Halleluja. Halleluja.
Lass uns schauen, HERR, deine Huld
und schenk uns dein Heil!
Halleluja!
In der dunklen Jahreszeit sorgen wir für viel Licht. Trotzdem bleibt das Leben für manchen Menschen dunkel. Gott kommt in unser Leben, um es hell zu machen.
Drei kleine Karten im Portmonee geben mir das Gefühl von Sicherheit. Bin ich wirklich so gut abgesichert? Der Advent bringt zum Ausdruck, dass ich nach Sicherheit anderer Art Ausschau halte und auf das Gehaltensein von Gott angewiesen bin.
Im Advent wird in vielen Menschen die stille Sehnsucht nach Gott wach. Dies ist eine Chance, dass wir mit ihnen unsere Freude an der Frohen Botschaft teilen und ihnen Herberge und Heimat bieten.
Die Christen der ersten christlichen Jahrhunderte lebten in ständiger Erwartung der Wiederkunft Christi. Für sie war diese nicht Bedrohnung sondern Erwartung der endgültigen Erlösung. Advent ist eine Zeit, in der wir uns im täglichen Leben der Gegenwart und Wiederkunft des Herrn bewusst sein wollen.
In der heutigen alttestamentlichen Lesung haben wir verheißungsvolle Worte des Propheten Jesaja gehört. Sie sagen eine Zeit des universalen Friedens an. Gott werde Recht sprechen im Streit der Völker und viele Nationen zurechtweisen. Nach diesen Gerichtsworten wird eine Zeit des Frieden vorausgesagt: "Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg" (Jes 2,4). An einer anderen Stelle dann hören wir Worte, die Jesaja an Gott richtet: "Du zerbrichst das drückende Joch, das Tragholz auf unserer Schulter und den Stock des Treibers. Jeder Stiefel, der dröhnend daher stampft und jeder Mantel, der mit Blut befleckt ist, wird verbrannt, wird ein Fraß des Feuers" (Jes 9, 3.f.).
Der historische Hintergrund war vor allem die Bedrohung Israels durch die Großmacht Assyrien zwischen 740 und 701 v. Chr. Dies weckte in Israel die Sehnsucht nach einer Zeit des Friedens. Hören wir noch einen weiteren Text, in dem das messianische Zeitalter sinnbildlich dargestellt wird als eine Wiederkehr paradiesischer Zustände: "Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. Kuh und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange" (Jes 11,6-8).
Wenn wir uns indes vor Augen führen, welche zerstörerischen Kriege im Laufe der Menschheitsgeschichte geführt worden sind und wie sich gegenwärtig Völker bekriegen, wenn wir daran denken, wie in weiten Teilen der Welt Menschen unterdrückt und ausgebeutet werden oder wie Terroristen Angst und Schrecken verbreiten, dann erscheinen die prophetischen Verheißungen des Jesaja völlig utopisch. Was uns durch Jesaja verheißen ist, kann nur endzeitlich gedeutet werden. Gott wird die dem Propheten eingegeben Verheißungen am Ende dieser Weltzeit erfüllen, sie wahr machen.
Jesaja hat zwar als erster der Propheten dem Volke Israel einen künftigen Messias als Richter und Retter verheißen, doch ihm blieb verborgen, in welcher Weise sich dies in Jesus von Nazaret erfüllen sollte. Gott geht in Jesus einen Weg völliger Erniedrigung und menschlicher Ohnmacht. Schon in der Armseligkeit seiner Geburt, in seinem Auf-der Flucht-sein vor den Menschen kündigt sich sein künftiger Weg an, gezeichnet vom Unverständnis selbst seiner Freunde. Jesus ist anders Herr als die Herren dieser Welt, die Gewalt ausüben und auf Macht aus sind. "Mein Königtum", sagt Jesus dem Pilatus, "ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier" (Joh 18,36). In Jesus wollte Gott keine andere Macht zum Heil der Menschen ausüben als die Macht der Liebe. Über diese ohnmächtig erscheinende Liebe schreibt Dietrich Bonhoeffer: "Gott lässt sich von der Welt herausdrängen ans Kreuz. Gott ist ohnmächtig und schwach in der Welt. Und gerade so und nur so ist er bei uns."
Den Weg, wie Friede und Versöhnung unter den Menschen Wirklichkeit werden könnte, hat Jesus in den Seligpreisungen und in der Bergpredigt gewiesen. Es ist gut, sagt Jesus in der dritten Seligpreisung, wenn Menschen gewaltlos und freundlich miteinander umgehen. "Selig die Sanftmütigen" übersetzt Martin Luther die fünfte Seligpreisung (Mt 5,5). Sanftmut hat nichts mit Duckmäuserei oder Unterwürfigkeit zu tun. Im Gegenteil, sie ist entschiedenes Handeln; nämlich das Böse durch das Gute zu überwinden. (Röm 12,21).In der siebten Seligpreisung nennt Jesus diejenigen glücklich, die um den Frieden bemüht sind: die Friedfertigen. In der fünften so genannten Antithese der Bergpredigt wendet sich Jesus gegen ein Denken, das auf Vergeltung aus ist: "Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge, Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand" (Mt 5,38). Jesus hat in seinem Leben wahr gemacht, was er uns in der Bergpredigt nahe legt. Denen, die ihn dem Tode auslieferten, hat er keinen Widerstand geleistet.
Die Worte Jesu: "Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben" - "Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden", sie gelten all denen, die sich im Geiste Jesu für den Frieden einsetzen, sie gelten aber nicht weniger den Menschen, die, ohne Christen zu sein, friedlich und gewaltfrei Konflikte zu lösen versuchen. Sicher eignet sich die Bergpredigt nicht als Grundgesetz oder als Staatsverfassung. Doch sie hat mit ihren Weisungen auch Geltung für den gesellschaftlichen und politischen Bereich. Da, wo Menschen eintreten für größere soziale Gerechtigkeit, wo sie versuchen, wirtschaftliche Unrechtsstrukturen zu überwinden. Wo Krieg herrscht, wo aufgerüstet wird, wo Terroristen von ihren Gewalttätigkeiten nicht lassen, erscheint der Einsatz für den Frieden manchmal hoffnungslos. Dennoch gibt es viele Menschen, die sich in den weltweiten Konflikten um friedliche Lösungen bemühen und die sich nicht entmutigen lassen, wenn sie Rückschläge erleben.
Gemeint ist ein unter uns Menschen äußerst ungewöhnliches Verhalten. Ein neuer, vom Geist und der Gesinnung Jesu bestimmter Umgang miteinander. Was Jesus da empfiehlt, müsste uns einleuchten. Wenn wir den Regelkreis von Unrecht tun und Unrecht heimzahlen unterbrechen würden, könnte das der Gewalt Einhalt gebieten. Im Machtkampf der Völker und politischer Gruppen nur schwer zu verwirklichen. Leichter jedoch dort, wo wir miteinander leben.
Etty Hillesum, eine Jüdin aus den Niederlanden, war in ihrer Familie völlig ungläubig erzogen worden. Sie fand aber dann zu einer tiefen Gottesbeziehung, die ihr die Kraft verlieh, das, was in fürchterlicher Weise auf sie zukam, durchzustehen. Sie wurde zunächst wie auch Edith Stein von den Nazis in das Übergangslager Westerbrock gebracht. Später wurde sie in Auschwitz vergast. In den schon vor ihrer Deportation und später in Westerbrock fortgesetzten Tagebüchern schrieb sie am 23. September 1942: "Ich sehe keinen anderen Weg, als dass jeder von uns Einkehr hält in sich selbst und all das dasjenige in sich ausrottet und vernichtet, was ihn zu der Überzeugung führt, andere vernichten zu müssen. Wir müssen durchdrungen sein von dem Gedanken, dass jeder Funken Hass, den wir zu der Welt hinzufügen, sie noch unwirtlicher macht, als die ohnehin schon ist." Sie hatte allen Hass gegenüber denen, die sie quälten, überwunden. In der Hoffnung, dass sie überlebt, schreibt sie: "Nach diesem Krieg wird außer einer Flut von Humanismus auch eine Flut des Hasses über die Welt gehen. Und dann wusste ich es wieder: Ich werde gegen diesen Hass zu Felde ziehen." Ohne Zweifel hätte sie hätte jeden Rachegedanken in ihrem Herzen ausgelöscht. Sie und viele andere, haben im Geiste Jesu eine Praxis der Gewaltlosigkeit und Entfeindung geübt.
Wenn wir auf die Menschen schauen, die bei allem Hass vonseiten ihrer Feinde und Unterdrücker nicht auf Rache aus waren, so könnten sie uns ein Ansporn sein. Dass wir dort, wo wir miteinander leben, uns nach Kräften, im Maße unserer Möglichkeiten um Frieden und Versöhnung bemühen. Dass wir das Böse nicht mit Bösen vergelten. Dies wird uns indes nur gelingen, wenn wir auf den setzen, der sich mit seiner ganzen verschwenderischen Liebe für uns Menschen hingegeben hat. Martin Luther King, der für die Menschenrechte der schwarzen Bevölkerung in den USA unermüdlich gekämpft hat, ohne selber Gewalt anzuwenden, war der Überzeugung: "Wenn wir uns nicht auf Gott verlassen, scheitern alle unsere Bemühungen. Aber wenn sein Geist unser Leben verwandelt, finden wir Lösungen für unsere Schwierigkeiten."
Papst Paul VI. hat einmal gesagt, dass es uns nicht gelingt, in der großen Welt abzurüsten, wenn wir nicht in unserem Herzen damit beginnen. Wo wir da, wo wir leben, friedlich und versöhnlich miteinander umgehen, wo wir zum Frieden und zur Versöhnung bereit sind, da wird dies Auswirkung haben auf den politischen und gesellschaftlichen Bereich. Wir können das unermessliche Leid der Welt nicht auf uns laden. Doch wir können denen, die unter Terror und Ungerechtigkeit leiden, innerlich zugewandt sein mit unseren Gedanken, nicht zuletzt mit unseren Gebeten für sie. Ist nicht gerade die Zeit des Advents dazu angetan, dem in unserem Herzen Raum zu geben - vielleicht mehr als bisher.
Lieder:
GL 218: Macht hoch die Tür
GL 219: Mache dich auf und werde licht
GL 220: Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern
GL 221: Kündet allen in der Not
GL 223: Wir sagen euch an den lieben Advent
GL 225: Wir ziehen vor die Tore der Stadt
GL 230: Gott, heilger Schöpfer aller Stern
GL 231: O Heiland, reiß die Himmel auf (1. und 4. Str.)
GL 233: O Herr, wenn du kommst, wird die Welt wieder neu
GL 435: Herr, ich bin dein Eigentum (4. Str.)
GL 549: Es wird sein in den letzten Tagen
GL 554: Wachet auf, ruft uns die Stimme
GL 621: Hört, eine helle Stimmer ruft
GL 792Ö: Herr, sende, den du senden willst
GL 793Ö: Werdet Licht, werdet Licht
GL 798Ö: O Komm, o komm, Emmanuel
Kehrverse und Psalmen:
GL 47: In den Tagen des Herrn sollen Gerechtigkeit blühen und Fülle des Friedens – Mit Psalm 72 - V.
GL 48: Biete deine Macht auf, Herr unser Gott, und komm, uns zu retten – Mit Psalm 80 - I.
GL 64: Die ihr ihn fürchtet, vertraut auf den Herrn! Er ist euch Schild und Hilfe – Mit Psalm 115 - II.
GL 76: Der Herr ist nahe allen, die ihn rufen – Mit Psalm 145 - I.
GL 264,2 : Der Herr ist das Licht, die Völker zu erleuchten, du deines Volkes Herrlichkeit - Mit Psalm 122 (GL 68,2) - VII, VI.
GL 633,3: Hebt euch, ihr Tore, hebt euch, ihr Tore! Unser König kommt – Mit Psalm 24 - VI.
GL 633,5-6: Frieden verkündet der Herr seinem Volk. Sein Heil ist nahe. - Mit Psalm 85 - II.
Wer in der Dunkelheit mancher seiner Lebensstunden nach der Weisung des Herrn für sein Leben sucht, wird am Ende auch in seinem Licht ankommen.
Lasst uns miteinander und für einander beten:
Dass wir uns als eine missionarische Kirche erweisen,
die allen offen steht, die am Weg zu dir sind.
Dass deine Friedensbotschaft besonders jene Menschen erreicht,
die politischen und ethnischen Verfolgungen ausgesetzt sind.
Dass wir wach und hellhörig für die Probleme unserer Mitmenschen in unserer nächsten Umgebung und in der globalen Welt sind.
Dass diese Wochen des Advents getragen sind von unserer Sehnsucht nach dir und vom Bewusstsein deiner Sehnsucht nach uns.
Dass alle Sterbenden bereit und getröstet auf ihr ewiges Heil bei dir zugehen können.
Denn du hast uns deine ganze Schöpfung anvertraut.
Dich bitten wir um den Frieden und das Licht,
das nur du der Welt schenken kannst,
durch Jesus Christus, unseren Messias und Retter. - Amen.
Herr, Jesus Christus,
Krisen, ungelöste Konflikte, Kriege und Katastrophen
beunruhigen uns und machen uns Angst.
In unserer Not wenden wir uns an Dich:
Wir bitten dich für alle Menschen,
die an den Folgen von Naturkatastrophen leiden.
Lass sie Helfer finden, die ihnen einen neuen Anfang ermöglichen.
Wir bitten dich für alle Menschen,
die durch die Finanz- und Wirtschaftskrise der letzten Monate
ihre Lebensgrundlagen verloren haben.
Lass sie Gerechtigkeit und Solidarität erfahren.
Wir bitten dich für alle,
die im öffentlichen Leben Verantwortung tragen
und in schwierigen Situation Entscheidungen zu treffen haben.
Befähige sie, über ihre eigenen Interessen hinauszuschauen.
Wir bitten dich für alle Menschen,
die unheilbar und lebensgefährlich krank sind.
Gib ihnen die Kraft, ihr Schicksal zu bewältigen.
Wir bitten dich für alle Menschen,
die in der Vorweihnachtszeit besonderen Belastungen ausgesetzt sind.
Lass sie das Gespür für das wirklich Wichtige und Wesentliche nicht verlieren.
Du, Herr, stehst über der Zeit,
du kannst uns retten und erlösen.
Komm, Herr, und zögere nicht!
(für Wortgottesdienstfeiern)
Kehrvers:
Singt dem Herrn, alle Lander der Erde,
singt dem Herrn und preist seinen Namen.
(GL 54,1)
Guter Gott und Vater,
wir haben Grund, dir zu danken und dich zu preisen.
Du bist uns nahe mit deinem Heil.
Die Nacht ist vorgerückt und dein Tag ist nahe.
Kehrvers
Zu dir strömen alle Völker,
viele Nationen machen sich auf den Weg zu dir.
Du zeigst uns die Wege die wir gehen sollen,
dein Wort gibt uns Weisung, wie wir leben sollen.
Kehrvers
Du sprichst Recht im Streit der Völker,
du weist die Nationen zurecht.
Wer deine Wege geht, übt nicht mehr für den Krieg,
sondern schmiedet die Waffen zu Pflugscharen.
Kehrvers
Du mahnst uns zur Wachsamkeit
und dass wir uns bereit halten,
wenn der Menschensohn kommt,
um uns heimzuholen in sein Reich.
Kehrvers
Mit den Engeln und Heiligen stimmen wir ein
in den Lobgesang der ganzen Schöpfung
und singen dir zum Dank:
Danklied, z. B.: SSingt dem Herrn ein neues Lied (GL 409)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn in seinem ersten Kommen
hat er sich entäußert
und ist Mensch geworden.
So hat er die alte Verheißung erfüllt
und den Weg des Heiles erschlossen.
Wenn er wiederkommt
im Glanz seiner Herrlichkeit,
werden wir sichtbar empfangen,
was wir jetzt mit wachem Herzen gläubig erwarten.
Darum preisen wir dich
mit allen Engeln und Heiligen
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Advent 1
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Ihn hast du der verlorenen Menschheit
als Erlöser verheißen.
Seine Wahrheit leuchtet den Suchenden,
seine Kraft stärkt die Schwachen,
seine Heiligkeit bringt den Sündern Vergebung.
Denn er ist der Heiland der Welt,
den du gesandt hast, weil du getreu bist.
Darum preisen wir dich
mit den Cherubim und Serafim
und singen mit allen Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Advent 3
Hört, ihr Leut, und laßt euch sagen:
unsre Glock hat Zehn geschlagen!
Zehn Gebote setzt Gott ein,
dass wir soll´n gehorsam sein!
Menschenwachen kann nichts nützen,
Gott muss wachen, Gott muss schützen.
Herr, durch deine Güt und Macht,
schenk uns eine gute Nacht!
Hört ihr Leut, und lasst Euch sagen:
unsre Glock hat Elf geschlagen!
Elf der Jünger blieben treu,
hilf, dass wir im Tod ohn Reu!
Menschenwachen kann nichts nützen,
Gott muss wachen, Gott muss schützen.
Herr, durch deine Güt und Macht,
schenk uns eine gute Nacht!
Hört ihr Leut, und lasst Euch sagen:
unsre Glock hat Zwölf geschlagen!
Zwölf, das ist das Ziel der Zeit,
Mensch bedenk die Ewigkeit!
Menschenwachen kann nichts nützen,
Gott muss wachen, Gott muss schützen.
Herr, durch deine Güt und Macht,
schenk uns eine gute Nacht!
Hört ihr Leut, und lasst Euch sagen:
unsre Glock hat Eins geschlagen!
Eins ist allein der ein´ge Gott,
der uns trägt in aller Not.
Menschenwachen kann nichts nützen,
Gott muss wachen, Gott muss schützen.
Herr, durch deine Güt und Macht,
schenk uns eine gute Nacht!
Hört ihr Leut, und lasst Euch sagen:
unsre Glock hat Zwei geschlagen!
Zwei Weg' hat der Mensch vor sich,
Herr, den rechten führe mich!
Menschenwachen kann nichts nützen,
Gott muss wachen, Gott muss schützen.
Herr, durch deine Güt und Macht,
schenk uns eine gute Nacht!
Hört ihr Leut, und lasst Euch sagen:
unsre Glock hat Drei geschlagen!
Drei ist eins, was göttlich heisst,
Vater, Sohn, und heiliger Geist.
Menschenwachen kann nichts nützen,
Gott muss wachen, Gott muss schützen.
Herr, durch deine Güt und Macht,
schenk uns eine gute Nacht!
Hört ihr Leut, und lasst Euch sagen:
unsre Glock hat Vier geschlagen!
Vierfach ist das Ackerfeld,
Mensch wie ist dein Herz bestellt?
Auf ermuntert eure Sinnen,
denn es weicht die Nacht von hinnen.
Danket Gott, der uns die Nacht
hat so väterlich bewacht!
Text: Autor unbekannt - Bearbeitung: Detlef Cordes.
Tag für Tag spüren wir - der eine mehr, der andere weniger: Wir Menschen von heute können nicht mehr innehalten, nicht mehr ausruhen und genießen.
Wir haben verlernt, uns - bildlich gesprochen - in den Schatten eines Baumes zu setzen.
Was uns antreibt, ist die ständige Aufgeregtheit, ist die Hektik des permanenten Wettbewerbs. Ist der Teufelskreis von Erwartungen und Ängsten. Ist unsere so lieb gewordene permanente Mobilität und Flexibilität -und die Maßlosigkeit unseres immer währenden Unterhaltungs- und Glücks-Bedürfnisses.
Der Verlust an Herzensruhe ist offenkundig.
Für den Philosophen Heidegger ist der Mensch im Wesentlichen einer, der sich sorgt. Für Augustinus einer, der sich sehnt - nach Erfolg, nach Besitz, nach Zuneigung.
Aber wie werden wir die Sorgen und die bangen Erwartungen los, die uns niederdrücken? Wie legen wir Ängste ab? Wie kommen wir zur Ruhe?
Nicht von der äußerlichen, immer nur vorübergehenden Entspannung ist die Rede - die Entspannung vor dem Fernseher oder im Bann der Urlaubs-Animateure. Zeit-Vertreib, was für ein enthüllendes Wort! Nein, gemeint ist die Ruhe tief innen.
Hier stoßen wir auf eine tiefe Gespaltenheit. Denn unserer - durchaus auch selbstverschuldeten - Unfähigkeit, wirklich zur Ruhe zu kommen, steht unsere Sehnsucht nach Herzensruhe gegenüber. Und unsere Suche nach dem wahren Ich widerspricht unserer Angst, mit uns selbst in Berührung zu kommen.
Ein Teufelskreis von Hetze, Flucht und Leere beherrscht unsere Zeit. Kurt Tucholsky hat das furchtbare Wort vom zappelnden Nichtstuer geprägt.
Seit Augustinus wissen wir: Unruhig ist mein Herz, bis es ruht in Dir. Es ist ein rätselhafter, ein doppeldeutiger Satz. Meint er: Ruhe gibt es erst im Tod? Oder ist es schon früher möglich - in der inneren Ruhe, die aus dem Glauben wächst?
Für die Mönche überall in der Welt - nicht nur im Christentum - gilt beides. Mönchtum heißt, den Tod nicht fürchten; heißt aber auch Aufbruch zur Herzens-ruhe, schon heute. Zugegeben, mit hohem Einsatz, hart an und über der Grenze der Selbstüberforderung. Es ist der Versuch, Abschied zu nehmen von allem Äußerlichen: von Besitz und Gier; von Egoismus und Selbstverwirklichung; vom permanenten Fun- und Event-Bedarf. Der Abschied von der Sucht nach "Glück" als Alltags-Happyness. Sucht ist immer verdrängte Sehnsucht, sagt der Benediktiner Anselm Grün. Aber wie kann ein solcher Abschied gelingen - in der Welt von heute? Die Mönche haben sich dafür ihre eigene Welt gebaut - im Wissen um die Schwachheit und Verführbarkeit des Menschen.
Von dieser Welt soll hier die Rede sein. Immer im Wissen, dass wir nicht im Schutz der Klostermauern leben, sondern mitten im Leben. Dass nichts oder nur wenig von dem, was das Leben der Klöster prägt, unmittelbar für uns anwendbar ist. Aber doch auch mit der Überzeugung, dass es möglich sein könnte, aus der Erfahrung der Klöster auch unsere Seelenfenster ein wenig lichtdurchlässiger zu machen.
Da ist zuerst die wunderbare Fähigkeit der Mönche, ganz im Augenblick zu leben. Sich immer auf das zu konzentrieren und einzulassen, was gerade ist. Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart, sagen die Mönche.
Aus: Heinz Nußbaumer, Der Mönch in mir. Erfahrungen eines Athos-Pilgers für unser Leben. Styria Verlag, Wien Graz Klagenfurt 2006.
das war
als aus villenquartieren manche
mit prallen koffern hinauf
in bergtäler flohen
das war
als mein augenarzt nur noch
schwarz sah und erst seine frau
dann sich selbst erschoss
das war
als wir direkt aus der schule auf eine
emmental-egg dislozierten um dort den himmel
abzuspähen nach messerschmitts oder moranes
das war
als triumphierende panzer das alte europa
zermalmten - wir jünglinge aber
einen lustigen landaufenthalt hatten
das war
als aus frankreich die polen kamen und bleiben durften
weil landwirte arbeiter brauchten (die man notfalls
auch hätte bewaffnen können)
das war
als im radio landesväter zu patriotismus
und anpassung mahnten was ebenso
kleinlaut stimmte wie ingrimm weckte
Aus: kurt marti, kleine zeitrevue. Erzählgedichte. Verlag Nagel & Kimche AG, Zürich 1999.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.