Um die Geburt Jesu werden uns Geschichten erzählt, die zunächst unglaublich klingen. Was können wir davon glauben? Bei einem Geburtstagsfest feiern wir die ganze Persönlichkeit, wie sie vor uns steht, nicht das Baby, das er oder sie einmal war. Zu Weihnachten zeigen wir unsere Dankbarkeit, dass Gott uns diesen Jesus gegeben hat, indem wir unseren Retter, Messias und Sohn Gottes erkennen.
Wir sind gewohnt, Weihnachten als idyllisches Fest zu feiern. Die aktuelle Realität ist aber anders. Das weihnachtliche Friedenslicht ist ein Zeichen, dass wir trotzdem hoffen dürfen.
Weihnachten ist für viele Kreise unserer Gesellschaft zu einem Fest geworden, das praktisch nichts mehr mit dem christlichen Glauben zu tun hat. Man mag es beklagen, aber das hat auch einen Vorteil. Es kann auf neue, sozusagen unverbrauchte Weise ans Licht treten, was die Botschaft von Weihnachten im christlichen Sinne bedeutet. Und ich scheue mich nicht, zu behaupten: es ist eine provozierende, ja eigentlich eine total verrückte Botschaft.
Überlegen wir nur kurz Folgendes: wir Menschen leben auf dem Planeten Erde. Dieser Planet ist ein kleiner Teil unseres Sonnensystems, das seinerseits eher am Rand einer Galaxie angesiedelt ist, die wir Milchstraße nennen. Aber auch diese Milchstraße ist gleichsam nur ein Stäubchen, wenn sie verglichen wird mit der unzählbaren Größe und Menge von Sternensystemen die es sonst im Weltall gibt. Und zwischen diesen Sternensystemen gähnen Abstände und Abgründe scheinbar ohne Ende.
Unser Weltall ist so groß, dass auch die Instrumente modernster Wissenschaft es nicht auszumessen vermögen. Es ist so gewaltig, dass wir es mit unserer ganzen Vorstellungskraft nicht einholen können. In diesem ungeheuren Weltall leben wir nun auf einem winzigen Planeten und wenn wir uns das vor Augen halten, müssen wir uns dann nicht selber als Winzlinge einstufen? Und gerade auf diesen Planeten, gerade zu uns Winzlingen soll Gott kommen, jener Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, der also noch gewaltiger, noch unvorstellbarer sein muss als das ganze Weltall. Ist das nicht wirklich ver-rückt?
Ja, so verrückt ist die Botschaft vom christlichen Weihnachten. Sie besagt: Gott, der Ursprung und Schöpfer ist von allem, der selber aber ohne Anfang und Ende, sondern einfach von Ewigkeit zu Ewigkeit ist, dieser Gott kommt als ein kleines, unscheinbares Kind in unsere Welt.
Das verändert nun unsere Lebenssituation total. Wir Menschen sind keine erbärmlichen Winzlinge. Wir sind kein verlorener Haufe, der ziellos im Universum herumirrt und einem blinden Schicksal ausgeliefert ist - nein: wir Menschen sind geschaffen und gehalten von dem, den wir Gott nennen.
Und dieser Gott ist uns nicht fern. Er ist nicht irgendwo verborgen hinter den Lichtjahren der Sternbilder, sondern er ist uns ganz nahe. Er ist selber Mensch geworden. Er hat sich ganz klein gemacht. Er wurde ein Kind, um eben ganz so zu sein, wie wir Menschen sind.
Wenn aber der unendliche Gott so den Weg zu uns endlichen Menschen geht und selber alles durchlebt was zum Menschsein gehört, von der Geburt bis zum Tod und bis zum Tod am Kreuz, dann bedeutet das: jeder Mensch ist nun ebenfalls von der Geburt bis zum Tod von Gott angenommen und gehalten. Und allen Menschen, wann und wo immer sie auf dieser Welt gelebt haben mögen, will Gott seine Gemeinschaft und eine Vollendung schenken, die alles übersteigt, was wir uns vorstellen können. Deshalb kann das Evangelium dieser Nacht verkünden: "Fürchtet euch nicht; ich bringe euch große Freude; heute ist euch der Retter geboren".
Eigentlich kennen wir diese Botschaft. Sie klingt vertraut, denn wir hören sie alle Jahre wieder an Weihnachten. Und dennoch enthält sie etwas so Großes, dass wir sie niemals ganz zu fassen vermögen, sondern uns immer wieder neu auf sie einlassen müssen. Erst wenn wir diese Botschaft in unseren Herzen ankommen lassen und in Glauben umwandeln, wird sie in uns selber drin aufstrahlen als ein Licht, das alles verändert und unserem Leben unzerstörbaren Sinn und Halt gibt. Glaube, das bedeutet, dass das Kind, dessen Geburt wir heute Nacht feiern, dass dieser Jesus Christus für uns zum Leitstern wird, auf den hin wir das Leben ausrichten und dem wir es ganz anvertrauen.
Wir leben auf dem winzigen Planeten Erde als Menschen, die vergänglich sind. Und die Wissenschaftler sagen uns, dass das Weltall, in dem wir leben, mit rasender Geschwindigkeit immer weiter auseinander fliegt, dass also die Abstände und Abgründe immer unendlicher werden, die Löcher immer tiefer, die Finsternis immer gähnender. Aber wir dürfen fest glauben, dass da Einer ist, der das alles zusammenhält, dass in seiner Hand das ganze große Weltall und jedes kleine Menschenleben geborgen sind. Wir dürfen ihm jetzt begegnen als einem neu geborenen Kind und ihn in der Eucharistie empfangen als das Brot, das uns winzigen Menschen ewiges Leben verheißt. Deshalb ist diese Nacht für uns Christen heilige Nacht, Weihnacht.
GL 159: Licht, das uns erschien...
GL 163,3
Oder:
Herr Jesus Christus,
geboren im Stall von Bethlehem, in tiefster Armut.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du Retter der Welt aus tiefster Dunkelheit.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du Erlöser aus tiefster Schul:
Herr, erbarme dich.
GL 159: Licht, das uns erschien
Oder:
Herr,
du fürchtest die Nacht nicht.
Du kommst und machst sie hell.
Herr, erbarme dich.
Was finster ist bei uns, bringen wir dir
Wir vertrauen dir unsere Schuld an.
Christus, erbarme dich.
Der Lobpreis der Engel erfüllt Himmel und Erde.
Du weist uns den Weg zur Krippe.
Herr, erbarme dich.
Herr, unser Gott,
in dieser hochheiligen Nacht
ist uns das wahre Licht aufgestrahlt.
Laß uns dieses Geheimnis
im Glauben erfassen und bewahren,
bis wir im Himmel
den unverhüllten Glanz deiner Herrlichkeit schauen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Weihnachten in der Nacht
Allmächtiger Gott,
in dieser heiligen Nacht
bringen wir dir unsere Gaben dar.
Nimm sie an
und gib, daß wir durch den wunderbaren Tausch
deinem Sohn gleichgestaltet werden,
in dem unsere menschliche Natur
mit deinem göttlichen Wesen vereint ist.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Weihnachten in der Nacht
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn Fleisch geworden ist das Wort,
und in diesem Geheimnis
erstrahlt dem Auge unseres Geistes
das neue Licht deiner Herrlichkeit.
In der sichtbaren Gestalt des Erlösers
läßt du uns den unsichtbaren Gott erkennen,
um in uns die Liebe zu entflammen
zu dem, was kein Auge geschaut hat.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 1
Herr, unser Gott,
in der Freude über die Geburt unseres Erlösers
bitten wir dich:
Gib uns die Gnade, ihm unser ganzes Leben zu weihen,
damit wir einst Anteil erhalten
an der ewigen Herrlichkeit deines Sohnes,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Weihnachten in der Nacht
Die Öffentlichkeit steht im Bann permanenter Krisenberichterstattung. Kriege, Konflikte und Gewalt bestimmen die Schlagzeilen. Doch es gibt auch positive Nachrichten: Die Armut sinkt, der Kampf gegen die schlimmsten Krankheiten zeitigt Erfolge, und die Welt hat endlich ein Klimaabkommen. Ein Überblick.
Tageszeitung Die Presse am 18.12.2015.
http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/4890660
Alttestamentler Georg Braulik im "Kärntner Sonntag": Altes Testament liefert Impulse für das Engagement im Bereich Asyl
Wien, 17.12.2015 (KAP) Das Alte Testament der Bibel liefert in der vorweihnachtlichen Zeit im Blick auf die Herbergssuche Impulse für das Engagement bei der Versorgung und Unterbringung von Flüchtlingen: "Im Deuteronomium heißt es, »Gott liebt die Fremden und gibt ihnen Nahrung und Kleidung - auch ihr sollt die Fremden lieben«", zitierte der renommierte Wiener Alttestamentler Georg Braulik aus dem 5. Buch Moses in der aktuellen Ausgabe des "Kärntner Sonntag". Fremdenliebe sei in dem Abschnitt also als "Nachahmung Gottes" dargestellt, so Braulik.
Der Text aus dem 10. Kapitel des Buches ist aber nicht die einzige Stelle, die sich auf den Umgang mit "den Fremden" bezieht. Braulik verwies auf das Kapitel 23: "Wenn ein fremder Sklave aus welchen Gründen auch immer seinem Herrn entflieht, dann muss er in Israel aufgenommen werden". Dabei komme ihm das Privileg zu, sich einen Wohnort aussuchen zu können. "Das alles ist einmalig im Alten Orient. Der Fremde und Flüchtling soll in Israel, im Volk Gottes, als gleichberechtigter Bruder behandelt werden."
Grundsätzlich habe "der Fremde" auch im Alten Orient mit den Witwen und Waisen seinen Platz in den sozialen Randgruppen. Der Alttestamentler erklärte dies mit dem Fehlen von Bodenbesitz, "womit ihnen in einer agrarischen Gesellschaft auch die Existenzgrundlage fehlt". Vorschriften, wie jene aus dem Buch Deuteronomium, holten "die Fremden" aus dieser Position am Rand der Gesellschaft in deren Mitte zurück. Mit Almosen habe das aber wenig zu tun. "Es geht hier um Rechtsvorschriften, also um ein Recht, das jenen am Rande der Gesellschaft zukommt."
Beispiel dafür sei etwa die Regelung, "dass der Zehnte, der normalerweise an den Tempel abgeliefert wurde, in jedem dritten Jahr im Wohnort verbleibt und der Ernährung der Fremden, Witwen und Waisen dient", so der Benediktinerpater. Durch diese und andere Maßnahmen konstruiere das Buch Deuteronomium schließlich eine Gesellschaft ohne Arme. "Nicht zuletzt haben Fremde, Witwen und Waisen teil an den Höhepunkten des Lebens, den gemeinsamen Festen im Jerusalemer Heiligtum. Und erst in ihrer Gemeinschaft kommt es zur Freude Gottes."
Ziel der Gebote sei in der Bibel immer das Fortbestehen der Gemeinde. Braulik: "Sie sind als dankbare Antwort auf die Rettung aus der Sklaverei zu verstehen und sind die Voraussetzung, um die gewonnene Freiheit auf allen Gebieten des Lebens bewahren zu können."
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Am Samstag vor dem ersten Advent leitete ich einen Besinnungstag für Religionslehrer in einem Städtchen im Badischen. Wir waren in einer kleinen Kirche mitten am Marktplatz - und um uns herum war der Weihnachtsmarkt in vollem Gange. Vom Karussell dudelte »Jingle Beils« herüber, man hörte fröhliches Stimmengewirr, drüben sang ein Kinderchor »Leise rieselt der Schnee«. In einer Pause stand ich zufällig mit dem Pfarrer zusammen, dessen Pfarrhaus am Rande des Marktplatzes steht. »Geht das die ganzen vier Wochen so?«, fragte ich mitfühlend. »Ja«, seufzte er, »mit der Stille ist es vorbei, wenn die Blasmusik 'Stille Nacht' spielt ...« Es war seltsam, aber dieser Satz ließ mich die folgenden Tage nicht mehr los: »Mit der Stille ist es vorbei, wenn die Blasmusik 'Stille Nacht' spielt.« Wie ist das denn tatsächlich mit der »Stille der Heiligen Nacht«?
Die Wochen vor dem Fest sind für die meisten wohl alles andere als still. Viele Erwartungen und Hoffnungen werden mit Weihnachten verbunden. Manchmal scheint es fast so, als ob das »schöne Fest« zum Jahresende all das wettmachen soll, was im Laufe des Jahres eben nicht »schön« war. Und dann soll Weihnachten das »perfekte Fest« werden - mit viel Freude und viel Fröhlichkeit! Stille Nacht? Das ist eigentlich eher nicht vorgesehen.
Nichts gegen ein schönes Fest, nichts gegen liebe Fröhlichkeit! Ich genieße den Heiligabend auch mit Freunden, einem guten Essen. Aber dafür bräuchte es nicht unbedingt Weihnachten, das geht auch am Geburtstag oder bei der Feier einer Goldenen Hochzeit.
Ob Weihnachten und Stille vielleicht doch etwas miteinander zu tun haben, wenn es mehr als »nur« ein schönes Fest sein soll? »Stille Nacht, heilige Nacht...«? Könnte das die Spur sein?
Immer dann und dort, wo etwas »Heiliges« ins Spiel kommt, wenn man sich vom Heiligen berühren lässt, da verstummt man, wird man leise. Das ist so, als ob die Seele auf einmal ins Lauschen kommt, ins Lauschen auf nie gehörte Worte, ungesungene Melodien, Klänge und Töne. Um das aber erlauschen zu können, muss es still sein, still um mich herum, aber auch still in mir. Es gibt solche Momente im Leben. Das kann der Augenblick sein, wenn eine Mutter ihr neugeborenes Kind im Arm hält oder Liebende sich einfach anschauen und verstehen. Das kann der Regenbogen sein, der am Himmel steht - oder ein Sonnenuntergang am Meer, Momente, in denen ich ganz still werde und mich vom Heiligen berühren lasse.
Ein »heiliger Abend« ohne solche »heiligen Momente« wäre nicht anders als jedes andere Fest.
Klar - ich kann solche heiligen Momente nicht »machen«, sie sind immer Geschenk. Aber ich kann wenigstens die Voraussetzungen dafür schaffen, indem ich bewusst in diesen Stunden der Freude und der Gemeinschaft auch einmal die Stille suche. Das kann der Moment beim Anzünden einer Kerze sein, der liebevolle Blick auf das schlafende Kind, der kurze Gang vor die Haustür und der Blick in den Sternenhimmel, auch das »Gänsehaut-Gefühl«, wenn der Kirchenchor das »Transeamus« anstimmt - Momente, in denen das Heilige mich vielleicht berühren kann.
Was aber ist mit denen, für die die Heilige Nacht bereits viel zu still ist? Mit denen, die einsam zu Hause sitzen, weil sie keinen Menschen haben? Mit denen, die sich an diesem Abend nicht freuen können, weil sie um einen Partner, ein Kind, einen Freund trauern? Mit denen, die den Heiligen Abend im Krankenhaus verbringen müssen, vielleicht voll Sorge in die Zukunft schauen? Diese Stille ist nicht immer leicht auszuhalten - und sie soll auch nicht billig weggetröstet werden. Aber vielleicht sind diese Menschen dem Geheimnis dieser Nacht näher als so mancher, der »nur« ein schönes Fest feiert: »Alles schläft, einsam wacht nur das traute hochheilige Paar ... Christ, der Retter ist da!« Jesus Christus kann nur dort »ankommen«, wo man ihn braucht, wo man seiner bedarf. Es waren die Hirten, die in der Stille der Nacht bei ihren Herden gewacht haben, die die Botschaft des Engels gehört haben. Die Bevölkerung von Betlehem hat das eigentliche Ereignis dieser Nacht verschlafen.
»Während tiefes Schweigen alles umfing und die Nacht in ihrem schnellen Lauf bis zur Mitte vorgerückt war, da sprang dein allmächtiges Wort vom Himmel her, vom königlichen Thron« (Buch der Weisheit 18,14-15a) - der Heiligabend braucht die Stille und das Wach-Sein, um für mich zur Heiligen Nacht werden zu können.
Aus: Andrea Schwarz, Gib dem Engel eine Chance. Gedanken und Geschichten zu Weihnachten. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2013.
Du höchstes Licht, du ewger Schein,
du Gott und treuer Herre mein,
von dir der Gnaden Glanz ausgeht
und leuchtet schön so früh wie spät.
Das ist der Herre Jesus Christ,
der ja die göttlich Wahrheit ist,
mit seiner Lehr hell scheint und leucht‘,
bis er die Herzen zu sich zeucht.
Er ist das Licht der ganzen Welt,
das jedem klar vor Augen stellt
den hellen, schönen, lichten Tag,
an dem er selig werden mag.
Den Tag, Herr, deines lieben Sohns
lass stetig leuchten über uns,
damit, die wir geboren blind,
doch werden noch des Tages Kind‘
und wandeln, wie’s dem wohl ansteht,
in dessen Herzen hell aufgeht
der Tag des Heils, die Gnadenzeit,
da fern ist alle Dunkelheit.
Zuletzt hilf uns zur heilgen Stadt,
die weder Nacht noch Tage hat,
da du, Gott strahlst voll Herrlichkeit,
du schönstes Licht in Ewigkeit.
O Sonn der Gnad ohne Niedergang,
nimm von uns an den Lobgesang,
auf dass erklinge diese Weis
zum Guten uns und dir zum Preis.
Johannes Zwick (1545), in: L EG 441
Originaltext:
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Alles schläft. Einsam wacht
Nur das traute heilige Paar.
Holder Knab’ im lockigen Haar,
Schlafe in himmlischer Ruh!
Schlafe in himmlischer Ruh!
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Gottes Sohn! O! wie lacht
Lieb’ aus deinem göttlichen Mund,
Da uns schlägt die rettende Stund’.
Jesus! in deiner Geburt!
Jesus! in deiner Geburt!
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Die der Welt Heil gebracht,
Aus des Himmels goldenen Höh’n
Uns der Gnade Fülle lässt seh’n
Jesum in Menschengestalt!
Jesum in Menschengestalt!
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Wo sich heut alle Macht
Väterlicher Liebe ergoss
Und als Bruder huldvoll umschloss
Jesus die Völker der Welt!
Jesus die Völker der Welt!
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Lange schon uns bedacht,
Als der Herr vom Grimme befreyt,
In der Väter urgrauer Zeit
Aller Welt Schonung verhieß!
Aller Welt Schonung verhieß!
Stille Nacht! Heilige Nacht!
Hirten erst kundgemacht
Durch der Engel „Halleluja!“
Tönt es laut bey Ferne und Nah:
„Jesus der Retter ist da!“
„Jesus der Retter ist da!“
Gebräuchliche Fasssung:
Stille Nacht, heilige Nacht!
Alles schläft, einsam wacht
Nur das traute, hochheilige Paar.
Holder Knabe im lockigen Haar,
Schlaf in himmlischer Ruh,
Schlaf in himmlischer Ruh.
Stille Nacht, heilige Nacht!
Gottes Sohn, o wie lacht
Lieb aus deinem göttlichen Mund,
Da uns schlägt die rettende Stund,
Christ, in deiner Geburt,
Christ, in deiner Geburt.
Stille Nacht, Heilige Nacht!
Hirten erst kundgemacht,
Durch der Engel Halleluja.
Tönt es laut von fern und nah:
Christ, der Retter ist da,
Christ, der Retter ist da.
Gotteslob 1975.
Jesus ist die Gabe Gottes, eine unvergleichliche Gabe: empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria. Das ist der Kern der Botschaft, die auf den ersten Seiten des Evangeliums nach Matthäus und Lukas zum Ausdruck kommt.
In Jesus hat Gott unser Fleisch angenommen: Im Hebräischen bezeichnet das Wort »Fleisch« den ganzen Menschen in seiner Hinfälligkeit, die ganze Person, insofern sie schwach und vergänglich ist. Im Leib seiner Mutter geformt, wurde Jesus nackt geboren; Maria und Josef liebten ihr Kind, da er wie alle Menschenkinder lachte und weinte. In ihm nahm Gott die Augen eines Kindes an, und mit seinen kleinen Füßen musste Jesus lernen, die Wege der Menschen zu gehen.
Unser Glaube, Herder-Verlag,1990.
... Die Menschen träumten Gottes Traum nicht mit. War Gottes Traum ausgeträumt?
Gott wagte noch mehr! Er wagte das Äußerste. Er ging selbst, Mensch unter Menschen, in sein Volk hinein und lebte seinen Traum in einem Menschen, in Jesus von Nazareth. Aller Entwurf Gottes sammelte sich in ihm: Hier war das neue Herz! Die Kraft Gottes ging von ihm aus, wer ihn berührte, wurde heil. Hier war der Keim des Gottesreiches auf Erden. Hier war der Mensch, der ganz Gott vertraute, der ganz mit Gott lebte. An dieser Stelle brach in der düsteren Menschengeschichte der Gewalt das Licht durch, die Dämonen flohen vor ihm.
Die Menschen, besonders die Kleinen, die Armen, spüren es. Sie sammelten sich um ihn am Ufer des galiläischen Meeres. Sie lauschten seinen Worten, in denen er die Grundsätze des Gottesreiches verkündete, den Traum Gottes wie sein Volk mitten unter den Völkern und für die Völker leben sollte: "Selig, die keine Gewalt anwenden; selig, die Frieden stiften, selig, die Barmherzigen..." Wenn ihr von Gott geliebt seid, so verkündete er, unendlich geliebt, habt ihr dann nicht alles? Wenn ihr Söhne und Töchter Gottes seid, seine Geliebten, was kann euch da noch fehlen? Was müsst ihr dann noch krampfhaft festhalten? Wenn ihr den Schatz im Acker gefunden habt, wenn ihr, so würden wir heute sagen, das große Los gezogen habt, dann könnt ihr alles andere loslassen. Wenn euch dann einer den Mantel nimmt, dann lasst ihm auch noch den Rock; wenn euch dann einer auf die rechte Wange schlägt, dann haltet ihm auch die andere hin. Dann könnt ihr sogar den Feind lieben, denn ihr seid doch in der großen Freude, ihr seid doch von Gott unendlich geliebt, von ihm, der seine Sonne aufgehen lässt über Gute und Böse.
Johannes Bours, Der Mensch wird des Weges geführt, den er wählt, Freiburg 1986.
In dieser Nacht öffnet sich der Himmel
um für immer offen zu bleiben.
In dieser Nacht berührt der Himmel die Erde,
um sie für immer zu verwandeln.
In dieser Nacht ist Gott Mensch geworden,
um sich auf ewig mit uns zu verbinden.
In dieser Nacht ist alles anders.
Für einen Augenblick
hält die Welt den Atem an.
Einsame und Verzweifelte,
Enttäuschte und Unzufriedene,
Starke und Selbstsichere,
Erfolgreiche und Glückliche
staunen über das Kind in der Krippe.
Gott wird Mensch.
Udo Hahn
Wie der heilige Franz
an der Krippe
knien
und nur noch eines
sehen
das Kind und das Leben.
Wie Ochs und Esel
an der Krippe
stehen
und nur noch eines
fühlen
das Kind und das Leben
Wie die heilige Maria
an der Krippe liegen
und nur noch eines
gebären
das Kind und das Leben
Wie der heilige Josef
an der Krippe
sitzen
und nur noch von einem
träumen
vom Kind und vom Leben
P. Anton Rotzetter
Suchen und finden,
den Weg durch die Wüste,
über manchen Umweg,
vom Stern geführt,
im Traum bestätigt.
Gesucht und gefunden,
das Haus des Brotes,
das Kind und die Mutter,
die Wiege des Lebens,
das Ziel der Sehnsucht.
Suchen und finden,
den Ort, wo die Kronen abgelegt,
die Knie gebeugt,
die Hände gefaltet,
die Herzen weit geöffnet werden.
Gesucht und gefunden,
die dargebrachten Schätze,
das Gold der Sehnsucht,
den Weihrauch der Hingabe,
die Myrrhe der Schmerzen.
Suchen und finden,
den anderen Heimweg
durch unbekannte Gefilde,
doch mit einer Zuversicht im Herzen,
die unwiderruflich ist für immer.
Gesucht und gefunden,
die wahre Größe,
die sich zeigt in der Zuneigung,
wo die Schenkenden
reich Beschenkte sind.
Paul Weismantel.
Mit den Hirten will ich gehen,
meinen Heiland zu besehen,
meinen lieben heilgen Christ,
der für mich geboren ist.
Mit den Engeln will ich singen,
Gott zur Ehre soll es klingen,
von dem Frieden, den er gibt,
jedem Herzen, das ihn liebt.
Mit den Weisen will ich geben,
was ich Höchstes hab im Leben,
geb zu seligem Gewinn,
ihm das Leben selber hin.
Mit Maria will ich sinnen
ganz verschwiegen und tief innen
über dem Geheimnis zart:
Gott im Fleisch geoffenbart.
Mit dir selber, mein Befreier,
will ich halten Weihnachtsfeier;
komm, ach komm ins Herz hinein,
laß es deine Krippe sein.
Emil Quandt (1880), EG 544 (Ausgabe Rheinland).
Als der Jesusknabe im Stall von Bethlehem geboren wurde und die vielen Leute kamen, um sich mit den Eltern zu freuen, das war der Esel einfach froh, dass er sich mit seinem grauen Fell tief im Schatten verstecken konnte. Er war nicht für den großen Auftritt vor der Welt geschaffen. Seine Ohren waren zu groß geraten und seine Beine zu kurz. Weder war er ein feuriger Rappe noch ein strahlender Schimmel, sondern einfach ein Grautier. Die Welteroberer und Herrscher lieben Rosse und Wagen, die Kaufleute aus dem fernen Saba die hochnäsigen Kamele. Er aber war nur der Lastenträger in den Dörfern und der geduldige Esel für die Fußfaulheit der kleinen Leute. Jetzt ließ er den Kopf hängen und sein Fell wurde noch ein wenig grauer als sonst, da er seinen Alltag und das Leben überhaupt meditierte. Er wurde zwar immer wieder gebraucht, er wurde auch geschätzt, weil er so brauchbar war, aber er wurde nie hofiert. Das Leben war schon seltsam, ... irgendwie ungerecht. Und wenn er müde war und nicht mehr wollte und nicht mehr konnte, dann gab es Schläge, damit er doch weiter trottete. Es war kein fauler Esel, ... er war ein dummer Esel, ... eben ein ... Esel.
Der Gesang der Engel verfolgte ihn bis in seine Träume und auch die Freude der Hirten und Geschenke der weisen Männer, die von einem so besonderen Stern erzählten, der sie bis in seinen Stall geführt hatte. Das muss schon ein besonderes Kind sein, aber er war nicht Besonderes und so passten sie beide kaum zueinander. Es ist nicht gut, sich falsche Träume zu machen, dachte er. Denk daran: du bleibst ein kleiner grauer Esel und wirst nie ein bunter Vogel.
Dann kam der Tag, an dem der Mann ihn so seltsam anschaute und mit der Mutter sprach, dass sie ganz schnell von hier weg mussten. Und sie packten ihre sieben Sachen und der Mann setzte die Mutter und das Kind auf seinen Rücken. Der kleine Esel seufzte, jetzt hat der Alltag wieder begonnen. Als der Knabe beim Trott der vielen Schritte langsam müde wurde, fiel sein kleiner Kopf auf den Nacken seines Reittieres und die Haare dort kitzelten in seiner Nase und er musste niesen. Dem Eselchen sträubten sich vor Schreck die Haare, so dass sie wie eine Bürste senkrecht zu Berge standen. Das gefiel dem Kleinen. Er streichelte die Haare immer wieder und dann legte er seine Arme ganz eng um den Hals und schlief wieder ein.
Als sie am Abend in einem Gehöft am Wege rasteten war der Esel immer noch ganz aufgeregt. Der kleine Knabe hatte Freude an ihm gehabt. Er hatte sich an ihn gekuschelt und ihn umarmt. Das machte den Esel richtig stolz und seine Nackenhaare standen vor Aufregung auch jetzt noch senkrecht. Als er dann in einer Glitzerscheibe sein Spiegelbild sah, wollte er es kaum glauben: Die Nackenhaare waren auf einmal schwarz und da wo der Knabe seine Arme um seine Schultern gelegt hatte, war auch sein Fell schwarz geworden. Der Knabe hatte ihm ein Siegelzeichen eingebrannt.
Dass der kleine Knabe damals so viel Freude und Vertrauen zu ihm hatte, das hat der Esel nie vergessen und bis heute ist er bis in die Schwanzspitze hinein mächtig stolz auf das Kreuz auf seinem Rücken.
Abt Albert Altenähr OSB, Weihnachtsbrief der Abtei Kornelimünster.
Denk daran,
wo immer du dich niederlässt:
Er ist schon da!
Der dich getragen, geprägt,
geführt und befreit hat.
Er ist schon dort.
Der dich in Ungeahntes,
Neues führt.
Er ist schon dort.
Geh mit ihm. Erfahr ihn,
wie du es nie geglaubt.
Er ist schon dort.
Geh - du bist nicht verlassen.
Der Herr zieht mit.
Bernhard von Clairvaux
Die Rede vom Geruch der Schafe, die Papst Franziskus losgelassen hat, trifft die Mitte des Evangeliums. Der menschgewordene Gott offenbart sich zuerst den Hirten. Sie verkörpern die Armen am Rande der Gesellschaft. Die Kirche und mit ihr unsere ganze westliche Gesellschaft wird gut tun, sich der Armen zu erinnern und sich ihnen zuzuwenden und sich so ihrer Wurzeln zu erinnern.
GL 159: Licht, das uns erschien
oder GLÖ: 722,2
Oder:
Herr, Jesus Christus,
du bist als die Güte und Menschenliebe Gottes, unseres Retters, erschienen.
Herr, erbarme dich.
Engel haben den Hirten diese große Freude verkündet.
Christus, erbarme dich.
Hirten haben die Größe Gottes erkannt
und ihn gepriesen für das, was sie gehört und gesehen hatten.
Herr, erbarme dich.
GL 159: Licht, das uns erschien
Oder:
Herr, Jesus Christus,
du bist in die Welt gekommen, um alle Finsternis zu vertreiben.
Kyrie eleison.
Du schenkst uns das Licht des Glaubens.
Christe eleison.
Du hast uns berufen, als Kinder des Lichtes zu leben.
Kyrie eleison.
Allmächtiger Gott,
dein ewiges Wort ist Fleisch geworden,
um uns mit dem Glanz deines Lichtes zu erfüllen.
Gib, daß in unseren Werken widerstrahlt,
was durch den Glauben in unserem Herzen leuchtet.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
MB Weihnachten am Morgen
Himmlischer Vater,
erfülle die Gaben dieser Erde mit deinem Segen,
damit sie das Geheimnis dieses Tages darstellen:
Wie Christus
als neugeborener Mensch und als wahrer Gott
vor uns aufleuchtet,
so laß uns durch diese irdische Speise
das göttliche Leben empfangen.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Weihnachten am Morgen
(für Wortgottesdienstfeiern)
Kehrvers:
Dankt dem Vater mit Freude, er schenkt uns seinen Sohn. (GL 633,8)
Großer, unbegreifbarer Gott,
wir wollen dir unsere Freude und unseren Dank zum Ausdruck bringen,
denn in Jesus von Nazareth ist dein ewiges Wort Fleisch geworden
und hat mitten unter uns gewohnt.
Kehrvers
Er ist das Leben, und das Leben ist das Licht der Menschen.
in ihm kam das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, in die Welt.
Kehrvers
Allen die ihn aufnahmen, gabst du die Macht, Kinder Gottes zu werden.
Er hat die Reinigung von den Sünden bewirkt
Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade über Gnade.
Kehrvers
Alle Enden der Erde sehen nun das Heil unseres Gottes.
Darum jubelt heute der ganze Erdkreis
und stimmt mit den Engeln und Heiligen ein in den Lobpreis der Schöpfung:
Danklied: z. B.: Lobt Gott, ihr Christen alle gleich (GL 247)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn Fleisch geworden ist das Wort,
und in diesem Geheimnis
erstrahlt dem Auge unseres Geistes
das neue Licht deiner Herrlichkeit.
In der sichtbaren Gestalt des Erlösers
läßt du uns den unsichtbaren Gott erkennen,
um in uns die Liebe zu entflammen
zu dem, was kein Auge geschaut hat.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn groß ist das Geheimnis seiner Geburt,
heute ist er, der unsichtbare Gott,
sichtbar als Mensch erschienen.
Vor aller Zeit aus dir geboren,
hat er sich den Gesetzen der Zeit unterworfen.
In ihm ist alles neu geschaffen.
Er heilt die Wunden der ganzen Schöpfung,
richtet auf, was darniederliegt,
und ruft den verlorenen Menschen
ins Reich deines Friedens.
Darum rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen
singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dein Erbarmen zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn schaffst du den Menschen neu
und schenkst ihm ewige Ehre.
Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen:
dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch,
und wir sterbliche Menschen
empfangen in Christus dein göttliches Leben.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 3
Herr, unser Gott,
die Menschwerdung deines Sohnes
erfülle uns mit Freude und Dank.
Laß uns dieses unergründliche Geheimnis
im Glauben erfassen und in tätiger Liebe bekennen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Weihnachten am Morgen
Der barmherzige Gott hat durch die Geburt seines Sohnes die Finsternis vertrieben
und (diese Nacht) diesen Tag erleuchtet mit dem Glanz seines Lichtes;
er mache eure herzen hell mit dem Licht seiner Gnade. - Amen.
Den Hirten ließ er durch den Engel die große Freude verkünden;
mit dieser Freude erfülle er euer ganzes Leben. - Amen.
In Christus hat Gott Himmel und Erde verbunden;
durch ihn schenke er allen Menschen guten Willens seinen Frieden,
durch ihn vereine er euch mit der Kirche des Himmels. - Amen.
Das gewähre euch der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohne und der Heilige Geist. - Amen.
MB Weihnachten
Am Ende unseres Gottesdienstes gehen unsere Wege wieder auseinander.
Jeder von uns hat einen eigenen Weg.
Hört die Segensworte des Propheten Jesaja:
Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten,
der Frieden ankündigt,
der eine frohe Botschaft bringt und Rettung verheißt,
der zu Zion sagt: Dein Gott ist König.
Horch, deine Wächter erheben die Stimme,
sie beginnen alle zu jubeln.
Denn sie sehen mit eigenen Augen,
wie der Herr nach Zion zurückkehrt.
Gott, der euch liebt,
strahle euch mit dem Lächeln eines Kindes an.
Gott, der ein gutes Wort für euch hat,
mache eure Herzen leicht.
Gott, der eure Wege begleitet,
schenke euch Frieden.
Im Namen …
Amen.
Ein kleines Mädchen wurde einmal von seiner Großmutter gefragt, ob es ihr ein Bild von Gott malen könnte. Die Kleine sagte: "Malen kann ich dir den lieben Gott nicht, aber ich kann dir sagen, wie er aussieht". "So", meinte die Großmutter, "wie sieht er denn aus?" "Er ist sehr groß - und sehr klein", antwortete das Mädchen. "Am Morgen reckt er sich ganz hoch auf, damit er alles gut sehen kann. Aber für die, die sich eh schon vor ihm fürchten, da macht er sich ganz klein - so klein wie ich. Nur für die frechen Leut', da ist er immer sehr groß". Das Kind hat etwas Richtiges erfasst. Gott ist groß und klein; ja gerade seine Größe, seine Souveränität, besteht darin, dass er auch "klein" sein kann; dass er eine gewisse Schwäche in Kauf nehmen kann. Er muss sich nicht ständig aufs Podest stellen. Er kann es sich leisten, arm und bedürftig zu erscheinen, in seiner Liebe. "Die Liebe fürchtet sich nicht vor ihrer eigenen Ohnmacht; darin ist sie allmächtig", so hat einmal jemand formuliert (Eberhard Jüngel). Wahre Liebe ist bereit, auf eine Stärke zu verzichten, die Zwang ausüben würde; denn sie will nicht überwältigen, sondern sucht die freie Zuwendung des anderen. Aber gerade so erweist sich ihre wahre Macht.
Den Hirten wird in der Heiligen Nacht gesagt: "Das soll euch zum Zeichen sein: ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Futterkrippe liegt" (Lk 2,12). Es käme darauf an, die Sprache zu hören, in der Gott in diesem Zeichen zu uns spricht. Es ist eine Sprache, die sich fortgesetzt hat im gesamten Leben und Wirken Jesu. Es ist die Sprache des Respekts vor unserer Freiheit, die Sprache einer gewaltlosen Liebe, die Sprache des uns geschenkten Vertrauens. Wenn wir diese Sprache verstehen, kann auch für uns die Zusage wahr werden: "Heute ist euch der Retter geboren, der Heiland, Jesus, der Bruder und Herr!" (Lk 2,11).
Augustin Schmied CSsR, Lichter die uns begleiten 2012.
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Sie selbst wäre als Kandidatin für ihre Kuppelsendung "Liebesg'schichten und Heiratssachen" gänzlich ungeeignet. Nicht nur, dass Elizabeth T. Spira glücklich verheiratet ist, sie würde sich vor der Kamera auch nicht öffnen: "Meine Gefühle erzähle ich meinem Mann. Ich bin nicht jemand, der seine Gefühle zeigt, der alles herauskotzt. Da bin ich altmodisch erzogen", sagt die 69-Jährige.
Wenn in ORF 2 eine Staffel des Quotenhits startet, schaut nicht nur fast eine Million Österreicher zu, man wird Spira wieder vorwerfen, sie sei eine Voyeurin, die einsame Seelen einfängt. Kritik, die ihr schon lange gleichgültig ist: "Es ist mir wurscht, was geschrieben wird. Man darf mich auch total angreifen - aber g'scheit und nicht nur das Gleiche immer wiederkauen. Außerdem ist ein Journalist, der kein Voyeur ist, schlecht."
Neugierig war die Mutter einer Tochter schon immer, nur die Politiker interessierten sie für ihren Beruf als promovierte Publizistin und Journalistin bei "profil", "teleobjektiv" und dem "Inlandsreport" zu wenig: "Am Abend haben wir lieber gepokert, als Konzepte geschrieben", erinnert sich Spira. Also wandte sie sich der Unterhaltung zu und entwickelte mit Historiker Michael Mitterauer 1985 die "Alltagsgeschichten". Für sie "sicher keine klassische Sozialreportage. Bei mir kamen ganz normale Leute vor, eher das untere Drittel, das nicht so begünstigt worden ist". Aus dem Format entwickelten sich auch die "Liebesg'schichten", da man bei den Recherchen "so viele einsame Menschen" getroffen hat.
Das T in ihrem Namen verdankt sie übrigens Vater Leopold, dessen Deckname Toni war. Als jüdischer Kommunist von den Nationalsozialisten gleich doppelt gefährdet, floh er nach Glasgow, wo Spira am 24. Dezember 1942 zur Welt kam. Am Heiligen Abend rannte sie oft weinend auf die Straße: "Weil das Geld immer knapp war, war meinen Eltern jede Ausrede recht Geschenke zu sparen. Also gab es etwa einen Schi zum Geburtstag und einen zu Weihnachten."
Heuer feiert sie ihren 70er - ohne Tränen, ohne Pläne, denn "Pläne verstopfen die Zukunft, also lebe ich planlos."
Christoph Steiner in der Kleinen Zeitung 2012.
Die Gestalterin der ORF-Sendereihen "Alltagsgeschichte" und "Liebesg'schichten und Heiratssachen" wurde am 24. Dezember 1942 in Glasgow als Kind jüdischer Emigranten geboren. 1946 übersiedelte sie mit ihrer Familie nach Wien und absolvierte nach dem Besuch der Volks- und Mittelschule in Wien das Studium der Publizistik an der Universität Wien. Nebenbei sammelte die promovierte Publizistin bei diversen Tageszeitungen und Zeitschriften journalistische Erfahrung. Unter anderem war sie 1972 als Redakteurin bei der Wochenzeitschrift "profil" tätig.
Seit 1973 gestaltet sie für den ORF zahlreiche Magazinbeiträge und Dokumentationen, so zeichnete sie unter anderem für die Sendung "teleobjektiv" verantwortlich.
In der ORF-Kultur ist Elizabeth T. Spira seit 1989 beschäftigt. Seit 1985 gestaltet sie die Dokumentarfilm-Reihe "Alltagsgeschichte", seit 1997 "Liebesg'schichten und Heiratssachen".
Zahlreiche Auszeichnungen...
orf.at 2012.
Krippenfiguren repräsentieren nicht nur die Geschichte von der Geburt Jesu. Sie repräsentieren Menschen in besonderen Lebenssituationen. Das Kind in der Krippe repräsentiert die Familie, die bald aufbrechen und flüchten wird, um ihr Leben in Sicherheit zu bringen. Es repräsentiert aber auch die Absurdität Gottes, der Mensch wird, weil er uns liebt.
Zu den Traditionen meiner Familie gehört, dass jeder Familienzweig eine eigene Familienkrippe hat. Auch meine Eltern haben mit meiner Geburt begonnen, sich eine Familienkrippe aufzubauen. Jedes Jahr kamen neue Figuren dazu. Im Prinzip sieht so die Krippe im Wohnzimmer seit Jahren gleich aus. Erst später habe ich begriffen, dass die verschiedenen Figurengruppen nicht nur eine Nacherzählung biblischer Ereignisse sind, sondern bis heute reale Lebenssituationen von Menschen widerspiegeln.
Zu dieser Figurengruppe gehören die 3 Weisen aus dem Morgenland. Sterndeuter, die die Hl. Schriften anderer Völker studiert und die Sterne am Himmel beobachtet haben. Diese Studien haben sie zum Schluss gebracht: ein neuer König wird geboren. Aber dieser König ist etwas so Besonderes, dass seine Geburt sogar von den Sternen des Himmels angekündigt wird. Sie werden neugierig und machen sich auf den Weg, um dieses Kind zu suchen. Unterwegs erkundigen sie sich bei Herodes, wo dieser neue König geboren wird.
Damit lösen sie eine Kette von schrecklichen und nicht mehr zu kontrollierenden Ereignissen aus. Aus Angst vor einem Konkurrenten befiehlt König Herodes einen barbarischen staatlich gelenkten Terrorakt: jede männliche Erstgeburt bis zum Alter von zwei Jahren muss getötet werden. Wie viele Eltern mit ihren Kindern daraufhin die Flucht ergriffen, wissen wir nicht. Auf jeden Fall macht sich die Hl. Familie mit dem Jesuskind auf die Flucht nach Ägypten. Dort bleiben sie, bis sich die politischen Verhältnisse (modern gesprochen: die Fluchtursachen) geändert haben. Dann kehren sie in ihre Heimat zu ihren Familien, Freunden und ihrer Arbeit zurück.
Mein Blick wandert dann zum Jesuskind in der Mitte. Links und rechts stehen Maria und Josef. Mein Glaube sagt mir: in diesem Kind im Stall ist Gott selbst Mensch geworden. Opfer von Macht und Terror zu werden, flüchten zu müssen, Angst um sein Leben zu haben ist nicht nur das Schicksal von Millionen Menschen unserer Tage. Es ist ein Schicksal, das Gott selbst durchlitten hat, als er auf Erden lebte. Wenn ich in die Augen des Jesuskindes blicke, dann blicke ich auch in die Augen der Flüchtenden unserer Zeit. Das hilft mir, den gegenwärtigen Flüchtlingsstrom mit anderen Augen zu sehen. Es sind in diesem Jahr nicht nur Hirten und Sterndeuter, die ich im Stall in Bethlehem sehe. Es sind auch die vielen Flüchtlinge, die zu einem Kind kommen, das ihr Schicksal geteilt hat.
Beim Blick in die Krippe sehe ich aber nicht nur die globalen Probleme unserer Zeit. Gott ist auch für mich ganz persönlich Mensch geworden. Seit ich Pfarrer bin und damit einen eigenen Pfarrhaushalt führe, lebe ich mit Hunden zusammen. Ich mag diese Tiere einfach und freue mich über ihre Gesellschaft und ihre hohe soziale Kompetenz. Obwohl ich meine Hunde wirklich gerne mag, bin ich noch nie auf die Idee gekommen: wie wäre es, wenn Du selbst einmal ein Hund wärest? Du könntest auf derselben Ebene wie sie stehen. Du könnest verstehen, wie sie denken und was sie sagen wollen. Du könntest ihnen auch viel besser beibringen, was du eigentlich von ihnen willst. Es ist eine absurde Vorstellung: so gerne ich meine Hunde habe, ich würde niemals meinen Habitus als Mensch aufgeben, um in einer niederen Lebensform - z.B. als Hund - zu leben.
Heute feiern wir diese Absurdität. Gott liebt mich so sehr, dass er nicht daran festhielt Gott zu bleiben, sondern sich entäußerte und Mensch wurde. (Phil 2). Das ist für mich das größte Wunder meines Glaubens, auch wenn ich als Theologe natürlich weiß: Das Licht in der Krippe ist die Sonne des Ostermorgens. Ich feiere deshalb Weihnachten, weil Christus von den Toten auferstanden ist. Gott hält an der Überlegenheit seines Gott-Seins nicht fest, sondern wird Mensch wie Du und ich. Weil er mich liebt. Weil er mir nahe sein will. Weil er mich verstehen möchte. Weil er mir das, was er von mir möchte so sagen will, dass ich es verstehen kann.
Diese tiefe Liebe Gottes zu mir berührt mich jedes Jahr aufs Neue. Gott ist nicht der ferne Gott, weit weg von meinem Leben, uninteressiert am persönlichen Schicksal des Einzelnen. Im Gegenteil: gerade das persönliche Lebensgeschick interessiert ihn. Er ist deshalb Mensch geworden, um daran Anteil zu nehmen. Er will sich mit mir freuen, an meinem Leid Anteil nehmen und mich dann tragen, wenn ich allein zu schwach bin, aufrecht durchs Leben zu gehen. Bis hin zu jenem Augenblick meines Lebens, in dem mich die Nacht des Todes umschließen wird: dann wird er mich auffangen und in die Herrlichkeit des Paradieses tragen.
Die Krippe ist nicht nur niedliches Beiwerk zum Fest, nicht nur eine Familientradition. In ihr spiegelt sich das Menschheitsdrama damals und heute wider. Sie ist aber auch ein Bild voller Zuversicht und Hoffnung: Gott wird Mensch, weil er mich liebt, damit mein Leben gelingt und selbst der Tod mich nicht vernichtet, sondern der Übergang zu einem neuen Leben ist. Deshalb singe ich gerne an diesem Weihnachtsfest: Christ, der Retter, ist da!
„Seid Barmherzig wie der Vater!“ Dieses Jesuswort erfüllt sich in der Geburt Jesu. Das Wort der Barmherzigkeit des Vaters ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.
"Gnädig und barmherzig ist der Herr, reich an Huld und Gnade." Dieses Psalmwort erfüllt sich heute. Heute, im Jubiläumsjahr. feiern wir den barmherzigen Gott für uns im Kind von Bethlehem. „Sehet doch da, Gott will so freundlich und nah zu den Verlornen sich kehren!“ Der barmherzige Gott, wie wir ihn jetzt im Jubiläumsjahr entdecken, begegnet uns im Christkind ganz und gar menschlich. So wie es wir Menschen machen, tut es Jesus. Wenn wir Menschen jemand lieben, gehen wir auf die Person zu und blicken sie an.
Jesus will mit uns in Beziehung kommen, er geht auf uns zu und blickt uns an; Warum er die Liebesgemeinschaft der Dreifaltigkeit verlässt, um bei uns zu sein, bleibt uns ein Geheimnis. Der Hl. Alfons meint: „Gott kann von niemand beherrscht werden, die Liebe aber hat ihn überwältigt. Sie hat ihn besiegt, so dass er unser Bruder geworden ist!“ Oder ging es Jesus so, wie es uns geht, wenn wir eine Person sympathisch finden: dann fühlen wir uns angezogen, sind fasziniert von der Ausstrahlung und Schönheit des anderen. Das lässt das Negative vergessen, wir nehmen es nicht wahr. Wir dürfen wohl sagen: Jesus fand an uns Menschen so viel Attraktives, soviel Schönes und Ausstrahlendes und Liebenswertes, dass es ihn wie magnetisierte, dass er sich anziehen ließ von uns trotz unserer Fehler und Sünden. Mit dieser Liebe blickt Jesus uns in die Augen. Heute gesteht er uns: „Du Mensch, ich habe eine Schwäche für Dich! Ich habe eine Schwäche für Dich, ja in der Schwäche des Kindes komme ich wehrlos schwach - und will so alles für Dich sein!“ Wer liebt, spricht Worte der Zuneigung Das menschgewordene Gotteskind kann heute nicht sprechen. Es ist hilflos, klein, der Sprache nicht mächtig. Doch das Kind in seiner Schwäche - wortlos spricht es eine gewaltige Sprache, ein lautes Wort der Hoffnung und des Lebens. Ein kleines Kind ist immer Frohbotschaft und dieses Christkind ist die Gute Nachricht. Es ist das schönste und letzte Wort, das Gott zu uns Menschen spricht: „Du Mensch, Du, ich liebe Dich! Mensch, ich habe eine Schwäche für Dich! Verlass Dich auf meine Barmherzigkeit!“ Anstelle des Gotteskindes spricht es heute der Engel: „Seht, ich künde euch eine große Freude, heute ist Euch in der Davidstadt der Retter geboren, Christus, der Herr!“
Als ich mich von einer Familie verabschiedete, wollte der Vierjährige auf den Arm genommen werden und mich drücken. Auch wir Erwachsene umarmen uns - und es tut gut. Die heilige Hildegard von Bingen sagt: Die Menschwerdung Gottes ist die mütterliche Umarmung Gottes für uns! Maria, Josef und die Hirten berührten dieses Kind. Im Glauben erschlossen sie sich dem tieferen, unbegreiflichen Geheimnis: in dieser Kinderhand berühren wir Gottes Hand. In diesen schwachen Kinderarmen ist Gott zum Greifen nahe, Gott zum Anfassen; es berührt uns, umarmt uns als der zärtlich-barmherzige, Gott.
Liebe Schwestern und Brüder, „Seid Barmherzig wie der Vater!“ Dieses Jesuswort erfüllt sich heute. Jeder, der einsam ist, vom Leben gebeutelt, den die Sorgen drücken: Er darf wissen, er hat einen Freund, einen guten, treuen, zärtlichen und vor allem barmherzigen Vaters. Das Fleisch gewordene Wort, der Sohn, berührt uns heute in der heiligen Kommunion - er lässt Dein Herz höher schlagen, er verwandelt uns und stiftet Gemeinschaft zwischen sich und Dir und zwischen Dir und den Schwestern und Brüdern.
Und das Wort der Barmherzigkeit des Vaters ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt! Preisen wir Gott dafür!
Weihnachten ist ein Fest voller Spannungen. Nach den intensiven und oft anstrengenden Vorbereitungen liegen nicht selten die Nerven vieler blank. Irgendwie erhoffen und erwünschen sich die meisten Menschen ein harmonisches Fest der Begegnung, der Freude und der Geborgenheit. Dabei haben wir meist Erfahrungen vor Augen, wie es früher einmal war oder wie wir es als Kinder erlebt haben. Und dann die Erfahrung: Es ist nichts mehr wie früher. Wir sind älter geworden, anspruchsvoller, sensibler, und die Rollenaufteilung "wer tut was" muss neu überlegt werden. Das Fest der Liebe wird so für manche zur Enttäuschung. Ent-täuschungen tun weh, auch wenn sie ihre guten Seiten haben. Gott sei Dank haben die meisten gelernt, Enttäuschungen wegzustecken, für eine Zeitlang wenigstens.
Dass zu Weihnachten Spannungen in der Luft liegen, hat nicht nur psychologische Gründe. Sie sind in diesem überdimensionalen Fest auch theologisch grundgelegt. Dies spiegelt sich in den biblischen Texten wider, die wir in den Weihnachtsgottesdiensten vorlesen. Da werden Dinge zusammengebracht, die weit auseinander liegen und auf den ersten Blick nicht zusammenpassen: Der Größte wird ganz klein, der allmächtige Gott wird ein hilfloses Kind, Engel kommen zu Hirten, unbeschreibliches Licht ist mitten in der Nacht zusehen, Himmel und Erde verbinden sich, Gott wird Mensch, oder wie der Evangelist Johannes es ausdrückt: Der ewige Gott, der alle unsere Vorstellungen von Raum und Zeit übersteigt, wird »Fleisch« am Rande der Welt... "Im Anfang war das Wort..." bis "und das Wort ist Fleisch geworden".
Die Menschwerdung Gottes ist ein so unbegreifliches und unfassbares Ereignis, dass alle Generationen von Christen Versuche unternommen haben, es in Worte zu fassen, die letztlich doch nicht plausibel sind. Menschen, die - wie es der Philosoph Jürgen Habermas von sich behauptet hat - »religiös unmusikalisch« sind, belächeln uns dafür bisweilen.
Mit dem Weihnachtsfest behaupten wir Christen aber, dass sich all diese Gegensätze in Jesus Christus haben vereinigen lassen. Wir sehen darin einen Liebesakt Gottes, der das Hervorbringen des Kosmos noch übertrifft.
Dies ist wohl auch der Grund, warum wir so viele Erfahrungen von Liebe aber auch Hoffnungen und Wünsche aufgrund unerfüllter Liebeserfahrungen hineinprojizieren und uns damit überfordern.
Trotzdem ist es gut, dass wir es nicht billiger geben und uns diesen Spannungen stellen. In der Person Jesu von Nazareth sehen wir, dass Unmögliches möglich ist: "Denn für Gott ist nichts unmöglich" (Lk 1,37).
Weihnachten feiern gibt uns die Kraft, dass wir uns als Menschen nicht nur mit kleinen Stücken zufrieden geben. Wie schnell genügt uns »ein bisschen Frieden, ein bisschen Freude, ein bisschen Wärme, ein bisschen Liebe«. Es ist zwar gut, klein anzufangen, wir sollen aber den Mut haben trotzdem Großes anzustreben. Gott hat in Jesus auch klein angefangen. Dieser Jesus war aber bereit, die ganze Spannung, die in der ganz großen Liebe drinnen liegt, anzunehmen und darin bis zum Äußersten zu gehen. Wir sehen es dargestellt im Kreuz. Er hat uns gezeigt, dass die ganz große Liebe möglich ist und dass solche Liebe sogar den Tod überwindet.
Weihnachten 2014 ist überschattet vom Elend, das religiöse Fanatiker und andere politische Hasardeure in unsere Gegenwart gebracht haben. Einigermaßen hilflos stehen wir den damit zusammenhängenden humanitären Problemen gegenüber. Wenn wir könnten, würden wir uns aus all dem heraushalten und das Glück unseres Wohlstandes genießen. Am liebsten würden wir unsere Augen vor den zahllosen Flüchtlingen verschließen.
Kopfzerbrechen bereiten uns auch die wirtschaftspolitischen Grenzen, an die wir gestoßen sind. Arbeitslosigkeit und Unzufriedenheit vieler gefährden den weltpolitischen wie auch den sozialen Frieden im eigenen Land. - Hat Weihnachten uns dazu etwas zu sagen?
Mir sagt Weihnachten: wir sollen in unseren Lösungsbemühungen nicht zu klein ansetzen. Menschlich sein und mitmenschlich Handeln ist möglich. Die Hoffnungen, die in uns die Frohe Botschaft vom Reich Gottes, dem Reich der Gerechtigkeit, des Friedens und der Barmherzigkeit weckt, sollten wir nicht als Utopie, als unerfüllbare Phantasie beiseite legen. Die Weihnachtsbotschaft macht uns Mut, groß zu denken und uns nicht mit halbherzigen Lösungen zufrieden geben. Die Richtung weist uns die Menschenfreundlichkeit Gottes und die Kraft gibt uns der Glaube an die Liebe Gottes, die uns befähigt, die Grenzen, die wir uns selbst setzen, zu überwinden.
Zugleich warnt uns die Weihnachtsbotschaft vor der Versuchung, dieses Reich Gottes aus eigener Kraft selbst bauen und machen zu wollen. Jesus ist gekommen, um das Reich Gottes anzukündigen. Er hat uns auf die Spuren des Wirkens Gottes in unserer Welt hingewiesen. Das Reich Gottes wächst, wo wir dem Geist Gottes Raum geben und in uns aufnehmen: "Allen die ihn aufnahmen, gab er die Macht Kinder Gottes zu werden", als Kinder Gottes zu denken, zu handeln und die Welt umzugestalten. Jeder Versuch, das Reich Gottes mit Gewalt herbeizuführen, muss scheitern. Die Liebe lässt sich nicht verordnen. Wir können sie lediglich erlernen. Weihnachten kann uns dazu hinführen.
Wenn wir uns den großen Spannungen, die in der Weihnachtsbotschaft liegen, stellen, wenn wir uns das große Versprechen der Liebe, das Gott uns in Jesus gegeben hat, annehmen, können wir daran wachsen, ja sogar über die kleinen Vorstellungen von dem, was uns möglich ist, hinauswachsen und die großen Herausforderungen der Menschlichkeit und Liebe bestehen. Nichts weniger wünsche ich Ihnen und mir zum Weihnachtsfest.
Es ist nicht leicht zu verstehen, warum das Weihnachtsevangelium Gott gerade als Wort bezeichnet. "Im Anfang war das Wort, das Wort war Gott und das Wort ist Fleisch geworden", sagt es uns. Was ist damit gemeint? Etwas unerhört Großes und Frohmachendes.
Um dem auf die Spur zu kommen, möchte ich sie zu einem kurzen Gedankenexperiment einladen. Stellen sie sich einmal vor, wir alle wären stumm. Kein Wort zwischen uns wäre möglich. Niemand könnte dem anderen etwas sagen; niemand könnte den anderen verstehen. Dann wäre uns doch das weggenommen, was uns erst ganz zu Menschen macht.
Das Wort ist für uns unentbehrlich. Weil wir des Wortes mächtig sind, tragen wir Menschen Namen und benennen wir unsere Mitmenschen mit Namen: Anna und Rosa, Jakob und Hans. Diese Namen sagen aus, dass wir nicht irgendetwas, sondern dass wir jemand sind. Das Wort macht uns zu einmaligen, unverwechselbaren Personen.
Und das Wort ist es, mit dem wir uns gegenseitig in Beziehung setzen und Gemeinschaft aufbauen. Denken Sie an das kleine Wörtlein »Ja«. Was kann da an Zusage drinstecken, bis hin zur Tatsache, dass Menschen sich mit einem einfachen Ja gegenseitig als Mann und als Frau annehmen. Worte binden und verbinden, Worte bringen Sinn und Glück.
Worte können auch trennen und verletzen. Wie viele Ehen und Gemeinschaften, wie viel Sinn und Glück ist schon zerstört worden durch das kleine Wörtlein »Nein«. Worte bringen das Größte und das Gemeinste zum Ausdruck, wozu wir Menschen fähig sind. Das Wort ist uns Instrument zur Wahrheit, aber auch zur Lüge.
Wenn wir so bedenken, was das Wort uns Menschen bedeutet, können wir bereits erahnen, was das Weihnachtsevangelium meint, wenn es uns sagt: "Im Anfang war das Wort und das Wort war Gott". Der Anfang, das, woraus alles geschaffen ist und was alles zusammenhält, dieser Ursprung ist nicht irgendetwas, ist nicht blinder Zufall, sondern ist jemand, ist Gott. Und weil alles durch dieses göttliche Wort geworden ist, ist auch alles auf Sinn und auf Beziehung angelegt.
Gott ist der Erste, der solche Beziehung schafft und stiftet. Wenn von Gott gesagt wird, er sei Wort, dann heißt das doch: dieser Gott ist nicht stumm. Nein, er spricht. "Viele Male und auf vielerlei Weise" hat Gott gesprochen, sagt die Lesung. Immer wieder hat Gott sich mit den Menschen in Beziehung gesetzt und diese Beziehungen neu zu knüpfen versucht, auch dann, wenn der Mensch sie mit seinem »Nein« abgebrochen hatte.
Weil Gott Wort und somit aus sich selbst heraus Beziehung ist, tut Gott alles, um die Beziehung mit den Menschen zu retten und auf ein solides Fundament zu stellen. Er spricht sein letztes und endgültiges Wort und das tut er auf eine Weise, die einfach überwältigend ist. "Und das Wort ist Fleisch geworden", sagt das Weihnachtsevangelium. Damit erweist sich Gott als das Wort, das uns Menschen auf Augenhöhe anspricht und das für uns Menschen ganz und gar und ausschließlich Ja ist. Kurz und prägnant hat das der Apostel Paulus zum Ausdruck gebracht, wenn er im zweiten Korintherbrief schreibt: "Gottes Sohn Jesus Christus ist nicht als Ja und Nein zugleich gekommen; in ihm ist das Ja verwirklicht" (2 Kor 1,19).
Dieses Ja hat Jesus eingelöst, als er in seinem Leben und Sterben sich auch das zu Eigen gemacht hat, was die dunklen Seiten des Menschseins sind: unsere Begrenztheit und Not, unsere Ängste und unser Leiden. Am Kreuz hat er selbst die Schuld der ganzen Menschheit auf sich genommen und die Bitternis des Todes durchlitten, um sogar das schlimmste Nein und die gottwidrigste Finsternis mit seinem Ja zu umfangen. Denn alles, was er angenommen und durchlitten hat, das hat er auch geheilt.
Deshalb sagt das Weihnachtsevangelium, dass das fleischgewordene Wort für uns Menschen das Licht ist, das in der Finsternis leuchtet. Weil es reines Ja ist, leuchtet dieses Licht allen. Es leuchtet auch denen, die Beziehungen abgebrochen haben, die scheinbar ausweglose Schuld mit sich herumtragen, deren Lebenssinn ausgetrocknet ist, die keine Hoffnung und Zukunft mehr kennen und vielleicht sogar das Leben wegwerfen wollen. Darin besteht das eigentliche Wunder von Weihnachten: weil Gott durch seine Menschwerdung ein Ja zu uns Menschen gesprochen hat, das grenzenlos ist und auch noch die letzten Abgründe des Menschseins ausleuchtet, darum gilt dieses Ja wirklich allen: den Lachenden wie den Weinenden, den Zuversichtlichen wie den Verzweifelten, den Gesunden wie den Kranken.
"Allen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben", sagt das Weihnachtsevangelium. Damit lässt es so richtig frisch und unverbraucht die Freude und den Reichtum unseres Glaubens aufleuchten. Was gibt es Schöneres und Größeres, als sich dem Ja, das Gott an Weihnachten zu uns spricht, aufs Neue anzuvertrauen und darauf das eigene Leben zu bauen? Wir tun es, wenn auch wir unser eigenes Leben aus dem Ja heraus gestalten, wenn wir Menschen sind, die trotz allem, was es an Enttäuschungen geben mag, Ja sagen zu den Mitmenschen und zur Welt. Wir tun es, wenn wir aufs neue Ja sagen zu Gott und immer wieder aus der lebendigen Beziehung mit ihm die Kraft schöpfen, das Leben zu gestalten auf Sinn und auf Beziehung hin. Diesem Gott können wir am heutigen Festtag nur Dank sagen und ihn preisen mit den Worten, mit denen das Weihnachtsevangelium schließt: "Wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit".
Schon fast wieder vergessen, von anderen Schlagzeilen eingeholt und überrannt und doch in seinen Auswirkungen für die Menschen wahrscheinlich noch genau so tragisch und verheerend wie während des Geschehens selber. Der Taifun auf den Phillipinen. Unvorstellbar die Macht der Zerstörung und des Elends, vor dem Menschen einfach machtlos standen und stehen. Wir alle haben die Nachrichten und Sondersendungen gesehen und auch schon fast wieder vergessen. Aber mitten in diese Nachrichten hinein, gab es eine ganz ungewöhnliche Nachricht. Mitten im Taifun hatte eine junge Mutter ein Kind bekommen. Mitten in allem Elend, all der Naturgewalt und der Zerstörung wird ein Kind geboren und als Hoffnungszeichen gepriesen.
Meine erste Reaktion auf diese Nachricht war: Mein Gott jetzt auch noch das. Ich dachte dies als Vater und Mensch, der es gewohnt ist durchgeplant und abgesichert zu leben. Da reden sich doch Reporter nur für eine gute Schlagzeile etwas schön. Aber es kamen auch Zweifel, vielleicht liege ich ja mit meiner ersten Reaktion falsch. War dieses Kind, ich glaube es war ein kleines Mädchen, doch für die Menschen in all der Gewalt und dem Chaos, in all der Angst und der Aussichtslosigkeit, in all der Verzweiflung und Wut ein Hoffnungszeichen, das ihnen gezeigt hat, wir sind nicht am Ende, sondern auch jetzt beginnt wieder etwas Neues?
Ein kleines Leben beginnt und es trägt die ganze Sehnsucht des Lebens in sich. Es will leben. Es will lachen. Es will weinen. Es will die Sonne sehen. Es will sein Leben gestalten. All das, wird es für sich wollen und all das wird es nicht alleine tun. Dazu gehören Menschen, die sich von dem Wunsch zu leben anstecken lassen, die ebenfalls schlicht und einfach leben wollen.
Ein Projekt eines Journalisten in einer der am schlimmsten zerstörten Städte macht diesen Lebenswunsch noch auf eine andere Art und Weise deutlich. Er hat 100 Einwegfotoapparate an Kinder und Jugendliche verteilt mit dem Auftrag Bilder aus ihrer Sicht zu fotografieren. Sie haben in ihren Bildern sehr genau die Zerstörung und das Elend wahrgenommen und sie haben gleichzeitig wieder angefangen die kleinen und großen Hoffnungszeichen zu fotografieren: Das Haus, das wieder aufgebaut wird, die Spielsachen die aus den Trümmern geborgen und wieder gereinigt wurden und sie fingen wieder an, sich über ihre Zukunft und ihre Wünsche Gedanken zu machen. Ein Mädchen wollte schlicht und ergreifend »Miss-World« werden.
Auch das noch, war meine erste Reaktion, der ich nur ein paar Bilder sehe und ansonsten gut und ruhig Weihnachten feiern kann. Eine echte Hoffnung, Mut wieder anzufangen, neues Vertrauen gewinnen, Träume haben und gemeinsam anpacken, die Reaktion von Menschen auf den Philippinen, die alles verloren haben.
Nach vielen Jahren als Seelsorger fällt es mir manchmal nicht ganz leicht noch über Weihnachten zu predigen. Das meiste ist gesagt. Aber als ich über dieses neugeborne Mädchen auf den Philippinen nachdachte, kamen mir Josef, Maria und Jesus in den Sinn. Auch hier eher widrige Umstände und schlechte Startbedingungen, bedroht und ohne feste Bleibe. Wer würde mit diesem Kind tauschen wollen? Wer mit den Eltern? Freiwillig wahrscheinlich nur die, denen es noch schlechter geht.
Und doch ist es gerade dieses Kind, das durch seine Botschaft vom Reich Gottes, durch seine Art mit den Menschen umzugehen die Welt bis heute verändert. Dies geschieht durch Menschen, die sich in den großen Kirchen beheimatet fühlen und es geschieht durch Menschen, die lange der Kirche jedoch nicht ihrem Glauben den Rücken gekehrt haben oder nie bewusst zu ihr gehört haben. Sie alle fühlen sich dieser Botschaft verpflichtet, auch wenn so manche Ereignisse dieses Jahres auch für viele Christinnen und Christen schwierig waren. Aber es gibt immer wieder auch die andere Seite, die das kleine Mädchen auf den Philippinen, seine Eltern und die Menschen zeigen, die die Hoffnung nicht aufgegeben haben.
Es gibt diesen schönen Satz den man auf so manchen Geburtsanzeigen findet: „Jedes Kind, das geboren wird, bringt von Gott die Botschaft mit, dass er noch nicht an der Menschheit verzweifelt“. Dieser Satz stimmt aber auch anders: Jedes Kind, das geboren wird bringt Gott die Botschaft, dass wir an ihm noch nicht verzweifelt sind und das Leben wagen!
So gehen Gott und Mensch weiter aufeinander zu.
Die Kirche ist festlich geschmückt. Der Kirchenchor hat eine neue Messe einstudiert. Die Ministranten haben eifrig mit dem Weihrauchfass und den Leuchtern geübt. Es soll ein besonderer Gottesdienst werden. Heute am Weihnachtstag. Gestern Abend schon haben wir im Kreise unserer Lieben mit dem Feiern begonnen. Die Kerzen am Christbaum entzündet, Geschenke ausgepackt. Sich ein gutes abendliches Mahl gegönnt. So haben wir es gerne. So sind wir es uns auch gewöhnt. Das sind so die Standards für das Weihnachtsfest. Eine Psychologin hat unlängst gemeint: Wer bei diesem Spiel mitspielen will, der soll das tun. Wer nicht, soll das früh genug den anderen mitteilen.
Ich kenne solche Menschen, die da nicht mittun, die für sich entschieden haben mit dem Weihnachten feiern aufzuhören. Alleinstehende Verkäufer beispielsweise, die nach dem Stress der Adventwochen froh sind, dass der ganze Verkaufsrummel vorbei ist und sie endlich nichts mehr tun müssen, und sich schon gar keine Weihnachtslieder mehr anhören müssen. Die schlicht und einfach ihre Ruhe haben und sich ausruhen wollen.
Es gibt auch andere: Wer das ganze Jahr über kaum oder keine sozialen und familiären Beziehungen pflegt, wird dies auch nicht an den Weihnachtstagen tun. Da ist es schon viel, ein, zwei Weihnachtskarten zu schreiben. Wenn möglich, ist schon alles vorgedruckt und man muss nur noch unterschreiben. Jene Menschen sind an Weihnachten nicht mehr oder weniger ärmer dran als sonst.
Schließlich gibt es auch jene, die Weihnachten nicht feiern, weil sie einen anderen Glauben oder eine andere Weltanschauung haben. Geht ja auch, oder?
Es gibt auch noch jene andere nicht zu unterschätzende Gruppe, welche zwar offiziell sich als christlich deklariert, aber eher zu den praktizierenden Atheisten zu zählen wäre: Weihnachten als Fest der Liebe und als Fest der Familie, wäre wohl hier eine passende Definition.
Ich möchte ihnen nun nicht die Festtagsfreude nehmen. Im Gegenteil. Ich möchte aufzeigen, dass es alles andere als selbstverständlich ist, dass wir heute und hier miteinander in dieser Kirche das Fest der Geburt Christi so feierlich begehen dürfen. Es ist ein Geschenk.
Wie feiern die Geburt Christi, aber wir gratulieren Jesus nicht zu seinem Geburtstag. Wir zünden auch keine Kerzen auf einer Geburtstagstorte an und bringen ihm keine Geschenke mit. Das tun wir, wenn jemand von uns Geburtstag hat, als Zeichen der Zuneigung und Wertschätzung. Und als Zeichen der Dankbarkeit: Ich bin so froh, dass es dich gibt in meinem Leben.
Wir dürfen heute vielmehr feiern, dass Gott uns das größte Geschenk gemacht hat. Seinen Sohn. Wir sind die Beschenkten. Über alle Massen hinaus. Jede menschliche Vorstellung übersteigend.
Das Wort des Jahres 2012 lautet "Rettungsroutine". Es bezeichnet einen im alten Jahr nahezu selbstverständlich gewordenen Umgang mit hoch verschuldeten Ländern. Man hat sich gewöhnt, Maßnahmen zu ergreifen, die notwendig sind, damit angekündigtes Unheil verhindert werden kann. Worunter die Bevölkerung in den betroffenen Staaten zu leiden hat, ist schon genug.
"Rettungsroutine" hat wohl auch Gott im Laufe der langen Heilsgeschichte bekommen. "Rettungsroutine Gottes" meint, dass Gott nicht mit seinem Volk abgeschlossen hat, dass er es nicht einfach so seinem Schicksal überlassen kann, bei aller Freiheit, die er ihm immer wieder auch lässt.
Die Heilige Schrift weiß viel darüber zu erzählen, wie Gott hilfreich in das Geschick seines Volkes und einzelner eingreift. Immer wieder. Doch mit Jesus Christus, seinem Sohn, hat er ein für alle Mal der Welt und den Menschen Heil und Erlösung geschenkt. Jesus Christus ist der Retter, der Messias. So bekennen wir es in unserem Glauben.
"Nach christlicher Überzeugung hat Gott sich in Jesus auf unüberbietbare Weise offenbart und den Menschen einen Weg gezeigt, der zu einem geglückten Dasein führt. Das und nichts anderes ist mit Erlösung gemeint. Diesen Weg aber hat Jesus nicht nur gewiesen, sondern ist ihn auch selber gegangen." (Imbach, Josef, Hört der Engel helle Lieder. Brauchtum und Betrachtungen zur Advents- und Weihnachtszeit, S 93)
Jesus weist uns den Weg zu einem geglückten Dasein. Und er macht es uns vor, wie das geht.
Glücklich sein, das eigene Leben als sinn- und wertvoll erfahren, das ist die Triebfeder, die Motivation für unser Leben. Jesus selbst ist das Wort, das uns dazu den Weg in die richtige Richtung weist. "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt." haben wir im Evangelium gehört. Dieses Wort, nämlich Jesus selbst, Wohnung geben, auf dieses Wort sich einzulassen, daran Maßstab zu nehmen, das persönliche Leben immer wieder neu daraufhin auszurichten, das bleibt die konkrete Aufgabe jedes einzelnen Christen.
Herr Jesus, was willst du, dass ich tue?
Herr Jesus, hilf' mir in dieser Entscheidung?
Herr Jesus, was würdest du sagen?
Dann bleibt er nicht fern von mir, irgendwo, abseits jeglicher Realität, sondern dann ist er, der Erlöser und Retter, mitten unter uns und mitten in meinem Leben. Ja, vielleicht sogar auch Mitte meines Lebens?
Große Theologen haben versucht, das Geheimnis der Menschwerdung Gottes mit vielen Worten und langen Sätzen zu beschreiben und zu begreifen. Karl Rahner, der große Konzilstheologe, hat es - so meine ich - mit erstaunlich wenig und schlichten Worten auf den Punkt gebracht:
"Gott hat sein letztes, tiefstes, schönstes Wort
im fleischgewordenen Wort
in unsere Welt hineingesagt.
Und dieses Wort heißt:
Ich liebe dich, du Welt, du Mensch.
Ich bin da.
Ich bin bei dir.
Ich bin dein Leben.
Ich bin deine Zeit.
Ich weine deine Tränen.
Ich bin deine Freude." (Karl Rahner)
So einfach und doch zugleich wunderbar kann die Weihnachtsbotschaft sein. Wenn sie doch auch nur jene erreichen könnte, die Weihnachten nicht oder nicht mehr feiern können.
Dass wir Weihnachten feiern können, ist ein Geschenk, das wir sorgsam auspacken und behüten sollten. Damit es nicht verkommt, sondern im Gegenteil: unser Leben hell macht und erfüllt. Christ, der Retter, ist da! , mögen wir nicht allein in der Heiligen Nacht aus vollem Herzen singen können.
Für mich ist heute noch Advent. Warum? Ich kann Gott noch nicht von Angesicht zu Angesicht sehen. Aber Weihnachten sagt mir: Gott kommt mir in dieser Welt als Mensch entgegen. Welch eine Ehre! Welch eine Auszeichnung! Gottes Sohn steigt herab, um mich mit dem Lift in den höchsten Himmel zu führen.
Da frage ich mich, wer bin ich eigentlich, dass Gott so Großes an mir tut? Da frage ich mich aber auch, warum ziehe ich den Nächsten in den Dreck, warum spreche ich oft nur von seinen schlechten Seiten? Warum sprechen wir Christen nicht von dem, was Gott Großes an uns tut? Wenn ich einen Menschen auf dem Sterbebett sehe, denke ich mir: der Mensch ist aus sich nichts, Ohnmacht pur.
Aber in der weihnachtlichen Gegenwart des Herrn darf jeder Mensch aufblühen. Gott hat sich inkarniert, hat sich eingefleischt. Er teilt mit uns Freud und Leid, aber auch den Tod. Er lässt uns teilhaben an seinem Leben, damit auch wir auferstehen. Er nennt uns nicht mehr Knechte, sondern Freunde. Mit der Menschwerdung Gottes ist Christus unser Bruder geworden. Höher geht es nicht mehr. Daher sind wir nur ein wenig unter Gott gestellt (vgl. Ps 8). Weihnachten ist daher für mich ein größeres Wunder als die Erschaffung der Welt. Mit diesem Fest setzt Gott einen radikalen Neuanfang.
O, mögen doch alle Menschen vor diesem Gott niederfallen und ihn anbeten. Dieser Gott lässt unsere Sorgen vergessen, weil er uns berührt. Die deutsche Schriftstellerin Nelly Sachs (1891-1970) fragt den Höchsten: "Fing nicht deine Menschwerdung mit der Sehnsucht nach dem Menschen an?" Mit Weihnachten macht das Leben Sinn, macht uns Gott zu seinen Söhnen und Töchtern. Weihnachten führt uns ins Licht. Denn Gott traut sich uns auf ewig an. Er lässt seine Liebe und seine Herrlichkeit über uns aufgehen.
Professor Jozef Niewiadomski schrieb im "Tiroler Sonntag" (vom 20./27. Dez. 2012, S. 28), dass Gottes Sohn in meinen und der Menschen Saustall kommt, um ihn sauber zu machen. Er nimmt unsere Schande hinweg, gibt uns wie dem verlorenen Sohn einen Ring und ein hochzeitliches Gewand. Damit wir Menschen nicht ins Gericht kommen, heftet er unseren Schuldschein an sein Kreuz. Ich brauche mich vor Gott nicht mehr fürchten. Denn der erste, der den Weg zum Himmel fand, war ein Verbrecher, der rechte Schächer. Gottes Sohn ist die menschgewordene Liebe, damit wir uns in seinem Lichtkegel ändern können. Weihnachten ist ein Fest der Hoffnung, der Vergebung, der Zuversicht. Höre und staune: Durch die Menschwerdung Christi soll die ganze Welt verwandelt werden und ihr die Vergänglichkeit genommen werden.
"Die ganze Schöpfung soll das Kleid Christi anziehen", sagt der Diakon Ephräm, der Syrer, der im 4. Jahrhundert gelebt hat. Damit bekommt Weihnachten einen ganz tiefen Sinn: Das Unfertige in der Welt wird durch Christus vollendet, aber nicht auf Knopfdruck. Gott will sich mitteilen, sich verströmen, weil er die Liebe ist. Wir dürfen die Unvollkommenheiten der Welt und unsere Begrenztheiten annehmen, weil Gott die ganze Schöpfung mit seiner Herrlichkeit erfüllen wird. Ich brauche nicht alles tun, nicht perfekt sein, weil Christus alles gut macht: Die Kranken werden gesund, Blinde sehend und Aussätzige rein. Gott ist Mensch geworden, um alle unsere Tränen abzuwischen (Offb 21,4). Er will mit uns den Weg der Gnade, der Freundschaft und der Liebe gehen.
Weihnachten ist das größte Wunder. Es hört nie auf. Es setzt sich durch alle Jahrhunderte fort. Die Liturgie ist nichts anderes als ständige Weihnacht. Der Anfangstext des Liedes "Alle Jahre wieder kommt das Christuskind" ist daher nicht richtig.
Gott wird Mensch in jeder Eucharistiefeier. Christus steht vor unserer Tür und bittet um Einlass. Wir nehmen ihn auf und geben ihm Herberge. Daher betonen die Mystiker, dass es auf die Geburt Gottes in uns ankommt. Für C. G. Jung ist die Gottesgeburt im Menschen das Ziel der menschlichen Selbstwerdung. Wenn Gott im Menschen geboren wird, dann kommt er von dem kleinen Ich weg zu seinem eigentlichen Wesen, zum Selbst. Das Menschliche ist immer auf das Göttliche hingeordnet. Die Gottesgeburt in uns verwandelt den ganzen Menschen.
Die selige Elisabeth von der Dreifaltigkeit sagt: "Der Himmel ist in dir. Und suche ich ihn woanders, finde ich ihn nicht". Welch ein Wunder: Bethlehem ist in mir. Lasst uns Gott preisen und danken. Lasst uns anbeten den Herrn, der so Großes an uns tut.
Es ist an diesem Heiligen Abend spät geworden - oder früh. Es ist Nacht. Draußen. In unserer Kirche aber haben wir Kerzen angezündet. Sie verbreiten einen hellen Schein. Ihr Licht ist warm. Es ist schön, in der Nacht das Licht zu sehen. Aber um uns herum sehen wir das Dunkle. Im Dunkeln verschwindet so mancher Umriss. Auch so manches Gesicht. Wir singen Weihnachtslieder. Wir besingen die stille Nacht. Aber so ganz still ist es nicht einmal in uns. Manche Gedanken lassen sich nicht abstellen. Sie sind da. Vielleicht sogar drohend, verletzend, ohne Punkt und Komma. Es ist an diesem Heiligen Abend spät geworden - oder früh. Wir erwarten einen neuen Tag. Weihnachtstag.
In unseren Weihnachtsliedern wird immer wieder und mit vielen Wendungen das Licht besungen, das aufgeht. Ein neuer Tag beginnt, ein neuer Zeitabschnitt, ein neues Leben. Wir rechnen sogar die Jahrhunderte und unser eigenes Leben "nach Christi Geburt". Anno Domini: Jahr des Herren.
So singen wir heute Nacht von einem aufgehenden Licht, von Morgenglanz - und davon, dass es tagt. Wir können nachher sogar sehen, dass der Morgen graut. Am Horizont macht sich der Tag breit. Langsam. Unaufhaltsam. Wir können zuschauen. Den Mantel hochgezogen.
Jochen Klepper schreibt 1937 in einer für ihn sehr schweren Zeit - er hatte eine Jüdin geheiratet, die zwei Töchter mit in die Ehe brachte - ein "Weihnachtslied". So der schlichte Titel. Das Lied drückt ein großes Vertrauen aus. "Die Nacht ist vorgedrungen". Und:
"Und wer zur Nacht geweinet, der stimmet froh mit ein: der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein".
Angst und Pein. Vielleicht auch morgen. Ja. Aber es ist ein Übergang zu sehen. Altes wird zurückgelassen, Neues beginnt. Wir hören die Engel mit ihrer Botschaft, die alles hell macht, wir sehen die Hirten noch in der Nacht aufbrechen, wir sehen gar die Weisen aus dem Morgenland ziehen: Sie bringen die große Welt mit, Wissenschaft und Klugheit dazu.
So ist in dieser Nacht alles in Bewegung. Sogar der Himmel, sonst verschlossen und undurchdringlich, scheint die Lichtfülle nicht mehr bändigen zu können. Die Worte nicht,
auch die Hoffnungen nicht. Nein, in dieser Nacht können wir nicht in der Nacht bleiben.
1880 schreibt Emil Quandt:
Mit den Hirten will ich gehen,
meinen Heiland zu besehen,
meinen lieben heilgen Christ,
der für mich geboren ist.
Der Liederdichter, von Beruf Textilfabrikant, spricht von "meinem Heiland", "meinen lieben heilgen Christ" - und macht sich mit den Hirten auf den Weg. Nicht eine vergangene Geschichte wird erzählt oder besungen - es ist meine Geschichte. Mein Weg. Meine Aussicht: "der für mich geboren ist".
Das Zauberwort von Weihnachten ist: gehen. Ich will gehen. Zunächst eine ungewohnte Perspektive, sitzen wir Weihnachten doch über längere, womöglich lange Zeit, an reich gedeckten Tischen. Die Klage, zu viel gegessen, zu viel getrunken, zu viel gesessen zu haben, gleicht einem weihnachtlichen Ritual. Zumindest in den meisten unserer Kreise.
Gehen kommt dann geradezu einer Befreiung gleich.
In der zweiten Strophe lässt sich der Liederdichter Quandt von den Engeln anfeuern:
Mit den Engeln will ich singen,
Gott zur Ehre soll es klingen,
von dem Frieden, den er gibt,
jedem Herzen, das ihn liebt.
Es sind einfache Worte. In ihnen klingen die Worte der Engel, andererseits darf ich meine eigene Stimme, meine eigene Melodie finden. Mit meinem Herzen, das ihn liebt. Das ist dann mehr als ein Ritual, entzieht sich auch vorgegebener Formen. Mit den Engeln will ich singen! Ich!
Interessant ist das schon: Während im Weihnachtsevangelium zuerst die Engel singen und dann die Hirten gehen, hat der Liederdichter die Geschichte umgedreht. Zuerst kommt der Aufbruch, dann der Gesang. So sehr hier eine moderne Lebensauffassung sichtbar wird, so sehr wird auch betont, dass wir Zeugen eines Wunders sind.
In dem Weihnachtslied von Quandt heißt es:
Mit Maria will ich sinnen
Ganz verschwiegen und tief innen
über dem Geheimnis zart:
Gott im Fleisch geoffenbart.
Jetzt kommen wir als Menschen zur Ruhe. Haben wir nicht auch im Evangelium gehört, dass Maria "alle diese Worte in ihrem Herzen bewegte"? Alles, was sie gehört hat: von den Engel und von den Hirten. Jetzt darf ich mit Maria sinnen - oder: dem Geheimnis Gottes nachspüren, dass er sich als Mensch offenbart. Mein Fleisch, mein Blut. Der Dichter weiß, dass er mit menschlichen Worten an seine Grenzen kommt - er kann nur, "ganz verschwiegen und tief innen" Gott nahe kommen.
Und wieder einmal mehr: Mit Maria. Sie wird zu einer lieben Gefährtin. Zu meiner Gefährtin. Ich bin mit ihr zusammen. Darf, soll ich das als Weihnachtsgeschenk bezeichnen? Ein größeres wüsste ich jetzt nicht.
Überhaupt: Immer wieder heißt es in diesem Lied: mit. Mit den Hirten gehen. Mit den Engeln singen. Mit Maria sinnen. Es sind Worte, die auf vielfältige Weise Bewegungen nachzeichnen - meine Bewegung. Auch meine Bewegtheit. Ich bin bewegt. Ich werde bewegt. In dieser Nacht können wir nicht in der - Nacht bleiben. Nicht allein. Nicht jeder für sich. Mit den Hirten, mit den Engeln, mit Maria - miteinander gehen, singen und sinnen. Alles ist in Bewegung. So eine Nacht gibt es kein zweites Mal!
Es ist spät geworden. Oder früh. Manch einer schaut schon auf die Uhr. Hört er nicht bald auf? Ja, meine Predigt soll jetzt ein Ende haben. Das Geheimnis von Weihnachten feiern wir gleich in der Eucharistie. Eine große Danksagung! In dieser Nacht gedenken wir der Menschwerdung Gottes. Wir feiern seine Menschlichkeit. Wir freuen uns, dass er einer von uns geworden ist, unser "Gesell". Alle, die uns im Glauben vorausgegangen sind, feiern mit. Nicht nur Hirten und Engel.
Mit dir selber, mein Befreier,
will ich halten Weihnachtsfeier;
komm, ach komm ins Herz hinein,
laß es deine Krippe sein.
Frohe und gesegnete Weihnachten!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als alle Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus
unserem Herrn.
Darf ich Sie zu einem Festmahl einladen? Drei Gänge! Sie sind noch satt von gestern? Sie würden sich aber etwas entgehen lassen. Also: zur Vorspeise gibt es zur Vorfreude einen Happen Hoffnung, zum Hauptgericht ein Engels-Menü und dann als Dessert das leuchtende Wort. Etwas kann ich Ihnen auch versprechen: Dieses köstliche Gericht wurde bisher noch in keiner Fernsehsendung angerichtet, ist aber auch nicht schwer. Das Rezept ist ganz einfach. Die Zutaten sollen nur ganz frisch sein.
Das Rezept für die Vorspeise ist von Jesaja . Lange ausprobiert hat er es auch. Dann hat er sie fein angerichtet Menschen serviert, denen der Appetit, gar die Lebensfreude schon lange vergangen war. Wenn ein Mensch am Ende ist, wenn es keinen Lichtschimmer in der Ferne gibt - dann schmeckt das Essen nicht mehr. Die Bissen bleiben im Hals stecken. Die Zunge ist trocken. Was macht Jesaja? Er weckt erst einmal den Hunger. Die Lust auf einen neuen Anfang. Den Mut zur Hoffnung:
"Brecht in Jubel aus, jauchzt alle zusammen, ihr Trümmer Jerusalems!
Denn der Herr tröstet sein Volk, er erlöst Jerusalem.
Der Herr macht seinen heiligen Arm frei vor den Augen aller Völker.
Alle Enden der Erde sehen das Heil unseres Gottes."
Vorspeisen sind klein. Sie sollen auch noch nicht satt machen. Sie schmeicheln aber der Zunge. Sie sind wie ein Versprechen: Gleich kommt mehr. Eine große Freude kündigt sich an. Gott selbst wird kommen! Er wird sich der Menschen annehmen, die das Lachen verlernt haben, für die das Leben zu einer Ruine geworden ist, die von einer großen Traurigkeit heimgesucht werden. Ein schönes Bild: Gott krempelt seine Ärmel auf - vor den Augen der ganzen Welt. Und dann sieht man ihn Zupacken. Aus Ruinen macht er Paläste. Aus verzagten Existenzen glückliche Menschen. Aus verkorksten Geschichten bezaubernde Träume. So gut schmeckt die Vorspeise. Jetzt hat Jesaja sie mir hingestellt. Ich bin jetzt dran!
Dann kommt das Hauptmenü. Das Rezept kommt von einem unbekannten Meister. Nicht einmal seinen Namen kennen wir. Nur, dass er "Hebräer" heißt. Auf seiner Karte steht: Engels-Menü. Erst bin ich irritiert: Ein Rezept von Engeln? Ein Rezept für Engel? Aber dann verstehe ich:
"...er - Jesus - ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Abbild seines - Gottes-Wesens;
er trägt das All durch sein machtvolles Wort, hat die Reinigung von den Sünden bewirkt und sich dann zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt;
er ist um so viel erhabener geworden als die Engel, wie der Name, den er geerbt hat, ihren Namen überragt."
Gewiss, Gott hat sich auf vielerlei Weise geäußert und offenbart, mal ganz laut, meistens aber ganz leise, viele Menschen sind ihm begegnet. Aber dann, als es nicht mehr anders ging und die Zeit reif war, ist Gott den Menschen so nahe gekommen, dass sie ihn als einen der ihren ansehen konnten. Wir sehen ein menschliches Gesicht, auf ihm aber die Herrlichkeit, die Größe, die Schönheit Gottes! Jetzt liegt auf jedem menschlichen Gesicht ein besonderer Glanz. Auch auf gezeichneten, gefurchten und verzerrten Gesichtern. Auf Gesichtern, die Geschichten erzählen und verbergen. Auf Gesichtern, die lachen und leuchten.
Aber ein Gesicht fällt heute auf: Es ist Gottes Gesicht für uns. Wir sehen es in der Krippe liegen. Das Gesicht eines Kindes. Zerbrechlich. Aber die ganze Welt wird von ihm angelacht - und die Sterne, der Mond, die Sonne - eben das All - geben sein Leuchten zurück. In seinem Glanz lösen sich Schuldverstrickungen, werden Sünden vergeben, treten Menschen aus dem Schatten heraus: dann können wir neu anfangen. Dann wird die ganze Welt neu! Gott fängt mit uns seine Geschichte neu an. Mit mir! Ich bin weder vorbereitet noch besonders gut für diesen Job. Aber der, der so viel erhabener geworden ist als die Engel, vertraut mir die Worte der Engel an: Siehe, ich verkündige euch eine große Freude. Euch ist heute der Heiland geboren ... Und wir hören die vielen Engel: Ehre sei Gott in der Höhe - und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.
Hauptgerichte brauchen ihre Zeit. Zu Weihnachten besonders. Wir erzählen. Von früher. Von morgen. So manche Sorge kommt hoch, so manche Angst ringt um Worte - und so manche Enttäuschung birgt Konfliktpotential - aber bei einem guten Essen können die alten Geschichten eine wundersame Wendung bekommen. Engels-Menü! Ein Rezept von Engeln? Für Engel?
Krönender Abschluss ist eine besondere Kreation - sozusagen den Höhepunkt des festlichen Schmausens. Das Rezept ist von Johannes. Sein Dessert kommt wie ein leuchtendes Wort!
"Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
Im Anfang war es bei Gott.
Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen."
Worte faszinieren mich. Es gibt so schöne Worte. Sie fallen wie Licht in mein Leben. Sie machen mich schön. Sie machen mich reich. Sie machen mich groß. Schöner, reicher und größer als die vielen Dinge, auf denen ich mein Vertrauen setze - oder die mich auch gefangen nehmen. Wie das klingt! Ich habe dich lieb! Ich stehe zu dir! Ich glaube an dich!
Sein - Gottes - erstes Wort ist: es werde Licht. Sein zweites: Werde du Licht. Sein drittes: Ich bin bei dir. Ich gehe mit. Was Johannes so kunstvoll und schön in kleine Sätze gepackt hat, gleicht einem Gedicht: "Alles ist durch das Wort geworden" - ich auch.
Schöpferisch, liebevoll, aber auch aufmüpfig und herausfordernd kommt Gott zu Wort - und zur Welt. Aber wenn er redet, wird die Welt neu. Wir entdecken: Neue Gedanken. Neue Köpfe. Neue Herzen. Kaum zu glauben, wie mächtig das Wort ist! Es verwandelt meine Welt, stiftet Frieden, schenkt Versöhnung. Von ihm heißt es: "in ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen".
Heute ist Weihnachten. Ein großes Fest. Wir sind eingeladen, uns an einen gedeckten Tisch zu setzen. Nach köstlichen Rezepten - von Jesaja, dem "Hebräer" und Johannes - wird ein Dreigänge-Menü ausgerichtet. Damit unsere Sehnsucht einen Ort bekommt. Damit die Sehnsucht vieler Menschen ernstgenommen wird. Damit die Gewissheit wächst, dass Gott "zuletzt" geredet hat, also das letzte Wort hat. Wir haben Zukunft vor uns:
"Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben."
Ich glaube, jetzt sind wir doch wieder bei den Engeln...
Und der Friede Gottes,
der höher ist als alle Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne,
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
GL 159: Licht, das uns erschien
Oder:
Herr, Jesus Christus,
du bist das Wort, durch das alles geworden ist.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
du bist das Licht, das jeden Menschen erleuchtet.
Christus, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
du gabst uns Macht, Kinder Gottes zu werden.
Herr, erbarme dich.
Allmächtiger Gott,
du hast den Menschen in seiner Würde wunderbar erschaffen
und noch wunderbarer wiederhergestellt.
Laß uns teilhaben an der Gottheit deines Sohnes,
der unsere Menschennatur angenommen hat.
Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Weihnachten - Am Tag
Gott, unser Vater,
in diesen Gaben
willst du uns Versöhnung schenken
und uns wieder mit dir verbinden.
Nimm sie an
und gib durch sie unserem heiligen Dienst
die höchste Vollendung.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Weihnachten am Tag
(für Wortgottesdienstfeiern)
Kehrvers:
Dankt dem Vater mit Freude, er schenkt uns seinen Sohn. (GL 633,8)
Großer, unbegreifbarer Gott,
wir wollen dir unsere Freude und unseren Dank zum Ausdruck bringen,
denn in Jesus von Nazareth ist dein ewiges Wort Fleisch geworden
und hat mitten unter uns gewohnt.
Kehrvers
Er ist das Leben, und das Leben ist das Licht der Menschen.
in ihm kam das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, in die Welt.
Kehrvers
Allen die ihn aufnahmen, gabst du die Macht, Kinder Gottes zu werden.
Er hat die Reinigung von den Sünden bewirkt
Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade über Gnade.
Kehrvers
Alle Enden der Erde sehen nun das Heil unseres Gottes.
Darum jubelt heute der ganze Erdkreis
und stimmt mit den Engeln und Heiligen ein in den Lobpreis der Schöpfung:
Danklied: z. B.: Lobt Gott, ihr Christen alle gleich (GL 247)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn Fleisch geworden ist das Wort,
und in diesem Geheimnis
erstrahlt dem Auge unseres Geistes
das neue Licht deiner Herrlichkeit.
In der sichtbaren Gestalt des Erlösers
läßt du uns den unsichtbaren Gott erkennen,
um in uns die Liebe zu entflammen
zu dem, was kein Auge geschaut hat.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn groß ist das Geheimnis seiner Geburt,
heute ist er, der unsichtbare Gott,
sichtbar als Mensch erschienen.
Vor aller Zeit aus dir geboren,
hat er sich den Gesetzen der Zeit unterworfen.
In ihm ist alles neu geschaffen.
Er heilt die Wunden der ganzen Schöpfung,
richtet auf, was darniederliegt,
und ruft den verlorenen Menschen
ins Reich deines Friedens.
Darum rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen
singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dein Erbarmen zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn schaffst du den Menschen neu
und schenkst ihm ewige Ehre.
Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen:
dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch,
und wir sterbliche Menschen
empfangen in Christus dein göttliches Leben.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 3
Barmherziger Gott,
in dieser heiligen Feier
hast du uns deinen Sohn geschenkt,
der heute als Heiland der Welt geboren wurde.
Durch ihn sind wir wiedergeboren
zum göttlichen Leben,
führe uns auch zur ewigen Herrlichkeit durch ihn,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Weihnachten am Tag
Gemeingüter sind verlässlich. Das unterscheidet sie von den (Finanz-) Märkten. So wichtig und richtig Forderungen nach staatlicher Regulierung prinzipiell sind – es geht nicht nur um Staat oder Markt. In der gegenwärtigen Neujustierung der Kräfteverhältnisse zwischen den Akteuren muss ein grundsätzlich neues Gleichgewicht zwischen einer lebendigen Bürgergesellschaft, dem Markt und dem Staat erstritten werden. Diese demokratische Dimension wird allzu häufig in den aktuellen Diskussionen vergessen. Ob in den Kämpfen um Wasser, um freie Kultur oder um den Schutz der Atmosphäre – es besteht die Gefahr, dass die Allgemeinheit die Verfügungsrechte über die gesellschaftlichen Reichtümer preisgibt. Das ist der wichtigste Augenöffner des vorliegenden Sammelbandes.
Gemeingüter sind allgegenwärtig. Sie machen einen Gutteil unseres Reichtums aus – auch wenn wir dazu neigen, sie nicht wahrzunehmen. Wo dies nicht passiert, da wächst ermutigend Neues. Menschen kämpfen in ganz unterschiedlichen (Selbst-) Organisationsformen lokal und global für faire Zugangsrechte zu sauberem Trinkwasser, für den Erhalt der Saatgutvielfalt, für freie Software und freien Austausch von wissenschaftlichem Wissen oder für vitale öffentliche Räume.
Das Konzept der Gemeingüter verbindet all diese Auseinandersetzungen, und es bringt die Prinzipien von Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Transparenz und Demokratie mit Innovationsfreundlichkeit zusammen. Die Gemeingüterdebatte transportiert die Idee der ökosozialen Marktwirtschaft in die globalisierte Informations- und Wissensgesellschaft. Sie fragt somit nach erfolgreichen Prinzipien, Organisationsformen und Institutionen des Wirtschaftens – auch jenseits von Markt und Staat. Das ist alltagsrelevant und aufregend.
Barbara Unmüßig in: Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter. Netzausgabe.
Wie eine Blume am Winter beginnt
so wie ein Feuer im eisigen Wind,
wie eine Puppe, die keiner mehr mag,
fühl ich mich am manchem Tag.
Dann seh ich die Wolken, die über uns sind,
und höre die Schreie der Vögel im Wind.
Ich singe als Antwort im Dunkel mein Lied
und hoffe, dass nichts geschieht.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Sonne
für diese Erde, auf der wir wohnen.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Freude,
ein bisschen Wärme, das wünsch' ich mir.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Träumen
und dass die Menschen nicht so oft weinen.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Liebe,
dass ich die Hoffnung nie mehr verlier .
Ich weiss, meine Lieder, die ändern nich viel.
Ich bin nur ein Mädchen, das sagt, was es fühlt.
Allein bin ich hilflos, ein Vogel im Wind,
der spürt, dass der Storm beginnt.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Sonne
für diese Erde, auf der wir wohnen.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Freude,
ein bisschen Wärme, das wünsch ich mir.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Träumen
und dass die Menchen nicht so oft weinen.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Liebe,
dass ich die Hoffnung nie mehr verlier .
Sing mit mir ein kleines Lied,
dass die Welt im Frieden lebt.
http://www.songtexte.com/songtext/nicole/ein-bisschen-frieden-4bf2cb46.html
[HTML] Jesus: "Das Wort". Mit dieser Ausdrucksweise ist zunächst einmal festgehalten, dass bei Jesus sein Wort, sein Reden ein zentrales und charakteristisches Element gewesen ist.
Jesus hat gesprochen, und sein Sprechen war ein Ereignis. Zuhörer haben ihre Betroffenheit einmal so ausgedrückt: "Noch nie hat ein Mensch so gesprochen wie er" (Joh 7,46). Ein anderes Mal sagen die Leute: "Er lehrt, spricht wie einer, der Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten" (Mk 1,22). Das Wort Jesu hatte eine beeindruckende Originalität, und es hatte eine innere Autorität und Kraft.
Dabei ist nicht nur an seine Predigt zu denken an Gruppen von Leuten. Genauso wichtig und mächtig waren die Worte, die Jesus zu Einzelnen persönlich sprach. Dazu gehören z.B. die Nachfolge-Worte. Das waren wirkmächtige Anrufe, die dem Leben der Apostel eine völlig neue Richtung gaben. Oder die heilenden und befreienden Worte. "Öffne dich!", sagt Jesus zu dem Taubstummen, und das Evangelium vermerkt: "da öffneten sich seine Ohren und das Band seiner Zunge wurde gelöst" (Mk 7,34f).
Solche Ereignisse und Erfahrungen waren mit ein Grund, dass man von Jesus sagen konnte: "Er ist das Wort". Was er sagte, das hat gewirkt. Es hat herausgefordert -man musste Stellung beziehen - und es hat befreit, ermutigt, geheilt.
Deshalb war eines der frühesten schriftlichen Dokumente im Urchristentum eine Sammlung von Jesus-Worten, die sogenannte Spruch- oder Redenquelle.
Einheit von Wort und Leben
Jesus ist das Wort. In dieser Formulierung ist weiterhin zum Ausdruck gebracht, dass bei Jesus Reden und Tun, Reden und Sein eine Einheit bildeten. Darin war seine Autorität letztlich begründet.
Wort und Existenz sind bei ihm nicht auseinandergeklafft. Jesus war selbst drin in dem, was er sagte: Er, mit seiner Überzeugung, mit seiner Hoffnung, seiner Liebe, auch mit der Bereitschaft, sein Wort wahrzumachen durch den Einsatz seines Lebens. Was er z.B. gesagt hat, gepredigt hat über das Erbarmen und die grenzenlose Liebe Gottes, das hat er gesagt im Wissen darum, dass ihm diese Botschaft das Leben kosten kann.
Bei Charles Peguy, einem französischen christlich orientierten Schriftsteller (1873-1914), findet sich der Satz: "Das Wort: der eine zieht es aus der Manteltasche, der andere reißt es aus seinem Fleisch". Das heißt: Der eine sagt etwas, ohne dass es ihn selbst tiefer berührt; bei dem anderen gibt es diesen Abstand nicht. Jesus ist mit seinem Wort eins geworden. Er hat es "aus seinem Fleisch gerissen". Er ist das Wort, das er spricht. Sein Wort ist "Fleisch geworden": in seinem Tun, seinem Leben und Leiden.
Gott zur Sprache gebracht
Jesus: Das WORT. Damit ist schließlich und vor allem gemeint, dass durch Jesus und in Jesus Gott zu Worte gekommen ist: der letzte Ursprung und Grund der Welt und unseres Lebens.
Was Gott seit je den Menschen sagen und mitteilen wollte, das ist in Jesus endgültig hörbar und sichtbar, hat in ihm Gestalt bekommen, ist "Fleisch geworden". Er ist das leibhaftige Wort Gottes, DIE Offenbarung des Vaters (vgl. Hebr 1,1f).
Wenn die Hl. Schrift vom "Worte Gottes" redet, dann ist damit auch gemeint, dass Gott sich uns zuwendet. Verbindung mit uns aufnimmt, Gemeinschaft zwischen sich und uns begründet, einen Bund stiftet. Jesus, das Wort Gottes in Person, das heißt dann: Er ist es, in dem Gott sich in letzter Konsequenz mit uns verbunden hat. Jesus selbst verkörpert die unauflösliche Verbindung zwischen Gott und den Menschen, den Neuen, ewigen Bund.
Aus:
Augustin Schmied, Lichter, die uns begleiten. Gedanken zu den christlichen Festen, veröffentlicht im Dezember 2012 hier im Downloadbereich des Predigtforums.
Für den Vorabendgottesdienst ist als Evangelium der Stammbaum Jesu nach Matthäus vorgesehen. Er zeigt die Verwurzelung Jesu in der ihm vorausgehenden Geschichte (Mt 1,1-25).
In Kirchen aus dem Mittelalter sieht man den Stammbaum Jesu oft bildlich dargestellt: den Baum aus der Wurzel Jesse. Unten, die Wurzel: Jesse oder Isai, der Vater Davids, und dann geht es hinauf in die Äste und Zweige, bis hin zu Maria mit dem Kinde Jesus.
Es gibt Leute, die viel Zeit und Geld investieren in Ahnenforschung. Auch wenn man selbst nicht so weit geht: es ist schon interessant zu sehen, woher man kommt; wer die Vorfahren waren, die uns ihr Erbe hinterlassen haben. Wir kennen sie kaum noch, wenn es über die Großeltern oder die Urgroßeltern hinausgeht. Und doch haben sie alle etwas an uns weitergegeben: nicht nur biologisches Leben; ihr Leben als Ganzes, ihre Person, haben Wirkungen hinterlassen.
Kommen wir zurück zum Stammbaum Jesu! Es ist ein ziemlich trockener, eintöniger Text: ständig Namen, die fremd klingen. Diese kargen Angaben bekämen Farbe und Leben, wenn man die dazu gehörigen Geschichten aus dem Alten Testament läse. Es hat jedenfalls viel zu bedeuten, dass Jesus in eine menschliche Herkunftslinie hineingestellt wird.
Leben mit positiven und negativen Vorgaben
Jesus, der wie kein anderer Mensch, von Gott her zu uns gekommen ist, ist gleichzeitig tief verwurzelt in der vorausgehenden Geschichte Israels und der ganzen Menschheit. Im Lukasevangelium wird der Stammbaum Jesu bis auf Adam zurückgeführt (Lk 3,23-38).
Christus ist nicht wie ein Meteor vom Himmel gefallen, quer zu allen Verbindungslinien und Entwicklungen der Menschheitsgeschichte. Er steht im Zusammenhang einer langen Vorgeschichte. Es war bei Jesus wie bei uns allen. Wir sind Nachkommen und Erben. Und das prägt uns: helfend und gefährdend.
Jesus konnte auf guten Grundlagen aufbauen. Er konnte in die Spur einer großen religiösen Tradition eintreten. Er konnte anknüpfen an lang erprobte und bewährte Formen der Frömmigkeit und der ethischen Lebensführung. Sein Beten war vorbereitet und getragen durch die Gebetserfahrung und -sprache seines jüdischen Volkes. Man denke an die Psalmen! Bedeutende religiöse Persönlichkeiten konnten ihm Anreger und Vorbild sein: Abraham, Mose, die Propheten.
Diese positiven Vorgaben wurden Jesus näherhin und zunächst durch seine Familie vermittelt: durch Maria und Josef. Durch diese Beiden ist dem menschlichen Bewusstsein Jesu auch sein himmlischer Vater in den Blick gekommen.
Jesus musste aber auch mit negativen Einflüssen fertig werden, mit Hypotheken, die sich unter seinen Vorfahren angesammelt hatten; die ihm zur Versuchung werden konnten.
In der Geschichte Israels gab es auch Abwege und Irrwege, Spuren ins Unheil. Von manchen der Männer, die im Stammbaum genannt werden, berichten die Bücher des Alten Testaments, dass sie gegen die Bundesordnung Gottes handelten und das Volk in eine falsche Richtung mitrissen. Das wird öfter von Königen Israels gesagt. Es gab Ungerechtigkeiten und Verbrechen; falsche Vorstellungen von dem, was zum Heile dient; Verehrung von "Götzen".
Mit solchen negativen Einflüssen musste sich Jesus auseinandersetzen, um seinen Weg zu gehen und dem Auftrag des Vaters zu entsprechen.
Ähnliches gilt auch von uns. Unsere Vorgeschichte wird positive Impulse enthalten; Hilfen, Ermutigung; zum Guten lockende Gestalten. Aber es gibt wahrscheinlich auch erschwerende oder gefährliche Elemente, zumindest, wenn man auch an die Geschichte des Volkes denkt, zu dem wir gehören. Es kommt darauf an, der Lichtspur in unserer Geschichte zu folgen.
Grenzen, die kein Unheil sind
Der Stammbaum Jesu zeigt, dass zum menschlichen Leben Jesu konstitutive Begrenzungen gehörten; Grenzen, die trotzdem seinen Raum und Zeit umspannenden Einfluss nicht gemindert haben.
Jesus wurde in eine ganz bestimmte Menschheitslinie hineingeboren, in ein ganz bestimmtes Volk. Er war Jude; die Christen haben das oft vergessen. Er hat nicht alle Sprachen gesprochen und verstanden. Er ist in vielen Punkten "Kind seiner Zeit" gewesen.
In den Grenzen seines Lebens hat Jesus aber eine universale Ausstrahlung entfaltet. Er hat als Person und mit seiner Botschaft Menschen aller Völker ansprechen können. Die neutestamentliche Bibel, die seine Geschichte und seine Worte weitergibt, ist in alle Sprachen übersetzt; sie ist wohl das am meisten verbreitete Buch überhaupt geworden. Jesus hat die menschlichen Grunderfahrungen miterlebt - den Weg vom Kindsein bis zum Tode; er war mit den elementaren Situationen der Menschen vertraut. Deshalb kann er allen nahe kommen.
Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Interview, das der jüdische Schriftsteller und Nobelpreisträger Isaac Bashevis Singer (1904-1991) gegeben hat. Er sprach davon, dass öfter junge Leute, Studenten, zu ihm kommen und fragen, wie sie es machen sollten, um es zu einem guten Schriftsteller zu bringen. Singer meinte, er sage ihnen, dass sie sich nicht mit Gewalt und nicht zu weit weg von ihrem menschlichen Wurzelboden entfernen sollten. Möglichst Kontakt halten zu den eigenen Ursprüngen ("stay with it" -"bleib dran"!). Singer selbst hat den Nobelpreis in Literatur 1978 für Werke erhalten, die er zunächst in seiner Muttersprache, in Jiddisch, verfasst hatte, in einem (leider) nur noch von Wenigen gesprochenen Dialekt des Ostjudentums. Aber in dieser an sich begrenzten Ausdrucksform war er er selbst, konnte er Originelles und weltweit Bedeutendes schaffen.
Stammbaum Jesu Christi: Jesus eingesenkt in das Wurzelgeflecht der Menschheit! So ist er der Erlöser geworden. Aus dem Inneren der Menschheitsgeschichte her hat er uns einen Weg gebahnt: den Weg zu Gott, dem Vater, und den Weg zu den Mitmenschen. Auf diesen Weg können wir uns mitnehmen lassen.
Aus:
Augustin Schmied, Lichter, die uns begleiten. Gedanken zu den christlichen Festen, veröffentlicht im Dezember 2012 hier im Downloadbereich des Predigtforums.
In die biblischen Texte, die über das Weihnachtsmysterium sprechen, sind große Worte wie Freude und Friede eingewoben. Sie bezeichnen etwas, was jeder Mensch und jede menschliche Gemeinschaft dringend braucht, gleichviel ob sie es wissen und wollen oder nicht.
"Frieden - du großes Augenlid - das alle Unruhe verschließt - mit deinem himmlischen Wimpernkranz - Du leiseste aller Geburten". Mit diesen Zeilen endet ein Gedicht von Nelly Sachs, einer der größten Dichterinnen des 20. Jahrhunderts, der auch der Nobelpreis für Literatur verliehen worden ist. Dieses Gedicht, ich halte es für das schönste, das Nelly Sachs verfasst hat, hat viel mit Weihnachten zu tun. Es beginnt mit den Worten "Einer wird den Ball aus der Hand der furchtbar Spielenden nehmen." Dieser Eine ist offenbar eine Messiasgestalt. Die Schriften des Alten Testaments reden mit vielen einander ergänzenden Worten und Bildern vom Messias, den das Volk des Alten Bundes erwartet hat und heute noch erwartet. Er wird vor allem als Friedenskönig vorgestellt und Isaias redet auf bewegende Weise von seiner Geburt als Aufgang eines großen Lichtes:
Das Volk, das in Finsternis wandelt, erschaut ein gewaltiges Licht. Über den Bewohnern eines finsteren Landes strahlt ein Lichtglanz hell auf.
Reichen Jubel schenkst du, schaffst große Freude. Man freut sich vor dir, wie man sich freut bei der Ernte, wie man jubelt beim Teilen der Beute.
Denn das Joch seiner Last, den Stab auf seiner Schulter, den Stock seines Zwingherren zerbrichst du wie am Tage von Midian.
Ja, jeder Soldatenstiefel, der polternd einherstampft, jeder Mantel, im Blute geschleift, wird verbrannt und im Feuer verzehrt!
Denn ein Kind wird uns geboren, ein Sohn wird uns geschenkt, auf dessen Schulter die Herrschaft ruht. Man nennt ihn: Wunderrat, Gottheld, Ewigvater, Friedensfürst.
Groß ist die Herrschaft, und der Friede ist endlos auf Davids Thron und in seinem Reich; er errichtet und stützt es durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Der Eifer des Herrn der Heerscharen wird dies vollbringen!
Dieser Isaiastext ist eine von den großen Friedensbotschaften der Bibel. Sie wird fortgesetzt durch die Weihnachtsevangelien des Neuen Testaments.
Diese biblische Botschaft vom Frieden ist jederzeit zugleich schwach und stark. Sie wird auch am diesjährigen Weihnachtsfest in eine Welt hineingesprochen, die geprägt ist durch große Konflikte, in Gestalt von Terror und Krieg, durch Elend in großen Teilen Afrikas und Lateinamerikas und durch friedensgefährdende weil auf Unrecht basierende Politik. Zu diesem Unfrieden in der großen Welt kommt der Unfriede in vielen kleineren Gemeinschaften und im Herzen vieler Menschen, die unversöhnt sind mit anderen und mit sich selbst, und in all dem und über all das hinaus unversöhnt mit Gott.
"Einer wird kommen und den Ball aus der Hand der furchtbar Spielenden nehmen", sagt das scheinbar wehrlose Gedicht von Nelly Sachs angesichts dieser vielgestaltigen Friedlosigkeit. Der Ball, von dem hier gesprochen wird, ist unsere Erde, unsere Menschenwelt. Die sehr Mächtigen können mit ihr spielen und sie haben es im 20. Jahrhundert oft getan. Das Kind von Bethlehem hat als Mann von Nazareth und als gekreuzigter und auferstandener Christus diese gefährlich Spielenden nicht entwaffnet. Sie spielen immer noch und werden weiterspielen. Das Kind von Bethlehem hat aber als Mann von Nazareth die Herz und Mund öffnende Bergpredigt verkündet, eine Friedensbotschaft, die zugleich schwach und stark ist, wie ein Kind. Jedes Kind ist schwach, weil wehrlos. Und zugleich ist ein solches Kind stark durch seine Liebenswürdigkeit, durch seinen Charme. Wie ein Sauerteig wirkt daher der Friede Christi inmitten der Menschheit und ihrer Geschichte; sanft und meistens leise, aber nicht wirkungslos. Und manchmal stehen Friedensboten im Namen Christi auch auf und reden mit prophetischer Schelte laut, dröhnend gegen das vielgestaltige Unrecht, das Böse. Öfter gilt freilich das Isaiaswort über den Frieden stiftenden Knecht Gottes als einen, dessen Stimme man auf den Gassen und heute in vielen Massenmedien nicht hören kann. Aber seine Stimme ist da, sie ist da im Gewissen vieler, freilich im Ganzen viel zu weniger Menschen. Und sie führt auch zur Tat. Sie weist Wege, sie heilt und sie baut Brücken von Mensch zu Mensch, von Mensch zu Gott.
Das Evangelium der dritten Weihnachtsmesse, das wir vorhin gehört haben, redet von Christus als dem im Kind von Bethlehem in Welt und Geschichte eingetretenen ewigen Wort und Sohn Gottes, als Licht der Welt. Viele verweigern sich auch heute diesem Licht. Viele führen Krieg gegen dieses Licht. Aber, sagt das Evangelium- der Johannesprolog-, das Licht war schließlich stärker. Der Saldo der Weltgeschichte wird ein positiver sein.
Dieses Licht, liebe hier versammelte Christen, Brüder und Schwestern will auch in uns und durch uns und leuchten. Wo dies geschieht, da mehren sich der Friede und die Freude. Beides wünschen wir einander für heute und für alle Tage des kommenden Jahres.
Egon Kapellari auf: www.dekanat.at
Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind; unsere tiefste Angst ist, daß wir unermesslich machtvoll sind. Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit. Wir fragen uns: "Wer bin ich eigentlich, dass ich leuchtend, begnadet, phantastisch sein darf?" Wer bist du denn, es nicht zu sein? Du bist ein Kind Gottes. Wenn du dich klein machst, dient das der Welt nicht. Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun, wenn du schrumpfst, damit andere um dich herum sich nicht verunsichert fühlen. Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes zu verwirklichen, die in uns ist. Sie ist nicht nur in einigen von uns, sie ist in jedem Menschen. Und wenn wir unser eigenes Licht erstrahlen lassen, geben wir unbewußt anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun. Wenn wir uns von unserer eigenen Angst befreit haben, wird unsere Gegenwart ohne unser Zutun andere befreien.
Nelson Mandela, Auszug aus seiner Antrittsrede 1994.
Ein Wort, ein Satz -: aus Chiffren steigen
erkanntes Leben, jäher Sinn,
die Sonne steht, die Sphären schweigen,
und alles ballt sich zu ihm hin.
Ein Wort - ein Glanz, ein Flug, ein Feuer,
ein Flammenwurf, ein Sternenstrich -
und wieder Dunkel, ungeheuer,
im leeren Raum um Welt und Ich.
Gottfried Benn, Ein Wort.
Komm, du Heiland aller Welt;
Sohn der Jungfrau, macht dich kund.
Darob staune, was da lebt:
Also will Gott werden Mensch.
Nicht nach eines Menschen Sinn,
sondern durch des Geistes Hauch
kommt das Wort in unser Fleisch
und erblüht aus Mutterschoß.
Wie die Sonne sich erhebt
Und den Weg als Held durcheilt,
so erschien er in der Welt,
wesenhaft ganz Gott und Mensch.
Glanz strahlt von der Krippe auf,
neues Licht entströmt der Nacht.
Nun obsiegt kein Dunkel mehr,
und der Glaube trägt das Licht.
Gott dem Vater Ehr und Preis
Und dem Sohne Jesus Christ;
Lob sei Gott dem Heilgen Geist
Jetzt und ewig. Amen.
(Der Hymnus "Veni redemptor gentium” wurde im 4. Jh. vom Kirchenvater Ambrosius in Mailand gedichtet. Die hier vorgelegte Übersetzung ins Deut sche stammt von Markus Jenny 1971.) Aus: Egon Kapellari, Menschenzeit in Gotteszeit. Wege durch das Kirchenjahr. Styria Verlag, Graz Wien Köln 2002.

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