Gütiger Gott,
Jahr für Jahr erwarten wir voll Freude
das Fest unserer Erlösung.
Gib, dass wir deinen Sohn von ganzem Herzen
als unseren Retter und Heiland aufnehmen,
damit wir ihm voll Zuversicht entgegengehen können,
wenn er am Ende der Zeiten als Richter wiederkommt.
Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Weihnachten am Vorabend
Herr, unser Gott,
mit der Menschwerdung deines Sohnes
hat unsere Rettung begonnen.
Nimm diese Gaben an
und mache uns durch diese Opferfeier bereit
für das Geheimnis der Heiligen Nacht,
in der wir den Ursprung unserer Erlösung festlich begehen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Weihnachten - Am Vorabend
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dein Erbarmen zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn schaffst du den Menschen neu
und schenkst ihm ewige Ehre.
Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen:
dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch,
und wir sterbliche Menschen
empfangen in Christus dein göttliches Leben.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 3
Allmächtiger Gott,
gib uns Anteil am göttlichen Leben
durch die Menschwerdung deines Sohnes,
dessen Fleisch und Blut wir im Sakrament empfangen haben.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Weihnachten - Am Vorabend
Die in diesem Artikel versammelten Worte und Wortfelder bezeichnen die einander erwiesene freundliche, gütige, herzliche Zuwendung. chesed ist zunächst die familiäre und nachbarschaftliche Hilfe, das Maß an gegenseitiger Unterstützung, zu dem man sich verpflichtet fühlen kann, ohne dazu formal-rechtlich verpflichtet zu sein. Diese Zuwendung, die Familie, Nachbarschaft und (vor allem in Gesellschaften ohne zentrale staatliche Herrschaft) das soziale Leben aufrechterhält, gehört zum Recht und überschreitet es zugleich als freiwillig gewährte freundliche Gabe. chesed ist eine Haltung und ein Tun. Das Lieben, d. h. das freudige Tun von chesed gehört zum Kern biblischer Ethik (Mi 6,8). Rut und ihre Schwägerin Orpa haben ihren verstorbenen Männern und ihrer Schwiegermutter Noomi chesed erwiesen, und so wünscht ihnen Noomi, Gott möge ihnen ebenso chesed erweisen (Rut 1,8). Ein zweites von vielen möglichen biblischen Beispielen: Der greise Jakob bittet seinen Sohn Josef, ihn nicht in Ägypten zu begraben. Den Vater zu begraben gehört zur Sohnespflicht. Die Gewährung der weiter gehenden Bitte, ihn nicht in Ägypten zu begraben, geht über die Pflicht hinaus und ist chesed (Gen 47,29). Jakobs Bitte gründet darin, dass er in Josefs Augen chen gefunden habe. chen ist der Liebreiz, die Anmut, die eine Person ausstrahlt und die in den Augen einer anderen, oft höhergestellten, Person Anerkennung, Wohlgefallen, Wohlwollen und dann auch Wohltaten hervorruft. So findet Rut chen in den Augen des Boas (Rut 2,10). Lot hat in den Augen des Gottesboten Zuneigung (chen) gefunden, die sich als Freundlichkeit (chesed), in diesem Fall als Lebensrettung verwirklicht (Gen 19,19). Josef findet chen, Anerkennung, in den Augen Potifars und des Gefängnischefs (Gen 39,4.21). Ästhetik und Ethik kommen in diesen Wortfeldern zusammen. Für chesed konstitutiv und auch für chen zu berücksichtigen ist die Wechselseitigkeit der Beziehung. Darin liegt ein Problem der in vielen Bibelübersetzungen üblichen Wiedergabe beider Worte mit »Gnade«. Richtig daran ist die Betonung des Nicht-Herstellbaren, jedes Verdienst Überschreitenden; die ebenso grundlegende Gegenseitigkeit kommt im Wort »Gnade« dagegen nicht zum Ausdruck.
Auch da, wo von Gottes chesed-Erweisen die Rede ist oder Gott chanun genannt wird, geht es um eine Beziehung, so etwa in der Gottesrede »Ein mitfühlender, gnädiger (chanun) Gott bin ich, langmütig, treu und wahrhaftig« (Ex 34,7; Ps 78,38, vgl. auch Ex 20,5f). Gottes chesed und chen stehen für die liebevolle, umsichtige und nachsichtige Treue zu Menschen und zum Volk Israel. Diese Freundlichkeit Gottes ist von Dauer (so der immer wiederkehrende Leitsatz in Ps 136).
Das griech. Wort charis (von dem »Charme« abgeleitet ist) nimmt im NT das Wortfeld chesed und vor allem chen und die darin ausgedrückten wechselseitigen Beziehungen auf. Es steht für Anmut (Kol 3,16), für die Zuwendung Gottes (Röm 3,21; 5,2; 6,23), die sich bei denen, denen sie zuteil wird, in der Gabe verwirklichen kann, im Namen Jesu zu wirken (Röm 1,5). Es bezeichnet aber auch den Dank (Röm 6,17) als Reaktion auf Gottes Zuwendung. Besonders deutlich wird das Beziehungsgeflecht, das sich im Wort Charts ausdrückt, in 2 Kor. Hier verbindet der eine Begriff alle Beziehungsebenen: die gegenseitigen zwischen Gott und Menschen und die der Menschen untereinander, was das deutsche Wort »Zuwendung« besser ausdrücken kann als das übliche »Gnade«. Der Zuwendung Gottes (1,2) und Jesu (8,9) entspricht die des Paulus zur Gemeinde (1,15). Daraus folgt die materielle Zuwendung als Hilfe für die armen Gemeinden in Jerusalem (8,4.6.7; 9,8). Alles mündet in die Zuwendung zu Gott im Dank aller Beteiligten (8,16; 9,15).
Aus: Glossar. Bibel in gerechter Sprache. Herausgegeben von Ulrike Bail u.v.a. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2007 (2006).
Für den Vorabendgottesdienst ist als Evangelium der Stammbaum Jesu nach Matthäus vorgesehen. Er zeigt die Verwurzelung Jesu in der ihm vorausgehenden Geschichte (Mt 1,1-25).
In Kirchen aus dem Mittelalter sieht man den Stammbaum Jesu oft bildlich dargestellt: den Baum aus der Wurzel Jesse. Unten, die Wurzel: Jesse oder Isai, der Vater Davids, und dann geht es hinauf in die Äste und Zweige, bis hin zu Maria mit dem Kinde Jesus.
Es gibt Leute, die viel Zeit und Geld investieren in Ahnenforschung. Auch wenn man selbst nicht so weit geht: es ist schon interessant zu sehen, woher man kommt; wer die Vorfahren waren, die uns ihr Erbe hinterlassen haben. Wir kennen sie kaum noch, wenn es über die Großeltern oder die Urgroßeltern hinausgeht. Und doch haben sie alle etwas an uns weitergegeben: nicht nur biologisches Leben; ihr Leben als Ganzes, ihre Person, haben Wirkungen hinterlassen.
Kommen wir zurück zum Stammbaum Jesu! Es ist ein ziemlich trockener, eintöniger Text: ständig Namen, die fremd klingen. Diese kargen Angaben bekämen Farbe und Leben, wenn man die dazu gehörigen Geschichten aus dem Alten Testament läse. Es hat jedenfalls viel zu bedeuten, dass Jesus in eine menschliche Herkunftslinie hineingestellt wird.
Leben mit positiven und negativen Vorgaben
Jesus, der wie kein anderer Mensch, von Gott her zu uns gekommen ist, ist gleichzeitig tief verwurzelt in der vorausgehenden Geschichte Israels und der ganzen Menschheit. Im Lukasevangelium wird der Stammbaum Jesu bis auf Adam zurückgeführt (Lk 3,23-38).
Christus ist nicht wie ein Meteor vom Himmel gefallen, quer zu allen Verbindungslinien und Entwicklungen der Menschheitsgeschichte. Er steht im Zusammenhang einer langen Vorgeschichte. Es war bei Jesus wie bei uns allen. Wir sind Nachkommen und Erben. Und das prägt uns: helfend und gefährdend.
Jesus konnte auf guten Grundlagen aufbauen. Er konnte in die Spur einer großen religiösen Tradition eintreten. Er konnte anknüpfen an lang erprobte und bewährte Formen der Frömmigkeit und der ethischen Lebensführung. Sein Beten war vorbereitet und getragen durch die Gebetserfahrung und -sprache seines jüdischen Volkes. Man denke an die Psalmen! Bedeutende religiöse Persönlichkeiten konnten ihm Anreger und Vorbild sein: Abraham, Mose, die Propheten.
Diese positiven Vorgaben wurden Jesus näherhin und zunächst durch seine Familie vermittelt: durch Maria und Josef. Durch diese Beiden ist dem menschlichen Bewusstsein Jesu auch sein himmlischer Vater in den Blick gekommen.
Jesus musste aber auch mit negativen Einflüssen fertig werden, mit Hypotheken, die sich unter seinen Vorfahren angesammelt hatten; die ihm zur Versuchung werden konnten.
In der Geschichte Israels gab es auch Abwege und Irrwege, Spuren ins Unheil. Von manchen der Männer, die im Stammbaum genannt werden, berichten die Bücher des Alten Testaments, dass sie gegen die Bundesordnung Gottes handelten und das Volk in eine falsche Richtung mitrissen. Das wird öfter von Königen Israels gesagt. Es gab Ungerechtigkeiten und Verbrechen; falsche Vorstellungen von dem, was zum Heile dient; Verehrung von "Götzen".
Mit solchen negativen Einflüssen musste sich Jesus auseinandersetzen, um seinen Weg zu gehen und dem Auftrag des Vaters zu entsprechen.
Ähnliches gilt auch von uns. Unsere Vorgeschichte wird positive Impulse enthalten; Hilfen, Ermutigung; zum Guten lockende Gestalten. Aber es gibt wahrscheinlich auch erschwerende oder gefährliche Elemente, zumindest, wenn man auch an die Geschichte des Volkes denkt, zu dem wir gehören. Es kommt darauf an, der Lichtspur in unserer Geschichte zu folgen.
Grenzen, die kein Unheil sind
Der Stammbaum Jesu zeigt, dass zum menschlichen Leben Jesu konstitutive Begrenzungen gehörten; Grenzen, die trotzdem seinen Raum und Zeit umspannenden Einfluss nicht gemindert haben.
Jesus wurde in eine ganz bestimmte Menschheitslinie hineingeboren, in ein ganz bestimmtes Volk. Er war Jude; die Christen haben das oft vergessen. Er hat nicht alle Sprachen gesprochen und verstanden. Er ist in vielen Punkten "Kind seiner Zeit" gewesen.
In den Grenzen seines Lebens hat Jesus aber eine universale Ausstrahlung entfaltet. Er hat als Person und mit seiner Botschaft Menschen aller Völker ansprechen können. Die neutestamentliche Bibel, die seine Geschichte und seine Worte weitergibt, ist in alle Sprachen übersetzt; sie ist wohl das am meisten verbreitete Buch überhaupt geworden. Jesus hat die menschlichen Grunderfahrungen miterlebt - den Weg vom Kindsein bis zum Tode; er war mit den elementaren Situationen der Menschen vertraut. Deshalb kann er allen nahe kommen.
Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Interview, das der jüdische Schriftsteller und Nobelpreisträger Isaac Bashevis Singer (1904-1991) gegeben hat. Er sprach davon, dass öfter junge Leute, Studenten, zu ihm kommen und fragen, wie sie es machen sollten, um es zu einem guten Schriftsteller zu bringen. Singer meinte, er sage ihnen, dass sie sich nicht mit Gewalt und nicht zu weit weg von ihrem menschlichen Wurzelboden entfernen sollten. Möglichst Kontakt halten zu den eigenen Ursprüngen ("stay with it" -"bleib dran"!). Singer selbst hat den Nobelpreis in Literatur 1978 für Werke erhalten, die er zunächst in seiner Muttersprache, in Jiddisch, verfasst hatte, in einem (leider) nur noch von Wenigen gesprochenen Dialekt des Ostjudentums. Aber in dieser an sich begrenzten Ausdrucksform war er er selbst, konnte er Originelles und weltweit Bedeutendes schaffen.
Stammbaum Jesu Christi: Jesus eingesenkt in das Wurzelgeflecht der Menschheit! So ist er der Erlöser geworden. Aus dem Inneren der Menschheitsgeschichte her hat er uns einen Weg gebahnt: den Weg zu Gott, dem Vater, und den Weg zu den Mitmenschen. Auf diesen Weg können wir uns mitnehmen lassen.
Aus:
Augustin Schmied, Lichter, die uns begleiten. Gedanken zu den christlichen Festen, veröffentlicht im Dezember 2012 hier im Downloadbereich des Predigtforums.
In dieser Nacht öffnet sich der Himmel
um für immer offen zu bleiben.
In dieser Nacht berührt der Himmel die Erde,
um sie für immer zu verwandeln.
In dieser Nacht ist Gott Mensch geworden,
um sich auf ewig mit uns zu verbinden.
In dieser Nacht ist alles anders.
Für einen Augenblick
hält die Welt den Atem an.
Einsame und Verzweifelte,
Enttäuschte und Unzufriedene,
Starke und Selbstsichere,
Erfolgreiche und Glückliche
staunen über das Kind in der Krippe.
Gott wird Mensch.
Udo Hahn

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