Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
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Lesung aus dem Buch Jesaja:
Steh auf, werde licht, Jerusalem,
denn es kommt dein Licht
und die Herrlichkeit des HERRN geht strahlend auf über dir.
Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde
und Dunkel die Völker,
doch über dir geht strahlend der HERR auf,
seine Herrlichkeit erscheint über dir.
Nationen wandern zu deinem Licht
und Könige zu deinem strahlenden Glanz.
Erhebe deine Augen ringsum und sieh:
Sie alle versammeln sich, kommen zu dir.
Deine Söhne kommen von fern,
deine Töchter werden auf der Hüfte sicher getragen.
Da wirst du schauen und strahlen,
dein Herz wird erbeben und sich weiten.
Denn die Fülle des Meeres wendet sich dir zu,
der Reichtum der Nationen kommt zu dir.
Eine Menge von Kamelen bedeckt dich,
Hengste aus Midian und Efa.
Aus Saba kommen sie alle,
Gold und Weihrauch bringen sie
und verkünden die Ruhmestaten des HERRN.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv - Alle Könige werfen sich vor ihm nieder,
Es dienen ihm alle Völker. – Kv
oder: GL 260
Verleih dein Richteramt, o Gott, dem König,
dem Königssohn gib dein gerechtes Walten.
Er regiere dein Volk in Gerechtigkeit
und deine Elenden durch rechtes Urteil. - Kv
In seinen Tagen sprosse der Gerechte
und Fülle des Friedens, bis der Mond nicht mehr da ist.
Er herrsche von Meer zu Meer,
vom Strom bis an die Enden der Erde. - Kv
Die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Gaben,
mit Tribut nahen die Könige von Scheba und Saba.
Alle Könige werfen sich vor ihm nieder,
es dienen ihm alle Völker. - Kv
Ja, er befreie den Armen, der um Hilfe schreit,
den Elenden und den, der keinen Helfer hat.
Er habe Mitleid mit dem Geringen und Armen,
er rette das Leben der Armen.- Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Ephesus.
Schwestern und Brüder!
Ihr habt doch gehört,
welches Amt die Gnade Gottes mir für euch verliehen hat.
Durch eine Offenbarung
wurde mir das Geheimnis kundgetan.
Den Menschen früherer Generationen wurde es nicht kundgetan,
jetzt aber ist es seinen heiligen Aposteln und Propheten
durch den Geist offenbart worden:
dass nämlich die Heiden Miterben sind,
zu demselben Leib gehören
und mit teilhaben an der Verheißung in Christus Jesus
durch das Evangelium.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Ephesus.
Schwestern und Brüder!
Ihr habt doch gehört,
welches Amt die Gnade Gottes mir für euch verliehen hat.
Durch eine Offenbarung
wurde mir das Geheimnis kundgetan,
wie ich es soeben kurz beschrieben habe.
Wenn ihr das lest,
könnt ihr erkennen,
welche Einsicht in das Geheimnis Christi mir gegeben ist.
Den Menschen früherer Generationen wurde es nicht kundgetan,
jetzt aber ist es seinen heiligen Aposteln und Propheten
durch den Geist offenbart worden:
dass nämlich die Heiden Miterben sind,
zu demselben Leib gehören
und mit teilhaben an der Verheißung in Christus Jesus
durch das Evangelium.
Halleluja. Halleluja.
Wir haben seinen Stern gesehen
und sind gekommen, dem Herrn zu huldigen.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes
in Betlehem in Judäa geboren worden war,
siehe, da kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem
und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden?
Wir haben seinen Stern aufgehen sehen
und sind gekommen, um ihm zu huldigen.
Als König Herodes das hörte, erschrak er
und mit ihm ganz Jerusalem.
Er ließ alle Hohepriester
und Schriftgelehrten des Volkes
zusammenkommen
und erkundigte sich bei ihnen,
wo der Christus geboren werden solle.
Sie antworteten ihm: in Betlehem in Judäa;
denn so steht es geschrieben bei dem Propheten:
Du, Betlehem im Gebiet von Juda,
bist keineswegs die unbedeutendste
unter den führenden Städten von Juda;
denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen,
der Hirt meines Volkes Israel.
Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich
und ließ sich von ihnen genau sagen,
wann der Stern erschienen war.
Dann schickte er sie nach Betlehem
und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach dem Kind;
und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir,
damit auch ich hingehe und ihm huldige!
Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg.
Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen,
zog vor ihnen her
bis zu dem Ort, wo das Kind war;
dort blieb er stehen.
Als sie den Stern sahen,
wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.
Sie gingen in das Haus
und sahen das Kind und Maria, seine Mutter;
da fielen sie nieder und huldigten ihm.
Dann holten sie ihre Schätze hervor
und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.
Weil ihnen aber im Traum geboten wurde,
nicht zu Herodes zurückzukehren,
zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Mt 2,1-12 korrespondiert mit Mt 28, 18-20. Am Anfang des Evangeliums kommen die Magier als Vertreter der heidnischen Welt nach Bethlehem, am Ende des Evangeliums werden die Jünger in die Welt gesandt. Beide Texte rahmen das Evangelium und geben ihm eine universale Ausrichtung im "Kommen" und "Gehen". In beiden Fällen wird Gott als Handelnder offenbar.
Die Erzählung hat einen kunstvollen Aufbau und verzahnt die politische Geschichte (Herodes) mit der durch den Stern initiierten Gottesgeschichte. Es ist also eine Geschichte, die auf mehreren Ebenen spielt, aber in der Zeit verankert wird.
Die Magier folgen nicht nur dem Stern, sondern fordern Herodes und seine (Hof)Theologen heraus, der Verheißung nachzugehen, die in Bethlehem den "Hirten meines Volkes Israel" hervorgehen sieht. Der Stern führt die Magier auf einen "Umweg" zur Krippe, um die politische und theologische Elite in das Geschehen einzubeziehen. Die Magier partizipieren auf diese Weise an der missio Dei.
Werden sonst die Mächtigen hofiert und die Zentralen der Macht ins Licht gesetzt, wird die Anbetung an der Krippe sichtbar: Kniefall und Huldigung sind die Zeichen einer besonderen Wertschätzung und Würde, die hier dem neugeborenen König der Juden zuteil werden. Ihm "dargebracht" (= geopfert) werden die Schätze, die die Magier mitbringen: Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Matthäus hat in einem Satz die Bedeutung Jesu herausgestellt und mit den Verheißungen - vgl. Jes 60 - verbunden. Mt 2,1-12 ist die matthäische Version der Weihnachtsgeschichte, die bis zum heutigen Tage die orthodoxe Tradition leitet.
Eine besondere Bedeutung hat in dieser Geschichte der Stern, der aufgeht, führt und stehen bleibt. Dieser Dreiklang, nicht typisch für einen Stern, weist ihn als "Boten" des Himmels aus, der mit der Sternenkunde nicht sichtbar gemacht werden kann. Von der Anbetungsszene an der Krippe erschließt sich über den Umweg Jerusalem die Herkunft der Magier. Darüber hinaus weist der Stern den Blick in die Höhe. Wer ihm folgen will, muss von seinem Weg auch absehen und das Ungewohnte zulassen.
Neben dem Stern sind es die unterschiedlichen Reaktionen, die die Geschichte gliedern. Herodes und "ganz Jerusalem" erschrecken - die Magier sind von "großer Freude" erfüllt.
Die Evangelienstelle von der Huldigung der Sterndeuter versagt sich der neueren Exegese zufolge dem Bemühen um eine genaue historische Interpretation. "Ihre Anziehungskraft", so betont etwa Joachim Gnilka, "liegt in ihrem legendarischen Charakter, und er sollte nicht rationalisiert werden".
Legenden aber erhalten ihre Wirksamkeit nicht zuletzt von der Farbigkeit und den Kontrasten, mit denen verschiedene Personen oder Personengruppen geschildert werden. Daran kann eine Interpretation des Textes wichtige Anhaltspunkte finden.
Die Haupthandlungsträger der Geschichte sind zweifellos die Sterndeuter. Weder werden ihr Name noch ihre Zahl noch ihre genaue Herkunft genannt. Sie werden als Heiden vorgestellt, die ein geheimnisvolles Wissen besitzen, welches sie aus der Beobachtung der Sterne beziehen. Den neuen Stern, den sie aufgehen haben sehen, vermögen sie auf den "König der Juden", den Messias des Volkes Israel, zu deuten, und sie verlassen ihre Heimat, um ihm zu huldigen. Worin diese Huldigung im Kern besteht, verrät der griechische Urtext: Die Sterndeuter vollziehen vor dem Jesuskind die Proskynese, d.h. sie werfen sich auf den Boden und berühren mit der Stirn die Erde. Die tiefere Bedeutung des Geschehens liegt darin, daß es gerade Heiden sind, die zu Jesus kommen und ihm huldigen. Damit wird das alttestamentliche Motiv der Völkerwallfahrt aufgenommen (vgl. hier besonders Jes 60,6 und Ps 72,10 f). Wenn es heißt, der Stern habe die Sterndeuter auf dem Weg von Jerusalem nach Betlehem geführt, dann verweist das auf die Führung Gottes. Es besteht eine Analogie zur Führung des Volkes Israel beim Exodus durch die Feuersäule (vgl. z.B. Ex 13,21).
Herodes hört mit Argwohn das Ansinnen der Sterndeuter. Ihm geht es um die unbedingte Sicherheit seiner Macht. Zur historischen Gestalt des Herodes ist zu sagen, daß ihm im Jahre 40 v. Chr. vom römischen Senat der Titel eines Königs von Judäa verliehen wurde. Er war ein beim Volk wenig beliebter, skrupelloser Herrscher. In der Geschichte von der Huldigung der Sterndeuter ist er die dunkle Kontrastfigur. Gemäß einem in der antiken Literatur verbreiteten Motiv, jenem vom verfolgten Königskind, ist er dessen Gegenspieler und Widersacher.
Die Rolle der Hohenpriester und Schriftgelehrten besteht in der Konsultation des verunsicherten Königs Herodes. Von Bedeutung ist, daß die Hohenpriester ansonsten überwiegend in der Passionsgeschichte vorkommen, wo sie als Initiatoren der Hinrichtung Jesu erscheinen. Die Schriftgelehrten wiederum zählen gemeinsam mit den Pharisäern zu den Hauptkontrahenten Jesu während seines öffentlichen Wirkens. So wirft die Ablehnung Jesu von Teilen des Volkes Israel ihre Schatten voraus. In diesem Sinn ist auch das Erschrecken von ganz Jerusalem zusammen mit Herodes zu deuten. So schält sich als eine Hauptaussage der Geschichte heraus: Mitglieder des Volkes Israel, welche durch ihre Schriften über die Heilspläne Gottes Bescheid wissen müßten, versperren sich im Unglauben gegen ihre eigene Erkenntnis oder halten zumindest Distanz, während das messianische Heil von denen, die aus der Ferne kommen, angenommen wird.
Bleibt noch die Person am Ende der Reise der Sterndeuter: Jesus selbst. Was geht über ihn aus der Evangelienstelle hervor? Zunächst wird seine Geburt in Betlehem erwähnt, eher beiläufig zwar, doch sie ist der Auslöser der ganzen Geschichte. Wenn die Sterndeuter Jesus als "König der Juden" bezeichnen, dann liegt auch darin möglicherweise ein Verweis auf die spätere Ablehnung Jesu, die im Kreuz kulminiert. Immerhin trägt die Kreuzesinschrift diesen Titel, während er ansonsten kaum gebraucht wird. Bei den Konsultationen des Herodes mit den Hohenpriestern und Schriftgelehrten ist sofort vom Messias die Rede. Darin eingeflochten ist vom Evangelisten ein sogenanntes Reflexionszitat, bestehend aus Micha 5,1 und 2 Sam 5,2: eine Ankündigung der Geburt des Messias in Betlehem. Bedeutend an dem Zitat ist die Gleichsetzung von Fürst und Hirt, will sagen: Der kommende Messias wird sein Volk nicht beherrschen, sondern weiden, er wird ein sanftmütiger König sein. Damit tritt der Kontrast zwischen Herodes und Jesus auf subtile Weise zum Vorschein.
Am Ziel ihrer Reise sehen die Sterndeuter "das Kind und seine Mutter". Manche Ausleger verstehen diese Formulierung wegen des Fehlens von Josef als einen verhaltenen Hinweis auf die Jungfrauengeburt und damit auf die Gottessohnschaft Jesu. Immerhin kann die Formulierung als möglicher biblischer Ansatzpunkt von unzählig vielen Mariendarstellungen - Maria mit dem Jesuskind am Arm - gedeutet werden.
Die Figuren der Weihnachtskrippe fordern auf, laden ein, es ihnen gleichzutun. Die Hirten, die heidnischen Sterndeuter aus dem Osten. Diese erkennen in Jesus den Friedenskönig.
Die Krippe gehört für viele zu Weihnachten ebenso dazu wie der Christbaum. Für manche ist sie nur Dekoration. Für andere Familientradition: Die Krippenfiguren sind noch von meinen Großeltern! Für manche ist die Krippe mehr als die szenische Darstellung des Weihnachtsevangeliums. Von allen aber wird sie gern gesehen. Da geht man dann schon mal auch in die Kirche um die Krippe, die der Mesner, die Mesnerin und die Helfer mit viel Sorgfalt und Hingabe aufgestellt und gestaltet hat, zu bestaunen.
Wie ist das bei Ihnen? Was bedeutet die Krippe für Sie?
Ich überlege mir immer wieder aufs Neue, wo ich dieses Jahr die Krippe aufstelle. Nahe sollte sie sein. Nicht in einem Extrazimmer. Sondern nahe am weihnachtlichen Feiern. Mir nahe, damit ich sie immer wieder vor Augen habe, dass ich mal bewusst und länger vor ihr verweile und mich in das dargestellte Geschehen hineinversenke. Oder auch nur im Vorübergehen meinen Blick dem Christuskind schenke.
Im Laufe der Weihnachtszeit verändert sie sich. Die Hirten sind abgezogen und machen sich auf ihren Weg zurück. Und neu dazugekommen sind jene Personen, von denen das Evangelium uns heute berichtet.
Heidnische Sterndeuter aus dem Osten sind es, die die aussergewöhnliche Erscheinung am Himmel entdecken und sie richtig deuten, nämlich als Zeichen dafür, dass der König der Juden das Licht der Welt erblickt hat. Sie wissen auch, was sie an Schätzen mitnehmen. Königliche Geschenke sollen es sein: Gold, Weihrauch, Myrrhe.
Mit diesem Evangelium – so das Anliegen des Evangelisten - soll der ganzen Welt klargemacht werden, um wen es sich bei diesem Kind, das unter so armseligen Umständen geboren worden war, tatsächlich handelt. Es ist der König von Israel, der Hirt seines Volkes. Und noch mehr: Dieses Kind ist der Weltenkönig, der das goldene Zeitalter des Friedens bringen werde.
Nach wie vor hören wir dasselbe Evangelium. Nach wie vor erreichen die Weisen, die Magier oder die Könige ihr Ziel und huldigen dem Kind in der Krippe. Das goldene Zeitalter des Friedens. Von dem aber träumen die Menschen weiter.
Die Welt ist auch nach 2000 Jahren noch nicht, wie sie von Gott her im Grunde gedacht war und wozu er seinen Sohn in unsere Welt geschickt hat. Nach wie vor sind in der großen und auch in unserer kleinen Welt Machthaber am Werk – und wurden von Menschen dazu ermächtigt -, welche nicht Frieden und das Wohl aller Menschen im Sinne haben.
Im Textilmuseum St. Gallen ist eine Kasel aus einem Kloster ausgestellt, welche u.a. mit der Szene der Anbetung der drei Könige bestickt ist. Sie huldigen dem neugeborenen König und haben ihm ihre Geschenke bereits gegeben. Aber sie tun noch mehr. Der eine hat seine Krone vor ihm abgelegt. Der andere hebt seine Krone gerade über das Kind, als ob er es krönen und damit ausdrücken wollte: Nicht wir sind die Könige: Er ist es! (Das Foto kann bei der Autorin per Mail angefordert werden - gabi.ceric@hotmail.com).
Ich habe zwar keine Krone. Ich bin auch keine Königin. Aber auch ich kann Jesus Christus als König für meine kleine Welt sehen und anerkennen und ihn so «krönen». Mit meinem Leben, meinem Denken, Fühlen und Handeln kann ich ihm Ehre erweisen und mitbauen am Reich Gottes. Auch wenn ich die Krippe längst wieder weggeräumt habe. Weil ich Jesus Christus nicht allein vor Augen habe, sondern ihn und seine Botschaft in meinem Herzen trage. Das ganze Jahr hindurch.
Das goldene Zeitalter des Friedens. Ich stelle mir vor, wie es je länger je mehr Wirklichkeit werden kann, wenn Christinnen und Christen weltweit, ja, auch die grossen Machthaber dieser Welt, die sich zum Christentum bekennen, dasselbe tun: Jesus Christus vor Augen haben, aber vor allem in und seine Botschaft im Herzen, und dementsprechend regieren.
Ob es im Weißen Haus eine Krippe gibt oder im Kreml eine Weihnachtsikone? Ich weiß es nicht. Darüber haben die Medien, soweit ich es verfolgt habe, nichts berichtet. Aber ich wünschte, es ist so.
Das Fest der Erscheinung des Herrn lenkt unseren Blick auf Menschen, die aus anderen religiösen Traditionen kommen und Gott suchen. Unser Beitrag ist, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen und aus unserer Erfahrung mit Jesus Christus auf ihn hinzuweisen.
Als junger Theologiestudent hatte ich Gelegenheit, an drei Einführungsabenden in die Zen-Meditation angeleitet vom Jesuitenpater Enomijy-Lasalle teilzunehmen. In späterer Folge habe ich an mehreren Zen-Meditationswochen teilgenommen, weil mir diese Art der Meditation gut bekam. P. Lasalle wirkte als Missionar in Japan. Er fühlte sich von der Kultur und Religion seines Gastlandes angezogen und übte sich in die Zen-Praxis ein. Er verband Zen-Meditation mit christlicher Mystik. Zunächst wurde sein Ansatz als Vermischung mit als unvereinbar angesehenen Ansätzen des Buddhismus von christlichen Theologen heftig kritisiert.
Im Evangelium haben wir von "Sterndeutern aus dem Osten" gehört, die nach Jerusalem kamen, weil sie aus einer seltenen Konstellation von Sternen geschlossen haben, dass im Land der Juden ein besonderer König geboren worden sein muss. Sterne zu deuten galt in manchen Gegenden und Epochen der Geschichte als hohe Kunst, ja sogar als Wissenschaft, und hatte oft auch religiöse Züge. Was auch immer über die Sterndeuter der Bibel gesagt werden kann, sie waren auf jeden Fall Gottsucher. Als solche werden sie in unserer biblischen Erzählung auch fündig. Sie fanden das Kind und seine Mutter und huldigten ihm mit kostbaren Geschenken, mit Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Mit dieser eindrucksvollen Geschichte bringt der Evangelist Matthäus zum Ausdruck, dass dieses neugeborene Kind weit über das Judentum hinaus Bedeutung erlangen wird. Unzählige Gottsucher aus allen möglichen Kulturen und Religionen werden in diesem Kind den von Gott gesandten Messiaskönig erkennen.
Die katholische Kirche wie auch andere christliche Bekenntnisse haben sich lange Zeit damit schwergetan, Positives und Wertvolles in anderen Religionen anzuerkennen. Ihr Grundsatz "extra ecclesiam nulla salus", "außerhalb der Kirche kein Heil", verhinderte fruchtbare Gespräche mit anderen Konfessionen und Religionen. Erst dem Zweiten Vatikanischen Konzil ist diesbezüglich eine Öffnung gelungen. Pater Enomija-Lasalle kommen in diesem Öffnungsprozess große Verdienste zu. Für mich sind die Erfahrungen mit dem Meditationsweg des Zen-Buddhismus ein kostbares Geschenk für meine persönliche Glaubenspraxis geworden, vergleichbar mit einem Geschenk der Sterndeuter.
Die religiöse Landschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten weltweit in vielerlei Hinsicht verändert. Viele Christen sind dadurch irritiert, anderen erscheinen alle Religionen gleich gültig und nicht wenigen sind sie gleichgültig geworden. Vielen Menschen ergeht es in dieser Situation wie den Sterndeutern in Jerusalem: Sie können ihren religiösen Leitstern nicht mehr sehen. Die alten Glaubenssysteme haben für sie aus unterschiedlichen Gründen ihre Plausibilität verloren, bzw. viel von ihrer Glaubwürdigkeit eingebüßt.
Gleichzeitig stellen Religionssoziologen fest, dass nicht wenige Menschen in neuer Weise nach spirituellen Kraftquellen und nach Orientierung suchen. In ihnen sehe ich die "Sterndeuter" und Gottsucher unserer Zeit und ich frage mich, wie mit ihnen ein Dialog auf Augenhöhe gelingen kann. Ich bin überzeugt, dass wir ihnen wie die Schriftgelehrten in der biblischen Erzählung aus unserer reichen Glaubenstradition hilfreiche Hinweise für ihre Gottsuche geben können, aber dass auch wir aus ihrer Erfahrung für unseren Glaubensweg Wertvolles entdecken können.
Das Fest der Erscheinung des Herrn erinnert uns daran, dass mit der Geburt Jesu nicht nur den Juden eine neuer König geschenkt worden ist. Damit ist jeder nationalistischen Vereinnahmung und jedem kirchlichen Anspruch auf Besitz des Messias Jesus Christus die Basis entzogen ist. Alle Welt soll ihn kennen lernen. Die Menschen zu ihm hinzuführen ist unsere Mission. Diese kann auf Dauer nur gelingen, wenn wir ihnen auf Augenhöhe begegnen. Denn auch wir sind bestenfalls nur Gottsucher und nicht Gottbesitzer.
Die Erzählung des Evangelisten Matthäus von den Sterndeutern aus dem Osten, die zum Göttlichen Kind pilgern, hat zu allen Zeiten die Phantasie der Menschen angeregt. Zu verschiedenen Zeiten und auf die unterschiedlichste Weise haben Menschen versucht, in Worte und Bilder zu fassen, was sich mit dem Offenbarwerden der Menschwerdung Gottes ereignet hat.
So viel Reichtum auf den Rücken von Kamelen! Waren es Säcke? Kleine Geschenksets in Beuteln? Groß? Klein? Matthäus erzählt nichts davon. Nur: Sie kamen! Sie, das sind Weise, Sterndeuter, Könige – so ziemlich alles, was man mit Rang und Namen sein kann. Unsere Vorfahren haben üppige Vorstellungen entwickelt. So reich wie Gold, Weihrauch und Myrrhe darf auch die Phantasie sein. Wenn man nicht so genau weiß, wer oder was gerade kommt. Waren es - drei? Könige? Oder mehr? Die Gästeliste von Herodes an jenem Tag ist wohl verloren gegangen. Falls sie – bei dem Schrecken – überhaupt geführt wurde. In Köln ist man sich da sicherer. Da warten die Hl. Drei Könige jedes Jahr am 6. Januar auf die vielen Besucher, die tatsächlich in Scharen kommen. An Weihrauch fehlt es natürlich nicht im Hohen Dom und der Schrein strahlt golden seit Jahrhunderten – nur die Myrrhe fehlt. Fehlt aber nicht wirklich. Mit Myrrhe haben wir es nicht so.
Den eigentlichen Schlüssel freilich hat Jesaja in der Hand. Er sieht auf Katastrophen zurück und weiß die Zukunft voller Vertrauen in der Hand Gottes. So dunkel und finster die Welt ist – uns geht ein Licht auf! Ein Weg wird sichtbar! Und nicht nur für uns. Völker können noch einmal neu anfangen. Eine neue Geschichte wird geschrieben. Und der Mut wächst! Für alle Menschen.
„Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde
und Dunkel die Völker,
doch über dir geht strahlend der HERR auf,
seine Herrlichkeit erscheint über dir.
Nationen wandern zu deinem Licht
und Könige zu deinem strahlenden Glanz.“
Und jetzt kommen tatsächlich die Könige ins Spiel! Könige, die ihre Völker mitbringen. Zumindest stellvertretend. Zwar liegt es nahe, von den drei Geschenken Gold, Weihrauch und Myrrhe auf drei Könige zu schließen, auf drei heilige Könige meinetwegen auch – aber es gibt mehr Könige und Völker als drei. So klein ist die Welt denn nun doch nicht. Und so klein war sie auch noch nie. Jesaja jedenfalls erzählt von einem Wunder und lässt vor unseren Augen eine Vision wahr werden: die ganze Welt fängt zu glänzen an, weil Gott sein Volk aus der Finsternis befreit.
Ein Klagelied möchte ich singen. Über die Finsternis, die über der Erde liegt, obwohl doch jeden Morgen die Sonne aufgeht und der Mond und die Sterne in der Nacht leuchten. Finsternis wächst in den Köpfen der Menschen, erobert sich Herzen und legt sich dann über die ganze Welt. Was für Geschichten sind das denn, die wir heute hören? Die sich in die Nachrichten drängen? Die nur neue Angst gebären? Selbst die Vernunft, die hochgerühmte, ist ein Schatten ihrer selbst. Einst wollte sie aufklären. Dann wurde sie zur Hure. Sie treibt es mit jeder Richtung, jeder Position, jedem Hass und jeder Angst. Für Geld tut sie alles. Käuflich ist sie. Ein Klagelied möchte ich singen …
Nur Jesaja mag nicht in die Klage einstimmen. Von den schrecklichen Dingen hatte er genug gesehen – ihn musste man keines Besseren belehren. Doch seine Perspektive eröffnet Hoffnung. Die ist jetzt anzuzeigen! Die ist jetzt dran!
„Doch über dir geht strahlend der Herr auf“.
Muss man wörtlich nehmen! Über dir! Über mich! Der strahlende, freundliche Herr.
Ein Lied der Hoffnung muss ich singen!
Als die Geschichte fast in Unheil ertrank, kam ein neuer Ton in die Welt.
Bevor wir nach Bethlehem gehen, wollen wir noch einen Augenblick dabei verweilen, Jesaja zuzuhören. Wenn er in die Runde sieht, sieht er Menschen, die von Enttäuschungen zu erzählen wissen – und von vielen alten Geschichten. Fast nur alte Geschichten! Nicht alle lassen sich verklären. Es ist von Schuld zu reden, von falschen Hoffnungen, ja, von Größenwahn auch. Das kleine Israel – es wollte einmal in der Liga der Großen spielen – hat sich verzockt. Viele Menschen wurden Träumen geopfert.
Da tut sich ein neuer Blick auf, ein neuer Anfang. Jetzt. Heute.
„Denn die Fülle des Meeres wendet sich dir zu,
der Reichtum der Nationen kommt zu dir.
Eine Menge von Kamelen bedeckt dich,
Hengste aus Midian und Efa.
Aus Saba kommen sie alle,
Gold und Weihrauch bringen sie
und verkünden die Ruhmestaten des HERRN.“
Zuwendung ist das Wort voller Zauber. Dann: „Der Reichtum kommt“ – und: „sie kommen alle“.
Eine große Gewissheit breitet sich aus. Auf einmal ist sie da.
Unauslotbar, tief, unendlich ist doch das Meer– seine Wellen singen das Lied der Hoffnung.
Nicht zu zählen, nicht zu wiegen sind die Reichtümer der Völker – die verwandeln sich in Hoffnung.
Gold und Weihrauch und mehr...
Aus Midian und Efa, aus Saba kommen sie – aus der ganzen Welt. Um ein neues Lied zu lernen. Ein Lied von der Liebe Gottes,
die keine Grenzen kennt - von Menschen hochgezogen,
die keine Angst duldet - von Menschen geschürt,
die keine Bitterkeit hinterlässt - von Menschen gemacht.
Jetzt können wir nach Bethlehem gehen. Im Evangelium wird erzählt, dass ein Stern aufgegangen ist. Nicht irgendeiner. Sterne gehen immer auf. Manchmal verlöschen sie auch. Sterne waren immer schon Wegweiser in der Nacht. Sie wussten Wege in der Wüste.
Aber ein Stern ist so auffällig gewesen, dass die Wissenschaft ins Schleudern kam. Kluge Leute mussten ihr altes Wissen über Bord werfen. Weise wurden um den Verstand gebracht. Könige konnten nicht länger auf ihren Thronen sitzen bleiben.
Klaus Hemmerle, bis zu seinem frühen Tod 1994 Bischof in Aachen, hat diesem Stern ein Gedicht gewidmet:
Der Stern hat sich nicht geirrt,
als er den Fernsten rief,
aufzubrechen zum nahen Gott.
Der Stern hat sich nicht geirrt,
als er den Wüstenweg wies,
den untersten, härtesten Weg.
Der Stern hat sich nicht geirrt,
als er stehen blieb
über dem Haus der kleinen Leute:
dort ist die große Zukunft geboren.
Dein Herz hat sich nicht geirrt,
als es sich aufmachte,
den Unbekannten zu suchen.
Dein Herz hat sich nicht geirrt,
als es nicht aufgab
in der sichtlosen Ungeduld.
Dein Herz hat sich nicht geirrt,
als es sich beugte vor dem Kind.
Eine richtig tolle Spur hat die mittelalterliche Auslegung dieser Geschichte gelegt. Es gab – Wissen von einst – drei Kontinente. Amerika, Afrika und Asien. Auf der alten Karte, die damals entworfen wurde, konnten die Kontinente schon ihren Platz einnehmen, den sie auch heute noch haben. Nur die Mitte, die Mitte fällt auf. Es ist nicht das Mittelmeer – es ist Jerusalem. Das Land der Hoffnung. Die Stadt Gottes. Das Ziel aller Geschichten. Das Bild sieht aus wie ein großes dreiblättriges Kleeblatt. Die Mitte ist es, die die Welt zusammenhält.
Wir haben uns an Globen, Weltkarten und Zeitzonen gewöhnt. Unsere Erde ist längst aus dem Weltraum fotografiert. Je weiter wir auf der Suche nach dem schwarzen Loch sind, umso kleiner wird die Erde. Dabei werden in Sekundenschnelle Nachrichten und Bilder um die Welt geschickt. Wir empfangen sie auf dem Handy – WhatsApp, potzblitz. Nur: eine Mitte gibt es nicht. Alles ist fragmentiert. Und ob alles stimmt, was wir sehen, wissen wir auch nicht.
Auf den Rücken von Kamelen reiten heute die Touristen!
Unsere Schätze ruhen in Safes, Tresoren und Aktendepots.
Wer hat, der hat.
„Und siehe, der Stern,
den sie hatten aufgehen sehen,
zog vor ihnen her
bis zu dem Ort, wo das Kind war;
dort blieb er stehen.
Als sie den Stern sahen,
wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.
Sie gingen in das Haus
und sahen das Kind und Maria, seine Mutter;
da fielen sie nieder und huldigten ihm.
Dann holten sie ihre Schätze hervor
und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.“
Ich möchte meine Ratlosigkeit mitbringen, wenn ich zum Kind pilgere.
Meine großen Worte – sie werden klein.
Ich möchte meine Träume mitbringen, wenn ich zum Kind pilgere.
Meine Ängste – sie werden aufgehoben.
Gold, Weihrauch und Myrrhe! Ich habe keinen Sack für sie.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Die Erzählung von den Sterndeutern aus dem Osten ist mehr als eine historische Begebenheit. In ihr haben die Erfahrungen der Christen der Anfangszeit in der Begegnung mit anderen Kulturen und Religionen Niederschlag gefunden Von ihnen können wir auch heute noch einiges für unseren Umgang mit den großen Fragen der Migration und weltweiten Zusammenarbeit lernen.
Weltweit sind Fragen der Migration ein ungelöstes Problem. Nicht nur der Andrang an den Grenzen der EU, auch die Bilder der Wartenden an den Grenzen Nord- und Südamerikas wühlen uns auf. Es ist nicht einfach zwischen Kriegsflüchtenden, Asylsuchenden, Arbeitsmigranten usw. zu unterscheiden.
Migration gab es immer schon; auch in der biblischen Antike. Die Bibel erzählt vom Stammvater Jakob und seinen Söhnen, die sich in der Hungersnot nach Ägypten gerettet haben. Eine folgenreiche Migrationswelle wurde auch durch den Sieg der Babylonier über die israelischen Königreiche ausgelöst, die als "babylonische Gefangenschaft" in die Geschichte eingegangen ist. Viele vom verbliebenen Rest Israels sahen sich gezwungen auszuwandern. Von da an trifft man Juden in aller Herren Länder.
Die Apostelgeschichte erzählt, dass nach der Ermordung des Stephanus ein jüdischer Fanatiker namens Saulus die Christen in Jerusalem verfolgt hat und dass daraufhin viele von ihnen ausgewandert sind. Dies hat der Ausbreitung des "neuen Weges" einen kräftigen Schub verliehen.
Die Fragen der Anpassung an andere Kulturen, das Schwanken zwischen Selbstbehauptung, Abschottung und Integration, wie sie heute als Probleme bei uns beschrieben werden, erlebten damals die Christen auf der Seite der Vertriebenen und Schutzsuchenden. Die römischen Machthaber hatten keine Freude mit ihnen und verfolgten sie. Die Opfer dieser Verfolgungen verehren wir als Glaubenszeugen, als Märtyrer.
Die Geschichte von den 3 Sterndeutern aus dem Osten – später wurden daraus die "Heiligen Drei Könige" – ist in dieser turbulenten Anfangszeit des Christentums entstanden. Während die Polemiken gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten als negative Niederschläge dieser Auseinandersetzungen in der Bibel überliefert werden, wird in der Erzählung von den drei Sterndeutern, die den neugeborenen Erlöser suchen, ein überaus positives Bild gezeichnet. Sie spiegelt die positiven Erfahrungen der Christen in der Begegnung mit fremden Kulturen wider.
Am Dreikönigstag feiern wir die "Erscheinung des Herrn" vor allen Völkern. Dieser Feiertag ist ein Mahnmal gegen nationalistische Vereinnahmungen des Christentums. Sogar im Volksbrauchtum hat diese Offenheit für alle Kulturen einen Niederschlag gefunden, indem die Könige Menschen verschiedener Hautfarbe repräsentieren. In meinen Augen machen sich Aktivisten, die gegen diesen Brauch anrennen, lächerlich und zeigen ihre verkürzte Sichtweise.
Der Erzählung von der Suche der Sterndeuter können wir auch für unsere Zeit noch Prinzipien für den Umgang mit anderen Religionen und Kulturen herauslesen.
Als Erstes fällt mir der großen wechselseitige Respekt der drei Weisen in ihrer Begegnung mit dem Judentum auf. Die drei Fremden haben kein Problem, dem "neugeborenen König der Juden" ihre Aufwartung zu machen. Umgekehrt ist es für Herodes, die Priesterschaft und die Schriftgelehrten kein Problem, sich mit den drei Gästen auszutauschen – trotz deren eigenartigen Zugangs zum Gottesglauben über Himmelsphänomene. Auch der biblische Erzähler hat mit ihrer Art der Religion kein Problem.
Ein zweites Charakteristikum ist, dass sich die drei Fremden nicht in politische Diskussionen und Rivalitäten hineinziehen lassen. Hier spiegelt sich wider, dass die Christen der ersten Jahrhunderte sich aus politischen Machtfragen herausgehalten haben. Später war das leider nicht immer so.
Ein dritter Punkt ist, dass die Gottsucher in dem Kind, zu dem sie ein Stern geführt hat, eine Gotteserscheinung sahen. Sie huldigen ihm mit Gold, Weihrauch und Myrrhe. Das Kind repräsentiert ihnen Göttliches, dem sie mit Ehrfurcht gegenübertreten.
Das Fest der heiligen drei Könige ist mehr als ein zusätzlicher freier Tag im Reigen der weihnachtlichen Feiertage. Es lässt uns über unseren Umgang mit Fremden und Fremdem nachdenken. Weltweites Wirtschaften, weltweites Reisen, weltweiter Austausch der Wissenschaften, weltweite Auswirkungen der Politik sind zu einer großen weltweiten Herausforderung geworden. Dabei können wir von den Erfahrungen des frühen Christentums lernen. Wechselseitiger Respekt, gegenseitige Wertschätzung und Verzicht auf gewaltsame Lösungen und notwendige Hilfestellungen eröffnen neue Einsichten und Auswege aus Konflikten.
Die Kirche gehört im Bereich der Begegnung der Kulturen zu den "Big Playern". Dabei müssen wir unser Missionsverständnis an seinem biblischen Ursprung überprüfen. Wir sind nicht die Besitzer der Wahrheit, denen sich alle anderen unterordnen müssen. Wir können und brauchen die Wahrheit niemandem "einzutrichtern". Wie die Sterndeuter, die Schriftgelehrten und Priester suchen wir die Wahrheit. Wir suchen sie nicht nur im historischen oder naturwissenschaftlichen Sinn. Wir suchen sie in einem umfassenden ganzheitlichen Sinn und nehmen die Erfahrungen unserer Gesprächspartner ernst. Wir lassen uns führen von der Suche nach dem zarten und zerbrechlichen Geheimnis des Göttlichen, in dem die Wahrheit und Weisheit Gottes unter uns Menschen in Erscheinung tritt.
Die Erzählung von den Sterndeutern bei Matthäus vor allem als historischen Bericht zu lesen, führt uns in eine Sackgasse und verschließt uns das theologische Potential dieser Geschichte. Der Evangelist erzählt uns von Gottsuchern, denen man das damals nicht zugetraut hat. Die Erzählung fordert uns auf, nach den Gottsuchern unserer Zeit zu fragen und mit ihnen ins Gespräch zu treten. Andernfalls bleiben wir auf unserer Botschaft sitzen wie damals die Schriftgelehrten und das Jerusalemer Establishment.
Kinder, die als Sternsinger an der Dreikönigsaktion teilgenommen haben, hatten in früheren Jahren Spaß daran, ihre Gesichter schwarz oder rot zu bemalen und sich als Caspar, Melchior oder Balthasar auf den Weg zu machen. In einigen Kreisen ist dieser Brauch heute als "politisch nicht korrekt" in Kritik geraten. Sie sehen im Bemalen der Gesichter eine Diskriminierung von Personen andere Hautfarbe. „Blackfacing“ ist verpönt.
In den biblischen Texten ist weder von Königen noch von andersfarbigen Menschen die Rede. In der Kunst und später auch im volkstümlichen Brauchtum hat man irgendwann begonnen, die Sterndeuter als Weise aus dem Morgenland bzw. als Heilige Drei Könige darzustellen, die aus den damals bekannten Kontinenten Europa, Asien und Afrika angereist waren. Bibelkundige verbanden damit auch die vom Propheten Jesaja angekündigte Wallfahrt der Völker zum heiligen Berg und zur heiligen Stadt Jerusalem, bzw. sahen darin eine Parallele zum legendären Besuch der Königin von Saba bei König Salomon.
Theologisch will diese Tradition genau auf das hinaus, was auch die Vertreter der „politischen Korrektheit“ einfordern: Der Messias ist für alle Menschen, für alle Völker ohne Unterschied von Hautfarbe oder Rasse in die Welt gekommen. Beim Evangelisten Matthäus sind die Sterndeuter Menschen, die auf ihre Weise Gott suchen, Gott finden und Gott verehren.
Jesus als Messias für alle Menschen war seinen Anhängen nicht von Anfang an klar. Die Messiaserwartung der Juden hatte sehr oft auch einen nationalistischen Touch, obwohl bereits einige Propheten einen Messias für die gesamte Menschheit im Auge hatten. In der ersten Aussendung der Jünger sagt Jesus ausdrücklich: „Geht nicht den Weg zu den Heiden und betreten keine Stadt der Samariter“ (Mt 10,5). Als eine Syrophönizierin Jesus um die Heilung ihrer Tochter bittet, antwortet Jesus, man dürfe das Brot nicht den Kindern wegnehmen und den kleinen Hunden geben… Andererseits bewundert er den Glauben von Nichtjuden und betont, einen solchen Glauben habe er in Israel nicht gefunden.
Die Öffnung des Christentums für alle Völker drängte sich der jungen Kirche auf, als die Predigt der Apostel bei Nichtjuden ebenso Anklang fand wie bei Juden. Vor allem Paulus kämpfte für die Gleichbehandlung nichtjüdischer Christen. Er sah sich selbst als Apostel der Heiden, der Nichtjuden.
Die Erzählung von den Sterndeutern aus dem Osten beschreibt die Situation, auf die das Evangelium von der Menschwerdung Gottes trifft. Die politisch Mächtigen wie auch die Priesterschaft versetzt sie in Panik, die Schriftgelehrten blättern in ihren Büchern, ohne selbst Konsequenzen zu ziehen. die fremden Gottsucher hingegen finden das Göttliche Kind und beten es an.
Das Fest der Erscheinung des Herrn unterstreicht, dass Gott in Jesus für alle Menschen Mensch geworden ist. Da ist kein Platz für Nationalismen, Rassen- oder Genderdiskriminierung. Im Brief an die Galater schreibt Paulus: "Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus." (Gal 3,28).
Die Sterndeuter können darüber hinaus als Vertreter verschiedener Weltanschauungen und Weltbilder gelten. Das Christentum hat sich lange Zeit eng mit europäischer Kultur verbunden und auf andere Kulturen herabgeschaut. In ähnlicher Weise waren ihm spirituelle Praktiken wie Joga, Transzendentale Meditation, Esoterik, neue "Naturreligionen" und andere Formen der Gottsuche verdächtig. Abgrenzung gegenüber andere war vielen Christen wichtiger als Offenheit.
Das Fest der Erscheinung des Herrn wird auch als Festtag der Mission gefeiert. Die Missionsbemühungen der Christen stecken heute in einer tiefen Krise. Sie gelingen heute nicht mehr mit denselben Mitteln wie in früheren Jahrhunderten. Und es wird nicht genügen, unsere Kommunikationsformen den technologischen Entwicklungen anzupassen.
Das Bild von den gottsuchenden Sterndeutern kann uns helfen, unser Missionsverständnis zu überdenken und für neue Wege zu öffnen. Die Erzählung von den Sterndeutern sagt uns: Gott geht auf anderen Wegen auf die Menschen zu, als diese ihn erwarten. Er kam gleichsam durch die Hintertür und nahm Platz in einem Stall statt in einem Palast. Viel mehr Menschen suchen Gott wenn auch auf andere Weisen, als die Frommen ihnen zutrauen. Wie gelingt uns das Gespräch mit den vielen Gottsuchern heute? Die Sterndeuter kehrten auf einem anderen Weg in ihre Heimat zurück. Auch für uns gilt es, neue Wege zu finden.
Wir feiern heute das zweite Weihnachtsfest, es ist auch das ältere gegenüber dem Weihnachtsfest des Westens. Die Ostkirche stellt daher dieses Fest in den Mittelpunkt des Heilsgeschehens und verbindet es gleichzeitig mit der Taufe Jesu. Hier in Wien kommt noch der Brauch der Wasserweihe dazu.
„Es ziehn aus weiter Ferne drei Könige einher und fragten wo zur Stunde Christus geboren wär´“. Diese „drei Könige“ bezeichnen wir als magoi, als „Weise“, die im strengsten Sinn gar keine Könige sind, aber: eigentlich schon, denn besonders in der Taufe bei der Salbung mit Chrisam wird uns zugesagt: „Du bist Glied des Volkes Gottes und gehörst für immer Christus an, der gesalbt ist zum Priester, König und Propheten in Ewigkeit.“ Diese königliche Würde wird auf alle Getauften übertragen ohne Unterschied des Geschlechts, der Nation, Hautfarbe oder Kultur. In der „Charta der Menschenrechte“ aus dem Jahr 1948 (10. Dezember) wird diese Würde weltweit jedem zugesichert, nur eingehalten wird sie vielfach nicht.
Diese Könige, so nenne ich sie jetzt bewusst, sind Boten der Völker, präsentieren die Vielfalt der Kulturen. Würden wir diesen drei Titeln - König, Priester, Prophet -, die bereits im Alten Testament vorhanden sind, mehr Beachtung schenken, könnten wir uns manche Diskussion über die Ämter in der Kirche und in weiterer Folge über Pfarrzusammenlegungen ersparen. Am kommenden Sonntag feiern wir die „Taufe Jesu“, da wird auch unsere Tauferinnerung zur Sprache kommen und hoffentlich auch wieder dieses Deutewort bei der Salbung mit Chrisam. Mit Sicherheit wird auch im „Synodalen Vorgang“, den der Papst und die Weltkirche intensiv vorbereitet, die Amtsfrage ein Thema sein.
Die Könige sind Gottsucher, Fragende. Zum Suchen gehören Sehen, (Hin)horchen, Fragen stellen, Geduld aufbringen, nur so kann man ans Ziel kommen. Wenn man Gott findet, sowie die drei Könige, ist das ein besonderer Glückstag und dann sollte man auch in der Spur Jesu bleiben, ihm nachfolgen. Königliche Würde zu besitzen heißt nicht nur, fähig sein, nachzufragen, sondern auch Auskunft geben zu können über unseren Glauben (siehe 1 Petr 3,15), sonst könnte er wirklich verdunsten, also auch darüber reflektieren und meditieren.
Ein König, eine Königin sollte sich auch etwas sagen lassen, hinhorchen und überlegen. „Prüft alles, das Gute behaltet!“ (1 Thess 5,21). „Als König Herodes [vom neugeborenen Kind] hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.“ Da wird die Machtfrage offenbar. „Herr, aller Mächte und Gewalten“ beten wir im Sanctus der Messe. Herodes fürchtet um seinen Machterhalt. Besonders beim Machtrausch kann man beobachten, wie das Herz-Kreislauf- und Nervensystem, auch das Bewusstsein eine kaum kontrollierbare Eigendynamik entwickelt. Das steckt hinter dem Wort „erschrecken“. Hier steht die „pax Romana“, also die Friedensherrschaft im Römischen Reich, die nur mit Waffengewalt abgesichert ist, gegen die „pax Christiana“, die Macht der Liebe, die auch ohne Gewalt Frieden schafft.
Die Sterne symbolisieren das Geheimnisvolle der Schöpfung, das über unsere Erfahrungswelt hinausweist. Die Sterndeuter repräsentieren die Menschen, die nach den göttlichen Geheimnissen hinter der sichtbaren Welt suchen. Sie gab es und gibt es zu allen Zeiten und in allen Kulturen. Sich mit ihnen zu verbinden kann auch in unserer gegenwärtigen Welt eine große Chance sein.
"Weißt du, wie viel Sternlein stehen" war eines meiner liebsten Lieder in der Kindheit. Eine Wienerin, die jedes Jahr zu uns zur Sommerfrische kam, steckte mich und einige meiner Geschwister an mit ihrer Faszination vom Sternenhimmel, den man damals fernab von der Großstadt bei uns auf dem Lande bewundern konnte. Nicht nur Kinder sind beeindruckt von den geheimnisvollen Sternen. Die Sterne kommen in vielen unserer Sprachbilder vor: nach den Sternen greifen, Sternstunden… Was zieht uns so in ihren Bann? Sterne erzählen von einer Welt, die viel größer ist, als wir je begreifen können, größer als wir uns vorstellen können. Seit jeher greifen Menschen nach den Sternen auch im übertragenen Sinn und versuchen, hinter ihre Geheimnisse zu blicken.
In der biblischen Erzählung von den Sterndeutern aus dem Osten, die nach dem neugeborenen König der Juden suchen, repräsentieren sie alle Menschen, die sich nicht mit dem zufriedengeben, was sie sehen, vermessen und in den Griff bekommen können. Sie erahnen hinter der sichtbaren Welt eine noch viel größere und bedeutungsvollere und gehen diesem Geheimnis nach.
In dieser Art suchende Menschen gibt es in allen Kulturen und Religionen. Auch in unserer von naturwissenschaftlichem Denken geprägten Welt gibt es Menschen, die sich nicht mit Antworten und wissenschaftlichen Entdeckungen zufriedengeben, sondern immer noch weiterfragen und weitersuchen, die immer noch tiefer in die Geheimnisse der Welt eindringen wollen. Je tiefer sie eindringen, desto mehr staunen sie über das Entdeckte.
Den Sterndeutern stehen Menschen gegenüber, die sich mit dem begnügen, was sie in der Hand haben und für sich nützen können: mit Macht, mit Wissen. Sie sind damit beschäftigt, das, was sie haben, abzusichern. Sie brauchen nichts Neues. Sie sind nicht daran interessiert, den Dingen auf den Grund zu gehen. Neues und Ungeplantes ist für sie eine Bedrohung. Geheimnisse sind für sie in erster Linie Geheimgehaltenes. Wenn sie Geheimnisse aufdecken, verwenden sie gerne die Formel: Das ist nichts anderes als.
Die Sterndeuter finden das Kind und seine Mutter. Sie erkennen darin das Göttliche und fallen vor diesem Geheimnis ehrfürchtig staunend auf die Knie.
Die Erzählung von den Sterndeutern lädt uns ein, dass jeder sich selbst fragt: Wie gehst du mit deiner Sehnsucht nach dem Größeren, nach dem Unendlichen um? Hast du sie schon als unerfüllbar beiseite geschoben? Oder ist sie für dich gar eine Bedrohung wie für Herodes und die Schriftgelehrten, die dein Leben aus gewohnten Geleisen werfen könnte?
Zu allen Zeiten und in allen Kulturen sind Menschen dieser Sehnsucht gefolgt und haben dabei Antworten gefunden, die ihr Leben auf eine neue Grundlage gestellt haben. Im Brauchtum vertreten die "Heiligen drei Könige" Menschen unterschiedlicher Rassen und Kulturen. Noch bevor sich das Christentum als Religion etablieren konnte, noch bevor Jesus Christus geboren wurde, haben sich Menschen aus allen Völkern der Welt auf die Suche nach Gott gemacht und sind fündig geworden.
Die Sehnsucht nach dem Unendlichen teilen wir mit vielen Menschen auch in unserer gegenwärtigen Zeit. Sie kann für uns eine gemeinsame religionsoffene Basis unserer multikulturellen Gesellschaft sein. Ich bin überzeugt, dass sie uns mitten unter uns neue Weisen, wie Gott in unsere Welt tritt, finden lässt, die für uns heilsam sind.
Die Erzählung von den drei Sterndeutern kann als Parabel für die Erfahrungen von Menschen, die Gott suchen, verstanden werden. Sie lädt ein, sich selbst auf die Suche nach Gott zu begeben, und warnt davor, sich in der Gewissheit zu wiegen, ohnehin die Verheißungen Gottes zu besitzen.
Vor nahezu zwanzig Jahren entschloss ich mich, im Urlaub mit einem Freund drei Wochen auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Nordspanien zu gehen. Am zweiten Tag begannen wir zu diskutieren: Warum gehen wir eigentlich? Irgendwie ist verrückt, was wir da machen. Was suchen wir? Keiner von uns konnte das so genau sagen. Der hl. Jakobus war es bestimmt nicht, waren wir uns sicher. Die Erzählungen derer, die vor uns den Weg gegangen waren und unsere Neugier geweckt hatten, reichten auch nicht für eine schlüssige Antwort. Unterwegs trafen wir viele, die auch nach Santiago pilgerten. Wir tauschten uns aus. Ihre Beweggründe waren unterschiedlich. Die meisten beeilten sich zu versichern, dass sie nicht aus religiösen Motiven unterwegs waren. Nach 17 Tagen sind wir an unserem Pilgerziel angekommen. Wir waren von unseren Erlebnissen so angetan, dass wir zwei Jahre später auf einer anderen Route noch einmal nach Santiago gingen. Rückblickend glaube ich, dass ich durch diese Erfahrungen auf meinem Lebens- und Glaubensweg ein Stück vorangekommen bin, ohne sagen zu können: Jetzt bin ich an meinem Ziel angekommen. Der vollständige Jakobsweg führt ja wieder zurück an den Ort, wo man lebt und von dem aus jemand aufgebrochen ist.
Was wir auf unserem Pilgerweg erlebt haben, kommt mir ähnlich vor wie der Erfahrungen, die uns von den drei Sterndeutern im Evangelium erzählt werden. Sie suchen nach etwas Großem, das geschehen sein musste oder im Geschehen war, ohne es konkret benennen zu können. Die biblische Erzählung verrät nichts Näheres von den Grundlagen ihrer Überlegungen, die sie haben aufbrechen lassen. Aus ihrer Kenntnis der Sterne lasen sie heraus, das große Ereignis musste sich in oder um Jerusalem zugetragen haben. Jerusalem war schon in der Antike ein altes Heiligtum, das von vielen aufgesucht wurde; vergleichbar mit Delphi oder Delos in Griechenland. An angestrebten Reiseziel angekommen verflüchtigten sich plötzlich ihre bisherigen Anhaltspunkte. Der König, der alles hätte wissen müssen, entpuppte sich als ahnungslos, die Schriftgelehrten mutmaßten, dass sie in Betlehem fündig werden könnten. Keiner von ihnen schickte sich an, sie zu begleiten oder gar selbst der Sache nachzugehen. Die Sterndeuter suchen weiter, die Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein, verdichtet sich und schließlich finden sie das göttliche Kind.
In den drei Sterndeutern sehe ich die Erfahrungen aller Gottsucher festgehalten. Vage Zeichen und Anhaltspunkte, die einer kritischen wissenschaftlichen Analyse nicht standhalten, treiben sie an. Sie lassen sich von alten Überlieferungen inspirieren und kommen oft an einen Punkt, an dem sich alles aufzulösen und eine Illusion gewesen zu sein scheint. Ein neuer Impuls – in dieser Erzählung sind es alte heilige Schriften – fokussieren ihre Suche, ohne wirklich konkret zu werden. Schließlich begegnen sie dem Gesuchten in ganz anderer Gestalt, als sie es sich anfangs vorgestellt haben.
Wir, die wir Jahr für Jahr die Frohe Botschaft von der Menschwerdung Gottes hören und von allen Seiten betrachtet haben, scheinen da schon einen Vorsprung zu haben. Wir glauben zu wissen, wo wir den von aller Welt ersehnten Erlöser finden können. Aber auch wir müssen den Weg der Gottsucher gehen, wenn die Begegnung mit dem Erlöser in unserem eigenen Leben stattfinden soll. Viele Wege führen nach Betlehem, sie müssen aber gegangen werden. Gott drängt sich nicht auf, er muss gesucht und gefunden werden.
Das Fest der heiligen drei Könige möchte uns ermutigen aufzubrechen und das Göttliche Kind, den Erlöser, den wahren Gott zu suchen. Denen, die meinen, sie hätten den Verheißenen schon sicher in ihrem Besitz, müssen irgendwann entdecken, dass er ihnen entflohen ist.
Das Fest der heiligen drei Könige war von alters her das Fest der vielen Völker – der Heiden, wie wir sie manchmal herablassend bezeichnen -, die Gott gesucht und gefunden haben.
Die Geschichte hat historisch so, wie sie erzählt wird, vermutlich nie stattgefunden. Dennoch wiederholt sie sich in jeder Generation in neuer Besetzung. Das Fest lädt uns ein, die Zuschauerrolle zu verlassen und in eine andere Rolle zu schlüpfen. Entscheiden Sie selbst, in welche Rolle Sie sich begeben wollen: in die des politisch denkenden Taktikers, in die des bereits alles Wissenden oder in die eines Gottsuchers.
Die Sterndeuter aus den Osten, die den neugeborenen König der Juden suchen und finden, verkörpern Weise auf der Suche nach dem Geheimnis des Lebens, der Welt, letztlich nach Gott. Sie stehen stellvertretend für alle Gottsucher. Ihre Gaben, die sie Jesus bringen symbolisieren das Gefundene. Die Erzählung lädt uns ein, uns auch auf die Suche zu begeben.
Was wird nicht alles vom Himmel aus über Satelliten zu Navis gesteuert: Autos, Smartphones, Menschen, die ihre Wege auf Google-Maps suchen. Da gibt es manche unfreiwillig gedrehte Runden, ja sogar Irrwege.
In unserem Leben geht es ähnlich zu. Es wird kaum jemanden geben, der nicht auch Umwege, Irrwege- oftmals sogar sehr weite- und manche Kehrtwendung wird notwendig sein.
Suchen, um ein Ziel zu finden. Menschen auf Gottsuche. Diese drei Weisen, die Magier - im Volksmund Könige genannt - begeben sich auf Gottsuche. Interessant dabei die biblische Feststellung: Der wahre König ist der Weise. Er muss allerdings um diese Weisheit bitten. Diese drei Weisen werden vom Himmel aus durch einen Stern, einen Leitstern gesteuert, der sie ans Ziel bringt - zur Krippe zum lebendigen Evangelium.
Wir brauchen nur darüber nachzudenken, was die einzelnen Figuren alles sagen wollen: Josef, der Stammvater, der sich als gerechter Mann in einer Dilemmasituation befindet, der auf die Signale Gottes im Traum hört. Der Traum ist etwas ganz persönlich Erlebtes, eine persönlich wahrgenommene Erscheinung. Er kommt mit Maria zu einer gemeinsamen Entscheidung, ohne sich mit ihr abgesprochen zu haben, dem Heilsplan Gottes nicht im Weg zu stehen. Gott wirkt auf wunderbare Weise. Auch Maria, die Erwählte, hat durch ihr freiwilliges Ja den Weg zur Erlösung frei gemacht. Ganz wichtig, das Jesuskind selber mit seinem Namen, der eine Gottesbotschaft enthält: Gott rettet und erlöst. - „Jesus, der Retter ist da!“ (6. Strophe: „Stille Nacht, heilige Nacht…“). Nicht zu vergessen die Hirten, einfache Leute, die als erste die Nachricht von der Geburt Jesu erhielten.
Zuletzt gesellen sich die Könige, die Weisen dazu. Sie folgen einem Stern, in eine Zukunft, der sie Vertrauen schenken. Sie bringen Geschenke mit, die jeder Mensch schon in sich trägt: den Weihrauch der Sehnsucht. Wir alle sehnen uns nach Geborgenheit, Anerkennung, Wertschätzung, das Gold der Liebe. Gold als sichere Wertanlage nicht nur wirtschaftlich zu denken, sondern international unbezahlbares Geschenk, bei dem Aktienkurse ins Unendliche reichen, schon vom ersten Erdentag menschlichen Lebens an sollte es so sein. Wer diese Liebe nie zu spüren bekommt, geht auch körperlich zugrunde. Schließlich bringen sie noch Myrrhe als Symbol für Leid und Schmerzen, aber auch für Geduld.
Gott rettet und heilt, auch wenn wir Leid, Krankheit nicht aus unserem irdischen Dasein wegbringen. So wird die Krippe nicht nur zum lebendigen Evangelium, sondern auch zur geerdeten Theologie. Gott steigt in der Gestalt eines Kindes zu uns herunter auf die Erde. Leider gehen manche der Geschenke, vor allem Sehnsucht, Liebe, Geduld, Anerkennung, Wertschätzung im Lauf eines Menschenlebens verloren oder werden kaum noch beachtet. Dann sprechen wir vom inneren Klimawandel. Dann brechen eisige Zeiten an. Herodes, der auch im heutigen Evangelium genannt wird, ist d a s Beispiel für politischen Opportunismus und Menschenverachtung. Er erschrickt vor diesem vermeintlichen Konkurrenten und sieht seine begrenzte Macht gefährdet. Die Macht der Liebe ist aber grenzenlos.
In seinem Antikriegsroman „Jugend ohne Gott“ von Ödön von Horvath (1901-1938), der die Zeit des Nationalsozialismus miterlebt hat und mitansehen musste, wie eine Jugend ohne Gott heranwächst, lässt in diesem Roman den strafversetzten Dorfpfarrer sagen: „Gott ist das Schrecklichste auf der Welt!“ Er sagt das in der Situation der Gottverlassenheit, wo er auch in dieser Gemeinde kaum Anerkennung findet, wo durch Verhaftungen und fragwürdige Gerichtsurteile viel Leid geschieht und ihn offenbar auch die Diözesanleitung zu wenig oder überhaupt nicht vor Angriffen durch das NS-Regime schützt.
Gott ist das Schrecklichste auf dieser Welt. Diese Aussage ist an den Hebräerbrief (10,31f) angelehnt und will ausdrücken, dass die Gnade, die allen Menschen zugedacht ist, auch eine Kehrseite hat, nämlich das Gericht, wenn Menschen bewusst von Gott abfallen, also eine Mahnung. Zunächst kann man aber auch sowohl bei Herodes wie auch bei allen totalitären Regimen, vor allem des 20. Jahrhunderts, feststellen: Es ist schrecklich in die Hände von Menschen zu fallen, die gegen die Liebe Gottes handeln und ihr Volk unterdrücken.
Die Botschaft des Evangeliums ist nicht nur geographisch grenzenlos. Sie geht über Raum und Zeit und ist eine einladende. Nur wir Menschen richten immer wieder Grenzen auf.
Der Stern, der den drei Weisen vorausgeht, sagt uns: Freue dich an den Sternstunden des Lebens! Kardinal Newman (1801-1890) betet in Gedichtform: „Führ, liebes Licht, vom Ring der Dunkelheit, führ du mich an. Die Nacht ist tief, noch ist die Heimat weit, führ du mich an… So lang gesegnet hat mich deine Macht, gewiss führst du mich weiter an, durch Moor und Sumpf, durch Fels und Sturzbach bis die Nacht verrann. “ (Biemer G. / Derek Holmes / R. A. Siebenrock: Leben als Ringen um die Wahrheit – Ein Newman Lesebuch, Grünewaldverl. 2019 S 305: Die Feuersäule [1833])
Ich wünsche Euch und Ihnen ein Jahr voll Licht, einen Stern am Himmel, der Euch und Sie in eine große Zukunft führt und den hoffnungsvollen Schein der länger werdenden Tage. (nach: Irene Unterkofler in: miteinander 1–2 / 2018).
Die Sterndeuter repräsentieren Menschen auf der Suche, die im Erkennen Gottes Jesus von Nazareth die Erfüllung ihres Lebens finden. Sie lädt uns ein, dass auch wir uns auf den Weg zu Gott hin aufmachen.
Millionen Menschen sind derzeit auf der Flucht. Die einen fliehen vor Krieg und Gewalt. Andere suchen einen Ort, an dem sie ein besseres Leben haben, größere Zukunftschancen, mehr Wohlstand. Andere verlassen ihre Heimat, ihre vertraute Umgebung, weil sie an anderen Orten Arbeit finden. Wieder andere möchten Abenteuer erleben. Es gibt vielfältige Gründe, aufzubrechen. Das Leben wird oft mit einem Weg verglichen. Wenn wir uns auf den Weg machen zu neuen Orten, zu anderen Menschen, dann zeigt mir das auch: Wir Menschen sind auf der Suche - und das zeit unseres Lebens. Das ist Suche nach Sinn, nach Erfüllung im Leben.
Wir feiern am Fest Erscheinung des Herrn Menschen, die auf der Suche waren. Sie haben sich auf einen langen Weg gemacht. Sie haben einen Stern gesehen. Da haben sie haben gespürt: Dieser Stern weist uns den Weg zu dem, was uns erfüllt. Wohin wir gehen, da werden wir die Erfüllung unseres Lebens und auch die Erfüllung des Lebens aller Menschen finden. Und sie werden fündig. Sie sehen: Es ist ein Kind in der Krippe. Sie spüren in ihrem Herzen: Wir haben den gefunden, wonach wir uns im Herzen gesehnt haben. Es ist kein König in Macht und Herrlichkeit. Es ist kein König in Reichtum, keiner mit großem Einfluss.
Die Sterndeuter beugen Ihre Knie. Sie beten IHN, sie beten Jesus an. Sie spüren: In diesem Kind haben wir das Heil, den Sinn gefunden.
Sie bringen diesem Kind ihre Gaben. Gold - all ihren Reichtum. Dieses Kind ist der wahre Reichtum aller Menschen. Einmal werden seine Worte, in denen sich Gottes Liebe zeigt uns froh machen, Mut schenken, mit Freude erfüllen, auf andere Weise reich machen.
Sie bringen diesem Kind Weihrauch, ein Zeichen der Heiligkeit. Damit zeigen sie: Dieses Kind ist ein besonderes Kind. In diesem Kind begegnet uns Gott.
Sie schenken dem Kind auch Myrrhe - für das Begräbnis. Zusammen mit Weihrauch hat Myrrhe auch eine heilende Wirkung. Sie spüren: Von diesem Kind wird einmal das Heil und Heilung ausgehen.
Weihnachten - in der Ostkirche geschieht es heute - haben wir seine Geburt gefeiert. Das Heil ist in diese Welt gekommen. Wir haben die Krippe aufgebaut. Wir haben das Jesuskind bewundert. Doch wir sind eingeladen, wie die Sterndeuter dieses Kind nicht nur zu bewundern, sondern auch anzubeten. Wir sind berufen, seine Wege zu gehen. In diesem Kind zeigt sich, dass Gottes Wege andere Wege sind als die der Menschen.
Warum aber machen Gottes Wege den Menschen oft Angst wie dem König Herodes?
Warum erkennen die Menschen, die Schriftgelehrten nicht das, was da geschieht? Da ist einmal die Sorge um die eigene Macht.
Eine andere Gefahr ist auch zu sehen. Die Menschen haben sich zu sehr eingerichtet in dem, was sie wissen. Sie machen sich nicht mehr auf den Weg. Sie meinen am Ziel zu sein. Sie sind fertig - in dem Sinn, dass sie nichts Neues, nichts Überraschendes mehr erleben können.
Dabei heißt Leben auch "Auf dem Weg sein" Die Flüchtlinge erfahren es oft auf sehr traurige Weise. Denn oft gehen ihre Sehnsüchte und Wünsche nicht in Erfüllung. Es werden vor ihnen Mauern aufgebaut.
Wir haben keine bleibende Heimat, wir suchen die zukünftige Heimat. Erst in der künftigen Heimat werden wir das Glück finden. Immer wieder hat es auch das Volk Israel erfahren müssen. Es wurde in die Verbannung geschleppt. Denn Israel hat sich immer wieder selbst von Gott entfernt. Doch Gott hat es nicht im Stich gelassen. Der Gott Israels, der Gott von Jesus, ist da. Er führt sein Volk immer wieder. Die Völker der Erde staunen über diesen Gott. so beschreibt es Jesaja. Gottes Liebe, Gottes Licht sollen alle Völker sehen.
Alle Menschen sind dazu berufen, Gottes Liebe zu erfahren. Paulus schreibt das den Ephesern: "... jetzt ist es durch den Geist offenbart worden: dass nämlich die Heiden Miterben sind, zu dem selben Leib gehören und an derselben Verheißung in Jesus Christus teilhaben..."
Jesus ist die Erfüllung aller Menschen. Die Sterndeuter haben gefragt: "Wo ist der neugeborene König der Juden?" Wir fragen heute: "Wo ist Gott in all dem Leid, in all den Ungerechtigkeiten dieser Welt?" Das Fest "Erscheinung des Herrn" zeigt mir: Gott lässt sich finden, wenn ich mich nur auf den Weg mache. Ich muss aus mir herausgehen, aufbrechen, wie es die Sterndeuter taten. Ich muss bereit sein, das hinter mir zu lassen, was mich auf meinem Weg zu Gott hindert. Ich darf nicht festgefahren sein, wie die Schriftgelehrten, wie die Menschen in Jerusalem. Ich darf nicht meinen, ich schaffe alles aus eigener Kraft, wie Herodes, der um seine Macht Angst hatte. Gott baut mir keine Mauern. Ich muss bereit sein, IHN anzubeten, IHN als den Herrn meines Lebens anzuerkennen. Er begegnet mir im Kleinen, im Schwachen.
Ein gutes Beispiel für Menschen, die sich auf den Weg machen möchte ich nennen. Es sind die tausenden von Mädchen und Jungen, die als Sternsinger und -singerinnen in die Häuser gehen und den Segen Gottes in die Häuser tragen. Dabei sammeln sie für bedürftige Kinder. Sie schenken freie Zeit diesen Kindern. Sie dienen damit dem, der unsere Erfüllung ist, der das Ziel unseres Lebens ist, der uns Heil schenkt. Sie dienen dem Kind in der Krippe, Jesus.
Die Erzählung von den Weisen aus dem Morgenland ist eine Weggeschichte, die von 'Suchen und Finden erzählt. Sie lädt uns ein, in vielen kleinen Schritten den Weg der Heiligen Drei Könige zu gehen.
Dieses ältere Weihnachtsfest „Erscheinung des Herrn“ fasst sehr intensiv adventliche und weihnachtliche Botschaften in erzählender Theologie zusammen. Sie begleitet uns aufleuchtend durch das ganze Jahr. „Es zieh'n aus weiter Ferne drei Könige einher. Sie fragten wo zur Stunde Christus geboren wär'.“
Was haben wir mit den „Drei Königen“, den „magoi“, den Weisen aus dem Morgenland gemeinsam? Wir erleben Menschen, die als Fragende und Suchende auf dem Weg sind. Somit ist auch unsere Situation angesprochen. Viele Menschen sind als Fragende und Suchende unterwegs nach dem Sinn des Lebens, nach Glückserfüllung und innerem Frieden- keine „Friedhöflichkeiten“ (Ausdruck von Karl Kraus), die alle Probleme unter den Teppich kehren bis eine unübersehbare Hügellandschaft entsteht.
Gefragt ist auch nicht ein praktiziertes Christentum, das zur Routine verkommen ist und sinnentleert wird, weil man gar nicht mehr versteht, was man feiert, was uns die biblischen Texte vermitteln wollen. Was gegenwärtig deutlich spürbar und statistisch nachgewiesen wird, finden wir schon in der Heiligen Schrift angedeutet: „Er (Jesus / Sohn Gottes) war in der Welt … aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ (Joh 1,10-11).
Das hat verschiedene Gründe, die Sie alle gut kennen, angefangen von Versagen, leider auch in den Reihen der Kirche, bis hin zu der Tatsache, dass wir zu wenig, sehr schlecht oder überhaupt nicht über unseren Glauben Auskunft geben können. Dann folgt das große Gejammer, wie sehr das Christentum zu verdunsten droht.
In dieser Johannes- Stelle finden wir aber auch das tröstliche Wort: „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben“ (Joh 1,13). „Gab er Macht Kinder Gottes zu werden“, heißt Gott ähnlich werden durch Glauben und Werke.
Wer sich intensiv mit der Bibel beschäftigt, wird dahinterkommen, dass der Glaube erst durch die Werke lebendig wird. Das tun diese „Drei Könige“, die magoi. Sie bringen Geschenke. Wir haben das am Heiligen Abend oder vielleicht auch noch Tage danach getan. Diese Gaben müssen nicht protzig oder prestigeträchtig sein. Das kostbarste Geschenk, das wir an andere weitergeben können, ist Zeit zu verschenken: Glaube durch Werke- ein biblischer Grundsatz.
Die „Drei Könige“ kommen kulturell aus verschiedenen Weltgegenden. In der heutigen Zeit, im Zeitalter der Globalisierung, gehen Menschen sehr unterschiedliche Lebenswege und doch gibt es das gemeinsame Ziel: die Sehnsucht nach sinnerfülltem Leben bis über den Tod hinaus. Auch in diesen „Drei Königen“ steckt die Sehnsucht Gott zu schauen / Jesus zu sehen. Dabei spielen Alter, Sprache, Unterschiedlichkeiten in der Kultur, in sozialen Gliederungen als Familienmitglieder, in Beruf und Ausbildung keine Rolle.
Die Magier aus dem Osten lernten: Jesus ist nicht bei den Mächtigen zu finden, sondern bei denen ohne Macht. Für die Ohnmächtigen dieser Welt sammeln zehntausende Mädchen und Buben in den Pfarren Österreichs und Europas als „Heilige Drei Könige“, oftmals sogar viel mehr als nur drei liebenswerte Königinnen und Könige, die viel von ihrer Freizeit opfern, um Menschen anderswo ihre bittere Not zu lindern. Sie bringen so auf ihre Art ein Licht- ein Strahlen in die Augen der Hilfsbedürftigen.
Herodes und manche Mächtige heute in Politik, Bankwesen, Wirtschaft und Kirche bis hinunter in kleine Bereiche sind mit allen Wassern gewaschen, wenn es um Profit, Karriere oder sonstige Eigeninteressen geht. „Bei euch soll es nicht so sein“, lesen wir bei Mk 10,43, wo Jesus zu seinen Jüngern über Dienen und Herrschen spricht. Die neue Bibelübersetzung verharmlost hier, es muss viel schärfer und genauer heißen: „Bei euch i s t es nicht so“.
Die Könige und wir Menschen, ausgestattet mit dem Geschenk und der königlichen Würde der Taufe, sind Suchende, um Gott zu finden. Karl Rahner (1904-1984) bringt es auf den Punkt: „Gott kann uns tausend Schritte entgegengehen, aber den einen zu ihm hin, den müssen wir selber gehen. Der Glaubensweg auch eines Christen ist immer ein Weg der kleinen Schritte, weg vom Kinderglauben hin zu einer persönlichen Überzeugung.“
So wünsche ich Ihnen: Gehen Sie ins Jahr 2019 von heute an in Gedanken, Worten und in ihrem Handeln in vielen kleinen Schritten diesen Weg der „Drei Könige“ mit, um das Reich Gottes schon jetzt und hier noch besser sichtbar zu machen als dies bisher geschehen ist.
Die Erzählung von den drei Sterndeutern aus dem Morgenland stellt uns suchende Menschen vor, die leicht als Phantasten abgetan werden können. Gerade sie machen eine entscheidende Entdeckung. Sie finden den Messias. Menschen wie sie öffnen uns den Blick für die Weite und Tiefe unserer menschlichen Existenz.
Junge Leute, die vor der Wahl eines Studiums stehen, haben es nicht leicht, sich zu entscheiden. Manche sind sich noch nicht klar, was ihnen liegt, welches Fach ihnen Freude machen könnte. Es gibt Studienrichtungen, die zwar interessant wären, aber nur wenige Berufsmöglichkeiten eröffnen. Realisten achten von Anfang an darauf, einem Studium nachzugehen, deren Absolventen auf dem Berufsmarkt gefragt sind. Schwerer haben es Leute, die sich für Grundlagenforschung entscheiden oder für ein sog. Orchideenfach interessieren. Diese scheinen zunächst oft nutzlos oder bieten nur geringe Berufsmöglichkeiten. Institute, an denen sie gelehrt werden, müssen ständig um ihre Finanzierung bangen. In ihrer Gesamtheit zeigen sie aber den Reichtum des Wissens, das gepflegt und weitergegeben werden sollte. Eine Gesellschaft muss froh sein, dass es Phantasten gibt, die sich damit befassen.
Im Evangelien begegneten uns heute drei Phantasten. Sie beschäftigen sich mit Sternen und ihrer Bedeutung für die Menschheit. In ihrer Neugier verfolgen sie eine Spur, für die ein halbwegs realistischer Mensch weder Zeit noch Geld investieren würde. Sie nehmen sogar die Strapazen einer langen Reise auf sich. Auf ihrem Weg begegnen sie einem Politiker, der vor allem daran interessiert ist, was deren Theorien für seinen Machterhalt bedeuten könnten. Weiters begegnen sie Verwaltern alter religiöser Überlieferungen, deren Tätigkeit ähnlich exotisch ist wie ihre eigene Wissenschaft. Aber immerhin bekommen sie von diesen einen kryptischen Tipp, der ihnen weiterhilft. Schließlich landen sie bei einem Stall mit einem Neugeborenen und dessen Eltern. Und hier sind sie sich gewiss, das Gesuchte gefunden zu haben.
Es ist eine phantastische und zugleich realistische Geschichte, die uns da erzählt wird: Die Sehnsucht, etwas für die ganze Menschheit Bedeutungsvolles zu entdecken treibt seit jeher wissensdurstige und wache Geister aus allen Völkern. Einigen von ihnen gelingt es, die Mosaiksteine ihrer Erkenntnisse so zusammenzufügen, dass sie eine neue, tiefere Sicht großer Zusammenhänge ermöglichen.
Religiöse Menschen werden von den sog. Realisten wegen ihres ruhelosen Suchens oft belächelt. Wozu nützt ihr Wissen oder das, was sie zu wissen meinen? Kann man ihre Wissenschaft überhaupt ernst nehmen? Die wissenschaftliche Theologie wird von vielen als Orchideenfach betrachtet, das für das praktische Leben wenig hergibt.
Historisch betrachtet hat es die drei Sterndeuter so, wie sie in dieser Geschichte beschrieben werden, vielleicht nie gegeben. Sehr wohl aber verkörpern sie Menschen, die sich mit handfestem und offensichtlich nützlichem Wissen nicht zufriedengeben und ruhelos die tieferen Zusammenhänge unseres Daseins zu ergründen suchen. Ruheloses Suchen ist die Triebfeder der Wissenschaften und vieler anderer Lebensbereiche, auch der Theologie. Die drei Sterndeuter vertreten aber auch jene Menschen, die zur Erkenntnis gelangt sind, dass in Jesus von Nazareth der tiefere Sinn unserer Existenz sichtbar geworden ist. Sie sind Phantasten und Realisten zugleich.
Die kirchliche Tradition sieht in den Sterndeutern die Gottsucher, die es in allen Völkern und Religionen gibt, Menschen, die nicht müde werden, das Geheimnis des Göttlichen immer tiefer zu verstehen. Die Kirche zeigt im Fest der »Erscheinung des Herrn« oder »der heiligen drei Könige«, wie es im Volksmund heißt, ihre Hochachtung vor allen Menschen, die aufrichtig Gott suchen und damit auch ihre Wertschätzung anderer Religionen, mit denen sie sich im Suchen nach Gott verbunden weiß.
In diesen Tagen gehen Kinder als Sternsinger, bzw. als die heiligen drei Könige von Haus zu Haus, um den Menschen die Ankunft des Messias zu verkünden. Dabei sammeln sie Geld für Entwicklungshilfeprojekte in armen Ländern. Auch sie sind Phantasten und Realisten zugleich. Sie wollen etwas zur Verbesserung der Welt beitragen. Kindern lassen wir die Freiheit, sich mit Ideen zu beschäftigen, die in unserer realitätsbewussten Welt nur am Rande Platz haben. Sie lehren uns, über den Tellerrand unserer selbst auferlegten Wahrnehmungsbeschränkungen und über scheinbare Sachzwänge hinauszuschauen. Sie öffnen den Blick für die Weite und Tiefe unserer menschlichen Existenz, für die wir in unserem Alltag so wenig Platz haben.
Matthäus erzählt von Sterndeutern, die den neugeborenen König der Juden suchen, von Herodes, der diesen fürchtet, von Menschen, die einen neuen König ersehnen, unter dem Gerechtigkeit und Frieden blühen. Der Prophet sieht in ferner Zukunft eine neue Zeit anbrechen. In Jesus ist diese erschienen.
Sterndeuter kommen aus dem Land, in dem die Sonne aufgeht, und dem König rutscht das Herz in die Hose. Wer Heil und Unheil in den Sternen lesen kann, ihre Sprache versteht und ihnen die letzten Geheimnisse entreißt, der weiß, was kommt.
Herodes hat Angst! Eine panische Angst, jemand könne ihm seine Herrschaft streitig machen oder seine Verdienste schmälern. Sogar Familienangehörige hat er umbringen lassen. Aus Angst. Zimperlich ist Herodes nicht. Ein Machtmensch durch und durch. Mit markigen Worten und Taten weiß er, seine Schwächen gekonnt zu überspielen. Niemand sollte an seiner Größe zweifeln. Seine Leidenschaft sind tolle Bauwerke. Eines größer und schöner als das andere. Prunkstück: der neue Tempel von Jerusalem. Doch: Herodes sieht überall Feinde. Er sieht sich – gefühlt – umzingelt.
Jetzt kommen Sterndeuter aus dem Land, in dem die Sonne aufgeht … und dem König rutscht das Herz in die Hose. Herodes, genannt »der Große«!
Im 72. Psalm wird ein Wunsch formuliert, eine Sehnsucht, eine Bitte:
Verleih dein Richteramt, o Gott, dem König,
dem Königssohn gib dein gerechtes Walten!
Er regiere dein Volk in Gerechtigkeit
und deine Armen durch rechtes Urteil.
Die Gerechtigkeit blühe auf in seinen Tagen
und großer Friede, bis der Mond nicht mehr da ist.
Er herrsche von Meer zu Meer,
vom Strom bis an die Enden der Erde.
Von einer Herrschaft ist die Rede, die durch Gerechtigkeit und Recht gekennzeichnet ist. Gerade die kleinen Leute, die Armen, sollen geschützt werden vor Ausbeutung und Rechtlosigkeit. Von einem großen Frieden ist die Rede – „bis der Mond nicht mehr da ist“ – also grenzenlos. Die ganze Welt soll in diesem Frieden zur Ruhe kommen und aufleben. „Bis an die Enden der Erde“. Eine Vision, die alles sprengt, was Menschen kennen – und eben auch erleiden.
Was blüht denn? Gerechtigkeit? Frieden? Wir sehen und spüren Hass, Vorurteile und Ängste. Neue Grenzen werden gezogen. Menschen riegeln sich ab.
Darum bitten wir auch noch heute:
Verleih dein Richteramt, o Gott, dem König,
dem Königssohn gib dein gerechtes Walten!
Er regiere dein Volk in Gerechtigkeit
und deine Armen durch rechtes Urteil.
In diesen Worten drückt sich etwas aus: So möchte Gott – dass regiert wird. Das ist Vorgabe und Verheißung. Mehr noch: das ist das Maß, an dem alle menschliche Regierungskunst gemessen und beurteilt wird. Es geht um Gottes Volk! Um seine Menschen! Seine Schöpfung! Soviel Klarheit muss sein. Verstecken gilt nicht. Ein Stern leuchtet!
Ein Stern ist aufgegangen. Der berühmte Komet? Ich weiß nicht viel. Nicht einmal, wie dieser eine Stern unter den vielen anderen zu entdecken war. Noch weniger, wie man ihm folgen kann. Aber dieser eine Stern ist wie ein Bote aus der anderen Welt. Ein Licht! Ein Weg! Ein Traum! Jetzt ist die Aufregung in Jerusalem groß. Herodes, besorgt, spielt den klugen Staatsmann. Er beraumt eine Sitzung ein. Berater braucht er auch. Fachleute, die etwas von Sternen und Schriften verstehen.
Du, Betlehem im Gebiet von Juda,
bist keineswegs die unbedeutendste
unter den führenden Städten von Juda;
denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen,
der Hirt meines Volkes Israel
So steht es geschrieben! So kann es jeder lesen. Es ist kein Herrschaftswissen, kein Geheimwissen, kein Expertenwissen.
Gott schenkt seinem Volk, Gott schenkt den Menschen einen guten Hirten! Bethlehem ist zwar nur ein Nest, aber Gott fängt seine große Geschichte mit Menschen da an, wo nichts groß, nichts bedeutend ist. Ein neuer Stil, ein neuer Weg: Gott macht sich klein, Gott wird klein! Bethlehem passt zu ihm und das kommt in Jerusalem an. Da, wo die Herren sitzen. Und beraten. Ein Stern hat alles durcheinander gebracht. Oder ist auf einmal zu viel Licht – in der Welt, die das Dunkle zu gerne auch professionell inszeniert? Machtansprüche, Machtmissbrauch – hell erleuchtet. Angst, Angstmache – hell erleuchtet. Ein Stern ist aufgegangen. Eine neue Zeit beginnt. Ein neues Denken. Ein neues Vertrauen.
Wagen wir einen Blick zurück! Der Prophet Jesaja spricht in dunkler, dunkelster Zeit von einem Licht, das aufgeht:
Auf, werde licht, Jerusalem,
denn es kommt dein Licht,
und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir.
Denn siehe,
Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker,
doch über dir geht leuchtend der Herr auf,
seine Herrlichkeit erscheint über dir.
Völker wandern zu deinem Licht
und Könige zu deinem strahlenden Glanz.
Jesaja sieht – ungeachtet aller Bedrohungen und Ängste – die Welt in Bewegung. Wohin bewegen sich Menschen und Völker? Sie bewegen sich zum Licht! Sie brechen auf aus dem Finsteren!
Das ist ein Blick, der sich nicht von selbst versteht.
Ein junger Mann, der seit Langem im Ausland lebt, erzählt bei seinem Heimatbesuch, dass ihm bei uns das Negative auffällt und stört. Terroristen und Ausländer werden in eine Topf geworfen, in den Medien wird das Bedrohliche betont, viele tun so, als seien sie nur die Opfer weltpolitischer Verwicklungen. Feindbilder werden gepflegt und geschaffen. Überall: Krise. Krisenstimmung.
Wenn dieser Eindruck stimmt, gehen Menschen in die Finsternis und verharren in ihr; von Aufbruch keine Rede!
Allen Unkenrufen zum Trotz werden aber aus Ausländern Nachbarn, aus Fremden Bekannte, vielleicht sogar Freunde. Gegen die vielen Vorurteile, die ihm virtuellen Netz viele Menschen gefangen nehmen (was übrigens Eigenschaft eines Netzes ist!), macht sich Widerstand breit. Viele Menschen ahnen, dass wir keine Zukunft haben, wenn wir Ängste kultivieren und Grenzen ziehen. Dass wir große Herausforderungen zu bewältigen haben in einer Welt, die durchlässig ist für Tourismus wie für Terrorismus, für Begegnung wie für Krieg, ist allen klar – wir brauchen dafür einen Stern! Ist der nicht aufgegangen?
Jesaja sieht die Völker, die Menschen aufbrechen.
Alle kommen von Saba,
bringen Weihrauch und Gold
und verkünden die ruhmreichen Taten des Herrn.
Das sind die Schätze, die dem neugeborenen König geschenkt werden. Auch wenn es jetzt keine Könige sind, nur Sterndeuter: Sie sehen das Kind und Maria, seine Mutter. Der Evangelist unterstreicht: sie sehen! Sie fallen nieder, sie beten an. Sie schenken: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Die großen Gaben der Welt.
Menschen haben immer schon darüber nachgedacht, wofür Gold, Weihrauch und Myrrhe stehen. Es sind wertvolle Handelsgüter und Staatsschätze. Aber mehr noch: sie stehen für unsere Hoffnungen, für unsere Herzen. Wir bringen uns mit. Unsere Geschichten und Träume, unsere Ängste und Bedenken, unsere Zweifel und unseren Mut. Das beste von uns: unser Leben. Materielle Güter passen nicht gut zu der Krippe. Was soll ein Kind auch mit Gold, Weihrauch und Myrrhe? Aber wir können ihm unsere Liebe schenken und allen Kindern eine Hoffnung geben. Goldgleich! Mehr als Gold! Ruhmreich sind die Taten des Herrn! Eine Welt im Licht. Eine Welt ohne Angst.
Wir nennen unser Fest heute „Fest der Erscheinung des Herren“. Unser Herr kennt viele Möglichkeiten, bei uns zu erscheinen. Manchmal möchten wir ihn zensieren. Wir möchten, dass er nach unseren Vorstellungen kommt und geht. Aber da sei Herodes vor: Uns soll das Herz nicht in die Hose rutschen, wenn die Sterndeuter kommen.
Sternsinger sind heute auch wieder unterwegs. Folgen wir dem Stern! Wir finden ein Kind. Und dann haben wir etwas zu erzählen!
Und der Friede Gottes,
er höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Jesus ist der Messias für Juden wie auch für Nichtjuden. Die Sterndeuter sind Heiden und kommen von weit her, um den neugeborenen Messias zu suchen und mit ihm in Kontakt zu kommen. Die Juden haben die Verheißung, wissen, wo er zu finden wäre, suchen und finden ihn jedoch nicht. Die Erzählung lädt auch uns ein, den Messias zu suchen, zu finden und ihm zu huldigen.
Von den vier Evangelisten berichtet nur Matthäus die Geschichte von den drei Sterndeutern, die im fernen Osten aufbrachen, um den neugeborenen König der Juden, den Messias, zu suchen, um ihm zu huldigen. Was bewegt den Evangelisten zu seinem Bericht?
Matthäus schreibt sein Evangelium für Gemeinden, die sich aus Judenchristen und Heidenchristen zusammensetzten. Zwischen beiden Gruppen gab es gelegentlich heftigen Streit. Die Judenchristen waren sehr geprägt von ihrem mitgebrachten Glauben. So hielten sie gern daran fest: Der Messias ist der Messias des auserwählten Volkes. Um an ihm Anteil zu erhalten, forderten viele Judenchristen, die Heiden sollten sich beschneiden lassen, um damit Mitglieder des auserwählten Volkes zu werden. Schon das Apostel-Konzil in den ersten Jahren der jungen Kirche lehnte diese Forderung als nicht notwendig ab, da Jesus sich selbst immer wieder als der Messias für alle offenbart hatte.
Um den Zwist in manchen Gemeinden zu entschärfen, kam dem Evangelisten die nach den Aussagen der Bibelwissenschaftler wohl bereits im Umlauf befindliche Erzählung von den Sterndeutern gerade recht, um sie für sein Anliegen zu nutzen.
Matthäus setzt bei Gott und seinem hintergründigen Wirken in Bezug auf den Messias an. Als Erstes hatte Gott durch die Propheten einen kommenden Messias für Israel verkünden lassen. Nächster Schritt: Maria erfährt durch einen himmlischen Boten, dass ihr Kind der Messias und Gottes Sohn ist. Dem zunächst über Maria enttäuschten Josef offenbart Gott durch einen Traum, wie Maria ihr Kind empfangen hat und wer dieses Kind ist. Den Sterndeutern zeigt Gott die Geburt des Messias durch das Erscheinen eines besonderen Sternes an. Dieser lässt die Weisen aufbrechen, um den zu suchen, der nach ihrer Überzeugung für die Welt ein Heilbringer sein musste. Denn sobald sie das Kind gefunden hatten, knieten sie vor ihm nieder. Matthäus zeigt den Gläubigen auf, wie sehr Gott immer wieder und Schritt für Schritt seine Hand im Spiel hat. Denn noch bevor Jesus sich offenbaren kann, hat Gott bereits Sorge dafür getragen, dass alle, die es sehen wollen, erkennen können: Der vom Heiligen Geist Gezeugte ist der Messias und ein Heiland für alle Völker.
Der Streit darum, ob der Messias allein dem auserwählten Volk gehört oder nicht, ist unnütz. Die Stammväter Israels erhielten als Erste die Verheißung eines kommenden Messias. Das ist unstrittig. Die Sterndeuter benötigen sogar Auskunft aus den Verheißungen des Alten Testamentes, um den Geburtsort des Kindes zu finden. Die an Israel ergangene Botschaft ist neben dem Stern ein notwendiger Wegweiser für die Sterndeuter, die Heiden. Doch Gott offenbart sich nicht nur Israel; auch die Heiden werden schon sehr früh in das Heilshandeln Gottes einbezogen. Ein Gegeneinander ist also unsinnig und gegen Gottes Willen.
Für ein zweites Anliegen, das Matthäus ansprechen möchte, kam der Bericht von den drei Sterndeutern dem Evangelisten sehr gelegen. Der Stern, den die Weisen hatten aufgehen sehen und der sie nach Israel geführt hatte, verschwand offensichtlich beim Betreten des Landes. Da die Sterndeuter sich nicht vorstellen können, dass der neugeborene Heilbringer in einem unbekannten Dörfchen zur Welt gekommen sein sollte, ziehen sie zur Hauptstadt des Landes an den dortigen Königshof. Es war ja nur logisch, den neugeborenen König im Königspalast zu suchen.
Aber anstelle von Freude und Jubel bricht dort bei dem Bericht der Sterndeuter Erschrecken und Panik aus. Die herbeigerufenen Hohepriester und Schriftgelehrten können über den Geburtsort des Messias sofort Auskunft geben: Betlehem im Lande Judäa. Und nun kommt, worauf Matthäus hinaus will.
Es wäre zu verstehen, dass die Schriftgelehrten im Beisein des Herodes nicht in Jubel ausbrechen aus Angst vor diesem Tyrannen. Aber offensichtlich ist das nicht der eigentliche Grund fehlender Freude und dem Ausbleiben jeglichen Jubels. Es ist deutlich zu spüren: Keiner der Schriftgelehrten scheint innerlich davon berührt zu sein, dass Männer aus dem fernen Osten kommen, um dem erschienenen Messias zu huldigen. Keiner von ihnen kommt auf die Idee, sich zu fragen: Sind diese Sterndeuter und ihr Eintreffen am Königshof ein Zeichen des Himmels für uns und unser Volk? Stumm, steif, unbeweglich, kalt lässt sie alles, was sie erleben und erfahren. Keiner von ihnen erkundigt sich heimlich genauer bei den Sterndeutern. Keiner von ihnen schleicht sich unbemerkt nach Betlehem, um dem Messias persönlich zu begegnen – sollte es wahr sein, dass er geboren wurde. Betlehem ist schließlich nur sechs Kilometer von Jerusalem entfernt.
Es bedarf keines ausdrücklichen Hinweises durch den Evangelisten, um sein Anliegen zu erspüren. Matthäus will betonen: Um in die Nähe von Christus zu kommen, muss man auch aufbrechen, sich auf den Weg machen. Was nützt es, den Geburtsort des Messias genau zu kennen, nur sechs Kilometer entfernt von ihm zu wohnen und zu leben, wenn jeglicher Aufbruch zu ihm unterbleibt.
So möchte Matthäus die Gläubigen in den Gemeinden anregen, sich zu fragen: Begnüge ich mich damit, über Jesus etwas oder viel zu wissen? Wie sieht es mit meinem Aufbrechen zu ihm hin aus?
Christus will sich auch heute finden lassen unter den Kleinen, Armen, Geringen, Ausgegrenzten, Unbeachteten, von Verfolgung Bedrohten. Wie tief neigen wir uns zu ihnen hinab? Und vergessen wir nicht, den Sterndeutern gleich unsere Schätze an Liebe, Freundlichkeit, Wohlwollen und Hilfsbereitschaft mitzunehmen.
Mit Hilfe der Sterndeuter-Erzählung möchte Matthäus den Gläubigen mit auf den Weg geben: Unterlasst das Rangeln, wer die besseren Christen sind. Schaut auf die Zeichen, die Anrufe, die an jeweils jeden einzelnen ergehen, um den Weg zu sehen, der in die Nähe des Erlösers führt. Dann brecht aber auch auf, am besten immer neu und immer wieder. Kein Weg soll euch zu lang oder zu beschwerlich sein.
Ohne es auch nur mit einem Wort zu erwähnen, ist der Evangelist davon überzeugt: Jeder, der bei Christus angekommen ist und seine Liebe betrachtet, wird wie die Sterndeuter das Knie vor ihm beugen, ihm huldigen und beglückt danken: in persönlichen stillen Gebeten und mit jubelnden Liedern – allein oder in gemeinsamen Feiern mit der ganzen Gemeinde.
Die Sterndeuter aus dem Morgenland stehen für alle Menschen, die Gott suchen. Gott lässt uns nicht gleich den ganzen Weg sehen, sondern schickt uns einen Stern für den nächsten Schritt. Auch wir können für andere zum Stern werden.
Wir Menschen sind auf der Suche. Wir haben in uns eine Kraft, die nach dem Sinn sucht. Heute geht es um Sinnsucher, besser Gottsucher. Drei Weise aus dem Ausland Israels, tief aus dem Osten, dort wo die Sonne herkommt, brechen auf. Ein Stern lenkt sie. Sie müssen nach Jerusalem. Sie müssen die Vision des Jesaja verwirklichen, dass aus allen Nationen die Menschen nach Sion kommen, um den Gott Israels anzubeten.
Vor 2½ Jahren fragte mich ein Iraner, der als Asylsuchender in der Nähe unseres Klosters lebte, ob er katholisch werden könne. Ich durfte ihm Taufunterricht geben. Es stellte sich heraus, dass seine Heimat die persische Stadt Hamadan im Westen des Iran ist. Diese Stadt hat eine viertausendjährige Geschichte. Früher soll sie Ekbatana geheißen haben, die Hauptstadt des Mederreiches. Dort hatte sich ein Zentrum für Weisheit, Forschung und Astronomie gebildet. Der Überlieferung nach brachen hier die sogenannten „Magier aus dem Osten“, wie sie die Bibel nennt, auf.
Als der Taufbewerber zur Taufe kam, sagte ich ihm: „Du kommst, um den Herrn aller Herren zu finden, wie vor 2000 Jahren die weisen Forscher aus Deiner Heimat. Sie hatten einen außerordentlichen Stern, der sie führte. Und in Jerusalem gab ihnen die Schrift, das Wort Gottes Auskunft: „Du Bethlehem, aus Dir wird der Hirt, meines Volks Israel hervorgehen“. Du kommst als Taufbewerber, gedrängt von den Erfahrungen der Christen in deiner Heimat und erfüllt vom Wort Gottes, das dir Licht gibt. Halte dich dein Leben lang an das Wort Gottes, es wird dir immer Mut machen, glaube an den dich unendlich liebenden Vater“.
Der verstorbene Bischof Klaus Hemmerle erzählte: Ich hatte als junger Mensch ein Problem, von dem ich nicht wusste, wie ich es lösen sollte. Ich betete, machte eine Wallfahrt und schließlich verstand ich: „Mein Problem ist nicht sofort lösbar, aber ich bekomme so viel Licht, einen Stern, der mir hilft, den nächsten einen Schritt zu tun. Doch gleich um alle Ecken kann ich nicht sehen. Es genügt, einen Schritt zu tun!“
Wir bekommen einen Stern für den nächsten Schritt, einen Schritt des Glaubens. Wir verspüren eine innere Verheißung, die uns ermutigt, weiterzugehen, auch wenn wir das Ziel nicht sehen. Konkret kann das heißen: Ich bleibe dem Ruf Gottes treu: in der Ehe, breche auf aus meinem Misstrauen; glaube im Leid an die Liebe Gottes; sage Ja; bejahe meine Lebenssituation. Da sehe ich vielleicht den Stern nur noch umrisshaft. Das Wort Gottes, ein heller Stern macht mir Mut zur Treue, weil auch Gott treu zu mir steht.
Wenn wir auf das Wort Gottes und unser Inneres achten, werden wir selber durch unser Leben zu strahlenden Sternen für andere. Eine Frau, die viel durchgemacht hatte, schrieb mir in einem Brief: „Die Sterne sind wie Löcher im Himmelsgewölbe, durch die Herrlichkeit Gottes hindurch strahlt.“ Wie so ein Stern möchte ich sein, mich selbst ganz loslassen, damit sein Licht durch mich hindurch ein wenig zu den Menschen in unsere Welt hinein leuchtet.“
In der Rückschau sehe ich, dass Gott mir schon manchen Stern geschickt hat. Das lädt mich ein, dankbar niederzufallen und Danke zu sagen nach dem Vorbild der Waisen. Heute tun wir es gemeinsam in der Messfeier. Und dabei weiß ich und erbitte Gottes Segen dazu: ich darf ein Stern sein, ein Licht, und sei es noch so klein, damit unser Unterwegssein zu Christus gelingt.
Das Fest der »Erscheinung des Herrn« ist eine große Zusammenfassung des Weihnachtsgeheimnisses: die Menschwerdung Gottes in Jesus, das Offenbarwerden Gottes und das Offenbarwerden der Würde der Gotteskindschaft.
Weihnachten ist so populär, dass wir es hier in unseren Breiten gleich zweimal feiern. Das ältere Weihnachtsfest – »Epiphanie des Herrn«, bzw. das Hochfest »Erscheinung des Herrn« führt schon wieder zurück in das Alltagsgeschehen. So gesehen ist es ein Fest im Rückspiegel bevor die Arbeitswelt wieder beginnt; vielleicht auch eine Chance nochmals innezuhalten und zu fragen, wie sich die Zeit vor dem Heiligen Abend und das Fest selber gestaltet hat. Versichern wir einander, wieviel Stress die stillste Zeit wieder gebracht hat oder ob wir im religiösen Bereich wieder einmal „von Besinnung zu Besinnung gehetzt“ sind? Und der Heilige Abend selber: War er wieder ein Fest der Perfektion, verbunden mit Angst, dass Wünsche, Erwartungen nicht erfüllt werden? In der Heiligen Nacht betont die westliche Kirche die Herrlichkeit Gottes im Kind zu Bethlehem als Zeichen unendlicher Liebe zu uns Menschen ohne Unterschied des Geschlechts, der Sprache der Kultur. Weihnachten als Höhepunkt christlicher Ethik, weil Gott selber Mensch geworden ist und er durch sein Leben gezeigt hat, was es heißt, ihm nachzufolgen.
Hier in Wien erleben wir seit zehn Jahren eine andere Perspektive des Weihnachtsfestes, nicht als Konkurrenz, sondern als Bereicherung. Am 6. und 7. Jänner findet die „Große Wasserweihe“ der orthodoxen Kirchen am Donaukanal statt. Dabei wird nicht nur der Geburt und der Erscheinung des Herrn gedacht, sondern auch der Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer. Wir, als Kirche des lateinischen Ritus, feiern dieses Fest erst am kommenden Sonntag.
In der orthodoxen Kirche taucht der Bischof oder der Priester dreimal das Kreuz ins Wasser, womit angedeutet wird, dass durch diese Wasser die ganze Schöpfung gesegnet wird. Alles wird dem Heil und der Liebe Gottes anvertraut.
Im Stundenbuch der katholischen Kirche findet sich zum Fest der „Erscheinung des Herrn“ eine Antiphon (Antwort- oder Wechselgesang), der sehr gut zur „Großen Wasserweihe“ der orthodoxen Kirchen passt: „Drei Wunder heiligen diesen Tag: Heute führte der Stern der Weisen zum Kind in der Krippe. Heute wurde Wasser zu Wein bei der Hochzeit. Heute wurde Christus im Jordan getauft uns zum Heil.“
Auf diese Weise ist das älteste Weihnachtsfest „Erscheinung des Herrn“ mit dem Symbol des Sterns verbunden, der unser Leben begleitet: der Stern als Symbol für Sinn und innere Kraft. Er ist den Magiern aber auch uns Lebensleuchte. „Was dich heute in der Tiefe (durch die Geburt Jesu) berührt, strahlt weit über den Augenblick hinaus.“ (Christine Spilling- Nöker).
Im Volksmund heißt dieser Festtag „Dreikönig“. Mit ihnen und mit dem Weihnachtsfest verbinden wir Geschenke. Das größte Geschenk ist Gott selber. Am Beginn des Jahres fragen wir nach unserer Zukunft, nach unseren Plänen, nach neuen Wegen. Können wir der Zukunft trauen oder wird dieser Stern, der uns führt durch Wolken der Unsicherheit, des Zweifels, der Niedergeschlagenheit, verdunkelt, was auch unsere Glaubenswege beeinflusst?
Dieses Fest nimmt aber, wie schon erwähnt, auch die Taufe in den Blick. Im Sakrament der Taufe erinnert uns bei der Salbung das Bibelwort: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“ (1 Petr.2,9)
Wir bekommen somit in der Taufe als Glieder des Volkes Gottes sehr verantwortungsvolle Aufgaben mit:
König(in) sein heißt mit hoher Menschenwürde ausgezeichnet sein und sie auch dem Nächsten nicht abzusprechen, Ungerechtigkeit im jeweiligen Lebensbereich so gut es geht, zu verhindern, selbstständig denken und handeln, die Notlagen erkennen.
Der Prophet ist ein Verkünder der unter das Wort Gottes gestellt ist, in ihm nimmt das Wort Gottes Gestalt an, er ist nicht abgesichert. Dieser Auftrag verlangt vollen Einsatz, Mut, Klugheit, Zivilcourage.
Priester(in) sein: Die Taufe ist die erste Priesterweihe eines Menschen, wir alle sind Geistliche. Paulus spricht in seinen Briefen sogar von den Heiligen. Es geht darum, eine lebenslange Beziehung zu Gott aufrecht zu erhalten und diese auch sichtbar zu machen. Eine schöne Berufung auch für Pfarrgemeinderäte/-innen.
Weihnachten ein Fest der Zukunft und der Hoffnung. „Sei kein Gefangener deiner Vergangenheit. Werde (mit Gottes Hilfe) zum Architekten der Zukunft“ (Robin Sharma). Darum wünsche ich Ihnen auch, dass Christus Sie und mich wie ein Stern durchs Leben begleitet.
Die Erzählung von den Sterndeutern aus dem Osten hat Künstler in allen Epochen zu üppigen Bildern angeregt. Ihre Bilder haben sich vielen Menschen stärker eingeprägt als der biblische Text selbst. Der Evangelist selbst greift in seiner Erzählung auf biblisches Bildmaterial zurück. Er will uns damit vermitteln: In Jesus haben sich die Worte erfüllt, welche Propheten einst verkündet haben.
Fremde kennt heute wohl jeder und jede in unserem Land. Vielleicht aus den Medien oder als freiwillige Helfer und Helferinnen an den Grenzen, auf den Bahnhöfen, in den Herbergen bzw. Unterkünften, die für die „Fremden“ bereitgestellt wurden.
Fremde, wie die Sterndeuter im heutigen Evangelium, haben in der Kirche eine ganz besondere Entwicklung durchgemacht. Sie wurden zu Königen, sogar mit verheißungsvollen Namen. Uns würden diese „Hl. Drei Könige“ in den Darstellungen der Weihnachtsbotschaft fehlen. Keine „Hl. Drei Könige“ bei der Krippe, keine beim Krippenspiel oder gar am heutigen „Dreikönigstag“, wie er im Volksmund heißt, das ist schwer vorstellbar.
Wie kommt es jedoch, dass die Sterndeuter – also Magier, Astrologen - aus dem Osten eine so erfolgreiche Karriere in unseren Weihnachtsbildern, in den Erzählungen, ja in unserer ganzen Glaubenstradition hinter sich haben?
Es sind die theologischen Anliegen, die Künstler in ihren Bildern versucht haben darzustellen. Der Reichtum an Fantasie kennt keine Grenzen, um außerbiblische und biblische Quellen so zu malen, dass es an eindrucksvollen Szenen nicht fehlt. Der genaue Wortlaut des Textes war dabei nicht immer wichtig. Und die gemalten Bilder erwiesen sich als einprägsamer. Das heutige Evangelium ist da ein Paradebeispiel:
Zwar gibt es drei Gaben: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Aber keine Zahl gibt es bei den Sterndeutern. Und von Königen oder Kamelen ist wörtlich gar keine Rede.
Aber schauen wir beim Evangelist Matthäus nach, welche Bilder er einbindet, die Künstler später zu so üppigen Ausmalungen angeregt haben. Die Quelle für seine „Theologie“ war das Erste Testament. Hier hat er jene Verheißungen gefunden, die auf Jesus und seine Botschaft hin gedeutet werden konnten. So auch im heutigen Evangelium. Im Psalm 72, Vers 10-11 heißt es: „Die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Geschenke, die Könige von Saba und Seba kommen mit ihren Gaben. Alle Könige müssen ihm huldigen, alle Völker ihm dienen.“
Das „Wiederlesen“ so verheißungsvoller Texte aus dem Ersten Testament war eine Hilfe, die Bedeutung Jesu zu vermitteln. Das hat Matthäus in seinem Evangelium gemacht. Die Gaben bringenden Sterndeuter erinnern an den Psalm 72. Ist es da verwunderlich, wenn angesichts der huldigenden Sterndeuter die Vorstellung von Königen entsteht?
In der heutigen Lesung aus dem Prophetenbuch Jesaja heißt es: „Zahllose Kamele bedecken dein Land, Dromedare aus Midian und Efa. Alle kommen von Saba, bringen Weihrauch und Gold und verkünden die ruhmreichen Taten des Herrn.“ Die Gaben Gold und Weihrauch im Evangelium erinnern an Jesaja – und seine Kamele.
Der Hinweis auf den Stern ist wohl aus dem Buch Numeri (23,17) genommen, wo Bileam eine Vision Gottes schildert: „Ich sehe ihn, aber nicht jetzt, ich erblicke ihn, aber nicht in der Nähe: Ein Stern geht in Jakob auf, …“. Die Sterndeuter bei Matthäus gingen nicht direkt auf Bethlehem zu. Sie „irrten“ umher!
Matthäus will den Anhängern des „neuen Weges“ - und so auch uns - mitgeben: In Jesus hat sich das Wort erfüllt, welches die Propheten einst verkündet haben. Was die Propheten im Namen Gottes verheißen haben, klang nach Zukunft, nach Hoffnung auf Frieden, nach Gerechtigkeit für alle. Das dürfen wir heute feiern: Diese verheißungsvolle Zukunft ist Wirklichkeit geworden.
Vielleicht werden auch die, die heute in unserem Land bei uns als Fremde aus dem Nahen Osten „gestrandet“ sind, im Laufe der Geschichte Karriere machen und gar zu königlichen Würden „aufsteigen“. Jesus, der neugeborene König, dem die Sterndeuter huldigen, wird bei Matthäus später sagen „Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen.“ Was wird uns in diesen Fremden wohl noch aufgehen?
Zum Weihnachtsfest 2015 wurde ein Aspekt der Weihnachtsgeschichte besonders aktuell: die Familie auf der Flucht. Dieses Motiv fordert uns heraus zu einem Ja oder Nein. Die Weisen ließen sich von einem Stern leiten, haben die Hindernisse, die ihnen in den Weg gelegt wurden überwunden. Der Stern über Bethlehem lädt uns ein, der Spur Jesu zu folgen.
Ein Aspekt der Weihnachtsgeschichte wurde besonders im Weihnachtsfest 2015 deutlich. Daher ist dieses Evangelium so aktuell: Die Heilige Familie auf der Flucht. Heutzutage erleben auch wir hier in Österreich Menschen auf der Flucht mit Familie, ohne Familie, überwiegend junge Leute. Mitunter ist auch die Flucht vor sich selber zu spüren, wo vieles aus dem seelischen Gleichgewicht geraten ist.
Erschienen ist uns „die Menschenfreundlichkeit Gottes“ (Tit.3,4) Merken wir etwas davon? JA und NEIN:
Ein JA zu den vielen helfenden Händen außerhalb der Institutionen bzw. in Vorfeldorganisationen, in Bahnhöfen, Klöstern, Pfarrhöfen, in Schulen. Geholfen wird überall dort, wo Menschen in der Lage sind und waren durch den Einsatz ihrer Arbeitskraft, durch Geld- und Sachspenden, auch durch das tröstende Wort, durch Zuhören, einfach da sein. Das ist wahre Kirche, Kirche an verschiedensten Orten. - Das ist ein „Herz aus Fleisch“ mit einem „neuen Geist“, wie wir im Buch Ezechiel lesen.
Das NEIN stellt eine Blockade dar wegen vieler Vorurteile, durch Ängste, auch ausgelöst durch Hilflosigkeit, durch politisches Taktieren, durch Ausreden, die im Grunde des Herzens nicht glaubwürdig sind, aber sehr glaubwürdig vorgebracht werden, warum Hilfe auch im kleinen Ausmaß nicht möglich ist, durch Stress und Nervosität, von denen Menschen beinahe aufgefressen werden. – Das ist ein „Herz aus Stein“. Hier fehlt der neue, gute Geist.
Flüchtlinge lassen alles hinter sich, was verwirrt, durcheinander geraten ist, weil sie Hoffnung in die Zukunft setzen, dass sich viel, wenn nicht sogar alles zum Guten wendet. Millionen Menschen fliehen gegenwärtig aufgrund menschenverachtender Politik, aus religiösen Gründen, aus klimatischen Gründen im doppelten Sinn des Wortes: wegen der Erderwärmung mit ihren spürbaren, schwer auszuhaltenden Folgen, aber auch wegen unerträglicher klimatischer Veränderungen im Umgang miteinander, Beziehungsschwierigkeiten, die bis ins Mobbing reichen.
Unter welchem Stern ist heuer unser Weihnachtsfest gestanden? Unter einem guten Stern, der uns an ein sinnvolles Ziel bringt oder ist dieser Stern nicht mehr als ein Irrlicht? Du musst Deinen Kopf heben, Deinen Blick weiten, himmelwärts schauen, Deine Augen an die Dunkelheit gewöhnen, um die Sterne zu sehen und der Stimme Deines Herzens Gehör schenken, so wie es auch die Weisen getan haben. Diese Magier aus der Ferne bringen einen weiten Weg hinter sich; über Hindernisse, etwa über die Machtspiele des Herodes. Sie erreichen das Ziel, das göttliche Kind, mit Hilfe des Sterns von Bethlehem. Auch wir sind eingeladen auf unserem Lebensweg, sicher aber auch mit Hindernissen, diesem Stern von Bethlehem zu folgen und nicht uns von Irrlichtern blenden zu lassen.
Stephanus sieht „den Himmel offen“ (Apg.7,56), der Himmel, eine kosmische Einheit, und wir sind ein Teil davon. Man sieht kein Ende, wo der Himmel aufhört, Anflug von Unendlichkeit, grenzenlos. Ich kann diese Grenze nicht feststellen, weil sie der Horizont setzt. Der Himmel, ein Zeichen unendlicher Liebe. Das will uns auch das Weihnachtsfest sagen, Gott wird Mensch. Wir sind aber in der Liebe, ja in unserem Dasein sehr begrenzt, das spüren wir auch. Oftmals setzen wir uns selber, aber auch anderen gegenüber unnötige Grenzen und behindern so auch unseren Lebensweg und den der anderen und damit auch die Entwicklung im Fortschritt zum Guten.
Weihnachten, immer wieder ein sehr schönes Fest, ein festlicher Rahmen, aber ein aufrüttelnder, unbequemer Inhalt. Schärfen wir den Blick und sehen wir beides: Festliches, Schönes, aber auch die Not und die Unvollkommenheit, um in der Spur Jesu, in seiner Nachfolge zu bleiben, um mit Gottes Hilfe, auch die größten Hürden des Lebens zu schaffen.
Mittlerweile sind wohl schon die meisten Weihnachtsgeschenke ausgepackt und in Gebrach genommen worden, nicht Passendes wurde umgetauscht usw. Das Thema Weihnachtsgeschenke ist damit abgehakt und die meisten sind froh, dass der Stress des Geschenkebesorgens vorläufig ein Ende hat.
Wer jedoch auf die biblischen Weihnachtserzählungen schaut, begegnet erst jetzt, am Ende der Weihnachtszeit dem Motiv des Schenkens. Die Sterndeuter aus dem Osten huldigen dem neugeborenen König der Juden mit Geschenken. Gastgeschenke gehören zum Protokoll von Staatsbesuchen. Und solche Geschenke werden wegen ihrer Symbolträchtigkeit sorgfältig ausgewählt. Die hohen Gäste schenken Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Gold glänzt, sticht ins Auge, ist kostbar, wertbeständig, ein Symbol besonderer Wertschätzung, eines Königs würdig.
Weihrauch duftet "himmlisch", wenn man ihn auf glühende Kohle legt, steigt mit den Gebeten gläubiger Menschen zu Gott auf, ein Symbol göttlicher Verehrung.
Myrrhe war in der Antike ein wichtiges Heilmittel, wirkte desinfizierend und reinigend, es fand darüber hinaus Verwendung beim Einbalsamieren der Toten, ein Symbol der Heilkraft.
Was die Sterndeuter mit diesen Gaben verbanden, können wir nur vermuten. Symbole drücken Bedeutungen aus, die man nur schwer in Worte fassen kann, und lassen dabei vieles offen.
Wenn wir uns den Sterndeutern anschließen und wie sie das göttliche Kind suchen und ihm als unserem König, Herrn und Erlöser unsere Aufwartung machen, stehen auch wir vor der Frage: Was schenken wir ihm und was wollen wir mit unseren Geschenken ausdrücken? Was können wir ihm anstelle von Gold, Weihrauch und Myrrhe schenken? Und wer könnte unsere Gaben in Vertretung des göttlichen Kindes entgegennehmen?
Gold ist relativ einfach zu handhaben. Goldmünzen sind auch heute noch beliebte Geschenke. Man kann sie einfach als Erinnerungsstücke zum "Familenschatz" hinzufügen oder aufheben als Notgroschen. Gerne werden heute aber auch Gutscheine verschenkt oder diskrete Kuverts mit einem Geldbetrag darinnen. Der oder die Beschenkte kann sich dafür etwas nach dem eigenen Geschmack kaufen.
Auch Adressaten, die Gold- oder Geldgeschenke stellvertretend für das göttliche Kind entgegennehmen, lassen sich heute leicht finden. Hat Jesus nicht selbst gesagt "Was ihr einem dieser Geringsten getan habt, habt ihr mir getan"?
Von dieser Form des Schenkens machen auch heute noch viele Menschen Gebrauch: die Sternsinger gehen uns dabei mit gutem Beispiel voraus. In der Vorweihnachtszeit haben viele Organisationen für einen guten Zweck gesammelt; nicht zu vergessen die Aktion »Licht ins Dunkel«...
Immer wieder wird behauptet »Zeit ist Geld«. Zeit ist eines unserer kostbarsten Güter. Wer aus welchen Gründen auch immer sich schwer tut, Geld zu schenken oder gar Gold, könnte ja einmal überlegen, Zeit zu schenken. Dankbare Abnehmer sind Kinder, alte Menschen, Kranke, Menschen, denen niemand zuhört...
Weihrauch steht für göttliche Verehrung. Römische Kaiser verlangten von ihren Untertanen, dass diese zur Anerkennung ihrer göttlichen Autorität ihnen symbolisch Weihrauch opferten. Im übertragenen Sinne streuen wir auch heute bestimmten Personen Weihrauch. Wir huldigen ihnen wegen ihrer sportlichen oder künstlerischen Leistungen. Wir schauen zu ihnen auf, zeichnen sie aus und bereiten ihnen Empfänge. Manchmal opfern wir ihnen auch Geld und Zeit. Wir kaufen Fan-Artikel und lassen es uns etwas kosten, ihnen nahe zu kommen und bei ihren Auftritten dabei zu sein.
Wieviel göttliche Verehrung lassen wir unserem Erlöser Jesus Christus zukommen? Da beginnen wir schnell mit unserer kostbaren Zeit zu knausern und reden uns darauf aus, dass er nicht kleinlich und nicht auf Lobhudelei aus ist. In Sportstadien schreien wir uns die Stimme aus dem Leib, im Gottesdienst bekommen wir den Mund kaum auf... Von ihm zu reden, erzählen, was wir an ihm schätzen, wofür wir ihm dankbar sind, warum wir auf ihn stolz sind, ist den meisten ungewohnt. Da fehlen uns die Worte und religiöse Symbole in der Öffentlichkeit sind uns peinlich.
Myrrhe war die dritte Gabe der Sterndeuter. Diese war damals ein kostbares Heilmittel. Wir können dieses Geschenk als Huldigung für Christus, dem Arzt und heiler gegenüber verstehen, auch als Hinweis auf seinen Tod »um unseres Heiles willen«.
Die Sehnsucht nach ganz-werden, heil-werden, ist nach wie vor groß. Wir haben zwar eine hoch entwickelte Medizin für akute Krankheiten, erleben aber gleichzeitig, dass Heilung tiefer und grundsätzlicher geschehen müsste. Alternative Gesundheitspflege steht hoch im Kurs, die Heilmittel des Glaubens sind jedoch vielen Menschen abhanden gekommen. Seelisches Gleichgewicht durch erfüllte Beziehungen, durch Vergebung und Versöhnung, Entspannung und Ruhe durch Meditation und Gebet wären heilsame Angebote spirituellen und religiösen Lebens. Spiritualität boomt, nur nicht in den Kirchen. Bringen wir das heilsame des christlichen Glaubens genügend zur Geltung? Hier könnten wir Zeichen setzen.
Die Sterndeutet, so haben wir im Evangelium gehört, gingen auf einem anderen Weg nach Hause zurück, um das göttliche Kind, das sie gefunden haben, nicht Herodes auszuliefern. Vielleicht bringt uns das Nachdenken darüber, was wir dem göttlichen Kind schenken könnten, um ihm gebührende Anerkennung zu geben, auch auf neue Wege, wie unsere persönliche Wertschätzung des Erlösers im Alltag sichtbar und spürbar werden könnte.
In der Lesung aus dem Brief an die Christengemeinde von Ephesus (3,3a) sagt der Verfasser: „Mir wurde das Geheimnis Christi mitgeteilt“. Heute feiern wir das Fest der Erscheinung des Herrn, das Fest des Aufleuchtens des Geheimnisses Christi.
Wir feiern aber nicht nur Vergangenes. Wir feiern Gegenwärtiges. So stelle ich an das heutige Evangelium die Frage: Welchen Tipp können uns die Sterndeuter geben, um das Geheimnis Christi zu entdecken? Und an die heutige Lesung stelle ich die Frage: Gibt es einen Ort, an dem man heute das Geheimnis Christi entdecken kann?
Zuerst zum Evangelium (Mt 2,1-12):
Welchen Tipp können uns die Sterndeuter geben, das Geheimnis Christi zu entdecken?
Das heutige Evangelium ist eine Gott lobpreisende Erzählung. In der Erzählung kommen Figuren vor, handelnde Personen. An die Personen der Erzählung stelle ich meine Frage: Welchen Tipp könnt ihr uns geben, das Geheimnis Christi zu entdecken? Die Erzählung ist Evangelium, Botschaft, gute Botschaft! Welche Botschaft wird uns vermittelt? Von den Sterndeutern aus dem Osten, die nach Jerusalem und dann Bethlehem kommen, heißt es: „Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm.“
Woher wissen denn diese Sterndeuter, dass es richtig ist, vor diesem Kind niederzufallen und ihm zu huldigen? Ich denke: Die Sterndeuter sind offene, suchende Menschen. Die Schriftgelehrten, die meinen, schon alles zu wissen, entdecken nicht, dass der da ist, dem man huldigen muss. Die offenen, suchenden Sterndeuter finden ihn. Wenn ich meine, ich hätte schon alles, ich bräuchte nichts mehr, entdecke ich nichts mehr.
Sie gewinnen innerhalb ihres Wissens- und Erfahrungsbereichs eine Erkenntnis, der sie folgen. Wenn man eine Teilerkenntnis hat und ihr folgt, kommt man weiter. Manches erschließt sich mir nur, wenn ich der Spur folge, wenn ich mich in Bewegung setze. Nur die hingegangen sind nach Bethlehem, haben ihn gefunden!
Die Sterndeuter haben zwar nur ein Torso-Wissen, nicht das ganze Wissen. Aber es genügt, um zu finden. Ein Psychotherapeut sagte in einer Gesprächsrunde: „Bei einer guten Therapie genügen 20%... Man gibt einen Anstoß und alles andere bleibt dann in dem Betreffenden zum Wirken.“ In den Sterndeutern ergab das eine das andere. Sie blieben dran. So kamen sie zum Ziel.
Nun zur Lesung aus dem Epheserbrief (3,6):
Wo können wir das Geheimnis Christi entdecken?
Die Heiden, also auch wir Nicht-Juden, sind „Miterben“. Die Heiden, also wir, „gehören zu demselben Leib“.
Ist uns bewusst, was das heißt?
- Wir sind mit den Heiden, den Sterndeutern, die nach Bethlehem kamen, beim Kind.
- Wir gehören zu diesem Kind, zum Messias, zu Christus.
- Wir gehören zu seinem Leib, wir bilden mit den Juden, die ihn annehmen, zusammen einen Leib, seinen Leib!
Die seinen Leib bilden, nennen wir Kirche. Sie ist der Erscheinungsort Christi:
- zum Beispiel hier, in der gottesdienstlichen Versammlung
- zum Beispiel dort, wo sich Christen miteinander um den Frieden bemühen
- zum Beispiel dort, wo lebendige Kirche ist. Wo ist sie? Vielleicht erscheint sie uns armselig, so wie die Krippe von Bethlehem. Die Sterndeuter ließen sich nicht abbringen!
Machen wir es wie die Sterndeuter: Suchen wir! Suchen wir die Kirche von heute, suchen wir die Menschen, die sich im Namen Jesu versammeln! Und wenn wir eine Spur gefunden haben: bleiben wir dran! Es lohnt sich! Amen.
Was Lesung und Evangelium uns heute darstellen, das ist voll mit Bildern und Symbolen. Solche Bilder und Symbole wollen die Tiefendimensionen des Lebens aufdecken. Sie wollen die Wahrheit über unser Leben aufleuchten lassen und hindeuten auf das, worauf es letztlich ankommt. Ich will kurz drei von diesen Bildern und Symbolen herausgreifen und sie etwas näher betrachten.
Da ist zunächst das Licht, dargestellt vor allem im Stern, dem die Könige folgen. Dieser Stern bringt alles in Bewegung und er, allein er, führt zum Ziel. Voll von Symbolik des Lichtes ist auch der Text der Lesung aus dem Propheten Jesaja. Er beginnt mit dem Zuruf: „Auf, werde Licht!“ Wir Menschen sind aufgerufen, herauszutreten aus der Finsternis, die über der Erde und über dem eigenen Leben liegt. Wir sollen dem Licht entgegen gehen. Dieses Licht ist Jesus. Deshalb bleibt der Stern, dem die Könige folgen, stehen über dem Ort, wo Jesus, der menschgewordene Gott, geboren war.
Ein weiteres Symbol ist der Weg. Die Könige machen sich auf den Weg, den der Stern weist. Er ist offensichtlich lang, dieser Weg. „Sie kommen von ferne“, sagt die Lesung. Und es gibt Hindernisse und Bedrohungen. In Jerusalem verlieren die Könige die Orientierung. Sie müssen nachfragen und Herodes ist dem Projekt nicht wohl gesonnen. Der gehört auf die Seite der Finsternis. Aber die Könige lassen sich nicht beirren. Sie gehen den Weg, den der Stern weist bis sie das Ziel gefunden haben.
Am Ziel bringen die Könige ihre Gaben dar. Das ist unser drittes Symbol. Es sind Kostbarkeiten, die von den Königen dargereicht werden. Von „Schätzen der Völker“ spricht die Lesung. Jeder König schenkt die Gabe, die ihm zu Eigen ist und die er für wichtig hält: der Eine Gold, der Andere Weihrauch und der Dritte Myrrhe. In diesem Schenken erfüllt sich die Geschichte von den drei Königen. Sie erfüllt sich in Hingabe und Anbetung und nicht zuletzt in grenzenloser Freude. Es erfüllt sich, was die Lesung prophezeit: „Dein Herz wird vor Freude beben und sich weiten“.
Diese Bilder und Symbole: was sagen sie uns heute? Wie können sie uns heute Wahrheit und Freude vermitteln? Ich will dazu ganz kurz einige Anregungen geben und einige Fragen zum persönlichen Weiterdenken.
Es liegt heute viel Finsternis über der Erde und Dunkel gibt es in jedem Leben. Immer wieder müssen wir erfahren, wie ungewiss unser Leben ist. Wir müssen uns mit Ängsten herumschlagen und oft genug scheitern wir. Wir versuchen herauszukommen aus solcher Finsternis. Wir suchen Licht. Wir suchen nach einem Stern, der uns Orientierung gibt. Nun gibt es vielerlei Sterne und Sternchen. Es gibt nicht nur Licht, sondern auch Irrlichter. Wir kommen nicht daran vorbei, uns immer wieder die Frage zu stellen: wer ist für mich der Stern, der mein Leben leitet und bewegt? Ist es ein Stern, der mich zu Gott führt? Und was tue ich, um im Licht zu leben und selber Licht zu sein?
Jede und jeder von uns ist auf dem Weg seines Lebens, so wie es die drei Könige waren. Auch unser Lebensweg erscheint manchmal lang und hart. Auch da gibt es Irrwege und die Gefahr, die Orientierung zu verlieren. Wo hole ich mir die Kraft, um meinen Weg Tag für Tag zu gehen und nie aufzugeben? Inwiefern lasse ich mich dabei vom Stern leiten, den Gott in meinem eigenen Herzen hat aufleuchten lassen? Lebe ich meinen Glauben? Pflege ich ihn?
Und schließlich: ist mir bewusst, dass das ganze Leben letztlich ein Geschenk ist? Welches sind meine speziellen Gaben und Talente? Nutze ich sie, um sie zum Geschenk zu machen für meine Mitmenschen und so mein eigenes Leben zu bereichern? Lebe ich dankbar? Bin ich dankbar für das Geschenk, das Gott für mich ist?
Wir bringen heute als Geschenk nicht Gold, Weihrauch und Myrrhe. Wir bringen jetzt Brot und Wein als Gaben auf den Altar und mit ihnen alles, was wir sind und haben. Sehr schön bringt das das Lied zum Ausdruck, das so richtig zum heutigen Festtag passt:
„Ich steh an deiner Krippe hier,
o Jesu, du mein Leben.
Ich komme, bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz Seel und Mut, nimm alles hin
und lass Dir´s wohl gefallen“.
Einige von Ihnen waren vielleicht auch schon selbst einmal als Sternsinger unterwegs. Für Kinder gehört dieser Einsatz immer wieder zu den schönsten, aber auch anstrengendsten Diensten: Einige Tage, als König mit dem Sternträger "Trepp-auf Trepp ab" zu gehen.
Ich selbst war auch viele Jahre als Sternsinger unterwegs, als König, als Sternträger, später als Begleiter.
So manches Mal gab es immer wieder den einen oder anderen Wirbel. Es ging um die Frage "welcher König heute", um die Rolle, die Schminke… Sternträger waren insgesamt weniger beliebt. Auch für viele Seelsorger und Seelsorgerinnen bedeutet das Mitgehen mit den Sternsingern eine wichtige Erfahrung; so leicht komme ich nicht in so viele Wohnungen, Geschäfte und Häuser.
Ich denke, die Idee des Sternsingens kann sich sehen lassen. Seit 60 Jahren gehen Kinder und Jugendliche unter dem Dach der Katholischen Jungschar in Österreich zu den Familien, in die Häuser und Wohnungen und bringen ein Segensguss von Weihnachten. Es wird daneben für soziale und pastorale Projekte weltweit gesammelt. Immerhin haben die Sternsinger in Österreich in den sechs Jahrzehnten über 350 Millionen EURO gesammelt.
Die Könige, oder besser gesagt, die Sterndeuter oder Weisen, deren Geschichte wir heute bedenken, bedeuten mehr, als nur eine bloße Ausschmückung des Weihnachtsfestes, des Brauchtums, usw. Die Sterndeuter symbolisieren jeweils bestimmte Menschentypen.
Menschen, die in einer Erwartung leben, von Kindesbeinen an bis ins hohe Alter, Menschen, die auf der Spur bleiben wollen im Leben, Menschen, die das Höhere, den Sinn des Lebens, Gott selbst suchen, und schließlich symbolisieren die Sterndeuter auch die sog. Heiden, also Menschen, die nicht zum Volk Israel gehören,…
In unserer gegenwärtigen Zeit symbolisieren sie Menschen auf der ganzen Welt, die nach dem Guten, nach dem Wahren, vielleicht auch nach dem Glück, sowie nach dem Ursprung und den Zielen des Lebens Ausschau halten. Sie symbolisieren auch Menschen, die über Gott, den Grund und die Ursache dieser Welt nachzusinnen bereit sind. Ich denke, solche Menschen finden wir viele: In allen Religionen, Kulturen, mit verschiedener Hautfarbe, politischer Überzeugung oder auch Lebensweise und in jeder Epoche der Menschheitsgeschichte.
Ich möchte heute aber einen ganz speziellen "Sternsucher" in diese Predigtgedanken holen. Einen, der selbst den Stern des Lebens - seines Lebens - suchte und fand. Daraus Konsequenzen zog und sich auf dem Weg machte: Den Heiligen Johannes Nepomuk Neumann. Sein Fest wurde gestern am 5. Jänner gefeiert.
Johannes wurde als Sudetendeutscher Anfang des 19. Jahrhunderts im Böhmerwald geboren. Er wollte Priester werden und trat ins Priesterseminar in Budweis ein. Damals, in der 1. Hälfte des 19. Jahrhundertss, waren die Priesterseminare anders als heute voll von Studenten. Aussichten auf baldige pastorale Einsätze hatten sie nicht. Es gab zu viele Pfarrer, Kapläne und Vikare.
Anlässlich eines Besuches eines Bischofs aus Amerika im Seminar reifte ihn ihm mehr und mehr der Wunsch, selbst nach Amerika zu gehen. In die USA kamen damals Jahr für Jahr zehntausende Einwanderer; viele aus den deutschen Gebieten Europas. Es gab dort fast keine Seelsorger, also eine große Not.
In Johannes reifte der Entschluss, seinem neuen Stern zu folgen, die Heimat zu verlassen und ganz neu zu beginnen, in Amerika, als einer der vielen Einwanderer. Noch vor der Priesterweihe - und gegen den Willen seines Vaters - ließ er sich nach Amerika einschiffen und traf in New York ein. Dort stellte er sich dem Bischof vor und wurde kurze Zeit später zum Priester geweiht. Darauf entsandte man ihn alleine in das Gebiet der Niagara-Fälle. Dort siedelten viele deutschstämmige Familien an. Innerhalb von 3 Jahren gründete dieser junge Priester aus dem Böhmerwald unter schwierigsten Bedingungen 17 kleine Holzkirchen und Gemeinden.
Er suchte seinen Stern weiter: Bei den Verlassenen, bei den Armen, bei den vielen, die auch ihre Existenz erst aufbauen mussten. Wie viel wert war da ein Priester, der sie verstand, der ihnen beistand, nicht nur geistlich, sondern auch ganz praktisch und in rechtlichen Fragen, oder in der Förderung einer Grundbildung für die Kinder.
Sein Einsatz brachte ihn sehr schnell und oft an den Rand des Grabes. Die Gesundheit verschlechterte sich Monat für Monat. In dieser Zeit traf er auf die Ordensgemeinschaft der Redemptoristen, die seit einigen Jahren auch in Amerika wirkte, gegründet von Wien aus.
In dieser Gemeinschaft, fand er seinen Stern wieder und traf den Entschluss, selbst in diesen Orden einzutreten. "Nicht mehr allein wirken zu müssen, sondern gemeinsam", eine wichtige Erkenntnis.
Nach dem Noviziat wurde er sogleich Pfarrer in Baltimore, Studentenpräfekt, Rektor, Beichtpriester, Missionar und später ab 1848 Provinzial der amerikanischen Redemptoristen.
Sein "Sternesuchen" ging auch auf andere Personen über. So auch auf Franz Xaver Seelos, einem jungen Redemptoristen aus Füssen in Bayern, der mehrere Jahre sein Vikar war. Auch er war engagiert und wirkte mit viel Empathie für die Menschen, immer unterwegs und ein Apostel im Sinne des hl. Klemens Maria Hofbauer, des "zweiten Gründers" der Redemptoristen, der 1820 in Wien verstarb. Im Jahre 2000 wurde Franz Xaver Seelos seliggesprochen.
Johannes N. Neumann wurde 1852 Bischof von Philadelphia, der damals zweitgrößten Stadt in den USA. In seiner Zeit als Bischof gründete er über 120 Schulen - er gilt als Begründer der amerikanischen Pfarrschulen bis hin zu den späteren Universitäten - eine Schwesterngemeinschaft, er schrieb mehrere kleine Katechismen, er blieb engagiert für die Botschaft Jesus Christi; ein Vollblutmissionar.
Mit 49 Jahren schon starb er 1860. Er brach auf dem Weg von einem Gespräch bei einem Notar auf der Straße zusammen. Der Ruf nach Heiligkeit des kleinen Bischofs setze nach seinem Tod sofort ein. Johannes Neumann wurde 1975 von Papst Paul VI. heiliggesprochen.
Dieser Mann hatte seinen Stern im Leben gefunden. Er hatte diesen immer wieder neu in seinem Leben gesucht und ist ihm auf der Spur treu geblieben. So wie die Sterndeuter im heutigen Evangelium.
Das ist auch für uns heute bedenkenswert. Auch Sie und ich dürfen immer wieder Ausschau halten nach unseren "Lebensstern". Ich bin davon überzeugt, dass wir diesen auch finden,… wenn wir uns nur danach bemühen und Gott auch darum bitten. Dieses "Sternesuchen" sollten wir aber ganz anders verstehen als etwa das Interesse für das eigene Sternzeichen, oder die "Gezeiten", Mondphasen oder andere esoterischer Praktiken.
Wohl in der Heiligen Schrift, in den Sakramenten der Kirche, aber auch an ganz bestimmten Eckpunkten im Leben, wo sich Brüche zeigen, wo Schicksalsschläge dazu kamen, wo um Lebensentwürfe gerungen wird. Nicht selten finden wir einen dieser Lebenssterne bildlich gesprochen nach "Regen, Wolken; Sturm und Unwetter".
Ich laden Sie ein, sich dieser Frage heute oder in den nächsten Tagen zu stellen: Wo ist mir das Licht geschenkt worden? Wo hat sich mein "Lebensstern" immer wieder gezeigt?
Hinter diesem Licht, hinter diesem Stern, steht Gott selbst, in seinem Kommen, in seiner Zusage und in seiner Verheißung.
Mögen wir die Sternsinger willkommen heißen, mögen wir in ihrem Sammeln für Projekte und Bedürftige in aller Welt selbst offen werden, Beteiligte an der Mission weltweit werden. Gott selbst segne uns dabei.
Es heißt, dass die drei Männer, die von weit her kamen, Sterndeuter waren, weise Männer. So lesen wir es im Matthäusevangelium (2,1-12). Weil sie einen König suchten, den neugeborenen König der Juden, hat die Überlieferung in ihnen Könige gesehen. Sie knien vor dem von ihnen gesuchten und nun gefundenen König nieder und huldigen ihm. Sie legen ihre Kronen ab und reichen dem Kind ihre Geschenke. Nennen wir sie jetzt einfach "die Dreikönige". Im Traum hatten sie die Weisung erhalten, nicht mehr nach Jerusalem zu Herodes zurückzukehren. Wie ging es dann weiter? Sie haben sich wieder auf den Weg gemacht - als Könige - und haben ihre Kronen wieder aufgesetzt.
Der Schriftsteller Werner Reiser hat dazu eine kleine Geschichte geschrieben, die ich jetzt in gekürzter und etwas abgewandelter Form wiedergebe:
Als die Könige aus ihrem Traum erwacht waren, weckten sie ihre Diener, die neben den Kamelen schliefen. Sie befahlen ihnen, für den Aufbruch die nötigen Vorkehrungen zu treffen. Aber welchen Weg sollten sie einschlagen? Kein Stern am Himmel, der ihnen den Weg wies. Sie ritten ins Dunkle hinein. Vor ihnen lagen Felsen und Schluchten, in denen man sich verirren konnte. Da stiegen sie ab und hielten Rat miteinander. Es gab jedoch verschiedene Ansichten über den weiteren Weg. Sie konnten sich nicht einigen. Die Knechte bekamen das alles mit. Einer von ihnen hatte den Mut, etwas zu sagen. Er könne einen Weg ausfindig machen. Das sei anmaßend, meinte einer der Könige. Und er sei nicht gewillt, sich von einem Knecht den Weg weisen zu lassen. Es gäbe in dieser Welt nun einmal Könige und Knechte, Herren und Diener.
Der dritte König, der bisher nichts gesagt hatte, wandte sich an seine königlichen Gefährten: "Ist es nicht seltsam? Wir lassen uns von unseren Knechten bedienen. Sie versorgen unsere Tiere. Sie tragen unsere Lasten. Warum haben sie uns nichts zu sagen? Er rief den als vorlaut gerügten Knecht zu sich und fragte ihn, ob er diese Gegend kenne. Der antwortete, dass er vor vielen Jahren als Kriegsgefangener durch diese Gegend geschleppt wurde. Sie sei ihm in Erinnerung geblieben. Dem dritten König schien dieser Mann zuverlässig. Er stieg auf sein Kamel und sagte zu dem Knecht: "Geh voran und zeig uns den Weg. Und gib mir dein Gepäck. Auf meinem Tier gibt es genügend Platz, nachdem ich meine Geschenke dem neugeborenen König gegeben habe.
Die zwei anderen Könige konnten das nicht begreifen. Denn damit würde die Welt auf den Kopf gestellt. Darauf fragte der dritte König, welche Welt denn auf den Kopf gestellt würde, wenn man die Lasten gerechter verteilte, wenn man die Kluft zwischen den Mächtigen und den Unterdrückten, den Reichen und Armen überwinde. Dann zogen sie weiter, voran die Knechte und dann die Könige. Und es war, als ob auf dem dunklen Weg ein heller Glanz erstrahlte.
Diese Geschichte hat mich deswegen berührt, weil ich darin etwas von mir selber wiedererkenne. Vielleicht geht dies Ihnen auch so. Denn diese Geschichte lässt uns nachdenken über unser eigenes mitmenschliches Verhalten. Wir alle haben Jesus kennen gelernt als jemanden, der keinerlei Gewalt ausgeübt hat. In ihm kündigt sich ein Reich an, das nicht auf politischer Macht basiert. Das Reich Gottes! Gott geht in Jesus einen Weg der Erniedrigung, ein Weg menschlicher Ohnmacht. Schon in der Armseligkeit der Geburt des Messias, in seinem Auf-der Flucht-sein vor den Menschen kündigt sich sein künftiger Weg an, den selbst seine engsten Freunde nicht mehr verstehen konnten.
Jesus ist anders Herr als die Herren dieser Welt, die Macht und Gewalt ausüben. Den Jüngern, die im Reich Gottes die ersten Plätze einnehmen wollten, sagt er: "Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele" (Mk 10,42-45).
Als die Könige diesem armseligen Kind, den sie für einen König hielten, begegneten, konnten sie nicht ahnen, wie sein künftiger Weg verlief. Und wir? Wir kennen den Weg Jesu, der gezeichnet ist von Gewaltlosigkeit und Vergebungsbereitschaft. Wir kennen seinen Weg hin zu den Menschen, vor allem zu jenen, die von den vermeintlich Guten und Selbstgerechten verachtet wurden. Mit seinem Verhalten gegenüber den vermeintlich geringen Menschen hat Jesus die Welt wirklich auf den Kopf gestellt.
Darum könnte die Geschichte von den drei Königen in ihrem Umgang mit den Knechten auch uns meinen. Sie könnte uns einen Anstoß geben, vielleicht mehr als bisher, unseren Mitmenschen friedfertig und versöhnlich zu begegnen, um so Schritt für Schritt auf dem Weg, den Jesus uns gewiesen hat, weiter zu gehen. Ihm nachzufolgen, der nicht gekommen ist, sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen.
Hören wir noch Worte von Karl Rahner.
"Es leuchtet der Stern.
Viel kannst du nicht mitnehmen auf dem Weg.
Und viel geht dir unterwegs verloren.
Lass es fahren.
Gold der Liebe,
Weihrauch der Sehnsucht,
Myrrhe der Schmerzen
Hast du ja bei dir.
Er wird sie annehmen."
Heute feiern wir ein königliches Fest. Das Fest der drei Heiligen Könige. Sie haben kostbare Gaben mitgebracht: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Es sind königliche Geschenke - wenn auch nicht gerade kindliche. Aber darauf kommt es heute nicht an. Die Völker kommen sozusagen mit ihren Schätzen, um dem neugeborenen König zu huldigen.
Der Prophet Jesaja hat das kommen sehen, mutig und trotzig, wie er war. Es ist ein grandioser Hymnus, angestimmt in grauer Zeit:
Völker wandern zu deinem Licht
und Könige zu deinem strahlenden Glanz.
Blick auf und schau umher:
Sie alle versammeln sich und kommen zu dir.
Deine Söhne kommen von fern,
deine Töchter trägt man auf den Armen herbei.
Du wirst es sehen, und du wirst strahlen,
dein Herz bebt vor Freude und öffnet sich weit.
Denn der Reichtum des Meeres strömt dir zu,
die Schätze der Völker kommen zu dir.
Zahllose Kamele bedecken dein Land,
Dromedare aus Midian und Efa.
Alle kommen von Saba, bringen Weihrauch und Gold
und verkünden die ruhmreichen Taten des Herrn.
Der Mund ist ganz voll, voll genommen. Es ist ein Trost-, es ist auch ein Trotzlied. Das arg gebeutelte Volk Israel darf wieder nach Hause. Nach langen Jahren der Deportation, der Vertreibung, der Demütigung wird ihnen ein Neuanfang gesungen. Gott selbst wird mit ihnen gehen und sich neu zu ihnen bekennen. Er wird mitten unter ihnen wohnen. Mein Volk! Die ganze Welt soll es sehen! Die ganze Welt soll sich auf den Weg machen. Die ganze Welt soll kommen!
Und: Wir sehen sie kommen. Die Rolle, stellvertretend für die Völker zu erscheinen, hat der Prophet Jesaja den drei aus dem Morgenland auf den Leib geschneidert, lange vor ihrer Zeit. Sie wissen es nicht einmal. Jetzt sind sie gekommen.
Es war ein Stern, der ihnen aufgegangen war - ein Licht. Ein Wort, das ihnen die Welt aufschloss: "Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel."
Die drei bringen das Morgenland mit. Das Land, in dem der Morgen zu Hause ist. Wir riechen förmlich die Zukunft. Dass sie ihre Geschenke, die für den Reichtum, für die Schönheit, für die Gerüche der Welt stehen, in einem Stall übergeben, hat die Welt noch nicht gesehen. In einem Stall! Drei Ausrufezeichen! Die ganze Welt kommt zu dem Kind. Aber es blitzt kein Scheinwerfer, es bläst keine Trompete, es kommt keine Rede. Nur ein Stern.
Der ehemalige Aachener Bischof Klaus Hemmerle - gestorben am 23. Januar 1994 - hat dem Stern ein eigenes Gedicht gewidmet:
Der Stern hat sich nicht geirrt,
als er die Fernsten rief,
aufzubrechen zum nahen Gott.
Der Stern hat sich nicht geirrt,
als er den Wüstenweg wies,
den untersten, den härtesten Weg.
Der Stern hat sich nicht geirrt,
als er stehen blieb über dem Haus der kleinen Leute:
Dort ist die große Zukunft geboren.
Schauen wir einmal auf den Stern! Was macht er? Er ruft die Fernsten! Er weist den Weg, nicht den einfachen! Er bleibt stehen! Da, wo die Zukunft geboren ist. Drei Beschreibungen, jede ist für sich birgt schon ein Geheimnis. Dass die Fernsten überhaupt gerufen werden - dass auch der unterste, der härteste Weg ein Weg ist - dass die große Zukunft bei kleinen Leuten geboren ist - Wunder über Wunder. Die erste Strophe verrät, worum es geht: "aufzubrechen zum nahen Gott". Um ihn zu finden, muss ich auch den untersten, den härtesten Weg gehen - und in das Haus der kleinen Leute gehen. Es ist jetzt keine Last, kein Zugeständnis, kein Kompromiss. Es geht nicht anders! So einfach ist das!
DER Stern hat sich nicht geirrt. Er schenkt dem nahen Gott Licht, macht Wüstenwege hell und lenkt unsere Augen auf eine große Zukunft. Als Mensch, der viele Irrtümer kennt, manche begeht, manche in Kauf nimmt - geht mir ein Licht auf.
In dieser Form ist das Gedicht nicht einmal vollständig. Klaus Hemmerle hat den drei Sternen-Strophen drei Herz-Strophen angefügt. Sein Gedicht heißt: Der Stern und das Herz.
Dein Herz hat sich nicht geirrt,
als es sich aufmachte,
den Unbekannten zu suchen.
Dein Herz hat sich nicht geirrt,
als es nicht aufgab
in der sichtlosen Ungeduld.
Dein Herz hat sich nicht geirrt,
als es sich beugte
vor dem Kind
Sterne sind weit weg. Auch unerreichbar. Sie haben eine eigene Schönheit. DER eine Stern besonders. Kann ich ihn unter den vielen anderen Sternen ausmachen, entdecken, ihn im Blick behalten?
Das Herz hingegen - das bin ich.
Aber Klaus Hemmerle sagt nicht: Mein Herz hat sich nicht geirrt. Ich weiß auch nicht, ob ich ihm das jemals nachsprechen könnte. Was ist schon - mein Herz?
Ich kann mir viel sagen, viel einreden,
ich kann mich entschuldigen, mich rein waschen,
ich kann mich überheben, ich kann mich schwarzmalen.
Klaus Hemmerle lauscht dem Evangelium ab: Dein Herz hat sich nicht geirrt.
Es gibt Worte, die ich mir selbst nicht sagen kann. Das Wort der Liebe. Z.B.
Ich möchte sagen: Ich liebe dich.
Ich möchte hören: Ich liebe dich.
Bei Klaus Hemmerle ist es in die Form der Vergangenheit gegossen. Dein Herz hat sich nicht geirrt. Ich habe das wohl schon alles gemacht, so gehalten, so entdeckt. Als ich mich aufmachte, den Unbekannten zu suchen, als ich nicht aufgab in der sichtlosen Ungeduld, als ich mich beugte vor dem Kind.
Es ist wie ein Zeugnis, ein Urteil, ein Nachruf.
Keine Aufforderung, keine Pflicht, keine Leistung.
Der Stern, der sich nicht irrt, findet dein Herz.
Es ist ein besonderes Fest, heute. Ein königliches. Viele kleine Könige gehen von Haus zu Haus. Sie bringen einen Stern mit - und einen Segen - und ein Lied. Einer von ihnen ist dunkelhäutig. Sie sammeln Geld. Für fremde Kinder, für Menschen in Not. Dafür bekommen sie sogar eine eigene "Missio", eine Sendung. Wir nennen sie: Sternsinger. Ein schöner Titel für kleine Könige! Sie singen von dem Stern, der sich nicht irrte. Von dem Herz, das sich nicht irrt. Als es sich aufmachte, den Unbekannten zu suchen.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Das heutige Fest ist das ältere Weihnachtsfest, das für die Ostkirchen heute noch das einzige Weihnachtsfest darstellt. Die Lateinische Kirche feiert Weihnachten eigentlich zweimal: Am 25. Dezember und am 6. Januar. Die Liturgie widmet sich am heutigen Festtag nicht so sehr einer Schilderung der Vorgänge um Jesu Geburt im Stall von Bethlehem, von Hirten, denen Engel die Frohe Botschaft verkünden (Lk 2,8-14) ist nicht die Rede. Im Evangelium wird von drei Männern berichtet, die auf der Suche sind, die behaupten, sie hätten einen besonderen Stern gesehen. Nicht irgendeinen beliebigen Stern, sondern einen Stern, der sie in eine bestimmte Richtung gewiesen hat, nämlich nach Jerusalem zu einem neu geborenen König der Juden. Dieser Stern, so sagen sie, ist sein Stern, er sei ihnen erschienen, vor ihnen hergezogen und in Jerusalem stehen geblieben.
Die drei werden in der außerbiblischen Überlieferung als Könige bezeichnet, manchmal werden sie auch "Drei Weise aus dem Morgenland" genannt; und man gibt ihnen sogar Namen (Kaspar, Melchior, Balthasar). Daher führt das Fest auch den Namen "Heilige drei Könige". Im Dom zu Köln befinden sich die Schreine mit den Reliquien dieser Könige. - Die hl. Schrift spricht aber nicht von Königen, sie nennt auch keine Namen. sondern es ist die Rede von Sterndeutern, die aus dem Osten gekommen sind und ein neugeborenes Kind suchen.
Wir wissen nichts über die Religion der Sterndeuter. Aber wie immer das mit dem Stern im Einzelnen gewesen sein mag, sicher ist anzunehmen, dass die Drei eines gemeinsam hatten: Die zunächst noch unbestimmbare Sehnsucht, das nicht restlos deutbare Ausschauhalten nach Begegnung mit einer noch verschleierten und verschlüsselten, aber doch realen Wirklichkeit. Vielleicht empfanden die Sterndeuter, was Rilke in einem Gedicht zum Ausdruck gebracht hat:
"Ich kreise um Gott
Um den uralten Turm
Und ich kreise jahrtausendelang.
Und ich weiß nicht
Bin ich ein Falke, ein Sturm,
Oder ein großer Gesang".
Es ist anzunehmen, dass das waghalsige Unternehmen der drei in ihrer Umgebung nicht ungeteilte Zustimmung gefunden hat. Viele, auch wohlmeinende Menschen - Realisten - werden gesagt haben, das Ganze sei ein Hirngespinst, ein Traum, waghalsig, (lebens)gefährlich und verrückt. Es kann auch angenommen werden, dass die drei Sterndeuter Familien hatten (Frau und Kinder); wie weit für deren Unterhalt vorgesorgt wurde, wissen wir nicht. - Was die Realisten gesagt hatten, war natürlich bedenkenswert, aber die Realisten wissen zumeist mit Träumen und Träumern, mit unbestimmbaren Sternen am Horizont eines Lebens nichts anzufangen.
Dieses berühmt gewordene Wort von Pastor Martin Luther King ("I had a dream"), in eine Zeit scheinbarer Aussichtslosigkeit bezüglich der Rassentrennung (Apartheid) gesprochen, zeigt, dass Träume sogar im politischen Bereich Wirklichkeit werden können. Von David Ben Gurion (Gründer des Staates Israel) stammt das Wort "Nur der ist Realist, der an Wunder glaubt".
Die drei Sterndeuter müssen zunächst eine herbe Enttäuschung erleben: In Jerusalem weiß man nichts von einem soeben geborenen König der Juden und will auch gar nichts davon wissen. Im Gegenteil, die Nachricht von der Geburt dieses Königs verbreitet Furcht und Schrecken beim "amtierenden" König Herodes und seinem Hofstaat.
Die drei Sterndeuter finden das Kind, fallen nieder und beten es an. In den Geschenken, die sie dem Kind darbringen, haben sie erkannt, dass sie eigentlich selber Beschenkte sind. Sie sind nicht mehr Suchende, sie haben gefunden: Nicht nur das Kind, sie haben auch sich selbst, zu sich selbst gefunden. Es ist ja doch eine Erfahrung vieler Menschen, dass sie in der Trübheit so mancher Tage das Gefühl haben, sie seien sich selbst entglitten. Sie haben Züge abfahren sehen, konnten aber nicht mitfahren; sie haben sich in so manche graue Gasse verirrt, und Auswege scheint es nicht zu geben.
Da knien sie nun, die Sterndeuter, vor dem unscheinbaren Kind, vor dem behutsamen, beinahe möchten wir sagen, scheuen Licht, das sich nicht aufdrängt, das aber dem, der sein Herz öffnet, Ungeahntes schauen und erfahren lässt.
Sie kehren, in einem Traum vor dem blutrünstigen Herodes gewarnt, auf "einem anderen Weg" in ihre Heimat zurück. Sie sind dieselben geblieben, sind aber nicht mehr die Gleichen wie zuvor. Sie sind nicht mehr Suchende, sondern Gewandelte, Beschenkte, Staunende - Erlöste.
Wir stehen im letzten Drittel der Weihnachtszeit und feiern heute mit dem Hochfest Erscheinung des Herrn einen weiteren Höhepunkt. Die Freude über die Geburt Jesu Christi bleibt nicht den Hirten vorbehalten, sondern erfüllt auch die Sterndeuter, die gekommen sind dem neugeborenen König zu huldigen. Die ganze Welt soll davon erfahren.
Bringen auch wir in dieser Feier unsere weihnachtliche Freude zum Ausdruck. Lassen wir unsere Herzen geöffnet für das Christuskind in der Krippe und uns berühren von seiner Gegenwart.
Heute feiern wir den zweiten Höhepunkt des Weihnachtsfestkreises, offiziell wird dieser mit "Erscheinung des Herrn" betitelt. Dieses Fest unterstreicht, dass die Geburt Jesu nicht nur für seine Anhänger und sein eigenes Volk bedeutsam ist, sondern, dass er als Messias für alle Völker zur Welt gekommen ist. Die alten Volksbräuche drücken dies aus, indem sie aus den biblischen "Sterndeutenr aus dem Osten" Könige gemacht haben, die aus aller Herren Länder nach Betlehem pilgern. Meist werden diese "heiligen drei Könige" auch mit unterschiedlicher Hautfarbe dargestellt. Der Brauch des Sternsingens greift dieses Motiv auf. Kinder gehen von Haus zu Haus, überbringen den Segen des Göttlichen Kindes von Betlehem und sammeln Spenden für Missionsprojekte in aller Welt. Zugleich erinnern sie damit an den Missionsauftrag der Kirche, allen Menschen die Frohe Botschaft von der Menschwerdung Gottes zu verkünden. So bunt wie die Kleider der Sternsinger ist auch das Gemisch die vielen Kulturen und Religionen, in denen Menschen Gott zu begegnen suchen.
Das Fest der Erscheinung des Herrn nennt sich im Volksmund Fest der Heiligen drei Könige. Diese werden im Brauchtum von einem weißen, einem schwarz- und einem gelbgeschminkten Kind dargestellt. Sie weisen auf die vielen Völker hin, die in Jesus Christus den Erlöser gefunden haben.
Die biblischen Texte erzählen von Sterndeutern aus dem Osten. Sie führen uns über das Alltägliche, über das, was uns tagtäglich bewegt, hinaus. Sie suchen das geheimnisvolle Größere, Universale. Sie laden uns ein, gleichsam hinter die Sterne zu blicken und so wie sie unserer Sehnsucht nach Verstehen der großen Lebenszusammenhänge nachzugehen.
Am Beginn dieser Feier huldigen wir wie die drei Weisen Jesus Christus, als unserem König und Kyrios:
Selten werden wir von einem Stern gelockt und geleitet. Heute ist es so! Ein Stern führt uns nach Bethlehem. Er führt uns zu einem Kind. Er führt uns zu Jesus. Der Prophet Jesaja kleidet in Worte, was wir zu sehen bekommen:
Siehe, Finsternis bedeckt die Erde
und Dunkel die Völker,
doch über dir geht strahlend der HERR auf,
seine Herrlichkeit erscheint über dir.
Der Tag heute hat viele Namen: Erscheinung des Herrn, Epiphanias oder einfach: Fest der Hl. Drei Könige.
Jesus Christus, Kind in der Krippe,
angewiesen und bedürftig.
Herr, erbarme dich.
Jesus Christus, Sohn Gottes,
offen für alle, die zu dir kommen.
Christus, erbarme dich.
Jesus Christus, König der Welt,
Gerechtigkeit und Frieden hast du verheißen.
Herr, erbarme dich.
GL 159: Licht, das uns erschien
Oder:
Herr, Jesus Christus,
du bist das Licht, das allen Völkern erschienen ist.
Herr, erbarme dich.
Du hast die Finsternis und die Dunkelheit,
welche die Erde bedeckte, vertrieben.
Christus, erbarme dich.
Alle Völker wandern zu deinem Licht
und zu deinem strahlenden Glanz.
Herr, erbarme dich.
Herr,
das neue Jahr hat gerade angefangen.
Die alten Schatten sind mitgewandert.
Drohnen und Raketen zerfetzen nächtliche Himmel.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du bist einer von uns geworden.
Ein Kind, schutzlos in einer Krippe.
Ein Stern leuchtet in der Nacht.
Christus, erbarme dich.
Herr,
viele Menschen kommen aus der Angst nicht heraus.
Wenn die Sonne aufgeht, fürchten sie den Tag.
Sie sehnen sich nach einem Licht.
Herr, erbarme dich.
Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen,
zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war;
dort blieb er stehen.
Als sie den Stern sahen,
wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.
Sie gingen in das Haus
und sahen das Kind und Maria, seine Mutter…
Ehre sei Gott in der Höhe…
Herr Jesus Christus,
du bist als Licht in die Welt gekommen
und lässt diese in göttlichem Glanz erstrahlen.
Herr, erbarme dich.
Du führst uns durch dein Wort und Beispiel zur Fülle des Lebens.
Christus, erbarme dich.
Staunend lässt du uns die Größe Gottes entdecken.
Herr, erbarme dich.
Allherrschender Gott,
durch den Stern, dem die Weisen gefolgt sind,
hast du am heutigen Tag
den Heidenvölkern deinen Sohn geoffenbart.
Auch wir haben dich schon im Glauben erkannt.
Führe uns vom Glauben zur unverhüllten Anschauung deiner Herrlichkeit.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Erscheinung des Herrn, Hl. Dreikönige
Allmächtiger, gütiger Gott,
du hast uns deinen Sohn geschickt
als das Licht der Welt.
Laß uns den rechten Weg erkennen
und führe uns zur Erkenntnis der Wahrheit
und zur Fülle des Lebens.
Durch Christus, unseren Herrn.
Gütiger Gott,
unzählige Male haben wir uns schon auf den Weg zur Krippe gemacht. Immer wieder nähern wir uns dem Geheimnis deiner Menschwerdung in Jesus Christus an.
Hilf uns immer mehr, dich und Jesus Christus zu erkennen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. – Amen.
Du lässt uns, Gott, einen Stern aufgehen!
Du machst den Himmel hell
und die Erde
und uns Menschen.
Wir danken dir
für jeden Morgen,
für jeden Neuanfang,
für jedes Glück.
Wir möchten uns mutig auf den Weg machen,
den finsteren Gedanken entsagen
und deinem Wort trauen.
Lass uns, Gott, einen Stern aufgehen
in Christus, der das Licht der Welt wurde
in einer Liebe, die es mit dem Tod aufnahm.
Mit einem Geist, der die Welt umspannt
und hält.
Heute.
Für die Ewigkeit.
Grundgütiger Gott,
bei aller Weihnachtsfreude sind wir nicht ohne Bitten. Wir wollen beten für Menschen, die uns am Herzen liegen, für Menschen, die eine besondere Verantwortung tragen und auch für uns selbst:
Für alle Krippenbauer und -gestalter und für alle, die hier, zuhause oder anderswo vor einer Krippe innehalten.
Für alle, die sich nach Gerechtigkeit und Frieden sehnen, in den Familien und Gemeinschaften, in denen sie leben und arbeiten, sowie in kriegerischen Konflikten in verschiedenen Regionen und Ländern der Erde.
Für alle, die sich im Kleinen um Frieden bemühen und im Großen Friedenverhandlungen führen.
Für die Sternsinger, die die frohe Botschaft der Geburt Christi verkünden und sich für Kinder in Not einsetzen.
Für alle, die offen sind für Zeichen am Himmel, die sich von Gottes Gegenwart in ihrem Leben überraschen lassen und die waghalsig auch einen neuen Weg gehen.
Für alle, von denen wir uns verabschieden mussten und die wir vermissen,
für alle, die Schweres durchmachen müssen
und für alle, die Unrecht und Gewalt ausgeliefert sind.
Grundgütiger Gott,
auch wenn der Stern über Bethlehem bald nicht mehr so hell leuchtet, dann leuchtet doch deine Liebe weiter, die uns erschienen ist und bei uns bleibt in Jesus Christus, deinem Sohn, unseren König und Herrn. - Amen.
Der Blick zu den Sternen erweckt in uns Staunen, Ehrfurcht und Neugier auf das Unbekannte. Im Glauben an Christus, der Licht in die Dunkelheit der Welt gebracht hat, kommen wir mit unseren Bitten zu ihm:
Für alle, die bewusst oder unbewusst nach deiner Wahrheit suchen, bisher Geltendes hinterfragen und sich in der uns von dir geschenkten Freiheit für neue Wege entscheiden.
Für die Menschen in den Kriegsregionen, die trotz ihrer katastrophalen Lebensumstände an der Vision eines friedlichen Miteinander festhalten.
Für alle Forscher und Wissenschaftler, die in ihren jeweiligen Wirkungsbereichen mit Forscherdrang und unermüdlicher Geduld an Erkenntnissen arbeiten, die dem Wohl der Menschheit und der ganzen Schöpfung dienen.
Für uns selbst um den Mut aus dem Gewohnten unseres Lebens als Christin und Christ aufzubrechen, um dich und deine Frohbotschaft immer besser kennen und verstehen zu lernen.
Für alle Verstorbenen, für die, die in unserer Erinnerung einen festen Platz haben, und für die, an die niemand mehr denkt.
Im Vertrauen auf dich, Jesus, und deine Botschaft danken wir dir, preisen und loben wir dich allezeit. - Amen.
Erst kamen die Hirten, dann die Könige. Sterndeuter, Weise und Magier. Sie folgten dem Stern. Sie fanden dich.
Heute beten wir
für die Völker, die sich gegeneinander aufstellen,
die Angst voreinander schüren, die die Sprache des Hasses wählen.
Lass uns den Stern sehen, Herr!
für die Herrschenden, die sich an Recht und Gesetz halten,
die für eine gute Ordnung einstehen, die das Wohl aller im Auge haben.
für die Weisen und Klugen, die die öffentliche Meinung beeinflussen,
die Nachrichtensendungen moderieren, die im Internet präsent sind.
für die Astronomen und Physiker, die das Weltall erforschen,
die schwarze Löcher suchen, die für jeden Himmelskörper einen Namen haben.
für die Kirche, die mit dunklen Abgründen konfrontiert wird,
die ihrem Auftrag untreu geworden ist, die mit Sorge auf Austrittszahlen schaut.
für die Menschen, die mit einer schlimmen Diagnose fertig werden müssen,
die sich auf den Tod einstellen müssen, die ihr Leben nicht mehr in der Hand behalten.
Als sie das Kind gefunden hatten, die Könige, Sterndeuter und Weise, blieb der Stern stehen.
Der Stern leuchtet.
Ein Licht in der Nacht,
ein Schimmer am Tag,
Unsere Augen sehen,
was wir Hoffnung nennen,
was uns Glauben schenkt,
was uns in die Liebe führt.
In Christus.
Im Kind in der Krippe, ganz in unser Menschsein hineingeboren, erscheint für alle, die glauben, Gottes Fülle, Macht und Liebe. Als Menschensohn nimmt er uns in seine innige Beziehung zum Vater hinein und errichtet unter uns sein Reich.
Mit ihm und durch ihn dürfen wir den Vater bitten:
Um eine Kirche, die dein Licht in diese Welt bringt und aufmerksam für deine Barmherzigkeit macht.
Um die Bewahrung deiner Schöpfung, um Frieden und gegenseitige Wertschätzung, die ein Zusammenleben für alle auf dieser Erde lebenswert macht.
Um Zuversicht und Hoffnung aus dem Glauben an dich, den Gott der selbst in seinem menschlichen Leben in diese Welt gekommen ist und das erduldet hat, was viele bedrückt und verzweifeln lässt.
Um Aufmerksamkeit und Dankbarkeit in den vielen Ereignissen unseres Lebens, in denen wir deine begleitende Fürsorge erkennen können.
Um das ewige Heil aus dem Erlösungswerk Jesu für alle Verstorbenen.
In Jesus ist die Fülle göttlichen und menschlichen Lebens erschienen.
Dir sei Dank, Ruhm und Herrlichkeit jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Herr, Jesus Christus,
du bist als Licht für alle Völker in die Welt gekommen.
Wir bitten dich...
... für die bunte Schar der Menschen, die sich zu dir als ihren Herrn und Erlöser bekennen.
Befähige sie, in ihrer Vielfalt das Gemeinsame zu suchen und Einheit zu leben.
... für die vielen Menschen, die in unterschiedlichen Kulturen und Religionen nach Wahrheit und Sinn suchen.
Befähige sie, Andersdenkenden und Andersglaubenden mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen.
... für alle Menschen, die deine Größe und Menschenfreundlichkeit nicht zu erkennen vermögen.
Schenke ihnen die Gnade des Glaubens.
... für alle, die meinen, ihre Überzeugungen und Überlieferungen mit Gewalt verteidigen und durchsetzen zu müssen.
Lass sie friedliche Wege des Zusammenlebens zu finden.
... für alle Menschen, die auf der Flucht vor Kriegen, Terror und Gewalt sind.
Lass sie eine neue Heimat finden oder Möglichkeiten, in ihre alte Heimat zurückzukehren.
...für alle Menschen, die zu Tode gekommen sind;
besonders für alle unsere verstorbenen Angehörigen und Freunde
und für den verstorbenen emeritierten Papst Benedikt.
Schenke ihnen die Fülle des Lebens, die Du allen Menschen zugedacht hast.
Denn dein, Herr, ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. - Amen.
In Jesus Christus ist Gottes Herrlichkeit und Liebe für die ganze Menschheit aller Zeiten sichtbar geworden.
Ihn lasst uns bitten:
Für die Menschen aus allen Völkern, die dich und deine Botschaft angenommen haben und weitertragen.
Für alle Nationen und Ethnien, die durch ihre jeweils eigenen Vorstellungen von Recht und Macht Frieden untereinander erschweren.
Für die verschiedenen Generationen in unserer Gesellschaft, die durch das Festhalten an den von ihren eigenen Lebensumständen geprägten Werten das Miteinander behindern.
Für alle, die auf der Suche sind: nach Sinn im Leben; nach einem Menschen, der sie versteht; nach neuen Herausforderungen; nach Heimat; nach überlebensnotwendigen Gütern.
Lass ihnen einen Stern aufgehen, vor dessen Schein das Dunkle in ihrem Leben flieht.
Für unsere Verstorbenen.
Lass sie in deinem Reich an ihrem Ziel angekommen sein.
Solange wir leben sind wir alle auf dem Weg zu dir, dem Kind in der Krippe. Lass uns dabei auf der Suche nach dem wahren Ziel unseres Lebens nicht müde und mutlos werden. Darum bitten wir durch dich den Vater im Heiligen Geist. - Amen.
Wer sich auf den Weg macht, hat meist ein Ziel vor Augen. Das Ziel am Ende unseres Lebensweges ist die endgültige Gemeinschaft mit Gott.
Ihn lasst uns bitten:
Um die Einheit in allen christlichen Gemeinden und deiner Kirche weltweit.
Um den Willen zum Teilen mit allen, die Not leiden.
Um einen Ausweg aus der Pandemie, indem wir zusammen füreinander Verantwortung übernehmen.
Um deine Hilfe, dass durch uns etwas von deiner Güte und Barmherzigkeit in unserem Alltag aufleuchten kann.
Um das Licht deiner Herrlichkeit für unsere Verstorbenen.
Wir beten dich im Kind in der Krippe an und erbitten deinen Beistand auf dem Weg zum Ziel unseres Lebens, das wir gläubig in deiner Nähe erwarten. - Amen.
Guter Gott,
du führst alle Menschen, die nach dir suchen, auf Wege, die ihnen Heil bringen.
Wir bitten dich:
Für alle, die sich nicht mit vordergründigen Lebensinhalten zufrieden geben sondern sich für das Wohl aller Menschen einsetzen.
Lass sie nicht verzagen, wenn sie an Punkte kommen, an denen sie nicht mehr weiter wissen.
Für alle, die politische Ämter innehaben.
Lass sie nicht nur auf den Erhalt ihrer Machtpositionen bedacht sein, sondern sich ihrer Verantwortung für alle Menschen, die bei uns leben, bewusst werden.
Für alle Forscher und Lehrer der verschiedenen Wissenschaften.
Lass sie die Zusammenhänge der Schöpfung immer tiefer erkennen und ihr Wissen allen Menschen zur Verfügung stellen.
Für alle religiösen und weltanschaulichen Gruppen in unserem Land.
Lass sie das Gespräch und den Austausch ihrer Erfahrungen mit allen Menschen guten Willens suchen.
Für alle, deren Lebenszeit zu Ende gegangen ist.
Lass sie bei dir ankommen und deinen göttlichen Glanz schauen.
Du, unser Gott, kannst die Finsternis unserer Welt mit deinem Licht erhellen.
Dir vertrauen wir uns an. – Amen.
Zu Weihnachten haben wir Christi Geburt im Dunkel der Nacht und deren Verkündigung an Menschen gefeiert, die als Hirten auch im Verborgenen gelebt haben. Heute feiern wir seine Verherrlichung durch mächtige Vertreter vieler Völker.
Durch Christus lasst uns den Vater bitten:
Für die Kirchen des Ostens, die heute ihr Weihnachtsfest begehen und vielfältigen politischen Zwängen und sozialen Erwartungen ausgesetzt sind.
Für die Menschen der Weltreligionen, denen durch ungerechte Machthaber, soziale Missstände und klimatische Katastrophen die Grundlage für ein menschenwürdiges Leben geraubt wird.
Für die Kinder in Asien und Afrika, denen durch die heurige Sternsingeraktion neue Hoffnung und Geborgenheit ermöglicht werden soll.
Für uns selbst, die wir im Glauben an dich berufen sind, für die Menschen um uns zum Licht zu werden, das leuchtet, wärmt und tröstet.
Für unsere Verstorbenen, für die wir erhoffen, dass du sie aus der Dunkelheit des Todes in dein Licht holst.
Denn dein Heil kennt keine Grenzen. Alle Menschen sind dazu berufen, nach dir zu suchen. In Gemeinschaft mit ihnen allen beten wir dich an und preisen dich bis in Ewigkeit. - Amen.
Allmächtiger Gott,
nimm die Gaben deiner Kirche an.
Sie bringt nicht mehr Gold, Weihrauch und Myrrhe dar,
sondern er, den diese Gaben bezeichnen,
wird für uns geopfert und uns zur Speise gegeben,
unser Herr Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Erscheiung des Herrn
Gold, Weihrauch und Myrrhe waren die Geschenke, die die Sterndeuter dem Christuskind brachten. Im Vergleich dazu sind Brot und Wein nichts, wenn nicht - ja, wenn nicht du - Gott, es annimmst und durch die Kraft des Heiligen Geistes verwandelst zu dem, was für uns so unschätzbaren Wert hat.
Wir halten einen Moment inne und halten dir in der Stille hin, was wir dir in diesen Gaben jetzt schenken wollen.
(kurze Stille)
Gütiger Gott, wie dein Sohn in der Krippe uns seine geöffneten Arme hinhält, so bist du offen für alles, was wir dir anvertrauen.
Nimm entgegen, was wir dir geben, und mache uns in dieser Eucharistie das größte Geschenk, das wir erhoffen dürfen, deinen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus. - Amen.
Gold, Weihrauch und Myrrhe
wurden dir gebracht, Herr.
Die Reichtümer,
die Schönheiten der Welt!
Wir können nur ein Stück Brot bringen,
einen Kelch mit Wein.
Unsere Träume
und unsere Schmerzen.
Du verwandelst alles
und schenkst dich uns.
Liebe, für die du keine Bedingung kennst.
Deinen Leib, dein Blut.
Du, du bist unser Leben!
Gütiger Gott,
du hast uns deinen Sohn Jesus Christus geschenkt. In ihm hat deine Liebe Hand und Fuß bekommen. Er ist der König Israels und aller Welt. Wie die Sterndeuter aus dem Osten huldigen auch wir ihm:
Kehrvers: O lasset uns anbeten den König, den Herrn
(gesungen: Refrain von «Nun freut euch, ihr Christen» GL 241)
Jesus Christus,
ob Hirten oder Gelehrte, vor dir sind alle Menschen gleich. Du bist gekommen, um allen die frohe Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden.
Jesus Christus,
du bist umsorgt von Maria, deiner Mutter, und Josef. Sie bangen um dein Leben und müssen Bethlehem verlassen. So bist du nahe all’ jenen, die heute auf der Flucht sind und um das Leben ihrer Kinder fürchten müssen.
Jesus Christus,
in deinem Leben und Leiden hast du gezeigt, dass dein Königreich nicht von dieser Welt ist. Deine Macht kommt von Gott. In deiner Macht steht es, uns zum Leben in Fülle zu führen.
Jesus Christus,
du lehrst uns die Welt in deiner Liebe zu betrachten und zu gestalten. Darum preisen wir dich. Darum bauen wir auf dich und vertrauen dir. Dir gilt unser Lobpreis, heute und alle Tage unseres Lebens.
(für Wortgottesdienstfeiern)
Kehrvers: GL 408: Lobet und preiset, ihr Völker, den Herrn…
Oder: GL 141: Auf, lasst uns jubeln dem Herrn, vor sein Angesicht kommen mit Dank.
Oder: GLÖ 929,2: Kündet den Völkern die Herrlichkeit des Herrn.
Wir sagen dir Dank, guter Gott und Vater,
dass du über den Menschen,
die in Finsternis lebten und im Dunkel ihren Weg gingen;
dein Licht hast aufstrahlen
und alle Völker deine Herrlichkeit hast schauen lassen.
Kehrvers
Aus deinem auserwählten Volk Israel
hast du Jesus von Nazareth als Messias hervorgehen lassen.
Er ist zum Hirten des neuen Gottesvolkes geworden,
das er aus allen Stämmen und Völkern zusammenruft.
Kehrvers
Durch ihn sind auch wir Miterben deines Reiches,
durch ihn gehören auch wir zu demselben Leib,
durch ihn haben auch wir Anteil an derselben Verheißung.
Kehrvers
So bringen wir dir mit allen Völkern unseren Lobpreis dar,
beugen wir vor dir unsere Knie
bringen wir dir unsere Gaben
und singen wir mit allen Engeln und Heiligen:
Danklied, z. B. Lobt Gott, ihr Christen alle gleich (GL 247)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn heute enthüllst du
das Geheimnis unseres Heiles,
heute offenbarst du das Licht der Völker,
deinen Sohn Jesus Christus.
Er ist als sterblicher Mensch auf Erden erschienen
und hat uns neu geschaffen
im Glanz seines göttlichen Lebens.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Erscheinung des Herrn
Gott hat den Weisen den Stern geschickt, der sie zu seinem Sohn führte. Lasst uns in diesem Zeichen gemeinsam das Gebet sprechen, welches uns Christus selbst gelehrt hat.
Einleitung zum Friedensgruss:
Als sie an der Krippe angekommen waren, erfüllte Frieden das Herz der Sterndeuter. Mögen auch wir erneut Frieden erfahren: Mit uns selbst, in den Familien und Gemeinschaften und zwischen den Völkern. Deshalb bitten wir: Herr Jesus Christus, du Licht der Völker, du Grund für Frieden, schaue nicht auf unsere Sünden...
Sterne siehst du nur
wenn du die Dunkelheit wagst
du musst deinen Blick heben
und Geduld haben
Vielleicht siehst du dann den Stern
hell und leuchtend
weit weg und doch so nah
geheimnisvoll und doch so vertraut
fremd und doch so bekannt
Seit Jesus Christus
darfst du ihm vertrauen
du darfst ihm folgen
weil er dir den Weg weist
Er führt dich aus Angst und Dunkelheit heraus
er kennt dein Ziel
Brich auf
und folge ihm
er führt dich zum Licht
Mit vielen Schätzen sind sie gekommen, die Sterndeuter.
Mit leeren Händen gingen sie weg von der Krippe.
Manch’ einer hat seine Krone dort gelassen.
Er hat abgelegt das Zeichen seiner Macht.
Er ist dem begegnet, dem Gott alle Macht gegeben hat.
Sie gehen anders von der Krippe weg als sie hingekommen sind.
Wenn du dich satt gesehen hast
an dem schönen Kind in der Krippe
geh nicht fort
als wäre nichts gewesen
mach erst seine Augen
zu deinen Augen
seine Ohren
zu deinen Ohren
seine Hände
zu deinen Händen
seinen Mund
zu deinem Mund
und sein Lächeln
zu deinem Lächeln
Damit du mit neuer Aufmerksamkeit
deine Wege gehst
und in jedem Menschen
der dir begegnet
deine Schwester, deinen Bruder erkennen kannst.
Wenn du dann ihre Tränen trocknest
und ihre Freude teilst
dann
ist Gottes Sohn wahrhaftig sichtbar geworden
in unserer Welt.
Den Stern vor Augen
eine Verheißung in den Ohren
meine Gaben in den Händen
mache ich mich auf
den Ort zu suchen
wo sich der Stern niederlässt
wo die Verheißung erfüllt wird
wo ich meine Gaben niederlegen kann
ich suche das Kind
ich finde Menschen
ich begegne Gott
vielleicht
wenn ich dem wahren Stern folge
wenn ich den richtigen Verheißungen traue
wenn ich neue Wege suche
zu den Menschen
zu Gott
Wir danken dir, allmächtiger Gott,
für die heiligen Gaben
und bitten dich:
Erhelle unsere Wege mit dem Licht deiner Gnade,
damit wir in Glauben und Liebe erfassen,
was du uns im Geheimnis der Eucharistie geschenkt hast.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Erscheinung des Herrn
Gott,
du kennst finstere Gesichter,
finstere Aussichten
und finstere Geschichten.
Schenke uns ein Lächeln,
offene Augen
und einen Mund,
der gute Worte ausspricht.
Mache uns zu Lichtern,
die im Dickicht Orientierung geben,
in der Wüste einen Weg zeigen
und in der Verlorenheit trösten.
Lass uns deine Herrlichkeit sehen!
In Jesus,
der in der Krippe die ganze Welt
an sein Herz drückte.
Sie zogen wieder heim in ihr Land - die drei Weisen.
Auch wir gehen in unser Leben, in unser Land.
Wir wollen durch Wort und Tat deine ruhmreichen Taten verkünden,
an uns,
an deine Kirche,
an alle Menschen.
Sei bei uns.
Führe uns
wie du die Weisen durch den Stern und durch Träume geführt hast. - Amen.
Hugo Makibi Enomiya-Lassalle SJ (* 11. November 1898 als Hugo Lassalle auf Gut Externbrock bei Nieheim/Westfalen; † 7. Juli 1990 in Münster/Westfalen) war ein deutsch-japanischer Jesuit und Zen-Meister. Lassalle kann als ein Wegbereiter der Verständigung zwischen Zen-Buddhismus und Christentum angesehen werden (Christlich-buddhistischer Dialog).
Ganzer Beitrag auf Wikipedia
Wikipedia Jänner 2025.
Kampf der Kulturen ist ein politikwissenschaftliches Buch von Samuel P. Huntington, das den Untertitel Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert hat. Das amerikanische Original erschien 1996 als The Clash of Civilizations (deutsch wörtlich „Zusammenprall der Zivilisationen“) und war die Erweiterung eines gleichnamigen Artikels (der aber mit einem Fragezeichen versehen war), den Huntington 1993 in der Zeitschrift Foreign Affairs veröffentlicht hatte. Das Buch enthält die Hypothese, dass es im 21. Jahrhundert zu Konflikten zwischen verschiedenen Kulturräumen, insbesondere der westlichen Zivilisation mit dem chinesischen und dem islamischen Kulturraum kommen könnte. Das Buch wurde vielfach aufgelegt und übersetzt, führte zu kontroversen Diskussionen und wurde von Politikwissenschaftlern von Beginn an heftig kritisiert.
Mehr...
Wikipedia
Sternsingen – 85.000 Mädchen und Buben ziehen in königlichen Gewändern durchs ganze Land, bringen Segenswünsche für das neue Jahr und sammeln Geld für Menschen in Not. Im Auftrag christlicher Nächstenliebe machen sie sich auf den Weg und laden zum Teilen mit den Ärmsten ein – für eine Welt ohne Armut und Ausbeutung.
Die Dreikönigsaktion, das Hilfswerk der Katholischen Jungschar, sorgt dafür, dass die uns anvertrauten Spenden über fachkundig begleitete Sternsingerprojekte das Leben vieler zum Besseren wenden. Über 500 Sternsingerprojekte in Afrika, Asien und Lateinamerika werden jährlich finanziert und eine Million Menschen mit den Spenden direkt erreicht. Tausende Kinder, Jugendliche und Erwachsene in den österreichischen Pfarren füllen beim Sternsingen eine alte Tradition mit neuem Leben. So beginnt das neue Jahr unter einem guten Stern – mit einem kräftigen Zeichen für Frieden und Gerechtigkeit in unserer Welt.
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https://www.dka.at/sternsingen/hintergruende-zum-sternsingen
Dem Stern, der Sehnsucht des Herzens folgen.
Den Messias, den König der Welt suchen und finden.
Ihm huldigen
Und wenn Er mein Erlöser und mein König ist,
welche Gaben bringe ich Ihm?
Was ist mir kostbar?
Zeit statt Gold
Zeit für einander
Zeit für andere
Zeit für das Gebet
Zeit für Ihn und mit Ihm
Mein Gebet steige auf zu Dir
wie Weihrauch,
Herr, vor Deinem Angesicht
(vgl. Ps 141,2)
Heilende Myrrhe
Mit dem Leidenden leiden
Angst, Not, Trauer sehen und wahrnehmen
Das Kostbarste heute ist nicht
Gold, Weihrauch und Myrrhe
Zeit, Gebet und Mitleid
Das Kostbarste, das ich Ihm geben, Ihm überlassen kann,
ist mein Herz.
Und wenn Er mein Herz besitzt, werden alle meine Gaben wertvoll
Und wenn Er der König meines Herzens, meines Lebens ist,
dann kehre ich verändert und verwandelt heim,
weil ich bei Ihm zuhause bin
und Er in mir daheim ist.
Elke Uhl 2023
uhl.elke30@gmx.de
Denn siehe
Finsternis
ist auch deiner Seele
vertraut.
Das Dunkel
des Klein-Krieges
der Ausbeutung
des Unrechts
umfasst Beziehungen
und große Teile der Erde.
Wo
ist es heute zu finden
das anziehende Licht
mitten unter uns
in unserem Miteinander
in unseren Städten
und Gemeinden
in unseren Versammlungen
in unseren Herzen?
Erstrahlst DU
aus unserer Herzmitte
DU
Mensch gewordener Gott?
Bist DU
durch uns imstande
ein Miteinander zu kultivieren
Frau und Mann zu versöhnen
Völker zu verbinden
Nationen zusammenzuführen
anstatt aufeinander loszugehen?
In diesem neu anbrechenden Jahr
wirst DU neu erstrahlen können?
In gelebter Menschlichkeit
und christlichen Werten.
Welche wunderbare Gabe doch das Staunen ist.
Es durchbricht meinen Alltag
und gibt mir eine Ahnung
von Unendlichkeit.
Vielleicht wollte Gott deshalb nicht,
dass der Mensch vom Baum der Erkenntnis esse:
weil dann das Staunen wegfällt
und der Mensch auf sich selbst
zurückgeworfen wird.
Staunen ist ein Kind der Erwartung:
Es wird geboren
aus übertroffenen Erwartungen
und unerwartet erfüllten Sehnsüchten.
In der Bibel beginnt das Staunen
in der Gegenwart Gottes
aus Freude über seine machtvollen Taten
und seine Hilfe in der Not.
Die Hirten und Könige staunen
angesichts des neugeborenen Kindes.
Und auch der Gottessohn
war sicher erstaunt
wie sich das Menschsein anfühlte.
Und niemand staunt so schön
wie ein Kind
in unverstellter Freude
über kleinste Dinge.
Staunen verbindet mich
unmittelbar mit dem
der mir die Schönheiten des Lebens schenkt.
Das menschliche Staunen
wird mir damit
zum Zugangstor für Gottes Liebe.
Johann Pock auf feinschwarz.net:
https://www.feinschwarz.net/staunen-die-adventliche-tugend/
Johann Pock ist Redaktionsmitglied von feinschwarz.net und Professor für Pastoraltheologie in Wien, sowie Mitarbeiter des Predigtforums.
Führ, liebes Licht, im Ring der Dunkelheit, führ du mich an. Die Nacht ist tief, noch ist die Heimat weit, führ du mich an! Behüte du den Fuß: der fernen Bilder Zug begehr‘ ich nicht zu sehn: ein Schritt ist mir genug.
Ich war nicht immer so, hab‘ nicht gewusst zu bitten: du führ an! Den Weg zu schaun, zu wählen war mir Lust – doch nun: führ du mich an! Den grellen Tag hab ich geliebt und manches Jahr regierte Stolz mein Herz, trotz Furcht: vergiss, was war!
So lang gesegnet hat mich deine Macht, gewiss führst du mich weiter an, durch Moor und Sumpf, durch Fels und Sturzbach, bis die Nacht verrann und morgendlich der Engel Lächeln glänzt am Tor, die ich seit je geliebt, und unterwegs verlor.
John Henry Newman (dt: Ida F. Görres)
von Irrwegen
von Vorurteilen
von Grübeleien
von Herzenshärte
Mache dich auf
für die Gaben des Lebens
für die Gaben des Lichts
Du wirst erhalten
was DU brauchst
du wirst strahlen
wenn Knoten sich lösen
und
dein Herz durchlässig wird
für die LIEBE
Beschenkt
kannst du schenken
Güte
Achtsamkeit
Zuwendung
Dein Gehör
Dein Anpacken
Deine Präsenz
Das ALLES ist
Goldes wert!
Steh auf! Nimm Licht in dich auf!
Vor dir ist ein Licht,
und der Glanz Gottes geht auf über dir.
Denn schau! Finsternis bedeckt die Erde
und Dunkel die Völker,
aber über dir geht Gott auf
und sein Glanz erscheint über dir
(Jesaja 60, 1 f)
"Binde deinen Karren an einen Stern", hatte Leonardo da Vinci gesagt. Ein paar Männer also wandern oder reiten in der Dunkelheit durch die syrische Wüste unter einem Stern. Es ist seltsam, dass auch in unserer Zeit, die in solchen Geschichten, Legenden, Fantasien, Erfindungen erblickt, diese Reise, von der wir wenig wissen, zu den von Künstlern immer und immer wieder beschworenen Urbildern des wandernden Menschen gehört. Dieses Vertrauen, nach den Zeichen eines Sterns auf unserer Erde einen Weg zu einem unbekannten Ziel zu suchen, und die Gnade, es tatsächlich zu finden, scheint uns Heutige tief zu berühren, uns, denen nichts so sehr fehlt wie das Vertrauen in unseren Weg, in unsere Ziele oder gar in einen Gott, der uns Zeichen gäbe, wohin die Reise zu gehen habe.
Wie sollte ein Naturereignis, noch dazu eines von außerhalb unserer Erde, einen zutreffenden Hinweis enthalten können auf einen Vorgang in der Geschichte des Menschen? Wie sollten die verschiedenen Schichten und Räume der Natur eine Botschaft füreinander haben? Wie sollte der Sternhimmel zu mir, dem beobachtenden Menschen, reden können. Wie sollten Stern und Erde, Natur und Menschen vom selben Ereignis berührt sein können? Das Erstaunliche ist das Vertrauen der fremden, unbekannten Männer, der Weg, den sie auf der Erde suchen, werde sie an den von den Zeichen am Himmel gemeinten Ort führen, und, was die Sterne sagten, werde sich auf der Erde als wahr erweisen.
Könnte es nicht sein, dass auch uns eine Wirklichkeit zugänglich würde, die wir vergessen oder verdrängt haben? Könnte unsere Aufgabe nicht die sein, dass wir uns bisher ausgesparten, verleugneten, vergessenen Wirklichkeiten neu öffnen und es in Kauf nehmen, dass man uns rückständig oder Schlimmeres schilt? Könnte es nicht sein, dass sich ein Weg zeigte, auf dem der notorische Mangel an Vertrauen, der das Daseinsgefühl der Menschen um uns her bestimmt, ausgefüllt würde auf dem sich uns eine größere, eine reichere, eine tiefere Wirklichkeit offenbarte als die, die wir kennen, und wir fähig würden, uns ihr mit einem neuen Vertrauen zuzuwenden?
Martin Luther (1535) nach Offenbarung 12.
Wenn's ganz finster wird
dem Stern vertrauen
mich an IHM orientieren
heraus finden
aus der Nacht meiner Gefühle
aus dem Wirrwarr meiner Gedanken
aus der Starre meines ,Anstehens‘
herausfinden
was weiter bringt
was zur Lösung führt
was mein Leben wieder erhellt
was SINN macht
Gott leuchtet schon
in dir - in mir
Wer bemerkt
seinen erleuchtenden Weckruf?
Erkenne
und du wirst von sehr großer Freude
erfüllt sein
Die Gaben der Weisen aus dem Morgenland, waren damals kostbarste Güter. Mit Rauch, Harzen und verführerischem Glanz prägen sie bis heute die Rituale der Kirche.
Sterndeuter wollten wir sein
den richtigen Weg finden
die eine Wahrheit suchen -
rein wie Gold
das Gebet finden -
heilsam wie Weihrauch
bittere Myrrhe des Leidens
in Tränen verwandeln
ankommen wollten wir
im Geheimnis des Lebens.
Aus: Ilse Pauls: Worte am Weg. Gedichte. Wolfgang Hager Verlag, Stolzalpe 2013.
Als ein behutsam Licht
Stiegst du von Vaters Thron.
Wachse, erlisch uns nicht,
Gotteskind, Menschensohn!
Sanfter, wir brauchen dich.
Dringender war es nie.
Bitten dich inniglich,
Dich und die Magd Marie -
König wir, Bürgersmann,
Bauer mit Frau und Knecht:
Schau unser Elend an!
Mach uns gerecht!
Gib uns von deiner Güt
Nicht bloß Gered und Schein!
Öffne das Frostgemüt!
Zeig ihm des andern Pein!
Mach, daß nicht allerwärts
Mensch wider Mensch sich stellt.
Führ das verratne Herz
Hin nach der schönen Welt!
Frieden, ja, ihn gewähr
Denen, die willens sind.
Dein ist die Macht, die Ehr,
Menschensohn, Gotteskind.
Josef Weinheber in: Gebete der Dichter. Große Zeugnisse aus 12 Jahrhunderten ausgewählt von Alois Weimer. Patmos Verlag, Düsseldorf 2006.
Lang ist's her
Sie hatten seinen Stern gesehen, die drei. Doch das war lange her. Sie hatten seinen Stern gesehen ... Der hatte sie vom Stuhl gerissen und aus den Matratzen. Aufbruch im Morgengrauen des Lebens. Sie hatten sich auf den Weg gemacht. Doch den hatten sie sich ganz anders vorgestellt: gradliniger, einfacher, klarer und zielstrebiger, nicht über Autun oder Limburg, sondern direkte Luftlinie nach Bethlehem. Und nun liegen sie da am Boden und schlafen, alle unter einer Decke, damit sie nicht frieren - ohne Heizung.
Man kann ja auch wirklich müde werden und verzweifeln. Ständig kam etwas dazwischen: Päpstliche Instruktionen, Verordnungen im Amtsblatt, Skandal unter den Getreuen ... Von den immer gleichen Problemen gar nicht zu reden: Die Leute sind stur, kapieren's nicht, wollen ewig alles beim Alten lassen ... Und dann ging auch noch das Geld aus.
Sie hatten einen Stern gesehen. Doch das war lange her. Und der eine war müde geworden, und der andere war frustriert, und der Dritte war einfach sauer und wütend zugleich. Und alle drei hatten sie Blasen an den Füßen und waren lahm geworden. Die Jüngsten waren sie ja schließlich auch nicht mehr. Sie gingen weiter, weil sie halt mal gegangen waren, der Macht der Gewohnheit folgend, nicht dem eigenen Triebe. Die Vision des Aufbruchs war längst auf der Strecke geblieben.
Sie hatten einen Stern gesehen. Aber darüber redeten sie schon lange nicht mehr miteinander; es wäre ihnen fast peinlich gewesen, das Gespräch darüber war versickert. Andere Themen hatten sich aufgedrängt: Wer und was sich alles bei den anderen ändern müsste; wo man wirklich sparen könnte, und was einem alles nicht passt, überhaupt und so.
So kam es, dass sie irgendwann alle drei unter einer Decke steckten auf einer bequemen Matratze, irgendwo in Frankreich. Burgund ist das schlechteste nicht - der Wein, der Käse ... Da kann man's zunächst einmal aushalten. Bitte nicht stören!
Der störende Engel
Wenn da nicht dieser Engel wäre, der die Schlafenden energisch anstupst. Er zeigt auf den Stern. Entschuldigt, sagt er, wenn ich störe, da war doch noch etwas. Da war doch ein Stern, erinnert euch, der hatte euch nicht in Ruhe gelassen. Der hatte euch vom Stuhl gerissen und aus den Matratzen. Ihr wolltet nicht einfach so weitermachen ...
Ja, ja, schon gut, sagt der eine unter der Decke und macht nicht mal die Augen auf. Stern, Engel - da kann ja jeder kommen. Er dreht sich um und schläft weiter.
Lass mich in Ruhe mit dem Stern, sagt der andere unter der Decke. Ich bin in meinem Leben schon vielen nachgelaufen. Ich habe schon so viele Aufbrüche zusammenbrechen gesehen, von kirchlichen Ordnungen und Instruktionen ausgebremst. Verschone mich mit solchen Sternen. Ich hab meine Decke, basta!
Einer von den dreien hat die Augen aufgemacht. Nicht dass er den Stern noch im Blick hätte. Er schaut in eine ganz andere Richtung. Aber die Augen hat er immerhin aufgeschlagen. Der Engel stupst ihn an: Schau mal, der Stern! Du brauchst bloß den Kopf zu drehen, umzukehren. Ganz nah ist er bei dir, der Stern. - Die drei bleiben liegen ...
Mensch Engel, was nun? Was willst du jetzt tun? Ziehst du den dreien die warme Decke weg? Sie werden dich zum Teufel wünschen und sich endgültig in die Ofenecke verkriechen. Mensch Engel, überleg's dir.
Noch ist nicht aller Tage Abend
Es gab einmal den Tag, da haben wir seinen Stern gesehen. Es gab einmal den Tag, da hat's uns von den Stühlen gerissen und wir sind aufgebrochen. Und schließlich sind wir immer noch dabei, wie auch immer. Mag sein, dass wir uns zur Ruhe gesetzt oder gelegt haben und denken: Sternzeiten, das war einmal, das ist lange her. Aber noch sind - hoffentlich - die Augen offen, und irgendwie, lahm oder angeschlagen, sind wir immer noch auf dem Weg. Innen drin, ganz tief im Herzen ahnen wir vielleicht, dass der Stern uns gar nicht so fern ist. Wenn uns doch nur ein Engel anstupsen würde: Schau her, mach die Augen auf! Kehr dich um! Dein Stern, ganz nah, ganz nah ...
Von den drei Magiern heißt es im Evangelium, dass sie auf dem Weg geblieben sind. Mehr noch: Sie haben sich nicht einmal im Palast des Herodes länger aufhalten lassen, obwohl es dort molligere Polster und Decken gab als in Autun. Und schließlich sind sie noch rechtzeitig angekommen in Bethlehem, alle drei. Alle Achtung!
Noch ist nicht aller Tage Abend - das neue Jahr fängt gerade erst an. Und - man soll die Hoffnung nicht aufgeben, mit der Kirche nicht, mit unserer Gemeinde nicht, und nicht - jeder und jede hier - mit sich selbst.
Aus: Franz Kamphaus, Gott beim Wort nehmen. Zeitansagen. Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2006.

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Die Lesung ist dem Tritojesaja entnommen. Im Hintergrund steht die Heimkehr des in Babylon exilierten Volkes nach Jerusalem. Aber der neue Anfang wird nicht nüchtern erzählt, sondern in die helle und erhellende Perspektive der Geschichte Gottes mit seinem Volk gestellt.
Am Anfang steht die Aufforderung, im Licht der kommenden Herrlichkeit Jahwes hell zu sein - ungeachtet der Finsternis, die über der Erde liegt. Jahwe selbst erscheint. Hier knüpft die prophetische Botschaft an die priesterschriftliche Schöpfungsgeschichte an:
Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht (Gen 1,1-3).
Dem Volk Israel wird der 1. Tag der Schöpfung noch einmal geschenkt. Mit der Konsequenz: Völker wandern zu diesem Licht und Könige zu diesem strahlenden Glanz. Die (Welt)Geschichte wird in eine Schöpfungsgeschichte verwandelt. Israel, dezimiert, traumatisiert und deprimiert, erlebt, wie es sich in neuem Glanz sammelt und sogar die anderen Völker erhellt: als Zeichen für die ruhmreichen Taten Jahwes. Das Volk Israel bezeugt, dass Jahwe in seiner Herrlichkeit erscheint - und die Finsternis, die die Erde bedeckt, wird von Licht aufgebrochen. Das ist Hoffnung und Gewissheit in einem. Zum Neuanfang gibt es Weihrauch und Gold, Kostbarkeiten, die geradezu für verschwenderische Fülle stehen. "Du wirst es sehen, und du wirst strahlen, dein Herz bebt vor Freude und öffnet sich weit."
Die Überlieferung in Mt 2,1-12 knüpft unmittelbar an die prophetische Verheißung für Israel an. Nur: Gold, Weihrauch (und Myrrhe) werden von den Magiern dem neugeborenen König gebracht. Die antike und mittelalterliche Auslegung hat aus den Magiern in Anlehnung an Jes 60,1-6 Könige gemacht, bezogen auf die Gaben: "drei" Könige.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Der Text dieser Lesung ist vom Thema und der Gedankenführung her eng mit Jes 40 ff verbunden, ja nahezu verwandt.
Jahwe holt nach der dunklen Zeit des babylonischen Exils (538 v. Chr.) sein Volk heim. Jerusalem wird zur herrlichen und glücklichen Stadt, während die heidnische Umwelt in Not und Elend liegt. Dies wird bildlich dargestellt durch "Licht" und "Finsternis".
Die Herrlichkeit des Herrn ist so groß, dass alle Völker mit ihren Königen nach Jerusalem ziehen, um mit ihren Gaben dem Gott Israels zu huldigen; und der "Reichtum des Meeres", den diese Handelsvölker haben, ist gewaltig. Wie zu den Zeiten des Königs Salomon die Königin von Saba mit reichen Geschenken nach Jerusalem kam (vgl. 1 Kön 10), so werden auch jetzt große Karawanen aus dem nord- und südwestlichen Arabien kommen und Weihrauch und Gold mitbringen. Auch alle Israeliten, die weit verstreut in der Diaspora leben, werden kommen und die anderen Völker werden durch den Auftrag Jahwes für freies Geleit sorgen (vgl. Jes 49,22).