Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Jesus Sirach:
Die Weisheit lobt sich selbst
und inmitten ihres Volkes rühmt sie sich.
In der Versammlung des Höchsten öffnet sie ihren Mund
und in Gegenwart seiner Macht rühmt sie sich:
Der Schöpfer des Alls gebot mir,
der mich schuf, ließ mein Zelt einen Ruheplatz finden.
Er sagte: In Jakob schlag dein Zelt auf
und in Israel sei dein Erbteil!
Vor der Ewigkeit, von Anfang an, hat er mich erschaffen
und bis in Ewigkeit vergehe ich nicht.
Im heiligen Zelt diente ich vor ihm,
so wurde ich auf dem Zion fest eingesetzt.
In der Stadt, die er ebenso geliebt hat,
ließ er mich Ruhe finden,
in Jerusalem ist mein Machtbereich,
ich schlug Wurzeln in einem ruhmreichen Volk,
im Anteil des Herrn, seines Erbteils.
Lesung aus dem Buch Jesus Sirach:
Die Weisheit lobt sich selbst
und inmitten ihres Volkes rühmt sie sich.
In der Versammlung des Höchsten öffnet sie ihren Mund
und in Gegenwart seiner Macht rühmt sie sich:
Ich ging aus dem Mund des Höchsten hervor
und wie Nebel umhüllte ich die Erde.
Ich schlug in den Höhen mein Zelt auf
und mein Thron stand auf einer Wolkensäule.
Den Kreis des Himmels umschritt ich allein
und in der Tiefe der Abgründe ging ich umher.
Auf den Wogen des Meeres
und auf der ganzen Erde,
in jedem Volk
und in jeder Nation hatte ich Besitz.
Bei all diesen suchte ich Ruhe
und in wessen Erbteil ich verweilen kann.
Da gebot mir der Schöpfer des Alls,
der mich schuf, ließ mein Zelt einen Ruheplatz finden.
Er sagte: In Jakob schlag dein Zelt auf
und in Israel sei dein Erbteil!
Vor der Ewigkeit, von Anfang an, hat er mich erschaffen
und bis in Ewigkeit vergehe ich nicht.
Im heiligen Zelt diente ich vor ihm,
so wurde ich auf dem Zion fest eingesetzt.
In der Stadt, die er ebenso geliebt hat,
ließ er mich Ruhe finden,
in Jerusalem ist mein Machtbereich,
ich schlug Wurzeln in einem ruhmreichen Volk,
im Anteil des Herrn, seines Erbteils.
Kv: Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. - Kv
Oder: Halleluja
Oder: GL 255
Jerusalem, rühme den HERRN! *
Zion, lobe deinen Gott!
Denn er hat die Riegel deiner Tore festgemacht, *
die Kinder in deiner Mitte gesegnet. - Kv
Er verschafft deinen Grenzen Frieden, *
er sättigt dich mit bestem Weizen.
Er sendet seinen Spruch zur Erde, *
in Eile läuft sein Wort dahin. - Kv
Er verkündet Jakob sein Wort, *
Israel seine Gesetze und seine Entscheide.
An keinem anderen Volk hat er so gehandelt, *
sie kennen sein Recht nicht. - Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Ephesus.
Gepriesen sei Gott,
der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.
Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet
durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.
Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Grundlegung der Welt,
damit wir heilig und untadelig leben vor ihm.
Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt,
seine Söhne zu werden durch Jesus Christus
und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen,
zum Lob seiner herrlichen Gnade.
Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn.
Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken,
wenn ich in meinen Gebeten an euch denke;
denn ich habe von eurem Glauben an Jesus, den Herrn,
und von eurer Liebe zu allen Heiligen gehört.
Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn,
der Vater der Herrlichkeit,
gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung,
damit ihr ihn erkennt.
Er erleuchte die Augen eures Herzens,
damit ihr versteht,
zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid,
welchen Reichtum
die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt.
Die zweite Lesung stammt aus dem Anfang des Briefes an die Epheser, wo der Verfasser sich in Form eines Dank- und Fürbittgebetes an die Christen in Ephesus wendet. Er will sie daran erinnern, dass sie von Anfang an von Gott erwählt wurden und schon jetzt unter Gottes Segen stehen. Diese Gewissheit ist den Christen durch den Heiligen Geist geschenkt. Er lehrt sie die Erkenntnis, dass sie als Kirche Christi Leib sind und deshalb untrennbar mit Christus verbunden. Der Geist ist das Siegel der Liebe Gottes und damit unserer Erlösung.
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Ephesus.
Gepriesen sei Gott,
der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.
Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet
durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.
Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Grundlegung der Welt,
damit wir heilig und untadelig leben vor ihm.
Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt,
seine Söhne zu werden durch Jesus Christus
und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen,
zum Lob seiner herrlichen Gnade.
Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn.
In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut,
die Vergebung der Sünden
nach dem Reichtum seiner Gnade.
Durch sie hat er uns reich beschenkt,
in aller Weisheit und Einsicht,
er hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan,
wie er es gnädig im Voraus bestimmt hat in ihm.
Er hat beschlossen,
die Fülle der Zeiten heraufzuführen,
das All in Christus als dem Haupt zusammenzufassen,
was im Himmel und auf Erden ist, in ihm.
In ihm sind wir auch als Erben vorherbestimmt
nach dem Plan dessen, der alles so bewirkt,
wie er es in seinem Willen beschließt;
wir sind zum Lob seiner Herrlichkeit bestimmt,
die wir schon früher in Christus gehofft haben.
In ihm habt auch ihr das Wort der Wahrheit gehört,
das Evangelium von eurer Rettung;
in ihm habt ihr das Siegel
des verheißenen Heiligen Geistes empfangen,
als ihr zum Glauben kamt.
Der Geist ist der erste Anteil unseres Erbes,
hin zur Erlösung,
durch die ihr Gottes Eigentum werdet,
zum Lob seiner Herrlichkeit.
Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken,
wenn ich in meinen Gebeten an euch denke;
denn ich habe von eurem Glauben an Jesus, den Herrn,
und von eurer Liebe zu allen Heiligen gehört.
Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn,
der Vater der Herrlichkeit,
gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung,
damit ihr ihn erkennt.
Er erleuchte die Augen eures Herzens,
damit ihr versteht,
zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid,
welchen Reichtum
die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt.
am 2. Sonntag der Weihnachtszeit
vgl. 1 Tim 3,16
Halleluja. Halleluja.
Christus, offenbart im Fleisch, verkündet unter den Heiden,
Christus, geglaubt in der Welt: Ehre sei dir!
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
Im Anfang war das Wort
und das Wort war bei Gott
und das Wort war Gott.
Dieses war im Anfang bei Gott.
Alles ist durch das Wort geworden
und ohne es wurde nichts, was geworden ist.
In ihm war Leben
und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht leuchtet in der Finsternis
und die Finsternis hat es nicht erfasst.
Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt;
sein Name war Johannes.
Er kam als Zeuge,
um Zeugnis abzulegen für das Licht,
damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
Er war nicht selbst das Licht,
er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet,
kam in die Welt.
Er war in der Welt
und die Welt ist durch ihn geworden,
aber die Welt erkannte ihn nicht.
Er kam in sein Eigentum,
aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Allen aber, die ihn aufnahmen,
gab er Macht, Kinder Gottes zu werden,
allen, die an seinen Namen glauben,
die nicht aus dem Blut,
nicht aus dem Willen des Fleisches,
nicht aus dem Willen des Mannes,
sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt
und wir haben seine Herrlichkeit geschaut,
die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit.
Johannes legt Zeugnis für ihn ab
und ruft:
Dieser war es, über den ich gesagt habe:
Er, der nach mir kommt,
ist mir voraus, weil er vor mir war.
Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen,
Gnade über Gnade.
Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben,
die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.
Niemand hat Gott je gesehen.
Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht,
er hat Kunde gebracht.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Prolog, mit dem das Evangelium nach Johannes anfängt, kann als Schöpfungsgeschichte gelesen werden, im Hintergrund steht Gen 1 (also der Anfang der Bibel überhaupt).
Wie ein Adler (das Symbol des Evangelisten) umkreist Johannes den Anfang: der Logos (Wort) ist da, er ist bei Gott, ja, er ist Gott. Aus dem Wort kommt die Schöpfung, nichts, das nicht aus dem Wort käme.
Die erste Gabe des Wortes ist das Licht. Es leuchtet in der Finsternis, auch wenn die Finsternis nicht weiß, was Licht ist. Der Evangelist formuliert: "das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt". Hier wiegt jedes Wort: wahres Licht – jeden Menschen. Hier wird die alte Schöpfungsgeschichte, wie sie in Gen 1 zu finden ist, noch einmal erzählt. Jedoch aus einer besonderen Perspektive: Das Wort ist Fleisch geworden. Jesus wird vorgestellt als der, der Herrlichkeit und Wahrheit sichtbar macht - die Herrlichkeit und Wahrheit des Vaters.
Im Prolog wird, fein nuanciert und auch formuliert, was mit Jesus geschieht. Sein Kreuz zeichnet sich von Anfang an ab: die Finsternis hat das Licht nicht erfasst, die Welt erkannte ihn nicht, die Seinen nahmen ihn nicht auf. Das Evangelium verspricht: "Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden", richtet aber gleichzeitig den Blick auf den "Logos", das Wort. Dass es Fleisch wird, sprengt vertraute Denkformen und fromme Erwartungen. Fleisch ist vergänglich, hinfällig, bedroht. Nach Jes 40 (und vielen Psalmen) ist das Fleisch wie Gras.
So bezeugt der Prolog einerseits, dass Menschen Kinder Gottes werden, der Logos aber - Fleisch.
Das Johannesevangelium kennt nicht die Kindheitsgeschichte Jesu, wie Matthäus oder Lukas sie erzählen, sondern es beginnt mit einem Prolog, der nicht nur wie der Stammbaum bei Matthäus die Väter mithereinnimmt sondern zum Ausgangspunkt vor die Erschaffung der Welt zurückgeht. Johannes zeigt damit, daß er einen ganz anderen Ansatz hat: statt vom irdischen Leben und Handeln Jesu auszugehen und es auf Gott hin durchscheinend werden zu lassen, versucht er von Anfang an, den Blick des Lesers zu weiten und ihn ein Stück in die "Welt Gottes" mithineinzunehmen.
Im Vergleich zu den anderen Evangelien enthält das Johannesevangelium einige völlig neue Vorstellungen, die ihm dabei helfen sollen. Neben dem "Logos", dem personifizierten Wort Gottes, kennt Johannes zum Beispiel auch den "Paraklet", den von Gott gesandten Tröster und Beistand Gottes. Der Evangelist arbeitet auch sehr gern mit Dualismen, zum Beispiel Licht und Finsternis im ersten Kapitel.
In dieses Lied über den Logos hat der Autor selbst Hinweise auf den Täufer eingeflochten und so den Text des Prologs als eine Art Tür zum Evangelium gestaltet. Im Hymnus klingen schon wichtige theologische Begriffe und Gedanken an, die beiden Erzählstücke über Johannes den Täufer schlagen die Brücke zum Beginn der Erzählung in Joh 1:19. Neben den schon erwähnten Worten "Leben" und "Licht" gehören zu den wichtigen theologischen Begriffen noch "Zeugnis", "Wahrheit", "Fleisch", "Glauben", "Sohn", "Vater", "gesandt sein", "Welt".
Der allerwichtigste Begriff ist "das Wort" - "der logos". Im Johannesevangelium ist es das wirksame Wort Gottes selber, das die Menschen hineinführt in die Situation der Entscheidung für oder gegen Gott. Dieses Wort ist Jesus Christus selber, er spricht den Menschen an, er fordert ihn heraus zu antworten. "Das Wort" ist so Zusage der Liebe Gottes, des Heiles und des Lebens für die Menschen, das nicht nur geschrieben oder gesprochen bleibt, sondern wirksam wird, das heißt, Konsequenzen hat. In der Reaktion auf die Herausforderung des Wortes wird sichtbar, wofür sich der Mensch entscheidet: Glaube oder Unglaube, Heil oder Gericht, Leben oder Tod. Das ganze Evangelium steht in der Spannung der sich immer weiterzuspitzenden Entscheidungssituation, die das Kommen des Wortes ausgelöst hat.
Im Gegensatz zu Lukas und Matthäus, die mit Kindheitsgeschichten ihr Evangelium eröffnen, leitet Johannes sein Evangelium mit einem philosophisch-theologischen Diskurs über den "Logos", über das "Wort Gottes" ein, ehe er die Erzählung vom Leben Jesu mit dem Auftreten Johannes des Täufers eröffnet (vgl. Mk 1).
Es sind 3 Abschnitte zu unterscheiden:
* 1-5 (das präexistente Sein des Logos);
* 6-13 (das Kommen des Logos zu den Menschen);
* 14-16.18 (Inkarnation und Heilsbedeutung für die Gläubigen).
Der Prolog knüpft bewußt an Gen 1,1 an ("Im Anfang") - denn der Logos ist das Wort, mit dem Gott alles geschaffen hat (Vers 3); aber in Überhöhung: hier ist es ein personales, fleischgewordenes Wort - Jesus Christus. Dies ist der Zielpunkt des ganzen Hymnus: ein Preislied auf den Erlöser. Christus ist der Logos, die Weisheit - aber noch mehr: er ist Gott (Vers 1c).
Für die Menschen ist der Logos der Übermittler von Leben und Licht (Vers 4) - und zwar des wahren Lichtes (Vers 9):
Die Verse 6 bis 8 mit dem Bericht über Johannes den Täufer bringen den Logos in die konkrete Geschichte hinein - und ordnen Johannes klar unter den Logos ein.
Vers 10f formuliert die Ablehnung des Logos durch die Welt - und doch gab es auch solche, die ihn erkannten und aufnahmen (Vers 12f) - und zwar im Glauben.
Vers 14 bildet mit seiner Rückbindung auf Vers 1 den Höhepunkt: dieses Wort, von dem so Großes ausgesagt wird, wird Fleisch. (Fleisch meint hier nicht nur einfach "Mensch", sondern das Irdisch-Gebundene, das Vergängliche, das typisch Menschliche).
Die Verse 15-18 sind theologische Einzelaussagen, die einen Übergang zum Folgenden darstellen.
Einzuordnen ist dieser Hymnus in die "Wort-Gottes-Theologie" der Bibel: Wer Jesu Wort gläubig hört, hört Gottes Wort; Jesus ist aber das Wort selbst. Damit eröffnet er den Erlösungsweg der Menschen: Sie können sich ihm im Glauben anschließen und damit seinem Weg zurück empor zur Herrlichkeit anschließen.
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
Im Anfang war das Wort
und das Wort war bei Gott
und das Wort war Gott.
Dieses war im Anfang bei Gott.
Alles ist durch das Wort geworden
und ohne es wurde nichts, was geworden ist.
In ihm war Leben
und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht leuchtet in der Finsternis
und die Finsternis hat es nicht erfasst.
Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet,
kam in die Welt.
Er war in der Welt
und die Welt ist durch ihn geworden,
aber die Welt erkannte ihn nicht.
Er kam in sein Eigentum,
aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Allen aber, die ihn aufnahmen,
gab er Macht, Kinder Gottes zu werden,
allen, die an seinen Namen glauben,
die nicht aus dem Blut,
nicht aus dem Willen des Fleisches,
nicht aus dem Willen des Mannes,
sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt
und wir haben seine Herrlichkeit geschaut,
die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Prolog, mit dem das Evangelium nach Johannes anfängt, kann als Schöpfungsgeschichte gelesen werden, im Hintergrund steht Gen 1 (also der Anfang der Bibel überhaupt).
Wie ein Adler (das Symbol des Evangelisten) umkreist Johannes den Anfang: der Logos (Wort) ist da, er ist bei Gott, ja, er ist Gott. Aus dem Wort kommt die Schöpfung, nichts, das nicht aus dem Wort käme.
Die erste Gabe des Wortes ist das Licht. Es leuchtet in der Finsternis, auch wenn die Finsternis nicht weiß, was Licht ist. Der Evangelist formuliert: "das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt". Hier wiegt jedes Wort: wahres Licht – jeden Menschen. Hier wird die alte Schöpfungsgeschichte, wie sie in Gen 1 zu finden ist, noch einmal erzählt. Jedoch aus einer besonderen Perspektive: Das Wort ist Fleisch geworden. Jesus wird vorgestellt als der, der Herrlichkeit und Wahrheit sichtbar macht - die Herrlichkeit und Wahrheit des Vaters.
Im Prolog wird, fein nuanciert und auch formuliert, was mit Jesus geschieht. Sein Kreuz zeichnet sich von Anfang an ab: die Finsternis hat das Licht nicht erfasst, die Welt erkannte ihn nicht, die Seinen nahmen ihn nicht auf. Das Evangelium verspricht: "Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden", richtet aber gleichzeitig den Blick auf den "Logos", das Wort. Dass es Fleisch wird, sprengt vertraute Denkformen und fromme Erwartungen. Fleisch ist vergänglich, hinfällig, bedroht. Nach Jes 40 (und vielen Psalmen) ist das Fleisch wie Gras.
So bezeugt der Prolog einerseits, dass Menschen Kinder Gottes werden, der Logos aber - Fleisch.
Das Johannesevangelium kennt nicht die Kindheitsgeschichte Jesu, wie Matthäus oder Lukas sie erzählen, sondern es beginnt mit einem Prolog, der nicht nur wie der Stammbaum bei Matthäus die Väter mithereinnimmt sondern zum Ausgangspunkt vor die Erschaffung der Welt zurückgeht. Johannes zeigt damit, daß er einen ganz anderen Ansatz hat: statt vom irdischen Leben und Handeln Jesu auszugehen und es auf Gott hin durchscheinend werden zu lassen, versucht er von Anfang an, den Blick des Lesers zu weiten und ihn ein Stück in die "Welt Gottes" mithineinzunehmen.
Im Vergleich zu den anderen Evangelien enthält das Johannesevangelium einige völlig neue Vorstellungen, die ihm dabei helfen sollen. Neben dem "Logos", dem personifizierten Wort Gottes, kennt Johannes zum Beispiel auch den "Paraklet", den von Gott gesandten Tröster und Beistand Gottes. Der Evangelist arbeitet auch sehr gern mit Dualismen, zum Beispiel Licht und Finsternis im ersten Kapitel.
In dieses Lied über den Logos hat der Autor selbst Hinweise auf den Täufer eingeflochten und so den Text des Prologs als eine Art Tür zum Evangelium gestaltet. Im Hymnus klingen schon wichtige theologische Begriffe und Gedanken an, die beiden Erzählstücke über Johannes den Täufer schlagen die Brücke zum Beginn der Erzählung in Joh 1:19. Neben den schon erwähnten Worten "Leben" und "Licht" gehören zu den wichtigen theologischen Begriffen noch "Zeugnis", "Wahrheit", "Fleisch", "Glauben", "Sohn", "Vater", "gesandt sein", "Welt".
Der allerwichtigste Begriff ist "das Wort" - "der logos". Im Johannesevangelium ist es das wirksame Wort Gottes selber, das die Menschen hineinführt in die Situation der Entscheidung für oder gegen Gott. Dieses Wort ist Jesus Christus selber, er spricht den Menschen an, er fordert ihn heraus zu antworten. "Das Wort" ist so Zusage der Liebe Gottes, des Heiles und des Lebens für die Menschen, das nicht nur geschrieben oder gesprochen bleibt, sondern wirksam wird, das heißt, Konsequenzen hat. In der Reaktion auf die Herausforderung des Wortes wird sichtbar, wofür sich der Mensch entscheidet: Glaube oder Unglaube, Heil oder Gericht, Leben oder Tod. Das ganze Evangelium steht in der Spannung der sich immer weiterzuspitzenden Entscheidungssituation, die das Kommen des Wortes ausgelöst hat.
Im Gegensatz zu Lukas und Matthäus, die mit Kindheitsgeschichten ihr Evangelium eröffnen, leitet Johannes sein Evangelium mit einem philosophisch-theologischen Diskurs über den "Logos", über das "Wort Gottes" ein, ehe er die Erzählung vom Leben Jesu mit dem Auftreten Johannes des Täufers eröffnet (vgl. Mk 1).
Es sind 3 Abschnitte zu unterscheiden:
* 1-5 (das präexistente Sein des Logos);
* 6-13 (das Kommen des Logos zu den Menschen);
* 14-16.18 (Inkarnation und Heilsbedeutung für die Gläubigen).
Der Prolog knüpft bewußt an Gen 1,1 an ("Im Anfang") - denn der Logos ist das Wort, mit dem Gott alles geschaffen hat (Vers 3); aber in Überhöhung: hier ist es ein personales, fleischgewordenes Wort - Jesus Christus. Dies ist der Zielpunkt des ganzen Hymnus: ein Preislied auf den Erlöser. Christus ist der Logos, die Weisheit - aber noch mehr: er ist Gott (Vers 1c).
Für die Menschen ist der Logos der Übermittler von Leben und Licht (Vers 4) - und zwar des wahren Lichtes (Vers 9):
Die Verse 6 bis 8 mit dem Bericht über Johannes den Täufer bringen den Logos in die konkrete Geschichte hinein - und ordnen Johannes klar unter den Logos ein.
Vers 10f formuliert die Ablehnung des Logos durch die Welt - und doch gab es auch solche, die ihn erkannten und aufnahmen (Vers 12f) - und zwar im Glauben.
Vers 14 bildet mit seiner Rückbindung auf Vers 1 den Höhepunkt: dieses Wort, von dem so Großes ausgesagt wird, wird Fleisch. (Fleisch meint hier nicht nur einfach "Mensch", sondern das Irdisch-Gebundene, das Vergängliche, das typisch Menschliche).
Die Verse 15-18 sind theologische Einzelaussagen, die einen Übergang zum Folgenden darstellen.
Einzuordnen ist dieser Hymnus in die "Wort-Gottes-Theologie" der Bibel: Wer Jesu Wort gläubig hört, hört Gottes Wort; Jesus ist aber das Wort selbst. Damit eröffnet er den Erlösungsweg der Menschen: Sie können sich ihm im Glauben anschließen und damit seinem Weg zurück empor zur Herrlichkeit anschließen.
Am Beginn dieses Kalenderjahres hören wir von Weisheit, die es schon von Anbeginn der Zeiten gab, weil sie in einzigartiger Beziehung zum Schöpfer steht. Er hat seinen Sohn als göttliches Wort (zu Weihnachten) sichtbar gemacht. Das kommt besonders im Evangelium zum Ausdruck.
Weisheit ist göttlich, so die erste Lesung aus dem Buch Jesus Sirach.
König Salomo bittet um ein hörendes Herz, das hängt mit Weisheit zusammen. „Verleih deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht.“ (1 Kön 3,9). Gott antwortet: „Siehe, ich gebe dir ein weises und verstehendes Herz“ (1 Kön 3,12). Das ist eine schöne Zusage an uns alle, die wir mit königlicher Würde durch die Taufe ausgestattet sind. Im Besonderen sollte es für alle Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft gelten als Einstieg in ein Jahr, das wieder mit großen Herausforderungen auf uns wartet.
Das Herz als Entscheidungsinstanz. Dort liegen auch in den Tugenden die Werte. Das Herz gilt auch als Sitz des Gewissens, das ist so etwas wie ein „innerer Gerichtshof“ des Menschen, der uns sagt, was gut oder verwerflich ist. Im Zentrum des Herzens befindet sich das Heiligtum, das Unverfügbare, das seine Würde ausmacht. Das alles wird durch Liebe ausgefüllt.
Wir sind auserwählt, heißt es in der zweiten Lesung aus dem Epheserbrief. Diese Auserwählung ist Gnade als liebende Zuwendung Gottes an uns Menschen, ja an die ganze Schöpfung zu verstehen. Paulus nennt Christus „Gottes Kraft und Weisheit“ (Kol 1,24). So gesehen ist die Weisheit der göttliche Logos, der in Jesus Christus Menschengestalt angenommen hat.
Das wird uns im Evangelium nahegebracht. Gott sendet seine Weisheit, die alles menschliche Planen übersteigt. „Im Anfang - en arché" und nicht am Anfang steht das Wort Gottes. Die Logik Gottes wird Mensch. Diese Logik zeigt sich auch in der Ordnung der Natur, das nennen wir dann Biologik. Der eine Gott zeigt sich in unterschiedlicher Weise, in der Gesamtheit der Schöpfung, in den unterschiedlichsten Menschen, in ihren Kulturen und Sprachen.
„Das Wort Gottes ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ (Joh 1,14). Damit ist in einem Satz der Inhalt des Weihnachtsfestes zusammengefasst. Die Weisheit sucht Platz in der Begrenztheit des Menschen. Sie wird durch Worte ausgedrückt. Und diese schaffen Wirklichkeiten, die etwas bewirken. Gott spricht sein Wort in der Stille. Aus dem Schweigen kommt Sprache, eine Botschaft der Liebe. Dieses Wort braucht ein Du, sonst fehlt der Sinn.
Gott tritt in den Dialog mit den Menschen. Dieser wird oft abgelehnt. „Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ (Joh.1,11).
Warum wohl? - Zweitrangiges rückt oft in den Vordergrund. So mancher schafft sich auch seine eigenen Götter, weil man Gott kein Vertrauen schenkt, weil er nicht greifbar und begreifbar ist. Weihnachten liefert aber den Gegenbeweis. Gott ist in der Person Jesu einer von uns geworden.
Vielleicht befinden Sie sich jetzt noch in Feiertagsstimmung und sind noch etwas zugänglicher für die „Frohe Botschaft“ Jesu als im Alltagsgetriebe. Ich wünsche Ihnen ein hörendes und weises Herz, um all das, was auf uns zukommt, gut zu bewältigen.
Weihnachten ist nicht nach den Weihnachtsfeiertagen zu Ende. Es geht weiter. Die Fleischwerdung des Wortes Gottes findet seine Fortsetzung, indem es auch in uns wächst und sich entfaltet. In uns und durch uns wirkt der Geist Gottes und erneuert die Welt.
Erwachsenwerden ist kein geradliniger Prozess. Die Heranwachsenden erleben ein meist bewegtes Auf und Ab wie auch Hin und Her. Nach und nach eröffnen sich neue, zunächst fremde und ungewohnte Lebensbereiche, mit denen die jungen Leute erst vertraut werden und umgehen lernen müssen. Viele Eltern können ein Lied davon singen und abenteuerliche Geschichten erzählen.
Für Jesus und seine Eltern war es wohl nicht viel anders. Das Beispiel des 12-Jährigen lässt da einiges erahnen. Vom langen Weg Jesu zwischen Bethlehem, Nazareth und erstem öffentlichen Auftreten vergingen immerhin ca. 30 Jahre. Am vergangenen Sonntag haben wir darüber gerade einmal einen wenig aufschlussreichen Satz gehört: "Jesus aber wuchs heran und seine Weisheit nahm zu und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen." (Lk 2,53). Immerhin fragten sich bei seinem ersten Auftritt in der Synagoge von Nazareth die Menschen: "Woher hat er das alles? Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist?" (Mk 6,2).
Woher Jesus das alles hatte, können wir nur mutmaßen. Dass ihm all das einfach zugefallen ist, weil er ein göttliches Wunderkind war, schließe ich als Wunschdenken aus. Vieles hatte er wohl aus dem damaligen jüdischen Bildungssystem, über das wir leider nur wenig wissen, aufgenommen: Das Elternhaus, die Synagogengottesdienste, vielleicht hatte er auch mit einem oder mehreren Rabbis engeren Kontakt. Auch im Tempel von Jerusalem gab es einen Lehrbetrieb. Aus späteren Diskussionen mit Schriftgelehrten können wir schließen, dass er sich auch in anderen Geistesströmungen seiner Zeit gut auskannte.
Als Evangelium haben wir an diesem Sonntag noch einmal den großartigen Prolog des Johannesevangeliums gehört. Der Evangelist versucht darin, die Bedeutung Jesu in die Heilsgeschichte vom Anfang der Schöpfung an einzuordnen. Für ihn hat in Jesus die Weisheit Gottes menschliches Fleisch angenommen. Im Satz "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt" erreicht dieser Hymnus seinen Höhepunkt, Johannes fasst damit das Geheimnis der Menschwerdung Jesu zusammen. Die Fleischwerdung Jesu ging, so betonen auch die anderen Evangelien, den ganz natürlichen Weg der Schwangerschaft, der Geburt und des Heranwachsens als Mann. Das theologisch Besondere daran ist, dass mit seinem körperlichen Heranwachsen auch die Kraft des Geistes Gottes herangewachsen ist und im Menschen Jesus spürbar geworden ist.
"Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben … und aus Gott geboren sind." Damit sind wohl wir gemeint, die wir auf den Namen des dreifaltigen Gottes getauft sind. In der Taufe wurden auch wir mit der Kraft des Heiligen Geistes ausgestattet. Auch in uns will der Geist Gottes konkrete Gestalt annehmen, Fleisch werden.
Der Weg, auf dem der Geist Gottes in uns heranwächst, verläuft wohl ähnlich wie bei Jesus: Elternhaus, religiöse Erziehung im Kindergarten, in der Schule, in Jugendgruppen, durch Auseinandersetzung mit den geistigen Strömungen unserer Zeit und nicht zuletzt mit dem Vertrautwerden mit den Heiligen Schriften. Unsere heiligen Schriften sind Zeugnisse des Wirkens Gottes, seiner Weisheit und seines Geistes im Laufe der Menschheitsgeschichte. Aus diesem Grund rufen wir in jedem Gottesdienst einige Abschnitte daraus in Erinnerung.
Das Weihnachtsfest beginnt mit der Erbauung am göttlichen Kind, mit dem Staunen über Wunder des Lebens und das Fleischwerden der Liebe Gottes. Weihnachten bleibt nicht dabei stehen, es geht aber weiter. Die Liebe und Weisheit Gottes möchte auch in uns erwachsen werden, Fleisch annehmen. Der Heilige Geist möchte auch durch uns in der gegenwärtigen Welt wirken.
Die Geburt Jesu hat die Welt verändert. Der Geist Gottes will auch durch uns die Welt verändern. Weihnachten lädt uns ein, dem Raum zu geben.
Im Brief an die Epheser beschreibt Paulus, was sich durch unsere Beziehung zu Jesus Christus in unserem Leben geändert hat. Durch die Gemeinschaft mit Jesus Christus haben auch wir teil an der Weisheit und am Reichtum Gottes.
Haben sie schon einmal für einen Menschen geschwärmt? Sie waren begeistert von diesem Menschen. Sie waren voll von dem, was er sagte, was er tat, von dessen Ausstrahlung? Sie haben gespürt, das hat mit mir jetzt etwas gemacht. Das geht an mir und meinem Leben nicht spurlos vorüber. Vielleicht haben Sie auch jemanden erlebt, bei dem sie gespürt haben, dass er vom Glauben an Jesus begeistert ist und gut vermittelte, was er glaubte.
Ich spüre diese Begeisterung, ja diese Freude und den festen Glauben in den Worten des Apostels Paulus. Paulus war begeistert von Gott. Er war begeistert von Jesus Christus. Zuerst war er ein leidenschaftlicher Verfolger aller, die an Jesus glaubten. Doch dann hat sich Jesus ihm gezeigt. Dass es ihn zu Boden geworfen hat, wie die Apostelgeschichte berichtet, zeigt, wie einschneidend es für ihn war, Jesus zu begegnen. Paulus erlebte, dass Gott in seinem Leben eingegriffen hat. Paulus predigte danach voll Begeisterung Jesus, den Sohn Gottes. Paulus spürt: Gott hat mich erwählt. Mein Glaube an ihn – das ist zuerst Gottes Werk.
Mein Glaube ist zuerst ein Geschenk. Gott handelt an uns, Gott wirkt an Paulus – durch Jesus Christus, in dem Gott in diese Welt gekommen ist. Paulus spürt: Mit meinem Glauben gebe ich meine Antwort auf sein Handeln, seine Liebe. Ich spüre aus den Worten, die Paulus spricht, eine große Dankbarkeit für seinen Glauben. Ich spüre, wie sehr Paulus aus diesem Glauben heraus lebt, wie wichtig ihm die Gemeinschaft mit Christus ist. Er spürt auch, dass wir aus dieser Gemeinschaft mit Christus heraus leben können.
Wir haben an Weihnachten das Fest der Geburt von Jesus gefeiert. Da haben wir gefeiert, dass Gott in Jesus in diese Welt kam, dass er arm geboren wurde. „Das Wort ist in Fleisch geworden!“ Wir haben gefeiert, dass in dieser Weise Jesus unser Leben geteilt hat bis zu seinem Sterben am Kreuz. Dieser Jesus ist auferstanden. Dieser Jesus lebt in der Gemeinschaft mit Gott. Jesus will im Leben aller Menschen wichtig sein. Jesus wirkt im Leben derer, die an ihn glauben. Gott will allen Menschen Gemeinschaft mit Jesus schenken.
Paulus hat Menschen getroffen, die seine Botschaft abgelehnt haben. Doch es gab viele, die sich von ihm haben zu Jesus führen lassen. Er schreibt an die Gemeinde in Ephesus. Paulus ist begeistert von dem, was er über ihren Glauben hört. Er dankt für diesen Glauben. Auch in den Worten, in denen er für den Glauben dankt, sehe ich eine große Begeisterung und Freude. Paulus schreibt den Glauben und die Liebe der Epheser nicht seinem eigenen Wirken zu, sondern der Liebe Gottes. Paulus baut die Menschen auf. Er schickt ihnen Wünsche für ihren Glaubensweg. Er wünscht ihnen, dass Gott an sie weiterhin wirken möge, dass ihr Glaube wachse. Er wünscht ihnen, dass die große Hoffnung, die uns der Glaube schenkt, einmal in seiner Nähe zu leben, unser Leben bestimmt. Er wünscht ihnen, dass die Menschen schon in diesem Leben zeigen, wie wichtig Gott, wie wichtig die Gemeinschaft mit Christus ist. Der Glaube soll für sie weiterhin eine feste Grundlage sein. Wer an Jesus glaubt, wer an die Liebe Gottes glaubt, dessen Leben ist reich, das heißt erfüllt. Die Worte des Paulus bestärken die Schwestern und Brüder in Ephesus.
Was Paulus den Ephesern wünscht, das ist auch uns zugesagt. Ich glaube, dass es in unserer Zeit vor allem darum geht, unseren Glauben zu erneuern. Wir müssen hier – in unseren Breitengraden – wieder zu einer tiefen Liebe und zu einer neuen Beziehung zu Jesus finden. Das ist die Aufgabe der Kirche. Kirche – ich sage es oft – ist die Gemeinschaft aller, die an Jesus glauben. Wir müssen wachsen und reifen in dieser Liebe zu Jesus, genauso wie wir wachsen und reifen können in der Liebe zu einem Mitmenschen. So wie wir einen Menschen immer besser kennen lernen, wenn wir viel mit ihm zusammen sind, viel mit ihm sprechen, so lernen wir immer tiefer Gott kennen, wenn wir die Gemeinschaft mit Gott suchen. Suchen wir diese Gemeinschaft mit Gott im Gebet, im Gottesdienst, im Lesen der Bibel, und in der Liebe zu den Mitmenschen. In der Liebe zu den Mitmenschen, in Taten der Liebe wird das Wort in uns Fleisch, werden wir Licht, das in den Finsternissen unseres Lebens leuchtet. Der Glaube wird weitergetragen durch das gelebte Beispiel, mehr noch als durch Reden. Dann schenken wir den Glauben an andere weiter, so wie er uns geschenkt wurde, durch Eltern, durch Freunde, ja durch Menschen, die von Jesus begeistert waren. Leben wir aus dem Glauben heraus, aus der Liebe Gottes, aus der tiefen Gemeinschaft mit Jesus.
Zum zweiten Mal hören wir in der Weihnachtszeit als Evangelium den Prolog des Johannesevangeliums. Gott wirkt in unserer Welt durch sein Wort, das Mensch geworden ist, um diese Welt zum Guten hin zu verändern.
„Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht bis zur Mitte gelangt war, da stieg dein allmächtiges Wort, o Herr, vom Himmel herab, vom königlichen Thron.“ (Weish 18,14-15). Tiefes Schweigen bedeutet Stille. Gott spricht zum Menschen in der Stille. Er spricht leise und dennoch ist sein Wort wirkmächtig bis in unsere Tage herauf. Es beginnt die Tatsache des Schweigens.
Auch in der Kultur ist es so: Dichter, Künstler, Komponisten ziehen sich zurück, um große Kunstwerke zu schaffen, Manager, Leute in Führungspositionen ziehen sich zurück, um vor wichtigen Entscheidungen stille zu werden, den Kopf frei zu bekommen, von all dem, was rundherum passiert. Sie tun das gar nicht so selten im "Kloster auf Zeit". Im Schulbetrieb wird nicht der Lehrer, die Lehrerin geachtet, die herumbrüllt, sondern wer leise, aber sehr bestimmt, aufgrund natürlicher Autorität Hinweise gibt, Anordnungen trifft.
Die Weisheit, von der die Rede ist, ist etwas Göttliches, Klugheit ist ein innerweltlicher Begriff, sogar eine Kardinaltugend. Jesus ist gekommen, um Weisheit und Klugheit in Einklang zu bringen. Er lobt sogar die Klugheit, wenn es im Evangelium heißt: „Die Kinder dieser Welt sind klüger als die Kinder des Lichts.“ (Lk 16,8). Klugheit ist nur dann hilfreich, wenn sie dem Guten dient und nicht dem Betrug.
Die „Mitte der Nacht“ - Mitternacht hat große Bedeutung, weil das ein Zeitpunkt der Wende ist: vom Dunkel zum Licht. In dieser wende spricht Gott sein Wort nicht irgendwo hin, sondern ganz persönlich zu uns. Er redet auch nicht herum, sondern er handelt. Er handelt vom Beginn der Schöpfung weg: „Im Anfang - nicht am Anfang - war das Wort und das Wort war bei Gott“. Gott spricht und handelt. – Es entsteht die Schöpfung.
»Logos«, ein schwer übersetzbarer Begriff, der heißen kann: Wort, Zunge, Lehre, Sinn. Die Logik Gottes wird Mensch. Gott spricht zu uns. Die Sprache ist das höchste geistige Gut eines Menschen, leider auch Quelle allen Missverständnisses. Die Logik Gottes zeigt sich auch in der Natur: Biologik in den Wissenschaften. Diese Logik hat auch Sinn, deshalb braucht sie ein DU, so entsteht Dialog. Gott fragt dich, klopft an, will mit dir ins Gespräch kommen, gibt Antwort auf die Fragen meines Lebens. Mit Hilfe dieser Logik sollst du in Freiheit deine Lebensentscheidungen treffen.
Da wird in diesem Prolog (= Stelle des heutigen Johannesevangeliums) ein Problem angesprochen: „Die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ Das ist dann Finsternis, Gottesfinsternis. Wie oft steht Gott vor verschlossenen Türen, er trommelt nicht mit den Fäusten dagegen, er ist diskret, er geht wieder, nachdem er immer wieder sanft angeklopft hat (Offb 3,20). Nicht jeder hört das Wort, nicht jeder versteht es, andere wieder hören es, verstehen es auch, lassen sich aber auf die gute Nachricht (eu-angelion) nicht ein.
Der Johannes-Prolog will die Welt verändern. Das geht sehr sehr langsam. Bei unseren persönlichen Plänen ist das nicht viel anders, überhaupt jetzt in der Pandemie. Nichts geht weiter aus Faulheit, Gleichgültigkeit, Ungeduld, wo zumindest etwas Geduld notwendig wäre, unvorhergesehene Ereignisse, Blockaden in der Politik, in der Kirche, Querschüsse da und dort.
Nehmen wir sein Wort auf in der Gestalt fragender und suchender Menschen, helfen wir den Zweifelnden weiter, denen, die verzagt sind, bemühen wir uns zu tun, „was ihr den Geringsten meiner Schwestern und Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“- und wenn es nur „ein Glas Wasser“ ist für die Durstigen, die dürsten nach Anerkennung, Liebe Wahrheit und Gerechtigkeit.
Das fleischgewordene Wort Gottes ist als Licht in die Welt gekommen. In einer dunklen Zeit brauchen wir es. Dieses wahre Licht kann nur mit den Augen des Herzens gut gesehen werden.
Hell sind unsere Tage nicht gerade. Es wird nicht nur früh dunkel – die Nachrichten des Tages geben uns den Rest. Ob die Augen des Herzens, von denen im Brief an die Gemeinde zu Ephesus die Rede ist, erleuchtet werden können? Ein Schüler des Apostel Paulus hat dieses schöne Bild gefunden. Nur: können die Augen des Herzens mehr sehen als die beiden Augen, die so keck in die Welt schauen? In denen wir so vieles lesen können? In denen sich Menschen sogar verlieren (und verlieben) können?
Aber die Augen des Herzens sind wohl ein Geschenk. Für die, die von Gott erwählt, geliebt und gesegnet sind. Wir sollen sehen können, zu welcher Hoffnung wir berufen sind, welcher Reichtum uns zuteil wird, welcher Geist unter uns waltet. Eine ganz eigene Welt tut sich auf, in der nicht nur die Liebe alles zählt und wiegt, sondern Gottes Lob in allen Dingen liegt. Wie sagte der Kleine Prinz? „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“
Den Briefschreiber würde ich gerne kennen, aber er hat es vorgezogen, sich hinter einem großen Namen zu verstecken. Aber auch so ist es eine lichtvolle Geschichte: Gott hat uns aus Liebe, vor aller Zeit schon, ohne unser Zutun, als seine Söhne und Töchter, als seine Kinder bestimmt – und eben auch als Erben.
Die Augen des Herzens! Sie sehen tatsächlich mehr als das, was vor Augen ist. Sie sehen Gott. Hell sind unsere Tage nicht gerade. Es wird nicht nur früh dunkel – uns kommt die Hoffnung abhanden. Doch mitten drin: Gott.
Probieren wir doch einmal, mit den Augen des Herzens zu sehen! Was sehen wir? Wir sehen – ein Wort. Nein, das Wort. Kann man ein Wort sehen? Doch, wenn das Wort Fleisch wird, kann man es sehen. Sie schauen ein wenig ratlos? Die Formulierung ist von Johannes. Er hat sie an den Anfang des Evangeliums gestellt:
Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt
und wir haben seine Herrlichkeit geschaut,
die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit.
Ein wundersamer, überraschender Anfang! Mit dem Wort ist Gott selbst gemeint. Philosophen aller Couleur haben sich schon darüber den Kopf zerbrochen. Gott – Wort? Die Bücher, die darüber geschrieben wurden, brauchen eine eigene Bibliothek. Regale, die nicht in Metern, sondern in Kilometern zu messen wären. Mit einem Wort: Gott passt in keinen Raum. Aber: er wird Fleisch. In Liedern ist davon die Rede, dass sich das ewige Gut verkleidet, aber davon ist hier nicht die Rede. Fleisch ist übrigens vergänglich, hinfällig. Alles Fleisch ist wie Gras, heißt es beim Propheten Jesaja – geht der heiße Wind darüber, ist es nicht mehr da. Verdorrt, verbrannt, verloren. Dass Gott sich so zeigt, hat weniger Staunen, aber umso mehr Befremden ausgelöst: Der Ewige – Fleisch? Die Kirchenväter haben darüber lange Streitgespräche geführt, Konzilien um Formulierungen gerungen und Gelehrte fast den Verstand verloren. Aber es ist das Geheimnis Gottes: ein Mensch. Ganz. Und doch: Gott. Ganz.
Was sehen wir noch? Wir sehen es hell werden. Nein, wir sehen die Herrlichkeit Gottes.
Wir sehen sie – niedrig geworden, klein gemacht, am Kreuz hängen. Aber es liegt jetzt ein Glanz über uns. Es ist der Glanz einer Liebe, der sich von Finsternis nicht verdrängen lässt. Während die Finsternis alles frisst – meine Hoffnung auch – leuchtet das Licht in der Finsternis. Und die Finsternis ist nicht mehr Finsternis! Sie hat ihren Meister gefunden!
Johannes sieht, wie Menschen die Finsternis nicht nur fürchten, sondern sie für ihre Zwecke einsetzen, gar missbrauchen. Diese Menschen können das Licht nicht annehmen, mehr noch: sie fürchten sich vor nichts so sehr wie vor dem Licht. Halten sie es nicht aus, entlarvt zu werden? Fürchten sie sich, nackt da zu stehen? Glauben sie, nur mit Hass und Angst ihre Welt im Griff zu haben? Aber wieviel Finsternis braucht man, um das Licht unsichtbar zu machen – und wie wenig Licht braucht man, um die Finsternis hell werden zu lassen?
Wer das Wort, Jesus, aufnimmt, dem ist die Macht gegeben, Kind Gottes zu sein – und ein Licht zu sein.
Nur die Augen des Herzens werden das schauen können!
In seiner großen Vorrede zum Evangelium lässt uns Johannes schauen, wo Gott wohnt. Seine Anschrift, sozusagen. Aber es ist kein festes Haus, in das er sich zurückgezogen hätte. Es gibt auch keine Tür, keine Fenster, keine Klingel. Es ist ein – Zelt. Unbefestigt. Beweglich. Den Stürmen ausgesetzt. Wie die Flüchtlingszelte auf Lesbos. Da haust Gott. Da ist er zu Hause. Er sieht, wie die Ratten Kinder beißen. Er sieht, wie der Schlamm sich in die Matratzen frisst. Er sieht, wie Menschen sterben und entsorgt werden. Er sieht… Er ist mitten drin. Was Johannes wohl dabei dachte, als er das so aufschrieb:
Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gezeltet.
Oft denke ich, oft gefällt mir die Vorstellung, Gott wäre im Himmel. Das würde zu ihm passen. Zu seiner Weite und Größe. Voller Sterne. Unendlich. Doch, wenn er Mensch ist, bleibt ihm nur das Zelt. Immer unterwegs. Immer unter Menschen. Doch, wenn er Fleisch ist, eitern seine Wunden. Er braucht Hilfe. Er braucht Barmherzigkeit. Ob ich ihn da suche? Verschämt schaue ich weg. Alles, was ich von Gott denke – hat er längst hinter sich zurückgelassen. Ich schaue Jesus an. Ihm eilt der Ruf – und das Vertrauen – voraus, dass er der Anführer und Vollender des Glaubens ist. Seine Herrlichkeit finde ich nur in der Liebe.
Nur die Augen des Herzens werden das schauen können!
Heute, am Anfang eines neuen Jahres, wünschen wir uns Augen des Herzens! Wir erbitten einen neuen Blick darauf, aus den Fängen der Pandemie befreit zu sein, unbefangen zu leben und einander nahe kommen zu können.
Vielleicht übersehen wir in dieser so verständlichen Hoffnung, dass schon vor Corona die Finsternis grassierte. Klimaveränderungen, an denen wir Menschen nicht unschuldig sind, bringen weltweit große Not! Die soziale Ungleichheit taucht nicht nur in Statistiken auf, sondern auf der Straße! Viele Menschen hausen unter menschenunwürdigen Bedingungen in Zelten, in die kein Camper zieht!
Hell sind unsere Tage nicht gerade. Es wird nicht nur früh dunkel – die Nachrichten des Tages geben uns den Rest. Ob die Augen des Herzens, von denen im Brief an die Gemeinde zu Ephesus die Rede ist, erleuchtet werden können? Ob wir das Licht sehen? Ob wir zu Licht werden?
Gepriesen sei Gott,
der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.
Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet
durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Weihnachten ist ein Fest der Nähe Gottes. Wie können wir einander diese Nähe spüren lassen, wenn wir einander nicht nahekommen dürfen? Die Coronabeschränkungen haben viele neue Wege und Ausdrucksformen finden lassen. Auch im Bereich des Glaubens gilt es Neues zu probieren, um unsere Freude über das Nahesein Gottes zu zeigen und einander spüren zu lassen.
Wir feiern in diesem Jahr Weihnachten, wie wir es noch nie gefeiert haben. Zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus müssen wir eine Reihe von Regeln einhalten, die unsere Feierstimmung beeinträchtigen. Die Gesichtsmasken passten eher in den Fasching, es fehlt nur noch die bunte Bemalung. Wir sind angehalten, zu allen Personen, mit denen wir nicht im selben Haushalt leben, einen Babyelefanten weit Distanz zu wahren. Kein Händeschütteln, kein Umarmen, keine körperliche Nähe, kein gemeinsames Singen, auch auf den Chor müssen wir verzichten.
Warum ist uns körperliche Nähe so wichtig? Weil wir aus Fleisch und Blut sind! Menschen aus Fleisch und Blut wollen jene, die sie liebhaben, umarmen, manche auch liebkosen, ihre körperliche Nähe spüren. Dies tut uns gut und ist wichtig für unser emotionales Wohlbefinden.
Im Weihnachtsevangelium des Evangelisten Johannes haben wir den großartigen Hymnus von der Fleischwerdung Gottes gehört. Niemand weiß, wie Gott ist. Es fehlen uns die Worte ihn treffend zu beschreiben. Wir können nur erahnen, dass er der Inbegriff der Weisheit und der Liebe sein muss, aus dem die ganze Schöpfung hervorgegangen ist. Johannes fasst das Wesen Gottes mit dem griechischen Wort Logos zusammen. In unserer Sprache brauchen wir mehrere Wörter, um dieses Wort ausreichend zu übersetzen: Logos bedeutet Weisheit, Wort, Geist, Sinn und beinhaltet alle positiven geistigen Kräfte. In Jesus von Nazareth, so die Botschaft des Evangelisten, hat diese geballte Kraft Gottes menschliche Gestalt angenommen: "Und das Wort, der Logos, ist Fleisch geworden" lautet seine Zusammenfassung des Weihnachtsgeheimnisses.
Am Menschen Jesus von Nazareth sehen wir, wie Gott ist, wie wir uns Gott vorstellen können. In ihm ist Gott den Menschen nahegekommen, ist Gott sichtbar, berührbar und angreifbar geworden. Jesus hat sich berühren und umarmen lassen. Er hat Menschen berührt und umarmt. Diese Erfahrung haben Menschen, die mit Jesus in Berührung gekommen sind, als ein von Gott Berührtwerden erlebt. Diese Erfahrung hat sie geheilt, versöhnt, wieder ganz werden lassen, sie zu Menschen werden lassen, ihnen die verlorene Menschenwürde zurückgegeben.
Es fällt uns schwer, an diesem Weihnachtsfest auf viele Ausdrucksformen der Nähe und des Wohlwollens zu verzichten. Wenn wir vorübergehend unser diesbezügliches Repertoire einschränken müssen, ist es umso wichtiger, einander unser gegenseitiges Wohlwollen auf andere Weisen zu zeigen und spüren zu lassen: wenn wir z.B. Kindern zulächeln und ihnen signalisieren, dass sie in dieser Welt willkommen sind; wenn wir uns von der Not von Menschen, die es aus irgendeinem Grund schwer haben, berühren lassen; wenn wir alten Menschen Zeit und Aufmerksamkeit schenken…
Dieses Wohlwollen gilt es auch in unserem politischen Engagement für eine gerechtere Welt zu zeigen, für gesunde Lebensbedingungen aller Menschen, auch wenn dieses Umdenken uns Einschränkungen und Verzicht abverlangt.
Das Krisenjahr 2020 hat uns viel Verzicht abverlangt und uns viele Einschränkungen auferlegt. Vieles ist und war zum Jammern. Manches Mal hatte ich den Eindruck, dass in den Medien verschiedene Interessensgruppen um die Wette gejammert haben. Es wurde aber nicht nur gejammert. Es ist auch viel Neues entstanden. Es wurden viele positive Kräfte geweckt: Solidaritätsbekundungen, Zuversicht im Sinne "gemeinsam schaffen wir das!", aber auch Humor. Noch nie hat in den sozialen Medien der Witz und Schmäh so geblüht wie in den vergangenen Monaten.
Auch als Gläubige konnten und können wir viele gewohnte Ausdrucksformen unseres Glaubens nicht vollziehen. Die Not hat aber im religiösen Bereich viele Menschen neue Wege finden lassen, wie wir das Geheimnis des Glaubens, wie wir die Liebe und das Wohlwollen Gottes in unserer Welt aufs Neue sichtbar und spürbar machen können.
Ein jeder von uns ist gefordert, die Frohe Weihnachtsbotschaft von der Nähe und dem Wohlwollen Gottes in seine Welt hineinzutragen. Wünschen wir einander nicht nur mit Worten sondern auch mit Blicken und anderen Zeichen des Wohlwollens ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest. Wenn wir so unsere Zuversicht miteinander teilen, schenken wir Weihnachtsfreude und können wir so ein wenig vom Geheimnis der fleischgewordenen Liebe Gottes einander spüren lassen.
Das Weihnachtsgeheimnis ist unerschöpflich. Der Evangelist Johannes fasst diese Frohe Botschaft im Prolog zu seinem Evangelium zusammen. Er gibt darin unserem Staunen nicht nur Worte, sondern fordert uns auch auf, als Kinder Gottes die Liebe Gottes anzunehmen und weiterzuschenken.
In der "guten alten Zeit" haben die Redemptoristen an jedem 24. Eines Monats das Geheimnis der Menschwerdung in besonderer Weise meditiert und gefeiert. Das führte manches Mal zu grotesken Situationen, wenn etwa Novizen mitten im Sommer Weihnachtslieder gesungen haben.
Unser Ordensgründer Alfons Maria von Liguori war von der Menschwerdung Gottes, von der Inkarnation, so fasziniert, dass sie seine Spiritualität nachhaltig prägte. Auch die Eucharistie verstand er von der Inkarnation, der Menschwerdung Gottes her. Jesus wollte auch nach seinem Tod mit Fleisch und Blut unter den Menschen gegenwärtig sein. In der Anbetung und Verehrung des eucharistischen Brotes verneigte er sich vor der Liebe Gottes, die im Vollzug der Eucharistie so weit geht, dass sie in uns Fleisch werden will.
Am zweiten Sonntag nach Weihnachten lesen wir noch einmal den Beginn des Johannesevangeliums, den sog. Prolog, in dem der Evangelist sein ganzes Evangelium zusammenfasst. Das Wort, der Logos, die Weisheit und der Geist Gottes sind in Jesus Mensch geworden. Fleisch, handfest und konkret.
Dieses Evangelium lässt uns nicht nur staunen und nach Worten ringen, wie wir das ausdrücken können, sondern stellt an uns auch die Frage: Welche Konsequenzen ziehen wir aus diesem Sichtbarwerden der Liebe Gottes? Johannes beschreibt es als Inbegriff des Lebens und als Licht, das die Finsternis überwindet. Alle, die Jesus aufnehmen, werden bevollmächtigt, Kinder Gottes, göttlich, zu werden. Es liegt an uns, diese Welle göttlichen Lebens und Lichts in uns aufzunehmen und in die Welt hineinwirken zu lassen.
Wie können wir heute verstehen, was Johannes mit den Begriffen »Licht« und »Leben« zum Ausdruck bringen will?
"Die Kraft positiven Denkens" lautete ein viel beachteter Buchtitel des Autors Norman Vinzent Peale. Er zeigt darin, wie »positives Denken« das Leben eines Menschen verändern kann. Wird es lediglich als psychologische Selbstmanipulation angewandt, ist es nicht mehr als ein fragwürdiger Psychotrick. Was aber, wenn dieses positive Denken einen tieferen Grund in einer gläubigen, die Welt und das Leben bejahenden Weltsicht hat?
Wer das Leben und die Schöpfung als das Werk eines liebenden Gottes versteht und daran glauben kann, dass diese Liebe auch das Negative und Dunkle, das uns im Leben und in der Welt begegnet, überwinden kann, wird diesen Glauben als reiche Kraftquelle erfahren. Wer diese positive Weltsicht teilen kann, wird auch bereit, sich für die Entfaltung des Lebens einzusetzen.
Zu Weihnachten haben wir uns beschenken lassen. In den Geschenken haben wir uns gegenseitig unser Wohlwollen ausgedrückt. Zuvor schon sind wir von Gott reich mit seinem Wohlwollen beschenkt worden. Liebe entfaltet sich im Empfangen und im Geben. Wie Kinder durch die Liebe, die sie empfangen, lernen, was Liebe bedeutet, und selbst in der Liebe wachsen und fähig werden zu lieben, so lernen wir als Kinder Gottes aus der Liebe Gottes und werden wir befähigt, die Liebe Gottes weiterzugeben.
Dies kommt in vielen Weihnachtsliedern wie z.B. "Ich steh an deiner Krippe hier" von Paul Gerhardt zum Ausdruck. Wie die Hirten und die Sterndeuter stehen wir staunend vor dem Geheimnis der Liebe Gottes und nehmen sie in uns auf. Dies können wir nicht zu oft einüben. Wir sind jedoch nicht nur eingeladen, sie mit nach Hause zu nehmen, sondern wir sind auch berufen, sie fruchtbar zu machen und weiterzuschenken.
Während Matthäus und Lukas in Erzählungen über die Geburt Jesu dessen Bedeutung für die Menschen zum Ausdruck bringen, ordnet Johannes in seinem Prolog zum Evangelium sein Leben in kosmische Dimensionen ein.
Zum Jahreswechsel haben die Zeitungs- und Fernsehkommentatoren Hochsaison. Jahresrückblicke und -vorschauen fordern sie heraus, die vergangenen Ereignisse zu bewerten und in größere Zusammenhänge einzuordnen. Was noch vor wenigen Wochen als historisches Jahrhundertereignis gefeiert und medial ausgeschlachtet wurde, wird nun plötzlich nur mehr am Rand erwähnt. Die tägliche Berichterstattung ist häufig versucht, ein Geschehen als Jahrhundertereignis herauszustreichen, um damit die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erreichen. Was wirklich für die größeren Geschichtszusammenhänge bedeutsam ist, wird sich erst im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte herausstellen.
Die Evangelisten, die über die Geburt Jesu berichten, bemühen sich auch, das Auftreten Jesu in den großen Geschichtszusammenhängen zu verorten. Matthäus stellt einen Stammbaum Jesu vor (Mt 1,1-17), der bei Abraham, dem Stammvater Israels beginnt und über den König David bis Jesus von Nazareth keinen großen Namen der Geschichte Israels auslässt. Lukas bringt auch einen Stammbaum Jesu (Lk 3,23-38) und verfolgt die Abstammung Jesu zurück bis auf Adam, den ersten Menschen. Johannes holt noch einmal weiter aus und beginnt sein Evangelium mit den Worten "Im Anfang war das Wort..." Er lässt seine Geschichte also noch vor der Menschheitsgeschichte, sogar vor aller Schöpfung beginnen. Jeder der drei verfolgt dabei ein anderes theologisches Interesse. Während Matthäus die Bedeutung Jesu für die Geschichte Israels, also für die Geschichte des Gottesvolkes betont, geht es Lukas um die Bedeutung Jesu für die ganze Menschheit.
Für Johannes ist Jesus, seine Geburt und das, was er ausgelöst hat, Mittelpunkt des ganzen Universums. Auf ihn hin ist alles geschaffen. Er ist gleichsam der Schlüssel, wenn man den Sinn all dessen, was existiert, erfassen will.
Dabei geht es ihm nicht nur um eine zeitliche Einordnung in den Lauf der Geschichte. Er zieht auch alle Register, um die qualitative Einzigartigkeit Jesu zu beschreiben. Während sich Matthäus und Lukas bemühen, Jesus als den erwarteten Messias, bzw. als den Retter der Menschen vorzustellen, verwendet Johannes Begriffe wie »Wort«, »Sinn«, »Licht«, »Leben«. Sein Text ist so dicht, dass man ihn nicht oft genug lesen kann, um zu erahnen, wer da in der Person Jesu in die Welt getreten ist.
So genial Johannes die Bedeutung Jesu für den ganzen Kosmos, die gesamte Schöpfung und für das gesamte menschliche Dasein zusammenfasst, so sehr ist ihm auch daran gelegen, die Menschwerdung Jesu als Schlüssel für die persönliche Existenz jedes einzelnen Gläubigen herauszuarbeiten: "Und das Wort ist Fleisch geworden" (Joh 1,14). Damit wird die von vielen Menschen am eigenen Leib erfahrene und als Gegensatz empfundene Spannung zwischen Geist und Leib aufgehoben, bzw. versöhnt. Auch der Gegensatz von Himmel und Erde wird überwunden: "Allen die ihn aufnahmen, gab er die Macht, Kinder Gottes zu werden." (Joh 1,12). Nicht nur "Gott ist im Fleische", wie es ein einem Liedtext heißt, sondern auch wir sind als Kinder Gottes in Gott.
In der Liturgie des zweiten Sonntags der Weihnachtszeit klingt all das Große, das wir im Weihnachtsfest begehen, nach. Über dieses großartige Ereignis können wir nur staunen, Gott danken und anbetend vor dem Geheimnis seiner Menschwerdung verharren.
Der Johannesprolog ist ein zentraler Text des Johannesevangeliums. Mit dem Kind in der Krippe ist Sinn, Licht und Fülle in unser Leben gekommen.
Am 2. Sonntag nach Weihnachten hören wir als Evangelium nochmals den Anfang des Johannesevangeliums, den sog. Prolog. Den Älteren unter Ihnen ist dieser Text ja vielleicht noch als "Schlussevangelium" in lateinischer Sprache nach der alten Liturgie vor dem Konzil bekannt. Da wurde er am Ende jeder Messfeier gelesen. Es muss schon ein sehr wichtiger Text sein, wenn er damals praktisch täglich und heute auch noch zweimal hintereinander in der Weihnachtsliturgie vorkommt. In diesen ersten Worten seines Evangeliums hat der Evangelist Teile eines bereits in der Tradition früher vorkommenden Textes hineinverarbeitet. Leicht zu interpretieren sind diese Zeilen aber nicht. Ein Exeget schrieb darüber vor mehr als 100 Jahren (H. J. Holtzmann): „Überhaupt zeigt jeder Blick in die Commentare, dass die Exegese des Prologs sich jeher der Methode des Rathens bediente“. Deshalb will ich - ohne Anspruch auf eine vollständige Auslegung - nur einzelne Verse herausgreifen, die mir den Sinn von Weihnachten etwas mehr erhellen.
Der Text beginnt mit „Am Anfang“ und erinnert sofort an den Beginn der ganzen Bibel, an die Schöpfungsgeschichte in Gen 1; dort heißt es „Im Anfang“. In beiden Texten spielt das Wort die bedeutende Rolle. Das griechische »λογος« (logos) wird mit »Wort«, aber auch mit »Sinn« übersetzt. Den Sinn des eigenen Lebens entdecken und leben zu können, ist für den Einzelnen im Leben wichtiger als Macht, Reichtum und Anerkennung zu finden. Dieses Wort, von dem wir in der heutigen Perikope hören, vermittelt Leben, indem es uns Orientierung gibt.
In Joh 1, 4 heißt es: „In ihm war das Leben und das Leben war das Licht des Menschen.“ Damit ist nicht das natürliche Licht der Vernunft gemeint, das der Mensch im Gegensatz zum Tier besitzt. Dieses Licht, das unser ganzes Leben erhellt, ist an das »Wort« gebunden, das Fleisch geworden ist: an Jesus Christus. Er hat uns in einer für uns verständlichen Form vorgelebt, was es heißt, den Sinn des eigenen Lebens zu erkennen und das zu leben, was nur jeder Einzelne für sich leben kann. Er ist für uns das Wort geworden, in dem Gott sich für uns vernehmbar macht.
Indem er Fleisch angenommen hat, also sich den Gesetzen des Menschseins unterworfen hat, ist er zum Mittler zwischen dem Schöpfer und den Geschöpfen geworden. Und so kann uns der Evangelist einige Kapitel später auch das Jesuswort übermitteln: „Ich bin das Licht der Welt“. Er ist das innere Licht, das jeder, der an ihn glaubt, in sich trägt.
Wenn in einem total finsteren Raum auch nur eine Kerze angezündet wird, dann hat sie die Finsternis zunichte gemacht. Es kann nicht mehr finster sein, wenn auch nur ein schwaches Licht brennt. Licht löscht Finsternis aus. Mit dem Kind in der Krippe ist Licht in die Finsternis dieser Welt gekommen. Jesus Christus war nicht nur in seiner Lebenszeit vor 2000 Jahren präsent in dieser Welt, sondern jeder, der ihn aufnimmt, wird zum Kind seines Vaters und bringt wie er selbst durch sein auf Gott und seinen Nächsten bezogenes Verhalten Licht in die Finsternis dieser Welt. Mit dem Glauben an ihn ist zwischenmenschliches Handeln verbunden und die gelebte Hoffnung, dass der eigene Weg nicht ins Leere führt sondern ein Ziel hat, das für jeden von uns erreichbar ist. In jedem von uns, der ihn aufnimmt, brennt dieses Licht weiter: für ihn selbst und für die, die ihm auf seinem Lebensweg mitgegeben sind.
Das ist mehr als nur ein rein humanistisches Handeln, das die Fähigkeit des Menschen im Blickfeld hat, zu einer besseren Lebensform zu finden. Vielmehr ist ein Mensch, der sich dieses inneren Lichts und dessen Herkunft von Gott bewusst ist, ein religiöser Mensch. Religion kommt vom lateinischen relegere - gewissenhaft berücksichtigen - oder von religare, zurückbinden. In beiden Interpretationen geht es darum, dass sich der Mensch bewusst ist, dass er einem höheren Sein verpflichtet ist. Wie es der Johannesprolog ausdrückt: dem „wahren Licht, das jeden Menschen erleuchtet“. Dieses Licht feiern wir im fleischgewordenen Kind in der Krippe zu Weihnachten. Er hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen.
Die moderne Hirnforschung meint zu wissen, dass der Mensch als „Füllewesen“ auf die Welt kommt. Angeblich sind bereits bei der Geburt 98 % unseres gesamten menschlichen Potenzials in uns angelegt. Nur, je älter wir werden umso mehr verkommt dieses ursprünglich Angelegte in uns. Der Glaube an das uns geschenkte göttliche Kind, das Licht, das wir in uns tragen, kann uns helfen, unsere Talente zu leben, zu Gebenden zu werden, immer wieder aus dem Gewohnten herauszufinden, uns wandeln zu lassen, uns immer wieder auf Neues einzulassen.
Dieser Blick nach innen, auf unser inneres Licht, kann allem Leid, dem wir als Menschen ausgesetzt sind, durch Sinnerfahrung und Reife eine Wendung geben. Psychologen sprechen heute von Resilienz. Sie bezeichnen damit die Fähigkeit, die ein Mensch entwickeln kann und die ihm hilft, an schwierigen und schwierigsten Situationen in seinem Leben nicht zu verzweifeln. So kann Lebensfreude entstehen trotz Schmerz und Leid. Die Erfahrung des Sinns in allem, was uns begegnet, erspart uns die ständige mühsame Beurteilung, ob das oder jenes, was uns gerade widerfährt, ein Unglück oder Segen für uns bedeutet. Der Blick auf unser inneres Licht befreit uns zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes und hilft uns in hoffnungsvoller Erwartung zu leben.
Das ist die Botschaft von Weihnachten. Paul Gerhardt hat das in der 2. Strophe des Weihnachtsliedes „Ich steh an deiner Krippe hier“ sehr berührend ausgedrückt:
Da ich noch nicht geboren war,
da bist du mir geboren
und hast mich dir zu eigen gar,
eh ich dich kannt, erkoren.
Eh ich durch deine Hand gemacht,
da hast du schon bei dir gedacht,
wie du mein wolltest werden.
»Wem gehört die Welt?« beginnen sich immer mehr Menschen zu fragen. Früher schien das selbstverständlich zu sein. Die Herrscher verstanden sich eingesetzt von Gottes Gnade und ließen daran nach ihrem Gutdünken andere teilhaben, indem sie Ländereien als Lehen – sozusagen als Leihgabe – weiter gaben. Die Krönung des Kaisers durch den Papst unterstrich das noch und ließ keine Zweifel aufkommen, dass es auch anders sein könnte.
Auch Demokratien, in denen die Macht vom Volk ausging, verstanden sich häufig in einem religiösen Kontext, der oft auch in der Verfassung verankert war. Immer öfter wird der religiöse Bezug aus Verfassungstexten entfernt, weil es in pluralen Gesellschaften kaum mehr möglich ist, diesbezüglich einen Konsens herzustellen, ganz zu schweigen von Staaten, die sich atheistisch verstehen.
Um sich nicht plötzlich in einem rechtsfreien Raum vorzufinden, haben sich die meisten Organisationen einen rechtlichen Rahmen gegeben, der ihnen ermöglich, ihre Besitzansprüche zu begründen und wahrzunehmen.
Es bleibt aber die Frage: »Wem gehört die Welt?« Gibt es nicht Gemeingüter, die niemand für sich allein beanspruchen kann? Die Ressourcen der Natur, die Atmosphäre, die »Gemeingüter des Geistes«, die kreativen Hervorbringungen vergangener Generationen, wem gehören sie? Gehören sie allen? Wer darf sie wie nutzen? Dürfen Besitzende mit ihrem Besitz tun, was sie wollen? Wer kann ihnen mit welchem Recht Grenzen setzen?
Im Weihnachtsevangelium des Johannes, dem großen Prolog zum vierten Evangelium, haben wir heute gelesen: "Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf." Und: "Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht."
Der Evangelist stellt eine Verbindung her zwischen dem Schöpfer, der am Anfang aller Zeit alles, was da ist, hervor gebracht hat, und dem Auftreten des Messias mitten in der Weltgeschichte. Für ihn ist klar, wem die Welt gehört: Dem, der sie geschaffen hat. Aber damit tritt der Messias in Konkurrenz mit allen, die sich als rechtmäßige Besitzer dieser Welt fühlen. Damit wäre auch das Misstrauen all jener erklärt, die dem Messias mit Argwohn gegenüberstehen wie der biblische König Herodes; stellvertretend für alle, die mit allen Mitteln ihre Macht- und Besitzansprüche verteidigen.
Aber Gott sei Dank geht es der Lichtgestalt des Johannes nicht um den Herrschafts- und Besitzanspruch über diese Welt. Dies würde früher oder später zu einem Gottesstaat führen und ist oft genug in diesem Sinne missverstanden worden. Einen solchen mögen zur Zeit Jesu einige jüdische Gruppierungen vom kommenden Messias erwartet haben. Von der Idee eines Gottesstaates sind wir im Laufe der Geschichte hoffentlich ausreichend geheilt worden. Wohin dies führen kann, zeigt sich immer wieder, wenn eine Religion oder eine Ideologie das letzte Wort für sich beansprucht.
»Das Wort«, das in Jesus Christus in diese Welt gekommen ist, erhebt einen anderen Anspruch. Es wirkt auf geistige Weise und erweist sich immer neu als wahr. Jesus sucht die Begegnung mit Menschen auf Augenhöhe und will von diesen aufgenommen werden. Wie er diese Begegnung mit den Bewohnern der Erde gestaltet, davon hören wir in den folgenden Kapiteln des Johannesevangeliums. Jesus wirkt durch seinen Geist. Er ist selbst der Fleisch gewordene Geist Gottes. Er kommt nicht, um die Welt in Besitz zu nehmen, sondern um sie zu verwandeln.
Für uns ist sein Eintritt in diese Welt eine Einladung, ihm zu begegnen und ihn bei uns aufzunehmen. Bei seiner ersten Ankunft wurde er zunächst abgelehnt, hinaus geworfen und vor der Stadt hingerichtet. Wie weit er bei uns Aufnahme findet, muss sich immer neu herausstellen.
Kind Gottes zu sein bedeutet, von der Art Gottes zu sein. Als Kinder Gottes stehen wir in seiner Gnade und haben wir Anteil an seinem Geist. Als Kinder Gottes sind wir dazu berufen, sein Werk fortzusetzen; nicht, indem wir die Welt in Besitz nehmen, sondern indem wir sie aus dem Geist des Messias heraus verwandeln. Kinder Gottes wurden wir zwar durch den sakramentalen Akt der Taufe. Diese Berufung muss aber vom jedem erst persönlich eingeholt werden, indem er oder sie sich der Begegnung mit Jesus Christus öffnet und seinen Geist annimmt. Und das liegt immer neu vor uns.
Weihnachten sind uns in den einzelnen Evangelien viele bewegende und sehr zu Herzen gehende Bilder von der Liebe Gottes zu uns vorgestellt worden: die schlichte Geburt des Sohnes Gottes, die Hirten und die Engel, der Stern, der die Weisen aus dem Morgenland führt und leitet. Im Vergleich zu diesen Bildern begegnet uns das heutige Evangelium zwar feierlich, sonst aber eher nüchtern. Johannes hat einen so ganz anderen Stil als die übrigen biblischen Berichterstatter. Der vierte Evangelist kleidet seine Darstellung vom Eintreten Jesu in unsere Welt in eine hoch theologische Sprache, die wie ein Gedicht klingt, aber nur schwer zu verstehen ist. Was will uns der Evangelist sagen?
Johannes holt weit aus. Ihm ist es wichtig, die Geburt Jesu in die gesamte Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen zu stellen. Darum beginnt er mit der Erschaffung des Universums durch Gott: Am Anfang war das Wort. Johannes möchte, dass wir im Blick auf die Geburt unseres Erlösers Jesus Christus uns daran erinnern, dass Gottes Größe nicht erst in der Menschwerdung Jesu sichtbar wird und für uns zum Tragen kommt. In Gott hat alles Seiende seinen Ursprung. Gott sprach und alles ward. Und wenn der Evangelist von »dem Wort« spricht, das aus Gott hervorging, dann sollen wir uns die Größe dieses Gottes vorstellen. Er muss nicht lange und immer wieder befehlen oder diktieren, nicht alles neu regeln, leiten und lenken. Ein einziges Wort aus seinem Munde genügt, und alles wird. Dabei ist alles, was wird, ausgestattet mit Weisheit und Klugheit, Schönheit, Pracht und Majestät, mit geheimnisvollem Leben und vielfältigem Wandel.
In diesem Wort, das am Anfang von Gott ausgeht, ist auch unser Sein bereits eingeschlossen. Keiner von uns ist zufällig auf dieser Welt. Unser Werden ist eingebettet in die Schöpfung Gottes von allem Anfang an. Nichts ist geworden ohne seinen Willen. Alles Seiende wurde und wird durch das Wort Gottes am Anfang. Dabei ist jeder von uns ein Geheimnis. Jeder hat Würde und Wert in sich, weil er aus Gott, aus Gottes Wort hervorgegangen ist. In uns steckt also Göttliches, das es zu entdecken gilt. Je mehr uns dies gelingt, je mehr wir uns des Göttlichen in uns bewusst sind und es zur Wirkung bringen, indem wir dem Wesen Jesu ähnlich werden, umso mehr und tiefer werden wir Mensch nach Gottes Plan.
Die Krönung des göttlichen Wirkens und Schaffens durch ein einziges Wort ist die Menschwerdung seines Sohnes. Er geht von Gott aus, nimmt menschliche Gestalt an, wird Fleisch von unserem Fleisch. Die Menschwerdung Jesu, so will Johannes sagen, ist nicht ein Nachtrag, ist Gott nicht erst später zusätzlich eingefallen. Nein, sie ist geplant von allem Anfang an. Gott will für uns Menschen nicht ein totales Geheimnis, ein völlig Unbekannter bleiben. Er will sich sichtbar machen für uns Menschen in seiner Liebe und uns durch die Menschwerdung seines Sohnes zeigen, welchen Wert wir für ihn haben.
Allen, die dieses Handeln Gottes erahnen und begreifen, geht ein Licht auf. Sie werden in Jesus die Mensch gewordene Liebe Gottes erkennen. Ein Strahl der Freude und des Glücks wird sie erfassen. Sie werden fähig, in den Bereich des Göttlichen einzutauchen, um Gnade und Segen zu empfangen, wodurch sie erleuchtete Kinder Gottes werden, die nicht ablehnen, was Gott zu unserem Heil tut. So empfangen sie Gnade über Gnade.
Der Evangelist Johannes lädt uns mit seinem Evangelium ein, bei der Betrachtung der Geburt Jesu nicht nur auf Christus zu schauen, sondern Gott als Ganzen in den Blick zu nehmen:
- Seine Größe und Erhabenheit,
- sein machtvolles Wirken als Schöpfer und Lenker der Geschichte,
- seinen Anteil und sein Mitwirken am Heilswerk Jesu.
Weihnachten sollen wir nach Johannes nicht nur als den Geburtstag Jesu feiern, sondern auch als den großen Gedenktag an Gott, aus dem alles Seiende hervorgeht und in dessen Gnade alles Seiende ruht. Ohne das Wort Gottes am Anfang gäbe es keine Menschwerdung Jesu. Diesen Zusammenhang sollen wir bedenken am Geburtstag Jesu zu Weihnachten, aber auch sonst, wenn wir auf Jesu Leben und Wirken schauen.
Öffnen wir uns unserem Gott und seiner Herrlichkeit, nehmen wir ihn in uns auf, damit in uns sein Licht aufleuchte in der Freude darüber, dass auch wir zu seinem Eigentum zählen, geschaffen durch sein Wort am Anfang, durch das alles wurde. Feiern wir sehr bewusst, besonders in jeder hl. Messe, die umfassende Liebe und Größe Gottes, in die wir tief eingeschlossen sind. Öffnen wir unsere Herzen diesem großen Geheimnis.
Wenn ein Kind zur Welt kommt und kein Zweifel besteht, wer der Vater ist, fragt kaum jemand, von wo das Kind herkommt. Es ist selbstverständlich ein Produkt der Natur und mancher Vater behauptet sogar, er habe es »gemacht«.
Anders ist es schon, wenn ein Mensch das Leben wieder verlässt. Am Grab eines geschätzten und geliebten Menschen können sich viele nicht einfach vorstellen: „Das war es nun“. Zumindest gläubige Menschen sind sich gewiss: Das kann nicht alles gewesen sein. Das Leben steht – so hoffen sie – in einem größeren Zusammenhang, ist mehr als ein Produkt der Natur. Es steht „etwas Höheres“ dahinter, das »Woher« und das »Wohin« des Lebens ist umfassender zu beantworten.
Wenn ein so ungewöhnlicher Mensch wie Jesus von Nazareth stirbt, suchen die Hinterbliebenen nicht nur Antworten auf das »Wohin« und den Sinn seines Lebens, sondern beginnen auch nach dem »Woher« zu fragen. Sie geben sich nicht mit rein natürlichen Erklärungen zufrieden.
So ist es wohl zu verstehen, dass die Christen der Anfangszeit sich einerseits gewiss waren, dass dieser Jesus, der zwar gekreuzigt worden ist, noch lebt und in ihren Gemeinschaften gegenwärtig ist, dass sie aber andererseits gleichzeitig begonnen haben, nach seiner eigentlichen Herkunft zu fragen.
In den Evangelien hat dieses Fragen bei Matthäus und Lukas mit den Erzählungen über seine Herkunft und seine Kindheit einen Niederschlag gefunden. Das Historische interessiert sie kaum. Sie betonen seine göttliche Herkunft und erzählen übereinstimmend vom Wirken des Heiligen Geistes. Johannes holt noch weiter aus. In der Einleitung zu seinem Evangelium stellt er sogar einen kosmischen Zusammenhang her. Dieser Jesus war bereits vor aller Schöpfung und in Jesus ist der »Logos«, »das Wort«, Fleisch geworden. Für ihn hat alles schon vor aller Zeit begonnen und es bedarf keiner weiteren Diskussion, dass er als Sohn Gottes über den irdischen Tod hinaus existiert und lebendig ist.
Diese umfassender Sichtweise des Woher und Wohin des Lebens Jesu hat nicht nur für Jesus selbst Bedeutung, sondern lässt auch unser Leben in einem ganz neuen Licht erscheinen. Auch unser Leben darf nicht nur nach der Sichtweise der Naturwissenschaften betrachtet und beschrieben werden. Es ist auf eine die natürliche Betrachtungsweise übersteigenden Sichtweise in den Blick zu nehmen. Weil Gott dem Leben von Anfang an eine viel tiefere Bedeutung gegeben hat, als wir von Natur aus beobachten können, hat auch unser Glaube eine neue Grundlage bekommen.
Die hymnische Einleitung zum Epheserbrief, die uns in der Lesung vorgetragen worden ist, faltet noch konkreter aus, was diese Sichtweise des Glaubens für uns bedeutet: Durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel sind auch wir vor der Erschaffung der Welt erwählt und geheiligt worden. Wir sind bereits im Voraus berufen, als Töchter und Söhne Gottes untadelig vor Gott zu leben und sind als Erben Gottes eingesetzt.
Es tut uns gut, unser Leben von Zeit zu Zeit aus diesem Blickwinkel des Glaubens zu betrachten und diese Sichtweise als kostbares Geschenk zu schätzen und gebührend zu feiern.
Gleichzeitig ist diese Sichtweise aber auch gut geerdet: Das Wort ist Fleisch geworden und hat sich den Gesetzen von Raum und Zeit, von Werden, Wachsen und Vergehen unterworfen. Trotz dieser himmlischen Sichtweise sind wir gefordert, in einem erdhaften natürlichen Leben unseren Mann bzw. unsere Frau zu stellen und es dem Geist Jesu entsprechend auszugestalten.
Jesus selbst hat uns ein nachhaltiges Beispiel gegeben, wie Fleisch und Geist sich wechselseitig befruchten und wie sie miteinander Menschlichkeit zur Entfaltung bringen können.
Das Projekt Menschlichkeit, Menschenwürde und Schöpfungsgerechtigkeit ist nicht mit dem irdischen Leben Jesu abgeschlossen. Als Töchter und Söhne Gottes sind wir berufen, es weiterzuführen. Im Bewusstsein, dass der Geist Gottes in uns wirkt und uns trägt und beflügelt, ist es für uns kein Sisyphosprojekt mehr und keine Herkulesaufgabe. Jeder, jede, kann in seiner menschlich begrenzten Weise dazu beitragen. Im Blick auf das Ganze hat jeder Beitrag eines Einzelnen seinen Wert, und sei er noch so klein und ohnmächtig.
Für viele sind die Tage um Weihnachten eine willkommene Zeit der Erholung und Regeneration. Und das finde ich gut so. Wer dazu noch Zugang zu dieser gläubigen Sichtweise des Weihnachtsfestes findet, wird aus den Feiertagen in doppelter Weise gestärkt in den Lebensalltag zurückkehren.
In den hektischen letzten Tagen vor dem Weihnachtsfest ertappte ich mich beim Gedanken: Was wäre, wenn die Kirche das Weihnachtsfest abschaffte? Bei Tisch stellte ich diese Frage auch meinen Mitbrüdern. Ohne langes Nachdenken waren wir uns einig, dass sich am Verhalten der Menschen nicht viel ändern würde. Weihnachten ist längst schon ein "Selbstläufer" geworden. Es funktioniert auch ohne christlichen Hintergrund. Um auch jene Kunden anzusprechen, die über keinen christlichen Zugang zum Weihnachtsfest verfügen, hat die Wirtschaft genügend Anreize geschaffen, die ohne christliche Symbole und christlich gefärbte Erzählungen auskommen. Gäbe es Weihnachten nicht, müsste man es erfinden.
Es besteht ein hoher Bedarf, wenigstens einmal im Jahr den Familienangehörigen, nahen Verwandten, Freunden, Mitarbeitern und Vereinsmitgliedern gegenüber ein Zeichen des Dankes und der Verbundenheit zu setzen; vorzugsweise in kleine Aufmerksamkeiten.
Weiters besteht Bedarf, sich wenigstens einmal im Jahr auch selbst zu belohnen; vorzugsweise am Ende eines Wirtschaftsjahres, wenn alles gut gelaufen ist.
Schließlich gibt es auch Bedarf, wenigstens einmal im Jahr an jene Menschen zu denken und für sie etwas zu tun, die auf die Schattenseite des Lebens gefallen sind.
Weihnachten kommt da gerade recht, ganz gleich, ob man an die Geburt des Messias glaubt oder von einer saisonalen Zweckmäßigkeit ausgeht.
Ich möchte diese Art, ein Fest zu feiern keinesfalls abwerten oder madig machen. Mich bewegt eher die Frage: Was steht hinter diesem Bedürfnis? - Ich vermute hinter dem Eifer, mit dem Menschen Weihnachten feiern, sich beschenken und beglückwünschen, einen tiefen Hunger nach Sinn.
Sinnvoll und wertvoll wird unser Leben durch gute intakte Beziehungen. Und dafür möchten wir ab und zu ein Danke sagen.
Auch aus unserer Leistung und aus unserer Arbeit beziehen wir Sinn. Und es ist verständlich, dass wir dafür auch einmal belohnt werden möchten.
Die Beachtung der Menschen, für die das alles nicht so selbstverständlich ist, gehört ebenso dazu. Sie sollen wenigstens indirekt an dem teilhaben, was unserem Leben Sinn gibt.
Um die Sinnfrage kreist auch das Weihnachtsevangelium des Johannes. In einer großartigen Einleitung zu seinem Evangelium legt er dar, dass der Logos von allem Anfang an da war; noch vor der Schöpfung, noch vor dem Urknall. Dieses griechische Wort lässt sich nicht mit einem einzigen Wort ins Deutsche übersetzen. Logos bedeutet Geist, Sinn, Wort...
Der Evangelist spielt damit auf die Schöpfungserzählung an, in der es immer wieder heißt: "und Gott sprach...". Auf sein Wort hin entstand alles. Auf sein Wort hin wurde Licht und alles andere.
Und nun, so behauptet Johannes, wurde das Wort Gottes, also der Sinn der Schöpfung, der Geist Gottes, Fleisch in einem konkreten Menschen. Der Logos nimmt menschliche Gestalt an. An diesem Menschen sehen wir, wie Gott ist. Dieser Mensch ist die Antwort Gottes auf unseren Hunger nach Sinn.
Wenn ich von dieser Frohen Botschaft aus auf den Eifer so vieler Menschen schaue, wie sie Weihnachten feiern, sich beschenken, sich bedanken, sich belohnen, stimmt mich das zuversichtlich. Ihr Hunger nach Sinn wird für mich darin sichtbar. Und im Auftreten Jesu gibt es eine Antwort auf diese Sinnfrage.
Auch wenn ich mit dem Evangelisten zur Kenntnis nehmen muss, dass viele diesen Zusammenhang nicht herstellen können, so bleibt dennoch die Hoffnung, dass alle, die es begreifen, ihren Hunger nach Sinn auch in einem spirituellen Sinn sättigen können. In den Worten des Johannes ausgedrückt haben sie die Macht, Kinder Gottes zu werden.
Kinder geraten ihren Eltern nach, sind in einem gewissen Sinn Abbilder ihrer Eltern. Kinder Gottes sind Abbilder Gottes. Damit sind wir wieder bei der Schöpfung. Dort heißt es: "Dann sprach Gott: Lass uns den Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich."
Damit ist auch unsere Berufung als Christen ausgedrückt: Je mehr wir Christus ähnlich werden, desto mehr werden wir Abbilder Gottes, verwirklichen wir uns selbst nach dem Vor-Bild unseres Schöpfers.
Als ich noch ein Kind war, gab es an jedem Sonntagnachmittag eine Krippenandacht. Davon blieb mir in Erinnerung, dass Christus viele Namen hat. Man nennt ihn: "Wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater der Ewigkeit, Friedensfürst" (Jes9,5).
Im heutigen Evangelium, dem Johannesprolog, erfahren wir einen neuen Namen für Christus. Er ist auch der Logos, das ewige Wort Gottes. Und über Christus als Wort Gottes will ich heute sprechen. Wie ein Adler umkreist Johannes von der höchsten Perspektive aus das Wort Gottes.
Ich muss sagen, Johannes schreibt uns die schönste Geburtstagsrede für Jesus. Dieser Prolog ist mehr als eine Rede, er ist ein Hymnus auf das Wort Gottes. Der Aufbau dieses Prologs ist höchst dramatisch. Das Wort des Vaters, auch Logos genannt, ist so groß und gewaltig, dass es eine eigene Person, Gott selbst ist. Das Wort Gottes existiert von Ewigkeit her und hat Himmel und Erde erschaffen. Der Ausdruck Wort sagt mir, dass Gott seinem Wesen nach Mitteilung ist, dass er nicht alleine ist, dass er ein Liebender ist. Mit dem Ausdruck Wort deutet Johannes das innertrinitarische Gespräch an. Dieses Wort ist gezeugt, aber nicht geschaffen, ist eines Wesens mit dem Vater.
Dann kommt im Prolog der Höhepunkt: Dieses Wort nimmt Fleisch an. Der Logos verlässt seine Herrlichkeit beim Vater und begibt sich in die Endlichkeit, er entäußert sich, nimmt Knechtsgestalt an, um auch uns zeigen, wer und wie Gott ist. Der Logos will uns die Herrlichkeit Gottes, die Liebe des Vaters mitteilen. Wer Christus sieht, sieht auch Gott. Das sagt Johannes zu den Atheisten der damaligen Zeit.
Von England kommt eine Bewegung auf uns zu, die behauptet, dass es wahrscheinlich keinen Gott und auch kein Wort Gottes gibt. Es stimmt: "Niemand hat Gott je geschaut. Der eingeborene Sohn, der an der Brust des Vaters ruht, hat Kunde gebracht" (Joh1,18). Das sagen auch wir Christen zu den Atheisten unserer Zeit.
Doch das Wort Gottes erscheint nicht in Macht und Herrlichkeit, wie es bei der Schöpfung der Fall war. Es wird in einen Futtertrog gelegt, da in der Herberge kein Platz war. Armseliger hätte es wohl nicht mehr sein können. Der menschliche Logos wächst heran, wird erwachsen und beginnt mit etwa 30 Jahren seine öffentliche Lehrtätigkeit. Er fällt auf, weil sein Wort ungeheuer wirksam ist. Sein Wort kann Wunder wirken, Tote erwecken. Ja in seinem Wort ist Leben und Heil. Es ist verständlich, dass viele Menschen sagen: sein Wort soll über uns herrschen. Doch als der Logos erklärte, dass sein Wort auch zum eucharistischen Brot werden kann, haben sich viele vom Offenbarer Gottes abgewandt. Und als Jesus sagte: "Ehe Abraham ward, bin ich", wollten viele seine Worte gar nicht mehr hören. Man wollte Christus sogar steinigen. Schließlich verwarfen auch die Führer des Volkes das Wort Gottes. Sie haben nicht erkannt, dass in Christus das Wort des Vaters wirksam ist. Im Evangelium ist sogar eine Steigerung enthalten. Auch die Seinen nahmen Jesu Wort nicht auf. Da bin ich mitgemeint.
Dieses fleischgewordene Wort wird immer einsamer. Sogar unter den zwölf Aposteln ist ein Verräter. Jetzt kommt über das Wort Gottes eine Passion. Es "blutet aus allen Wunden, wird zertrampelt" (Kurt Marti) und zerfetzt, es wird mundtot gemacht und muss am Kreuz sterben. Doch als dieses Wort am Kreuz hing, hat es eindringlicher gepredigt, als wir es uns vorstellen können. Der Hauptmann erkennt, dass sich dieses Wort nur verströmen, nur Liebe geben möchte und keiner Person wehtun will.
Dieses Wort ist im Tod nicht untergegangen. Es bleibt von Ewigkeit zu Ewigkeit bestehen. Untergegangen ist nur die körperliche Hülle dieses Wortes.
Jetzt kommt für mich eine Überraschung: Die Verweigerung auf Gottes Wort zu hören, ist nicht das Ende der Heilspläne Gottes. Denn Gott liebt bedingungslos. Er schmiedet weiterhin Pläne des Heils und nicht des Unheils. Er will jedem eine Zukunft und eine Hoffnung geben (Jer 29.11). Kein Mensch darf verloren gehen, auch nicht die Menschen, die ihn ans Kreuz gebracht haben. Er will ohne Verluste arbeiten. Daher nimmt Christus, der das Alpha und Omega ist, auch den letzten Platz unter den Menschen ein, damit er auch diesem sein erlösendes Ja -Wort zusprechen kann: "Du bist nicht verloren, denn Gottes Liebe zu dir hört nie auf. Und wenn die ganze Welt gegen dich ist, so verlässt dich das Wort Gottes nicht".
Das fleischgewordene Wort zeigt uns, dass Gottes Liebe die stärkste Macht der Welt ist. In der Apostelgeschiche wird uns geschildert wie der auferstandene Logos weiterwirkt, über alle Jahrhunderte, über Raum und Zeit hinaus. Das Wort Gottes breitet sich überall aus, erlebt seit Ostern einen Siegeszug ohnegleichen. In der ganzen Welt anerkennt heute ein Drittel der Menschheit Jesus als Gottes Wort.
Dieses Wort ruht nicht, bis alle Menschen Gott gefunden haben. Dieses Wort ruht nicht, bis die Schöpfung vollendet ist. Ich danke Christus für die Erkenntnis und das Wort, das er gebracht hat.
Ich sehe Christus in tausend Bildern lieblich ausgedrückt, doch keines von allem kann dich schildern, wie meine Seele dich erblickt (frei nach Novalis). Das Wort Gottes kann ich nicht ausloten.
Wir haben die Herrlichkeit des Wortes gesehen, den göttlichen Glanz, der widerstrahlt von dem Antlitz Jesu.
Jesus, das menschgewordene Wort Gottes! In ihm ist alles gesagt, was Gott sagen kann. Mehr gibt es nicht zu sagen: Gott will sich uns mitteilen. Gott ist Liebe, Leben, Licht, nichts anderes, nichts weniger. Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. (Anton Rotzetter " An der Grenze des Unsagbaren" , Ostfildern 2002, S. 154)
Während wir gewohnt sind, an Weihnachten vom vordergründig sichtbaren, wenngleich nie restlos (be)greifbaren Erscheinen Jesu in dieser Welt zu hören - Verkündigung, Geburt, Anbetung der Hirten und der drei heiligen Magier (Könige) - führt uns der Evangelist Johannes heute sozusagen in das Herzgeheimnis den unendlichen Gottes ein. Das im Griechischen vieldeutige Wort "logos" wird mit "Wort" übersetzt (im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort). Mit diesem "Wort" wird der Sohn Gottes angesprochen, der selbst Gott ist und in diese Welt gekommen ist, um unser Bruder zu werden.
Aber Johannes bleibt nicht bei einer Schilderung dieses für uns Menschen immer unfassbar bleibenden innergöttlichen Geheimnisses, sondern er wendet sich dem Schicksal dieses als Sohn Gottes in die Welt gekommenen Wortes zu und bezeichnet es als Leben und Licht der Menschen. Freilich ist es nicht so, dass diesem Licht allenthalten ein begeisterter Empfang bereitet worden wäre, vielmehr stößt es von Anfang an auf Widerstand, Unverständnis und stellt sich als Finsternis dem Licht entgegen: "Die Finsternis hat es nicht ergriffen". Die Finsternisse aller Zeiten haben verschiedene Gesichter. Einig sind sie sich darin, dass sie die Finsternis mehr lieben als das Licht.
Manchmal stellt sich auch für den gläubigen Christen die Frage, ob Gott nicht anders in die Welt hätte eintreten können: Überzeugender, kraftvoller, vielleicht können wir sagen von Anfang an nachhaltiger. Aber die Redeweise, die Sprache Gottes, bleibt in so vielem dunkel. - In einem Gedicht, das die Überschrift "Geburt Christi" trägt, stellt Rainer Maria Rilke die Frage "Hast du ihn dir größer vorgestellt?". Es bedarf, wie der Dichter fortfährt, der "Einfalt", um das zu begreifen, was in der Menschwerdung Gottes geschehen ist. "Gott macht sich mild", er ist ein "behutsames Licht", das sich nicht gleisnerisch vordrängt, sondern der Sorgfalt des Sehens und Hörens bedarf , wenn es nicht in der herandrängenden Flut von Irrlichtern und lautem Getöse übersehen und überhört werden soll.
Behutsam, behütend, ist das Licht, das erschienen ist, um Menschen zu trösten, ihnen die Angst zu nehmen. So heißt es schon in der messianischen Weissagung des Propheten Jesaia "Tröstet, tröstet mein Volk" (Jes 40, 1). Behutsam heißt auch, dass dieses Licht behütet werden will, dass wir uns nicht von der scheinbaren Bedeutungslosigkeit, von der Kleinheit des unendlichen Gottes verwirren lassen. Dass wir vielleicht die Suche aufgeben, weil sie nicht (sofort) von Erfolg begleitet zu sein scheint. Dass wir nicht um das Goldene Kalb eines mächtigeren Gottes tanzen, nach einem anderen größeren Gott greifen, während die Größe des menschgewordenen Gottes gerade in seinem Kleinwerden besteht.
Dieser Gott lässt sich finden. Zunächst, sagen wir, von seinesgleichen: Von den armen mittellosen Hirten, die der Botschaft der Engel trauen, sich auf den Weg machen und ihn finden, die niederfallen und anbeten. Die von den verschiedenen Erscheinungsformen der Gottsucher, den Magiern, Weisen, Sterndeutern (Königen) geleitet werden, aber sich mitunter selbst erst mühsam durchfragen müssen "Wo ist der neugeborene König der Juden? (Mt 2,2). Gottsuche ist mühsam, weil es dabei auch des (langen) Wartenkönnens bedarf. Aber er lässt sich immer wieder finden von denen, die die Demut aufbringen, an die Größe des unscheinbaren Gottes, an seine Macht und Ohnmacht zu glauben.
Ein Fußballtrainer hat einmal vor einem wichtigen Spiel zu seiner Mannschaft gesagt: "Ein guter Start ist bereits das halbe Spiel!" Manchmal habe ich mich gefragt, ob der Evangelist Johannes mit seinen ersten Sätzen des Evangeliums, und Evangelium bedeutet ja Frohe Botschaft, für uns Menschen einen guten Start hingelegt hat. Denn bei mir löste dieser Text immer wieder unterschiedliche Erinnerungen und Gefühle an die Vergangenheit aus.
Ich denke da zum Beispiel an so manche Philosophiestunde im Gymnasium und auch an verschiedene Diskussionen während meines Theologiestudiums, wo wir über die unterschiedlichsten philosophischen Denkansätze und Vorstellungen debattiert haben. Aristoteles, Sokrates, Platon, Heraklit, und wie sie noch alle heißen bis herauf in die Gegenwart. Sie alle versuchten, mit ihren Gedanken hinter die Kulissen des Seins zu blicken und dieses Sein - den Sinn der Schöpfung, der Welt, des Lebens - in Worte zu fassen.
Für mich war es einerseits spannend zu versuchen, herauszubekommen, was diese Philosophen gedacht oder gemeint haben könnten mit ihren Worten. Ich versuchte die Weisheit zu entdecken, die in ihren Aussagen steckte.
Aber gleichzeitig hatte ich oft den Eindruck, dieses Debattieren war zwar eine schöne Gehirnarbeit, eine intellektuelle Spielerei, ein Training für meine grauen Zellen, aber wo lag der "Gewinn" für mein konkretes Leben? Was hatte das alles mit meinem täglich neu zu bestehenden Alltag zu tun? Ist das Ganze nicht viel zu "abgehoben" von der Realität der Welt, weil wir das Eigentliche mit unserem Verstand doch nie wirklich begreifen werden können, und schon gar nicht in verständliche Worte fassen?
Oder ist dieser Beginn des Johannesevangeliums nichts anderes als eine schöne Spielerei mit Worten? Am ANFANG war das WORT, und das WORT war bei GOTT, und das WORT war GOTT. Im ANFANG war es bei GOTT.
Ich erinnere mich an eine Deutschstunde im Gymnasium, in der wir einen Text von Ernst Jandl zu interpretieren hatten. Der Text bestand nur aus zwei verschiedenen Worten. Das erste Wort lautete Apfel. Es war oftmals auf das Blatt Papier geschrieben und ergab dabei die Form eines Apfels. Und mitten drin stand als zweites Wort: Wurm.
Ein interessanter Einfall und sicher auch Kunst, so mit Wörtern und Sprache umzugehen. Aber hat das Ganze auch einen tieferen Sinn? Gibt es eine Bedeutung, die für mein Leben entscheidend ist?
Und an ein Drittes denke ich, wenn ich die Anfangszeilen des Johannesevangeliums lese. Gerade zu Weihnachten und zu Neujahr gibt es viele Ansprachen. Um die Jahreswende wird viel gesprochen von unseren Politikern, von unserem Bundespräsidenten, vom Papst und den Bischöfen. Viele Worte werden in die Welt gesetzt um zu ermahnen und aufzumuntern, um Vertrauen zu wecken und Hoffnung zu geben.
Auch wir schreiben und sprechen manchmal viele Worte, wenn der Tag lang ist. Was aber bleibt letztlich von all diesen Worten?
Das Evangelium wäre ebenfalls eine Ansammlung von Worten, wäre nicht gegen Ende des heutigen Evangeliums der für mich wichtige Satz gewesen: "Und das Wort ist Fleisch geworden." Dieser Satz ist zum neuen Schlüssel für mein Verständnis geworden.
Denn: Wie oft sagen wir im Leben: Es ist wichtig, dass wir den Armen helfen. Es ist notwendig, dass es Nachbarschaftshilfe gibt, wenn jemand in Schwierigkeiten geraten ist. Die Kirche muss lebendiger werden - oder: die Kirche muss lebendig bleiben. Wir brauchen ein frohes und Hoffnung gebendes Christentum. Wir glauben an einen Gott, der mitten unter uns Menschen ist, uns durchs Leben begleitet.
Mit diesem Satz: "und das Wort ist Fleisch geworden" - ist das Evangelium keine philosophische Abhandlung mehr und auch keine Spielerei mit Worten, kein Austauschen von Theorien. Mit diesem Satz des Johannes wurde das Wort konkret, eine Wirklichkeit, lebendig.
Nächstenliebe ist deshalb für uns Christen kein Wort mehr, über das wir uns nur unterhalten, sondern Nächstenliebe zeigt sich durch unser aktives Tun im Leben.
Der Glaube an Gott ist nicht mehr nur das Bekenntnis, dass wir im Anschluss an eine Predigt beten, sondern dieses Bekenntnis zeigt und bewährt sich in der Art, wie wir mit dem Leben umgehen, wie wir unser Leben einsetzen, das Gott uns geschenkt hat.
Wir reden nicht mehr nur über Gott, sondern wir glauben und spüren gleichzeitig, dass er lebendig mitten unter uns und mit uns handelt.
Der Traurige, der Frohe, der Arme, der Glückliche, der Liebende, der Christ, das sind nicht mehr nur Worte, sondern diese Worte sind zu Menschen geworden mit einem konkreten Gesicht. Es sind Menschen, die alle Kinder Gottes genannt werden dürfen. So wird das Evangelium des Johannes schon von Beginn an für jeden von uns zur Frohen Botschaft.
"Wir haben doch alle den gleichen Herrgott." Dieser Spruch, liebe Hörerinnen und Hörer, wird oft gebraucht. Er möchte fern von allen Unterscheidungen hinweisen auf das Gemeinsame der Religionen. Er gilt als Ausdruck von Großzügigkeit und Toleranz. Richtig daran ist, dass nicht nur die Christen an e i n e n Gott glauben. Sie wissen sich in dieser Überzeugung mit den Juden und Muslimen verbunden.
Doch in diesem Gemeinsamen erschöpft sich nicht der christliche Glaube. Das wird deutlich, wenn der Brief an die Epheserbrief bekennt: "Gepriesen sei Gott, der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus." Ähnlich steht es im zweiten Korintherbrief. Christen glauben nicht nur wie andere Religionen an einen Gott, der die Welt geschaffen hat, sich seitdem um sie und die Menschen kümmert. Für Christen ist der Gott Jesu Christi maßgebend. Wer Gott wirklich ist, wissen Christen endgültig erst durch Jesus Christus. Christen schauen darauf, welche Beziehung Jesus von Nazareth zu Gott hatte, wie er von ihm gesprochen hat, wie er mit und vor ihm gelebt hat. Dabei fällt auf, dass Jesus ein einmaliges Verhältnis zu Gott hat, den er seinen und unseren Vater nennt. Andererseits möchte er seine Jünger in dieses besondere Verhältnis zu Gott einbeziehen.
In seinen Gebeten redet Jesus Gott als seinen Vater an. Diese Vertraulichkeit bestimmt seine Gottesbeziehung und damit sein Leben und Wirken, sein Erleben und Urteilen. So bevorzugt er es z.B. in aller Frühe, wenn es noch dunkel ist, aufzustehen, an einen einsamen Ort zu gehen, um allein zu beten. Diese Exklusivität wird auch nicht verwischt, wenn Jesus seinen Jüngern an seiner Anrede Gottes teil gibt: "So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel …" (Mt 6,9) Die einmalige, unüberbietbare Beziehung Jesu zu seinem Vater im Himmel zeigt sich besonders in seiner Anrede "abba", der Anrede eines Kindes, das seinen Vater liebt und ihm vertraut. Im Deutschen lässt sich das übersetzen mit "Papa". Das Judentum wagte diese intime Anrede bei Gott nicht. Doch Jesus hat auf diesen lieben Vater gesetzt. Von ihm hat er in seinen Gleichnissen gesprochen. Und er hat seine Anhänger ermutigt, ebenso mit Gott zu sprechen.
Es ist der Glaube der Bibel, dass Gott sein auserwähltes Volk, aber auch jeden Menschen liebt, und zwar so, als sei er der einzige auf der Welt. Deshalb kann jeder sagen und beten: "Mein Gott", "mein Vater im Himmel". Wenn aber Gott der Vater aller Menschen ist, dann sind auch alle seine Kinder und untereinander Brüder und Schwestern. Deshalb hat Jesus seine Jünger gelehrt, gemeinsam zu beten: "Unser Vater im Himmel".
Dies zu Gott sagen zu dürfen, hat Konsequenzen. Es verändert die Einstellung zum Leben. Ich fühle mich nicht als vaterloser Geselle, sondern weiß, zu wem ich gehöre. Ich habe ein Vaterhaus, in dem ich willkommen bin, geschehe, was da wolle. Wenn die Anrede "Vater im Himmel" meine Vorstellung von Gott bestimmt, stehen die Liebe und Sorge Gottes im Vordergrund. Auch dort, wo ich Gott wegen der Zumutungen meines Lebens nicht verstehe und mir sein Verhalten rätselhaft bleibt, rechne ich damit, dass er es gut mit mir meint. Bei allen Schwierigkeiten und Zweifeln traue ich ihm zu, dass er besser als ich weiß, was gut für mich ist, dass ich am besten fahre, wenn ich nach seinem Willen frage, so hart es dann auch werden mag, die Bitte "Dein Wille geschehe" zu leben.
Und immer, wenn ich Gott als Vater im Himmel anspreche, muss ich meine Schwestern und Brüder mitdenken. Das ist die Basis menschlicher Solidarität. Vor Gott, der "Vater unseres Herrn Jesus Christus" und "unser Vater im Himmel" ist, gibt es keinen Grund zu Über- und Unterordnungen, sondern nur das dankbare Bewusstsein, in die gleiche Zuwendung Gottes eingeschlossen zu sein.
Wenn man kleine Kinder beobachtet, wie sie sich ihre Welt erobern, dann ist das oftmals ein ganz amüsantes Schauspiel. Sie probieren aus, erleben Missgeschicke und je nach Fähigkeit, solche Erfahrungen zu verarbeiten, geschehen diese Missgeschicke öfter oder seltener. Dazu gehört dann vielleicht auch der berühmte Kontakt mit der heißen Herdplatte, nach dem eigentlich ein vorsichtigerer Umgang mit dem Gerät angesagt sein sollte.
Die einen lernen schneller, die anderen langsamer. Das Prinzip ist immer dasselbe: Eindrücke werden auf der Ebene der konkreten Erfahrung gemacht und anschließend - gleichsam - hochgerechnet auf ähnliche Situationen. Auf diese Art funktioniert nicht nur das individuelle Lernen von Menschen, sondern auch so manche erfahrungsgeleitete Wissenschaft. Nach einer Erfahrung versucht man, sich zu einer verallgemeinernden Theorie durchzuringen.
In einem solchen Verhältnis muss man den bekannten Einleitungstext zum Johannesevangelium und letztendlich das ganze Evangelium lesen. Viele Jahrzehnte nach dem Tod Jesu und im Angesicht der ersten Gemeinden in seiner Nachfolge reflektiert Johannes auf philosophischem Niveau seine Erfahrungen mit dem Mann aus Nazareth, der so nachhaltig in das Leben der Menschen eingegriffen hat. Die Theorie des Johannes, also seine Theologie, versucht von der Erfahrung mit diesem Jesus eine Erklärung für sein Auftreten und sein Wirken zu finden.
Drei sehr zentrale Bekenntnisstellen des Johannesevangeliums sind dabei effektvoll eingesetzt: zum einen die Eingangsworte, die wir gehört haben, zum anderen der Satz "Ich und der Vater sind eins” (10,30) ziemlich genau in der Mitte des Evangeliums und schließlich ganz am Ende die Aussage "Diese (Zeichen) aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes”. Im Wechselspiel von Erzählungen und Reflexionen versucht Johannes den Menschen, die ihn hören, das eigentliche Wesen Jesu verständlich zu machen: Dieser Mann ist Gottes Sohn, ist Gott selbst.
Dann stellt sich bald einmal die Frage: Warum so kompliziert, geht das nicht auch einfacher? Nun: Zunächst einmal ist der Autor des Johannesevangeliums ein Denker und Philosoph und liebt das Spiel mit der Sprache und den Gedanken, liebt das Ideenkonstrukt. Lassen wir ihm das doch! Wichtiger ist die Frage, warum es denn Johannes nicht einfach beim Erzählen von ausgefeilten Geschichten belassen hat, die unter die Haut gehen.
Erfahrungen, die wir Menschen machen, haben leider die Angewohnheit bald einmal wieder zu verblassen. Nach dem Griff auf die heiße Herdplatte braucht es die Reflexion, die Erklärung, das mahnende 'Siehst du, das macht man besser nicht' der Mutter, um abzuwenden, dass das ein nächstes Mal geschieht, wenn die Hand nicht mehr weh tut. Klar: Oft nutzen Mahnungen nichts, aber sie erhöhen doch die Chance zu lernen.
Ebenso steht es um die Erklärungen, Ausdeutungen und Philosophien eines Johannes: Allein das Kennen der Geschichten Jesu reicht nicht, - es bedarf der Ausdeutung, der Erhellung, der Weiterführung. Es bedarf des Wissens um die Absichten Jesu, um die Bedeutung seines Todes und seiner Auferstehung für heute nachvollziehen zu können. Gottesbegegnung, Glaube als Erfahrung unseres Lebens und seine Reflexion als stetig vorangehende Verinnerlichung müssen einander unbedingt ergänzen. Das Johannesevangelium ist dafür ein hervorragendes, wenn vielleicht auch etwas kompliziertes Beispiel.
Mit dem gehörten Prolog legt der Autor des Evangeliums den roten Faden des Buches. Diese Reflexion trifft auf unser Ohr unmittelbar nach den Feiern des Geburtsfestes Jesu. Dieses Fest ist sehr massiv geprägt von eingehenden Stimmungen. Das wollen wir uns auf keinen Fall nehmen lassen und das ist auch gut und richtig so. Aber: Die Emotionen des Weihnachtsfestes sind zumeist, aber nicht immer nur schön. Die Zeitungsmeldungen der Festtage zeigen, dass gerade an diesen so stimmungsvollen Tagen auch viele Konflikte eskalieren, weil eben auch negative Gefühle an diesen so gefühlsbetonten Tagen hoch kommen.
Dann ist es umso wichtiger, damit dieses Fest unseres Glaubens nicht zu einem Happening verkommt oder zur tragischen Lebenssituation eskaliert, dass der Grund des Feierns nicht aus dem Blick gerät. Das ist die eindringliche Botschaft des Johannes: Wir feiern Weihnachten nicht allein - wenn auch wohl - wegen des Kerzenscheins und des Zimtduftes, sondern zu allererst aus diesem einen Grund: "Und das Wort ist Fleisch geworden / und hat unter uns gewohnt / und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, / die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, / voll Gnade und Wahrheit.”
Das so hochphilosophische Johannesevangelium ist somit auch eine eindringliche Einladung: Genießt wohl bei all den Feiern all das Schöne, das ihr erlebt! Aber vergesst dabei nie, was der Grund eures Feierns ist. Und dieser Grund trägt eben auch dann noch, wenn der Christbaum seine Nadeln längst verloren hat.
Weihnachten dauert noch an, obwohl die Dekoration in den Geschäftsstraßen schon auf Jahreswechsel oder Fasching/Karneval umgestellt worden ist.
Welche Wirkung hat Weihnachten über den Weihnachtsabend hinaus? Was bleibt davon? Was von Weihnachten überlebt unsere Neujahrsvorsätze?
Heute am zweiten Sonntag der Weihnachtszeit hören wir noch einmal die Botschaft vom "Wort, das am Anfang war" und vom "Wort, das Fleisch geworden ist", das durch Jesus Christus in diese Welt gekommen ist und hier seine Kraft entfaltet.
Gottes wirkt an uns und mit uns. Wir können nur stammelnd, sehr unvollkommen unsere Erfahrungen mit Gott, mit Jesus in Worte fassen. Gott ist die Weisheit. Gott ist das Wort, das Fleisch wurde. Gott hat uns in Jesus erwählt. Empfangen wir IHN mit gläubigen Herzen zu empfangen, in seinem Wort und in der Eucharistie.
Grüßen wir Jesus, der in die Welt kam, in unserer Mitte.
Das neue Jahr hat gerade angefangen. Große Hoffnungen sind ihm mitgegeben. Wir haben uns alles Gute gewünscht. Die inzwischen vertrauten Einschränkungen spüren wir in unseren Gesichtern – auch heute. Wir feiern Gottesdienst; wir freuen uns, dass Gott uns das Beste schenkt. Das Vertrauen. Die Hoffnung. Und die Liebe. Dafür danken wir ihm.
Im Lobpreis, den wir gleich im Epheserbrief lesen, heißt es:
„Gepriesen sei Gott,
der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.
Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet
durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.“
Ihn bitten wir:
Herr, Jesus Christus,
du bist das Wort, durch das alles geworden ist.
Herr, erbarme dich.
Du bist das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet.
Christus, erbarme dich.
Du kamst in dein Eigentum
und hast von deinem Vater Kunde gebracht.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, du wahres Licht,
in unseren Dunkelheiten rufen wir zu dir:
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
durch dich wurden wir Söhne und Töchter Gottes,
in unseren Zweifeln rufen wir zu dir:
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
dein Vaterschenkte den einfachen Weisheit,
in unserem Stolz rufen wir zu dir:
Herr, erbarme dich.
Herr,
du hast mit einem Wort das Licht geschaffen
und uns mit einem Wort zu deinen Kindern gemacht.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du bist der Sohn Gottes
und doch einer von uns geworden.
Christus, erbarme dich.
Herr,
du kennst unsere Zweifel,
du weißt um unsere Ängste und Vorurteile.
Herr, erbarme dich.
Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt,
seine Kinder zu werden durch Jesus Christus
und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen,
zum Lob seiner herrlichen Gnade.
Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn.
Ehre sei Gott in der Höhe …
Allmächtiger, ewiger Gott,
du erleuchtest alle, die an dich glauben.
Offenbare dich den Völkern der Erde,
damit alle Menschen das Licht deiner Herrlichkeit schauen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 2. Sonntag nach Weihnachten
Allmächtiger Gott,
dein einziger Sohn, vor aller Zeit aus dir geboren,
ist in unserem Fleisch sichtbar erschienen.
Wie er uns gleichgeworden ist in der menschlichen Gestalt,
so werde unser Inneres neu geschaffen nach seinem Bild.
Darum bitten wir durch ihn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Taufe des Herrn
9. Januar
Allmächtiger Gott,
zu unserem Heil ist dein Sohn als Licht der Welt erschienen.
Lass dieses Licht in unseren Herzen aufstrahlen,
damit sich unser Leben von Tag zu Tag erneuert.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
MB 4. Januar
Herr, unser Gott,
dein Sohn hat vor seiner Himmelfahrt
seinen Aposteln den Heiligen Geist verheißen.
Sie haben den Reichtum
der göttlichen Weisheit empfangen;
schenke auch uns die Gaben deines Geistes.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 6. Samstag der Osterzeit
Allmächtiger Gott,
wir dürfen dich Vater nennen,
denn du hast uns an Kindes Statt angenommen
und uns den Geist deines Sohnes gesandt.
Gib, daß wir in diesem Geist wachsen
und einst das verheißene Erbe empfangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 19. Sonntag im Jahreskreis
Gott,
du leitest und behütest uns durch deinen Geist.
Erweise an uns deine Barmherzigkeit
und erhöre unsere Gebete,
damit durch deine Gnadengaben
unser Glaube erstarke.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Votivmesse vom Heiligen Geist
Guter Gott,
du bist unbegreiflich und unfassbar.
Doch du bist uns auch so nahe.
Du bist uns nahe in den Mitmenschen,
vor allem in den Kleinen und Armen.
Jetzt bist du uns nahe in deinem Wort.
Kann dein Wort auch nur unvollkommen von dir sprechen,
so stärkt es unseren Glauben, unsere Liebe und unsere Hoffnung.
Amen.
Heute bitten wir dich,
Gott, der du alles geschaffen hast,
um das Wort,
das hell macht, was dunkel ist,
das befreit, was gefangen wurde,
das verändert, was lähmt.
Und um die Kraft bitten wir dich,
als deine Kinder voller Zuversicht und Vertrauen zu leben,
den Dingen auf den Grund zu gehen
und in deiner Liebe anderen Menschen zu begegnen.
In deiner Nähe dürfen alle Geschöpfe aufatmen
in Jesus Christus,
der uns den Himmel öffnet.
Sein Geist macht uns glücklich.
Von Ewigkeit zu Ewigkeit. - Amen.
Guter Gott,
durch dein Wort ist alles geworden, was geworden ist.
Durch dein Wort erneuerst du das Angesicht der Erde.
Wir tragen dir unsere Bitten vor:
Wir bitten dich für alle, die dein Wirken in der Welt noch nicht erkannt haben.
Schenke ihnen das Licht des Glaubens.
Wir bitten dich für alle, die eigenmächtig die Welt in Besitz nehmen, sie ausbeuten und ihr Gewalt antun.
Wecke in ihnen Ehrfurcht vor allem, was du geschaffen und der ganzen Menschheit anvertraut hast.
Wir bitten dich für die Kinder und Jugendlichen.
Befähige sie zum Staunen und zu einem behutsamen Umgang mit deiner Schöpfung.
Wir bitten dich für alle, deren Leben durch eine Behinderung oder durch eine unheilbare Krankheit beeinträchtigt ist.
Lass sie Wertschätzung ihres Lebens und persönliches Wohlwollen erfahren.
Wir bitten dich für alle, denen du die Macht gegeben hast, Kinder Gottes zu werden, und die sich Christen nennen.
Öffne ihre Augen für dieses Geschenk deiner Gnade.
Wir bitten dich für alle, deren Leben in dieser Welt zu Ende gegangen ist.
Öffne ihnen den verheißenen Himmel.
Aus deiner Fülle, guter Gott,
haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.
Dafür danken wir dir und darauf bauen wir unsere Hoffnung. - Amen.
Mit der Menschwerdung Jesu hat Gott einen Neuanfang in der Beziehung zu seiner Schöpfung gesetzt. Durch Jesus ist er für uns erfahrbar geworden.
Ihn bitten wir:
Dass wir in der Kirche unser Miteinander so leben können, dass unsere Gemeinschaft mit Christus für andere erkennbar und erfahrbar wird.
Dass uns in Dankbarkeit für deinen Schöpfergeist das Bemühen um Frieden und die Bewahrung deiner Schöpfung immer mehr zum Herzensanliegen wird.
Dass alle, die sich für andere einsetzen, jeden Tag neu erleben dürfen, wie deine Kraft und Weisheit sie bei ihrem Tun unterstützt.
Dass wir uns deiner Gnade öffnen und zulassen, dass dein Geist uns zu Menschen wandelt, die ihren festen Halt in dir finden.
Dass alle, die durch den Tod eines geliebten Menschen in Trauer und Dunkelheit gefangen sind, wieder neuen Lebensmut finden können.
Denn du bleibst deiner Verheißung treu und begleitest alles, was aus dir entstanden ist. Dafür rühmen wir dich und preisen dich jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Zu Gott, der so unbegreiflich und doch so nahe ist,
beten wir voll Vertrauen:
Segne das Mühen aller Theologen und Theologinnen,
damit sie zum rechten Glauben und echter Erkenntnis deiner Liebe beitragen.
Sei nahe denen, die nach Sinn und Werten in ihrem Leben suchen,
damit ihr Leben sinnerfüllt wird.
Stelle den jungen Menschen gute Vorbilder zur Seite,
an denen sie Halt und Orientierung finden.
Lass alle Mühen, deine Schöpfung zu erhalten, gelingen.
Rüttle die Herzen aller auf,
damit Frieden und Gerechtigkeit in unserer Welt wachsen, im Großen wie im Kleinen.
Gib allen die sich in diesem Jahr auf die Taufe vorbereiten Weisheit und Mut,
dich zu suchen und zu bezeigen.
Schenke den Verstorbenen das ewige Licht deiner Liebe, die niemals aufhört.
Dir sei Lob und Preis, jetzt und in alle Ewigkeit. - Amen.
Das weihnachtliche Geheimnis der Menschwerdung Gottes, das wir vor wenigen Tagen gefeiert haben, ist uns allen noch ganz präsent. Auch wenn unser Verstand nicht ausreicht, die ganze Dimension dieses Geschehens zu erfassen, bitten wir in Dankbarkeit dafür um seinen Beistand:
Für alle, die in Kirche und Welt deine Botschaft verkünden.
Für eine Gesellschaft, die im täglichen Umgang mit der Pandemie akzeptieren kann, dass menschliches Wissen und Können seine Grenzen hat.
Für alle, die in ihrer Sehnsucht nach einer letzten Geborgenheit Irrwege gehen oder falschen Idealen nachlaufen.
Für uns selbst, dass wir dir Raum geben, um in unserem Leben wirken zu können.
Für unsere Verstorbenen, für die wir erhoffen, dass sie nach ihrem irdischen Leben wie Jesus zu dir zurückkehren dürfen.
Wir glauben, dass Christus von Urzeiten her erwählt war, um uns in die lebendige Beziehung deiner göttlichen Dreieinigkeit hineinzuführen.
Vor diesem Geheimnis können wir nur staunend und dankend dir unser Lob singen. - Amen.
Mit den Augen des Herzens wollen wir in die Welt schauen,
mit den Augen des Herzens Gottes Nähe entdecken.
Herr,
wir sehen die große Sehnsucht, aus dem Bann der Gefahren heraustreten zu können.
Viele Menschen leiden unter Einsamkeit, viele werden in der Pflege aufgerieben, viele fürchten um ihre Arbeit.
Erleuchte, Herr, die Augen unserer Herzen
Herr,
wir sehen die Finsternis, die sich bei hellem Tageslicht an vielen Orten ausbreitet.
Flüchtlingslager werden in Kauf genommen, Menschen weltweit entrechtet und enteignet,
Klimakatastrophen verharmlost und verschoben.
Herr,
wir sehen die Hoffnung, mit der Macht des Wortes Teufelskreisläufe aufzubrechen.
In vielen Völkern werden Friedensgespräche geführt. Medien mühen sich, sachlich und fair zu berichten. Gerichte suchen im Streit nach der Wahrheit und sprechen Recht.
Herr,
wir sehen die Trauer, dass kirchliche Traditionen bröckeln oder nicht mehr tragen.
Missbrauchsskandale erschüttern das Vertrauen der Menschen. Ökumenische Erwartungen werden enttäuscht. Alte und vertraute Formen verlieren sich.
Herr,
wir sehen in das neue Jahr.
Menschen werden sich verlieben. Kinder erblicken das Licht der Welt.
Viele sind glücklich mit ihrem Beruf. Viele treten in den Ruhestand.
So mancher wird von einer Diagnose in Angst versetzt,
so mancher auf dem letzten Weg begleitet.
Du, Herr, hast die Augen des Herzens.
Du schaust gütig und liebevoll zu uns,
als deine Kinder sind wir bei dir hoch angesehen.
Hilf uns, deine Barmherzigkeit zu teilen.
So, wie du Brot und Wein mit uns teilst,
dein Leben, dein Reich.
Dir vertrauen wir alle Menschen an
In Christus, unserem Herrn. – Amen.
Christus, das ewige Wort des Vaters steht hinter der ganzen Schöpfung. Alles ist von Gottes Weisheit erfüllt.
Zu ihm kommen wir mit unseren Bitten:
Gott, dein Wort ist Wahrheit.
Beten wir für alle, die in ihrer Sehnsucht nach Wahrheit noch nicht den Weg zu dir gefunden haben.
Gott, dein Wort ist mächtig.
Beten wir für unsere nächste Regierung, deren Aufgabe es sein wird, für die in unserer Gesellschaft anstehenden Probleme möglichst gerechte und nachhaltige Lösungen zu finden.
Gott, dein Wort ist Licht.
Beten wir für alle, die orientierungslos durch ihr Leben irren.
Gott, dein Wort ist Leben.
Beten wir für uns selbst, die anderen oft das Leben durch Missachtung ihrer Würde schwermachen.
Gott, dein Wort ist Gnade.
Beten wir für unsere Verstorbenen, dass sie deine Herrlichkeit schauen dürfen.
Gott!
Wir danken dir, dass dein Wort durch die Kraft deines Geistes in Christus einer von uns geworden ist. Durch ihn und im Heiligen Geist rühmen wir dich und preisen dich, jetzt und allezeit. - Amen.
Herr, unser Gott,
heilige unsere Gaben
durch die Menschwerdung deines Sohnes.
Durch seine Geburt hast du allen Menschen
den Weg der Wahrheit gewiesen
und ihnen dein Reich verheißen.
Laß uns in dieser Feier verkosten,
was du denen bereitet hast, die dich lieben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Sonntag nach Weihnachten
Herr, durch diese Gaben
nährst du den ganzen Menschen:
du gibst dem irdischen Leben Nahrung
und dem Leben der Gnade Wachstum.
Lass uns daraus immer neue Kraft schöpfen
für Seele und Leib.
Darum bitten wir im heiligen Geist durch Jesus Christus, unseren Herrn.
MB 11. Sonntag im Jahreskreis
Vater im Himmel,
lege deinen Geist in unser Herz,
damit er uns belebe und heilige
und zu einer wahren Opfergabe mache für dich.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Amen.
MB Auswahl 9
Guter Gott,
deine Liebe ist auch zu greifen und zu fassen.
Die Jünger im Abendmahlssaal haben diese Liebe hautnah erfahren.
Wir feiern deine Liebe in Brot und Wein.
Wie Brot und Wein dem Körper Kraft
und der Seele Freude schenken,
so sei Jesus Kraft für unser Leben als seine Jünger und Jüngerinnen,
so erfülle uns Jesus mit tiefer Freude.
Darum bitten wir durch ihn. - Amen.
"Das Wort wurde Fleisch und hat unter uns gezeltet."
Dir, Herr, danken wir,
dass du unsere Vergänglichkeit angenommen hast,
um uns deine Ewigkeit zu schenken,
dass du unsere Schuld auf dich genommen hast,
um uns dich sehen zu lassen.
Jetzt bist du allezeit unter uns.
Mit Brot und Wein, deinen Gaben,
doch du, Herr, schenkst dich uns,
deinen Leib, dein Blut.
Und wir sehen deine Herrlichkeit
die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit. – Amen.
Als gesungener Lobpreis ist das Lied GL 252 (»Gelobt seist du, Jesus Christ«) geeignet.
Oder Kehrvers:
GL 633,8: Dankt dem Vater mit Freude, er schenkt uns seinen Sohn.
Großer Gott, wir danken dir für Jesus Christus,
er ist das Wort, durch das alles geworden ist
und das Fleisch geworden ist, um unter uns zu wohnen
und Glanz und Elend des menschlichen Lebens mit uns zu teilen.
Kehrvers:
Großer Gott, wir danken dir für Jesus Christus,
durch ihn hast du uns erwählt vor der Erschaffung der Welt
und hast du uns berufen, deine Töchter und Söhne zu werden.
Durch ihn hast du uns die Macht gegeben, Kinder Gottes zu werden
und an deinem Geist teilzuhaben.
Kehrvers:
Großer Gott, wir danken dir für Jesus Christus,
er ist das Licht, das unsere Finsternis erhellt
und jeden Menschen erleuchtet.
Er gibt uns Hoffnung und Trost in dunklen Stunden.
Kehrvers:
Großer Gott, wir danken dir für Jesus Christus,
durch ihn habe wir deine Weisheit und Liebe erkannt,
die alles Leben hervorgebracht hat
und zur Vollendung der Schöpfung führen wird.
Danklied, z. B. Jauchzet, ihr Himmel... (GL 251)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dein Erbarmen zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn schaffst du den Menschen neu
und schenkst ihm ewige Ehre.
Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen:
dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch,
und wir sterbliche Menschen
empfangen in Christus dein göttliches Leben.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 3
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn groß ist das Geheimnis seiner Geburt,
heute ist er, der unsichtbare Gott,
sichtbar als Mensch erschienen.
Vor aller Zeit aus dir geboren,
hat er sich den Gesetzen der Zeit unterworfen.
In ihm ist alles neu geschaffen.
Er heilt die Wunden der ganzen Schöpfung,
richtet auf, was darniederliegt,
und ruft den verlorenen Menschen
ins Reich deines Friedens.
Darum rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen
singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Weihnachten 2
Gottes Wort aufnehmen
sich dafür öffnen
die Hände
das Herz
und
es lebendig werden lassen
durch unser Tun
unser Reden
unser Leben
Gottes Wort aufnehmen
ihm Raum geben
sich durchdringen lassen
und
dadurch
ein Gotteskind werden
Am Anfang
war dein Wort
mir zugesagt
und Mensch geworden
durch mich
und in mir
zum Leben gerufen
weil du mich liebst
du gehst mir nach
umwirbst mich
schenkst mir Vertrauen
willst mich
umarmst mich
und sendest mich
dein Wort
mein ganzes Sein
deine Liebe
mein Leben
das Wort ist Mensch geworden
und gibt mir Macht
Gotteskind zu werden
Weihnachten heißt:
Es hat sich erfüllt!
Die Verheißung ist wahr geworden:
Gott ist Mensch -
sein Wort hat unsere Welt hell gemacht,
unsere Nacht der Hoffnungslosigkeit durchbrochen,
unsere Finsternis erhellt,
alle Angst besiegt,
alle Zweifel weggewischt.
Ja, Gott hat sein Wort
in diese Welt hineingesprochen.
Er hat sich unser erbarmt.
Sein Wort ist lebendig geworden,
dieses Wort heißt:
Ich liebe dich
du Welt, du Mensch,
ich will dir nahe sein!
Das Wort ist Fleisch geworden.
Kommt lasst uns anbeten!
Herr, unser Gott,
befreie uns durch die Wirkung dieses Sakramentes
von unseren Fehlern und Sünden.
Erfülle unser Verlangen
und schenke uns alles, was wir zum Heil nötig haben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Sonntag nach Weihnachten
Allmächtiger Gott,
du hast uns mit den heiligen Gaben gestärkt.
Entzünde in uns das Feuer deines Geistes,
damit wir gleich den Lichtern am Himmel strahlen,
wenn dein Sohn, unser Herr Jesus Christus, kommt.
Er, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Advent 17. Dezember
Barmherziger Gott,
das Sakrament der Erlösung,
das wir empfangen haben,
nähre uns auf dem Weg zu dir
und schenke dem wahren Glauben
beständiges Wachstum.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 4. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
du hast uns mit dem Brot des Himmels genährt.
Erfülle unsere Herzen mit der Freude des Heiligen Geistes
und gib,
daß uns einst als bleibende Gabe zuteil wird,
was wir auf Erden in dieser Feier empfangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Votivmesse vom Heiligen Geist
Guter Gott,
wir werden ausgesandt,
deine Zeugen und Zeuginnen zu sein.
An uns möge deine Liebe sichtbar werden.
Hilf uns, nach deinen Worten zu leben und zu handeln,
auch wenn wir sie selbst nicht immer begreifen.
Segne uns, damit wir das vom Evangelium leben,
was wir verstanden haben,
damit andere dich verstehen
und wir in der Liebe zu dir wachsen. - Amen.
Du bist, Gott, das Licht in der Finsternis,
das Wort im Schweigen,
die Liebe in der Verlorenheit:
lass uns auf deinen Wegen den Frieden finden!
Segne unsere Arbeit und unsere Ruhe,
segne die Menschen, mit denen wir gerne leben,
segne auch die Menschen, die uns fremd bleiben.
Wir schauen gespannt in das neue Jahr.
Schenke uns helle Augen des Herzens!
Um Christi willen, dein Gesicht für uns.
In Ewigkeit. – Amen.
Dein Wort. o Herr, ist aller Dinge Anfang...
Liedblatt als PDF herunterladen
(c) Text von Hans Kirchhoff, Musik von Reinhardt Burchhardt, Warbug 2008.
die unfassbare
Göttliche Wirkkraft
im menschlichen SEIN
In Wahrheit
wird
das WUNDERbare
aus Gnade ...
So unfassbar
so tief
kann es mich erfassen
und
beleben
Der Gnade trauen
los-lassen
was hemmt
Hineinspringen
ins offene Feld
der Lebensrealität
In Wahrheit
ist Glaube ein Weg
mit Gnade ,gepflastert'
der im Gehen entsteht
Schon mal probiert?
Wahrhaftig
ein Lebensprojekt
das sich ohne Gnade nicht ausgeht
Ich hab's nicht in der Hand
und doch übernehme ich
in Wahrheit
die Verantwortung
für mein LEBEN ...
und gehe die nächsten Schritte
Im Anfang
Gott
war schon dein Wort
groß
gewaltig
schöpferisch
erschaffend
liebend
uns
mehr und mehr
entstehen lassend
uns mehr und mehr
zu Wort kommen lassend
uns mehr und mehr
sprachliche Vielfalt gebend
uns mehr und mehr
Ausdruck verleihend
in verschiedenen Sprachen
in verschiedenen Dialekten
unterstützt durch
Mimik
Gestik
uns auch
ein Lächeln schenkend
bis hin in den Glanz
unserer Augen
um entgegenkommend
zu unterstützen
das Wort
Gott
du hast uns
geschenkt
DAS WORT
damit wir uns ausdrücken können
damit wir uns verständigen können
damit wir uns verstehen können
Gott
du hast uns gegeben
von
DEINEM WORT
es müsste uns
die Sprache verschlagen -
das Wort im Halse stecken bleiben
bei der Vielfalt
wie wir das WORT missbrauchen
wie wir es einsetzen
um zu verletzen
wie wir es schwingen
wie scharfe Klingen
lehre uns neu
die Vokabel
deines Sohnes
die wichtigste
in seinem Wortgebrauch
lehre es uns neu
das Wort aller Wörter
lehre uns neu
dass es von allen Seiten
erklinge
ja
lehre uns
neu
DAS WORT ALLER WÖRTER
und lehre uns
es nicht nur zu sprechen
sondern in unser Leben
um-zusetzen
LIEBE
dann werden sich alle Wörter finden
um zu verstehen
und uns
untereinander zu verbinden
Beatrix Senft (2021)
Vorausgesetzt, du glaubst, dass es Gott gibt, dann hast du auch eine Vorstellung von ihm im Kopf. Es ist eine Vorstellung von seiner Art, wie er mit den Menschen umgeht. Dieses Bild ist auch durch Worte entstanden, die man dir über Gott erzählt hat, und es prägt deinen Glauben. Es prägt die Art und Weise, wie du betest, mit was für einer Einstellung du in den Gottesdienst gehst, wie und wann du damit rechnest, dass Gott in dein Leben eingreift. Wenn du zum Beispiel so ein Bild von Gott hast, dass er ganz weit entfernt in irgendeiner Dimension auf einem Thron sitzt, dann prägt das deinen Glauben extrem. Es ist dann nämlich schwer vorstellbar, dass Gott immer ganz nahe bei dir ist, egal wie dreckig du dich gerade fühlst. Wenn du ein Bild von Gott hast, in dem er mit strengem und strafendem Blick von Himmel auf dich runtersieht, dann traust du dich auch kaum, ihn in irgendeiner Sache zu bitten. Denn so ein Gott würde solche Gebete ja sowieso nicht erhören.
Denkst du nicht auch, dass es an der Zeit ist, dein Bild von Gott einmal zu hinterfragen? Sollten wir nicht ständig unsere Vorstellung von Gott mit dem Bild von Gott abgleichen, das uns in der Bibel begegnet?
Kommen wir nochmal zu der Bibelstelle zurück, die anfangs erwähnt wurde. Was für ein Bild beschreibt hier Paulus von Gott? Er sagt, dass Jesus das „…Ebenbild des unsichtbaren Gottes…“ ist. Das bedeutet also, dass Jesus und Gott genau gleich sind. „Ebenbild“ meint: Jesus sieht genauso aus wie Gott! Jesus ist genauso drauf wie Gott! Jesus und Gott sind gleich! Da wir davon ausgehen, dass die Bibel uns etwas über Gott zu sagen hat, bedeutet doch: Wenn du wirklich wissen willst, wie Gott ist, dann musst du dir Jesus anschauen! Wenn du wissen willst, wie Gott mit den Menschen umgeht, dann schau dir an, wie Jesus mit den Menschen umgegangen ist! Das ist eine total wichtige Aussage. Nur so können wir die miesen Gerüchte in unserem Hirn über Gott entdecken und ausräumen.
Aus: Martin Dreyer, Jesus rockt, Pattloch Verlag, München 2011.
Allmächtiger, ewiger Gott,
du hast mich
mit meinen Brüdern und Schwestern
geschaffen auf dich hin,
Dich zu kennen,
Dich zu lieben,
Dir zu dienen
und einmal anzukommen bei Dir.
Alles, was auf der Erde ist,
hast du uns Menschen gegeben,
damit wir mit ihrer Hilfe
Deinem Ruf und unserer Berufung gemäß
Leben können.
Schenke mir die Klarheit, zu erkennen,
was mich zu dir führt,
damit ich es erwähle, und was mich von Dir trennt,
damit ich es ablehne.
Gib mir Deinen Heiligen Geist,
damit ich allein das ersehne und wähle,
was mich mehr zu dem Ziel hinführt,
auf das hin ich geschaffen bin.
Amen.
Nach Prinzip und Fundament von Ignatius von Loyola
Vater,
verleihe uns Weisheit, Dich zu erkennen;
Eifer, Dich zu suchen;
Geduld, auf Dich zu warten;
ein Herz, über dich nachzusinnen
und ein Leben, Dich zu verkünden
in der Kraft des Geistes
unseres Herrn Jesus Christus. Amen.
Ambrosius von Mailand
O mein Gott,
ich möchte Dich gut verstehen.
Ich flehe Dich an, antworte mir,
wenn ich dich demütig frage:
Was ist die Wahrheit?
Gib, dass ich die Dinge so sehe, wie sie sind,
dass ich mir durch nichts
Sand in die Augen streuen lasse. Amen.
Theresia von Lisieux
Aus: Youcat, Jugendgebetbuch, Georg von Lengerke und Dörte Schrömges (Hrsg.) 2014.
Wieviel kostet ein
Lächeln
für ein Kind?
Nur die Zeitspanne
eines Augenblicks,
eine Sekunde
eines Atemzuges. –
Und das Kind spürt:
ich bin erwünscht,
ich habe Freunde,
ich bin geliebt,
das Leben
ist schön...
Ilse Pauls
In IHM ist auferstanden die Welt.
In IHM ist auferstanden der Himmel.
In IHM ist auferstanden die Erde.
Vertonung von Reinhard Burchhardt:
Ambrosius von Mailand
dem Geheimnis Worte abringen
Es will werden
in dir
mit dir
durch dich
Jahr für Jahr
Augenblick für Augenblick
Nicht analysiert
will es werden
das menschgewordene Wort
es will
wohnen in dir
leben mit dir
Finsternis erhellen durch dich
Gnade und Leistung
miteinander anfreunden
als göttliche Kraft
erkannt werden
Gott wirkt
in dir
mit dir
durch dich
Wie groß wird die Chance sein
für Gott
für sein fleischgewordenes Wort
und seine Wunder
in diesem Jahr
durch mich?
[HTML] Zürcher Forscher haben untersucht, wer global die Fäden in der Hand hält: Zu den wahren Mächten der Wirtschaft zählen gerade einmal 147 Unternehmen. von Ilka Kopplin und Von B und C, Hahn und Zimmermann.
http://www.zeit.de/2012/23/IG-Capitalist-Network
http://www.zeit.de/2012/23/IG-Capitalist-Network - (20.12.2014)
Unter Druck. Zu den Flüchtlingsmassen aus Afrika und Nahost kommt auch noch die innere Migration aus den ärmeren Ländern der EU.
https://www.diepresse.com/4619211/migrationsbewegungen-machen-europa-ratlos
Die Presse
http://diepresse.com/home/meinung/dejavu/4619211 - (20.12.2014)
Die den Stern gesehen
Wissen, was vollbracht;
Ihre Füße gehen
Sicher durch die Nacht.
Die das Licht verwirrte,
Dürfen Brüder sein:
König oder Hirte
Schließt das Leuchten ein.
Also läßt die Gnade
Finden sie den Ort,
Wo der Stern gerade
Strahlt auf Gottes Wort.
KARL SCHÖLLY in: Gedichte zur Weihnacht. Herausgegeben von Stephan Koranyi und Gabriele Seifert. Philipp Reclam jun. Stuttgart 2009.
Ein alter Brauch in der Liturgie gebot, die Knie zu beugen, wenn das Geheimnis der Menschwerdung Gottes mit Worten aus dem Prolog des Johannesevangeliums zur Sprache kam: "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt" (Joh 1,14). Fleischwerdung bedeutet hier Menschwerdung des göttlichen Wortes, Menschwerdung Gottes.
Der Mensch ist ein Teil der Welt, und zugleich stellt er sich im Erleben und Denken immer wieder der Welt gegenüber und baut auch Brücken, die über die Welt, über die Todesgrenze hinaus zielen. Bleiben diese Brücken für immer Fragmente oder erreichen sie ein anderes Ufer? Die Weihnachtsbotschaft bejaht die zweite Frage: Sie sagt, dass Gott dem Menschen entgegenkommt, dass er in seinem ewigen Sohn, den das Evangelium "das Wort" nennt, Mensch geworden ist. Der Sohn Gottes geht den Weg der Menschen. Nicht den Höhenweg des stolzen machthungrigen Menschen, sondern den niedrigen Weg von der Krippe zum Kreuz.
Im Laufe der Geschichte wollten Menschen viele Male Übermenschen werden, wollten sein wie Götter. Sie sahen aber das Göttliche nicht in der Liebe, sondern in der Macht. So bauten sie babylonische Türme, die immer wieder einstürzten. Als aber Gott Mensch geworden ist, da ist er in der Gestalt der verletzbaren und schließlich gekreuzigten Liebe erschienen. Er hat sich gezeigt in der Gestalt des Kindes von Betlehem und des jungen Mannes von Nazaret, der nicht schlug, als er geschlagen wurde, der in souveräner Friedfertigkeit den ihn bedrängenden Hass von innen her überwältigt hat.
Das ist Erlösung: Versöhnung zwischen Himmel und Erde, zwischen Mensch und Gott, zwischen Mensch und Mensch. Das ist auch Versöhnung des Menschen mit sich selbst. Darum drängt der liturgische Ruf "Das Wort ist Fleisch geworden" jene, die von seiner Wahrheit überzeugt sind, sich niederzuknien, sich klein zu machen vor einem so großen Geheimnis.
Aus: Egon Kapellari, Menschenzeit in Gotteszeit. Wege durch das Kirchenjahr. Styria Verlag, Graz Wien Köln 2002.
Das menschliche Dasein des Logos konnte auch kein anderes Los als das aller Geschöpflichkeit haben: es steht ganz und restlos in der Verfügung des Schöpfer-Gottes. Auch Jesus mußte anfangen. Wir können uns die Herrlichkeit dieses uns geschenkten Kindes noch so großartig vorstellen - seine Geburt selbst mußte jedenfalls schon Abstieg in die Enge bedeuten. Da hat er wahrhaft und echt unsere Geschichte angenommen. Wie wir das mit Vorzügen, die ihm die Theologie mit Recht zuschreibt, vereinigen können und müssen, ist eine andere Frage. Hier sollen wir merken, daß er gleich wie wir alle in die Welt gekommen ist, um mit uneinholbar Vorgegebenem, im Grunde mit dem Sterben zu beginnen. Nach Ignatius von Loyola [Exerzitien, Nr. 116] soll der Exerzitant [in den vierzigtägigen Exerzitien] "schauen und erwägen, was (Maria und Josef und andere) tun... dazu hin, daß der Herr... geboren werde und am Ende von so viel Mühen, von Hunger und Durst, Hitze und Kälte, von Schmähungen und Anwürfen am Kreuze sterbe, und das alles für mich". Nach Ignatius soll man das Leben des Herrn ohne Pseudoverklärung ansehen, ohne romantische Phrasen und ohne verharmlosenden Humanismus. Man soll bei der Betrachtung seiner Geburt betroffen feststellen: da, wo er geboren wird, beginnt der menschgewordene Logos mit seinem Todesgang, und alle die Dinge, die durch die Geschichte seiner Geburt hervorgehoben werden, künden schon das Ende in der restlosen Armut und Ohnmacht im Tode an.
Aus: Karl Rahner Lesebuch, herausgegeben von Karl Lehmann und Alber Raffelt. Herder Verlag Freiburg Basel Wien 2004 (1982).
Ich glaube an jesus christus
sohn des lebens bruder der menschen
erstgeborener aller schöpfung
der uns an unsere geschwister erinnert
die bäume und die vögel des himmels
schwester wasser und bruder feuer
er verbindet uns mit allem was lebt
auf unserem kleinen planeten erde
Ich glaube an jesus
den sohn des lebens
das uns geschenkt wird
damit wir es weiter verschenken
er hat die kranken geheilt und die traurigen
er hat die hungrigen gespeist und die verzweifelten
ein mitarbeiter der schöpfung
die weitergeht an jedem tag
in unserer arbeit
wenn wir unsere heimat vor der plünderung schützen
unseren kleinen planeten erde
Ich glaube an jesus
sohn des lebens und einer armen mutter
politischer gefangener unter pontius pilatus
zu tode gefoltert auch heute in den polizeikellern
lagern und kriegen
die wir noch immer dulden
auf unserem kleinen planeten erde
Ich glaube an jesus
den erstgeborenen aus dem tode
sie konnten ihn nicht fertigmachen
er ist von den toten auferstanden
er verbindet uns mit den toten vor uns
um die wir trauern
und den toten neben uns
die wir nicht gerettet haben
sie alle sind unsere schwestern und brüder
auf dem kleinen planeten erde
Ich glaube an jesus christus
kind des lebens
eine schwester für alle menschen
die wahrheit die uns frei machen wird
von dem zwang auszubeuten
und aus dem tode profit zu schlagen
In christus spüren wir den geist des lebens
in einer todessüchtigen welt
wir stehen auf mit ihm zu kämpfen
zu leiden und unser leben zu geben
bis gott sei alles in allem
auf unserm kleinen planeten erde
Amen
Aus: Dorothee Sölle, Mut. Kämpfe und liebe das Leben. Herder Verlag, Freiburg Basel Wein 2008.
Der Glaube ist mir in den fünfziger Jahren zugewachsen, in einer kirchlich stark engagierten Familie und in der Atmosphäre einer katholisch geprägten Schwarzwälder Kleinstadt. Ich habe mich nie bewusst für den Glauben entschieden, ihn auch nie ausdrücklich für mich entdeckt. Fasziniert haben mich seit Jugendtagen in erster Linie die intellektuelle Dimension und die kulturellen Ausdrucksformen des christlichen Glaubens. Als Oberstufenschüler habe ich Rahner, Welte und Metz gelesen und dann folgerichtig auch primär aus intellektuellem und kulturellem Interesse Theologie studiert. Dagegen habe ich mich mit religiösen Übungen, gleich welcher Art (den sonntäglichen Gottesdienst ausgenommen), immer schwergetan, ebenso mit »Glaubensgesprächen«, die ins Persönliche gehen.
Mein Zugang zum Glauben ist heute mehr denn je ein indirekter. Er speist sich zum einen aus den Texten älterer Kirchenlieder, nicht zuletzt aus der Feder von Paul Gerhardt. Ich finde es ausgesprochen hilfreich und auch der Sache angemessen, nicht mit eigenen Worten über die Geheimnisse des Glaubens sprechen zu müssen, sondern Texte vergangener Zeiten zitieren zu können. Zu den indirekten Annäherungen an den Glauben gehören für mich neben der Poesie auch Werke der Architektur und vor allem der Musik. Man sollte mit der Rede von einem »ästhetischen Beweis« für die Existenz Gottes oder seine Offenbarung in Jesus Christus vorsichtig sein. Aber es gibt für mich die Evidenz eines romanischen, gotischen oder barocken Kirchenraums, die Evidenz der h-moll-Messe, der Matthäuspassion und der Missa Solemnis. Solche Musik kann nicht lügen. »Solange die Kantate dauert, bin ich gerettet. Aber auch die himmlischste Musik mündet ins Schweigen« (Albert von Schirnding).
Ich weiß nach jahrzehntelanger Beschäftigung mit Theologie und Christentumsgeschichte viel über die verschiedensten Facetten praktizierten Glaubens und kirchlichen Lebens. Über dieses differenzierte Wissen bin ich auch froh, denn es hilft bei vielen Gesprächen oder Auseinandersetzungen über religionsbezogene Themen, die sich ja meistens im Vorfeld der eigentlichen Glaubensfragen abspielen. Aber gleichzeitig ist für mich der Glaube im Lauf der Zeit immer elementarer und damit auch in einem bestimmten Sinn geheimnishafter geworden. Es kommt mir zunehmend so vor, als sei der christliche Glaube so etwas wie ein kostbarer und gleichzeitig rätselhafter Kern, den es immer wieder vorsichtig zu umkreisen und an den es sich anzunähern gilt, den man verfehlt, wenn man ihn vorschnell oder plump bejaht und damit enträtselt. In diesem Sinn gibt es für mich als Glaubenden eine Solidarität mit nichtglaubenden Zweiflern und Skeptikern. Aber ich habe auch unverhohlenen Respekt vor Menschen, die ihren Glauben aus einer letzten Sicherheit, aber gleichzeitig unspektakulär leben und bezeugen. Es braucht vermutlich beides.

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Jesus Sirach ist einer der großen Weisheitslehrer des AT. Er ist ein Pädagoge, der Unterweisungen gibt für die Erziehung eines Kindes.
Kapitel 24, Verse 1-22 stellen ein Loblied der Weisheit dar. Er läßt die Weisheit selbst sprechen (ab Vers 3). Sie erzählt von ihrer Suche nach einem Wohnort, einem Ort der Ruhe - und sie findet ihn in Jerusalem. Dort läßt sie sich nieder. Verse 13-17 schildern in schönen Bildern, wie sich die Weisheit dort breitmacht.
Verse 19-22 schildert die Vorzüge, die man von ihr hat: man fällt nicht in Sünde, man hat das ewige Leben.
Gewählt ist diese Stelle im Hinblick auf den "Logos" (Johannesevangelium): Die "Weisheit Gottes" wird oft als Synonym für das "Wort Gottes" verstanden und mit ähnlichen Attributen versehen.
Jesus Sirach gibt als Antwort: es ist Gottes Weisheit, die die Weisheit des Menschen trägt. An seiner Weisheit müssen sich die menschlichen Antworten messen.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz