Kv - Selig die Menschen, die Gottes Wege gehn. – Kv
Oder (GL 71,1)
Selig jeder, der den HERRN fürchtet,
der auf seinen Wegen geht!
Was deine Hände erarbeitet haben, wirst du genießen;
selig bist du - es wird dir gut ergehn. - Kv
Deine Frau ist wie ein fruchtbarer Weinstock
im Innern deines Hauses.
Wie Schösslinge von Ölbäumen sind deine Kinder
rings um deinen Tisch herum. - Kv
Siehe, so wird der Mann gesegnet,
der den HERRN fürchtet.
Es segne dich der HERR vom Zion her.
Du sollst schauen das Glück Jerusalems alle Tage deines Lebens. - Kv
Das Evangelium beschreibt die Loslösung Jesu von seiner Familie. Die Ent-bindung bei der Geburt wird weitergeführt und lässt ihn erwachsen werden. Dazu gehört, neue Bindungen eingehen und selbst gestalten zu können. Als Kinder Gottes sind wir zwar frei. Wir bleiben aber Kinder Gottes für immer.
Wir stehen im Ablauf der Festtage ziemlich genau in der Mitte zwischen dem Weihnachtsfest und dem Beginn des Neuen Jahres am 1. Jänner. Im Evangelium schildert uns der Evangelist Lukas heute die Darbringung Jesu im Tempel. Dabei kommt es zu einer Begegnung zwischen den Eltern mit ihrem Kind und zwei Menschen, von denen beiden gesagt wird, dass sie vom Heiligen Geist geführt sind. Hanna wird uns als hochbetagte Prophetin dargestellt und von Simeon steht zwar nicht ausdrücklich im Text, dass er ein alter Mann war, aber aus seinen ersten Worten, wo er sagt, »...nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden« können wir annehmen. Und beiden Personen wird der Heilige Geist zugesprochen. Bei Simeon steht das ausdrücklich im Text und Hanna wird uns als Prophetin vorgestellt.
Die wahren Propheten sind in der Bibel nicht Menschen, die die Zukunft voraussagen - wie wir es in unserem Sprachgebrauch heute vielfach verstehen - sondern Propheten in der Bibel sind Menschen, die die Wahrheit Gottes verkünden. Und diese Wahrheit ist meist entgegen der allgemeinen Meinung oder, wie wir heute sagen würden, entgegen dem "mainstream". Daher sind wahre Propheten meist unbeliebt und müssen, ob dem Unverständnis der Menschen für die von ihnen zu verkündigende Wahrheit oft leiden. Ihr Schicksal ist nicht begehrenswert. Es ist immer leichter den anderen wie man so sagt »nach dem Maul« zu reden als unangenehme Wahrheiten beim Wort zu nennen.
Der Evangelist schildert uns in diesem Text die Begegnung zwischen einem Säugling und zwei alten Menschen, zwischen dem Kind in der Krippe, dessen Geburt wir vor wenigen Tagen gefeiert haben und zwei Menschen, die ihr irdisches Leben mehr oder weniger schon vollendet haben.
Auch bei unseren Feiern der letzten Tage standen wohl die Kinder im Mittelpunkt. Einerseits sind es die Kinder oder Enkeln, Urenkeln, Nichten und Neffen, die das »Christkind« am sehnlichsten erwartet haben und von ihm die Erfüllung ihrer geheimen Wünsche erhofft haben. Andererseits sind es aber auch unsere eigenen Kindheitserinnerungen, die unser eigenes Erleben des Festes ganz wesentlich beeinflussen und prägen. In jedem Neugeborenen, in jedem Kind, erleben wir ein Stück Hoffnung. Wir wünschen, dass es in eine bessere Welt hineingeboren ist, als wir sie erlebt haben. Und genauso geht es uns selbst auch am Jahreswechsel. Wir lassen das alte Jahr hinter uns und hoffen auf ein gutes Neues Jahr.
Der heutige Text der Frohbotschaft ist so ein Text des Übergangs. Die Kirche und mit ihr die Priester und auch Laien, die voll bewusst mit der Kirche das Brevier oder Stundengebet beten, beten diesen Text täglich als Abendgebet. Sie beten ihn am Ende des Tages, wenn sie ihren Tag Revue passieren lassen und sich der Ruhe der Nacht übereignen. Und jedes sich dem Schlaf überlassen, ist ja wie ein kleiner Tod. Deshalb haben die Menschen im Mittelalter aus Angst, unvorbereitet zu sterben, oft im Sitzen geschlafen. Im Schlaf ist unser Bewusstsein eingeschränkt und wir sind nicht mehr Herr all dessen, was da passiert.
Der Text schließt mit der Verkündigung des Heils an die Verkündigung der Engel bei der Geburt Jesu an und führt uns in eine Situation der Entscheidung, die wir täglich auf uns nehmen müssen. Denn der Evangelist Lukas begleitet seine Gemeinde, also die ersten Christen bzw. eben die Judenchristen, die sie zur Zeit der Abfassung des Evangeliums noch waren, in ihre Glaubensentscheidung hinein. Sie müssen sich entscheiden, ob sie glauben, dass in Jesus wirklich Gott Mensch geworden ist, ob sie glauben, dass dieser Mensch durch seinen Tod und seine Auferstehung uns mit Gott versöhnt hat und so unser Retter geworden ist, ob von Gott alle Rettung kommt.
Damit sind wir aber schon in der harten Realität der Weihnachtsbotschaft. Denn auch uns stellt der Evangelist diese Frage. Auch wir müssen uns tagtäglich neu entscheiden, ob wir auf unser eigenes Können vertrauen oder im Lauf eines mehr oder weniger langen Lebens gelernt haben, dass unsere einzige, wahrhafte und wirkliche Zuversicht und Hoffnung auf einen guten Ausgang unseres menschlichen Tuns, ja unseres ganzen Lebens nur in Gott liegt.
Wenn wir auch unseren Kindern noch so wünschen, dass das Christkind ihnen alle Wünsche im Leben erfüllt, so wissen wir auch, dass wir es nicht für sie im Leben »machen« können, und dass sie selbst vieles in ihrem Leben nicht »machen« können. Es muss ihnen geschenkt werden. Und schenken kann es letztlich nur einer, eben der, der uns das Christkind, Jesus Christus, Jesus, den Gesalbten, unseren Retter und Erlöser geschenkt hat. Für ihn müssen uns immer wieder jeden Tag neu entscheiden.
Der erzählerische an Maria gerichtet Einschub in diesem Text, nämlich "Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen", ist ein Hinweis auf die Entscheidung, unter der Maria und unter der wir jeden Tag neu stehen. Manche Exegeten sehen nämlich nicht so sehr in dieser Aussage die Voraussage der Schmerzen Mariens - wie wir sie aus der Darstellung der Mater dolorosa, der Schmerzensmutter, mit den sieben Schwertern, die ihr Herz durchdringen, kennen - sondern sie sehen in dem Schwert, das Schwert der Entscheidung. Es ist wie die Krise bei einer Erkrankung. Die Krise kann der Patient überleben oder daran sterben. Beides ist in diesem Zustand prinzipiell möglich. Es ist nicht nur die ärztliche Kunst, die den Kranken heilt. Der Arzt kann probate Mittel empfehlen, aber gesund werden muss der Patient selbst, sein Lebenswille trägt viel dazu bei.
Und so ist es auch bei den vielen einzelnen Entscheidungen, die uns jeden Tag abverlangt werden. Wir haben die Freiheit geschenkt bekommen, uns so oder anders zu entscheiden. Es liegt an uns, Gott und die von ihm uns geschenkten Gnaden wie die Gottesmutter anzunehmen oder die Annahme zu verweigern und eigene Wege zu gehen. Und es wird auch so sein, dass es immer wieder Situationen in unserem Leben gibt, wo wir abends beim Überdenken des Tages uns dann eingestehen müssen, das oder jenes ist nicht gut gelaufen, das oder jenes war wohl nicht der Wille Gottes für meine Lebenssituation, da bin ich etwas schuldig geblieben. Dann tut es gut zu wissen, dass uns Gott in seinem Sohn den Retter gesandt hat, das Kind in der Krippe, »das Heil«, das Simeon gesehen und verkündet hat, das Gott allen Völkern bereitet hat und so auch uns.
Nach diesem Lobpreis des Simeon betet die Kirche in ihrem Abendgebet voll Vertrauen auf den Schutz und das Heil, das sie allein von Gott zu erwarten hat: "Sei unser Heil, o Herr, wenn wir wachen, und unser Schutz, wenn wir schlafen; damit wir wachen mit Christus und ruhen in seinem Frieden."
„Mein Vater wird bald 86 Jahre alt und seine Alterssturheit wird von Tag zu Tag schlimmer. Er war Kleingewerbetreibender und hat immer und überall die Fäden in der Hand gehabt. Meine Mutter, die vor Jahren gestorben ist, war sehr gutmütig und hat nie gegen ihn aufbegehrt. Nach ihrem Tod ist er in ein tiefes Loch gefallen und hat laufend über alles geklagt, um sich unsere Zuwendung zu holen. Oder besser gesagt, um mit uns anzuschaffen. Anschaffen kann er immer noch sehr gut. Und alles muss auf der Stelle passieren. Er selbst macht keinen Handstrich. Seit einiger Zeit machen wir aus Enttäuschung nichts mehr für ihn. Es tut uns aber leid, weil er ja doch unser Vater ist. Und wir haben schon so oft überlegt, was wir tun könnten, wie wir ihn überreden könnten, vielleicht selbst Hilfe zu suchen. Bis jetzt sind leider alle Versuche gescheitert.“
„Meine Mutter ruft mich ständig an und will mich immer in ihrer Nähe haben. Seit dem Tod des Vaters vor einem Jahr beansprucht sie mich immer mehr. Ich spüre ihre stillen Vorwürfe, wenn ich mal ungehalten bin oder sage, dass ich keine Zeit habe, dabei bin ich so viel bei ihr. Für meine Familie ist das eine große Belastung und ich habe dann ein schlechtes Gewissen. Ich habe Angst, was wird, wenn sie wirklich intensiver betreuungsbedürftig wird.“
Im Hintergrund der Schilderung zweier Frauen steht die gleiche Problematik: Die Eltern brauchen Hilfe, sie erwarten sich von ihren Kindern, dass sie nun ihren Teil des Generationenvertrages erfüllen. „Früher waren wir für euch da, wir haben euch großgezogen, viele Opfer gebracht, damit ihr eine Ausbildung bekommen konntet, wir haben für euch die Wäsche gewaschen, an eurem Bett gesessen, wenn ihr krank wart … nun seid ihr an der Reihe.“ Nur selten sprechen die alten Eltern ihre Erwartungen deutlich aus. Dennoch hören die erwachsenen Kinder diese Botschaft – zwischen den Zeilen, in Andeutungen und manchmal nur in der eigenen Phantasie. Aber sie wissen oft nicht, wie sie mit diesen Erwartungen umgehen sollen.
Die Betreuung und Pflege, die oft langsam und schleichend aber auch plötzlich über die Familien hereinbricht, stellt dann eine große Herausforderung dar: Abschied von Lebensplänen, Doppelbelastung Beruf und Pflege, zeitlich sehr angehängt sein und Verlust von sozialen Kontakten und Netzwerken, psychische Belastung durch Trauerprozesse, depressive Reaktionen der pflegebedürftigen Angehörigen, physische Belastungen durch verschiedene Pflegetätigkeiten…
Im Zusammenhang und Verlauf der Pflege kommt nicht selten so manches Ungelöste in der Beziehungsgeschichte mit den Eltern an die Oberfläche: latente nicht angesprochene Konflikte, Kränkungen und Verletzungen, die nicht geklärt wurden, alte Rechnungen, die nicht beglichen wurden. „Ich war in der Familie immer das schwarze Schaf und konnte nichts recht machen, das kommt jetzt immer wieder hoch, wenn ich meine Mutter so fordernd in ihrer Pflegebedürftigkeit erlebe.“ „Dass ich damals die Ausbildung zum Traumberuf nicht machen durfte, vergesse ich ihnen nicht.“ „Ich wollte nie so werden wie meine Mutter, es gibt Tage da halte ich sie einfach nicht mehr aus. Ich habe dann aber ein schlechtes Gewissen, weil sie ja so geduldig ist.“
Im Zusammenhang der Pflege müssen sich viele noch einmal ihren Eltern stellen mit Fragen wie: Welche Leit- und Glaubenssätze haben mich geprägt, welche Werte habe ich übernommen, was verdanke ich ihnen, was ist offen geblieben, was kann ich ihnen nicht verzeihen, was ist noch zu klären?
Die Eltern stellen einen wichtigen Part unseres Lebens dar: Urvertrauen, emotionale Geborgenheit, die Art und Weise wie wir Beziehung gestalten und leben, welche Werte unser Leben bestimmen, was uns interessiert und wofür wir leben, das alles hat mit unserer Erziehung, mit unseren Eltern zu tun, sie haben die Basis gelegt, sie sind ein archetypischer Teil unserer Persönlichkeit. Von ihnen haben wir viele unserer Ressourcen, aber auch den einen oder anderen schweren Rucksack mit ungelösten Problemen übernommen, der eigentlich nicht uns gehört und der unter Umständen von Generation zu Generation weitergereicht wird.
Die Würdigung von Vater und Mutter wird in der Lesung mit langem Leben und Segen, mit dem Gelingen des Lebens in Verbindung gesetzt. Das heißt: Nur wer um seine Wurzeln weiß, wer sich der Ressourcen bedient, die er von seinen Eltern erhalten hat, wer sich mit seiner Elterngeschichte aussöhnt, hat Zugang zu einem geglückten Leben. Die Pflegesituation, die die Kinder oft noch einmal auf besondere Weise ihren Eltern näher bringt, kann eine Chance sein, manches zu klären, Konflikte endlich auszutragen, die Rucksäcke, die den Eltern gehören, zurückzugeben und vielleicht den oft langen inneren Kampf gegen die Eltern zu beenden. „Ich will nicht so werden wie sie“, ist die beste Ansage, in die Wiederholung zu gehen, die alten ungelösten Geschichten weiterzutragen und sie vielleicht an die eigenen Kinder wieder weiterzugeben. Es kann gut sein, sich hierfür Hilfe durch eine Beratung zu holen.
Würdigung des Vaters der anfangs zitierten Dame heißt dann: ihm zwar die notwendige Unterstützung und Betreuung zu geben (was sie ja im Prinzip gerne tut), aber sich nicht ständig neu kränken zu lassen, sich nicht zum Spielball überzogener Wünsche des Vaters zu machen, ihm nicht die Frau zu ersetzen und ihm gleichzeitig Unterhalterin und Zeitvertreib zu sein, sondern ihm die Verantwortung für sein Leben (zu dem die Trauer um seine Frau, der Verlust mancher Fähigkeiten, die Angst vor dem Sterben und manch anderes gehört) zurückzugeben und klare Grenzen zu ziehen – es braucht auch das NEIN.
Würdigung der Mutter könnte für die zweite Dame heißen: über die Gefühle zu reden, der Mutter mitzuteilen wie es ihr geht. Sie muss ihr sagen, dass sie den Platz des Vaters nicht einnehmen kann, dass sie nicht die Verantwortung für ihr Glück übernehmen kann und dass die erste Verantwortlichkeit ihrer eigenen Familie gilt.
Betreuung und Pflege stellen eine große Herausforderung für Familien- und Beziehungssysteme dar. Sie bringen aber auch viele bereichernde und positive Erfahrungen, wenn es gelingt die Betreuungsbeziehung zu klären, wenn die pflegenden Angehörigen mit ihren Kräften haushalten, wenn sie für genug Erholungszeiten sorgen, wenn sie auch bereit sind, sich Hilfe zu holen und Teile der Pflege abzugeben, und wenn sie die notwendige Unterstützung erhalten. Hier beginnt der gesellschaftliche Auftrag: Pflegende Angehörige auf vielfältige Weise zu unterstützen (Ersatzpflege, finanzielle Absicherung, Beratung…) und zu begleiten. Sie haben sich große Wertschätzung verdient, realisieren sie doch in großem Ausmaß die Botschaft der Lesung.
80% der Menschen, die Betreuung und Pflege brauchen, erhalten diese im familiären Umfeld und zu 80% sind es die Frauen die diese herausfordernde Arbeit leisten, auch angesichts der Tatsache, dass die durchschnittliche Pflegedauer immer länger wird (zur Zeit bei etwa sieben Jahren) und dass die Pflege aufgrund zunehmender Demenzerkrankungen schwieriger wird.
Autor: Mag. Martin Eilmannsberger, Psychosoziale Beratung an der Servicestelle für pflegende Angehörige der Caritas Linz.
Im heutigen Evangelium ist von der Flucht nach Ägypten die Rede. Jesus hatte zu Beginn seines Lebens kein Zuhause. Aber dann - nach dem Tod des Herodes - wird Josef angewiesen, nach Israel zu ziehen. Dort lässt er sich mit Maria und Jesus in einer Stadt namens Nazareth nieder. Jesus ist nun in Nazareth zu Hause.
Als ich vor etlichen Jahren mit Religionslehrerinnen und Religionslehrern im Heiligen Land war, besuchten wir auch Nazareth. Der Ort war für viele mit großen Erwartungen aufgeladen. Von Kindesbeinen an hatten sie von Nazareth gehört. Aber Nazareth ist kein Idyll. Die Kollegen und Kolleginnen waren von der Stadt enttäuscht. Ich sagte ihnen: "Ja, das ist Nazareth: eine enttäuschende Stadt! Zur Zeit Jesu noch mehr als heute war Nazareth ein Provinznest." Aber dort war er zu Hause.
Jemand kann sagen: Er ist nun im Himmel, also nicht mehr auf dieser Erde zu Hause. Wirklich? Er ist auch hier zu Hause. auf dieser unserer Erde!
In der Lesung aus dem Brief an die Christengemeinde von Kolossä heißt es heute: "Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch!" Das Wort Christi kann bei uns wohnen! Und in seinem Wort ist er selber anwesend! "In euren Herzen wohne der Friede Christi!" Er ist es, der uns seinen Frieden erfahren lässt. Er selber ist in uns da! In uns und bei uns! "Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt!" Er kann bei uns zu Hause sein, wenn wir in seinem Sinne leben.
Jesus lebte mit Josef und Maria in Nazareth. Nun, da er beim Vater lebt, ist er nicht mehr an Raum und Zeit gebunden. Doch kann und möchte er bei uns wohnen, in uns und unter uns. Wir können ein Haus für ihn bauen, eine Wohnung für ihn herrichten, wenn wir so leben, wie es uns die Lesung sagt. Dann kann sein Nazareth auch … (München, Wien …) sein!
Einige Erinnerungen an die gehörte Lesung aus dem Kolosserbrief für unseren Hausbau, für das Einrichten unserer Wohnung für ihn:
„Ihr seid von Gott geliebt“: Wo immer wir sind, in einer Familie, allein in einer Wohnung, in einem Hochhaus oder Bauernhaus, dürfen wir uns immer wieder sagen: Ich bin von Gott geliebt, und zwar nach der Art Gottes, also unendlich geliebt. Und die anderen, mit denen wir leben, denen wir begegnen, sind von Gott geliebt, ob sie daran denken oder nicht. Jesus war der Geliebte des Vaters, Maria und Josef waren von Gott begnadet und geliebt. Die drei bildeten die Heilige Familie, die wir heute feiern. Auch wir, jede und jeder von uns, sind von Gott geliebt!
„Bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen“, heißt weiter. Dann wird näherhin aufgezählt:
"Ertragt euch gegenseitig". Manchmal bleibt im Zusammenleben - auch im Zusammenleben einer christlichen Gemeinde, Gemeinschaft, Familie oder Verwandtschaft - nur das Ertragen als Möglichkeit der Liebe.
„Vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat.“ Es wird auf den Herrn verwiesen: „Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt einander!" Es ist gar nicht so leicht, den Anderen immer wieder neu zu sehen und nicht auf Vergangenes festzulegen. Manch alte Verletzung oder Enttäuschung ruft nach Versöhnung. Die Erfahrung, dass mir vergeben wird, tut gut, aber auch die Erfahrung, vergeben zu können.
„Vor allem liebt einander“. Die Liebe „hält alles zusammen“, in der Familie, aber auch in jeder Gemeinde und Gemeinschaft. Die Liebe möchte das Beste für den anderen, ist erfinderisch, hat Geduld. Liebe macht frei. In der gegenseitigen Liebe kann Friede gedeihen.
Und noch ein wichtiger Hinweis: „Seid dankbar!“ Dankbarkeit tut den anderen gut und tut uns selber gut. Wer dankbar ist für das Zurückliegende, kann offen in die Zukunft gehen. Ich zitiere Goethe: „Ein Werdender wird immer dankbar sein“. Von Ignatius von Loyola kommt die Anregung, jede Gewissenserforschung mit der Frage zu beginnen: „Wofür kann ich danken?“
Jetzt feiern wir Eucharistie, die große Danksagung: Wir danken dem Vater, dass er uns in Jesus sein Wort schenkt. Wir danken Jesus, dass er uns zu seinen Freunden macht und zu seiner Familie. Wir danken dem Geist Gottes, dass er uns die Art lehrt, wie wir bei Gott zu Hause sein können.
Das Fest der Heiligen Familie, das wir heute begehen, ist relativ jung. 1920 wurde es eingeführt und in der Neuordnung des liturgischen Kalenders 1969 auf den Sonntag nach Weihnachten festgelegt. Die Familie unter der Rücksicht des Glaubens betrachten heißt: Sie stärken und ihr Kraft verleihen. Dies ist immer wieder notwendig, weil wir Menschen als Gemeinschaftswesen ein Zuhause brauchen – nicht nur die Kinder, auch wir Erwachsenen.
Äußerlich hat die Familie in ihren Formen viele Veränderungen durchschritten: Sippenverbände, Großfamilie, Kleinstfamilie, Ehepaare ohne Kinder, alleinerziehende Mütter oder Vater, Familien mit geschieden wiederverheirateten Partnern. Mag das äußere Bild der Familie sich gewandelt haben und vielfältige Formen aufweisen, ihr Wert hängt an der inneren Gestaltung und von der Atmosphäre in ihr ab.
Paulus benennt in seinem Brief an die Kolosser, was der Familie gut tut und die bergende Atmosphäre in ihr stärkt: Güte, Milde, Geduld, füreinander das Gute wollen. Wenn Paulus den für unsere Ohren aufregenden oder gar empörenden Satz formuliert „Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter“, dann sollten wir getrost allen Zorn auf den Apostel fahren lassen. Paulus will nicht die Frauen zu Sklavinnen ihrer Ehemänner machen. Wer den Text im Zusammenhang betrachtet, dem wird deutlich, was Paulus den Frauen ans Herz legen will: Sie sollen ihre Ehemänner lieben, ihnen helfen, sie unterstützen, ihnen »zugetan« sein. Das ist mit »untertan sein« im Sinne des Paulus gemeint. Denn mit dem gleichen Anliegen wendet er sich ja auch an die Männer, wenn er ihnen sagt: „Ihr Männer liebt eure Frauen und seid nicht gegen sie aufgebracht“. Der Apostel hätte auch hier formulieren können: Ihr Männer, seid auch ihr euren Frauen »zugetan«, »untertan«.
Wenn wir heute auf die Heilige Familie schauen und uns fragen, wie sie Familie gelebt hat, dann sollten wir uns hüten, ein idyllisch romantisches Bild von ihr zu entwerfen. Denn auch die Heilige Familie hatte mit vielerlei Widerwärtigkeiten zu kämpfen. Über viele Jahre hatte sie keinen festen Wohnsitz. Betlehem, Ägypten, Armut, Flüchtlingsdasein. Wenn wir über die Kindheit Jesu auch wenig wissen, sein Verhalten als jugendlicher Zwölfjähriger während der Wallfahrt zum Tempel in Jerusalem lässt uns ahnen, dass Maria und Josef es nicht nur leicht mit ihrem Jesus hatten. Sich absetzen, ohne ein Wort zu sagen, drei Tage die Eltern in Angst und Schrecken sich Sorge um ihn machen lassen und dann im Vorwurfston zu ihnen sagen: Wusstet ihr nicht, dass ihr mich hier im Tempel finden würdet, war keine harmlose Angelegenheit.
Aber es findet sich auch das Beglückende in der Heiligen Familie: Die tiefe Verbundenheit aller drei mit Gott, die stete Bereitschaft, seinem Willen zu entsprechen, das sofortige Zusammenstehen in den Notsituationen, die gemeinsame Annahme des Lebens mit seinen unerwarteten Herausforderungen, die Sorge füreinander.
Die Weihnachtstage offenbaren oft, wie es um die eigene Familie steht. Wahrscheinlich ist aus diesem Grund der Familiensonntag auch in die Weihnachtszeit gelegt worden. Neben Geborgenheit und Wärme kann sich ebenso ein Stück Einsamkeit oder Wehmut gesellen, z.B. dass alles nicht mehr so ist wie früher. Jede Familie unterliegt sodann im Laufe der Zeit dem Wandel und der Veränderung: mit Einbrüchen und Aufbrüchen, mit Abnabelung und neuem Zusammenrücken. Es kann die Eigenständigkeit wachsen, aber ebenso die Abhängigkeit zunehmen, z.B. bei Krankheit, Unglück oder Not.
Es zeugt von Verantwortung und gelebtem Glauben, wenn wir uns fragen: Wie steht es um meine Familie? Was trägt sie und tut ihr gut; wodurch wird sie belastet? Was ließe sich verbessern; was andererseits muss durchgestanden oder auch durchlitten werden?
Der Blick auf die Heilige Familie eröffnet uns wichtige Schritte, die es zum Wohle der eigenen Familie zu unternehmen gilt. Für alle drei, Maria, Josef wie Jesus bildet Gott den Mittelpunkt des Lebens. Was auch immer auf sie zukommt, Gottes Willen wollen sie sich nicht widersetzen. Der Kräfte und Nerven zehrenden Alltagsmühe und Lebenslast weichen sie nicht aus. Wir dürfen davon ausgehen, dass auch bei ihnen gemeinsame Ziele durchdiskutiert und abgesprochen werden mussten, eine Arbeitsteilung stattfand, von der Jesus nicht ausgenommen wurde und dass sie alle drei sich ein Stück auch gegenseitig ertragen mussten. Wenn wir sehr Genaues über das Alltagsleben der Heiligen Familie auch nicht wissen, die kurzen Hinweise in der Bibel bezeugen, dass ihr Familienklima davon bestimmt war: das Gute füreinander zu wollen.
Füreinander das Gute wollen und erstreben ist aus meiner Sicht der entscheidende Schritt für das Zusammenleben in der Familie. Mit dieser Absicht lässt sich eine Familienatmosphäre aufbauen, die Wege findet, einander nicht nur auszuhalten und zu ertragen, sondern in Liebe einander zu helfen und füreinander zu sorgen. Dieses Miteinander und Füreinander schenkt jene Geborgenheit, nach der wir uns alle sehnen. Um dieses Miteinander und Füreinander muss allerdings jeder von uns ringen. Das ist unser Anteil. Vertrauen dürfen wir darauf, dass Gott uns viel Kraft bei unserem Bemühen verleiht. Denn Gott war nicht nur für Josef und Maria die wichtigste Kraftquelle; er ist sie auch für uns.
Bitten wir die Heilige Familie heute besonders, aber auch sonst immer wieder, uns zu stärken, füreinander das Gute zu wollen. Dann dürfen wir sicher handfest erfahren, dass auch unsere Familien im Schutze Gottes stehen, obwohl uns die Mühe des Lebens und die Last des Alltags verbleiben.
Heute feiern wir das Fest der Heiligen Familie. Im Jahre 1920 wurde es für die ganze Kirche eingeführt. Die Familie als Keimzelle der Gesellschaft soll ein Ort der Geborgenheit und Liebe sein. Leider ist das nicht immer der Fall. Da können wir viel von Josef und Maria lernen.
Josef und Maria waren verlobt. Die Verlobung kam damals einer Ehe gleich. Der Unterschied bestand nur darin, dass Mann und Frau noch nicht zusammen gezogen sind. Da merkte Josef, dass Maria schwanger geworden ist. In ihm stiegen viele Fragen auf: Von wem ist Maria schwanger geworden? Er fragt sich: Bin ich gar betrogen worden? Kann ich da die Beziehung aufrecht halten? Die Reaktion von Josef ist imponierend. Er machte keine Anzeige. Denn nach dem damaligen Recht stand auf Ehebruch die Todesstrafe. Er will Maria nicht bloßstellen oder verurteilen lassen. Er übte keine Rache. Er will Maria nach wie vor beschützen, auch wenn er annehmen muss, dass sie ihn hintergangen hat. Er liebt sie doch. Er will das anscheinend Böse durch das Gute überwinden. Das ist bewundernswert. Er denkt daran, sich von Maria in aller Stille zu trennen. Auf diese Weise würde er die Schuld auf sich nehmen.
Da Josef in der Bibel als gerechter Mann galt, auf Gott ausgerichtet war, kam ihm Gott selbst zu Hilfe. In einem Traum erfuhr er durch einen Engel Gottes, vermutlich war es Gabriel, dass das Kind vom Heiligen Geist sei. Das hätte sich Josef nie träumen lassen, dass ihm Gott seinen Sohn zur Pflege anvertraut. Welch eine Auszeichnung! So hat sich die äußerst schwierige Situation durch Gott in Wohlgefallen aufgelöst. Jetzt wusste Josef, dass Maria ihn nicht betrogen hatte und die Liebe zu ihr wurde noch größer.
Was können wir daraus lernen? Mir fällt auf, dass Josef Maria keine Vorwürfe gemacht hat. Wenn sich Mann und Frau gegenseitig Vorwürfe machen, verbessern sie gar nichts. Wenn sich Eheleute gegenseitig Schuld zuschieben, lösen sie keine Probleme. Sie vergiften vielmehr das Klima und zerstören das Vertrauen. Wir wissen: das Gegenteil von gut ist nicht schlecht, sondern gut gemeint. Und wir Eheleute meinen immer, sehr gut mit dem Partner umzugehen. Von Maria und Josef können wir den Umgang in schwierigen Situationen lernen.
Ich bin der Meinung, dass sich Josef und Maria das Leben mit Jesus idyllischer vorgestellt haben. Mit einem Kind wurde alles anders. Das ist so in jeder Familie. Die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem war meiner Meinung nach für Maria und Josef eine Zumutung. Der Gedanke „Der Vater im Himmel hätte doch Vorsorge treffen können“, kam vermutlich auf. Doch es herrschte kein Groll gegen Gott. Sie fügten sich. Gott hatte andere Gedanken. Er will sich mit allen Menschen verbrüdern, auch mit den Obdachlosen. Und Josef und Maria haben die Aufgabe an den Plänen Gottes mitzuwirken. Tun wir das auch in der Ehe?
Bald kam für diese jungen Eheleute wieder eine Überraschung. Josef erhielt im Traum von einem Engel die Weisung: „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten“. Da stand Josef noch in der Nacht auf, floh mit Frau und Kind, wahrscheinlich ging die Reise über den Gazastreifen nach Ägypten. Das ist keine weite Strecke, aber mit einem Esel kam man nur langsam vorwärts.
Das ist die große Überraschung, dass Jesus bald nach seiner Geburt verfolgt wird. Die Verfolgung der ersten christlichen Familie begann also schon vor 2000 Jahren. Josef und Maria werden sich gedacht haben: „Jahrhunderte haben die Menschen auf den Messias gewartet. Jetzt ist der Retter erschienen und wird verfolgt. Warum ist das so?“ Ich vermute, dass sich Gott mit allen Flüchtlingen verbrüdern wollte. Gott will sagen, dass er dem Menschen in jeder Situation beisteht. Tun wir das auch? Stehen wir den Flüchtlingen bei, lindern wir Notsituationen? Fremde aus Ägypten haben die heilige Familie aufgenommen. Helfen wir als christliche Familie auch Asylanten?
Herodes war kein Familienmensch. Er ließ nicht nur die Kinder von Bethlehem töten, er ließ auch eigene Söhne umbringen. Der Nachfolger von Herodes in Judäa war Archelaus. Dieser war noch schlimmer als Herodes. Aus diesem Grund wurde er abgesetzt und ein römischer Prokurator eingesetzt. Der uns bekannteste Prokurator war Pontius Pilatus. Unter seiner Regentschaft wurde Jesus gekreuzigt.
Jesus wurde aus religiösen Gründen bei Pontius Pilatus angezeigt. Doch der Prokurator interessierte sich nicht an religiösen Fragen. Sein Satz „Was ist Wahrheit“ ist weltweit bekannt. So versuchten die Gegner Jesu aus einem religiösen einen politischen Prozess zu machen. Sie sagten: „Dieser Jesus will sich zum König machen. Wenn du ihn freigibst, bist kein Freund des Kaisers“. Doch Christus wollte kein irdisches Reich, sondern das Reich Gottes aufrichten. Er wollte nie Präsident eines irdischen Staates werden. Trotzdem gab Pilatus nach und ließ ihn kreuzigen. Den fürchterlichsten Tod musste Jesus erleiden. Die Apostel haben nicht verstanden, dass Gott so etwas zulassen konnte. Doch Jesus will uns zeigen, dass sich Gott bedingungslos an die Menschen hingibt, auch wenn sie ihn kreuzigen. Größer kann die Liebe Gottes nicht mehr sein. So wurde unter dem Kreuz der Liebesbund Gottes mit den Menschen geschlossen.
Das erkannte als erste Person Maria. So entstand die Kirche, die neue Familie Gottes. Maria wurde zur Mutter aller Gläubigen, zur Trösterin aller betrübten Familien, die ein Kind verloren haben. Maria stand unter dem Kreuz nicht passiv, sondern aktiv. Welch ein Vorbild ist uns Maria unter dem Kreuz geworden. Sie trug das Leiden Jesu mit. Sie erkannte im Glauben, dass dieser Tod Jesu uns zum Heil dient. Mit dem Blut Jesu wurde ein neuer Bund zwischen Gott und den Menschen begründet. Das heißt, dass uns nichts mehr von Gott trennen kann.
Auch christliche Familienmitglieder soll nichts voneinander trennen. Denn sie überwinden wie die heilige Familie das Böse durch das Gute. So wird wieder Weihnachten, wenn wir die Liebe Gottes in unseren Familien weitergeben.
Josef und Maria erleben in der gerade gehörten Geschichte schockiert, wir ihr Jesus, der ihnen so vertraut ist, seinen Weg geht und darauf beharrt, dass das ja gar nicht anders geht: Er muss einfach seine Sonderwege gehen, wenn er dem gehorcht, von dem jede Elternschaft ihre Berechtigung bezieht, nämlich dem himmlischen Vater.
Die Geschichte von Jesus in den Jahren der Pubertät war mir als Vater ein großer Trost, besonders dann, wenn meine Söhne, meine Tochter Entscheidungen trafen, die ich nicht sofort nachvollziehen konnte.
Nun, das ist die eine Seite der Verantwortlichkeit zwischen Generationen: Dass Eltern ihren Kindern ermöglichen, ihren je eigenen Weg zu ziehen. Und wenn das geschieht, dürfen wir uns als Eltern auch herzlich freuen: geht damit doch eine Frucht auf, die wir mit Liebe gepflegt haben.
Dass das nicht immer so leicht geht, weil wir als Eltern nicht immer rasch erkennen, was die Jungen bewegt, das wird uns hier am Beispiel von Josef und Maria vor Augen geführt: Es ist also keine Schande, wenn wir manchmal etwas länger brauchen: Es ist ja nicht unser Leben, was die jüngere Generation lebt. Ich finde, dieser Gedanke hat viel Entlastendes - für beide Seiten. Wir Eltern können also getrost unsere Kinder und deren Weg der Hand Gottes anvertrauen. Bei ihm sind sie gut aufgehoben.
Die andere Seite der Verantwortung bringt uns die Lesung aus dem Buch Jesus Sirach nahe: Den Vater zu ehren und die Mutter zu achten, auch wenn deren Kräfte abnehmen, ist im Sinn Gottes des Schöpfers. Das war zur Zeit, als das Vierte Gebot aufgeschrieben wurde, der Kern der Sozialgesetzgebung im Stamm der Israeliten, die durch die Wüste zogen und ihr Land in Besitz nahmen. Und übertragen auf die Zeit des Buches Jesus Sirach, der für die Israeliten in der hellenistischen Zeit und in der Diaspora schrieb, hieß das: Wenn wir überleben wollen als bedrohtes Volk, dann müssen wir unsere alten Eltern in Ehren halten, wie wir es von Gott überkommen haben. - Was heißt das für uns als Volk Gottes im 21. Jahrhundert in Mitteleuropa?
Da gibt es viel, was nach wie vor aktuell ist, und es gibt Neues, was wir berücksichtigen sollten. Zunächst das Vertraute: Leben geht weiterhin von Generation zu Generation und es ist eine Ehre für jede Frau und jeden Mann, als Mutter und Vater an diesem Lebensfluss aktiv beteiligt zu sein. So, wie wir unseren Kindern das Leben aus der Hand Gottes schenken durften, so dürfen wir uns darüber freuen, wenn dieses Leben in der Hand unserer Kinder - und Enkelkinder - seine ganz eigenen Wege weiter fließt. Im Lauf unserer Biografie standen und stehen wir in diesem Lebensfluss an verschiedenen Stellen. Und an den verschiedenen Orten gibt es verschiedenen Notwendigkeiten:
Wenn wir uns als kleine Kinder unseren Eltern anvertrauen konnten, um schließlich immer mehr eigene Verantwortung und erwachsenes Leben zu lernen, so führt uns das schließlich dazu, dieses Vertrauen in das Leben den eigenen Kindern weiterzugeben und früher oder später auch zu den Verpflichtung, uns um Angehörige zu kümmern, die nicht mehr gut auf eigenen Füßen stehen können.
Diese spiralförmige Bewegung ist für alle Zeiten gleich: wir Menschen werden geboren, wachsen heran in unsere eigene Verantwortlichkeit, altern und gehen eines Tages von dieser Welt, die unsere Nachkommen bestellen.
Damit dies mit guten Rahmenbedingungen erfolgen kann, braucht es die Solidarität zwischen den Generationen. Solidarität meint nach der katholischen Soziallehre einen Zusammenhalt zwischen ähnlich Betroffenen, um ein wichtiges Gut zu erreichen und zu sichern.
Und wir alle sind von diesem Gang der Generationen betroffen, sind darin eingewoben an sich verändernden Stellen. Und so kann das Leben gedeihen.
Daher ist es wichtig, wenn wir Eltern unterstützen im Umgang mit ihren Kindern, wenn wir einander fördern im Loslassen der Heranwachsenden sowie in der Sorge um die Älter werdenden. Überall dort haben wir als Gesellschaft, auch als kirchliche Gemeinschaft unsere Aufgaben (vom Kindergarten bis zum Seniorenclub, von den Tischmüttern bis zu den Besuchen der Kranken und Betagten ...).
Was aber auch zu dieser Solidarität gehört, ist das, was die Gesellschaft den "Generationsvertrag" nennt: Dass nämlich jene, die mit ihrer Erwerbstätigkeit einen finanziellen Wert schaffen, für die Jüngeren ebenso sorgen wie für die Älteren, die das nicht mehr können. Wir nennen das üblicherweise das System der Pensionsversicherungen mit allen Begleitmaßnahmen.
Was aber in den letzten Jahrzehnten neu hinzugekommen ist: Wir sind - aufgrund unserer hohen Lebenserwartung - nicht mehr nur drei Generationen, sondern vier: War es früher die mittlere Generation , die für die beiden anderen sorgte, so kann es auf Dauer nicht so sein, dass die zweite der inzwischen vier Generationen für die drei anderen sorgen muss, zumal die Generation der "jungen Alten" immer rüstiger geworden ist: In meiner Kindheit waren 60- 70-Jährige zum Großteil körperlich verbraucht, während heute die Generation der aktiven Alten durchaus noch in der Lage ist, in unterschiedlicher Weise unterstützend tätig zu sein, manche auch noch in höchst verantwortlichen Positionen - privaten wie beruflichen, familiären wie gesellschaftlichen.
Ich glaube, das ist die große Herausforderung unserer Zeit, diese Verantwortlichkeit der rüstigen älteren Erwachsenen wahrzunehmen und auch gesellschaftlich zu würdigen. Davon haben alle Seiten etwas.
Wenn wir heute der Generation derer, die die Familienphase verlassen haben und noch aktiv leben, respektieren, dann sollen wir sie auch begrüßen in haupt- wie ehrenamtlichen Tätigkeiten, dann sollten wir wie in anderen europäischen Ländern ermöglichen, dass Erfahrene ihren Platz haben, auch wenn sie nicht mehr im selben Rhythmus wie 30- jährige leben und arbeiten. (Das ist auch ein Appell an öffentliche Arbeitgeber wie politische Parteien!)
Und wenn die Kräfte nachlassen, dann sollte ein gesichertes und gut betreutes Leben ermöglicht werden mittels aller Netzwerke, die wir auf allen Ebenen pflegen.
Das ist heute neu: Dass dieser Übergang für jeden Menschen unterschiedlich aussehen kann, dass die Linie zwischen Berufstätigkeit und zu versorgender Pensionszeit zu einem weiten Feld geworden ist, wo jede und jeder von uns ihren und seinen jeweiligen Platz finden soll.
Und dafür können wir uns als Familien im Sinn unseres Gottes einsetzen. Und dafür können wir uns alle darauf freuen, in Würde alt zu werden und zu sein.
Autor: Mag. Rolf Sauer (Theologe, Familienberater und -therapeut), Referent für Ehe- und Familienpastoral bei
"BEZIEHUNGLEBEN.AT"
„Das Wort ist Fleisch geworden“ haben wir an Weihnachten bekannt. Wir können fortfahren und hinzufügen: „Das Wort ist in eine begrenzte Zeit gekommen“, „in einen geographisch bestimmbaren Ort“, „in eine konkrete Familie gekommen“.
In der Liturgie feiern wir jetzt seine Anwesenheit unter uns. Wir dürfen sagen: Er kommt jetzt unter uns. Ja, Er ist jetzt unter uns. Wir rufen ihn an:
Herr, unser Gott,
in der Heiligen Familie hast du uns ein leuchtendes Vorbild geschenkt.
Gib unseren Familien die Gnade,
daß auch sie in Frömmigkeit und Eintracht leben
und einander in der Liebe verbunden bleiben.
Führe uns alle zur ewigen Gemeinschaft in deinem Vaterhaus.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Heilige Familie
Herr, unser Gott,
am Fest der Heiligen Familie
bringen wir das Opfer der Versöhnung dar.
Höre auf die Fürsprache
der jungfräulichen Gottesmutter
und des heiligen Josef.
Erhalte unsere Familien in deiner Gnade
und in deinem Frieden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Heilige Familie
(für Wortgottesfeiern)
Guter Gott,
wir haben allen Grund dir zu danken.
denn du hast uns durch Jesus, deinen Sohn,
der das Leben mit uns geteilt hat, geheiligt.
Alle: Dir sei Dank und Lob und Ehre!
Er ist Mensch geworden und hat Höhen und Tiefen
menschlichen Lebens erfahren.
Durch sein Leben in einer menschlichen Familie
hat er die Familie geheiligt.
Alle: Dir sei Dank und Lob und Ehre!
Durch sein heiliges Leben hast du auch uns zur Heiligkeit berufen.
Er gab uns die Macht, Kinder Gottes zu werden.
Seinetwegen hast du uns als deine Töchter und Söhne angenommen.
Alle: Dir sei Dank und Lob und Ehre!
Er hat uns vorgelebt, wie auch wir heilig und untadelig vor dir leben können,
wie wir einander in Liebe begegnen, einander verzeihen
und miteinander in deiner Gnade leben können.
Alle: Dir sei Dank und Lob und Ehre!
Durch ihn gabst du uns jetzt schon Anteil am Frieden deines Reiches
und an der Fülle des Lebens, das du für deine Kinder bereit hältst.
Daher stimmen wir ein in den Lobgesang aller,
die in ihrer Heiligkeit bereits vollendet sind:
Danklied: z. B. GL 247: Lobt Gott, ihr Christen alle gleich
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn Fleisch geworden ist das Wort,
und in diesem Geheimnis
erstrahlt dem Auge unseres Geistes
das neue Licht deiner Herrlichkeit.
In der sichtbaren Gestalt des Erlösers
läßt du uns den unsichtbaren Gott erkennen,
um in uns die Liebe zu entflammen
zu dem, was kein Auge geschaut hat.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn groß ist das Geheimnis seiner Geburt,
heute ist er, der unsichtbare Gott,
sichtbar als Mensch erschienen.
Vor aller Zeit aus dir geboren,
hat er sich den Gesetzen der Zeit unterworfen.
In ihm ist alles neu geschaffen.
Er heilt die Wunden der ganzen Schöpfung,
richtet auf, was darniederliegt,
und ruft den verlorenen Menschen
ins Reich deines Friedens.
Darum rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen
singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dein Erbarmen zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn schaffst du den Menschen neu
und schenkst ihm ewige Ehre.
Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen:
dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch,
und wir sterbliche Menschen
empfangen in Christus dein göttliches Leben.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 3
Gott, unser Vater,
du hast uns mit dem Brot des Himmels gestärkt.
Bleibe bei uns mit deiner Gnade,
damit wir das Vorbild der Heiligen Familie nachahmen
und nach der Mühsal dieses Lebens
in ihrer Gemeinschaft das Erbe erlangen,
das du deinen Kindern bereitet hast.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Fest der Heiligen Familie
Guter Gott,
nicht nur in Gottesdiensten sind wir Christinnen und Christen,
sondern im alltäglichen Leben, im alltäglichen Miteinander,
im Verzeihen,
wenn wir zueinander JA sagen,
wenn wir gemeinsam Schweres durchstehen,
wenn wir treu sind.
Segne uns dazu. - Amen.
Gott, du weißt, warum er mir das angetan hat.
Warum hat er mich so behandelt?
Warum hat er mich so tiefst verletzt?
Er weiß doch genau, wie ich mich jetzt fühle.
Ich kann an gar nichts anderes mehr denken.
Ich bin zutiefst traurig und enttäuscht.
Und ich dachte immer,
wir wären durch so etwas wie
Freundschaft verbunden.
Das schlimmste ist, dass sich meine
Trauer und Enttäuschung
auch auf meine Mitmenschen auswirkt.
Gott, du bist ein Gott der Liebe und des Friedens.
Hilf uns beide, dass wir wieder
aufeinander zugehen und miteinander reden,
dass wir wieder in Frieden und
Freundschaft miteinander umgehen können.
Zeige uns den Weg zu einem neuen Miteinander.
Du weißt, es liegt mir wirklich sehr viel daran.
Margarita Gröting (*1966) in: Gotteslob Nr. 16, 2
Gott und Vater,
du hast den Frieden in unserer Familie gewahrt
oder uns immer wieder neu geschenkt.
Wir danken dir.
Behüte uns und hilf, uns gegenseitig in Liebe
zu tragen und zu ertragen.
Gib uns den guten Willen zur Versöhnung
nach jedem Streit
und die Kraft zu einer ehrlichen Aussprache
bei Zwistigkeiten.
Schenke uns Verständnis füreinander.
Schütze auch unsere Lieben,
die nicht gesund sind,
denen wir im Geist und bei allzu seltenen
Begegnungen verbunden sind.
Gib unserer Familie auch die Kraft,
sich nicht denen zu verschließen,
die unsere Nähe und unsere Hilfe brauchen.
Du liebst alle Menschen,
dich wollen wir lieben in unseren Nächsten.
Bleibe bei uns. Amen.
Aus: Gebete für das ganze Leben, St. Benno Verlag Leipzig 2004.
Und eine Frau, die einen Säugling an ihre Brust drückte, sagte: Sprich zu uns von den Kindern.
Und er sagte:
Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst.
Sie kommen durch euch, doch nicht aus euch.
Und sind sie auch bei euch, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, doch nicht eure Gedanken.
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihren Körpern dürft ihr eine Wohnstatt bereiten,
doch nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus der Zukunft, und das bleibt euch verschlossen, selbst in euren Träumen.
Ihr dürft danach streben, ihnen ähnlich zu werden,
doch versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben schreitet nicht zurück, noch verweilt es beim Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebendige Pfeile abgeschnellt werden.
Der Schütze sieht die Zielscheibe auf dem Pfad des Unendlichen, und Er beugt euch mit Macht, damit Seine Pfeile umso geschwinder und weiter fliegen.
Freut euch der Beugung, die euch die Hand des Bogenschützen aufzwingt,
denn so wie Er den flüchtigen Pfeil liebt, liebt er auch den verharrenden Bogen.
Aus: Khalil Gibran, Der Prophet, München, 2007 (8).
Eine amerikanische Studie zeigt auf, wie sehr der Druck, täglich frisch und gesund zu kochen, Müttern zusetzt. Und will zu Diskussionen über neue Wege anregen.
mehr...
http://diepresse.com/home/leben/mode/4618762 - abgerufen am 20.12.2014
Für mein Enkelkind Isabel
Ganz unvermutet
hat sich die Kinderhand
so im Gehen
in meine Hand geschmiegt.
Kleine Geste,
großes Geschenk
des Vertrauens -
berührt Hand und Herz.
Aus: Ilse Pauls: Worte am Weg. Gedichte. Wolfgang Hager Verlag, Stolzalpe 2013.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz.