Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Exodus.
In jenen Tagen
dürstete das Volk nach Wasser
und murrte gegen Mose.
Sie sagten:
Wozu hast du uns überhaupt aus Ägypten heraufgeführt,
um mich und meine Söhne und mein Vieh
vor Durst sterben zu lassen?
Mose schrie zum HERRN:
Was soll ich mit diesem Volk anfangen?
Es fehlt nur wenig und sie steinigen mich.
Der HERR antwortete Mose:
Geh am Volk vorbei
und nimm einige von den Ältesten Israels mit;
nimm auch den Stab in die Hand,
mit dem du auf den Nil geschlagen hast,
und geh!
Siehe,
dort drüben auf dem Felsen am Horeb werde ich vor dir stehen.
Dann schlag an den Felsen!
Es wird Wasser herauskommen
und das Volk kann trinken.
Das tat Mose vor den Augen der Ältesten Israels.
Den Ort nannte er Massa und Meriba, Probe und Streit,
weil die Israeliten gehadert
und den HERRN auf die Probe gestellt hatten,
indem sie sagten: Ist der HERR in unserer Mitte oder nicht?
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Hinführung:
Der hochbetagte Abraham beauftragt seinen Knecht, im Land, aus dem er ausgewandert war, eine Braut für seinen Sohn Isaak zu finden. Die Anbahnung der Beziehung zur künftigen Frau Isaaks veräuft nach einem Ritus, der in manchen Gebieten des Orienst bis heute üblich ist.
Lesung aus dem Buch Genesis
Der Knecht nahm zehn von den Kamelen seines Herrn und machte sich mit allerlei kostbaren Sachen aus dem Besitz seines Herrn auf die Reise. Er brach auf und zog nach Mesopotamien in die Stadt Nahors. Vor der Stadt ließ er die Kamele am Brunnen lagern.
Es war gegen Abend, um die Zeit, da die Frauen herauskommen, um Wasser zu schöpfen.
Er sagte: HERR, Gott meines Herrn Abraham, lass mich heute Glück haben und erweise meinem Herrn Abraham Huld! Siehe, ich stehe an der Quelle und die Töchter der Stadtbewohner werden herauskommen, um Wasser zu schöpfen. Das Mädchen, zu dem ich dann sage: Reich mir doch deinen Krug zum Trinken! und das antwortet: Trink nur, auch deine Kamele will ich tränken!, sie soll es sein, die du für deinen Knecht Isaak bestimmt hast. Daran werde ich erkennen, dass du meinem Herrn Huld erweist.
Kaum hatte er aufgehört zu sprechen, siehe, da kam auch schon Rebekka heraus. Sie war dem Betuël geboren worden, dem Sohn der Milka, der Frau des Nahor, des Bruders Abrahams. Sie trug ihren Krug auf ihrer Schulter. Das Mädchen sah sehr schön aus, eine Jungfrau, die noch kein Mann erkannt hatte. Sie stieg zur Quelle hinab, füllte ihren Krug und kam herauf. Da lief der Knecht auf sie zu und sagte: Lass mich ein wenig Wasser aus deinem Krug trinken! Trink nur, mein Herr!, antwortete sie, ließ geschwind den Krug auf ihre Hand herab und gab ihm zu trinken. Nachdem sie ihm zu trinken gegeben hatte, sagte sie: Auch für deine Kamele will ich schöpfen, bis sie sich satt getrunken haben. Geschwind leerte sie ihren Krug an der Tränke und lief noch einmal an den Brunnen zum Schöpfen. So schöpfte sie für alle Kamele.
Der Mann schaute ihr schweigend zu, um zu erkennen, ob der HERR seinen Weg gelingen ließe oder nicht. Als die Kamele sich satt getrunken hatten, nahm der Mann einen goldenen Nasenring, einen halben Schekel schwer, und zwei goldene Spangen für ihre Handgelenke, zehn Goldschekel schwer. Und er sagte: Wessen Tochter bist du? Sag mir doch, ob im Haus deines Vaters für uns Platz zum Übernachten ist! Sie antwortete ihm: Ich bin die Tochter Betuëls, des Sohnes der Milka und des Nahor. Weiter sagte sie zu ihm: Stroh und Futter haben wir reichlich, auch Platz zum Übernachten. Da verneigte sich der Mann, warf sich vor dem HERRN nieder und sagte: Gepriesen sei der HERR, der Gott meines Herrn Abraham, der meinem Herrn Huld und Treue nicht verweigert hat. Mich hat der HERR geradewegs zum Haus der Brüder meines Herrn geführt.
Kv: Hört auf die Stimme des Herrn,
verhärtet nicht euer Herz! – Kv
Kommt, lasst uns jubeln dem HERRN, *
jauchzen dem Fels unsres Heils!
Lasst uns mit Dank seinem Angesicht nahen, *
ihm jauchzen mit Liedern! - Kv
Kommt, wir wollen uns niederwerfen, uns vor ihm verneigen, *
lasst uns niederknien vor dem HERRN, unserem Schöpfer!
Denn er ist unser Gott, /
wir sind das Volk seiner Weide, *
die Herde, von seiner Hand geführt. - Kv
Würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören! /
Verhärtet euer Herz nicht wie in Meríba, *
wie in der Wüste am Tag von Massa!
Dort haben eure Väter mich versucht, *
sie stellten mich auf die Probe und hatten doch mein Tun gesehen. - Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Gerecht gemacht also aus Glauben,
haben wir Frieden mit Gott
durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Durch ihn haben wir auch im Glauben
den Zugang zu der Gnade erhalten,
in der wir stehen,
und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.
Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen;
denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen
durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.
Denn Christus ist,
als wir noch schwach waren,
für die zu dieser Zeit noch Gottlosen gestorben.
Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben;
vielleicht wird er jedoch
für einen guten Menschen sein Leben wagen.
Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin,
dass Christus für uns gestorben ist,
als wir noch Sünder waren.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die zweite Lesung des 3. Fastensonntags ist dem Brief des Apostels Paulus an die Römer entnommen. In diesem Abschnitt versucht Paulus darzulegen, was durch Jesus Christus anders geworden ist für die, die an ihn glauben. Der Schlüssel dazu ist in Vers 5 enthalten: Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.
Dadurch haben wir Anteil am Frieden. Friede meint hier einen umfassenden Zustand: Heil, erfülltes Leben, Ganzheit für jeden einzelnen und das ganze Volk Gottes. Paulus nennt diesen Zustand auch "in der Gnade stehen", in der Sphäre der Liebe Gottes leben.
In den Versen 6 bis 8 legt Paulus dar, daß uns diese Liebe Gottes unverdient als Geschenk (Gnade) zuteil geworden ist, noch vor unserer Hinkehr zu Gott, "als wir noch Sünder waren".
Weiters schließt er, daß wir erst recht in der Zukunft daran teilhaben werden, "wir durch ihn erst recht vor dem Gericht Gottes gerettet werden".
Wurde in der alttestamentlichen Lesung aus Ex. 17 der Fels zum Wasserquell und der Horeb zum Lebensversprechen auf dem Weg in das gelobte Land, wird der Gemeinde in Rom der "Zugang zu der Gnade" beschrieben: wir sind gerecht gemacht aus Glauben und haben Frieden mit Gott (Anfang), der seine Liebe zu uns darin erwiesen hat, dass Christus für uns gestorben ist (Schluß). Paulus formuliert bekenntnishaft, was die Gemeinde in Rom – eine heidenchristliche Gemeinde – erfahren hat.
In Röm. 6 wird Paulus dann die Taufe auslegen, die schon hier den "Zugang zu der Gnade" begründet.
Dass Paulus ein Meister der Verkettungen ist, lässt sich nicht übersehen: Weil wir (inklusiver Sprachgebrauch) in der Gnade stehen, rühmen wir uns unserer Hoffnung, die uns nicht zugrunde gehen lässt. Mit einem pointierten "denn" benennt Paulus den Grund: die Liebe Gottes ist in unsere Herzen ausgegossen (man beachte das Wasser-Motiv) durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.
Der Abschnitt lässt sich mit der Frage aufschließen, was "wir" haben, sprich: zugesprochen, geschenkt, anvertraut bekamen: den "Zugang zu der Gnade", den Heiligen Geist. Ein besonderes Augenmerk ruht darauf, dass Christus dafür gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Paulus wägt öffentlich ab, dass es keine rationale Begründung gibt und kein Verdienst. Was Liebe ist, offenbart sich im Tod Christi.
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Gerecht gemacht also aus Glauben,
haben wir Frieden mit Gott
durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Durch ihn haben wir auch im Glauben
den Zugang zu der Gnade erhalten,
in der wir stehen,
und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.
Mehr noch,
wir rühmen uns ebenso der Bedrängnisse;
denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld,
Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung.
Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen;
denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen
durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.
Denn Christus ist,
als wir noch schwach waren,
für die zu dieser Zeit noch Gottlosen gestorben.
Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben;
vielleicht wird er jedoch
für einen guten Menschen sein Leben wagen.
Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin,
dass Christus für uns gestorben ist,
als wir noch Sünder waren.
Nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht gemacht sind,
werden wir durch ihn erst recht vor dem Zorn gerettet werden.
Da wir mit Gott versöhnt wurden
durch den Tod seines Sohnes,
als wir noch Gottes Feinde waren,
werden wir erst recht, nachdem wir versöhnt sind,
gerettet werden durch sein Leben.
Mehr noch,
ebenso rühmen wir uns Gottes durch Jesus Christus,
unseren Herrn,
durch den wir jetzt schon die Versöhnung empfangen haben.
Kv: Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre! - Kv
Herr, du bist der Retter der Welt.
Gib mir lebendiges Wasser, damit mich nie mehr dürstet.
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit
kam er zu einer Stadt in Samarien, die Sychar hieß
und nahe bei dem Grundstück lag,
das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte.
Dort befand sich der Jakobsbrunnen.
Jesus war müde von der Reise
und setzte sich daher an den Brunnen;
es war um die sechste Stunde.
Da kam eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen.
Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken!
Seine Jünger waren nämlich in die Stadt gegangen,
um etwas zum Essen zu kaufen.
Die Samariterin sagte zu ihm:
Wie kannst du als Jude
mich, eine Samariterin, um etwas zu trinken bitten?
Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.
Jesus antwortete ihr:
Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht
und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!,
dann hättest du ihn gebeten
und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.
Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß
und der Brunnen ist tief;
woher hast du also das lebendige Wasser?
Bist du etwa größer als unser Vater Jakob,
der uns den Brunnen gegeben
und selbst daraus getrunken hat,
wie seine Söhne und seine Herden?
Jesus antwortete ihr:
Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen;
wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde,
wird niemals mehr Durst haben;
vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe,
in ihm zu einer Quelle werden,
deren Wasser ins ewige Leben fließt.
Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser,
damit ich keinen Durst mehr habe
und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen!
Er sagte zu ihr: Geh, ruf deinen Mann
und komm wieder her!
Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann.
Jesus sagte zu ihr:
Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann.
Denn fünf Männer hast du gehabt
und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann.
Damit hast du die Wahrheit gesagt.
Die Frau sagte zu ihm:
Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.
Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet;
ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte,
wo man anbeten muss.
Jesus sprach zu ihr:
Glaube mir, Frau, die Stunde kommt,
zu der ihr weder auf diesem Berg
noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.
Ihr betet an, was ihr nicht kennt,
wir beten an, was wir kennen;
denn das Heil kommt von den Juden.
Aber die Stunde kommt und sie ist schon da,
zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden
im Geist und in der Wahrheit;
denn so will der Vater angebetet werden.
Gott ist Geist
und alle, die ihn anbeten,
müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.
Die Frau sagte zu ihm:
Ich weiß, dass der Messias kommt,
der Christus heißt.
Wenn er kommt,
wird er uns alles verkünden.
Da sagte Jesus zu ihr:
Ich bin es, der mit dir spricht.
Inzwischen waren seine Jünger zurückgekommen.
Sie wunderten sich, dass er mit einer Frau sprach,
doch keiner sagte: Was suchst du?
oder: Was redest du mit ihr?
Die Frau ließ ihren Wasserkrug stehen,
kehrte zurück in die Stadt
und sagte zu den Leuten:
Kommt her, seht, da ist ein Mensch,
der mir alles gesagt hat, was ich getan habe:
Ist er vielleicht der Christus?
Da gingen sie aus der Stadt heraus und kamen zu ihm.
Währenddessen baten ihn seine Jünger: Rabbi, iss!
Er aber sagte zu ihnen:
Ich habe eine Speise zu essen,
die ihr nicht kennt.
Da sagten die Jünger zueinander:
Hat ihm jemand etwas zu essen gebracht?
Jesus sprach zu ihnen:
Meine Speise ist es,
den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat,
und sein Werk zu vollenden.
Sagt ihr nicht: Noch vier Monate dauert es bis zur Ernte?
Sieh, ich sage euch: Erhebt eure Augen
und seht, dass die Felder schon weiß sind zur Ernte!
Schon empfängt der Schnitter seinen Lohn
und sammelt Frucht für das ewige Leben,
sodass sich der Sämann und der Schnitter gemeinsam freuen.
Denn hier hat das Sprichwort recht:
Einer sät und ein anderer erntet.
Ich habe euch gesandt
zu ernten, wofür ihr euch nicht abgemüht habt;
andere haben sich abgemüht
und euch ist ihre Mühe zugutegekommen.
Aus jener Stadt kamen viele Samariter zum Glauben an Jesus
auf das Wort der Frau hin,
die bezeugt hatte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe.
Als die Samariter zu ihm kamen,
baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben;
und er blieb dort zwei Tage.
Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn
aufgrund seiner eigenen Worte.
Und zu der Frau sagten sie:
Nicht mehr aufgrund deiner Rede glauben wir,
denn wir haben selbst gehört
und wissen:
Er ist wirklich der Retter der Welt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Das Evangelium ist dem 4. Kapitel des Johannes entnommen. Jesus zieht auf dem Weg von Galiläa nach Jerusalem durch Samarien. Dieses Gebiet war einst Kernland des israelischen Nordreiches. Im 8. Jh. v. Chr. wurde es assyrische Provinz. Da sich in dieser Zeit die Bevölkerung mit der neuen Oberschicht mischte, wurde es von den Juden als kultisch unrein betrachtet. Es entwickelte sich ein eigenständiger samaritischer Kult, der sich trotz mehrfacher Versuche nie gänzlich auslöschen lies. In den Büchern des Neuen Testamentes treten an mehreren Stellen die religiösen Spannungen zwischen Juden und Samaritern zutage. Diese bilden auch den Hintergrund der Erzählung von der Begegnung Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen.
Die Frau gilt in einem mehrfachen Sinn als vom Heil abgeschnitten: Als Frau, durch ihren Lebenswandel, als Samariterin. Trotzdem nimmt Jesus Kontakt zu ihr auf; nicht nur aus einer persönlichen Notlage heraus. Es kommt zu einer Begegnung, in der die Frau (und später auch die Leute aus ihrem Dorf) zum Glauben an den Messias findet, während Jesus von den eigenen Volksangehörigen als solcher abgelehnt (im folgenden Kapitel 5) wird.
In der Erzählung haben Wasser und die Speisen, welche die Jünger besorgten, eine besondere symbolische Bedeutung. Man kann die Geschichte nicht lesen, ohne an die Wasser- und Speisungswunder des Alten Testamentes zu denken.
Betrachtet man die österliche Bußzeit als Vorbereitungszeit auf den Empfang des Taufsakramentes, so steht ab dem dritten Fastensonntag der konkrete Weg zu diesem Sakrament immer mehr im Mittelpunkt. In Sonntagsgottesdiensten und zusätzlichen Bußgottesdiensten soll die gemeinsame Vorbereitung geschehen. Dabei geht es nicht mehr um Glaubenswissen oder Glaubensbelehrung, sondern um die tiefere Erkenntnis Christi, um die Erkenntnis des eigenen Herzens oder die Befreiung vom "Negativen". Also um die intensive Vorbereitung auf die Osternacht und die Feier der Auferstehung.
Das Gespräch Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen zeigt, wie der Evangelist Johannes mit dem hintergründigen Sinn von Worten und Begriffen "spielt". Zunächst spricht Jesus von Wasser im wörtlichen Sinn. Mit seinem Angebot, "lebendiges Wasser" zu geben, kommt ein doppeldeutiger Begriff ins Spiel. Er kann, wörtlich verstanden, das fließende Wasser bezeichnen, im Unterschied zum Wasser aus der Zisterne. So fasst ihn die Frau zunächst auch auf. Zwar stellt sie erstmals die Frage nach der Würde Jesu ("Bist du etwa größer als unser Vater Jakob?"); doch ihr bleibt der tiefere Sinn des "lebendigen Wassers" selbst dann noch verborgen, als Jesus es auf das ewige Leben bezieht. Denn die Verheißung, das von Jesus gegebene Wasser werde nie mehr dürsten lassen, versteht sie als Erleichterung der täglichen Mühsal: Sie müsste nicht mehr zum Brunnen gehen, um Wasser zu schöpfen.
Jesus meint dagegen, dass das menschliche Streben nach Sinn und Erfüllung gestillt wird; er spricht von der Gabe einer neuen Existenz, die auch den Tod überdauert - vielleicht mit besonderer Beziehung zum Geist. Dass die Frau dies letztlich versteht, zeigt eine fast unscheinbare Bemerkung: Sie läßt ihr Schöpfgefäß stehen, ehe ihr Zeugnis die Einwohner der Stadt zu Jesus führt.
Das Evangelium erzählt eine Begegnung am Brunnen. Sein Ort ist weder zufällig noch unwichtig: Sychar in Samarien. Für Juden ist Samarien unrein, obwohl der Brunnen mit dem Namen Jakob, einem der Väter Israels, eng verbunden ist. Jesus spricht als Jude und Mann - gegen die gute Sitte - eine Samariterin an und erbittet von ihr Wasser. Dass die Frau keinen Namen hat, macht sie "typisch" - ihre Lebensgeschichte allerdings, die Jesus kennt, gibt ihr die Würde, einmalig zu sein.
Der Brunnen wird bei Johannes zu einem Ort der Offenbarung. Das Gespräch, das ohne Jünger geführt wird und Jesus mit der samaritanischen Frau allein zeigt, kreist um das Wasser: Jesus, der von der Frau das Wasser aus dem Brunnen erbittet, offenbart sich ihr als das "lebendige" Wasser, das ewiges Leben schenkt.
Zu dieser Offenbarung - Jesus spricht am Ende sogar davon, der Messias zu sein - gehört, dass die Heiligen Orte, der Berg Garizim für die Samariter, der Berg Zion für die Juden, nicht mehr die Orte der Gegenwart Gottes sind, auch nicht mehr Menschen und Gebete trennen: "Die Stunde kommt - und sie ist schon da (!) -, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden." Dass die Stunde schon da ist, kann nur Jesus sagen. Er selbst ist da. Der, der um Wasser bat, ist die Wahrheit: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Johannes hat die Geschichte kunstvoll aufgebaut. Er legt der samaritanischen Frau in den Mund, was zu einem Bekenntnis wird. Oder: was ihr aufgeht:
Erst ist Jesus ein Jude (V. 9), dann ein Prophet (V. 19b), am Ende formuliert sie die die Hoffnung, dass der Messias kommt (V. 25). Darauf hin offenbart sich ihr Jesus.
Die fast schon intime Begegnung am Brunnen mit vielen zärtlichen Zwischentönen wird von Johannes geöffnet: Viele Samariter kommen zum Glauben und bitten Jesus, bei ihnen zu bleiben. Zwei Tage bleibt er bei ihnen (am dritten ist seine Auferstehung).
Die Geschichte am Jakobsbrunnen endet mit der Begegnung der anderen Samariter mit der Frau. Sie legen vor ihr (!) das Bekenntnis ab: "Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt." Dieses Messiasbekenntnis ist gleich in zweifacher Hinsicht bemerkenswert: Es kommt aus dem Mund der Samariter (nicht der Juden), ist aber von einer Frau mit Vergangenheit bezeugt und vor ihr sogar bekannt. Johannes nimmt in dieser Begegnungsgeschichte das Osterzeugnis der Maria von Magdala vorweg (Joh. 20,11-18).
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit
kam er zu einer Stadt in Samarien, die Sychar hieß
und nahe bei dem Grundstück lag,
das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte.
Dort befand sich der Jakobsbrunnen.
Jesus war müde von der Reise
nd setzte sich daher an den Brunnen;
es war um die sechste Stunde.
Da kam eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen.
Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken!
Seine Jünger waren nämlich in die Stadt gegangen,
um etwas zum Essen zu kaufen.
Die Samariterin sagte zu ihm:
Wie kannst du als Jude
mich, eine Samariterin, um etwas zu trinken bitten?
Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.
Jesus antwortete ihr:
Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht
und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!,
dann hättest du ihn gebeten
und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.
Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß
und der Brunnen ist tief;
woher hast du also das lebendige Wasser?
Bist du etwa größer als unser Vater Jakob,
der uns den Brunnen gegeben
und selbst daraus getrunken hat,
wie seine Söhne und seine Herden?
Jesus antwortete ihr:
Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen;
wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde,
wird niemals mehr Durst haben;
vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe,
in ihm zu einer Quelle werden,
deren Wasser ins ewige Leben fließt.
Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser,
damit ich keinen Durst mehr habe
und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen!
Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.
Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet;
ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte,
wo man anbeten muss.
Jesus sprach zu ihr:
Glaube mir, Frau, die Stunde kommt,
zu der ihr weder auf diesem Berg
noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.
Ihr betet an, was ihr nicht kennt,
wir beten an, was wir kennen;
denn das Heil kommt von den Juden.
Aber die Stunde kommt und sie ist schon da,
zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden
im Geist und in der Wahrheit;
denn so will der Vater angebetet werden.
Gott ist Geist
und alle, die ihn anbeten,
müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.
Die Frau sagte zu ihm:
Ich weiß, dass der Messias kommt,
der Christus heißt.
Wenn er kommt,
wird er uns alles verkünden.
Da sagte Jesus zu ihr:
Ich bin es, der mit dir spricht.
Aus jener Stadt kamen viele Samariter zum Glauben an Jesus.
Als die Samariter zu ihm kamen,
baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben;
und er blieb dort zwei Tage.
Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn
aufgrund seiner eigenen Worte.
Und zu der Frau sagten sie:
Nicht mehr aufgrund deiner Rede glauben wir,
denn wir haben selbst gehört
und wissen:
Er ist wirklich der Retter der Welt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Umstände, in denen eine namenlose Frau zur Mittagszeit Jesus am Jakobsbrunnen begegnet, erlauben ein Gespräch, das in die Tiefe geht. Jesus erweist sich als Seelsorger. Durch diese Begegnung beginnt diese Frau nicht nur wie ein Brunnen zu sprudeln, sie selbst wird zu einer Quelle, zu einer Quelle von Glauben.
Als Jakob seinem Sohn Josef den Brunnen vermachte, konnte er nicht ahnen, was sich an diesem Ort abspielen sollte. In der Mittagshitze spricht Jesus eine Frau an: Gib mir zu trinken. Beide haben sich an diesem Ort gefunden. Sie ist hier wohl zu Hause, Jesus nur Gast. Dass er sie anspricht, ist nicht die feine Art. Schließlich gehört die Frau auch noch zu den Samaritanern, die vom rechten Glauben abgewichen sind und sich in Irrlehren häuslich eingerichtet haben. Nun schon seit Jahrhunderten. Wenn das Jakob wüsste! Nur, der Satz ist jetzt gesagt: Gib mir zu trinken.
Wir sind jetzt am Jakobsbrunnen. Die Mittagshitze liegt über diesem Ort. Die Mittagshitze macht müde. Jesus ist müde. Oft wird das nicht von ihm erzählt. Der Mund ist trocken, die Beine schwer, die Füße voller Sand. Jesus macht eine Pause an diesem Brunnen. Dass Jakob schon hier war? Ob Jesus es wusste? Ein Brunnen spielt in Jakobs Geschichte eine besondere Rolle! Jakob traf hier Rachel! Rachel, das Mädchen, das seine Frau werden sollte! Wollen Sie die Geschichte nachlesen? Gen. 29. Es ist die Geschichte einer Brautwerbung - an einem Brunnen! Weil es eine Verwirrgeschichte ist, möchte ich Sie aber vorsichtshalber warnen.
An einem Brunnen treffen sich Menschen und Tiere, an einem Brunnen erzählen Menschen Geschichten, an einem Brunnen werden Geschäfte gemacht – und Zukunftspläne geschmiedet. Ein Brunnen ist tief. Aber er versiegt nicht. Ein stiller Gefährte auf langen und schweren Wegen. Verlässlich und – verschwiegen.
Dass die Frau an diesem Brunnen auch noch ein leichtes Mädchen ist oder wenigstens eine Frau mit (Männer)Geschichten, schält sich heraus. Ganz langsam. Johannes, der die Geschichte ziemlich langatmig erzählt und die gewohnte Kürze vermissen lässt, zelebriert diese Begegnung regelrecht. Es ist dann wie ein Wunder: Gib mir zu trinken – heißt: Erzähl! - Was mit einem Becher Wasser anfängt, entpuppt sich als seelsorgerliches Gespräch. Die Diskretion bleibt tatsächlich gewahrt: Wir erfahren nichts oder nicht viel. Aber wir treffen an diesem Brunnen mit Geschichte auf einen Menschen, der auf der Suche nach seinem Glück sein Glück nicht gefunden, nein, sein Glück verloren hat. Wir wissen nicht, wie lange die beiden am Brunnen gesessen haben, die Frau und Jesus. Wir wissen auch nicht, was die Frau alles erzählt hat. Es ist wohl alles aus ihr herausgesprudelt, als sie merkte, dass Jesus ihr zuhört, ihr zugewandt ist. Die Frau wird selbst zu einem Brunnen. Ob Jesus wusste, was er mit seiner Bitte anrichtete: Gib mir zu trinken?
An einem Brunnen über Wasser, über Durst, zu reden, liegt fast nahe. Wie köstlich das Wasser schmeckt, wenn man nach längerer Zeit endlich etwas trinken kann. Nicht abgestandenes! Nicht aus einer Pfütze. Frisches, lebendiges Wasser aus der Tiefe des Brunnens. Gerade geschöpft! Geschöpft wie das Leben. Es huscht über die Zunge.
Wir hören die Frau sagen:
"Herr, du hast kein Schöpfgefäß
und der Brunnen ist tief;
woher hast du also das lebendige Wasser?"
Jesus hat von lebendigem Wasser tatsächlich geredet! Aber er meinte nicht das Wasser aus der Tiefe des Brunnens, das so lebendig, so frisch ist, wie gerade für mich gemacht. Jesus möchte den Durst stillen, den wir wohl mit verschiedenen Worten beschreiben: „Sinn des Lebens“, „Trost“, „Heimat“, „Nähe“. Die Frau, die mit Jesus im Gespräch vertieft ist, hat eine Ahnung bekommen, was wahres Glück wohl meinen könnte. Die Gemeinschaft mit Gott. Die Gemeinschaft, die aus der Liebe leben kann. Die Gemeinschaft, die Hoffnung schenkt. Welchen Sinn hat es, alte Rechnungen aufzumachen? Welchen Sinn, Menschen in alten Geschichten einzuschließen? Welchen Sinn, der Resignation mehr zuzutrauen als einem fröhlichen Aufbruch? In dem, was Jesus sagt, entdecken wir den tiefen Sinn des „Glaubens“:
„Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werden… Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbart wird, dass seine Werke in Gott getan sind.“ (Joh 3,16f. 21).
Viele Künstler haben versucht, die Begegnung der Frau aus Samarien mit Jesus zu malen. Es sind viele schöne Bilder geworden. Wir bewundern sie in Museen – und im Internet. Doch: was lässt sich malen? Was nicht? Was die Geschichte so spannend macht, ist, dass es eine Liebesgeschichte wird, die nicht zufällig an einem Brunnen ihren Anfang nimmt.
Jesus verlässt Judäa und geht wieder nach Galiläa – „musste aber durch Samarien reisen“ (Joh 4,4). Diese gottlose Gegend – sie wird jetzt ganz und gar von Gott gefüllt. Von Gott geliebt. Am Ende der Geschichte heißt es: „Es glaubten aber an ihn viele der Samariter aus dieser Stadt um der Rede von Frau willen, die bezeugte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe“ (Joh 4,39).
Er hat mir „alles“ gesagt! Ich finde die Formulierung, so offen sie ist, genial. In einem Gespräch hat sich das Leben dieser Frau erschlossen. Jetzt kann sie offen darüber reden - und frei. Sie bezeugt dabei nicht nur ihr Leben, sie bezeugt Jesus. Im Land der Samariter. In der Fremde. Obwohl wir ihren Namen nicht kennen, erleben wir sie als uns vertraut und nah. Im Bild gesprochen: Diese Frau sprudelte nicht nur wie ein Brunnen, sie selbst wurde zu einer Quelle. Zu einer Quelle von Glauben. Zu einer Quelle neuer Anfänge. Zu einer Quelle von Liebe. Jesus hat das auch so zu ihr gesagt: Wir sollen zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt.
Die Frau aus Samarien ist nicht alleine geblieben. Sie hat Menschen animiert und ermutigt, ihre Lebensgeschichten anzunehmen und über sie zu reden. Sie hat aber auch Menschen bewegt, noch einmal neu anzufangen und aus alten Geschichten herauszutreten. Vieles, was verkorkst ist, lässt sich aufrollen, ohne in eine Enthüllungsstory zu geraten. Vieles, was nur zwischen den Zeilen versteckt wurde, kann aus der Tiefe hervorkommen. Dass es der alte Jakobsbrunnen ist, der neue Wege schenkt, schmeckt so gut wie das Wasser, das aus ihm immer noch quillt. Und Jesus wird uns im Evangelium als Seelsorger gezeigt und bezeugt. Er hat doch am Anfang nur einen Wunsch: Gib mir zu trinken.
Ein paar Wendungen haben wir heute bewundern können. Johannes wäre nicht Johannes, wenn er nicht überall neue Geschichten versteckt hätte. Es ist da noch viel zu entdecken.
Der Apostel Paulus hat das so in Worte gefasst:
"Gerecht gemacht also aus Glauben,
haben wir Frieden mit Gott
durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Durch ihn haben wir auch im Glauben
den Zugang zu der Gnade erhalten,
in der wir stehen
und rühmen uns der Hoffnung
auf die Herrlichkeit Gottes."
Wir wissen nur, dass sie an diesem Brunnen war, als Jesus kam. Der Jakobsbrunnen wird zu einem Lebensbrunnen. Aus der Tiefe der Geschichte kommt ein neuer Anfang. Johannes wusste, warum er das so ausgiebig erzählen, von allen Seiten beleuchten musste: Jesus ist wahrlich der Welt Heiland (Joh 4,42).
Eine FrauenPredigt zum Weltfrauentag. Eine Frau, die nicht gesehen werden will, begegnet Jesus. Diese Begegnung gibt ihr Wertschätzung, Anerkennung, Ansehen… und verändert sie und ihr Leben von Grund auf. Sie wird zur Erst-Verkünderin der guten Botschaft vom Messias.
Heute begegnen wir im Evangelium einer Frau, die am Jakobsbrunnen steht. Allein, zur falschen Uhrzeit, ohne Ansehen und am liebsten unsichtbar. Und doch wird ausgerechnet sie zur ersten Verkünderin der Guten Botschaft.
Und vielleicht ist gerade das der Moment, an dem ich als Frau besonders gut hinschauen darf: Wie sieht Jesus diese Frau? Wie spricht er mit ihr? Wie entsteht aus diesem Gespräch eine Bewegung, die ein ganzes Dorf erreicht?
Jesus hat keine Berührungsängste. Jesus sieht diese Frau – und er spricht sie an, ganz selbstverständlich, ganz unbefangen, mit echtem Interesse. Er fragt sie nach ihrer Vergangenheit und nach ihrem Durst, nach dem, was sie ersehnt, nach dem, was sie durchtränken möchte. Und er spricht mit ihr über ihren Glauben, über Hoffnung – trotz allem Frau-sein, über Gott selbst – Themen, die man(n) damals nicht mit einer Frau besprochen hat. Und noch weniger mit einer Samariterin.
Denn Samariterinnen und Samariter waren Menschen, die zwar den gleichen Gott verehrten, aber „auf die falsche Weise“. Aus Sicht vieler Juden waren sie Außenseiter. Die, die es nicht „richtig“ machen.
Ich frage mich, mache ich es heute „richtig“ – als Frau in der Seelsorge? Als Frau Gottesdienstleiterin? Und doch: Jesus sucht das Gespräch – mit ihr, ein Gespräch, das verwandelt. Jesus sieht ihre Lebensgeschichte klar, aber er verurteilt sie nicht. Er er-kennt-an, Anerkennung. Er nennt die Wahrheit – ohne Vorwurf, nur mit Respekt – mit Fakten.
Und plötzlich geschieht etwas in ihr. Es ist, als würde in der Tiefe ihrer Seele eine Quelle wieder zu sprudeln beginnen. Sie erkennt: Dieser Mann/Mensch sieht mich wirklich. Dieser Gott meint mich wirklich. Und sie spricht zum ersten Mal dieses große Wort aus: „Messias“. Und in diesem Augenblick glaubt sie nicht – sie weiß: Ja. Er ist es.
Eine Frau, die unsichtbar zum Brunnen gehen wollte, geht verwandelt zurück in ihr Dorf. Und ausgerechnet diese Frau führt viele Menschen zu Jesus. - Vielleicht auch mich?
Was hier am Brunnen geschieht, geschieht bis heute an vielen Orten dieser Welt.
Papst Franziskus schreibt im nachsynodalen Schreiben Querida Amazonia, dass in den entlegensten Gebieten Amazoniens über Jahrzehnte das christliche Leben durch Frauen bewahrt wurde. Frauen, die getauft haben, gelehrt haben, gebetet haben. Frauen, die den Glauben getragen haben, wenn kein Priester erreichbar war – über Jahrzehnte nicht erreichbar. Sie taten, was die Frau am Brunnen tat: Sie teilten das Wasser des Lebens, das sie selbst erfahren hatten.
Heute ist Weltfrauentag. Ein Tag, der manchmal nach „fertig gekautem Kaugummi“ für mich schmeckt. Man(n) weiß: Er ist wichtig. Oft frage ich mich: Frau auch? Müssten wir nicht mehr kämpfen und Einheit symbolisieren?! - Aber irgendwie wirkt er abgekaut. Wir denken an Lohnlücken, Gleichberechtigung, Care-Arbeit, an Frauenrechte und Empowerment. All das ist notwendig und gut. Und doch fehlt manchmal der Geschmack, der Funke, der uns wirklich innerlich bewegt.
Dann schaue ich wieder auf die Frau am Brunnen – und plötzlich ist da etwas Geschmack, der nach mehr lockt. Am Brunnen spüre ich: Wertschätzung, Anerkennung meiner Situation, Zuspruch, Mut.
Jesus fordert mich nicht auf, der bessere Mann zu sein. Er lädt mich ein, Frau zu sein, ganz, offen, voller Würde - und "spicy", also gut gewürzt. Er lädt mich ein, zu bleiben, stehenzubleiben, zu verkünden: Dass Gott nahe ist, dass er Hoffnung schenkt, dass er Leben in Fülle schenkt. Auch den Frauen oder gerade den Frauen? Und da bekommt mein „Weltfrauentags-Kaugummi“ wieder Geschmack. Er wird frisch, belebend, stark.
Am Ende des Evangeliums steht eine Frage im Raum, die bis heute gilt: Warum erwählt Jesus diese Frau? Warum gerade sie als erste Verkünderin? -
Vielleicht, weil Gott immer dort erscheint, wo wir es am wenigsten erwarten.
Vielleicht, weil Gott uns Frauen zutraut, seine Botschaft in diese patriarchale Welt zu tragen.
Vielleicht, weil wir Durst haben – und zugleich Quelle sein können.
Und so frage ich heute: An wen würde Jesus sich heute wenden? Wen würde er ansprechen, um seine Sicht der Dinge sichtbar zu machen? Und an wen sollen wir uns wenden – du und ich –, gerade dort, wo seine Botschaft fremd klingt oder unbequem?
Stellt euch vor, wir stehen heute mit dieser Frau am Brunnen. Wir hören Jesu Stimme. Wir spüren die Quelle in uns, die uns belebt. Wir geben ab: unser verbrauchtes Wasser - das ohne Klarheit ist, braune, stinkende Brühe - die geklärt werden muss. -
Du Jesus, kläre, entgifte, reinige mich - unsere Welt, unsere Familien, unsere Arbeitsplätze, unsere Begegnungen, unsere Kirche. Möge Gott uns Frauen ermutigen, zu tun, was diese Frau am Brunnen tat: Hören, glauben, verkündigen, Leben schenken.
© Dipl. PAss.in Ute Huemer, Schwanenstadt, Frauenkommission der Diözese Linz,
Inspiriert von: „Frauen verkünden das Wort“, K. Brockmöller, A. Jax; Verlag kbw;
„Bilder von Jesus“ A. Grün. Vier-Türme-Verlag;
„Mein Leben feiern“ B. Enzner-Probst; Verlag Patmos.
Der Weltfrauentag erinnert daran, dass Frauen weltweit gesehen noch lange nicht Männern gleichberechtigt sind, und dies Ausdruck mangelnder Wertschätzung ist. Ganz anders der Umgang Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen. Er begegnet ihr auf Augenhöhe und macht sie zur Zeugin seiner befreienden Botschaft.
Wenn der Weltfrauentag auf genau jenen Sonntag fällt, an dem im Evangelium Jesu Begegnung mit der Samariterin am Jakobsbrunnen erzählt wird, dann ist das ein besonderer Grund zum Feiern. Als liturgisch tätige katholische Frau freut es mich besonders, am Beispiel der heutigen Evangeliumserzählung Jesu Umgang mit Frauen näher zu beleuchten.
Ich verstehe den Weltfrauentag als jährlichen Tag des bewussten Hinschauens auf die Situation der Frauen in der Welt. Warum ist das nötig? Weil es über den Erdball hinweg keine Gesellschaft schafft, Frauen so zu behandeln, wie es schon die Bibel im Buch Genesis empfiehlt. Dort ist im 1. Kapitel Vers 27 zu lesen „Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn, als Mann und als Frau schuf er sie“, dass Gott den Menschen in zwei unterschiedlichen Ausformungen geschaffen hat, aber gleich in Wert und Würde. Denn diese besitzen Menschen auf Grund ihrer Gottesebenbildlichkeit. Sie weist uns alle als seine Kinder aus und bildet auch das Verbindungsglied unserer Beziehungen zueinander.
Immer wieder bilden sich auf unserer Welt jedoch gesellschaftliche, religiöse oder politische Systeme aus, die bestimmten Mitgliedern ihrer Gemeinschaft diese Würde nicht zugestehen. Besonders oft sind Frauen von dieser Geringschätzung betroffen.
Während sich in unseren westlichen Gesellschaften die Schieflage der Geschlechter in Statistiken über Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten, sowie die Verteilung jeglicher Art von „care“-Arbeit samt ihren weitreichenden Folgen negativ für das weibliche Geschlecht abbildet, werden Frauen in dominant patriarchal geprägten Gesellschaften allein eines durch nichts zu rechtfertigenden Machtanspruchs und Vorurteils ihrer Menschenwürde und ihrer Menschenrechte beraubt. Erniedrigung, Demütigung, Unterdrückung, Einschränkung jedes persönlichen Freiheitsrechts sowie körperliche und seelische Grausamkeiten sind Ausdrucksformen dieses Machtmissbrauchs.
Wohltuend gegensätzlich nimmt sich dem gegenüber Jesu Begegnung mit der Samariterin im heutigen Evangelium aus. Die Geschichte erzählt uns das zufällige Zusammentreffen zweier fremder Menschen an einem Brunnen: ein junger Mann vom Durst getrieben, eine ältere Frau die beschützende Einsamkeit der Mittagshitze ausnützend. Von Anfang an können wir an ihrem Dialog eine Begegnung auf Augenhöhe ablesen, obwohl beide sich damit außerhalb der in ihren Gemeinschaften geltenden Regeln bewegen.
Zunächst wendet sich Jesus mit einer profanen Bitte an die Frau: Er bittet um Wasser gegen den Durst. Die Kommunikation beginnt oberflächlich, sachlich und respektvoll, wird aber zunehmend inhaltsvoller. Es entwickelt sich ein tiefgründiges Gespräch über das Leben generell und Wasser, das lebendig macht, bis hin zum Bekenntnis Jesu, der versprochene Messias zu sein.
Die Veränderung im Gespräch verändert auch die Frau aus Samarien. Wie Schuppen fällt es ihr plötzlich von den Augen, dass ihre ungewöhnliche Situation vor Gott nicht eine verdammenswerte ist, wie ihr die Dorfgemeinschaft, in der sie lebt, vermittelt, sondern ihr persönliches Schicksal, zu dem sie stehen kann. Sie fühlt sich wie neugeboren. Sie hat Wasser getrunken, das neues Leben schenkt.
Jesus zeigt uns hier auf, was möglich ist, wenn Menschen sich auf einen Dialog mit ihm einlassen, aber auch, wie wir in seinem Sinne unseren Nächsten begegnen können, nämlich unvoreingenommen und offen. Begegnungen in seinem Geist können Sichtweisen verändern und Verwandlung bewirken. Menschen erfahren Erlösung und Heil. Nicht nur am Brunnen in Samarien, sondern auch heute, hier und jetzt. Damit solche Verwandlungen möglich werden ist Jesus in die Welt gekommen.
Die Witwe aus Samarien bleibt zwar nach wie vor die von fünf Männern Verlassene, weiß durch Jesus aber, dass Gott ihre schwierigen Beziehungsverhältnisse kennt, sie dafür aber nicht verurteilt, sondern sie beim Tragen dieser schweren Last unterstützt. Sie fühlt sich gesehen, als Mensch wahrgenommen und vollwertig. So gestärkt kehrt sie in ihr Dorf zurück, um den Dorfbewohnern ihre Begegnung mit dem Messias zu schildern.
Und da ereignet sich das zweite Wunder: Männer und Frauen, die normalerweise nichts auf das Geschwätz einer Witwe gegeben hätten, werden von ihrer Erzählung so berührt, dass sie sich sofort auf den Weg machen, um Jesus selbst zu treffen. Er beantwortet ihre Fragen und wird auch für sie zur Quelle lebendigen Wassers. Er zeigt ihnen den Weg, der sie frei macht und sie verbreiten seine Lehre in ihrem ganzen Siedlungsgebiet.
So funktioniert der Weg Jesu. Denen, die mit seiner Hilfe ein Leben in Gottes Geist führen, ist diese Kraftquelle auch anzumerken. Wer sein Leben im Vertrauen auf Gottes Beistand zu führen versteht, kann anderen zum Wegweiser zur Quelle mit lebendigem Wasser werden.
Als alttestamentliche Lesung passt zu diesen Predigtgedanken Gen 24,10-27 (Begegnung des Brautwerbers mit Rebekka): Vor dem Hintergrund der im Orient bis heute gebräuchlichen Form der Brautwerbung erschließt sich für die Erzählung von der Begegnung Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen eine vertiefte Sicht der Theologie des Johannestextes: Er kündigt eine Zeit an, in der eine gemeinsame spirituelle Tiefe über die Grenzen von religiösen Traditionen und Ethnien entscheidend sein wird, eine "Hochzeit der Völker".
Wie geht ein Mann im Orient auf Brautschau, und wie findet er die Richtige, wenn die Lebenswelten der Geschlechter weitgehend getrennt sind?
Palästinensische Männer lernen seit alters her und bis in jüngste Zeit ihre künftige Frau am Brunnen kennen, wie einer von ihnen 2011 erzählte: „In unserem palästinensischen Dorf gehen Frauen am Morgen und am Abend zum Brunnen, Wasser zu schöpfen. Auf dem Weg dahin sehen wir sie. Wir folgen dem Mädchen, das wir heiraten möchten, und bitten es: Gib mir zu trinken! Wenn sie dir das Wasser reicht – sie hat das Schöpfgefäß –, dann zeigt sie damit ihr Einverständnis. Gibt sie dir das Wasser nicht, musst du dich um eine andere bemühen.“
In diesem Sinne scheint es, dass auch Jesus auf Brautschau ist, als er durch Samaria wandert, und als er, allerdings um die Mittagszeit, am Jakobsbrunnen rastet und eine Frau um Wasser bittet. Jedenfalls macht die Samaritanerin seine Herkunft und die ethnischen Schranken, die er mit seiner Frage überschreitet, sofort zum Thema: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samaritanerin, um etwas zu trinken bitten?“ Vielleicht sagt sie damit durchaus provokant: Warum interessierst du dich für eine Fremde? Kriegst du vielleicht keine aus deinem eigenen Volk?
Jesus antwortet ihr, aber nicht auf ihre Frage. Stattdessen folgt ein langer Dialog: unter anderem über das lebendige Wasser, den Messias und die Anbetung im Geist und in der Wahrheit. – So verpackt der Evangelist Johannes seine Botschaft über Jesus und das anbrechende Gottesreich.
Aber bleiben wir noch bei der Brautschau am Brunnen. Bei den damaligen jüdischen Zuhörern und Zuhörerinnen klingt wohl eine Erzählung aus der hebräischen Bibel an. Für Abrahams Sohn Isaak wird eine Frau gesucht. Ein Knecht Abrahams reist dafür in die Fremde, zu Abrahams Verwandtschaft. Am Brunnen angekommen, hat er vor, die Bitte auszusprechen: „Gib mir zu trinken“, und die richtige Braut wird dann die sein, die darauf antwortet: „Trink, mein Herr, und auch für deine Kamele will ich schöpfen.“ So spricht er dann eine junge Frau am Brunnen an, allerdings abends, wenn sie nicht allein, sondern in Gesellschaft anderer zum Wasserholen kommt. Als Rebekka die richtige Antwort gibt, für ihn schöpft und auch seine Tiere tränkt, wendet sich der Knecht in aller Form an den Vater des Mädchens, um seine Zustimmung zur Heirat seiner Tochter einzuholen, und wird zum Essen und Nächtigen eingeladen. Am nächsten Morgen will die Braut gleich mit ihm aufbrechen. So wird Rebekka Isaaks Frau und damit gehen die göttliche Verheißung und die Heilsgeschichte weiter.
Jesu Brautwerbung scheint diesem Vorbild gegenüber lächerlich ungeschickt und gänzlich ohne Strategie. Müde von der Wanderung und verschwitzt setzt er sich in der Mittagszeit am Brunnen nieder, anstatt abends zu kommen, wie die anderen Männer, die sich vermutlich für diesen Anlass noch gewaschen und umgezogen haben. Außerdem hält er sich nicht am Weg auf, wo er die herbeikommenden Frauen schon von ferne beobachten könnte, um die Richtige auszuwählen. Darüber hinaus muss er rechnen, dass er umsonst wartet, weil um diese einsame Tageszeit gar keine Frau vorbeikommt, oder wenn, dann keine von gutem Ruf; und eine gläubige Jüdin in dieser Gegend schon gar nicht.
Mich bewegt dieser arme, verschwitzte, erschöpfte Jesus, der nicht ins Bild erfolgreicher Brautwerber passt. Vielmehr ist er davon abhängig, dass ihm jemand hilft seinen Durst zu löschen – denn er hat ja kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief. Er ist angewiesen, wie einst Elija in der Wüste, der die Witwe von Sarepta, auch eine Fremde, um Wasser und Brot bitten musste, als es um sein Überleben ging. Auch Jesus sucht sich also die Frau nicht aus, sondern wendet sich bittend an die, die gerade kommt. Das ist vielleicht auch die Chance für eine Begegnung auf gleicher Augenhöhe: kein Mann, der die vorübergehenden Frauen taxiert, optisch und moralisch. Und damit eben kein sexualisierter Kontakt, der die Frau, die fremde Frau zum Objekt macht; stattdessen absichtsloses Kennenlernen, Dialog und Communio. Der Durst verbindet nun beide: Jesus braucht Wasser, die namenlose Samaritanerin auch. Aber sie dürstet auch nach Gerechtigkeit, nach Wertschätzung und Respekt: als Frau, als ethnisch Fremde, als moralisch Deklassierte, als religiös Suchende. Aus dem Durst, der Bedürftigkeit beider, entsteht ein Gespräch, in dem sie füreinander schöpfen, aus der Tiefe des Brunnens und aus der Tiefe der Seele.
Von lebendigem Wasser erfrischt, von Sinn und Freude zutiefst erfüllt, vergisst die Frau sogar dann den Krug, um in ihre Stadt zu laufen, den Leuten von Jesus zu erzählen und sie zur Begegnung mit ihm einzuladen, eine wahre Apostelin für ihr Volk, ihre Kultur.
Wozu kleidet der Evangelist Johannes die Szene am Jakobsbrunnen in das Gewand der Brautwerbung? Er erinnert damit wohl seine Zuhörer:innenschaft an die Werbung um Rebekka, die dann voll Freude aus einem fremden Land hin zu Isaak aufgebrochen ist. So wie damals der Knecht wirbt nun Jesus um die Samaritanerin, damit durch sie, wie durch Rebekka, die Heilsgeschichte weitergehen kann und sich Völker und Kulturen verbinden, die einen gemeinsamen Vater haben. Für diese Frau ist das Jakob, der den Brunnen gegraben hat und Vorfahr beider Völker war, des jüdischen und des samaritanischen. Wir könnten heute auch an Abraham und Sara sowie Hagar denken, Erzeltern für die jüdische, christliche und muslimische Kultur und Religion.
Jesus eröffnet der namenlosen Frau den Zugang zum lebendigen Wasser, in ihrer eigenen Tiefe und in der Tiefe der religiösen Traditionen beider Ethnien. Er kündigt damit eine Zeit an, in der man aus der gemeinsamen spirituellen Tiefe – in Jesu Worten: aus Geist und Wahrheit – leben wird, sodass nicht mehr ein bestimmter Kult dort oder da, am Berg Garizim, im Tempel von Jerusalem oder sonst wo, entscheidend sein wird. In dieser Hochzeit der Völker klingt – wie auch in der Hochzeit zu Kana – eine nicht mehr versiegende Lebensquelle an: das Geheimnis, dass der Messias gekommen ist, als armer Bräutigam, aber in der Kraft Gottes, um unsere Krüge zu füllen bis zum Überfluss, Lebensdurst in Lebensfreude und Mangel in Fülle zu verwandeln.
© Maria Prieler-Woldan, Diözese Linz,
Inspiriert von Wilhelm Bruners, Rast am Brunnen. In: Dein Wort – mein Weg. Zeitschrift für Bibel im Alltag, 4. Jg., Heft 4/2011, S. 19 (Gesamter Beitrag: 19-22). Bruners zitiert einen Moslem, Hauselektriker der Abtei „Dormitio Mariae“ in Jerusalem, den er dort kennengelernt hat.
Im Johannesevangelium werden die irdischen Symbole wie Brot und Wasser auf eine höhere Ebene gestellt. In der zufälligen Begegnung Jesu mit einer namenlosen Samariterin entwickelt sich ein Gespräch mit Tiefgang, eine Art Tiefenbohrung…
Wenn Grundbedürfnisse nicht mehr gestillt werden können, gibt es Unruhen. Brot und Wasser gehören zu den Grundnahrungsmitteln. Größere Besiedlungen werden dort errichtet, wo es Wasser gibt: an Flüssen, Seen. Beispiele finden wir hier in Österreich zur Genüge: Wien an der Donau, Graz an der Mur, Klagenfurt am Wörthersee. Das trifft für Besiedlungen überall auf der Welt zu.
Was Menschen nicht schaffen, übergeben wir der Hilfe Gottes. Das geschieht auch in der ersten Lesung. Welcher Durst ist das? Es geht um gegenwärtige Abhilfe aus Not. Wir erinnern uns auch an die Geschichte mit dem Manna – übersetzt heißt Manna: Was ist denn das? Schmeckt eigenartig, aber gut, auf den Geschmack kommen, stillt Hunger… Noch umwirbt Gott sein Volk, auch wenn es den Herrn durch Streit und Diskussionen immer wieder auf die Probe stellt.
Echten Frieden gibt es nur, wenn Gerechtigkeit dabei ist, sonst kommt es nur zum Scheinfrieden. Frieden mit Gott bekommen wir durch den Heiligen Geist, der den Menschen beisteht, der in uns wohnt. Auf ihn sollten wir hören. Aber wir sondern uns oft von der Liebe Gottes ab und werden so zu Sündern. Durch Christus kommt Versöhnung zustande. Das braucht Geduld und Hoffnung und führt zum inneren Frieden. Die Frau am Jakobsbrunnen findet diesen im Gespräch mit Jesus, in dem die Angst der Frau abgebaut wird.
Das Evangelium spricht von der Begegnung der Frau am Jakobsbrunnen. Durst haben beide: die Frau und auch Jesus. Eine zufällige Begegnung, bei der sich ein Gespräch mit tiefgehender Wirkung entwickelt. Die Frau geht um die Mittagszeit zum Brunnen, um hoffentlich nicht gesehen zu werden, sie ist eine Frau mit schlechtem Ruf. Jesus wusste als Mensch nicht, was auf ihn zukommt. Jesus hat bei diesem Gespräch Grenzen überwunden. „Ich bin es, der mit dir redet“ (Joh 4,26). Er hat auch in ethnischer Hinsicht diese Grenze überwunden. Die Frau ist eine Samariterin, Jesus ist Jude. Gott schickt seinen Sohn in die Welt, uns zu retten. Das geschieht in diesem Gespräch. Moralisieren und herumfuchteln mit Gesetzestexten und vielleicht noch darauf herumzureiten, haben in dieser Situation nichts verloren. Vielerorts ist es bis heute noch Usus: Mit einer Person schlechten Rufs redet man nicht, man weicht ihr aus. Auf diese Weise wird sie separiert. Jesus lässt sich auf die Sünderin ein, die namenlos bleibt. Jesus hat im Laufe seines Lebens immer zwischen den Zeilen gelesen.
In diesem Gespräch erkennt Jesus den unglaublichen Lebensdurst dieser Frau. Sie schöpfen Wasser aus dem Brunnen der Barmherzigkeit, ein Aspekt der Gnade, der liebenden Zuwendung. Am Ende wird auch Jesus seinem irdischen Auftrag gerecht. „Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben, vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt." Da sagte die Frau zu ihm: "Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen.“ (Joh 4,14-15). Im Johannesevangelium werden die irdischen Symbole wie Brot und Wasser auf eine höhere Ebene gestellt.
Wer Jesus begegnet, hat gute Chancen sich selber besser kennenzulernen.
Ohne Wasser gibt es kein Leben, ohne Wasser gibt es kein Überleben. Hunger und Durst, Sattwerden, sind Bilder für unsere Sehnsucht nach einem erfüllenden Leben. Sie weisen auf unsere Grundbedürfnisse hin. Jesus tritt mit einer Frau, der er zufällig am Brunnen begegnet, in ein Gespräch ein über das, was uns lebenssatt machen kann.
Die Teuerungswelle der letzten Monate hat viele Fragen aufgeworfen, die uns davor lange nicht beschäftigt haben. Personen mit geringem Einkommen wussten von heute auf morgen nicht mehr, wie sie die Grundbedürfnisse ihres Lebens decken können. Nahrungsmittel, Miete, Energie Betriebskosten u.v.a.m. sind empfindlich teurer und für manche nicht mehr leistbar geworden. Aber auch Menschen, die nicht derart am Limit wirtschaften müssen, haben zu überlegen begonnen: Was kann ich mir leisten? Was will ich mir leisten? Wofür gebe ich mein Geld aus?
Zusätzlich ist in den letzten Woche auch die Diskussion um die Arbeitszeiten aufgeflammt. Einerseits sehen einige Politiker die Notwendigkeit, dass mehr Leute in Vollzeit beschäftigt sind und dass das Pensionsalter hinaufgesetzt wird, andere brechen eine Lanze für eine 4-Tage-Woche, nicht wenige würden gerne länger arbeiten, werden jedoch durch Sorgepflichten für Kinder oder Pflegebedürftige daran gehindert. Darüber hinaus ist "life-work-balance" zu einem Schlagwort geworden.
Diese Diskussionen lassen sich mit dem Stichwort "Lebensqualität" zusammenfassen.
Im Evangelium des 3. Fastensonntags ist Jesus auf dem Weg nach Jerusalem bei der Mittagsrast am Jakobsbrunnen einer Frau begegnet, die dort zu ungewöhnlicher Zeit Wasser schöpft. Über die Bitte um Wasser entwickelt sich ein Gespräch, in dem das Thema Wasser bald eine vielschichtige Bedeutung bekommt. Die Qualität des Wassers kann ja sehr unterschiedlich sein. Wir Österreicher sind diesbezüglich richtig verwöhnt dank der nahen Berge, aus denen wenig belastetes Quellwasser zufließt. In vielen Ländern ist das nicht so. In Palästina findet man alle Schattierungen von Wasserqualität vor, wie jeder Israel-Reisende mitbekommt. Fließwasser – das Evangelium spricht von lebendigem Wasser – ist ein Luxus, das sich damals nur die Reichsten leisten konnten.
Im Gespräch stellt sich heraus, dass im Leben dieser Frau viele Wünsche nach besserer Lebensqualität offen geblieben sind. Sie hatte nicht nur kein Fließwasser, sie musste zum Brunnen gehen, wenn es anderen Frauen zu heiß war. Offenbar war sie nicht gut in die Gemeinschaft der Ortsbewohnerinnen integriert. Ihre Sehnsucht nach höherer Lebensqualität, nach erfülltem Leben, blieb ungestillt. Ihr Lebensdurst blieb groß.
Was sie jedoch in ihrer prekären Situation anderen Menschen voraus hatte: Sie hatte ein Gespür dafür, dass das, wie sie lebte, noch nicht alles sein konnte. Mit ihren insgesamt sechs Lebenspartnern hat sie nicht das gefunden, wonach sie sich sehnte. Sie war empfänglich für die Botschaft der Zufallsbekanntschaft Jesu, der den Menschen "Geist und Leben" zugänglich machen wollte. Sie erkennt in ihm den verheißenen Messias.
Unser gegenwärtiges Kreisen um die Fragen "Was können wir uns leisten?" und "Was wollen wir uns leisten?", um work-life-balance, unser Diskutieren über Lebensqualität, kann uns öffnen für die Frage: Was kann mich in einem umfassenderen Sinn satt machen? Was kann meinen Lebenshunger, meinen Lebensdurst nachhaltiger stillen? Genügt es, nach mehr Einkommen, mehr Freizeit, intensivere Erlebnisse, mehr Wellness, mehr Erfolg usw. zu streben?
Vielleicht entdecken wir in diesen Diskussionen auch unseren Hunger und Durst nach "Geist und Leben". Mit wem können wir mehr Erfüllung und Zufriedenheit in unserem Leben erreichen? Was kann die Pflege meiner Gottesbeziehung zu einem erfüllteren Leben beitragen?
Der 3. Fastensonntag lädt uns ein, wie die Frau am Jakobsbrunnen mit Jesus ein Gespräch darüber zu führen, was meinen Lebenshunger und Lebensdurst noch besser stillen könnte als das bisher Erlebte und Erfahrene.
Aufbruch, Begegnung, Umkehr, Neubeginn werden in diesen sehr langen Texten, besonders was das Evangelium betrifft, thematisiert.
In der ersten Lesung hören wir, dass das Volk Israel unter der Führung Mose in die Freiheit geführt wird. Mose und sein Volk sind ab jetzt auf sich gestellt. Zwei hohe Werte stehen einander gegenüber: Freiheit und Sicherheit. Die Sicherheit, auch unter qualvollen Zuständen, hatten sie in Ägypten. In der Freiheit muss man sich alles selber organisieren. Die Freiheit, vor allem in der Wüste, kann zur Bedrohung werden. Grundnahrungsmittel wie Brot und Wasser fehlen. Mose kommt in eine heikle Situation. Viel Protest des Volkes.
Wir erleben heute eine ähnliche Situation. Nahrung, Wohnung ist für viele nicht mehr leistbar, alles wird teurer. In so einer Situation müssten bei Politikern die Alarmglocken läuten, sonst gibt es Randale, Gewalt nicht ausgeschlossen. So etwas ist in der Menschheitsgeschichte nicht neu. Ein Blick in die Geschichtsbücher zu werfen oder auf Erzählungen älterer Generationen zu hören, wäre dabei sehr hilfreich. Immer mehr wird der Ruf nach dem „starken Mann“ lauter. Im Buch Exodus zeigt JHWH durch Mose seine Stärke, weil er hilflos wirkt. „Was soll ich mit diesem Volk anfangen? Es fehlt nur wenig und sie steinigen mich.“ (Ex 17,4). Da kommen Wasser und Brot noch rechtzeitig. Das Volk beruhigt sich. Vom Wasser und von der Speise wird auch im Evangelium die Rede sein.
Da gibt es im Evangelium wichtige, interessante Beobachtungen, von denen nur einige zur Sprache kommen sollen. Jesus am Jakobsbrunnen. Dieser liegt im Gebiet der Samaritaner. Diese haben seit der Zerstörung des Nordreiches 722 v. Chr. und seit ihrer Deportation eine eigenständige Entwicklung genommen, für orthodoxe Juden ein Ärgernis, das bis zur Feindschaft führte. Jesus kommt um die „sechste Stunde“, also zur Mittagszeit, müde von der Reise. Niemand kommt um diese Zeit Wasser zu schöpfen. Da trifft er mit der namenlosen Samariterin zusammen.
Exegeten meinten, sie sei eine Prostituierte, weil von fünf Männern die Rede ist. Bei diesen geht es aber um fremde Götter und ihre damit verbundenen Kulte in Samarien, daher war für die JHWH-Verehrung kein Platz mehr. Es geht somit um Beziehungsfragen auf religiöser Ebene, weil verschiedene Stammesgruppen all ihre Götter nach Samarien mitbrachten. Brunnen im Orient sind Orte des Lebens und des Überlebens. Da ist „lebendiges Wasser“, also frisches Wasser notwendig und nicht abgestandenes. Jesus hatte Durst…
Die Kommunikation zwischen Samariterin und Jesus verläuft auf zwei Ebenen. Beide Personen wollen Wasser trinken, um ihren Durst zu löschen. Jesus spricht aber von einem Wasser, das er gibt, Wasser für das ewige Leben. (Joh 4,14). Es geht somit um richtigen Durst nach erfülltem Leben. Besonders im Johannesevangelium ist zu merken, dass, wie bereits erwähnt, die Kommunikation auf zwei Ebenen verläuft: auf der irdischen, leicht sichtbaren und greifbaren, sogar spürbaren Ebene, und diese wird dann erhöht (transzendiert) auf die göttliche Ebene. So entstanden die Missverständnisse.
Was bedeutet diese Begebenheit für uns heute? Diese Welt braucht religiöse Brunnen. Wir versiegeln alles, jetzt sollen die Böden wieder atmen können. Wir brauchen religiöse Brunnen, um den Durst nach Sinn, nach dem Lebenswasser Gottes zu stillen.
Ein weiterer entscheidender Punkt ist Begegnung. Schwellenangst, Lagerdenken sollen überwunden werden. Diese Begegnung braucht Zeit, ein Abtasten des jeweiligen Gesprächspartners könnte man sagen. „Wie kannst du als Jude, mich, als Samariterin, um etwas zu trinken bitten?“ (Joh 4,9). Heute ganz ähnlich abwehrend: Was, mit dem, der in der Firma unten durch ist, redest du, mit dem gibst dich ab, hilfst ihm sogar? Schämst du dich nicht? Solche Reden können wir bis in die Politik hinein hören.
Da ist vieles oft von Vorurteilen getragen, von Dingen, die überhaupt nicht oder nur teileweise stimmen. Das nährt Feindschaften. Versuchen wir wieder einmal aus der Geschichte der Ersten Republik (1918-1938) zu lernen: Österreicher schießen auf Österreicher…
Oder gegenwärtig: Christentum in der Welt ist die am meisten verfolgte Religion.
Das Gespräch zwischen Jesus und der Samariterin verlief sehr fruchtbar. Diese erkannte nämlich, worum es geht. Glauben hat mit Erkennen zu tun. „Erkennen“ und „Lieben“ sind im Hebräischen ein und dasselbe Wort. Wenn man etwas erkennt, wird man in Gedanken, Worten und Werken umkehren, vor allem dann, wenn man sich geistig verrannt hat.
Eine weitere Auffälligkeit dieses Evangeliums ist der Neubeginn. Die Frau legt ein Christusbekenntnis ab: „Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist der Gesalbte.“ (Joh 4,25). Jesus offenbart sich ihr daraufhin. Er macht ihr keine Vorwürfe. Auch zu der Frau, die die Ehe gebrochen hat, sagt er: „Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr.“ (Joh 8,11). Also: fang an, mach es ab jetzt besser!
Aufbruch, Begegnung, Umkehr, Neubeginn sind Hinweise für unser Leben. Wo haben wir Aufbrüche erlebt, wie ist es uns dabei ergangen? Wie verlaufen unsere Begegnungen? Umkehr kann auch heißen: Vorsätze zur Tat werden zu lassen, dann erfolgt ein Neubeginn.
Der Jakobsbrunnen ist ein geschichtsträchtiger und bedeutungsträchtiger Ort. Für eine Frau wird er zum Ort der besonderen Gottesbegegnung. Die Geschichte lädt ein, über meine besonderen Orte der Begegnung und der Gottesbegegnung nachzudenken.
Geprägte Orte sind Orte mit einem eigenen Zauber. Diese Orte haben viele Menschen. Sie feiern den Jahrestag ihrer Liebe an dem Ort, wo alles begann. Sie fahren mit Enkeln an die Orte der eigenen Kindheit. Manche machen seit Jahren im selben Ort Urlaub, weil er ihnen so viel bedeutet.
Geprägter Ort Jakobsbrunnen
Und der Jakobsbrunnen? Er ist in vielfacher Weise ein geprägter Ort. Zunächst steht er für die Geschichte eines Volkes. Am brennenden Dornbusch stellt Gott sich dem Mose vor als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Jeder der drei machte besondere Gotteserfahrungen. Die Geschichte Jakobs ist die Geschichte eines Ringens mit der eigenen Lebensgeschichte und mit Gott. In Jakobs Geschichte holt ihn seine Vergangenheit ihn holt ein.
Der Jakobsbrunnen ist somit der Ort einer Begegnung, die viele Rahmen sprengt. Juden und Samariter hatten nichts miteinander zu tun. Es war auch gegen die Regel, dass ein Mann in der Öffentlichkeit eine fremde Frau anspricht. Beides aber geschieht. Der Jude Jesus bittet die samaritische Frau um einen Schluck Wasser aus diesem Brunnen.
Schließlich gilt das Evangelium der Begegnung am Jakobsbrunnen auch als Lehrstück eines Seelsorgegesprächs. Aus der Frage nach einem Schluck Wasser wird ein Gespräch über Glauben, Leben und die eigene Geschichte. [Beim Vorlesen mit verteilten Rollen wird dies noch deutlicher. - Text zum Herunterladen als PDF - Text zum Herunterladen als RTF]
Die Weise, in der Johannes sein Evangelium erzählt, macht den Jakobsbrunnen noch einmal zu einem besonderen Ort. Das Johannesevangelium kennt zwei Fragen Jesu nach einem Getränk. Die eine ist am Jakobsbrunnen und schenkt der Frau ein befreiteres Leben. Die andere Stelle ist am Kreuz. Dort wird ihm gegen seinen Durst Essigwasser gereicht. Dann starb er und beschenkte alle Glaubenden mit Erlösung.
Kann diese Kirche, in der wir gerade zusammen beten und singen, ein geprägter Ort für Sie werden? Kann hier die Gelegenheit sein, die eigene Not von heute zu beschreiben und zu verändern? Die Samariterin hatte das am Brunnen nicht vor. Sie wollte nur schnell Wasser holen und am besten keinem Menschen begegnen. Kein Gespräch, keine fremden Probleme, kein Getratsche wollte sie haben. Ihr ging es nur um das Wasser für Zuhause. Dafür nahm sie einen Gang in der Hitze des Tages in Kauf. - Was nehme ich, was nehmen Sie in Kauf für das, was Ihnen wichtig ist? Zählt da die Frage der Entfernung? Oder tritt das zurück hinter der Hoffnung, mit der ich die Kirche aufsuche?
Für uns hier ist [hier können Sie den aktuellen Ort eingefügt] ein geprägter Ort, den viele Menschen immer wieder aufsuchen. (Ich sehe einige nicken.) Wir sind mit unserer Erfahrung mit diesem Ort nicht allein. Es sollte vielleicht einmal möglich werden, in einem kleinen Kreis zu erzählen, was dieser Ort mit mir gemacht hat. Freilich setzt das Vertrauen voraus. Die Menschen, die meine Geschichte hören, sollen es nicht weitertragen. Die Geschichten der anderen können ermutigen, die eine oder andere gute Erfahrung auch zu probieren. Wir werden nichts verlieren, aber können viel gewinnen.
Bei der Samariterin ist es anders. Sie steht im Ort zu ihrer Geschichte, die die meisten Menschen eh alle kennen. Sie sagt vielmehr: „Jesus hat mir geholfen, mich mit dieser Situation zu versöhnen. Ich wünsche euch das auch. Kommt mit ihm in Kontakt. Hört euch seine Hinweise und Einladungen an. Und erlebt, dass er nicht verurteilt!“
Sind die Inhalte des Gesprächs zwischen der Samariterin und Jesus nicht auch weiter aktuell?
Sie erwartete von Jesus bestimmte Umgangsformen. Haben wir sie nicht auch?
Sie konnte mit dem anderen Auftreten Jesu mitgehen. Es rührte etwas in ihr an. Und wir?
Die Frau suchte nach der Sicherheit bisheriger Antworten. Wie sehr suchen wir Sicherheit?
Das Wasser, das den Durst bleibend stillt, wünschen wir uns wohl alle. Wie träume ich davon?
Die vielen Beziehungen der Frau sprechen von ihrer Sehnsucht, aber auch von ihren Brüchen und Verletzungen. Welche davon sind meine?
Finde ich den Menschen und den Ort, um selbst über meine Dinge zu sprechen?
Dieses Evangelium ist kein Text für zwischendurch. Die Fastenzeit will ermutigen, sich in Ruhe mit einem Gedanken zu beschäftigen. In diesem Evangelium geht Jesus mit der Frau einige Schritte hin zu ihrer Freiheit, die er an Ostern vollenden wird. Es kann auch die Vollendung unserer Schritte sein.
Wasser ist lebensnotwendig und daher eine große Gabe Gottes. Die biblischen Texte führen zum Osterfest hin, an dem das Wasser der Taufe für Symbol für neues Leben gefeiert wird. Die Begegnung Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen zeigt, wie die Begegnung mit Gott zur Wahrheit und zu vollem Leben führt.
Wenn Sie sich die Evangelien und die anderen Schriftstellen der letzten beiden Sonntage ansehen und reflektieren, merken Sie eine große inhaltliche Steigerung. Wir gehen gleichsam den Kalvarienberg hinauf bis zum Höhepunkt von Tod und Auferstehung Jesu.
Der 1. Fastensonntag beginnt auch für Jesus düster: Versuchungen, denen er standhält.
Vorigen Sonntag erhellt sich das Bild hin zum Licht der Verklärung.
Die Texte vom 3. Fastensonntag zeigen Aufbruch, Umkehr, Neubeginn.
In der ersten Lesung hören wir vom Aufbruch Israels weg aus Ägypten. Da merkt man, wie schwer so ein Aufbruch, verbunden mit einem Neubeginn sein kann. Die Menschen haben das Gefühl, dass ihnen alles genommen wird, sogar das Nötigste zum Leben: Wasser und Nahrung. Deshalb beginnen sie zu murren und zweifeln an der Leitungskompetenz des Mose. Es soll alles beim Alten bleiben. In Ägypten sind wir wohl geschunden, niedergeknechtet worden, aber unsere Existenz war gesichert. Befinden sich nicht auch heute Menschen in sehr prekären Situationen? Der Beruf ist weg, alles, was wir zum Leben brauchen in Frage gestellt. Aufbruch, Änderung. Wohin soll diese Ungewissheit führen? „Die Politik hat versagt“, so hört man oft die Verzweiflung der betroffenen Personen, das stimmt aber nur zum Teil. Der Ruf nach dem starken Mann ist unüberhörbar. Politiker fürchten um ihre Abwahl, haben Angst vor haushohen Wahlniederlagen. Das alles kann zu gefährlichen politischen Situationen führen. Und Mose? Ich denke, ihm geht es nicht viel besser, wenn er zum Herrn schreit: „Was soll ich mit diesem Volk anfangen? Es fehlt nur wenig, und sie steinigen mich“ (Ex.17,4). Diese Steinigung erfolgt auch heute über Fake News, Hasspostings und Shitstorms.
Der Herr hilft. Vom Felsen des Berges Horeb kommt Wasser und das Volk kann trinken. Körper und Geist werden frisch. Auch Nahrung wird es geben: Manna. Die Menschen erkennen diese eigenartige Speise nicht: „Manna“ bedeutet nämlich: Was ist das (für eine Nahrung?)
Aufbruch, Neubeginn, Änderungen für ein ganzes Volk. Was für ein ganzes Volk notwendig ist, geschieht auch an einer einzelnen Person, an einer Frau, deren Lebensgeschichte in wenigen Worten dargestellt wird. „Da kam e i n e s a m a r i t i s c h e Frau, um Wasser zu schöpfen.“ (Joh.4,5) zum Jakobsbrunnen. Der Überlieferung nach habe Jakob diesen Brunnen gegraben, die Quelle mit erfrischendem Wasser gefasst- Quelle als erfrischender Anfang. D i e Samariterin kam mit Jesus ins Gespräch. Ihr Name wird nicht genannt. Die Samariter haben seit der Zerstörung des Nordreiches durch die Assyrer 722 vor Chr. und ihrer Deportation eine eigenständige Entwicklung genommen. Die Assyrer brachten Umsiedler ins Land, die sich mit den verbliebenen israelischen Bewohnern vermischten und durch die sich auch die Kulte verfremdeten, was unter orthodoxen Juden ein ausgesprochenes No Go war und daraus Trennung bis hin zu Feindschaften entstanden.
Auch die bunte Lebensgeschichte der Frau mit ihren fünf Männern wird offenbar. Das weist auf übergroße Sehnsucht hin. Du kannst noch fünf dazu haben, du wirst so nie glücklich sein. Mit dem Hinweis auf diese Wahrheit tritt bei ihr Umkehr durch Erkenntnis ein, die weiterführt bis zur Offenbarung Jesu: „Ich bin es, der mit dir spricht.“ (Joh.4,26). Bei dieser Begegnung zwischen Jesus und der samaritischen Frau geschieht Erstaunliches: Jesus durchbricht im Gespräch die engen Grenzen aus der kleinen Welt hinaus in die große Welt. Alle Menschen sind in dieses Heil eingeschlossen, in die Liebe einbezogen. Das wird ein Fanatiker nicht verstehen. Der richtet Zäune auf. Jesus reißt sie nieder. Zäune, Maschengitter aufrichten, Verbotsgesetze, Erlässe geschehen auch heute vielerorts auch dort, wo sie nicht notwendig sind.
Wie reißt Jesus diese Zäune des Hasses, des Fanatismus nieder? Es geschieht durch Gespräch, das aber auch von Missverständnissen begleitet ist. Es verläuft zunächst auf einer sehr realen Alltagsebene. Jesus bittet die Frau um Wasser, um Durst zu löschen, aber dieser Begriff ist noch auf einer höheren Ebene zu verstehen: „Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben.“ (Joh.4,14). Dieses Wasser wird zu einer Quelle für das ewige Leben. Gemeint ist die Sehnsucht, der Durst nach Geborgenheit, nach Leben und Liebe. Gott hat den Menschen auf Glück hin geschaffen, auf innere Zufriedenheit. Diese Gesprächsführung mit der Frau war ermunternd, erfrischend, aufbauend und trotzdem bei der Wahrheit bleibend, auch wenn diese wahrscheinlich nicht angenehm war. Es gibt auch viele öde, oberflächliche Gespräche, bedeutungslose small talks. Sie wirken wie abgestandenes Wasser. Wie ist es um unsere Gesprächsführung bestellt?
Wasser ist auch Naturquell für die Schöpfung. Jesus wird aber für sein aufmunterndes Gespräch und für seine Taten durch die Kreuzigung bestraft. Das bleibt aber wirkungslos, denn er selber spendet neues Leben. Sprudelndes, erfrischendes Wasser, Jakobsbrunnen sollen wir alle für unsere Mitmenschen sein. Ein Wunsch für die Fastenzeit und darüber hinaus.
Das Gespräch Jesu mit der Samariterin setzt an bei der alltäglichen Erfahrung des Durstes. Er führt die Gesprächspartnerin hin zu einer neuen Sichtweise ihres Lebens.
Das Gespräch Jesu mit einer Samariterin am Jakobsbrunnen kreist zunächst um Wasser aus dem Brunnen, das den Durst stillt. Jesus führt seine Gesprächspartnerin hin zum Wasser, das den Durst nach erfülltem Leben stillen kann. Dieser Durst wird gestillt, wo wir der barmherzigen Liebe Gottes begegnen.
Hinter der Erzählung vom wunderbaren Wasser aus dem Felsen (1. Lesung) steht eine beinharte Erfahrung des Durstes. Das Volk erlebt sich in die Enge getrieben, treibt Mose in die Enge, dieser schreit zu Gott. Gott hält das Schreien der Menschen aus. Es darf gestritten werden. Wenn es um die Not von Menschen geht, müssen wir Klartext aushalten.
Heute gerät ein Brunnen in den Mittelpunkt! Wir begegnen Jesus und einer Frau aus Samarien. Sie treffen sich zufällig, an einem Brunnen, mitten am Tag, als die Hitze am größten ist. Jesus ist müde von seinem Weg. Er bittet die fremde Frau um einen Becher Wasser.
Was sich daraus ergibt? Ein Gespräch, das so tief geht – wie der Brunnen, an dem schon der Erzvater Jakob saß. Alte Geschichten kommen hoch – und neue beginnen aufzublühen. Es geht um lebendiges Wasser, um Quellen, die nicht versiegen, um ewiges Leben.
Wir sind auch unterwegs. So manche Geschichte steckt uns noch in den Knochen. So mancher Zweifel umrundet uns. Jesus lädt uns ein, auszuruhen und ihm unser Leben zu öffnen. Da tut ein Brunnen richtig gut!
Der 8. März, der Internationale Frauentag, fällt heuer auf einen Sonntag. Wie steht es um die Sache der Frauen, mehr als hundert Jahre nach den ersten großen Demonstrationen um Gleichstellung und Gerechtigkeit? Wie gehen Männer um mit Rechten und Würde von Frauen? Zwei Extreme fallen mir dazu ein, welche beide die Macht des Patriarchats verdeutlichen. Erstens, es gibt nach wie vor Femizide; Männer ermorden ihre Frau, Ex-Frau oder Freundin. Zweitens: Die römisch-katholische Kirche verweigert unter fadenscheinigen Gründen die Gleichstellung bei den Weiheämtern. Nicht einmal die Wiederbelebung des Frauendiakonats gestattet die Amtskirche.
Der Evangelist Johannes erzählt hingegen eine erstaunliche Geschichte. Zwar haben Männer darin auch noch das letzte Wort, aber es klingt wie ein Nachsatz. Jesus ist darin nicht der große Held. Wie geht er mit Frauen um? Wie gelingt ihm ein Dialog auf Augenhöhe?
© Maria Prieler-Woldan, Diözese Linz.
Jesus hat sich für mich viel Zeit genommen. Wer möchte das nicht gerne sagen können? Die Samariterin am Jakobsbrunnen konnte es. Diese Begegnung war ein Weg durch ihre Liebe, ihre Bedürfnisse, ihre Niederlagen und ihre nicht endende Hoffnung. Gerade die Hoffnung hat Jesus gestärkt.
Jesus, die Grundlage der Hoffnung, bitten wir:
(Texte zum vorlesen des Evangliums mit verteilten Rollen: Download als PDF - Download als RTF)
Herr,
wir können gar nicht alles erzählen, was uns durch die Seelen huscht.
Für vieles fehlen uns die Worte.
Herr, erbarme dich.
Herr,
auch in dieser Woche hat uns so manches in Angst und Schrecken versetzt.
Das Chaos zu ordnen, will uns nicht gelingen.
Christus, erbarme dich.
Herr,
du weißt alles. Du liest auch zwischen den Zeilen.
Nach deiner Liebe sehnen wir uns.
Herr, erbarme dich.
Die Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen;
denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen
durch den Heiligen Geist,
der uns gegeben ist.
Jesus,
du begegnest Frauen mit offenem Geist und ohne Vorurteile.
Herr, erbarme dich.
Jesus,
du achtest die Grenzen von Religion und Spiritualität und führst doch in die Weite.
Herr, erbarme dich.
Jesus,
du schenkst denen, die dich suchen, den Zugang in die eigene Tiefe und Lebendigkeit.
Herr, erbarme dich.
© Maria Prieler-Woldan, Diözese Linz.
Herr, Jesus Christus,
du bist gekommen, die friedvoll Liebe des Vaters zu künden.
Herr, erbarme dich.
Du brachtest uns Hoffnung für unser Leben,
weil du von der barmherzigen Gnade Gottes kündetest.
Christus, erbarme dich.
Du schenktest uns das Wasser der Lebendigkeit.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
Du spendest lebendiges Wasser.
Herr erbarme Dich.
In Geist und Wahrheit sollen wir Gott anbeten.
Christus erbarme Dich.
Du stärkst uns,
damit wir Dein Werk auf Erden weiterführen.
Herr erbarme Dich.
Herr Jesus,
der du einen Menschen ansprichst, um ihn zu beschenken.
Kyrie, eleison.
Her Jesus,
der du auf das schaust, was diesen Menschen ausmacht.
Christe, eleison.
Herr Jesus,
der du die Menschen wachsen lässt, die deine Nähe suchen.
Kyrie, eleison.
Gott, unser Vater,
du bist der Quell des Erbarmens und der Güte,
wir stehen als Sünder vor dir,
und unser Gewissen klagt uns an
Sieh auf unsere Not und lass uns Vergebung finden
durch Fasten, Gebet und Werke der Liebe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 3. Fastensonntag
Gott.
Du bist uns nahe,
noch bevor wir zu dir kommen.
Du bist bei uns,
noch bevor wir uns aufmachen zu dir.
Sieh deine Gemeinde, die auf dich schaut:
Sieh unsere Sehnsucht nach Glück,
unseren Willen zum Guten
und unser Versagen.
Erbarme dich unserer Armut und Leere.
Fülle sie mit deinem Leben,
mit deinem Glück,
mit deiner Liebe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 25
Dir, Gott, erzählen wir kleine und große Geschichten
Unsere Lieblingsgeschichten, die wir immer wieder erzählen
und die Geschichten, die uns ständig alt aussehen lassen.
In deinem Wort lass uns Frieden finden,
Mut, aus alten Geschichten auszubrechen,
und die Kraft, mit einem frischen Geist zu leben.
Du bist die Quelle des Lebens,
der Brunnen des Heils
in Jesus Christus.
In der Kraft deines Geistes.
Heute. Für die Ewigkeit. – Amen.
Vater im Himmel,
unser tägliches Leben dörrt uns oft aus
und wir wissen gar nicht mehr,
wonach es uns eigentlich dürstet.
Führe uns neu zu den Quellen,
die uns in deinem Sohn Jesus Christus geschenkt sind,
damit wir wieder spüren können,
wessen unser Inneres bedarf, um lebendig zu sein.
Das erbitten wir durch ihn,
Jesus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Gott des Lebens,
dein Sohn hat deinen Willen erfüllt
und ist Menschen mit deiner Liebe begegnet.
Lass uns heute mit unserem Alltag sein Wort hören,
damit sich seine befreienden Worte
in unserem Herzen entfalten.
Darum bitten wir durch ihn,
deinen Sohn, den du uns gesandt hast. – Amen.
Im Evangelium sehen wir zwei Menschen an einem Brunnen. Jesus und eine Frau aus Samarien. Sie kennen sich nicht. Aber für die Frau tut sich ein neues Leben auf.
Herr,
viele Menschen möchten sich einem anderen Menschen anvertrauen, ohne Angst zu haben, nicht verstanden zu werden.
Schenke uns Ohren, die schweigen können.
Sei du die Quelle unseres Lebens!
Herr,
viele Menschen sind im Bann schlechter Nachrichten. Sie haben das Gefühl, den Boden unter ihren Füßen zu verlieren.
Schenke uns Worte, die Mut machen.
Herr,
viele Menschen lassen sich von Hassbotschaften aufwiegeln. Sie hinterlassen Spuren von Angst und Verzweiflung.
Schenke uns die Kraft, ihnen entgegenzutreten.
Herr,
viele Menschen spielen Gewaltspiele in immer neuen Wendungen. Was Realität ist und was nicht, verschwimmt in kleinen und großen Köpfen.
Schenke uns die Klarheit, verhängnisvollen Entwicklungen zu wehren.
Herr,
viele Menschen wissen nicht mehr, was Frieden ist. Sie leben in Ruinen, U-Bahn-Schächten und Kellern. Sie sind auf der Flucht und kommen doch nie an.
Schenke deiner Welt Frieden.
An einem Brunnen spricht Jesus von dem lebendigen Wasser.
Lebendiges Wasser gibst du, Lebendiges Wasser bist du, Herr.
Um lebendiges Wasser, um Hoffnung, um Mut, um neue Anfänge bitten wir dich. – Amen.
Versöhnung und Friede sind Gaben Gottes.
Um sie lasst uns ihn bitten:
Um einen neuen Aufbruch in der Ökumene im gemeinsamen Glauben an dein Erlösungswerk und der Berufung zur Nachfolge.
Um Zugang zu sauberem Trinkwasser und das stete Ringen um humane Lebensbedingungen für alle Menschen weltweit.
Um ein Klima des Vertrauens in den Familien, der Arbeitswelt und den diversen Institutionen, das ermöglicht das anzusprechen, was der Einzelne wirklich braucht.
Um Freude, Lebenskraft und Neugierde für alle, die verhärtet und in Sorgen und Trübsal gefangen sind.
Um die Hoffnung auf ein neues Leben in deiner Gegenwart für unsere Verstorbenen.
Gott allen Lebens!
Deine Liebe und Barmherzigkeit hat für uns Glaubende ein Gesicht, nämlich Jesus, der durch sein Leben, Sterben und Auferstehen für uns zum Retter geworden ist. - Amen.
Guter Gott,
Dein Sohn ist die Quelle unseres Lebens
Wir bitten Dich:
Für alle Menschen, die sich in dieser Zeit auf die Taufe vorbereiten.
Sei Du ihnen Quelle des Lebens.
Für alle Kinder, die sich auf die Erstkommunion vorbereiten.
Schenke ihnen Freude am Glauben
und die Gewissheit, dass Du bei ihnen bleibst.
Unbeachtet von der Öffentlichkeit spitzt sich im Heiligen Land die Situation wieder zu.
Hilf Israelis und Palästinensern, dass sie aufeinander zugehen können
und lernen, miteinander zu kommunizieren,
damit endlich Frieden werden kann in ihrer Heimat.
Wasser wird immer mehr zum Problem in der Welt – auch hier bei uns in Deutschland.
Hilf uns, zu erkennen, was wir tun können, damit alle Menschen Zugang zu sauberem Wasser haben und Dürren und Überflutungen nicht immer weiter zunehmen.
Immer wieder bleiben wir stecken auf unseren eingefahrenen Wegen,
sehen, dass es anderen Menschen schlecht geht und halten doch Distanz,
um unser eigenes Leben in den eingefahrenen Bahnen weiterführen zu können.
Lass uns erkennen, wo wir Quell des Lebens für andere sein können.
Wir beten für die Kranken und Sterbenden.
Stehe ihnen bei mit Deiner Liebe.
Tröste und stärke die Trauenden
und nimm unsere Verstorbenen auf in Dein Reich.
Denn Du willst, dass alle Menschen Dein Wort als Quell des Lebens begreifen.
Stärke und begleite uns auf der Suche nach unserem Platz in der Nachfolge Jesu.
Darum bitten wir durch Jesus Christus unseren Bruder und Herren. – Amen.
Die Menschen in Sychar spürten, dass Jesus ihnen Hilfe geben kann. Und sie nahmen diese an.
Herr, wir bitten dich für Menschen, die Hilfe gebrauchen:
V./A.: Herr, sei Begleiter des Lebens
Wir bitten dich für alle Menschen,
die sich enttäuscht zurückgezogen haben.
Wir bitten dich für alle Menschen,
die ihre Schuld ahnen und sich schämen.
Wir bitten dich für alle Menschen,
die einen Impuls für ein Weiter gebrauchen.
Wir bitten dich für alle Menschen,
deren Sehnsucht nach Leben verschüttet ist.
Wir bitten dich für alle Menschen,
die ihrem Elend hilflos gegenüberstehen.
Wir bitten dich für alle Menschen,
die heute sterben und für die, die deine Wahrheit schauen.
Denn wo immer du Hilfe bist, zeigt sich deine Größe und Liebe.
Auf die hoffen wir heute, in dieser Woche und in Ewigkeit. - Amen.
Zu Jesus, der um unsere tiefe Sehnsucht nach einem erfüllten Leben weiß, kommen wir mit unseren Bitten:
Um Freude aus unserem Glauben an dich, damit wir wirksam und überzeugend deine Botschaft verkünden und bezeugen können.
Um eine hoffnungsvolle Haltung in den vielen aktuellen Krisensituationen, in denen wir zwischen Panikmache, Realitätsverlust und Resignation schwanken.
Um eine gute Begleitung für alle, die sich in diesen Wochen auf den Empfang der Taufe vorbereiten.
Um Menschen, die offen und vorurteilsfrei anderen zuhören und ihnen so eine Möglichkeit bieten, sich selbst besser kennenzulernen.
Um deine Nähe für unsere Verstorbenen, in der ihr Durst nach ewigen Leben gestillt ist.
Worauf wir letztlich bauen und wie wir mit unserer tiefen Sehnsucht nach einem erfüllten Leben umgehen, entscheidet sich in unserer Beziehung zu dir Christus, unserem Herrn und Erlöser.
Dir glauben und vertrauen wir, auf dich hoffen wir und für deine Liebe danken wir dir, heute und bis in Ewigkeit. - Amen.
Barmherziger Gott,
befreie uns durch dieses Opfer von unseren Sünden
und schenke uns die Kraft, auch den Brüdern zu vergeben,
wenn sie an uns schuldig geworden sind.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Fastensonntag
Herr,
zu deiner Ehre feiern wir dieses Opfer.
Es befreie uns vom Bösen
und helfe uns,
Tag für Tag das neue Leben sichtbar zu machen,
das wir von dir empfangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 14. Sonntag im Jahreskreis
Herr,
wir bringen unsere Gaben dar für die Feier,
in der sich ein heiliger Tausch vollzieht.
Nimm sie in Gnaden an
und schenke uns dich selbst
in deinem Sohn Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 20. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
du bist der Ursprung aller Dinge.
Du gibst uns Speise und Trank
als Hilfe für das irdische Leben.
Nimm entgegen,
was du uns in die Hände gelegt hast,
und erfülle diese Gaben mit göttlicher Kraft,
damit sie uns das ewige Leben schenken.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Dienstag in der 1. Woche der Fastenzeit
Die Bittmesse
Du sagst: Gib mir zu trinken.
Aber unsere Becher sind leer und der Brunnen tief.
Du sagst: Ich gebe euch lebendiges Wasser.
Aber wir kennen nur das alte, abgestandene Wasser.
Unsere verbrauchten Hoffnungen bringen wir dir.
Brich uns das Brot!
Teile mit uns den Kelch!
Dann leben wir auf.
Dich zu empfangen,
deine Liebe zu schmecken,
dein Leib zu sein -
das erbitten wir von dir.
Wir werden zu Quellen der Hoffnung,
der Freude,
Quellen des Glaubens:
Komm, unser Herr!
Gott des Lebens,
aus dem erbetenen Wasser am Jakobsbrunnen
wurde neues Leben für die Samariterin.
Lass aus diesen Gaben von Brot und Wein
deinen Segen für uns Leben spürbar werden,
wenn wir Leib und Blut deines Sohnes empfangen.
Darum bitten wir durch ihn, unseren Herrn. – Amen.
(für den priesterlosen Wortgottesdienst)
Kehrvers:
Der Herr ist mein Hirt; er führt mich an Wasser des Lebens. (GL 37,1)
Wir kommen zu dir, o Gott, um dir zu danken.
Denn du sorgst für dein Volk und nährst es.
In der Wüste hast du ihm Wasser aus dem Felsen gegeben,
damit es nicht verdurste.
Kehrvers
In Jesus von Nazareth hast du den Bund mit deinem Volk erneuert
und ihm lebendiges Wasser gegeben, das ewiges Leben schenkt.
Wer davon trinkt, wird keinen Durst mehr haben.
Kehrvers
Im Wasser der Taufe wäscht er uns rein von unserer Schuld
und lässt er uns teilhaben an der Gemeinschaft der Kinder Gottes.
Aus Glauben hat er uns gerecht gemacht
und mit dem Frieden deines Reiches beschenkt.
Kehrvers
Darum loben und preisen wir dich,
wir beten dich an im Geist und in der Wahrheit.
Mit der ganzen Schöpfung
und mit allen Engeln und Heiligen singen wir zu deinem Lob:
Danklied, z. B.: Lasst uns loben, freudig loben (GL 489)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Er hatte der Samariterin
schon die Gnade des Glaubens geschenkt,
als er sie bat,
ihm einen Trunk Wasser zu reichen.
Nach ihrem Glauben dürstete ihn mehr
als nach dem Wasser,
denn er wollte im gläubigen Herzen
das Feuer der göttlichen Liebe entzünden.
Darum preisen dich deine Erlösten
und vereinen sich mit den Chören der Engel
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Fastensonntag 3
Wir danken dir, heiliger, starker Gott.
Du lenkst die Geschicke der Welt
und sorgst für jeden Menschen.
Du versammelst uns zu einer Gemeinschaft,
damit wir alle dein Wort hören
und deinem Sohn im Glauben folgen.
Er ist der Weg - auf diesem Weg gelangen wir zu dir;
er ist die Wahrheit - sie allein macht uns frei;
er ist das Leben und erfüllt uns mit Freude.
Darum danken wir dir, Vater, für deine Liebe,
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Wir stimmen ein in den Gesang der Engel
und bekennen zum Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 2
Jesus spricht davon, dass die wahren Beter in Geist und Wahrheit anbeten werden. Sein eigenes Gebet war von Geist und Leben erfüllt. Und er lehrte die Jünger zu beten:
Vater unser...
Herr Jesus, durch die Art, wie du behutsam mit der Lebensgeschichte der Samariterin umgegangen bist, konnte sie Frieden mit sich und dir schließen.
Wir hoffen auf diese Haltung auch gegenüber uns und bitten dich:
Schaue nicht auf unsere Sünden…
Gott begegnen
in der Hitze des Tages
in der Wüste des Lebens
beim Brunnen am Weg
Gott begegnen
unverhofft
in einem Menschen
der mich braucht
Gott begegnen
an Wegen und Plätzen
die bekannt sind
und
im Fremden
und Ausgegrenzten
Gott begegnen
sich einlassen auf ihn
Quellen erkennen
Durst löschen
und
Leben haben
Leben
von Gott geschenkt
Herr und Gott,
du hast uns mit dem Brot des Himmels gesättigt
und uns in dieser Speise
ein Unterpfand dessen gegeben,
was unseren Augen noch verborgen ist.
Lass in unserem Leben sichtbar werden,
was wir im Sakrament empfangen haben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 3. Fastensonntag
Himmlischer Vater,
dein Sohn hat verheißen,
daß wir sein göttliches Leben in uns tragen,
wenn wir ihn empfangen in der heiligen Speise.
Wir danken dir für sein Erlösungsopfer
und bitten dich:
Laß uns stets in der Freude dieses neuen Lebens wandeln,
bis wir zur ewigen Vollendung gelangen in ihm,
unserem Herrn Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Schlussgebete zur Auswahl 12
Herr Jesus Christus,
der Empfang deines Leibes und Blutes
ist für uns ein Vorgeschmack der kommenden Herrlichkeit.
Sättige uns im ewigen Leben
durch den vollen Genuss deiner Gottheit.
Der du lebst und herrschest in alle Ewigkeit. Amen.
MB Fronleichnam
Herr, unser Gott,
die heilige Speise, die wir empfangen haben,
ist uns ein Unterpfand des ewigen Heils.
Gib, dass wir mit ganzer Bereitschaft
nach diesem Heil streben,
damit wir es einst in seiner Fülle empfangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Freitag der Fastenzeit
Wir wissen wohl,
Gott,
dass Durststrecken auf uns warten,
dass uns Hoffnungen vertrocknen -
sei du uns ein Brunnen, der nicht versiegt!
Wir ahnen wohl,
Gott,
dass wir es anderen Menschen schwer machen,
dass uns Worte im Rachen kleben bleiben -
sei du uns ein Brunnen, an dem wir Leben teilen.
Dass wir aufleben und aufblühen,
das schenke uns
du, Gott, Vater, Sohn und Geist. – Amen.
Herr,
in vielfältiger Weise hast du uns in diesem Gottesdienst
den Becher der Lebendigkeit gereicht.
Lass uns nun unter deinem Segen in die neue Woche gehen
und dich, und deine Liebe zu uns, durch Wort und Tat verkünden.
Mache für uns diese Tage der Fastenzeit zu einer Oase,
damit wir erkennen, was für unser Leben wirklich wichtig ist.
Du Quelle des Lebens, dir sei Lob und Dank. – Amen.
Herr,
nach der Begegnung mit dir
wurde die Samariterin zur Botin deiner Liebe.
Auch wir sind dir in Wort und Kommunion begegnet.
Lass auch uns zu deinen Zeugen
und zu Boten deiner Liebe werden.
Darum bitten wir in deinem Namen. - Amen.
Gott,
wir danken dir für den Brunnen in unserer Mitte:
für die Begegnung mit dir,
für die Begegnung untereinander,
für das Evangelium.
Du bist für uns das lebendige Wasser,
in deiner Liebe blühen wir auf,
vertrocknete Hoffnungen bekommen neue Kraft
und der versickerte Glauben treibt aus.
Nimm unser Vertrauen in deiner Hand,
schütze die Hoffnung vor dem Tod
und lass uns in der Liebe wachsen.
Bis du vollendest, was wir nicht vollenden können.
Durch Christus, unseren Herrn.
Gott, der Vater, den wir in Geist und Wahrheit anbeten,
schenke euch seinen Segen und seine Liebe. – Amen.
Gott, der Sohn, dessen liebevolle Zuwendung wir erhoffen und brauchen,
schenke euch seinen Segen und seine Liebe. – Amen.
Gott, der Heilige Geist, in dem die Begegnung am Jakobsbrunnen stattfand,
schenke euch seinen Segen und seine Liebe. – Amen.
Und der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,
erfülle euch und führe euch zur Begegnung des Lebens an Ostern. – Amen.
manchmal
weiß ich den Weg
zu den Quellen nicht mehr
so planlos
bin ich
durch
die Zeit
gerannt
habe mein
Schöpfgerät
achtlos
irgendwo
liegengelassen
weil doch so Wichtiges
in mein Gepäck
passen musste
und dann bin ich
gestolpert
durch manche Behausung
und war doch
heimatlos
und
stolper
und
stolper
und
finde mich wieder
mitten
in meiner
eigenen
Wüste
und
dann
dann
steht dort einer
und
reicht mir
den Becher
mit dem
Wasser des Lebens
und ich kann
ihn nicht stürzen
muss
ihn
nehmen
Schluck
um
Schluck
und
als der Becher
leer
nach manchem
Innehalten
kann ich
wieder sehen
auf
meiner Seele
Grun
Beatrix Senft 2023
Ein langes, interessantes Evangelium, wie ich finde. Jesus kommt ziemlich müde und erschöpft und durstig (eben ganz Mensch) an einen geschichtsträchtigen Brunnen und trifft dort auf eine Frau, die Wasser schöpft. Eine ebenfalls mühselige Arbeit, das Wasser zu schöpfen und nach Hause zu tragen. Die beiden kommen ins Gespräch, und das ist bereits das, was ich bemerkenswert finde. Zwei Menschen, die eigentlich nichts miteinander zu tun habe, die normalerweise nicht miteinander reden würden, weil Juden aus Jerusalem und Samariter so verschieden sind in ihrer Religion, dass sie einander spinnefeind sind. Diese beiden kommen ins Gespräch, weil Jesus durstig ist und nicht wählerisch, von wem er nun zu trinken bekommt. Über die Verwunderung der Frau („Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um etwas zu trinken bitten?“) kommen sie ins Reden, und sehr schnell geht es um Inhalte, nicht mehr nur um das Löschen des profanen körperlichen Bedürfnisses Durst.
Jesus ist es egal, dass er mit dieser Frau eigentlich nicht sprechen sollte, und der Frau ist es andersrum offensichtlich auch egal. Zu wichtig, zu spannend ist das, was Jesus zu sagen hat. So, dass sie sogar die anderen Menschen ihres Dorfes zusammenruft, um Jesus zuzuhören. Und Jesus kommt ihrer Bitte nach: Er redet mit allen. Ihn interessiert nicht, welchem Volk und Glauben sie angehören. Ihn interessieren einfach die Menschen an sich.
Auch wir kennen das: es gibt Menschen, mit denen reden wir nicht. Weil sie auf den ersten Blick abstoßend wirken. Weil sie Gewohnheiten haben, die wir nicht teilen. Weil sie möglicherweise Überzeugungen vertreten, die sie ablehnen. Weil wir uns aus Angst vor Ablehnung nicht trauen. Es gibt viele Gründe, es gar nicht erst zu versuchen, ins Gespräch zu kommen. Dabei kann es bereichern, nicht immer nur mit den Menschen meiner „Blase“, wie man das heute nennt, zu kommunizieren, sondern mit denen, die mir begegnen, die ich nie ansprechen würde, von denen ich nicht angesprochen werden will. Wenn wir Jesu Botschaft weitertragen wollen, wenn wir möchten, dass sie sich verbreitet, dann müssen wir da ansetzen: im Gespräch mit denen, die wir nicht kennen. Die vielleicht anders denken. Von denen wir erst mal nichts wissen.
Als Beerdigungsdienstleiterin kenne ich das: beim Trauergespräch treffe ich oft auf Menschen aus anderen, nicht immer christlichen Kulturen, kirchenfern, die sich selbst als nicht oder nicht mehr gläubig bezeichnen oder einer völlig anderen Religion anhängen. Diese Gespräche bereichern mich. Und wenn dann der Ehemann am Grab seiner Frau zu mir sagt: Ich bin nicht gläubig, aber Sie machen mir Mut mit Ihrem Glauben, dann habe ich ein Stück lebendiges Wasser weitergegeben, denke ich. Versuchen Sie es! Es lohnt sich.
Edith Furtmann 2023
Dass der Himmel heute so hoch steht
Kann doch wirklich kein Versehen sein
Und es ist bestimmt kein Zufall
Dass die Lichter sich vom Dunst befrei′n
Ich sitz regungslos am Fenster
Ein paar Marktfrau'n fangen sich ein Lächeln ein
Irgendwo da draußen pulst es
Und ich hab es satt, ein Abziehbild zu sein
Nichts wie runter auf die Straße
Und dann renn ich jungen Hunden hinterher
An den Häusern klebt der Sommer
Und die U-Bahnschächte atmen schwer
Dieser Stadt schwillt schon der Bauch
Und ich bin zum großen Knall bereit
Auf den Dächern hockt ein satter Gott
Und predigt von Genügsamkeit
Genug ist nicht genug
Ich lass mich nicht belügen
Schon schweigen ist Betrug
Genug kann nie genügen
Viel zu lange rumgesessen
Überm Boden dampft bereits das Licht
Jetzt muss endlich was passieren
Weil sonst irgendwas in mir zerbricht
Dieser Kitzel auf der Zunge
Selbst das Abflusswasser schmeckt nach Wein
Noch mal kurz den Mund geleckt
Und dann tauch ich ins Gewühl hinein
Komm, wir brechen morgen aus
Und dann stellen wir uns gegen den Wind
Nur die Götter geh′n zugrunde
Wenn wir endlich gottlos sind
Auf den ersten Rängen preist man
Dienstbeflissen und wie immer die Moral
Doch mein Ego ist mir heilig
Und ihr Wohlergehen ist mir sehr egal
Genug ist nicht genug
Ich lass mich nicht belügen
Schon schweigen ist Betrug
Genug kann nie genügen
Konstantin Wecker Lyrics powered by www.musixmatch.com
https://www.songtexte.com/songtext/konstantin-wecker/genug-ist-nicht-genug-2bd9382e.html
Genug ist nicht genug! Gepriesen werde
Der Herbst! Kein Ast, der seiner Frucht entbehrte!
Tief beugt sich mancher allzureich beschwerte,
Der Apfel fällt mit dumpfem Laut zur Erde.
Genug ist nicht genug! Es lacht im Laube!
Die Pfirsche hat dem Munde zugewunken!
Ein helles Zechlied summt die Wespe trunken —
Genug ist nicht genug! — um eine Traube.
Genug ist nicht genug! Mit vollen Zügen
Schlürft Dichtergeist am Borne des Genußes,
Das Herz, auch es bedarf des Ueberflußes,
Genug kann nie und nimmermehr genügen!
Conrad Ferdinand Meyer, Gedichte. Leipzig, 1882.
https://www.deutschestextarchiv.de/book/view/meyer_gedichte_1882?p=17
Im Dialog
in die Tiefe gelangen
Einlassen
Mich auf mein Selbst
Dich in mich
Berührung zulassen
mit JESUS am Brunnen
Müdigkeit
Staub
Hitze
Fragen
Einsamkeit
Sehnsucht
Durst
und aufgestaute Fragen
begegnen sich
Berührende Momente
verkosten
geklärter Blick auf das
was ist
Fremde Frau
Fremder Rabbi
EIN Durst
nach Liebe
Ich bin für dich
wonach du suchst
Jesus lässt erkennen
tief innen
was LEBEN ist
lebendiges Leben
Und das macht ihr Beine
der fremden Frau
Ich habe gefunden
was ich nicht kannte
Lebendiges Wasser
Leben im Geist
den belebenden Gott
Gönn auch du dir deine Brunnen-Zeit
Du wirst erfrischt aufbrechen!
© Sr. Maria Schlackl SDS
https://salvatorianerinnen.at/engagement/verkuendigen-als-frau-in-der-kirche/lebensimpulse-sms/
„Guten Tag“, sagte der kleine Prinz.
„Guten Tag“, sagte der Händler.
Es war ein Händler, der durststillende Pillen verkaufte. Man schluckt eine Pille pro Woche und hat kein Bedürfnis mehr zu trinken.
„Warum verkaufst du das?“, sagte der kleine Prinz.
„Das bringt eine große Zeitersparnis“, sagte der Händler. „Experten haben dies berechnet. Man kann dreiundfünfzig Minuten pro Woche einsparen.“
„Und was macht man mit diesen dreiundfünfzig Minuten?“
„Man macht damit, was man will …“
„Ich würde“, sagte der kleine Prinz, „wenn ich mir dreiundfünfzig Minuten erspart hätte, gemütlich zu einem Brunnen gehen…“
Aus: Antoine de Saint Exupery; Der kleine Prinz; Aionas Verlag. Weimar 2018.
Ich frage Jaqueline: „Warum bist du auf dem Weg?“
Plötzlich bleibt sie stehen – ihre Gesichtszüge verändern sich und sie beginnt zu weinen. Tränen laufen über ihre Wangen. Obwohl – oder besser weil wir uns nicht kennen, beginnt sie sehr persönliche Erlebnisse aus ihrem Leben zu erzählen. Sie berichtet über ihren Schmerz und ihre Schuld. Eine Geschichte, so dramatisch und voller Verzweiflung, dass mir fast der Atem stockt. Sie hat es bis heute nicht geschafft, zu verzeihen und endlich Frieden zu schließen. Ihr Stein im roten Rucksack heißt: „Schuld“. Obwohl er klein ist, wiegt er sehr schwer.
Wir gehen weiter, mal langsamer, mal schneller und reden. Ich fühle, wie sehr es sie erleichtert zu reden. Ich höre zu, stelle jetzt keine Fragen mehr. Irgendwann weint sie wieder, fast krampfartig, in Schüben. Ich gehe einen Schritt auf sie zu, nehme ihre Hand und umarme sie. Sie beruhigt sich wieder. Wir gehen schweigend weiter.
Aus: Manfred Krain; Den Staub von der Seele wandern. Begegnungen und Erkenntnisse auf dem Jakobsweg. Ventura Verlag, Werne 2017.
Im Leben der Heiligen finden wir es oft bestätigt, dass Christus ein kleines Flämmchen in ihnen zum lodernden Feuer gemacht hat. Aber dieses Feuer will auch die Flamme in den Anderen entzünden. Flamme sein – Wasser zum Trinken geben – das ist die Voraussetzung für das Leben in Fülle, das Christus uns schenken will.
Aus: Unitas, Jahrgang 123 (1983).
Nur Wasser kann eine Wüste verwandeln. Wasser ist Leben. Liebe ist lebendiges Wasser.
Aus: www.aphorismen.de
Es gehört zum Grundwissen in der Psychosomatik: Manche Schmerzen haben ihren Ursprung nicht da, wo es weh tut. Der Weg der Heilung ist dann, an den eigentlichen Punkt zu kommen. Das Wissen um das belastende Lebensthema des Leidenden ist oft der Schlüssel zur Hilfe. Aber die richtige Frage zu stellen bedeutet meistens, einen langen Weg zu gehen.
Johannes berichtet in seinem Evangelium von einer Begegnung zwischen Jesus und einer Frau. In insgesamt 7 Schritten von Frage und Antwort kommt es von der Frage Jesu nach einem Schluck Wasser zu seinem Satz: „Du sprichst mit dem Messias!“ (vgl Joh 4,26)
Gerade im Johannesevangelium ist es wichtig, auf die Symbole zu achten. Daher schaue ich auf die 7 Schritte Jesu mit der Frau. 7 ist die heilige Zahl. Sie zeigt an, dass Gott gehandelt hat. So ist es nicht nur eine Botschaft über Jesu Art der Gesprächsführung. Es ist eine Botschaft darüber, dass Jesus die Menschen auf den Grund ihrer prägenden Erlebnisse führt. Wer diese Erlebnisse verstanden hat, kann auch die Wege entdecken, die das Leben erfüllen.
Aus: Sonntagsgruß 12, 89. Jahrgang 2014.
Gott,
ich möchte nicht stehen bleiben
bei dem Schmerz
der Trauer
dem Misstrauen
der Wut
und meiner abgrundtiefen Verzweiflung
Ich möchte begreifen und
verstehen lernen
was nicht zu fassen
und doch geschehen ist
Gott, gibt es einen Weg für mich
für uns gemeinsam
in die gleiche Richtung
oder
gehe ich allein
schwer belastet
In Dunkelheit und Ungewissheit
weiß ich nicht wohin
Es liegt nicht in meiner Macht
Gott, schenke mir Kraft,
Kommendes durchzustehen
und anzunehmen,
was Du für mich bereitet hast.
Aus: Antoine de Saint Exupery; Der kleine Prinz; Aionas Verlag. Weimar 2018.
So klar
erscheint mir plötzlich mein LEBEN
wenn Worte ineinander fließen
seine und meine
Die Frau und Jesus
beide sprechen
vom Wasser
des Lebens
bis sie sich finden
einander berühren
Menschlich - göttliche Begegnung
führt in die Tiefe
und Weite
Was mich in der Tiefe berührt
erfasst mich ganz
Dort
wo Leben überfließt
will ich es
mit anderen teilen
© Sr. Maria Schlackl SDS
https://salvatorianerinnen.at/engagement/verkuendigen-als-frau-in-der-kirche/lebensimpulse-sms/
„Geheimnisvoll ist das Wasser. Schlicht, klar, selbstlos, bereit, rein zu waschen, was beschmutzt ist, zu erquicken, was dürstet... Ein Gleichnis des Urgrunds, aus dem das Leben strömt und der Tod ruft." Weihwasserbecken am Eingang kennzeichnen Kirchen als katholische. Aber welches dieser Becken vermittelt etwas vom „Urgrund und Geheimnis" des Elements Wasser, wie es Romano Guardini beschrieb? Die meisten sind so klein, daß der Wasserspiegel kaum zu sehen ist. Viele sind leer. Nur Kalkschichten erinnern daran, daß sie früher regelmäßig gefüllt und geleert wurden. Wenige Besucher benetzen ihre Fingerspitzen darin. Ob sie daran denken, daß alle Christen „wiedergeboren sind aus dem Wasser und dem Heiligen Geist"?
Westliche Besucher von Moscheen in Istanbul oder Ägypten sehen mit Erstaunen, mit welchem Ernst und Eifer Muslime Wasser benützen, um sich vor dem Gebet zu reinigen. Christlicher Umgang mit Wasser deutet dies nur noch an bis zur Grenze des Nichtmehrwahrnehmbaren (und leider oft auch Unappetitlichen).
Zwei Gründe gibt es für die Minimalisierung des Wassers in der Kirche: eine allgemeine Liturgieunfähigkeit - unsere Schwierigkeit, Religion körperhaft zu vollziehen und nicht bloß innerlich zu denken - sowie die Tatsache, daß die Kirche zweierlei Wasser an unterschiedlichen Orten bewahrt und anbietet: Taufwasser und Weihwasser. Wie aber kann man die elementare Bedeutung von Wasser vermitteln, wenn es gleich wieder nach Weihegraden und Behältnissen unterschieden werden muß?
Wenn das Weihwasser an die Taufe, an die „Wiedergeburt aus Wasser und Geist" (Joh 3,5) erinnern soll, darf es nicht diskret, praktisch, bequem in einem Töpfchen am Türpfosten angeboten werden. Der Weihbrunn sollte vielmehr als Stein des Anstoßes mitten im Weg stehen. In der Herz Jesu-Kirche in München-Neuhausen haben die Architekten Allmann, Sattler, Wappner einen solchen Brunnenstein in den Mittelgang gestellt. Er ist als Taufstein konzipiert und wird als solcher benutzt. Aber die Besucher der Kirche verwenden ihn auch als Weihwasser-Gefäß - und das mit Recht. Von Ostern bis Pfingsten ist er mit dem in der Osternacht geweihten Taufwasser gefüllt, mit dem auch alle Mitfeiernden in der Osterliturgie besprengt wurden. Auch in anderen Kirchen, etwa in St. Ursula in Kalscheuren, gibt es Taufsteine im Mittelgang, die als Weihbrunn benützt werden. Dieser Brauch sollte zur Regel werden, wenn uns daran liegt, das Wasser als Zeichen unseres Glaubens zu erhalten und zu vermitteln. Bei historischen Taufsteinen, die im Eingangsbereich stehen, ist die Doppelnutzung als Tauf- und Weihwasserbrunnen möglich. Es genügt meistens, den Deckel so weit anzuheben, daß die Besucher mit der Hand darunter greifen können. Vermutlich wird es in vielen Gemeinden nötig sein, die Erinnerung an Tauf- und Weihwasser aufzufrischen. Dafür bietet sich der alte, mit wenigen Worten zu erläuternde Ritus des Asperges am Beginn der Gemeindemesse an, in dem die
Gemeinde mit Weihwasser besprengt wird. Durch ein solches Erinnern und eine einladende würdige Gestaltung des Tauf- und Weihwasserbrunnens kann das Verständnis für die Weihe des Wassers und seinen Gebrauch wieder aufgebaut werden, damit nicht alle häuslichen Weihwasserbehälter auf den Flohmarkt kommen und die auf den Friedhöfen zu Pflanztöpfen umfunktioniert werden.
Guardini schrieb: „In der Weihe hat die Kirche das Wasser rein gemacht ... zum Zeichen, daß Gott uns schütze vor allem Unreinen, Finsteren." Wenn wir uns bekreuzigen mit heiligem Wasser, begegnen sich die erlöste Seele und die erlöste Natur im Zeichen des Kreuzes.
Aus: Peter B. Steiner, Glaubensästhetik. Wie sieht unser Glaube aus? 99 Beispiele und einige Regeln. Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2008.
Erfrischende Begegnung
ohne Berührungsängste
von Herz zu Herz
einander begegnen
abgrundtief - offen
gründlich in die Tiefe gehen
dort wo Wasser quellfrisch sprudelt
dort wo ein du das andere erfrischt
dort unten
das belebt
das macht Beine
das bewirkt Begeisterung
das macht Verkündigung so erfrischend
quell-frisch
© Sr. Maria Schlackl SDS
https://salvatorianerinnen.at/engagement/verkuendigen-als-frau-in-der-kirche/lebensimpulse-sms/

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Das Wunder, das Mose vor den Augen der Ältesten im Auftrag Jahwes wirkt, hilft der Wassernot ab und gilt als Beweis der Glaubwürdigkeit Jahwes: Gott sorgt für das Volk, das er sich erwählt hat und läßt es nicht im Stich. Die Geschichte ist im Zusammenhang der Speisenwunder (Wachteln und Manna) zu sehen. Gott hilft aus der Hungers- und Wassernot, er stillt den Lebenshunger und Lebensdurst der Menschen.
In der Erzählung geht es in erster Linie um diesen Aspekt des Glaubens: die Beziehung Gottes zu seinem Volk. Es ist müßig, das Wunder naturwissenschaftlich erklären zu versuchen.
Die Erzählung spielt in der Wüste. Israel hat Ägypten verlassen. Aber der Weg in das "gelobte" Land ist ein Weg von "Probe und Streit". Konkreter Anlass: Durst. Wenn die Zunge am Gaumen klebt, verklärt sich Ägypten – immerhin das "Sklavenhaus" – zum Paradies. Aber nichts weniger steht auf dem Spiel als die von Jahwe gewährte und lange ersehnte Befreiung.
Innerhalb dieses Rahmens stehen sich Mose als Mittler und Jahwe als Herr des Lebens gegenüber. Der Stab, der schon einmal die Wasser teilte – beim Zug durch das Rote Meer – , macht jetzt den Felsen zu einer Quelle. Gemeinsam ist den Bildern, dass Jahwe sich sorgt und anschreien (!) lässt. Schließlich steht im Hintergrund, dass Jahwe das Schreien seines Volkes in Ägypten gehört hat.
Eine feine Nuance ist allerdings, dass nicht irgendein Felsen aufgeht, sondern der Horeb. Er ist der Berg Jahwes. Auf ihm empfängt Mose auch die Gebote (Ex. 20), auf ihm bittet er für das Volk, auf ihm darf er Jahwe "hinterher" sehen. Das Wasser, das den Durst stillt, offenbart Jahwes Nähe und steht für das ganze und ungeteilte Leben, das aus seinem Treueversprechen kommt. Der Weg durch die Wüste verbietet allerdings Spiritualisierungen. Wasser muss wirklich fließen, wenn Mensch und Vieh verdursten.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive