Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Jesája.
Hört auf mich, ihr Inseln,
merkt auf, ihr Völker in der Ferne!
Der Herr hat mich schon im Mutterleib berufen;
als ich noch im Schoß meiner Mutter war,
hat er meinen Namen genannt.
Er machte meinen Mund wie ein scharfes Schwert,
er verbarg mich im Schatten seiner Hand.
Er machte mich zu einem spitzen Pfeil
und steckte mich in seinen Köcher.
Er sagte zu mir: Du bist mein Knecht, Israel,
an dem ich meine Herrlichkeit zeigen will.
Ich aber sagte: Vergeblich habe ich mich bemüht,
habe meine Kraft für Nichtiges und Windhauch vertan.
Aber mein Recht liegt beim Herrn
und mein Lohn bei meinem Gott.
Jetzt aber hat der Herr gesprochen,
der mich schon im Mutterleib
zu seinem Knecht geformt hat,
damit ich Jakob zu ihm heimführe
und Israel bei ihm versammelt werde.
So wurde ich in den Augen des Herrn geehrt
und mein Gott war meine Stärke.
Und er sagte:
Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist,
nur um die Stämme Jakobs wieder aufzurichten
und die Verschonten Israels heimzuführen.
Ich mache dich zum Licht der Nationen;
damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv - Ich danke dir, Herr:
Ich bin so staunenswert und wunderbar gestaltet. – Kv
(Oder GL 312,5)
Herr, du hast mich erforscht und kennst mich. /
Ob ich sitze oder stehe, du kennst es. *
Du durchschaust meine Gedanken von fern.
Ob ich gehe oder ruhe, du hast es gemessen. *
Du bist vertraut mit all meinen Wegen. – (Kv)
Du selbst hast mein Innerstes geschaffen, *
hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter.
Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin. *
Ich weiß es genau: Wunderbar sind deine Werke. – (Kv)
Dir waren meine Glieder nicht verborgen, /
als ich gemacht wurde im Verborgenen, *
gewirkt in den Tiefen der Erde.
Als ich noch gestaltlos war, sahen mich bereits deine Augen. /
In deinem Buch sind sie alle verzeichnet: *
die Tage, die schon geformt waren, als noch keiner von ihnen da war. – Kv
Lesung aus der Apostelgeschichte.
In der Synagoge von Antióchia in Pisídien stand Paulus auf,
gab mit der Hand ein Zeichen
und sagte:
Ihr Israeliten und ihr Gottesfürchtigen, hört!
Gott erhob David zum König,
von dem er bezeugte:
Ich habe David, den Sohn des Ísai,
als einen Mann nach meinem Herzen gefunden,
der alles, was ich will, vollbringen wird.
Aus seinem Geschlecht
hat Gott dem Volk Israel, der Verheißung gemäß,
Jesus als Retter geschickt.
Vor dessen Auftreten hat Johannes
dem ganzen Volk Israel eine Taufe der Umkehr verkündet.
Als Johannes aber seinen Lauf vollendet hatte,
sagte er: Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet;
aber siehe, nach mir kommt einer,
dem die Sandalen von den Füßen zu lösen
ich nicht wert bin.
Brüder,
ihr Söhne aus Abrahams Geschlecht und ihr Gottesfürchtigen!
Uns wurde das Wort dieses Heils gesandt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Text der Lesung ist der Apostelgeschichte entnommen. Er steht im größeren Zusammenhang der ersten Missionsreise des Paulus (Apg 12,25-14,28). Barnabas, Paulus und Johannes Markus kommen nach Perge in Pamphylien. Dort trennt sich Johannes Markus von ihnen und kehrt nach Jerusalem zurück. Die beiden anderen zogen von Perge weiter nach Antiochia in Pisidien. Dort besuchten sie den Synagogengottesdienst und wurden als Gäste, wie es üblich war, gebeten, Stellung zu nehmen zu den Worten der Schrift.
Paulus spricht die Juden und die Heiden an. Seine Rede besteht aus drei Teilen. Paulus beginnt mit einem Überblick auf die gemeinsame Vergangenheit. Er setzt bei der Rettung aus Ägypten, der Wüstenwanderung und der Landnahme an, zeigt dann David als den Träger der Heilsverheißungen und kommt dann schließlich auf den Vorläufer Jesu zu sprechen.
Der Mittelteil, der in der Lesung nicht enthalten ist, spricht über Tod und Auferstehung Jesu. Der dritte Teil der Rede ist dann die eigentliche Bekehrungspredigt – sie bringt in Bezug auf die erste Lesung des Geburtsfestes des heiligen Johannes des Täufers (vgl. Jes 49,6) die entscheidende Formulierung und Begründung der paulinischen Heidenmission. Die Heilsbotschaft gehört zuerst den Trägern der Verheißung, den Juden angeboten, lehnen sie das Heil ab, wird es des Heiden weitergegeben.
Lesung aus der Apostelgeschichte.
In der Synagoge von Antióchia in Pisídien stand Paulus auf,
gab mit der Hand ein Zeichen
und sagte:
Ihr Israeliten und ihr Gottesfürchtigen, hört!
Der Gott dieses Volkes Israel hat unsere Väter erwählt
und das Volk in der Fremde erhöht, im Land Ägypten;
er hat sie mit hoch erhobenem Arm von dort herausgeführt
und etwa vierzig Jahre durch die Wüste getragen.
Sieben Völker hat er im Land Kanaan vernichtet
und ihr Land ihnen zum Besitz gegeben,
für etwa vierhundertfünfzig Jahre.
Danach hat er ihnen Richter gegeben
bis zum Propheten Samuel.
Dann verlangten sie einen König
und Gott gab ihnen Saul, den Sohn des Kisch,
einen Mann aus dem Stamm Benjamin, für vierzig Jahre.
Nachdem er ihn verworfen hatte,
erhob er David zu ihrem König,
von dem er bezeugte:
Ich habe David, den Sohn des Ísai,
als einen Mann nach meinem Herzen gefunden,
der alles, was ich will, vollbringen wird.
Aus seinem Geschlecht
hat Gott dem Volk Israel, der Verheißung gemäß,
Jesus als Retter geschickt.
Vor dessen Auftreten hat Johannes
dem ganzen Volk Israel eine Taufe der Umkehr verkündet.
Als Johannes aber seinen Lauf vollendet hatte,
sagte er: Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet;
aber siehe, nach mir kommt einer,
dem die Sandalen von den Füßen zu lösen ich nicht wert bin.
Brüder,
ihr Söhne aus Abrahams Geschlecht und ihr Gottesfürchtigen!
Uns wurde das Wort dieses Heils gesandt.
Halleluja. Halleluja.
Du wirst Prophet des Höchsten heißen;
denn du wirst dem Herrn vorausgehen
und ihm den Weg bereiten.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
Für Elisabet erfüllte sich die Zeit, dass sie gebären sollte,
und sie brachte einen Sohn zur Welt.
Ihre Nachbarn und Verwandten hörten,
welch großes Erbarmen der Herr ihr erwiesen hatte,
und freuten sich mit ihr.
Und es geschah:
Am achten Tag kamen sie zur Beschneidung des Kindes
und sie wollten ihm den Namen seines Vaters Zacharías geben.
Seine Mutter aber widersprach
und sagte: Nein, sondern er soll Johannes heißen.
Sie antworteten ihr:
Es gibt doch niemanden in deiner Verwandtschaft, der so heißt.
Da fragten sie seinen Vater durch Zeichen,
welchen Namen das Kind haben solle.
Er verlangte ein Schreibtäfelchen
und schrieb darauf: Johannes ist sein Name.
Und alle staunten.
Im gleichen Augenblick
konnte er Mund und Zunge wieder gebrauchen
und er redete und pries Gott.
Und alle ihre Nachbarn gerieten in Furcht
und man sprach von all diesen Dingen
im ganzen Bergland von Judäa.
Alle, die davon hörten, nahmen es sich zu Herzen
und sagten: Was wird wohl aus diesem Kind werden?
Denn die Hand des Herrn war mit ihm.
Das Kind wuchs heran
und wurde stark im Geist.
Und es lebte in der Wüste
bis zu dem Tag,
an dem es seinen Auftrag für Israel erhielt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Evangelienperikope berichtet von der Geburt des Täufers. Die heilsgeschichtliche Sendung des Johannes klingt schon in seiner Namensgebung an. Johannes heißt: Gott ist gnädig. Es war so üblich, dass der Sohn den Namen des Vaters bekam, deshalb wird vom Staunen der Nachbarn berichtet, als Elisabeth sagte: Sein Name sei Johannes.
Nachdem der stumme Zacharias seine Sprache wieder erlangt hatte, stimmt er einen wunderbaren Lobgesang an ("Benedictus"), der heute noch täglich im Stundengebet der katholischen Kirche gebetet wird. Leider ist dieser Lobgesang (Lk 1,67-79) aus dem Evangeliumstext ausgenommen. Es handelt sich dabei um einen prophetischen Hymnus.
Der Schlussvers der Evangelienperikope spricht vom Aufenthalt des Johannes in der Wüste. Darin kann man einen Anklang sehen an die Nähe des Täufers zu Qumran (beim Toten Meer). Dort lebte eine asketische jüdische Sekte, die rituelle Waschungen vertrat und auf das Kommen des Messias wartete. Johannes dürfte diese Gemeinschaft zwar gekannt haben, ihr aber nicht angehört haben.
Elisabeth und Zacharias wird in einem Alter, In dem man keine Zukunftspläne macht, noch ein Sohn geschenkt. Er wird zum Wegbereiter des Heils für alle Völker. Er predigt Umkehr und verweist auf den, der nach ihm kommt.
Der 24. Juni ist ein Arbeitstag! Er liegt – in diesem Jahr – mitten in der Woche! Kinder gehen zur Schule, in den Betrieben und Verwaltungen wird gearbeitet - eine Feststimmung macht sich nicht breit. Ob wir es eine Überraschung nennen wollen? Der 24. Juni ist ein Festtag mitten im Alltag.
Einhalten, Luft holen, tief durchatmen – und dann wundersame Dinge hören.
Lukas erzählt, dass ein Kind geboren wird. Der kleine Johannes. Die Eltern, Elisabeth und Zacharias sind uralt. Den 18. Geburtstag ihres Sohnes werden sie wohl nicht erleben. Überhaupt: In dem Alter mit einem Säugling neu anzufangen, Windeln zu wechseln, das Geschrei auszuhalten und rund um die Uhr da zu sein, ist entweder das große Glück - oder die größtmögliche Dummheit. Es gibt wohl keinen Versicherer, der das Risiko abdeckt. Lukas aber hat sich längst dafür entschieden, von dem Glück zu erzählen. Von dem Glück, dass Gottes Verheißungen kein Alter kennen. Von dem Glück, dass es keine verbrauchten Hoffnungen gibt. Von dem Glück, dass Gott seine eigene Geschichte mit uns Menschen hat. Johannes, wenn du wüsstest!
Der 24.Juni heißt Johannestag. Oder St. Johannis. An manchen Orten haben sich alte Bräuche erhalten. Im Jahreslauf haben wir für kurze Zeit die längsten Tage im Jahr. Die Nächte müssen sich geschlagen geben. So manches Feuer wird angezündet. An Johannes denken dabei wohl die wenigsten. Bis auf die, die Johannes heißen. Oder Hans. Oder Johann. Tolle Namensverwandtschaften!
Sind Sie neugierig geworden? Dass Johannes geboren wird und auch so heißen muss, hat doch eine längere Vorgeschichte. Elisabeth und Zacharias müssen alt, uralt sein! Müssen! Sie stehen für die Menschen, die schon fast alles Warten, alle Hoffnungen aufgegeben haben. Das Leben ist vorbei! So vieles ist vergangen, hat sich verloren, kommt nie mehr wieder.
Ich denke an Menschen im Altenheim. Manchmal erzählen sie mir, was alles nicht geklappt hat in ihrem Leben. Wie Liebe zerbrochen ist, wie Kriegstraumata Jahrzehnte später das Leben verdunkeln, wie sich das anfühlt, an der letzten Station des Lebens angekommen zu sein. Viele Erinnerungen sind verblasst, manche haben sich wie Gespenster im Bett versteckt, manche schneiden die Seele entzwei. Die Geschichte von Elisabeth und Zacharias mag unwirklich klingen, aber immerhin: die beiden sind altenheimreif und zwei von uns!
Bohren wir tiefer, hören wir ein altes Lied. Ein Lied vom Gottesknecht. Uns ist es heute in der ersten Lesung begegnet. Meine Gedanken beißen sich da fest:
"Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist,
nur um die Stämme Jakobs wieder aufzurichten
und die Verschonten Israels heimzuführen.
Ich mache dich zum Licht der Nationen;
damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht."
Die Hoffnungen in Israel waren auch alt geworden, verbraucht und gebeutelt. Nicht viel anders als bei Elisabeth und Zacharias. Was jetzt geschehen soll, stellt alles in den Schatten: Es ist zu wenig, für uns zu hoffen, für uns noch etwas zu erwarten, mit uns zufrieden zu sein (oder zu werden). Licht für die Völker! Heil bis an das Ende der Erde! Von Meer zu Meer!
War das auf Johannes gemünzt? Auf Elisabeth und Zacharias?
Auf dem ersten Blick: warum nicht? Auf dem zweiten: Ist das nicht eine Nummer zu groß für Johannes?
Fragen wir also noch ein wenig weiter!
Was soll Johannes denn in seinem Leben machen? Aus seinem Leben? Er soll die Menschen vorbereiten auf Jesus! Das geht ganz einfach und ist kein Zauberstück: Johannes predigt von der Umkehr der Menschen, von neuen Anfängen, von der Nähe des Reiches Gottes. Johannes tauft im Jordan. Von weit her pilgern dann später Menschen zu ihm, um von seinem Wort angestiftet Gottes Kommen zu erwarten. Und, ja, ihr Leben zu ändern.
Eine altgewordene, eine sattgewordene, eine verstopfte Welt wird geliebt – und auf einen neuen Weg gesetzt.
Es ist zu wenig, dass alles beim Alten bleibt. Dass Geschichten sich endlos wiederholen. Dass Menschen in Gewalterfahrungen Hass lernen. Es reicht nicht!
In der Apostelgeschichte wird von einer Predigt des Paulus erzählt. Unsere zweite Lesung heute:
"Aus dem Geschlecht Davids
hat Gott dem Volk Israel, der Verheißung gemäß,
Jesus als Retter geschickt.
Vor dessen Auftreten hat Johannes
dem ganzen Volk Israel eine Taufe der Umkehr verkündet."
Umkehr ist die wohl größte Hoffnung, die wir Menschen haben können. Ausbrechen aus den Hassspiralen, ausbrechen aus den Vorurteilen, ausbrechen aus den Angstgeschichten. Es kann so nicht weitergehen. Es ist nicht zum Aushalten. Mit den Verdunkelungsorgien, die Menschen auf den Rücken anderer treiben. Mit den Leichen in den Kellern, die sich zu Bergen auswachsen. Mit dem Profit, der aus dem Unglück der Welt geschlagen wird. Umkehr ist der Schlüssel zum Leben.
Der Tod kennt keine Umkehr.
Im nächsten Altenheimgottesdienst holen wir den 24. Juni nach! Die Geschichte von zwei altgewordenen Menschen, Elisabeth und Zacharias, die Geschichte von einer neuen großen Hoffnung, Johannes, die Geschichte von der Nähe des Reiches Gottes, Jesus. Diese Geschichten sind zeitlos. Sie lassen sich im Rückblick erzählen. Sie lassen sich festhalten, wenn Lebensläufe bilanziert werden. Sie lassen alte Menschen jung aussehen!
So wie ich die alten Leute kenne, gibt es keinen besseren Ort, von Zukunft, von Hoffnung, von Liebe zu reden als – ihr Heim. Hier wohnen Geschichten und Erfahrungen zu Hauf! Unfertige Geschichten, die selbst im hohen Alter noch leuchten können: Wir vererben unseren Kindern und Enkeln die Hoffnung auf das Kommen Gottes.
Zacharias übrigens, der sprachlos geworden war und keine Worte mehr hatte, schrieb auf ein kleines Täfelchen den Namen seines Sohnes: Johannes. Johannes heißt, wörtlich übersetzt: »Gott ist gnädig!«
Als Johannes Jesus im Jordan tauft, sagt er den umstehenden Leuten: Seht, der hier – Jesus – ist das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt! Gnädig!
Meister Mathis hat in seinem weltberühmten Isenheimer Alter dem Johannes einen langen ausgestreckten Finger gegeben: Seht!
In 6 Monaten, auf den Tag genau, feiern wir Weihnachten. Die Nacht wird dann lang sein. Anders als am 24. Juni. Aber ein Licht geht auf! Licht für die Völker! Heil bis an die Enden der Erde! Über alle Grenzen, für alle Generationen.
Und der Friede Gottes,
der die Tage hell und die Hoffnungen groß macht,
schenke unseren Herzen Wärme
und unseren Sinnen Klarheit
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Johannes der Täufer nahm sich kein Blatt vor den Mund auch nicht vor den Mächtigen. Er machte durch seine Predigt betroffen. Ihm war seine Botschaft wichtig, nicht er selbst als Bote.
Schon die Geschehnisse um seine Geburt waren so ungewöhnlich, dass alle, die davon hörten, sich Gedanken machten. Sie sagten: "Was wird wohl aus diesem Kind werden?" (LK 1,66). Die Rede ist vom einzigen Heiligen neben der Gottesmutter, dessen Geburtsfest wir feiern. Es ist Johannes der Täufer, von dem hier die Rede ist. Johannes ist jemand, der - so kann man es salopp formulieren - schon zu seiner Zeit dafür bekannt war, sich kein Blatt vor den Mund zu nehmen, den Mund aufzumachen. Er begegnet uns in den Evangelien als wortgewaltiger Prediger am Jordan. Er ruft zur Umkehr auf und spendet die Taufe zur Vergebung der Sünden. Viele Menschen kommen zu ihm, um seine Worte zu hören und sich taufen zu lassen, auch Jesus. Lukas berichtet: "Es geschah aber, dass sich zusammen mit dem ganzen Volk auch Jesus taufen ließ." (Lk 3,21). Die Predigten des Johannes sind nicht nur dahingesagte Worte, sie haben Gewicht. Sie gelten nicht nur zu seiner Zeit, sondern betreffen auch uns heute. Johannes macht den Mund auf. Er mischt sich ein, weil es ihm um die Wahrheit und die Gerechtigkeit geht. Die Umkehr, die er predigt, betrifft auch die Herrschenden. Doch die hören solche Worte nicht gern. Und das kostet ihm letztendlich den Kopf.
Johannes machte seinen Mund auf. Harte, mahnende und aufrüttelnde Worte hören wir aus seinem Mund. Aber hierauf allein beschränkt sich seine Botschaft nicht. Als Jesus zu ihm an den Jordan kommt, sich einreiht in die Schar der Menschen, die sich von ihm taufen lassen, bezeugt ihn Johannes als den Sohn Gottes. Diese Worte haben ihn zum Propheten des Höchsten gemacht, wie ihn sein Vater Zacharias bei seiner Geburt vorausschauend bezeichnet hatte.
In meinen Augen hat Johannes auch für die Menschen unserer Zeit in zwei Bereichen Vorbildfunktion. Auch die heutige Zeit braucht Menschen, die sich an ihm orientieren, sowohl in der Gesellschaft als auch in der Kirche, die den Mund aufmachen, wie er es vorgemacht hat; wenn es darum geht, für die Wahrheit des Evangeliums einzustehen; wenn es darum geht, gegen übermäßiger Anpassung an den Zeitgeist seine Stimme zu erheben. Gegen Anbiederung an den sogenannten Mainstream, gegen die Bequemlichkeit, sich gemütlich in Nischen einzurichten, um nicht anzuecken; wenn es gilt, Dinge, die in Gesellschaft und Kirche falsch laufen, beim Namen zu nennen.
Und der zweite Bereich: Johannes macht uns deutlich in seinem Reden und Handeln: Nicht der Bote ist wichtig, sondern die Botschaft. „Ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen“ (Lk 3,16). Und während Jesus sagt: "Er ist mehr als ein Prophet." Oder ein wenig später: "Unter den von einer Frau Geborenen ist kein größerer aufgetreten als Johannes der Täufer“ (Lk7,28), sonnt Johannes sich nicht in diesen Worten. Er sagt selbst von sich: "Ich bin nur vor Christus hergesandt. Er muss wachsen, ich aber geringer werden." (Joh 3,30).
Wir sind aufgefordert, seinem Beispiel zu folgen: den Mund aufzumachen, wenn es geboten ist. Für Christus Zeugnis abzulegen und seine Botschaft zu leben. Und wie er sollten wir uns als Person nicht zu wichtig nehmen. Für jeden von uns gilt: Es kommt nicht auf mich als Person an. Es kommt darauf an, ob ich den Mund aufmache und wie ich handle zum Wohle meiner Mitmenschen.
Das Geburtsfest des Johannes des Täufers ist mehr als eine Verbeugung vor einem großen Propheten. Es erinnert uns daran, dass das Christentum seine Wurzeln im Judentum hat. Es fordert uns auf, die jüdische Tradition besser kennen und verstehen zu lernen. Darüber hinaus können wir von Johannes und Jesus lernen, wie wichtig es ist, das gegenwärtige Denken von alten Überlieferungen befruchten zu lassen.
Die Kirche feiert das Geburtsfest des Johannes des Täufers, da dieser für sie eine große Bedeutung hat. Er hat die Menschen zu Christus hingeführt.
Das Evangelium erzählt von der Geburt und von der Namensgebung des Täufers Johannes. Sein Name "Gott ist gnädig" ist Programm. Er hart seine Zuhörer zu Gott zurückgeführt. Die Fragen, die er ihnen stellte, sind auch für uns heute noch von Bedeutung.
Sechs Monate vor Weihnachten feiern wir das Geburtsfest Johannes’ des Täufers. Ein halbes Jahr älter als Jesus soll er gewesen sein. Der Kirchenvater Augustinus brachte die beiden Geburtsdaten auch mit der symbolischen Bedeutung der Sommer- und Wintersonnwende in Verbindung, an denen die Tage wieder kürzer bzw. länger werden. „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“, so sah Johannes selbst seine Beziehung zu Jesus. Er hat sich ganz in seinen Dienst als Vorläufer gestellt, damit der wahre Messias wachsen konnte.
Im Dienst Jesu Christi stehen auch wir. Machen wir uns klein, damit er in uns wachsen kann.
Herr Jesus Christus,
du aufstrahlendes Licht aus der Höhe,
das uns Johannes verkündete.
Herr, erbarme dich.
Lamm Gottes,
auf das Johannes seinen Blick richtete.
Christus, erbarme dich.
Sohn Gottes, über dessen Stimme Johannes sich freute.
Herr, erbarme dich.
Gott,
du hast den heiligen Johannes den Täufer berufen,
das Volk des Alten Bundes
Christus, seinem Erlöser, entgegenzuführen.
Schenke deiner Kirche die Freude im Heiligen Geist
und führe alle, die an dich glauben,
auf dem Weg des Heiles und des Friedens.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.
MB 24. Juni
Allmächtiger Gott,
führe deine Kirche auf dem Weg des Heiles
und gib uns die Gnade,
den Weisungen Johannes‘ des Täufers zu folgen,
damit wir zu dem gelangen,
den er vorausverkündet hat,
zu unserem Herrn Jesus Christus, deinem Sohn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. – Amen.
Gott offenbarte sein Erbarmen durch die Geburt Johannes des Täufers. „Gott ist gnädig“ ist dessen Name.
Im Vertrauen auf Gottes Nähe bitten wir:
Guter Gott, du hast dein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen.
Gib, dass das Leben aller, die in deiner Kirche wirken, auf Christus hinweist.
Du beschenkst dein Volk mit der Erfahrung des Heils in der Vergebung der Sünden.
Zeige dich allen, die schuldig geworden sind, als barmherziger Vater.
Durch deine barmherzige Liebe hat uns das aufstrahlende Licht aus der Höhe besucht.
Gib jenen, die den Ruf zu einem Leben im Dienst der Nächstenliebe spüren, Gewissheit und Ausdauer.
Dein Licht leuchtet allen, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes.
Wende die Not aller, die krank und leidend sind oder nicht mehr weiter wissen.
Du lenkst unsere Schritte auf den Weg des Friedens.
Schenke uns Mut und Ausdauer, diesen Weg zu gehen.
Du hast uns durch deinen Tod und deine Auferstehung ewiges Leben geschenkt. Lass unsere Verstorbenen teilhaben am himmlischen Festmahl.
Gott,
du Ursprung und Ziel unseres Lebens,
durch Wegbereiter wie Johannes den Täufer schenkst du uns Zukunft und Hoffnung.
Dafür danken wir dir durch Jesus Christus, unseren Herrn. – Amen.
Herr, unser Gott,
in Freude legen wir unsere Gaben auf deinen Altar
am Geburtsfest des heiligen Vorläufers Johannes.
Er hat angekündigt, dass der Erlöser kommt,
und als er gekommen war, auf ihn gezeigt,
auf Jesus Christus, deinen Sohn,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 24. Juni
Kehrvers:
V: Danket Gott, denn er ist gut; groß ist alles, was er tut.
A: Seine Huld währt alle Zeit, waltet bis in Ewigkeit.
(GL 402)
Gepriesen bist du Herr, unser Gott,
Denn du hast dein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen;
du hast uns einen starken Retter erweckt im Hause deines Knechtes David.
Kehrvers
Gepriesen bist du Herr, unser Gott,
So hast du verheißen von alters her durch den Mund deiner heiligen Propheten.
Du hast uns errettet vor unseren Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen.
Kehrvers
Gepriesen bist du Herr, unser Gott,
du hast das Erbarmen mit den Vätern an uns vollendet
und an deinen heiligen Bund gedacht,
an den Eid, den du unserm Vater Abraham geschworen hast.
Kehrvers
Du hast uns geschenkt, dass wir, aus Feindeshand befreit, dir furchtlos dienen
in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor deinem Angesicht all unsre Tage.
Kehrvers
Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes
wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe,
um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes,
und unsre Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.
Danklied, z.B.: Mein ganzes Herz erhebet dich... GL 143
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und am Fest des heiligen Johannes
das Werk deiner Gnade zu rühmen.
Du hast ihn geehrt vor allen,
die je eine Frau geboren hat,
schon im Mutterschoß erfuhr er das kommende Heil,
seine Geburt erfüllte viele mit Freude.
Als einziger der Propheten
schaute er den Erlöser
und zeigte hin auf das Lamm,
das die Sünde der Welt hinwegnimmt.
Im Jordan taufe er Christus,
der seiner Kirche die Taufe geschenkt hat,
so wurde das Wasser
zum heiligen Quell des ewigen Bundes.
Bis an sein Ende gab Johannes Zeugnis
für das Licht und besiegelte mit dem Blut seine Treue.
Darum preisen wir dich mit allen Engeln
und Heiligen und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB 24. Juni
Johannes hat das Gebet des Herrn nicht mehr kennengelernt,
aber er hat in seinem Tun dem Reich Gottes viel gegeben.
Daran dürfen wir bei der Bitte "dein Reich komme" denken und rufen:
Vater unser...
Herr Jesus, als Johannes ein Zeichen des Friedens gebrauchte,
hast du ihm in den Worten einer alten Verheißung die Antwort gegeben, die ihm half.
Im Vertrauen darauf, dass du auch für uns eine helfende Antwort hast, bitten wir dich:
Schaue nicht auf unsere Sünden,
sondern auf den Glauben deiner Kirche...
Da war einer
der so ganz anders war
Da war einer
der neugierig machte
Da war einer
der Jesu Wirken vorbereitete
Da war einer
der dem Herrn Wege bereitete zu den Menschen
Da war einer
der Jesus im Jordan taufte
Da war einer
der Jesus als den Erlöser erkannte
Da war einer
der für seine Überzeugung sein Leben hingab
Da war einer
den wir heilig nennen
und der uns
Vorbild sein will
Herr, unser Gott,
am Geburtstag Johannes' des Täufers
hast du deine Kirche zum Festmahl des Lammes geladen
und sie mit Freude erfüllt.
Gib, dass wir Christus,
den Johannes vorausverkündigt hat,
als den erkennen, der uns das ewige Leben erworben hat,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 24. Juni

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
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Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Die Lesung ist dem Buch Jesaja entnommen. Jesaja lebte im 8. Jahrhundert vor Christus in Jerusalem. Im 6. Kapitel berichtet er über seine Berufung, die im Todesjahr des Königs Usija erfolgte (um 740 v. Chr.). Er wirkte über 40 Jahre lang. Jesaja hatte Gott als den "Heiligen Israels" gesehen (vgl. Jes 6).
Wir finden von Kap. 42 bis 52 vier verschiedene Gottesknechtslieder. Sie könnten ursprünglich einmal selbständig gewesen sein und dann in das jesajanische Gesamtwerk eingefügt worden sein. Wichtig ist für uns die Überlegung, wer mit dem "Knecht des Herrn", dem "æbæd jahwe", gemeint ist. Ist damit eine einzelne Person gemeint, oder steht er als Kollektiv für ganz Israel? Wir dürfen beides vermuten - auf alle Fälle versteht die Redaktion von Trito-Jesaja diese Figur schon als individuell (vgl. Jes 61,1-3). Das Neue Testament identifiziert den Gottesknecht dann schon mit Jesus, dem endgültigen Heilsmittler.
In diesem zweiten Gottesknechtslied spricht der Knecht selbst zu uns. Der Berufene ist vom Mutterleib an ausersehen, Israel zu Gott zurückzuführen. Das war dem Knecht bisher noch nicht gelungen. Es ergeht ihm wie vielen Propheten vor ihm - er sieht seine Sendung gescheitert. Aber genau in dieser Situation weitet Gott seine Zusage ins Unglaubliche hinein aus: Er erneuert seinen Auftrag, die Sendung wird sogar noch erweitert. Der Knecht Gottes soll nun nicht nur zu Israel gehen, sondern sein Auftrag gilt für alle Völker, bis an das Ende der Erde.
In seinem Auftreten mit dem machtvollen Wort kann Johannes der Täufer diese Beschreibung ausfüllen, auch wenn die messianische Auslegung der Gottesknechtslieder eher auf Jesus angewendet wird.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive