Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung
aus dem Buch Zefánja.
Sucht den Herrn, all ihr Gedemütigten im Land,
die ihr nach dem Recht des Herrn lebt!
Sucht Gerechtigkeit, sucht Demut!
Vielleicht bleibt ihr geborgen
am Tag des Zorns des Herrn.
Und ich lasse in deiner Mitte übrig
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
ein demütiges und armes Volk.
Sie werden Zuflucht suchen beim Namen des Herrn
als der Rest von Israel.
Sie werden kein Unrecht mehr tun
und nicht mehr lügen,
in ihrem Mund findet man keine trügerische Rede mehr.
Ja, sie gehen friedlich auf die Weide
und niemand schreckt sie auf, wenn sie ruhen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Selig, die arm sind vor Gott;
denn ihnen gehört das Himmelreich. – Kv
GL 71,1
(Oder: Halleluja.)
Selig, wer den Gott Jakobs als Hilfe hat, *
wer seine Hoffnung auf den Herrn, seinen Gott, setzt.
Recht schafft er den Unterdrückten, /
Brot gibt er den Hungernden, *
der Herr befreit die Gefangenen. – (Kv)
Der Herr öffnet die Augen der Blinden, *
der Herr richtet auf die Gebeugten,
der Herr liebt die Gerechten. *
Der Herr beschützt die Fremden. – (Kv)
Er hilft auf den Waisen und Witwen, *
doch den Weg der Frevler krümmt er.
Der Herr ist König auf ewig, *
dein Gott, Zion, durch alle Geschlechter. – Kv
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korínth.
Seht auf eure Berufung, Schwestern und Brüder!
Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn,
nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme,
sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt,
um die Weisen zuschanden zu machen,
und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt,
um das Starke zuschanden zu machen.
Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt:
das, was nichts ist,
um das, was etwas ist, zu vernichten,
damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott.
Von ihm her seid ihr in Christus Jesus,
den Gott für uns zur Weisheit gemacht hat,
zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung.
Wer sich also rühmen will,
der rühme sich des Herrn;
so heißt es schon in der Schrift.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die 2. Lesung folgt der fortlaufenden Textfolge aus dem 1. Korintherbrief. Der dargebotene Abschnitt wird erst aus dem Zusammenhang verständlich. (Siehe längere Textfassung 1 Kor 1,18-31).
Paulus wurde in Korinth in Abwesenheit von "konkurrierenden" Predigern angegriffen. Diese drohten die Gemeinde zu spalten. Einige von ihnen machten auf die Korinther einen nachhaltigeren Eindruck als Paulus selbst. Seine Predigt verblasste gegenüber der Gebildetheit einiger seiner Gegner, bzw. seine Betonung des Kreuzes Christi erregte Anstoß bei jüdisch ausgerichteten Predigern. Für sie war das Kreuz Jesu ein Ärgernis.
Gegen sie verteidigt sich Paulus in zweifacher Weise: Er rechtfertigt einerseits sein bescheidenes Auftreten, seine offenbar schlichte Art zu predigen. Andererseits liegt der Grund für die Geringschätzung seiner Botschaft in der Botschaft selbst begründet. Für ihn ist die Torheit des Kreuzes ein wesentliches Merkmal christlichen Glaubens.
Die Vorliebe Gottes für das Schwache und Geringe, das er erwählt und emporhebt, zeigt sich auch in der Berufung der Christen von Korinth. Die wenigsten von ihnen stammten aus der gesellschaftlichen Oberschicht. Sie waren auch nicht sonderlich gebildet. Die meisten rekrutierten sich eher aus der "Gosse" der Hafenstadt. Gerade darin liegt die Stärke ihres Glaubens und ihrer Berufung. Der Kernsatz seiner Verteidigung heißt: "Das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen, und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen."
Halleluja. Halleluja.
Freut euch und jubelt:
Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit,
als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten,
stieg er auf den Berg.
Er setzte sich
und seine Jünger traten zu ihm.
Und er öffnete seinen Mund,
er lehrte sie und sprach:
Selig, die arm sind vor Gott;
denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden;
denn sie werden getröstet werden.
Selig die Sanftmütigen;
denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit;
denn sie werden gesättigt werden.
Selig die Barmherzigen;
denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die rein sind im Herzen;
denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften;
denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.
Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen;
denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt
und alles Böse über euch redet um meinetwillen.
Freut euch und jubelt:
Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Seligpreisungen sind gewiss ein Herzstück der Botschaft Jesu, und sie gehören zu den berühmtesten Abschnitten der Evangelien. Im Matthäusevangelium stehen sie am Beginn der Bergpredigt (Mt 5-7), welche Jesus als den neuen Mose stilisiert. Allerdings: Mose ist auf den Berg gestiegen, um stellvertretend für das Volk die Weisungen Gottes zu empfangen, wohingegen Jesus selber diese Weisungen gibt. Und: Es handelt sich nicht in erster Linie um eine Aufzählung von Pflichten oder gar Verboten, sondern um Verheißungen und Ermutigungen.
Die vielen Menschen, die sich um Jesus scharen und zu denen er spricht, repräsentieren das ganze Volk Israel, an welches er die Botschaft vom Gottesreich zuerst und vor allem richtet. Die Jünger, die näher hinzutreten, stehen für all jene, die tatsächlich für sein Wort und seine Stimme empfänglich sind. Ihnen soll sich das ganze Volk anschließen bzw. umgekehrt: Sie sollen das Volk zur Teilhabe an der Reich-Gottes-Bewegung anstiften. Nach der Auferstehung wird sich der Bestimmungskreis der Botschaft Jesu entschieden ausweiten: Die Jünger werden den Auftrag erhalten, alle Völker mit seiner Lehre bekannt zu machen, alle Menschen dafür zu gewinnen. Nicht zufällig ergeht dieser Auftrag erneut auf einem Berg (Mt 28:16-20).
Wie lassen sich die Seligpreisungen grundsätzlich deuten? Es handelt sich um Verheißungen und Ermutigungen für die Jünger Jesu auf ihrem Weg der Nachfolge. Sie beschreiben gewissermaßen den Wertmaßstab der Teilhabe am Reich Gottes, welches Jesus verkündet hat und das mit ihm angebrochen ist. Es geht um die innersten Haltungen des Herzen, die notwendig sind, um der von Jesus eröffneten Gemeinschaft mit Gott teilhaftig zu werden. Der Blick wird dabei zweifellos nicht bloß in die Zukunft gewendet. Besonders in der allerletzten Seligpreisung kommt zum Ausdruck, dass man, die Vollendung vor Augen, schon jetzt sich freuen und jubeln kann. Aber angesichts der starken Betonung des Endgerichts im Matthäusevangelium gilt wohl dennoch, dass die endgültige Einlösung der Verheißungen erst nach dem letzten Gericht zu erwarten ist.
Im Aufbau lassen die Seligpreisungen eine kunstvolle und gezielte Anlage erkennen. Abgesehen von der Seligpreisung zum Schluss, in der Jesus über die Verfolgung um seinetwillen spricht und sich damit direkt an die zur Nachfolge bereiten Jünger wendet, handelt es sich um acht empfindsam und prägnant formulierte Verse. In den ersten vier geht es dabei mehr um eine geistig-menschlich-gesellschaftliche Mangelsituation, in der zweiten Viererreihe wird stärker auf das sittliche Bemühen abgehoben. Mit der ersten Seligpreisung wird zudem eine grundsätzliche Haltung angesprochen, die in allem wichtig und notwendig ist: das Armsein vor Gott, welches animiert, sein ganzes Vertrauen in Gott zu setzen und sich zutiefst seinem Erbarmen auszuliefern.
Die erste und die achte Seligpreisung haben im übrigen dieselbe Verheißung, sie formulieren gewissermaßen die Grundvision: „denn ihnen gehört das Himmelreich“. Demgegenüber beinhalten die dazwischen liegenden Verse Verdeutlichungen bzw. Veranschaulichungen. „Das Land erben“ spielt etwa auf Ps 37 an: „Die Armen werden das Land bekommen, und sie werden Glück in Fülle genießen.“ Die Gottesschau und die Sohn-(Kind-)schaft Gottes bilden zweifellos den Höhepunkt der Verdeutlichung, was Himmelreich bzw. Gottesreich heißt. Dass wir Gott schauen und in allem Kinder Gottes sind, darum sollen wir uns strebend bemühen, aber mehr noch dürfen wir uns hoffend darauf freuen!
Die Evangelienstellle des Allerheiligentages wird auch als die Charta des Himmelreiches bezeichnet. In einer programmatischen Rede legt Jesus den Geist des Reiches Gottes dar. Im Matthäusevangelium ist in dieser grundlegenden Rede Jesu verschiedenster Überlieferungsstoff zusammengestellt. Es geht um eine tatbereite Entschiedenheit, die die Kinder Gottes auszeichnen soll. (Die sittliche Haltung des Menschen wird bei Mt mehr als bei Lk betont). Die Armen und Demütigen, die, die den Geist gläubiger "Kindlichkeit" haben, haben Anteil an den Segnungen Gottes. Für sie gelten die schon im Alten Testament geltenden Glückwunschformeln, in denen Weisheit, Wohlergehen und Frömmigkeit gepriesen werden.
Die ersten 7 Seligpreisungen sind in sehr ähnlicher Form gestaltet, hingegen hebt sich die letzte formal deutlich ab. Im Mt 5:11 tritt Jesus selbst an die Stelle der in 5:10 erwähnten "Gerechtigkeit". Mit ihm kam die vollkommene Gerechtigkeit in die Welt (5:17). Durch ihn erhält das Gesetz seine Erfüllung und Vollendung. Die früheren Vorschriften sollen nun ins Innerste des Menschen vordringen und dort in Liebe erfüllt werden.
Verheißung und Wirklichkeit, Ideal und Wirklichkeit, Anspruch und Wirklichkeit liegen oft weit auseinander. Das schmerzt einerseits, tröstet und tut gut andererseits. Jesu Zusage bringt uns auf den Boden der Realität zurück und stärkt uns trotz unserer Unzulänglichkeiten.
Ich bilde mir ein, so ziemlich alles in der Kirche zu kennen. Die Leute, die Gremien – und das Umfeld sowieso. Von Amts wegen – Verzeihung, das gibt es tatsächlich – muss ich auch vieles mitmachen, überall meine Öhrchen haben und übersehen darf ich natürlich auch nichts (und niemanden). So mancher Mensch will und muss hofiert werden. Nach Lust wirst du nicht gefragt. Sage ich mir so manchen Abend. Und die Sinnfrage – die stellt man besser auch nicht.
Wenn das doch so wäre, wie mein lieber Freund Paulus schreibt:
„Seht auf eure Berufung, Schwestern und Brüder!
Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn,
nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme,
sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt…“
Nein, nein, das Törichte soll Gott erwählt haben? Kein Mensch möchte töricht genannt werden! Heute schon gar nicht, wo Christen sich oft schämen müssen.
Auf einmal sind wir in einer Geschichte, die wir uns heute nicht ausgesucht haben. Schließlich werden wir darauf gestoßen, wer wir sind – vor Gott! Wer wir sind – in der Gemeinde! Wer wir sein werden – in Ewigkeit!
„…das Niedrige in der Welt
und das Verachtete hat Gott erwählt:
das, was nichts ist,
um das, was etwas ist, zu vernichten,
damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott.“
Damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott…
Paulus hat in Korinth ziemlich große Schwierigkeiten bekommen. Die Gemeinde war zwar klein, hatte auch noch keine vorzeigbare Geschichte, verständlicherweise auch noch keine Verdienste, aber hier überschlugen sich die Klugen mit ihrer Klugheit, die Besserwisser mit ihrer Besserwisserei, die Glaubenden mit ihrem Glauben. Jeder musste besser sein – als der andere. Jeder musste auch besser aussehen – als der andere. Alles natürlich philosophisch in höhere Sphären gehoben. Wenn, dann wird die Weisheit mit Löffeln gefressen… und Klotzen ist besser als Kleckern. Eine kleine Ironie ist, dass hier von Männern geredet wird. Die Frauen kommen hier einfach – noch – nicht vor. Sie durften schweigen.
Funktionieren konnte das nicht. Es sei denn, man will sich von Herzenslust zerstreiten und einander nicht mehr in die Augen schauen. Eine Gemeinde, die Gottesdienst feiert, die zusammen das Brot bricht und aus dem einen Kelch trinkt, die eine Hoffnung teilt, die die eine große Geschichte Jesu erzählt – die wird durch Machtansprüche, Eitelkeiten und Abgrenzungen einfach zerrissen, mitten durch, auf schöne Worte reduziert und nach Vorlieben und Sympathien aufgeteilt. Niedrig, schwach, demütig – das geht irgendwann nicht mehr. Die einfachen Leute, die sowieso nichts an den Füßen haben, werden schließlich nur noch gnädig geduldet. Es reicht für den Friedensgruß.
Paulus, dem auch nur Vorwürfe gemacht werden – er sei nicht klug genug, er könne nicht gut reden, er sähe aus wie ein Zwerg und sein Auftritt sei eine Blamage – hat In seinem Brief an die Gemeinde in Korinth, einer bedeutenden Handels- und Hafenstadt, gesegnet von allen griechischen und römischen Göttern, die Wurzeln freigelegt - was uns trägt und verbindet, was uns auszeichnet und groß macht:
„Von Gott her seid ihr in Christus Jesus,
den Gott für uns zur Weisheit gemacht hat,
zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung.
Wer sich also rühmen will,
der rühme sich des Herrn;
so heißt es schon in der Schrift.“
Von Gott her, in Christus Jesus – werden wir weise, gerecht, geheiligt und erlöst. Es kommt ein neuer Ton in die Welt. Und eine Zusage, die nicht von uns abhängt, auch nicht von uns abgehängt werden kann.
Ab jetzt kann die Nase nicht mehr hochgetragen werden.
In Korinth nicht, bei uns auch nicht.
Was es heißt, weise zu sein, an Gottes Weisheit Anteil zu haben: das hat Jesus in seiner Bergpredigt in wenigen Sätzen aneinandergereiht: Glücklich sind – nur – die, die vor Gott um ihre Armut wissen. Ihnen gehört das Himmelreich – der ganze Reichtum Gottes!
Jetzt bekommt jede Lebenserfahrung, jede Sehnsucht, jede Hoffnung einen Platz – einen himmlischen Glanz:
Glück für die Trauernden;
denn sie werden getröstet werden.
Glück für die Sanftmütigen;
denn sie werden das Land erben.
Glück für die, die hungern und dürsten
nach der Gerechtigkeit;
denn sie werden gesättigt werden.
Glück für die Barmherzigen;
denn sie werden Erbarmen finden.
Glück für die, die rein sind im Herzen;
denn sie werden Gott schauen.
Glück für die, die Frieden stiften;
denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.
Glück für die, die verfolgt werden
um der Gerechtigkeit willen;
denn ihnen gehört das Himmelreich.
Glück für euch,
wenn man euch schmäht und verfolgt
und alles Böse über euch redet um meinetwillen.
Als Paulus seinen Brief nach Korinth schrieb (er hat auch den Namen „Tränenbrief“ bekommen), lag die Bergpredigt Jesu schriftlich noch nicht vor. Aber alles, was Paulus zu Papier brachte, war von diesem Glück bestimmt, das Jesus zusagte, verbindlich und verlässlich:
„Seht auf eure Berufung,
Schwestern und Brüder!
Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn,
nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme,
sondern glückliche Menschen
in der Welt hat Gott erwählt…“
Arme, Traurige, Sanftmütige, Gerechte, Barmherzige hat er erwählt,
Menschen, die ein reines Herz haben, die Frieden stiften,
die auch leiden können, mitleiden,
die sich dem Kreislauf des Bösen entwinden.
Jetzt schauen wir auf unsere Berufung – und wir teilen untereinander das Glück!
Wir teilen miteinander das Glück!
So hat Jesus seine Seligpreisungen beschlossen:
Freut euch und jubelt:
Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.
Jesus rühmt uns für etwas, für das wir uns nicht – rühmen können.
In Korinth nicht, bei uns auch nicht.
Ich bilde mir ein, so ziemlich alles in der Kirche zu kennen. Die Leute, die Gremien – und das Umfeld sowieso. Von Amts wegen –Verzeihung, das gibt es tatsächlich – möchte ich auch vieles mitmachen, überall hinhören, alles auch sehen.
Ich möchte von vielen Menschen erzählen, die ihr Glück, ihren Frieden, ihren Weg gefunden haben. Sie trauen der Zusage Jesu, sie feiern in einer großen Gemeinschaft das Geschenk von Glauben und Hoffnung, sie teilen Liebe.
Wir werden Gott schauen.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus
unserem Herrn.
Einflussreiche politische Kräfte arbeiten daran, eine neue Weltordnung herbeizuführen. Dieser Kampf hat viele von uns nach vielen Jahren scheinbarer Aufwärtsentwicklung überrascht, ist aber nicht neu. Die Propheten kämpfen gegen Unrechtsstrukturen und fordern ein Leben nach dem Recht des Herrn ein. Jesus stellt die gängigen Vorstellungen von Glück auf den Kopf und preist die selig, die nichts zu lachen haben. Die biblische Botschaft ist zeitlos aktuell.
Mitten im Fasching ein ernstes Wort. Es geht trotz aller Fröhlichkeit und Ausgelassenheit um Entscheidung. Zur ersten Lesung gut passend die Sockelinschrift auf der Freiheitsstatue in New York: „Gebt mir eure Müden, eure Armen, eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren. Die bemitleideten Abgelehnten eurer gedrängten Küsten. Schickt sie mir, die Heimatlosen vom Sturme Getriebenen. Hoch halt ich mein Licht am goldenen Tore.“ In diesem Zusammenhang ist die Unabhängigkeitserklärung der „Vereinigten Staaten von Amerika“ zu sehen, für die die Ideale und Werte (noch) zu stehen scheinen Alle Menschen sind gleich geboren und sollten vor dem Gesetz gleich behandelt werden. Auslöser für Krieg und darauf folgender Unabhängigkeit war die Loslösung der nordamerikanischen Kolonien von Großbritannien vor 250 Jahren.
Unabhängigkeit, Freiheit, wer will das nicht? Das war auch so zur Zeit des Propheten Zefanja im 6. Jhdt. v. Chr. Hier ist die Rede vom „Tag des Herrn“. Es geht um eine Gerichtsdrohung, weil in Israel, in Jerusalem viel Korruption, politisches Taktieren zum eigenen Vorteil der Herrschenden an der Tagesordnung standen. Sie schufen sich ihre eigenen Götter. Damit kommt eine Entscheidung, ob der „Tag des Herrn“ ein Tag der Finsternis und des Schreckens oder ein Tag der Läuterung sein wird. Die Geschichte wird mit der Zerstörung Jerusalems dem Propheten Recht geben. Die ganze Hoffnung liegt aber auf dem „Rest Israels“, der nach Gerechtigkeit und Demut sucht.
Es zählen nicht die Weisen, die Klugen, die Mächtigen, die sich alles richten können. Dort herrscht auch viel Blendwerk. Paulus stützt sich auf die „Kraft Gottes“. Sie kommt dort zur Wirkung, wo ihr nicht menschliche ungute Perfektion, Überheblichkeit, Besserwisserei, Prestigedenken entgegenstehen. So wendet sich JHWH den Armen, den Unmündigen, die keine Interessensvertreter haben, zu. Er gibt ihnen eine andere Menschenrechtscharta, die im „Magnificat“ ihren Ausdruck findet. „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“ (Lk 1,52). Die Kategorien dieser Welt bauen sehr oft auf Blendwerk und Sicherheiten auf, die die Welt auf Dauer nicht bieten kann.
Gottes Kraft kommt auch in der Bergpredigt zum Ausdruck, eine Umkehrung der Wertordnung als Orientierungshilfe, wie sich unser Leben glücklich gestaltet. „Die Alten haben gesagt: Auge um Auge, Zahn um Zahn“ (Mt 5,38f). Es ging dabei um einen Strafbemessungsgrundsatz im Sinn einer irdischen Gerechtigkeit. Der Schaden darf nicht vergrößert werden, soll begrenzt werden. Das ist schon ein sanfter Beginn einer Ethik, die bis ins 18. Jhdt. v. Chr. zurückreicht. Wir haben es bereits mit einer Grenzziehung zu tun. Die Alten haben gesagt, ich aber sage euch… deutlicher übersetzt: Wenn ihre diese Haltung euch aneignet, die mit dem Wort „selig“ beginnt, führt das zu anhaltenden Glück, zu innerem Frieden und Zufriedenheit. Selig bzw. glücklich zu preisen sind alle, die sich daran orientieren.
Grundlage für die Bergpredigt ist der Ps 62,11-12: „Vertraut nicht auf Unterdrückung, verlasst euch nicht auf Raub! Wenn der Reichtum wächst, verliert nicht euer Herz an ihn. Eines hat Gott gesprochen, zweierlei habe ich gehört.“ Deshalb sage ich: „Selig, die…“ Diese Verhaltensänderung, die zum Glück führt, braucht Kreativität, Mut, menschliche Klugheit, verbunden mit göttlicher Weisheit.
Viele Sätze in der Bergpredigt sind nicht leicht zu verstehen, rufen Kritik und Spott hervor, wirken pervers. Vor allem: „Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen…Selig, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen. Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.“ Kritiker sehen darin die Grundlage für Leidensverliebtheit mancher Christen, die heute allmählich nachlässt, sich aber in der Kindererziehung früherer Zeiten schlecht ausgewirkt hat. Die vorgeschlagenen Haltungen sollen nicht wegen sondern trotz erfahrenen Leids durchgehalten werden. Dieses Durchhaltevermögen soll zum Glück führen und nicht als Vertröstung angesehen werden. Das Böse in der Welt ist bittere Realität, an der auch Jesus gescheitert ist. Das Dämonische ist unglaublich raffiniert.
Was bedeuten diese Texte für uns heute? In der Gesellschaft herrscht weitgehend eine Ordnung nach der Macht des Geldes und Besitzes. Man kann gar nicht genug davon bekommen. Das fängt schon im Kleinen an, wenn man mit Geldscheinen etwas erreichen will.
Die Texte sind auch für das Weltgeschehen von Bedeutung, Gier nach Land, nach Bodenschätzen. Es wird von neuer Rechtsordnung gesprochen, die über Chaos und Unsicherheit führt. Rechtsgrundsätze wie das Völkerrecht werden in Frage gestellt, das Recht des Stärkeren setzt sich mit Geld und Waffen durch. Institutionen, die Frieden erhalten wollen, wie beispielsweise die UNO, verlieren an Einfluss.
Das Wort der Bergpredigt „selig, die Sanftmütigen, sie werden das Land erben“ (Mt 5,6) steht dem entgegen, die Versuchung des Menschen zusammenzuraffen, was man kann, führt zu Unverschämtheit.
Die Bergpredigt verspricht uns eine neue Weltordnung, die durchdrungen ist von Liebe, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, wenn wir bereit sind, sie zu befolgen. Bitten wir Gott, dass diese Charta der Bergpredigt mit den Seligpreisungen die Welt zu Glück, zu Gerechtigkeit und zu Frieden für alle wird. Bitten wir auch um Durchhaltevermögen, damit das Böse, das Dämonische nicht die Oberhand gewinnt
Jesus verkündet: Das Reich Gottes ist nahe. In ihm ist das Reich Gottes schon gegenwärtig. In seinem Umfeld ist bereits zu spüren, wie sich dadurch die Atmosphäre verändert. Wer sein Wort und seine Lebensart annimmt, ist selig - jetzt schon, und einmal in Fülle!
Heute ist „Wort-Gottes-Sonntag“.
Hat dich schon einmal ein Wort getroffen, z.B. als du beim Spielen warst und der Vater deinen Namen gerufen hat, als der Kardinaldiakon die Loggia des Petersdoms betrat und zu sprechen begann: „ich verkünde euch...“ als dich der Priester vor dem Traualtar fragte: „Willst du…“
Was geht in solchen Situationen vor sich? Jemand spricht etwas aus, was mit mir zu tun hat, oder etwas mit dem zu tun hat, was mich betrifft, zumindest mitbetrifft.
In der Liturgie wird zu uns gesagt; „Der HERR sei mit euch“. Darauf antworten wir. - Ein Wort, ein Satz, fordert uns zur Antwort heraus!
Was geht da vor sich? Jemand sagt etwas und wir horchen auf, gehen auf Blickkontakt mit ihm; in manchen Zusammenhängen klatschen wir. Auch beim Hören des Wortes Gottes geht es um ein Wort-Antwort-Geschehen.
Im heutigen Evangelium heißt es von Jesus: „Er stieg auf den Berg. Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm. Und er öffnete seinen Mund...“ Jesus sieht die vielen Menschen vor sich. Was wird er sagen? Was wird er denen sagen, die ihm da nachgelaufen sind, weil sie nichts zu verlieren haben, weil sie Probleme haben, weil sie arm sind, Leid erfahren haben, ungerecht behandelt wurden, vielleicht gerade deshalb verspottet wurden, weil sie ihm nachlaufen…
Er fragt nicht: Was wollt ihr von mir? Er schickt sie nicht heim. Er nimmt sie wohlwollend, ja erfreut wahr und sagt: „Selig ihr Armen…“. Wenigstens beim Evangelisten Lukas heißt es so. Bei Matthäus ist etwas hinzugefügt: „Selig, die arm sind vor Gott“. Es wird eine Dimension von Armut angesprochen, die auch für die Äußerlich-Nicht-Armen gilt: Die „Armen“ haben nichts vorzuweisen und sind deshalb auf Gott verwiesen. Man könnte auch formulieren: Selig, die auf Gott verwiesen sind! Im zweiten Teil des Satzes begründet Jesus: „denn ihnen gehört das Himmelreich“.
Das Wort „Himmelreich“ begegnet uns im Matthäusevangelium öfters: „Himmel“ steht für „Gott“. Die Juden scheuten sich, den Namen Gottes auszusprechen. Der Ausdruck „Himmelreich“ ist gleichzusetzen mit dem Wort „Reich Gottes“.
Und was meint „Reich“, im Griechischen „basileia“, „Königsherrschaft“? Gott selbst ist da und nimmt die Menschen in seine erlösende Anwesenheit hinein! Diese Königsherrschaft Gottes bricht jetzt an, da Jesus spricht. In ihm ist Gott da. Durch ihn spricht Gott. Freilich sind es Menschenworte, die Jesus sagt, die durch ihn hörbar werden. Er spricht aus, was ihn prägt. Er selber, das Wort Gottes, ist ein Armer, d. h. auf Gott Zurück-Verwiesener, auf Gott, den er seinen Vater nennt.
Die acht Seligpreisungen kann man so unter die Frage stellen: Wie sind sie bei Jesus verwirklicht? Die in den Seligpreisungen angesprochenen menschlichen Haltungen bilden Jesu „Aura“, prägen sein Erscheinungsbild. In Jesus ist das Königreich Gottes bereits da. In ihm und durch das, was er sagt und tut, ist es bereits zu sehen und zu erspüren.
Zur zweiten Seligpreisung: „Selig, die Trauernden“. Auch Jesus kennt die Traurigkeit. Er ist traurig und weint über Jerusalem, weil es nicht tut, „was Frieden bringt“, wie bei Lukas heißt (Lk 19,21). Jesus nimmt das Schicksal Jerusalems ernst. Er nimmt es in seine Seele. Was der Stadt nicht gut tut, tut auch ihm nicht gut. Warum „selig“? Weil er nichts tun kann als die Situation Gott zu übergeben, seinem Vater. Doch die Übergabe an den Vater befreit und löst: Alles ist in den Händen des Vaters!
Weiter: „Selig die Sanftmütigen“, die nicht losschimpfen, sondern freundlich, ja zärtlich den anderen begegnen. Nicht, dass Jesus nicht zornig werden könnte: Bei der Reinigung des Tempels ist sein Zorn zu spüren, wenn das Haus Gottes zu Geldgeschäften missbraucht wird. Er ist keine lahme Ente! Aber wie oft übt er Geduld mit seinen Jüngern, die so schwer von Begriff sind. Und wie zärtlich geht er um mit den Leidenden!
„Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit“: diejenigen, denen Unrecht getan wird und sich nicht selbst helfen können, und diejenigen, die das verändern möchten! Jesus selbst wird ungerecht verurteilt und hingerichtet werden. Er weiß, wovon er spricht.
„Selig die Barmherzigen“, die Unrecht verzeihen können. Jesus schenkt Vergebung und vergibt noch am Kreuz seinen Mördern. Jesus ist der Barmherzige! Barmherzig sein tut gut!
„Selig, die rein sind im Herzen“, die echt sind, nicht anders handeln als sie fühlen, transparent sind in ihrem Denken, Reden und Handeln! Jesus, der da redet, ist durch und durch der, der er auch zuinnerst ist. Menschen, die ganz bei sich sind und transparent für andere, tun gut – so wie Jesus!
„Selig, die Frieden stiften“, die das Wohl aller wollen und sich dafür einsetzen. In den Evangelien heißt es, dass „alle“ zu Jesus kamen. Am Ende hat er durch sein Sterben am Kreuz die Versöhnung aller ermöglicht. Wer so ist und so handelt, ist -- wie Jesus – „Kind Gottes“, von der Liebe des Vaters umhüllt.
„Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen“, die sich einsetzen für andere und deshalb verfolgt oder getötet werden – wie Jesus! Sie sind dadurch bei Gott, ihnen gehört das „Himmelreich“ - jetzt schon und am Ende in Fülle! In Jesus ist bereits unter den Menschen da, was sich endgültig durchsetzen wird.
Jesus ist das Wort, das Gott uns sagt. Wenn wir ihn annehmen und seine Lebensart, sind wir „selig“ - jetzt schon, und einmal in Fülle!
Die Seligpreisungen Jesu wollen nicht vertrösten. Sie heißen eine bessere Zukunft für alle, die danach leben. Eine gerechtere Gesellschaft ist für alle besser.
Wie geht's Ihnen mit den Worten des Evangeliums? Wir haben ein Stück aus der „Bergpredigt“ gehört, die der „Feldrede“ aus Lukas stark ähnelt. Die Armen und Bedrängten, die die es schwer haben mit ihrer Lebensart, werden glücklich gepriesen, über die auf der Sonnenseite des Lebens steht nichts da (nur bei Lukas, dazu später noch).
Beinahe jedes Mal, wenn ich das lese, finde ich diese Stelle absurd. Einen Trost für die Armen, Traurigen, Verlachten, für die Menschen am Rande zu haben, mag ja positiv sein, aber sie zu vertrösten auf ein „irgendwann später, vielleicht dann im Himmel“ - das passt mir nicht, und das hat man auch der Kirche vorgeworfen, dass sie die bestehenden Verhältnisse stützt, indem sie auf eine Gerechtigkeit im Jenseits vertröstet. Und dabei selber auf der Seite der Reichen, der Mächtigen bleibt.
Aber bleibend spannend und genauso herausfordernd finde ich, dass sich Jesus den Armen zuwendet und sie aus der Unsichtbarkeit holt: Ich sehe, dass ihr Hunger habt, und das soll, wird und darf nicht so bleiben! Ich nehme eure Sanftmut, euren Willen zum Frieden wahr! Ich sehe eure Traurigkeit, und auch die soll ein Ende haben. Und eure soziale Isolation, die noch einmal zusätzlich schmerzt, wird aufhören.
Die Armen in unserem Land, in Europa, finden sich in den Beschreibungen wieder: sie haben wenig politisches Gewicht, müssen als Sündenböcke herhalten und werden gegeneinander ausgespielt; arme Familien oder Personen stehen vor der Entscheidung: heizen oder essen?; wer nicht aus einem EU- oder EWR-Land stammt, kann oft nicht um kommunale Energiekostenzuschüsse ansuchen. Wer zu wenig Deutsch beherrscht, auswärts geboren ist, krank oder psychisch beeinträchtigt, muss mit Almosen auskommen. Denn täglich mit dem Durchkommen beschäftigt zu sein, motiviert am besten für den Arbeitsmarkt - oder? Arme, kranke, psychisch belastete oder sonst „einfach andere“ Menschen sind heute „unten durch“, mit ihnen sind keine Wählerstimmen zu gewinnen, und das Geld gehört doch denen, die es erarbeitet haben. Es werden die Armen bekämpft, und eher weniger die Armut. So ist die Stimmung vielerorts in Politik und Gesellschaft.
Der Evangelist Lukas fügt an dieser Stelle noch Wehe-Rufe an, gerichtet an die Reichen, die jetzt alles haben, teilweise von den Krisen profitiert haben. Jesus droht ihnen gleichsam an, dass es nicht immer so bleiben wird, dass ihr jetziger Trost, ihre Fülle, ihr Spaß, ihre Reputation nicht von Dauer sein werden. Auch nicht tröstlich für viele von uns, oder? Diese Armen (oder immer wieder einmal von Armut bedrohten) waren zur Zeit Jesu 90% der Bevölkerung, die Reichen 10 %.
Auch wenn wir heute mehr Reiche und weniger Arme haben, ist doch das Gesamtvermögen hoch genug, sodass ein Leben in Armut gar nicht mehr sein müsste.
Ich erlaube mir einen Traum: mehr Ausgleich, weniger Unterschiede zwischen Arm und Reich. Dass alle bewohnten Unterkünfte im Winter geheizt werden können. Dass eine Reparatur einer Waschmaschine kein Problem ist. Dass alle Schulkinder einfach auf Wandertag, Schikurs oder Landschulwoche mitfahren können, auch andere Kinder einladen und manchmal ins Kino gehen. Dass eine Urlaubsfahrt möglich ist. Und dass auf der anderen Seite große Gewinne, Güterbesitz und Reichtum der Allgemeinheit, insbesondere den Schwächeren, zu Gute kommen. - Wenn ich hier von der Sozialpflichtigkeit des Eigentums spreche, so ist das nicht bloß sozialistisches Gedankengut, sondern auch wesentlicher Bestandteil der christlichen Soziallehre.
Gesellschaften, in denen der Unterschied zwischen Reichtum und Armut nicht so groß ist, sind glücklicher: darüber gibt es wissenschaftliche Untersuchungen von Kate Pickett und Richard Wilkinson, veröffentlicht in ihrem Buch „Gleichheit ist Glück. Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind“: in Gesellschaften, wo reich und arm weniger auseinanderklaffen, gibt es weniger Teenagerschwangerschaften, Verbrechen, Gewalt, Inhaftierte, weniger Schulabbrecher*Innen, psychische Erkrankungen oder Drogenkonsum, die Menschen sind gesünder und leben länger. Der Grund dafür ist, dass ein gemeinsames Leben, in dem die Unterschiede nur moderat sind, weniger stresst und entspannter ist, weniger Mittel und Energie zur Selbstsicherung notwendig sind und die Gesellschaft mehr Schutz bietet. Alle profitieren davon: die Reichen und die Armen.
Das könnte doch auch eine Antwort auf die Zumutung dieser Seligpreisungen sein: den großen Unterschied, den Gap zwischen Arm und Reich zu verkleinern suchen. Damit wir alle schon jetzt Momente der Seligkeit, des Glücklichseins und des Friedens erleben können. Und viele mit uns.
© Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Seelsorgerin in Wels - St. Franziskus.
Die Seligpreisungen Jesu am Beginn der Bergpredigt sind Anweisungen zum Glücklichsein. Auch die beiden Lesungen können als Anleitungen zum Glücklichsein verstanden werden.
Die sonntäglichen Texte, im Besonderen die Bergpredigt, bringen Anweisungen zum Glücklichsein ohne Jackpot oder Euromillionen, und der Finanzminister wird auch keine Gewinnsteuer einbehalten. Bereits die 1. Lesung gibt einen Anhaltspunkt, wie man zu diesem Glück kommt. „Sucht den HERRN all ihr Gedemütigten im Land, die ihr nach dem Recht des HERRN lebt! Sucht Gerechtigkeit, sucht Demut.“
Gerechtigkeit ist ein Wesenszug JHWHs. Im Buch Deuteronomium (16,20) lesen wir, dass wir der Gerechtigkeit nachjagen sollen, weil Gott selber „unbeirrbar, treu, gerecht und gerade ist.“ (Dtn 32,4). Gerechtigkeit setzt auch Wahrheit voraus. Auch das ist eine Eigenschaft Gottes. „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ (Joh 14,6). Alles menschliche Tun sollte als Ziel haben, ein gerechter Mensch zu werden, also auf dem Weg Gottes bleiben.
Demut als zweite Eigenschaft hier im Text. Das heißt: den Stolz überwinden, sich nicht selbst für den Mittelpunkt der Welt halten, weg von Selbstherrlichkeit und Großmannssucht, eigene Grenzen erkennen, Mut zum Dienen, also die Gesinnung eines Dienenden zu haben, was auch im Zusammenhang mit Barmherzigkeit steht, den Gegebenheiten des Lebens dienen.
Die 2. Lesung führt diesen Gedanken in ähnlicher Weise weiter. Der Philosoph Sokrates (469-399 v. Chr.) kommt zur Erkenntnis: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. Ähnlich formuliert es Paulus „Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser prophetisches Reden.“ (1 Kor 13,9), damit ist auch unser Wissen Bruchwerk, das sollte uns demütig werden lassen. Jesus als Weisheitslehrer: „Wer sich also rühmen will, der rühme sich des Herrn.“ (1 Kor 1,31).
In der Gemeinde von Korinth gab es besonders viele Sklaven, Menschen am unteren Rand der Gesellschaft. „Gott hat sich die ausgesucht / erwählt, die aus menschlicher Sicht einfältig und töricht erscheinen, um so die Klugen zu beschämen.“ (1 Kor 1,27). „Aussuchen / erwählen“ bedeutet hier „lieben“. Gott stellt sich auf die Seite der Schwachen, Ausgegrenzten, der Unmündigen, die in der Gesellschaft keine Stimme haben. Die gibt es auch heute: Arbeitslose, Gemobbte, Kranke, Lebensuntüchtige.
Dann die Bergpredigt als „Magna Charta“ des Christentums, eine Form des Hohen Liedes, ein Gegenstück zur innerweltlichen Logik, die besagt: Nur die Starken kommen durch. Wer die bessere Lobby hat, wird sein Ziel erreichen auch mit Ellbogentechnik im Sinn von Hinterhältigkeit, da und dort Gewalt. Das Glück ist dort eher im materiellen vergänglichen Bereich anzutreffen.
Wir hören heute von den acht Seligkeiten. Die Zahl 8 als Zahl der Unendlichkeit, auch der Vollkommenheit. Acht Seligkeiten als Umkehr der innerweltlichen Werteordnung. Politik lebt von Umfrage- und Beliebtheitswerten, auch Berufe und Institutionen werden daran gemessen. Da gibt es gar nicht selten rasante Änderungen, hinauf, hinunter, meist sehr emotionell, rasch änderbar und auch Launen unterworfen. Die Anweisungen der Bergpredigt zum Glück sind für viele unverständlich. Wer diese Wort hört, hat möglicherweise den Eindruck, Christentum ist eine Religion der Versager, der Gescheiterten. Christentum scheint die Mächtigen zu stärken auf Kosten der Armen, um diese bestenfalls zu vertrösten oder weiter zu unterdrücken. Das scheint noch verstärkt durch die achte Seligkeit: „Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet. Freut euch und jubelt! Euer Lohn im Himmel wird groß sein.“
Würden wir nur einige dieser Richtungsanzeigen auf unserem Lebensweg befolgen, wäre das anbrechende Reich Gottes viel sichtbarer als wir annehmen. „Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“ In der Weihnachtszeit sprechen wir Jesus in der Eucharistie als „Friedensfürst“ an und erbitten bei jeder heiligen Messe den Frieden, Shalom: Friede als ganzheitliches Wohlergehen auf Erden. Friede in uns selbst, Frieden mit den anderen. Augustinus: Der Mensch ist ein Wesen der Heimkehr, das heißt, zu sich selbst finden. Das halten aber viele gar nicht aus. Willy Brandt, ehemaliger deutscher SPD Bundeskanzler (1913-1992): „Friede ist nicht alles, ohne Friede ist alles nichts.“
Bedenken wir, wie zerbrechlich die Gabe des Friedens ist, der vom Herrn ausgeht. Suchen wir diesen hohen Wert in unserer kleinen Welt und versuchen wir, ihn lange zu bewahren. Wenn er nämlich verloren geht, kommt er nicht so schnell wieder.
Die Seligpreisungen stehen quer zu unseren Alltagserfahrungen. In ihnen gibt uns Jesus – gleichsam als "Regierungserklärung" beim Antritt seiner Sendung – Gegenbilder, die uns einerseits trösten, aber vor allem Halt geben.
Aber Jesus – wie weltfremd bist du? Ich will Dir jetzt mal erzählen, wie es bei uns zugeht:
Glücklich ist, wer viel Geld hat, eine dicke Rente...
Glücklich ist, wer ein dickes Fell hat...
Glücklich ist, wer sein Gesicht nie verliert...
Glücklich ist, wer oben ist...
Glücklich ist, ...
Herr, ich weiß nicht: So viele Menschen haben alles – und sind unglücklich.
Ich kann mich an einen Pfarrerfilm erinnern. Den Titel kenne ich nicht mehr, sehe aber den Schauspieler vor mir. Im Film hat er gleich mehrere Doktortitel, smart ist er auch, wenn gleich auch ein wenig glatt. Aalglatt. Der alte Pfarrer wird auch gezeigt. Ein wenig verhutzelt. Traurig. Mit leerer Kirche. Wir sehen alte Leute, ein Handvoll. Menschen von gestern. Sterbende Kirche. - Jetzt kommt der neue. Selbstbewusst. Die Kirche ist auf einmal voll. Die erste Predigt, die im Film inszeniert wird, sind die Seligpreisungen Jesu. Das muss man dem Regisseur dann lassen: Es sind alle Seligpreisungen, die im Film zu hören und zu sehen sind. Zu sehen sind Menschen, die gebannt den Worten lauschen. Langsam sucht sich die Kamera die Gesichter, die Minen, die Augen.
Selig sind die Armen, die Trauernden, die Gewaltlosen, die Hungrigen, die Barmherzigen... Eine große Sehnsucht spiegelt sind in den Gesichtern. Die Sehnsucht, dass die Welt doch anders sein soll.
Inzwischen geht die Angst um – vor Abstieg. Vor sozialem Abstieg. Eine ganze Schicht soll davon betroffen sein, hört man, liest man. Und geglaubt wird das von vielen Menschen, die den Druck weiterreichen. In ihren Familien, bei ihren Kindern. Mit bösem Blick nach oben, wo sich die Erfolgreichen festgefressen haben, nach unten, wo alle möglichen Kreaturen ihre Löffel in unsere Töpfe stecken. Denen, die nichts haben, aber die Schneid haben, zu uns zu kommen, eilt gar der Ruf voraus, sie wollten uns das christliche Abendland nehmen.
Entschuldigung, schweife ich ab? Wo waren wir stehengeblieben? Bei der Seligkeit eines Menschen. Bei der Seligkeit? Ein altes Wort, aber es birgt in sich, was unser Leben hält, was unser Leben reich macht, was uns glücklich – macht.
Heute hören wir Jesus. Er hat Glückwünsche für uns. Er wünscht uns Glück. Er schenkt uns Glück.
Glücklich bist du, wenn du nicht auf dich hereinfällst...
Glücklich bist du, wenn du lieben kannst...
Glücklich bist du, wenn du Frieden stiftest...
Die – sogenannten – Seligpreisungen Jesu haben Menschen vor langer Zeit auch die Regierungserklärung Jesu genannt. Er beginnt damit seine öffentliche Wirksamkeit. Welche Vorstellungen hat er von seinem Dienst, von seinem Weg? In welche Richtung wird er gehen? Wohin nimmt er uns mit? Schließlich sind die Seligpreisungen nicht einsam und verlassen vorgetragen worden. Sie gelten erst einmal den Jüngern, und wir sitzen um sie herum, sie in unserer Mitte. Ich frage: Was ist das für ein Programm?
Ich könnte jetzt natürlich die Geschichten erzählen: schuldige Menschen werden freigesprochen, trauernde aufgerichtet, barmherzige glücklich gemacht. Sonntag für Sonntag gehen uns diese Geschichten auf. Vorgelesen, bedacht, ins Gebet genommen. Es sind Jesus-Geschichten. Evangelien. So fremd sie uns manchmal sein mögen – sie werden uns zu Verheißungen, zu Bildern der Welt Gottes.
Es sind im besten Sinn des Wortes Gegenbilder. Gegenbilder zu den vertrauten, eingespielten und langweiligen Bildern, mit denen wir tagein tagaus leben.
Der Prophet Zefanja, einer der zwölf kleinen Propheten, lenkt unseren Blick auf ein demütiges und armes Volk, das – so heißt es – seine Zuflucht bei Gott sucht. Der „kleine“ Prophet verwandelt Erfahrungen:
Israel ist gedemütigt worden, lächerlich gemacht vor den Augen der ganzen Welt. Aber es geht nicht unter: es birgt sich bei Gott.
Israel ist armselig geworden, der Ruhm großer Geschichte ist dahin. Aber es geht nicht unter: es birgt sich bei Gott.
Es ist die Geborgenheit bei Gott, die neue Größe verleiht - und auch eine neue Hoffnung, ein neues Vertrauen, ein neues Selbstbewusstsein. Wir könnten auch frei von der Leber erzählen: Glücklich ist der Mensch, der einen Halt hat, der weiß, wohin er gehört.
Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich!
Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden!
Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben.
Und dann mischt sich auch Paulus noch ein:
„Seht auf eure Berufung, Brüder und Schwestern! Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme, sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen.“
Es gehört schon etwas dazu, das Törichte und Schwache so hoch anzusetzen, dass es für uns nicht nur Maßstab, sondern auch Inbegriff von Glück wird! Ich kann verstehen, dass die Leute in Korinth, die den Brief bekamen, sehr unwirsch reagiert haben sollen. Sie haben sich doch als Weise angesehen, die mit jedem ankommenden Schiff – Korinth war eine bedeutende Hafen- und Handelsstadt - die Weisheit der großen Welt mit Löffeln gefressen haben. Dass der kleinen Gemeinde in Korinth der Ruf vorauseilte, nicht vornehm zu sein, wurmte die Menschen: Wenn sie schon Christen geworden waren, mussten sie schon etwas Besonderes sein. Paulus kam da schlecht weg. Mit den großen Denkern, die in Korinth zur Nachbarschaft gehören und mit denen man sich duzte, kam er nicht mit. Umso gewichtiger ist, was zu lesen, was zu verstehen ist: Gott selbst hat sich klein gemacht, seine Weisheit hinter oder über sich gelassen. Am Kreuz ist Jesus gestorben. Seine Liebe gilt den Verlorenen, den Schuldigen, den Kleinen, den Armen. Glücklich ist der Mensch, der einen Halt gibt, der weiß, wie leere Hände gefüllt werden.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
Gott schauen! Das ist’s!
Zefanja: „Sucht den Herrn, ihr Gedemütigten im Land, die ihr nach dem Recht des Herrn lebt. Sucht Gerechtigkeit, sucht Demut!“ – Sucht!
Paulus: „Seht auf eure Berufung, Schwestern, Brüder! Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme“ - Schaut!
Suchen und Schauen werden zu Zauberworten einer neuen Welt. Sie führen auch in eine neue Welt. Wir sind nicht fertig, noch nicht angekommen... Wir haben noch nicht alles gesehen, nicht alles verstanden... Wir werden den Himmel finden, unterwartet unter uns... Wir Seligen!
Hans Dieter Hüsch hat in einem Psalmgedicht den weiten Bogen geschlagen:
Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.
Was macht, dass ich so fröhlich bin
im meinem kleinen Reich?
Ich sing und tanze her und hin
vom Kindbett bis zur Leich.
Was macht dass ich so furchtlos bin
an vielen dunklen Tagen?
Es kommt ein Geist in meinen Sinn,
will mich durchs Leben tragen.
Was macht, dass ich so unbeschwert
und mich kein Trübsinn hält?
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
wohl über alle Welt.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Die Forderungen Jesu scheinen in krassem Gegensatz zu stehen, was heute von manchen Zeitgenossen gefordert wird. Es gilt, das konkrete Leben und die Politik mit klaren Haltungen zu füllen.
Sind nicht beide Texte des heutigen Sonntags auf eigenwillige Weise verschroben? Kann ich, kann ein Christ, eine Gesellschaft damit heute noch leben? Sie müssen sich doch über uns als Christen totlachen die Trumps, Putins, Wilders, Le Pens, Hoffers, Petrys, Gaulands und Höckes dieser Welt, machen sie doch Aggression, Beschimpfung und Ausgrenzung zum Mantra ihrer Politik und ihres Lebens. Wer wird Recht behalten? Oder meinetwegen auch wer lacht zuletzt?
Paulus in seinem Brief und auch Matthäus in seinem Evangelium stellen ausgehend von Jesu Predigt und Botschaft sehr klare Kriterien auf, wie Gott Menschen auswählt und wer zum Reich Gottes schon jetzt dazugehört, und diese Kriterien sind eindeutig und stellen andere Werte dar, als wir sie häufig für unser Leben gefunden haben. Töricht, arm, schwach, barmherzig, friedensstiftend sind hier Adjektive, die Zugang zum Reich Gottes verschaffen, Werte, die Gott selber vorne anstellt.
Der Politikwissenschaftler Werner Patzelt hat im Umgang mit der AfD und ihren Unterstützern die Kirchen dazu aufgefordert, klare Kriterien zu nennen, warum sie für Christen nicht wählbar sind. Zudem finde ich es wichtig im Umgang mit anderen zu beachten, warum Menschen sich zu solchen Parteien hingezogen fühlen. Auch das braucht eine Antwort.
Die Textstellen des heutigen Sonntags geben mir dazu einige Hinweise, weitere finde ich in der Katholischen Soziallehre.
Das Personalitätsprinzip:
Das Personalitätsprinzip geht davon aus, dass der Mensch einmalig ist und individuell als Ebenbild Gottes geschaffen wurde. Daraus ergibt sich, dass die Menschen an sich nicht gleich sein können, dass sie aber die gleiche Würde haben. Dies erfordert Respekt und mit diesem Respekt haben wir jedem Menschen zu begegnen. Menschen sind nicht Illegale, genauso wenig sind sie Pack oder dürfen sonst irgendwie beschimpft oder abstempelt werden.
Das Solidaritätsprinzip
Das Solidaritätsprinzip bestimmt das wechselseitige Verhältnis von Person und Gesellschaft. So wie der einzelne nicht nur für das Wohlergehen seines Mitmenschen, sondern auch für das Wohl der Gesamtheit an sich verantwortlich ist, so trägt umgekehrt auch die Gesellschaft Verantwortung gegenüber ihren einzelnen Mitgliedern. Daraus ergibt sich der Begriff der sozialen Gerechtigkeit. Dies ist innerhalb Deutschlands und erst recht innerhalb der Welt in eine mächtige Schieflage gekommen. Wenn 8 Personen so viel besitzen wie die Hälfte der Menschheit, dann zeigt das vorherrschende Wirtschafts- und Steuersystem große Mängel. Darunter leiden Menschen, weil ihnen die Lebensgrundlage entzogen wird.
Das Subsidiaritätsprinzip
Das Subsidiaritätsprinzip drückt zwei wichtige Voraussetzungen aus:
1. Die Eigenleistung. Das heißt, jeder ist zunächst für das verantwortlich, was er leisten kann. Und
2. Die Hilfestellung, die besagt jeder soll von der Gemeinschaft die Hilfestellung erhalten, die er braucht um seine Aufgaben erfüllen zu können.
Das Gemeinwohlprinzip
Neben den Einzelinteressen ist bei allen gesellschaftlichen Entwicklungen immer auch das Ganze, das Gemeinwohl in Blick zu nehmen. Die Beachtung des Gemeinwohls schließt allerdings auch die Berücksichtigung des Wohls des Einzelnen ein. Grundlage des Gemeinwohls ist das Streben nach Gerechtigkeit in der Gesellschaft und in der Welt. Wer Mauern baut, schafft keinen Frieden, der spaltet die Welt, trennt Menschen und Völker voneinander.
Umsetzen und Füllen müssen wir all dies selber in unserem Leben und durch die Entscheidungen, die wir zu treffen haben. Es kann uns aber helfen genau zu schauen und genau zu fragen, wer was will und was es bewirkt, was Parteien und gesellschaftliche Gruppen sagen, tun und bewirken.
Die Inszenierung der Bergpredigt erinnert an die Gesetzgebung des Mose am Berg Sinai. Jesus zeigt sich als der neue Moses. Seine Perspektiven scheinen zunächst absurd. Sie haben jedoch die Kraft in sich, das Leben der Menschen zu verändern.
Wir hörten die Frohbotschaft nach Matthäus. Der Evangelist hebt Jesus als den neuen Mose hervor. Mose war die Autorität in Israel, weil er als der Prophet Jahwes vom Berg Sinai herab Gottes Gesetze verkündete. Jesus, der auch auf einen Berg gestiegen ist, setzt sich und belehrt mit größerer Vollmacht die Jünger und das Volk. Er formuliert in neuer Art seine Weisung. Er rückt Gottes Gebote in ein neues Licht. Er spricht in Form von Glückwünschen. Deshalb sagen wir: er verkündet die Seligpreisungen.
Jesus spricht seine Jünger und das Volk an. Er kennt das Leben der kleinen, armen Leute, die nichts haben, die man ausnutzt und unterbuttert, denen eine gnadenlose Schicht Mächtiger die Rechte wegnimmt. Jesus formuliert für diese Menschen acht markante Sätze, die mit „Selig, die“ beginnen. Er spricht von den Armen, von ungerecht Behandelten, von Menschen, denen Gewalt widerfährt. Er benennt solche, denen niemand Hoffnung und Mut zuspricht und ruft: „Selig seid ihr!", ihr werdet Recht und Trost finden, das Gottesreich erlangen, ihr werdet lachen und das Land besitzen.
Es mag bei uns die Frage aufkommen: Was kann so seligmachend und schön sein, wenn wir arm sind und gewaltlos leben, wenn uns Trauer und Schmerz niederbeugen, wenn wir ungerecht behandelt werden? Diese Situationen sind doch negativ und zerstören jede Freude am Leben. Wie können wir die Freude und Seligkeit erfahren, von denen Jesus spricht? Wie geht das? Klingt etwas zwischen den Zeilen mit? Was ist der Grundton, den es zu verstehen gilt?
Die Jünger kannten Jesus. Sie hörten schon länger, was er redete, und sahen, was er tat. Sie wussten, dass er nur Gutes vollbrachte und erkannten in ihm Gottes Menschenliebe und Erbarmen. In den Seligpreisungen formulierte er den Lebensstil Gottes.
Jesus lud ein, selig zu werden, indem man inmitten der äußerlich schwierigen Lage an die grenzenlose Liebe des Vaters im Himmel glaubt, der sich sogar um die Spatzen auf dem Dach und alle Haare auf unserem Haupt kümmert und damit erst Recht um unser Wohlergehen. Jesus ermutigt und meint, dass wir in Not und Bedrängnis die Gnade haben, unser Vertrauen in den uns liebenden Vater zu setzen und dabei barmherzig wie er zu unseren Mitmenschen zu sein, die uns das Leben erschweren. Er sagt uns dabei die Früchte des Glaubens zu: die Freude und Seligkeit in Gott. Was Jesus verspricht, erfahren Menschen. Das bestätigen Zeugen wie mutige Bekenner, z.B. Franziskus, den man "Bruder Immerfroh" nannte und Dietrich Bonhoeffer.
Später im 11. Kapitel greift Jesus nochmals auf, was er in der Bergpredigt verkündet: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht!“ Er ruft Dich und mich, wenn wir mit unserer Not den Schritt vertrauender Hingabe an den Vater und an ihn wagen.
Wie finden wir zu mehr und tieferem Vertrauen? Üben wir die kleinen Schritte der Liebe im Alltag zu Gott hin und zum Nächsten. Lassen wir uns vom Hl. Geist leiten, um uns füreinander zu öffnen und als Kirche zusammenzuwachsen für die Einheit der Menschen. Die Seligpreisungen haben die Kraft, in dem sich verbreitenden Egoismus und in einer Gewalt schürenden Angst anders zu leben.
Ein schönes Lied, das Jugendliche und junge Menschen gerne singen, trägt den Titel: "Unterwegs in eine neue Welt, in der ein Glaube uns zusammenhält. Unterwegs in eine neue Zeit, wir vertrauen auf Gottes Ewigkeit."
Das Lied spricht von Frieden, der aus dem Glauben kommt, von den Füßen, die Friedenswege finden, von der Bewahrung der Schöpfung, die ihre Ursache in der Hoffnung hat. Wir besingen die Gerechtigkeit, die Sorge um die Armen und den Willen Not zu wenden, die aus einem liebenden Herzen erwachsen. In der 4. Strophe fasst das Lied alle Hoffnungen als einen Traum von einer neuen Welt zusammen, in der jeder wichtig ist, und die drei Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe, sowie Gottes Segen uns auf unseren Wegen begleiten.
Junge Menschen träumen von einer neuen Welt. Sie haben Ideale und Wünsche. Sie suchen nach Glück und nach Zufriedenheit für ihr Leben, aber oft auch für das Leben der Welt. Ein Beispiel ist für mich, wenn ich erfahre, dass viele jungen Menschen nach dem Abitur oder einer Ausbildung eine Zeit als "Missionar auf Zeit" in andere Länder gehen wollen und danach bereichert zurückkommen. Wenn ihre Ziele auch hier und da unausgegoren erscheinen und auch ein Zeichen von fehlender Lebenserfahrung sind, so müssen wir sie immer ernst nehmen. Denn nur so kann sich Neues entwickeln. Nur so können neue Wege ausprobiert werden.
Wer aufhört zu träumen, hat auch oft schon resigniert. Träumen von einer neuen Welt, Ideen über neue Wege, das ist in jedem Alter erlaubt und sogar sehr wünschenswert. In seiner berühmten Rede beginnt Martin Luther King, der Bürgerrechtler in den USA, der wegen seines Einsatzes für die Rechte der schwarzen Bevölkerung ermordet wurde, jeden Satz mit den Worten: "Ich habe einen Traum ..."
Jesus hatte einen Traum. Er träumte von einer neuen Welt, von der Welt wie sie sich Gott gedacht hat. Doch Jesus hatte nicht nur einfach einen Traum. Sondern Jesus hat genau gesehen, wie diese Welt und das Leben der Menschen sein kann. Darum hat Jesus nicht einfach ein schönes, aber unrealistisches Bild von der Welt und dem Leben der Menschen gemalt. Wir, die wir an ihn und seine Worte glauben, die unser Leben mit ihm zu gestalten versuchen, sind mit ihm unterwegs in eine neue Welt. Jesus schenkt uns auf dem Berg die Seligpreisungen. Die Seligpreisungen - wie immer man sie auch ansieht - sind wie Richtlinien in dieser neuen Welt.
Man mag zuerst ein wenig zurückschrecken, sich überfordert fühlen. Man mag sie als Träumerei abtun, nur für bestimmte, besondere Christen und Christinnen umzusetzen. Wer sich in unserer Welt behaupten will, für den scheinen sie Gift zu sein. Schon gar nicht ist sie für die Gestaltung des Lebens in Wirtschaft und Politik geeignet. Auch viele Christen glauben das!
Jesus zeigt in der Bergpredigt den vollkommenen und vollendeten Menschen, nicht den perfekten, fehlerlosen Menschen. Jesus spricht davon, dass Menschen ihr Glück nur in der Einheit mit Gott und im Glauben an ihn finden.
Und es lohnt sich, diese Seligpreisungen, die Gebote der neuen Welt einmal anzuschauen. Sie sind Einladungen, verbunden mit Verheißungen für die, die sich auf die Botschaft von Jesus einlassen.
Jesus sagt: "Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich." Das ist beileibe keine Vertröstung der Armen auf das Himmelreich. Es rechtfertigt die Armut in der Welt nicht. Ich glaube auch nicht, dass ein Mensch gemeint ist, der zwar arm ist, aber das Herz eines Reichen hat, neidisch auf andere, die mehr besitzen. Arm vor Gott sein heißt für mich: ich bin so wie ich bin einzig und allein auf Gott angewiesen. Mein Leben betrachte ich als Geschenk, alles, was ich im Leben erreiche und bekomme, ist Geschenk. Das trifft für alle Bereiche des Lebens zu. Dieser Mensch lebt aus Gott. Aus dieser Haltung heraus ist ein Mensch bereit, so gut er kann und es möglich ist, weiter zu schenken, das, was man im Leben erhalten hat.
Wie anders könnte das Leben und die Welt sein, würden sich die Menschen mehr an Gott halten. Oft stelle ich das selber fest. Diese Erfahrung kann traurig machen. Hat Jesus mit den Trauernden, die getröstet werden, nicht an alle Menschen gedacht, die unter der Welt, unter ihrem Leben leiden, weil jeder Mensch, auch ich selber noch nicht so lebe, wie ich es könnte? Doch Gott schenkt Trost.
Trost bedeutet auch "Stärkung". Der Glaube an Gott stärkt mich, macht mich stark. Weil ich durch den Glauben an Gott stark bin, brauche ich mir nicht mit Gewalt Macht aneignen. Eine Macht, die ich mit Gewalt und gegen Mitmenschen mir aneigne, muss ich oft auch mit Gewalt und Unterdrückung verteidigen. Ich brauche keine Gewalt, kein Recht um jeden Preis.
Weil es meine Sehnsucht ist, bei Gott und mit ihm zu leben, darum hungere und dürste ich nach Gerechtigkeit. Auch das Wort Gerechtigkeit bedeutet vieles. Da ist die Gerechtigkeit im Urteil, wie auch die soziale Gerechtigkeit. Es ist die Gerechtigkeit, die allen Menschen gleiche Lebenschancen einräumt, die jedem Menschen seinen Platz zuerkennt.
Es kann bedeuten, die Welt und die Menschen mit den Augen Gottes zu sehen. Daraus erwächst auch Barmherzigkeit. Ich verurteile einen Mitmenschen nicht, versuche in jedem ein Abbild Gottes zu sehen, in jedem armen und geringen Jesus zu entdecken, versuche zu verstehen, warum ein Mensch so und nicht anders geworden ist und überlasse das Urteil getrost und gelassen Gott.
Dann spricht Jesus von denen, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen. Keiner ist fehlerlos, doch ich darf immer neu anfangen, es kann für mich bedeuten, mein Herz immer wieder zu erneuern, neu mit Gott anzufangen, von Zeit zu Zeit. Für uns, die wir zur katholischen Kirche gehören, ist eine Möglichkeit die Beichte, Christinnen und Christen anderer Konfessionen haben andere Möglichkeiten. Doch auch ein reines Herz ist etwas, was ich nicht machen kann, nein: ich darf es mir von Gott schenken lassen, ich bin hier angewiesen, darf mich hier als armer vor Gott ansehen.
Weil ich ganz eins lebe mit Gott, darum lebe ich in Shalom, in Frieden mit ihm. Diesen Frieden strahle ich aus und so werde ich zum Friedensstifter. Dieser Friede geht weiter als die Abwesenheit von Krieg und Streit.
Wenn ich jetzt die letzten Gedanken Revue passieren lasse, dann spüre ich: Jesus hat uns hier eine neue Lebensmöglichkeit aufgezeichnet. Was verheißt, das können wir bereits in diesem Leben erfahren. Auf dem ersten Blick scheinen Menschen zu verlieren, aber wer mit Jesus lebt, der gewinnt. Gottes Leben, unser Ziel erfahren wir, wenn auch in Anfängen, bereits hier und heute.
Wer mit seinem Glauben ernst macht, wer nicht nur an Jesus glaubt, sondern sein Jünger ist, der kann auch heute noch beschimpft, und verfolgt werden. Weil dieser Mensch anders lebt. Dieser Mensch unterscheidet sich von der großen Masse und wird damit anderen zur Anfrage.
Dieser Mensch ist unterwegs zu einer neuen Welt, unterwegs zu einer Welt. Diese unterscheidet sich von dem, was wir erleben. In ihr anderes zählt als Ansehen, Stärke, sondern einzig und allein der Glaube an Gott. Zu dieser Welt sind wir unterwegs. Für mich bedeutet das: ich darf in die Haltung, die Jesus mir aufzeigt, hineinwachsen. Je mehr mir das gelingt, je mehr ich diese Einladung annehme, umso mehr lebe ich schon jetzt in der Welt Gottes. Ich wünsche uns, dass wir das immer tiefer spüren.
"Kopfschmerzen bereiten mir in der Bibel nicht die Worte, die ich nicht verstehe, sondern die, die ich verstehe", ein Zitat, das Bert Brecht (1898 - 1956) zugeschrieben wird. Ich kann mir vorstellen, dass es bei dieser Evangelienstelle auch sehr vielen ChristInnen so geht, die mit diesem Ausschnitt wenig oder nichts anfangen können.
Die erste Lesung bildet einen guten Einleitungssatz zu diesem Evangelium: "Suchet den Herrn all ihr Gedemütigten im Land." (Zef 2,3). Wo ist Gott zu finden? Die Seligpreisungen, die bei Matthäus viel ausführlicher als bei Lukas dargestellt sind, geben Antwort: Gott ist bei allen Menschen guten Willens zu finden, vor allem aber bei den Gedemütigten, den Unmündigen, den Armen. Gott ist bei allen zu finden, die sich um Wahrheit und Gerechtigkeit bemühen, nicht so sehr bei denen, die glauben im Besitz von Wahrheit und Gerechtigkeit zu sein.
In den zehn Geboten wird uns eine Rahmenordnung mitgegeben, die das Verhältnis von Gott und Mensch regelt, aber auch eine soziale Ordnung, die das Zusammenleben der Menschen untereinander erleichtern soll. Sehr viel davon ist auch in anderen Kulturen und Religionen zu finden, etwa das Verbot zu töten, zu stehlen, das Alter zu ehren etc.
Die Seligpreisungen gehen noch weiter, ich spreche hier von den acht Herausforderungen, die den Menschen, um wieder Bert Brecht zu nennen, "Kopfschmerzen" machen. Die Heilige Schrift sagt das Gegenteil: "Selig seid ihr...", bzw. "Wohl denen, die..." Diese Makarismen, so der griechische Fachausdruck für "glücklich", "selig", also die Seligpreisungen, sind schwer genau zu übersetzen, vielleicht so: rundherum glücklich, beglückt sein, eine Vorahnung von Ewigkeit.
Somit Gratulation, Glückwunsch denen, die... Gemeint ist jeder Mensch, denn es gibt Situationen, wo wir gedemütigt werden, wo wir uns von allen verlassen, traurig und einsam fühlen, wo wir in unserer Not zu "Unmündigen" werden, wo uns die Sprache wegbleibt und Hilfe, Erbarmen, Barmherzigkeit wohltut.
Gerechtigkeit setzt Wahrheit voraus. Die Wahrheit haben wir nur ansatzweise zur Verfügung. Deshalb macht Wahrheit verschiedene Zugänge möglich, was wir dann mit Pluralität bezeichnen. Diese Wahrheit ist uns geschenkt und geschichtlich offenbart. Jede Generation muss sie neu entdecken. Die Wahrheit wird zur "Wasserwaage der Mitmenschlichkeit", die immer neu überprüft werden muss. Wir verstehen unter Gerechtigkeit zunächst menschliche elementare Existenzsicherung, soziale Absicherung besonders für Krankheit und Alter. Die Heilige Schrift geht noch weiter. Sie meint Heilsgerechtigkeit, also über den Tod hinausgehend.
In unserem Dasein gelingt es nur bruchstückhaft, in sozialer Hinsicht diese Gerechtigkeit herzustellen. Bei Jeremia lesen wir: Den Armen und Schwachen verhalf Er zum Recht! Gott wird am Ende der Zeiten zurecht-rücken, was alles in dieser Welt ver-rückt ist. Deswegen ist es auch so schwer, zu Friede und Gewaltlosigkeit zu kommen. Denn Friede bedeutet ja nicht nur Stille, vielleicht sogar Totenstille, keinen Krieg zu führen, sondern die entscheidende Aussage dazu: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" Friede ist möglich, aber auch das ist Realität: Wer Frieden stiften will, muss mit Unruhe rechnen. Die Seligpreisungen lehren: Gutes und Böses liegen eng beieinander. Wer sich aber dieser Herausforderungen annimmt, hat Grund zur Freude, darf sich glücklich nennen.
Treffend hat Clemens Brentano (1778 - 1842), ein Dichter der Romantik "Glück" definiert:
Glück ist gar nicht mal so selten,
Glück wird überall beschert,
Vieles kann als Glück uns gelten,
was das Leben uns so lehrt.
Glück ist jeder neue Morgen,
Glück ist bunte Blumenpracht,
Glück sind Tage ohne Sorgen,
Glück ist, wenn man fröhlich lacht.
Glück ist eine stille Stunde,
Glück ist auch ein gutes Buch,
Glück ist Spaß in froher Runde,
Glück ist freundlicher Besuch.
Glück ist niemals ortsgebunden,
Glück kennt keine Jahreszeit,
Glück hat immer der gefunden,
der sich seines Lebens freut.
Wenn die Kirche in der Öffentlichkeit punkten will, liebe Hörerinnen und Hörer, dann verweist sie auf ihre Leistungen im sozialen Bereich, auf ihre Sozialstationen und Fachkliniken und auf ihre Bildungseinrichtungen, auf die Kindergärten und Universitäten. Und es ist in der Tat bemerkenswert, was auf diesen Feldern von zigtausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geboten wird. Umso schlimmer ist es, dass dieser Ruf durch den Missbrauch von minderjährigen Schutzbefohlenen in kirchlichen Einrichtungen im vergangenen Jahr einen Knacks bekommen hat, der besonders die katholische Kirche in Deutschland (und Österreich, Anm. der Red.) belastet. Da hilft es wenig, dass die Kirche unzähligen Kindern durch ihre Internate Schulabschlüsse ermöglicht hat, die für sie sonst unerreichbar gewesen wären. Dadurch wird kein einziger Kindesmissbrauch aufgewogen. Jede einzelne Tat bleibt ein Verbrechen.
Der Orden der Jesuiten ist in der Aufdeckung und Aufklärung des Missbrauchs in kirchlichen Einrichtungen mutig vorangegangen. Andere Gemeinschaften und Bistümer sind ihm gefolgt. Unbestritten ist inzwischen, dass zu lange die Täter und die Institutionen geschützt worden sind. Dadurch wurde die schreckliche Wahrheit verdrängt und vertuscht. An erster Stelle muss der Opferschutz stehen. Darin sind sich heute alle einig. Den Betroffenen muss ermöglicht werden, nach Jahrzehnten endlich offen und möglichst angstfrei über das zu sprechen, was ihnen widerfahren ist. Eine Hilfe dazu sind externe Beauftragte, denen sich Opfer anvertrauen können. Deren erschütternde Berichte sind zum Teil im Internet veröffentlicht.
Manche Betroffene möchten mit den jetzigen Verantwortlichen der Schulträger ins Gespräch kommen, allein oder auch in Gruppen. Auch das geschieht und erweist sich für beide Seiten als heilsam. Manche Opfer fordern, dass die Institutionen nicht nur abwarten, ob sich weitere Betroffene melden, sondern dass sie ihrerseits nach ihnen suchen. So hat sich meine Ordensgemeinschaft, die Kongregation der Redemptoristen, dazu entschlossen, die Zeitungen im Einzugsbereich unserer früheren Internate um Mithilfe bei dieser Suche zu bitten.
Ungeklärt ist noch - auch beim Runden Tisch der Bundesregierung -, wie eine finanzielle Entschädigung der Opfer aussehen könnte. Unbestritten ist dabei eine Beteiligung an erstandenen und erstehenden Therapiekosten. Wenn die meisten Vorfälle auch jahrzehntelang zurückliegen, wäre es naiv zu glauben, es handele sich hier um ein abgeschlossenes Kapitel. Ein Blick in die Tagespresse genügt, um die bleibende Aktualität zu sehen. Deshalb geht es auch um Prophylaxe. Was kann und muss getan werden, damit sich solche Übergriffe in Zukunft nicht wiederholen.
Für jede kirchliche Institution und jeden einzelnen Christen, der Täter wurde, kann es nur heißen, die eigene Schuld zu bekennen, tätige Reue zu zeigen und um Vergebung zu bitten. Meines Erachtens wäre es ein Kurzschluss, die Vorkommnisse zum Anlass zu nehmen, sich von der Glaubensgemeinschaft zu verabschieden, so verständlich und groß diese Versuchung sein mag. Es geht vielmehr um eine demütige Solidarität, zu der Paulus die Gemeinde von Korinth herausfordert: "Seht doch auf Eure Berufung, Schwestern und Brüder! Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme, sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, ...und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, ...und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, ... das, was nichts ist, damit sich kein Mensch rühmen kann vor Gott." (1Kor 1,26-29) Sogar die offensichtliche Schuld löscht die Berufung Gottes nicht aus. So höre und lese ich in diesem Jahr diesen Schrifttext.
Als Franz von Assisi vom Evangelium gedrängt wurde, sein Geld und Gut den Armen zu geben, um frei zu sein für Gott und die Menschen, - als er gerade sein Geld verteilte an die Armen, beobachtete ihn ein Priester, mit Namen Silvestro. Silvestro fiel ein, dass er Franziskus Steine für den Aufbau von San Damiano gegeben hatte. Als er sah, dass Franziskus sein Geld mit vollen Händen weggab, witterte Silvestro seine Chance, diese Steine bezahlt zu bekommen. Eilends lief er zu Franziskus. Der gab ihm einen ganzen Beutel mit Goldstücken. Glücklich rannte Silvestro nach Hause und freute sich, dass er plötzlich reich geworden war. Aber es war ihm nicht mehr wohl dabei. Er spürte, dass es nicht in Ordnung ist. Er sagte: "Ich bin ein Priester, ich bin älter und hänge am Geld. Franziskus ist jung, kein Priester, ist frei von der Gier nach Geld und lebt das Evangelium." Silvestro wurde sehr traurig. Am folgenden Tag hielt er es nicht mehr aus: Er nahm den Goldbeutel, rannte damit zu Franziskus zurück und sagte "Kann ich so leben wie Du?" Bruder Silvestro wurde einer der ersten Gefährten des hl. Franz, ein Heiliger.
Das können wir doch nicht! Wir sind kein Franziskus!" Niemand muss. Die Seligpreisungen laden mich ein. Sie sind der Form nach Glückwünsche: Selig, die arm sind vor Gott! und es wird die Verheißung hinzugefügt: Denn ihnen gehört das Himmelreich. Die Zeitgenossen des Hl. Franz bezeugen, dass er umso fröhlicher wurde, je mehr er verschenkt hatte. Durch das Schenken entstand kein Loch, das traurig machte, sondern durch das Schenken erfüllte den Heiligen eine große, selbstlose Liebe, die ihm Gottes Geist eingegossen hatte. Wenn wir wissen wollen, wie wahr die 1. Seligpreisung ist, müssen wir auf den hl. Franz und die Franziskaner schauen.
Und auch das zeigt uns dieses "fioretto", diese Erzählung über den hl. Franz: frei und aus Liebe leben, wirkt ansteckend. Danach sehnen wir uns auch. Läge nicht hier ein Hinweis, wie unsere christlichen Gemeinden anziehender werden? Längst wissen wir aus unserer Erfahrung: dass Geben seliger als Nehmen ist, dass Sanftmut und Gewaltlosigkeit tiefen inneren Frieden spenden.
Die Seligpreisungen stellen das gängige Denken auf den Kopf. Es werden Menschen als selig beglückwünscht, die alles andere als "selig" zu bezeichnen sind: Arme, Verfolgte, Sanftmütige, Traurige, jene, die sich bemühen, den Frieden zu stiften. Jesus scheint das sehr wichtig zu sein, so zu leben, denn er verkündet diese acht Seligkeiten wie eine Magna Charta, wie das "Neue Gesetz". Wie Mose damals vom Berg Sinai herab die 10 Gebote von Gott her überreichte, steigt Jesus auf den Berg, setzt sich gleichsam feierlich und verkündet das Neue Gesetz, eben Glückwünsche als Einlassbedingungen zum Gottesreich.
Noch einmal: Wieso ist man selig, wenn man zu den Leuten gehört, die nicht reich, also arm sind, die sanftmütig, gewaltlos sind, die traurig sind, also nichts zu lachen haben, die verfolgt werden...? Weil sie genau in dieser an sich fürchterlichen Situation die Gnade haben, den Geist der Liebe in ihr Herz zu lassen. Dafür gibt es auch in unseren Gemeinden zahlreiche Zeugen: sie wohnen und leben an verschiedenen Orten, in armen, aber auch wohlhabenden Häusern, in Fabriken und Büros, im öffentlichen Leben und in Schulen, in Klöstern und in Kliniken. Wir denken an die großen Heiligen wie Bonhoeffer und Mutter Theresa, aber auch die lächelnde, tröstende Person im Alltag, die Liebe austeilt, obwohl sie selber manchmal was einzustecken hat.
Die Seligpreisungen legen die Latte hoch. Und nur einer hat sie ganz gelebt: Jesus am Kreuz. Für uns bleiben sie Einladungen, die uns den Impuls für ein großzügiges Leben entfachen. Auch dann wenn wir versagen, wollen sie uns nicht entmutigen, sondern zu einem Neuanfang bewegen.
Bei der Umfrage "Was glauben die Leobener Studenten" fügten bei der Frage nach dem religiösen Bekenntnis einige hinzu "zwangsgetauft". Sie sahen im christlichen Glauben eine ihnen gegen ihren Willen auferlegte Last. So wie diesen Studenten geht es manchen Christen. Sie können sich des Glaubens nicht freuen.
Ganz anders sieht dies in der heutigen Lesung der Apostel Paulus. Für ihn ist die Berufung zum Christsein ein ganz und gar unverdientes Geschenk, eine geradezu unvorstellbare Erwählung: "Das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen". Überraschend ist nicht nur die Art und Weise der Berufung, daß oft die Schwachen und Törichten berufen sind, sondern auch der Inhalt dieser Berufung. Paulus freut sich über diese Berufung und es drängt ihn das Wissen um die große Berufung des Christen weiter zu geben.
Dies ist auch heute eine dringliche Aufgabe. Viele Menschen sind heute orientierungslos und so manche Christen haben ihre Berufung als Christ nie so kennen gelernt, daß sie darüber staunen und sich freuen konnten. Auch vielen Jugendlichen ist der Gedanke einer solchen Berufung fremd.
"Es macht unendlich traurig, Jugendlichen zu begegnen, in denen, obgleich sie intelligent und begabt sind, die Freude am Leben, an etwas zu glauben, nach hohen Zielen zu streben, auf eine auch durch den eigenen Beitrag besserungsfähige Welt zu hoffen, erloschen ist. Es sind Jugendliche, die sich im Spiel oder Drama des Lebens Überflüssig fühlen, die abgedankt haben, in Sackgasse verirrt, reduziert auf ein Minimum von Lebensspannung; ohne Berufung, aber auch ohne Zukunft, oder mit einer Zukunft, die im besten Fall eine Kopie der Gegenwart ist". (Neue Berufungen für ein neues Europa; S.17, Schlußdokument einer europäischen Tagung über Berufungspastoral)
In einer solchen Situation ist der Ruf des Apostel Paulus: "Seht auf eure Berufung!" von einer besonderen Aktualität. Aber worin besteht diese Berufung? Paulus gibt auf diese Frage in seinen Briefen viele Antworten.
Ich möchte als eine erste Antwort ein Zitat aus dem schon genannten Schlußdokument bringen: "Die Berufung ist der vorhersehende Gedanke des Schöpfers über das jeweilige Geschöpf, sie ist sein Idealplan, ist wie ein Traum, der Gott am Herzen liegt, weil ihm das Geschöpf am Herzen liegt. Gott, der Vater, will diesen Plan unterschiedlich und spezifisch für jedes Leben. Der Mensch ist nämlich ins Leben 'gerufen', und wenn er ins Leben eintritt, trägt und findet er in sich das Abbild dessen, der ihn gerufen hat. Die Berufung ist die Einladung Gottes, sich entsprechend diesem Bild zu verwirklichen."
Die Berufung wird hier verstanden als "der vorhersehende Gedanke Gottes", als "Idealplan", als "Traum", den Gott von jedem Menschen hat, als Einladung diesen ganz persönlichen Plan zu verwirklichen.
Wozu der Mensch berufen ist, erkennen wir Christen durch Jesus Christus. In einem Text des Zweiten Vatikanums heißt es: "In Wirklichkeit leuchtet nur im Geheimnis des menschgewordenen Wortes das Geheimnis des Menschen wahrhaft auf. Denn Adam, der erste Mensch, war das Vorbild des Zukünftigen, nämlich Christi des Herrn. Christus, der neue Adam, offenbart eben in der Offenbarung des Geheimnisses des Vaters und seiner Liebe dem Menschen den Menschen selbst vollständig, und erschließt ihm seine hohe Berufung". (Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Nr.22).
Jesus Christus ist der neue Adam, der exemplarische Mensch. In und durch ihn können wir die Berufung des Menschen erkennen. In dieser gemeinsamen Berufung aller soll jeder Mensch den eigenen Platz finden.
Der "Plan" - der "Traum" den Gott von den Menschen hat, steht auch im Hintergrund des heutigen Evangeliums von den Seligpreisungen. In diesem Evangelium werden Wege aufgezeigt wie dieser "Traum" vom Menschen verwirklicht werden kann, und werden die Hoffnungen genannt, die sich mit diesen Wegen verbinden.
Am Aschermittwoch beginnt die österliche Bußzeit. Bei der Austeilung des Aschenkreuzes spricht der Priester die Worte: "Bedenk, o Mensch, daß du Staub bist und zum Staub zurückkehren wirst". Das Bedenken der Vergänglichkeit soll die Umkehr herausfordern.
Am Beginn dieser österlichen Bußzeit könnte sinnvoller Weise auch das Wort des Apostel Paulus stehen: "Seht auf eure Berufung". In der österlichen Bußzeit sollen wir erneut über unsere Berufung als Christen nachdenken und uns fragen, wie wir diese Berufung in der gegenwärtigen Situation leben können.
Im Evangelium begegnen uns glückliche Menschen! Nicht weil sie klug, erfolgreich oder dumm sind… Sie werden mit Glück beschenkt!
Da können wir das „Sie“ auch gleich groß schreiben! SIE, sie alle werden mit Glück beschenkt!
Eigentlich bin ich ein Glückssucher. Nicht nur für mich.
Rufen wir ihn an, unseren Herrn!
Letztlich möchte jeder Mensch glücklich werden. Es gibt aber sehr unterschiedliche Vorstellungen vom Glück. Was macht einen Menschen glücklich? Jesus schlägt in der Bergpredigt einen Weg zum Glücklichwerden vor, der nicht gleich als solcher erkennbar ist, weil er in vielerlei Hinsicht nicht den landläufigen Vorstellungen vom Glücklichsein entspricht. Lassen wir uns von ihm herausfordern, über das Glücklichwerden nachzudenken und schauen wir uns den Weg zum Glück an, den er uns ans Herz legt.
Am Beginn bitten wir um Vergebung für alle Irrwege zum Glück, die wir selbst gegangen sind, und für alle Hindernisse, die wir anderen in den Weg gelegt haben.
Herr,
wir suchen das Glück und treffen auf Unglück.
So manches Mal spielen wir mit dem Glück.
So manches Mal spielen wir mit Menschen.
Dabei werden wir selber unglücklich.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du kennst unsere Sehnsucht.
Nach einem gelingenden, guten Leben,
nach Gerechtigkeit und Frieden.
Oft können wir nicht darüber reden.
Christus, erbarme dich.
Herr,
wir probieren alles Mögliche aus.
Doch Geld macht nicht glücklich
und unsere Erfolge sind geliehen.
Du öffnest uns die Augen.
Herr, erbarme dich.
Selig, wer den Gott Jakobs als Hilfe hat, *
wer seine Hoffnung auf den Herrn, seinen Gott, setzt.
Der Herr ist König auf ewig, *
dein Gott, Zion, durch alle Geschlechter.
(Ps. 145)
Ehre sei Gott in der Höhe!
Herr, Jesus Christus,
du bist allem treu geblieben,
wozu dein Vater dich gesendet hat.
Herr, erbarme dich.
Den Verachteten, Kranken und Gebeugten
schenktest du deine Beachtung,
damit sie durch dich Aufrichtung und Heil erfahren.
Christus, erbarme dich.
Du berufst die Menschen aller Zeiten – auch uns –,
deinem Beispiel zu folgen.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
Du hast das Himmelreich verkündet.
Herr erbarme Dich.
Nicht die Reichen und Mächtigen hast Du erwählt,
sondern die Schwachen.
Christus erbarme Dich.
Wie die Jünger wollen auch wir Dir folgen
Herr erbarme Dich.
© Edith Furtmann - familie.furtmann@t-online.de
Herr, unser Gott,
du hast uns erschaffen, damit wir dich preisen.
Gib, daß wir dich mit ungeteiltem Herzen anbeten
und die Menschen lieben, wie du sie liebst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 4. Sonntag im Jahreskreis
Unser Herr Jesus Christus hat gesagt:
"Selig, die vor Gott arm sind;
denn ihnen gehört das Himmelreich."
Darum bitten wir: Gott, unser Vater.
Bewahre uns vor der Gier nach Reichtum und Macht.
Gib, daß wir alles, was uns anvertraut ist,
recht gebrauchen.
Lehre uns, daß die Liebe unser größter Reichtum ist -
die Liebe, die du uns schenkst
und die wir einander erweisen.
Das gewähre uns durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 37
Allmächtiger Gott,
du gebietest über Himmel und Erde,
du hast Macht über die Herzen der Menschen.
Darum kommen wir voll Vertrauen zu dir;
stärke alle, die sich um die Gerechtigkeit mühen,
und schenke unserer Zeit deinen Frieden.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 2. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott, du unsere Zuflucht.
Du nimmst uns an in unserer Armut.
Schenk uns durch diese Feier die Kraft,
Trauernde zu trösten,
Hungernde zu sättigen
und Frieden zu stiften in dieser Welt.
Darum bitten wir im Heiligen Geist
durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn.
WB 4. Sonntag im Jahreskreis A
Im Bann der großen Worte werden wir ganz klein.
Bei dir, Gott, finden wir unsere Sprache wieder.
Was uns groß erscheint, nennst du töricht,
was wir töricht nennen, verwandelst du in Glück.
Es ist deine Liebe, die unser Leben reich,
unsere Hoffnung beständig,
unseren Glauben übermenschlich macht.
Wir bitten dich um die Kraft,
uns nicht blenden zu lassen
und den falschen Versprechungen
nicht auf den Leim zu gehen.
Du bist klein geworden, einer von uns,
um uns glücklich zu machen.
In unserer Zeit,
für deine Ewigkeit.
Guter Gott,
du bist da,
mitten unter uns in unserer Gemeinschaft,
tief in uns, in unserer Seele.
Heile unsere Armut,
stille unseren Hunger,
wische unsere Tränen ab,
beende unsere Einsamkeit,
verwandle unseren Hass in Liebe,
darum bitten wir dich im Heiligen Geist durch Christus unseren Herrn. - Amen.
© Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Seelsorgerin in Wels - St. Franziskus.
Herr, Jesus Christus,
in einer herausfordernden Zeit kommen wir zu dir.
Die Stimmen um uns schrecken uns.
Manchmal stehen wir ohnmächtig da.
Welche Meinung ist wirklich weise?
Eine Frage, die für Staat und Kirche steht.
Öffne uns jetzt neu für dein Wort
und schenke uns von deiner Weisheit,
damit dein Wort über unserem Willen steht.
Stärke uns in der Mahlgemeinschaft mit dir,
damit wir in den Herausforderungen unseres Alltags bestehen können. - Amen.
Glücklich nennst du die Menschen, die um ihre Armut wissen, die barmherzig sind, die Frieden stiften.
Wir befehlen dir heute die Menschen, die im Kampf um die guten Plätze das Nachsehen haben, die auch ihre Ellbogen nicht gebrauchen, die keine Schadenfreude kennen.
Herr, öffne den Blinden die Augen und richte die Gebeugten auf.
Wir befehlen dir heute die Menschen, die in ihren Berufen und in ihrem privaten Leben, mit ihren Kolleginnen und Kollegen, mit ihren Nachbarn, mit ihren Gesprächspartnern in den sozialen Medien barmherzig umgehen.
Wir befehlen dir heute die Menschen, die in vielen kleinen und großen Auseinandersetzungen dem Hass widersprechen, die im Blick auf vielen kleinen und großen Verwerfungen in der Welt Frieden stiften.
Glücklich nennst du die Menschen, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, die rein sind im Herzen, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen.
Wir befehlen dir heute die Menschen, die die Schere zwischen Arm und Reich in Worte und Zahlen fassen, die die Ungerechtigkeiten in der Welt dem Schweigen entreißen.
Wir befehlen dir heute die Menschen, die in ihren Herzen keinen Platz haben für üble Nachrede und fein verklärtem Rassismus, die in ihren Herzen menschliche Gesichter aufbewahren und Geschichten, in denen Liebe das letzte Wort behält
Wir befehlen dir heute die Menschen, die verfolgt werden, weil sie die Wahrheit sagen, die mundtot gemacht werden, weil sie ihren Mund nicht halten können, die niedergeschossen werden, weil sie auf die Straße gehen, die verscharrt werden, weil nichts mehr an sie erinnern soll.
Glücklich nennst du die Menschen, die sanftmütig sind: sie werden das Land erben. Glücklich nennst du die Menschen, die noch trauern können: sie werden getröstet werden.
In Christus,
der Liebe, Glück und Hoffnung ist
heute und in Ewigkeit.
Amen.
Wir sind beherrscht, belastet, aber auch beglückt und getragen von so vielem in unserem Leben. So wollen wir unser Leben und unsere Welt vor Gott hintragen:
Für die Menschen, die nicht lange überlegen, sondern anderen beherzt mit einem Friedensangebot begegnen.
Für die Menschen, die Macht haben über andere, die Wirtschaft, Politik und Gesellschaft lenken.
Für die Menschen, die in Syrien, Palästina, im Jemen, in der Ukraine und in vielen anderen Krisengebieten der Erde auf Frieden und ein gutes Leben hoffen.
Für die Menschen, die unter ihren Belastungen zusammenzubrechen drohen Und die Welt in Schwarz sehen.
Für die Menschen, die genug und mehr als genug haben, dass sie leichten Herzens geben können.
Für unsere geschundene Erde, dass sie den Schutz erfährt, den sie so dringend braucht.
Gott, du hast Einsamkeit, Bedrohung und Tod überwunden.
Nimm uns mit auf den Weg der Befreiung.
Sei du der König unseres Lebens. - Amen.
© Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Seelsorgerin in Wels - St. Franziskus.
Wer sich Christus zum Vorbild nimmt und ihm auf seinem Weg nachfolgt, dem wird Glückseligkeit verheißen.
Durch ihn lasst uns den Vater bitten:
Um eine Kirche, die in Demut versucht, den Forderungen des Evangeliums gerecht zu werden und sich von deiner Botschaft in Dienst nehmen lässt.
Um Frieden in einer Welt voll Leid und Ungerechtigkeit durch Waffengewalt, künstlicher Verknappung von Nahrungsmittel, Bildung und Medikamenten.
Um einen gegenseitig wertschätzenden Diskussionsprozess, in dem Zukunftsängste und Belastbarkeit durch Änderung des Lebensstils zu mehr Klimagerechtigkeit führen.
Um deine Hilfe für alle Menschen, die sich mit ihren Sorgen und Nöten an uns wenden und uns um unser Gebet bitten.
Um Geborgenheit und Glückseligkeit in deiner Nähe für alle Verstorbenen.
Im Vertrauen auf deine Verheißungen steht uns der Weg zu dir, unserem Vater, offen.
Dafür danken wir dir und preisen dich jetzt und allezeit. - Amen.
Wir wollen nun Fürbitte halten.
Herr Jesus Christus,
Du hast uns die Hoffnung gezeigt, dass es im Leben nicht auf Reichtum und weltliche Macht ankommt, sondern auf uns. Wir bitten Dich:
Für alle Menschen, denen das Nötigste zum Leben fehlt:
dass die Verantwortlichen erkennen, dass soziale Gerechtigkeit für alle der bessere Weg ist.
Für alle Menschen, die trauern und vom Leben enttäuscht sind:
dass sie neuen Lebensmut fassen und neue Wege ins Leben finden.
Für alle Menschen, die lieber verzichten, als ihre Wünsche mit Gewalt durchzusetzen:
dass sie diesen Weg im Einklang mit sich und der Welt gehen können.
Für alle Menschen, die für Gerechtigkeit und das Wohl ihrer Mitmenschen ihre ganze Kraft einsetzen:
stärke sie in ihrem Tun.
Für alle Menschen, die mit ihren Mitmenschen Erbarmen haben:
dass auch sie Erbarmen finden.
Für alle Menschen, die verlacht oder gar verfolgt werden, weil sie an Dich glauben:
sende Ihnen Trost und Schutz
Für alle Menschen, die unermüdlich nach Wegen suchen, Frieden in der Welt zu verbreiten:
dass sie gestärkt werden und nicht alleine bleiben.
Für unsere Verstorbenen:
nimm sie auf in Dein Reich.
Guter Gott, Du hast uns eingeladen, Deinem Ruf zu folgen. Immer wieder rufst Du uns, immer wieder können wir umkehren und neuanfangen.
Dafür danken wir Dir. - Amen
© Edith Furtmann - familie.furtmann@t-online.de
Herr, unser Gott,
wir legen die Gaben
als Zeichen unserer Hingabe auf deinen Altar.
Nimm sie entgegen
und mach sie zum Sakrament unserer Erlösung.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott,
das heilige Opfer reinige uns von Sünden
und mache uns zu neuen Menschen.
Es helfe uns, nach deinem Willen zu leben,
damit wir den verheißenen Lohn erlangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 6. Sonntag im Jahreskreis
Glücklich ist der Mensch, der das Brot bricht
und aus dem einen Kelch trinkt:
Er wird Christus empfangen!
Glücklich ist der Mensch, der das Brot teilt
und den Kelch reicht,
der Gemeinschaft schenkt.
Er hat Christus empfangen.
Glücklich ist der Mensch, der nicht mehr braucht als Brot und Wein.
Christus, du empfängst ihn.
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn ihn hast du zum Haupt
der neuen Schöpfung gemacht,
aus seiner Fülle haben wir alle empfangen.
Obwohl er dir gleich war an Herrlichkeit,
hat er sich selbst erniedrigt
und der Welt den Frieden gebracht
durch sein Blut,
das er am Stamm des Kreuzes vergossen hat.
Deshalb hast du ihn über alle Geschöpfe erhöht,
so wurde er für jene, die auf ihn hören,
zum Urheber des ewigen Heiles.
Durch ihn preisen wir jetzt
und in Ewigkeit dein Erbarmen und
singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Wochentage 1
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
Barmherziger Gott,
das Sakrament der Erlösung,
das wir empfangen haben,
nähre uns auf dem Weg zu dir
und schenke dem wahren Glauben
beständiges Wachstum.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
du hast uns von den alten
zu den neuen Zeichen des Heils hinübergeführt.
Lass uns die Gewohnheiten des alten Menschen ablegen
und neu werden in Heiligkeit und Gerechtigkeit.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Freitag der 4. Woche der Fastenzeit
Gott, unser Vater,
du hast uns gesättigt mit der Speise,
die du allein zu geben hast.
Laß uns von ihr leben und uns freuen
an deiner Huld und Gnade,
und laß unsere Freude fruchtbar werden in guten Taten.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Schlussgebete zur Auswahl 2
Unser Gottesdienst geht zu Ende,
unsere Wege trennen sich.
Du, Gott, bleibst in unserer Nähe.
Um Glück für die neue Woche bitten wir dich,
um glückliche Begegnungen,
um einen liebevollen Blick auf Menschen,
um einen trotzigen Geist,
wenn wir auf Unrecht und Ungerechtigkeit stoßen.
Um das Glück bitten wir dich,
dem Vertrauen mehr zuzutrauen als dem Misstrauen,
der Hoffnung mehr als dem Zweifel,
der Liebe mehr als dem Hass.
Nennst du uns glücklich, finden wir den Weg!
Mit Jesus, der uns vorangeht,
mit dem Geist, der alles verwandelt.
Vater im Himmel,
du weißt um uns.
Du kennst uns durch und durch.
Bei dir ist alles, was uns ausmacht, gut aufgehoben.
Unser Vermögen und unser Unvermögen.
Du siehst auch unser Bemühen.
Zu allen Zeiten hast du die Menschen zurückgerufen zu dir,
damit wir alle deine heilbringende Kraft erfahren dürfen.
In Jesus Christus hast du uns ein besonderes Beispiel
deiner Liebe zu uns Menschen geschenkt.
Lass uns gestärkt durch sein Mahl
und in der Zuversicht seines gelebten Glaubens an dich,
die kommende Woche bestehen.
Sei du uns nah in IHM und mit der Kraft des Hl. Geistes. - Amen.
In der Stille
der Natur
Im Trubel
eines Einkaufszentrums
Im Wirrwarr
der Seelenlandschaft
Im Gefordertsein
des Berufes
Zeit zum Hinhören
was mich mein LEBEN lehrt
Jesus stieg mit „den Seinen“
auf einen Berg
Wo ist für mich gut sein
um aufgrund „Seiner LEHRE“
Lehren aus meinen Lebenserfahrungen zu ziehen?
Wäre der SONNtag so eine Zeit?
© Sr. Maria Schlackl SDS
https://salvatorianerinnen.at/engagement/verkuendigen-als-frau-in-der-kirche/lebensimpulse-sms/
Reich bin ich.
Du schenkst mir Menschen
als Begleiter auf meinem Weg.
Danken will ich für alle,
mit denen ich Leben teilen kann,
für die Wertschätzung,
die ich erfahre,
das Verstehen, das Teilen können
von Fragen, Gedanken, Erfahrungen,
für das Miteinander
im Lachen und im Weinen.
Danken will ich für alle,
die mich herausfordern
durch ihr Anderssein,
ihren Widerstand, ihre Kritik.
Nicht immer sind sie mir willkommen,
aber wenn ich sie annehme,
wachse ich an ihnen.
Dir lasse ich die Menschen,
die ich nur schwer ertrage.
Bewahre mich davor,
auf sie herabzusehen
und ihnen achtlos zu begegnen.
Danken will ich Dir,
Freund aller Menschen,
für die, denen ich verbunden bin
im Glauben an Dich.
Es ist Dein Wohlwollen,
das mich nicht allein sein lässt
auf dem Weg zu Dir.
Segne Du unsere Begegnungen,
dass wir einander Mut machen,
Dir zu vertrauen,
der Du uns alle
liebevoll umfängst.
Aus: Antje Sabine Naegeli, Umarme mich damit ich weitergehen kann. Gebete des Vertrauens. Verlag Herder GmbH, Freiburg i. Breisgau.
in einer unseligen Zeit
sprichst DU
Jesus
auch uns zu
dass wir selig sind
wenn wir uns
unserer Bedürftigkeit -
ja unserer Armut -
unserer Trauer
und
unserem Durst
und Hunger
nach Gerechtigkeit
stellen
und
wenn wir
sanftmütig
und
barmherzig bleiben
die Reinheit des Herzens
bewahren
und
den Frieden suchen
in deiner Nachfolge
ja
dann sprichst DU uns zu
dass wir selig sind
und
uns freuen dürfen
in DIR
Beatrix Senft 2023.
Der britische Millionär Phil White möchte unbedingt mehr Steuern zahlen: Deshalb ist er zum Weltwirtschaftsforum (WEF) nach Davos in der Schweiz gereist, um die Regierungen weltweit dazu zu bewegen, Steuern für Reiche und Superreiche einzuführen.
Mehr...
Kronenzeitung am 22.1. 2023
https://www.krone.at/2907945
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.
Was macht, dass ich so fröhlich bin
in meinem kleinen Reich?
Ich sing und tanze her und hin
vom Kindbett bis zur Leich.
Was macht, dass ich so furchtlos bin
an vielen dunklen Tagen?
Es kommt ein Geist in meinen Sinn,
will mich durchs Leben tragen.
Was macht, dass ich so unbeschwert
und mich kein Trübsinn hält?
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
wohl über alle Welt.
Hans Dieter Hüsch nach Ps. 126.
"Unsere tiefgreifendste Angst ist nicht,
dass wir den Anforderungen nicht gewachsen sind.
Unsere tiefgreifendste Angst ist,
dass unsere Kraft jedes Maß übersteigt.
Unser Licht, nicht unsere Dunkelheit
macht uns am meisten Angst.
Wir fragen uns, wie kann ich es wagen,
brillant, hinreißend, talentiert und fabelhaft zu sein?
Doch in der Tat, wie kannst du es wagen,
dies alles nicht zu sein?
Du bist ein Kind Gottes.
Wenn du dich klein machst,
erweist du damit der Welt keinen Dienst.
Es ist nichts Erleuchtetes daran, dich zu ducken,
damit sich andere Leute
in deiner Gegenwart nicht unsicher fühlen.
Wir sind geboren worden, um den Glanz Gottes,
der in uns ist, zu verwirklichen.
Und er ist nicht nur in einigen von uns;
er ist in jedem Menschen.
Und wenn wir unser eigenes Licht strahlen lassen
geben wir unbewusst den anderen Menschen
die Erlaubnis, dasselbe zu tun.
Wenn wir uns von unserer eigenen Angst befreit haben,
befreit unsere Gegenwart automatisch auch andere."
Nelson Mandela, Antrittsrede als Präsident von Südafrika, Mai 1994.
Ach, was für ein trauriges Leben führen jene, die von der Welt sein und doch noch zu Gott gehören möchten! Aus dem folgenden wird euch das noch klarer werden. Ihr werdet sehen, wie lächerlich ihr Leben ist. Einmal hört ihr sie zu Gott beten oder einen Akt der Reue erwecken, ein andermal hört ihr sie fluchen, vielleicht sogar mit dem heiligen Namen Gottes. Morgens habt ihr sie in der heiligen Messe gesehen, sie sangen oder hörten die Loblieder auf Gott, und am selben Tag hört ihr sie die abscheulichsten Reden halten ... Dieselben Augen, die am Morgen die Freude hatten, Jesus Christus in der heiligen Hostie anzuschauen, werden am Tage die schamlosesten Dinge anschauen, und zwar mit Wohlgefallen. Gestern saht ihr solch einen Menschen etwas Gutes tun oder gefällig sein, heute versucht er ihn zu betrügen, wenn er einen Vorteil davon hat. Vor ein paar Augenblicken gönnte eine Mutter ihren Kindern alles mögliche Gute, und jetzt, wo sie ihr widersprechen, möchte sie sie nie gesehen haben und wünscht sie zum Teufel. Manchmal schickt sie ihre Kinder zur heiligen Messe oder zur Beichte, ein andermal wird sie sie zum Tanzvergnügen schicken, oder sie tut so, als wenn sie es nicht wüsste, oder sie verbietet es ihnen mit einem Lächeln, das sagen will: Geh nur! Einmal wird sie ihre Tochter ermahnen, vernünftig zu sein und schlechte Gesellschaft zu meiden, und ein andermal lässt sie sie stundenlang mit dem Jungen gehen, ohne irgendetwas zu sagen. Arme Mutter, du bist von der Welt! Du glaubst von Gott zu sein wegen irgendwelcher äußerlicher Frömmigkeitsübungen. Du täuschst dich. Du gehörst zur Zahl derer, zu denen Jesus gesagt hat: "Wehe der Welt!"
Aus: Gerard Rossé, Der Pfarrer von Ars, München, 2. Auflage, 2003.
Glücklich alle, die wissen,
dass ihr Leben ein Geschenk Gottes ist,
ganz und gar.
Glücklich alle, die weinen
und sich ihrer Tränen nicht schämen.
Glücklich alle, die ihre Stärke einsetzen
zur Vergebung, nicht zur Rache.
Glücklich alle, die spüren,
was ihnen selbst und anderen fehlt:
Gerechtigkeit, Heimat und Erbarmen.
Glücklich alle, die weder urteilen noch verdammen,
weil sie sich erinnern,
was sie selbst empfangen haben.
Glücklich alle, die nicht nach Lohn fragen,
sondern dienen, ohne zu heucheln.
Glücklich alle, die Frieden stiften,
auch wenn man es ihnen nicht immer lohnt.
Glücklich alle, die Undank und Missverständnisse ertragen,
weil ihnen am Glück der anderen gelegen ist.
Gott wird ihnen die Macht geben,
glücklich zu sein.
Weisheit der Bibel, nach dem Matthäusevangelium 5,3-10 Aus: Möge das Glück dich begleiten. Worte, die durchs Leben tragen. Hrsgg. Vonb Sylvia Müller und Ulrich Sander. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2005.
selig sind die da hungert und dürstet
nach der gerechtigkeit
denn sie sollen satt werden
glücklich die menschen
deren geschmacksnerven nicht abgestumpft sind
um recht von unrecht zu unterscheiden
selig die menschen
die waagschalen des gewissens besitzen
um die glaubwürdigkeit
von sonntagsreden und wahlversprechen abzuwägen
glücklich die feinsinnigen
bei denen die reden von gerechtfertigten kriegen
einen faden geschmack hinterlassen
die nicht vergessen dass die quellen des unrechts
in den waffenschmieden der kriegsgewinnler sprudeln
selig die
die sich nicht abspeisen lassen
von den totschlagargumenten der sachzwänge
die sich nicht irre machen lassen wenn
aus den falschen ecken nach solidarität gerufen wird
glücklich die wenigen menschen
die sich auf die straße wagen
um globalisierten teufelskreisläufen
die maske vom gesicht zu reißen
gepriesen die kirche
die hinter den wechselkursen der aktienmärkte
die schicksale der verlierer herauszulesen vermag
deshalb
selig die kirche
die den hals nicht vollkriegt
wenn es um gerechtigkeit geht
Aus: Siegfried Eckert, Gott in den Ohren liegen. Gebete. Mit einem Vorwort von Fulbert Steffensky. Kreuz Verlag, Stuttgart 2008.
Sieh! Da steht das Erholungsheim
einer Aktiengesellschafts-Gruppe;
morgens gibt es Haferschleim
und abends Gerstensuppe.
Und die Arbeiter dürfen auch in den Park .. .
Gut. Das ist der Pfennig.
Und wo ist die Mark -?
Sie reichen euch manche Almosen hin
unter christlichen frommen Gebeten;
sie pflegen die leidende Wöchnerin,
denn sie brauchen ja die Proleten.
Sie liefern auch einen Armensarg .. .
Das ist der Pfennig. Und wo ist die Mark -?
Die Mark ist tausend- und tausendfach
in fremde Taschen geflossen;
die Dividende hat mit viel Krach
der Aufsichtsrat beschlossen.
Für euch die Brühe. Für sie das Mark.
Für euch der Pfennig. Für sie die Mark!
Proleten!
Fallt nicht auf den Schwindel rein!
Sie schulden euch mehr als sie geben.
Sie schulden euch alles! Die Länderein,
die Bergwerke und die Wollfärberein .. .
sie schulden euch Glück und Leben.
Nimm, was du kriegst. Aber pfeif auf den Quark.
Denk an deine Klasse! Und die mach stark!
Für dich der Pfennig! Für dich die Mark!
Kämpfe - !
Aus: Kurt Tucholsky, Gedichte in einem Band. Hrsgg. Von Ute Maak und Andrea Spingler. Insel Taschenbuch, Frankfurt am Mai und Leipzig 2006.
Dieser neue Mensch
sieht fremd aus.
Angenehm,
diese Unähnlichkeit.
»Ganz der Vater.«
Hoffentlich nicht.
Er arbeitet schwer,
bringt Geräusche hervor.
Wir erraten nicht,
was er will.
Atmet, verdaut,
kriecht, jammert.
Zögernd bemerkt er
die Zweifaltigkeit.
Klettert an Wörtern
hinauf, probiert
Wippen, Schaukeln,
Verwegenheit, Angst.
Eines Tages, schlauer
als wir, verblüfft er uns.
Dann, während wir
langsam sterben,
wird er uns, unaufhaltsam,
immer ähnlicher.
Aus: Hans Magnus Enzensberger. Gedichte 1950-2005. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006.
da der Wirbel, der Tanz um das goldene Kalb, durch die Welt rast, sagst du: Es lohnt sich, sein Herz nicht zu verlieren an Geld und Reichtum, damit für Größeres«. Raum bleibt.
In einer Zeit, da viele die Fragen ersticken, die alles in Frage stellen, sagst du: Es lohnt sich, zu fragen und zu suchen nach dem, was bleibenden Wert hat.
In einer Zeit, da Kriege geführt werden im Großen und Kleinen, sagst du: Es lohnt sich, jeden Tag neu den Frieden zu suchen und Frieden zu wirken.
In einer Zeit, da viele die Augen verschließen vor dem Elend so vieler, sagst du: Es lohnt sich, die Rechte der Entrechteten zu verteidigen.
In einer Zeit, da Vergeben und Nachgeben als Schwäche ausgelegt werden, sagst du: Es lohnt sich, immer wieder einen Neuanfang zu ermöglichen.
In einer Zeit, da viele Menschen sich nicht mehr über den Weg trauen, sagst du: Es lohnt sich; ins Miteinander der Menschen im Voraus Vertrauen zu investieren.
In einer Zeit, da sich die meisten heraushalten aus den belastenden Konflikten, sagst du: Es lohnt sich, sich ein-zumischen und um Lösungen zu kämpfen.
In einer Zeit, da viele Angst haben, sie könnten selber zwischen die Mühlsteine geraten, sagst du: Es lohnt sich, Partei zu ergreifen für das Leben.
In einer Zeit, da die Angst umgeht, im Leben zu kurz zu kommen, sagst du:
Nur wer sich selbst dreingibt, findet zum Leben.
Aus: Karlheinz May, Vom Duft der Auferstehung. Die vier Evangelien in Auszügen mit Meditationen, kommentierenden Texten und Zeichnungen. Im Eigenverlag (Holsteinstr 1, D-51065 Köln).
Wenn wir uns mal den Bauch vollhauen
schlemmen, über die Stränge schlagen
lachen, was das Zeug hält, tanzen
freuen, hemmungslos
dann bist du gar nicht außen vor
nein, o Staunen, du feierst mit
freust dich an offener Freude
liebst das Lachen, den Genuss
noch mehr, wenn du trotzdem
nicht vergessen wirst
und deinen Platz behältst
in unserer Rede, unserem Tun
Feste sind ein Geschenk von dir
ein Ausstrecken, Umarmen, Massage
Entspannung, Highlight, Unterbrechung
dein Geschenk an uns, hab Dank
Aus: Iris Mandl-Schmidt, Schaff meinen Gedanken einen Weg. Gebete ins Konkrete. Matthias Grünewald Verlag, Mainz 2001

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
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Zefanja wirkte um 640 v. Chr. in Jerusalem noch vor dem Propheten Jeremia. Er kündigte ein Gericht über Jerusalem an und geißelte vor allem die Jerusameler Oberschicht, die sich an die Sitten und Kultur der assyrischen Großmacht angepasst und die religiös-nationale Jahwehkultur mehr oder weniger verlassen hatte.
Wie alle Propheten verkündete er aber auch Heil. Dieses werde den Gedemütigten zuteil, allen die Gerechtigkeit und Demut suchen. Den Herrn zu suchen heißt, ein neues Leben beginnen, Gerechtigkeit zu üben. Demut ist die Haltung, die die Glaubenden im Gegensatz zu den selbstherrlichen Reichen üben. Die Reichen vertrauen ihrem Reichtum und ihren Gesetzen, nicht mehr dem rettenden Gott. Die alten Verheißungen für Israel werden nach der Erwartung des Propheten nur dem Rest des Volkes zuteil werden.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive