Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Genesis.
In jenen Tagen
sprach der HERR zu Abram:
Geh fort aus deinem Land,
aus deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus
in das Land, das ich dir zeigen werde!
Ich werde dich zu einem großen Volk machen,
dich segnen
und deinen Namen groß machen.
Ein Segen sollst du sein.
Ich werde segnen, die dich segnen;
wer dich verwünscht, den werde ich verfluchen.
Durch dich sollen alle Sippen der Erde Segen erlangen.
Da ging Abram,
wie der HERR ihm gesagt hatte.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Lass deine Huld über uns walten, o Herr, - Kv
Das Wort des HERRN ist redlich, *
all sein Tun ist verlässlich.
Er liebt Gerechtigkeit und Recht, *
erfüllt von der Huld des HERRN ist die Erde. - Kv
Siehe, das Auge des HERRN ruht auf denen, die ihn fürchten, *
die seine Huld erwarten,
dass er ihre Seele dem Tod entreiße *
und, wenn sie hungern, sie am Leben erhalte. - Kv
Unsre Seele hofft auf den HERRN; *
er ist unsere Hilfe und unser Schild.
Lass deine Huld über uns walten, HERR, *
wie wir auf dich hofften! - Kv
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus
an Timotheus.
Mein Sohn!
leide mit mir für das Evangelium!
Gott gibt dazu die Kraft:
Er hat uns gerettet;
mit einem heiligen Ruf hat er uns gerufen,
nicht aufgrund unserer Taten,
sondern aus eigenem Entschluss und aus Gnade,
die uns schon vor ewigen Zeiten
in Christus Jesus geschenkt wurde;
jetzt aber wurde sie
durch das Erscheinen unseres Retters Christus Jesus
offenbart.
Er hat den Tod vernichtet
und uns das Licht des unvergänglichen Lebens gebracht
durch das Evangelium.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre! - Kv
Aus der leuchtenden Wolke rief die Stimme des Vaters:
Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit
nahm Jesus Petrus, Jakobus
und dessen Bruder Johannes beiseite
und führte sie auf einen hohen Berg.
Und er wurde vor ihnen verwandelt;
sein Gesicht leuchtete wie die Sonne
und seine Kleider wurden weiß wie das Licht.
Und siehe, es erschienen ihnen Mose und Elija
und redeten mit Jesus.
Und Petrus antwortete und sagte zu Jesus:
Herr, es ist gut, dass wir hier sind.
Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen,
eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.
Noch während er redete,
siehe, eine leuchtende Wolke überschattete sie
und siehe, eine Stimme erscholl aus der Wolke:
Dieser ist mein geliebter Sohn,
an dem ich Wohlgefallen gefunden habe;
auf ihn sollt ihr hören.
Als die Jünger das hörten,
warfen sie sich mit dem Gesicht zu Boden
und fürchteten sich sehr.
Da trat Jesus zu ihnen,
fasste sie an
und sagte: Steht auf und fürchtet euch nicht!
Und als sie aufblickten,
sahen sie niemanden außer Jesus allein.
Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus:
Erzählt niemandem von dem, was ihr gesehen habt,
bis der Menschensohn von den Toten auferweckt ist!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Perikope von der Verklärung folgt wie in der Quelle des Evangelisten Markus auf die Belehrung über die Kreuzesnachfolge. Der Exeget Joachim Gnilka zeichnet folgende Gliederung des einheitlichen Abschnittes: Einleitung (Personenwahl, Ortsveränderung) - Hauptteil (sichtbares Geschehen; Reaktion des Petrus; hörbares Geschehen; Reaktion der Jünger) - Nachsatz.
Mit Blick auf die Gattung der Erzählung fällt eine große Ähnlichkeit mit der Erzählung von der Gotteserscheinung am Sinai (Ex 24) auf. Die Erscheinung der beiden altestamentlichen Gestalten rückt den Gottessohn in einen heilsgeschichtlichen Zusammenhang, der bis in die Anfänge des Alten Bundes reicht.
Die Begebenheit, die uns als "Verklärung Jesu" geschildert wird, zielt auf die österliche Erfahrung von der himmlischen Hoheit Jesu. Jetzt schon sehen die Jünger Jesus in der Herrlichkeit seines Auferstehungsleibes. Das, was die Jünger erfahren haben, liegt jenseits historischer Nachprüfbarkeit. Ist es deshalb aber weniger wirklich?
Der Text enthält viele alttestamentliche Anspielungen. So ist der Berg im Alten Testament der klassische Ort der Gottesbegegnung, besonders im 24. Kapitel des Buches Exodus, wo vom Erscheinen Gottes auf dem Berg Sinai erzählt wird. Das Motiv der Wolke kommt ebenfalls dort vor und ist ein Symbol für die Gegenwart Gottes. Die Wolke führt das Volk Israel aber auch bei seiner Wanderung durch die Wüste.
Mose und Elija sind zwei herausragende alttestamentliche Gestalten. Im Verständnis unseres Textes sind sie Repräsentanten der Himmelswelt, Teilhaber an der himmlischen Herrlichkeit.
Am Höhepunkt des Evangeliums wird Jesus wie schon bei seiner Taufe als der geliebte Sohn Gottes proklamiert. Die Forderung, auf ihn zu hören, wie auch die vielen Hinweise auf das Alte Testament wollen sagen: In ihm ist der vom Volk erwartete Prophet der Endzeit, der authentische Interpret Gottes erschienen.
Die Szene der Verklärung (17,1-8) folgt der Jüngerbelehrung über die Kreuzesnachfolge.
Vers 2: Die Verklärung ist keine Verwandlung; Jesus wird hier gezeigt als Anführer auf dem Weg zur Vollendung; ein Weg, auf den die Jünger (und damit auch wir) eingeladen sind.
Vers 3: Elija und Mose repräsentieren Gesetz (Mose) und Propheten (Elija); Jesus ist die Erfüllung von beidem!
Vers 4: Der Vorschlag des Petrus, Hütten zu bauen, zeigt das Verlangen, das Endgültige festzuhalten.
Vers 5f zeigt die Dimension Jesu an: aus der Wolke (Gegenwart Gottes) erfolgt die Bestätigung Jesu als Sohn Gottes (vgl. Taufe Jesu). Damit wird auch die Jüngerbelehrung ("Der Sohn Gottes muß leiden ...") bestätigt; Jesu Weg nach Jerusalem und auf das Kreuz zu sind im Sinne Gottes.
Vers 7f führt in die irdische Wirklichkeit zurück. Christus ist hier der Vollendete, der zur Vollendung führt - dies ist seine Aufgabe als Sohn Gottes.
Der Berg als Ort Gottes ist dem Evangelisten Matthäus wichtig (4,8; 17,1; 28,16).
Die Erzählung steht im Kontext des Sterbens Jesu (16,21f.25; 17,12) und spricht von der Überwindung des Todes.
Vers 9 gehört eigentlich zum folgenden (Schweigegebot; Frage über Elija) und könnte weggelassen werden, da bei Matthäus das Schweigegebot keine besondere Funktion hat.
Für die Jünger ist das Miterleben der Verklärung Jesu eine Gnadenstunde, die sie auf dem gemeinsamen Weg nach Jerusalem stärkt. Auch wir können solche Stern- und Gnadenstunden erleben, in denen wir in einer bedrängende und unüberschaubaren Situation Klarheit gewinnen und Kraft schöpfen. Der Schlüssel dazu sind Gebet und Besinnung auf die Gotteserfahrungen, die Menschen vor uns erlebt haben.
Der geniale Mathematiker, Philosoph und Theologe, Blaise Pascal, hatte im Alter von 31 Jahren ein religiöses Erlebnis, das er nicht mehr vergessen konnte.
Nach seinem Tode fand man im Rockfutter seines Anzugs ein eingenähtes Schriftstück, auf dem er die Inhalte dieser Erfahrung niedergeschrieben hatte: „Jahr der Gnade 1654, Montag, 23. Nov. von halb elf Uhr abends bis ungefähr 1/2 Stunde nach Mitternacht: Feuer, Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs. Nicht der Gott der Philosophen und der Gelehrten; Gewissheit, Empfindung, Freude, Friede. Gott Jesu Christi. Verblassen der Welt und von allem, was nicht Gott ist. Nur auf den Wegen des Evangeliums zu finden. - Tränen der Freude. - Das ist das ewige Leben, dich zu erkennen, den einzigen, wahren Gott... Möge ich nie von ihm getrennt sein!"
Ein überwältigendes Erlebnis, das dem ganzen Leben die Richtung gab.
Solche Erfahrungen können mit einem Erfolg oder einer Begegnung mit einem Menschen zusammenhängen. Manchmal kann ein gutes Buch, können Sätze aus der hl. Schrift Auslöser sein. Gelegentlich ist eine solche Sternstunde das Geschenk eines stillen Verweilens, eines tiefen Betens.
Von einer solchen Sternstunde berichtet das heutige Evangelium: Jesus erlebt sie, Petrus, Jakobus und Johannes werden Zeugen davon. Sie werden in diese Gnadenstunde hineingenommen, um für die kommenden dunklen und harten Tage besser gerüstet zu sein. Ihnen gilt dieser Lichtblick, dieser flüchtige Blick durchs „Schlüsselloch“ hinein in die Herrlichkeit des Himmels.
Dieses einzigartige Erlebnis, das alle bisherigen Spitzenerfahrungen überragt, vergleicht Matthäus mit dem Aufstieg des Mose auf den Berg Sinai. Dort heißt es: „Die Herrlichkeit des Herrn ließ sich auf den Sinai herab, und die Wolke bedeckte den Berg und der Herr rief mitten aus der Wolke Mose herbei" (Ex 24,16).
Um die Tragweite dieses Erlebnisses zu erahnen, lassen wir uns die verschiedenen Berge des Lebens Jesu an unseren Augen vorbeiziehen: den Berg der Versuchung; den Berg seiner großen Verkündigung, der Bergpredigt; den Berg Tabor; den Berg der Angst, den Ölberg; den Berg der Kreuzigung und schließlich den Berg des Auferstandenen, wo Christus sprach: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden." (Mt 28,18). Die wichtigsten biblischen Ereignisse sind mit einem Berg verbunden.
Der Berg ist nicht nur ein Ort des äußeren Aufstiegs, sondern auch des inneren Aufsteigens. Der Berg ist Symbol für das Freiwerden von der Last des Alltags. Der Berg gewährt Ausblick auf die Weite der Schöpfung und ihrer Schönheit. Der Berg verleiht innere Höhe und lässt den Schöpfer erahnen.
Auch die Wolke ist ein Symbol im Alten Testament. Die Wolke über dem Offenbarungszelt zeigte Gottes Gegenwart an. Jesus ist somit das heilige Zelt, über dem die Wolke der Gegenwart Gottes steht. Aus der Wolke ist zu hören: „Du bist mein Sohn, der Geliebte. An dir habe ich Wohlgefallen. Auf ihn sollt ihr hören.“ (Mt 17,5).
Wiederum wird der Zusammenhang mit dem Berg Sinai deutlich. Mose hatte auf dem Berg die Thora, Gottes weisendes Wort empfangen. Nun wird uns über Jesus gesagt: „Auf ihn sollt ihr hören." Mit anderen Worten: Jesus ist die neue Thora, das göttliche Offenbarungswort.
Genau in diesem Moment, als die Zukunftsaussichten begannen düster zu werden, wo keiner mehr wusste, wie es weitergehen soll, bekommen die Jünger Einblick, wie es um Jesus tatsächlich steht. Die Jünger dürfen hinter die Kulissen schauen. Wie ein Blitz für einen Augenblick das Dunkel der Nacht aufreißt, so bricht plötzlich die Fülle der Gottheit durch die menschliche Natur Jesu hindurch. Verklärung ist für die Jünger wie ein Vorausblick in den Himmel. Der österliche Sieg über Not und Tod sendet hier bereits seine Strahlen voraus.
Spontan bricht es aus Petrus heraus: „Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen.“ Petrus will diesen Gnadenmoment festhalten. Es wäre das größte Geschenk, wenn es so bleiben könnte. Doch Gottes Geist und ebenso eine geliebte Person lassen sich nicht behandeln wie ein sicheres Eigentum. Echte Liebe schwindet, wo man sie eifersüchtig festhalten will. Vom Heiligen Geist sagt die Bibel: „Er weht, wo er will.“
Mose und Elia, die zwei großen Vertreter des Alten Bundes, dürfen wir als Wegweiser auf den Messias verstehen. Sie stehen nun zur Rechten und Linken des verklärten Christus und bezeugen seine überragende göttliche Größe.
Doch kurz danach ist Jesus wieder in der gewohnten irdischen Gestalt unter ihnen. Der Glaube der Jünger wurde gestärkt, damit sie auch in schweren Stunden nicht an dem zweifeln, was hinter der sichtbaren Gestalt Jesu verborgen ist.
Diese Erfahrung ist dem Evangelisten Lukas sehr wichtig, darum fügt er ein: „Während Jesus betete, verwandelte sich das Aussehen seines Gesichts und sein Gewand wurde leuchtend weiß."(Mt 9,29). Die Verklärung vollzieht sich beim Beten. Jesus wird total von der Wirklichkeit Gottes durchdrungen. In seinem Einssein mit dem Vater wird Jesus selbst zum Licht.
Der Evangelist zeigt auf, was alles auch uns durch das Beten geschenkt werden kann. Die Vorhänge unserer kleinen Welt werden aufgezogen, größere Dimensionen öffnen sich. Die Verheißungen Jesu von Vollendung und Himmel rücken kraftvoll näher. Im Beten gewinnen wir Abstand vom Getriebe des Alltags. Wie von der Höhe des Berges aus gelingt uns eine bessere Übersicht; Übersicht über die tausend Einzelheiten der Woche.
Dazu hilfreich will auch der Sonntagsgottesdienst sein, wo wir wenigstens einen kleinen Bruchteil der Woche freihalten für Gott. Da kann es geschehen – freilich nicht immer – dass plötzlich ein einzelner Satz der Lesung oder des Evangeliums tiefer verstanden wird, dass wir Kraft bekommen und dass manches im Leben plötzlich in einem neuen Licht erscheint. - Ermutigend für uns!
Die Verklärung Christi will sagen: Lass dich nicht irre machen, wenn Jesus dir machtlos und erniedrigt vorkommt, wenn er bei nicht wenigen Leuten scheinbar keine Rolle spielt: Hinter seiner Gestalt als einfacher Rabbi und Wanderprediger verbirgt sich göttliche Macht. Jesus baut seine Jünger auf, dass sie im Winter des Lebens die Hoffnung auf den Frühling nicht aufgeben.
Verklärung Christi will sagen: Lass dich nicht aus dem Gleis werfen in kranken Tagen ohne Besserung, in beruflichen Mühen ohne Erfolg, in Spannungen und Missverständnissen. Das ist nur die eine Seite der Wirklichkeit. Ziehe keine Kurzschlüsse, wenn du enttäuscht und verärgert bist. Fälle keine Entscheidungen in trostlosen Momenten, sondern dann, wenn du wieder mehr Überblick und innere Ruhe gefunden hast.
Verklärung will ermuntern, im Sturm des Gewitters nicht zu zweifeln, ob es die Sonne noch gibt. Die Verklärung Christi will den Glauben festigen, dass hinter jedem Leiden und nach jedem durchstandenen Karfreitag ein Ostern wartet.
Gott ruft Abram aus seiner gewohnten Welt heraus und macht ihn zum Stammvater des Volkes Gottes. Gott begleitet ihn auf seinem Weg in die ungewisse Zukunft und sorgt für ihn.
Ich möchte meine heutigen Gedanken der Predigt mit einem Mythos aus der lateinisch-römischen Kultur beginnen. Es ist der Mythos der Sorge:
Eines Tages, als die „Sorge“ am Flussufer spazieren ging, sah sie etwas Lehm und hatte gleich einen zündenden Einfall. Sie nahm ein Stück davon und begann es zu formen. Es entstand die Gestalt eines Menschen. Als sie ihn voller Zufriedenheit mit dem, was sie gemacht hatte, betrachtete, kam Jupiter, der höchste Gott der Römer, herbei. Die Sorge bat ihn, er möge der Figur, die sie gerade geformt hatte, Geist einhauchen. Das tat Jupiter gern. Als aber die Sorge der von ihr entworfenen Kreatur einen Namen geben wollte, untersagte Jupiter ihr das. Er meinte, das Vorrecht, ihr einen Namen zu verleihen, gebühre ihm. Doch die Sorge bestand darauf, dass ihr dieses Recht zukäme, da sie sich ja zuerst diese Figur ausgedacht und ihr auch Menschengestalt verliehen hatte.
Während die Sorge und Jupiter so in einen hitzigen Streit geraten waren, tauchte plötzlich die Göttin Erde auf. Auch sie wollte der Kreatur ihren Namen verleihen, denn sie sei schließlich aus Lehm geformt, einem Material also, das dem Leib der Erde entnommen war.So entstand eine Debatte, ohne dass sich irgendeine Verständigung abzeichnete.
Sie stimmten schließlich darin überein, den alten Gott Saturn (auch Chronos genannt), den Begründer des Goldenen Zeitalters und des Ackerbaus, zu bitten, er möge den Streit schlichten. Nun kam er ins Spiel und traf folgende Entscheidung, die allen Beteiligten als gerecht erschien: „Du Jupiter, hast der Kreatur den Geist gegeben, du wirst deshalb diesen Geist zurückerhalten, wenn diese Kreatur stirbt. Du, Erde, hast ihr den Leib aus Lehm gegeben. Du wirst deshalb beim Tode dieser Kreatur ihren Leib zurückbekommen. Doch weil du, Sorge, dieses Geschöpf zuerst geformt hast, wird es sein Leben lang unter deiner Obhut stehen.
Und da es unter euch keine Einigkeit bezüglich des Namens gibt, entscheide ich nun: Diese Kreatur wird homo (das lateinische Wort für Mensch) genannt werden, weil sie aus humus, aus fruchtbarer Erde, gemacht ist.
In diesem wunderbaren Mythos wird erzählt, dass die Sorge – gemeint ist hier nicht eine Beängstigung oder Befürchtung, sondern die Fürsorge, die Achtsamkeit – vor allen anderen Dingen ist. Der große Befreiungstheologe Leonardo Boff schreibt in einem seiner Bücher, dass die Sorge bzw. Achtsamkeit jenes Fundament ist, ohne das es den Menschen nicht gäbe. Der Mythos zeigt: Als die Sorge den Menschen formte, tat sie dies mit Liebe, Hingabe, Verehrung, Gefühl und Herz.
Unser Leben, unsere Existenz ist abhängig von anderen. Wir Menschen können nicht aus uns selbst heraus leben. Jeder von uns war als Baby und Kleinkind darauf angewiesen, dass ein anderer Mensch uns das Leben schenkt und uns auf die Welt bringt, dass ein anderer Mensch sich um uns sorgt. Dass andere Menschen (meist unsere Eltern) am Beginn unseres Lebens, aber auch danach, bereit sind ihr Leben mit uns zu teilen. Dass sie vielleicht auch etwas hergeben von sich und nicht nur für sich allein leben. Ohne diese Fürsorge und Sorge am Beginn unseres Lebens würden wir sterben. Aber auch im weiteren Verlauf unseres Daseins sind wir darauf angewiesen, dass andere Menschen ihr Leben mit uns teilen und es gut mit uns meinen. Achtsamkeit gehört also zum Wesen des Menschen dazu.
Es ist eine Tatsache, dass diese Sorgearbeit meist unbezahlt von Frauen übernommen wird und wenn sie bezahlt ist, dann meist schlecht. Wenn wir unser Gesundheitssystem oder Pflegesystem ansehen, dann wird dies der wirtschaftlichen Logik von „je schneller, umso besser“ unterworfen, verschärft durch Kosteneinsparungen und Kürzungen von öffentlichen Geldern. Die Folge in den westlichen Ländern ist, dass die Care-Arbeit mittlerweile zu einem großen Teil von Migrant:innen übernommen wird, die aus anderen Ländern zu uns kommen.
In ihren Herkunftsfamilien hinterlassen diese Menschen aber wiederum eine Sorgelücke, die jemand anderes auffüllen muss. Das Einkommen aus dieser Arbeit sichert das Überleben ihrer Familien in den Herkunftsländern. Die Arbeitsbedingungen im Ausland sind für diese Frauen oft prekär und auch von physischer und sexualisierter Gewalt geprägt.
Liebe Schwestern und Brüder, die Fastenzeit als Vorbereitung hin auf das Osterfest kann uns ganz besonders an den Aspekt der Sorge und Fürsorge um andere erinnern. Sie erinnert uns aber auch ganz besonders an die Sorge Gottes um uns Menschen. Er sorgt sich um Abraham, im Lesungstext wird er noch Abram genannt, wie wir heute gehört haben, und begleitet ihn und seine Familie, als sie wegziehen von ihrem Land. Gott selbst ist aus Liebe und Sorge um uns Menschen in Jesus Mensch geworden und er ist es, der uns aus Sorge und Liebe nicht im Tod lässt. Wir wissen, für alles, was wir lieben, tragen wir auch Sorge. Und Gott liebt uns Menschen über alles. In der Taufe wird uns dies ganz deutlich zugesprochen, wir ziehen gleichsam diesen Zuspruch wie ein helles, weißes Kleid über und sind eingehüllt in diese Liebe und Sorge Gottes. Dies lässt uns eine ganz besondere Würde zukommen und fordert uns aber auch heraus, anderen diese Würde zukommen zu lassen. Nur wenn wir eine Leidenschaft entwickeln für die Sorge um die Welt, können wir sie verwandeln.
© Mag.a Stefanie Hinterleitner, Frauenkommission der Diözese Linz.
Abraham vertraut bedingungslos dem Ruf Jahwes und bricht in eine völlig ungewisse Zukunft auf. In der Verklärung sieht Jesus in strahlendem Licht seine Zukunft, obwohl er dem Kreuz entgegengeht. Er stärkt die Jünger, indem er sie an dieser Erfahrung teilhaben lässt. Dieser Blick auf das Ganze kann auch uns im Vertrauen auf Gott stärken.
Passend für die Fastenzeit geht es in diesen Texten um Lebensausrichtung und Lebensgestaltung. Wenn wir am letzten Sonntag im Buch Genesis von einer Existenzanalyse des Menschen gesprochen haben, geht es heute um die Erzelterngeschichte von Sara (Sarai) und Abram (der Vater ist groß), ab Gen 17,5 wird er Abraham genannt (-ham ist die Menge). So wird er zum „Vater der Menge“, also Vater des Volkes. Das ist schon ein Hinweis, dass die beiden betagten Leute Eltern werden und die Nachkommenschaft so „zahlreich wie die Sterne“ (Gen 22,17) am Himmel werden, obwohl doch alles so hoffnungslos schien. Abraham glaubte dem Herrn, das heißt, er machte sich in ihm fest. So wurden die beiden zu Erzeltern.
Man könnte auch sagen zu Ureltern der drei monotheistischen Religionen: Judentum, Christentum. Islam. „Geh fort aus deiner Verwandtschaft in das Land, das ich dir zeigen werde. (Gen 12,1). Alles soll aufgegeben werden, Aufbruch in eine neue Lebenswelt mit viel Unsicherheit.
Das Land ist das „Gelobte Land“. Kanaan wird die neue Heimat, weg vom Ort des Exils Babylon. Nach Ägypten zieht es ihn in Krisenzeiten. In diesem Aufbruch ist auch ein Trostwort enthalten, das für diese Lebensreise sehr wichtig ist. „Ich werde dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein.“ (Gen 12,2).
"Procedamus", "brechen wir auf", sagen wir am Beginn liturgischer Feiern. Jeden Tag brechen wir in eine Unsicherheit auf, weil wir nicht wissen, was der Tag bringt. So sollen wir jeden Tag unsere ganze Lebensreise unter den Segen Gottes stellen. „Segnen“ steht für Wachstum, Gutes wünschen, bene dicere ist der lateinische Ausdruck dafür.
Abraham weiß am Beginn noch nicht, wohin die Lebensreise geht. Das Kirchenlied „Voll Vertrauen gehe ich den Weg zu dir, mein Gott, am Ende dieses Weges bist du selber dann das Ziel“ drückt dieses Vertrauen, den festen Glauben sehr schön aus. Abraham ist darin vorbildhaft. Abraham und Sara erlebten auf diese Weise, dass Unmögliches möglich wird. Sie sind die Eltern von Isaak und Ismael. So entsteht eine große Nachkommenschaft, „zahlreich wie die Sterne am Himmel“.
Wie Abraham und Sara erleben auch wir, dass mancher Tiefpunkt unseres Lebens zu einem (kleinen) Höhepunkt wird, weil alles gut ausgeht. „Im Wasser und im Heiligen Geist wurdest du getauft, der Herr vollende an dir, was er in der Taufe begonnen hat.“ Dazwischen liegt eine Lebensspanne kürzer oder sehr lange.
Taufe und Lebensspanne bis zum Lebensende. Damit sind wir beim Evangelium von der Verklärung des Herrn. Nur für einen kleinen Moment wird etwas klar. Etwas wird ins rechte Licht gerückt, das EWIGE JETZT wird zum Glücksgefühl. Das Evangelium zeigt auch einen Rückblick auf die Personen Mose und Elija. Damit wird die Erinnerung an die Tora und die Propheten im Alten Testament wachgerufen. Auch an die Taufe Jesu wird erinnert. „Geliebter Sohn“, eine Stimme, die bei der Taufe Vertrauen bringt.
Es ist ein Zusammentreffen von Vergangenheit und Gegenwart als bruchstückhafter Einblick ins EWIGE JETZT. Die verängstigten Jünger erleben einen Lichtblick, einen Glücksmoment, in dem sich Klarheit zeigt. So etwas muss festgehalten werden. Heute tun wir das durch Videos und Fotos. Auch die drei Hütten sind Symbole für Geborgenheit und Sicherheit. Sie stehen für bleibende Erinnerung. Auch wir wollen uns absichern und wollen sicher sein vor einer unsicheren Zukunft. Diese Welt bietet aber nicht die Sicherheit, die wir gerne hätten, vielleicht nur zu einem ganz geringen Teil. Arbeitsplätze, Wertanlagen, Beziehungen sind nicht sicher.
Es gibt Zukunftsängste damals und heute. Junge Leute wollen in diesen unsicheren Zeiten keine Kinder, wir haben Angst, dass seitens der Politik unverrückbare Rechtsgrundsätze und Werte ihre Gültigkeit verlieren...
Die Jünger stiegen herab in die Niederungen des Alltags. Da fasste Jesus sie an, ein kurzer Körperkontakt, der den Worten Kraft verleiht. Jesus zieht die Jünger an sich. Diesen Körperkontakt suchen wir auch heute in besonders angespannten Situationen, dazu die trostvollen Worte: „Habt keine Angst!“. Ein anderer Ausdruck für „Fürchtet euch nicht!“ Das steht 365-mal für jeden Tag.
Auf diese Stimme sollten wir hören, weil sie Gottes Nähe vermittelt (vgl. Mt 17,5). Es ist die diskrete lautlose Stimme des Heiligen Geistes in uns. Diese sollten wir wahrnehmen, weil so unser Leben durch inneren Frieden, Freude und Zufriedenheit gelingen wird. Das nennen wir Glück schon hier auf Erden, das dann zur Fülle des Lebens (Joh 10,10) wird, nicht nur für einen Augenblick, sondern für immer, zeitlos. Gott offenbart sich in besonderer Weise kurzfristig in den Sternstunden unseres Lebens.
Es ist nicht leicht, wertvolle Erfahrungen loszulassen und darauf zu vertrauen, dass Gott uns in eine gute Zukunft führt. Wie Abraham stehen Jesus und seine Jünger vor einer ungewissen Zukunft. Die Versuchung ist groß, stehen zu bleiben und auf der Stelle zu treten. Es braucht viel Vertrauen, sich von Gott in eine gute Zukunft führen zu lassen.
Umzüge gehören zu meinem Leben. Bevor ich in unser eigenes Haus gezogen bin, waren es genau 18, immer mit allem, was ich hatte. Und auch das Verlassen von vertrauten Situationen, das Abschiednehmen von Menschen, Veränderungen und Trennungen ziehen sich durch mein Leben. Und weil kein Leben ohne diese Erfahrung auskommt, kennen Sie selbst sicher auch diese Erfahrung und die damit verbundenen Gefühle. Loslassen verbinden wir dabei oft mit Traurigkeit, Schmerz, Verlustangst, vielleicht aber auch mit Hoffnung und Freude über neue Erfahrungen. Denn auch das gehört zum Loslassen dazu.
Wenn wir heute von Abraham hören, einem Mann, der im hohen Alter auf Gottes Ruf hin sein vertrautes Leben verlässt, dann ist uns dieser Abraham durchaus nahe. Er lässt sein Land, seine Familie und sein Zuhause zurück, um in ein unbekanntes Land zu ziehen, das Gott ihm zeigen will. Was für ein mutiger Schritt – und was für ein großes Vertrauen! Loslassen ist eine der schwersten Herausforderungen im Leben, besonders im Alter. Abraham war kein junger Mann mehr. Er hatte ein ganzes Leben hinter sich, mit Hoffnungen, Erfahrungen und Gewissheiten. Doch Gott fordert ihn auf, loszulassen – alles Vertraute hinter sich zu lassen und sich auf einen Weg ins Unbekannte zu begeben. Eine echte Zumutung, die Gott ihm da auferlegt.
Dazu möchte ich Ihnen eine Geschichte erzählen, die ein Rabbi einem jungen Mann erzählte:
Ein alter Mann besaß einen Keller voller Wein. Der Wein war kostbar und alt – manche Flaschen so alt wie er selbst. Dieser Wein war sein Schatz, seine Erinnerung an Jugend, Freude und Stärke. Doch eines Tages merkte er, dass er den Wein nicht mehr selbst holen konnte. Seine Hände wurden schwach, seine Beine müde. Er musste den Wein jemand anderem anvertrauen. Zuerst war er voller Sorge und Angst: Würde der Wein gut bewahrt? Würde er seinen Wert behalten? Er dachte viel darüber nach, doch er konnte nicht mal mehr in den Keller gehen, um zwischen den Weinregalen zu sitzen. Nach längerer Trauer darüber erkannte er: Der Wein ist nicht nur in den Flaschen. Sein Wert liegt in der Erinnerung, in der Freude, die er schenkt, und in der Gemeinschaft, die ihn teilt. Wie viele schöne Stunden hatte er mit guten Freunden und einer guten Flasche Wein erlebt!
„Verstehst du den Sinn dieser Geschichte? Eines Tages wirst auch du diese Erfahrung machen: Besonders das Alter fordert uns auf, loszulassen – nicht nur unsere eigene Kraft, sondern auch die Kontrolle, was aus dem wird, das wir hinterlassen, ja sogar die Kontrolle über uns selbst. Doch das Leben mehr ist als unser Tun, das, was wir festhalten und beeinflussen können. Es ist am Ende auch das Weitergeben, das Vertrauen und die Liebe, die in den Erinnerungen weiterlebt.
Der Wein ist kostbar, je älter er ist, desto wertvoller ist er. So ist auch das Alter ein Schatz voller Weisheit, Tiefe und damit verbundenen Gefühlen. Und es ist ganz bestimmt gesegnet durch Gottes Gegenwart.“
Abraham hat losgelassen – sein Zuhause, seine Sicherheit, seine Pläne. Und gerade dadurch wurde er zum Vater vieler Völker, weil er auf Gottes Verheißung vertraute.
Im Evangelium hörten wir von der Verklärung Jesu auf dem Berg. Petrus möchte in diesem strahlenden Moment verweilen, Hütten bauen und festhalten, was so wunderbar ist. Natürlich gibt es Momente des göttlichen Lichtes, der Offenbarung, des Trostes – Momente, in denen wir Gottes Nähe und Verheißung ganz klar spüren. Doch auch wenn wir wollen, wir können diese Momente nicht festhalten, nicht für immer auf dem Berg bleiben. Wir müssen wieder hinabsteigen in den Alltag, in die Herausforderungen, in das Loslassen. Dort muss sich die Erfahrung der Verklärung bewähren, sich erden lassen. Nur dann hat sie die Chance, zum Segen für mich und für Andere zu werden.
Wie Abraham müssen wir vertrauen, dass Gottes Licht und Segen uns begleiten – auch wenn wir loslassen und uns auf unbekannte Wege begeben. Gott bleibt mit uns unterwegs, egal wohin uns unser Weg führt. Und wie die Jünger dürfen wir wissen: Auch wenn wir uns fürchten, sind wir gehalten von Gottes Hand. Er sagt zu uns: „Steht auf und fürchtet euch nicht!“
Das Alter, das Loslassen, die Schwäche – sie sind keine Zeichen des Endes, sondern Teil eines Weges, auf dem Gottes Licht uns verwandelt und trägt. So wie Jesus losgelassen hat, sich seinem Vater anvertraute und durch den Tod zur Auferstehung seinen Weg ging. So wie Abraham gesegnet wurde, so sind auch wir eingeladen, mutig loszulassen und auf Gottes Verheißung zu vertrauen. Er wird uns segnen.
Lasst uns dieses Leben mit Hoffnung und Zuversicht leben, getragen von Gottes Liebe – heute und alle Tage.
Ansprache zum Familienfasttag.
Jesus ist mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem, wo er leiden und sterben wird. Unterwegs steigt er auf einen Berg, wahrscheinlich den Berg Tabor. Drei Jünger nimmt er mit, Petrus, Johannes und Jakobus, die später auch am Ölberg mit ihm sein werden. Und da heißt es: Er wurde vor ihren Augen verwandelt und sein Angesicht leuchtete. Diese Verklärung wird als eine Vorschau auf die Auferstehung gedeutet.
Zunächst springt der Funke der Verklärung über. Petrus sagt: Es ist gut hier zu sein. Drei Hütten will er bauen, um die glückliche Stunde festzuhalten. Aber Sternstunden kann man nicht festhalten. Vom Berg hinunter ging es wieder ins Tal, weiter auf dem Weg nach Jerusalem.
Auch wir kennen vielleicht Sternstunden, in denen wir glücklich waren. Ein Fest, ein schöner Erfolg, eine beglückende Begegnung, ein Erlebnis in der Natur. Aber auch für uns heißt es nach einer Sternstunde: Hinunter ins Tal, in die Ebene des Alltags, wo es Sorgen, Probleme und Leid gibt. Doch wir dürfen glauben, dass unser Leben mit allen Höhen und Tiefen, mit Freud und Leid in Gottes guten Händen liegt.
Und vielleicht liegt es auch an uns, anderen Menschen Sternstunden zu ermöglichen, in unserer näheren Umgebung durch liebevolle Zuwendung, Offenheit und Hilfsbereitschaft, und Menschen in der Ferne durch solidarisches Handeln und finanzielle Unterstützung.
So komme ich zur diesjährigen Aktion Familienfasttag. Diese unterstützt indigene Frauen in Indien, die massiv von Armut, Gewalt und Ausgrenzung betroffen sind. Sie haben sich begonnen zu organisieren, um Selbstbestimmung, Bildung und politische Teilhabe zu ermöglichen.
Dazu veranstalten wir heute einen „Suppensonntag“. Frauen aus unserer Pfarre haben schmackhafte Suppen gekocht und wir laden Sie ein, diese zu verkosten, wobei der Erlös diesem Projekt zugutekommt. Auch Zahlscheine liegen auf, mit denen Sie zur Verwirklichung dieses Projektes beitragen können. So können wir den Frauen in Indien vielleicht nicht eine Sternstunde, aber Kraft und Zuversicht für eine gute Zukunft vermitteln.
© Christine Sommer, christine.sommer@namenjesu.com.
In der Fastenzeit begleiten wir Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem, wo er den Tod erleiden und auferstehen wird. Er nimmt uns mit auf den Berg der Verklärung. Die Begegnung mit Mose und Elija, die Zusicherung der Stimme aus dem Himmel geben ihm Kraft, seinen Weg weiterzugehen. Uns ergeht es dabei ähnlich wie den Jüngern. Wir können diese Begebenheit nur schwer einordnen. Wir können sie aber auch als Anleitung verstehen, wie wir tiefer in das österliche Geheimnis eintauchen können.
In den letzten Jahren haben neue Kommunikationstechniken unser Leben in vielen Bereichen tiefgreifend verändert. Wenn wir etwas wissen wollen, fragen wir Google, wenn wir Freunden etwas mitteilen wollen, schicken wir ihnen eine Nachricht mittels einer Social-Media-App, am besten gleich mit Bild, Künstliche-Intelligenz-Anwendungen schreiben Aufsätze zu beliebigen Themen, sogar schon Predigten…
Wache Menschen sind bei all diesen Möglichkeiten vorsichtig geworden. Ein gewisses Misstrauen ist angebracht. Wir hinterlassen Spuren im Internet, die Firmen, Großkonzerne und manchmal auch Betrüger ausnützen. Eine häufig unterschätzte Gefahr ist eine sogenannte Blasenbildung: Immer häufiger kommunizieren wir vor allem mit Menschen, die so denken wie wir selbst, die unsere Meinung bestätigen und nur selten in Frage stellen. Google wählt auf unsere Anfragen Antworten aus, von denen ein anonymer Algorithmus vermutet, was wir gerne hören bzw. lesen wollen. In diesem Umfeld wird es immer schwieriger, sich eine eigenständige, unabhängige, objektive Meinung zu bilden.
Im Evangelium haben wir heute die phantastische Geschichte gehört, wie Jesus mit dreien seiner Jünger auf einen Berg geht. Vor ihren Augen wird er verwandelt und begegnet Mose und Elija, zwei ganz Großen der jüdischen Geschichte. Die Jünger möchten den Augenblick festhalten, doch ehe sie es sich versehen, war wieder alles "ganz normal".
Die meisten Religionen kennen solche Erfahrungen. Man könnte nun religionswissenschaftlich oder auch psychologisch darüber diskutieren und überlegen, wie man sie einordnen könnte. Für mich ist ausschlaggebend, was der Evangelist mit seinem Bericht vermitteln will. Dazu hilft, den größeren Zusammenhang zu berücksichtigen.
Diesem Erlebnis geht der Versuch Jesu voraus, seinen Jüngern eine andere Sicht auf sein Leben, sein Tun und seine Predigt beizubringen. Er fragte sie: "Für wen halten die Menschen den Menschensohn?" (Mt 16,13). Sie sehen in ihm den von vielen erwarteten Messias. Petrus bekennt stellvertretend für die Jünger: "Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!" Jesus bestätigt ihn in dieser Überzeugung, fügt aber gleich hinzu, dass er nach Jerusalem gehen müsse, und dass er dort vieles erleiden, ja sogar getötet aber am dritten Tag auferweckt werde. Das alles passt nicht in die Erwartung der Jünger. Sie verstehen ihn nicht. Seine Belehrung, dass auch sie bereit sein müssten, das Kreuz auf sich zu nehmen und ihm nachzufolgen, geht bei ihnen ins Leere. Sie leben in einer anderen Vorstellungswelt, in einer "Blase" der Messiasbegeisterten. Dabei befinden sie sich schon auf dem Weg nach Jerusalem.
Mit diesem schweren Wissen geht Jesus mit Petrus, Jakobus und Johannes auf einen Berg, wohl um zu beten, wie schon so oft… Dort erleben die drei Jünger ihn "verwandelt", im Gespräch mit Mose und Elija. Eine Stimme aus dem Himmel wiederholt und bestätigt, was über Jesus schon bei der Taufe im Jordan gesagt wurde.
Der Evangelist erzählt nicht, wie die drei Jünger dieses Erlebnis in ihr Verständnis eingeordnet haben. Vielleicht hat es ihnen geholfen, bei all den folgenden Ereignissen in Jerusalem den Glauben an Jesus nicht zu verlieren. Für Jesus dürfen wir vermuten, war es eine innere Stärkung auf seinem Weg in das Leiden, den Tod und die Auferstehung, eine Bestätigung, dass mit Mose und Elija die jüdische Überlieferung, das "Gesetz und die Propheten" und der himmlische Vater hinter ihm stehen und dass diese mit ihm gehen.
Was kann diese Erzählung für uns heute bedeuten? Auch wir leben – meist ohne es wahrzunehmen – in gesellschaftlichen Blasen; nicht erst seit der Erfindung des Internet. Gerade unsere Glaubensansichten teilen wir vor allem mit Menschen, die ähnlich sozialisiert wurden wie wir selbst, die denken und fühlen wie wir und eine ähnliche religiöse Praxis pflegen. Viele von uns tun sich schwer, mit anderen Menschen über den eigenen Glauben zu reden; darüber, was mich zuinnerst bewegt, meine Hoffnungen, Enttäuschungen, seelischen Verletzungen. Manche haben es auch aufgegeben, so wie Jesus sich in ein persönliches Gespräch mit Gott zu begeben. Manche haben es nie gelernt, sich mit den großen Vorbildern des Glaubens auseinanderzusetzen.
Im religiösen Sinn intime Gespräche über den persönlichen Glauben, die Beschäftigung mit Fragen, die unsere Vorbilder des Glaubens in den Heiligen Schriften, der Kirchen- und Religionsgeschichte bewegt haben, und nicht zuletzt das persönliche Gespräch mit Gott tun gut, können innere Nöte des Glaubens aufhellen, einen neuen Blick auf sogenannte Glaubensgeheimnisse erschließen, bzw. in schweren Stunden Kraft geben.
Fastenzeit heißt auch, sich Zeit nehmen für Meditation, Gebet, Bibellesen, persönliche Gespräche. Wer sich darauf einlässt, wird Ostern anders, tiefer, erfüllter erleben.
Gewohntes zu verlassen, ist für uns sehr herausfordernd. Wir suchen nach Sicherheiten, Verlässlichkeiten. Im Verklärungserlebnis erfährt Jesus Stärkung durch die großen Vorbilder des Gottesvolkes. Wie bereits bei der Taufe im Jordan wird er gestärkt durch die Zusage des Beistandes Gottes und des Heiligen Geistes.
Die Niederungen des Alltags weisen sehr oft in eine unsichere Zukunft, gerade jetzt, alles wird schneller, unübersichtlicher, „rasender Stillstand“, wenig Sicherheit. Worauf kann man sich noch verlassen?
Die erste Lesung spricht schon von Unsicherheit, von Aufbruch: „Zieh weg von deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde!“ (Gen 2,1). Aufbruch heißt den Blick nach vorne richten, in die Zukunft schauen. Hier beginnt nach einer Existenzanalyse (vgl. 1. Lesung vom letzten Sonntag) die Geschichte der Erzeltern Abraham und seiner Frau Sara und seiner Nebenfrau Hagar.
Was damals galt, hat auch heute Gültigkeit. Niemand kann sich den Ort seiner Geburt aussuchen, auch nicht den Zeitpunkt. Ja, wir werden nicht einmal gefragt, ob wir leben wollen. Am Beginn des Lebens ist die Zukunft wie mit einer Nebelwand zu vergleichen. Wir werden in bestimmte Milieus hineingeboren, sind von den ersten Augenblicken unseres Lebens an auf Vertrauen und Liebe angewiesen. Das war bei Abraham genauso. Er zieht wie wir alle in eine ungewisse Zukunft aus. Die meisten Kinder ziehen auch weg, wenn sie meinen, einigermaßen selbstständig leben zu können. Vieles bleibt dennoch nicht vorhersehbar. „Geh' in ein Land, das ich dir zeigen werde“, sagt JHWH zu Abraham. Dieser vertraut, er wird deshalb auch Vater im Glauben genannt. Diese Aufforderung sagt bereits aus: Ich bin bei dir. Auch wenn du auf Wegsuche bist, dich orientieren musst und wenn du meinen Spuren, meinen Hinweisen folgst, wirst du ein Segen sein für dich selber und auch für deine Nachkommen. Segnen: bene dicere, heißt Gutes wünschen und darüber hinaus auch Gutes tun. JHWH wird dieses Land Abraham nur zeigen.
Dieses Wegmotiv führt uns zum Evangelium. Es gewährt uns einen Rückblick und auch einen Ausblick durch Mose und Elija. Mose, der sein Volk aus Ägypten in die Freiheit führt, der schon zu einer Institution geworden war, er empfängt am Berg Sinai die Gesetzestafeln, und Elija, der kämpferische Prophet, der in den Himmel entrückt wurde und einst wieder vom Himmel kommen wird - beide sind bedeutende Gestalten des Alten Testaments. Beide kommen mit Jesus ins Gespräch. Genaueres über diese Begegnungen wissen wir nicht. Die Jünger Petrus, Jakobus und Johannes als tragende Persönlichkeiten der Urgemeinde repräsentieren das Neue Testament. Sie wollen sich im Glück dieser Sternstunde etablieren.
Momente des unfassbaren Glücks, seltener Stunden, sollen fortdauern. Man will die Zeit anhalten. Die drei Hütten sind das Symbol dafür, nie mehr wegzugehen. Aber da wird auch die Vergänglichkeit spürbar. Wir halten durch die Technik diese Momente in Bild und Ton fest. Die Jünger müssen vom Berg hinabsteigen in die Niederungen des Alltags. Das ist bei uns genauso: Wunderschöne Begegnungen des Glücks werden abgelöst durch den Alltag mit seinen Herausforderungen und Anforderungen. „Alles hat seine Zeit“, lesen wir im Buch Kohelet, es vergeht alles, auch das Mühsame.
„Das ist mein geliebter Sohn“, dieses Wort erinnert an die Taufe Jesu. Jesus weiß, dass der Heilige Geist ihn führen wird. Dieser Geist Gottes will auch in uns wirken. Menschlicher Geist und göttlicher Geist solle sich ergänzen.
„Als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus.“ Ich wünsche Ihnen, dass Sie ihn im Trubel des Alltags erkennen. Glaube hat auch mit Erkennen zu tun. Erkennen und Lieben stellen im Hebräischen dasselbe Wort dar. Das Liebesgebot möge sich auch im Alltag zeigen.
Auf das Wort Gottes hin bricht Abraham auf und wird auf Grund seines Glaubens zum geistigen und leiblichen Stammvater vieler Völker. Auf Jesus sollen wir hören, erklärt eine Stimme aus dem Himmel. Hören und Glauben schaffen eine neue Wirklichkeit.
Eigentlich passt das heute alles zusammen: Abraham, ein alter, nein, ein uralter Mann, bricht mit seiner ganzen Familie auf, um Neuland zu erobern. Er ist der Patriarch. Sein Wort hat Gewicht. Größte Versprechungen begleiten ihn und die Seinen. Ein großes Volk sollen sie werden – sie, diese kleine Sippe. Wie viele Köpfe mochten es sein? Wie viele Generationen? Ob Abraham alle Geburtsdaten noch im Kopf haben konnte? Andererseits: Abraham ist nicht alleine. Er geht auch nicht alleine.
Es ist dann von Segen die Rede und davon, Segen zu werden. Eine heilvolle, heilbringende Gemeinschaft taucht sozusagen aus dem Nichts auf. Aber vorher werden die Abrahamleute Migranten. Oder Nomaden? Mag sein, dass sie es auch schon vorher waren. Immer unterwegs. Heute hier – morgen da. Aber dass Segen auf diesem Aufbruch liegt, Segen gar in die Fremde gebracht wird, macht aus dieser Geschichte eine Glücksgeschichte. Zu einem Glücksfall für die Geschichte der Menschen.
Was Abraham aufgibt, aufgeben muss? Die vertraute Heimat, die Gräber seiner Vorfahren, die alten Geschichten. Wer aufbricht, muss wissen, was er tut. Und Abraham? Er weiß nichts. Als er wohl gefragt wurde, warum er diesen Schritt wagt, konnte er nur auf Gott verweisen. Und die anderen, bis zu Ururenkeln, gehen mit. Tatsächlich erzählt die kleine Geschichte von nichts anderem als dem Mut, eine alte Welt zu verlassen und eine neue zu gewinnen, Vertrautes zurückzulassen und noch einmal an anderer Stelle das Vertrauen neu zu gewinnen. Wohin werden sie denn jetzt kommen? Wie sieht die neue Heimat aus? Werden sie willkommen sein? Über der Geschichte steht als Überschrift nur: Geh!
Von Migration, von Flucht ist in diesen Tagen viel die Rede. Idlib ist fast so vertraut wie Wien, Berlin oder Paris. Nur so viel anders! Wir können die Menschen sehen, die aufbrechen. Die irgendetwas gehört haben von einem sagenhaften Europa. Die ihr Heil in der Flucht suchen. Was könnten sie denn auch sonst tun? Die Geschichten von Gewalt und Krieg bekommen Gesichter. Von Offensiven ist die Rede, von Vergeltungsschlägen, von letzten Hochburgen. Die, die Strippen ziehen, hungern aber nicht. Sie spielen mit Menschen Schach. Die Bauernopfer sind millionenfach. Ich muss an Abraham denken. Sein Motiv, einfach aufzubrechen, bleibt mir schleierhaft. Es muss doch irgendetwas gegeben haben, was ihn und die Seinen dazu trieb? Eine Not, womöglich eine Katastrophe? Nichts davon wird erzählt. Was aber erzählt wird, erzählt von einem so großen Vertrauen, dass die Welt klein wird.
Gehören wir nicht zu seiner Familie? Abraham ist doch tatsächlich zu einem großen Volk geworden. Wir sind reich gesegnet. Wir haben unsere Wurzeln in seinem Aufbruch. Wir teilen sein Vertrauen. Manchmal reden wir dann sogar von „abrahamitischen Religionen“, um uns genau hier einzuordnen. Abraham – Vater von Juden, Christen und Muslime sind. Und es ist schön, ihn zum Vater – oder Urururururgroßvater – zu haben. Dann auch seinen Mut! Seine Stärke! Seinen Glauben!
Wie sieht das aus, wenn Menschen einander zum Segen werden? Die Frage stellt sich einfach ein, wenn Abraham auf einmal auftaucht. Er fragt danach, wie wir mit den weltweiten Fluchtursachen umgehen, wie wir uns in wirtschaftlichen Interessen verstricken, wie wir Finanzströme lenken. Er fragt danach, wie wir Wahrheit in Lüge verwandeln, Hass rechtfertigen und der Angst freies Geleit gewähren. Die Abrahamleute haben ihre Herden mitgenommen. Menschen brauchen Perspektiven, ein Zuhause, Vertrauen – immer wieder: Vertrauen. Das Wort Glaube ist ein anderes Wort dafür. Und Abraham freut sich, von uns „Vater des Glaubens“ genannt zu werden!
Kübra Gümüsay, eine Türkin, die in Hamburg lebt, hat vor wenigen Wochen ihr erstes Buch veröffentlichen können: „Sprache und Sein“. So gewichtig und akademisch der Titel daherkommt, es ist stellenweise ein fast schon zärtliches Buch. Die junge Autorin, schon weit herumgekommen in der Welt, enthüllt, wie unser Denken durch Worte geprägt wird und unsere Politik auch. Worte verletzen, sie sind wie Steine, sie machen aus Menschen ein Ding – dabei können sie doch Beziehungen knüpfen, Erfahrungen verzaubern und einen Menschen mit seinen Namen nennen. Die Sehnsucht nach einer Sprache, die jeden Menschen wahrnimmt und niemanden abqualifiziert, auch keinen Menschen in eine Schublade sperrt, ist ungebrochen– auch in einer Zeit der immer härteren, hasserfüllten Sprechweisen. Um Worte und Sätze werden Stacheldrähte gezogen, die Zungen reden sich blutig und Münder werden zu Gefängnissen.
Wir suchen Wege in ein neues Land. Wir suchen neue Worte. Mit Abraham brechen wir auf. Über der Geschichte steht: Geh!
Etwas finde ich schade: Abraham war nicht dabei, als Mose und Elia Jesus auf dem Berg der Verklärung besuchen. Dabei hätte er hier so gut hingepasst! Vielleicht auch hingehört? Mose und Eljia kommen auch nur, um Jesus zu stärken. Er ist auf dem Weg nach Jerusalem. Am Ende dieses Weges steht der Tod, steht das Kreuz. Noch einmal fällt Licht auf Jesus, so viel Licht, dass den drei Jüngern, die dabei sein können, die Augen übergehen. Diese Szene wollen sie denn auch festhalten. Konservieren. Für alle Zeiten. Drei Hütten könnten es doch richten! Denkt, sagt Petrus. Doch dann hören wir die Stimme Gottes:
„Dieser ist mein geliebter Sohn,
an dem ich Wohlgefallen gefunden habe;
auf ihn sollt ihr hören.“
Petrus, Jakobus und Johannes liegen da aber schon auf dem Boden. Ganz klein. Jesus muss sie aufheben. Er ist mit ihnen wieder allein, sie mit ihm. Das himmlische Schauspiel ist wie nie gewesen. Die drei Hütten – deplaziert. Wer sollte auch in ihnen wohnen? Da oben auf dem Berg? Die großen Figuren aus der Geschichte Gottes mit den Menschen – einfach wieder weg. Doch der Befehl, auf Jesus zu hören, ist so lebendig, dass für uns seitdem sein Wort Maßstab, Trost und Widerwort sind. Maßstab, Dinge klar zu sehen, Position zu beziehen, für Würde und Recht einzutreten; Trost, sich dabei nicht beirren zu lassen, Menschen Barmherzigkeit zu schenken; Widerwort, es mit Tod und Teufel aufzunehmen.
Jesus ist der geliebte Sohn. Dass Gott Wohlgefallen an ihm gefunden hat, gleicht einer Liebeserklärung – für uns. Für unsere Ohren. Damals, als Jesus an den Jordan kam, um sich taufen zu lassen, hat Gott ihn genauso vorgestellt. Jetzt geht dieser Weg in die letzte Etappe. Jesus wird für uns sterben. Er wird für uns auferstehen. Er ist, nach einem alten Bekenntnis, der Anführer in das Leben. Darum hat er auch das letzte Wort – und das erste ist auch von ihm.
Es ist zwar nicht so ganz richtig – verzeihen Sie mit bitte -, aber ich möchte Abraham dann doch auch noch gerne auf den Berg schicken. Vielleicht kommt er noch rechtzeitig. Aber dann kommen schon die Jünger von dem Berg, Jesus in ihrer Mitte. Abraham geht mit ihnen weiter. Die Vorstellung bekommt in meinem Herzen bunte Farben, klare Konturen. Abraham kann erzählen, wie das war, als er von Gott angesprochen wurde, ihm aufs Wort folgte und mit seiner ganzen Familie aufbrach. Es sind die Ohren, in denen eine neue Welt entsteht!
Was dieses Wort macht und schafft! Eigentlich passt das heute alles zusammen: Abraham, ein alter, nein, ein uralter Mann, bricht mit seiner ganzen Familie auf, um Neuland zu erobern. Und Jesus geht mit seinen Jüngern nach Jerusalem, um am Kreuz die Liebe Gottes zu vollenden. Zwei Geschichten, die von neuem Leben erzählen! Auch von dem Glanz, der über den Szenen liegt. Gott leuchtet aus, was uns dunkel erscheint.
Dabei bleiben meine Gedanken an dem einen Wort hängen, einem Wort Gottes:
„Ich werde dich zu einem großen Volk machen,
dich segnen
und deinen Namen groß machen.
Ein Segen sollst du sein.
Durch dich sollen alle Sippen der Erde Segen erlangen.“
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus, unserem Herrn.
Auf dem Berg der Verklärung zeigt sich Jesus einigen seiner Jünger in seiner ganzen Herrlichkeit. Der Abstieg in die Niederungen des Lebens, den Jesus in seinem Weg nach Jerusalem vollzog, zeigt erst seine ganze Herrlichkeit, indem er seine ganze Liebe offenbar macht.
Auf dem Berg der Verklärung wird den Jüngern ein Bild der Vollkommenheit vorgestellt. Zugleich erleben sie sich in Unvollkommenheit und wollen das Vollkommene festhalten. Sie müssen lernen, im Weitergehen das Unvollkommene zu überwinden.
Sind Sie imstande in einem Satz zu sagen, wie Sie sich den idealen, vollkommenen Menschen vorstellen? Wahrscheinlich kaum, es würde eher oberflächlich, viel unerwähnt bleiben oder nur armseliges Gestammel. Manche Fragen, auch die des Glücks und der Vollkommenheit brauchen viel Zeit, sogar ein Leben lang. Willst Du wie Dein Vater, Deine Mutter, wie ein Supersportler, wie ein Popstar, wie Papst Franziskus oder wie die Miss 2017 sein? Wir Menschen haben viele Erwartungen und Hoffnungen.
Die Antwort in der 1. Lesung ist kurz und prägnant: „Du sollst ein Segen sein!“ (Gen.12,3). Das waren die Worte Gottes an Abraham. Segen bedeutet Wachstum, Gefallen, Gutes sagen und tun. Das Gute ist die Nähe Gottes, und in jedem Menschen ist der Funke Gottes vorhanden. Auf diese Weise wirst Du auch Deine Zukunft und die Deiner Mitmenschen absichern, aber es kostet Mühe, Geduld, Abstieg in die Niederungen des Alltags.
Auch diese drei Jünger, die auf dem Berg Tabor waren, haben Erwartungen und Hoffnungen. Sie erleben eine Taborstunde, wir würden sagen: eine Sternstunde, wie sie nur ganz selten im Leben vorkommt. Im siebenten Himmel sein, wo Raum und Zeit bedeutungslos werden. Die Heilige Schrift spricht „vom Leben in Fülle“ (Joh.10,10). So muss es wohl auch den Jüngern ergangen sein - Verklärung des Herrn- nur für einen Augenblick wird etwas klar. Es ist ein bedeutender Tag für Jesus und seine Freunde, ein Tag des Übergangs.
Wir haben während unseres Lebens laufend Übergänge: die Geburt, die Kindheit, alle weiteren Lebensphasen bis zum letzten Atemzug, dem Hinübergang zum Herrn. Jeder Übergang hat die Bedeutung vom Vorläufigen bis zum Ende. Da wird uns bewusst, was alles bruchstückhaft und ergänzungsbedürftig ist.
Für einen kurzen Moment sehen die Jünger klar – Verklärung. Der 1. Korintherbrief (13,12-13) verdeutlicht unsere Unvollkommenheit und die der drei Jünger: „Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt ist mein Erkennen Stückwerk, dann aber werde ich durch und durch Erkennen, so wie auch ich durch und durch erkannt worden bin. Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe.“ Besser kann man menschliche Unvollkommenheit und den Hinweis auf die Vollendung gar nicht ausdrücken.
Das Evangelium geht noch weiter, wenn es von einer leuchtenden Wolke spricht und die Stimme sagt: „Das ist mein geliebter Sohn, den ich erwählt habe; auf ihn sollt ihr hören.“ (Mt.17,5). Das gilt auch für uns: Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter, den/die ich erwählt habe. Ganz ähnliche Worte kennen wir im Evangelium von der Taufe Jesu: „Du bist mein geliebter Sohn, den ich erwählt habe.“ (Mt.3,17; Mk.1,11; Lk. 3,22). Selbstverständlich gehören auch die Töchter dazu. Diese Wolke umhüllt uns mit seiner Liebe. In der feierlichen Liturgie deuten wir das durch den Weihrauch an, umhüllt, hineingenommen in die Liebe Gottes.
Das Evangelium sagt aber auch: Das ist jetzt noch nicht das Ende. Das sollten die erkennen, die bei Jesus sind. Neues erzeugt Angst. Auch die drei fürchten sich. „Sie fielen nieder auf ihr Gesicht und fürchteten sich sehr.“ (Mt.17,6). In unserer heutigen Sprache würde das heißen: Die haut´s um oder: Die setzt´s am Hintern. »Fürchten« meint hier »Respekt haben«, fasziniert sein, Furcht als Wissen um die Größe Gottes. Menschen wollen Augenblicke des Glücks festhalten. Das Bleibende wird durch die Hütte dargestellt. Übergänge sind oft sehr schwierig zu meistern. Es tauchen Ängste auf, weil es wieder zurückgeht in die Niederungen des Alltags. Augustinus dokumentiert das so: „Steig herab, Petrus, steig ab, um auf der Erde zu arbeiten und zu dienen, um verachtet und gekreuzigt zu werden auf der Erde. Das Leben [gemeint ist Jesus], steigt ab, um getötet zu werden, das Brot steigt ab, um auszugehen, der Weg steigt ab, um unterwegs müde zu werden, die Quelle steigt ab, um dürr zu werden. Und du, Petrus weigerst dich, zu arbeiten?“ (zitiert nach: Luz Ulrich in: EKK ½ S 516f).
Die Niederungen des Alltags bekamen auch Petrus und seine Urgemeinde zu spüren durch Gerichtsverfahren, Verfolgungen.
Der Übergang führt vom Bruchstück zum Ganzen. Dieser Berg ist Zeichen dafür, dass der Zustand dieser Welt nicht so bleibt. Daran erinnert und ermutigt das Evangelium als Vorbereitung auf das große Osterfest.
Abraham wird in fortgeschrittenem Alter von Gott aus seinen bisherigen Lebenszusammenhängen herausgerufen und in ein neues Land geführt. Er wagt dies unter dem Segen Gottes. Als Mensch, der so Gott vertraut, wird er selbst zum Segen für die kommenden Generationen. Auch wir können dem Segen Gottes vertrauen und so selbst zum Segen werden.
Abraham erhält einen Auftrag und eine Verheißung. Der Auftrag: Zieh fort aus deinem Land. Er muss aufbrechen, muss ganz aus seinem bisherigen Leben heraus. Er muss die Beziehungen abbrechen, zu seiner Sippe, zu seiner Verwandtschaft, zu seiner Heimat. Er muss all das loslassen, was ihn festhalten könnte, was ihn am Aufbrechen hindert, was ihn auf dem Weg ablenkt. Abraham verlässt die Sicherheit seines bisherigen Lebens. In Chaldäa, seiner Heimat, hatte er Ansehen, er war geschützt, er konnte leben. Er hatte alles, was für ihn so wichtig war: Geborgenheit, ein Zuhause, seinen Lebensunterhalt. Er hatte seine Götter, seine Religion, damit einen Sinn und eine Begründung für sein Leben. Dort, in seinem Vaterhaus hatte sein Gott seinen Sitz. Nach damaliger Auffassung waren Götter sesshaft, an einen bestimmten Ort gebunden. Aus seiner Heimat ausziehen bedeutet auch: seinen Gott verlieren.
Der Auftrag Gottes an Abraham war schwer, hat ihn fast überfordert. Gott gebietet ihm, zu verlassen, loszulassen. Wie ein Flüchtling, ein Heimatvertriebener, ein Abenteurer muss er, der 75-jährige alte Mann, sich frei machen, sich auf den Weg machen. Er muss sich genau überlegen: Was nehme ich mit, was kann ich mitnehmen? Vieles muss er zurücklassen, sich von Vielem trennen. In einem Alter, in dem man sich längst zur Ruhe gesetzt hat, erhält er den Auftrag, neu zu beginnen. Um das zu können braucht Abraham ein großes Vertrauen in die Führung dieses Gottes, der sich ihm offenbart. Er muss vertrauen, dass dieser Gott ihm beisteht auf seinen Wegen, ihn beschützt, ihn dorthin führt, wo er hin soll. Er muss vertrauen, dass Gott ihm alles neu schenkt, was er braucht, ihn in einem ganz anderen Maß beschenkt.
„Zieh weg aus deinem Land“ ist für Abraham nicht nur Verlust, sondern auch Verheißung, das reizt ihn, zieht ihn an. Sein Leben, bisher auf einen engen Raum beschränkt, gewinnt eine neue Weite, eine ganz andere Perspektive. Ihm wird ein neues Land versprochen, eine neue Heimat. Ein neues Volk wird durch ihn, den bis dahin kinderlosen alten Mann, entstehen. Eine neue Religion, eine tiefere Beziehung zu Gott, ein neues Bild von ihm, beginnt. All dies hat Abraham nicht in der Hand, er muss es nicht in den Griff nehmen, sondern warten, hoffen, bis es entsteht und wächst. Er muss vertrauen, dass Gott seine Verheißungen erfüllt.
Die Verheißung an Abraham weist ihn weit in die Zukunft hinein, weist auf das Volk Israel mit seiner langen und bewegten Geschichte, weist auf Jesus, den Messias, und weist auf die Kirche, das neue Volk Gottes, das durch Jesus entstanden ist. Erst mit Jesus und mit denen, die an ihn glauben, bestätigt sich die Verheißung an Abraham endgültig. Da hat er tatsächlich Nachkommen, so zahlreich, wie die Sterne am Himmel. Auch wir als Christen sind Kinder Abrahams, er ist, wie Paulus schreibt, „Vater unseres Glaubens.“
Abraham erfährt sich als jemand, der Gott auf seiner Seite sieht. Dieser Gott segnet ihn. Er erneuert damit, was er dem Menschen schon nach der Schöpfung geschenkt hat: seinen Segen. Damit erwartet dieser Mann mehr Leben, ein anderes, fruchtbares Leben für sich. Gott sieht nicht zu, wie einer in der Enge und Begrenztheit seines Daseins dahinvegetiert, innerhalb seiner Grenzen scheitert, sondern er will, dass der Mensch sich ändert, sich wandelt, auf dem Weg sich erneuert. Er schenkt ihm neue Anfänge, öffnet ihm eine andere Lebensperspektive.
„Du sollst ein Segen sein!“ sagt Gott zu Abraham. Das kann bedeuten, durch dich wird sichtbar, dass Gott ein Freund des Lebens ist, dass er unser Leben gelingen lassen will, dass er uns eine ungeahnte Zukunft schenken kann. Das kann bedeuten, dass die Erwählung, die Abraham erfahren hat, sich nicht nur auf ihn bezieht, sondern durch viele Generationen weiterreicht, auf viele Menschen zutrifft. Der Segen, den Gott Abraham zuspricht, ist nicht nur auf Israel beschränkt, sondern gilt für alle anderen Völker, damit auch für uns.
„Du sollst ein Segen sein,“ gilt für Sie hier, für heute. Wie ist das zu verstehen?
Allein dadurch, dass Sie an Jesus Christus glauben, ihm vertrauen, zu ihm beten, entsteht eine Verbindung zwischen dem Herrn und Ihnen. Das heißt, er strahlt in Ihr Leben hinein, er erfüllt Sie mit seinem Geist. Damit verwandelt er Sie. Was Sie vom Herrn empfangen, das wirkt in Ihre Umgebung hinein, in Ihre Familie, in Ihr Haus. Es wirkt bei den Menschen, denen Sie begegnen. Ob Ihnen das bewusst ist oder nicht, spielt keine Rolle. Wir müssen nicht alles wissen und überprüfen.
Sie werden zum Segen, wenn Sie davon überzeugt sind, dass Gott Sie liebt, dass er Sie mit seiner Liebe erfüllt. Und dann können Sie nicht anders, als diese Liebe weitergeben. Das merken die anderen Menschen. Das merkt sogar Ihr Hund, ob Sie ihn mögen oder nicht.
Wie wichtig der Segen für Sie ist, weiß ich nicht. Früher sagte man: „An Gottes Segen ist alles gelegen.“ Ich denke mir: Wenn ich etwas vorhabe, eine längere Fahrt zum Beispiel, und Gott will nicht, dann komme ich garantiert nicht vom Fleck. Wenn er aber hinter mir steht, wenn er mich begleitet, mich segnet, dann geht das gut. Ich komme ans Ziel und komme sicher wieder heim. Vieles im Leben vermögen wir nicht. Mit seinem Segen gelingt uns alles.
Die Verklärung Jesu bietet ein Bild voller Licht und Herrlichkeit. Jesus hatte mit den drei Jüngern, die er mit sich auf den Berg genommen hatte, so etwas wie eine Sternstunde erlebt. Man könnte denken: fast zu schön, um wahr zu sein. Solche Sternstunden sind sicher eine Ausnahme. Aber es gibt sie. Jede und jeder von uns hat so etwas schon im eigenen Leben erfahren. Da gibt es Augenblicke, wo alles stimmt, wo ein Gefühl von Harmonie und Glück uns durchflutet. Vielleicht war es so, als Sie zum ersten Mal verliebt waren, oder als Sie nach einer Krise wieder gewusst haben, wie es weiter gehen kann im Leben.
Solche Augenblicke sind eher selten. So schnell sie über uns kommen, so schnell gehen sie vorüber. Wir können sie nicht festhalten. Petrus wollte das. Wie gern hätte er die drei Hütten gebaut und sich auf dem Berg der Verklärung eingenistet. Es ging nicht. Zusammen mit den Anderen musste er hinunter ins Tal, hinunter in den Alltag. Genau so geht es auch uns. Für einen Augenblick kann das Leben aufleuchten in strahlendem Licht. Und schon ist es vorüber. Schon wieder umgibt auch uns der Alltag. Und da werden wir immer mit Sorgen und Problemen konfrontiert. Eng und ermüdend kommt es uns da manchmal vor, und dann fragen wir: ist das alles; ist das mein ganzes Leben?
Da kann die Versuchung groß sein, sozusagen die Flügel hängen zu lassen und einfach vor sich hin zu leben. Man hält dann gar nicht mehr Ausschau nach etwas Besserem und Größerem. Aber in uns, unserem Inneren drin, fühlen wir uns dabei frustriert und unzufrieden. Wir spüren genau, dass wir aus unserem Leben nicht das machen, was eigentlich möglich wäre und unserer Sehnsucht entsprechen würde. Wie wär's, wenn wir uns da von der Figur anstecken lassen würden, die uns heute die alttestamentliche Lesung vorgestellt hat, von der Figur des Abraham?
Der hatte schon ein gewisses Alter und sich auch eingerichtet in seinem Land und seinem Leben. Und da hinein bricht nun wie ein Blitz aus heiterem Himmel Gottes Aufforderung, Haus und Heimat und den gewohnten Alltag zu verlassen, um sich auf einen Weg zu machen, der in ein völlig unbekanntes Land und in eine total ungewisse Zukunft führt. Es muss auf Abraham wie ein Schock gewirkt haben, urplötzlich alles Vertraute hinter sich lassen zu sollen. Viele, auch sorgenvolle Gedanken werden ihm durch Kopf und Herz gegangen sein. Sollte er wirklich, trotz vorgerücktem Alter, noch einmal einen neuen Anfang wagen? Konnte er das für sein Leben und das seiner Angehörigen wirklich riskieren und einfach so der Verheißung Gottes vertrauen? Eines war für Abraham sicher klar: sein normaler Alltagstrott war total in Frage gestellt. Er stand vor der Entscheidung, etwas Neues zu wagen und sich auf einen unbekannten Weg zu machen.
Die Fastenzeit stellt uns vor eine ähnliche Situation. Sie eröffnet auch uns einen Weg, der zu etwas Neuem und Großem hinführen will, zum Osterfest. Die Fastenzeit fordert uns auf, diesen Weg des Glaubens zu gehen. Aber dazu müssen auch wir bereit sein, manch Liebgewordenes, manches, mit dem wir uns im Alltag arrangiert haben, zu hinterfragen und neu zu gestalten, in der Partnerschaft, in der Familie, im Beruf und in der freien Zeit. Sind wir bereit, in diesem Sinne Altvertrautes, Bequemes hinter uns zu lassen, aufzustehen, uns neu auf den Weg zu machen, einfach, weil Gott uns dazu einlädt?
Aber wie damals Abraham, so sagt Gott auch uns zu, dass er mit uns sein wird auf diesem Weg. Genau das verheißt das Evangelium von heute, genau das will das Bild von der Verklärung vermitteln. Petrus und die anderen Jünger mussten zwar hinunter vom Berg der Verklärung. Aber dabei waren sie nicht allein. Auch Jesus ging hinunter. Er ging den Weg mit ihnen in die Niederungen des Lebens. Er ging den Weg so weit hinab wie niemand sonst, bis ans Kreuz, aber durch das Kreuz hindurch zur Auferstehung.
Er wird also nicht immer leicht sein, dieser Weg. Im Gegenteil. Er fordert viel, letztlich alles. Aber wie Abraham Gottes Zusage vertraut hatte, so dürfen auch wir darauf vertrauen, dass wir auf dem Weg des Glaubens immer von Gott begleitet und gehalten sind, und vor allem dürfen wir darauf vertrauen, dass dieser Weg wirklich zu etwas Großem und Beglückendem hinführt.
Dafür hat die Verklärung auf dem Berg so etwas wie eine Vorschau gegeben. Es ist die Vorschau auf das, was Ostern und Auferstehung bedeuten. Sie bedeuten vor allem, dass unser Leben ausgerichtet ist auf etwas Großes und Beglückendes, auf die Gemeinschaft mit jenem Gott, der uns die Fülle des Lebens schenken will. Was das genau beinhaltet, das wissen wir nicht. Wir können es uns nicht einmal vorstellen. Und doch bietet die Verklärung Jesu dafür einen Vorgeschmack. Sie sagt uns: der Weg dazu ist offen und das Ziel wird Licht und Glück sein. Wir müssen allerdings bereit sein, aufzustehen, das Abgestandene hinter uns zu lassen und uns auf den Weg zu machen, so wie Abraham es getan hat ganz im Vertrauen auf Gott. Dann wird Ostern für uns wahrhaft zum Fest des Lebens und dann wird unser ganzes Leben sich einmal vollenden im Licht der Verklärung.
Lieder:
GL 142: Zu dir, o Gott, erheben wir
GL 266: Bekehre uns, vergib die Sünden
GL 273: O Herr, nimm unsre Schuld
GL 325: Bleibe bei uns, du Wandrer durch die Zeit
GL 357: Wie schön leuchtet der Morgenstern
GL 363: Herr, nimm auch uns zum Tabor mit
GL 364/Ö853: Schönster Herr Jesu
GL 365: Meine Hoffnung und meine Feude
GL 368: O lieber Jesus, denk ich dein (6. Str.)
GL 370: Christus, du Herrscher Himmels und der Erde
GL 372: Morgenstern der finstern Nacht
GL 393: Nun lobet Gott im hohen Thron
GL 412: Die Herrlichkeit des Herrn bleibet ewiglich (Kanon)
GL 428: Herr, dir ist nichts verborgen (3. Str.)
GL 429: Gott wohnt in einem Lichte (Str. 1, 4, 5)
GL 448: Herr, gib uns Mut zum Hören
GL 452: Der Herr wird dich mit seiner Güte segnen
GL 464: Gott liebt diese Welt (Str. 3, 4, 6)
GL 481: Sonne der Gerechtigkeit
GL 485: O Jesu Christe, wahres Licht
GL 560: Christus Sieger, Christus König
Psalmen und Kehrverse:
GL 38,1: Der Herr ist mein Licht und mein Heil - Mit Psalm 27 - IV.
GL 43: Gott hat dich gesegnet auf ewig - Ich rühme deinen Namen durch alle Geschlechter - Mit Psalm 45 - V.
GL 46,1: Lass dein Angesicht über uns leuchten, o Herr - Mit Psalm 67 - II.
GL 264,2: Du bist das Licht, die Völker zu erleuchten, du deines Volkes Herrlichkeit - Mit Psalm 8 (GL 33,2) - VII, VI.
GL 629,1: Du führst mich hinaus ins Weite; du machst meine Finsternis hell - Mit Psalm 30 - I.
GL 653,3-4: Selig, die bei dir wohnen, Herr, die dich loben alle Zeit. - Mit Psalm 84 - V.
Ebene Landschaften empfinden viele als langweilig, Berge und Hügel dagegen sind interessant. Unser Alltag ist oft wie so eine langweilige Ebene. Tagtäglich nimmt alles seinen gewohnten Lauf ohne besondere Höhepunkte.
Einen einzigartigen Höhepunkt haben Petrus, Jakobus und Johannes auf dem Berg der Verklärung erlebt. Jesus wurde vor ihren Augen verklärt. Sie durften erkennen, dass sich hinter der menschlichen Gestalt Jesu eine göttliche Wirklichkeit verbirgt, die über Leid und Tod hinausragt.
Dies ist nicht nur auf damals beschränkt. Jeder Kirchturm ist ein Fingerzeig über das Irdische hinaus. In jeder heiligen Messe rücken Lebenshingabe und Auferstehung Christi in unser Alltagsgeschehen.
Am Beginn dieser Feier treten wir vor den erhöhten Herrn und rufen:
Gerade für ältere Menschen ist die Erfahrung von Kontrollverlust, von der Aufgabe von liebgewonnenen Aufgaben und der eigenen Umgebung oft ein verstörender Prozess. Abraham kann hier als Identifikationsfigur zeigen, dass Gott auch auf dem Weg ins Unbekannte und Ungewisse führt und begleitet. Aber auch für jüngere Menschen ist der Schritt zum Erwachsenwerden mit dem Abschied von Liebgewonnenen, mit dem Wagnis von Vertrauen verbunden. Es gibt keine letzte Sicherheit, außer der Zusage, von Gott getragen zu sein.
Wir feiern diesen Gottesdienst am 2. Fastensonntag. Sein alter Name ist: Reminiscere. Gedenke! Gedenke, Herr!
Wir sind im Bann des Coronavirus. Angst geht um. In Syrien, in der Türkei sind viele Menschen auf der Flucht oder hausen in übervollen Lagern. Europa sichert die Grenzen. Angst geht um. Unsere Welt ist so klein, dass sie auf einen Bildschirm passt. Gedenke, Herr!
Herr Jesus Christus,
du führst hinaus ins Weite, du machst unsere Finsternis hell.
Herr, erbarme dich.
Auf dem Berg der Verklärung hast du dich in deinem göttlichen Glanz gezeigt.
Christus, erbarme dich.
Im Tod am Kreuz bist du hinabgestiegen in die tiefste Not der Menschen
und in der Auferstehung hast du dich als der auserwählte Sohn des Höchsten erwiesen.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
als das menschgewordene Wort des Vaters rufst du uns.
Herr, erbarme dich.
Du machtest uns die Liebe und Gnade des Vaters offenbar.
Christus, erbarme dich.
Du hast den Tod ein für alle Mal bezwungen
und uns das unvergängliche Licht gebracht.
Herr, erbarme dich.
Herr,
wir sehen, wie vieles aus dem Ruder läuft.
Mit klugen Worten verstecken wir unsere Hilflosigkeit.
Herr, erbarme dich.
Herr,
dein Wort ist redlich, dein Tun verlässlich.
An dir wollen wir Maß nehmen.
Christus, erbarme dich.
Herr,
uns wächst vieles über den Kopf.
Bewahre uns davon, ihn in den Sand zu stecken.
Herr, erbarme dich.
Im Psalm (33) heißt es:
Das Wort des HERRN ist redlich,
all sein Tun ist verlässlich.
Er liebt Gerechtigkeit und Recht,
erfüllt von der Huld des HERRN ist die Erde.
Herr, Jesus Christus,
du hast deinen Jüngern deine Herrlichkeit geoffenbart.
Herr, erbarme dich.
Du bist ihnen als der von Gott geliebte Sohn gegenüber getreten.
Christus, erbarme dich.
Du hast uns Anteil am Wohlwollen Gottes gegeben.
Herr, erbarme dich.
Gott, du hast uns geboten,
auf deinen geliebten Sohn zu hören.
Nähre uns mit deinem Wort
und reinige die Augen unseres Geistes,
damit wir fähig werden,
deine Herrlichkeit zu erkennen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 2. Fastensonntag
Allmächtiger Gott,
bei der Verklärung deines eingeborenen Sohnes
hast du durch das Zeugnis der Väter
die Geheimnisse unseres Glaubens bekräftigt.
Du hast uns gezeigt, was wir erhoffen dürfen,
wenn unsere Annahme an Kindes statt
sich einmal vollendet.
Hilf uns, auf das Wort deines Sohnes zu hören,
damit wir Anteil erhalten an seiner Herrlichkeit.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 6. August, Verklärung des Herrn
Gütiger Gott,
durch das Wirken deiner Gnade
schenkst du uns schon auf Erden
den Anfang des ewigen Lebens.
Vollende, was du in uns begonnen hast,
und führe uns hin zu jenem Licht,
in dem du selber wohnst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Samstag in der 2. Fastenwoche
Allmächtiger Gott,
du schenkst uns die heiligen vierzig Tage
als eine Zeit der Umkehr und der Buße.
Gib uns durch ihre Feier die Gnade,
daß wir in der Erkenntnis Jesu Christi voranschreiten
und die Kraft seiner Erlösungstat
durch ein Leben aus dem Glauben sichtbar machen.
Darum bitten wir durch ihn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 1. Fastensonntag
Gott,
wir glauben an Jesus Christus,
den du uns als deinen Sohn geoffenbart hast.
Hilf uns, ihm in der Stille und im Gebet zu begegnen,
damit wir anderen Menschen von ihm erzählen können,
der mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit. – Amen.
Guter Gott,
schon in den Propheten hast du den Menschen
ein Beispiel für ein Leben nach deinem Willen verkündet.
Durch Jesus Christus hast du uns in besonderer Weise alles verkündet,
was uns zum Heil führen will.
Oft erscheint uns der Weg, den wir gehen müssen, zu steil und kraftzehrend.
Schenke uns in diesem Gottesdienst wieder einen klaren Blick
für das, was du uns zusprichst
und stärke uns mit dem Brot, das lebendig macht.
Das erbitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Manchmal, Gott, der du von Anfang an Liebe bist,
fällt uns das Beten schwer.
Zu vieles stürmt auf uns ein,
zu vieles verstehen wir nicht.
Wir sind in unserer kleinen Welt geborgen,
aber die große liegt wie ein Schatten über uns.
Hilf uns aufzubrechen!
Aus Lethargie, Resignation und Überforderung.
Hilf uns anzukommen!
In einer Welt neuer Gedanken,
mutiger Schritte,
unverzagter Hoffnung.
Du schenkst uns Abraham heute als Vorbild.
Er ist in das Land gezogen, das du ihm gezeigt hast.
Das erbitten wir auch für uns
in Christus, der immer mit uns geht.
Jesus Christus,
wir beten für Menschen, die durch Mühsal und Dunkel gehen,
und bittendich:
Herr, lass sie dein Licht schauen.
Menschen gehen durch das Dunkel von Krankheit und Leid, Erschrecken und Angst. Für sie bitten wir:
Menschen gehen durch das Dunkel von Krieg und Gewalt, Vertreibung und Heimatlosigkeit.
Wir beten in für alle Bedrohten in den Kriegsgebieten:
Menschen gehen durch das Dunkel von Armut und Hunger.
Für sie bitten wir.
Menschen gehen durch das Dunkel von Depressionen, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.
Für sie bitten wir:
Menschen gehen durch das Dunkel der Trauer um einen lieben Verstorbenen.
Für sie und für alle unsere Toten bitten wir:
Gott, du verheißt auch uns Licht und Leben.
Lass uns im Glauben daran festhalten und dich einst in Ewigkeit schauen, wie du bist.
Gott, unser Vater,
du bist die Quelle unseres Lebens und die Kraft in jeder Lebensphase. Du rufst uns immer wieder zum Aufbruch, auch wenn der Weg uns unbekannt und schwer erscheint.
Dich bitten wir:
Hilf uns, loszulassen, was uns bindet; unsere Ängste, unsere Sicherheiten, unsere Vorstellungen
Schenke uns Vertrauen, wie Abraham es hatte, der mutig deinem Ruf gefolgt ist, auch im Alter.
Segne alle, die sich heute mit Abschied, Gebrechlichkeit und Veränderung auseinandersetzen. Sei ihnen nahe mit deiner Liebe, damit sie spüren, dass du sie hältst, auch wenn sie schwach sind.
Wie du den Jüngern auf dem Berg der Verklärung begegnet bist, so lass auch uns deine Gegenwart erfahren als Trost, als Kraft und als Hoffnung für jeden neuen Tag.
Gib uns den Mut, aufzustehen, wenn wir fallen, und die Zuversicht, dass du uns niemals verlässt.
Lass uns in deinem Licht wandeln und deinen Segen weitergeben, damit unser Leben, in jedem Alter, ein Segen für andere ist.
Schenke unseren Verstorbenen einen Ort des Lichtes und der Erfüllung bei dir.
Darum bitten wir dich im Namen deines Sohnes Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und uns liebt in Ewigkeit. – Amen.
Guter Gott und Vater,
Jesus, dein Sohn, hat Glanz und Elend des menschlichen Lebens mit uns geteilt.
Wir bringen dir unsere Bitten vor:
Wir beten für alle, die in der Ukraine gegen einander kämpfen.
Um Auswege aus der Spirale der Gewalt.
Wir beten für die Bevölkerung in den Erdbebengebieten der Türkei und Syriens:
Um internationale Hilfe und Solidarität.
Wir beten für die Opfer des Zugunglücks in Griechenland.
Um Heilung der Verletzten und um Trost für alle Trauernden.
Wir beten für alle Menschen, die einen schweren persönlichen Weg vor sich haben:
Um Mut, Kraft und Hoffnung auf ein gutes Ende ihres Weges.
Wir beten für die politischen Verantwortungs- und Entscheidungsträger:
Um Klugheit und den Mut, auch unangenehme Aufgaben anzugehen.
Wir beten für alle, die in der Kirche Menschen führen und leiten:
Um Klarheit und Hingabe an ihre Berufung.
Wir beten für unsere verstorbenen Angehörigen, Freunde, Lehrer und Seelsorger:
Um das verheißene Leben in der Herrlichkeit Gottes.
Jesus hat seine Jünger aufgefordert:
Steht auf, habt keine Angst!
Gib auch uns den Mut und die Kraft, unseren Weg mit dir zu gehen. – Amen.
Wie Abraham sollen wir in dieser Fastenzeit neu aufbrechen und nach dem Weg suchen, den Gott uns ganz persönlich in unserem Leben zugedacht hat.
Ihn bitten wir:
Für alle, die in deiner Kirche nach neuen Wegen der Verkündigung suchen und so das Geschenk ihres Glaubens mit anderen teilen wollen.
Für alle, die sich mit den durch die Klimakrise, den Teuerungen und den nahen Krieg hervorgerufenen Veränderungen in unserer Gesellschaft schwertun und der Hilfe anderer bedürfen.
Für unsere Kinder und Jugendlichen, denen durch den Empfang der Erstkommunion oder den Empfang des Sakraments der Firmung eine neue Beziehung zu dir und deiner Kirche ermöglicht wird.
Für alle, die in ihrem spirituellen, familiären oder beruflichen Leben vor einem Neuanfang stehen um Vertrauen und Zuversicht.
Für unsere Verstorbenen um Frieden und Ruhe nach den vielen Wegen ihres irdischen Lebens.
Wenn wir unser Leben unter deinen Segen stellen, werden wir zum Segen für alle, denen wir begegnen. Dafür danken wir dir und preisen dich jetzt und allezeit. - Amen.
Abraham hört Gottes Wort und macht sich auf.
Jesus wird leuchtend hell vor unseren Augen.
Auf ihn sollen wir hören!
Darum beten wir heute:
Herr,
es wird viel geredet in der Welt. Mal professionell, mal stammelnd. Die Welt ist voller Worte.
Mal beschwichtigend, mal erbarmungslos. Menschen haben Angst, dass sie in Worten ertrinken.
Herr, du liebst Recht und Gerechtigkeit.
Herr,
Viele Menschen sind auf der Flucht. Die Zahlen sind kaum fassbar. Die vielen kleinen Geschichten, die erzählt werden, gehen unter. Auf dem Rücken von Menschen werden Kriege geführt und Macht demonstriert.
Herr,
Die EU schützt ihre Außengrenzen. Was 2015 geschehen ist, soll sich nicht wiederholen. Aber es gibt keine Einigkeit unter den Völkern. Viele Menschen, viele Orte möchten aber helfen, aufnehmen, integrieren.
Herr,
weltweit geht das Coronavirus um. Die Welt ist global und vernetzt. Menschen müssen sich jetzt noch mehr vor einander schützen. Die wirtschaftlichen Folgen sind unabsehbar.
Herr,
in unseren Krankenhäusern und Heimen suchen Menschen Heilung und Pflege. Ärzte und Pflegekräfte arbeiten oft am Limit. Viele Menschen sterben auch bei uns einsam und verlassen.
Abraham entdeckt mit seinen Leuten eine neue Heimat.
Außer dem Wort Gottes hat er nichts, was seinen Schritt rechtfertigt.
Jesus geht den Berg hinunter, auf dem er verklärt wurde.
Er geht den Weg des Leidens weiter.
Aber er führt uns in das Leben, in die Hoffnung, in das Reich Gottes.
Ihn hören wir,
Wort der Liebe!
Unerwartete und neue Lebenssituationen bereiten uns oft Angst und Verunsicherung. Wie seinen Jüngern spricht Jesus auch uns zu: „Fürchtet euch nicht!“
Im Vertrauen auf sein Wort lasst uns ihn bitten:
Für deine Kirche, die heute im Gespräch der Religionen und Weltanschauungen ihre exklusive Rolle verloren hat.
Für die Menschheit, die ihre Begrenztheit beim Umgang mit neu auftretenden Infektionen und unvorhersehbaren Naturkatastrophen erkennen muss.
Für alle Menschen, die sich von neuen Aufgaben und eingreifenden Veränderungen in ihrem Leben bedroht fühlen.
Für uns selbst um eine neue Entschiedenheit in unserem Glauben, die uns stärkt und uns auf dich vertrauen lässt.
Für unsere Verstorbenen, für die wir erhoffen, dass sie am Lichtglanz deines göttlichen Wesens Anteil erhalten.
Herr Jesus Christus!
Begleite uns in diesen Tagen der Vorbereitung auf das Fest deiner Auferstehung. Denn in deinem Leben, Sterben und Auferstehen dürfen wir die Größe und Macht göttlicher Liebe erahnen.
Dir sei Lob und Dank bis in alle Ewigkeit. - Amen.
Herr,
das Opfer, das wir feiern,
nehme alle Schuld von uns.
Es heilige uns an Leib und Seele,
damit wir uns in rechter Weise auf das Osterfest vorbereiten.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Fastensonntag
Gott, unser Vater,
sende über uns und diese Gaben
das Licht deiner Herrlichkeit,
das in deinem Sohn aufgestrahlt ist.
Es vertreibe das Dunkel der Sünde
und mache uns zu Kindern des Lichtes.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 6. August, Verklärung des Herrn
Allmächtiger Gott,
nimm die Gaben an,
die wir nach deinem Willen darbringen.
Vollende in uns das Werk der Erlösung und der Heiligung
durch die Geheimnisse,
die wir zu deiner Verherrlichung feiern.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 27. Sonntag im Jahreskreis
Herrn, unser Gott,
im heiligen Opfer, das wir feiern,
nimm auch unsere Mühen an,
damit der äußere Verzicht,
den wir in diesen vierzig Tagen auf uns nehmen,
uns durch deine Gnade innerlich erneuere.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Donnerstag in der 2. Fastenwoche
Herr,
du liebst es, uns zu überraschen!
Wir sehen Brot –du wirst es sein!
Wir sehen den Kelch – du wirst es sein!
Dein Wort vollbringt Wunder!
Sprich du das Wort,
das uns in Brot und Wein dich schenkt,
deine Liebe, deine Wahrheit.
Mach aus uns, Herr,
Brot, das den Hunger stillt,
Wein, der Mund und Herz wärmt.
Komm, unser Herr!
Guter Gott,
auf dem Berg der Verklärung hast du Jesus
vor den Augen der Jünger verherrlicht.
Wir bitten Dich, nimm mit diesen Gaben auch uns an
und verwandle uns,
damit wir an seiner Herrlichkeit teilhaben können.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Kehrvers:
Alle Enden der Erde schauen Gottes Heil. (GL Ö800)
Oder: Jubelt dem Herrn, alle Enden der Erde, schauen Gottes Heil. (GL 55,1))
Guter Gott, wir kommen zu dir, um dir zu danken
und deine Größe zu preisen.
Einst hast du Abraham herausgerufen
aus seinem Volk und aus seinem Vaterhaus,
um ihn zu einem großen Volk
und zum Segen für alle Geschlechter der Erde zu machen.
Kehrvers
Mose und Elija hast du deine Herrlichkeit schauen lassen
Sie haben dein Volk durch schwierige Zeiten geführt
und ihm deinen Willen geoffenbart.
Kehrvers
Auf dem Berg der Verklärung
hast du Jesus als deinen geliebten Sohn geoffenbart,
an dem du Gefallen gefunden hast.
Kehrvers
Durch ihn hast du deinen Plan mit den Menschen vollendet.
Er ist durch Leiden und Tod hindurch
in deine himmlische Herrlichkeit eingetreten.
Kehrvers
Durch ihn hast du auch uns den Himmel aufgeschlossen
und lässt uns jetzt schon erahnen,
Was du denen bereitet hast, die dich lieben.
Kehrvers
Dafür loben und preisen wir dich
mit allen Engeln und Heiligen.
Zusammen mit der ganzen Schöpfung singen wir zu deinem Lob:
Danklied, z. B.: Gott wohnt in einem Lichte (GL 429)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er hat den Jüngern
seinen Tod vorausgesagt
und ihnen auf dem heiligen Berg
seine Herrlichkeit kundgetan.
In seiner Verklärung erkennen wir,
was Gesetz und Propheten bezeugen:
daß wir durch das Leiden mit Christus
zur Auferstehung gelangen.
Durch ihn rühmen wir deine Größe
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Fastensonntag 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er enthüllte auf dem Berg der Verklärung
seine verborgene Herrlichkeit,
er ließ vor auserwählten Zeugen
seinen sterblichen Leib im Lichtglanz erstrahlen
und gab den Jüngern die Kraft,
das Ärgernis des Kreuzes zu tragen.
So schenkte er der ganzen Kirche die Hoffnung,
vereint mit ihrem Haupt die ewige Verklärung zu empfangen.
Darum preisen wir deine Größe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB 6. August, Verklärung des Herrn
Ja, es ist recht, dir, Vater im Himmel,
zu danken durch unseren Herrn Jesus Christus.
Auf dem Berg der Verklärung ist er Mose und Elija begegnet
und seine Größe und Herrlichkeit wurden offenbar.
Gestärkt durch diese Begegnung und durch die Gewissheit deines Wohlgefallens
ist er den Weg seiner Sendung zu Ende gegangen bis zum Tod am Kreuz.
Du hast ihn endgültig verherrlicht und zu Deiner Rechten erhöht.
Seine Aufrichtigkeit gibt auch uns die Kraft, unseren Weg in Treue zu gehen,
und die Hoffnung, dass wir einmal mit ihm verherrlicht werden.
Durch ihn rühmen wir deine Größe
und singen in Gemeinschaft mit allen Propheten, Aposteln und Heiligen
das Lob Deiner Herrlichkeit.
Ich möchte gerne frei sein von der Angst
gegen den Strom zu schwimmen,
damit ich tun kann, was recht ist.
Ich möchte gerne frei sein vom Zwang
immer an mich zu denken,
damit ich auch die anderen nicht übersehe.
Ich möchte gerne frei sein von der Versuchung
stets den bequemsten Weg zu gehen,
damit ich mich mit gutem Gewissen
freuen kann über das Erreichte.
Ich möchte gerne frei sein von der Lieblosigkeit
gegenüber denen, die mir nicht liegen,
damit ich glaubwürdig sein kann.
Ich möchte gerne frei sein von Neid und Habsucht,
damit ich bereitwillig teilen kann
mit denen, die es so dringend brauchen.
Ich möchte gerne frei sein von Schuld und Versagen,
damit ich fröhlichen Herzens
täglich neu beginnen kann.
Herr,
du hast uns im Sakrament
an der Herrlichkeit deines Sohnes Anteil gegeben.
Wir danken dir,
daß du uns schon auf Erden teilnehmen läßt
an dem, was droben ist.
Durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Fastensonntag
Herr, unser Gott,
in der Verklärung deines Sohnes
wurde der Glanz seiner Gottheit offenbar.
Lass uns durch den Empfang der himmlischen Speise
seinem verherrlichten Leib gleichgestaltet werden.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB 6. August, Verklärung des Herrn
Gütiger Gott,
wir haben die heilige Speise empfangen,
das Brot für das Leben der Welt.
Tilge durch dieses Sakrament unsere Schuld
und komm der Schwachheit unseres Leibes zu Hilfe,
damit wir einst teilhaben an der Verklärung deines Sohnes,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 4. Dienstag der Fastenzeit
Menschenfreundlicher Gott,
es ist gut, dass wir hier waren.
Dass wir deinen Zuspruch neu erfahren durften.
Wir bitten dich, schenke uns Stärkung durch deine segnende Liebe
und leite uns auch auf steilen Wegen.
Öffne unseren Mund,
dass wir dich und deinen Sohn in der Kraft des Hl. Geistes verkündend in die Welt tragen
und durch unser Handeln bezeugen.
So wie wir dir, Gott, Schöpfer, Tröster
und Liebhaber des Lebens,
die letzte Woche anvertrauten,
so legen wir die neue ans Herz.
Wir wissen nicht, was sich alles in
unseren Kalendern versteckt,
aber unsere Zeit steht in deinen Händen.
Segne uns,
segne die Menschen, die wir lieben,
segne auch die Menschen, die uns fremdbleiben.
Schenke uns den Glauben Abrahams!
Schenke uns Ohren für dein Wort!
In Christus,
Weg, Wahrheit und Leben.
Gott segne das Dunkel
Gott segne das Dunkel, das du nicht verstehst,
und lasse dich schauen
Sein Licht.
Gott segne deine Schwäche
und lasse dich erfahren
Seine Kraft.
Gott segne deine Schmerzen
und lasse sie zum Weg werden
zu Ihm.
Gott segne deine Fragen
und öffne dir Ohren und Herz,
dass du Seine Antwort verstehst zu Seiner Zeit.
Gott segne die Ungewissheit
und mache dich gewiss
Seiner Gegenwart.
Gott segne deine Hoffnung
und lasse dich vertrauen,
dass größer als deine Wünsche Seine Liebe ist.
Gott segne deine schlaflosen Nächte
und lasse den Glauben in dir wachsen,
dass ER dich führt.
Wilma Klevinghaus, in: Peter Müller: Wer aufbricht, kommt auch heim
Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht (M 17, 2)
Dich schauen, mit Dir sprechen, mein Jesus! In dieser Schau verharren, versunken in Deine unauslotbare Schönheit! Und niemals, niemals davon ablassen! Dich sehen, Du mein Christus! Dich sehen und in liebender Verwundung bei Dir bleiben!
Und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.
Herr, ich will auf alles hören, was Du mir sagen möchtest. Rede, ich horche auf Deine Stimme. Dein Wort möge sich mir tief einsenken und mich beleben, damit ich Dir bereitwillig gehorche.
Dein Angesicht, Herr, will ich suchen (Ps 27, 8).
Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott: Wann darf ich kommen und Gottes Antlitz schauen? (Ps 42, 3)
Gern schließe ich die Augen und stelle mir die Stunde vor, in der ich Ihn nicht mehr wie in einem Spiegel und in rätselhaften Umrissen schaue, sondern von Angesicht zu Angesicht. (1 Kor 13, 12)
Verfasser unbekannt
Wenn ich einst in den Himmel komme, dann wird das kein Umzug aufs Altenteil, sondern ein Nach-Hause-Kommen. Denn Himmel ist der Codename Gottes und kein Ort, wo es Paradiescreme gibt. Schwerelos, erlöst und angekommen werde ich sein – weil ich Gottes Aussicht teilen darf.
Die Dinge sehen anders aus. Kleiner, aber übersichtlicher. Weiter weg, aber geordneter. Gelassener, grenzenloser. Ich werde lernen, wie das geht: Sich über die Menschen freuen, sich über sie ärgern, aber nicht an ihnen verzweifeln. Und an sie glauben.
Ich werde mich an Gottes sanftem Blick wärmen und den Eisverkäufer, meine Exfrau und die grobe Nachbarin mit anderen Augen sehen. Meine ärgsten Feinde, all die Bösewichter der Geschichte, sind auch da, schließlich ist das ganze keine Talentshow.
Der Eintritt: macht frei.
Susanne Niemeyer
Im Gebet
hineingenommen sein
in das Geheimnis Gottes
Erleuchtung
Verwandlung
Verklärung
Sternstunde
Sie festhalten wollen
taugt nicht
Die Erinnerung
an die Erwählung
trägt
durch die Wolke
durch die Furcht
durch die dunkelsten Stunden
Auf ihn
sollt ihr hören.
Dorothee Becker
Barmherziger Gott,
Du führst uns heute auf einen hohen Berg,
stellst für uns Jesus ins Licht,
hebst ihn heraus
und lässt uns ihn hören.
Sein Wort heilt, was unser Leben zerreißt,
stiftet Frieden
und schenkt uns die herrliche Freiheit
deiner Kinder.
Dir vertrauen wir unsere Verschlossenheit,
unseren Kleinglauben und unsere Mutlosigkeit an.
Um offene Ohren, weite Herzen
und einen klugen Verstand bitten wir dich.
Im Namen Jesu Christi … Amen.
Dorothee Becker
Vor dem Weg hin zum Kreuz, hin zur Niederung des Leidens,
sehen die Jünger ihn verwandelt, Jesus, herrlich, auf dem Berge.
Und in Ahnung:
Ja, so wird es sein für alle, die vertrauen,
dass im Leiden Gott sie stützt,
dass das Kreuz ist nicht das Ende,
sondern Weg zum vollen Leben,
sagen sie: Hier ist es gut sein,
lass uns, Herr, drei Hütten bauen.
Auf dem Weg zum Kreuz und Leid
hinterm Kreuz das Leben sehen -
dafür schenk mir, Herr, den Blick.
Dass die Krankheit,
all das Dunkel, was mich momentan bedrückt,
nicht die Kraft mir nimmt
zum Hoffen und zum Träumen von dem Leben,
das du jedem hast verheißen.
In dem Wissen, einmal wird mein Leben wieder licht und hell,
lässt vielleicht sich leichter tragen,
was zur Zeit so schwer und dunkel.
Und, wenn's nicht mehr weitergeht,
nimm mich mit, Herr,
auf den Berg der Verklärung und des Lebens.
Verfasser unbekannt
wer schon einmal eine Anhöhe -
geschweige denn einen Berggipfel –
bestiegen hat
weiß um die Mühe
die man auf sich nehmen muss
sicherer Halt
gemäßigter Gang
sind die Grundvoraussetzungen
schweißtreibend
sind solche Unternehmungen
und dann
ankommen
noch außer Atem wahrscheinlich
und
im „Einlassen“ öffnet sich eine neue Welt
atemberaubend
in der Weite die sich öffnet
eine Weite
die auch mein Inneres mehr und mehr
öffnet
empfänglich werden
zum „Schwamm“ werden
der alles aufsaugt
alle schier unfassbaren Eindrücke
empfänglich werden für alles
ja
Jesus
ich möchte mit dir auf einen Berg steigen
und sagen:
„Herr, es ist gut, dass wir hier sind.“
möchte hören auf das
was du mir in diesem Erleben zusprichst
meine Empfänglichkeit
meine Aufmerksamkeit
auf dich richten
dann wandelt sich vielleicht mein Blick
und ich darf klarer sehen
finde eine neue Perspektive für mein Leben
doch dann
Jesus
verbiete mir nicht zu sprechen
fordere nicht mein Schweigen
dann lass mich
ohne Furcht
in die Alltäglichkeit hinabsteigen
und alles in die Welt rufen
was ich
mit dir
und
durch dich
erfahren durfte
Beatrix Senft 2023 zu Mt 4,1-11.
Jesus nimmt drei seiner Jünger mit auf einen hohen Berg. Fernab vom Alltag. Hinein in die Stille, die Einsamkeit und Weite. Sie sehen Jesus in einem anderen, neuen Licht. Seinen Glanz und seine Herrlichkeit. „Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht.“ (Mt 17,2).
Mose und Elija erscheinen. Mose, der auf Gottes Wort hin das Volk aus der ägyptischen Knechtschaft herausgeführt hat, dem Volk Gottes Wort und Gottes Gebote gebracht hat. Elija, der als Prophet Gottes Wort verkündet und die Verehrung und Anbetung Gottes eingefordert hat, dessen Wiederkunft erwartet wurde.
Nun reden Mose und Elija mit Jesus. Jesus, der das Wort Gottes, ganz Gott ist. „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater...“ (Joh 1,14). Jesus, der das Gesetz und die Weissagungen der Propheten erfüllt. „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben! Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.“ (Mt 5,17).
Petrus erkennt den besonderen, einzigartigen Moment und will drei Hütten bauen – eine dauerhafte Bleibe schaffen.
Als ihnen die Gegenwart Gottes in der Wolke begegnet und sie die Stimme hören: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören“ (Mt 17,5), bekommen die Jünger Angst.
„Auf ihn sollt ihr hören.“ (Mt 17,5) - das galt den Jüngern. Und es gilt auch uns.
Warum soll man auf Jesus hören? Zu ihm ge-hören?
„Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden kommen und bei ihm Wohnung nehmen.“ (Joh 14,23). Wer auf Jesus hört, mit ihm unterwegs ist, braucht keine Hütten bauen, weil Gott in Jesus gegenwärtig und da ist.
Nicht nur auf hohen Bergen, in den Hochzeiten des Lebens, sondern auch in den Niederungen des Alltags. In den dunklen Tälern des Leids. Den durchkreuzten Wegen, Kreuzwegen. Auf den Golgotahügeln.
In all dem und trotz dem bleibt Jesus gegenwärtig. Er gibt uns schon jetzt Anteil an seiner Herrlichkeit. Die immer wieder in unserem Leben aufscheint. Und die wir am Ende des dunkelsten Tales und am Ende unseres irdischen Lebens vollkommen erkennen und sehen werden.
Deshalb: „Das ist mein geliebter Sohn, ... auf ihn sollt ihr hören.“ (Mt:17,5).
Elke Uhl 2023.
Jesus bekommt auf dem Berg, was wir alle dringend benötigen: den Zuspruch, geliebt zu sein. Das verhindert nicht, dass er den Weg durch Folter und Kreuzigung gehen muss. Er wird gegeißelt werden, die Dornenkrone tragen und am Kreuz sterben. Wahrscheinlich kann keiner von uns eine solche Situation nachempfinden. Wir alle aber kennen Situationen, in denen es uns ganz schlecht ging, in denen wir, wie man landläufig sagt „durch die Hölle“ gegangen sind. Da tut es gut, zu spüren, dass man nicht allen Menschen egal ist, dass es da jemanden gibt, der an einen denkt, einen vielleicht sogar begleitet.
Es ist gut, zu wissen, dass man geliebt und nicht allein ist, egal, was passiert.
Dazu gehört ein großes Vertrauen. In einem solchen Vertrauen kann man auch sein Leben radikal ändern - wie Abraham. Er zog los, ganz ohne Sicherheiten, nur mit der Zusage Gottes, dass es richtig sei. Er hat sich darauf verlassen. Wie schön wäre es, wenn auch wir uns auf die Zusage Gottes verlassen könnten, dass er bei uns ist. Lassen wir uns drauf ein, erspüren wir seine Gegenwart.
Edith Furtmann 2023.
Federleicht
wie Vogelfedern
erdenschwer
wie Ackerschollen
strahlend helle
Taborstunden
im Dunkel geweinte
Kreuzestode
Gewissheit
der Verwandlung
der Wiederkunft
der Auferstehung
Ilse Pauls (unveröffentlicht)
Grund genug
für meinen Glauben …
‚Kann das sein - seh ich recht?‘
Was wird mir da weiß gemacht?
Fragen
die verwirren
und bei genauem Hinsehen
zur Erkenntnis führen
Wir laufen nicht einem Irren nach
der uns hinters Licht führt
Wir folgen Spuren
die ins LICHT führen
durch ALLES hindurch
durch
Mühsal und Schmerz
durch
Verzweiflung
Kreuz und Tod
Das letzte Ziel heißt
LEBEn
das darfst du glauben
Ein-Blick
in den Himmel
sei dir gewährt
jetzt schon
ein Gipfelerlebnis
in der Tiefe
deiner Seele
Nicht nur an diesem SONN-Tag
© Sr. Maria Schlackl SDS
https://salvatorianerinnen.at/engagement/verkuendigen-als-frau-in-der-kirche/lebensimpulse-sms/
Licht-Momente
selber erleben
im Augenblick
des Erzählens
verblassen sie bereits wieder
Selbst auf den Berg steigen
sich mitnehmen lassen
sich dem Geschehen
aussetzen
wandelt
Fragen in Staunen
Staunen in Erkennen
Erkennen in wahre Licht-Blicke
‚Auf IHN sollt ihr hören‘
der Lichtblick
nicht nur - im Leid
Schenken wir
auch einander
Lichtblicke
© Sr. Maria Schlackl SDS
https://salvatorianerinnen.at/engagement/verkuendigen-als-frau-in-der-kirche/lebensimpulse-sms/
Ein Blick in den Himmel
wird uns heute gewährt
ein Lichtstrahl erhellt
eine Stimme bestätigt
eine Verwandlung irritiert
das Gewohnte
Ein kurzer AusBlick
in die Tragfähigkeit
ewig gültigen LEBENS
um
meine Alltagswege
zugemutete Kreuzwege
lichtgestärkt
überzeugt - verwandelt
ziel-sicher
weiter
gehen zu können
© Sr. Maria Schlackl SDS
https://salvatorianerinnen.at/engagement/verkuendigen-als-frau-in-der-kirche/lebensimpulse-sms/
Als ich die Ruinen von Palmyra erreichte, war ich von der langen Reise so erschöpft, dass ich mich ins Gras legte, das zwischen den Säulen und Pfeilern wuchs. Die Zeit hatte sie entwurzelt und zu Boden geworfen, als ob ein Krieg hier gewütet hätte. Ich betrachtete ehrfürchtig die Pracht, wenngleich sie zerstört war und zu der blühenden Umgebung im Widerspruch stand.
Als die Nacht angebrochen war und die Kreaturen sich unter dem Mantel des Schweigens versammelt hatten, merkte ich, dass die Luft von etwas erfüllt war, das nach Weihrauch duftete und wie Wein berauschte. Ich trank davon und spürte verborgene Hände mit meinen Sinnen spielen; meine Augenlider wurden schwer, und mein Geist befreite sich von seinen Fesseln.
Dann dehnte sich die Erde, und das Firmament zitterte. Von magischer Macht getrieben, sprang ich vorwärts und fand mich in einem Garten wieder, den sich kein menschliches Wesen vorstellen kann. Ich war umgeben von Jungfrauen, die mit nichts anderem bekleidet waren als mit ihrer Schönheit. Während sie an meiner Seite schritten, war es, als ob ihre Füße das Gras nicht berührten. Die Melodien, die sie sangen, waren gewebt aus Träumen von der Liebe; dabei spielten sie auf ihren Gitarren aus Ebenholz mit goldenen Saiten. Als ich zu einer Lichtung gelangte, stand in der Mitte ein Thron, der mit kostbaren Steinen besetzt war. Von oben fiel ein Licht in den Farben des Regenbogens auf ihn herab. Zu beiden Seiten des Thrones standen Jungfrauen und sangen lauter als zuvor. Alle blickten in eine Richtung, der ein Duft von Myrrhe und Weihrauch entströmte. In diesem Augenblick erschien aus den blühenden Zweigen eine Königin, die langsam auf den Thron zuschritt und darauf Platz nahm. Eine Schar von Tauben - weiß wie der Schnee - flogen vom Himmel herab und bildeten einen Halbmond zu Füßen der Königin.
Währenddessen priesen die Jungfrauen sie in ihren Liedern, und der Weihrauch stieg ihr zu Ehren in Säulen auf. Ich stand da und schaute gespannt auf das, was kein Menschenauge gesehen und kein menschliches Ohr gehört hat. Da gab die Königin mit ihrer Hand ein Zeichen, und jede Bewegung erstarrte. Und mit einer Stimme, die meine Seele erzittern ließ - wie die Saiten einer Laute unter der Hand ihres Spielers -, sagte sie: »Ich, die Herrin der Phantasie, habe dich, o Mensch, an diesen Platz gerufen. Ich erweise dir die Gunst, vor der Königin über den Wäldern der Träume zu stehen. Hör meine Empfehlungen und verkünde sie aller Welt: Sag ihnen, dass die Stadt der Phantasie eine Hochzeit ist; ihre Tore werden von einem Riesen bewacht, der niemanden einlässt, der kein Hochzeitsgewand trägt.
Sie ist ein Paradies, dessen Wächter der Engel der Liebe ist; niemand kann sie betreten, der nicht auf seiner Stirn das Zeichen der Liebe trägt. Sie ist ein Feld blühender Vorstellungen, und ihre Flüsse sind wie guter Wein; ihre Vögel schweben gleich Engeln, und ihre Blumen duften betörend. Nur die Kinder der Träume gelangen auf dieses Feld.
Sag den Menschen, dass ich ihnen einen Kelch der Freude angeboten habe, doch sie gossen ihn in ihrer Unwissenheit aus. Dann kam der Engel der Finsternis und füllte ihn mit Kummer. Sie tranken ihn unvermischt und waren betrunken.
Sag ihnen, dass niemand die Gitarre des Lebens spielen kann als derjenige, dessen Fingerspitzen meinen Gürtel berührten und dessen Augen meinen Thron sahen.
Isaias verfasste Verse der Weisheit - gleich Perlen auf dem Halsband der Liebsten. Johannes berichtete von seiner Vision in meiner Sprache. Dante betrat die fruchtbaren Weiden des Geistes unter meiner Führung. Ich bin ein Symbol, das die Wirklichkeit berührt, eine Wahrheit, welche die Einheit des Geistes sichtbar macht und ein Zeuge der Werke der Götter.
Sag den Menschen, dass das Denken eine Heimat hat in einer Welt jenseits der sichtbaren Welt, deren Himmel nicht verhüllt ist von den Wolken der Freude. Sag ihnen, dass die Visionen im Himmel der Götter Form annehmen und sich in der Seele widerspiegeln, damit sie ihre Hoffnung auf das lenken, was nach der Befreiung vom Leben in dieser Welt weiterleben wird.«
Und nachdem die Königin der Phantasie mich an sich gezogen und meine brennenden Lippen geküsst hatte, sprach sie: »Sag allen, dass derjenige, der die Tage seines Lebens nicht auf der Bühne der Träume verbringt, ein Sklave der Zeit sein wird.«
In diesem Augenblick wurden die Stimmen der Jungfrauen wieder lauter; Weihrauchsäulen stiegen auf und verhüllten alles. Dann dehnte sich die Erde, und das Firmament zitterte, und ich fand mich wieder inmitten der Ruinen von Palmyra. Das Morgenrot lächelte, und auf meiner Zunge waren die Worte: »Wer die Tage seines Lebens nicht auf der Bühne der Träume verbringt, wird ein Sklave der Zeit sein.«
Eine Träne und ein Lächeln
Aus: Khalil Gibran Lesebuch. Herausgegeben von Volker Fabricius. Patmos Verlag, Düsseldorf 2008.
Die Kunst, neu anzufangen, ist also vor allem auch die Kunst, unser Denken zu erneuern, zu wissen, dass die Wahrheit viel größer ist als das, was unsere begrenzten Verstandesgefäße fassen können. Das Gegenteil einer tiefen Wahrheit kann nach einem Wort von Kardinal Newman wieder eine tiefe Wahrheit sein. "Erneuert euren Geist und Sinn", ruft uns der Epheserbrief zu (Eph 4,23). Das ist eine Aufforderung, uns auch zu fragen, aus welchen Überzeugungen wir schöpfen, was die Grundüberzeugungen sind, die das Fundament unseres Lebens bilden. Glauben wir tatsächlich an die Gegenwart des lebendigen Gottes? Glauben wir tatsächlich an die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus? Glauben wir tatsächlich an die Vorsehung Gottes, die unser Leben führen und leiten kann? Hier sind Gespräche - Gespräche mit der Schrift, Gespräche mit einer geistlichen Begleiterin oder einem geistlichen Begleiter, Gespräche mit Büchern, die wir lesen, Gespräche mit Filmen, die wir sehen - ganz wichtig. Ein gutes Gespräch ist unabschließbar und so wissen wir dann auch, dass der Weg der Selbsterneuerung ein Weg ist, der nicht zu einem Ende kommt.
Aus Alois Kothgasser / Clemens Sedmak, Geben und vergeben. Von der Kunst neu zu beginnen. Tyrolia Verlag, Innsbruck Wien 2008.
"Die eigentliche und einzige Mitte des Christentums und seiner Botschaft ist darum für mich die wirkliche Selbstmitteilung Gottes in seiner eigensten Wirklichkeit und Herrlichkeit an die Kreatur, ist das Bekenntnis zu der unwahrscheinlichsten Wahrheit, dass Gott selbst mit seiner unendlichen Wirklichkeit und Herrlichkeit, Heiligkeit, Freiheit und Liebe wirklich ohne Abstrich bei uns selbst in der Kreatürlichkeit unserer Existenz ankommen kann und alles andere, was das Christentum anbietet oder von uns fordert, demgegenüber nur Vorläufigkeit oder sekundäre Konsequenz ist." So komme es bei der Neuevangelisierung unserer Welt nicht zuerst darauf an, die christliche Wirklichkeit als solche, also vor allem inhaltlich zu nennen, "sondern etwas von der Erfahrung zu sagen, die man natürlich sehr subjektiv von dieser Wirklichkeit gemacht hat". Das berühmte Wort Rahners, der Christ der Zukunft werde einer sein, der eine "Erfahrung" in göttlichen Dingen gemacht hat und somit ein "Mystiker" ist, hat hier seine Wurzeln.
63. JAHRGANG 2011 WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DE Freiburg, 13.März 2011.
aus: Geist der Unruhe. Zeitgenosse, Theologe, Prophet: Karl Rahner. Von Georg Kügler.
http://www.christ-in-der-gegenwart.de/aktuell/bes_thema_druckversion_html?k_beitrag=474873
Keineswegs zufällig wurde die Einweihung der Versöhnungskirche auf den Tag der Verklärung Christi gelegt. Tatsächlich müssen wir uns daran erinnern, wie Christus sein Werk der Umwandlung (transfiguration) in uns und in unserem Nächsten vollzieht. Er kehrt die allerinnersten Widerstände um, die sich der Versöhnung widersetzen. Er durchdringt allmählich mit seinem Licht die dunkelsten Stellen unserer Schatten.
Frere Roger Schutz in einer Presseaussendung
Im Schatten der Angst
Der Hoffnung trauen
Im Nicht-mehr
Und Noch-nicht
Zwischen gestern und morgen
Das Heute bejahen
Machtlos zulassen
Dass ich nicht leisten muss
Was ich nicht leisten kann
Aufhören mir zu beweisen
Dass ich es doch könnte
Grenzen spüren
Und ihnen erlauben zu sein
Ahnen
Dass die Zerrissenheit
Mich öffnet für Neues
Der Angst vor Schwäche und Versagen
Offen ins Auge sehen
Die verheißungsvolle Zukunft
Nicht mit Befürchtungen erschlagen
Schritt für Schritt suchen
Und suchen und weitergehen
Mich von Gottes Zumutung
Wandeln lassen
Wachsam sein
Für Gottes alltägliches
Ich-bin-da-für-dich
Im Schatten der Angst
Der Hoffnung trauen
Und mich Tag für Tag
Entscheiden fürs Leben

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Abraham (hier in der Form Abram) war der Stammvater eines dieser Verbände. Er wird in der Patriarchengeschichte aber nicht nur als der Urvater eines Stammes gesehen, sondern als der Ahnherr des ganzen Volkes Israel schlechthin. Sein Name bedeutet soviel wie "Mein Vater ist erhaben".
In den der Lesung vorangehenden Kapiteln des Buches Genesis ist der "Fluch" ein zentrales Motiv. Unser Text erzählt nun vom fulminanten Beginn der Segensgeschichte Gottes. Abraham selbst erfährt Segen, aber er soll auch zum Exponenten dieses Segens werden. Durch ihn (und damit durch ganz Israel) sollen sowohl die nähere Mitwelt als auch die fremden Völker das Heilswirken Gottes erfahren.
Die Segensgeschichte kann beginnen, da Abraham den Aufbruch aus dem Gewohnten in unbekanntes Neuland wagt, sein Leben radikal ändert und es an den Ruf Gottes bindet.
Die Erzählung wird zur permanenten Herausforderung für Israel: Entsprechen wir noch dem verkündeten Willen Gottes? Handeln wir so, daß wir den anderen Völkern ein Segen sind?
Die Verse 1 bis 3 bilden die theologische Einleitung dazu mit der Betonung auf der Verheißung. Den Rahmen bilden der Befehl Gottes zum Aufbruch (Vers 1) und die Ausführung durch Abraham (Vers 4a).
Die Weisung zum Aufbruch soll Abraham (einen Nomaden, der das Wandern gewohnt war!) aus einer Notsituation retten bzw. vor Not bewahren. Die 3 Kreise, aus denen er aufbricht (Land - Verwandtschaft - Vaterhaus) zeigen den völligen Neuanfang.
Im Zentrum der Verheißung steht der Segen (Verse 2-3) mit der Steigerung: Abraham (2), alle, die mit Abraham in Berührung kommen (3a) und schließlich die ganze Menschheit (3b).
Die Grundverheißung "Ich will dich segnen" meint nicht eine einzelne Aktion, sondern einen steten Prozeß; "barak" = "segnen" meint: Kraft der Fruchtbarkeit, des Wachsens, des Gelingens - als ständige Haltung Gottes zu Abraham.
Weil Abraham gesegnet wird, kann er auch zum Segen für andere werden - ja noch weiter: das Verhalten der Menschen gegenüber A.bewirkt für sie Fluch oder Segen.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive