Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Kohelet:
Windhauch, Windhauch, sagte Kohélet,
Windhauch, Windhauch,
das ist alles Windhauch.
Denn es kommt vor,
dass ein Mensch,
dessen Besitz durch Wissen, Können und Erfolg erworben wurde,
ihn einem andern,
der sich nicht dafür angestrengt hat,
als dessen Anteil überlassen muss.
Auch das ist Windhauch
und etwas Schlimmes, das häufig vorkommt.
Was erhält der Mensch dann durch seinen ganzen Besitz
und durch das Gespinst seines Geistes,
für die er sich unter der Sonne anstrengt?
Alle Tage besteht sein Geschäft nur aus Sorge und Ärger
und selbst in der Nacht kommt sein Geist nicht zur Ruhe.
Auch das ist Windhauch.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Kohelet:
Worte Kohelets, des Davidsohnes,
der König in Jerusalem war.
Windhauch, Windhauch, sagte Kohélet,
Windhauch, Windhauch,
das ist alles Windhauch.
Welchen Vorteil hat der Mensch von all seinem Besitz,
für den er sich anstrengt unter der Sonne?
Ich dachte mir:
Auf, versuch es mit der Freude, genieß das Glück!
Das Ergebnis: Auch das ist Windhauch.
Über das Lachen sagte ich: Wie verblendet!,
über die Freude: Was bringt sie schon ein?
Ich trieb meine Forschung an mir selbst,
indem ich meinen Leib mit Wein lockte,
während mein Verstand das Wissen auf die Weide führte,
und indem ich das Unwissen gefangen nahm.
Ich wollte dabei beobachten,
wo es vielleicht für die einzelnen Menschen möglich ist,
sich unter dem Himmel Glück zu verschaffen
während der wenigen Tage ihres Lebens.
Ich vollbrachte meine großen Taten:
Ich baute mir Häuser, ich pflanzte mir Weinberge.
Ich legte mir Gärten und Parks an,
darin pflanzte ich alle Arten von Bäumen.
Ich legte mir Wasserbecken an,
um aus ihnen den sprossenden Baumbestand zu bewässern.
Ich kaufte Sklaven und Sklavinnen,
obwohl ich schon hausgeborene Sklaven besaß.
Auch Vieh besaß ich in großer Zahl, Rinder, Schafe, Ziegen,
mehr als alle meine Vorgänger in Jerusalem.
Ich häufte mir auch Silber und Gold an und,
als meinen persönlichen Schatz,
Könige und ihre Provinzen.
Ich besorgte mir Sänger und Sängerinnen
und die Lust der Männer: Brüste und nochmals Brüste.
Ich war schon groß gewesen,
doch ich gewann noch mehr hinzu,
sodass ich alle meine Vorgänger in Jerusalem übertraf.
Und noch mehr:
Mein Wissen stand mir zur Verfügung,
und was immer meine Augen sich wünschten,
verwehrte ich ihnen nicht.
Ich musste meinem Herzen keine einzige Freude versagen.
Denn mein Herz
konnte immer durch meinen ganzen Besitz Freude gewinnen.
Und das war mein Anteil,
den ich durch meinen ganzen Besitz gewinnen konnte.
Doch dann dachte ich nach über alle meine Taten,
die, die meine Hände vollbracht hatten,
und über den Besitz,
für den ich mich bei diesem Tun angestrengt hatte.
Das Ergebnis:
Das ist alles Windhauch und Luftgespinst.
Es gibt keinen Vorteil unter der Sonne.
Ich dachte nach, indem ich beobachtete,
was Wissen wirklich ist
und was Verblendung und Unwissen wirklich sind.
Außerdem:
Was für ein Mann wird auf den König folgen,
den sie einst eingesetzt haben?
Ich beobachtete:
Es gibt einen Vorteil, den das Wissen bietet,
aber nicht das Unwissen,
wie es einen Vorteil gibt, den das Licht bietet,
aber nicht die Dunkelheit:
Der Gebildete hat Augen im Kopf,
der Ungebildete tappt im Dunkeln.
Aber ich erkannte auch:
Beide trifft ein und dasselbe Geschick.
Da dachte ich mir:
Was den Ungebildeten trifft, trifft also auch mich.
Warum bin ich dann über die Maßen gebildet?
Und ich überlegte mir,
dass auch das Windhauch ist.
Denn an den Gebildeten gibt es ebenso wenig
wie an den Ungebildeten eine Erinnerung,
die ewig währt,
weil man schon in den Tagen, die bald kommen,
beide vergessen wird.
Wie ist es möglich,
dass der Gebildete ebenso sterben muss
wie der Ungebildete?
Da verdross mich das Leben.
Denn das Tun, das unter der Sonne getan wurde,
lastete auf mir als etwas Schlimmes.
Denn es ist alles Windhauch und Luftgespinst.
Mich verdross auch mein ganzer Besitz,
für den ich mich unter der Sonne anstrenge
und den ich dem Menschen überlassen muss,
der nach mir kommt.
Wer weiß, ob er ein Wissender ist
oder ein Unwissender?
Jedenfalls wird er über meinen ganzen Besitz verfügen,
für den ich mich unter der Sonne angestrengt
und mein Wissen eingesetzt habe.
Auch das ist Windhauch.
Ich stellte mich um
und überließ mich der Verzweiflung
über meinen ganzen Besitz,
für den ich mich unter der Sonne angestrengt hatte.
Denn es kommt vor,
dass ein Mensch,
dessen Besitz durch Wissen, Können und Erfolg erworben wurde,
ihn einem andern,
der sich nicht dafür angestrengt hat,
als dessen Anteil überlassen muss.
Auch das ist Windhauch
und etwas Schlimmes, das häufig vorkommt.
Was erhält der Mensch dann durch seinen ganzen Besitz
und durch das Gespinst seines Geistes,
für die er sich unter der Sonne anstrengt?
Alle Tage besteht sein Geschäft nur aus Sorge und Ärger
und selbst in der Nacht kommt sein Geist nicht zur Ruhe.
Auch das ist Windhauch.
Kv: Herr, du bist uns Wohnung von Geschlecht zu Geschlecht. – Kv
Oder GL 50,1
Zum Staub zurückkehren lässt du den Menschen, *
du sprichst: Ihr Menschenkinder, kehrt zurück!
Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der Tag,
der gestern vergangen ist, *
wie eine Wache in der Nacht. – (Kv)
Du raffst sie dahin, sie werden wie Schlafende. *
Sie gleichen dem Gras, das am Morgen wächst:
Am Morgen blüht es auf und wächst empor, *
am Abend wird es welk und verdorrt. – (Kv)
Unsere Tage zu zählen, lehre uns! *
Dann gewinnen wir ein weises Herz.
Kehre doch um, Herr! – Wie lange noch? *
Um deiner Knechte willen lass es dich reuen! – (Kv)
Sättige uns am Morgen mit deiner Huld! *
Dann wollen wir jubeln und uns freuen all unsre Tage.
Güte und Schönheit des Herrn, unseres Gottes, sei über uns! /
Lass gedeihen das Werk unsrer Hände, *
ja, das Werk unsrer Hände lass gedeihen! – Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Kolóssä.
Schwestern und Brüder!
Seid ihr nun mit Christus auferweckt,
so strebt nach dem, was oben ist,
wo Christus zur Rechten Gottes sitzt!
Richtet euren Sinn auf das, was oben ist,
nicht auf das Irdische!
Denn ihr seid gestorben
und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.
Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird,
dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.
Darum tötet, was irdisch an euch ist:
Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft,
böse Begierde
und die Habsucht, die Götzendienst ist!
Belügt einander nicht;
denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Taten abgelegt
und habt den neuen Menschen angezogen,
der nach dem Bild seines Schöpfers erneuert wird,
um ihn zu erkennen.
Da gibt es dann nicht mehr Griechen und Juden,
Beschnittene und Unbeschnittene,
Barbaren, Skythen, Sklaven, Freie,
sondern Christus ist alles und in allen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Kolóssä.
Schwestern und Brüder!
Seid ihr nun mit Christus auferweckt,
so strebt nach dem, was oben ist,
wo Christus zur Rechten Gottes sitzt!
Richtet euren Sinn auf das, was oben ist,
nicht auf das Irdische!
Denn ihr seid gestorben
und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.
Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird,
dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.
Darum tötet, was irdisch an euch ist:
Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft,
böse Begierde
und die Habsucht, die Götzendienst ist!
All das zieht den Zorn Gottes nach sich.
Einst war auch euer Lebenswandel
von solchen Dingen bestimmt,
ihr habt darin gelebt.
Jetzt aber sollt auch ihr das alles ablegen:
Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung und schmutzige Rede,
die aus eurem Munde kommt.
Belügt einander nicht;
denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Taten abgelegt
und habt den neuen Menschen angezogen,
der nach dem Bild seines Schöpfers erneuert wird,
um ihn zu erkennen.
Da gibt es dann nicht mehr Griechen und Juden,
Beschnittene und Unbeschnittene,
Barbaren, Skythen, Sklaven, Freie,
sondern Christus ist alles und in allen.
Halleluja. Halleluja.
Selig, die arm sind vor Gott;
denn ihnen gehört das Himmelreich.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:
In jener Zeit
bat einer aus der Volksmenge Jesus:
Meister, sag meinem Bruder,
er soll das Erbe mit mir teilen!
Er erwiderte ihm: Mensch,
wer hat mich zum Richter oder Erbteiler bei euch eingesetzt?
Dann sagte er zu den Leuten: Gebt Acht,
hütet euch vor jeder Art von Habgier!
Denn das Leben eines Menschen besteht nicht darin,
dass einer im Überfluss seines Besitzes lebt.
Und er erzählte ihnen folgendes Gleichnis:
Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte.
Da überlegte er bei sich selbst: Was soll ich tun?
Ich habe keinen Platz, wo ich meine Ernte unterbringen könnte.
Schließlich sagte er:
So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen
und größere bauen;
dort werde ich mein ganzes Getreide
und meine Vorräte unterbringen.
Dann werde ich zu meiner Seele sagen:
Seele, nun hast du einen großen Vorrat,
der für viele Jahre reicht.
Ruh dich aus, iss und trink
und freue dich!
Da sprach Gott zu ihm: Du Narr!
Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern.
Wem wird dann das gehören, was du angehäuft hast?
So geht es einem,
der nur für sich selbst Schätze sammelt,
aber bei Gott nicht reich ist.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Welt des Gutsbesitzers im Evangelium ist nicht mehr unsere Erfahrungswelt. Im Grunde unseres Herzens sind wir jedoch in gleicher Weise der Versuchung ausgesetzt, unser Leben mit Dingen auszufüllen, die uns nicht erfüllen. Wir dürfen und sollen all das auch genießen und uns daran freuen. Vergessen wir dabei jedoch nicht auf unseren wahren Reichtum: die Liebe Gottes, die uns das alles gibt.
Ein Mann hatte einen Terminkalender. Hier trug er viele Termine ein. Doch er spürte, dass sein Terminkalender zu klein war. Da kaufte er sich einen größeren Terminkalender. Hier hatte er mehr Platz für noch mehr Termine. Weil er so viele Termine hatte, war er bei vielen seiner Mitmenschen sehr beliebt. Er wurde in viele Ausschüsse gewählt. Doch eines Tages sprach Gott zu ihm: „Du Narr, heute stehst du auf meinem Terminkalender!“
Liebe Schwestern, liebe Brüder, diesem Mann ist es so gegangen wie dem Bauer im Evangelium. Er führte ein Leben auf der Überholspur. Immer höher, immer weiter, immer mehr, immer besser, war sein Lebensmotto. Das ist auch bei vielen Mitmenschen und – Hand aufs Herz – bei vielen von uns selbst genauso. Wir wollen nichts verpassen, wollen besser dastehen als andere, wir wollen das größere Haus besitzen, wir wollen das schnellere Auto fahren, beruflich wollen wir viel erreichen… Wenn nicht mehr, dann doch wenigstens genauso viel wie andere. Ist unser Terminkalender auch groß genug für all das viele, was wir tun und erreichen wollen.
Jesus und auch der Weisheitslehrer Kohelet scheinen wie Spielverderber zu sein. Kohelet nennt alles, woran Menschen ihr Leben hängen „Windhauch“. Recht hat er. Denn alles kann schnell vorbei sein. Wir müssen nach unserem Tod alles unseren Nachkommen hinterlassen. Wir nehmen nichts mit ins Grab. Das letzte Hemd hat keine Taschen. Jesus sagt uns, wie schnell und unerwartet das Leben vorbei sein kann.
Kohelet und Jesus sind keine Spielverderber. Sie stehen mit beiden Füßen im Leben. Wir alle haben schon einmal miterlebt, wie schnell ein Leben zu Ende gehen kann, wie unerwartet ein Mensch uns verlässt. Viele von uns waren auf Beerdigungen von deutlich jüngeren Menschen. Der Satz älterer Menschen „Ich danke Gott für jeden Tag, an dem ich aufstehen kann“ zeugt von großer Dankbarkeit. Dieser Satz sollte das Lebensgefühl aller Menschen sein.
Alles ist Geschenk, nichts ist selbstverständlich. Erst bei Katastrophen spüren wird das. Eine unheilbare Krankheit macht alle Pläne zunichte. Eine Überschwemmung zerstört ein Haus, das liebevoll und mit viel Schweiß und Fleiß aufgebaut wurde. Eine Firmenpleite behindert berufliche Pläne. Das alles kann passieren.
Wenn Kohelet alles „Windhauch“ nennt, wenn Jesus uns diese Geschichte erzählt, dann zeigen sie uns, was unser wahrer Reichtum ist. Dieser Reichtum ist Gottes Liebe. Dieser Reichtum ist Gottes Wort. Gott verdirbt uns nicht die Freude am Leben. Denn Gott hat diese Welt erschaffen, damit wir uns an dieser Welt freuen. Wir können uns freuen an der schönen Natur. Wir dürfen uns freuen an einem schönen Essen. Wir dürfen Fortschritte erzielen, die uns das Leben erleichtern, sei es in der Medizin, sei es in der Technik. Wir dürfen uns freuen, wenn wir Feste feiern. Jesus war selbst auf vielen Festen. Niemand anderes freut sich mehr als Gott, wenn es uns wohlergeht.
Wichtig ist eine tiefe Haltung der Dankbarkeit. Diese Dankbarkeit Gott gegenüber ist ein großer Schatz für uns. Der Gutsbesitzer in der Evangelienerzählung baut auf seine eigene Sicherheit, auf seine eigenen Verdienste. Gott ist unser Reichtum, unsere Sicherheit. Gerade dieser Landwirt will sich selbst belohnen, für seine eigene Leistung: Ich, Ich, Ich – waren seine Worte. Er baut auf seine Leistung, den wahren Reichtum, dass Gottes Liebe ihn beschenkt hat, übersieht er.
Mit Gott aber bekommt alles, was unser Leben erfreut, den richtigen Platz. Wir sind versucht, unser Herz an alles zu hängen, was uns das Leben reicher zu machen scheint. Schnell kann das zu unserem Götzen werden. Sammeln wir Schätze bei Gott. Wenn wir in unserem Leben auf Gottes Liebe bauen, ist das nicht Windhauch. Das ist unser wahrer Reichtum. Steht auf unserem Terminkalender Gott an allererster Stelle?
Der Blick auf das Ende kann uns davor bewahren, dass wir Lebensglück in Nebensächlichem zu finden suchen.
„Was immer du tust, handle klug und bedenke das Ende“, lautet ein Spruch des griechischen Schriststellers Herodot (485-425 v. Chr). „Quid quid agis, prudenter agas, et respice finem“. Unter dieser Devise weist das Buch Kohelet auf die Vergänglichkeit alles Irdischen hin, fragt aber auch nach einem geglückten Leben. Auch der reichste und weiseste Mann (gilt wohl auch für Frauen) hat einmal nichts mehr von seiner Weisheit und seinem Besitz, weil alles der Vergänglichkeit unterworfen ist. Er nennt es „Windhauch“. Dieser Begriffkehrt im Buch Kohelet immer wieder. Sorgen, ständiges Konkurrenzdenken und auch Angst sind sinnlos, sind schlimm, wenn durch sie der Geist nicht einmal in den Nachtstunden zur Ruhe kommt.
Die zweite Lesung gibt uns Hinweise auf ein geglücktes Leben. „Strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt […]. Darum tötet, was irdisch an euch ist: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Begierde und die Habsucht, die Götzendienst ist“ (Kol 3,1.5).
Das Evangelium weist auch in diese Richtung. Da hörten wir von Erbschaftsstreitigkeiten. Gott möge uns verschonen vor jahrelangen Prozessen, die viel kosten, die Nerven blank legen, und dazu noch alles mit Zorn, Hass, unglaublicher körperlicher und seelischer Anspannung auflädt. Jesus lässt sich auf diese irdischen Probleme nicht, weil ihm anderes viel wichtiger ist.
„Strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt“, mahnt Paulus in der Lesung aus dem Kolosserbrief (Kol 3,1). Das führt auch zu einem geglückten Leben. Glück meint Ordnung in der Seele, im Inneren eines Menschen. Wenn man ständig in Sorge um seinen Besitz ist, zermürbt das, bringt Unordnung und Unruhe in das Leben, zeigt gestörtes Verhalten.
Jesus führt seine Gedanken in diesem Gleichnis noch weiter. Da hören wir nichts von Erbschaftsstreitigkeiten, wohl aber vom Umgang mit Besitz und was damit geschehen soll. Das Gleichnis stellt einen wohlhabenden Mann vor, zunächst mit einer Erfolgsgeschichte. Zu viel Besitz kann auch zur Last werden. Was tun damit? Ich weiß nicht, „wo ich meine Ernte unterbringen soll.“ (Lk 12,17), also Scheune niederreißen, neu aufbauen, erweitern…
Wir leben im Allgemeinen im Wohlstand und besitzen viele Gegenstände, von denen wir uns nicht so leicht trennen wollen oder können. Was tun damit? Findige Leute bieten gegen eine Miete Plätze an, wo wir alles aufbewahren können. Viel Besitz verspricht ein geglücktes Leben, Unabhängigkeit, Freiheit. Dieser Mann im Evangelium denkt auch so in einem Selbstgespräch: „Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh' dich aus, iss und trink und freue dich.“ (Lk 12,19). Sollen wir also keine Vorräte mehr anlegen, keine Vorsorge mehr für die Zukunft für unvorhergesehene Ereignisse treffen? So ist das nicht gemeint. Vorsorge für sich selber und für die Familie ist sogar Pflicht. Wer das nicht tut, handelt grob fahrlässig. Was Jesus kritisiert, ist der Egoismus des Mannes, und Jesus weist auf die Gefahr hin, dass ständiges Sammeln und Horten zur Habgier führt. Immer noch mehr und noch mehr haben müssen führt zu innerer Leere, mitunter auch zu krankhaftem Kauf- und Konsumrausch.
Seit 1920 wird bei den Salzburger Festspielen vor dem Dom der „Jedermann“ aufgeführt. Es geht dabei um das Leben und Sterben des reichen Mannes. Ein Stück mit Mahnung und Trost. Wann, wo und wie beschäftigen uns wir mit dem Thema „Vergänglichkeit“? Schieben wir es lieber zur Seite und machen Pläne als gäbe es kein Ablaufdatum für unser Dasein? Das ist auch Thema im „Jedermann“.
Das Evangelium zeigt auf, dass sich Lebenssituationen schlagartig verändern können. Wir wissen nicht, was in den nächsten Sekunden passieren kann. Es muss nicht gleich ein Todesfall eintreten, auch ein Unglück kann schwerwiegende Folgen haben. Das gilt auch für überraschend gute Nachrichten. Trotzdem der Hinweis im Evangelium: „Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann das gehören, was du angehäuft hast?“ (Lk 12,20).
Der Grieche Herodot sagt dies auf seine Weise: „Was immer du tust, handle klug und bedenke das Ende.“
Eine große und oft übersehene Herausforderung des Lebens ist die Suche nach Antworten auf die Frage nach dem Sinn unseres Lebens. Allzu leicht glauben wir, ihn in Vordergründigem finden zu können wie z.B. in Reichtum und Wohlstand. Der Prediger Kohelet nennt das alles Windhauch. Als Getaufte haben wir den neuen Menschen nach dem Bild des Schöpfers angezogen. Diesen neuen Menschen gilt es zu entfalten.
Die heutigen Gedanken in den Lesungen greifen den großen Themenbereich menschlichen Lebens auf: die Frage nach dem Sinn des Lebens, der in uns als Person hineingelegt ist. Die Texte fragen uns, ob wir den Sinn des Lebens, der uns innewohnt, entdeckt haben, ob wir ihm auf die Spur gekommen sind. Und wenn ja, lassen wir ihn für unser Leben auch wirksam werden? Ist er für mein Leben prägend, gibt er mir Orientierung, welche Werte habe ich durch ihn für mich herausgefunden? Die Lesungen laden ein, die Lebenserfahrungen miteinander zu teilen im Vertrauen, dass erfülltes, sinnerfülltes Leben möglich ist.
Die Evangeliumserzählung vom „reichen Kornbauern“ korrespondiert mit der Lesung aus dem Buch Kohelet wie auch dem Psalm 90.
Für den Verfasser des Buches Kohelet ist das Wort Windhauch ein Schlüsselwort: „Windhauch, Windhauch, alles ist Windhauch“. Windhauch meint hier etwas Vorübergehendes. Einerseits Leid, Schmerz, der Tod, die Vergänglichkeit, dies alles gibt es, wir nehmen es wahr. Jedoch auch die Freude ist gegenwärtig, die „Erdung“, Ausgeglichenheit im Leben, Optimismus… Zeiten der Zuversicht gibt es genauso im Leben, wie auch das Vergängliche, wo es kein Festhalten gibt. Diese verschiedenen Anteile am Leben, die wir erhalten, machen unser Leben aus. Angebracht ist Achtsamkeit bzw. entsprechender Umgang mit der Lebenszeit. Ihm geht es um eine realistische Wahrnehmung der Verschiedenheit von Leben, das uns gegeben ist. Das gilt auch für uns: zu leben und auch das Leben zu genießen.
In den Psalmversen, die wir hörten, geht es ebenfalls um die Vergänglichkeit, um die Vergänglichkeit des Menschen. Sie klagen in der Erkenntnis des Todes dem Ewigen und sprechen dazu die Bitte aus: "Lehre uns, unsere Tage zu zählen." (Ps 90,12). Ein paar Verse weiter folgt dann ein Ausblick auf eine heilvolle Zukunft, die ein soziales Gefüge des Menschen erahnen lässt: „Lass gedeihen das Werk unserer Hände.“ (Ps 90,17).
Diese Bitte ist alternativ zu Habsucht und zu Ichbezogenheit. Die Begrenztheit des Lebens wird mit einer Zukunft verknüpft, die durch eine soziale, solidarische Haltung bestimmt ist. Das Leben wird so als Geschenk im Vertrauen auf den Ewigen „Dein Wirken werde sichtbar an deinen Knechten,“ (Ps 90,16) erfahren. Gottes Existenz bildet einen Kontrast zur Lebenszeit des Menschen. Sie ängstigt den Menschen nicht, weil er seine Vergänglichkeit im Vertrauen auf Gott annehmen kann.
Der Verfasser des heutigen Evangeliums, war ein in der jüdischen Tradition verwurzelter Jesus-Christus-Anhänger, der seine frohe Nachricht um das Jahr 90 schreibt, da war Jesus schon an die 60 Jahre tot. Die Hörer:innen seiner Worte sind Gottesfürchtige, die mit dem Judentum vertraut sind bzw. aus den jüdischen Jesus-Gemeinde kommen. Diese gehörten vermutlich nicht dem Kreis der Privilegierten an, sondern kommen vor allem aus den unterdrückten, versklavten bzw. den besiegten Gruppen des römischen Reiches. Jedoch nicht alle unter den Zuhörer:innen sind mittelos, und das lässt aufhorchen: „Einer aus der Volksmenge bat Jesus: Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen.“ (Lk 12,13). Aus der Volksmenge tritt also einer hervor, der etwas zu erben hat! Wie wir aus Erzählungen wissen, hat die Gemeinschaft der Juden-Christen auch Wohlhabende angezogen. Das war kein Problem, weder für Lukas, noch für Jesus, wie wir im Evangelium hörten. Kein Vorwurf, nichts Abschätziges über das „Reichsein“. Dies ist an und für sich nicht verwerflich. Doch der reiche Kornbauer wird daran erinnert, dass sich Besitz plötzlich als vergänglich, vorübergehend, als nicht Bleibendes entpuppen kann.
Wo ist dann das Problem? Was soll hier zur Sprache kommen, wenn Reichtum als Reichtum nicht verwerflich ist?
Es geht um die Frage, was wir im Leben an Schätzen gefunden haben und wie diese unser Leben prägen, wie sie ihm Orientierung geben. Es geht um unsere Werte, nach denen wir handeln, bestimmen.
Es geht darum, dass wir angesichts der Mitmenschen den Reichtum, woraus immer dieser besteht, als Schatz zu sehen, der mich anderen gegenüber nicht gleichgültig lässt, sondern mich anregt, mit ihnen zu teilen. Diese Möglichkeit des Teilens der eigenen Schätze im Leben dankbar anzunehmen, lässt uns frei von Vergänglichem in Gottes Fülle, in Gottes Reich eintreten. Und das gelingt dem Kornbauern nicht.
Das Selbstgespräch des reichen Kornbauern im Evangelium zeigt, dass sein Reichtum ihm nur zur Selbstverwirklichung dient. Der Kornbauer, der sich nur mit seinem eigenen Wohl, seinem Ausruhen können auf seinem Reichtum beschäftigt, verliert keinen Gedanken an Familie, Freunde, Knechte usw. Anscheinend lebt er in einer – ihm wohl nicht bewussten – Beziehungslosigkeit, ein Nährboden für Habgier, die sein Leben als reicher Kornbauer prägt.
"Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann das gehören, was du angehäuft hast?" (Lk 12,20).
Wir brauchen nichts anhäufen, nichts dazu-machen, brauchen uns auch nicht vor der Vergänglichkeit zu ängstigen, sondern das dankbar annehmen und miteinander teilen, was Gott in unsere Hände legt.
Aus dem „Auf-er-weckt leben“ im Brief an die Kolosser erfahren wir von der Lebenswende der Getauften, die sozusagen den „neuen“ Menschen angezogen und sich nun vor allem mit der Liebe bekleidet haben. Im österlichen Licht wird hier der „alte“ Mensch, den die Fragen der Besitzerhaltung und -mehrung umtreiben, begraben. Lebendig ist der, der Christus angezogen hat und deshalb imstande ist, das durchaus begrenzte Leben dankbar anzunehmen, zu genießen und mit anderen zu teilen.
Genau das kann der Kornbauer nicht: Seinen Anteil am Leben annehmen, und auch anderen daran Anteil geben. Er verpasst den Augenblick der Gabe Gottes, weil er mehr für sich herausholen möchte, als sein "Anteil" ist. Er entdeckt den Sinn dieser Lebenserfahrung nicht!
Wenn wir im Leben wirksam werden lassen, was uns geschenkt wurde, was uns an Wohlstand zufällt, kann dies auch andere an erfülltem Leben teilhaben lassen. Caritas, Sozialkreis, Eine-Welt-Kreis, Wärmestube, Pfarrcafe, Sternsingen oder gemeinsam Mahl halten am Familienfasttag oder den Gottesdienst miteinander feiern, werden durch unser Mitwirken zu konkreten „Augenblicken der Gabe Gottes“, in denen wir das Leben als Geschenk, als Gnade Gottes erfahren können.
Die gegenwärtigen Krisen erschüttern unsere Sehnsucht nach Zufriedenheit und Versorgungssicherheit. Sie stellen unsere bisherigen Lösungsansätze in Frage und stellen uns vor große gemeinsame Herausforderungen, die wir nur im Miteinander bewältigen können.
Die alttestamentliche Lesung wie auch das Evangelium beschäftigen sich mit dem Erben und damit mit dem, was das Bleibende ist und das zufrieden sein lässt.
Nicht nur die Suche nach der Zufriedenheit sind aktuell wichtige Themen, auch die der Versorgungssicherheit, treibt viele um. Bei einem zunehmenden Teil der österreichischen Bevölkerung führt die derzeitige Inflationsrate zu existentiellen Sorgen. Essen oder Heizen – Wie geht es weiter mit den Energiepreisen, hoffentlich bleibt genug Geld für Lebensmittel und hoffentlich geht der Kühlschrank nicht kaputt und tun auch die anderen Geräte noch lange reparaturfrei ihren Dienst.
Die Frage des Vererbens stellt sich für besonders Armutsgefährdete also nicht. Das sind zurzeit 30 % der Kinder, 47 % der Alleinerzieherinnen und 52 % der Arbeitslosen. Mit großen Problemen sind auch Menschen mit chronischer Erkrankung konfrontiert. Für diese Menschen geht es vorrangig um die Frage, was tun gegen die aktuelle Teuerungswelle.
Wo bleibt hier die Zufriedenheit? In welchen Situationen erfahren armutsgefährdete Menschen Zufriedenheit? Wie sehen solche Momente für sie aus? Das können wir nur im direkten Gespräch erfragen, dass sie den Wunsch nach materieller Sicherheit haben und dass ihnen das zusteht, liegt auf der Hand.
Die Sorge um die Versorgungssicherheit treibt aber durch den Krieg in der Ukraine nun einen Gutteil der Menschen um. Es zeigt sich, dass sie auch in Europa nicht ein für alle Mal gelöst ist. Außerdem wird deutlich, dass wir von einer globalen Wirtschaftsweise ausgegangen sind und dass diese ihre Tücken hat. Offensichtlich wird das derzeit durch die unterbrochenen Lieferketten. Symbolisch dafür steht das Container-Schiff „Ever Given“, das den Suezkanal nur sechs Tage lang blockierte und das trotz der - wie ich meine - eigentlich kurzen Zeit wirtschaftlich gravierende Auswirkungen nach sich zog.
Dieses Schiffsunglück, die Corona-Zeit mit all ihren wirtschaftlichen Verwerfungen und Lieferengpässen und nun der Krieg in der Ukraine zeigen, dass die hochgradige weltweite Arbeitsteilung Schattenseiten hat. Auf diese Wirtschaftsweise wurde jahrzehntelang, in manchen Bereich über ein jahrhundertlang gesetzt. Einerseits einfach, weil es möglich war. Wir hatten und haben ausreichend fossile Energie für den Transport. Der Rohstoffabbau in gesetzlich weniger regulierten Staaten ließ sich leicht organisieren, oftmals ohne größere Auflagen, mit den entsprechenden ökologisch und sozial bedenklichen Folgen. Andererseits war ein wesentlicher Grund, dass billigere Arbeitskräfte für Produktions- und Sorgearbeiten eingesetzt wurden. Auf diese Weise ließ sich eine florierende Weltwirtschaft gut organisieren. Manche Qualitätsstandards wie Menschenrechte, ökologische Nachhaltigkeit blieben dabei allerdings auf der Strecke.
Aber es wird immer schwieriger die unerfreulichen Nebenwirkungen dieser Wirtschaftsweise auszublenden. Seit Kriegsbeginn in der Ukraine ist zu beobachten, dass manche Lebensmittel nicht mehr verfügbar sind. In den Regalen mit den Speiseölen tut sich manche Lücke auf, Kleidungsstücke sind nicht mehr wie bisher erhältlich und auch verschiedene Wirtschaftsbetriebe stehen vor großen Problemen. Zum Beispiel mangelt es in der österreichischen Landwirtschaft an Stickstoffdünger, der bisher aus Russland und der Ukraine importiert wurde. Dass die Getreideexporte aus der Kornkammer Europas nicht mehr möglich sind, weil die Transportmittel und -wege wie Häfen und Bahnlinien zerstört sind, betrifft vielfach vor allem Länder, die bereits in den letzten Jahren Probleme hatten, die dort lebende Bevölkerung zu versorgen. Die Lage spitzt sich bedenklich zu, zum Beispiel im Jemen, wo das Getreide für das Welternährungsprogramm verwendet wurde. Das Problem ist ein längerfristiges, denn es kann nicht nur das Getreide nicht exportiert werden, auch erhebliche Teile der Landwirtschaft werden in der Ukraine vermutlich für mehrere Jahre zum Erliegen kommen.
Auf politischer Ebene lösen die mit dem Krieg einhergehenden Probleme so manch verwunderliche Reaktion aus. Gerade eben noch wurde der Green Deal seitens der EU ausgerufen, aber in der Stresssituation werden Lösungsvorschläge eingebracht, die auf alten überholten Zugangsweisen beruhen, denn neue Modelle sind herausfordernd und nicht so schnell umsetzbar. Es ist nicht gewiss, ob nicht auch Gewohntes aufgegeben werden muss, Umbrüche anstehen, die anstrengend sind und evtl. für einzelne Nachteile haben. Eine herausfordernde Zeit nicht nur politisch, sondern auch für uns persönlich!
Wie haben Sie auf die Nachrichten reagiert, dass verschiedene Produkte nicht lieferbar ist? Was haben Sie sich überlegt, wie sie auf die Engpässe reagieren (werden)?
Die Bibelstellen des heutigen Tages benennen als ein Reaktionsmuster zum Beispiel Dinge zu sammeln und zu horten, Hamsterkäufe bis zur Habgier. Der Nachteil dabei ist, dass eine materiell gesicherte Existenz schon ganz angenehm ist, mehr Lebenstage oder -jahre lassen sich damit aber nicht erkaufen. Wobei eine gute Grundversorgung, die jedem Menschen zusteht, fraglos wichtig ist und erwiesener Maßen Menschen länger leben lässt. Aber für das ewig Leben reicht es eben trotzdem noch immer nicht. Ob sich Zufriedenheit auch erkaufen lässt? Die Bibelstellen des heutigen Tages zweifeln das mehr als an.
Weitere Möglichkeit: Abtauchen, decke über den Kopf ziehen und sich ausklinken. Flucht ins Private, gesellschaftliche Beteiligung: „Nein, danke!“. Dafür Konzentration nur auf das Eigene (Heil) tagein und tagaus. Aber das wird nur so lange funktionieren wie die anderen mitspielen und sich sorgsam für ein gutes gesellschaftliches Miteinander einsetzen. Die Liste ließe sich noch fortsetzen und die Vorschläge lassen sich zum Teil gut miteinander kombinieren.
Die Bibeltexte setzen auf das Leben im Heute und im Miteinander. Ob das einfach ist? Nein, vermutlich nicht. Aber wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns wohlwill und uns die nötigen Talente, Voraussetzungen, Mittel geschenkt hat. Es gilt diese Schätze zu teilen und gemeinsam einzusetzen.
© Lucia Göbesberger, Referentin im Sozialreferat, Leiterin der Abteilung Gesellschaft & Theologie
Der Verfasser des Buches Kohelet äußert sich sehr kritisch allem gegenüber, das von den Menschen erstrebt wird. Für ihn ist das Windhauch. Trotzdem genießt er die schönen Dinge des Lebens als Gabe des Schöpfers. In der Kunst wird diese Spannung zwischen Schönheit und "Vanitas" immer wieder dargestellt.
"Welches dieser Produkte kennen Sie?" fragten mich zwei Studentinnen auf der Straße, während sie mir Werbefotos von Anti-Aging Kosmetika vorlegten. Sie arbeiteten an einer wissenschaftlichen Studie über Werbung. Keines der Produkte sagte mir etwas. Ich habe sie noch nie gesehen, hatte noch nie von diesen Kosmetika etwas gehört! Das hatten die Studentinnen nicht erwartet. Ich sagte zu ihnen: "Es ist für mich ein Geschenk, dass ich altern darf, dass ich der Vergänglichkeit in meinem Leben sehr viel Positives abgewinnen kann. Ich freue mich auch über jene Dinge, die ich nicht mehr tun muss – wie einst in der Jugend -, vor allem über alles, was ich bereits los lassen kann und wie sich dadurch die Sicht der Dinge um mich herum langsam, aber doch ändert." Als ich meinen Standpunkt zu Falten, Alter und Vergänglichkeit darlegte, lächelten die Studentinnen.
Diese Befragung zu Anti-Aging Produkten fiel mir spontan als Kontrast zum Buch Kohelet ein: Windhauch, Windhauch, sagt Kohelet und greift dabei die uralte Erfahrung der Vergänglichkeit auf. Dem Wunsch, das Leben möge keine Spuren hinterlassen, schon gar nicht im Gesicht von Frauen, wird durch Anti-Aging Produkte ein angeblicher ewiger Jungbrunnen angeboten, angepriesen. Doch spurlos geht das Leben auch bei jenen nicht vorbei, die sich das wünschen und als erstrebenswert ansehen.
Das Buch Kohelet stellt Zeiterscheinungen wie die Anti-Aging Kosmetika in Frage. Und das mit Recht. Wir sollten nicht festhalten, nicht erstarren in einer „jugendlichen“ Lebenszeit. Wachsen und Reifen ist gefragt und sich mit all den Fragen nach dem Sinn des Lebens, seiner Krisen, seiner Hoch-Zeiten, mit seiner Vergänglichkeit stellen.
Natürlich hinterlässt so ein Reifungsprozess Spuren im eigenen Leben. Diese Spuren sind Geschichten, sie erzählen von dir, von mir. Ich möchte sie nicht aus meinem „Gesicht“ auslöschen, verwischen oder übertünchen diese, meine Falten als Zeichen der Vergänglichkeit!
Die Vergänglichkeit des Lebens – lateinisch Vanitas – wurde jahrhundertelang von Künstlern dargestellt. Heute noch können wir diese großartigen Werke in den Gemälde- bzw. Skulpturengalerien unserer Museen bewundern. Diese Kunstwerke geben Einblick in eine großartige Symbolsprache, welche das Schöne, die Lebensfreuden zugleich mit ihrer Vergänglichkeit auf einem Bild, in einer Skulptur zeigen.
Zu diesem Ineinandergreifen von Jugend, Schönheit, Besitz und deren Vergänglichkeit in der bildlichen Darstellung passt der 5. Vers aus dem Kapitel 9 aus dem Buch Kohelet: „Die Lebenden erkennen, dass sie sterben werden“. Mit „Windhauch“ könnte jedes dieser Bilder über die Vergänglichkeit nach Kohelet betitelt werden.
Was es mit den schönen Dingen, mit dem Besitz - die oft auf Gemälden mittels Gefäßen aus Gold, Silber oder glitzerndem Glas dargestellt werden – und den wunderbaren Blumenarrangements und dem Essen und Trinken auf den Bildern auf sich hat, finden wir ebenfalls im Buch Kohelet im Kapitel 8 und 9: "Da pries ich die Freude; denn es gibt für den Menschen kein Glück unter der Sonne, es sei denn, er isst und trinkt und freut sich. Das soll ihn begleiten bei seiner Arbeit während der Lebenstage, die Gott ihm unter der Sonne geschenkt hat." (Kohelet 8,15). "Also: Iss freudig dein Brot und trink vergnügt deinen Wein; denn das, was du tust, hat Gott längst so festgelegt, wie es ihm gefiel. Trag jederzeit frische Kleider und nie fehle duftendes Öl auf deinem Haupt! Mit einer Frau, die du liebst, genieß das Leben alle Tage deines Lebens voll Windhauch, die er dir unter der Sonne geschenkt hat, alle deine Tage voll Windhauch! Denn das ist dein Anteil am Leben und an dem Besitz, für den du dich unter der Sonne anstrengst. Alles, was deine Hand, solange du Kraft hast, zu tun vorfindet, das tu! Denn es gibt weder Tun noch Rechnen noch Können noch Wissen in der Unterwelt, zu der du unterwegs bist." (Kohelet 9,7-10).
Es ist die pure Lebensfreude die Kohelet in seiner Weisheitsschrift zur Sprache bringt.
Auch in modernen liturgischen Texten ist diese Lebensfreude zu finden. So z.B. der „Sommerpsalm“, ein Text von der Theologin und Autorin, Jaqueline Keune, aus Luzern. Sie nimmt in ihrem „Sommerpsalm“ die Lebensfreude ins Gebet der Gegenwart auf.
Geht und
lobt ihn mit aufgeräumten Seelen
lobt ihn mit entspannten Körpern
lobt ihn mit lachenden Mündern
mit träumendem Herz und fliegendem Haar –
noch und noch!
Geht und
lobt ihn mit gegrillten Fischen
lobt ihn mit gefüllten Gläsern
lobt ihn mit geteilten Tischen
mit verschlungenen Büchern und gestauten Bächen –
noch und noch!
Geht und
lobt ihn mit verregneten Tagen
lobt ihn mit einladenden Briefen
lobt ihn mit beschwingten Wegen
mit Liebesnächten und Lagerfeuern –
noch und noch!
(Jaqueline Keune)
Kohelet wusste das Leben zu genießen. Man nimmt an, dass der Verfasser von Kohelet ein König war oder am Königshof gelebt hat. Er gibt weiter, was er als Lebensweisheit begriffen hat: genieße das Leben und all die dir geschenkten Möglichkeiten mit der Erkenntnis, dass alles Windhauch ist, vergänglich und somit nicht haltbar. Besitz und Reichtum sättigt unsere Seele nicht auf immer. Was uns jedoch satt und zufrieden macht, ist das Verspüren und das Verkosten der Dinge im Leben von innen her. Das macht uns gelassener gegenüber dem Leben mit seiner Vergänglichkeit, mit seinem Tod.
Denn was bleibt, so Kohelet, ist der Glaube an Gott, der einst dich und dein Tun, ob gut oder böse, (mit und ohne Falten) „erwartet“.
Bildbeispiel:
„Allegorie der Vergänglichkeit“, sog. Vanitas-Gruppe in der Kunstkammer, KHM Wien:
Die Skulptur „Allegorie der Vergänglichkeit“ in der Kunstkammer im KHM, passt zu den Versen aus Koh 11,9-10, 12,1 sehr gut.
In einer figuralen Dreiergruppe stehen sich Jugend und Alter gegenüber. Dargestellt sind ein Mädchen und ein Jüngling in der Blüte ihres Lebens. Diesen wird als Karikatur eine Greisin gegenüber gestellt. Sie stellt schamlos Verfall, Vergänglichkeit, Hässlichkeit dar.
Daten zu der Skulptur aus KHM Wien:
um 1470/1480
Michael Erhart
oder Jörg Syrlin d. Ältere
Material: Lindenholz mit alter Fassung
Bildrecht: Kunsthistorisches Museum Wien, „Kunstkammer“
Im Evangelium stellt Jesus den Reichtum eines erfolgreichen Menschen in Frage. Einen anderen Erfolgreichen, den Verfasser des Buches Kohelet, überfallen Zweifel am Wert aller Dinge, von denen wir Reichtum erwarten, und bezeichnet alles als Windhauch. Was macht uns wirklich reich? Für Jesus ist es wichtig bei Gott reich zu sein.
Eine raffinierte Geschichte ist das, die uns der Evangelist Lukas heute präsentiert. Mit vielen Farben, Untertönen und Anspielungen. Ich weiß gar nicht, womit ich anfangen soll!
Es wird von einem reichen Bauern erzählt, der in diesem Jahr so eine tolle Ernte einfährt, dass seine Lagerkapazitäten schlichtweg nicht mehr reichen. Was er machen kann? Bauen! Noch eine Scheune. Größer. Moderner. Die alte Scheune soll sogar abgerissen werden. Zu klein! Eine Handbewegung reicht. Zu klein! Wir sehen einen Unternehmer auf Expansionskurs! Ob der Wirtschaftsteil der überregionalen Tageszeitung darüber berichten wird? Ob sich Börsenmakler für das aufstrebende Unternehmen interessieren? Dann aber werden wir unfreiwillig zu Zeugen eines Selbstgespräches.
Seele, nun hast du einen großen Vorrat,
der für viele Jahre reicht.
Ruh dich aus, iss und trink
und freue dich!
Ich fühle mich wie ein Voyeur. Darf ich das wissen, mitbekommen, womöglich verwerten, was der Mann im Stillen sagt? Am liebsten würde ich mich mitfreuen. Einfach nur mitfreuen! Da hat ein Mensch etwas erreicht! Harte Arbeit hat sich gelohnt! Endlich Erfolg! Wie gerne würde ich ihn fragen, erzählen lassen! Aber dann ist es auch gleich unheimlich. Da verliert sich gerade ein Mensch! Er kann seine Freude nicht teilen! Es kann auch nicht „danke“ sagen! Die Seele ist glücklich mit sich. Und doch so einsam. Selbstzufrieden. Ich schwanke hin und her. Ich verstehe – und verstehe nichts. - Ein Voyeur.
In dieser Szene taucht dann auch Gott auf. Dass er alles mitbekommt, ist nicht besonders bemerkenswert, aber dass sein Urteil so harsch ist, tut weh. Du Narr! Einfach: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann das gehören, was du angehäuft hast?
Eine simple Frage. Aber was hat der Mann denn gemacht, das falsch wäre? Nein, ihn zum Narren macht? Dass er seine Lagerkapazitäten ausweitet, ist doch betriebswirtschaftlich nicht nur sinnvoll, sondern geboten. Vernünftig eben. Soll denn die Ernte auf dem Feld vergammeln? Ach, denke ich, hätte er vielleicht einen großen Teil der Ernte verschenken sollen? Großes Herz gegen große Scheune? Nur: davon erzählt Jesus nichts. Ich will lieber auch noch einmal genau nachschauen! Die Geschichte erzählt doch von einer reichen Ernte – und einem einsamen Selbstgespräch. Mehr nicht. Aber was ist, wenn das Selbstgespräch des Großbauern wie ein Gebet ist – an die liebe Seele? Der unverhoffte Reichtum verführt ihn, mit sich zufrieden zu sein, glücklich zu sein mit dem, was ihm – genau genommen – einfach nur zugewachsen ist. Er hat an keinem Halm gezogen! Er hat Tage, Wochen, Monate staunen können, wie die Felder wogen, wie die Körner reifen, wie die Ernte wächst. Und er hat nichts dazu getan! Nichts!
Du Narr! Du nimmst nichts mit, dir bleibt nichts, du verlierst alles – wenn du dem Besitz verfällst. Einmal gehört, ist das Wort in der Welt. Mir wird dabei ganz mulmig. Ich musste in das Herz dieses Menschen sehen – und in das Herz Gottes! Narr ist, wer sein Herz an das verliert, was ihm zugewachsen, was ihm – eigentlich – geschenkt ist. Die Welt ist voller Narren, voller Narretei. Nicht auszudenken, dass ich auch dabei sein könnte – ein Narr!
Und dann taucht auch noch Kohelet auf - er hat uns die erste Lesung geschenkt: Es ist alles nur Windhauch! Windhauch auch, was wir besitzen, unser Eigen nennen, nicht teilen möchten. Windhauch, alles nur Windhauch.
Was erhält der Mensch dann durch seinen ganzen Besitz
und durch das Gespinst seines Geistes,
für die er sich unter der Sonne anstrengt?
Alle Tage besteht sein Geschäft nur aus Sorge und Ärger
und selbst in der Nacht kommt sein Geist nicht zur Ruhe.
Auch das ist Windhauch.
Windhauch steht für alles, was vergeht. Was verfliegt. Was nicht festgehalten werden kann. Ein Hauch nur. Nicht einmal ein Sturm. Ein Hauch – und alles ist weg. Aber so leicht, so vergänglich ist auch, was von Menschen mit großer Bedeutung, großem Gewicht, großem Wert aufgeladen und aufgebauscht wird. Die größten Dinge – ein Hauch.
Ohne Kohelet zu nennen oder zu kennen, wehen seine Fragen in vielen Büchern, Artikeln und Sendungen sogar durch unsere modernen Medien. Ist uns denn nicht bekannt, dass Besitz Menschen auch deformiert und zerstört? Nehmen wir nicht wahr, dass Gerechtigkeit vor die Hunde geht und unsere Gesellschaften auseinanderdriften? Kennen wir nicht die Sehnsucht, uns von allen Dingen frei zu machen und das wirklich Wichtige zu entdecken? Kohelet könnte seine eigene Sendung im Fernsehen haben. Er wägt sozusagen die vielen Dinge ab und nimmt ihnen die Bedeutung, die Menschen ihnen einfach so geben. Ich besitze am Ende nichts. Nur: ich werde besetzt. In Besitz genommen. In Angst gehalten. Es ist ein Windhauch nur, der Menschen wegfegt.
Wir können uns darüber austauschen, was alles nur aus Sorge und Ärger besteht und selbst in der Nacht keine Ruhe findet. Doch manchmal brauche ich den Ärger und die Unruhe, um etwas zu erarbeiten und zu erreichen. Gelegentlich ist es wie ein Fieber. Wie ein Traum. Oder auch wie eine Besessenheit.
Da kommt der Brief gerade recht, der aus Kolossä bei uns gelandet ist. Wir haben ihn in der zweiten Lesung gehört:
Richtet euren Sinn auf das, was oben ist,
nicht auf das Irdische!
Ihr habt den alten Menschen mit seinen Taten abgelegt
und habt den neuen Menschen angezogen,
der nach dem Bild seines Schöpfers erneuert wird,
um ihn zu erkennen.
Es ist eine Tauferinnerung! Der alte Mensch wird abgelegt, der neue angezogen. Tatsächlich ist das Bild in der Welt der Kleidung zu Hause. Meinetwegen auch aus der Welt der Schuhe. Ein altes Gewand wird abgelegt, ein neues angezogen. Die Arbeitskleidung wird abgelegt, die Festbekleidung angezogen. Die schmutzigen Schuhe werden abgestreift, die besten angezogen. Das Bild erzählt von einem Wandel, von einem Wechsel. In jeder Taufe feiern wir das! Es ist ein schönes Bild. Ich werde ganz neu angezogen! Ich ziehe mich ganz neu an! Ich sehe jetzt nicht nur anders, festlicher aus – ich bin sozusagen Hochzeitsgast Gottes. Fein geschmückt. Mehr: ich werde nach dem Bild des Schöpfers erneuert. Ein neuer Mensch! Sein Bild in meinem Gesicht!
Der neue Mensch erkennt Gott, ist bei ihm geborgen, richtet sich nach ihm aus. Das stellt alles Irdische und Vergängliche in ein neues Licht – und gibt den Dingen die Konturen und Schatten, die ihnen eigen sind. Die Dinge werden entzaubert! Und ich werde frei. Die Dinge können mich nicht mehr halten! Ich nutze sie. Von Fall zu Fall. Die Dinge klagen laut. Ich schenke ihnen nicht das Herz.
Und dann ist da auf einmal auch der Großbauer wieder da. Jesus erzählt seine Geschichte, um uns das Wichtigste, das Größte, das Schönste zu geben: Reich bei Gott zu sein. Reich in seiner Liebe. Reich in seiner schöpferischen Kraft. Wir erzählen uns dann die Geschichten von Menschen, die neu anfangen können. Die der Welt ein neues Gesicht geben. Die nicht nur neue Scheunen bauen.
Eine raffinierte Geschichte ist das, die uns der Evangelist Lukas heute präsentiert. Mit vielen Farben, Untertönen und Anspielungen. Ich weiß jetzt, womit ich anfangen kann!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Der Weisheitslehrer Kohelet stellt alle Erfolge, Besitz und Reichtum, die sein Leben reich erscheinen lassen, radikal in Frage und nennt all das Windhauch. Was macht unser Leben reich? Wertvoller als alles sind unsere Beziehungen, nicht zuletzt die Beziehung zu Gott, dem wir alles verdanken.
Die erste Lesung am heutigen Sonntag ist aus dem Buch Kohelet genommen. Obwohl im 1. Vers dieses Buches Salomo als Verfasser genannt wird, kann man davon ausgehen, dass sein Name als Autor nur vorgeschoben ist, um dem Buch Bedeutung zu geben. Das Buch Kohelet gehört zur sog. Weisheitsliteratur des AT und ist Ende des 3. vorchristlichen Jahrhunderts entstanden. Der Weisheitslehrer reflektiert darin Grundfragen des Lebens, der Wahrnehmung der Welt und der Geschichte. Er denkt über Sinn und Glück des Lebens nach und kommt aus der Beobachtung der Schöpfung und ihrer Gesetzmäßigkeiten zu einem grundsätzlichen Ja zu dieser Welt trotz aller Widrigkeiten, die auch zum menschlichen Leben dazugehören.
So spricht er vom „Windhauch“, hebräisch „hebel“, was so viel heißt wie flüchtiger Hauch. Da auch der Name „Abel“ davon abgeleitet erscheint, denken wir mit der Erzählung vom Opfer des Abels und des Kains gleich an die Verletzlichkeit menschlichen Lebens überhaupt. Kohelet stellt uns einen Menschen vor, der durch Wissen, Können und Erfolg einen Besitz erworben hat. Aber all das ist letztlich vergänglich, eben Windhauch. Uns geläufiger ist in diesem Zusammenhang vielleicht der Spruch: „Das letzte Hemd hat keine Taschen“.
Was dann folgt, könnte man im medizinischen Sinn auch als „paradoxe Intervention“ bezeichnen. Der Arzt führt dem Patienten alles Negative an seinem Denken und Handeln so drastisch vor Augen, dass der Patient selbst darauf kommt, dass er – will er weiterleben – eine Veränderung vornehmen muss. So soll auch der Mensch erkennen, dass neben dem Erwerb von Besitz auch sein ganzes Handeln auf dieser Welt begrenzt ist. Wenn der Weisheitslehrer seine Hörer so in die letzten Untiefen menschlicher Existenz geführt hat und sie keine Hoffnung mehr sehen, dann ist der Boden dafür bereitet, dass er ihnen eine Wahrheit anbietet, von der er hofft, dass sie sie in ihrer Verzweiflung annehmen können.
Im Vers 2,24, der nicht mehr zum heutigen Lesungstext gehört, heißt es dann: „Nichts im Menschen selbst gründet das Glück… Ich habe vielmehr beobachtet, dass dies von Gottes Verfügung abhängt“. Später weist er dann noch darauf hin, dass alles ein Geschenk Gottes ist. Allein aus sich selbst, nur mit Leistung und Moral, kann der Mensch sich nicht Sinn schaffen. Der Mensch aber muss gleichsam wissen, welchen Sinn sein Leben hat. Als positiver Ausblick ist für den Menschen die Erkenntnis wichtig, wem er alles im Leben zu verdanken hat. Das Leben, das er als Geschenk Gottes annehmen kann, das bleibt dann und weht nicht vorüber wie Windhauch.
Auch im heutigen Evangelium warnt Jesus vor dem Irrglauben, Sicherheit im Leben durch Besitz zu erreichen. Es geht dabei um das ungesunde Übermaß. Über einen Menschen, der immer mehr zusammenrafft als er selbst brauchen kann, sagen wir gerne: „Er bekommt den Hals nicht voll“. Jesus spricht den wahren Reichtum im Leben an. Da zählt nicht, was man hat und was man es im Leben erreicht hat. Der wahre Reichtum liegt in den Beziehungen, in denen wir stehen: In der Beziehung zu Gott und in der Beziehung zu unseren Mitmenschen. Das Leben als Ganzes als Geschenk Gottes angenommen, weht nicht vorüber wie Windhauch. Aus unseren Beziehungen in der Familie, im Freundeskreis oder darüber hinaus, bleibt etwas Eigenes und Unverwechselbares von uns - das Wie wir gelebt haben - zurück. Das ist dann nicht nur Windhauch.
Bei der Vorbereitung zum heutigen Evangelium bin ich auf eine Geschichte gestoßen. Die finde ich sehr passend und will sie Ihnen zur Verdeutlichung noch zum Schluss erzählen: Eine Familie hat in ihrem Garten für ihren Sohn einen großen Spielplatz mit vielen Spielsachen errichtet. Ein fremdes Kind kommt zum Zaun und fragt den Buben, der damit spielt, ob er zu ihm kommen darf, um mitzuspielen. Der Bub fragt seine Eltern, ob er das fremde Kind hereinlassen darf. Die Eltern sagen nein. Das Kind draußen wird traurig und schaut von draußen zu. Da hat der Bub, dem die Spielsachen gehören, eine Idee. Er nimmt einige Spielsachen und geht damit zum fremden Kind hinaus. Er will nicht, dass das fremde Kind traurig ist.
Kinder erfassen die Wirklichkeit oft besser und gesamtheitlicher als wir Erwachsene. Auch uns tut es gut, aus unserer eigenen Enge dankbar in Gottes Welt hinauszugehen.
Im Kolosserbrief erinnert Paulus, dass wir durch die Taufe neue Menschen geworden sind. Dies heißt, dass wir den alten Menschen ablegen und im Geiste Christi neu werden.
Im Kolosserbrief erinnert uns der Apostel Paulus an unsere Taufe: an das Sterben des alten Menschen und an das Neuwerden in Christus und er verweist auf die sichtbaren Folgen dieses Neuwerdens. „Wo das geschieht, gibt es nicht mehr Griechen oder Juden, Beschnittene oder Unbeschnittene, Fremde, Skythen, Sklaven oder Freie, sondern Christus ist alles in allen.“ Vielleicht erinnern Sie sich noch an eine Taufe, die sie mitgefeiert haben, an die Riten, Zeichen und Symbole - Hinweise und Bilder für dieses Neuwerden in Christus:
Ein wichtiger Teil ist die Frage nach dem Glauben. Eltern und Paten widersagen stellvertretend für den Täufling allem Bösen, um sich dann mit dem „Ich glaube“ Christus zuzuwenden. In der eigentlichen Taufhandlung, bei der lediglich ein wenig Wasser über den Kopf gegossen oder untergetaucht, dem Wasser übergeben wird, wird das Sterben des alten, sündigen Menschen sichtbar gemacht und im Auftauchen zeigt sich die Geburt des neuen Menschen als Teilhabe an der Auferstehung Jesu, am neuen Leben. Ein weiteres Symbol ist das Taufkleid, Christus, das neue Gewand, das wir angelegt bekommen, nachdem wir das alte Gewand, den sündigen Menschen, abgelegt haben. Auch die Taufkerze führt dieses Neuwerden vor Augen: In die Dunkelheit der Welt kommt das Licht des Auferstandenen. Die Taufkerze wird an der Osterkerze entzündet. Wir selbst sollen Licht werden, uns wandeln und entzünden lassen vom Licht der Liebe Christi. Die Salbung mit dem Chrisam Öl verstärkt diese innere Wandlung als zärtliche Berührung, die uns heil und ganz macht, hineinnimmt in die Salbung Christi zum Priester, König und Propheten. Und schließlich der Effata-Ritus, das Zusprechen unserer Berufung: das Evangelium zu hören und zu verkünden, zum Heil der Menschen, als Lob Gottes.
Als ich im letzten Monat im Norden Englands war, erfuhr ich von Häusern, die in der Zeit der Reformation gebaut wurden, wie die Harvington Hall, ein Herrenhaus in der Nähe von Birmingham, in dem es etwa sieben versteckte Räume gibt. Ein jesuitischer Laienbruder, der ein Experte im Bau dieser verborgenen Orte wurde, hatte sie erschaffen. In ihnen schützte die Gemeinschaft der katholischen Christen ihre Priester während der Reformation.
Was für ein Vertrauen, dass in jener Zeit zwischen Priestern, Ordensleuten, Bischöfen und Laien gelebt wurde. Und heute: Ein tiefer Riss geht durch die gesamte Kirche. Der Missbrauchs Skandal hat nicht nur unzählige Leben zerstört, sondern auch einen Keil des Misstrauens getrieben in die Beziehungen zwischen Laien und Priestern, zwischen Priestern untereinander und zwischen Priestern und ihren Bischöfen. Verstärkt wurde dieses Misstrauen durch die Überbetonung eines klerikalen, hierarchischen Systems, das statt dem Dienst am Menschen die Herrschaft über Moral, Gesinnung und Gläubige selbst beansprucht.
Die Abstimmung mit den Füßen, der Austritt aus der Kirche, der innerkirchliche Protest von Reformgruppen, Frauen und Priestern und das Ringen der Bischöfe um einen gemeinsamen Weg sind Symptome dieser unserer Zeit.
Wenn Papst Franziskus sich in dieser Situation mit einem Brief an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland wendet, dann nicht um ein Machtwort zu sprechen, sondern um darauf hinzuweisen, dass der von den Bischöfen ins Gespräch gebrachte synodale Weg kein Weg von ausgewählten Fachleuten und kein von oben gesteuerter Weg sein kann, sondern ein Weg, der ganz unten beginnen muss und sich vom Heiligen Geist leiten lassen soll. Ein Weg, der bei der Taufberufung jedes Einzelnen beginnt, denn wir alle haben Anteil an der Salbung Jesu Christi zum Priester; König und Propheten, wir alle haben Anteil am neuen Leben in Christus.
Auf diesem Weg von Unten können wir wieder lernen, was es heißt: geschwisterlich Kirche zu sein, was es heißt: einander zu dienen und zu vertrauen, was es heißt: heute in der Nachfolge Jesu zu leben. Es muss ein Weg auf Augenhöhe sein, der getragen ist von der Wertschätzung und Würde eines oder einer jeden Gläubigen, es ist kein leichter Weg, der da vor uns liegt. Für die einen wird er den Verzicht auf Herrschaftsprivilegien und öffentliches Ansehen bedeuten, kann aber gleichzeitig den Erfahrungsraum von mehr Freiheit und geschwisterlicher Gemeinschaft eröffnen und für die anderen kann die Verpflichtung zu selbstverantwortetem Handeln belastend wirken, und doch gleichzeitig einen Raum der Freiheit und des erfüllten Lebens eröffnen.
Wo das geschieht, gibt es nicht mehr Griechen oder Juden, Männer oder Frauen, Kleriker oder Laien, sondern Christus ist alles in allen. „Wenn aber Christus, unser Leben offenbar wird“, so schreibt es Paulus im Brief an die Gemeinde von Kolossäa, „dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.“
Das Beispiel Jesu vom Erfolg des reichen Mannes ist weniger eine Abrechnung mit dem Reichtum als vielmehr eine Einladung, das eigene Tun und die Vorgänge in der Welt mit den Augen Gottes zu betrachten. Unter diesem Blickwinkel ordnen sich die Werte neu.
Jesus verurteilt nicht Reichtum und Wohlstand. Er zeigt uns, wie wir mit dem, was wir von Gott geschenkt bekommen haben, umgehen können, damit wir glücklich werden. Wer schenkt und seinen Reichtum verteilt wie Gott, erfährt darin bereits etwas vom Ewigen Leben.
Glück und Erfolg zu haben ist nicht verwerflich. Manchen Menschen werden aber durch ihren Erfolg und ihren Reichtum verblendet. Sie sehen nicht mehr die anderen. Jesus fordert auf, das Leben vom Lebensspender Gott her zu sehen und anzugehen.
Der reiche Mann aus dem Evangelium sieht nur sich selbst. Er pflegt einen Narzissmus, wie wir ihm heute oft begegnen. Wirklich reich ist, wer Gott findet.
Lieder:
GL 140: Kommt herbei, singt dem Herrn
GL 143: Mein ganzes Herz erhebet dich
GL 144: Nun jauchzt dem Herren alle Welt
GL 216: Im Frieden dein, o Herre mein
GL 273: O Herr, nimm unsre Schuld ((3. und 4. Str.)
GL 342: Komm, Heilger Geist, der Leben schafft
GL 357: Wie schön leichtet der Morgenstern
GL: 358: Ich will dich lieben, oh mein Leben
GL 361: Mein schönste Zier und Kleinod bist
GL: 365: Meine Hoffnung und meine Freude
GL: 377: O Jesu, all mein Leben bist du
GL 382: Ein Danklied sei dem Herrn (5. Str.)
GL 395: Den Herren will ich loben (2. Str.)
GL 403: Nun danket all und singet Ehr
GL: 405: Nun danket alle Gott
GL: 421: Mein Hirt ist Gott, der Herr
GL 422: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr
GL 424: Wer ur den lieben Gott lässt walten (2., 4. und 5. Str.)
GL 425: Solang es Menschen gibt auf Erden
GL 428: Herr, dir ist nichts verborgen; du schaust mein Wesen ganz.
GL 435: Herr, ich bin dein Eigentum (3. Str.)
GL: 437: Meine engen Grenzen
GL 440: Hilf, Herr meines Lebens
GL: 474: Wenn wir das Leben teilen wie das täglich Brot
GL: 485: O Jesu Christe, wahres Licht
GL 489: Laßt uns loben, freudig loben
GL Ö866: ein Danklied sei dem Herrn (5. Str.)
Psalmen und Kehrverse:
GL 50: Unsere Tage zu zählen, lehre uns!! Dann gewinnen wir ein weises Herz - Mit Psalm 90 - I.
GL 584,4: Herr, du hast Worte ewigen Lebens - Mit Ps 19 - II.
Jeder von uns hat Wünsche im Leben und an das Leben. Das kann der Wunsch nach einem eigenen Haus, nach einem eigenen Auto sein, oder es kann der Wunsch nach Freunden, nach Familie sein. Was auch immer wir uns wünschen – es ist der Wunsch nach einem erfüllten Leben. Die Lesung und auch das Evangelium zeigen uns: Gott allein kann letztlich unser Leben erfüllen, seine Worte, die wir hören, seine Liebe, die wir feiern in der Eucharistie.
Grüßen wir Jesus, der gekommen ist, damit wir das Leben in Fülle haben, in unserer Mitte und bitten wir um sein Erbarmen.
In unserem Gottesdienst begegnet uns ein überaus erfolgreicher, wohlhabender Bauer. Wir belauschen ein Selbstgespräch. Ob er einsam geworden ist? Glücklich? Zufrieden? Zufrieden ist er mit sich, doch Gott spricht ihn an. Schrecklich genug, muss er in der Nacht sterben. Was er zurücklässt? Alles. Was er mitnimmt? Nichts. Was er braucht? Ein gnädiges Urteil.
Heute danken wir für alles, was wir besitzen, unser Eigen nennen. Wir danken für Erinnerungen und Träume. Wir danken für die vielen Glücksmomente und für so manchen Zufall. Heute denken wir aber auch daran, dass uns eigentlich nichts gehört, uns viele Dinge aber gefangen nehmen.
Glücklich ist ein Mensch, wenn er reich ist, reich wird bei Gott.
Ihn rufen wir an. Ihn bitten wir um Weisheit. Ihn bitten wir um Erbarmen.
Herr Jesus Christus,
du machst unser Leben reich, wo wir auf dich hoffen. –
Wie arm sind wir vor dir?
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du bist gekommen, um uns ein Leben in Fülle und Erfüllung. –
Wie unerfüllt fühlen wir uns oft?
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du sagst: wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. –
Wie weit sind wir weg von dir?
Herr, erbarme dich.
Herr,
wir lassen uns von vielen Dingen gefangen nehmen.
Oft verschanzen wir uns hinter Besitz, Ansehen und Träumen.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du machst uns reich an Liebe, Hoffnung und Vertrauen.
Dein Wort öffnet uns eine neue Welt, in der alle Menschen glücklich sein können.
Christus, erbarme dich.
Herr,
mit leeren Händen stehen wir vor dir.
Vieles, was wir machen, trennt uns voneinander und spricht uns schuldig.
Herr, erbarme dich.
"Sättige uns am Morgen mit deiner Huld!
Dann wollen wir jubeln und uns freuen all unsre Tage.
Güte und Schönheit des Herrn, unseres Gottes, sei über uns!
Lass gedeihen das Werk unsrer Hände,
ja, das Werk unsrer Hände lass gedeihen!"
(Ps. 90,14.17)
Jesus Christus,
du hast dich senden lassen in einen Auftrag,
der sich nicht an Macht und Schätzen orientierte,
sondern an der Liebe zu den Menschen.
Herr, erbarme dich.
Du hast glaubhaft vorgelebt,
dass du nicht gekommen bis zu richten, sondern auf-zurichten.
Christus, erbarme dich.
In deinem Sterben und Auferstehen
hast du uns das größte Geschenk gemacht:
Hoffnung auf Leben über Raum und Zeit hinaus.
Herr, erbarme dich.
Gott, unser Vater,
steh deinen Dienern bei
und erweise allen, die zu dir rufen,
Tag für Tag deine Liebe.
Du bist unser Schöpfer
und der Lenker unseres Lebens.
Erneuere deine Gnade in uns, damit wir dir gefallen,
und erhalte, was du erneuert hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 18. Sonntag im Jahreskreis
Die Bittmesse
Gott.
Du bist uns nahe,
noch bevor wir zu dir kommen.
Du bist bei uns,
noch bevor wir uns aufmachen zu dir.
Sieh deine Gemeinde, die auf dich schaut:
Sieh unsere Sehnsucht nach Glück,
unseren Willen zum Guten
und unser Versagen.
Erbarme dich unserer Armut und Leere.
Fülle sie mit deinem Leben,
mit deinem Glück,
mit deiner Liebe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 25
Ewiger Gott.
Die Tage zerrinnen uns zwischen den Händen.
Unser Leben schwindet dahin.
Du aber bleibst.
Gestern und heute und morgen
bist du derselbe.
Von Ewigkeit her kennst du uns.
Unsere Zukunft liegt in deiner Hand.
Mach uns bereit für alles,
was du mit uns tun wirst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 31
Unser Herr Jesus Christus hat gesagt:
"Selig, die vor Gott arm sind;
denn ihnen gehört das Himmelreich."
Darum bitten wir: Gott, unser Vater.
Bewahre uns vor der Gier nach Reichtum und Macht.
Gib, daß wir alles, was uns anvertraut ist,
recht gebrauchen.
Lehre uns, daß die Liebe unser größter Reichtum ist -
die Liebe, die du uns schenkst
und die wir einander erweisen.
Das gewähre uns durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 37
Gott, unser Schöpfer.
Die Gegensätze in der Welt klagen uns an:
Reichtum und Not,
Hunger und Überfluß,
Sorglosigkeit und Leid stehen gegeneinander.
Hilf du uns allen,
daß wir aufhören, die Gegensätze zu verschärfen,
und anfangen,
einander Brüder und Schwestern zu sein.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 23
Gott,
in deiner Hand liegt unsere Zukunft und unser Geschick.
Lass uns erkennen, was wirklich zählt,
damit wir reich werden
an Schätzen für das ewige Leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
WB 18. Sonntag im Jahreskreis C
Jesus,
was hast dein Leben reich gemacht?
Einzig und allein Gottes Liebe.
Dafür hast du gebrannt.
Du hast diese Liebe weitergeschenkt.
Du schenkst uns auch jetzt diese Liebe,
die unser wahrer Reichtum ist,
in deinem Wort, das wir jetzt hören,
in deinem Wort, das unsere Herzen erfüllt. - Amen.
Vater im Himmel,
aus unserer Geschäftigkeit,
aus unserem Erfülltsein und unserem Unerfülltsein,
aus unseren Belastungen und unseren Freuden
kommen wir zu dir.
Schau alles erbarmend an,
was wir mit zu dir bringen
und schenke uns Worte des wahren Lebens.
Das erbitten wir mit Christus, unserem Bruder und Herrn.
Du lässt die Sonne aufgehen, Gott, der du alles ins Leben gerufen hast.
Am Abend bestaunen wir die Sterne, die nächtliche Weite.
Wir danken dir, dass wir jeden Tag neu in deiner Schöpfung zu Hause sind.
Über vieles freuen wir uns, manches entgeht uns.
Doch die Erde ächzt unter der Last, die ihr jeden Tag aufgebürdet wird.
Sie wird ausgebeutet, wirtschaftlichen Interessen geopfert
und vielen Menschen weggenommen.
Schenke uns, den Reichtum zu teilen und bescheidener zu werden,
die vielen Dinge abzuwägen und uns ihnen nicht auszuliefern.
Wenn du mit uns redest, entdecken wir den Reichtum deiner Liebe,
einen offenen Himmel und die Schönheit unserer Erde.
Stecke uns mit deinem Geist an
in Christus, unserem Herrn.
Er führt uns in das Leben.
Von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Jesus, du schenkst uns das, was bleibt und für das ewige Leben ist.
Wir bitten dich:
Hilf allen, die suchtkrank sind, geheilt und befreit zu werden.
Führe alle zu dir, die nach ihrer Berufung im Leben suchen.
Bekehre die Herzen aller, die den Sinn ihres Lebens und den Wert der Mitmenschen im Besitz sehen.
Steh deiner Kirche bei, dass sie den Menschen dieser Zeit Hoffnung schenkt.
Sei nahe allen Menschen, deren Leben durch Gewalt und Terror beeinträchtigt ist.
Erbarme dich unserer Verstorben, besonders dann, wenn sie auf Reichtum gebaut haben.
Dir sei Lob und Preis, jetzt und in alle Ewigkeit. - Amen.
Durch die Taufe sind wir mit allen verbunden, die sich in der Gemeinschaft mit dem großen dreifaltigen Gott geborgen fühlen dürfen. Als seine Kinder kommen wir zu ihm und bitten wir ihn:
Um eine Verkündigung der Frohen Botschaft der Liebe, die zu Freiheit, zum Teilen und gemeinsamen Feiern führt.
Um Mitgefühl und Unterstützung der Weltgemeinschaft für die Menschen jener Länder, die ohne Hilfe in Hungersnöten, Mangel an Wasser und Arzneien allein nicht überleben würden.
Um Zeiten der Ruhe und Stille, wenn sich Menschen durch Überlastung, durch Medienkonsum, Streben nach Ansehen und materieller Absicherung oder zwanghafter Selbstoptimierung überfordern.
Um Dankbarkeit und Freude am Geschenk des Lebens, wie immer du es im Augenblick gerade für einen jeden von uns bereithältst.
Um die Fähigkeit Loslassen zu können: vom Besitz, vom Eigenwillen und zuletzt auch vom irdischen Leben.
Dir Vater, vertrauen wir unsere Bitten an um all das, was uns wirklich leben lässt.
Dir sei Ehre, Ruhm und Herrlichkeit jetzt und allezeit. - Amen.
Die Erfahrung der Grenzen unserer eigenen Möglichkeiten müssen wir immer wieder machen. Unser Glaube, dass wir auch in schwierigen Situationen von Gott gehalten sind, hilft dabei.
Ihn lasst uns bitten:
Vergangenheit und Zukunft gehören uns nicht. Nur im Augenblick können wir etwas bewirken.
Wir bitten dich, hilf deiner Kirche, die Zeichen der Zeit und ihre Anforderungen an sie in deinem Sinn zu deuten und danach zu entscheiden.
Die Folgen des Klimawandels und des Kriegs in der Ukraine führen uns die Nichtigkeit unseres Handelns vor Augen.
Wir bitten dich für alle, die erfahren müssen, wie vergänglich vieles ist, und dass sie erkennen, was wertvoll und wichtig ist.
In der Schnelllebigkeit unserer Zeit stehen alte und neue Werte oft im Widerspruch.
Wir bitten dich um deinen Geist, dass er uns hilft, uns in den komplexen Anforderungen des Lebens zurechtzufinden.
Deine Frohbotschaft eröffnet uns Wege zu einer persönlichen Beziehung zu dir. Gleichzeitig geht es aber auch um die Verwirklichung deines Reichs in dieser Welt.
Wir bitten dich um deinen Beistand in den Bemühungen um eine Welt, in der Friede, Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit gelebt wird.
Im Glauben vertrauen wir auf dich, dessen Macht über den Tod hinausragt.
Wir bitten dich für unsere Verstorbenen.
Schenke ihnen Vollendung in deinem Reich.
Denn unsere Zeit steht in deinen Händen.
Dich allein beten wir an und danken dir jetzt und allezeit. - Amen.
Wie zerbrechlich alles im Leben ist, erfahren wir immer wieder. Auch in unserem Bemühen acht- und sorgsam mit den anderen Menschen und unserer Umwelt umzugehen, stoßen wir auf unsere Grenzen. Letztlich sind wir auf Gottes Geist und seine Gnadengaben angewiesen.
Ihn lasst uns bitten:
Um neue Perspektiven für deine Kirche, damit in allen Regionen der Welt trotz des Priestermangels Eucharistie gefeiert werden kann.
Um Achtsamkeit und Klugheit im Umgang mit der uns anvertrauten Schöpfung.
Um eine gerechte Aufteilung der Erträge der Bodenschätze, die in vielen Ländern des Südens gefördert werden.
Um ein gutes Miteinander und ein Füreinander-Dasein in allen menschlichen Grenzsituationen.
Um Halt und Vertrauen aus dem Glauben, wenn uns der Gedanke an unsere eigene Vergänglichkeit zutiefst verunsichert.
Herr Jesus Christus! Hilf uns, das rechte Maß zwischen Eigenverantwortlichkeit und Vertrauen auf deinen Beistand zu finden. Das erbitten wir durch dich vom Vater im Heiligen Geist. - Amen.
Jesus sagte zu den Leuten: Gebt Acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier! Denn das Leben eines Menschen besteht nicht darin, dass einer im Überfluss seines Besitzes lebt.
Darum beten wir für die Welt, in der wir zu Hause sind:
In dieser Woche haben wir wieder den jährlichen Welterschöpfungstag kennengelernt. Die Ressourcen dieses Jahres sind jetzt schon verbraucht. Wir leben auf Pump. Wir leben auf Kosten der Menschen, die wir nicht einmal kennen.
Herr, schenke uns einen klaren Blick für unsere Verhältnisse, Mut zu Änderungen und die Kraft,
Reichtum, Wissen und Verantwortung zu teilen.
Wir rufen zu dir: Schenke uns ein weises Herz
Im Frankfurter Hauptbahnhof hat ein kranker Mensch einen achtjährigen Jungen und seine Mutter vor einen fahrenden Zug gestoßen.
Das Leid ist unermesslich. Auf viele Fragen gibt es keine Antworten. Aber die Hetze stellt sich wieder ein. Gegen Menschen, die einen Migrationshintergrund haben. Angst wird geschürt.
Herr, behüte die Familie, die mit einer schrecklichen Erfahrung leben muss, schenke den für Sicherheit verantwortlichen Menschen das rechte Maß und uns allen, dass wir uns von Hass nicht in die Irre treiben lassen.
Im Mittelmeer sterben nach wie vor unzählige Menschen, die die Überfahrt wagen. Ihre Herkunftsländer sind schon lange nicht mehr sicher, die Flüchtlingsunterkünfte katastrophal und die Zukunftsaussichten hoffnungslos. Schlepper verdienen an der Not der Menschen. Aber Politiker machen auf dem Rücken von Menschen ihre Politik und Europa wird zum Handlanger des Todes.
Herr, schenke uns in unseren reichen Ländern die Phantasie, es mit Ungerechtigkeit, Hunger und Elend aufzunehmen, Ressourcen nicht für uns zu reklamieren und den weltweit steigenden Rüstungsausgaben und –aufträgen zu wehren.
In unserer Mitte gibt es arme und übersehene Menschen. Viele kommen nicht mit dem aus, was sie erarbeiten können oder als Rente erhalten. Oft trauen sie sich nicht, darüber zu reden. Sie kennen oft nicht einmal ihre Rechte. Aber sie sehen den Reichtum in Straßenzügen und Häusern. Hinter glänzenden Fassaden tut sich oft eine große Leere auf. Geld allein macht nicht glücklich.
Herr, hilf uns achtsam durch unsere Orte zu gehen, Menschen wahrzunehmen und unsere Spaltungen zu überwinden.
Herr,
deine Schöpfung ist reich.
Alle Menschen können in ihr leben.
Es ist für alle genug da.
Deine Liebe ist reich.
Sie kennt keine Grenzen.
Sie nimmt es mit dem Tod auf.
Dein Geist ist reich.
Er verwandelt die Welt.
Sie bekommt ein neues Gesicht.
Lass uns in deinem Reichtum leben,
deinen Reichtum teilen.
Dann werden wir reich
in Christus, unserem Herrn.
Er teilt sein Leben mit uns. In Ewigkeit.
Barmherziger Gott, heilige diese Gaben.
Nimm das Opfer an,
das dir im Heiligen Geist dargebracht wird,
und mache uns selbst zu einer Gabe,
die für immer dir gehört.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 18. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
du hast Brot und Wein geschaffen,
um uns Menschen in diesem vergänglichen Leben
Nahrung und Freude zu schenken.
Mache diese Gaben zum Sakrament,
das uns ewiges Leben bringt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 5. Sonntag im Jahreskreis
Gott,
du hast deinem Volk
durch das Bekenntnis des Glaubens
und den Empfang der Taufe neues Leben geschenkt.
Nimm die Gaben (der Neugetauften und aller)
deiner Gläubigen gnädig an
und laß uns in dir Seligkeit und ewiges Leben finden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Sonntag der Osterzeit
Allmächtiger Gott,
du bist der Ursprung aller Dinge.
Du gibst uns Speise und Trank
als Hilfe für das irdische Leben.
Nimm entgegen,
was du uns in die Hände gelegt hast,
und erfülle diese Gaben mit göttlicher Kraft,
damit sie uns das ewige Leben schenken.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Dienstag in der 1. Woche der Fastenzeit
Die Bittmesse
Jesus,
was war das Ziel deines Lebens?
Einzig und allein in der Liebe zu Gott für uns zu leben,
einzig und allein Gottes Liebe Tat werden zu lassen.
Das war dein Ziel.
Du schenkst dich uns in Brot und Wein.
Du wandelst diese unsere Gaben.
Wandle auch uns.
Komm in unsere Mitte. - Amen.
Herr,
du schenkst uns das tägliche Brot.
Wir danken dir, dass uns das Essen gut schmeckt,
dass wir viele kleine und große Aufgaben haben,
dass wir lachen können.
Herr,
du schenkst uns den Wein.
Wir danken dir für alle Feste,
für die Gemeinschaft, die uns gut tut,
für den feinen Geschmack des Lebens.
Dir bringen wir das Brot,
dir bringen wir den Kelch.
Verwandle, was wir mit unseren Augen sehen
und schenke uns dein Leben, deine Liebe,
deinen Leib, dein Blut,
dich.
Wir danken dir, dass du uns reich machst
in Christus, unserem Herrn.
(für Wortgottesdienstfeiern):
Kehrvers:
Singt dem Herrn alle Länder der Erde,
singt dem Herrn und preist seinen Namen!
GL 376
Guter und großer Gott!
In deiner Liebe und Umsicht hast du uns das Leben geschenkt.
Du lässt uns teilhaben am Reichtum der Natur.
Du gibst uns Nahrung und Kleidung
und Menschen, die ihr Leben mit uns teilen.
Kehrvers
Wir danken Dir für alles, was unser Herz erfreut:
Für Weisheit und Frohsinn,
Schaffenskraft und Geschicklichkeit,
für Kunst, Musik, Sport und Spiel.
Kehrvers
Wir danken dir, dass wir Sinn und Erfüllung finden
in allem, was wir aufbauen und gestalten,
in vielfältigen Begegnungen
und in Freundschaft und Beziehungen.
Kehrvers
Wir danken dir, dass du uns neues Leben verheißt,
wo wir in diesem Leben an Grenzen stoßen,
am Sinn zweifeln
oder am Leid zu zerbrechen drohen.
Kehrvers
Mit den Engeln und Heiligen stimmen wir ein
in den Lobgesang der ganzen Schöpfung
und singen:
Danklied, z. B. GL 425: Solang es Menschen gibt auf Erden...
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem,
was du an uns getan hast:
Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit
zu Hilfe gekommen und
hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn
Rettung und Heil gebracht
aus unserer menschlichen Sterblichkeit.
So kam uns aus unserer Vergänglichkeit
das unvergängliche Leben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den
Chören der Engel das Lob
deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 3
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn erstehen die Kinder des Lichtes
zum ewigen Leben,
durch ihn wird den Gläubigen
das Tor des himmlischen Reiches geöffnet.
Denn unser Tod ist durch seinen Tod überwunden,
in seiner Auferstehung ist das Leben für alle erstanden.
Durch ihn preisen wir dich (in österlicher Freude)
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Osterzeit 2
Wir danken dir, heiliger, starker Gott.
Du lenkst die Geschicke der Welt
und sorgst für jeden Menschen.
Du versammelst uns zu einer Gemeinschaft,
damit wir alle dein Wort hören
und deinem Sohn im Glauben folgen.
Er ist der Weg - auf diesem Weg gelangen wir zu dir;
er ist die Wahrheit - sie allein macht uns frei;
er ist das Leben und erfüllt uns mit Freude.
Darum danken wir dir, Vater, für deine Liebe,
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Wir stimmen ein in den Gesang der Engel
und bekennen zum Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 2
Herr meiner Stunden und meiner Jahre,
du hast mir viel Zeit gegeben.
Sie liegt hinter mir und sie liegt vor mir.
Es ist meine Zeit und ich habe sie von dir,
ich danke dir für jeden Tag und jede Stunde,
für jeden Morgen, an dem ich meine Augen öffnen darf.
Ich bitte dich nicht, mir mehr Zeit zu geben,
ich bitte dich aber um viel Gelassenheit
um jede Stunde mit Sinn zu füllen.
Ich bitte dich um die Sorgfalt,
meine Zeit nicht zu töten, nicht zu vertreiben,
sondern jeden Tag zu betrachten
wie einen Streifen Land, das vor mir liegt.
Ich möchte es pflügen und bebauen,
Liebe und Güte aussäen, gute Gedanken und Gespräche.
Ich möchte meinem Leben Sinn geben und Zukunft.
Ich danke dir aber auch,
dass ich ein wenig dieser Zeit
frei halten darf von Arbeit und Pflicht,
Zeit für Ruhe und Erholung,
Zeit für Stille und Einkehr.
Zeit für mich
Zeit für andere
Zeit für dich.
Segne meine Zeit und begleite mich durch meine Tage,
dann werde ich einst reich heimkehren dürfen
zu dir.
nach Jörg Zink
Barmherziger Gott,
in den heiligen Gaben empfangen wir neue Kraft.
Bleibe bei uns in aller Gefahr
und versage uns nie deine Hilfe,
damit wir der ewigen Erlösung würdig werden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 18. Sonntag im Jahreskreis
Gott, unser Vater,
du hast uns gesättigt mit der Speise,
die du allein zu geben hast.
Laß uns von ihr leben und uns freuen
an deiner Huld und Gnade,
und laß unsere Freude fruchtbar werden in guten Taten.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Schlussgebete zur Auswahl 2
Gütiger Gott,
du nährst uns immer wieder
mit dem heiligen Sakrament.
Stärke uns durch diese Speise
und schenke uns das unvergängliche Leben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Mittwoch der 1. Fastenwoche
Herr, unser Gott,
in deinem Wort und Sakrament
gibst du uns Nahrung und Leben.
Laß uns durch diese großen Gaben
in der Liebe wachsen
und zur ewigen Gemeinschaft
mit deinem Sohn gelangen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 23. Sonntag im Jahreskreis
Jesus,
was ist das Ziel unseres Lebens?
Einzig und allein deine Worte zu erfüllen,
einzig und allein deine Liebe weiter zu schenken.
Du bist unser wahrer Reichtum,
alles andere, so gut es ist, ist auch hinfällig.
Segne uns, durch unsere Worte und Taten
die Herzen anderer zu bereichern. - Amen.
Herr,
du schenkst uns das tägliche Brot.
Wir danken dir, dass uns das Essen gut schmeckt,
dass wir viele kleine und große Aufgaben haben,
dass wir lachen können.
Herr,
du schenkst uns den Wein.
Wir danken dir für alle Feste,
für die Gemeinschaft, die uns gut tut,
für den feinen Geschmack des Lebens.
Dir bringen wir das Brot,
dir bringen wir den Kelch.
Verwandle, was wir mit unseren Augen sehen
und schenke uns dein Leben, deine Liebe,
deinen Leib, dein Blut,
dich.
Wir danken dir, dass du uns reich machst
in Christus, unserem Herrn.
Deine starke Rechte schütze dein Volk,
allmächtiger Gott.
Läutere deine Gläubigen, lehre sie dein Wort,
gib ihnen deinen Trost in diesem Leben
und das unverlierbare Glück im kommenden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes +
und des Heiligen Geistes,
komme auf euch herab und
bleibe bei euch allezeit. - Amen.
MB Segensgebete 17
Gott, du Schöpfer aller Dinge,
du hast uns Menschen die Welt anvertraut
und willst, dass wir ihre Kräfte nützen.
Aus dem Reichtum deiner Liebe
schenkst du uns die Früchte der Erde:
den Ertrag aus Garten und Acker,
Weinberg und Wald,
damit wir mit frohem und dankbarem Herzen
dir dienen.
Erhöre unser Gebet:
Halte Ungewitter und Hagel,
Überschwemmung und Dürre,
Frost und alles, was uns schaden mag,
von uns fern.
Schenke uns alles, was wir zum Leben brauchen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes +
und des Heiligen Geistes,
komme auf euch herab und
bleibe bei euch allezeit. - Amen.
MB Segensgebete 1
Marmor Stein und Eisen bricht – aber Gottes Liebe nicht
Alles, alles geht vorbei – doch Gott bleibt uns stets treu.
Hast du einmal sehr viel Geld – dam dam dam dam
Glaub du gern, dir gehört die Welt – dam dam dam dam
Marmor Stein und Eisen bricht – aber Gottes Liebe nicht
Alles, alles geht vorbei –Gott bleibt uns stets treu.
Oben auf der Karriereleiter – dam dam dam dam
Sagst du dir es geht noch weiter – dam dam dam dam
Marmor Stein und Eisen bricht – aber Gottes Liebe nicht
Alles, alles geht vorbei –Gott bleibt uns stets treu.
Lebst du in einem schönen Haus – dam dam dam dam
Genießt dein Leben in Saus und Braus – dam dam dam dam
Marmor Stein und Eisen bricht – aber Gottes Liebe nicht
Alles, alles geht vorbei –Gott bleibt uns stets treu.
Jubeln dir alle Menschen zu – dam dam dam dam
Glaubst du gern wie toll bist du – dam dam dam dam
Marmor Stein und Eisen bricht – aber Gottes Liebe nicht
Alles, alles geht vorbei –Gott bleibt uns stets treu.
Was brauchen wir um erfüllt zu sein – dam dam dam dam
Im Grunde doch nur Gott allein – dam dam dam dam
Marmor Stein und Eisen bricht – aber Gottes Liebe nicht
Alles, alles geht vorbei – Gott bleibt uns stets treu.
Gott hat uns diese schenkt Welt geschenkt - dam dam dam dam
Stets er unser Leben lenkt – dam dam dam dam
Marmor Stein und Eisen bricht – aber Gottes Liebe nicht
Alles, alles geht vorbei – Gott bleibt uns stets treu.
Bei Gott werden wir einst zu Hause sein – dam dam dam dam
Dann ist keiner mehr einsam und allein – dam dam dam dam
Marmor Stein und Eisen bricht – aber Gottes Liebe nicht
Alles, alles geht vorbei –Gott bleibt uns stets treu.
Ich gebe Gott im Leben den ersten Platz – dam dam dam dam
Das ist stets mein Glaubenssatz – dam dam dam dam
Marmor Stein und Eisen bricht – aber Gottes Liebe nicht
Alles, alles geht vorbei –Gott bleibt uns stets treu.
Marmor Stein und Eisen bricht – aber Gottes Liebe nicht
Alles, alles geht vorbei –Gott bleibt uns stets treu.
Pater Jörg Thiemann CMM
Nach oben streben heißt:
Im Sport immer gewinnen...
In der Schule möglichst gute Noten...
In der Ausbildung einen guten Abschluss...
Im Beruf Karriere – den Chefsessel…
Im Privatleben möglichst viel Geld…
Überhaupt – erfolgreich sein, bei anderen gut ankommen.
Alles gut, wenn es nicht verbissen ist!
Nach oben streben kann auch heißen:
Ich richte den Blick auf das, was oben ist – auf Jesus.
Ich richte meinen Blick auf das, was Jesus wünscht.
Ich lebe nach seinen Worten und richte mich nach seinen Taten.
Nach oben streben kann auch heißen:
Ich suche den Frieden mit anderen...
Ich vergebe anderen...
Ich bitte um Entschuldigung...
Ich gönne anderen, was sie sind und haben…
Nach oben streben kann auch heißen:
Ich sehe in jedem Armen Christus.
Ich sehe die Menschen, die unter die Räuber geraten.
Ich lindere Not, wo ich kann.
Nach oben streben kann auch heißen:
Ich richte meinen Blick auf das, was Jesus wünscht.
Ich lebe nach seinen Worten und richte mich nach seinen Taten.
Ich glaube, dann beginnt der Himmel jetzt und hier…
Pater Jörg Thiemann CMM
Ich hänge am Leben
Ich möchte vieles herausholen
Ich möchte reich sein und Erfolge vorweisen
Ich möchte anerkannt und geliebt werden...
Ich möchte am liebsten ewig leben.
Doch ich kann mir mit keinem Geld das erkaufen
Wir alle müssen sterben
Und dann lassen wir alles zurück
Alles, was wir haben – an Häusern und Autos
Alles, was wir sind – an Titeln, Diplomen und Meisterbriefen
Alle Menschen, die wir mochten
Alle Menschen, die uns mochten
Sie alle bleiben zurück...
Wir sind bald aus deren Sinn...
Sie bekommen dann das, was wir besessen, was wir erworben haben...
Nichts nehmen wir mit...
Drum: lass dich nicht beirren, wenn einer reich wird
Und die Pracht seines Hauses sich mehrt...
Lass dich nicht beirren, wenn einer mehr hat als du selbst
Und bekannter, geliebter ist als du...
Vielleicht ist er glücklich mit allem, was er hat und kann...
Doch das ist nur vorläufig
Sammle du Schätze im Himmel
Wo kein Wurm sie zerstören kann
Gott nahe zu sein ist mein Glück
Gott nahe zu sein ist das wahre Glück
Pater Jörg Thiemann CMM
Wenn Reichtum
nichts bringt
Angehäuftes
nicht glücklich macht
Lebens-Scheunen
füllen sich
im Teilen
Wir brauchen
Dinge
Güter
Besitz
Doch
das Glück ist
darin
nicht zu finden
Erfüllung findet
in der Seele statt
Dort gilt es
Platz zu schaffen
damit SINN
einkehren kann
Große Namen
in Leuchtreklamen
tolle Häuser
Paläste schon
hier find` ich den erträumten Lohn
Abteilungsleiter –
Weiter – weiter
Managerstühle –
trotz innerer Schwüle
Herzinfarkt –
doch Welt intakt!?
Fall aus dem Gleis –
bin jung schon ein Greis
Wo ist mein Lohn? –
hatte ich ihn denn im Gelde schon?
Ach, hätt `ich doch vorweg
gefragt nach Sinn und Zweck
Beatrix Senft (2022)
Überreich
hat Gott mich beschenkt
mit Gaben
Im Teilen
entfalten sie ihre Wirkung
Dankbarkeit
vermehrt
Lebensfreude
Überfluss
macht krank
die einen vor Gier
die andern vor Hunger
Es sei denn
Überfluss fließt
und schafft Gerechtigkeit
für ALLE
In die Zange genommen – Rembrandts „Gleichnis vom reichen Kornbauer“
(7. Dezember 2018)
syndrome-de-stendhal.blogspot.com - 7. Dezember 2018
http://syndrome-de-stendhal.blogspot.com/2018/12/in-die-zange-genommen-rembrandts.html
In die Zange genommen – Rembrandts „Gleichnis vom reichen Kornbauer“
(7. Dezember 2018)
Erntedankfest-Predigt 5. Oktober 2003, in: http://www.theologie.uzh.ch/predigten/archiv-5/031005-5.html
… Und noch in einer weiteren Weise ist der Kornbauer arm, wo er reich sein könnte. Er redet nur mit seiner Seele und weder mit anderen Menschen, noch mit Gott. Der reiche Kornbauer müsste Gott entdecken und seine Mitmenschen. Sein Monolog ist ja nicht nur gegen Gott gerichtet, sondern auch gegen seine Mit-menschen. Er braucht keinen zweiten zum Mitfreuen und keinen zum Beschenken und keinen zu versorgen; ein großer Unterschied zu Josef in Ägypten, der Scheunen bauen ließ, um die Menschen zu versorgen. Wäre er reich in Gott, würde er nicht im eigenen Saft schmoren. Er würde darüber nachdenken, von wem und für wen er sein Leben hat. Je mehr wir haben, desto mehr können wir geben und das macht uns nochmal in einer anderen Weise reich. Das ist der eigentliche Sinn von Reichtum: Dass wir mehr geben können…
Und noch etwas: Indem der Mann sterben muss, tritt ihm Gott in den Weg, auf den er in seinem Leben immer verzichten konnte. Da ist auf einmal Gott. Er redet sehr direkt zu ihm, zunächst als er noch lebt und nur noch einige Stunden zu leben hat. Aber er wird ihm auch begegnen, wenn er dann gestorben ist. Wir werden Gott nicht los, indem wir ihn ignorieren und uns gegen ihn abschirmen und dicht machen. Es ist nicht entscheidend, was wir über ihn denken und nicht denken, sondern ob und wer er ist. Der Bauer war eben doch nicht so klug, indem er seine Rechnung ohne den Schöpfer und Herrn der Welt gemacht hat.
Birgit Schindler, Predigt vom 30.09.2012.
… Wenn das nicht vorbildlich ist! Der reiche Mann wartet nicht ab, wie die Dinge sich vielleicht entwickeln. Er zaudert nicht und laviert nicht herum. Er weiß, dass er handeln muss – nicht irgendwann später einmal sondern jetzt. Viele könnten sich ein Beispiel an ihm nehmen: In der Kirche etwa. In den Kirchenvorständen und Synoden wissen die Verantwortlichen doch genau, wie die Lage ist, vor allem aber dass sie nicht so bleibt, wie sie ist. In den vergangenen Jahren haben die Kirchen viele Mitglieder verloren. Zu viele, als dass sich nichts verändern müsste. Man muss etwas tun, damit die Kirche auch in zehn und in zwanzig Jahren ihren Auftrag erfüllen kann. Auch dem Staat könnte der Kornbauer ein Vorbild sein. Allein durch die Bevölkerungsentwicklung stehen Deutschland dramatische Veränderungen bevor. Und jetzt kommen auch noch die vielen Flüchtlinge, die integriert werden müssen. Da hilft kein Abwarten. Die Frage heißt auch hier nicht: „Was soll nur werden?“ sondern: „Was soll ich tun?“
„Und er sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte.“ Der reiche Kornbauer ist nicht nur ein glücklicher, auch nicht nur ein realistischer und tatkräftiger, sondern zu alledem ein mutiger und vernünftiger Mensch. Mutig ist er, weil er sich von dem, was ihm lange Sicherheit bedeutete, trennt: Er reißt die alten Scheunen ab. Nur indem er Altes hinter sich lässt und zu neuen Ufern aufbricht, kann er den aktuellen Herausforderungen begegnen. Vermeintliche Lebensweisheiten wie „Wo kämen wir denn da hin?“ oder „Das haben wir ja noch nie gemacht!“ kommen dem Kornbauern nicht über die Lippen. Was er nun tun will, ist absolut vernünftig: Nur durch den Bau größerer Scheunen wird er verhindern, dass die reiche Ernte verdirbt. Auch mit seinem Mut und mit seiner Vernunft ist der reiche Mann beispielgebend für Staat, Gesellschaft und Kirche in dieser unruhigen Zeit: Angesichts großer Herausforderungen muss allenthalben groß gedacht, und mutig und vorausschauend geplant werden…
Martin Dutzmann, Predigt 4.10.2015, in: https://www.ekd.de/27029.htm
Vorrat
Vermögen
Schätze
Reichtum
Erbe
Nicht schlecht
genug zu haben
zum Leben
abgesichert zu sein
bis ans Lebensende
LEBENsVersicherung
abgeschlossen
Reiches Leben
Erfüllung gefunden
SINN geht auf
im
ewig Bleibenden
gut investiert
(in) mein Leben
Was macht
mein Leben
reich?
Allmächtiger Gott,
der du in der Weite des Alls gegenwärtig bist
und im kleinsten deiner Geschöpfe,
der du alles, was existiert,
mit deiner Zärtlichkeit umschließt,
gieße uns die Kraft deiner Liebe ein,
damit wir das Leben und die Schönheit hüten.
Überflute uns mit Frieden,
damit wir als Brüder und Schwestern leben
und niemandem schaden.
Gott der Armen,
hilf uns, die Verlassenen und Vergessenen dieser Erde,
die so wertvoll sind in deinen Augen, zu retten.
Heile unser Leben,
damit wir Beschützer der Welt sind
und nicht Räuber,
damit wir Schönheit säen
und nicht Verseuchung und Zerstörung.
Rühre die Herzen derer an,
die nur Gewinn suchen
auf Kosten der Armen und der Erde.
Lehre uns,
den Wert von allen Dingen zu entdecken
und voll Bewunderung zu betrachten;
zu erkennen,
dass wir zutiefst verbunden sind mit allen Geschöpfen
auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht.
Danke, dass du alle Tage bei uns bist.
Ermutige uns bitte
in unserem Kampf für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.
Aus: Enzyklika Laudato si’, von Papst Franziskus, Rom 2015.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Die Lesung aus dem Buch Kohelet spiegelt die Skepsis wider: Alles ist einem Windhauch gleich, selbst Bildung und Leistung sind nicht verlässlich, nicht einmal in der Nacht ist Ruhe. Ob alle Tage wirklich "nur aus Sorge und Ärger" bestehen? Die Lesung hört auf, wo Antworten erwartet werden. Im Gottesdienst vorgetragen, sieht der Mensch sich und seine Welt ungeschminkt. Was Kohelet mit "Windhauch" bezeichnet, drückt die Vergänglichkeit und Flüchtigkeit aus, die den Dingen eignet, auf die ein Mensch sein Vertrauen setzt. "Was erhält der Mensch dann durch seinen ganzen Besitz und durch das Gespinst seines Geistes, für die er sich unter der Sonne anstrengt?" Das ist weder depressiv noch pessimistisch, sondern geklärte und abgewogene Lebenserfahrung - sprich: "weise".
Es liegt viel daran, die Lesung gut vorbereitet und akzentuiert vorzutragen.
Die Lesung ist so zugeschnitten, dass in ihrem Horizont die zweite Lesung und das Evangelium aufscheinen: Nicht das Wissen um den "Windhauch" stellt das letzte Wort dar - es geht darum, den "Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische" zu richten - oder wie es im Evangelium heißt: reich bei Gott zu sein.
Trotzdem bleibt für Kohelet der Ausgangspunkt seiner Reflexionen die Frage nach dem glücklichen, sinnerfüllten Leben. Die Argumentation richtet sich dabei darauf, daß der Mensch aus eigener Anstrengung nicht glücklich werden kann. In der vorliegenden Perikope wird z. B. auf die Verzweiflung hingewiesen, würde man sein Leben nur vom Streben nach Besitz und von der Arbeit her definieren.
Das Windhauch-Urteil Kohelets wird in diesem Kontext oft als Bekennen einer radikalen Absurdität und Sinnlosigkeit mißverstanden. Das wird dem Anspruch des Buches freilich nicht gerecht. Die Windhauchaussage bezieht sich niemals auf Gott oder den Kosmos, sondern immer nur auf die Welt menschlichen Handelns. Allein sie ist für Kohelet absurd und wird deshalb radikal in Frage gestellt.
Gleich im Einleitungsvers kommt das Wort "Windhauch" fünfmal. Die Grundstimmung ist: Der Mensch verfügt über keinen umfassenden Sinn, sondern kann sich nur dem unbegreiflichen Gott anvertrauen. Dem Menschen bleibt am Ende nichts von all seiner Anstrengung. Diese pessimistischen Aussagen werden auch heut offene Ohren finden: wir planen geglücktes, sicheres Leben, doch Schicksale durchkreuzen dies immer wieder
Streß, Burn-out-Erfahrungen, Scheitern von Beziehungen, Krankheiten ...
In Deutschland sterben ungefähr so viele Menschen, die am Lebenssinn zerbrechen, wie durch Unfalltod. Wir wollen uns mit der Auskunft des Kohelet: "Alles ist Windhauch, alles ist nichtig", nicht abfinden.