können, als Christen die Welt menschlicher, friedlicher zu machen.
Ja und auch das gehört zum Christsein: die Nachfolge Jesu bedeutet auch, täglich sein Kreuz auf sich zu nehmen. Daran führt kein Weg vorbei. Auch wenn es eine unbequeme Wahrheit ist, die wir am liebsten ausblenden möchten. Denn sein Kreuz täglich auf sich zu nehmen, ist alles andere als einfach.
Durch diese düsteren Szenarien scheint aber dennoch die Frohe Botschaft von Jesus Christus hindurch: wir werden auf unserem Weg von Gott nicht allein gelassen. Gerade durch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus, die wir Christen an Weihnachten feiern, ist uns der Allmächtige, unsichtbare Gott ganz nahe gekommen. Durch die Dunkelheiten unseres Lebens und der ganzen Welt hindurch scheint, noch verhüllt, der Glanz von Weihnachten, der Menschwerdung Gottes, der Beginn unserer Erlösung.
Am Ende der Zeiten steht die Wiederkunft von Jesus Christus in Macht und Herrlichkeit. Dann wird er sein Reich vollenden, welches er in seiner Erdenzeit angekündigt hat. So können wir voll Zuversicht unseren Lebensweg im Vertrauen auf Gott und Jesus Christus weiter gehen. Diese Gemeinschaft erleben wir in diesem Gottesdienst und beim Empfang der heiligen Eucharistie.
Jesu mahnende Worte möchte ich Ihnen mit auf den Weg geben: „Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Seid wachsam!“
© Wilhelm Kraft, Gemeinde St. Maria Böblingen, wilhelm-kraft@web.de
Die Welt stand und steht immer wieder am Rand von Abgründen. Es gibt viele gute Gründe sich zu fürchten, die Menschen wachzurütteln und zu ermahnen. Bei all dem sind wir getragen und gehalten vom Vertrauen in den Menschensohn Jesus Christus, der kommt, um uns zu retten und heimzuführen.
Diese Lesungen passen in die früh einbrechende Dunkelheit der herbstlichen Jahreszeit, dazu auch das gesellschaftliche Umfeld damals, dieses ist aber auch heute nicht sehr ermutigend: Krieg, Flüchtlinge, wirtschaftliche Probleme in Wohlstandsländern, düstere Prognosen und in der Heiligen Schrift steht: „Fürchtet euch nicht!“
Um diese wenigen Verse der ersten Lesung zu verstehen, hilft es, den geschichtlichen Hintergrund kennen. Es ist eine Zeit der Verfolgung unter dem Seleukidenkönig Antiochos IV. (167-164 v. Chr.), Israel war politisch und wirtschaftlich zerstört, ein „Land des Staubes“ (Vers 2), das mit dem Totenreich in Zusammenhang gebracht wird. dDer Engelsbote Michael tritt in Erscheinung. Es soll eine Wende dieser Notsituation stattfinden, denn die Auferstehung erwartet jene, die in ihrem Tun und in ihrem Glauben sich als gerecht erwiesen haben.
Kriege bringen immer Not und Leid, durch Menschen verschuldet. Der eigentliche Retter, so die zweite Lesung, ist der Hohepriester Jesus, er opfert sich einmalig als Ja Gottes zu uns, weil der Mensch immer wieder nein zu Gott sagt; nicht immer wörtlich ausgedrückt. Aber durch sein Verhalten zeigt er Gleichgültigkeit, Ablehnung, Unwilligkeit und Unkenntnis, was einem Nein gleichkommt.
Das Evangelium bringt ganz andere Einsichten. Es ist schwer auszulegen, kann aber trotzdem große Hilfe sein. Wie schon erwähnt, werden wir immer wieder aufgefordert, uns nicht zu fürchten. Wir haben es mit einem zweiteiligen Evangelium zu tun. Der erste Teil bildet einen historisch christologischen Hintergrund, der zweite Teil mit dem Feigenbaumgleichnis bringt eine Beobachtung aus dem Alltag.
Zunächst einige Feststellungen zum Markusevangelium. Der Verfasser schreibt das Evangelium um das Jahr 70, als der Tempel zerstört wurde, damit ist ein wichtiges Identitätsmerkmal des Judentums zu Fall gebracht worden. Der Ort der gemeinsamen Rituale, des Feierns, der gemeinschaftlichen Zusammenkünfte ist zerstört. Viele Juden sind heimatlos geworden und zerstreuen sich in alle Welt, apokalyptische Stimmung.
Die Bibelstelle, die wir heute hörten, zählt zur sogenannten „Kleinen Apokalypse“. Apokalyptische Texte gibt es in der Bibel einige. Zur „Großen Apokalypse“ gehört die „Offenbarung des Johannes“. Obwohl alles fürchterlich ist, ist es ein Trostbuch, das uns sagen will, es wird alles ein gutes Ende nehmen. Gott besiegt das Böse.
Wie sieht das heute aus? Die Natur schlägt zurück, vor zwei Monaten gab es schwere Überschwemmungen im Osten Österreichs, Überschwemmungen auch in Frankreich und Italien, im Sommer fiebert die Natur, 40°C sind keine Seltenheit mehr. Bei 40°C Körpertemperatur befindet sich der Mensch in Lebensgefahr. Viele Ängste, aus denen Hysterie entsteht, neurotische Störungen, die zu Labilität und Oberflächlichkeit führen. Hier kühlen Kopf zu bewahren, wäre schon eine Hilfe.
Wenn diese unangenehmen kosmischen Zeichen, inklusive Naturkatastrophen, geschehen, kommt der „Menschensohn in den Wolken.“ (Mk 13,26). Menschensohn, ein christologischer Titel, ein Titel des Vertrauens, Gott wird Mensch, einer von uns. Das feiern wir zu Weihnachten. Dieser Menschensohn bringt Friede und Rettung aus allem Unheil. In diesem Titel steckt der Erlösungsgedanke für uns alle. Der Tiel „Sohn“ zeigt ein besonderes Naheverhältnis zu Gott.
Den Feigenbaum in seinem Wachstum, in seiner Entwicklung, sollte man beobachten, seinen Wert als Schattenspender in glühend heißen Tagen schätzen lernen, genauso seine Frucht als eines der Grundnahrungsmittel für die Menschen in Palästina. Er gibt auch Geborgenheit. Das Evangelium fordert uns auf: „Lernt etwas!“ Das bedeutet für uns, dass wir unsere Sinne schärfen. Wachstum und Entwicklungen gehen meist sehr langsam vor sich. Das gilt auch für unser Glaubensleben, wenn wir in der Erkenntnis Gottes voranschreiten.
Der Feigenbaum bringt gute, süße Früchte hervor. Welche Früchte bringt unsere Lebensentwicklung? Wie sieht unser Beitrag dazu aus? Wo unser Mühen mit Rückschlägen verbunden ist, wird Er es vollenden. Das ist „Leben in Fülle“ (Joh 10,10) Von schrecklichen Zeiten, Mühsal und Not brauchen wir uns nicht unterkriegen lassen. „Fürchtet euch nicht!“, eure Erlösung kommt. Der Menschensohn macht sich zu einem Vertrauten von uns.
Die apokalyptischen Bilder des Evangeliums wirken bedrohlich. Sie wollen und können jedoch Hoffnung und Kraft geben, wachsam momentanes Chaos durchzustehen.
Gegenwärtig entsteht leicht der Eindruck, dass nicht viel Gutes von der gemeinsamen Zukunft zu erwarten ist. Vieles erscheint den Menschen bedrohlich im Angesicht von eisiger, winterlicher Stimmung, ob politisch, gesellschaftlich oder persönlich. Dies alles ist nicht erbaulich, lässt keine Freude auf Zukunft aufkommen. Es ist wie damals, damals nach dem Jahr 70 der Zeitenwende, wo Jerusalem zerstört war und viele Juden und Christen kein Überleben sahen!
Im Evangelium haben wir heute gehört: "In jenen Tagen, nach jener Drangsal, wird die Sonne verfinstert werden und der Mond wird nicht mehr scheinen…"
Diese Worte, die uns in apokalyptischer Bildsprache einen Weltuntergang vor Augen führen, wollen als Hoffnungsbild verstanden werden: Das alles wird vergehen, es bleibt nicht, es kommen gerechtere Zeiten. Da geht es um Vertrauen auf die Kraft Gottes, auf seine Zusage gestern, heute und morgen. Wir erwarten eine zukünftige Welt, auf die wir uns freuen können.
Die apokalyptische Bilderwelt dieses Evangelienabschnittes beschreibt die damalige Gegenwart, in der das Markusevangelium entstanden ist: Leid, Elend, Verfolgung, Unterdrückung herrschten zu dieser Zeit unter der jüdischen Bevölkerung, aber auch unter den Menschen in anderen Gebieten, die von den Römern erobert wurden. Es war eine schwierige Zeit, die hier in Bildern aufgezeigt wird, eine Zeit, wo viele Probleme zu lösen sind.
Doch wird in dieser Apokalypse nicht nur eine Bedrohung, wie sie schon von den Menschen konkret erlebt wird, zum Ausdruck gebracht, sondern es sind Worte der Enthüllung, der Offenbarung. Der „Istzustand“, der wird hier geschildert wird, ist aber nicht des „Ende“, sondern der Blick der Menschen soll zugleich auf eine Zeitenwende gerichtet werden. So verwirrend das klingen mag: Es wird das Kommen und die Vollendung des Reiches Gottes angekündigt.
Wenn sich in einer solchen apokalyptischen Zeit Zukunftserwartungen auftun, dann heißt es wachsam zu sein, wachsam das Augenmerk auf das Aufkeimen der „Anderswelt“, dem Neuwerden einer Welt von Gottes Gerechtigkeit zu richten.
Diese Wachsamkeit muss sich mit Fragen konfrontieren lassen: Welche Zuversicht, welche Hoffnung braucht es für eine Zukunft in Verbundenheit, in Beziehung mit der Menschheit, der ganzen Schöpfung, wo Gottes Reich sich ausbreiten kann? Was stärkt Menschen in den Turbulenzen, in chaotischen die Gesellschaft spaltenden Zeiten?
In dieser Situation der Aussichtslosigkeit macht der biblische Autor den Menschen in ihrer pessimistischen, hoffnungslosen Welt Mut zum Aufbruch in eine von Gottes Gerechtigkeit erfüllte Zeit, wo sie Hoffnung und Zuversicht verspüren.
Aber woher diese Kraft zum Aufbruch nehmen? - Das Evangelium geht auf die Frage „Woher diese Kraft nehmen?“ konkret ein. Es antwortet mit der Botschaft vom Menschensohn, der Gerechtigkeit widerfahren lässt, wenn sich die Jünger und Jüngerinnen sich vom Menschensohn und seiner Botschaft vom Reich Gottes leiten lassen.
An sie wendet sich Jesus: „In jener Zeit sprach Jesus zu seinen JüngerInnen…", hörten wir im Eingangsvers zum heutigen Evangelium.
Das Bild vom „Menschensohn“ lässt aufhorchen. Es geht um den, der auf Gott vertraut und für die Schöpfung Verantwortung trägt. Dieses Menschensohnbild wird auf Jesus bezogen und ihm gilt die Nachfolge.
Dadurch wird die Welt verwandelt, sie wird gerechter und menschlicher, der Menschen würdig. Diese Verwandlung der Welt, das Kommen vom Reich Gottes, „der Tag des Herrn“ wie dies in den alten Schriften genannt wird, wird vom Evangelisten in himmlische Sphären verlegt:
In Vers 13,26-27 heißt es: „Dann wird man den Menschensohn in Wolken kommen sehen, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Und er wird die Engel aussenden...“ Diese Zukunftsvision wird mit dem Bild von „Engeln“ als Deuter des Zukünftigen verbunden. Das Kommen einer neuen Zeit wird hier aus dem Vergangenen her interpretiert bzw. gesehen.
Das herrschende Unrecht, das von Menschen anderen Menschen angetan wird, das andere ausgrenzt, Feindschaften schürt, Halbwahrheiten, Unwahrheiten, Bosheiten, Verschwörungstheorien, die vehement versuchen, die Gesellschaft zu verunsichern, zu zerstören, all das wird in apokalyptischen Bildern, Worten aufgedeckt, enthüllt und sichtbar gemacht.
Mahnungen zur Wachsamkeit und Zuversicht begleiten diese Bilder. Sie werden so zu Hoffnungsbildern wie im Vers 28: „Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum!
Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, erkennt ihr, dass der Sommer nahe ist.“
Eine neue Welt, eine Weltordnung mit dem Plan, aus der Zerstörung, aus der Drangsal neu Mensch zu werden, richtet auf, lässt „Neues wagen“. Dies ist eine Welt, auf die wir uns schon heute freuen können.
Gegen Ende des Kirchenjahres konfrontiert uns die Liturgie mit Fragen nach dem Sinn und Ziel des Lebens. Diese sind nicht nur für das erhoffte Danach bedeutsam, sondern auch für den Sinn und die Ausrichtung des Lebens jetzt.
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Im Jahr 1941 schreibt Hermann Hesse nach schwerer Krankheit das Gedicht “Stufen”. Das Leben, so lässt uns Hesse mit seinen Zeilen wissen, entwickelt sich fort um fort. Dabei lässt er uns im Unklaren, ob die Entwicklung irgendeine innere Begründung kennt, oder ob sie einfach ist, wie sie ist. Zwei Erkenntnisse aber bleiben auf dem Weg wichtig: Die Entwicklung geht voran und der Mensch kann dieses Fortschreiten nicht aufhalten, wohl aber beeinflussen. Der Mensch ist da und schreitet durch das Leben fort, nicht notwendigerweise höheren, aber sicher anderen Sphären entgegen.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Dieses Gedicht begleitet in Hesses Roman “Das Glasperlenspiel” die Hauptfigur, deren Dasein beinhaltet, mit den verschiedenen Quellen von Erkenntnis und Weisheit im Leben und ihren Widersprüchen umzugehen, sie einzuschätzen und zu nutzen, um sich schließlich im Leben zu entwickeln.
Ein Lebensthema, das keinem Menschen fremd ist. Die ewige Frage des Menschen aber bleibt, was denn der Motor eines jeden Anfangs, einer jeden Entwicklung - was denn der “Zauber” ist, der uns von Anfang an von Schritt zu Schritt bewegt. Ein Thema nicht nur der Philosophie und Literatur, sondern vor allem auch des Glaubens. Interessant aber: Während die Literatur das Leben als sich auf den Tod zubewegend betrachtet - jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben -, schaut der Glaube vom unausweichlichen Moment des Todes zurück aufs Leben. Aus gutem Grund: Im Tod wird Gottes Heilsversprechen vollumfänglich relevant, erst im Tod sehen wir, dass der Glaube an die Auferstehung hält, was er uns ein Leben lang verheißen hat.
Aus der Perspektive der Heilsbotschaft ist der Übergang vom Leben ins ewige Leben abenteuerlich. Ein Übergang, der dem Glauben nach einhergeht mit Abrechnung und Läuterung. Dieser Übergang kommt dramatisch daher. So heißt es heute: "die Sonne [wird] verfinstert werden und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. [...] Himmel und Erde werden vergehen."
Die endzeitlichen Bilder des Evangelisten Markus mögen in unseren Ohren und Herzen drastisch ankommen, aber mal ehrlich: Wie oft stehen wir entsetzt und angsterfüllt vor all dem, was unsere menschliche Geschichte an Furchterregendem so mit sich bringt. So können wir immer wieder feststellen, dass die Gefühlslagen, die diese Bilder erzeugen durchaus in unserem Leben vorkommen.
"Dann kommt eine Zeit der Not, wie noch keine da war, seit es Völker gibt, bis zu jener Zeit." Der Textabschnitt aus dem Buch Daniel gibt sich auch nicht beruhigender. So ist das eben in apokalyptischen Texten und Bildern: Sie spitzen unsere Ängste und Sorgen bis ins Unendliche zu und sie scheinen kein Entrinnen erkennen zu lassen. Wäre da nicht ein “aber”, eine Alternative, die Hoffnung aus dem Glauben. Daniel deutet sie schon an: "Doch zu jener Zeit wird dein Volk gerettet, jeder, der im Buch verzeichnet ist."
Im Neuen Testament wird diese Hoffnung auf Rettung noch viel konkreter - sie wird Mensch: "Dann wird man den Menschensohn in Wolken kommen sehen, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels", heißt es im Evangelium.
Aber bitte: Was soll dann das Leben selbst aus der Perspektive dieser Endzeit-Literatur sein: Warten aufs Ende, Vorgeschmack des Kommenden? Sonst nichts?
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten,
schreibt Hermann Hesse in seinem Gedicht “Stufen”. Und lässt uns aus dem Blickwinkel des Literaten wissen: Auch wenn das Leben rückwärts gedacht werden kann, es muss zuerst nach vorn gelebt werden, es muss sich - wortwörtlich - ent-wickeln. Das Leben im Hier und Heute ist kein Durchlauferhitzer, der uns warmlaufen lässt fürs Ewige. Die Endzeitliteratur, wie wir sie im Evangelium gehört haben, kann manchmal so ein Gefühl vermitteln. Leben im Hier und Heute aber hat seinen eigenen Wert - auch im Heilsplan Gottes. Davon geben etwa all die Heilungsgeschichten Zeugnis, die das Neue Testament uns überliefert: Heil Gottes ist ein Versprechen für die Ewigkeit, soll aber schon hier und heute erfahrbar sein am eigenen Leib und unser Dasein prägen.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Doch auch, wenn das Leben dem hiesigen Leben dienen soll, kennt es ein durchaus ja ein fernes Ziel. Für uns Christinnen und Christen ist das der Himmel, das Jenseits, das Ewige. Auch wenn sich das Leben zu leben lohnt bis zum allerletzten Schluss, weiß unser Glaube, dass es diesen allerletzten Schluss nicht gibt. Es gibt immer noch das 'Danach'. Ob sich die Wende so dramatisch einstellt, wie es uns der Evangelist mit seinen Bildern im heutigen Evangelium vermittelt, das wird sich dann einmal weisen. Vielleicht führt Gott uns einfach auf unscheinbaren Pfaden an seine Seite. Wir werden das sehen. Wie schon vor uns Hermann Hesse, nicht nur Literat, auch Sohn eines Predigerehepaares der Basler Mission:
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
Die Vergänglichkeit der Welt wird uns in den gegenwärtigen Ereignissen neu bewusst. Sie hat die Menschen seit jeher immer wieder geängstigt. In die Ängste seiner Zeit hinein ermutigt das Markusevangelium, der von Gott gegebenen Heilsgewissheit zu trauen.
Sie werden wahrscheinlich von Johann N. Nestroy (1801-1862) die Zauberposse „Der böse Geist Lumpazivagabundus“ mit den drei Handwerksburschen Knapp (ein Alkoholiker), Leim (mit Liebe zu Peppi Hobelmann) und dem Schneidergesellen Zwirn, der ständig auf Vergnügen aus ist, kennen. Das Werk aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts gibt Einblick in die hoffnungslose Situation arbeitsloser Handwerker. Die Coupletstrophen enden immer mit dem Refrain „Die Welt steht auf kan Fall mehr lang, lang, lang…“
Was wir besonders im Sommer an Naturkatastrophen erlebt haben und was wir den Texten aus dem Buch Daniel und dem Markusevangelium entnehmen, lässt nach diesen Feststellungen Staunen aufkommen, dass die Welt noch immer nicht untergegangen ist.
Was sich durch die Geschichte immer wieder abgespielt hat und auch gegenwärtig in Teilen der Welt abspielt, ist keinesfalls friedlich. Die Welt ist nicht unbedingt ein Ort zum Ausruhen. Wie passt das alles mit einer Frohbotschaft zusammen? Hier würden wir besser von guten und hoffnungsvollen Nachrichten sprechen. Warum das so ist, wollen wir gemeinsam überlegen: Von Anfang an gibt es in diesem Weltall und auf unserem Planeten ein Werden und Vergehen, Zusammenstöße von Gestirnen, Vernichtung und neues Leben auf unserer Erde. Es gibt Ordnung und trotzdem auch Unordnung. Das reicht bis in den menschlichen Organismus hinein, auch dieser ist fehlerhaft, löst Krankheiten aus, vieles wird wieder korrigiert, sodass wir noch weiterleben können.
Das Markusevangelium wurde um das Jahr 70 verfasst, der Tempel als wesentliches Identitätsmerkmal der Juden war durch die Römer zerstört, das Volk wurde in das Römische Reich eingegliedert und war nach vielen Aufständen fast ausgerottet. Auch Großreiche wie das Reich Alexanders des Großen und später das Römische Reich, auch die ehemalige Sowjetunion müssen vergehen. Naturereignisse, Krankheiten, Kriege geben allem Leben und auch der Materie ein Ablaufdatum, sodass der Eindruck entsteht: „Die Welt steht auf kan Fall mehr lang…“. Durch die Heilige Schrift wird uns immer wieder nahegelegt: „Fürchtet euch nicht!“ Das ist die gute Nachricht, noch nicht die Frohe Botschaft.
Gott spricht nicht nur durch das Wort zu uns, an das wir glauben, dem wir Vertrauen schenken und es ernstnehmen sollten, sondern auch durch die Zeichen der Zeit; gegenwärtig durch die Pandemie, nicht als Strafe, wie man immer wieder hört, sondern als Hinweis, worauf wir besonders achten sollten. Wir haben hier keine Sicherheiten, wohl aber eine Heilsgewissheit, die Glauben und Vertrauen voraussetzt.
Seuchen, Erdbeben, wie kürzlich wieder auf Kreta, Vulkanausbrüche auf der Ferieninsel La Palma mit zwei Lavaströmen, 1270° heiß, dazu Erdbeben und tausende zerstörte Gebäude, Überschwemmungen, all das weist schmerzlich darauf hin, dass alles vergänglich ist.
Die Lehre daraus: nicht allzu stark an den irdischen Gegebenheiten hängen, Veränderungen wahrnehmen und nicht gleich bejammern, das Gute behalten, das rasante Leben entschleunigen. Leben ist nicht bis ins Detail planbar. Wenn alles vernichtet ist, ist die Erlösung nahe. „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ Weiters: „Es wird euch kein Haar gekrümmt.“ (Lk. 21,18).
Die Jünger bekommen eine Lektion aus der Beobachtung des Feigenbaums. Ein Naturgleichnis. Die Frucht des Feigenbaumes gehört in Palästina neben Oliven (Öl) und Wein (Trauben) zu den Grundnahrungsmitteln. Unter einem Feigenbaum zu sitzen bedeutet glückliches, friedliches Leben. Die Griechen schreiben den Früchten des Feigenbaumes besonders belebende Wirkung bis hin zu sexuellem Verlangen zu. Wenn die Zweige saftig werden sollen, braucht es Zeit und auch Pflege ist erforderlich. Man muss Zweige abschneiden, damit verbleibende Äste besser wachsen, einen Energieschub bekommen.
Auch unser Leben, benötigt oft schmerzhafte Schnitte. Zweige, die uns in unserer persönlichen Entwicklung hemmen und unnötig Kraft vergeuden sind der Zweig der Unzufriedenheit, des Herummeckerns, der Zweig der destruktiven Haltung bis hin zum permanenten Pessimismus.
Der Feigenbaum ist ein trostvolles Bild trotz vieler Katastrophen. „Die Welt steht auf kan Fall mehr lang“, so das Nestroy-Couplet. Die letzte Strophe aber lautet: „Die Welt, hoffentlich steht sie noch lang.“ Der Feigenbaum und damit Jesus verspricht Leben, Lebensentwicklung. Was der Vergänglichkeit unterworfen, was zerbrochen ist, wird heil. So wird aus der „Guten Nachricht“ eine „Frohe Botschaft“, trotz aller Unglückspropheten und Populisten.
Am Ende des Kirchenjahres lenkt die Liturgie unsere Aufmerksamkeit auf das Ende. Alles hat ein Ende, auch Schrecken und Not. Der Glaube an die Anwesenheit Gottes auch in der Not gibt uns Hoffnung und Kraft in Zeiten des Schreckens und der Not.
Die Absicht des Evangelisten, die er mit seinem Rückgriff auf apokalyptische Texte verfolgt, ist die Stärkung des Gottvertrauens.
Die apokalyptischen Texte machen nicht Angst, sie decken die Ängste der Menschen auf. Es gibt die große Not, von der sie erzählen. Die biblischen Texte stellen ihr die Hoffnung der Glaubenden entgegen, denn Gott hat die Welt geschaffen und er bewahrt ihr die Treue.
Wir glauben einerseits an die Gegenwart Christi in unserer Welt, andererseits erwarten wir, dass er wiederkommt. Wir erhoffen, ihm in unserem persönlichen Tod zu begegnen und in das ewige Leben einzugehen.
Die Botschaft vom kommenden Herrn, der die Welt richtet und vollendet, ist uns irgendwie fremd, ja sie wirkt beklemmend. Die Bilder künden von der sich verfinsternden Sonne, vom Mond, der nicht mehr scheint und den Sternen, die vom Himmel fallen: das flößt Angst ein. Zudem wird der Untergang Jerusalems und das Ende des Tempels mit dem Weltgeschick verwoben. So findet man nur allgemeine Aussagen.
Doch Jesus will die Seinen inmitten dieses Schrecken einjagenden Chaos nicht verwirren, sondern trösten. Er kommt den Glaubenden von den Wolken des Himmels her entgegen mit großes Macht und Herrlichkeit. Er sammelt die von ihm Erwählten.
Wir sind gewohnt an Jesus zu denken als Herrn, der immer da ist, der geheimnisvoll bei uns gegenwärtig ist, besonders im Gebet, im Wort und in der Eucharistie. Doch Er ist auch der noch Kommende, der Zukünftige. Es wird sich herausstellen, wer dieser Jesus wirklich ist und was wir ihm verdanken, wenn er als der Menschensohn vom Himmel kommt. Diese Glaubenswahrheit vergessen wir häufig.
Im Thessalonicher-Brief, der ältesten Schrift des Neuen Testaments, bekräftigt Paulus: „Er der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch, und er bewahre euch unversehrt und untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!“
Der Menschensohn kommt. Und es gibt viele Zeichen, globale Erschütterungen, Not, Schwierigkeiten. Jesus will sagen: So wie man durch den treibenden Feigenbaum den nahenden Sommer erkennt, werden die Gläubigen genug Zeichen finden, durch die sie Sein Kommen angekündigt sehen. Der Hinweis, dass diese Generation alles noch erleben wird, traf nicht ein. Wir dürfen folgern, dass die Prophetie über den Untergang Jerusalems und den endgültigen kommenden Christus keine Zeitangaben sind. Im persönlichen Tod allerdings vollzieht sich für jeden von uns das Kommen Christi. Wir kommen heim zum Herrn.
Um über unseren Tod ins Leben einzugehen, sollten wir uns heute neu für Gott entscheiden, ihn zur Mitte unseres Lebens machen: wir tun es, wenn wir jeden Tag in uns - durch Schritte der Liebe - dem Ich sterben - , um Gott in uns leben zu lassen. Sterben in jedem Augenblick und auferstehen in Glaube und Liebe macht aus unserem Leben ein göttliches Abenteuer. So wird der Himmel ein Haus, das wir hier auf Erden bauen und das wir durch den Tod dann einmal drüben, im Himmel, bewohnen können.
Wir dürfen uns trösten lassen. Im Kommen Jesu werde ich, werden wir zu dem, wozu uns Gott ins Leben rief, wir reifen für seine Gemeinschaft. Er erschuf uns durch sein Wort. Wir versuchen gelebtes Wort zu sein, und werden am Ende in Christus Wort in Fülle sein.
In unserem Sterben geschieht für uns die persönliche Ankunft des Herrn. Menschen, die beim Sterben dabei stehen, erleben das Erlöschen des Lebens im menschlichen Körper. Wenn einer stirbt, sehen wir von außen den Tod. Alles hört auf. Der Glaube aber sagt, dass der Sterbende dem Leben in Christus begegnet. Der Sterbende ruft: Endlich, Jesus, sehe ich Dich als meinen Retter! Endlich bin ich bei Dir zu Hause!
Ein Alptraum! Wenn die Sonne erlischt, der Mond nicht mehr scheint, die Sterne gar vom Himmel fallen - dann ist alles am Ende. Wir auch. Wir sind verloren, erfroren, erschlagen. Eine entsetzliche Leere am Himmel und die Erde ganz zertrümmert - und es ist niemand mehr da, der klagen, weinen, hoffen könnte.
Ich muss an die Schöpfungsgeschichte denken. Sie erzählt vom Anfang. Sie erzählt von der großen Finsternis. Die Erde ist wüst und leer, bevor das Licht geschaffen wurde, Sonne und Mond, Tag und Nacht. Kennt ihr die ersten Worte Gottes? "Es werde Licht" - und siehe: "es ward Licht". Wenn Gott redet, wird es hell. Der erste Tag wird in seiner ganzen Schönheit vorgestellt. Licht. Wärme. Leben. Wenn die Sonne aufgeht, der Mond erhaben am Himmel erscheint, die Sterne leuchten - ich kann mich dann freuen, als wär's mein "erster" Tag.
Und jetzt? Ein Albtraum! Alles verrückt, durcheinander, heillos. Ich möchte aufwachen, die Augen reiben. . . ich brauche die Welt mit ihren vertrauten Gesichtern und Lichtern. Es reicht schon, dass in meinem Leben so manches aus den Fugen geraten ist. Egal, wie lange schwierige Phasen dauern - im Wechsel von Tag und Nacht geht mir doch jeden Tag neu das Leben auf. Nein, Evangelist, ich mag deine Geschichte nicht. Lass die Sterne am Himmel! Bitte!
Zugegeben: Wer den Horror liebt, in Kinolänge natürlich, wird auf seine Kosten - und seinen Grusel - schon kommen. Aber längst treten neue Bilder - und Ankläger - auf: Wir sehen das Eis am Nordpool schmelzen, jahrtausende alte Gletscher schwinden, Flussdeltas und Küsten im Wasser untergehen. Wir sehen Tsunamis Land verschlingen und Taifune in Windeseile Menschen vor sich hertreiben. Schneller, als sie laufen können. Die Zeichen des Unheils haben das Firmament längst verlassen. Uns beschleicht sogar die Ahnung, dass wir Menschen unsere Hände dabei im Spiel haben.
Manchmal klagen wir, dass die Welt kalt ist. Wir nennen sie gelegentlich auch "finster". Da kann die Sonne dann scheinen wie sie will. Für manchen Menschen ist die Welt tatsächlich schon am Ende. Ohne Hoffnungsschimmer, ohne Vertrauen, ohne Liebe. Im Evangelium ist von einer großen Not die Rede.
Die große Not geht über die ganze Welt. Das ist die ungeheure Kraft apokalyptischer Vorstellungen und Bilder, die den Kosmos, die ganze Schöpfung, alles Leben bedroht sieht. Lange, bevor das Wort Globalisierung überhaupt gefunden wurde. Nie konnten Menschen nur von sich reden - und reden machen.
Dass das Evangelium apokalyptische Vorstellungen und Bilder aufgreift, die auch früher schon in der Luft lagen, überrascht also nicht. Aber die Blicke werden nicht nur auf die großen Gefährdungen gelenkt, sondern vielmehr auf - die große Hoffnung! Wir sehen schon den Menschensohn, Jesus, in Macht und Herrlichkeit erscheinen - und die Auserwählten Gottes aus allen Himmelsrichtungen heimkehren. Überhaupt fällt auf, wie bescheiden im Evangelium die schrecklichen Zeichen sichtbar gemacht werden. Es ist, als ob jeder falsche Blick abgewehrt werden soll. Und vor allem: die Angst wird verbannt. Sie soll über die Herzen, Gedanken und Träume der Menschen keine Herrschaft übernehmen. Sie soll sich auch nicht in Hysterie verwandeln können. Weil Gottes Wort in Ewigkeit besteht. So geheimnisvoll es sich anhört, dass Erde und Himmel vergehen - sein schöpferisches Wort stellt Gott darüber. Es ist seine einmal versprochene und verbürgte Treue. Sie verfällt nicht. Sie wird auch nicht geopfert. Von ihm schon gar nicht. Von ihm heißt es, dass er das Werk seiner Hände nicht preisgibt.
Wer allerdings apokalyptische Vorstellungen und Bilder kennt - heute kann man sie bunt und schnell im Kino über sich ergehen lassen -, wird schnell in eine Auseinandersetzung zwischen "gut" und "böse" hineingezogen. So haben die Menschen das eigentlich auch immer gesehen. Wenn sie die Bösen ausmachen und ausmerzen, könnte das Unheil an ihnen vorübergehen. Dachten sie. So wurden Menschen verbannt und verbrannt: Hexen, Juden und Ketzer. Oft -zu oft - auch im Namen Gottes. Angst wurde sogar bewusst geschürt, um Menschen zu unterwerfen, auf Linie zu bringen, ihr Gewissen zu brechen. Auf jeden Fall traf es die anderen, die Andersartigen, die Fremden. Fällt euch noch jemand ein? Vielleicht aus dem letzten Film? Das Thema ist nämlich nicht von gestern. . .
Es ist eine schreckliche Geschichte, die blutige Spuren hinterlässt. Gott selbst wird in ihr zu einem Rächer gemacht, den man braucht, um menschliche Vorstellungen von einer "reinen" Welt, einer "reinen" Art oder eines "reinen" Glaubens durchzusetzen. Sein Gericht wird eigenmächtig vorweggenommen, sein Wort okkupiert, sein Name missbraucht. Es gibt keine Barmherzigkeit und keine Gnade. Nur Angst und Verlorenheit. Statt Heil - kommt nur das Unheil. Statt Frieden - nur Hass. Statt Gewissheit - nur Zweifel.
Jesus hat gewusst, warum er die Geschichte anders erzählt. Er zeigt uns einen Feigenbaum. Er lässt uns die saftigen Blätter berühren und die zarten Früchte bestaunen. Nicht mehr lange, dann ist der Sommer da. Die Zeit der Reife. Die Zeit der Ernte. Es wird eine gute Ernte!
Fällt Ihnen etwas auf? Die Sonne leuchtet, der Mond scheint, die Sterne funkeln. Ein einziger Feigenbaum reicht, um die neue Zeit vorzustellen. Hier kann niemand die Früchte wie Fäden ziehen, auch nicht an ihnen zerren - sie wachsen einfach. Ein zuversichtliches, hoffnungsfreudiges Bild. Ohne Gewalt, Zorn und Angst. Ohne Weltuntergang. So stelle ich mir das Paradies vor - mit einem Feigenbaum.
Was in diesem Bild steckt, kommt einem Aufstand gleich. Das Leiden hat ein Ende. Die schrecklichen Erfahrungen, die Menschen machen, die die Welt zerreißen, die zum Himmel schreien - sie werden gepflückt, abgenommen, geborgen.
Übrigens: Das Evangelium erzählt, wie Jesus Leid und Schuld auf sich nimmt und trägt. Wie er für andere in den Tod geht. Wie er das Leben erobert. Sein Kreuz wird zu einem Zeichen der Liebe und des Mitleidens Gottes. Von den Toten auferweckt, wird Jesus mit Macht und Herrlichkeit die Welt vollenden. Er wird Menschensohn genannt.
Das letzte Wort gleicht dem ersten: "es werde Licht".
Ohne meine Mit-Schuld und Verantwortung verdrängen zu wollen, verstehe ich die Bitte, die Bartholomäus Ringwaldt 1582 formuliert hat:
O Jesu Christ, du machst es lang
mit deinem Jüngsten Tage;
den Menschen wird auf Erden bang
von wegen vieler Plage.
Komm doch, komm doch, du Richter groß,
und mach uns bald in Gnaden los
von allem Übel. Amen.
Was kommt als Nächstes? - Eine gängige Frage. Aber am Ende des Lebens, am Ende unseres Daseins? Was kommt als Nächstes? Die endzeitlichen Bilder der Schrifttexte wollen uns heute herausfordern.
Bereiten wir Herz und Sinne in einem Moment der Stille vor.
Jesus Christus,
Anfang und Ende allen Seins.
Herr erbarme dich.
Jesus Christus,
Grund und Absicht unserer Geschichte.
Christus erbarme dich.
Jesus Christus,
Hoffnung und Zuversicht aller Menschen.
Herr erbarme dich.
Der gütige Gott erbarme sich unser,
er befreie uns von Schuld und innerer Not,
er schenke uns ein gutes Sein in unserer Zeit
und nach diesem Ende einen Platz in seinem Reich. – Amen.
Herr, Jesus Christus,
du bist gekommen, um uns das Gesetz der Liebe des Vaters ganz neu ins Herz zu legen.
Herr, erbarme dich.
Du hast dich der Verwirklichung dieses Gesetzes bis in den Tod hingegeben.
Christus, erbarme dich.
Du hast alles Totbringende überwunden und bist auferstanden,
damit auch wir ewiges Leben haben.
Herr, erbarme dich.
Gott, du Urheber alles Guten,
du bist unser Herr.
Laß uns begreifen, daß wir frei werden,
wenn wir uns deinem Willen unterwerfen,
und daß wir die vollkommene Freude finden,
wenn wir in deinem Dienst treu bleiben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 33. Sonntag im Jahreskreis
Ewiger Gott.
Die Tage zerrinnen uns zwischen den Händen.
Unser Leben schwindet dahin.
Du aber bleibst.
Gestern und heute und morgen
bist du derselbe.
Von Ewigkeit her kennst du uns.
Unsere Zukunft liegt in deiner Hand.
Mach uns bereit für alles,
was du mit uns tun wirst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 31
Gott, du bist da.
Deine Gegenwart umhüllt und durchdringt uns
wie die Luft, die wir atmen,
ohne die wir nicht leben können.
Gib, daß wir dir ganz vertrauen
und leben ohne Angst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 5
Gott, unsere Hoffnung,
du allein kennst die Stunde,
in der du alles vollenden wirst.
Wecke uns aus trügerischer Sicherheit,
damit wir auf deine Zeichen achten
und bereit sind für die Wiederkunft deines Sohnes,
unseres Herrn Jesus Christus,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und regiert in Ewigkeit.
WB 33. Sonntag im Jahreskreis B
Gütiger Gott,
am Ende unserer Zeiten
öffnest du uns die Tore zu deiner Ewigkeit.
Worauf wir hoffen dürfen und was uns erwartet,
hat dein Sohn in seinem Leben
durch Wort und Tat den Menschen aufgezeigt.
Lass uns im Vertrauen auf diese Zusage
unserer Leben im Hier und Heute
mit Hoffnung und Zuversicht angehen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Vater im Himmel,
durch Jesus Christus hast du uns einen Neuanfang geschenkt.
Auf sein Leben schauend
und auf seine Zusagen vertrauend,
dürfen wir jede Woche –
ja, jeden Tag - neu beginnen.
Lass seinen Zuspruch uns in dieser Feier ganz erreichen
und schenke uns die Kraft, ihm immer besser zu folgen,
damit wir mit ihm unterwegs bleiben,
und so deine heilbringende Liebe in dieser Welt sichtbar wird.
Christus, dem Herrn der Zeit, lasst uns unsere Bitten anvertrauen:
Für Seelsorgerinnen und Seelsorger, die ihr Leben selbst von dir, dem Gott des Lebens, bestimmen lassen und diese Hoffnung in unserer bedrängten Zeit verbreiten.
Für die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, die überlegt und zum Wohl aller handeln und damit viel Angst und Resignation überwinden helfen.
Für alle, denen die alltäglichen Notsituationen anderer auffallen und ihnen beherzt und selbstlos Hilfe anbieten.
Für uns selbst im Auf und Ab unseres Lebens um die Zuversicht, dass wir immer unter deinem Schutz stehen.
Für unsere Verstorbenen und alle, die den Hinterbliebenen in ihrer Trauer beistehen und ihnen zu neuen Lebensperspektiven verhelfen.
Denn durch dich, Herr Jesus Christus, ist uns der Zugang zu deinem und unserem Vater offen. Dafür danken wir dir und ehren dich jetzt und allezeit. Amen.
Auf Zukünftiges hoffen ohne Gegenwärtiges aus dem Blick zu verlieren, das ist uns Christinnen und Christen aufgetragen.
So wollen wir dich, unseren Gott, bitten:
Wir beten für alle, die nichts mehr hoffen und nichts mehr erwarten:
Schenke ihnen einen weiten Horizont.
Du Herr über Anfang und Ewigkeit:
Wir bitten dich, erhöre uns.
Wir beten für alle, die sich in fixe Ideen vom Leben verbohrt und für deine Fügungen kein Gespür mehr haben:
Schenke ihnen eine neue Freiheit des Herzens.
Du Herr über Anfang und Ewigkeit…
Wir beten für die Männer und Frauen in unseren Gemeinden, in unseren Bistümern und in der ganzen Weltkirche, die sich auf den Synodalen Weg begeben:
Schenke ihnen ein offenes Ohr für das, was der Heilige Geist von ihnen will.
Du Herr über Anfang und Ewigkeit…
Wir beten für alle Menschen, die der Tod vom Irdischen getrennt hat und die in der Hoffnung auf deine Gastfreundschaft in der Ewigkeit ihre letzte Reise angetreten haben:
Schenke ihnen einen Platz bei dir.
Du Herr über Anfang und Ewigkeit…
Guter Gott, du hältst unser Los in deinen Händen.
Im Vertrauen, dass wir bei dir geborgen sind, vertrauen wir dir unsere Bitten an.
Höre sie und geh mit uns, Schritt um Schritt unseres Lebens. – Amen.
Zu Gott, der seinen Sohn nicht dem Tod überlassen sondern zum ewigen Leben erweckt hat,
lasst uns voll Vertrauen beten:
Für alle, die sich in deiner Kirche mit all ihren Kräften engagieren und dabei dir dem lebendigen Gott, das letzte Wort zutrauen.
Für die vielen, die die Klimakrise nicht verdrängen sondern sich gemeinsam für den Erhalt deiner Schöpfung einsetzen.
Für die an Covid Erkrankten und alle Pflegenden, die sich nach der langen Zeit beruflicher extremer Belastung ausgebrannt und am Ende ihrer Kräfte fühlen.
Für uns selbst, wenn wir uns der Vergänglichkeit unserer biologischen Existenz angstvoll bewusst wird und wir nach einer Hoffnungsperspektive suchen, die über dieses Leben hinausweist.
Für unsere lieben Verstorbenen, für die wir im Glauben erhoffen, dass sie nicht im Dunkel des Nichts versunken sind sondern du ihnen ewiges Leben schenkst.
Denn du schenkst uns am Ende aller Mühsal ewiges Leben. Darauf vertrauen wir und danken dir mit Christus, der uns durch sein Leiden und Sterben ein für alle Mal die Versöhnung mit dir erwirkt hat. - Amen.
Herr, unser Gott,
die Gabe, die wir darbringen,
schenke uns die Kraft, dir treu zu dienen,
und führe uns zur ewigen Gemeinschaft mit dir.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 33. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
in sicherem Vertrauen auf das Wort deines Sohnes
bitten wir in seinem Namen:
Nimm die Gaben an, die wir dir darbringen,
und heilige sie
durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Votivmesse Namen Jesu
Allmächtiger Gott,
alles, was wir haben, kommt von dir.
Nimm die Gaben an, die wir darbringen.
Mache sie für uns in diesem Leben
zum Sakrament der Erlösung
und rufe uns an deinen Tisch im kommenden Reich.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 1. Adventsonntag
Allmächtiger Gott,
wir bringen dir das Opfer der Versöhnung dar.
Tilge unsere Schuld
und gib unserem unbeständigen Sinn
Richtung und Halt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Dienstag der 5. Woche der Fastenzeit
Guter Gott,
die Gaben von Brot und Wein
sind Vorgeschmack deiner kommenden Herrlichkeit.
Hier auf Erden
bezeichnen sie die lebendige Gegenwart deines Sohnes,
der uns einlädt zum Gastmahl in deinem Reich.
Für all dies danken wir dir, guter Gott,
durch Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Kehrvers:
Wir loben dich, wir danken dir!
Großer Gott, wir kommen zu Dir,
um dir unseren Dank darzubringen.
Kehrvers
Wir danken dir, dass du uns deine Liebe niemals entzogen hast.
Du hast nicht aufgehört die Menschen zu lieben;
Auch wenn sie von deinen Wegen abgewichen sind.
Alle: Wir loben dich, wir danken dir!
Du hast auf die Not deines Volkes geschaut und dich seiner erbarmt,
als es ausgebeutet und unterdrückt wurde.
Kehrvers
Durch die Propheten hast du dein Volk in Zeiten der Verfolgung gestärkt
und in ihm die Hoffnung aufrecht erhalten.
Kehrvers
Als die Zeit erfüllt war, hast du deinen Sohn gesandt,
um dir aus allen Nationen ein neues Volk zu sammeln
und diesem deine Liebe zu offenbaren.
Kehrvers
In Christus Jesus bist du bei uns alle Tage bis an die Grenzen der Welt
und bis ans Ende der Zeiten.
Kehrvers
Er wird wiederkommen, um die von ihm Auserwählten
zum ewigen Leben zu erwecken und in deine Herrlichkeit zu führen.
Kehrvers
Für diese Hoffnung danken wir dir und preisen wir dich
mit allen Engeln und Heiligen.
Danklied, z. B.: Singt dem Herrn ein neues Lied (GL 409)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem,
was du an uns getan hast:
Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit
zu Hilfe gekommen und
hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn
Rettung und Heil gebracht
aus unserer menschlichen Sterblichkeit.
So kam uns aus unserer Vergänglichkeit
das unvergängliche Leben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den
Chören der Engel das Lob
deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 3
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben.
Denn deine Vorsehung waltet über jeder Zeit;
in deiner Weisheit und Allmacht
führst du das Steuer der Kirche
und stärkst sie durch die Kraft des Heiligen Geistes.
In ihm kann sie allezeit auf deine Hilfe vertrauen,
in Not und Bedrängnis zu dir rufen
und in Tagen der Freude dir danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir dein Erbarmen
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Heiliger Geist 2
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn ihn hast du zum Haupt
der neuen Schöpfung gemacht,
aus seiner Fülle haben wir alle empfangen.
Obwohl er dir gleich war an Herrlichkeit,
hat er sich selbst erniedrigt
und der Welt den Frieden gebracht
durch sein Blut,
das er am Stamm des Kreuzes vergossen hat.
Deshalb hast du ihn über alle Geschöpfe erhöht,
so wurde er für jene, die auf ihn hören,
zum Urheber des ewigen Heiles.
Durch ihn preisen wir jetzt
und in Ewigkeit dein Erbarmen und
singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Wochentage 1
Während wir uns fragen: „Herr, wann kommst du?“, ist er beim Vater.
Es ist der Vater, zu dem wir rufen:
Vater unser…
Herr, wenn du am Ende der Tage kommst, wird alles so sein, wie du es willst.
Wenn du uns deinen Frieden schenkst, kann heute etwas mehr zu dem werden, was es sein kann.
Darum bitten wir dich:
Schaue nicht auf unsere Sünden...
Ich sagte zum Herrn:
Mein Herr bist du, *
mein ganzes Glück bist du allein.
(Ps 16,2)
Du zeigst mir den Pfad zum Leben.
Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle,
zu deiner Rechten Wonne für alle Zeit
(Ps 16,11)
Oder:
So spricht der Herr:
Himmel und Erde werden vergehen,
aber meine Worte werden nicht vergehen.
(Mk. 13,31)
Oder:
Wacht und betet allezeit,
damit ihr hintreten könnt vor den Menschensohn.
(vgl. Lk 21,36)
Das Ende der Zeiten wird kommen
unausweichlich
wir wissen es.
Auch das Ende unserer Zeit wird kommen
unausweichlich
auch das wissen wir.
Aber Gott will uns keine Angst einjagen
keinen Schrecken verbreiten
sondern Hoffnung schenken:
Jesus Christus wird kommen
um die Welt und uns zu vollenden.
Er ist der Retter und Heiland.
Wer zu ihm kommt und ihm folgt
wird nicht verloren sein.
Heute nicht
und nicht in Ewigkeit.
Barmherziger Gott,
wir haben den Auftrag deines Sohnes erfüllt
und sein Gedächtnis begangen.
Die heilige Gabe,
die wir in dieser Feier empfangen haben,
helfe uns,
daß wir in der Liebe zu dir und unseren Brüdern
Christus nachfolgen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 33. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
im heiligen Mahl
hast du uns mit deinem Geist erfüllt.
Lehre uns durch die Teilnahme an diesem Geheimnis,
die Welt im Licht deiner Weisheit zu sehen
und das Unvergängliche mehr zu lieben
als das Vergängliche.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Adventsonntag
Barmherziger Gott,
du hast gewollt,
dass vor dem Namen Jesus jedes Knie sich beuge
und dass alle Menschen durch ihn gerettet werden.
Gib, dass wir dir in der Feier der Eucharistie
allezeit für das Werk der Erlösung danken
und unseren Herrn Jesus Christus ehren,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Votivmesse Namen Jesu
Herr, unser Gott,
wir haben zum Gedenken an deinen Sohn
das Opfer dargebracht,
wie er es uns aufgetragen hat.
Durch die Teilnahme an dieser Feier
mache uns mit Christus zu einer Gabe,
die für immer dir gehört.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Votivmesse von Jesus Christus dem Hohenpriester
Barmherziger Gott,
wir haben Mahl gehalten
als Vorfreude auf die kommende Herrlichkeit.
Hilf uns, diese Freude in unserer Welt auszubreiten,
um die Menschen spüren zu lassen, was Reich Gottes meint.
Dein göttliches Wort von der Ewigkeit
sei uns Richtschnur und Hilfe dabei.
So bitten wir durch Christus unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Vater im Himmel,
durch die Opferbereitschaft deines Sohnes Jesus Christus,
hast du uns zugesprochen,
dass auch wir zur Vollendung geführt werden
und dass all unsere Übertretungen und Verfehlungen
durch ihn und in ihm erlöst und vergeben sind.
Wenn wir jetzt,
gestärkt im Versöhnungsmahl Jesu,
in die neue Woche gehen,
mache auch uns bereit,
dass wir liebend und versöhnend
auf unsere Mitmenschen zugehen
und so mitgestalten an einer Welt,
wie du sie dir erdacht hast.
Lege dein Gesetz in unser Herz,
schreibe es in unser Inneres
und schenke uns zu allem Tun die Kraft des Hl. Geistes.
Text und Musik von Reinhard Burchhardt. Warburg 2009.
burchhardt-r@t-online.de
Wie viele Generationen
mögen gedacht haben
sie leben in der angesagten
apokalyptischen Zeit
wie viele mögen gedacht haben
jetzt kann es doch nur
zu Ende gehen
in den vielen Kriegen –
bis heute –
oft geführt
im vermeintlichen Glauben
DU
Herr würdest sie fordern
wie viele mögen gedacht haben
in Zeiten von Pest
und anderen Seuchen
von Dürren und Hungersnöten
jetzt ist die
apokalyptische Zeit
jetzt ist die Zeit der großen Not
wie noch keine war
und wir fragen uns
heute
2021
ist sie jetzt da?
wir gehen mit unserem Planeten um
als gäbe es kein Morgen
als wären wir nicht gefordert
deine Schöpfung zu bewahren
für die
die nach uns kommen
für die
die doch unsere Kinder sind
die doch eine Hoffnung brauchen
auch für ihre Zeit
und jetzt auch noch
die Corona-Pandemie
weltweit -
nicht im Griff -
die uns abfordert
uns isoliert zu halten
die viele vereinsamt und
an psychische Grenzen kommen lässt
die uns auch fordert
solidarisch zu sein
und doch entsteht
eine andere Form von Krieg
in der Frage
was zu tun ist
Du
Herr
sprichst uns zu:
Die Verständigen werden strahlen,
wie der Himmel strahlt
lass uns deine Zusage
schon im Hier und Heute erfahren
und nicht erst in der Ewigkeit
mache uns zu Verständigen
zu Menschen
die verstehen und handeln
wollen
mache uns zu Menschen
die aus Sorge
FÜRSORGE machen
die nach rechts
und links schauen
und nach vorne
mache uns
zu Verständigen
die das Bestmögliche tun
und schenke uns dazu
deine Kraft
und deinen Segen
Beatrix Senft, unveröffentlicht.
Die Apokalypse ist zum Fernsehtrend geworden. Zombies und menschenleere Gegenden könnte man leicht als Gesellschaftskritik verstehen. Doch in Wahrheit sind sie Wohlfühlfernsehen mit anderen Mitteln.
Komm in unsre stolze Welt,
Herr mit deiner Liebe Werben.
Überwinde Macht und Geld,
lass die Völker nicht verderben.
Wende Hass und Feindessinn
auf den Weg des Friedens hin.
Komm in unser reiches Land,
der du Arme liebst und Schwache,
dass von Geiz und Unverstand
unser Menschenherz erwache.
Schaff aus unserm Überfluss
Rettung dem, der hungern muss.
Komm in unsre laute Stadt,
Herr, mit deines Schweigens Mitte,
dass, wer keinen Mut mehr hat,
sich von dir die Kraft erbitte
für den Weg durch Lärm und Streit
hin zu deiner Ewigkeit.
Komm in unser festes Haus,
der du nackt und ungeborgen.
Mach ein leichtes Zelt daraus,
das uns deckt kaum bis zum Morgen;
denn wer sicher wohnt, vergisst,
dass er auf dem Weg noch ist.
Komm in unser dunkles Herz,
Herr, mit deines Lichtes Fülle;
dass nicht Neid, Angst, Not und Schmerz
deine Wahrheit uns verhülle,
die auch noch in tiefer Nacht
Menschenleben herrlich macht.
Hans von Lehndorff 1968, in: EG 428.
Alle, welche dich suchen, versuchen dich.
Und die, so dich finden, binden dich
an Bild und Gebärde.
Ich aber will dich begreifen
Wie dich die Erde begreift;
mit meinem Reifen
reift
dein Reich
Ich will von dir keine Eitelkeit,
die dich beweist,
Ich weiß, dass die Zeit
anders heißt als du
Tu mir dein Wunder zulieb.
Gib deinen Gesetzen recht,
die von Geschlecht zu Geschlecht
sichtbarer sind.
R.M. Rilke, Das Stundenbuch - Von der Pilgerschaft (1901), in: Ders., Die Gedichte, itb 2246, Frankfurt und Leipzig: Insel Verlag 1998, S. 265f.

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Das Buch Daniel entstand im 2. Jahrhundert v. Chr. Judäa war besetzt von den griechischstämmigen Seleukiden unter dem Regime des Königs Antiochus IV., der das jüdische Volk brutal verfolgte.
Ein uns namentlich nicht bekannter Autor verfaßte um 160 v. Chr. das biblische Buch Daniel. Stilistisch ist es mit der apokalyptischen Literatur des Spätjudentums verwandt. Visionen, Träume, Entrückungen, das Hören himmlischer Stimmen etc. bestimmen den Inhalt.
Die Auferstehung der Toten wird in diesem Abschnitt des Danielbuches klar ausgesprochen. Es ist dies somit das älteste schriftliche Zeugnis von theologischen Überlegungen zur Auferweckung der Toten zum Leben oder zum Gericht (spätere Texte: bspw.: 2Makk 7,9ff; 12,43f; 14,16) im jüdischen Bereich.
Das Buch Daniel entstand im 2. Jahrhundert v. Chr. Judäa war besetzt von den griechischstämmigen Seleukiden unter dem Regime des Königs Antiochus IV., der das jüdische Volk brutal verfolgte. So erlitten viele Juden das Martyrium. Dieses apokalyptische Buch versucht, in all dem Leiden einen Sinn zu erfahren und zu vermitteln. Angesichts der Not durch die Verfolgung entsteht im Fragen nach dem Sinn des Leidens ein anfänglicher Auferstehungslaube, von dem die aktuelle Perikope erzählt.