Was kann das Evangelium uns zu den anstehenden Herausforderung der Kirchengemeinden in unserer Zeit sagen? Jesus hebt in seiner Abschiedsrede die Bitte um die Einheit der Jüngerinnen und Jünger hervor, damit die Welt die Herrlichkeit Jesu erkennt. Beides sind als geistliche Wirklichkeiten zu verstehen, nicht als organisatorische Maßnahmen.
Beim Abschied von den Jüngern betet Jesus inständig um Einheit unter den Jüngern. Das Eins-werden und Eins-sein kosten Kraft und Anstrengung. Das Gebet für einander gibt uns Kraft.
Jesus hat uns neben dem "Vater unser" seine inständige Bitte um Einheit hinterlassen. Einheit zu pflegen, eins zu werden ist gegenwärtig eine große Herausforderung für die christlichen Konfessionen aber auch für die ganze Gesellschaft Europas.
Zwei große Themen sind in diesen Texten besonders auffällig: Von Konflikt, Spaltung und Gewalt hören wir in der Apostelgeschichte, es klingen aber auch Trostworte durch, die von Einheit, Friede und Vollendung in Teilen der Apostelgeschichte, besonders aber im Evangelium sprechen.
Was sind die Ursachen, dass es unter gläubigen Menschen zu schweren Konflikten bis hin zu Gewalt, Totschlag kommt? Stephanus wirft dem Hohen Rat, einer weltlichen und geistlichen Behörde, vor, dass sie den Menschen Gott entziehen, den Blick auf ihn durch eine Unzahl von Gesetzen, Vorschriften, durch eine kompliziert aufgebaute Tempelhierarchie verstellen. Auch diese lässt es kaum zu, den Menschen den Weg in den Tempel freizumachen und damit Gott noch intensiver zu begegnen.
Wo bleibt also der mitwandernde Gott in der Bundeslade, der Gott, der unter den Menschen sein Zelt aufschlägt? Die Hohenpriester, vor allem die Sadduzäer, haben Gott eingesperrt, wohl in einen prachtvollen Tempel, gut sichtbar, aber dennoch für die breite Bevölkerung entrückt. Das ist ein gewaltiger Vorwurf, der die jüdischen Behörden vor Wut überkochen lässt. Sie haben Angst, dass ihre Macht, ihr gesellschaftlicher Einfluss geschmälert oder überhaupt in Frage gestellt werden könnte. Was geschieht mit dem Tempelschatz, mit all dem Reichtum, der sich hier angehäuft hat? Und ist nicht auch das gesamte Gottesbild, der Glaube der Menschen in Gefahr, kritisiert und ausgedünnt zu werden?
Nur über strenge Ordnungen, die scheinbare Sicherheit vermitteln, können Glaube und auch althergebrachte Traditionen aufrechterhalten werden, so nehmen sie an, die Hohenpriester und die Pharisäer. Ordnungen, Gesetze sind sehr wichtig, müssen aber ständig überprüft werden, ob sie dem Anliegen, nämlich Gottes Wort Kraft und Durchbruch zu verleihen, auch entsprechen. Gottes Wort und Auftrag bleibt immer gleich, Ämter, Institutionen müssen aber danach ausgerichtet sein und sind änderbar. Besitzgier und Machtgehabe, gemeine Intrigen und Einsatz von Gewalt widersprechen dem göttlichen Auftrag. Das bringt Stephanus zur Sprache und bezahlt mit dem Leben.
Stephanus und Jesus sehen den Himmel offen, so die Apostelgeschichte und das Evangelium. Es ist bekannt als "Hohepriesterliches Gebet". Diese Bezeichnung trifft nur bedingt zu. Weder ist im Text vom Priestertum noch vom Opfer die Rede. Besser ist vom Abschiedsgebet Jesu vor seinem Tod zu sprechen. Es ist ein Testament, eine letztwillige Verfügung, in Gebetsform. Jesus hält Rückblick auf sein Leben, weiß aber auch um die schweren Auseinandersetzungen und Verfolgungen, die seinen JüngerInnen bei der Glaubensausbreitung drohen, er weiß auch um die vielen Streitereien, die es innerhalb der Glaubensgemeinschaft gibt und noch geben wird. Deshalb lautet die letztwillige Verfügung: "Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast." (Joh.17,21).
Die Voraussetzung für die Einheit ist die Glaubwürdigkeit. Die Menschen, die Gesellschaft, damals und heute soll sehen, dass die Botschaft Jesu vertrauens-würdig, einladend ist. Voraussetzung dafür ist, dass man mit sich selber bzw. mit der Hilfe des Vaters um diese Einheit bemüht, wie es Jesus zeitlebens getan hat.
Einheit hat nichts mit Uniformität zu tun. Es gibt so viel Wege zu Gott als es Menschen gibt. Gesetze und Ordnungen sind Rahmenbedingungen.
Wie gehen wir mit dieser letztwilligen Verfügung Jesu um? Seit den Zeiten Jesu und seit Stephanus hat sich wenig geändert. Durch alle Jahrhunderte stehen Gläubige gegen Gläubige auf, sprechen einander das Christsein und Kirchesein ab, führen Religionskriege, exkommunizieren einander.
Kirche ist nicht nur eine perfekte, makellose Gesellschaft, sondern auch Kirche der SünderInnen. Kirche ist auch Konfliktgemeinschaft. Konflikte sind Salz der Wahrheit. Wir alle befinden uns in tastender Suche nach der Wahrheit Gottes. Keine Kirche, keine Religion, kann sie für sich zur Gänze in Anspruch nehmen. Das glauben nur einige Machthaber, damals und heute. Jesus und Stephanus üben daran Kritik und bezahlen diese mit ihrem Leben.
Ein tröstliches Dokument ist die "Charta Oecumenica" (2001), gleichsam ein Gewissenspiegel für die christlichen Kirchen, eine Mahnung, ob wir bereit sind, die Verpflichtung zur Einheit auch zu halten.
Darin heißt es. "Wir glauben an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche - also nicht nur an die römisch-katholische!! - und fühlen uns der Mahnung des Epheserbriefes verpflichtet, uns beharrlich um ein gemeinsames Verständnis der Heilsbotschaft Christi im Evangelium zu bemühen . . . Jesus Christus ist als der Herr der einen Kirche unsere größte Hoffnung auf Friede und Versöhnung. In seinem Namen wollen wir den gemeinsamen Weg weitergehen. Wir beten um den Beistand des Heiligen Geistes."
Lieder:
GL 143: Mein ganzes Herz erhebet dich
GL 144: Nun jauchzt dem Herren alle Welt
GL 216: Im Frieden dein, o Herre mein
GL 281: Also sprach beim Abendmahle
GL 319: Christ fuhr gen Himmel
GL 326: Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit
GL 339: Ihr Christen, hoch erfreuet euch, der Herr fährt auf zu seinem Reich
GL 346: Atme in uns, Heiliger Geist
GL 349: Komm, o Tröster, Heilger Geist
GL 351: Komm, Schöpfer Geist
GL 358: Ich will dich lieben, meine Stärke,
GL 361: Mein schönste Zier und Kleinod bist (1-3)
GL 429: Gott wohnt in einem Lichte
GL 446: Lass uns in deinem Namen, Herr
GL 448: Herr, gib uns Mut zum Hören
GL 456: Herr, du bist mein Leben
GL 464: Gott liebt diese Welt und wir sind sein Eigen
GL 481: Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unsrer Zeit (6. und 7. Str.)
GL 482: Die Kirche ist gegründet allein auf Jesus Christ
GL 543: Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit
KG 182: Sei unser Gott, der alle Welt
KG 229: Gib uns Weisheit, gib uns Mut
KG 711: Wir sehen viele Wege
Psalmen und Kehrverse:
GL 40: Bis in den Himmel reicht deine Liebe, Herr, bis zu den Wolken deine Treue. - Mit Psalm 36 - I.
GL 52: Herr, du bist König, über alle Welt - Mit Psalm 93 - VIII.
GL 54: Singt dem Herrn alle Länder der Erde, singt dem Herrn und preist seinen Namen. - Mit Psalm 96 - VIII.
GL 79: Der Name des Herrn ist erhaben: Seine Hoheit strahlt über Erde und Himmel - Mit Psalm 148 - VII.
Allmächtiger Gott,
wir bekennen, dass unser Erlöser
bei dir in deiner Herrlichkeit ist.
Erhöre unser Rufen
und lass uns erfahren,
dass er alle Tage bis zum Ende der Welt
bei uns bleibt, wie er uns verheißen hat.
Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 7. Sonntag der Osterzeit
MB Montag der 1. Woche
Herr und Gott,
nimm die Gebete und Opfergaben deiner Gläubigen an.
Lass uns diese heilige Feier mit ganzer Hingabe begehen,
damit wir einst das Leben in der Herrlichkeit des Himmels erlangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 7. Sonntag der Osterzeit
Kehrvers:
Jubelt dem Herrn alle Lande,
Halleluja, preist unseren Gott.
(GL 643,3)
Guter und erhabener Gott,
wir kommen mit unserem Dank und Lobpreis vor dich:
Wir haben allen Grund dir zu danken,
denn du bist treu und lässt deine Geschöpfe nicht im Stich.
Kehrvers
Immer wieder hast du den Menschen deinen Bund angeboten
und sie durch die Propheten gelehrt, das Heil zu erwarten.
Als die Zeit erfüllt war, hast du Jesus gesandt, deinen Sohn.
Kehrvers
Er hat uns deine Liebe spüren lassen und gezeigt,
dass du uns nicht abgeschrieben hast.
Er hat zu den Armen, Schwachen und Verlorenen gehalten
und war ihnen treu bis in den Tod.
Kehrvers
Er hat den Menschen vorgelebt, wie sie in inniger Gemeinschaft
mit dir und untereinander verbunden sein
und der ganzen Welt ein neues Gesicht geben können.
Kehrvers
Als er von dieser Welt zu dir, Vater im Himmel, heimgegangen ist,
hat er uns deinen und seinen Heiligen Geist verheißen.
Er werde uns trösten und heiligen.
Durch ihn haben wir teil an seiner Gemeinschaft mit dir.
Kehrvers
Der Heilige Geist gibt uns die Kraft,
das Trennende zu überwinden
und untereinander eins zu sein,
damit die Welt erkennt, dass du am Werk bist
und deine Schöpfung nicht verlassen hast.
Kehrvers
Dein Heiliger Geist erfüllt uns mit Sehnsucht nach dem ewigen Leben.
Er lässt uns hoffen, wo menschliche Hoffnung am Ende ist.
Er ermutigt uns, Ausschau zu halten auf Jesus Christus,
bis er wiederkommt, um endgültig dein Reich
in seinem Glanz und in Fülle aufstrahlen zu lassen.
Kehrvers
Dafür danken wir dir mit allen Engeln, mit allen Heiligen
und mit der ganzen Schöpfung:
Danklied: z. B. „Den Herrn will ich loben…“ (GL 395)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater,
zu danken durch unseren Herrn Jesus Christus,
den König der Herrlichkeit.
Denn er ist (heute) als Sieger über Sünde und Tod
aufgefahren in den Himmel.
Die Engel schauen den Mittler
zwischen Gott und den Menschen,
den Richter der Welt, den Herrn der ganzen Schöpfung.
Er kehrt zu dir heim,
nicht um uns Menschen zu verlassen,
er gibt den Gliedern seines Leibes
die Hoffnung, ihm dorthin zu folgen,
wohin er als erster vorausging.
Am Fest:
Darum jubelt heute der ganze Erdkreis
in österlicher Freude.
Darum preisen dich die himmlischen Mächte
und die Chöre der Engel
und singen das Lob deiner Herrlichkeit:
An den Tagen bis Pfingsten:
Darum preisen wir dich in österlicher Freude
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit.
Heilig...
MB Christi Himmelfahrt 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
In ihm hast du uns zur Erkenntnis der Wahrheit geführt und
uns zu Gliedern seines Leibes gemacht
durch den einen Glauben und die eine Taufe.
Durch ihn hast du deinen Heiligen Geist
ausgegossen über alle Völker,
damit er Großes wirke mit seinen Gaben.
Er wohnt in den Herzen der Glaubenden,
er durchdringt und leitet die ganze Kirche
und schafft ihre Einheit in Christus.
Darum preisen wir jetzt und in Ewigkeit
dein Erbarmen und
singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
MB: Von der Einheit der Christen
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dein Erbarmen zu rühmen.
Die Sünde hatte die Menschen von dir getrennt,
du aber hast sie zu dir zurückgeführt
durch das Blut deines Sohnes
und die Kraft deines Geistes.
Wie du eins bist mit dem Sohn
und dem Heiligen Geist,
so ist deine Kirche geeint
nach dem Bild des dreieinigen Gottes.
Sie ist dein heiliges Volk,
der Leib Christi und
der Tempel des Heiligen Geistes
zum Lob deiner Weisheit und Liebe.
Darum preisen wir dich in deiner Kirche
und vereinen uns
mit den Engeln und
Heiligen zum Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 8
Wenn wir Christen von Gott sprechen, dann sprechen wir von dem Gott, den Jesus Christus uns gezeigt hat. Er, Gott, der uns liebt und beschenkt. Der wie ein guter Vater und eine liebende Mutter sich um uns sorgt.
Lasst uns nun mit dem Gebet, das Christus uns gelehrt, zu diesem Gott beten:
Vater unser …
Unsere Aufgabe ist es, die Gegenwart des Auferstandenen spürbar werden zu lassen. Daher stellen wir das Gebet Jesu in den Vordergrund und beten gemeinsam das Vaterunser.
Einleitung zum Friedensgruß:
Jesus schwört nach seiner Auferstehung weder seinen Henkern noch seinem Verleugner Petrus Rache. Er spendet einen Frieden, der jedes menschliche Begreifen übersteigt. Der Friede des Herrn sei allezeit mit euch. Geben wir einander die Hand, weil wir als Gottesdienstbesucher eine Einheit bilden.
Ich bitte dich, Vater, lass sie eins sein,
wie wir eins sind. Halleluja.
(vgl. Joh 17, 22)
Oder:
Ich lasse euch nicht als Waisen zurück.
Ich komme wieder zu euch. Dann wird euer Herz sich freuen.
Halleluja.
(Joh 14,18; 16,22b)
Oder:
So spricht Jesus:
Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin,
sollen auch sie in uns sein,
damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.
(Joh 17.21)
Oder:
So spricht Jesus:
Ich bitte dich, Vater, lass sie eins sein,
wie wir eins sind.
(vgl. Joh 17.22)
Erhöre uns, Gott, unser Heil,
und schenke uns die feste Zuversicht,
dass durch die Feier der heiligen Geheimnisse
die ganze Kirche jene Vollendung erlangen wird,
die Christus, ihr Haupt,
in deiner Herrlichkeit schon besitzt,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 7. Sonntag der Osterzeit

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