Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
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Jerusalem galt bis ins 6. Jahrhundert v.Chr. als das politische und religiöse Zentrum. Nach der Zerstörung durch die Babylonier erklingt die Ankündigung eines neuen Herrschers, der in der heutigen Lesung aber nicht mehr König genannt und auch nicht mehr mit Jerusalem in Verbindung gebracht wird.
Lesung aus dem Buch Micha.
So spricht der HERR:
Du, Betlehem-Efrata,
bist zwar klein unter den Sippen Judas,
aus dir wird mir einer hervorgehen,
der über Israel herrschen soll.
Seine Ursprünge liegen in ferner Vorzeit,
in längst vergangenen Tagen.
Darum gibt er sie preis,
bis zu der Zeit, da die Gebärende geboren hat.
Dann wird der Rest seiner Brüder zurückkehren
zu den Söhnen Israels.
Er wird auftreten und ihr Hirt sein in der Kraft des HERRN,
in der Hoheit des Namens des HERRN, seines Gottes.
Sie werden in Sicherheit wohnen;
denn nun wird er groß sein bis an die Grenzen der Erde.
Und er wird der Friede sein.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv - Stelle uns wieder her, o Gott!
Lass dein Angesicht leuchten und wir sind gerettet. - Kv
(Oder GL 46,1)
Du Hirte Israels, höre!
Der du auf den Kerubim thronst, erscheine!
Wecke deine gewaltige Kraft
und komm zu unserer Rettung! - Kv
Gott der Heerscharen, kehre doch zurück,/
blicke vom Himmel herab und sieh,
sorge für diesen Weinstock!
Beschütze, was deine Rechte gepflanzt hat,
und den Sohn, den du dir stark gemacht! - Kv
Deine Hand sei über dem Mann zu deiner Rechten,
über dem Menschensohn, den du dir stark gemacht.
Wir werden nicht von dir weichen.
Belebe uns und wir rufen deinen Namen an.- Kv
Lesung aus dem Hebräerbrief.
Schwestern und Brüder!
Bei seinem Eintritt in die Welt spricht Christus:
Schlacht- und Speiseopfer hast du nicht gefordert,
doch einen Leib hast du mir bereitet;
an Brand- und Sündopfern hast du kein Gefallen.
Da sagte ich: Siehe, ich komme
- so steht es über mich in der Schriftrolle - ,
um deinen Willen, Gott, zu tun.
Zunächst sagt er:
Schlacht- und Speiseopfer,
Brand- und Sündopfer forderst du nicht,
du hast daran kein Gefallen,
obgleich sie doch nach dem Gesetz dargebracht werden;
dann aber hat er gesagt:
Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun.
Er hebt das Erste auf,
um das Zweite in Kraft zu setzen.
Aufgrund dieses Willens
sind wir durch die Hingabe des Leibes Jesu Christi geheiligt -
ein für alle Mal.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Hebräerbrief wird zu den sogenannten "katholischen" (d.h. "an alle gerichteten") Briefen gerechnet. Wer ihn schrieb und wer seine Adressaten waren, wissen wir heute nicht mehr. Weil er die hebräische Bibel gut kannte, aber ausgezeichnet Griechisch konnte, nimmt man an, dass der Autor ein gebildeter Judenchrist - vielleicht aus der Diaspora - war, der für Seinesgleichen diesen Text verfasste. Er entstand zwischen 80 und 95 n. Chr.
Ursprünglich war der Hebräerbrief nicht als Brief gedacht - es fehlen Anrede und eine Grußliste, wie sie z. B. die Paulusbriefe haben -, sondern war wohl eher eine Art urchristliche Predigt, in der wichtige Stellen des Alten Testamentes ausgelegt werden. Der Verfasser möchte zeigen, dass Christus die Erfüllung der alten Verheißungen ist, um so die alttestamentliche Überlieferung mit dem Neuen, das mit Christus begonnen hat, zu verbinden. Seiner Ansicht nach ist schon im Alten Testament überall von Christus die Rede.
Aus heutiger Sicht sagen wir vielleicht, dass der Verfasser des Hebräerbriefs das Alte Testament ungebührlich vereinnahmt. Ich denke, dass sich darin ein Teil der Streitigkeiten zwischen der zahlenmäßig noch überlegenen Synagoge und der kleineren, aber ständig anwachsenden jungen Kirche widerspiegelt. Zwischen Christen und Juden war bereits ein tiefer Graben - beides zugleich konnte niemand sein. Der Autor dieser Schrift will sein jüdisches Erbe nicht preisgeben, aber ebenso wenig sein christliches Bekenntnis, und verfällt daher auf diese besondere Art der Schriftauslegung, um beides vereinen zu können.
Im vorliegenden Abschnitt des Hebräerbriefs werden zunächst die Verse 5 - 7 aus dem Psalm 40 zitiert, und zwar nach der griechischen Übersetzung, die die Juden in der Diaspora verwendeten. Psalm 40 ist ein Danklied. Der Beter preist Gott für seine Errettung aus großer Not. In den Versen, um die es hier geht, erklärt der Beter, warum er es nicht einfach bei einem Dankopfer im Tempel bewenden lässt: Gott sind diese Opfer egal. Der wahre Gottesdienst ist es, seinen Willen zu tun, und dazu möchte sich der Psalmbeter aus Dankbarkeit gerne verpflichten.
Der Autor des Hebräerbriefs deutet diese Stelle nun ganz neu, indem er die Psalmworte Christus selber in den Mund legt, und liest sie so: Christus erteilt den Opfern der alten Art eine Absage. Denn er ist das wahre Opfer. Aber nicht ein blutiges Tieropfer, sondern ein Opfer der neuen Art: Er kommt, um Gottes Willen zu tun. Wenn Christus also das wahre Opfer ist, dann nicht in erster Linie deshalb, weil er stirbt, sondern weil er zu Gottes Willen ein ungeteiltes Ja sagt.
Einer der Schwerpunkte des Briefes an die Hebräer ist die Ausfaltung der Bedeutung des Hohepriestertums Jesu Christi.
In Abhebung von und zu den Opfern im älteren Testament wird klar angesprochen, dass Gott an den vorangegangenen Opferformen keinen Gefallen mehr hat und diese Opferformen werden gleichsam außer Kraft gesetzt. Er setzt nun ein zweites Opfer, die Opfergabe seines Leibes in Kraft - ein Opfer von völlig neuer Qualität.
Die Opferthematik steht in diesem Textabschnitt im Vordergrund. Doch bei genauerem Studium erhält Vers 7, "Da sagte ich: Ja, ich komme - so steht es über mich in der Schriftrolle -, um deinen Willen, Gott, zu tun." eine große Bedeutung. Hier wird angesprochen, dass Jesus der verheißene und erwartete messianische Heilsmittler ist. Dies rückt die Perikope nicht nur in die Nähe der alttestamentlichen ersten Lesung, sondern erklärt auch ihre Verwendung in der Adventzeit, in der die erwartete Begegnung mit Jesus Christus als Erfüllung aller Sehnsüchte und Vorbereitung auf sein zukünftiges Kommen am Ende der Geschichte gesehen werden kann.
Die Lesungsperikope zeigt wie viele andere Stellen des Hebräerbriefes folgende inhaltliche Linie: In Jesus Christus ist das alttestamentliche Opferwesen "ein für allemal" aufgehoben. Das heißt nicht, dass die Opfer zu ihrer Zeit nicht ihre Berechtigung gehabt hätten, es bedeutet aber, dass ihre nie vollständig erreichte Intention, nämlich die Heiligung der Glieder des Volkes Gottes, in Jesu Menschwerdung, Sterben und Tod zur Erfüllung gekommen ist. Die Textstelle spielt dabei auf Ps 40,7-9 an.
Die im Alten Bund gesuchte Vollendung ist mit Jesus Christus endgültig wirksam geworden. Er ist der im Alten Testament, in der "Schriftrolle", vielfach verheißene und erwartete Heilsmittler, der Messias. Dieser Gedanke - nicht die Opferthematik (diese ist letztlich eine vom Verfasser des Briefes gewählte Hilfskonstruktion zur Veranschaulichung der Bedeutung Jesu) - verknüpft unsere Perikope denn auch mit der ersten Lesung (Mi 5,1-4a) und rückt sie in die Zeit des Advents, dessen Grundthemen ja die Erfüllung der großen Sehnsüchte des alttestamentlichen Gottesvolkes im Kommen Jesu Christi und die Vorbereitung seines endzeitlichen Kommens sind.
Halleluja. Halleluja.
Maria sagte:
Siehe, ich bin die Magd des Herrn;
mir geschehe nach deinem Wort.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg
und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.
Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.
Und es geschah,
als Elisabet den Gruß Marias hörte,
hüpfte das Kind in ihrem Leib.
Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt
und rief mit lauter Stimme:
Gesegnet bist du unter den Frauen
und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte,
hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
Und selig,
die geglaubt hat, dass sich erfüllt,
was der Herr ihr sagen ließ.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Evangeliumsperikope verknüpft innerhalb der Kindheitsgeschichte des Lukasevangeliums jenen Erzählstrang, der von der Geburt Johannes des Täufers berichtet, mit dem Erzählungstrang über die Geburt Jesu. So ist schon allein durch den größeren Kontext, in dem die Perikope steht, der theologische Hauptakzent gesetzt: es geht in erster Linie um die Begegnung zwischen Johannes dem Täufer und Jesus. Nach damaliger jüdischer Anschauung spiegelt sich das Leben von Erwachsenen schon in ihrem Verhalten im Mutterleib. Der Täufer erkennt Jesus, auf den er später das Volk hinweisen wird. Er wird zum ersten im Volk Israel, der Jesus als den kommenden Retter wahrnimmt und begrüßt. Seine freudige Bewegung - das Hüpfen oder Strampeln - im Leib der schwangeren Elisabeth zeigt, dass es sich wirklich um eine Begegnung mit dem Messias handelt, denn es wird hier auf eine Verheißung aus dem Prophetenbuch Maleachi angespielt, wo es heißt, dass in der messianischen Zeit die Geretteten in Jubel ausbrechen und wie Kälber aus dem Stall springen werden (Mal 3,20).
Auch die Begrüßung Marias durch Elisabeth ist von diesem Aspekt her zu verstehen. Elisabeth ist die ältere von beiden und steht auch gesellschaftlich höher. Dennoch neigt sie sich vor Maria und erweist darin ihre Ehrfurcht vor der Mutter des kommenden Messias. Es handelt sich um eine Ursprungsszene späterer Marienverehrung. Elisabeth deutet auf die einzigartige Berufung Mariens und bezeichnet Maria sie als "gesegnet mehr als alle anderen Frauen" und "Mutter meines Herrn". Damit sind zentrale Motive der Verehrungswürdigkeit Mariens benannt, die bis heute gelten. Als weiteres Motiv kommt in der abschließenden Seligpreisung hinzu: Maria ist die vorbildlich Glaubende – sie hat dem Wort Gottes geglaubt, hat sich ihm geöffnet und war für es verfügbar.
Innerhalb des Lukasevangeliums werden die Kindheitsgeschichten von Jesus und Johannes dem Täufer berichtet. Beide Erzählstränge laufen nahezu parallel ab. Die inhaltliche Verknüpfung der beiden miteinander erfolgt durch das heutige Evangelium. Dadurch wird zumindest eine Nahebeziehung, wenn schon keine direkte Begegnung, zwischen Jesus und Johannes hergestellt. Nach alter jüdischer Überzeugung meinte man, dass sich das spätere Verhalten eines Menschen bereits im Mutterleib widerspiegle - und so bricht Johannes ob der Begegnung mit Jesus gleichsam in Jubel aus.
In dieses Bild passt auch das Verhalten von Elisabet. Sie, die ältere der beiden Frauen und die eindeutig in der sozialen Hierarchie höher stehende, verneigt sich vor Maria - vgl. dazu auch den Vers 43: "Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?". Weiters preist Elisabet Maria, weil diese dem Wort Gottes vertraut und glaubt.
Rein formal lässt sich das heutige Evangelium in folgenden Handlungsablauf aufteilen:
1,36 Verkündigung der Schwangerschaft Elisabets
1,38: Einwilligung Marias in den Heilsplan Gottes
1,39-41: erzählende Einleitung: Maria macht sich auf zu Elisabet; Gruß Mariens; Reaktion des Kindes
1,42a: Redeeinleitung durch Elisabet
1,42b-45: Elisabet preist Maria
1,46a: Redeeinleitung Marias
1,46b-50: Preisung Gottes durch Maria wegen seiner Heilstat an ihr selbst
1,51-55: Preisung Gottes durch Maria wegen seiner (zukünftigen) Heilstaten
1,56: erzählerischer Abschluss: Rückkehr Marias nach Hause
1,57: Geburt des Täufers
Nachdem Maria die Botschaft des Gottesboten Gabriel, Mutter des Gottessohnes zu werden, gehört und ihrer Berufung auch zugestimmt hat, bricht sie aus Nazaret auf, um ihre Verwandte Elisabet im Bergland von Judäa zu besuchen. Aus dem dringenden Bedürfnis, ihr zu begegnen, macht sie sich spontan und eilig auf den Weg. Dieser Weg ist anstrengend und auch gefährlich. In der damaligen Zeit betrug die Reisezeit in etwa vier Tage.
Eine beispielgebende Zusammenkunft
Die Begegnung der beiden Frauen kontrastiert viele Treffen von Menschen unserer Zeit: Maria und Elisabet gehen nicht in Konkurrenz und vergleichen, wem Gott die größere Ehre zuteilwerden ließ. Sie freuen sich vielmehr an der jeweiligen Gnade, die Gott der anderen geschenkt hat. Sie wissen: Was sie sind und haben, ist nicht eigene Leistung, sondern Geschenk Gottes. Ihr Gespräch dient nicht dazu, die eigenen Vorzüge und Verdienste anzupreisen, sondern dem Lob der Freundin und vor allem dem Lob Gottes.
Wirken des Heiligen Geistes
Für Lukas ist alles, was mit und um Jesus herum passiert, der Wirkung des Heiligen Geistes zu verdanken (z.B. 4,1.14; Apg 1,2.8.16; 2,4). Dementsprechend wird auch Elisabet von dieser Gotteskraft gepackt und spricht geradezu prophetisch „mit lauter Stimme“ Maria ein großes Kompliment aus. Dieses besteht im griechischen Text darin, dass Maria „gepriesen unter den Frauen“ ist (nicht wie früher in der alten Einheitsübersetzung „mehr als alle anderen Frauen“!). Grußworte wurden damals nicht nur als Wünsche, sondern als wirksame Kraftübertragungen verstanden.
Auch das Hüpfen des ungeborenen Kindes ist Wirkung des Geistes. Für Lukas nimmt damit Johannes seine auf Jesus hinweisende Rolle schon vorgeburtlich ein.
Maria als „Mutter des Herrn“
Wenn Elisabet Maria als „Mutter meines Herrn“ bezeichnet (V. 43), so ist im größeren Textzusammenhang Gott selbst als „Herr“ angesprochen (vgl. VV. 28.32.38.45), weniger wahrscheinlich ist damit die altchristliche Bezeichnung Jesu als des Herrn (vgl. etwa Phil 2,11) gemeint. Der Maria zugesprochene Glaube an die Botschaft Gottes steht im Gegensatz zum Zweifel des Zacharias gegenüber der Ankündigung der Geburt seines Sohnes Johannes durch den Engel Gabriel (1,18-20). Als Antwort auf den geistgewirkten Gruß Elisabets folgt im Anschluss daran das bekannte Magnifikat Marias (VV. 46-55), das im täglichen abendlichen Stundengebet der Kirche (Vesper) seinen Platz bekommen hat.
Einander Zeit schenken
Im Gegensatz zu den Beziehungsmustern heutiger Menschen erledigen die zwei Frauen keinen kurzen Höflichkeitsbesuch, sondern sie nehmen sich ausgiebig füreinander Zeit: Maria bleibt drei Monate bei ihrer Verwandten (V. 56).
Roland Schwarz
© Diözese Linz. Team Bibelwerk Linz und Glaubenskommunikation
Wir warten auf das Kommen Gottes in unsere Welt. Dies gilt nicht nur für den Advent. Maria und Elisabeth führen uns vor Augen, unter welchen Voraussetzungen Gott in ihr Leben eingetreten ist. Sie zeigen uns, wie wir uns für das Kommen Gottes in unsere Welt bereitmachen können.
Weihnachten steht unmittelbar bevor. Vor keinem anderen Fest im Kirchenjahr gibt es so viel zu tun wie in der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest. Die Liturgie des Advents möchte uns auf dieses Fest in spiritueller Hinsicht vorbereiten. Sie zeigt uns, wie Gottes Sohn zur Erde kam und wie das Volk Gottes darauf vorbereitet wurde, sie zeigt uns aber auch Schritte auf, wie Gottes Sohn in unser persönliches Leben einziehen kann.
Wir hörten im Evangelium: Maria eilte über das Bergland von Judäa zu ihrer Verwandten Elisabet. Wir können annehmen, dass sie wusste, dass Elisabet noch im hohen Alter schwanger geworden ist. Schnell machte sie sich auf den Weg über das Bergland, vielleicht weil sie spürte, dass sie ihrer Verwandten in den Wochen vor der Niederkunft einen wertvollen Dienst erweisen kann, wohl aber auch weil sie einen Menschen brauchte, bei dem sie Verständnis für ihre eigene ungewöhnliche Situation finden konnte. Von Gottes Geist beseelt, eilt sie über das Bergland.
Auch wir müssen oft erst Berge überwinden, um zu menschlichen Begegnungen zu kommen, wenn wir sie brauchen; Berge im übertragenen Sinn. Berge von Vorurteilen und Hemmungen, Berge von Bedenken, die uns davon abhalten, auf andere zuzugehen. Wir wissen ja nicht, ob er oder sie gerade Zeit haben, ob mein Besuch gelegen kommt, oder ob ich dem oder der anderen zur Last falle, ob ich die richtigen Worte finde usw. Wir müssen über das Gebirge unserer Blockaden und über die Berge unserer Bequemlichkeit steigen, um wirklich beim andern anzukommen.
Maria war offen für andere und hatte sich wach gehalten für Impulse, die sie in Stille und Gebet erfahren hat. So konnte Gott bei ihr ankommen.
Das beginnt bereits mit einem wohlwollenden Gruß, der Türen füreinander öffnet und eine herzliche Atmosphäre erzeugt. Als Christen wissen wir uns von Gott geliebt, in seinen Augen sind wir unbezahlbar wertvoll. Als Kinder Gottes will uns der unendliche Schöpfergott hineinnehmen in die Fülle seiner Herrlichkeit. In jedem Gruß darf diese Hochachtung voreinander mitschwingen. Taufe, Firmung und jede Messfeier laden uns ein, uns mehr und mehr von Gott beschenken zu lassen.
Im guten Gespräch
Gott kommt uns nahe und wird erfahrbar in jedem guten Gespräch. Bis ins Leibliche hinein spürt Elisabet die Worte Marias. Es heißt: Das Kind hüpfte in ihrem Leib. Bedrückte tauen auf, wenn sie ein gutes Wort hören oder wenn sie gelobt werden. Spannungen lösen sich, wenn in den Worten Wohlwollen mitschwingt.
Wie wohl müssen Maria die Worte Elisabets getan haben: „Du bist gesegnet mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist das Kind unter deinem Herzen. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt!“ Wie wohl muss Maria diese Begrüßung getan haben, die ihrem Glaubensmut stärkte, denn in den Augen der Gesellschaft galt sie als unverheiratete Schwangere und in ihrem Herzen war sie allein mit einem Geheimnis, das ihr Begreifen überstieg.
Elisabet ist die erste, die das göttliche Wirken an Maria erkennt. Gott schenkt ihr eine tiefe Einsicht, die Zweifel vertreibt und neue Lebensgeister weckt. Für beide ist diese Begegnung ein großes Geschenk. Die beiden Frauen teilen ihre Freude darüber, dass Gott in ihnen am Werk ist. In solchen Begegnungen hat auch Gott selber Platz. Er steht nicht vor verschlossener Tür. Er kann eintreten und die Gemeinschaft vertiefen.
In Schritten des Glaubens
Am Ende des heutigen Evangeliums preist Elisabeth den Glauben Marias: „Selig, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.“
Viel zu leicht lesen wir über diese Worte hinweg und fragen uns enttäuscht, warum bei uns immer wieder alles beim Alten bleibt. Bei Maria hingegen hat sich auf Grund ihres Glaubens entscheidendes Neues getan. Dieser Glaube ist in den wenigen Worten zusammengefasst: „Mir geschehe nach deinem Wort.“
Diese Worte sollen in unser tägliches Leben hineinwirken, wenn wir den "Engel des Herrn" beten und im Gebet diese Worte nachsprechen. „Mir geschehe nach deinem Wort" heißt Gott und seinen Willen höher stellen als seine eigenen Pläne und Wünsche. Maria konnte Gott zur Mitte ihres Lebens machen und ihre ganze Zukunft in die Hand Gottes legen. Sie traute Gott mehr zu als ihren eigenen Entscheidungen.
Auch Weihnachten wird in uns nur wirksam, wenn wir bereit sind mit Maria zu sagen: „Mir geschehe nach deinem Wort.“
In der Lesung aus dem Hebräerbrief legt der Verfasser Christus den Satz in den Mund: "Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun.“ Diese Bereitschaft ist auch für uns Voraussetzung, dass unser Glaubenswissen zur Glaubenserfahrung wird.
Zu diesem Glaubensschritt lädt auch die hl. Messe ein: Die Gabenbereitung ist jeweils ein neues Ja zum Willen Gottes. Darauf weist Jesus im Markusevangelium hin, wenn er sagt: „Gott und den Nächsten mit ganzem Herzen zu lieben ist mehr als alle Brandopfer und anderen Opfer.“ (Mk 12,33). In die gleiche Richtung weisen auch die Worte aus dem Hebräerbrief: “An Brand- und Sündopfern hast du kein Gefallen.“ Oder auch die Worte beim Propheten Hosea: “Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.“ (Hosea in 6,6). Darum ist die beste Gabenbereitung, dass wir wie Maria zum gehörten Wort Gottes unser Ja sagen. Wir legen das Ja gleichsam auf die Opferschale, die der Priester hochhebt: unser erneutes Ja zum Ehepartner, zu den Kindern, zu den Arbeitskollegen oder Nachbarn.
Wenn wir mit ganzem Herzen glauben, dann kann auch die Mitte der hl. Messe, die sog heilige Wandlung, zur weihnachtlichen Erfahrung der Mensch- und Fleischwerdung Gottes werden. Mit göttlicher Vollmacht spricht Christus wie beim Abendmahl kurz vor seinem Tod: „Das ist mein Leib, mein Blut, das für euch hingegeben wird.“ Die meisten Wunderheilungen in den Evangelien enden mit den Worten Jesu: „Dir geschehe, wie du geglaubt hast.“ Oder: „Dein Glaube hat dir geholfen.“
Als Gläubige sind wir überzeugt, dass sich auch in dieser Feier das Kommen Gottes in unsere Welt immer neu ereignet. Dazu wünschen wir uns den Glauben von Maria und Elisabet, dass wir in den unauffälligen und ganz gewöhnlichen Zeichen das Kommen Gottes in unser Leben erkennen und erfahren.
Gott will uns Menschen wieder zurückzuführen zu jenem freien und unbeschwerten Leben, das er bei unserer Schöpfung für uns vorgesehen hat. Denn wir haben uns auf dem Weg durch die Zeit verheddert und verirrt, damals wie heute. Jesus und Johannes wurden von ihren Müttern ab der ersten Nachricht ihrer Existenz freudig erwartet. Keine Lebensumstände konnten ihre Freude trüben.
Für mich als Frau ist es wunderbar, diese Verse des Lukasevangeliums, die wir heute als Frohe Botschaft vernommen haben, auslegen zu dürfen.
Im Bergland von Galiläa treffen zwei miteinander verwandte Frauen aufeinander, die sich beide in einer besonderen Lebenssituation befinden: Maria, ein junges Mädchen, bzw. "reine Magd", und Elisabeth, die betagte Ehefrau des Zacharias. Beide erwarten zum Zeitpunkt ihrer Begegnung ein Kind.
Keine dieser Schwangerschaften ist nach naturwissenschaftlich-medizinischen Gesichtspunkten erklärbar. Die eine zu jung und ohne Mann, die andere zu alt und nachgewiesenermaßen unfruchtbar. Und genau dieses Faktum verwendet Lukas, um aller Welt zu zeigen, dass Gottes Geist jedes vernunftuntermauerte Argument durch die Schaffung von neuer Fakten locker außer Kraft setzt. Dieser Gott ist groß und machtvoll.
Die prekäre Situation beider Frauen wird vom Evangelisten einfühlsam geschildert. Sie erleben sich als von Gott beschenkt durch das Kind, das in ihrem Leib heranwächst. Ihre Freude Mutter zu werden überwiegt all die gesellschaftlichen Ablehnungen und Schwierigkeiten, die ihre besondere Situation mit sich bringt.
Da ist zunächst Maria, ein junges einfaches Mädchen, gerade noch keine Frau. Ihr ist klar, in welches Dilemma sie ihren Verlobten bringen wird, wenn sie das Geschenk dieser besonderen Mutterschaft annimmt, weil sie nur einem Mann versprochen, aber noch nicht verheiratet ist. In dieser Situation »ja« zu sagen zur Zumutung Gottes ist keine lockere Angelegenheit. Sie vertraut aber auf den Segen Gottes, der auf diesem außergewöhnlichen Kind ruht, und darauf, dass der Geist Gottes auch die Sicht ihres Verlobten wandeln wird. Sie freut sich über die Ehre, dieses besondere Kind bald unter ihrem Herzen tragen zu dürfen.
Die andere, Elisabeth, eine Frau, die sich seit sie denken kann ein Kind gewünscht hat, deren Wunsch aber immer unerfüllt blieb, erlebt nun mitten in ihrer Menopause plötzlich körperliche Veränderungen wie sie eine Schwangerschaft mit sich bringt. Auch wenn eine so späte Schwangerschaft mit gesundheitlichen Risiken und sozialen Schwierigkeiten behaftet ist, freut sich Elisabeth unbändig auf ihre Aufgabe als zukünftige Mutter Johannes' des Täufers.
Beide haben auf den unerwarteten Anruf Gottes überrascht, aber nach kurzem Nachdenken aus ganzem Herzen ja gesagt. Jetzt leben sie in freudiger Erwartung und in großer Dankbarkeit für das Wunder, das ihr Leben verändert.
Es verändert sich das Leben aller Menschen, denen es gelingt, ihr Leben mit Freude, die aus einem tiefen Vertrauen in Gottes Handeln resultiert, zu gestalten. Dass Gottes Geist auch in noch ungeborenen Kindern wirksam ist, können wir aus der Antwort Elisabeths auf den Gruß Marias ableiten. Sie schließt aus den Bewegungen ihres Kindes, dass ihr in Maria die Mutter des so sehnlichst erwarteten Messias gegenübersteht.
Ein großer Glaube! - Ob ich auch so vertrauensvoll auf einen Anruf Gottes reagieren könnte? - Bemerkenswert ist diese Erzählung für mich als Frau, weil sie vom Wirken des Geistes Gottes im Leben zweier Frauen erzählt. Ihr Glaube hielt der Zumutung stand, die ihnen abverlangt wurde. Ihr mutiges, vertrauensvolles Einlassen auf einen unbekannten Weg, stehen am Anfang des neuen Weges, den Jesus für Israel und weiter für die ganze Welt beispielhaft gehen will.
Wir Frauen erleben nicht immer dieses selbstverständliche Zutrauen in die Qualität unserer Glaubensfähigkeit. Für Lukas scheint sie selbstverständlich.
Die dazugehörigen Partner, Zacharias und Josef, konnten erst nach einigen Startschwierigkeiten ihre besondere Vaterschaft als unvorstellbare Ehre annehmen. Danach aber stehen sie ihren Frauen und Söhnen in Liebe und Freude verantwortungsvoll und verlässlich zur Seite.
Für Johannes und Jesus bedeutete das ihre Kindheit und Jugend in einem liebevollen, von Gottvertrauen und Freude durchdrungenen Elternhaus verbringen zu dürfen. Eine hervorragende Basis für ihre spätere verantwortungsvolle Aufgabe. Ihre Mütter sind uns zum Vorbild geworden.
Sich für Freude und Gottvertrauen zu entscheiden, kann auch uns helfen, unser Leben neu auszurichten. Niederschmetternde Nachrichten und schlimme Ereignisse verlieren so ihre Bedrohung.
Der gängigen Regel “bad news ar good news“ wird hier die Nachricht der Lebensfreude und der Hoffnung entschieden entgegengestellt, trotz des Wissens um das Böse. Wo Freude regiert, verliert das Böse seine Macht. Das wollen wir uns heute als freudigen Botschaft in unseren Alltag mitnehmen.
Der Evangelist Lukas erzählt von der Begegnung zweier Frauen, die nicht nur schwanger sind, sondern sich auch von Gott begnadet wissen. Das Glück der beiden Frauen hat noch eine viel tiefere Dimension als die Freude zweier werdender Mütter. Mit ihnen sind auch wir von Gott beschenkt.
Schön, dass wir das sehen dürfen! Zwei Menschen treffen sich, zwei Mütter, zwei werdende Mütter! Die eine ist richtig alt! Die andere fast zu jung! Die eine heißt Elisabeth – die andere Maria. Die eine hat ganz viel Geschichte hinter sich – die andere noch ganz viel vor sich. Wieviele Generationen zwischen ihnen liegen? Ich weiß es nicht. Doch worauf es ankommt – das sind die Kinder. Was von ihnen zu sehen ist? Gewölbte Bäuche. Wie die beiden wohl ausgesehen haben in ihren Schwangerschaftshängern – sofern es so etwas damals schon gegeben hat. Ich fühle mich jedenfalls an einen Schwangerschaftskurs erinnert. Und an die Gespräche, an das Lachen und auch an so manchen Zweifel! In der Situation sind alle gleich und alle auch gleich voller Hoffnung. Schön, dass wir das sehen dürfen!
In seinem Evangelium erzählt Lukas von dieser Begegnung. Von dieser einmaligen Begegnung. Eine Wiederholung hat es leider nicht gegeben. Nur die beiden Kinder werden ständig irgendetwas miteinander zu tun haben. Davon zu erzählen, heben wir uns auf. Es wird viele Gelegenheiten geben. Versprochen! Jetzt nehmen sich die beiden Frauen erst einmal in den Arm – Elisabeth und Maria. Ihre Bäuche schmiegen sich aneinander. Lukas erzählt sogar – woher er das wohl weiß? -, dass das Kind im Bauch Elisabeth's hüpft. Das kann man tatsächlich sehen! Wer dann mit der Hand über den Bauch streichelt, spürt das neue Leben in seiner Handfläche. Glücksmomente für junge werdende Eltern! Man kann sogar mit den Bewegungen spielen. Und mit jeder Bewegung wächst die Freude: bald!
Soweit erzählt Lukas eigentlich nicht mehr als eine Geschichte von zwei schwangeren Frauen.
Liebe Mütter, liebe Väter, die ihr heute hier seid: ihr kennt das! Und ihr Kinder! Lasst euch erzählen, wie schön das war, eure Bewegungen zu spüren. Eure Eltern haben regelrecht darauf gewartet. Und haben sich dabei glücklich angeschaut.
Lukas schaut ein wenig verwundert drein. Heh, ist ja schön, was ihr jetzt denkt. Aber ich möchte euch mehr erzählen. Von diesen beiden Menschen! Elisabeth freut sich jetzt nicht über ihr Kind, das in ihr wächst – sie freut sich überschwänglich über das Kind, das im Bauch der Maria darauf wartet, das Licht der Welt zu erblicken. Sie nennt es gar ihren Herrn! Die alte Frau nennt das noch nicht geborene Kind Herr! Große Dinge scheinen sich anzukündigen, von denen wir noch wenig wissen. Was weiß Elisabeth? Maria ist in dieser Begegnung still. Sie sagt – außer ihrem Gruß, als sie das Haus betritt – kein Wort. Aber sie hört etwas! Sie hört etwas von ihrem Kind! War da nicht vorher schon der Engel, der eigens zu ihr gesandt war?
Lukas erzählt:
Sei gegrüßt, du Begnadete,
der Herr ist mit dir.
Fürchte dich nicht, Maria;
denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
Siehe, du wirst schwanger werden
und einen Sohn wirst du gebären;
dem sollst du den Namen Jesus geben.
Er wird groß sein
und Sohn des Höchsten genannt werden.
Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen
und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
Und jetzt Elisabeth. - Lukas lüftet auch das Geheimnis. Der Heilige Geist hat die Fäden in der Hand. Der Heilige Geist spielt in dieser Geschichte – sagen wir – die Hauptrolle. Was wir nicht wissen können, wird uns gesagt. Von ihm.
Spannende Frage: Hat das Hüpfen des Kindes im Bauch der Elisabeth womöglich auch noch eine andere Bedeutung als die natürliche Bewegung eines Baby's, das sich schon einmal streicheln lässt? Doch! Johannes freut sich! Johannes freut sich auf Jesus! Johannes freut sich darüber, dass die alten Verheißungen Gottes in Erfüllung gehen. Dabei ist Johannes noch nicht einmal geboren! Eine schöne Geschichte: Bevor nur ein Wort gesagt wird, wandert die Freude über den Bauch der Elisabeth. Es ist jetzt nicht das Gesicht, auch nicht die Augen, die lachen – es ist der Bauch! Lukas hat viele schöne Geschichten erzählt in seinem Evangelium, das aber ist einmalig: dass ein Bauch vor Freude bebt, hat die Welt noch nicht gesehen. Nicht gesehen? Doch – hat sie!
Es war im Bergland von Juda. Hier sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht. Gott fängt in der Einöde Neues an. Eigentlich unbemerkt. Wenn da nicht der Bauch wäre!
Du, Betlehem-Efrata,
bist zwar klein unter den Sippen Judas,
aus dir wird mir einer hervorgehen,
der über Israel herrschen soll.
So Micha, einer von den zwölf kleinen Propheten.
Die Menschen werden in Sicherheit wohnen;
denn nun wird er groß sein bis an die Grenzen der Erde.
Und er wird der Friede sein.
Ist es in Ordnung, wenn ich es einfach zitiere? Ich habe kaum Worte dafür. Mein Bauchgefühl sagt mir, es sei Zeit für diese Hoffnung: … bis an die Grenzen der Erde … Er wird der Friede sein
Sie haben recht: wir sollten noch mal zu Elisabeth und Maria gehen! Eine intime Szene – eigentlich. Von Lukas aber so gemalt, dass die ganze Welt zusehen soll. In der Begegnung dieser beiden Frauen treffen Welten aufeinander: die „alte“ Welt, die die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat – und die „neue“ Welt, die Schalom, Frieden, Heil bringt. In der Begegnung dieser beiden Frauen treffen Hoffnungen aufeinander. Merkwürdig: mehr als diese Schwangerschaften haben wir gerade nicht. Dass Gott so klein anfängt – oder auch so klein weitermacht – passt doch tatsächlich in einen Bauch.
Ich habe auch nach Bildern für diese Szene gesucht. Es gibt viele. Ein Bild schöner als das andere. Mal gemalt, mal geschnitzt. Aber ein Bild hat es mir besonders angetan. Käthe Kollwitz hat 1929 einen Holzschnitt angefertigt. Dunkel ist der Hintergrund, dunkel sind auch die beiden Frauen. Dunkel wie die Zeit.
Dargestellt sind zwei Frauen, eine ältere und eine jüngere. Beide sind schwanger. Die Jüngere wendet sich etwas ängstlich aber vertrauensvoll an die Ältere. Diese legt ihren Arm behütend um sie und die rechte Hand beschützend auf ihren Bauch. Sie scheint ihr vertraulich etwas ins Ohr zu sagen.
https://nat.museum-digital.de/?t=objekt&oges=602801&navlang=de
Maria sieht in diesem Bild traurig aus. Oder ist es vielleicht gar nicht mehr Maria? Die Maria? Unsere Maria? Vielleicht ist ein junges Mädchen dargestellt, ungewollt schwanger, alleine. Alleine wie viele Mädchen und Frauen. Irgendwo. Nicht nur 1929. Weltwirtschaftskrise ist – überall. Wenn auch nicht bei jedem. Marias Hände sind in diesem Bild wie abgehoben: Sie hat nichts in der Hand. Auch ihr Leben nicht.
Elisabeth verschwindet förmlich hinter dem Ohr dieser Maria. Eine zärtliche Nähe. Man spürt die Wärme der Haut, die Wärme des Atems. Die leisen Worte. Die Hand der Elisabeth – sie liegt jetzt auf dem Bauch der jungen Frau. Ob sich das Kleine bewegt? Zwei Menschen in einer Geschichte.
Der dunkle Hintergrund – er ist wie ein schützender Raum. Es ist nur so viel Licht in dem Bild, wie wir brauchen, um etwas zu sehen. Wir sehen das Dunkle, wir sehen aber auch die Geborgenheit. Eine Hand legt sich auf die Schulter, die andere auf den Bauch.
Ich weiß jetzt auch, was mich an diesem Bild so fasziniert: Elisabeth freut sich, ihr Kind freut sich – in diesem Bild von Käthe Kollwitz schenkt sie einem Mädchen Nähe und Wärme, das traurig und hilflos einfach da steht. Ob sie sich kennen? Muss man sich kennen?
Dass Menschen in Sicherheit wohnen und glücklich sein können, ist eine Hoffnung von einem Ende der Erde zum anderen. Manchmal braucht der Frieden – nur einen Menschen.
Lukas beschließt sein Evangelium mit den Worten:
Und selig,
die geglaubt hat, dass sich erfüllt,
was der Herr ihr sagen ließ.
Der 4. Adventsonntag steht schon ganz unter dem Eindruck des kommenden Weihnachtsfestes. Seine Gedanken kreisen um das Große, das bereits vom unscheinbaren Rand her vorbereitet wird.
Aus Kleinem, Unscheinbaren geht oft Großes hervor. Wir merken das auch im alltäglichen Leben, wenn wir über Menschen staunen, die in den Augen mancher unbedeutend wirken, die sich sogar abfällige Bemerkungen gefallen lassen müssen. Dann gelangen gerade diese Frauen und Männer oder auch Kinder, die in ihrer gesamten Gestik, Mimik, Ausdrucksweise einen schlechten Eindruck hinterlassen, plötzlich zu Ansehen und Ehren, weil man ihnen nichts zutraut, ihre Begabungen kaum erkannt oder sie falsch eingeschätzt hat.
Durch die Heilige Schrift erfahren wir ähnliche Beispiele: aus einem kleinen Senfkorn entsteht ein großer Baum; Frauen fortgeschrittenen Alters oder solche, die als unfruchtbar gelten, werden Mütter: Hanna, Mutter des Propheten Samuel (1 Sam.), Sara, Ehefrau Abrahmas, Mutter Isaaks (Gen.20, 12), Elisabeth mit Ehemann Zacharias werden Eltern von Johannes d. Täufer. Wir haben es mit Frauen außerhalb der Norm zu tun, wie erwähnt, biologisches Ablaufdatum oder unfruchtbar, also nach menschlichem Ermessen geschieht Unmögliches.
Aus Kleinem entsteht Großes. Maria, Mirjam, gebiert das berühmteste Baby der Welt. Es macht bis heute Weltgeschichte in der Zeitenrechnung, im Jahresfestkreis, der in einer sehr säkularen, industrialisierten, digitalen Welt noch immer christlich geprägt ist, mit Ausstrahlungskraft in nichtchristliche Länder und Kulturen und auch im Brauchtum.
Angekündigt wird dieses Kind schon im Alten Testament, heute hörten wir einen Abschnitt aus dem Buch Micha, der so wie die Propheten Amos, Hosea, Jesaja, soziale Missstände, Machtmissbrauch aufs schärfste verurteilt, der auch an anderer Stelle sagt, dass Wirtschaftsdelikte kein Kavaliersdelikt sind.
Das Buch Micha, bzw. der Prophet, arbeitet in seinem Inhalt mit Zuckerbrot und Peitsche. Heute hörten wir ein Trostwort an Israel am Ende des Exils: ein neuer Herrscher wird kommen, ein endzeitlicher Friedensträger.
Dazu werden im Evangelium mehrere Gedanken zur Sprache gebracht. Josef, der hier im Evangelium nicht genannt wird, ist die schweigende Hilfe am Rand. Er beweist seine Stärke im Losgehen nach Ägypten, in dienstwilliger Bereitschaft. Er leistet viel Hintergrundarbeit, die vordergründig wichtig ist. Gilt das nicht auch heute für die vielen helfenden Hände in Pfarre, Kirche und Gesellschaft, für die vielen Frauen und Männer, Jugendliche, die selbstlos Zeit herschenken, um Gutes zu tun?
Maria, die mit ihrem freiwilligem JA zu Gott die Erlösung möglich macht, es ist ein JA der Freiheit, Gott zwingt nicht, er klopft an. (Off.3,20)
Die Hirten als Randexistenzen. Sie erfahren als erste die Botschaft. Jesus kommt nicht mit 21 Salutschüssen zur Welt, wie das in Königshäusern bei der Geburt eines Kindes üblich ist. Hirten, am Rand der Gesellschaft, klein, unbedeutend rücken ins Rampenlicht. Bis heute finden wir sie in den Krippen dargestellt.
Das Evangelium zeigt Ehrfurcht vor dem Leben:
Komm, o mein Heiland Jesu Christ
mein Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Freude ein
dein Freundlichkeit auch uns erschein.
(Ursprungsmelodie bzw.- text: „Tauet Himmel den Gerechten“, letzte Strophe siehe auch Michael Denis SJ, 1729-1800).
Bitten wir darum, dass Weihnachten, ein Fest sein möge, das unser, mitunter verhärtetes „Herz aus Stein“ zu einem „Herz aus Fleisch“ mache. (Ez.36,24- 27).
Der Besuch Marias bei Elisabeth lässt die beiden ihre Freude an ihrer Schwangerschaft und ihr Gesegnetsein von Gott her miteinander teilen. Geteilte Freude ist doppelte Freude.
Das Bild vom Besuch Marias bei ihrer Verwandten Elisabeth hat sich in vielen Menschen tief eingeprägt. Die Freude über die Gegenwart Gottes kommt darin zum Ausdruck.
Maria besucht Elisabeth und teilt mit ihr ihre Freude. Es ist nicht leicht einen Menschen zu finden, mit dem man die tiefsten Gefühle oder gar Glaubenserfahrungen teilen kann. Weihnachten ist eine Chance, wo diese Sehnsucht Erfüllung finden kann und zu einem Ort der Gottesbegegnung werden kann.
Die Begegnung zwischen Maria und Elisabeth ist mehr als die Begegnung zweier schwangerer Frauen. Sie erkennen, dass sich an ihnen die Barmherzigkeit Gottes gezeigt hat.
Lieder:
GL 143: Mein ganzes Herz erhebet dich
GL 218: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit
GL 220: Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern
GL 221: Kündet allen in der Not
GL 222: Herr, send herab uns deinen Sohn
GL 223: Wir sagen euch an den lieben Advent
GL 224: Maria durch ein Dornwald ging
GL 227: Komm du Heiland aller Welt
GL 230: Gott, heilger Schöpfer aller Stern
GL 357: Wie schön leuchtet der Morgenstern
GL 372: Morgenstern der finstern Nacht
GL 395: Den Herren will ich loben
GL 527: Ave, Maria zart, du edler Rosengart
GL 528: Ein Bote kommt, der Heil verheißt
GL 530: Maria, Mutter unsres Herrn
GL 554: Wachet auf, ruft uns die Stimme
GL 622,4: Sieh, der Herr kommt in Herrlichkeit
GL Ö792: Herr, sende, den du senden willst
GL Ö795: Maria, sei gegrüßet, du lichter Morgenstern
GL Ö798: O komm, o komm, Emmanuel
Psalmen und Kehrverse:
GL 48: Biete deine Macht auf, Herr, unser Gott, und komm, uns zu retten! - Mit Psalm 80 - I.
GL 234,1: Ihr Himmel, tauet den Gerechten, ihr Woken regnet ihn herab. - Mit Psalm 80 (GL 48,2) - I.
GL 234,2: Rorate caeli desuper, et nubes pluant iustum. - Mit Psalm 80 (GL 48,2) - I.
GL 622: Habt Mut, ihr Verzagten, und fürchtet ein nicht! Gott selbst wird kommen und euch erretten. - Mit Jes 35 - VIII.
GL 633,3-4: Hebt euch ihr Tore, hebt euch, ihr Tore! Unser König kommt - Mit Psalm 24 - VII.
Sehet, die vierte Kerze brennt… Weihnachten steht vor der Tür. Kein anderes Fest ist mit so vielen Zeichen und Bräuchen umgeben wie Weihnachten. All das macht deutlich: Das Kommen Gottes in unsere Welt ist ein unschätzbar großes Geschenk und will Freude bereiten.
Im heutigen Evangelium begegnen sich Maria und Elisabet und ermuntern uns, in Begegnungen Heilvolles zu sehen, denn hier ist Gott mit im Spiel.
Auch jetzt in dieser Feier Gott will uns begegnen und zum Geschenk werden.
Wir freuen uns schon auf Weihnachten. Es sind nur noch wenige Tage. Es ist schön, heute den 4. Adventsonntag zu feiern. Sind Sie auch gespannt oder neugierig? In diesem Jahr ist ja noch vieles anders.
Heute macht sich Maria auf den Weg zu Elisabeth. Sie muss sich sogar ins Bergland wagen, in eine gottlose Gegend. Es wird ein besonderer Besuch. Maria, blutjung, Elisabeth, uralt – beide sind schwanger. Wer sich in dieser Geschichte aber besonders freut und aus dem Häuschen ist – das wird uns das Evangelium erzählen.
Wir können uns mitfreuen. Was uns bedrückt, Sorgen macht und schuldig spricht, legen wir in Gottes Hand. Um sein Erbarmen bitten wir.
Zu Christus, der immer mehr bei uns ankommen will, rufen wir:
Jesus Christus, du Bote der Freude,
du hast die Macht, unsere Herzen zu berühren.
Kyrie eleison.
Du unser Friede,
du hast die Macht, unsere Friedlosigkeit zu überwinden.
Christe eleison.
Du unser Retter,
du hast die Macht, uns aus Not und Verstrickung zu mehr Leben zu führen.
Herr,
wir kämpfen mit Unwägbarkeiten.
Das Hin und Her nimmt uns mit.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du siehst die Zerrissenheit.
Schuldvorwürfe schlagen in Gewalt um.
Christus, erbarme dich.
Herr,
du schenkst uns Freude.
Wir warten auf dich wie ein Kind.
Herr, erbarme dich.
Du Hirte Israels, höre!
Der du auf den Kerubim thronst, erscheine!
Wecke deine gewaltige Kraft
und komm zu unserer Rettung!
(Ps. 80)
Herr, Jesus Christus,
du kamst in die Welt, um den Willen des Vaters zu erfüllen.
Herr, erbarme dich.
Durch deine Hingabe an deinen Auftrag
rufst du uns zu einem neuen Miteinander.
Christus, erbarme dich.
In der Hingabe deines Lebens willst du auch uns heiligen.
Herr, erbarme dich.
Allmächtiger Gott,
gieße deine Gnade in unsere Herzen ein.
Durch die Botschaft des Engels
haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt.
Führe uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
MB 4. Adventsonntag
Ewiger Gott,
durch die Geburt deines Sohnes aus der Jungfrau Maria
hast du vor der Welt deine Herrlichkeit offenbar gemacht.
Lass uns das unfassbare Geheimnis der Menschwerdung
in unverfälschtem Glauben bewahren
und in liebender Hingabe feiern.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Advent 19. Dezember
Vater im Himmel,
du hast die selige,
ohne Sünde empfangene Jungfrau Maria
dazu erwählt, dein ewiges Wort aufzunehmen.
Du hast sie zur Wohnstatt Gottes gemacht
und mit dem Licht des Heiligen Geistes erfüllt.
Gib uns die Gnade,
gleich deiner demütigen Magd
stets deinem Willen zu gehorchen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Advent 20. Dezember
Auf dich warten wir,
Gott unserer Hoffnung!
Du schenkst unseren aufgescheuchten Seelen deinen Frieden.
Mit 2G, 2G+ und 3G hantieren wir gekonnt,
wir fürchten die neue Variante Omikron,
wirtschaftliche und soziale Verwerfungen
verfolgen uns in den Medien.
Nimm uns die Ängste,
hilf uns, einander mit Liebe zu begegnen,
und Worte zu finden, die heilen und guttun.
In dem, was du sagst,
geht uns die Welt neu auf.
In Jesus Christus.
In der Kraft deines Geistes.
Heute und in Ewigkeit. – Amen.
Vater im Himmel,
schon in alten Zeiten haben die Menschen dich angerufen,
den Retter der Welt zu senden.
Mit Hoffen und Bangen stehen wir auch in unserer Zeit vor dir.
Lass uns in diesem Gottesdienst spüren,
dass dein Ankommen als Mensch auch unser Leben tragen will.
Mache uns bereit, heute deinen Zuspruch ganz neu wahrzunehmen
und lass uns ihm folgen.
Das erbitten wir mit Christus,
der sich uns heute ganz neu schenkt. – Amen.
Gott, unser Vater,
mit Blick auf das bevorstehende Weihnachtsfest bringen wir unsere Bitten vor dich:
Für alle, für die Weihnachten nichts mehr mit Christus zu tun hat.
Für alle, die aneinander vorbei leben und darunter leiden, dass gute Begegnungen selten gelingen.
Für jene, die aufeinander hören und sich bemühen, gute Gespräche zu führen.
Für alle, die erkennen, wie wenige Schritte sie im Glauben gegangen sind, und jetzt Christus konsequenter nachfolgen wollen.
Für alle, die von anderen ausgenützt und ausgebeutet werden und sich schwer tun, an das Wirken Gottes zu glauben.
Für unsere Verstorbenen, die gehofft haben, bei Gott ganz anzukommen.
Gott, du bist uns Menschen nahe und bietest uns deine Hilfe an. Rühre uns an und mach dich uns erfahrbar, wenn wir dich nicht bemerken. Sei bei uns alle Tage unseres Lebens bis in deine Ewigkeit. - Amen.
Jeder neue Tag ist ein Stück unseres Lebensweges. Ob wir dabei zum richtigen Ziel unseres Lebens unterwegs sind, erweist sich endgültig erst später.
Um Gottes Hilfe lasst uns beten:
Hilf deiner Kirche, immer wieder auf neuen Wegen zur Verkündigung deiner Botschaft aufzubrechen.
Hilf uns nach Wegen des friedvollen Miteinanders in Einklang mit deiner Schöpfung, den Generationen, den verschiedenen Völkern und Nationen zu suchen.
Hilf allen, die für eine neue Lebenssituation deinen Segen, ihre eigene Zielstrebigkeit und viel Durchhaltevermögen brauchen.
Hilf uns, die Sehnsucht nach dir täglich neu wachzuhalten und ihr in unserem Tun zu folgen.
Hilf allen Sterbenden, alles Schwierige und Unbegreifliche ihres Lebens hinter sich zu lassen und davon befreit in deinen ewigen Frieden einzugehen.
Mit Jesus, dem von dir gesandten Retter, hat die Heilszeit deiner Schöpfung endgültig begonnen. Dir sei Lob, Ehre und Dank jetzt und allezeit. - Amen.
Elisabeth freut sich, von Maria besucht zu werden. Ihre Kinder sind noch nicht geboren, Johannes nicht, Jesus nicht. Aber die Freude ist riesig. Gott erfüllt die alten Hoffnungen und beginnt eine neue Geschichte.
Darum beten wir heute:
Für alle ungeborenen Kinder,
die sehnsüchtig oder auch ängstlich erwartet werden,
die das Licht der Welt erblicken,
die auch mit ihren Dunkelheiten fertig werden.
Bewahre uns davor,
ihnen eine kaputte Welt zu hinterlassen.
Erfülle uns mit Heiligem Geist
Für alle Jugendlichen,
die ihren Platz in der Welt suchen,
die mit Geschichten und Traditionen großwerden,
aber ihre eigenen Wege finden müssen.
Hilf uns, mit ihnen die Welt noch einmal neu zu entdecken.
Für die Menschen in der Ukraine,
die mit Sorgen die Kriegsvorbereitungen an ihrer Grenze sehen,
die fürchten, Spielbälle der großen Politik zu werden.
Schenke uns die Kraft,
für Frieden und Gerechtigkeit einzutreten.
Für die Flüchtlinge an der polnisch-belarussischen Grenze,
für alle Flüchtlinge, die von Schleppern ausgenommen werden
und keine Heimat finden.
Mache uns mutig, europaweit Lösungen zu finden
für Menschen, die vor Krieg und Hass, Hunger und Ungerechtigkeit fliehen.
Für die Mediziner und Pflegekräfte,
die jetzt in Coronazeiten um das Leben vieler Menschen kämpfen,
die Impfstoffe und Medikamente entwickeln,
die sich Hass und Gewalt ausgesetzt sehen.
Begleite uns, Ängste, Missverständnisse und Verschwörungstheorien auszuräumen.
Ein Kind hüpft im Bauch seiner Mutter.
Sein Gesicht kennen wir noch nicht.
Seine Stimme hören wir noch nicht.
Aber in unseren Handflächen spüren wir das neue Leben.
Wir streicheln den Bauch.
So viel Hoffnung!
Lass uns dich spüren, Gott. – Amen.
Die Frage ist: Können wir glauben, dass Gott in all dem Chaos, das wir um und in uns wahrnehmen, mit uns einen Plan hat.
Um diesen Glauben lasst uns ihn bitten:
Wir bitten dich für die Kirche, in die du Frauen und Männer zum Dienst an deinem Reich berufen hast.
Wir bitten dich für alle Menschen auf dieser Welt, die sich machtlos den Problemen der Pandemie, der Klimakrise und Naturkatastrophen ausgeliefert erleben.
Wir bitten dich für alle Frauen, die ein Kind erwarten; für jene, die sich unbeschwert auf die Geburt freuen können und für jene, die der Zukunft mit ihrem Kind voll Sorgen entgegenblicken.
Wir bitten dich für alle, die von Weihnachten mehr als nur ein von Traditionen bestimmtes Fest erwarten.
Wir bitten dich für alle Verstorbenen, die im Glauben daran von uns gegangen sind, dass ihrem irdischen Leben deine Verheißung auf ewiges Heil folgt, so sicher wie Weihnachten auf den Advent.
Im Glauben, dass du auch noch so Unwahrscheinliches Wirklichkeit werden lassen kannst, loben und preisen wir dich jetzt und allezeit. - Amen.
Gütiger Gott,
nimm die Gaben an,
die wir von deiner Güte empfangen haben.
Laß deine Kraft in ihnen wirken,
damit sie uns in diesem Leben heiligen
und zu den ewigen Freuden führen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 17. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
nimm unsere Gaben an
und erleuchte uns mit deinem Heiligen Geist,
damit wir nach dem Beispiel der seligen Jungfrau Maria
dein Wort in unserem Herzen erwägen und bewahren.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Marienmessen in der Weihnachtszeit
Wir bringen dir Brot und Wein,
Herr,
unsere Arbeit, unsere Träume.
Menschen, die wir lieben.
Du schenkst uns dich.
Deinen Leib, dein Blut,
deine Verheißungen,
dein Reich.
Herr,
du musst kommen.
Guter Gott, dir ist nichts unmöglich.
Wir bitten dich,
verwandle durch deinen Geist diese Gaben
zum Brot des Lebens und zum Kelch des Heiles
und erwecke durch ihn auch uns zu neuem Leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.
(Anrufungen nach den sog. O-Antiphonen des Stundenbuchs)
Kehrvers:
Lobet den Herrn, preist seine Huld und Treue.
(GL 401)
Jesus, göttlicher Herr,
o Weisheit,
hervorgegangen aus Gottes Mund,
mächtig wirkst du in aller Welt, und freundlich ordnest du alles.
Kehrvers
Jesus, göttlicher Herr,
o Herr und Fürst des Hauses Israel,
du bist dem Mose erschienen in der Flamme des Dornbuschs
und gabst ihm das Gesetz am Sinai.
Kehrvers
Jesus, göttlicher Herr,
o Spross aus Isais Wurzel,
gesetzt zum Zeichen für die Völker.
Vor dir verstummen die Mächtigen,
dich rufen die Völker.
Kehrvers
Jesus, göttlicher Herr,
o Schlüssel Davids und Zepter des Hauses Israels.
Du öffnest und niemand schließt,
du schließest und niemand öffnet.
Kehrvers
Jesus, göttlicher Herr,
o Morgenstern,
Aufgang und Glanz des unversehrten Lichtes,
der Gerechtigkeit strahlende Sonne.
Kehrvers
Jesus, göttlicher Herr,
o König der Völker,
den sie alle ersehnen,
Eckstein, der das Getrennte eint,
Schlussstein, der den Bau zusammenhält.
Kehrvers
Jesus, göttlicher Herr,
o Immanuel,
Gott mit uns, du unser König und Lehrer,
du Sehnsucht der Völker und ihr Heiland.
Kehrvers
Danklied: z.B.: Nun danket alle Gott mit Herzen Mund und Händen (GL 405)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel,
zu danken und dein Erbarmen zu preisen.
Denn schon leuchtet auf der Tag der Erlösung,
und nahe ist die Zeit unsres Heiles,
da der Retter kommt
unser Herr Jesus Christus.
Durch ihn rühmen wir das Werk deiner Liebe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
Präfation vom Advent 5
Elisabeth erkannte die Berufung Mariens, Johannes erkannte deinen Sohn.
Lass uns dich erkennen, wenn wir mir den Worten deines Sohnes beten:
Vater Unser…
Einleitung zum Friedensgebet:
Elisabeth spürte Frieden, auch wenn sie dich nicht sah.
Wir spüren immer wieder Frieden in dir, auch wenn wir dich nicht sehen.
Aber weil wir um dich wissen, bitten wir auch nun:
Schaue nicht auf unsere Sünden…
Wir wollen reich sein, Herr
du aber bist ganz arm geworden
Wir möchten Macht haben
aber du zeigst uns die wahre Macht
die Macht, die anderen hilft
die Macht der Liebe
Wir wollen oben stehen
du aber bist nach unten gegangen
bist der Niedrigste von allen geworden
um allen zu dienen
Ganz klein
und unscheinbar
willst du allen begegnen
die sich aufmachen
dich zu suchen
und zu finden
Allmächtiger Gott,
du hast uns in diesem Mahl das Heil zugesagt
und uns schon jetzt Anteil daran gegeben.
Lass uns das Kommen deines Sohnes in Freude erwarten
und mache uns umso eifriger in deinem Dienst,
je näher das Fest seiner Geburt heranrückt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Adventsonntag
Gütiger Gott,
am Fest (Gedenktag) der seligen Jungfrau Maria
(beim Gedenken an die selige Jungfrau Maria)
haben wir das heilige Sakrament empfangen.
Hilf uns,
nach dem Beispiel ihres Glaubens
und ihrer Liebe so zu leben,
dass auch wir dem Werk der Erlösung dienen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Marienmessen 1
Barmherziger Gott,
am Fest (Gedenktag) der seligen Jungfrau Maria
(beim Gedenken an die selige Jungfrau Maria)
haben wir Anteil erhalten
an den Gaben der Erlösung.
Gib, dass auch wir den Reichtum deiner Gnade preisen
und dass sich das göttliche Leben in uns entfaltet.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Marienmessen 1
Himmlischer Vater,
dein Sohn hat verheißen,
daß wir sein göttliches Leben in uns tragen,
wenn wir ihn empfangen in der heiligen Speise.
Wir danken dir für sein Erlösungsopfer
und bitten dich:
Laß uns stets in der Freude dieses neuen Lebens wandeln,
bis wir zur ewigen Vollendung gelangen in ihm,
unserem Herrn Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Schlussgebete zur Auswahl 12
Gott, unser Vater,
du hast uns gesättigt mit der Speise,
die du allein zu geben hast.
Laß uns von ihr leben und uns freuen
an deiner Huld und Gnade,
und laß unsere Freude fruchtbar werden in guten Taten.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Schlussgebete zur Auswahl 2
Du hast uns Gemeinschaft geschenkt mit dir,
du bist uns Vater und Mutter, Gott.
Wir danken dir für die Adventszeit,
für die Zeit der Umkehr und Erneuerung,
für den gedeckten Tisch in unserer Mitte.
Jetzt gehen wir auf Weihnachten zu.
Die nächsten Tage werden noch stressig.
Schenke uns die große Freude, dich zu erwarten,
bei dir unsere Hoffnungen zu finden
und das Glück mit anderen Menschen zu teilen.
Segne die neue Woche
und alle Menschen, denen wir begegnen.
In Christus,
der Mensch wird für uns. – Amen.
Vater im Himmel,
Maria hat sich aufgemacht,
um sich von Elisabeth Zuspruch und inneren Beistand
für den vor ihr liegenden Weg zu holen.
Mache auch uns bereit,
selbst Zuspruch zu erbitten,
wenn wir ihn dringend brauchen,
aber ihn auch zu schenken,
wenn andere ihn von uns bedürfen.
Und stärke unser Vertrauen,
dass du begleitend und Zuspruch schenkend
an unserer Seite bist.
Dein menschgewordener Sohn hat darauf vertraut bis zuletzt.
Sein Vorbild stärke uns für die kommende Woche.
Das erbitten wir mit ihm, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Der Vater,
der auch uns ins Leben rief,
segne und leite uns.
Der Sohn,
der die Liebe zu uns Menschen über jedes Gesetz stellte,
halte uns in seiner Nachfolge.
Der Hl. Geist,
der uns Zuspruch und Kraft schenkt,
wirke in uns.
So segne uns der eine dreifaltige Gott…
Mulla Nasrudins Haus stand in Flammen, also lief er auf's Dach, um sich in Sicherheit zu bringen. Dort hockte er gefährlich nahe am Rand. Unterdessen versammelten sich seine Freunde unten auf der Straße, hielten eine Decke auf und riefen: „Spring, Mulla, spring!"
„Nein, das tue ich nicht", sagte der Mulla. „Euch Burschen kenne ich. Wenn ich springe, zieht ihr die Decke weg, bloß um mich zum Narren zu halten!"
„Sei nicht töricht, Mulla. Das hier ist kein Spaß. Es ist ernst, spring!"
„Nein", sagte Nasrudin, „ich traue keinem von euch. Legt die Decke auf die Erde, dann werde ich springen."
Aus: Anthony de Mello, Warum der Schäfer jedes Wetter liebt. Herder Verlag, Freiburg 2003.
- ist die Welt nicht nur aus Zufall entstanden
- hat mein Leben einen Sinn
- fühle ich mich geborgen und gehalten
- gibt es Größeres und Wichtigeres als mich
- habe ich ein Vorbild, ein absolutes Ziel
- habe ich Verantwortung für mein Leben
- muss ich für Schwache, Arme,... einstehen
- geht meine Sehnsucht nach Glück und Vollendung nicht ins Leere
- ist mein Bemühen um das Gute nicht umsonst
- zählen nicht nur die harten Tatsachen, sondern auch die gute Absicht
- wird Gott nicht erst im Alter und Sterben interessant
- ist mit dem Tod nicht alles aus
(Herkunft unbekannt)
Maria ging übers Gebirge
um nicht allein zu sein
von Frau zu Frau
mit einer zu sprechen
der es so ging wie ihr.
Ein freudiges Wiedersehen –
in einer Umarmung
Kind zu Kind
gedrückt –
voll Freude
hüpfte das eine
voll Freude und Jubel
sangen sie.
Ilse Pauls, unveröffentlicht.
mich aufmachen
wie Maria
die Mühsal
des Weges
auf mich nehmen
das
was ich
in mir trage
wohlwollend
annehmen
nach rechts und links
schauen
wahrnehmen
was mir
im Unterwegssein
geschenkt wird
mich freuen
auf Begegnung
auf Zuspruch hoffen
erfahren dürfen
dass all das
was in mir heranwachsen will
vor Freude hüpft
wie das heranwachsende Kind
dass es sich entfalten will
dass es groß werden will
in mir
all dem Raum geben
dass es sich gebären kann
in mein ganzes SEIN
erhoffen
dass auch ich erfahren darf:
Selig
die du glaubst
dass sich erfüllt
was der Herr dir zuspricht
adventlich
unterwegs sein
Gottes Verheißung
ein Ankommen
ermöglichen
Beatrix Senft (2021)
für eine bewegende Begegnung
für ein Gespräch
das ansteht
für eine Frage
die ein Gegenüber sucht
für Freude
die geteilt werden will
Da wächst was heran
geheimnisvoll
es ist noch nicht zu fassen
und doch
es strampelt sich schon durch
Gott sucht sich einen Weg
in die Herzen der Menschen
abseits großer Schauplätze
Spürst du's
wie es weihnachtet
in dir?
Zwei Begebenheiten, die mich jetzt im Advent anrühren:
Ein junger Vater, in christlicher Tradition aufgewachsen, auch christlich verheiratet, sagt zu seinem Kind: „Na, dann müssen wir das mal dem Weihnachtsmann schreiben, dass du dir das wünschst.“ – WAU, denke ich, mein lieber Sohn. Wie schade. Ich denke es aber nur.
Bei uns wurde nur vom Christkind erzählt. Und, obwohl mein Mann und ich unseren Kindern immer gesagt haben, dass wir Menschen die Geschenke kaufen und zu Weihnachten schenken, haben wir es lange geschafft, etwas Geheimnisvolles entstehen zu lassen. Geheimnisvoll, mit verhängten Türen und Tannenbaum, der (in den ersten Kinderjahren) dann zu Hl. Abend „mit mal“ geschmückt zur Bescherung dastand; und mit einer Krippe, in der Maria und Josef und das Kind angekommen waren.
All dies mit einer Grundhaltung, wir beschenken uns, weil wir in der Geburt Jesu (seinem Geburtstag) reich beschenkt sind.
Eine zweite Begebenheit, der ich in diesen Tagen häufig begegnet bin: Merry Christmas – auch X-mas.
Ich bin nicht unbedingt eine Freundin von meist englischen "Neu-Wörtern" – zumindest nicht da, wo wir schöne deutsche haben, die lange Traditionen mit sich bringen.
Aber, ich habe mich mal mit dem Begriff neu näher auseinandergesetzt. Heißt er doch von seiner Begrifflichkeit her: Christ und Messe/Mette. Erinnert also an das, was wir Christen weltweit feiern, die Geburt Christi. Und wir tun das in der besonderen Messe – der Christmette.
Selbst das „X-mas“, weist auf Christus hin. Das X als erster Buchstabe ist in der griechischen Schreibweise ein Symbol für Christus.
Und auch der „Weihnachtsmann“ stammt nicht aus Grönland, nicht von draußen vom Walde, nicht von Coca Cola, er stammt aus Kleinasien, heute Türkei. Jahrhunderte lang verehrt, bis heute. Er erinnert an den hl. Nikolaus, Bischof von Myra, der in seiner Zeit viele Menschen mit seinem wachen sozialen Blick beschenkte. Menschen, deren Bedürftigkeit er erkannte und seine Gaben zu einem wirklichen Geschenk machte. Einer, der die Nachfolge des Kindes, das uns geschenkt wurde, sehr ernst genommen hat. Nun hat ihm die Neuzeit auf Weihnachten hin einen anderen Namen gegeben.
Mir ist bewusst, dass wir Christen auch viele Traditionen nicht- oder vorchristlicher Völker „geklaut“ haben. Die Sonnenwende (für Christen in der Bedeutung: ich, Johannes der Täufer, werde abnehmen, der, der nach mir kommt, wird zunehmen), den Tannenbaum und andere Traditionen, die seit langen Zeiten von den Menschen in ihrem Ur-Bedürfnis zum Wandel gefeiert wurden.
All dies hat eine Bewandtnis im Er-Leben der Menschen. Bringt zum Ausdruck, dass wir mit den Wechseln der Jahreszeiten leben und ihnen etwas Feierliches geben, ja geben müssen, damit wir gut in ihnen leben.
Aber vielleicht muss ich als "Oma Bea" auch den Mut haben, mein christliches Verständnis mit ins „Spiel“ zu bringen, muss davon erzählen, was mich im Glauben trägt. Muss es wieder ins Wort bringen gegenüber meinen Kindern und auch meinen Enkelkindern.
Ich, ja wir, werden dem Zeitgeist keinen Einhalt gebieten können. Müssen es aber neu lernen, die richtigen Bezüge zu setzten, damit wir wieder ein „Christ-mas“ feiern können. Ja, dass wir es wieder neu leben und füllen und mit Dietrich Bonhoeffer sagen können: „so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.“
Und ich wünsche gerne: „Frohmachende und segenbringende Weihnachten.“ – (wie dringend notwendig im Corona-Jahr 2021.)
Beatrix Senft (2021)
FRIEDE
zum Beispiel
Friede
immer neu buchstabiert
immer neu probiert ...
DER Friede kommt
an Weihnachten
zur Welt
Der WELTFRIEDEN
Gibt es einen schöneren Grund
zum Feiern
nicht nur in Zeiten wie diesen?
Machen wir uns bereit
für's FEIER-KLEID
FREUDE und FRIEDEN
Früchte des Geistes
eines menschenfreundlichen Gottes
und
Früchte meines LEBENS ..
Die eilenden Massen in Einkaufsstraßen
sind sie einladend - für dich?
So oft ein Stöhnen über den Weihnachtsstress ...
so war das wohl nicht gemeint
als Anfang des ERLÖSUNGsprozesses
mit dem ReinERLÖS in den Kassen
Maria's Eile
ist eine andere
Das Unglaubliche bewegt - sie hat's eilig
unterwegs
mit ihrer FREUDEnBOTSCHAFT
Der heranwachsende Jesus
macht ihr Beine
Freude, offene Fragen, Sorgen,...
wollen geteilt sein
Diese adventliche Begegnung
mit Elisabeth
lässt das Kind in ihrem Leib hüpfen,
lebendiges LEBEN!
In bewegenden Begegnungen rührt sich die FREUDE
Erfüllung kündigt sich an - Ja, Gott selbst!
Gott selbst ,drängt‘ zur Eile
Es eilt - Hilfe zu leisten wo nötig
Es eilt - Gehör zu schenken wo niemand mehr Zeit hat
Es eilt - Schritte des Friedens zu setzen
Es eilt - unseren Lebensstil zu hinterfragen
Es eilt - die Nachricht zu verbreiten
dass Gott mitten unter uns MENSCH WERDEN will
und ganz klein damit anfängt
Wie eilig hast du es damit
diese Botschaft zu verkünden .würde sich dadurch unsere Welt verändern,
dein und mein LEBEN?
Hasten wir nicht
Eilen wir - unsere Welt braucht Gott
Elisabeth! Maria!
Zwei Frauen - gleich und doch verschieden.
Alt und jung in guter Hoffnung.
Elisabeth! Maria!
Halt suchend - Halt gebend.
Welche Kraft - welche Freude.
Elisabeth! Maria!
Leibhaftige Begegnung.
Zärtlichkeit - Nähe
Elisabeth! Maria!
Gegeben von Gott.
Hinausgetragen in die Welt
von Frauen
im Mutterleib.
Elisabeth! Maria!
Das Reich Gottes ist nah.
"Die Hoffnung in sich tragen" 2. Advent 2006, Materialien für einen Gottesdienst Hg. Evangelische Frauen in Hessen und Nassau e.V.
[HTML] Wo bist du
inneres Kind, göttliches Kind
in einer Sternstunde meines Lebens
ahnte ich dich
als Bewegung in mir
für einen kurzen Moment
spürte ich
dass es dich gibt
und dass du alles neu machst
dass du die Liebe pur bist
aber jetzt
wo bist du jetzt
vielleicht
kann ich dich wiederfinden
wenn ich statt in mir
in der Begegnung
mit anderen suche
dann, ja dann
hüpft es wieder
vor Freude
in mir
Monika Kilian (Quelle unbekannt)
Bewahren, was mich im Herzen berührt.
Nachklingen lassen, was in meinem Innersten Anklang findet.
Nachwirken lassen, was meine beharrliche Geduld fördert.
Bewahren, was verbindet mit allen Menschen guten Willens.
Pierre Stutz, Weihnachten unserer Sehnsucht folgen. Herder Spektrum.
Ich möchte dir begegnen,
großer, wunderbarer Gott,
hineingezogen werden in den Strom deiner Liebe,
der alles fortnimmt, was mein Leben bedrückt und erschwert.
Ich glaube daran, dass du mir dereinst solches schenken wirst.
Lass mich einen Hauch davon jetzt erfahren!
Ich fühle mich überfordert,
alle wollen etwas von mir!
Ich bin ausgelaugt, leer und einsam.
Du großer, wunderbarer Gott,
ich möchte Begegnung mit dir erfahren,
Begegnung, die mich wandelt.
Komm in meine Leere, fülle sie mit dir;
Komm in meine Einsamkeit, ziehe mich an dich!
Dann kann ich von dir erfüllt und verwandelt
Wieder leichtfüßiger meines Weges gehen
Und meine Weggefährten an dich erinnern.
Monika Nemetschek, Schattenseiten des Lebens - und wo bleibt Gott?
3 Monate bleibt sie bei Elisabeth, so heißt es. 3 Monate waren nötig, um zu fragen, aufzuarbeiten, zu klären, zu hoffen, zu beten. 3 Monate, die Maria vielleicht als Schutzraum gebraucht hat, bevor sie umkehren und heimkehren konnte. 3 Monate nehmen sie sich Zeit füreinander, für sich und Gott.
So beginnt die Weihnachtsgeschichte: zwei Frauen mit völlig unmöglichen Schwangerschaften, zu alt die eine, zu jung die andere. Zwei einfache Frauen, die nicht einmal befugt waren, den Tempel zu betreten, reden aus Gottes Geist. Ihre Begegnung rührt sie in der Tiefe an und verwandelt sie so, dass sie am Ende singen - ein Lied der Hoffnung.
Margot Runge, aus Adventkalender 2012, des Canisiuswerkes.
Mache dich auf den Weg und suche das Licht,
das tief in deiner Seele unter vielen Traurigkeiten fast erloschen ist.
Mache dich auf den Weg und grabe die Hoffnung aus,
die tief in deiner Seele unter tausend Ängsten ganz verschüttet ist.
Mache dich auf den Weg und lass die Lebenskräfte frei,
die tief in deiner Seele durch erlittene Schmerzen ganz gefesselt sind.
Mache dich auf den Weg und finde wieder heim zu dir selbst.
Und du wirst wieder leuchten und hoffen und leben.
Christa Spilling-Nöker in: "Wenn es Weihnachten wird" (Topos plus, Kevelaer 2009).
Vielleicht
wenn ich still werde
höre ich den Gesang der Sterne
im Blau der Nacht.
Vielleicht
wenn ich ruhig werde
höre ich das Lied der Sehnsucht
im Dämmern des Morgens.
Vielleicht
wenn ich ganz Ohr werde
höre ich den Klang des Schweigens
am helllichten Tag.
Vielleicht
wenn ich dich einlasse, Engel,
und du mich berührst
mit dem Flügel des Himmels
vielleicht
weckst du mein Ja
vielleicht wächst dann das Wunder.
Vielleicht. Jetzt?
"Für Gott ist nichts unmöglich"
Hildegard Nies, Te Deum, Dezember 2012.
Eine Person bildet den Brennpunkt eines weiten Raumes.
So kann man die Frage "Wer ist Jesus von Nazaret?" nicht getrennt von seiner Vor- und Nachgeschichte stellen. Keine Person kann verstanden werden
a) unabhängig von der vergangenen Geschichte, in der sie stand und die sie trägt und herausfordert und auf die sie kritisch reagiert;
b) unabhängig von ihren Beziehungen zu denen, mit denen sie umging, von Zeitgenossen, die von ihr empfangen, und die sie ihrerseits beeinflusst und zu bestimmten Reaktionen herausgelockt haben;
c) unabhängig von dem Einfluss, den die Person auf die Geschichte hatte, die nach ihr kommt, oder unabhängig von dem, was sie vielleicht unmittelbar in Bewegung setzen wollte.
Mit anderen Worten, eine menschliche Person ist der persönliche Brennpunkt einer Reihe von interaktiven Beziehungen zu Vergangenheit und Zukunft und zur eigenen Gegenwart. Dies alles gilt auch für Jesus.
Quelle: Edward Schillebeeckx, Jesus. Die Geschichte von einem Leidenden, Freiburg 1992.
"In den Evangelien - und auch schon in der Spruchquelle - wird Johannes klar als der Vorläufer Jesu gesehen. Seien Person und Predigt werden ihm vor- und untergeordnet. Wenn die Spruchquelle die von intensiver Naherwartung geprägte Täuferpredigt aufgenommen hat, darf vermutet werden, dass dies auf deren christlichen Verkündigung weiterwirkte...
Nach Mt. 11,12 ist in den Tagen Johannes des Täufers die Himmelsherrschaft bereits wirksam, wenn sie auch Gewalt erleiden muss. Nach Mt 3,2 kündigt er wie Jesus (vgl. 4,17) die Nähe der Himmelsherrschaft an. Nach Lk 16,16 gehört Johannes noch zur Epoche von Gesetz und Propheten und wird erst seitdem das Reich Gottes proklamiert. Die Spannung erscheint recht deutlich, wenn im Anschluss an Jesu Wort, das Johannes als den größten unter den Frauen Geborenen preist, gesagt wird: "Der Kleinste in der Himmelsherrschaft aber ist größer als er" (Mt 11,11 par).
In der eindeutigen Hinordnung auf Jesus sehen die Evangelien den Täufer als Mann zwischen den Epochen, als letzten Propheten der das Alte beschließt und zum neuen überleitet.
Am weitesten ist die 'Verchristlichung' des Täufers dort gediehen, wo er und sein Wirken mit Jesus parallelisiert werden. Im Johannesevangelium wird uns der Täufer vorgestellt als erster christlicher Bekenner, der Zeugnis ablegt für Jesus, damit alle zum Glauben an ihn gelangen (1,6-8), der sogar hinweist auf Christus als das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt (1,29). Damit ist er endgültig hineingestellt in das Evangelium und für dieses in Beschlag genommen.
Quelle: Gnilka Joachim, Die frühen Christen, Ursprünge und Anfang der Kirche, 1999.
Im Übrigen kann man nur sagen: Ich mache meine ersten Schritte in dieser Richtung. Nach diesen ersten Schritten werde ich die Möglichkeit und Freiheit haben, die nächsten wichtigen Schritte zu tun. In allem vertraue ich aber auf Gottes Führung und Fügung, und weiß, dass Gott den Gerechten und darüber hinaus auch den Sünder milde und leise auf seinem Weg führt, bis er bei dem angelangt ist, der das ewige Leben ist.
Quelle: Karl Rahner, Horizonte der Religiosität. Kleine Aufsätze, hrsg. von Georg Sporschill, Wien 1984.
Eine Person bildet den Brennpunkt eines weiten Raumes.
So kann man die Frage "Wer ist Jesus von Nazaret?" nicht getrennt von seiner Vor- und Nachgeschichte stellen. Keine Person kann verstanden werden
a) unabhängig von der vergangenen Geschichte, in der sie stand und die sie trägt und herausfordert und auf die sie kritisch reagiert;
b) unabhängig von ihren Beziehungen zu denen, mit denen sie umging, von Zeitgenossen, die von ihr empfangen, und die sie ihrerseits beeinflusst und zu bestimmten Reaktionen herausgelockt haben;
c) unabhängig von dem Einfluss, den die Person auf die Geschichte hatte, die nach ihr kommt, oder unabhängig von dem, was sie vielleicht unmittelbar in Bewegung setzen wollte.
Mit anderen Worten, eine menschliche Person ist der persönliche Brennpunkt einer Reihe von interaktiven Beziehungen zu Vergangenheit und Zukunft und zur eigenen Gegenwart. Dies alles gilt auch für Jesus.
Quelle: BR-online, "radioWissen"
am Du
zum Ich werden
und am Ich des anderen
zum Du werden
ansprechen
und
angesprochen sein
erfahren
mitteilen
was Leben bringt
und Leben bewirkt
Elisabeth
Frau des Priesters Zacharias
Frau mit Namen damals
und doch
wund
mit Grenzen die fragen lassen
kinderlos
angefragt
was ist die eigene Berufung
was Gottes Geschichte
Elisabeth
offen
weil die Hoffnung nicht erstickt ist,
offen
für Gottes Wort
offen
für Gottes Tun
offen
für die Begegnung mit Maria
Elisabeth
so bist Du Ich
in der Welt
die Menschen
zu jederfrau und jederman macht
Maria
junge Frau
voll Träume
voll Wünsche
voll Lust am Leben
Maria
suchend
nach Leben
in einer Welt
die verhindert
suchend
unter Menschen
voll Angst
Maria
ansprechbar
vom Leben
von
Gott
Ursprung
des Lebens
Maria
offen für das Neue
das keimt
wächst
ich werden
ansprechbar
und
Du
werden will
für andere
Elisabeth
Maria
Begegnung
die ausspricht
die Möglichkeit Leben
die sich aufmacht
den Menschen zu finden
ihn
am Ich
zum Du
und vom
Du
zum Ich werden lässt.
Bernhard Rathmer

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Es handelt sich um einen der klassischen messianischen Texte des Alten Testaments. Von den meisten Exegeten wird er in die Zeit des babylonischen Exils datiert. Den Hintergrund bildet somit die Erfahrung, dass sich das Gottesvolk trotz vieler Mahnungen der Propheten immer wieder von seinem Herrn abgewandt hat und eigenen Wegen gefolgt ist, die letztlich in die Katastrophe geführt haben: Jerusalem wurde 586 v. Chr. zerstört, maßgebliche gesellschaftliche Kreise wurden nach Babylon deportiert.
Vor diesem Hintergrund entsteht die Hoffnung auf einen Herrscher ganz neuer Art, der sein Volk in eine messianische Friedenszeit führt. Nicht aus der Hauptstadt Jerusalem wird er kommen, wie die früheren Könige, sondern aus der Heimat Davids, dem unbedeutenden Bethlehem, das hier um den Flurnamen „Efrata“ ergänzt wird, der soviel wie „fruchtbares Land“ bedeutet. Aus kleinen Anfängen kann Großes werden. Die gegenwärtige Zeit wird dabei durchaus noch als schmerzvoll empfunden, denn noch ist Israel eine preisgegebene Gebärende, die in Schmerzen liegt, doch in prophetischer Weise wird bereits ein neuer Anfang verheißen, dessen sichtbares Zeichen die Heimkehr aus dem Exil nach Jerusalem, an den ursprünglichen Ort der Gottesverehrung, ist. Vom neuen Herrscher selbst heißt es, dass er der Friede sein wird. Im hebräischen Urtext steht hier „Shalom“, ein Wort, das über die landläufige Bedeutung von Frieden weit hinausgeht und auch Dimensionen wie Heil, Wohlergehen, Gesundheit, Glück, Leben in rechter Ordnung etc. miteinschließt.
Die meisten alttestamentlichen Exegeten nehmen an, dass dieser Text in der Zeit nach dem Exil Israels entstand. Nach der Zerstörung Jerusalems 586 n.Chr. wurde die Oberschicht nach Babylon verschleppt. Bei ihrer Rückkehr gab es das Königreich Israel nicht mehr, es war zu einer persischen Provinz geworden, die nicht mehr von Königen aus dem Haus Davids regiert, sondern von einem Beamten des persischen Reichs verwaltet wurde. In biblischer Zeit erlangte Israel nie wieder seine Selbständigkeit.
Unsere Perikope gehört zu den messianischen Verheißungen, die in dieser Epoche entstanden. In der Zeit der Fremdherrschaft begann man sich nach einer neuen Zeit zu sehnen, in der Israel wieder frei sein würde wie damals. Verschiedene Propheten sprachen dem Volk Mut zu und erinnerten es daran, dass Jahwe sein Volk nicht im Stich lassen werde. Allerdings hütete man sich davor, einfach die alten Zeiten zu verklären. Zu genau hielt sich die Erinnerung an die Schattenseiten der Königszeit: die Kriege, die Willkür mancher Könige und die schier unüberbrückbare Kluft zwischen von Arm und Reich. Das Neue, dass man erhoffte, war nicht einfach eine Wiederauflage des Alten. Die Texte verheißen einen König ("Messias") der ganz anderen Art, der Gerechtigkeit und Frieden sichert und sich um sein Volk sorgt wie ein Hirt, der seine Herde weidet. Sie sprechen von einer neuen, friedlichen und gerechten Art des Zusammenlebens.
Der kleine Ausschnitt aus dem Buch des Propheten Micha knüpft zunächst an die Vergangenheit Israels an: In grauer Vorzeit nahm in dem kleinen Ort Bethlehem die Dynastie Davids ihren Anfang, die danach Jahrhunderte lang Juda beherrschte. Von dort wird auch die neue Zeit ihren Anfang nehmen. Dazwischen, so der Prophet weiter, liegt eine Zeit, in der Jahwe Israel preisgibt: das Exil und die Fremdherrschaft. Alles ändert sich, sobald der verheißene König geboren wird (hier, in Vers 3 wird wohl auf die viel ältere Verheißung bei Jes 7 angespielt). In diesem König wird Jahwe selber handeln. Er wird sein Volk zusammenrufen und eine neue Art von Frieden schaffen: Friede, der nicht dadurch entsteht, dass strenge Reichsgrenzen gezogen, verteidigt und gesichert werden, sondern Friede, der "von innen heraus", von diesem neuen König, und letztlich aus der Kraft Gottes, die in ihm wirkt, ausgeht. Diese Friedensmacht des Königs löst die Grenzen Israels auf und breitet sich von dort überall aus bis an die Grenzen der bewohnten Welt.
Reine Wunschphantasien eines unterdrückten Volkes? Ich glaube, dass es um mehr geht: Der Text spricht die Ursehnsucht des Menschen nach dauerhaften Frieden an. Und er formuliert das Bekenntnis, dass Jahwe diese Sehnsucht stillen kann. Er kann die Beziehungen der Menschen so verwandeln, dass diese versöhnte und befriedete Art des Miteinanders die notwendigen Grenzen und Verteidigungslinien einzelner Gruppen und Nationen überflutet, überflüssig macht und auflöst.
Im Jahr 586 vor Christi Geburt wurde Jerusalem von den Babyloniern erobert, zerstört und die Jerusalemer Oberschicht nach Babylon deportiert. Das Königreich Israel ist von der Landkarte verschwunden und kein König aus dem Hause David regierte mehr, sondern ein persischer Statthalter verwaltete das Land. Interpretiert wurden diese Ereignisse als Folge der Nichtbeachtung der vorangegangenen Mahnungen mehrerer Propheten.
In diese Situation hinein, in der das Volk Israel in der babylonischen Gefangenschaft leidet und auf einen Neubeginn hofft, ergeht das Prophetenwort der heutigen ersten Lesung.
Ein Herrscher neuer Qualität wird in diesem Text angekündigt. Dieser wird nicht aus der Hauptstadt Jerusalem, sondern aus dem geradezu unbedeutenden "Landstädtchen" Betlehem kommen. In diesem neuen Zeitalter wird das Volk nach Hause zurückkehren, in Sicherheit leben und Frieden wird herrschen - noch ist es aus Sicht des Verfassers unseres Textes aber nicht so weit, im Moment wird dieses Heil erst angekündigt.
Das Buch Micha zählt zu den zwölf kleinen Prophetenbüchern und entstand in einem redaktionellen Prozess zwischen dem 8. und 5. Jh. v.Chr.; der Prophet selbst trat wohl (nach Mi 1,1) im 8. Jh. auf. Der Text der heutigen Lesung gehört - zumindest teilweise - zu den jüngeren Texten (ca. 6. Jh. v.Chr.), blickt verheißungsvoll in die Zukunft und ist verknüpft mit einer messianischen Heilsgestalt.
Betlehem als Verheißungsort
Angekündigt wird ein neuer Herrscher, der aus Betlehem kommen soll. Zugleich wird auf eine Kontinuität hingewiesen, denn die Ursprünge liegen weit zurück. Angespielt wird wohl auf David und die Verheißungen, die mit seinem Königtum verbunden waren: David stammte wie sein Vater Isai aus Betlehem und wurde vom Propheten Samuel von der Schafherde weggeholt und im Auftrag JHWHs zum König gesalbt (vgl. 1 Sam 16,1-13). Mit dem Königtum Davids war die Verheißung verknüpft, dass dieser Thron ewigen Bestand haben werde (vgl. Natansverheißung in 2 Sam 7,13.16). Betlehem wird mit dieser Ankündigung ein Verheißungsort und Gegenpol zu Jerusalem. Die falsche Politik der Könige führte die Stadt, die mit dem Tempel als Wohnort Gottes für unbesiegbar gehalten wurde, in den Untergang.
Versteckte Königskritik
Der verheißene Herrscher wird von Gott selbst geschenkt („... aus dir wird mir einer hervorgehen ...“). Die Ankündigung dieses Neuanfangs fällt in jene Zeit, in der Jerusalem mitsamt seinem Tempel zerstört, die Oberschicht Judas in das Babylonische Exil deportiert und der letzte König (Zidkija) entthront worden war. Damit war das davidische Königtum zu einem Ende gekommen. Interessanterweise fehlt für den angekündigten Herrscher der Titel „König“. Das Königtum in Israel war stets umstritten - von den einen begehrt und gewünscht, von den anderen kritisch hinterfragt bis hin zur Ablehnung: Von dieser Gruppe wurde allein JHWH als König anerkannt.
Ein Hirt als Herrscher
Dieser neue Herrscher wird nun als „Hirt“ bezeichnet. Dieser Titel ist unter allen Königen nur für David belegt (z.B. 2 Sam 5,2). So ist auch hier nochmals eine Verbindung zum davidischen Königtum gegeben, jedoch in Abgrenzung zu den vergangenen Königen, die in der heilsgeschichtlichen Reflexion als die Verantwortlichen für die Misere des Exils aufgezeigt wurden.
Die enge Verbindung dieses Hirten zu JHWH (er tritt in der Kraft und im Namen JHWHs auf) hat größtmögliche Auswirkungen für die „Herde“. Sicherheit und Frieden ersehnen die meisten Menschen, am meisten aber wohl jene, die ständig in Kriege verwickelt waren und sind. Israel ist bis heute ein Land, in dem Unruhen und Kriege den Alltag prägen. Dieser neue Hirt wird selbst der Friede sein, denn seine Größe beschränkt sich nicht nur auf das kleine Volk Israel, sondern erstreckt sich bis an die Grenzen der Erde - eine große Hoffnung, die das junge Chistentum in Jesus erfüllt sah und sich daher diese Verheißung in Erinnerung rief.
Ingrid Penner
© Diözese Linz. Team Bibelwerk Linz und Glaubenskommunikation