Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Hoséa.
Lasst uns den Herrn erkennen,
ja lasst uns nach der Erkenntnis des Herrn jagen!
Er kommt so sicher wie das Morgenrot;
er kommt zu uns wie der Regen,
wie der Frühjahrsregen, der die Erde tränkt.
Was soll ich mit dir tun, Éfraim?
Was soll ich mit dir tun, Juda?
Eure Liebe ist wie eine Wolke am Morgen
und wie der Tau, der bald vergeht.
Darum habe ich durch die Propheten zugeschlagen,
habe sie durch die Worte meines Mundes umgebracht.
Dann wird mein Recht hervorbrechen wie das Licht.
Denn an Liebe habe ich Gefallen, nicht an Schlachtopfern,
an Gotteserkenntnis mehr als an Brandopfern.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Wer den rechten Weg beachtet, der schaut Gottes Heil. – Kv
Oder: GL 53,1
„Höre, mein Volk, ich rede. /
Israel, ich bin gegen dich Zeuge, *
Gott, dein Gott bin ich.
Nicht wegen deiner Opfer rüge ich dich, *
deine Brandopfer sind mir immer vor Augen. – (Kv)
Hätte ich Hunger, ich brauchte es dir nicht zu sagen, *
denn mein ist der Erdkreis und seine ganze Fülle.
Soll ich denn das Fleisch von Stieren essen *
und das Blut von Böcken trinken? – (Kv)
Bring Gott ein Opfer des Dankes *
und erfülle dem Höchsten deine Gelübde!
Ruf mich am Tage der Not; *
dann rette ich dich und du wirst mich ehren.“ – Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Gegen alle Hoffnung
hat Abraham voll Hoffnung geglaubt,
dass er der Vater vieler Völker werde,
nach dem Wort:
So zahlreich werden deine Nachkommen sein.
Ohne im Glauben schwach zu werden,
bedachte er, der fast Hundertjährige,
dass sein Leib
und auch Saras Mutterschoß schon erstorben waren.
Er zweifelte aber nicht im Unglauben an der Verheißung Gottes,
sondern wurde stark im Glauben,
indem er Gott die Ehre erwies,
fest davon überzeugt,
dass Gott die Macht besitzt, auch zu tun, was er verheißen hat.
Darum wurde es ihm auch als Gerechtigkeit angerechnet.
Doch nicht allein um seinetwillen
steht geschrieben: Es wurde ihm angerechnet,
sondern auch um unseretwillen,
denen es angerechnet werden soll,
uns, die wir an den glauben,
der Jesus, unseren Herrn, von den Toten auferweckt hat.
Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben,
wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Es geht um den Zusammenhang von Glaube und Rechtfertigung. Nicht durch die Erfüllung der Gesetze und aufgrund eigener Leistung wird der Mensch gerecht vor Gott, sondern allein durch den Glauben. Der Glaube Abrahams, um den es exemplarisch geht, war Hoffnung wider alle Hoffnung. Er richtete sich ganz auf Gott selbst, und er war personal. Wer ohne Vorbehalt zu Gott Ja sagt, zu dem sagt auch Gott Ja, der ist gerecht. Höhepunkt der Rechtfertigung des Menschen durch Gott ist die Auferweckung Jesu von den Toten.
Halleluja. Halleluja.
Der Herr hat mich gesandt,
den Armen die Frohe Botschaft zu bringen
und den Gefangenen die Freiheit zu verkünden.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit
sah Jesus einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen
und sagte zu ihm: Folge mir nach!
Und Matthäus stand auf
und folgte ihm nach.
Und als Jesus in seinem Haus bei Tisch war,
siehe, viele Zöllner und Sünder kamen
und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern.
Als die Pharisäer das sahen,
sagten sie zu seinen Jüngern:
Wie kann euer Meister
zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?
Er hörte es
und sagte: Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes,
sondern die Kranken.
Geht und lernt,
was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!
Denn ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen,
sondern Sünder.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Zuerst wird die Berufung des Matthäus erzählt. Mt verändert den Namen "Levi", den er bei Mk vorfand, in "Matthäus". Warum? Handelt es sich um zwei Namen des gleichen Mannes? Dagegen spricht, dass es äußerst ungewöhnlich ist, dass ein Mann zwei aramäische Namen hat. Handelt es sich um zwei verschiedene Personen? Es könnte sein, dass Mt den seiner Gemeinde eher unbekannten Levi durch den der Gemeinde bekannteren Jünger Matthäus ersetzt, der zum Zwölferkreis gehört. Der Zwölferkreis spielte sichtlich für Mt eine Rolle. Warum wählte Mt dann aber Matthäus aus? Hatte sein Name symbolische Bedeutung oder spielte er in der Region eine besondere Rolle? Wenn er in der Region eine besondere Rolle gespielt haben sollte, warum weiß Mt so wenig von ihm? Warum musste er ihn dann mit einer "fremden" Berufungsgeschichte in Verbindung bringen? So liegt die Vermutung näher, dass man von Matthäus noch wusste, dass er Zöllner war und dass deshalb dieser Name verwandt wurde. Dass Mt selbst dieser Matthäus war, ist nicht möglich, weil dem Abschnitt das MkEv zugrunde liegt. Die Zuschreibung des Evangeliums an einen "Matthäus" erfolgte später, vielleicht in Verbindung mit Mt 9:9.
Nach der Berufungsgeschichte wird davon erzählt, dass Jesus im Haus am Tisch liegt. Welches Haus gemeint ist, geht aus dem griechischen Text nicht hervor. Wem das Haus gehört, interessiert Mt nicht. Lk hingegen schafft in seiner Version des Textes einen eindeutigen Bezug zu Levi, indem er in Lk 5:19 berichtet, dass Levi Jesus zu einem Festmahl einlädt. So hat die spätere kirchliche Auslegung auch die Textparallele bei Mt verstanden.
Schließlich wird die Konfrontation zwischen den Pharisäern und Jesus geschildert. (Die Frontstellung der Schriftgelehrten gegenüber Jesus war Thema in Mt 9:3-6.) Der Kontakt mit Zöllnern und Sündern machte kultisch unrein und war daher nach der Ansicht der Pharisäer zu vermeiden. Vor diesem Hintergrund ist es auch bemerkenswert, dass Jesus den Zöllner Matthäus in seine Nachfolge beruft! In der Antwort Jesu wird ein positives Arztbild überliefert. Das ist insofern interessant, als Ärzte vielen Juden suspekt waren, weil sie potentiell kultisch unrein waren. Mt fügt ein Hosea-Zitat ein (Hosea 6:6), das nicht so recht passt, weil vom Opfer vorher gar nicht die Rede war. Nur implizit ergibt sich ein Bezug, nämlich dann, wenn man bei "Opfer" an den Kult denkt, der Reinheit voraussetzt, und der gerade dann nicht möglich ist, wenn man mit kultisch Unreinen Kontakt hatte.
Wie ist die Gegenüberstellung von "Opfer" und "Barmherzigkeit" zu deuten? Handelt es sich um eine absolute Antithese, dann hieße das, dass das jüdische Zeremonialgesetz nun nicht mehr gelten soll. Das entspricht aber nicht der matthäischen Theologie. Eher ist zu vermuten, dass die griechische Wendung im Sinne einer dialektischen Negation komparativisch zu deuten ist, d.h. gemeint wäre dann: "Barmherzigkeit will ich mehr als Opfer." So verstand es Hosea selbst, das Targum und die zeitgenössische jüdische Exegese. So entspricht es auch der matthäischen Theologie. Mt deutet Hosea 6:6 im Sinne eines ganzheitlichen Gehorsams. Liebe und Barmherzigkeit sollen das Leben prägen. Und nur unter diesem Vorzeichen ist der Kult gottgewollt. Das Hosea-Zitat ist für Mt so wichtig, dass er es in 12:7 noch einmal wiederholt.
Die Aussage im letzten Vers ist in erster Linie christologisch zu verstehen. Das heißt, hier macht Mt deutlich, wer Jesus ist. Er deutet das Verhalten Jesu gegenüber den Zöllnern und Sündern im Lichte des Alten Testamentes. Jesus erfüllt das Gebot der Propheten. Erst in zweiter Linie ist das Zitat paränetisch zu verstehen. So wie Christus barmherzig ist, sollen auch die Menschen barmherzig sein.
Jesus scheut nicht den Umgang mit Menschen am Rand der Gesellschaft. Warum tut er das? Warum tun wir, was wir tun? Um aufzufallen? Um zu gefallen? Um den guten Ruf zu wahren? Weil etwas Brauch ist? Weil ich so erzogen worden bin? Weil ich Spaß daran habe?
Wie kann er auch? Wieder einmal begegnen uns im Evangelium die Pharisäer. Sie bilden jene Gruppe zur Zeit Jesu, welche mit großem Eifer versuchen, nach der Schrift und den Geboten zu leben. In dem, was der Evangelist überliefert hat, in dem, was sie über Jesus gehört und selbst erfahren haben, wird dieses aber in Frage gestellt, denn Jesus tut als Rabbi – für einen solchen hält ihn zumindest seine Jüngerschaft - etwas für sie Unvorstellbares: Er überschreitet die Grenzen von dem, was sich gehört. Er geht dorthin, wohin sonst keiner geht. Er gibt sich mit Menschen ab, die man meidet. Noch mehr: Er hält Mahl mit ihnen. Kein Wunder, dass er aneckt. Man gibt sich nicht mit diesen randständigen Zöllnern und Sündern ab. Denn schließlich besteht – so die damalige Vorstellung – die Gefahr selbst dadurch kultisch unrein zu werden, ausgeschlossen zu werden aus der gottesdienstlichen Gemeinschaft. Wie kann er auch?
Und so stellen sie diese Frage an die Jünger. Wir können uns die Situation durchaus vorstellen: den Raum, den Tisch, die Menschen, die daran sitzen und miteinander Mahl halten… Kein Wunder hören die Frage auch jene, die selbst mit am Tisch waren, die Zöllner und Sündern. Die Pharisäer wenden sich mit ihrer Frage nicht an diese: Wie könnt ihr auch? Sondern sie beziehen ihre Frage allein auf Jesus: Wie kann er nur?
Ich frage mich: Was wollen sie mit dieser Frage bezwecken? Wollen Sie eine Erklärung, warum er das tut? Oder liegt darin eigentlich ein Vorwurf, dass er solches tut? „Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?“ Wie klingt diese Frage eigentlich in Ihren Ohren? Was klingt bei Ihnen durch diese Fragen an?
Machen wir einen Schwenker in unsere Zeit, in unser gesellschaftliches Leben hinein. Auch hier begegnet uns hie und da diese Frage: Wie kann er nur? Wie kann sie nur? Dieses oder jenes tun oder nicht tun? Das macht man/frau nicht! Das gehört sich nicht! Darüber wird diskutiert. Schnell sind viele Kommentare da. Manche wollen vielleicht nur eine Erklärung, es verstehen, was da nicht in die eigenen Welt- und Glaubensvorstellungen passen. Bei anderen klingt es eher nach Vorwurf, nach einer Verurteilung: Das, was du machst, das gehört sich nicht, das geht nicht, das ist nicht vereinbar mit deinem Posten, deiner Aufgabe usw.
Zurück zum Evangelium: Jesus hört ihre Frage. Er regt sich nicht darüber auf, dass die Pharisäer nicht direkt zu ihm damit gekommen sind. Nicht: Wenn die was wissen wollen, sollen sie mich direkt fragen! Er scheint Verständnis aufzubringen, denn er weiß wohl, was hinter dieser Frage steckt. Der Evangelist überliefert keine lange Rechtfertigungsrede Jesu, sondern bringt die Antwort Jesu auf den Punkt. Kurz und prägnant: Das ist mein Auftrag. Dafür bin ich da. Und lernt selbst, was der Prophet Hosea (Hos 6,6) an Gottes Wort uns übermittelt hat: Liebe will ich, nicht Opfer!
Wieder ist es die barmherzige Liebe, die Jesus in den Mittelpunkt seiner Sendung stellt: Jene liebevolle Zuwendung, die niemanden ausschließt, sondern die heilsam ist. Und die weit darüber hinausgeht über das, was man nach den damaligen Vorstellungen tun soll oder nicht. Eine Liebe, die das Heil aller will, vor allem jener, die – warum auch immer – im Abseits stehen. Dabei nimmt Jesus in Kauf, in Frage gestellt zu werden, dass sein Verhalten und sein Tun in Verruf kommen.
Machen wir noch einmal einen Schwenker in unsere Zeit, in unser Leben und Zusammenleben. Was bedeuten diese Worte Jesu für uns? Was kann ich davon mitnehmen für mein Leben, für meinen Alltag?
Vielleicht bin ich vorsichtiger und zurückhaltender mit Kommentaren wie „Wie kann diese Person nur?“. Das Evangelium kann auch Anregung sein, dass ich versuche, mich zuerst in diese Person hineinzuversetzen und so selbst zu einer Antwort zu kommen, bevor meine Frage zum Vorwurf wird.
Ich kann die Worte Jesu auch als Anfrage für mich und meine Wertevorstellungen verstehen: Worauf sehe ich beim anderen? Wie sieht es eigentlich mit meiner Barmherzigkeit aus? Schließlich kann es ja sein, dass ich diejenige bin, die letztlich das Maßgebende noch nicht begriffen hat.
Gehen wir einmal noch zurück zum Evangelium und nehmen jene in den Blick, um die es in der Frage letztlich auch geht: Matthäus, der in die Nachfolge Jesu getreten ist, neu zu seinem Kreis dazu gehört, und die anderen, Zöllner und Sünder. Die haben gespürt: Jesus meint es ernst mit uns. Er riskiert etwas für uns. Unser Heil liegt ihm wirklich am Herzen. Er sieht uns nicht am Rand der Gesellschaft, sondern nahe bei ihm. Und er ist es auch. Er setzt sich für uns ein. Und das tut der Seele unheimlich gut.
„Geht und lernt!“ ist Jesu Aufforderung an die Pharisäer. Die neue Woche liegt vor uns. Und damit für uns viele Möglichkeiten zu gehen und zu lernen, an die Worte Jesu zu denken und entsprechend zu handeln: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.
Die Berufung des Matthäus und das anschließende "Mahl mit den Sündern" lassen uns nachdenken, wie es mit der Gemeinschaft der Kirche weitergehen kann, was aus uns als Kirche werden soll. Jesus sammelt Follower nicht Perfektionisten.
„Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“ – Diese Frage wurde mir bei einem Mitarbeitergespräch gestellt. Eine Frage, die erst einmal nach Karrierezielen klingt. Im Grunde ist es eine Lebensfrage. Wo will ich hin? Was soll aus mir werden? Was bin ich bereit zu investieren, damit ich als Mensch wachsen kann?
Im heutigen Evangelium geht Jesus auf den Zöllner Matthäus zu und fordert ihn ohne Umschweife auf: „Ἀκολούθει μοι“ (Akolouthei moi) — „Folge mir nach“ — „Follow me“ — „Geh, kum mit“ (Mt 9,9; vgl. Übersetzung Teuschl). Jesus interessiert sich nicht für die Vergangenheit des Matthäus. Die kann man sowieso nicht ändern. Er stößt sich nicht an dessen Fehlern. Die sind da, um hinter sich gelassen zu werden. Jesus sieht den Menschen und eröffnet ihm eine neue Zukunftsperspektive.
Danach sitzt Jesus mit Zöllnern und Sündern an einem Tisch – mit korrupten Kollaborateuren der römischen Besatzungsmacht. Die Menschen mauscheln schon über seine Begegnung mit sozialen Außenseiter: „Mit solchen Gestalten gibt man sich doch nicht ab! Am Ende bleibt noch was an einem hängen.“
Jesus hält da keine Distanz. Im Gegenteil sucht er ihre Nähe, um sie von einem neuen Lebensweg zu überzeugen, den es einzuschlagen gilt. Seinen Kritikern aber schreibt er ins Stammbuch: „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken“ (Mt 9,12).
An ebendieser Stelle berühren sich das Evangelium und die heutige Lesung aus dem Buch des Propheten Hosea. Gott sagt: „An Liebe habe ich Gefallen, nicht an Schlachtopfern“ (Hos 6,6) – „Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!“ (Mt 9,13). Es geht nicht um die perfekte Fassade oder um den Obolus. Innere Gottesbeziehung ist wichtiger als das Zur-Schau-Tragen von einem riesengroßen Kreuz am Ketterl um den Hals oder anderen Äußerlichkeiten. Es kommt vielmehr darauf an, wie wir unser Kreuz hier und heute schultern.
Gott ist dort, wo’s kriselt und wo’s menschelt. Vor allem aber ist er bei Menschen mit einem offenen Herzen. Bei Menschen mit all ihren Fehlern, die bereit sind, sich von ihm verändern zu lassen. Inzwischen lädt Matthäus, der sich’s leisten kann, seine sündigen Haberer zum Essen ein, um ihnen Jesus vorzustellen. Der weiß: Das beste Mittel, um Ressentiments zu überwinden, ist direkter Kontakt!
Wenn ich um mich schaue, frage ich mich zuweilen: „Was ist mit uns los?“ Kirchen werden verwüstet. Kreuze beschmiert. Orte des Gebets zerstört. Die Hemmschwelle sinkt. Der Respekt vor Sakralräumen und religiösen Menschen, denen sie wichtig sind, nimmt ab. „Den Scheinheiligen wird' ma's schon zeigen“, rufen die einen – „So a Gesindel“, schimpfen die anderen. Besonders betroffen macht mich das Bild unserer eingeschlagenen Kirchenfenster, darunter eines, das an das Wort des Propheten Jesaja erinnert: „Das geknickte Schilfrohr wird er nicht zerbrechen“ (Jes 42,3).
Es ist ein starkes Bild. Auf der einen Seite Gewalt und Zerstörung. „Zuerst die Objekte, dann die Menschen. Es nimmt wieder seinen Lauf!“, fürchten einige. Auf der anderen Seite steht Gottes Zusage, das Schwache nicht zu brechen und die Hoffnung nicht auszulöschen.
Jesus verbindet, wo andere spalten. Er richtet behutsam auf, wo andere gewaltsam niederdrücken. Im Mittelpunkt steht keinesfalls die Frage „Wer hat Schuld?“. Vielmehr ist es die Frage „Was soll aus uns werden?“. Wie können wir die zunehmende Spaltung überwinden? Was können wir tun, um andere anzuhören und ihre Wut zu lindern, wobei wir ihnen auch Grenzen setzen dürfen, aber auch Chancen geben?
Gott sucht auch keine Perfektionisten, die alles richtig machen. Er sammelt Follower um sich, die daran wachsen, sein Abbild sein zu wollen – sein Antlitz anderen gegenüber aufleuchten zu lassen. Bitten wir ihn heute um den Mut, uns der Verhärtung unserer Zeit entgegenzustemmen und ein Hort der Menschlichkeit zu sein.
„Gegen alle Hoffnung hat Abraham voll Hoffnung geglaubt“, schreibt Paulus im Römerbrief (Röm 4,18). „Against all Odds“ hat Phil Collins einmal gesungen, in der Filmmusik eines Streifens, der auf Deutsch „Gegen jede Chance“ hieß. „Take a look at me now – Schau mich jetzt an!“, lautet sein verzweifelter Appell.
„Lasst uns den Herrn erkennen“, lesen wir bei Hosea in einem Bußlied (Hos 6,3). Das Volk will zu seinem Gott zurückkehren und danach Rettung erfahren. Wir kennen das. Wenn es uns nicht so toll geht, falten wir eher mal wieder die Hände und bitten Gott um seinen Beistand, als wenn alles gut läuft – wenn eh alles paletti ist. Das Stoßgebet ist das schnellere Gebet als das Dankgebet.
Wo also sehen wir uns in fünf Jahren? Die Antwort liegt in unserer Bereitschaft, positive Akzente zu setzen. Setzen wir der Verhärtung unserer Zeit keine Mauern entgegen. Gehen wir dorthin, wo’s Dialog braucht, und erzählen wir den Menschen von Gott. Ergreifen wir jede Chance – bekennen wir uns mutig zu unserem Glauben und folgen wir Jesus’ Aufforderung: „Geh kum mit!“.
Das Bessersein-Wollen führt leicht zur Diskriminierung der Schwächeren und schließt sie aus der Gesellschaft aus. Jesus folgt der Tradition der Propheten, Barmherzigkeit ist ihm wichtiger als Opfer.
„Wir als Pharisäer haben uns darauf verpflichtet, alle Speisevorschriften penibel und sorgfältig zu beachten und nur mit Gleichgesinnten bei Tisch zu sitzen. Nur so können wir hoffen, dass wir dabei sein dürfen, wenn der Messias kommt und das Reich Gottes auf Erden errichten wird. Und jetzt kommt der da daher und behauptet, dass das alles Unsinn ist. Für wen hält er sich eigentlich? Jemand, der mit Sünder:innen und unreinen Zöllnern isst, kann unmöglich der Messias sein! Aufgabe des Messias ist es, die Reinen und Gerechten zu sammeln und zum himmlischen Mahl einzuladen. Die Sünder:innen und Unreinen auszuschließen und ihnen den Zugang zu verwehren, muss das Programm des Messias sein und sonst nichts.“
Solche und ähnliche Gedanken werden die Pharisäer:innen bewegt haben, wenn sie auf Jesus und seine Tischgemeinschaft schauten. Ihr ganzes Leben, ihren gesamten Alltag „opferten“ sie für die Beachtung der Reinheitsgebote und die Verwirklichung des Gesetzes. Kein Wunder, dass sie Jesu Verhalten kritisieren und als massiven Angriff auf ihre Auslegung des Gesetzes verstehen. Ihr Ansehen und ihre Autorität im Volk waren damit in Frage gestellt.
Doch auch Jesus kann sich gegenüber den Pharisäer:innen auf die Schrift berufen. Allerdings setzt er die Prioritäten anders. Er stellt die prophetische Tradition ins Zentrum seiner Botschaft. Schon vor hunderten von Jahren kritisierten diese Boten Gottes die Haltung der Priester und Schriftgelehrten: Gott lasse sich nicht durch Opfer, Kult und Macht manipulieren.
Jesus schließt sich dieser Religionskritik, die das Heil durch Äußerlichkeiten erreichen will, vollständig an. Religion hat für ihn nur einen Zweck: allen Menschen ein Leben in Freiheit, Gerechtigkeit und Würde zu ermöglichen. Logischerweise sind für ihn jene, denen ein solches Leben am wenigsten möglich ist, die ersten Adressat:innen der bedingungslosen Liebe Gottes. Damit steht und fällt für ihn der Sinn seiner jüdischen Tradition und der gesamten Geschichte Israels als auserwähltes Volk Gottes.
Machen wir einen Zeitsprung von 2000 Jahren. Wie sieht es heute in der Kirche aus?
Da gibt es jene, die sich wenig von den Pharisäer:innen unterscheiden. Für sie ist es ausgeschlossen, dass geschiedene und wiederverheiratete Personen an der Kommunion teilnehmen dürfen. Selbst evangelischen Christ:innen ist es verwehrt, sich in die Reihe einzufügen und Brot (und Wein) zu empfangen. Verheiratete Priester? – kommt nicht in Frage! Frauen am Altar? – für manche undenkbar! Segnungen für gleichgeschlechtlich Liebende? – Gott bewahre! Man könnte die Liste noch lange fortführen…
Sie wollen die in ihren Augen reine, wahre und einzig richtige Tradition nicht mit solchen Sünder:innen teilen. Sie achten penibel darauf, dass sich nichts ändert und niemand ihre geschlossene Gemeinschaft in Frage stellt.
Sie merken: Die Provokationen Jesu haben nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Ein Mensch, der das klar erkannt und verstanden hat, war Papst Franziskus. Papst Franziskus hatte eine klare Vision für eine Kirche, die sich an der Botschaft Jesu orientiert. Seine Reformvorschläge warten weiterhin auf konkrete Umsetzungsschritte. Wenn er von der Kirche als Feldlazarett spricht, meint er damit die Zuwendung Gottes zu allen, die von den vielfältigen Nöten und Leiden des Lebens betroffen sind. Den vielfach verwundeten Menschen gilt es nahe zu sein, ihnen zuzuhören und ihnen zu helfen. Unermüdlich hat er dazu aufgerufen, an die Ränder der Gesellschaft hinauszugehen, damit Kirche nahe bei den Menschen sein kann.
Wahre Frömmigkeit zeigt sich im ganzheitlichen Einsatz für eine sozial gerechte und ökologisch sensible Ausrichtung des Wirtschaftssystems. „Laudato si“, die erste päpstliche Sozial-Umwelt-Enzyklika, ist ein bleibender Meilenstein der kirchlichen Soziallehre. Das Synodalprinzip des aufeinander Hörens statt des übereinander Herrschens ist das Wesen der Kirche. Jede Form unter Umständen auch klerikaler Machtausübung widerspricht der Gleichwertigkeit aller Getauften.
„Mir ist eine verbeulte Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straße hinausgegangen ist, lieber als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und Bequemlichkeit krank ist.“ (EG 49).
Diese wenigen Andeutungen machen deutlich, wie eng Papst Franziskus mit Jesus und seiner Botschaft vom barmherzigen Gott verbunden war. Kein Wunder, dass sich manche, auch in der römischen Kurie, mit ihm schwertaten. Es ist zu hoffen, dass Papst Leo XIV seinen Weg fortsetzt und die Weichen für eine jesuanische Kirche richtig stellt.
Es war, ist und bleibt die Botschaft einer radikalen Liebe, die eingefahrene Gleise verlässt und die Herzen der Menschen erreichen will – und die immer wieder auch Widerstand hervorruft. Gerade diese Botschaft aber inspiriert bis heute viele Menschen und bildet die Grundlage für eine an der Caritas orientierte Kirche. Versuchen wir, diese Liebe und Barmherzigkeit in unserem Handeln sichtbar zu machen.
Lassen auch wir uns davon inspirieren und in die Nachfolge Jesu hineinnehmen – so wie der Zöllner Levi und wie Papst Franziskus.
© Herbert Altmann, Fachbereich Gesellschaft und Sozilales, Diözese Linz
Gottes Wege sind nicht unsere Wege. Es braucht Mühe, sie zu erkennen und ihnen zu folgen. Abraham ist uns darin ein Vorbild des Glaubens, Jesus zeigt durch seinem Umgang mit aus der Gesellschaft Ausgeschlossenen, wie es gehen kann, denn "nicht die Gesunden bedürfen des Arztes…"
Die Bibel liefert Sonntag für Sonntag Verhaltensweisen in kleinen Dosierungen, die uns helfen, unser Leben glücklich und zufrieden zu gestalten. Die erste Lesung spricht von Erkenntnis und Einsicht: „Lasst uns ihn erkennen, ja lasst uns nach der Erkenntnis des Herrn jagen. Er kommt sicher wie das Morgenrot.“ (Hos 6,3). Das heißt, gedanklich immer hinter der Erkenntnis des Herrn her sein.
Erkenntnis und Einsicht brauchen wir in unserem Alltag, um zu guten Entscheidungen zu kommen. Dazu gehört bewusstes Hinterfragen des eigenen Denkens und Handelns, Selbstreflexion, sich nach innen beugen und sich neu ausrichten, und Lebenserfahrung. All das bekommt man nicht auf Knopfdruck, sondern erfordert Zeit und Geduld. Festgefahrene Denkmuster stammen aus der Vergangenheit und sind nur selten für die Gegenwart einsetzbar, auch wenn sich manches wiederholt. Dazu passt: „Er [der Herr] kommt so sicher wie das Morgenrot.“ (Hos 6,3). Vieles in unserem Leben taucht in etwas abgewandelter Form wieder auf. Um im Bild zu bleiben, könnten wir sagen, auch die Morgenröte zeigt sich unterschiedlich, aber sie ist da. Der Herr begegnet uns in unterschiedlichen Formen seines Daseins.
Die Heilige Schrift zeigt uns in unterschiedlicher Weise die Abkehr des Volkes Israel von seinem Gott und nach Läuterungen wieder die Zuwendung. Gott erneuert durch Barmherzigkeit (= Warmherzigkeit) sein Bündnis mit dem Menschen.
Das stellt uns die zweite Lesung beispielhaft durch Abraham vor Augen. Abraham - er wird uns als „Vater im Glauben“ vorgestellt - verlässt seine sichere Umgebung hinein in eine unsichere Zukunft.
So geht es auch uns heute in einer sehr raschlebigen Zeit. Was wir als gute Absicherung aufgebaut haben, verschwindet mitunter stückchenweise oder ganz. Im Johannesevangelium, in der Abschiedsrede, sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Wohin ich gehe, den Weg dorthin kennt ihr.“ Thomas fragt ihn: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst, wie sollen wir dann den Weg kennen?“ Daraufhin erklärt Jesus: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ (Joh 14,1- 6).
Damit wird sehr gut unsere heutige Lebenssituation angesprochen: Ratlosigkeit, Hilflosigkeit, keine Orientierung, irdische Sicherheiten wie Wohnung, Nahrung, Kleidung, Entlohnung unserer Arbeit, alles ist immer wieder in Frage gestellt. In diesen gewaltigen Umbruchszeiten sollten wir zur Erkenntnis und zur Einsicht gelangen.
Trotz aller Unsicherheiten geht Abraham in eine unsichere Zukunft. Gott gibt ihm als Zuspruch: „Ein Segen sollst du sein“ - ich sorge dafür, dass es dir gut geht. Es werde eine große Nachkommenschaft zahlreich wie die Sterne am Himmel geben. Dazu kommt noch ewiger Landbesitz; ebenso: „Ich will dir Segen schenken in Fülle.“ (Gen 22,17).
Diese Zusage gilt auch uns heute. Ja sie gilt jedem Menschen, der bereit ist trotz aller Dunkelheiten des Lebens auf dem Weg Gottes zu bleiben.
Im Evangelium wird das noch einmal ganz konkret. Jesus holt einen Sünder, den Zöllner Matthäus, als Außenseiter wieder in die Gesellschaft herein. Zöllner waren damals Randgestalten der Gesellschaft, unbeliebt wegen ihrer Härte beim Steuereintreiben. Jesus holt ihn in seine Nachfolge. Zu ihm gehören auch viele andere am Rande der Gesellschaft. Auch aus schlecht beleumundeten Menschen können großartige Persönlichkeiten werden. Eher selten - uns meist nicht bekannt, warten auch gegenwärtige Beispiele damit auf. Etwa, wenn Obdachlose wieder in den üblichen Lebenskreislauf eingebunden werden können oder Drogenabhängige sich von diesem Laster befreien. Es braucht Mühe, Menschen in ähnlichen Situationen zu motivieren, um sie wieder in die Gesellschaft einzugliedern und vielleicht auch in die Spur Jesu zu bringen.
Jesus isst und trinkt mit diesen Menschen und schafft so einen guten Geist. Gute Mahlzeiten heben die Stimmung. Jesus begeht einen Regelbruch, er weicht von der „Norm“ ab, weil Hilfe sehr oft sofort nötig ist. Das ist keine Aufforderung, Gesetze zu übertreten. Vielmehr will Jesus den Pharisäern ins Stammbuch schreiben, dass formalistisches Gehabe, wortwörtliche Befolgung alter Regeln in verschiedenen Situationen nicht hilfreich sind, ja sogar Schaden bewirken können.
Einsicht und Erkenntnis benötigen viel Zeit, Geduld und Lebenserfahrung, besonders auch im Umgang mit der nachfolgenden Generation. Vielleicht gelingt es auch uns, Wendepunkte zu schaffen von Orientierungslosigkeit hin zum guten Geist, bei einem guten Mahl und einer geglückten Aussprache. Jesus lädt uns jeden Sonntag dazu ein…
Der Vatertag ist Anstoß, den Vätern und allen "väterlichen Menschen" zu danken. Viele Menschen, Väter wie auch Mütter, stehen unter dem Druck, vollkommen sein zu sollen. Manchen halten diesem Druck nicht stand. Jesus beruft auch Unvollkommene und bewirkt durch sie Großes.
Vor einiger Zeit machte ein WhatsApp-Video die Runde, das einlädt, sich vorzustellen was wir mitgemacht hätten, wenn wir im Jahr 1900 geboren worden wären. 2 Kriege, die Spanische Grippe, Hunger, Zusammenbrüche, und wirklich existenzielle Entbehrungen. Und heute beklagen wir uns wegen Teuerungen, Lieferproblemen, Arbeitskräftemangel, dabei haben wir Strom, Handy, meist ein sicheres Dach über dem Kopf und vieles mehr. So betrachtet können wir nur zufrieden sein, in dieser Zeit zu leben, und dankbar dafür sein. Ich denke, das ist eine Sichtweise die sicher hilfreich ist, wenn wir zu viel Jammern und uns selbst bemitleiden. Sie kann uns auch ermutigen die Lebensfreude nicht gleich zu verlieren.
Diese Sichtweise, soll uns aber nicht daran hindern, hinzuschauen was uns heute buchstäblich fertig macht. Ich nenne es die sehr verbreitete Erschöpfung. In vielen Berichten und Gesprächen der letzten Wochen ist sie durchgeklungen. Bei Politikern genauso wie bei Selbständigen, ArbeitnehmerInnen und Arbeitslosen. Wie müde und erschöpft viele Menschen sind, kriegen wir oft gar nicht mit. Da bleibt vieles unter der Decke. Das wahrzunehmen erfordert ein genaues Hinschauen und Mitgefühl.
In einem Evangeliumsabschnitt heißt es: „Als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; Denn sie waren müde und erschöpft, wie Schafe, die keinen Hirten haben“ (Mt 9,36). Diese müden und erschöpften Menschen findet Jesus in nächster Umgebung, es heißt, bei den verlorenen Schafen des Hauses Israel, also bei den eigenen Leuten, man kann auch sagen in der eigenen Familie. Das fordert Jesus heraus, ihnen will er die frohe Botschaft vom Kommen des Reiches Gottes verkünden. Eine sehr schwierige Aufgabe zu der Jesus seine Jünger da einlädt. Unter den Seinen, in nächster Umgebung, in der eigenen Familie Hoffnung und Zuversicht zu verbreiten, das ist keine leichte Sache. Aber die Jünger stellen sich dieser Aufgabe, genauso wie es viele Väter heute tun.
Sie sind keine Zauberer, sie legen Hand an, sie geben ihr Bestes. Sie stellen sich den Anforderungen der modernen Arbeitswelt, sie schaffen Wohnraum für die Familie, sie sorgen sich um Kinder und bemühen sich um eine gute Beziehung in der Partnerschaft.
Um ein guter Vater zu sein, braucht man die Einstellung die uns Jesus, im heutigen Evangelium, nahelegt: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“. Was Väter gerne geben, brauchen sie nicht vorzurechnen. Viele Väter geben aber so viel, dass sich ihre Kräfte erschöpfen. Sie sind erschöpft. Sie fühlen sich überfordert, als Partner, überfordert mit Erziehungsaufgaben, überfordert von den beruflichen Anforderungen, überfordert vom äußeren und inneren Druck, Karriere zu machen und außerdem noch Haus zu bauen und sonst noch überall zu funktionieren.
Manche rasten aus, wenn der Druck von allen Seiten zu hoch wird. Andere wählen den Rückzug in den Hobbyraum, in den Alkohol, ins Schweigen. Männer tun sich besonders schwer, sich Überforderung und Erschöpfung einzugestehen. Der Vatertag könnte ein Anlass sein, diesem Phänomen der Erschöpfung Aufmerksamkeit zu schenken. Muss die Berufsarbeit so stressig sein, wie viele sie erleben? Müssen wir so viel arbeiten um uns immer mehr leisten zu können? Dürfen Männer keine Gefühle zeigen? Müssen Männer sich so mangelhaft um ihre Gesundheit sorgen? Können Väter nicht mehr zuhause sein und das Familienleben teilen?
Neben allen diesen Fragen soll uns der Vatertag aber eine Einladung sein, Danke zu sagen, dem eigenen Vater, dem Partner als Vater, den Vätern, die sich mit Kindern Mühe geben, die nicht ihre leiblichen sind. Ein Dank auch den Großvätern, den Paten, den Wahlvätern verschiedener Art, die oft den Vater ersetzen oder ergänzen. Ein Danke, auch all jenen, die sich politisch dafür einsetzen, dass aktives Vatersein erleichtert wird und weniger Überforderung mit sich bringt.
Um uns als Väter nicht selbst zu überfordern, mag auch ein Rat des Theologen Fulbert Steffensky hilfreich sein. Er sagt: „Es gibt ein Leiden, das durch überhöhte Erwartungen entsteht; die Erwartung, dass die eigene Ehe vollkommen sei; dass ich im Beruf völlig aufgehe; dass die Erziehung der Kinder vollkommen gelingt. Aber so ist das Leben nicht! Die meisten Beziehungen gelingen halb; man ist meistens nur ein halb guter Vater, ein halb glücklicher Mensch. Und das ist viel! Gegen den Terror der Vollkommenheit möchte ich die gelungene Halbheit loben.
Die Süße und die Schönheit des Lebens liegen nicht im vollkommenen Gelingen und in der Ganzheit. Schön, wenn wir gelegentlich mit unserer Liebe, mit der Freundschaft, mit unseren Lebensoptionen bis in die Nähe der Ganzheit kommen. Schön, wenn wir nicht im Zynismus und im Verrat der Wünsche ersticken! Aber das Leben ist endlich, nicht nur in dem Sinn, dass wir sterben müssen. Die Endlichkeit liegt im Leben selber: im begrenzten Glück, im begrenzten Gelingen, in der begrenzten Ausgefülltheit. Die große Leidenschaft kann sich auch im halben Herzen verstecken.
Das Evangelium dieses Sonntags berichtet von der Berufung des Matthäus. Die Frommen hatten an ihm vieles auszusetzen. Jesus beruft nicht Vollkommene. Er ruft "Zöllner und Sünder" in seine Nachfolge.
Auch wir können uns in allem, was uns überfordert und erschöpft, Gott anvertrauen und mit den Worten eines schönen Kirchenliedes bekennen und bitten:
Mit dir geh ich alle meine Wege,
mit dir bin ich alles was ich bin.
Enge, Weite, Nähe, Licht und Dunkel,
alles, Vater führt mich zu dir hin.
© Robert Bräuer, Diakon und Arbeiterseelsorger der Diözese Linz.
Gottheiten Opfer zu bringen, ist seit alters her der Versuch, sie gnädig zu stimmen. Der jüdische Prophet Hosea stellt diese Praxis in Frage. Auch im heutigen Sprachgebrauch kommt die Rede von Opfern vor. Auch diesbezüglich ist noch Umdenken notwendig.
Opfer gibt es, seit es Religionen gibt. Schon immer haben Menschen etwas, das ihnen wichtig und wertvoll war, den Gottheiten dargebracht. Die Motive dafür waren Verehrung und Anbetung, Bitten, die die Gottheit erfüllen möge und Dank, wenn das Gebet erhört worden ist. Mit dieser Praxis wurde eine menschliche Erfahrung in Gott projiziert, nämlich, dass Geschenke einen anderen, meist höher gestellten Menschen, gnädig stimmen können und ihn oder sie geneigt machen, die eigenen Wünsche zu erfüllen und die eigenen Bedürfnisse zu stillen.
Diese Projektion ist sehr gefährlich, denn sie nährt die Überzeugung, dass man mit Opfern die Gottheit manipulieren kann, zu den eigenen Gunsten tätig zu werden. Dabei gilt, je größer die Bitte, desto wertvoller das Opfer.
Der Prophet Hosea zeigt schon sehr früh - er lebte im 4. Jahrhundert vor Christus - auf, dass die jüdische Gottheit anders ist. Der Gott, an den das jüdische Volk glaubt, ist absolut frei und durch nichts, auch nicht durch Opfer, manipulierbar.
Aber er ist verlässlich in seiner Zuwendung, Güte und Barmherzigkeit. Drastischer kann man es für die Zeit des Hosea nicht sagen: Gottes Liebe ist so zuverlässig, wie der tägliche Sonnenaufgang und der Frühlingsregen, der die Erde fruchtbar macht.
Wenn aber Gott so ist, dann werden Opfer sinnlos. Denn es ist alles schon da, was wir von Gott erbitten, wir müssen es nur wahrnehmen und uns dafür öffnen.
Dabei manipuliert Gott die Naturgesetze nicht zu unseren Gunsten. Wenn wir leiden oder Verluste erfahren müssen, ist er da und bleibt er bei uns. Wo es möglich ist, wird er uns aus dem Leid führen, und wo nicht, stößt er uns die Türe zum ewigen Leben auf. Das ist seine letzte Trumpfkarte.
Wenn der Prophet sagt, dass Gott Liebe, Gotteserkenntnis und Barmherzigkeit möchte und keine Opfer, so bedeutet das, dass viele Wünsche und Bedürfnisse von Mitmenschen im Namen Gottes durch uns erfüllt und gestillt werden können und sollen.
Auch für Jesus spielt das Thema eine Rolle. Die Kehrseite hoher Opferbereitschaft zugunsten Gottes und besonderer Treue zu den Vorschriften und Geboten einer Religion ist oft die Ausgrenzung derer, die diese Gebote nicht erfüllen können oder wollen. In den Augen der Pharisäer sind sie daher Sünder und Sünderinnen.
Solche Menschen werden ausgegrenzt und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Jesus aber geht ganz bewusst auf diese Leute zu und baut Vertrauen und Gemeinschaft mit ihnen auf. Am deutlichsten kommt das in der Tischgemeinschaft zum Ausdruck. Diese Tischgemeinschaft schafft neue Beziehungen und kann zu Einsicht, Reue und Umkehr derer führen, die sich nicht korrekt verhalten haben. Jesus legt den Fokus auf die Barmherzigkeit Gottes, die man sich nicht durch Opfer erkaufen oder erarbeiten muss.
Dennoch geistert das Opfer bis in unsere Zeit in der religiösen Sprache herum. Ich werde meine Schmerzen aufopfern, sagen Leute, oder du musst halt ein Opfer bringen und auf dies oder das verzichten. Auch die Rede vom Tod Jesu als Opfer um unsere Sünden zu tilgen ist uns immer noch vertraut. Wenn aber Gott keine Opfer will, wie schon der Prophet sagt, dann müssen wir Jesu Tod anders deuten: als Hingabe seines Lebens, um seine Sendung, uns Gott nahe zu bringen, nicht zu verraten.
Auch die Ausgrenzung von Menschen, deren Lebenswandel kirchliche Vorschriften und Vorstellungen verletzt, ist immer noch verbreitet. Die kirchliche Lehre bestimmt, was richtig und falsch ist und wer sich nicht daran hält soll außen vor bleiben. Ich denke es ist sehr dringend, dass wir in der Kirche wieder auf diese Menschen zugehen, bis hin zur Tischgemeinschaft, im alltäglichen Bereich, aber auch bei der Messe.
Wenn wir tun, was Gott möchte, nämlich Liebe und Barmherzigkeit untereinander zu praktizieren, dann können wir Gott tiefer erkennen. Er ist mitten unter uns mit seiner Zuwendung und Güte, wir müssen uns nur dafür öffnen und daran glauben.
© Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt, Diözese Linz
Der Prophet Hosea fordert uns auf, nach der Erkenntnis des Herrn zu jagen. Gott ist aber auch von seiner Seite her aktiv. Er geht auf uns zu und verändert unser Leben.
Wenn die Bibel ein Buch der Lebens- und Glaubenserfahrungen durch die lange Zeit der Geschichte ist, werden uns in diesen Texten Beispiele gebracht, was Erkenntnis bedeutet und bewirkt und was einen unerschütterlichen Glauben ausmacht, der zu Liebe und Barmherzigkeit führt.
Das Buch Hosea entstand in sehr dunklen Zeiten: Versagen der Könige und der Priesterschaft im 8. Jhdt. v. Chr. Kurz gesagt: Abfall vom Gottesglauben, und es entsteht Chaos. Die Assyrer erobern die nördlichen Nachbarländer bis auch das Nordreich Israel 722 v. Chr. unter ihre Herrschaft fiel. Innerhalb sehr kurzer Zeit gab es vier Königsmorde. Volk und Herrscher haben nicht erkannt, worauf es ankommt.
Der erste Satz dieser Stelle aus dem Buch Hosea ist sehr entscheidend und hat auch für uns Aktualität: „Lasst uns ihn [JHWH] erkennen, ja lasst uns nach der Erkenntnis des Herrn jagen.“ Das wäre auch für uns eine lebenslange Aufgabe. Was bedeutet das? Der Mensch schaut zwar, sieht aber nichts mehr, übersieht das Wesentliche, kann daher nichts erkennen. Er ist zugemüllt von all dem, was er erlebt. Reizüberflutung könnte man sagen. Wenn Sehen zur Erkenntnis führt, heißt das im Hebräischen auch „lieben“, sehen, aufeinander zugehen, den anderen wahrnehmen auch in seiner Gefühlswelt, in seinem nonverbalen außersprachlichen Gehabe.
Das führt weiter zum Verstehen, zur Vernunft. All das sind wesentliche Voraussetzungen für den Glauben. Wenn wir über unseren Glauben Auskunft geben sollen und auch darüber, was uns in so schwierigen Zeiten wie gegenwärtig - damals war es ebenso - hoffnungsfroh macht, dann wirkt Glaube nur überzeugend, wenn er menschlich, alltagstauglich, krisenfest, argumentativ belastbar und redlich ist. Dann kann man auch von einer persönlichen Heilsgewissheit sprechen. Die muss aber erst eingeübt werden. Christentum manifestiert sich in Christus selbst. Auf seine Stimme hören im Schweigen. Wir haben einen menschlichen und einen Heiligen Geist in uns. Dieser menschliche Geist soll mit dem göttlichen Geist zusammenwirken, so wie es Jesus vorgelebt hat. „Dein Wille geschehe!“
Zuerst aber muss man mit sich selbst ins Reine kommen. „Erkenne dich selbst!“ Diesen Spruch des Philosophen Sokrates (469-399 v. Chr.) kann man über dem Eingang des Apollotempels in Delphi lesen. Wie ist dieses Zitat zu verstehen? Überprüfe deine Haltungen, deinen Lebensführung, deinen Umgang mit dir selbst: Machst du dich auf vielerlei Weise kaputt? Wie verkehrst du mit deiner Umgebung? Das alles hat Ignatius von Loyola (1491-1556) in seinen Exerzitien zur Sprache gebracht. Wieso bist du so aufgeregt? Ist es freudige Erregung, sind es hoffnungsfrohe Erwartungen oder bringen dich die Sorgen des Alltags aus der Fassung. Versuche Ordnung in deine Gefühls- und Gedankenwelt zu bringen, um zu guten Lebensentscheidungen zu kommen. Vertraue darauf, dass manchmal auch Unmögliches möglich wird, oft nicht gleich.
Die zweite Lesung erinnert uns an Abraham als „Vater im Glauben“. Er erlebt, dass Unmögliches möglich wird. Staunen, Zweifel und Wunder (wundern) sind Teilaspekte des Glaubens. Wundern kann auch eine Form des Zweifels sein. Wer zweifelt, fragt nach, will begründen oder Begründungen hören. Unmögliches wird möglich. Die alte Sara bekommt ein Kind. Sara als Mutter Isaaks, überaltert, nicht vorstellbar.
Die Jünger werfen die Netze aus, fischen nichts, sind verzweifelt. Der (Zimmermann) Jesus hat doch vom Fischen keine Ahnung. Die Jünger haben vergeblich die Netze ausgeworfen. Auf Jesu Wort hin probieren sie es noch einmal. Dann war der Fischfang so ertragreich, dass die Netze zu zerreißen drohten. Sie kennen alle ausweglose Situationen: Schlag dir das aus dem Kopf, deine Berufsvorstellungen sind chancenlos. Du bist schon zu alt. Das alles ist nicht motivierend, bedrückend. Und doch gibt es unverhoffte Lichtblicke. „Wenn ein Traum, irgendein Traum sich nicht erfüllt, wenn die Hoffnung nicht mehr besteht, dann geht immer wieder die Sonne auf“, singt Udo Jürgens.
Und im Evangelium der Aufruf: „Komm folge mir nach!“ Bei Mk 2,14 lesen wir, dass er auch Levit war, eigentlich ungeheuerlich, ein Levit, ein Tempeldiener, der dem Priester beim Gottesdienst assistierte, und einem damals verachteten Beruf nachging, einem Beruf, der auch von Korruption nicht frei war, du der so eine doppelbödige Lebenshaltung führte. Matthäus begegnet Jesus. Vielleicht haben sie schon beobachtet: Begegnungen ereignen sich fast immer mit einem kurzen fast unmerklichen Blickkontakt. Jemandem ins Antlitz sehen. Gott sieht Matthäus ins Antlitz. Diese Begegnung führt zu einer Veränderung in seiner Lebenshaltung.
Vielleicht nehmen Sie diese beiden Sätze mit hinein in Ihren Alltag: „Lasst uns nach der Erkenntnis des Herrn jagen“ und auch darüber nachzudenken, was der Satz für Sie bedeutet: „Komm folge mir nach!“
Es liegt im Zug der Zeit, über die Mütterlichkeit Gottes Gedanken zu machen. Der Vatertag ist Anlass, sich der Väterlichkeit Gottes jenseits gängiger Klischees bewusst zu werden, und darüber nachzudenken, dass er nicht allein für strenge Gerechtigkeit steht, sondern dass er ein barmherziger Vater ist, von dessen Väterlichkeit wir noch viel lernen können.
Gerechtigkeit ist eine moralische Grundforderung des menschlichen Zusammenlebens und wird politisch auch oft eingefordert. Wer mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen zusammenarbeitet, sie näher kennen lernt, und sie vielleicht auch unterstützt, macht oft eine Erfahrung: Mit Gerechtigkeit allein kann man nicht immer alles klären und auflösen, es braucht Barmherzigkeit, um zu verstehen und helfen zu können. Jesus führt uns mit seiner Hinwendung zum Zöllner Matthäus von der Gerechtigkeit zur Barmherzigkeit. Sie erwächst aus seiner Liebe zu den Menschen.
Heute ist auch Vatertag, damit verbinden wir oft Kinder, die ihren Vater beschenken und ehren. Doch wir alle haben einen Vater und sind eingeladen heute an ihn zu denken. Der Vatertag bietet die Chance auf unseren Vater zuzugehen, ihn zu besuchen, mit ihm Zeit verbringen, mit ihm reden. Wenn ihr Vater schon verstorben ist, ist der Vatertag ein guter Anlass sein Grab zu besuchen und für ihn zu beten, ihm zu danken für das Leben, dass er ihnen geschenkt hat.
Die Grundstimmung eines Gesprächs mit dem Vater soll immer die Güte sein, nicht nur am Vatertag. Ich liebe dich so wie du bist, das gilt für den Vater, aber auch für die Kinder. Vor dem Hintergrund der heutigen Texte können wir auch darüber nachdenken, ob mein Vater ein gerechter und auch ein barmherziger Vater ist oder war. Es gibt eine Sehnsucht des Menschen nach einem guten und barmherzigen Vater. Wir sehnen uns danach, bei ihm Geborgenheit und Liebe zu finden und eine gute Kindheit gehabt zu haben.
Manche von uns sind auch Väter. Für sie ist heute ein guter Tag zu überlegen, bin ich meinen Kindern ein guter und barmherziger Vater? Schenke ich meinen Töchtern und Söhnen genug Zeit, Geborgenheit und Liebe? Räume ich ihnen genügend Platz und Raum in meinem Leben ein?
Das ist auch eine Frage an uns alle. Wir sehen heute, dass die Eltern noch weit mehr Unterstützung und Anerkennung für diese Aufgabe brauchen. Die Vereinbarkeit von Elternschaft und Beruf ist ein grundlegendes Thema für beide Elternteile. Besonders den Männern muss ermöglicht werden, ihren väterlichen Aufgaben nachzukommen. Jeder gute Vater hat den Wunsch, seinen Töchtern und Söhnen genügend Rüstzeug und Fähigkeiten für ein gutes Leben mitzugeben. Leider gab und gibt es noch immer die Ansicht, dass Härte und Strenge die besten Erziehungsmittel dafür sind. Eltern lehren ihrem Nachwuchs mehr als alle anderen Werte vor allem sich durchzusetzen. Heute wissen wir: Härte nimmt den Kindern ihren Selbstwert und schränkt ihr Leben ein. Liebe, Barmherzigkeit und Wertschätzung allein lassen in Mädchen und Buben genügend Selbstwert wachsen, damit sie gut leben können.
Der Papst sagt zur Vaterschaft: Als Vater wird man nicht geboren, Vater wird man nicht, indem man ein Kind in die Welt gesetzt hat, sondern dadurch, dass man sich verantwortungsvoll um das Kind kümmert. Jedes Mal, wenn jemand die Verantwortung für das Leben eines anderen übernimmt, übernimmt er ihm gegenüber in einem gewissen Sinn Vaterschaft.
Wir dürfen auch Gott Vater nennen, er ist ein barmherziger Vater wie ihn Jesus in vielen Gleichnissen zeigt. Das Gleichnis vom barmherzigen Vater ist ein Bild für die Barmherzigkeit Gottes. Das Gleichnis zeigt uns das Spannungsfeld zwischen Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Früher wurde bei diesem Gleichnis vom verlorenen Sohn gesprochen.
Männer können ihre Väterlichkeit tiefer verstehen, indem wir auf Jesus schauen. Mitfühlen, begleiten, zulassen und führen, die Welt schöpferisch gestalten und für Gerechtigkeit und Barmherzigkeit eintreten: Das sind Haltungen Gottes zu uns Menschen und zu unserer Welt. Jesus hat sie uns vorgelebt. Väter können ihre Väterlichkeit als Gleichnis und Zeichen für die Liebe Gottes leben. So eröffnen sie unseren Kindern eine wichtige Dimension über die Grenzen dieser Welt hinaus.
© Josef Muhr, Diakon mit Familie in der Diözese St. Pölten.
Diese Evangelienstelle enthält drei bedenkenswerte Punkte, an denen niemand in seinem Leben vorbeikommt:
1) die Berufung - der Beruf mit der Frage: Was soll aus dir werden, was gibt deinem Leben Sinn? Wohin führt dein Leben? Im Evangelium heißt es dazu kurz und bündig: "Folge mir nach!"
2) Dieser Gedanke spricht vom Mahl halten, vom Essen und Trinken. Es geht aber um mehr als um lebenserhaltende, immer wiederkehrende Maßnahme.
3) "Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken!" Dieses Wort finden wir auch bei Mk. und Lk. Es klingt wie ein Allgemeinplatz, eine No-na-Feststellung. Das ist es aber nicht!
"Was soll aus dir werden, wohin führt dein Leben?" fragt Jesus den Zöllner. So kann man nur sprechen, wenn man Interesse am Menschen zeigt. Zöllner gehörten damals der unteren sozialen Schicht an, mussten Steuern einheben, und weil sie nicht staatlich fix besoldete Beamte waren, scheuten sie nicht davor zurück, die Bevölkerung auszupressen. Oft begingen sie auch Betrügereien, vielleicht auch, um selbst zu überleben. Was soll aus dir werden, wohin führt dein Leben? Berufung enthält die Sendung in bestimmte Aufgaben. Jesus will alle berufen, ohne Unterschied des sozialen Standes. Jeder Mensch hat ein göttliches Antlitz. Berufung und Beruf zeigen sich dort am schönsten, wo Talente, Begabung und Begeisterung - also im guten Geist- sich mit den Bedürfnissen der Welt kreuzen, wo sich Göttliches und Menschliches verbinden. Das ist gar nicht leicht, weil es in jedem Berufs- und Alltagsleben, aber auch in der Verkündigung der Frohen Botschaft Schwierigkeiten gibt. Berufung heißt auch, sich in den Dienst des Nächsten zu stellen, Beziehung aufzubauen.
Damit sind wir beim zweiten Gedanken: Jesus tut das, indem er Tischgemeinschaft stiftet, weil "Essen und Trinken, Leib und Seele zusammenhält", so ein bekanntes Sprichwort und auf diese Weise Vertrauen geschaffen wird. Der Tisch ist d a s Kommunikationszentrum von alters her. Der Tisch steht als Symbol für Essen und Trinken, der Platz für Beziehungen und Gespräche aller Art. Deshalb nimmt auch der Altar einen wichtigen, unübersehbaren Platz ein. Hier versammeln sich Menschen zur Eucharistiefeier, zur Danksagung. Er ist im Lauf der Kirchengeschichte an die Wand gerückt worden. Seit der Liturgiereform auf dem II. Vatikanum hat man ihn wieder in die Mitte gerückt. Einige wollen ihn heute wieder an der Wand sehen. - Jesus zeigt bei den Festmählern und schon gar nicht beim Letzten Abendmahl seinen Tischgefährten den Rücken. Es darf und soll kein "Wenn und Aber" geben, Menschen vom Tisch des Herrn fernzuhalten durch Ordnungen, die den Wirklichkeiten des Lebens heute nicht mehr entsprechen. Die Kriterien, die heute Menschen vom Tisch des Herrn ausschließen, sind zu hinterfragen. Die "Rasenmähertheologie", die alles gleich stutzt, ist für die individuelle Lebenssituation des einzelnen nicht hilfreich.
Der dritte Punkt unserer Überlegungen. Diesen Satz finden wir auch bei Mk. und Lk. - Niemand ist gerne krank, zwischen Kranken und Gesunden gibt es eine große Bandbreite. Viele unserer Krankheiten haben psychosomatischen Ursprung. "Was kränkt, macht krank", sagt eine alte Volksweisheit. Eine der Krankheiten heute sind die vielen Beziehungswunden, die geschlagen werden, bewusst oder unbewusst. Wenn Sakramente, im Besonderen das der Eucharistie und der Schuldvergebung, heilende Wirkung haben, wenn sie Medizin sind, ist es dann richtig, diese heilende Wirkung gerade geschiedenen Wiederverheirateten vorzuenthalten? Petrus und Judas haben den Herrn verleugnet, Thomas war ein großer Skeptiker. Jesus hat sie nicht vom Tisch gewiesen. Der Ausschluss vom Gastmahl sollte erst mit der weiteren Entwicklung des Kirchenrechts Bedeutung gewinnen. Viele sprechen heute von einer hartherzigen Kirche im Vergleich zum vergebenden Jesus. Es gibt verschiedene Formen des Scheiterns. Wer aus Schwäche scheitert, braucht aber ganz dringend Hilfe- die "Medizin" des Sakraments- und nicht den Ausschluss. Die Überraschung nach dem Scheitern ist immer wieder die Vergebung, die Barmherzigkeit. "Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!", hörten wir im Evangelium.
Wer freilich Sakramente dazu missbraucht, sie nur als "Aufputz" zu Festen zu sehen, wer lax ist, schließt sich genau genommen selber davon aus.
Jesus zeigt in diesem Evangelium, wie aus Taugenichtsen, aus wankelmütigen Menschen, aus Versagern großartige Christen werden.
Die Kirchen scheinen zurzeit mehr auf Gesetzestreue als auf Barmherzigkeit zu bauen. Zugegeben: Die Gratwanderung zwischen beiden ist schwierig. Mit diesem Evangelium weist Jesus darauf hin, dass jeder von uns Platz hat beim Tisch des Herrn, also im Reich Gottes. Gott schaut nicht nur dem Matthäus ins Herz, bringt ihn zur Umkehr. Gott wendet sich jedem auf seine persönliche Weise zu, hat mit jedem Erbarmen. Das ist die trostvolle Botschaft dieses Sonntags.
Lieder:
GL 140: Kommt herbei, singt dem Herrn
GL 142: Zu dir, o Gott, erheben wir
GL 143: Mein ganzes Herz erhebet dich
GL 146: Du rufst uns, Herr, an deinen Tisch
GL 216: Im Frieden dein, o Herre mein
GL 273: O Herr, nimm unsre Schuld, mit der wir uns belasten
GL 275: Selig, wem Christus auf dem Weg begegnet
GL 358: Ich will dich lieben, meine Stärke
GL 361: Mein schönste Zier und Kleinod bist auf Erden du, Herr Jesu Christ
GL 393: Nun lobet Gott im hohen Thron
GL 395: Den Herren will ich loben, es jauchzt in Gott mein Geist
GL 414: Herr, unser Herr, wie bist du zugegen
GL 456: Herr, du bist mein Leben, Herr, du bist mein Weg
GL 477: Gott ruft sein Volk zusammen
GL Ö815: Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt
Psalmen und Kehrverse:
GL 53,1: Hört auf die Stimme des Herrn, verschließt ihm nicht das Herz. - Mit Psalm 95 - VI
GL 518: Beim Herrn ist Barmherzigkeit und reiche Erlösung. - Mit Psalm 146 (GL 77,2) - VII
GL 639,3-4: Beim Herrn ist Barmherzigkeit, bei ihm ist Erlösung in Fülle - Mit Psalm 130 - II, oder mit Psalm 116 (GL 629,4)
GL 517: Der Herr vergibt die Schuld und rettet unser Leben - Mit Psalm 40 (GL 41,2) - IV
GL 561-2: Freut euch, wir sind Gottes Volk, erwählt durch seine Gnade - Mit Psalm 100 - V
Jeder Sonntag gibt uns die Gelegenheit innezuhalten und auf unser Leben zu blicken.
„Lebe nach deinen eigenen Werten, entdecke, was dich wirklich erfüllt und gestalte dein Leben bewusst, statt den Erwartungen anderer zu folgen.“ Solche Sätze „ploppen auf“, wenn bei einer Suchmaschine die Frage eingeben wird: „Wie soll ich leben?“ Antworten finden wir im Glauben. Eine bietet uns das heutige Evangelium an.
Fremde zu integrieren, ihnen Platz und Lebensraum zu geben, fällt nicht immer leicht. Es fällt uns auch nicht leicht, mit Menschen Kontakt zu pflegen, die aus der Norm fallen, mit Menschen, denen das Leben arg zugesetzt hat; schon gar nicht, wenn sie selbst schuld daran sind.
Die Mahlgemeinschaft, die uns Christus anbietet, steht allen offen, die selbt für den Ruf Gottes offen sind. Christen verstehen sich als Schwestern und Brüder, als Kinder Gottes. Dies ist leichter gesagt als gelebt. Treten wir vor den Herrn und bitten wir ihn um die Kraft,
einander anzunehmen, wie er uns annimmt.
Herr, Jesus Christus,
zu dir können wir kommen, dich können wir fragen.
Herr, erbarme dich.
Deine Liebe schließt niemanden aus.
Christus, erbarme dich.
Du hast Worte ewigen Lebens.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus, du hast gemäß der Botschaft des Propheten Hosea gelebt und dich um Sünderinnen und Sünder gekümmert. Wir bitten dich:
Du willst Barmherzigkeit und Liebe, keine Opfer.
Herr erbarme dich unser.
Deine Treue ist verlässlich wie das Morgenrot und der Frühjahrsregen.
Christus, erbarme dich unser.
Unsere Liebe ist immer wieder wankelmütig, wie die Wolken, die ständig ihre Form verändern.
Herr, erbarme dich unser.
© Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt, Diözese Linz
Herr, Jesus Christus,
du hast die Menschen so wahr- und angenommen wie sie sind.
Herr, erbarme dich.
Du hast sie eingeladen mit dir Mahl zu halten
und sich für ihr Leben neu stärken zu lassen.
Christus, erbarme dich.
Du hast ihnen eine neue Sicht auf ihr Leben geschenkt
und sie aufgefordert dir zu folgen.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du bist Gottes Sohn.
Herr, erbarme dich.
Für dich sind alle Menschen gleich.
Christus, erbarme dich.
Steh uns bei, damit auch wir das begreifen.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
du hast mit Zöllnern und Sündern Mahl gehalten.
Herr, erbarme dich.
Du hast dich den Kranken und Ausgestoßenen zugewandt.
Christus, erbarme dich.
du hast uns vorgelebt, was es heißt "Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer".
Herr, erbarme dich.
Gott, unser Vater,
alles Gute kommt allein von dir.
Schenke uns deinen Geist,
damit wir erkennen, was recht ist,
und es mit deiner Hilfe auch tun.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 10. Sonntag im Jahreskreis
MB Die Bittmesse
Heiliger Gott.
Du hast deine Gemeinde zur Heiligkeit berufen.
Du befähigst uns schon in dieser Welt
zu einem neuen Leben.
Vergib uns,
wenn wir dennoch immer wieder versagen.
Sende uns deinen Geist
und laß uns erfahren,
daß du die Herzen der Menschen verwandelst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 10
Gott,
dein Sohn hat die Nähe der Sünder nicht gescheut.
Im Vertrauen auf ihn bitten wir dich:
Nimm uns an
und forme uns nach dem Bild deines Sohnes,
unseres Herrn Jesus Christus,
der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt in Ewigkeit.
WB 10. Sonntag im Jahreskreis A
Barmherziger Gott,
du schenkst uns Vergebung und Gemeinschaft
mit dir. Laß uns dein Handeln nachahmen
und Boten deiner Barmherzigkeit sein.
Durch Christus, unseren Herrn.
Gütiger Gott,
du schenkst uns den Glauben als Hilfe unser Leben zu gestalten und als Halt in schweren Zeiten.
Lass uns in dieser Feier wieder neu bewusstwerden, wozu du uns gerufen hast und was es heißt, als dein Sohn, als deine Tochter in der Welt von heute zu leben und diese zu gestalten.
Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Herrn. - Amen.
Herr, Jesus Christus,
auch heute lädts du uns wieder ein, dir zu folgen,
deinem Wort zuzuhören und mit dir Mahl zu halten.
An deinem Tisch sind wir willkommen,
mit allem was uns ausmacht.
Mache auch uns bereit,
unseren Mitmenschen offen und einladend zu begegnen
und durch unser Handeln
deine Botschaft von der Menschenliebe Gottes in die Welt zu tragen.
Barmherziger Gott,
du bist da. Und du bist ansprechbar.
Dir vertrauen wir an, was uns auf dem Herzen liegt, und bitten dich:
Für alle, die auf der Suche nach guten und tragfähigen Antworten auf die Frage, wie sie leben sollen, sind.
Für alle, die im Bereich der aufsuchenden Seelsorge tätig sind, für jene, die zu Menschen und an Orte gehen, die andere meiden würden.
Für alle, die öffentliche Meinung bilden, für die Medienschaffenden und für die Influencer.
Für die vielen, die Barmherzigkeit im Alltag leben versuchen.
Für alle, die ein offenes Haus und Herz für in unserer Gesellschaft Benachteiligte haben.
Für alle, die heute den Ruf Jesu zur Nachfolge hören und ihm folgen.
Hast du sie gehört, guter Gott, unsere Bitten? Die wir in Worte gefasst und ausgesprochen haben? Und die vielen anderen, die wir in uns tragen? Gewiss, Gott, dürfen wir uns dessen sicher sein.
Darum danken wir dir, heute und alle Tage unseres Lebens. - Amen.
Barmherziger Gott,
auf deine Liebe und Zuwendung können wir uns verlassen.
Deshalb bitten wir dich:
Für alle, die auf deine Liebe und Barmherzigkeit nicht vertrauen können.
Für alle, die glauben sich mit Opfern deine Hilfe und Fürsorge sichern zu können:
Für alle, die Menschen, welche kirchlichen oder gesellschaftlichen Normen nicht entsprechen, ausgrenzen.
Für alle, die von den Menschen Opfer verlangen, statt veraltete und überholte Vorschriften und Regeln zu ändern.
Für alle, die vorbehaltlos mit Menschen Gemeinschaft pflegen und sie auch zum Essen einladen.
Für unsere Verstorbenen und ihre Angehörigen.
Gott, auf deine Güte können wir zählen, wir vertrauen dir alles an was uns bedrückt und am Herzen liegt. – Amen.
© Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt, Diözese Linz.
Im Vertrauen auf Gottes rettende Zuwendung zu seiner ganzen Schöpfung lasst uns ihn bitten:
Hilf deiner Kirche in ihrem Vertrauen auf dich bei der Suche nach Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit.
Hilf uns dort aufeinander zuzugehen, wo notwendige Veränderungen und das Bewahren von Altbewährtem in unserer Gesellschaft schwer in Einklang zu bringen sind.
Hilf allen Vätern, in ihrer Sorge um das Wohl ihrer Kinder und Familien auf deinen Beistand zu vertrauen; besonders dann, wenn die Zukunft aussichtslos und ungewiss erscheint.
Hilf uns, zu unseren Schwächen zu stehen und um Hilfe bitten zu können, wo wir deiner Unterstützung bedürfen.
Hilf allen, die sich auf die Begegnung mit dir in ihrem Sterben vorbereiten und schenke ihnen die Gewissheit, dass du sie auffängst und rettest.
Im Vertrauen auf deine rettende Zuwendung stimmen wir mit der ganzen Schöpfung in das Lob deiner Herrlichkeit ein. - Amen.
Herr Jesus Christus,
du bist gekommen, die Sünder zu rufen.
Wir bitten dich:
Durch die Taufe sind wir alle gleich geworden in dir.
Lass uns erkennen, dass niemand der bessere Christ, die bessere Christin ist, sondern dass wir alle deine Schwestern und Brüder sind.
Oft haben wir ein völlig falsches Bild von uns und unserem Weg mit dir.
Hilf uns, aus unserer Verblendung hinauszutreten und deinen Weg mit uns zu erkennen.
In der Welt herrschen unerträgliche Kriege, die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine spüren wir sogar hier bei uns. Das macht uns so hilflos, weil wir nicht sehen, was wir tun können.
Steh uns bei, damit wir Klarheit gewinnen, wenn wir den richtigen Weg zum Frieden suchen.
Wir teilen gerne die Menschen, die bei uns in Europa Hilfe suchen, in verschiedene Klassen ein und maßen uns an, zu entscheiden, wer ein Recht darauf hat, zu uns zu kommen und wer nicht. Wir wollen möglichst keine Einbußen und nehmen in Kauf, dass Menschen an den Außengrenzen Europas jämmerlich sterben.
Lass uns erkennen, dass du für alle Menschen in die Welt gekommen bist und jeder Mensch ein Recht zu leben halt.
Du bist gekommen, die Sünder zu dir zu rufen.
Lass uns erkennen, dass auch wir deiner Hilfe und Barmherzigkeit bedürfen.
Für unsere Verstorbenen und für alle, die um sie trauern.
Herr Jesus Christus,
du kennst uns alle und weißt, wer wir sind und was wir brauchen. Du kümmerst dich um uns.
Dafür danken wir dir. – Amen.
Herr Jesus Christus,
du hast ein offenes Herz für alle, die deine Hilfe brauchen.
Wir bitten dich:
Für alle Menschen,
die an den Rand unserer Gesellschaft geschoben worden sind;
die Obdachlosen, die Alkohol- oder Drogensüchtigen
und für alle Verlierer der Modernisierung:
Lass sie Achtung erfahren
und in ihrer Menschenwürde wahrgenommen werden.
Für alle Menschen,
die von der raschen Entwicklung der Wirtschaft überrollt worden sind;
für alle, die ihre Begabungen nicht entwickeln können,
und für alle, die keine Wachstumschancen wahrnehmen können.
Schaffe ihnen gerechtere Lebensverhältnisse.
Für alle Menschen,
die sich in der Kirche und durch die Kirche an den Rand gedrängt fühlen;
für alle, die von den kirchlichen Normen überfordert sind,
und für alle, die ihre Lebensumstände
nicht an die kirchlichen Forderungen anpassen können.
Lass sie spüren, dass du sie liebst
und sie als deine Schwestern und Brüder respektierst.
Für alle Menschen,
die aus eigener Schuld oder unverschuldet in Kriminalität abgeglitten sind;
für alle, die aus der Notlage anderer Gewinn ziehen,
und für alle, die sich ohne Rücksicht auf die anderen durchsetzen.
Gib ihnen die Chance zur Umkehr.
Für alle Menschen,
deren Ruf geschädigt worden ist;
für alle, die sich verachtet fühlen,
und für alle, die durch die Medien zu Opfern öffentlicher Neugier geworden sind.
Lass sie Anerkennung und Respekt erfahren.
Du hast uns Kunde vom barmherzigen und gnädigen Gott gebracht.
Dir vertrauen wir uns an.
Herr, sieh gütig auf dein Volk,
das sich zu deinem Lob versammelt hat.
Nimm an, was wir darbringen,
und mehre durch diese Feier unsere Liebe.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 10. Sonntag im Jahreskreis
Heiliger Gott,
diese Gabe werde zum reinen Opfer,
das deinen Namen groß macht unter den Völkern.
Für uns aber werde sie zum Sakrament,
das uns die Fülle deines Erbarmens schenkt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 31. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
dein Sohn hat uns versprochen,
er werde in unserer Mitte sein,
wann immer wir in seinem Namen versammelt sind.
Er selber erfülle das Lobgebet,
das wir über Brot und Wein sagen,
mit seiner Hingabe und Liebe.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Auswahl 4
Kehrvers:
Danket dem Herrn, denn er ist gütig,
denn seine Huld währt ewig. (GL 558)
Guter und barmherziger Gott,
dir gebührt Dank und Lobpreis
und wir haben allen Grund, dir Dank zu sagen,
denn du bist ein Gott, der die Schwachen in Schutz nimmt.
Kehrvers
Wir danken dir, weil du uns durch die Propheten gelehrt hast,
dass du Liebe willst und nicht Schlachtopfer,
Gotteserkenntnis statt Brandopfer.
Kehrvers
Wir danken dir, denn du hast dich deines Volkes erbarmt,
als es von unterjocht, versklavt und ausgebeutet wurde,
du hast dich deines Volkes angenommen,
als es in Gefangenschaft verschleppt wurde.
Kehrvers
Du hast immer wieder Geduld mit den Menschen gehabt hast,
wenn sie von deinen Wegen abgewichen sind
und deinen Bund gebrochen haben.
Kehrvers
In Jesus von Nazareth bist du den Verlorenen nachgegangen.
Er hat die von der Gemeinschaft des Volkes Ausgeschlossenen
in die Mitte gestellt, ihnen Schutz gewährt und mit ihnen Mahl gehalten.
Kehrvers
Schwache und sündige Menschen hat er in seine Nachfolge gerufen
und ihnen die Sorge für das Reich Gottes anvertraut.
Darum preisen dir dich und singen wir mit der ganzen Kirche dein Lob.
Danklied, z. B. Nun saget Dank und lobt den Herren (GL 385)
Wir danken dir, treuer und barmherziger Vater,
für Jesus, deinen Sohn unseren Herrn und Bruder.
Seine Liebe galt den Armen und Kranken,
den Ausgestoßenen und Sündern.
An keiner Not ging er vorüber.
Sein Leben und seine Botschaft lehren uns,
daß du ein Gott bist, der sich der Menschen annimmt
wie ein Vater sich um seine Kinder sorgt.
Darum loben und preisen wir dich,
wir rühmen deine Güte und Treue
und verkünden mit allen Engeln und Heiligen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 3
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn wir erkennen deine Herrlichkeit in dem,
was du an uns getan hast:
Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit
zu Hilfe gekommen und
hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn
Rettung und Heil gebracht
aus unserer menschlichen Sterblichkeit.
So kam uns aus unserer Vergänglichkeit
das unvergängliche Leben
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und singen mit den
Chören der Engel das Lob
deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 3
Christus spricht:
Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen,
nicht die Gerechten.
(Mt 9,13)
Oder:
Christus spricht:
Lernt, was es heißt:
Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer
(Mt 9,13)
Oder:
Laßt uns streben nach Erkenntnis,
nach der Erkenntnis des Herrn.
(Hos 6,3)
Barmherzigkeit willst du, Gott, nicht Opfer.
Ein offenes Herz für den an meiner Seite, nicht ein verstopftes Herz.
Eines das nachfragt, was den anderen bedrückt, nicht eines, das vorverurteilt.
Nicht schmerzlicher Verzicht, sondern Herzlichkeit.
Nicht reine Pflichterfüllung, sondern Herzensangelegenheit.
Hilf mir dabei!
Barmherziger Gott,
die heilende Kraft dieses Sakramentes
befreie uns von allem verkehrten Streben
und führe uns auf den rechten Weg.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 10. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott,
wir haben den Auftrag deines Sohnes erfüllt
und sein Gedächtnis begangen.
Die heilige Gabe,
die wir in dieser Feier empfangen haben,
helfe uns,
daß wir in der Liebe zu dir und unseren Brüdern
Christus nachfolgen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 33. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger, gütiger Gott,
wir waren Gäste am Tisch deines Sohnes,
und er war der Herr unseres Mahles.
Laß uns dereinst zu ihm gelangen,
der uns auf dem Weg durch den Tod
in die Herrlichkeit vorausgegangen ist,
unser Herr Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Schlussgebete zur Auswahl 3
Herr,
du hast uns mit reichen Gaben beschenkt.
Lass uns in der Danksagung verharren
und einst die Fülle des Heils erlangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 14. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
das heilige Sakrament, das wir empfangen haben,
reinige uns von der alten Schuld.
Es richte uns wieder auf
und schenke uns die Gemeinschaft mit dir,
in der wir das Heil finden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Freitag der 1. Fastenwoche
Ewiger Gott,
in dieser Opferfeier hast du uns gestärkt
mit dem Fleisch und Blut deines Sohnes.
Laß uns in der Kraft dieser Speise
unseren Weg zuversichtlich gehen
und mit allen Menschen, die du uns anvertraut hast,
zur Vollendung in deiner Liebe gelangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Schlussgebete zur Auswahl 8
Barmherziger Gott,
am Tisch des Wortes und des Brotes waren wir zu Gast und haben uns von dir stärken lassen. Deine Liebe kennt keine Grenzen. Aus deiner Liebe leben wir. Was wir gehört und vom Evangelium begriffen haben, wollen wir mit deiner Hilfe versuchen im Alltag zu leben.
Das erbitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. - Amen.
Barmherziger Gott,
durch das Vorbild deines Sohnes hast du uns ein Beispiel gegeben,
wie auch wir barmherzig miteinander leben sollen.
Schenke uns Kraft und Segen seinem Ruf „Folge mir nach“ in Wort und Tat zu folgen.
Das erbitten wir durch ihn, unserem Bruder und Herrn. – Amen.
Dein Segen, guter Gott, begleite uns in die neue Woche:
Segne uns mit heilsamen Gedanken.
Segne uns mit Kraft für gute Werke.
Segne uns mit einem Herzen, das offen ist für die Menschen an unserer Seite und für all' jene, die auf unser Verständnis hoffen.
So segne, begleite und berühre du uns mit deiner Liebe,
du, Gott-Vater, Gott-Sohn und heilige Geistkraft. - Amen.
„Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.“ Wie können wir nun dieses Wort leben? Machen wir keine Unterschiede zwischen den Menschen, die mit uns in Kontakt stehen. Grenzen wir niemanden aus, sondern bieten wir allen das an, was wir geben können. So ahmen wir den Vater im Himmel nach. Bringen wir kleine und große Zerwürfnisse in Ordnung. Sie missfallen dem Himmel und machen uns selbst das Leben bitter. Lassen wir – wie die Schrift sagt – die Sonne nicht untergehen über unserem Zorn, gegen wen auch immer (vgl. Eph 4,26). Wenn wir so handeln, wird alles, was wir tun, Gott gefallen und für die Ewigkeit bleiben. Ob wir arbeiten oder uns ausruhen, spielen oder lernen, mit den Kindern zusammen sind oder mit dem Ehepartner spazieren gehen, ob wir beten oder uns für jemanden einsetzen oder jene religiösen Pflichten erfüllen, die zu unserer christlichen Berufung gehören: Alles trägt bei zum Aufbau des Reiches Gottes. Das Paradies ist wie ein Haus, das wir hier auf Erden bauen und im anderen Leben bewohnen. Und man baut es mit der Liebe.
Chiara Lubich
Ich heiße Antonia. Ich bin eine jener, die Matthäus zu sich ins Haus eingeladen hatte. Von Jesus hatte ich schon gehört. Viel hat er von sich reden gemacht. Er gibt sich ab mit Leuten wie mich. Er wendet nicht den Kopf ab, wenn er uns sieht. Er geht uns nicht aus dem Weg, sondern auf uns zu.
Ich weiß schon, dass das, was ich mache, wie ich versuche über die Runden zu kommen, nicht das ist, was mich in den Himmel bringt. Wie oft zeigen sie mit dem Finger auf mich oder tuscheln hinter meinem Rücken. Aber ich habe schließlich keine andere Wahl. Irgendjemand muss es ja machen. Die anderen, die können es sich leisten, das nicht zu tun. Ich aber…
Da sitze ich nun mit Jesus an einem Tisch, als ob es das Selbstverständlichste auf der Welt wäre. Er schiebt mich nicht beiseite. Er zeigt mir, dass ich in seiner Nähe willkommen bin. Ich spüre, wie mein Herz aufgeht und wie seine Worte meiner Seele guttun. Ich vergesse für diese kurze Zeit das Schwere meines Lebens und die Last meiner Sorgen. Vielleicht kann sich mit seiner Hilfe auch mein Leben zum Guten wenden? Ich höre, wie er zu den Pharisäern sagt: „Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken.“
Es kann gut sein, dass Jesus dieser Arzt ist, den ich für mein Leben brauche, der mich wieder aufrichtet und zur Heilung verhilft.
© Gabi Ceric
wie kann er nur
diesen Steuerwucherer
diesen Matthäus
einladen ihm zu folgen
wie kann er nur
mit ihm und anderen Sündern
am Tisch Platz nehmen
und Mahl halten
wie kann er nur
den »Rechtgläubigen« sagen
dass er
die Kranken
die Bedürftigen
die Hoffnungslosen
die Aussätzigen
die, deren Lebenskraft zerfließt
die, die noch in Blindheit gefangen sind
die, die sprachlos sind
über alles stellt
und ihnen sagen:
Barmherzigkeit will ich -
Mit-Leid
denn sie alle
sind erschöpft vom Leben
WIE KANN ER NUR
und ICH
und unsere christlichen Kirchen -
als die
vermeintlich „Gottgefälligen“ -
müssen wir uns nicht fragen
was
ja was
verstehen wir bis heute falsch
an seiner Botschaft
des
GELADEN-SEINs
ALLER
und
seiner Aufforderung
zur BARMHERZIGKEIT
müssen wir uns nicht
berechtigter Weise
fragen lassen
„Wie können IHR nur???“
Beatrix Senft zu Math 9
Mahlfeiern: immer wieder ein wichtiges Thema bei Jesus. Und auch bei den ersten Christen: die ersten Gottesdienste waren Treffen zum gemeinsamen Mahlhalten, jeder, der hatte, brachte etwas mit und alle wurden satt, so war es gedacht. Nach und nach allerdings änderte sich so einiges: die Armen und Sklaven mussten ja tagsüber arbeiten, die Reichen dagegen trafen sich bereits am frühen Abend und aßen schon mal das Beste vorweg, die anderen, die erst nach der Arbeit kommen konnten, aßen quasi nach und das, was übrig blieb. Und die Reichen fanden das durchaus auch in Ordnung: blieben sie so doch unter sich. Da das aber nicht das gemeinsame Mahl war, wie Jesus es gemeint hatte, wandelte es sich im Laufe der Zeit: es gab die Eucharistiefeier - für alle gemeinsam, und dann das Mahl - als Ausspeisung für die Armen. Die Reichen aßen unter sich. Ob so das Evangelium wahrgenommen wurde? Nehmen wir es denn wahr? Wie sehen wir uns?
Sind wir die Gerechten, um nicht zu sagen Selbstgerechten, die auf die anderen herabschauen und „hier“ rufen? Wollen wir, dass Jesus mit uns isst, weil wir ja die guten Christen sind, die sich an die Gebote halten und alles richtig machen? Oder sind wir die Kranken, fehlbaren, die Jesu Barmherzigkeit bedürfen?
Echte Gemeinschaft kann es nur geben, wenn niemand ausgegrenzt wird. Und wir sind nicht die, die zu entscheiden haben, wer dazu gehört. Wir sollten auch nicht über uns urteilen – so mancher ist schon darüber gestolpert, dass er oder sie ein völlig anderes Bild von sich hatte, als es der Wirklichkeit entsprach.
Lassen wir uns also heilen von dem, der gekommen ist, uns zu rufen.
Beatrix Senft zu Math 9
Nicht nur abgenützte Worte:
das Sehnsuchtsohr
hört das entscheidende Wort,
das im Herzen brennt.
Das Sehnsuchtsauge
sieht alles, das lebendig wurde,
was tot war,
das Sehnsuchtsherz spürt,
dass heil wird,
was krank war,
dass wiedergefunden wird,
was verloren war.
Der Sehnsuchtsmensch
handelt überraschend,
springt auf,
steigt auf Dächer,
klettert auf Bäume,
steht von seiner Arbeit auf,
berührt Jesu Gewand.
Die Sehnsucht
zu schauen
und zugleich von Ihm
gesehen zu werden
erfüllt sich
in einem Augenblick.
Ilse Pauls

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
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Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
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Die Perikope ist die Fortsetzung eines Bußliedes, welches sich in Hos 6,1-3 findet. Der letzte Vers des Bußliedes ist zugleich der Anfang unserer Textstelle. Das Volk will zu Gott zurückkehren und so seine Rettung erfahren - das ist der Inhalt des Bußliedes.
Darauf erfolgt die Antwort Gottes, vermittelt durch den Propheten. Gott will anstatt äußerer Handlungen der Verehrung und Umkehr lebendige Beziehung, die in der Tiefe des Herzens wurzelt und der damit keine Oberflächlichkeit anhaftet.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive