Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Jeremia.
Jeremía sprach:
Ich hörte die Verleumdung der Vielen:
Grauen ringsum! Zeigt ihn an!
Wir wollen ihn anzeigen.
Meine nächsten Bekannten
warten alle darauf, dass ich stürze:
Vielleicht lässt er sich betören,
dass wir ihn überwältigen und an ihm Rache nehmen können.
Doch der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held.
Darum straucheln meine Verfolger und können nicht überwältigen.
Sie werden schmählich zuschanden,
da sie nichts erreichen,
in ewiger, unvergesslicher Schmach.
Aber der Herr der Heerscharen prüft den Gerechten,
er sieht Nieren und Herz.
Ich werde deine Vergeltung an ihnen sehen;
denn dir habe ich meinen Rechtsstreit anvertraut.
Singt dem Herrn, rühmt den Herrn;
denn er rettet das Leben des Armen
aus der Hand der Übeltäter.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Jeremia.
Du hast mich betört, o HERR,
und ich ließ mich betören;
du hast mich gepackt und überwältigt.
Zum Gespött bin ich geworden den ganzen Tag,
ein jeder verhöhnt mich.
Ja, sooft ich rede, muss ich schreien,
Gewalt und Unterdrückung! muss ich rufen.
Denn das Wort des HERRN
bringt mir den ganzen Tag nur Hohn und Spott.
Sagte ich aber:
Ich will nicht mehr an ihn denken
und nicht mehr in seinem Namen sprechen!,
so brannte in meinem Herzen ein Feuer,
eingeschlossen in meinen Gebeinen.
Ich mühte mich, es auszuhalten,
vermochte es aber nicht.
Ich hörte die Verleumdung der Vielen:
Grauen ringsum! Zeigt ihn an!
Wir wollen ihn anzeigen.
Meine nächsten Bekannten
warten alle darauf, dass ich stürze:
Vielleicht lässt er sich betören,
dass wir ihn überwältigen und an ihm Rache nehmen können.
Doch der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held.
Darum straucheln meine Verfolger und können nicht überwältigen.
Sie werden schmählich zuschanden,
da sie nichts erreichen,
in ewiger, unvergesslicher Schmach.
Aber der Herr der Heerscharen prüft den Gerechten,
er sieht Nieren und Herz.
Ich werde deine Vergeltung an ihnen sehen;
denn dir habe ich meinen Rechtsstreit anvertraut.
Singt dem Herrn, rühmt den Herrn;
denn er rettet das Leben des Armen
aus der Hand der Übeltäter.
Verflucht der Tag, an dem ich geboren wurde;
der Tag, an dem meine Mutter mich gebar,
sei nicht gesegnet.
Verflucht der Mann,
der meinem Vater die frohe Kunde brachte:
Ein Kind, ein Knabe ist dir geboren!
und ihn damit hoch erfreute.
Jener Mann gleiche den Städten,
die der HERR ohne Erbarmen zerstört hat.
Er höre Zetergeschrei am Morgen
und Schreien am Mittag,
weil er mich nicht tötete im Mutterleib.
So wäre meine Mutter mir zum Grab geworden,
ihr Schoß auf ewig schwanger geblieben.
Warum denn kam ich hervor aus dem Mutterschoß?
Nur, um Mühsal und Kummer zu erleben
und meine Tage in Schande zu beenden?
Kv: Gott, in deiner großen Huld erhöre mich,
mit deiner rettenden Treue! – Kv
Oder: GL 307,5
Herr, deinetwegen erleide ich Hohn *
und Schande bedeckt mein Angesicht.
Denn der Eifer für dein Haus hat mich verzehrt, *
die Verhöhnungen derer, die dich verhöhnen, sind auf mich gefallen. – (Kv)
Ich komme zu dir mit meinem Bittgebet, *
Herr, zur Zeit der Gnade.
Gott, in deiner großen Huld erhöre mich, *
mit deiner rettenden Treue! – (Kv)
Die Gebeugten sehen es und sie freuen sich! *
Ihr, die ihr Gott sucht, euer Herz lebe auf!
Denn der Herr hört auf die Armen, *
seine Gefangenen verachtet er nicht. – Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt
und durch die Sünde der Tod
und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen,
weil alle sündigten.
Sünde war nämlich schon vor dem Gesetz in der Welt,
aber Sünde wird nicht angerechnet, wo es kein Gesetz gibt;
dennoch herrschte der Tod von Adam bis Mose auch über die,
welche nicht durch Übertreten eines Gebots gesündigt hatten
wie Adam, der ein Urbild des Kommenden ist.
Doch anders als mit der Übertretung
verhält es sich mit der Gnade;
sind durch die Übertretung des einen
die vielen dem Tod anheimgefallen,
so ist erst recht die Gnade Gottes
und die Gabe,
die durch die Gnadentat des einen Menschen Jesus Christus
bewirkt worden ist,
den vielen reichlich zuteilgeworden.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Adam und Christus werden von Paulus gegenübergestellt. Durch Adam kam die Sünde in die Welt, mit der Sünde der Tod – aber Adam ist auch die Gestalt, „die auf den Kommenden hinweist“. Der Kommende ist Jesus Christus. Was er bewirkt und den vielen reichlich zuteil werden lässt, ist die Gnade Gottes.
Dass die Sünde in die Welt gekommen ist, gehört zu den Erfahrungen, auf die Paulus hinweist, aber gleichzeitig von ihnen wegführt. Mit der alten jüdischen Auslegungstradition, die Paulus einbringt, wird die Sünde als Tod verstanden, die Verderben über die Menschen bringt, ihnen das Leben nimmt und die Zukunft verbaut. Paulus stellt unvermittelt die Gnade Gottes dagegen, die durch die Gnadentat des einen Menschen Jesus Christus bewirkt worden ist. Das moderne Verständnis von Fortschritt, Humanität und Zivilisierung geht jedoch stillschweigend davon aus, dass sich der Mensch in seiner Geschichte selbst vollendet. Paulus hilft, den Weg der Menschen realistisch und mit den Augen Gottes wahrzunehmen.
Im Römerbrief lesen wir eine Art "Testament des Paulus", in dem der Apostel sich und seine Theologie der Gemeinde von Rom vorstellt. Das Zentrum der Theologie des Briefes sind die Darstellungen des Paulus zur Rechtfertigungslehre. Am Ende des Gerechten steht die Hoffnung auf das neue Leben in Christus.
In der vorliegenden Perikope stellt Paulus die Entwicklung vom alten zum neuen Menschen, von Adam zu Christus vor. In Christus ist die 'Gnade Gottes mit seiner Schöpfung Mensch geworden'.
Der Römerbrief weist vor allem in diesem Text deutlich starke judenchristliche Merkmale auf: Die Verbindung von Sünde und Tod (Verse 12-14) ist Kennzeichen alttestamentlicher Tradition. Die Sünde des Menschen ist so unausweichlich wie der Tod. Der einzelne Mensch kann der Sünde wie dem Tod nicht entgehen, die Menschheit als ganze ist dem verfallen durch den Sündenfall Adams. Das heißt aber nicht, dass der Mensch vorbestimmt sei, sondern er ist für die Sünde mitverantwortlich, weil Adam aus freiem Willen gehandelt hat, dem sich die ganze Menschheit nun beugen muss. Dieser Teufelskreis wird erst durch Gottes Rettungstat in der Person Christi durchbrochen (Vers 15).
Paulus versucht in seinem Brief an die Christen in Rom eine Theologie von Jesus Christus, seinem Leben, Sterben und Auferstehen vorzulegen, die nicht von der jüdischen Überlieferung ausgeht, sondern auch jenen einen Zugang eröffnen soll, die aus dem römisch-griechischen Kulturkreis kommen. Ihnen möchte er das Christusereignis "erklären".
In dem Abschnitt, der am 12. Sonntag als 2. Lesung vorgetragen wird, wählt er einen "kosmischen" Ansatz: Er stellt Christus dem ersten Menschen Adam gegenüber, der Sünde des Adam die Gnade, dem Tod das Leben, dem Ungehorsam den Gehorsam. In all diesen Begriffen sieht Paulus kosmische Größen, die miteinander ringen. In Christus erweist sich die Gnade, der Gehorsam und das Leben stärker als Sünde, Ungehorsam und Tod. Dahinter steht die Vorstellung sog. korporativer Persönlichkeiten. Im Stammvater ist bereits die ganze Nachkommenschaft enthalten: in Adam die ganze Menschheit, in Christus alle, die sich von ihm in die neue Schöpfung hineinführen lassen.
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Der Geist der Wahrheit wird Zeugnis geben für mich;
und auch ihr sollt Zeugen sein.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln:
Fürchtet euch nicht vor den Menschen!
Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird,
und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird.
Was ich euch im Dunkeln sage,
davon redet im Licht,
und was man euch ins Ohr flüstert,
das verkündet auf den Dächern!
Fürchtet euch nicht vor denen,
die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können,
sondern fürchtet euch eher vor dem,
der Seele und Leib in der Hölle verderben kann!
Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig?
Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde
ohne den Willen eures Vaters.
Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt.
Fürchtet euch also nicht!
Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.
Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt,
zu dem werde auch ich mich
vor meinem Vater im Himmel bekennen.
Wer mich aber vor den Menschen verleugnet,
den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Das Evangelium umkreist die Zusage: Fürchtet euch nicht. Steigernd und zusammenfassend.
Da ist zunächst die Angst, die die Jünger vor Menschen haben. Aber wenn Jesu Wort am hellen Tag gehört wird und sich den Weg in die Öffentlichkeit freimacht, ist es mit der Angst vorbei. Die Angst wird geradezu weggenommen, wenn die frohe Botschaft laut wird. Auch die Angst derer, die sich aus dem Fenster lehnen.
Daran schließt sich ein neuer Gedankengang an: Wenn Angst, dann nur vor dem, der Leib und Seele zur Hölle schicken kann. Der Teufel? Aber das Evangelium führt die Gedanken gleich weiter:
„Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt“. Was heißt, dass nicht ein Haar verloren gehen kann. Im Bild wird bekräftigt, dass die Jünger ganz und gar in der Obhut Gottes sind.
Das Evangelium bestätigt: Fürchtet euch also nicht!
In einer weisheitlichen Schlusssentenz werden die Jünger ermutigt, sich zu Jesus zu bekennen – zu seinem Wort und zu seinem Weg.
In der Mitte des Evangeliums werden die Blicke auf die Spatzen gerichtet: Ohne den Willen des Vaters (im Himmel) fällt keiner von ihnen zur Erde. Das Evangelium setzt dieses Bild ein, um Mut zu machen: Ihr seid mehr (wert) als die Spatzen. Enthalten ist in diesem Bild auch, dass sich der Vater zu den Jüngern bekennt.
Der Textabschnitt befindet sich in der zweiten großen Redekomposition des Matthäusevangeliums, in der Rede zur Aussendung der Jünger. Angesprochen sind mit dieser Rede die Apostel, doch darf sie wohl so gelesen werden, dass sie sich sich an die ganze matthäische Gemeinde richtet, deren Gesandtsein sich auf die jüdische Umgebung richtet.
In Vers 16 der Rede wird angedeutet, dass die Sendung kein einfaches "Spiel" ist, sondern Risiken birgt. Diese Gefahren bilden den Hintergrund zum dreimal genannten "Fürchtet euch nicht!". Wer aber gesandt ist, kann sich von Gott erkannt wissen wie Spatzen am Himmel und Haare auf dem Kopf.
Das Wort von den Spatzen ist das heikelste der Rede: So gehört es doch eben zu den Erfahrungen der frühen Christengemeinden, dass sich in Extremsituationen von Verfolgung und Martyrium durchaus das Erlebnis von Gottesfremde und -ferne einstellen kann und ein Getragensein nicht mehr zu verspüren ist. Dietrich Bonhoeffer versucht diesen Gegensatz so aufzuheben: "Fallen wir in der Menschen Hände, trifft uns Leiden und Tod durch menschliche Gewalt, so sind wir doch dessen gewiss, dass alles von Gott kommt. [...] Darum, fürchtet euch nicht."
Die Evangeliumsperikope des 12. Sonntags im Jahreskreis (Mt 10,26-33) entstammt der sogenannten Aussendungsrede Jesu an seine Jünger, aus der auch schon vorigen Sonntag ein Teil zu hören war (Mt 10,5-8). Bemerkenswert an der ganzen Aussendungsrede ist ihre Stellung innerhalb des Matthäusevangeliums. Nachdem Jesus in der Bergpredigt (Mt 5-7) gewissermaßen die Grundordnung einer neuen, einer messianischen Gesellschaft proklamierte, in der das Doppelgebot von Gottes- und Nächstenliebe eine zentrale Rolle spielt, und nachdem er in einer Reihe von Wundern (Mt 8-9) sich selber als den Messias und damit als bedeutungsvollen Neuanfang für Israel offenbarte, sendet er jetzt seine Jünger aus. Es gilt, die Botschaft von der neuen Zuwendung Gottes zu seinem Volk nun unter die Leute zu bringen. Die Stellung der Aussendungsrede nach Bergpredigt und Wunderzyklus will zeigen: Die Verkündigung der Jünger bedarf des vorherigen Hinhörens auf das Wort Jesu, und sie bedarf auch der Erfahrung, daß die Welt sich verändert, daß Menschen neu werden, wo sie auf diesen Jesus, den Messias Gottes, stoßen.
Nicht uninteressant ist weiters der Vorspann zur Aussendungsrede, der ebenfalls bereits am vorigen Sonntag zu hören war: "Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben." (Mt 9,36) - Wer im Namen Jesu spricht, möge bedenken, daß seine Predigt nicht der Pflege der eigenen Eitelkeiten oder der Verbreitung irgendwelcher Ideologien dient, sondern daß jenen Menschen geholfen werden soll, denen gepredigt wird, mitsamt ihrer Sehnsucht nach Geborgenheit, nach innerer Ruhe und Ausgeglichenheit, nach Frieden, nach Schalom. Das Auftreten der Jünger soll selbst zum wirksamen Zeichen werden für den Neubeginn Gottes mit seinem Volk. - Zum engeren Umfeld unserer Perikope gehört schließlich auch eine Passage aus der Aussendungsrede, in der Jesus in teilweise düsteren Tönen von der möglichen Gefährdung und Anfechtung der Jünger während ihrer späteren Tätigkeit spricht (Mt 10,16-22). Es ist die Rede von Schafen, die unter die Wölfe gesendet werden, von Auslieferung, Martyrium, Spaltung der Familien.
Dieser negativen Passage folgt nun eine positive:
1. Es wird den Jüngern Mut zugesprochen. Das dreimalige "Fürchtet euch nicht!" ist ein Leitmotiv für die ganze Perikope.
2. Es wird eine Sicherung genannt, auf die sich die Jünger bei ihrer missionarischen Arbeit verlassen können, die Gewißheit nämlich, daß sich der göttliche Vater sorgt.
3. Weil mit Jesus das absolute Heil und damit eine Möglichkeit geglückten Lebens angeboten ist, gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder sich zu ihm und das heißt auch zu einem Leben in Geborgenheit, innerer Ruhe und Ausgeglichenheit, Frieden, Schalom zu bekennen oder ihn zu verleugnen. Es ist der Mensch, der sich in der einen oder anderen Weise festlegt.
Daß die Verse, in denen so gesprochen wird - das sind die Verse 32 und 33 - allerdings aus einem eschatologischen Denken heraus entstanden sind, das heißt aus der Erwartung, daß nicht mehr viel Zeit sein wird, sich zu entscheiden, auf diese Tatsache sollte bei ihrer Auslegung besonders geachtet werden. Sie würden ansonsten den positiven Charakter unserer Perikope trüben. Nie sei vergessen, daß die Botschaft Jesu eine Frohbotschaft ist!
Nicht überall wagen wir, frei und offen zu sagen, was wir denken, fühlen, meinen. Die Befürchtung, dafür verspottet oder gar verfolgt zu werden, ist nicht aus der Luft gegriffen; zumindest nicht in bestimmten Situationen. Der Prophet Jeremia erklärt, was ihm der öffentlichen Meinung zum Trotz ihm Hoffnung und Kraft gibt. Auch Jesus ermutigt uns, unseren Ängsten Herr zu werden. Es gibt eine große Freiheit. Einen großen Mut. Das Reich Gottes liegt vor uns offen.
Das müssen doch richtige Attacken gewesen sein, die Jeremia erlebte! Wir hören ihn schreien. - Es ist längst kein Flüstern mehr:
"Ich hörte die Verleumdung der Vielen:
Grauen ringsum! Zeigt ihn an!
Wir wollen ihn anzeigen.
Meine nächsten Bekannten
warten alle darauf, dass ich stürze…"
Meine nächsten Bekannten! Sogar die! - Neugierig wie ich bin, frage ich nach. Was ist denn vorgefallen? Was hast du gemacht? Und Jeremia erzählt. Ich habe Recht und Gerechtigkeit eingefordert. Ziemlich offen. Ich habe die Wahrheit gesagt. Ohne groß Rücksicht zu nehmen. Ich habe Gottes Wort ausgerichtet. Ohne Angst vor den Folgen. Das muss wohl weite Kreise gezogen haben, vom Königshof bis zu den Leuten auf der Straße. Jetzt höre ich das Geraune hinter meinem Rücken. Der da – weißt du schon? Am Ende summiert sich zusammen, was einzeln untergehen würde. Jeremia sieht sich alleine auf weiter Flur.
Er wirft das sogar Gott vor: Ich habe mich hereinlegen lassen. Von dir. Weißt du, was du mit mir machst?
Aber dann folgt der Klage gleich ein Bekenntnis, ein Gebet:
"Dir habe ich meinen Rechtsstreit anvertraut.
Singt dem Herrn, rühmt den Herrn;
denn er rettet das Leben des Armen
aus der Hand der Übeltäter."
Jetzt kann Jeremia auch zu sich stehen. Nein, was ich gesagt habe, musste gesagt werden. Musste gesagt werden, um der Menschen willen! Die Welt kann doch nicht so bleiben, wie sie sich immer neu und unbelehrbar darstellt. Von Tagesnachricht zu Tagesnachricht. Das Unheil hangelt sich durch.
Ich höre das Klagen der Menschen. Manchmal ganz leise. Hingehaucht. Geflüstert. Wer zu laut ist, verliert den Kopf. Dass es Menschen gibt wie Jeremia, ist ein Lichtblick. Und ein Ansporn. Ein Auftrag.
Als Jeremia berufen wurde, gab es einen kleinen Dialog zwischen ihm und Gott:
"Und des Herrn Wort geschah zu mir:
Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete,
und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest,
und bestellte dich zum Propheten für die Völker.
Ich aber sprach: Ach, Herr, Herr, ich tauge nicht zu predigen;
denn ich bin zu jung.
Der Herr sprach aber zu mir:
Sage nicht „Ich bin zu jung“,
sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende,
und predigen alles, was ich dir gebiete.
Fürchte dich nicht vor ihnen;
denn ich bin bei dir und will dich erretten,
spricht der Herr."
(Jer 1,4-8)
Als Kirchen und Gemeinden sind wir 2026 in einer anderen Situation als Jeremia vor 2 500 Jahren: Wir können in Medien präsent sein, Enzykliken und Denkschriften verfassen und ziemlich offen unsere Positionen vertreten. Dass wir oft auf Widerstand stoßen, ist freilich auch wahr. In einer offenen Gesellschaft sind Diskussionen nicht nur üblich, sondern auch lebenswichtig. Wir brauchen den Austausch. Ausgesprochen und unausgesprochen. Manchmal auch nur geflüstert.
Als Kirchen und Gemeinden verstehen wir 2026 aber, was vor 2.500 Jahren schon einmal war: Viele Menschen haben inzwischen Angst, sich als Christen zu outen. Sie haben vielfach sogar das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen. Dass sie immer noch zu diesem Verein gehören. Dass sie immer noch nichts gelernt haben. Papst, Bischöfe, Pfarrer mögen es nach außen leichter haben. Notfalls werden sie von ihrem Amt getragen. Sie müssen halt etwas sagen… und gelernt haben sie es auch. Irgendwie. Aber viele Menschen fühlen sich in der öffentlichen Meinung eingeschüchtert und alleingelassen. Sie bekommen Angst. Angst wovor? Dass der Glaube verdunstet? Dass uns die Worte ausgehen? Dass wir uns bekennen müssen? Andererseits: Es ist doch gut, über Ängste zu reden und sich nicht hinter Floskeln und Klagen zu verstecken.
Als Kirchen und Gemeinden teilen wir 2026 eine Gewissheit, die vor 2.500 Jahren Worte gefunden hat: Nehmen wir die neue Enzyklika von Papst Leo! Über die Würde der Menschen. Und über die KI = Künstliche Intelligenz. Sie gefährdet – und sie nützt. Umfangreich ist das Lehrschreiben schon, aber sehr ausgewogen, menschennah und gut begründet. Ein Plädoyer für das Menschliche in einer „künstlichen“ Welt, die viele Menschen heimatlos macht. Jetzt kann, jetzt muss diskutiert werden. Aber die Stimme des Evangeliums ist hörbar geworden. Die Angst führt die Gedanken nicht an, eher eine große Hoffnung.
Es gibt die Attacken, es gibt Ängste und Verunsicherungen, aber es gibt auch das Evangelium.
Jesus hat gewusst, dass auch seine Jünger Angst haben! Was so allgemein-menschlich ist, macht aber hilflos. Ein guter Ratgeber ist Angst auch nicht. Habt keine Angst vor den Menschen, sagt Jesus! Ihr habt eine Botschaft, die jede Angst überwindet! Auch die Angst, die in der Welt umgeht. Ihr habt das Geheimnis Gottes schon gesehen. Seine Liebe.
Jesus sagt:
"Was ich euch im Dunkeln sage,
davon redet im Licht,
und was man euch – von mir - ins Ohr flüstert,
das verkündet auf den Dächern!"
Eine Öffentlichkeit soll entstehen. Eine Öffentlichkeit für das Reich Gottes. Macht uns das Angst? Kleinlaut? Schwach? Es ist eher eine Verheißung, die die Welt mit ihren Ängsten aus den Angeln hebt. Ein schönes Bild: aus den Angeln heben. Eine Tür lässt sich nicht mehr verschließen, wenn die Türangeln nicht mehr halten. Die Tür ist offen. Sie bleibt offen. Es gibt eine große Freiheit. Einen großen Mut. Das Reich Gottes liegt vor uns. Offen.
Dann erzählt Jesus noch, dass auf einem Markt – damals – zwei Spatzen für einen Pfennig zu haben waren. Sie sind also ziemlich billig. Es gibt zu viele von ihnen. Wird nicht der Preis von Angebot und Nachfrage bestimmt? Es gibt so viele Spatzen, ihr Wert kann nur fallen. Alle wussten das. Ein Pfennig… mehr nicht.
ABER, aber:
"Doch fällt kein Spatz auf die Erde
ohne den Willen eures Vaters.
Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt.
Fürchtet euch also nicht!"
Reden am helllichten Tag, verkünden von den Dächern, eine offene Tür: Wir, die wir sein Wort ausrichten, wir, die wir uns an seinem Wort festhalten, können furchtlos sein, weil wir wie die Spatzen die Weiten des Himmels ausmessen.
Mehr noch: Haben Sie schon einmal versucht, Haare zu zählen? Aussichtslos! Aber Gott macht es. Wenn er die Haare – alle – gezählt hat, hat er uns verstanden! Jedes Haar erzählt etwas anderes von uns. Liebevoll hat er Haar für Haar gefühlt, gestreichelt, bis zu den Wurzeln entdeckt. Ob in Form oder wirr, gestylt oder einfach so: wir sind geliebt. Das verstehen auch die, die mit ihren Haaren auf Kriegsfuß stehen oder von Herzen bedauern, keine Haare mehr zu haben.
Es sind Bilder geschenkter Fülle und Weite: Erst die Spatzen, dann auch noch die Haare. Und: alles mehr, viel mehr als ein Pfennig. Es tut sich uns der Reichtum Gottes auf – eben: sein Reich. Jetzt wird auch alles klarer: Keine Angst! Das ist mehr als eine Beschreibung – das ist eine Zusage!
Wir können als Christenmenschen frank und frei uns zu Christus bekennen, von seiner Zukunft erzählen, von seiner Liebe abgeben und mit zweifelnden und ängstlichen Menschen Brot und Wein teilen. Und für Wahrheit und Recht stehen wir in seinem Namen auch ein! Die öffentliche Meinung kann etwas Gutes immer vertragen.
Jesus sagt:
"Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt,
zu dem werde auch ich mich
vor meinem Vater im Himmel bekennen."
Ich denke zurück: Bei Jeremia müssen es richtige Attacken gewesen sein. Wir hören ihn schreien. - Es ist längst kein Flüstern mehr. Aber bei ihm wachsen Vertrauen und Zuversicht. Das erzählt er mit eigenen Worten. Er redet über Ängste, über seine Ängste. Dann kann er uns seine Gewissheit weitergeben:
"Aber der Herr der Heerscharen
prüft den Gerechten,
er sieht Nieren und Herz."
Vor Attacken fürchte ich mich ab sofort nicht mehr!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Die Berufung zum Prophetendienst verlangt Furchtlosigkeit. Doch wie mit Ängsten umgehen? "Der Herr steht mit mir", bekennt Jeremia, auf den Schutz des Auftraggebers vertrauen, ermahnt uns Jesus.
In den Texten heute findet sich ein sehr einprägsamer Satz: „Fürchtet euch nicht!“ Für manche der Propheten war ihr Amt sehr unangenehm. Sie wollten deshalb durch verschiedene Argumente ihrer Berufung ausweichen. (Vgl. Jer 1,7- 8): Ich stottere, bin nicht wortgewandt genug… Jona verschwindet gleich in eine andere Richtung, um seinen Auftrag nicht erfüllen zu müssen, wird aber dann doch nach Ninive geholt. Hier zeigen sich falsche Vorstellungen über das Amt des Propheten. Es ist wahrlich nicht zukunftsgesichert, es erfordert Mut, Klugheit und Zivilcourage, auch wenn man sich dabei den „Mund verbrennen“ kann, wie es eine Redensart andeutet und das nicht nur sprichwörtlich. Prophetsein heißt, die Hoffnung in sich tragen, dass mit Hilfe Gottes alles gut ausgeht.
Von Jeremia ist in der ersten Lesung die Rede. Sein Name bedeutet: "Der Herr möge aufrichten". Wir sehen wie auch mancher Prophet meist das Gegenteil: nicht aufrichten, ducken, nicht auffallen, davonlaufen. Das sind Schutzmechanismen, die manchmal notwendig sind.
Leider haben Könige und Propheten oft als Verantwortungsträger versagt und münzten die Botschaft JHWHs in ihre eigenen Interessenslage um und kassierten auch noch Geld dafür. Wenn sie sich länger als drei Tage an einem Ort aufhielten, sah das nach Ausnutzen der Gastfreundschaft aus.
Das geschieht auch heute. Auch in der Kirche gibt es Karrieristen; nicht nur unter Klerikern. Die italienische Mystikerin und Kirchenlehrerin Katharina von Siena (1347-1380,) hat schon im 14. Jahrhundert geklagt: „Die Hirten tun als sähen sie nichts…“- außer ihre Karriere. Ähnliches kann man bei Jes 56,9 nachlesen. Katharina gelang es als Frau, Gregor XI. - Papst von 1370-1378 - aus der sehr prunkvollen Residenz in Avignon wieder nach Rom zurückzuholen, nachdem es zu dieser Zeit gleich mehrere Päpste gleichzeitig gegeben hatte.
Ähnliche vorreformatorische Zustände finden wir auch heute vor, was Disziplinlosigkeiten betrifft. Karrieristen und Opportunisten finden wir auch heute in Gesellschaft und Kirche. Oft fehlt es an Bildung, vor allem Herzensbildung und Empathie. Auch hier gilt die Rede, dass der Herr „die Gerechten auf Herz und Nieren prüft.“ (Jer 20,12). Dieses Wort steht für das Innere des Menschen, das genau untersucht werden und Heuchelei und Schein aufgedeckt werden sollen.
Der Evangelientext dieses sonntags setzt die Aussendungsrede des letzten Sonntags fort. Die Nachfolge Jesu stellt hohe Ansprüche. Es gibt Verfolgungen durch Behörden, Verhöre, Strafen, Tötung… Christen werden auch heute weltweit verfolgt, Auch heute gilt: „Fürchtet euch nicht!“ Das bedeutet, sich mutig den unangenehmen Dingen stellen. Jeremia hatte eine unangenehme Nachricht zu verbreiten. Er sollte den Untergang des Reiches Juda ankünden. Wie entledigt man sich solch unangenehmer Aufgaben? Man trachtet sie zu umgehen… Jeremia kann seiner Berufung nicht ausweichen. Gott holt ihn zurück, tröstet ihn in seiner Verzweiflung.
Auch heute wird man sich unangenehmer Dinge nicht so leicht entledigen können. In der Welt herrschen viel Angst und Not. „Fürchtet euch nicht!“ Kann man noch an diesen Gott glauben? Manche philosophischen Denksysteme sprechen von der Abwesenheit Gottes, von Projektionen, die sich der Mensch nur einbildet. Wir glauben nicht an einen Gott, der sich für diese Welt schämt, dem diese Welt entglitten ist.
Aufgabe der Kirchen heute ist dazu beizutragen, diesen Systemen durch Bildung und gute Argumentation entgegenzuwirken und so eine unheile Welt mit der Hilfe Gottes ein klein wenig heiler zu machen.
Ungerechtfertigte Machtansprüche, die nicht gleich durchschaut werden, sind ein großes Hindernis. Durch Furchtlosigkeit wird die Angst davor unterlaufen. Wir schielen immer danach, wie uns unsere Umgebung uns mit welchem Ruf einstuft. Ständig sind wir auf unser Image bedacht. Das aber macht ängstlich und nervös. Ein überzeugtes Ja soll ein Ja sein, ein überzeugtes Nein soll ein Nein (vgl. Mt 5,37) bleiben. Man kann nicht immer „allen alles sein“ (vgl. 1 Kor 9,22), auch wenn es gut gemeint ist, weil wir als Menschen begrenzte Wesen sind. Leicht werden wir zum durchlässigen Sieb.
Wenn wir aber dem Appell, sich nicht zu fürchten, noch die trostvollen Jesusworte anfügen: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20), bekommen wir damit noch einen weiteren trostvollen Zuspruch.
Die Jesusworte dieses Sonntags lenken unseren Blick auf Menschen, die in Verfolgung leben wie die erste Christengeneration damals. Sie helfen aber auch gegen die Ängste, denen wir in unserem Alltag ausgesetzt sind, ohne dass wir verfolgt werden.
Es gibt vielerlei Ängste. Manchmal kommen sie in gehäufter Form auf uns zu und manchmal bereiten sie uns schlaflose Nächte: Angst vor einer schlimmen Diagnose, Angst vor der Ausweitung des Krieges, Angst vor dem Verlust eines Menschen oder des Arbeitsplatzes, Angst vor einer Prüfung, Angst vor einer unangenehmen Begegnung… An manche Gefahren haben wir uns schon so gewöhnt, dass die Angst uns nur im Akutfall in die Glieder fährt, etwa vor einem möglichen Unfall usw.
Ängste sind Teil unseres Lebens. Wer damit jedoch über das für sie oder ihn erträgliche Maß belastet wird, ist in Gefahr krank zu werden.
Manche Menschen sind auf lange Zeit Ängsten ausgesetzt. Ich denke da an Menschen in Kriegsgebieten oder an Menschen auf der Flucht. In manchen Ländern müssen Menschen auf Grund ihres politischen Engagements oder auf Grund ihrer religiösen Überzeugung Schlimmes befürchten. Manche Menschen müssen ihr Anderssein vor ihren Mitbürgern verstecken und sich vor dem Entdecktwerden fürchten.
Es gibt aber auch Menschen, die aus der Angst anderer Profit schlagen. Mit der Angst lassen sich auch gute Geschäfte machen. Manche schüren Angst, um daraus politisches Kleingeld zu schlagen. Kirchenmänner haben sie immer wieder genützt, um ihre Schäfchen fromm zu machen.
Im Evangelium dieses Sonntags spricht Jesus die Angst an, die seine Jüngerinnen und Jünger zu befürchten hatten, wenn sie auf seinen Auftrag hin zu den Menschen gingen und ihnen die Frohe Botschaft weitersagten. Aus diesem Textabschnitt hört man wohl auch schon die Ängste jener Christen heraus, die später, zur Zeit der Aufzeichnung der Evangelien, lebten und systematischen Verfolgungen ausgesetzt waren. Ihnen sagt Jesus: "Fürchtet euch nicht! Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können. Fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann!"
Menschen, die täglich mit Verfolgung rechnen müssen, hilft es vermutlich, sich diese Sätze immer wieder selbst zu sagen und sich für den Ernstfall einzuprägen. Dieses Argument klingt schön und edel in der Predigt am Sonntagvormittag. Aber trägt es auch an den Momenten, in denen wir mit Ängsten konkret konfrontiert sind?
Uns, die wir in einer weitgehend freien Gesellschaft leben und uns mit anderen, meist persönlichen Ängsten auseinandersetzen müssen, hilft eher der zweite Teil der Argumentation Jesu: Jede und jeder darf sich in der Hand Gottes geborgen fühlen, im Wissen, dass Gott uns nicht fallen lässt; auch nicht, wenn ich durch eine Krankheit mit ungewissem Ausgang hindurch muss; auch nicht, wenn wir eine dicke wirtschaftliche oder gesellschaftliche Krise auf uns zukommen sehen. Wir sind in Gottes Hand, auch wenn das Klima zu kippen droht, auch wenn wir uns nur ungenügend vor Klimakapriolen schützen können.
Das Wissen um die Geborgenheit in Gottes Hand soll uns jedoch nicht zum Nichtstun verführen. Gerade weil wir uns von Gott getragen und gehalten wissen, können wir auch gegen die Bedrohungen etwas tun.
Ich bewundere die Einsatzkräfte, die manchmal unter Lebensgefahr Menschen retten oder beschützen, und ich frage mich: Was gibt ihnen die Kraft dazu? Das Wissen um die Geborgenheit in der Hand Gottes hat auch eine sehr menschliche Seite. Sie spiegelt sich gleichsam im Vertrauen auf die Verlässlichkeit der Kolleginnen und Kollegen, im Zusammenhalt der Einsatztruppe oder der Nachbarschaft, und in der wechselseitigen Solidarität.
Dies zeigt auch uns einen Weg, wie wir uns gegen unsere Ängste rüsten und stärken können: Indem wir anderen Menschen Halt und Unterstützung anbieten, Solidarität üben auch wo wir keine direkte Belohnung erwarten können.
Es tut aber auch gut, ab und an die Spatzen zu beobachten, wie sie munter hin- und herfliegen, und uns daran zu erinnern, dass wir Gott noch viel mehr wert sind als viele Spatzen.
Gesetz, Sünde, Gnade… - zentrale theologische Begriffe, die Menschen heute nur selten verstehen. Paulus versucht, den Christen in Rom den Mehrwert jesuanischer Theologie bewusst zu machen. Sie leben in der Gnade, Gunst, Zuwendung Gottes. Das Wissen um die Zuwendung Gottes überwindet die Furcht vor den Menschen.
In den ersten Kapiteln seines Briefes an die Christengemeinde von Rom legt Paulus sein theologisches Grundkonzept dar: Er sieht die ganze Menschheit vom Christusereignis her.
Die Menschheit bildet ein Ganzes. Was charakterisiert dieses Ganze? Die Menschheit lebt in ihrem Miteinander wie in einem Nebel, in einer Unheilsituation (griech. „αμαρτια“), in einem durch die Sünde geprägten stickigen Raum, außerhalb der gesunden Gemeinschaft mit Gott, außerhalb des richtigen Lebens. Die Konsequenz aus dem Nicht-richtig-Leben ist der Tod: ein Nicht-Leben oder Nicht-mehr-Leben. Die Menschen leben nicht richtig, leben nicht wirklich, sind „im Tod“.
Das Tragische: Die Menschen wissen nicht oder nicht mehr, wie das richtige Leben geht. Sie sind in gewissem Sinne zu dumm, um richtig zu leben, wenn und weil sie die Spielregeln des Lebens nicht kennen. Paulus spricht vom „ѵόμος“, vom Gesetz. Durch das Gesetz, gemeint sind die Gebote, die dem Mose gegeben wurden, wird klar, wie richtiges Leben geht und wie es nicht geht.
Ich greife zum Bild des Fußballspiels: Was lässt einen Schiedsrichter entscheiden, wann er eine gelbe oder rote Karte zu geben hat? Die Antwort: Der Vergleich des Verhaltens der Spieler mit den Spielregeln! Durch die Gebote, die Spielregeln für das richtige Leben, wird klar, wie das richtige Spiel geht und wie es falsch läuft.
Durch die Spielregeln, die Gebote, wissen wir, was nicht richtig ist. Aber das Wissen allein bringt es offensichtlich nicht. Wie kommen wir Menschen dann aus dem Sog des Nicht-richtig-Lebens, dem Nicht-Leben, dem Tod, heraus?
Paulus antwortet: durch die „Gnadentat“. Χάρις nennt er sie. Im Lexikon wird das Wort χάρις übersetzt mit: Anmut, Gunst, Gnadenbeweis. Das bedeutet: etwas Wunderbares, etwas ganz Schönes! Es ist die von uns Menschen nicht erarbeitete, nicht herausgespielte Chance. Χάρις ist ein Ereignis, das wir nicht herstellen können, ein Vorgang, der in unserem menschlichen Repertoire, unserem selbstgesteuerten geistigen und psychischen Repertoire, nicht enthalten ist. Χάρις, Gnadentat, ist geschenkte Zuwendung: Wunder!
Paulus sagt den Christen von Rom: Wir leben im Wunder. Wir leben aus und in der unverdient geschenkten Zuwendung. Woher kommt diese Zuwendung? Von Jesus, dem Christus, dem neuen Adam, dem neuen Menschen.
„Adám“ ist der erste Mensch. Als erster Mensch ist er – im Sinne des Paulus –Stammvater der Menschheit, aller Menschen. In ihm ist die ganze Menschheit enthalten. Zugleich ist dieser Adám nach Paulus „die Gestalt, die auf den Kommenden hinweist“, eine Prophetie. Im Kommenden, im zweiten Adám, in Jesus, dem Menschensohn, vollendet sich die Menschheit. Die Menschen können durch Jesus im Gnadenraum Gottes leben.
Schauen wir mit dem durch Paulus geschärften theologischen Blick auf den Text des heutigen Evangeliums! Im Bild vom Fußballspiel: Vor Beginn eines Spiels steckt die ganze Mannschaft die Köpfe zusammen. Der Spielführer schwört die Mannschaft auf Zusammenhalt und Sieg ein. Es soll allen klar bewusst sein, worum es geht.
Bezogen auf unser Evangelium: Die Jünger bilden in ihrem Miteinander die Jesus-Mannschaft. Jesus schwört im heutigen Evangelium seine Jünger darauf ein, worum es geht: Sie sollen spielen, engagiert und zugleich gelassen. Die Jünger sind die Mannschaft, die die Tat Gottes, die Gnadentat, das Wunder veröffentlicht, es den Menschen zeigt. Die Christen sind in ihrem Miteinander die Leute, die Jesus bekannt machen. Jesus in Person ist nämlich das Wunder. Sich ihm anschließen heißt: im geschenkten Raum, im Gnadenraum, im Leben stehen.
So kann die von Paulus genannte Gnadentat auch heute wirksam werden: Wir sind die Jesus-Mannschaft heute. Wir tragen das Jesus-Trikot und spielen als seine Mannschaft. Bei diesem Spiel ist jeder Einzelne wichtig. Jeder ist voll herausgefordert, seinen Teil beizutragen. Es geht um den Einsatz eines jeden und einer jeden, auf sein/ihr Zuspiel zu den anderen, auf das volle Ausschöpfen der eigenen Fähigkeiten. Dabei müssen wir uns nicht verkrampfen. Jesus sagt uns: Fürchtet euch nicht, fürchtet euch nicht vor den Menschen! Habt keine Angst! Ich bin bei euch und mit euch!
Jesus hat uns zu Gott in eine Beziehung gebracht, in der wir uns vor ihm nicht fürchten müssen. Gott liebt uns, Gott steht zu uns. Wie stehen wir zu ihm? Haben wir den Mut, uns vor anderen zu ihm zu bekennen?
Mitmenschen wirken auf verschiedene Weise auf uns. Bei den einen fühlen wir uns wohl und angenommen. Da können wir aufatmen, aufblühen. Wir fühlen uns sicher und beschützt. Bei anderen sind wir schüchterner, haben Respekt. Wieder andere machen uns Angst. In deren Nähe wollen wir nicht sein. Wie werden wir aus dieser Begegnung wohl herausgehen? - Ich selbst kenne diese Erfahrungen.
Die Apostel haben sicher diese Erfahrung gehabt. Sie haben sicher auch vor bestimmten Menschen Angst gehabt. Wer Jesus nachfolgte, wer seine Botschaft verkündete, musste damit rechnen, verfolgt, ja sogar getötet zu werden. In dieser Situation macht Jesus Mut. Er lädt die Jünger zu einem tiefen Vertrauen auf Gott ein. Ihr sollt euch nicht fürchten vor den Menschen. Sie können nur euren Leib töten. Sie können euch nur dieses Leben in dieser Welt nehmen. Aber sie werden am Ende als Verlierer das Spielfeld verlassen. Fürchtet euch mehr vor dem, der euch alles nehmen kann. Und das ist einzig und allein Gott.
Ich glaube eines. Jesus will mit dem "Fürchtet euch vielmehr..." genau das Gegenteil ausdrücken. Auf dem ersten Gehör lädt er uns ein, dass wir vor Gott Angst haben müssten. Doch in den letzten Jahrzehnten haben wir Gott immer mehr als liebenden und barmherzigen Vater kennen lernen dürfen. Jesus ist dazu in die Welt gekommen, um uns diesen liebenden Vater zu zeigen. Wie die Menschen in der Nähe von Jesus aufatmen und aufblühen konnten, so dürfen wir aufblühen, aufatmen, wenn wir an Gott denken. So gibt der Glaube Sicherheit, Festigkeit und Mut. Der Glaube schenkt uns Trost. Trost kommt vom selben Stamm wie das englische Wort "trust". Das heißt Vertrauen. Wir dürfen Gott vertrauen und darum uns selbst. Wir dürfen dem Leben trauen, zu dem uns Gott geschaffen hat. Das gilt für das Leben in dieser Welt. Wir sind berufen, unser Leben und unsere Welt zu gestalten. Wir sind berufen, als NachfolgerInnen von Jesus Zeugnis zu geben von Gott. Mehr noch aber sind wir geschaffen für das ewige Leben, das Leben bei Gott, in ewiger Freude, in ewigem Frieden.
Gott hat uns geschaffen, weil wir ihm wertvoll und wichtig sind. Das zeigt Jesus mit seinen Worten „Ihr seid mehr wert als viele Spatzen!“ „Bei euch sind sogar die Haare auf dem Kopf gezählt!“ Was für uns wertvoll ist, weil es uns an schöne Erlebnisse erinnert oder an Menschen, die wir mochten, das bewahren wir auf. Gott will auch unser Leben.
Diese Worte Jesu machen Mut. Wir dürfen uns trauen, Christinnen und Christen zu sein. Wir dürfen mit Mut unseren Glauben vertreten. Auch unsere Zeit braucht Menschen, die mutig bekennen: Ich glaube an Jesus. Ich glaube daran, dass Gott mich zum Leben geschaffen hat. Ich stehe dazu, regelmäßig den Sonntagsgottesdienst zu besuchen, weil ich an Gott glaube, weil ich Gott liebe. Ich lebe aus dem Glauben, dass ich von Gott geliebt bin. Tun wir dieses, auch wenn wir belächelt werden, auch wenn wir… Wir dürfen dies tun, denn Gott steht zu uns. Die heilige Theresa von Avila hat das so schön auf den Punkt gebracht: "Gott und ich, wir sind immer in der Mehrheit."
Diese Erfahrung hat auch Jeremia gemacht. Als Prophet hatte er die Aufgabe, die Menschen zu Gott zurückzuführen. Sie waren vom wahren Glauben abgefallen und haben andere Götter verehrt. Weil er ihnen darum auch unbequeme Wahrheiten gesagt hat, wurde ihm, das kann man seinen Worten entnehmen, übel mitgespielt. Er steht allein da, einsam, von allen verlassen und von allen missverstanden. Doch gerade in dieser Situation spürt Jeremia: Gott steht zu ihm. Am Ende wird er siegen, weil Gott ihm den Sieg verschafft.
Wir in Deutschland und Westeuropa können unbehelligt als ChristenInnen leben. Die Freiheit, den Glauben leben zu dürfen ist ein hohes Gut. Es ist ein Menschenrecht. Millionen wird es verweigert. Dafür erleben wir etwas, was auch traurig machen kann, bedrücken kann: weitgehende Gleichgültigkeit. Sicher freuen wir uns, wenn Menschen tolerant sind gegenüber dem Glauben, wenn sie offen sind für das, was wir der Welt zu sagen haben. Gleichgültig sein kann jedoch auch bedeuten: der christliche Glaube hat nichts mehr zu sagen, ist uninteressant, farblos. Die ersten Christen wurden verfolgt. Jeremia wurde verfolgt. Der Glaube, die Botschaft von Gott, sie haben herausgefordert und auch Widerstand erzeugt. Doch sie haben gespürt: Gott steht zu uns. Haben auch wir den Mut, zu unserem Glauben zu stehen, zu bezeugen. Gott steht auf unserer Seite. Wie sagte die heilige Theresa von Avila: "Gott und ich, wir sind immer in der Mehrheit."
Jeremia ist ein Beispiel dafür, wie Menschen um der Wahrheit willen verfolgt werden. Das Flüstern hinter dem Rücken oder anonym in den sog. sozialen Medien entzieht sich der Kontrolle und erzeugt Angst. Die offen gesagte Wahrheit befreit. Mit der Zusage, dass der Herr mir beisteht, kann diese Angst bezwungen werden.
Wie hört sich das an, wenn viele flüstern? Sollen wir es einmal probieren? Flüstern (noch leiser) – nicht zu überhören. Aber auch nicht zu verstehen. Geraune. Und doch zu laut, um es nicht mitzubekommen. Ich beneide Jeremia nicht. „Ich höre das Flüstern der Vielen: Grauen ringsum! Zeigt ihn an! Wir wollen ihn anzeigen“
Ich könnte Ihnen die Geschichte Jeremias erzählen. Sie spielt vor langer Zeit. Es ist die Geschichte eines Menschen, der als Prophet ständig aneckt, der mutig für Wahrheit und Recht eintritt, den Mächtigen widersteht und dem Heer der Ja-Sager ein Nein entgegenbringt. Es ist die Geschichte eines Menschen, der mit Gott ringt, der Gott sogar zum Vorwurf macht, ihn hereingelegt, ja verführt zu haben. Wie ein junges Mädchen. Und Jeremias Geschichte ist die Geschichte eines Menschen, der ein großes Vertrauen findet: „Doch der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held.“ In der Lesung haben wir diese Worte gehört.
Wie hört sich das an, wenn viele flüstern? - Bedrohlich? Einschüchternd? Unheimlich? Wir spüren die Ablehnung. Sie liegt in der Luft. Wem gilt sie? Jeremia? Gott? Beiden? Erzählen wir doch - Flüstergeschichten!
In unserer lauten Welt hören wir Flüstern kaum. Wer auf sich aufmerksam machen will, muss sich in Szene setzen und geschliffene – oder auch ungehobelte – Sätze von sich geben. Doch in der virtuellen Welt, merkwürdig genug soziale Netzwerke genannt, flüstern viele. Nicht erkennbar, anonym, hinterrücks. Es gibt bei uns Menschen, die wissen, wie das ist – wenn viele flüstern. Der junge Mann, der sich kaum noch in die Öffentlichkeit traut, weil er Angst hat – und vom Flüstern verfolgt wird. Und in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung war erst vor ein paar Tagen zu lesen - nach dem Angriff auf Muslime in London: "Die sozialen Netzwerke sind seit Jahren voll mit düsteren Vorhersagen über einen drohenden Bürgerkrieg zwischen den Einheimischen in Europa und Einwanderern aus islamischen Ländern." Lautlos, mit der Wucht einer Welle. Gesichter gibt' s nicht.
Was passiert eigentlich, wenn die Wahrheit geflüstert werden muss? Es ist, als ob sie versteckt, geschützt und verwahrt werden muss. Ist sie so gefährlich? Gefährdet ist sie sehr. Hinter vorgehaltener Hand, niemals in Sichtweite, bei Nacht und Nebel werden Worte mehr gehaucht als gesagt Wenn es nur keiner gehört hat! Es gab sogar schon Flüsterwitze, auf die die Todesstrafe stand. Weltweit wird an vielen Orten aber immer noch geflüstert. Es ist lebensgefährlich, Kritik zu üben, eine andere Meinung zu äußern, schöne Fassaden zu entzaubern. Es ist lebensgefährlich, menschlich zu sein. Flüstern ist die Kunst, nicht zu schweigen, aber auch nichts gesagt zu haben. Flüstern ist der Gefährte der Angst. Heute reden wir darüber. Heute bitten wir um das offene, freie Wort.
Ein Flüstern ist allerdings schön. Kennen Sie das? Erinnern Sie sich? Eine Liebeserklärung lässt sich zwar auch groß inszenieren, aber sie braucht nicht mehr als ein Flüstern. Doch irgendwann stehen zwei Menschen zu ihrem Wort. Dann bekommen es alle mit. Bei Einwänden, die es immer noch geben soll, lernen Menschen - vom Alter ganz unabhängig - ihrem Wort zu vertrauen. Es mag auch Angst geben, aber - so Johannes - Furcht ist nicht in der Liebe. Die wahre Liebe treibt die Furcht aus.
Ich höre das Flüstern der Vielen. Wir hören Jeremia. Wir legen unsere Gedanken dazu. Ängste, von denen wir wissen, Hoffnungen, die uns beflügeln. Jeremia konnte seine Zuversicht trotz bitterer Erfahrungen in einem Bekenntnis zusammenfassen: Der Herr steht zu mir wie ein gewaltiger Held. Das ist doch eine Liebeserklärung, oder? Ein offenes, freies Wort. Die Ängste müssen weichen. Jetzt wird nicht mehr geflüstert.
Im Evangelium treffen wir dann auf das Wort, das im Hintergrund schon die ganze Zeit lautlos verharrt. Menschenfurcht! Es ist die Furcht, die Menschen voneinander trennt, die Furcht, die Grenzen zieht, die die Luft zum Atmen nimmt.
Jesus sagt: "Fürchtet euch nicht vor den Menschen! Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt ist!"
Da ist das Flüstern wieder, aber entlarvt und enttarnt. Mit den Worten Jesu: Nichts wird geflüstert, was nicht in die Ohren platzt, und nichts wird hinter vorgehaltener Hand gesagt, was nicht den Marktplatz erobert. Eine grosse Freiheit, eine grosse Gelassenheit bricht sich Bahn. Die Wahrheit befreit! Sie lässt sich nicht klein machen, nicht klein reden!
Jesus spricht seine Jünger an. Sie sind mal Großmäuler, mal kleinlaut und mutlos. Schutz suchen sie hinter verschlossenen Türen und Fenstern. In dieser Enge mussten sie wohl nicht flüstern, aber zu sagen hatten sie auch nichts. Apostel sind sie trotzdem. Oder vielleicht gerade deswegen!
Jesus vertraut uns sein Wort an! Im Evangelium lesen wir tatsächlich: "Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet am hellen Tag." Es ist ein kleines Sprachspiel. Das Evangelium wächst von innen nach außen, vom Kleinen ins Große, vom Schwachen ins Starke, von der Nacht in den Tag. Mutig ist das. Das Evangelium wächst uns über den Kopf. Oder: reißt uns mit. Wir spüren die Gewissheit, die Verlässlichkeit in dieser Zusage. Ja, es ist mehr Zusage als Aufforderung, mehr Geschenk als Aufgabe. Jedenfalls ist der helle Tag schon zu sehen. Von Flüstern ist jetzt nicht die Rede. Der Tag wird eigentlich auch erst hell, wenn die Wahrheit öffentlich wird, wenn das Schweigen lauthals zu lachen anfängt, wenn Menschen sich an die Hand nehmen, um Liebe untereinander zu teilen. Und weil das doch eine andere Liebe ist, mag sie das Flüstern nicht mehr. Von den Dächern soll verkündet werden, was uns ins Ohr geflüstert wurde. Das Evangelium. Gottes Wort, das löst und befreit, das uns trägt und führt. Wie am ersten Tag. Es werde Licht - und siehe: Es wurde Licht.
Ich mag es, wenn Jesus so redet! Ich liebe den hellen Tag. Mit einem Fuß stehe ich schon in Gottes Reich. Die Engel flüstern nicht! Hier treffe ich auf Jeremia! Mit ihm möchte ich mich unterhalten. Er hat gewiss viel zu sagen. Geflüstert wird jetzt nicht. Jeder kann, soll es hören. DOCH der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held.
Fürchtet euch nicht. Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können. Sagt Jesus.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
"Fürchtet Euch nicht!" ruft Jesus seinen Jüngern zu, die er zuvor ausgesandt hat, die Frohe Botschaft vom Himmelreich zu verkünden. Die Jüngerinnen und Jünger, die uns diese Worte Jesu überliefert haben, haben am eigenen Leib Verfolgung erlitten. Auch heute erleiden viele Christen Verfolgung um ihres Glaubens willen. Für uns bleibt die Herausforderung, für den Glauben Zeugnis abzulegen, auch wenn wir keine Verfolgung zu befürchten haben.
Am letzten Sonntag hörten wir von Matthäus, wie Jesus von der großen Ernte und den wenigen Arbeitern sprach und wie Jesus sich die zwölf Jünger auswählte. Er sandte sie zu verkünden, dass das Himmelreich nahe ist. Er gab ihnen die Vollmacht: Kranke zu heilen, Tote zu erwecken, Aussätzige rein zu machen und Dämonen auszutreiben.
Heute spricht Jesus von der Gefährdung seiner Jünger in ihrer Verkündigung. Vor allem aber ermutigt er sie. “Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann. Verkauft man nicht zwei Spatzen für ein paar Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.“
Jesus versucht, die Vaterliebe Gottes für seine Jünger plausibel zu machen: wenn sich Gott um die Spatzen kümmert, dass sie leben und pfeifen, dann erst um seine Lieblinge, die Menschen. Gott kennt jedes Haar an unserem Körper, erst recht weiß er um jede Sorge und Angst unseres Herzens.
Dreimal wiederholt Jesus das „Fürchtet Euch nicht“! Weder um die Botschaft noch um sein eigenes Leben soll der Jünger Jesu sich Sorge machen. Jesus versichert uns, dass er zu uns steht, wenn wir uns zu ihm bekennen.
In den Diktaturen heute und denen der letzten hundert Jahre, im kommunistischen Osten, in der DDR und im Nationalsozialismus, gab es mutige Christen, die zu ihrem christlichen Glauben standen, und dafür Gefängnis und grobe Benachteiligungen in Kauf nahmen. Das wird heute anerkannt. Ihnen danken wir. Eine Reihe von ihnen, die tapfer ihr Leben verloren haben, ist von der Kirche seliggesprochen worden.
Statistiken belegen, dass in unseren Tagen nicht nur einzelne Christen verfolgt werden, sondern Gemeinden; dass Christen in religiös anders geprägten Ländern unter Druck stehen. Die Ausübung ihres Glaubens ist überschattet und kontrolliert von der Staatsmacht. Ich denke an einen Asylsuchenden, der gleich nach seiner Ankunft bei uns, darum bat, katholisch werden zu können. Er nahm treu den Taufunterricht wahr, der ein halbes Jahr dauerte, und wurde getauft. Jetzt meinte die Entscheidungsbehörde des Bundes für die Anerkennung als Asylanten bei uns, er könne auch in seinem Land Katholik sein. Seine eigene Erfahrung ist aber eine andere. Er habe erlebt, wie sehr die Meinungsfreiheit in seinem Land unterdrückt werde. Ich hoffe, dass es diesem betroffenen Mitchristen gelingt, in der Revision die Entscheider zu überzeugen, sodass er bei uns bleiben darf.
Doch wie geht es uns? Wie weit sind wir bereit, uns für unseren Glauben einsetzen? Unser Glaubenszeugnis steht unter anderen Bedingungen. Wir haben normalerweise nicht unmittelbare Folgen zu befürchten. Ist es Menschenfurcht oder Bequemlichkeit, dass unser Glaube so wenig sichtbare Gestalt annimmt?
Mögen uns oft und immer wieder Erfahrungen zuteilwerden, in denen uns die vorbehaltlose und unendlich barmherzige Liebe Gottes aufgeht! So werden wir Freude finden. Der Heilige Geist gibt uns dann Mut und Schwung, Wir können aus der Ermutigung, die Jesus den Jüngern sagte: „Fürchtet Euch nicht“! leben. Wir vollbringen Taten aus seiner Liebe und bekennen uns zu seinem Namen.
Tolle Bilder: Der Spatz für 2 Pfennig auf dem Markt - wertlos also -, aber Herr der Luft. Beflügelt, gehalten von dem Willen des Vaters im Himmel. Wie gelungen sein Flug ist! Schaut ihn euch an!
Größer noch als dieses ist das Bild von den abgezählten Haaren. Eins, zwei, drei, hundert, tausend - irgendwann verheddern sich Finger und Haare. Ein schier unmögliches Unterfangen, die Haare auf dem Kopf zu zählen. Ihr könnt es versuchen. Ein schönes Gefühl auf dem Kopf wird es zwar sein. Aber es kommt nichts dabei rum. Verliebte tun es trotzdem. Sie spielen mit den Haaren. Absichtslos. Zärtlich.
Große Bilder kommen immer bescheiden daher: Gott schenkt dem Zwei-Pfennigs-Spatzen den Himmel und lässt nicht einmal eins unserer Haare aus den Fingern. Bilder für Gottes Fürsorge und Größe, für seine Liebe. Was ist schon ein Spatz? Was ist schon ein Haar? Auf dem Markt: nichts. In den Augen Gottes: alles.
Jochen Klepper hat 1938 in bedrückender Zeit diese Erfahrung in Worte gekleidet:
Auch deines Hauptes Haare
sind wohl von ihm gezählt.
Er bleibt der Wunderbare,
dem kein Geringstes fehlt.
Den keine Meere fassen
und keiner Berge Grat,
hat selbst sein Reich verlassen,
ist dir als Mensch genaht.
"Als Mensch genaht." Es ist die Geschichte Jesu. Seine Geschichte auch mit mir. Ich spüre eine Vertrautheit, die meiner Seele Flügel verleiht.
Jesus spricht die Angst an, die Menschen vor einander haben - und einander machen. Die Bilder, die er nachzeichnet, mit einfachen Strichen, erzählen Lebenserfahrungen: drei davon mögen beispielhaft für sie stehen
Ein Mensch steht morgens auf und hat Angst vor dem Tag. Die Gedanken drehen sich im Kopf. Er fürchtet, seinem Leben nicht gewachsen zu sein, darf es aber nicht zeigen. Hinter einer sicheren Fassade wohnt die Unruhe. Nachts aber kommen Gesichter hoch: Chefs,
Kollegen, Untergebene…
Mit Liebe fing alles an. Schönes Einvernehmen, viel Verständnis. Dann aber, das Ja-Wort ist längst verklungen, wächst der Druck. Die Erwartung. Warum entpuppt sich die Partnerin, der Partner jetzt als Drache? Irgendwann versagt die Rechtfertigung. Die Angst wächst. Lähmt. Macht aus der Liebe einen Albtraum…
Jemand möchte sagen, dass er Christ ist. Er möchte sich nicht rechtfertigen. Im Gespräch aber merkt er, wie schwer es ist, darüber zu reden. Ihm schlägt Unverständnis entgegen. Er hört, mal ausgesprochen, mal hinter Floskeln versteckt, die Frage, wie er als moderner Mensch solchen Unsinn glauben könne. Manchmal beschleicht ihn die Angst. Er könne doch auch schweigen…
Über Ängste könnte jeder von uns etwas sagen. Wie sie sich einnisten, sich in Gedanken vergraben, Herzen gefangen nehmen. Dabei ist die Angst vor Arbeitslosigkeit, Krankheit, Liebesverlust hier nicht einmal auf dem Bildschirm. Heute dreht sich alles um die Angst, die ein Mensch vor dem anderen hat - oder macht. Schlimm sind die Ängste, die nicht bejaht werden können, nicht ausgesprochen werden, zum Schweigen verurteilt sind.
Jesus sagt: Fürchtet euch nicht! Im Evangelium hören wir das immer wieder deutlich heraus. In unserem Abschnitt gleich 3 Mal. Wir spüren, wie viel Gewicht in diesen Worten liegt.
Aber weil Imperative dieser Art nicht helfen, eher die Angst noch schlimmer machen, redet Jesus anders mit uns: Er lässt uns Spatzen nachsehen - und auf die Haarpracht schauen. Für ihn sind das Beispiele: Beispiele, wie Gott Weite und Nähe schafft. Er fragt nicht nach dem Wert, auf den wir Menschen stoßen - nur 2 Pfennig, er fragt auch nicht danach, was uns unmöglich ist - Haare zählen, er lässt uns staunen. Über Gottes Art, den Dingen ihr Gewicht zu geben. In Gottes Hand schrumpft die Angst auf ihr Maß und verliert die Macht. Jesus sagt: "Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen".
Einen Punkt stellt Jesus allerdings besonders heraus: die Angst, sich zu ihm zu bekennen. Die Furcht, sich als Christ zu outen, ist also uralt und keineswegs ein Zeichen unserer Zeit. Was schwierig ist und hemmt, kennen wir, wir kennen auch die Vorurteile, die eigenen Zweifel. Die Angst, sich einem anderen Menschen zu öffnen, das Vertrauen, ja Glauben mit ihm zu teilen, steht aber für viele Ängste, den eigenen Weg zu gehen. In jeder Angst vor einem anderen Menschen steckt die Sehnsucht, nicht aufzufallen, mit dem Strom zu schwimmen, in keine Auseinandersetzung gezogen zu werden. Und jede Angst, die ein Mensch schürt, dient einem Machtanspruch, will Unterwerfung, fordert Übereinstimmung.
Das Bekenntnis zu Jesus aber drückt aus, dass wir nicht Unterworfene, sondern Befreite sind. Nicht Alleingelassene, sondern Geliebte. Wir gehören zu dem Herrn, der die Kapriolen der Spatzen kennt - und meine Haare auf dem Haupt. Mehr noch: Er misst den Spatzen den Himmel aus!
Jesus sagt: "Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.
Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen."
Angst stellen wir immer dunkel dar. Schemenhaft, schattenhaft. Es ist geradezu ein Merkmal der Angst, sich aus dem Hellen zurückzuziehen, ja, die Sonne in ein schwarzes Loch zu verwandeln. Wenn aber die Angst die Flucht antreten muss, wird aus Nacht Tag. Die Schemen und Schatten verlieren ihre Konturen, werden sichtbar, ans Licht gebracht.
Jesus hat für uns den hellen Tag vorgesehen. Das tut gut. Wir stehen auf. Wir lassen uns nicht unterdrücken. Jesus sagt:
Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet am hellen Tag, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet von den Dächern.
Philipp Spitta hat diesen Auftrag gereimt:
Es gilt ein frei Geständnis
in dieser unsrer Zeit,
ein offenes Bekenntnis
bei allem Widerstreit,
trotz aller Feinde Toben,
trotz allem Heidentum
zu preisen und zu loben
das Evangelium.
Wir kennen das! Man kann sich ziemlich schnell den Mund verbrennen. Jeremia, der uns heute begegnet, könnte ein Lied davon singen – und stimmt dann auch ein Klagelied an. Komisches Gefühl, wenn hinter dem Rücken geredet und geraunt wird! Man traut sich nicht einmal, hinter sich zu schauen.
Im Evangelium wird uns aber Mut gemacht, uns zu Christus zu bekennen. Er hält uns den Rücken frei. Er sagt uns die Weite des Himmels zu. Er lässt Spatzen reden und zählt unsere Haare. Ein Bild voller Zärtlichkeit. Wer Haare zählen kann, hat ganz viel Zeit für unsere Geschichten.
Unsere Verunsicherungen, Zweifel und Ängste vertrauen wir ihm an.
Wir feiern miteinander Gottesdienst. Damit zeigen wir, dass wir uns zu Jesus bekennen. Wir bekennen uns zu ihm, der für uns den Tod auf sich genommen hat. Wir bekennen uns zu ihm, durch den auch wir auferstehen werden zum ewigen Leben. Wir bekennen uns zu ihm, der sich zu uns bekennt. IHN bitten wir um sein Erbarmen.
Herr,
die Spatzen pfeifen es von den Dächern,
dass mit deiner Kirche nicht mehr viel los ist.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du lässt die Spatzen singen von der Schönheit und Weite deiner Liebe.
Christus, erbarme dich.
Herr,
die Spatzen fallen nicht vom Himmel.
Und uns lässt du Flügel wachsen.
Herr, erbarme dich:
Die Gebeugten sehen es und sie freuen sich! *
Ihr, die ihr Gott sucht, euer Herz lebe auf!
Denn der Herr hört auf die Armen, *
seine Gefangenen verachtet er nicht.
(Ps. 69)
Ehre sei Gott in der Höhe!
Herr Jesus Christus,
du sprichst uns Mut zu.
Herr, erbarme dich.
Wir sollen uns zu dir bekennen.
Christus, erbarme dich.
Wir brauchen keine Angst zu haben
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
weil du fest in der Liebe zu Gott standest, haben dich Menschen verfolgt und schließlich ans Kreuz geschlagen.
Wie fest ist unsere Liebe zu dir?
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
weil du für uns den Tod auf dich genommen hast und auferstanden bist, darum ist uns Hoffnung geschenkt.
Wie stark ist unsere Hoffnung?
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
weil du dich zu uns bekennst, bekommen wird Mut und Kraft zu dir zu stehen.
Wie tief ist unser Glaube an dich?
Herr, erbarme dich.
Heiliger Gott,
gib, dass wir deinen Namen allezeit
fürchten und lieben.
Denn du entziehst keinem deine väterliche Hand,
der fest in deiner Liebe verwurzelt ist.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 12. Sonntag im Jahreskreis
Gott.
Du suchst Menschen, die von dir sprechen
und der Welt deine gute Botschaft weitersagen.
Hilf uns,
Trägheit und Menschenfurcht zu überwinden
und deine Zeugen zu werden -
mit unserem ganzen Leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 7
Gott, unser Vater,
wir sind dein Eigentum
und setzen unsere Hoffnung allein auf deine Gnade.
Bleibe uns nahe in jeder Not und Gefahr
und schütze uns.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB: 5. Sonntag im Jahreskreis
Jesus Christus hat gesagt:
"Sorgt euch nicht um euer Leben!
Ängstigt euch nicht!
Euch soll es zuerst um das Reich Gottes gehen;
dann wird euch das andere dazugegeben."
Darum beten wir:
Gott. Wir fürchten, wenn wir uns auf dich einlassen,
wird unser Leben noch schwerer;
wenn wir uns für deine Sache mühn,
kommen wir selber zu kurz.
Mach uns frei von der Angst.
Gib uns Freude an deinem Reich
und laß uns erfahren,
daß dir allein die Zukunft gehört.
Das gewähre uns durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 40
Gott, unser Heiland,
du Retter der Menschen.
Durch deinen Sohn Jesus
berufst du uns zu Zeugen deiner Nähe.
Lass uns dein Wort verstehen
und danach handeln.
Stärke uns,
dass wir ihn weiterschenken,
der im Wort der Heiligen Schrift gegenwärtig ist:
Jesus Christus, deinen Sohn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt in Ewigkeit.
WB 12. Sonntag im Jahreskreis A
Die Spatzen pfeifen dein Lob, Gott,
sie sind in deiner Hand.
Dass uns kein Haar gekrümmt werden kann,
dafür danken wir dir.
Wir danken dir für deine Liebe,
für die Weite des Himmels
für die Geborgenheit,
die uns Freiheit schenkt.
Tausche unsere Ängste aus gegen Mut,
unsere Zweifel gegen Gewissheit,
unseren Hochmut gegen Demut.
Dann hilf uns, uns zu dir zu bekennen,
deinen Weg zu gehen und
deine Wahrheit zu bezeugen.
In Christus,
der mit seinem Wort die Welt verzaubert,
mit dem Geist,
der gegen Tod und Teufel kämpft.
Jesus,
Du bist mit Mut und Vertrauen auf Gott deinen Weg gegangen.
Das wollen auch wir.
Dein Wort und dein Beispiel mögen auch uns Mut machen,
und uns bereit sein lassen, dich zu bekennen.
Deine Worte seien uns Ansporn als Menschen zu leben,
die fest an die Auferstehung glauben. - Amen.
Wir sehen viele Ängste in der Welt. Auch die Angst, es mit den Ängsten aufzunehmen.
Mit dir, Herr, rechnen wir, dich bitten wir:
für die Menschen, die sich aus dem Bann des Bösen nicht lösen können, die Tag für Tag unter Gewalt leiden, die auch ihre Hoffnungen schon begraben haben.
Ich komme zu dir mit meinem Bittgebet, Herr, zur Zeit der Gnade.
Für die Menschen, die in der Weltgeschichte den Boss spielen, die Ordnungen in Frage stellen, die auch die Religion für ihre Interessen einspannen.
Für die Menschen, die für Wahrheit und Recht kämpfen, die sich den Mund nicht verbieten lassen, die furchtlos für Schwache, Vergessene und Übersehene eintreten.
Für die Menschen, die die Entwicklungen in der Welt analysieren, die Bedrohungen offen legen, die der Dummheit ihre vielen Masken entreißen.
Für die Menschen, die in deiner Kirche deinem Wort auf der Spur sind, die das Evangelium mutig und treu verkünden, die ohne Ansehen der Person Menschen eine Heimat gewähren.
Wir fürchten uns oft vor Menschen. Wir wägen ab, was ankommt. Wir möchten beliebt sein.
Du aber sendet uns als deine Jünger und Jüngerinnen aus: Furchtlos und unverzagt. – Amen.
Herr,
wir danken dir für deine Gnadentat an uns, für das Leben unter deiner mächtigen Zuwendung,
und bitten dich:
Für die Menschen, die in Angst befangen sind, sich unfrei fühlen, eingeengt durch innere und äußere Zwänge:
Lass sie frei werden unter dem Hauch deiner befreienden Gnade!
Herr, unser Gott: - Wir bitten dich, erhöre uns!
Für alle, die für die derzeitigen Kriege und Bürgerkriege in der Welt verantwortlich sind:
Schenke ihnen Einsicht und entschiedenes Mühen um Frieden.
Für die Christen, die für ein gutes Spiel als Jünger und Jüngerinnen Christi verantwortlich sind:
Gib ihnen Vertrauen in deine Nähe und in deinen Beistand!
Für unsere Freunde und Bekannten, die ihren Lauf in dieser Zeit vollendet haben:
Lass sie teilhaben an deinem göttlichen Leben und an deiner nie endenden Freude!
Du, Herr, weißt, wie Angst lähmt. Nimm die Furcht aus unserer Mitte und lass uns mutige Fürsprecher und Anwälte für die Schwachen sein.
Darum bitten wir im Namen Jesu Christi, unseres Herrn und Bruders. - Amen.
Im Innersten sehnen wir uns alle danach, behütet und angstfrei leben zu können. Die Chance dazu eröffnet uns Jesus mit dem Hinweis auf die unendliche Liebe des Vaters zu seinen Geschöpfen.
Zu ihm lasst uns beten:
Wir sorgen uns um das Bestehen der Kirche in der säkularisierten Welt.
Beten wir für alle, die auch unter den veränderten Strukturen von heute für deine Botschaft brennen und sie weitergeben.
Weltweit gibt es eine für uns hier in Europa unvorstellbare große Zahl verfolgter Christen.
Lasst uns sie mit unserem Gebet begleiten und um die Gaben des Heiligen Geistes für sie bitten.
In der kommenden Urlaubszeit wollen wir unsere Freiheit in großen Zügen genießen.
Erfülle alle mit deinem Geist, wenn sie in so mancher Mußestunde nachdenken, welche Mächte im Alltag ihre Freiheit einschränken.
Viele Schülerinnen und Schüler stehen mit ihrer Berufswahl vor einem entscheidenden Entwicklungsschritt in ihrem Leben.
Hilf ihnen bei der Auswahl der Möglichkeiten.
Die Macht des Todes lastet schwer auf allen Menschen.
Stärke uns im Glauben, dass Jesus für uns die Macht des Todes gebrochen hat.
Du, unser Vater und allmächtiger Gott,
deiner liebevollen Sorge vertrauen wir uns an.
Dir sei Lob und Dank allezeit. - Amen.
Herr Jesus Christus,
dreimal hast Du den Jüngern zugesprochen, dass sie sich nicht fürchten sollen. Dein Zuspruch gilt auch uns.
Deshalb dürfen wir unsere Bitten vor Dich tragen:
Oftmals haben wir Angst vor der Zukunft, vor einem Gespräch, vor einer Begegnung, einer Auseinandersetzung, die uns bevorsteht.
Schenke uns das Vertrauen, dass wir uns darauf einlassen können, den Mut, es zu wagen und die Gelassenheit, es auf uns zukommen zu lassen.
Immer wieder gibt es Menschen, die die Ängste ihrer Mitmenschen schüren, damit sie manipulierbarer sind, damit sie ihnen folgen, weil sie sich einen Vorteil davon versprechen.
Schenke ihnen die Einsicht, dass es auch für sie selbst der bessere Weg ist, mit den Menschen gemeinsam nach Lösungen zu suchen, anstatt sie zu verunsichern.
Viele Katholiken hadern mit ihrer Kirche, viele Christen und Christinnen sind verunsichert, oftmals erkennen Sie Deinen Weg mit sich nicht mehr.
Steh ihnen bei auf ihrem schwierigen Weg und bleibe bei ihnen.
Viele Menschen sind am Ende ihrer Kraft, sie wissen nicht mehr weiter, sie haben dem Leben nichts mehr entgegenzusetzen und wollen nicht mehr weitermachen.
Schenke ihnen die Kraft, das Gute in ihrem Leben zu erkennen, die Perlen der Erinnerungen zu schätzen und sich anderen Menschen zu öffnen, um neue Wege zu finden.
Viele Menschen haben es sich zur Aufgabe gemacht, anderen Menschen beizustehen, ihnen ihre Ängste nehmen, ihnen neue Wege aufzuzeigen.
Stärke sie in ihrem tun.
Viele Menschen haben Angst vor den Fremden, die bei uns Heimat suchen.
Lass sie Dich in den Fremden erkennen und Wege finden, Fremde zu Freunden zu machen.
Steh den Kranken in ihrer Angst bei und nimm die Verstorbenen auf in Dein Reich.
Herr Jesus Christus,
dein Zuspruch gilt auch für uns: fürchtet euch nicht. Wir dürfen darauf vertrauen, dass wir nie tiefer fallen können als in die Hand des Vaters. – Amen.
Herr Jesus,
du schenkst uns Mut, dich zu bezeugen.
Wir dürfen auf deinen Beistand vertrauen.
So bitten wir dich:
Erneuere die Herzen aller,
die den Glauben an dich bekämpfen oder belächeln.
Stärke den Mut aller, die benachteiligt werden,
die verfolgt, verletzt oder gar getötet werden,
weil sie an dich glauben.
Lass alle, die sich zu dir bekennen,
echte Zeugen und Zeuginnen deiner Liebe sein, in Wort und Tat.
Gib deiner Kirche den Mut, sich dort zu erneuern, wo es notwendig ist.
Steh allen Kranken und an Corona Infizierten bei
und bewahre die Menschheit vor Verzweiflung.
Segne den Glauben an dich, damit dieser wieder neue Strahlkraft bekomme und die Mitmenschen herausfordert.
Erbarme dich aller Verstorbenen.
Dir sei Lob und Preis, jetzt und in alle Ewigkeit. - Amen.
Viele von uns sind in diesen letzten Monaten mit dem Gefühl der Angst konfrontiert worden.
Zu Christus, der uns immer wieder ermutigt, uns nicht zu fürchten, kommen wir mit unseren Bitten:
Für alle, die in deiner Kirche durch ihre Verkündigung in Wort und Tat andere in ihrem Gottesvertrauen bestärken und sie so trotz aller Nöte zu einem erfüllten Leben ermutigen.
Für alle Menschen, die in dieser Krisenzeit unter prekären Lebensbedingungen leiden und deren Politiker eigene Unsicherheiten und Verlustängste mit ungezügelten Machtansprüchen überdecken.
Für alle, die in ihrem Vertrauen zu anderen enttäuscht sind und nur schwer wieder Fürsorge und Liebe annehmen können.
Für uns selbst, die wir an deine zentrale Botschaft von der Liebe des Vaters glauben wollen und sie doch immer wieder nicht hören und befolgen.
Für unsere Verstorbenen, für die wir die unendliche Geborgenheit deiner Nähe erhoffen.
Denn du, Herr, hast unser aller Vergehen auf dich genommen und hast auch alle anderen Folgen, die sich daraus ergeben, beseitigt.
Dir gilt unser Lob und Dank jetzt und bis in alle Ewigkeit. - Amen.
Barmherziger Gott,
nimm das Opfer des Lobes
und der Versöhnung an.
Löse uns durch diese Feier aus aller Verstrickung,
damit wir in freier Hingabe ganz dir angehören.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 12. Sonntag im Jahreskreis
Herr, durch diese Gaben
nährst du den ganzen Menschen:
du gibst dem irdischen Leben Nahrung
und dem Leben der Gnade Wachstum.
Lass uns daraus immer neue Kraft schöpfen
für Seele und Leib.
Darum bitten wir im heiligen Geist durch Jesus Christus, unseren Herrn.
MB 11. Sonntag im Jahreskreis
Brich uns das Brot, Herr,
teile mit uns den Kelch.
Wir kommen zu dir.
Mit schweren Herzen.
Mit großen Augen.
Mit Fragen, die sich zu Schatten auswachsen.
Du brichst mit uns das Brot, Herr,
du teilst mit uns den Kelch.
Du verschenkst dich selbst,
mit Leib und Blut.
Du wirst ein Teil von uns.
Wir danken dir für Brot und Wein!
Komm, unser Herr! – Amen.
Jesus,
du lädst uns ein, dich zu empfangen
in Brot und Wein.
Brot und Wein sind die Gaben,
die deine Liebe und Hingabe zeigen.
Brot und Wein sind Gaben,
die uns Kraft zum Zeugnis geben.
Brot und Wein sind Gaben,
durch die wir mit dir eins werden.
Kehrvers:
Alles, was Odem hat, lobe den Herrn. (GL 616,1)
Herr, wir kommen, um dir unseren Dank auszudrücken,
denn wir haben allen Grund zu danken.
In dir sind wir geborgen,
Du gibst uns Halt und Sicherheit.
Kehrvers
Unerschrocken sind deine Propheten für dich eingetreten.
Sie wussten dich an ihrer Seite.
Du gabst ihnen die Kraft, sich zu dir zu bekennen
und deinen Willen zu verkünden.
Kehrvers
Als die Zeit erfüllt war, hast du Jesus von Nazareth gesandt
und durch ihn deine väterliche Liebe zu allen deinen Geschöpfen
aufs Neue geoffenbart.
Jedes kann sich deiner Fürsorge sicher sein.
Kehrvers
Im Vertrauen auf deine Vatergüte können wir leben ohne Angst.
Jeder einzelne ist gehalten von deiner Hand.
Du lässt keinen fallen, der sich zu dir bekennt.
Kehrvers
Dafür danken wir dir, und singen wir dir unseren Lobpreis
gemeinsam mit allen Geschöpfen
und mit den Engeln und Heiligen:
Danklied, z. B. Nun danket alle Gott (GL 405)
In Wahrheit ist es würdig, dir zu danken,
heiliger Vater.
Es ist recht, dich zu preisen.
Denn du allein bist der lebendige und wahre Gott.
Du bist vor den Zeiten und lebst in Ewigkeit.
Du wohnst in unzugänglichem Lichte.
Alles hast du erschaffen,
denn du bist die Liebe
und der Ursprung des Lebens.
Du erfüllst deine Geschöpfe mit Segen
und erfreust sie alle mit dem Glanz deines Lichtes.
Vor dir stehen die Scharen der Engel
und schauen dein Angesicht.
Sie dienen dir Tag und Nacht,
nie endet ihr Lobgesang.
Mit ihnen preisen auch wir deinen Namen,
durch unseren Mund rühmen dich alle Gesschöpfe
und künden voll Freude das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
MB Hochgebet 4
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben.
Denn in dir leben wir,
in dir bewegen wir uns und sind wir.
Jeden Tag erfahren wir aufs neue
das Wirken deiner Güte.
Schon in diesem Leben
besitzen wir den Heiligen Geist,
das Unterpfand ewiger Herrlichkeit.
Durch ihn hast du Jesus auferweckt von den Toten
und uns die sichere Hoffnung gegeben,
daß sich an uns das österliche Geheimnis vollendet.
Darum preisen wir dich
mit allen Chören der Engel und
singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 6
Wir brauchen keine Angst haben
denn Gott sorgt für uns
Wir dürfen vertrauen
denn Gott schaut auf uns
Wir müssen dem Dunkel nicht ausweichen
denn Gott ist unser Licht
Wir können hoffnungsvoll leben
denn Gottes Wort macht uns Mut
Wir sollen uns mutig zu Jesus bekennen
denn er führt uns zum Himmel
Wir können den Weg ruhig wagen
denn Gott gibt uns seinen Geist
Wir wollen heute beginnen
denn Gott sagt: Fürchtet euch nicht!
Gütiger Gott,
du hast uns durch den Leib und das Blut Christi gestärkt.
Gib, dass wir niemals verlieren,
was wir in jeder Feier der Eucharistie empfangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 12. Sonntag im Jahreskreis
Du, Gott,
zeigst unseren Augen die kleinen Dinge
und machst sie groß.
Die Flugkünste der Spatzen,
die Schönheit der Haare,
die Macht der Worte.
Wenn auch alles bei uns funktionieren muss,
Zeit zu Geld wird
und Muße zur Gefahr:
Hilf uns einzuhalten,
deine Wunder zu entdecken
und uns auf deine Seite zu schlagen.
Dass wir im Dunkeln das Licht sehen
und im Verborgenen deine Weisheit,
das erbitten wir von dir,
in Christus, der Spatzen zu Zeugen deines Reiches machte. – Amen.
Jesus,
du sendest uns aus,
dich zu bekennen und zu bezeugen,
auch dann, wenn es uns in Schwierigkeiten bringt.
Segne uns,
damit wir aus der Hoffnung leben,
die du uns geschenkt hast
durch den Glauben an deine Auferstehung. - Amen.
Gütiger Gott,
schenke dem Volk, das dein Eigentum ist,
den Reichtum der Gnade
und hilf ihm, stets deine Gebote zu erfüllen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes +
und des Heiligen Geistes,
komme auf euch herab und
bleibe bei euch allezeit. - Amen.
MB Segensgebete 12
Wir rufen zu dir, barmherziger Gott:
Schau gnädig auf dein Volk, das an dich glaubt.
Lass alle, die auf deine Güte vertrauen,
deine Hilfe erfahren
und überall die Großtaten deiner Liebe verkünden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Der Segen des allmächtigen Gottes,
des Vaters und des Sohnes +
und des Heiligen Geistes,
komme auf euch herab und
bleibe bei euch allezeit. - Amen.
MB Segensgebete 10
Immer wieder werde ich gefragt: wie kannst Du noch katholisch sein? Es ist nicht mehr »in«, katholisch zu sein, und dafür habe ich ein gewisses Verständnis. Viele hadern mit den Entwicklungen innerhalb der Kirche, viele sind entsetzt von Missbrauch und unzulänglicher Aufklärung, immer öfter werden hochrangige deutsche Kirchenmänner entdeckt, die in Vertuschung verstrickt waren. Meine Antwort auf die erste Frage ist einfach: Ich glaube, dass man nur innerhalb der Kirche die Kirche verändern kann.
Noch häufiger allerdings werde ich – auch von Menschen, die einer christlichen Konfession angehören – gefragt: Wie kannst du angesichts der Vorfälle in der globalen Welt an Gott glauben? Religion ist doch der Ursprung allen Übels. Oder: Gott ist doch ein Märchenwesen, für so naiv hätte ich Dich nicht gehalten. Und dann wird es schwierig. Man wird als Christin bestenfalls belächelt, oftmals auch für „mitschuldig“ erklärt für die oftmals menschenverachtende Migrationspolitik christlicher Parteien, für alle Kriege und alles Elend, die jemals von den Religionen ausgingen, für den Missbrauch… Die Liste ließe sich endlos erweitern. Dann kann ich erklären, was Christ sein für mich bedeutet. Manchmal gelingt es mir, manchmal nicht. Wenn aber dann die „Märchengestalt“ in den Fokus genommen wird, werde ich nicht mehr für voll genommen, weil ich Gottes Existenz nicht beweisen kann. Wenn die Theodizee-Frage gestellt wird (wo war Gott, als…), dann werde ich auch schon mal angefeindet, weil ich an einen grausamen Gott glaube.
Wie gehe ich dann damit um? Stehe ich zu Jesus Christus, zum dreieinigen Gott, komme was wolle? Oder lasse ich mich von den Zweiflern oder gar von Hassern anstecken? Wobei Zweifeln durchaus verständlich ist. Ich bin davon überzeugt, dass Gott nicht einen Katechismusglauben, der nicht hinterfragt werden darf, will. Wo bliebe dann unsere Freiheit? Ich glaube, dass Gott einen aufgeklärten Glauben erwartet, einen, der Regeln nach ihrem Sinn fragt, der durchaus hadern kann, einen Zweifelglauben eben.
Aus mir heraus setze ich mich mit Glaubensinhalten auseinander und versuche sie zu verstehen, und ich denke, so sollte es sein.
Aber bin ich verführbar? Oder gar feige, weil ich nicht belächelt oder angefeindet werden will? Trete ich für meinen Glauben ein und stehe dazu, Christin zu sein? Oder verstecke ich ihn lieber, weil es das Leben in unserer modernen Welt einfacher macht?
Fragen, die jeder und jede von uns nur für sich allein beantworten kann. Gott sagt uns zu: fürchtet euch nicht, ich bin bei euch!
Edith Furtmann
Barmherziger Jesus, ich vertrauen auf Dich!
Nichts soll mich mehr ängstigen und beunruhigen.
Ich vertraue auf Dich früh und spät, in Freuden und Leiden,
in Versuchungen und Gefahren, im Glück und Unglück,
im Leben und Tode, für Zeit und Ewigkeit.
Ich vertraue auf dich beim Gebet und bei der Arbeit,
bei Erfolgen und Misserfolgen, im Wachen und Ruhen,
bei Trübsal und Traurigkeit,
ja selbst in meinen Fehlern und Sünden
will ich unerschütterlich auf Dich vertrauen.
Du bist ja der Ankergrund meiner Hoffnung,
der Stern meiner Wanderschaft,
die Stütze meiner Schwachheit,
die Verzeihung meiner Sünden,
die Kraft meiner Tugend,
die Vorstellung meines Lebens,
der Trost meiner Sterbestunde,
die Freude und Wonne meines Himmels.
Barmherziger Jesus, Du starke Ruhe und sichere Burg meiner Seele,
vermehre mein Vertrauen und vollende meinen Glauben an Deine Macht und Güte.
Wenn ich auch der ärmste Deiner Verehrer und der letzte Deiner Diener bin,
so will ich doch groß und vollkommen sein im Vertrauen,
dass du mein Heil und meine Rettung bist für die ganze Ewigkeit.
Dieses mein Vertrauen sei meine Empfehlung bei Dir,
jetzt und alle Zeit, am meisten aber in der Stunde meines Todes!
Amen.
Schwester Faustina Kowalska, in: You Cat, Jugendgebetbuch, München 2011.
Als mir vor einigen Tagen diese Frage gestellt wurde, musste ich einen Moment nachdenken. Schließlich tragen Christen keinen Heiligenschein, fahren nicht unbedingt besser Auto und werden auch krank. Gibt es also etwas, woran man eventuell einen Christen erkennen könnte?
Vielleicht könnte es eine gewisse Gelassenheit sein? Weil ich mich in Gott geborgen und aufgehoben fühle, kann ich mit den kleinen und großen Widrigkeiten des Lebens anders umgehen. Weil ich auf Gott hoffen kann, geht meine Hoffnung nicht aus. Ich stelle mich in ein größeres Ganzes hinein und kann daran glauben, dass es mehr als meine kleine Welt und meine Sichtweise gibt. Ich kann darauf vertrauen, dass mir jemand gut will, auch wenn ich es manchmal noch nicht sehen kann. Und auch wenn meine ganze Welt in Scherben fällt, wenn alles durchkreuzt wird, habe ich immer noch jemanden, dem ich meine ganze Wut entgegen schreien kann, dem ich alle meine Fragen vor die Füße werfen kann - und ich weiß, der hält das aus.
Untersuchungen belegen es: Menschen, die an Gott glauben, leben länger. Weil sie einen haben, der mitgeht und ihre Lasten mit trägt. Weil sie manchmal ein bisschen weniger Angst vor dem Leben - und vielleicht auch vor dem Sterben - haben.
Weil wir einen haben, der uns liebt. Und dann gilt der Satz von Teresa von Avila: "Gott und ich sind immer in der Mehrheit!" - wenn das kein Grund zur Gelassenheit ist...
Aus: Andrea Schwarz, Auf ein Wort. Biblische Pausen für den Alltag.
Schmücke mein Herz, Herr, mit Deiner Gegenwart;
verwandle es in eine Wohnung für dich!
Du bist der Gast, den ich erwarte,
der Freund, der bei mir bleiben soll.
Dir, dem ein Palast gebührt,
habe ich nur eine ärmliche Hütte anzubieten.
Ich schmücke mein Haus mit Sehnsucht
und Verlangen.
Dann wird der Glanz des Himmels
meine Wohnung erhellen.
Mein Haus wird eine Kathedrale sein,
mein Herz ein Tabernakel.
Schmücke mein Herz, Herr, mit Deiner Gegenwart,
verwandle es in eine Wohnung für Dich. Amen.
Johannes XXIII, in: You Cat, Jugendgebetbuch, München 2011.
Du, der lebend’ge Brunnenquell,
der Gottes Stadt durchfließet hell,
erquickest das Gemüte.
Durch dich besteht des Vaters Bau;
du willst und gibst, dass man dir trau,
du bist die Gottesgüte.
Irden Geschirr sind wir und weich,
brechen gar leicht von jedem Streich;
du selbst wollst uns bewahren,
und brennen wohl in deiner Glut,
dass uns der Feind nicht Schaden tut,
wenn wir von hinnen fahren.
Ambrosius Blarer (1533/34) in EG 127,7

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Jeremia ist ins Gerede gekommen. Hinter seinem Rücken warten Menschen darauf, dass er zu Fall kommt. Was vorgefallen ist? Er hat die Wahrheit gesagt, sich mit einflussreichen und mächtigen Leuten angelegt, sich den Mund nicht verbieten lassen. Jetzt beginnt die Maschinerie aus Rache, Verdächtigung und Schönrederei.
Jeremia hat Gottes Wort ausgerichtet. „So spricht der Herr“, lautet die prophetische Botenformel. Auf den Herrn baut Jeremia auch im Konflikt. Der Herz und Nieren prüft, wird seinen Boten bewahren, ja, sein eigenes Wort nicht ins Leere gehen lassen.
Mit der Einladung, in das Lob Gottes einzustimmen, schließt die Lesung, die eine Geschichte aufbewahrt, die sich immer noch wiederholt. Aus dem Bekenntnis des Jeremia wird ein Gebet: Dir habe ich meine Sache anvertraut.
Die vorliegende Perikope stammt aus den "originären" Worten des Jeremia, nicht etwa aus Bearbeitungen nach ihm. Somit lässt sich der Text auf das Ende des 7. Jhdts v. Chr. datieren. In dieser Zeit erlebt Jeremia den Fall des Königs Joschija und die Machtergreifung König Jojakims, der ihm nicht wohlgesonnen war. Ein weiterer Einschnitt im Lebens Jeremias ist die Verschleppung des Königs zusammen mit einem Teil seines Volkes in die Babylonische Gefangenschaft im Jahr 597 sowie die Eroberung Jerusalems 586 v. Chr. Zu all diesen Momenten war es Jeremias Aufgabe sein Volk zu trösten und zu begleiten.
Das war nicht immer einfach: Der vorliegende Text gehört zu den sog. "Bekenntnissen" des Jeremia, in denen die tiefe Frustration des Propheten und sein ständiger Versuch, sich selbst und seinem Volk wieder Mut zuzusprechen, zum Ausdruck kommt. Diese Worte 20,10-13 stehen im Zusammenhang mit einer provokativen Handlung Jeremias gegen den Tempelpriester Paschhur (19,1-15), der ihn daraufhin foltern lässt. Jeremia aber wendet sich wieder gegen den Priester und gibt ihm den Schimpfnamen "Grauen ringsum" (20,3, vgl. dann 20,10). Diese Klageworte sind als eine Art Reflexion der Lage des Propheten anzusehen: Einerseits sieht er im Widerstand seine Aufgabe, andererseits droht er immer zu fallen.
Die erste Lesung ist dem der sog. 5. Konfession (Bekenntnis) des Jeremiabuches entnommen. In diesem liedartigen Text beklagt der Prophet in harten Worten und Bildern sein Schicksal.
Für die Liturgie wurde jedoch nur der mittlere Teil ausgewählt, der sehr vertrauensvoll endet. Die anschließenden Verse erst lassen den abgrundtiefen Kummer und die Verzweiflung des Gottesmannes voll erkennen.
Der Prophet leidet vor allem unter der Nachrede und den Rachewünschen in seinem engsten Bekanntenkreis. Es zeigt das Ausmaß des Nichtverstandenwerdens des Gottesmannes: Er wird zerrissen zwischen Gott, dessen Botschaft er auszurichten hat, der ihn betört und gepackt hat (Vers 7) und zwischen den Menschen, die ihm nahe stehen.
Auf die Verse 7 bis 10 folgt ein Vertrauenslied (Verse 11 bis 13), in dem der betende Prophet seine Sache ganz Gott übergibt. Der Verfasser folgt dabei einem Darstellungsmuster, wie wir es auch in einigen Psalmen (z. B.: Ps 6, Ps 13 oder Ps 22) beobachten können.
Die liturgische Versauswahl endet mit dieser vertrauensvollen Stimmung. Das Lied des Propheten setzt zu einer weiteren Beschreibung seiner Verzweiflung an und endet mit einer Frage (Verse 14 bis 18).
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive