Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Jesaja.
Der Herr sagte zu mir: Du bist mein Knecht, Israel,
an dem ich meine Herrlichkeit zeigen will.
Jetzt aber hat der HERR gesprochen,
der mich schon im Mutterleib
zu seinem Knecht geformt hat,
damit ich Jakob zu ihm heimführe
und Israel bei ihm versammelt werde.
So wurde ich in den Augen des HERRN geehrt
und mein Gott war meine Stärke.
Und er sagte:
Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist,
nur um die Stämme Jakobs wieder aufzurichten
und die Verschonten Israels heimzuführen.
Ich mache dich zum Licht der Nationen;
damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Mein Gott, ich komme;
deinen Willen zu tun, ist mein Gefallen. - Kv
GL 31,1
Ich hoffte, ja ich hoffte auf den HERRN. *
Da neigte er sich mir zu und hörte mein Schreien.
Er gab mir ein neues Lied in den Mund, *
einen Lobgesang auf unseren Gott. - Kv
An Schlacht- und Speiseopfern hattest du kein Gefallen, /
doch Ohren hast du mir gegraben, **
Brand- und Sündopfer hast du nicht gefordert.
Da habe ich gesagt: Siehe, ich komme. *
In der Buchrolle steht es über mich geschrieben. - Kv
Deinen Willen zu tun, mein Gott, war mein Gefallen *
und deine Weisung ist in meinem Innern.
Gerechtigkeit habe ich in großer Versammlung verkündet, *
meine Lippen verschließe ich nicht; HERR, du weißt es. - Kv
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korinth.
Paulus, durch Gottes Willen berufener Apostel Christi Jesu,
und der Bruder Sosthenes
an die Kirche Gottes, die in Korinth ist -
die Geheiligten in Christus Jesus,
die berufenen Heiligen - ,
mit allen, die den Namen unseres Herrn Jesus Christus
überall anrufen, bei ihnen und bei uns.
Gnade sei mit euch
und Friede von Gott, unserem Vater,
und dem Herrn Jesus Christus!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Halleluja. Halleluja.
Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.
Allen, die ihn aufnahmen,
gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit
sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen
und sagte: Seht, das Lamm Gottes,
das die Sünde der Welt hinwegnimmt!
Er ist es,
von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann,
der mir voraus ist, weil er vor mir war.
Auch ich kannte ihn nicht;
aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser,
damit er Israel offenbart wird.
Und Johannes bezeugte:
Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube
und auf ihm blieb.
Auch ich kannte ihn nicht;
aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen,
er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen
und auf ihm bleiben siehst,
der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft.
Und ich habe es gesehen
und bezeugt:
Dieser ist der Sohn Gottes.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Das Evanglium dieses Sonntags verkündet das Zeugnis, das Johannes der Täufer von Jesus abgibt (vgl. Joh 1,19). Dieses Zeugnis hat die synoptischen Erzählungen von der Taufe Jesu zum Hintergrund. Im Gegensatz zu den anderen Evangelien aber werden der Vorgang der Taufe und die Offenbarung Jesu als Sohn Gottes bei Johannes nicht beschrieben. Dieser spricht über Jesus (bzw. läßt den Täufer sprechen) in der für ihn typischen Überhöhung.
Jesus ist für Johannes das Lamm Gottes, das eigentliche Paschaopfer. Johannes nimmt hier bereit österliches Geschehen voraus. Nach dem Johannesevangleium wird Jesus im Gegensatz zu den anderen drei Evangelisten genau zu dem Zeitpunkt den Tod erleiden, an dem im Tempel die Paschalämmer geschlachtet werden.
Der Evangelist verbindet mit dem Bildnamen "Lamm Gottes" eine Aussage, die im Kern mit dem Paschalamm nichts zu tun hat: "das die Sünde der Welt hinwegnimmt". Der Tod Jesu wird als Sühne für die Schuld der Menschen erkannt.
Weiters läßt er den Täufer sagen, daß Jesus der sei, der nach ihm kommt, jedoch schon vor ihm war. Jesus ist der, der am Anfang war (vgl. den Prolog Joh 1,1 ff). Aufgabe des Täufers ist, Zeugnis für Jesus abzulegen. Er hat Jesus als den mit dem Geist Ausgestatteten erkannt. Dies weist ihn als Sohn Gottes, als Messias aus.
Dieser Textabschnitt stellt einen Baustein im schrittweisen Offenbarwerden des Sohnes Gottes am Beginn seines Wirkens dar. Jesus wird sich in der darauffolgenden Erzählung den ersten Jüngern zeigen und bei der Hochzeit zu Kana sein erstes Zeichen setzen, das ihn als Messias ausweist.
Die biblischen Texten an den Sonntagen nach Weihnachten kreisen um die Frage, wer ist dieser Jesus, dessen Geburt und Menschwerdung wir zu Weihnachten gefeiert haben. Sie führen uns tiefer in das Mysterium der Person Jesu Christi und seiner innigen Beziehung zu Gott, seinem Vater, und den Heiligen Geist hinein. Dazu gehört auch die Rede vom "Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt".
Der Kölner Volksschauspieler Willy Millowitsch machte in den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts das Lied "Wir sind alle kleine Sünderlein" zu einem deutschen Schlager. Dieser gibt ein weit verbreitetes Stimmungsbild wider, wie viele Menschen empfinden, wenn von Sünde die Rede ist. Aus diesem Blickwinkel geht es um die kleinen Fehler, um die kein Mensch in seinem Leben herumkommt. Diese sind zwar lästig, wir sind aber augenzwinkernd geübt, sie nicht ernst zu nehmen.
Zu dieser Verharmlosung des Sündenverständnisses hat auch der kirchliche Umgang mit dem Thema Sünde kräftig beigetragen. In meinen jungen Jahren haben übereifrige Seelsorger alles Mögliche zu schwerer Sünde oder gar zur Todsünde erklärt. Ohne diese bis ins Detail zu beichten durfte man nicht zur Kommunion gehen und musste man mit der Hölle zu rechnen… Auf diese Weise haben sich viele Katholiken einen verharmlosenden Umgang mit dem Thema Sünde angeeignet.
Hinzu kommt, dass uns zur gleichen Zeit das Thema der Barmherzigkeit Gottes in neuer Weise bewusst gemacht geworden ist. Kehrseite dieser Entwicklung ist, dass viele Menschen kein Gespür mehr für das Thema Sünde entwickelt haben und meist nicht mehr wissen, was das Wort Sünde in seiner theologischen Tiefe bedeutet. Nun können viele mit einer Rede vom "Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt" nicht mehr viel anfangen.
Das Wort Sünde ist mit dem Wort "sondern" verwandt. Es meint die Absonderung von der Allgemeinheit und von dem, was als das Gute anerkannt ist. Für gläubige Menschen hat ein solches sich Absondern auch eine religiöse Dimension: Sünde ist eine Absonderung von dem, was vor Gott recht ist, und was die Beziehung zu Gott belastet. Wenn dann für jemand die Gottesbeziehung obendrein nur etwas sehr Vages ist, wird für ihn das Wort Sünde zu einem Fremdwort und mehr oder weniger bedeutungslos.
Im Evangelium dieses Sonntags hat uns der Täufer Johannes Jesus als "Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt" vorgestellt. Ich fürchte, dass theologisch ungeübte Hörer mit dieser Aussage aus zwei Gründen nicht viel anfangen können. Zum Einen spüren sie nicht mehr die existentielle Dramatik, die in einem vertieften theologischen Verständnis von Sünde enthalten ist. Sünde meint den unendlich großen Abstand zu Gott, der gegeben ist, wenn wir Gott in seiner Größe und Allmacht ernst nehmen; ein Abstand, den wir als Menschen von uns aus nicht überwinden können, wenn Gott uns nicht entgegen kommt. Sünde in diesem Sinn ist mehr als die Summe aller Gebotsübertretungen und menschlichen Schwächen und Fehler. Mit dem Wort Sünde in diesem umfassenden Sinn wird das gebrochene Verhältnis der Menschheit gegenüber Gott zusammengefasst.
Dazu kommt noch ein zweiter Aspekt. Seit urdenklichen Zeiten versuchen Menschen Gott durch Opfer versöhnlich zu stimmen. Durch Sühnopfer bitten sie Gott bzw. die Götter, ihnen die Sünden zu vergeben und sich ihnen wieder wohlwollend zuzuwenden. Dieser Opferkult war rund um den Jerusalemer Tempel reich ausgestaltet und spielt im Hinblick auf den Todeszeitpunkt Jesu eine wichtige Rolle. Nach dem Johannesevangelium stirbt Jesus am Kreuz zu der Stunde, als im Tempel die Osterlämmer geschlachtet wurden. Markus, Lukas und Matthäus verbinden das Abschiedsmahl Jesu mit dem Paschamahl, das in jüdischen Familien als Opferritual gefeiert wurde.
Wenn nun Jesus als "Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt" bezeichnet wird, bedeutet dies, dass nach diesem Verständnis durch die Lebenshingabe Jesu das gebrochene Verhältnis der ganzen Menschheit zu Gott wiederhergestellt wird. Es geht nicht darum, dass ein beleidigter Gott durch das Opfer seines Sohnes beschwichtigt wird, sondern um die Lebenshingabe, in der sich Jesus, zugleich Mensch und Gott, sowohl Gott als auch den Menschen sein Leben hingibt und so das von Gott gewollte Naheverhältnis zu den Menschen wiederherstellt.
Die biblischen Texten an den Sonntagen nach Weihnachten kreisen um die Frage, wer ist dieser Jesus, dessen Geburt und Menschwerdung wir zu Weihnachten gefeiert haben. Von Sonntag zu Sonntag führen sie uns tiefer in das Mysterium der Person Jesu Christi und seiner innigen Beziehung zu Gott, seinem Vater, und den Heiligen Geist hinein. Sie bereiten uns auf das kommende große Ereignis vor, das wir in wenigen Wochen zu Ostern feiern werden. Und sie fordern uns heraus, unsere Beziehung zu Gott zu überdenken, und versuchen uns bewusst zu machen, "welche Liebe uns der Vater geschenkt hat." (vgl. 1 Joh 3,1).
Jesus ist gekommen, um Licht der Nationen zu sein und nicht nur um die Stämme Jakobs wieder aufzurichten. Das Heil Gottes soll bis an das Ende der Erde reichen. Diese allumfassende Weite enthält viele Anlässe zu Streit und zu Spaltung. Der Geist Gottes kann Einheit in Vielfalt herstellen, in der Pluralität ermöglicht wird.
Einen Tag vor dem Beginn der traditionellen Gebetswoche um Einheit der Christen begehen wir einen „Tag des Judentums“ als Erinnerung, dass es kein Christentum ohne Judentum gibt, weil dieses die Basis, die Wurzel für das Christentum ist. Es ist also eine bedeutungsvolle Woche, die uns aufmerksam macht, dass wir „ein Leib und ein Geist [sind], wie wir auch berufen sind zu einer Hoffnung in unserer Berufung." (vgl. Eph 4,4). Diesen Worten sollten Taten folgen. Das braucht viel Heiligen Geist.
Leider scheint er oft ausgeblieben zu sein, denn der Auftrag an Israel lautet: „Licht der Nationen [zu] werden“ (Jes 49,6), bzw. Licht für alle Völker der Welt, um die zwölf Stämme Israels wieder aufzurichten. Jakob, der Stammvater, steht aber in Rivalität mit seinem Zwillingsbruder Esau. Somit steht fest, dass es schon in den Anfängen Spaltung und Ausgrenzung gab, also weit weg vom Auftrag „Licht der Nationen zu werden. (vgl. Jes 49,6).
Das wird in der zweiten Lesung (1 Kor 1,1-3) nicht besser. Auch Paulus, Gründer der Gemeinde von Korinth, „berufener Apostel“ stößt auf Schwierigkeiten. Einige Juden zeigten sich feindlich gegen Paulus und gingen gegen ihn gewaltsam vor. Über den römischen Prokonsul Gallio versuchten sie, ihn auszuweisen oder ins Gefängnis zu stecken. Wir lernen Korinth als eine sehr widerspenstige Gemeinde kennen, die immer wieder von Spaltungen betroffen war. Deshalb mahnt er: „Seid alle einmütig und duldet keine Spaltungen unter euch!“ (1 Kor 1,10). Leider aber sind dort viele Gruppierungen und Streitparteien entstanden. Paulus lehnt es ab, in diese Streitigkeiten hineingezogen zu werden. „Denn Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkünden, aber nicht mit gewandten und klugen Worten, damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird.“ (1 Kor 1,17). Rhetorik allein ist zu wenig, um die Gemeinde zu einen, die Kraft und das Beispiel des Kreuzes muss wirken als Liebe bis in den Tod.
Die Kirchengeschichte ist voll von Streitigkeiten, Religionskriegen mit vielen tausenden Toten. Gott sei Dank gibt es aber auch viele Lichtblicke, wo Kirche auch „Licht für die Völker“ ist.
Im Evangelium tritt wieder Johannes der Täufer auf; ein Mann klarer Worte, rau in seiner Sprache, um sich verständlich zu machen. Er weist auf das „Lamm Gottes“ hin, ein christologischer Titel, der im Neuen Testament und zwar im Johannesevangelium nur zweimal genannt wird. Die Bezeichnung wird auf Jesus bezogen.
Mit dem Paschalamm verweist Paulus auf den Kreuzestod Jesu. Das Lamm, ein Symbol für Friedfertigkeit, Gewaltlosigkeit, ist zutraulich gegenüber den Absichten seiner Widersacher. Auch in der Offenbarung des Johannes nimmt das Lamm breiten Raum ein. Es ist identisch mit Christus.
Im Evangelium hörten wir auch vom Heiligen Geist, der in Form einer Taube herabkommt. Er schafft Frieden und Beziehung, trägt zur Einheit, nicht zur Uniformität bei.
Es geht somit um Einheit in versöhnter Verschiedenheit, die Pluralität zulässt. Wer von Einheit spricht, sollte aber auch Spaltung, Krieg, Leid mitbedenken und sich der Folgen bewusst werden. Wenn in dieser Woche noch immer in den christlichen Kirchen um Platz an dem „einen Tisch bei einem gemeinsamen Mahl“ gebetet wird, dann geht es nicht um Uniformität, dass sich alle um einen Tisch zu versammeln haben, sondern noch immer um ein nicht wirklich aufgehobenes Verbot, auch in Gottesdiensten anderer christlicher Konfessionen nach unterschiedlichen Jahrhunderte alten Traditionen zum Tisch des Herrn zu gehen und das eine Brot und den einen Kelch zu empfangen. Man kann im Mitfeiern Einsicht gewinnen in die Feierkultur anderer christlichen Traditionen.
Mit dieser Formel "Einheit in versöhnter Verschiedenheit" ist keineswegs eine Rückkehrökumene gemeint, eine Rückkehr zur römisch-katholischen Kirche. Wer so denkt hat das Anliegen der Ökumene nicht verstanden. Gemeint ist mit Ökumene eine gemeinsame Heimat. Nach sehr langem Ringen haben christliche Kirchen zum überwiegenden Teil das Sakrament der Taufe als gemeinsames Anfangssakrament wechselseitig anerkannt. Es ist in den letzten Jahrzehnten viel Gutes geschehen. Große Fortschritte sind erzielt worden, es bleibt aber noch viel zu tun.
Diese Texte zeigen das Gegensatzpaar Spaltung und Einheit in versöhnter Verschiedenheit. Eine Gemeinschaft, nicht nur die kirchliche, sollte sich regelmäßig angstfrei fragen, was sie zusammenhält. Die Furcht um Identitätsverlust der jeweiligen Konfession, vor allem dann, wenn sie in der Minderheit ist, wäre dann überflüssig.
Die Jesusgeschichte beginnt schon lange vor seinem Auftreten in Palästina. Jesaja erzählt von einem Gottesknecht, der später von den Christen mit Jesus identifiziert wird. Johannes der Täufer zeigt auf ihn hin und sieht in ihm das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt. Jesus tritt auf um die Menschen aufzurichten.
Ein Altar im Museum – schon mal nicht schlecht. Ein Altar in der Kirche – Mittelpunkt und Augenschmaus. Ein Altar in einem Krankensaal – Labsal und Hoffnung. Ich denke an den Isenheimer Altar, ein Meisterwerk. Meister Mathis, genannt Grünwald, hat ihn Anfang des 16. Jahrhunderts geschaffen. Für einen Krankensaal!
Menschen liegen hier. Mitgenommen. Manchmal ohne Hoffnung. Manchmal voller Hoffnung. Hier hat jeder sein Päckchen zu tragen. Hier kann jeder eine Geschichte erzählen. Eine Leidensgeschichte. Aber wenn sie dort hinschauen, wo der Altar steht, sehen sie Jesus. Er hängt am Kreuz. Aber schauen sie genauer hin, sehen sie auf seinem Körper ihre eigenen Gebrechen, Wunden und Schmerzen. Meister Mathis hat genau hingesehen, mit welchen Leiden Menschen in diesem Saal liegen – und liegen werden. Sein Altar ist Blickfang, Spiegel und Tröster. Alles in einem. Meister Mathis malt: Er, Jesus, ist einer von euch.
Doch rechts vom Kreuz hat Meister Mathis einen bärtigen Mann gemalt. Die ärmliche Kleidung fällt auf. Es ist nicht die zeitgenössische Mode. Ein wenig herunter gekommen sieht er aus – oder wie ein Asket? In seiner linken Hand hat er ein aufgeschlagenes Buch. Er hält es so, dass wir wohl mitlesen sollen, was darin steht. Das aber ist gar nicht so einfach. Aber richtig auffällig ist seine rechte Hand. Ein überaus langer Zeigefinger weist auf Jesus. Und zu seinen Füßen ist ein Lamm zu sehen. Mit einem Kreuzstab In den Pfoten. Wer das wohl sein mag? Schauen Sie sich das Altarbild im Internet einmal an. - Wenn Sie auf Johannes den Täufer kommen, haben Sie 100 Punkte.
Damit sind wir mitten in einer Geschichte, die uns heute im Evangelium begegnet. Was sagt der Täufer, als er Jesus sieht, schon von weitem sieht?
„Seht, das Lamm Gottes,
das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“
Meister Mathis hat zwar auch noch einige andere Spuren in seinen Altar gelegt, aber diese Spur ist mit bloßem Auge sichtbar. Jesus ist das Lamm Gottes. Darum der lange Finger! Darum das Lamm zu Füßen! Darum das aufgeschlagene Buch!
Für die Menschen, die damals in dem Krankensaal auf ihren Tod warteten, gelegentlich den Ort, der nach Krankheit und Fäulnis roch, auch verlassen konnten, stand die älteste Frage der Menschen im Raum: Warum? Warum ich? Oft kamen Schuldgefühle hinzu. Manchmal diffus, manchmal mit dem bitteren Geschmack, das Leben vergeigt zu haben. In der Verlassenheit dieses Ortes wanderten unzählige Gedanken von Mensch zu Mensch, ohne je ausgesprochen werden zu können, ohne je einen Trost zu finden. Was mit Sünde gemeint ist, ist doch diese Einsamkeit, diese Verlorenheit.
„Seht, das Lamm Gottes,
das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“
Heute steht der Altar in einem eigenen Museum. Touristenströme pilgern dorthin. Das Meisterwerk hat seine Liebhaber gefunden. An der Kasse wird der Eintritt gelöst. Postkarten, Flyer und Kataloge gibt es auch. Aber es riecht nicht mehr nach Krankheit, nicht nach Fäulnis, nicht nach Tod. Meister Mathis wollte keinen „schönen“ Altar malen, auf den Wärter aufpassen und Alarmanlagen gerichtet sind. Er wollte Menschen, die am Ende waren, auch mit sich, Jesus als den zeigen, der in ihrer Mitte leidet, der ihre Schmerzen teilt, der ihre Verlorenheit – hinwegnimmt, indem er sie trägt.
An diesem Altar müssen Seelsorger, Seelsorgerinnen die Führungen machen!
Ein tolles Bild: der lange Finger!
Der lange Finger ist etwas nicht! Er ist kein erhobener Zeigefinger! Das Symbol aller Besserwisser, Moralisten und Supermenschen – weg. Ein für allemal weg!
Da ist es ein Glücksfall, ein Geschenk, dass wir heute, am 2. Sonntag im Jahreskreis, also ganz jung im Jahr und ganz unspektakulär, auf eine Geschichte treffen, die lange vorher spielte. Sollen wir sie Vorgeschichte nennen? Oder Vorgängergeschichte? Jedenfalls sind die Ähnlichkeiten so groß, dass wir auf Anhieb verstehen, warum das Evangelium uns in einen Krankensaal führt, den gekreuzigten Jesus vor Augen stellt und uns den längsten Finger der Weltgeschichte zeigt.
Da ist Jesaja. Sie haben die erste Lesung noch ein wenig im Ohr? Jesaja - ein Prophet im Exil. Mitten im ersten vorchristlichen Jahrtausend. Viele Menschen fühlen sich verloren, vergessen oder gar fallengelassen. Von Gott. Von Gott! Äußerlich haben sie sich in der feindlichen und fremden Umwelt eingelebt. So manches Enkelkind trägt einen Doppelnamen. Aber die Menschen warten sehnsüchtig darauf, dass sich das Blatt noch einmal wendet, dass sie noch einmal in ihrer alten Heimat neu anfangen können, dass sie noch einmal Gottes Gegenwart erfahren. Menschen, die auf ihre Fragen keine Antworten bekommen, die der Vergangenheit nachtrauern, singt Jesaja aus einem Lied vor.
„Der Herr sagte zu mir:
Du bist mein Knecht, Israel,
an dem ich meine Herrlichkeit zeigen will.“
Ist Jesaja – der Knecht? Soll er es sein? Spannenderweise wird Israel angesprochen. Du bist mein Knecht, Israel. Immerhin: das ganze Volk. Das Volk Gottes. Israel, das seit Jahren die Schmach trägt, im Exil leben zu müssen, soll zum Boten der Herrlichkeit Gottes werden. Sogar für alle Nationen. Bis an das Ende der Erde. Man höre, man staune! Die Reaktionen der Leute kennen wir leider nicht. Das ganze grenzt an Größenwahnsinn. „Ich mache dich zum Licht der Nationen, damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht“. Hat Gott jegliches Maß verloren? Zuzutrauen ist ihm das. Weil, ja weil die ganze Welt hell werden soll. Und weil Gott allen Menschen mit Liebe zugetan ist. Vom ersten Tag an, als er den Menschen ihr Wesen gab.
Israel hat die Dunkelheit kennengelernt. Israel ist unter die Räder geraten. Israel ist an die Grenzen geführt worden. Jetzt gibt sich Gott nicht damit zufrieden, dass sein Volk wieder zu Kräften kommt - wenn soll die ganze Welt wieder aufgerichtet und heimgeführt werden. Zwei Worte, die zwar gewagt sind, aber ihre Bewährung finden: Aufgerichtet wird, wer auf dem Boden liegt… Heimgeführt, wer keine Heimat hat.
Zwei Geschichten. Die eine von dem Knecht, der aufrichtet und heimbringt, die andere von dem Sohn Gottes, der die Sünde der Welt hinwegnimmt. Ob der Knecht ahnte, dass ihm der Sohn Gottes folgen würde? Ob der Sohn wusste, dass ihm ein Knecht voranging?
Übrigens: Von einem geheimnisvollen Knecht ist die Rede, der mit Jesus identifiziert werden konnte. Es sind Lieder, die davon singen, die davon erzählen. Sie werden als Knecht-Gottes-Lieder berühmt. Wo sie zum ersten Mal gesungen, zum ersten Mal gehört wurden? In Babylon. Im Exil. Für Menschen, die aufgerichtet und getröstet werden. Damit sie andere Menschen aufrichten und trösten.
Der Knecht sagt:
So wurde ich in den Augen des HERRN geehrt
und mein Gott war meine Stärke.
Neben der liebevollen seelsorgerlichen Art entdecken wir, dass das Licht über Nationen und Völkern aufgeht. Womöglich ist das heute gefühlt eher zweifelhaft, aber immer, wenn wir Gottesdienst feiern, freuen wir uns an einer Zusage, die von keinem Menschen zurückgenommen werden kann.
Mehr noch: Wenn wir die alten Lieder singen, die Knecht-Gottes-Lieder, geht ein großer Trotz um die Welt: Die Herren werden von einem Knecht überwunden. In unseren Zeiten mit den vielen kleinen Gendersternen: ihr Herrenmenschen, männlich, weiblich oder divers, trefft auf einen Knecht, der die Kraft hat, den Himmel zu öffnen und eure Höllen zu überwinden.
Meister Mathis hat diesen Knecht gemalt. Er hängt am Kreuz – und ist doch unser Heil. Er ist verwundet – und doch unsere Hoffnung. Er ist einer von uns – und doch so viel mehr.
Ich sehe die Menschen in dem Krankensaal. Da, wo die Hoffnung schmerzhaft gesucht wird, leuchtet sie in den Farben der Liebe.
Ich sehe die Menschen in der Verbannung. Mit den zerbrochenen Hoffnungen. Da, wo der Glaube seine größte Anfechtung erfährt, stimmt er ein trotziges Lied an:
Der Herr sagte zu mir:
Du bist mein Knecht,
an dem ich meine Herrlichkeit zeigen will.
Seht, das Lamm Gottes,
das die Sünden der Welt hinwegnimmt.
Der lange Finger weist den Augen den Weg. Seht! Das Kreuz ist unter uns. Seht!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Im Weihnachtsfestkreis haben wir die Geburt Jesu gefeiert. Doch wer ist dieser Jesus? Johanes der Täufer nennt ihn "Lamm Gottes", "Sohn Gottes" und bezeugt, dass der Geist vom Himmel wie eine Taube auf ihn herabkam.
Zwar ist der Alltag eingekehrt, doch nochmals soll Johannes der Täufer zu Wort kommen, auch im Zusammenhang mit dem letzten Sonntag „Taufe des Herrn.“ So leuchtet noch einmal das Weihnachtsfest auf.
Was teilt uns Johannes mit? Nach johanneischer Theologie ist Jesus selbst das „Lamm Gottes“, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Die Sünde der Welt wird nicht durch die Taufe des Johannes aus der Welt geschafft. Das ist eine Umkehrtaufe.
Das heißt auch für heute: anders leben, damit andere überleben, Umkehr auch aus Freude über das Kommen des Herrn. „Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade, jetzt ist er da, der Tag der Rettung“ (2 Kor 6,2). Man könnte auch sagen: nochmals eine Erinnerung an das Weihnachtsfest, an die Geburt Jesu. Die Sünde der Welt wird erst durch den Tod Jesu und seine Auferstehung getilgt.
Durch diesen Titel wird auch Gewaltlosigkeit angezeigt. Es geht um den Willen zur Vergebung, zur Versöhnung auch mit dem Feind oder den Feinden. Es scheint beinahe unmöglich bei dem Waffengeklirr in der Welt, bei der Drohung mit Atomwaffen, bei der krampfhaften Rechtfertigung des Kriegs wie das der jetzige russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. tut. Friede kann niemals herbei gebombt werden.
Im Evangelium ist auch von der Taube die Rede, die vom Himmel herab auf Jesus kommt, Symbol für den Heiligen Geist, für den guten Geist, der um Beziehung und Friede bemüht ist, zum Unterschied von allem Dämonischen, das so viel Leid in die Welt bringt. Friede/Shalom ist etwas Göttliches als ganzheitliches Wohlergehen schon auf Erden: körperlich, geistig, seelisch, Friede in der Natur und Friede mit der Natur, Friede mit sich selbst, aber: innerliche Zerrissenheit - Der Mensch läuft vor sich selbst davon. Er hält Stille wenig gut aus. Diese Ziele zu erreichen, bedarf harter Arbeit - Exerzitien, Einübung, Engagement.
Der zweite christologische Titel, den wir im Johannesevangelium dieses Sonntags finden und den Johannes erwähnt: „Das habe ich gesehen und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes.“ Johannes weist auf die Vater-Sohn-Beziehung hin. Der Gott Jesu zeigt Beziehung, Nähe und geht in die Richtung „Ich-bin-der-ich-für-euch-immer-da-sein-werde“. Johannes der Täufer bezeugt seinen Glauben mit all seinen Sinnen. Vielleicht haben Sie schon den berühmten Isenheimer Altar von Matthias Grünewald (1515) in Colmar gesehen. Johannes zeigt mit übermäßig langem Zeigefinger auf den gekreuzigten Jesus, das Lamm Gottes. Das Lamm liegt zu seinen Füßen und ein Schriftwort dazu sagt: „Jener muss wachsen, ich muss abnehmen“, nicht als Andeutung auf körperliches Übergewicht zu verstehen, sondern Zentrum aller Verkündigung ist Jesus Christus.
Das tut auch Paulus in seinem Segensgruß an die Gemeinde in Korinth (siehe zweite Lesung). Es ist eine Grußformel mit Segenswünschen an die Gemeinde in Korinth und an den Vorsteher der jüdischen Synagoge Sosthenes. Damals gab es noch nicht diesen Bruch von Judentum und Christentum, der erst seit 60 Jahren mühsam gekittet wird. Paulus richtet diesen Segensgruß an alle, die berufen sind, ein Leben im Geiste Jesu zu führen. Das ist nicht nur ein Segensgruß, sondern auch ein Wunsch: „Lebt so im Geiste Jesu!“ Das scheint nicht so zu gelingen, weil diese Friedensbotschaft nicht gehört, vielleicht sogar bewusst überhört und abgelehnt wird.
Im Kommunion-Ritus bei der Erhebung des Kelches mit dem gebrochenen Brot spricht der Priester: „Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt“, aus der so viele andere Sünden entstehen: Neid, Gier, Machtgehabe, viele andere Versuchungen. Erich Kästner (1899- 1974) widmete vor mehr als fünfzig Jahren „Dem Revolutionär Jesu zum Geburtstag“ diesen Text:
„Zweitausend Jahre sind es fast /
seit du die Welt verlassen hast /
du Opferlamm des Lebens! -
Du gabst den Armen ihren Gott /
Du littest durch der Reichen Spott.
Du tatest es vergebens!
Du sahst Gewalt und Polizei.
Du wolltest alle Menschen frei /
und Friede auf der Erde.
Du wusstest wie das Elend tut /
und wolltest allen Menschen gut,
damit es schöner werde!...
Du starbst umsonst.
Und alles blieb beim Alten.“
Versuchen wir alles zu tun mit unseren Talenten und Begabungen (=Gaben), die wir vom Heiligen Geist empfangen haben und auch durch unser Gebet, um das beim Alten zu lassen, was sich bewährt hat und ohne Angst Neues zu versuchen, denn so sagt es uns die Schrift: „Fürchtet euch nicht! - Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Zeiten.“
Nach dem großen Prolog stellt uns das vierte Evangelium mit programmatischen Sätzen Jesus und sein Programm vor. Diese bedürfen der Konkretisierung und Erläuterung. Was meint er mit "Sünde der Welt" und was bedeutet die "Taufe mit dem Heiligem Geist"?
Österreich hat seit einigen Tagen eine neue Regierung, die EU seit wenigen Wochen eine neue Riege an Kommissaren. Neue Gesichter haben die politische Bühne betreten, und die politischen Beobachter warten gespannt, welche Programme sie vorlegen und wie sie diese umsetzen werden. Die Kunst des Regierens liegt im Detail. Programmüberschriften im Koalitionsübereinkommen müssen erst eine konkrete Gestalt und konkrete Inhalte bekommen.
Im heutigen Evangelium beschreibt der Evangelist Johannes, wie Jesus seinerzeit die Bühne der Öffentlichkeit betreten hat. Er lässt Johannes den Täufer Jesus und sein Programm vorstellen. Er spricht von Jesus in den höchsten Tönen und ist überzeugt, Jesus ist der Sohn Gottes. Er charakterisiert ihn als "Lamm, das die Sünde der Welt hinwegnimmt". Verständlicherweise bestand seitens der Johannesanhänger wohl auch Interesse daran, worin sich die beiden in ihren Programmen unterscheiden. Jesus werde nicht nur mit Wasser taufen sondern auch mit Heiligem Geist, heißt es.
Dieser Satz hört sich aufs Erste wie gekonnte Öffentlichkeitsarbeit an. Die Darstellung des Evangelisten erfolgt im Rückblick, d.h. er stellt uns Jesus vor, der zwar am Beginn seines Wirkens steht, die genannten Ziele sieht er rückblickend bereits verwirklicht.
Die Rede vom Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt, ist mittlerweile zu einer liturgischen Formel geworden, nach deren Bedeutung kaum mehr gefragt wird. Dabei fällt auf, dass das Wort Sünde in der Einzahl gebraucht wird. Es ist die Rede von der Sünde, nicht von Sünden. Es geht offenbar nicht um die vielen Sünden, über die sich trefflich spekulieren ließe, sondern um die Sünde der Welt schlechthin.
Mit dem Wort Sünde wird die Absonderung der Menschen von Gott benannt, d.h. dass sie sich von Gott entfernt haben. Diese begegnet uns in vielen Facetten. Gott wurde aus unserem zivilen Leben und aus dem Bewusstsein vieler Menschen hinausgedrängt. Sie handeln autonom. Zeichen und Symbole, die auf Gott hinweisen, sind nur an besonderen Orten geduldet, in gesellschaftlich sensiblen Bereichen sind sie unerwünscht und manchmal sogar verboten. Gott spielt im Denken der Menschen immer weniger eine Rolle. Ethische Entscheidungen sollen möglichst mit sachlichen, nichtreligiösen Argumenten begründet sein. Werte werden vom Geldwert, vom Sachwert, von der Nützlichkeit oder von der Nachfrage her bemessen. Religiöse Gesichtspunkte sind in vielen Diskussionen von vornherein verdächtig und nur selten konsensfähig. Bestenfalls werden sie toleriert. Bestimmte Fragen, wie die nach dem Wert des Lebens, der Menschenwürde, Bewahrung der Schöpfung, Gerechtigkeit, sind ohne Blick auf den Schöpfer nur mit Mühe überzeugend zu beantworten.
Jesus ermöglicht mit seiner Sichtweise Gottes, den er als väterlich-mütterlich liebenden Gott vorstellt, eine neue Beziehung zu Gott, die für unser ganzes Leben gut und heilsam ist. Damit überwindet er die verhängnisvolle Abwendung des Menschen von Gott, der meint, nur ohne Gott voll und ganz Mensch und frei zu sein.
Diese Versöhnung mit Gott geschieht dadurch, dass er den Menschen den Heiligen Geist gibt. "Allen, die ihn aufnahmen, gab er die Macht, Kinder Gottes zu werden…", hat es einige Verse davor geheißen. Wer sein Denken, Tun und Fühlen vom Heiligen Geist lenken lässt, beginnt in Übereinstimmung mit Gott zu leben und überwindet damit nicht nur die Sünde der Welt in diesem grundlegenden Sinn, sondern wirkt auch den vielen Verfehlungen gegen das, was für uns selbst und für die Mitmenschen gut wäre, entgegen. Er heilt damit auch die Sünden des Alltags.
Der Evangelist beschreibt in den auf diese Eröffnung des Evangeliums folgenden Kapiteln, wie Jesus den Heiligen Geist Gottes in Wort und Tat vorstellt. Für ihn ist Jesus Sohn Gottes. Dies bezeugt er durch sein Evangelium. An uns liegt es, wie weit wir uns von seinem Zeugnis berühren und vom Heiligen Geist erfüllen lassen.
Jesus hatte Kontakt zum Täufer Johannes, ließ sich von ihm taufen. Beide haben eine hohe wechselseitige Wertschätzung, doch Johannes schließt sich Jesus nicht an. Mit Jesus beginnt eine neue Zeit, eine geisterfüllte Hinwendung Gott zum Menschen.
„Wer meint, Jesus sei freiwillig zu den Menschen gekommen, kennt seinen Vater schlecht.“
G. K. Chesterton.
Dieser pointierten Aussage von G. K. Chesterton (dem Erfinder der Figur „Pater Brown“) möchte ich das heutige Evangelium gegenüberstellen: Jesus und seine Gottesbeziehung ist geprägt von der freien „geisterfüllten“ Hinwendung Gottes zum Menschen und umgekehrt, wie es im Bild der Taufe Jesu zum Ausdruck kommt. Die Evangelien beschreiben diese als eine geisterfüllte Erfahrung. Johannes der Täufer verkündigt Jesus seinem eigenen Jüngerkreis dieses Beziehungsereignis „der Taufe Jesu“!
Johannes der Täufer macht mit biblischen Worten seine Wertschätzung Jesu gegenüber publik. Er, der letzte Prophet des alten Bundes, sieht wie die Ruach, die „Geistin Gottes“, Jesus erfüllt, bei ihm einkehrt. Jünger aus dem Johanneskreis beginnen sich Jesus anzuschließen, aber Johannes selber tut dies nicht. „Lamm Gottes“ und „Er ist der Sohn Gottes“ lässt der Evangelist in der heutigen Perikope Johannes den Täufer über Jesus als Zeugnis ausrufen. Und doch geht er mit Jesus nicht mit, der doch aus seinem Jüngerkreis kommt und den er taufte. Johannes bleibt der Asket, aus religiöser Motivation, nach dem Leben der alten Propheten.
Jesus sondert sich nicht ab, sondern setzt auf ein Leben mitten unter den Menschen, auf jene Gemeinschaftsmahle, für die er bekannt geworden ist und auch kritisiert wurde. Er isst und trinkt mit ihnen, den Zöllnern, den Fischern, den Suchenden, kehrt bei Freunden ein wie bei Lazarus und seinen Schwestern. „Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder!“ (Mt 11,19), wirft man ihm vor. Jesus weiß um die gemeinschaftsstiftende Wirkung eines Mahles. Im „letzten“ gemeinsamen Mahl erreicht diese Beziehung zu seinem Jüngerkreis eine nie gekannte Tiefe, bringt die Verbundenheit mit ihnen zum Ausdruck.
Buchstäblich hat mit Jesus und seiner Verkündigung eine „neue Zeit“ begonnen. Diese unterschiedlichen Wege von Verkündigung zeigen auf, welche Differenzen es zwischen Johannes und Jesus gegeben hat. Auch Jesus hat gegenüber Johannes eine große Wertschätzung. Diese kommt in seiner Verkündigung immer wieder zum Vorschein.
So ist auch die Fußwaschung im Johannesevangelium in Verbindung mit Johannes dem Täufer zu sehen: „Und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren.“ (Joh 1,27). Oder auch der Sendungsauftrag Jesu an seine Jünger: „Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19). Immer wieder greift Jesus auf Johannes den Täufer zurück.
Diese Überschneidungen zwischen Johannes und Jesus, von denen man in den Evangelien lesen kann, zeigen auf, welche Hochachtung und Anerkennung Jesus gegenüber Johannes dem Täufer ein Leben lang hatte. Jedoch: der, der ihn einst taufte und ihn als „Lamm Gottes“ bezeichnete, wird sich seinem Jüngerkreis nicht anschließen. Warum? Diese Frage bleibt bis auf den heutigen Tag offen!
In der christlichen Ikonographie gibt es eine Vielzahl der Darstellung der „Taufe Jesu“. Welche Aussage dieses Geschehens in den Bildern zum Tragen kommt, ist der Freiheit in der Kunst überlassen. Ein sehr ausdrucksstarkes Bild „der Taufe Jesu“ ist das Mosaik im Baptisterium von Ravenna. Es legt einen Schwerpunkt auf das Lebensalter und damit auf die Lebenserfahrung der handelnden Personen: Jesus als Jüngling (nach paganer Tradition wird er nackt dargestellt, in der griechischen und römischen Kunst nicht ungewöhnlich) im Jordan, Johannes den Täufer als Mann im Erwachsenenalter mit Stab und Kamelhaarbekleidung, den Fluss Jordan als alter Mann mit einem Sumpfrohr in der Hand.
Die Festtage sind vorbei. Der Täufer Johannes weist auf Jesus hin. Durch ihn haben auch wir den Geist der Erneuerung. Diese ist uns aufgegeben.
Das Evangelium nach Johannes zeigt heute als Mitte den Täufer, nicht als strengen Mahner, wie wir ihn vom Advent kennen. Es hebt ihn als Bekenner und Zeugen der wahren und eigentlichen Sendung Jesu hervor. Der Täufer ist ergriffen vom Person-Geheimnis Jesu. Er verkündet ihn als Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinweg nimmt. Er sieht, wie der Geist Gottes auf Jesus hernieder fährt und auf im bleibt. Er bekennt, dass Jesus der Erwählte Gottes ist, der Sohn Gottes. Der wahre Gottesknecht als Licht für alle Völker.
In den Kirchen und in den Wohnzimmern wurden nach den Festtagen die Christbäume und Lichter abgeschmückt. Die Festtage sind vorbei, der Alltag beginnt. Nehmen wir das Wesentliche mit. Der Täufer ist der Impulsgeber für unser Leben: Da ist das Lamm Gottes, das uns rettet aus Sünde und Tod; da ist der Geist-Träger; da ist der Sohn Gottes als Licht und Vereiner der Völker.
Jesus, das rettende Gotteslamm, ermutigt uns nach Sünde und Unglaube erneut uns reinigen und heiligen zu lassen. Wir bauchen nie in Depression oder Resignation zu verfallen. Er gestaltet uns um zur „neuen Kreatur“, wie Paulus sagt.
Auf Jesus kam der Geist herab und blieb bei ihm. Lieblosigkeit, reine Ichbezogenheit, bloßes Gieren nach Materiellem, Fremdenhass, all dies vertreibt den Geist. Mögen wir begreifen, dass der Nächste auch Kind des einen Vaters im Himmel ist, der jeden unendlich liebt. Darf ich da mir anmaßen, Leute abzulehnen, die Gott genau wie mich grenzenlos liebt.
Der Geist Jesu weckt in uns den Wunsch, die Bedürfnisse der anderen zu achten; er regt uns an, uns dem Nächsten zur Verfügung zu stellen. Der Geist Jesu nimmt in uns Gestalt an und drängt uns, so zu handeln, wie Jesus handeln würde.
Und das bedeutet, mutig dorthin zu gehen, wo es Spaltung, Auseinandersetzung und Hass gibt, und im direkten Kontakt mit den Beteiligten, im Bemühen, sie wirklich zu verstehen, nach gemeinsamen Lösungen zu suchen. Es ist unsere Pflicht, uns um das Miteinander und die Einheit zu bemühen und uns dabei nicht von Schwierigkeiten, Widerständen oder übertriebener Vorsicht abhalten zu lassen.
Das gilt in besonderer Weise für den Bereich der Ökumene. Beginnt doch in 3 Tagen, am 18. bis zum 25. Januar, die Gebetswoche für die Einheit der Christen. Es kann die Gläubigen der verschiedenen christlichen Kirchen und Gemeinschaften dazu anregen, auf die anderen zuzugehen und sich für die Wiederherstellung der Einheit einzusetzen.
Wir sind im Jahr 2017 als dem 500. Jubiläumsjahr des Reformationsgeschehens durch Marin Luther. Zur einer vom Geist Jesu geprägten Feier haben die Vorbereitungs-Kommissionen 5 ökumenische Imperativere formuliert. Da spricht der Geist Jesu zu uns. 1. Betonen wir die Gemeinsamkeiten statt die Unterschiede! Wir sind es gewohnt, zuerst vom Negativen herzukommen - was auch leichter ist -, ohne zuerst einen gemeinsamen Ansatz zu finden. 2. Verharren wir nicht auf alten Positionen. Lassen wir uns durch das ständige Glaubenszeugnis des anderen verändern! 3. Suchen wir die sichtbare Einheit als Ziel! Erarbeiten wir, was nötig wäre zur sichtbaren Einheit und versuchen wir konkrete Schritte dazu zu finden. 4. Leben wir aus der Kraft des Evangeliums! Lutheraner und Katholiken müssen gemeinsam die Kraft des Evangeliums Jesu Christi für unsere Zeit wiederentdecken. 5. Geben wir Zeugnis für Gottes Gnade! Katholiken und Lutheraner sollen in der Verkündigung und im Dienst an der Welt zusammen Zeugnis für Gottes Gnade ablegen. Bemühen wir uns um diese Radikalität der Liebe – mit der Einfachheit und Unbeschwertheit von Menschen, die Jesu Licht ergriffen hat.
Das eben gehörte Evangelium hat der Evangelist Johannes allen noch folgenden Berichten über Jesu Wirken vorangestellt. Im Zeugnis des Täufers wird Christus als das Lamm Gottes, als der Erlöser der Welt bezeugt, der alle Sünde hinwegnimmt. Jesus ist der, auf den sich Gottes Geist herabsenkt. Unter diesem Gesichtspunkt soll der Hörer oder Leser die noch kommenden Berichte im Johannesevangelium über den Messias betrachten. Also noch bevor sich Jesus durch seine Lehren und Taten selbst als der Messias erweist und offenbart, möchte der Evangelist Johannes klarstellen, wer Jesus von seinem Wesen her ist. Jeder einzelne soll dann für sich die Berichte über Jesus und seine Taten betrachten und persönlich entscheiden, ob er Christus trauen und sich seiner Gemeinschaft anschließen will.
Das Zeugnis des Täufers beruht nicht auf eigener Erkenntnis, sondern entspringt der Offenbarung Gottes. Johannes der Täufer sagt: Ich sah, wie der Geist vom Himmel herabkam und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn vorher nicht; aber der, der mich gesandt hat, der hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist taufen wird.
Wenn wir die Berichte der anderen Evangelisten über Johannes den Täufer mit dem gehörten Text vergleichen, dann spüren wir, dass der Evangelist Johannes den Täufer als den zeichnet, der auf Christus hinweist. Nichts wird beim vierten Evangelisten berichtet von der Bußpredigt des Täufers, von seiner ungewöhnlichen, symbolhaften Kleidung in Kamelfell‚ von seiner asketischen Lebensweise, der Ernährung von Heuschrecken und wildem Honig. Der vierte Evangelist zeichnet den Täufer nicht als Bekehrungsprediger, sondern als den, der den Sohn Gottes in den Blick bringt.
Wir können davon ausgehen, dass die ersten drei Evangelisten das Auftreten des Täufers im Groben geschildert haben, wie es tatsächlich war. Der Täufer war eine kantige Gestalt, der kein Blatt vor den Mund nahm und niemanden fürchtete, selbst Herodes nicht. Wenn der Evangelist Johannes in seinem Bericht über den Täufer hiervon absieht und dies unerwähnt lässt, dann dürfen wir vermuten und annehmen, dass er uns jene Seite des Täufers nahe bringen wollte, die wir nachahmen können, nämlich: Hinweisen auf Christus. Das kann jeder; dazu braucht man nicht notwendig den Charakter und das lautstarke Auftreten des Bußpredigers am Jordan. Der Täufer, ein Vorbild und Beispiel für alle Christen - so könnte man wohl die Absicht des Evangelisten Johannes zusammenfassen.
Wie wichtig das Hinweisen auf Christus ist, dafür liefert der Evangelist Johannes direkt im Anschluss an den gehörten Evangelientext ein Beispiel, indem er berichtet: Am Tag darauf stand Johannes wieder dort, und zwei seiner Jünger - die wohl am Vortag nicht anwesend waren - standen bei ihm. Als Jesus vorüber ging, richtete der Täufer seinen Blick auf Jesus und sagte: Seht, er ist das Lamm Gottes! Die beiden Jünger hörten es und folgten Jesus.
Zum Glauben an Christus finden auch heute die meisten Menschen, indem sie auf Jesus und seine Weisungen aufmerksam gemacht werden. In der Regel sind dies zunächst die Eltern, Lehrer, Katecheten. Aber mit zunehmendem Alter werden es Menschen sein, die durch ihre Haltung, ihre Denken und Handeln auf den hinweisen, dem sie sich innerlich verpflichtet wissen. Worte, Katechesen, Religionsunterricht, Predigten sind wichtig; aber sie werden bei weitem übertroffen durch Begegnungen mit Menschen, die echt und bewusst ihren Glauben leben.
Dabei ist tröstlich und entlastend für uns zu sehen, worauf uns der Evangelist Johannes aufmerksam machen möchte: Um zu denen zu gehören, die auf Christus hinweisen, muss ich nicht so kühn und unerschrocken wie der Täufer sein. Ich muss mich von den normalen Menschen nicht absondern und auffällig werden in meiner Kleidung oder in meinem Lebensstil. Ich darf sanft sein und muss nicht kantig auftreten. Nicht der erhobene Zeigefinger ist wichtig, sondern Liebe, Güte, Herzlichkeit, Wohlwollen.
Noch ein Zweites will uns der Evangelist Johannes mit der Art und Weise, wie er uns den Täufer vor Augen stellt, nahelegen. Dieser hätte sich als der Vorläufer des Messias aufplustern und herausstreichen können, hätte mit der Offenbarung, die ihm zuteil wurde, auftrumpfen und angeben können. All das findet sich beim Täufer nicht. Er bleibt bescheiden, demütig, ein Diener Gottes, in dessen Auftrag er sich weiß.
Mit diesem Bild des Täufers, eines demütigen, schlichten Hinweisers auf Christus möchte uns der Evangelist Johannes zu den Menschen senden. Diese Seite an Johannes dem Täufer sollen wir nachahmen. Wir können nicht darauf zählen, dass wir stets so erfolgreich sind wie der Täufer. Oft wird wahrscheinlich unser Hinweis auf den Glauben, auf Christus, auf eine christliche Norm oder ein Gebot auch ins Leere gehen, nicht angenommen oder sogar deutlich abgelehnt werden. Das sollte uns nicht entmutigen. Wenn wir geprüft haben, ob unser Hinweis demütig, ohne erhobenen oder gar drohenden Zeigefinger, aus Sorge um den anderen geschieht, dann bleibt unser Hinweis ein wertvoller Dienst. Denn ohne Hinweise auf Christus würden viele nicht zu ihm finden. Und niemand weiß, ob nicht ein von Liebe getragener Hinweis, der zunächst durchaus strickt abgelehnt wurde, nicht doch in zwei oder fünf Jahren dennoch gern und dankbar aufgegriffen wird.
Hinweisen auf Christus als unseren Retter, auf Jesu grenzenlose Liebe, auf sein Heil und sein Heilen, bleibt Aufgabe und Auftrag für jeden Getauften. Daran möchte uns der Evangelist Johannes mit dem heutigen Evangelium erinnern. Dieser Auftrag wird uns nicht diktiert und befohlen, aber sehr eindringlich ans Herz gelegt.
Johannes sieht einen Mann, der unterwegs ist, der auf ihn zugeht. Einen Mann unter vielen, einen, dem man nichts Besonderes merkt, der nicht groß auffällt. Einen, den man gewöhnlich übersieht. Dann aber deutet Johannes auf diesen Mann: "Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt." Und er begründet sein Wort auch: "Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam und wie eine Taube auf ihm blieb."
Dadurch ging dem Johannes auf, wer dieser Jesus ist. Und er betrachtet es als seine wichtigste Aufgabe, auf ihn hinzuweisen, den Menschen, die ihm zuhören, zu verkünden, mit wem sie es bei Jesus zu tun haben. Damit fangen auch andere an, Jesus zu erkennen, um seine Bedeutung für die Welt zu wissen. Wenn wir im Johannes-Evangelium weiter lesen, dann folgen die ersten Jünger auf das Zeugnis des Johannes dem Jesus nach.
Der Maler Matthias Grünewald hat im Isenheimer Altar diese Szene an das Ende des Lebens Jesu verlegt. Da steht unter dem Kreuz nicht der Jünger Johannes, sondern Johannes, der Täufer. Mit langem Finger deutet er auf den, der am Kreuz stirbt. Da sollen die Menschen erkennen, er ist wie ein Lamm, das geschlachtet wird, er ist der, der durch sein Sterben die Sünde der Welt hinweg nimmt. Und um die Symbolik noch zu verstärken, hat der Künstler ein Lamm zu Füßen des Täufers platziert.
Was Johannes, der Täufer, verkündet, wofür er Zeugnis gibt, das bestätigt sich im Leben und Wirken Jesu. Hier ist einer, durch den Gottes Geist wirkt, der aus der Kraft des Geistes eine neue Lehre mit Vollmacht verkündet. Durch Jesus, den Sohn Gottes, zeigt Gott sein Erbarmen mit den Menschen, er heilt die Kranken, vergibt den Sündern, er führt die Menschen in eine neue Beziehung zu Gott, in ihm ist das Reich Gottes gegenwärtig. Selbst, als er ungerecht verurteilt, gefoltert und verspottet wird, er erträgt das, selbst, als er unter furchtbaren Schmerzen stirbt, er nimmt es an, und damit können wir wahrnehmen: Hier wirkt Gott in diese Welt herein.
In allem, was uns in dem Menschen Jesus begegnet, wirkt Gott, berührt uns Gott und berühren wir Gott. Johannes hat dies erkannt und bezeugt es den anderen. Er war der erste aber bald nicht der einzige Zeuge für den Herrn. Auf sein Wort hin haben sich einige seiner Jünger Jesus angeschlossen, sind ihm gefolgt und bei ihm geblieben. Und ihr ganzes Leben war dazu da, für den Herrn Zeugnis zu geben, sie haben es so eindeutig getan, dass sei sogar ihr Leben hingegeben haben, als Martyrer, d.h. als Zeugen.
Was hat Johannes, der Täufer, was hat dieses Evangelium uns hier und heute zu sagen? Es geht darum, Jesus zu bezeugen als den Herrn, als den, der beim Vater für uns eintritt, als den, der bei uns und in uns ist. Gerade in unserer Zeit, in der viele auf Gott vergessen, in der viele eben anderes zum Wichtigsten, das heißt zum Gott oder zum Götzen machen, sind wir als Christen gefragt. Wir sind aufgefordert, die Punkte zu erkennen, in denen Gott uns berührt, in denen er uns nahe kommt und wir ihn finden.
Wir geben Zeugnis von Jesus Christus, von seinem Geist, wenn wir ihn anerkennen, den unfassbaren, geheimnisvollen und heiligen Gott. Wenn wir an ihn glauben und zu ihm beten, ihn loben und preisen, ihm danken und ihn anbeten. Wir geben Zeugnis für ihn, wenn wir uns zum Gottesdienst versammeln und ihn in unserer Mitte feiern. Dieses Zeugnis ist nötig gegenüber denen, die Jesus nur als guten Menschen oder als Revolutionär oder als Friedensstifter sehen. Das war er auch, aber er übersteigt diese Vorstellungen.
Wir geben Zeugnis von Jesus Christus, wenn wir ihm vertrauen, darauf vertrauen, dass sein Geist in uns wirkt, uns über das hinaus führt, was wir sind. Er bewegt uns zur Hoffnung, zur Hoffnung auf eine andere Welt und zu einer Liebe, die diese Welt verändert.
Wir geben Zeugnis von Jesus Christus, wenn wir ihn auch da suchen und finden, wo wir ihn zunächst gar nicht sehen wollen. Sie kennen sicher Menschen, die fragen: "Warum lässt Gott das zu, warum verhindert er das nicht?" - Dass jemand, der persönlich betroffen ist, solche Frage stellt, ist verständlich. Doch dabei dürfen wir nicht bleiben. - Gott ist auch zu finden in dem, was uns schlimm und ungerecht vorkommt. Nicht zu selten wirkt er auf diese Weise an uns, er verändert uns durch Krisen, durch Leid, durch all das, was wir, wenn wir zu bestimmen hätten, ganz bestimmt vermieden hätten.
Gott nimmt unser Leben ernst, so wie es ist. Bei ihm zählt alles, unsere Arbeit und unsere Freizeit, unsere Sorgen und unsere Freude, unsere Schwäche und unsere Kraft, unser Schuld und unser Gutsein. Weil er all das sieht, so können wir durch all dies hindurch uns für ihn öffnen, ihn entdecken - und bezeugen. Alles kann uns zum Heil werden, weil Gott eben durch alles durchscheint. Dafür gilt es, sich zu öffnen, gilt es ihn zu entdecken, ihm zu begegnen. Dann ist eben der Glaube mitten in unserem Leben angekommen, dann wird unser ganzes Dasein zum Zeugnis für ihn.
"Seht das Lamm Gottes", sagt Johannes. Durch uns kann dieser Jesus Christus, der Gott, der Fleisch geworden ist, wieder lebendig werden, wir können ihn bezeugen, und damit tun wir das, was unser Auftrag in dieser Welt ist.
Ab und zu erlebe ich es: Die Tür geht auf und ich bin von meinem Gegenüber fasziniert. Der Mensch nimmt mich gefangen. Er hat ein Lächeln, das verwandelt. Er hat einen Blick, der fesselt. Er hat eine unbeschreibliche Präsenz im Raum. So ein Moment bleibt mir lang in Erinnerung.
Johannes der Täufer hat diese Begegnung mit Jesus erlebt. Er sieht Jesus und ahnt, wer es ist. Das hat er uns voraus. Er hatte ein waches Gespür für die Anwesenheit Jesu. Er wartete und suchte. Er konnte ahnen, dass er den Messias finden wird. Jesus wird kommen und dann alle Hoffnung erfüllen.
Dann kommt, was wir gerade im Evangelium gehört haben: "In jener Zeit sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. (Joh 1,29)". Nun ist Wirklichkeit geworden, worauf er gehofft hat. Nun kann endlich beginnen, worauf er mit so vielen anderen lange gewartet hat.
Johannes der Täufer hatte die Menschen auf Jesus vorbereitet. Er hatte sie gelehrt, auf den Erlöser zu warten. Er hatte eine Vorstellung davon, was diesen Menschen auszeichnet. Er hatte die Bilder der Verheißung. Ob es nun das Bild des Gottesknechts ist oder das Bild des Hirten, der sich um seine Herde kümmert.
Jesus erfüllte diese Hoffnung. Und zugleich erfüllte er sie nicht. Jesus war der Messias, aber er ließ sich nicht 1 zu 1 auf Wünsche ein. Erst stand immer im Raum, die Nähe zum Vater zu suchen.
Ich habe zu Beginn die Erfahrung beschrieben, dass ich einem Menschen überraschend begegne. Da geschieht etwas ohne Vorbereitung. Ich ahne nichts und werde beschenkt. Bei Johannes war es anders. Er wartete. - Und was tue ich? Warte ich auf jemand, der mir von Gott geschickt wird?
Manche Menschen suchen den Partner fürs Leben. Wann werden ich sie ihn finden? Manche suchen einen Menschen, der sie trösten kann. Andere suchen einen Menschen, der sie aus einer Starre herausholen kann.
Vielleicht wäre es ein erster Schritt, nach innen zu schauen. Mein Suchen hat etwas mit meiner Sehnsucht und meinen Träumen zu tun. Wenn ich weiß, wonach ich mich sehne, spüre ich auch, was mich erreicht. Der Mensch, der in mir das Gefühl von Zufriedenheit weckt, erzählt ohne Worte vom Thema meiner Sehnsucht.
Johannes der Täufer berichtet im Johannesevangelium sozusagen beiläufig von der Taufe Jesu im Jordan. Am vergangenen Sonntag haben wir sie etwas größer gefeiert. Ob der Evangelist damit auch einen Hinweis gibt? Ihm ist nicht nur wichtig, dass der Täufer Jesus als Sohn Gottes bekennt. Ihm ist wichtig, dass der Täufer seine Erkenntnis weitergibt. Denn das Wissen darum, wer es ist, kann nur eine Konsequenz haben: Ich teile mein Wissen mit denen, die ihn suchen. Sie sollen sich freuen. Und sie sollen Sicherheit für ihr Leben haben.
"Seht das Lamm Gottes" - wer es sah, erlebte mit dem Täufer eine Sternstunde der Hoffnung und des lebendigen Glaubens. Sternstunden können wie Höhepunkte sein, die vorher und nachher nichts Vergleichbares kennen. Sternstunden können aber auch der Beginn sein, wenn sie das Leben verändern und prägen. Solche Stunden möchte ich uns wünschen - und sie nicht verpassen, wenn sie geschehen. Amen!
Wer in diesen Tagen in Deutschland eine Kirche betritt, liebe Hörerinnen und Hörer, der wundert sich vielleicht. In manchen Kirchen ist von Weihnachten keine Spur mehr. Dort ist der Alltag eingekehrt. Andere Kirchen strahlen noch im Weihnachtsschmuck und werden wohl bis zum 2. Februar, dem Fest der Darstellung des Herrn - manchen besser bekannt als Mariä Lichtmess - so bleiben. Die einen halten sich an den gültigen liturgischen Kalender, nach dem der Weihnachtsfestkreis am letzten Sonntag mit dem Fest der Taufe Jesu schloss. Die anderen halten an der früheren Ordnung fest, vielleicht denken sie auch nur ökonomisch: einen schöneren und preiswerteren Kirchenschmuck gibt es in dieser Jahreszeit nicht.
Auch die biblischen Texte, die im Gottesdienst gelesen werden, verabschieden sich noch nicht von der Lichtthematik. Die katholische Leseordnung zitiert an diesem zweiten Sonntag im Jahreskreis aus dem zweiten Gottesknechtslied des Propheten Jesaja und nennt Israel "Licht für die Völker". Dahinter steht die Überzeugung, dass Israel nicht für sich das auserwählte Volk ist. Der Prophet sagt vielmehr, dass Gott an ihm seine Herrlichkeit zeigen will. Das Volk soll also seinem Herrn zu Diensten sein. Nach der Katastrophe des babylonischen Exils ist es Gott nicht genug, nur "die Stämme Jakobs wieder aufzurichten und die Verschonten Israels heimzuführen". Gott weitet die Bestimmung aus: "Ich mache dich zum Licht für die Völker, damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht."
Wenn dieser Text des Alten Testamentes im christlichen Gottesdienst gelesen wird, ist klar: Für die Hörer ist dieses "Licht für die Völker" Jesus Christus selbst. In ihm kommt nach christlichem Verständnis die Bestimmung Israels zum Ziel. Wer die Texte des Neuen Testamentes, angefangen bei den Gleichnisreden Jesu auf sich wirken lässt, der spürt, wie es immer wieder darum geht, den Kreis der Erlösten nicht zu eng zu ziehen. Bei den Anhängern Jesu damals und auch in unseren Tagen gibt es diese Tendenz. Manche haben sogar den Eindruck, dass sie heute wieder zunimmt. Jesus wirbt sogar um seine Gegner, die ihn lächerlich machen und ablehnen. Er weist seine eigenen Jünger in die Schranken, die Feuer vom Himmel fordern und zur Verteidigung selbst zum Schwert greifen. Die Kirche kreidet es sich bis heute als Verrat an der Sache Jesu an, wenn sie selbstgenügsam wird und sich elitär über andere erhebt, sie praktisch verloren glaubt. Dagegen betont das Zweite Vatikanische Konzil eine gestufte Zugehörigkeit zur Heilsgemeinschaft.
Nicht Enge ist das Markenzeichen, sondern Weite. Das war und ist der Grund für die missionarische Tätigkeit der Kirche. Im Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche des Zweiten Vatikanischen Konzils hat sie sich selbst ins Stammbuch geschrieben: Der Grund dieser missionarischen Tätigkeit ergibt sich aus dem Plan Gottes, der "will, dass alle Menschen heil werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Denn es ist nur ein Gott und nur ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst als Lösegeld für alle hingegeben hat" (1 Tim 2,4-5), "und in keinem anderen ist Heil" (Apg 4,12).
Dieser Anspruch schottet aber nicht gegen andere ab, sondern fordert die Wertschätzung anderer Religionen heraus. Diese zeigt sich nicht nur in Treffen der Religionsführer. Inzwischen gibt es regelmäßige interreligiöse Gespräche, die in der Überzeugung geführt werden, dass alle Beteiligten auf ihre Weise auf der Suche nach dem Heil und der Wahrheit sind.
Wir sprechen vom verborgenen Leben Jesu in Nazaret. Verborgen, weil wir über diese Zeit nur wenig wissen. Nachdem seine Eltern Jesus zum Tempel in Jerusalem gebracht hatten, um ihn dem Herrn zu weihen, kehrten sie nach Nazaret zurück (Lk 2,51 f.). Es heißt dann von Jesus: "Das Kind wuchs heran und wurde kräftig. Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm" (Lk 2,40). Weiter hören wir, dass die Eltern den zwölfjährigen Jesus zum Paschafest nach Jerusalem mitnahmen. Der Anlass war die Bar Mizwa, womit ein Zwölfjähriger in die Gemeinde als vollwertiges, mit Rechten ausgestattetes Mitglied aufgenommen wurde. Es wird erzählt, wie Jesus unter den Schriftgelehrten saß, ihnen zuhörte und ihnen Fragen stellte. "Alle, die ihn hörten", schreibt Lukas, "waren erstaunt über sein Verständnis und seine Antworten" (Lk 2,47).
Erst als Jesus an die dreißig Jahre alt war, trat er in die Öffentlichkeit. Dies war am Jordan, wo Johannes taufte. Über das Taufgeschehen berichten die Evangelien in vier Versionen. Heute haben wir den Text gehört, der im Johannesevangelium überliefert ist (Joh 1,29-34).
Johannes, der Täufer erkennt in Jesus denjenigen, der ihm voraus ist, weil er vor ihm war. In dieser Aussage spricht sich der nachösterliche Glaube aus, dass Jesus der Sohn Gottes ist. So hörten wir im heutigen Evangelium das Wort des Täufers: "Ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes". Erst später konnte Johannes erkennen, wozu Jesus gesandt war. "Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, er ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft" (Joh 1,32f.).
Im Markusevangelium hören wir das so: "Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen" (Mk 1,8). Wenn in der Überlieferung des Lukasevangeliums Johannes der Täufer über Jesus sagt, einer komme, der stärker sei als er und dem er den Weg bahnte, dann muss er in ihm einen Menschen wahrgenommen haben, in dem der Geist Gottes auf eine ungewöhnliche Weise wirksam geworden ist. Johannes sagt zu denen, die zu ihm gekommen sind, um die Bußtaufe zu empfangen und sich von ihren Sünden reinigen zu lassen: "Ich taufe euch mit Wasser zur Umkehr, der aber nach mir kommt, ist stärker als ich" (Mt 3,11). Dennoch lässt sich Jesus von Johannes taufen, obwohl Johannes dies nicht zulassen wollte (Mt 3,15). Denn eigentlich hätte Johannes von Jesus getauft werden müssen. Doch Jesus reiht sich, obwohl selbst sündenlos, in die Schar der Sünder ein.
Im Taufgeschehen selbst erfährt sich Jesu als der von seinem Vater geliebte Sohn. Davon berichtet die Markustradition. "Als er aus dem Wasser stieg, sah er, wie sich der Himmel öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und aus dem Himmel sprach eine Stimme: Du bist mein geliebter Sohn; an dir habe ich mein Wohlgefallen" (Mk 1,10 ff.). Im Lukasevangelium wird das Geschehen als eine Gebetserfahrung dargestellt. "Während er betete, öffnete sich der Himmel und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an die habe ich mein Wohlgefallen" (Lk 3, 21 f.).
Nach der Überlieferung des Markus und des Lukas hat nur allein Jesus die Stimme aus dem Himmel vernommen, nicht einmal der Täufer Johannes. Jesus beginnt zu ahnen, dass er einer einzigartigen Beziehung zu seinem himmlischen Vater steht. In der Auferstehung wird Jesus dann endgültig von seinen Vater als sein geliebter Sohn bestätigt. Aus dieser nachösterlichen Sicht lassen die Evangelisten Jesus schon in der Taufe als Gottes Sohn erscheinen (Rückprojektion, narrative Antizipation). Durch diese göttliche Erwählung sieht sich Jesus vor die denkbar größte Aufgabe seines Lebens gestellt. Er soll das, was der Geist Gottes in ihm gewirkt hat, dem Volk Israel und später der ganzen Menschheit kundtun. Mit diesem göttlichen Anspruch konnte er jedoch nicht vor die Menschen seines jüdischen Umfelds hintreten, ohne der Blasphemie und damit eines todeswürdigen Verbrechens bezichtigt zu werden.
Um sich der Tragweite des ihm von seinem Vater zugesprochenen Auftrags bewusst zu werden, um das ihm Aufgetragene sich innerlich zu eigen zu machen, wird er vom Geist Gottes in die Wüste geführt. Im Markusevangelium lesen wir: "Danach trieb der Geist Jesus in die Wüste. Dort blieb er vierzig Tage lang und wurde vom Satan versucht" (Mk 1, 12 f.). Jesus stand vor der Entscheidung, welchen Weg er gehen sollte. Den Weg der Gewaltlosigkeit, der scheinbaren Ohnmacht. Oder den Weg irdischer Machterweise. Davon berichtet die Versuchungsgeschichte. Eine widergöttliche Macht, Satan oder Teufel genannt, führte Jesus in Versuchung und wollte ihn von dem ihm von Gott gewiesenen Weg abbringen. Er sollte dazu geführt, dazu verführt werden, durch äußere Machterweise die Menschen von sich zu überzeugen Der Satan legte ihm nahe, Steine in Brot zu verwandeln. Nachdem er dies zurückgewiesen hat, versuchte der Satan ein Weiteres. Jesus sollte sich durch einen spektakulären Sturz von der Tempelzinne als Messias erweisen. Schließlich will der Versucher Jesus dazu bringen, von ihm die Herrschaft über alle Reiche dieser Welt zu erlangen, wenn er sich vor ihm niederwirft und ihn anbetet. Jesus hat auch dieser letzten abgründigen Versuchung widerstanden. Er hat den Weg der Erniedrigung gewählt. Diesen ist er bis zum Ende gegangen. Bis hinein in Todesangst und Gottesverlassenheit. Jesus hätte diese fundamentale, für das Heil der Menschheit so entscheidende Wahl nicht treffen können, wäre er nicht vom Geist Gottes geleitet gewesen, aufgeschienen schon in der Taufe am Jordan. Nach vierzig Tagen in der Wüste kehrt Jesus, "erfüllt von der Kraft des Geistes", wie es im Evangelium des Lukas heißt, "nach Galiläa zurück (Lk 4, 14).
Dann hören wir noch einmal davon, wie sich der Geist Gottes in Jesus machtvoll erweist. In der Synagoge seiner Heimatstadt Nazaret wird ihm in einem Sabbatgottesdienst das Buch des Propheten Jesaja gereicht. Darin findet er die Stelle: "Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen die gute Nachricht bringe, damit ich den Gefangenen Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht, damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setzte und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe (Lk 4, 18 ff.). Nachdem Jesus das Buch dem Synagogenvorstehers zurückgegeben hatte, sagt er, dass sich heute das Schriftwort an ihm erfüllt hat: Denn er ist zu den Armen, den Gefangenen, den Zerschlagenen gekommen. Zu all denen, die von Not und Leid geplagt sind. Zu denen, die nicht mehr weiter wissen. Zu ihnen gehören auch wir, in dieser oder jener Weise. Wir dürfen Jesu Wort auch an uns gerichtet hören: Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich werde euch Ruhe verschaffen in eurem Herzen (vgl. Mt 11, 28-30).
Wir können uns nicht mit Jesus vergleichen, auf den in der Taufe der Geist Gottes herab gekommen ist. Jesus steht in einer einzigartigen Beziehung zu Gott, den er seinen Vater nennt. Dennoch sind wir seit unserer Taufe hinein genommen in das göttliche Leben. Gottes Geist, der in Jesus in seiner ganzen Fülle lebt, lebt auch in uns. Wir müssten ihm in unserem Herzen noch mehr Raum geben. Bei Meister Eckart, dem großen Mystiker des Mittelalters, lesen wir: "Wäre ich so bereit und fände Gott so weit Raum in mir wie in unserem Herrn Jesus Christus, er würde mich ebenso völlig mit seiner Flut erfüllen. Denn der Heilige Geist kann sich nicht enthalten, in all das zu fließen, wo er Raum findet, und soweit er Raum findet."
Der römische Dichter Ovid erzählt in seinen Metamorphosen von einem begnadeten Bildhauer namens Pygmalion. Er war von einem so hohen Schönheitsideal beseelt, dass keine Frau aus Fleisch und Blut seinen Vorstellungen genügen konnte. Er schuf sich ein Frauenbildnis aus Marmor, das seinem Wunschtraum entsprach und verliebte sich unsterblich in die von ihm geschaffene Statue. In seiner Not flehte er Aphrodite, die Göttin der Liebe, an. Diese erhörte ihn und ließ das Frauenbildnis lebendig werden…
In dieser Geschichte wird der Wunschtraum vieler Menschen beschrieben, sich die eigene Partnerin, den eigenen Partner nach dem eigenen Idealbild zu formen. Meist ist dieser Wunsch mit der Vorstellung verbunden, dass dem gemeinsamen Glück nichts mehr im Wege steht, sobald das Idealbild erreicht ist. Nicht nur Liebes- und Ehepartner sind dieser Versuchung ausgesetzt, Auch Eltern möchten manches Mal ihre Kinder nach ihren Vorstellungen formen, oder Lehrer ihre Schüler. Leider, bzw. Gott sei Dank, funktioniert das nicht so einfach, wie wir alle wissen. Zum Menschen gehört auch die Freiheit, das eigenen Leben selbst zu gestalten und zu verantworten.
Im Evangelium haben wir heute und auch schon am vergangenen Sonntag von Vorgängen rund um die Taufe Jesu gehört. Der Täufer Johannes bezeugt, er habe gesehen, wie der Heilige Geist in der Gestalt einer Taube auf Jesus herab kam und auf ihm blieb.
In allen vier Evangelien steht am Anfang der Jesus-Geschichte eine solche Erfahrung des heiligen Geistes. Der Geist führt Jesus zum Fasten in die Wüste. Der Geist treibt Jesus, als Prophet und Lehrer die Frohe Botschaft zu verkünden. Der Geist ist die treibende Kraft, die ihn hinauf nach Jerusalem führt. Nach seinem Tod und seiner Auferstehung begegnen wir diesem Geist wieder im Pfingstereignis. Dort kommt er auf die Jünger herab und führt sie in die Welt hinaus, damit sie allen Menschen erzählen, was sie gehört, gesehen und mit Jesus erlebt haben.
Im Sakrament der Taufe und im Sakrament der Firmung wird jeder einzelne Christ vom Hl. Geist erfüllt und ins Leben hinaus gesandt. Das Erfülltwerden vom Hl. Geist ist die Art und Weise, wie Gott den Menschen gestaltet und formt. Dabei stülpt er dem Menschen nicht seine Vorstellung vom Guten, Schönen und Wahren über, sondern vertraut dem inneren Antrieb des Geistes, der den Menschen zu dem führt, was für ihn gut und richtig ist.
An Jesus selbst können wir den Weg beobachten, den der Geist Gottes führt. Zunächst wächst Jesus auf wie wohl die meisten anderen junge Leute in seinem Volk. Bis zu seinem dreißigsten Lebensjahr hören wir kaum etwas von ihm. Was er vor seiner Taufe und Sendung erlebte, können wir nur aus Randbemerkungen der Evangelien erschließen. Es gibt Anzeichen, dass er sich wie viele junge Menschen in seiner Umgebung umgesehen und nach einer stimmigen Lebensform gesucht hat. Mit Sicherheit hat er sich mit den religiösen Bewegungen seiner Zeit auseinandergesetzt. Mit den Pharisäern und den Sadduzäern; er weiß, was sie denken und lehren. Vermutlich hat er auch die Lebensweise und die Anschauungen der Essener, die um Qumran am Toten Meer lebten, kennen gelernt. In seinem späteren Freundeskreis finden wir Männer, die offenbar aus dem damaligen politischen Untergrund kamen. Ihr Denken war ihm vertraut.
Die Begegnung mit Johannes dem Täufer und den Menschen, die ihm gefolgt sind, dürfte für seine persönliche Entwicklung besonders wichtig gewesen sein. Wie viele andere ließ er sich von Johannes taufen. Die Taufe dürfte für ihn ein ganz wichtiger Einschnitt gewesen sein. Von da an geht er bestimmt und zielgerichtet seinen eigenen Weg. Er verkündet seine eigene Lehre, die mit den Meinungen der anderen religiösen Bewegungen zwar Berührungspunkte hat, sich aber mit keiner deckt.
Die Erinnerung an unsere eigene Taufe und an die Firmung ist Anlass, darüber nachzudenken, in welcher Weise wir uns vom Hl. Geist formen und leiten lassen. Das Beispiel Jesu ermutigt uns, dass wir uns mit den Strömungen und den Geisteshaltungen, die uns in unserer Zeit begegnen, auseinandersetzen; nach dem Motto des Apostel Paulus: "Prüft alles, das Gute behaltet!" (1 Thess 5,21).
Allzu leicht neigen wir dazu, unser Leben nach dem Zeitgeist zu gestalten. Wenn etwas alle tun, dann denken wir nicht mehr weiter nach und meinen: So falsch kann es schon nicht sein. Erst vor wenigen Wochen, forderten Jugendliche in einer Diskussion, die ich in einer Pfarre geführt habe, die Kirche müsse in vielen Bereichen "zeitgemäßer" werden, damit sie bei ihnen punkten könne. Andere wieder fragen ängstlich "darf ich das?". Sie folgen oft unreflektiert einem Geist des Gesetzes. Ich wünsche mir weder eine ängstliche noch eine zeitgeistige Kirche, sondern Christen, die sich mutig umsehen und fragen: Ist das oder jenes gut für mich, für die anderen, für alle Menschen?
Ich teile mit vielen Christen die Meinung, dass auch in der Kirche nicht alles so bleiben muss, wie es in der Vergangenheit war oder durch Jahrhunderte hindurch für das Beste gehalten wurde. Die Welt in die wir hineingeboren wurden und in der wir uns bewegen, ändert sich in vielerlei Hinsicht. Ich vertraue darauf, dass uns der Heilige Geist leitet und das Richtige für die Gegenwart und für die Zukunft finden lässt. Ich glaube, dass die ganze Schöpfung vom Geist Gottes hervorgebracht wurde, und dass sich dieser Geist auch in den Gesetzmäßigkeiten der Schöpfung enthalten ist. Auch bin ich überzeugt, dass die Überlieferung der Kirche und die Heilig Schrift in ihrer Tiefe eine Weisheit weiter trägt, die vom Geist Gottes gewirkt ist.
In den Sakramenten haben wir die Zusage, dass dieser Geist auch in uns wirkt, dass er uns führt und leitet. Jesus hat von diesem Geist angetrieben seine Sendung gelebt und verwirklicht. Auch uns wird der Hl. Geist unsere Berufung und unsere Lebensform finden lassen. Auch wir haben die Zusage, Gottes geliebte Töchter und Söhne zu sein, frei, unser Leben zu gestalten.
Mit der Taufe Jesu im Jordan begann sein öffentliches Auftreten. Die Menschen fragten sich: Wer ist dieser Jesus? Johannes der Täufer nennt ihn "Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt". Er bezeugt ihn als "Sohn Gottes", auf den der Geist Gottes herabgekommen sei.
2000 Jahre später tun wir uns schwer, mit dieser theologischen Formulierung etwas anzufangen. Wir fragen uns, was der Evangelist damit gemeint hat und was die Rede vom "Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt" für uns heute bedeuten könnte.
Dass Menschen aufgerichtet werden und eine Heimat finden, wird in einen Lied besungen,
das der Prophet Jesaja anstimmt. Wir hören es heute. Dass Menschen getröstet werden und in ihren Zweifeln Liebe sehen können, führt uns das Evangelium vor Augen. Wir sehen es heute. Wir sehen Jesus. Das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt.
Ihn rufen wir an:
In jeder Eucharistiefeier sprechen oder singen wir die Worte, die Johannes der Täufer im heutigen Evangelium über Jesus spricht. Er, Jesus Christus, ist das Lamm Gottes. Gerade diese Bibelstelle soll uns aufs Neue bewusstmachen, was wir in jeder Heiligen Messe feiern. Bitten wir den Herrn um sein Erbarmen.
© Pfarrer Hans Tinkhauser hans.tinkhauser@aon.at
Weil mich jemand auf ein gutes Buch aufmerksam gemacht hat, darum habe ich es gelesen.
Weil mich jemand auf Wichtiges hinwies, darum habe ich es nicht übersehen.
Weil mich jemand in den Glauben einführte und mir Gottes Liebe nahe brachte, darum suche ich Gottes Nähe und die Freundschaft mit ihm.
Kurz: Sehr viel Gutes und Entscheidendes konnte geschehen, weil mich jemand darauf aufmerksam gemacht hat.
Herr, Jesus Christus,
Du bist der Knecht Gottes,
den Gott zum Licht für die Völker gemacht hat.
Herr, erbarme dich.
Du bist der Sohn Gottes,
den Johannes der Täufer als Messias bezeugt hat.
Christus, erbarme dich.
Du bist das Lamm Gottes.
Du hast dein Leben hingegeben, um uns mit Gott zu versöhnen
und uns die Liebe Gottes zu offenbaren.
Herr, erbarme dich.
Herr,
die Sonne scheint über Böse und Gute, Gerechte und Ungerechte.
Doch Menschen schaffen die Finsternis für andere.
Herr, erbarme dich
Christus,
du bist das Lamm Gottes.
Du trägst die Sünde der Welt.
Christus, erbarme dich
Herr,
jeden Morgen geht das Licht für uns neu auf.
Hilf uns, mutig und unverzagt einander Licht zu werden.
Herr, erbarme dich
Er gab mir ein neues Lied in den Mund, *
einen Lobgesang auf unseren Gott.
(Ps. 40)
Ehre sei Gott in der Höhe…
Herr, Jesus Christus,
du bist die gesandte Antwort des Vaters
auf das Flehen der Menschen.
Herr, erbarme dich.
Du hast uns aus der Knechtschaft
in die Freiheit der Kinder Gottes geführt.
Christus, erbarme dich.
Durch dich haben wir Aufrichtung und Heil erfahren,
und Erlösung durch deine Auferstehung.
Herr, erbarme dich.
Johannes zeigte auf dich und sprach: „Du bist es! Ich bin nicht wert, dir die Schuhriemen zu lösen“..
Herr, erbarme dich unser.
Johannes zeigte auf dich und sprach: „Du bist das Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt“..
Christus, erbarme dich unser.
Johannes zeigte auf dich und sprach: „Du bist es, der mir voraus ist, weil du vor mir warst, du Sohn Gottes“..
Herr, erbarme dich unser.
© Pfarrer Hans Tinkhauser <hans.tinkhauser@aon.at>
Herr, Jesus Christus,
Du bist das Licht für die Völker.
Herr, erbarme dich.
Der Geist Gottes hat dich geführt und geleitet.
Christus, erbarme dich.
Du hast auch uns mit deinem Geist getauft
und in die Welt gesandt.
Herr, erbarme dich.
Allmächtiger Gott,
du gebietest über Himmel und Erde,
du hast Macht über die Herzen der Menschen.
Darum kommen wir voll Vertrauen zu dir;
stärke alle, die sich um die Gerechtigkeit mühen,
und schenke unserer Zeit deinen Frieden.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 2. Sonntag im Jahreskreis
Gott und Vater,
du hast die vielen Völker
im Bekenntnis deines Namens geeint.
Gib, daß alle,
die aus dem Wasser der Taufe wiedergeboren sind,
eins werden im Glauben und in Werken der Liebe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Donnerstag der Osteroktav
Herr, unser Gott,
du hast uns erschaffen, damit wir dich preisen.
Gib, daß wir dich mit ungeteiltem Herzen anbeten
und die Menschen lieben, wie du sie liebst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 4. Sonntag im Jahreskreis
Gott.
Du hast uns geschaffen - doch wir kennen dich kaum.
Du liebst uns - und doch bist du uns fremd.
Offenbare dich deiner Gemeinde.
Zeige uns dein Gesicht.
Sag uns, wer du bist und was du für uns bedeutest.
Lehre uns dich erkennen, dich verstehen, dich lieben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus. Amen.
MB Auswahl 2
Gott,
du hast den heiligen Johannes den Täufer berufen,
das Volk des Alten Bundes
Christus, seinem Erlöser, entgegenzuführen.
Schenke deiner Kirche die Freude im Heiligen Geist
und führe alle, die an dich glauben,
auf dem Weg des Heiles und des Friedens.
Darum bitten wir durch Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.
MB 24. Juni
Gott, unser Vater,
du hast uns in deine Kirche berufen.
Als deine Töchter und Söhne sind wir hier versammelt.
Wir bitten dich:
Sende uns deinen Geist,
und mach uns zu einem Licht der Völker,
damit dein Heil durch uns verkündet wird
bis an die Grenzen der Erde,
und alle Menschen deinen Sohn erkennen,
Jesus Christus, unseren Herrn,
der mit dir und dem Heiligen Geist lebt
von Ewigkeit zu Ewigkeit.
WB 2. Sonntag im Jahreskreis A
Allmächtiger Gott,
du hast den Menschen auf vielerlei Weise deine Nähe kundgetan.
Hilf uns,
die Spuren deines Wirkens in der Kirche
und in der Welt zu entdecken.
Durch Christus, unseren Herrn.
In deiner Treue, Gott,
verbindest du Altes und Neues,
Vergangenes und Zukünftiges.
Einst hast du deinem Volk die Gewissheit geschenkt,
noch einmal neu anzufangen,
Tiefpunkte zu überwinden und
für die ganze Welt ein Zeichen der Hoffnung zu sein.
Dann bist du Mensch geworden,
du hast Verlorene gefunden und
in deiner Liebe trägst du Menschen
auch über die Schwelle des Todes.
Wir danken dir für die vielen Fingerzeige,
die uns den Weg in das Leben weisen.
In Christus,
der unsere Schmerzen teilt.
Erbarmender Gott,
durch deinen Sohn Jesus Christus
haben wir die Zusage empfangen,
dass auch uns die Kraft des Hl. Geistes geschenkt ist.
Oft geht uns im täglichen Geschehen das Gespür dafür verloren.
Öffne uns in diesem Gottesdienst,
damit wir deine heilbringende Kraft neu empfinden können.
Das erbitten wir durch Jesus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Vater im Himmel,
du hast dich in deinem Sohn Jesus Christus offenbart.
Bei der Taufe Jesu stand der Himmel offen.
Du kamst im Heiligen Geist auf ihn herab.
Komme du mit deinem Heiligen Geist auf deine Gemeinde herab
und heilige uns.
Darum bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. – Amen.
© Pfarrer Hans Tinkhauser <hans.tinkhauser@aon.at
Herr, Jesus Christus,
Johannes der Täufer hat dich als Sohn Gottes und als Lamm Gottes bezeugt, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.
Wir bitten dich:
Lass alle Menschen deine übergroße Liebe zu deinem himmlischen Vater und zu uns Menschen
als befreiende Kraft erkennen und nachahmen.
Vergib allen Menschen die Schuld,
die sie durch ihre Egoismen, ihren Hass und ihre Lieblosigkeiten immer neu auf sich laden.
Erfülle alle, die auf deinen Namen getauft sind, mit der Kraft und der Liebe des Heiligen Geistes,
und erneuere durch sie das Angesicht der Erde.
Einige alle Christen in deiner Nachfolge
und befähige sie, Zeugen deiner Menschenfreundlichkeit und Liebe zur ganzen Schöpfung zu sein.
Nimm an die Opfer aller Menschen,
die für Gerechtigkeit, Frieden und Achtung der Menschenwürde ihr Leben eingesetzt haben.
Verzeihe allen unseren Verstorbenen, was sie in ihrem Leben gefehlt haben,
und lass sie für immer deine unendliche Liebe und Nähe erfahren.
Du, Herr, bist eins mit dem Vater im Heiligen Geist,
du bist das Licht für die Völker
und du heilst die Wunden der ganzen Schöpfung. – Amen.
Johannes der Täufer sieht Jesus von weitem und stellt ihn den Menschen vor als Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt. Er tröstet die, die geschlagen sind wie er, er richtet auf, die keine Hoffnung mehr haben,er gibt Heimat denen, die in ihrem Leben fremd geworden sind.
Heute beten wir:
Für die Menschen, die in der Einsamkeit ihrer Krankheit mit sich alleine sind.
Gott, sei du unsere Stärke.
Für die Menschen, die aus den finsteren Löchern ihres Lebens nicht herauskommen.
Gott, sei du unsere Stärke.
Für die Menschen, die in ausweglosen Situationen Licht verbreiten.
Gott, sei du unsere Stärke.
Für die Menschen, die weltweit für Wahrheit, Recht und Gerechtigkeit einstehen.
Gott, sei du unsere Stärke.
Für die Menschen, die aus der Kraft ihrer Taufe Gottes Liebe teilen.
Gott, sei du unsere Stärke.
Wenn wir glauben, wir hätten genug mit uns zu tun, öffne uns die Augen für die anderen,
wenn wir glauben, wir könnten doch nichts tun, zeige uns Jesus, den Anführer und Vollender des Glaubens. Er ist das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt. – Amen.
Wir sind auf den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist getauft und so in die Gemeinschaft des dreieinen Gottes hineinberufen.
Ihn lasst uns bitten:
Beten wir für unsere Gemeinden, die um Christus als ihrem Zentrum versammelt versuchen, gesellschaftliche, ethnische und politische Unterschiede zu überwinden.
Beten wir für eine gute Weiterentwicklung des christlich-jüdischen Dialogs, der durch jahrhundertelange Missverständnisse und Vorurteile belastet ist.
Beten wir für die junge Generation, die von den Krisen der Zeit verunsichert nach zukunftsfähigen Perspektiven sucht.
Beten wir für alle, die sich bemühen, ihr Leben gemäß ihrer Taufberufung zu gestalten.
Beten wir für alle Verstorbenen, für die wir erhoffen, dass du sie nach ihrem irdischen Leben trotz Schwächen und Versagen zur Vollkommenheit führst.
Gott des Lebens! Mit Staunen über deine Güte und liebevolle Hinwendung zu uns Menschen loben wir dich und danken wir dir jetzt und allezeit. - Amen.
Ein Lamm symbolisiert die Verwundbarkeit der ganzen Schöpfung. Auch Jesus hat sich in seiner Menschwerdung auf die Verletzlichkeit der Geschöpfe eingelassen.
Im Bewusstsein unserer Bedürftigkeit lasst uns den Vater bitten:
Um die Einheit der Christen, die seit vielen Jahrhunderten verloren gegangen ist und trotz aller menschlichen Anstrengungen bisher nicht wiederhergestellt werden konnte.
Um ein globales Verständnis für die Gefahren der Klimaveränderungen, an denen derzeit die Menschen in Australien in bisher unvorstellbarer Weise leiden.
Um eine Deeskalation in den verschiedenen sozialen und politischen Konflikten, die zwischen und in diversen Ländern derzeit herrschen.
Um innovative und mitfühlende Lösungen für die Probleme jener, die Pflege brauchen, und derer, die sich ihrer annehmen.
Um Stärke und Trost aus dem Glauben an Jesus und seinen Leidensweg für alle Todkranken und Sterbenden.
Denn Jesus hat durch sein Leiden und seinen Tod am Kreuz die Schuld aller getragen. Durch ihn dürfen auch wir darauf vertrauen, dass du letztlich alles zum Guten wenden wirst.
Dafür loben und preisen wir dich jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Johannes der Täufer zeigte auf dich als das Lamm Gottes, darum wagen wir es, dich zu bitten:
Für alle, die Papst Franziskus und unseren Bischof ……. in ihrer Arbeit um die Kirche unterstützen.
Für alle Pfarrgemeinden, damit sie dich in jeder Eucharistiefeier als das wahre Lamm Gottes erkennen.
Für alle Menschen, die dieses große Geheimnis deiner Menschwerdung nicht erfassen und verstehen können.
Für alle Geschöpfe, die durch Naturkatastrophen, Krieg und Umweltverschmutzung bedroht sind, ihren Lebensraum zu verlieren.
Für alle unsere Verstorbenen, nimm sie auf in das Reich deiner ewigen Herrlichkeit.
Denn du bist bei uns alle Tage bis zum Ende der Welt
durch Jesus Christus unseren Herrn. – Amen.
© Pfarrer Hans Tinkhauser <hans.tinkhauser@aon.at>
Herr,
gib, daß wir das Geheimnis des Altares ehrfürchtig feiern;
denn sooft wir die Gedächtnisfeier dieses Opfers begehen,
vollzieht sich an uns das Werk der Erlösung.
Durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Sonntag im Jahreskreis
Herr, nimm unsere Gaben an
und mache sie uns zum Sakrament der Erlösung.
Reinige uns von allen Sünden,
damit wir besonnen und gerecht in dieser Welt leben
und die Ankunft unseres Retters
Jesus Christus erwarten,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Amen.
MB Auswahl 11
Herr und Gott,
du hast dir
das eine Volk des Neuen Bundes erworben
durch das Opfer deines Sohnes,
das er ein für allemal dargebracht hat.
Sieh gnädig auf uns
und schenke uns in deiner Kirche
Einheit und Frieden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 21. Sonntag im Jahreskreis
Gütiger Gott,
wir bringen die Gaben dar
für die Gedächtnisfeier unserer Erlösung.
Mache sie zum Sakrament,
das die Einheit bezeichnet
und uns in deiner Liebe zusammenschließt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Votivmesse von der hl. Eucharistie
(für Wortgottesfeiern)
Kehrvers:
Freut euch: Wir sind Gottes Volk,
erwählt durch seine Gnade. (GL 56,1)
Guter Gott wir danken dir,
dass du uns Jesus Christus als Licht der Völker gesandt hast,
damit er dein Volk zusammenführe
und es wieder aufrichte.
Kehrvers
Johannes hat auf ihn hingewiesen,
er sei das Lamm Gottes,
das die Sünde der Welt hinwegnimmt
und uns mit dir versöhnt.
Kehrvers
Johannes hat ihn bezeugt als den Sohn Gottes,
auf den der Geist vom Himmel herabgekommen ist
und auf der Geist ruht.
Kehrvers
Ihn hast du gesandt,
dass er mit dem Heiligen Geist taufe.
Er hat auch uns geheiligt
und berufen ihm nachzufolgen.
Kehrvers
Für all das danken wir dir.
Wir stimmen ein in den Lobgesang der ganzen Schöpfung
und singen mit den Engeln und Heiligen:
Danklied, z. B. GL 484:
Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben...
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Denn heute enthüllst du
das Geheimnis unseres Heiles,
heute offenbarst du das Licht der Völker,
deinen Sohn Jesus Christus.
Er ist als sterblicher Mensch auf Erden erschienen
und hat uns neu geschaffen
im Glanz seines göttlichen Lebens.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Erscheinung des Herrn
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben.
Denn deine Vorsehung waltet über jeder Zeit;
in deiner Weisheit und Allmacht
führst du das Steuer der Kirche
und stärkst sie durch die Kraft des Heiligen Geistes.
In ihm kann sie allezeit auf deine Hilfe vertrauen,
in Not und Bedrängnis zu dir rufen
und in Tagen der Freude dir danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir dein Erbarmen
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Heiliger Geist 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und am Fest des heiligen Johannes
das Werk deiner Gnade zu rühmen.
Du hast ihn geehrt vor allen,
die je eine Frau geboren hat,
schon im Mutterschoß erfuhr er das kommende Heil,
seine Geburt erfüllte viele mit Freude.
Als einziger der Propheten
schaute er den Erlöser
und zeigte hin auf das Lamm,
das die Sünde der Welt hinwegnimmt.
Im Jordan taufe er Christus,
der seiner Kirche die Taufe geschenkt hat,
so wurde das Wasser
zum heiligen Quell des ewigen Bundes.
Bis an sein Ende gab Johannes Zeugnis
für das Licht und besiegelte mit dem Blut seine Treue.
Darum preisen wir dich mit allen Engeln
und Heiligen und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB 24. Juni
Einleitung zum Vater unser
Beten wir zum Vater im Himmel
wie sein Sohn, das Lamm Gottes, es uns gelehrt hat…
© Pfarrer Hans Tinkhauser <hans.tinkhauser@aon.at>
Der Vater hat Jesus gesandt
und Jesus hat viel über den Vater gesprochen.
So lasst uns auch zu diesem Vater rufen:
Einleitung zum Friedensgebet:
In der Begegnung mit Jesus fand Johannes sein Ziel,
das ihn bestätigte und ihm Frieden schenkte.
Gleich werden auch wir dir, Jesus, begegnen.
Wir bitten dich:
Schaue nicht auf unsere Sünden...
Vater im Himmel, wir sehen wie brüchig der Frieden in der Welt, in unserem Land und in unseren Gemeinden ist:
Wir bitten dich, schau auf unsere Bemühungen, auf unsere Liebe und auf den Glauben deiner Kirche und schenke du uns nach deinem Willen Einheit und Frieden…
© Pfarrer Hans Tinkhauser <hans.tinkhauser@aon.at>
Auch wir sind gerufen:
berufen -
Zeugnis zu geben,
Gottes Heil zu verkünden,
Gottes Liebe sichtbar zu machen,
Licht für die Völker zu sein,
als Kinder Gottes in der Welt zu leben.
Das ist eine Herausforderung,
ein Auftrag,
der uns oft zu groß erscheint,
vor dem wir uns manchmal drücken wollen.
Doch -
Gott lässt uns nicht allein,
sein Geist führt und hilft uns,
wenn wir dazu bereit sind.
Auch wir sind berufen
als Töchter und Söhne Gottes
so zu leben,
dass die Menschen spüren können:
Gott ist mit uns,
sein Licht und Heil
will alle erreichen.
Barmherziger Gott,
du hast uns alle mit dem einen Brot des Himmels gestärkt.
Erfülle uns mit dem Geist deiner Liebe,
damit wir ein Herz und eine Seele werden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
das heilige Mahl ist ein sichtbares Zeichen,
dass deine Gläubigen in dir eins sind.
Lass diese Feier wirksam werden
für die Einheit der Kirche
Darum bitten wir im heiligen Geist
durch Jesus Christus, unseren Herrn.
MB 11. Sonntag im Jahreskreis
Gütiger Gott,
bewahre dem Volk der Erlösten deine Liebe und Treue.
Das Leiden deines Sohnes hat uns gerettet;
sein Geist, der von dir ausgeht, führe uns den rechten Weg.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Pfingstmontag
MB Freitag in der Osterwoche
Gütiger Gott,
dem Auftrag deines Sohnes getreu,
haben wir das Opfer gefeiert
und das heilige Sakrament empfangen.
Es heile uns von unseren Sünden
und schenke uns Wachstum in deiner Gnade.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Heilige Frauen und Männer
Vater im Himmel,
neu erfüllt durch dein heilbringendes Wort
und in der Gemeinschaft des Brotbrechens,
dürfen wir in die neue Woche gehen.
Lass diese Erfahrung sich in uns ausbreiten,
damit auch wir gläubig bekennen können:
Jesus ist dein geliebter Sohn.
Und leite uns, damit seine Botschaft
zur gelebten Wirklichkeit im Geschehen dieser Welt wird.
Wir loben dich, mit deinem Sohn und dem Hl. Geist,
heute und allezeit. – Amen.
Vater im Himmel,
wir haben deinen Sohn gefeiert
in diesem Heiligen Opfer.
Jesus Christus ist unser Heiland und Erlöser
als das wahre Lamm Gottes,
das hinweg nimmt die Sünde der Welt.
Er, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht
in alle Ewigkeit. – Amen.
© Pfarrer Hans Tinkhauser <hans.tinkhauser@aon.at>
Gott des Lebens,
der du unsere Stärke bist.
Gott des Lebens,
der du unser Licht bist.
Gott des Lebens,
der du unser Heil bist.
Gott des Lebens,
der du uns durch
die Taufe berufen hast.
Gott des Lebens,
der du im Lamm Gottes
zu uns Menschen gekommen bist,
segne uns:
im Vater und im Sohn und im Heiligen Geist.
Amen.
© Pfarrer Hans Tinkhauser <hans.tinkhauser@aon.at>
Das versteht doch keiner mehr
Unschuldige werden in den Tod geschickt
Kinder als Soldaten missbraucht
durch Krieg und Terror
durch Gewalt
auch in den eigenen vier Wänden
müssen Unschuldige ihr Leben lassen
Seht
das Lamm Gottes
Fremd klingt das in unseren Ohren
Und doch
ER allein hat diese Vollmacht
einzugreifen
in die strukturelle Sünde der Welt
in das sündhafte Verhalten
das Unrecht produziert
das Macht missbraucht
das Kinder sterben lässt
durch Menschenhand
Sein Geist
hat die Macht
zur Umkehr zu bewegen
Gewaltspiralen zu unterbrechen
auf Machtmissbrauch zu verzichten
Wer macht mit?
Getauft mit Hl. Geist
DIE Chance!
Ergreifen wir sie
ganz konkret
mit unseren Möglichkeiten!
© Sr. Maria Schlackl SDS
https://salvatorianerinnen.at/engagement/verkuendigen-als-frau-in-der-kirche/lebensimpulse-sms/
Wir sind alle kleine Sünderlein ist ein deutscher Schlager. Die Melodie stammt von dem alten schlesischen Volkslied Wenn wir sonntags in die Kirche geh’n (Wenn mer suuntichs ei de Kerche giehn, aufgezeichnet 1887[1]). Der deutsche Schlagerkomponist und Liedtexter Heinz Korn dichtete 1964 den Text „Wir sind alle kleine Sünderlein“ zu dieser Melodie, die von Werner Twardy und Fred Conta bearbeitet wurde. Gesungen wurde das Lied von Willy Millowitsch unter anderem in dem Spielfilm Alter Kahn und junge Liebe (1973). Das Lied wurde auf Schallplatte aufgenommen (Label Polydor) und mehrfach auf LP und Audio-CD wiederveröffentlicht.
1972 war die Titelzeile das Motto des Kölner Rosenmontagszugs.
Wikipedia am 13.1.2026
Johannes sagt
er habe es gesehen
und bezeugt:
„Dieser ist der Sohn Gottes.“
er bezeugt
tritt für das Erkannte ein
bringt es zum Ausdruck
bejaht und bekennt
ist sich sicher
erhebt dafür seine Stimme
und wir
nehmen wir uns die Zeit
Jesus als den Sohn Gottes zu erkennen
in den Wüsten unseres Lebens
oder
an den Stellen
wo frisches
Wasser fließt
und uns lebendig sein lässt
eben mitten
im „ganz normalen Wahnsinn“
unseres Lebens
und wenn wir es erkannt haben
dann lasst uns doch die Stimme erheben
uns aufmachen
unserer Stimme trauen –
ob laut oder leise -
geben wir ihr Ausdruck in dem
was wir erfahren durften
und sind wir dann viele Stimmen
vielleicht werden sie dann so laut
wie die Stimme des Wüstenrufers
und die Welt hört auf sie
machen wir uns auf
trauen wir unserer Stimme etwas zu
Beatrix Senft 2023.
Es ist offenbar so,
dass sich Gott
in uns Menschen
offenbart.
Traust DU ihm
das
bei dir zu?
Was will ER
dir
heute offenbaren
und
wozu?
© Sr. Maria Schlackl SDS
https://salvatorianerinnen.at/engagement/verkuendigen-als-frau-in-der-kirche/lebensimpulse-sms/
Alle vier Evangelien berichten uns von Johannes dem Täufer. Übereinstimmend erzählen sie von seiner Tauftätigkeit am Jordan. Unter den Getauften befand sich den Synoptikern zufolge auch Jesus selbst. Überliefert ist auch das Ende des Johannes im Zusammenhang mit seiner Kritik am unmoralischen Lebenswandel des Königs Herodes Antipas. Wer war dieser Johannes: ein Wüstenasket, ein prophetischer Rufer, ein charismatischer Moralprediger, erster großer Christuszeuge, ein - wie wir - verunsichert nach dem Wesen Jesu Fragender? Oder gar ein »Lehrer Jesu«", von dem sich der Schüler - in bleibender innerer Verbundenheit - erst spät trennt? Auffällig ist, wie viel Mühe die Evangelisten darauf verwenden, Johannes als den »Vorläufer« zu charakterisieren, Jesus ihm gegenüber aufzuwerten. Dieser Aufwand ist nur dann plausibel, wenn die Frage nach der Rangfolge der beiden tatsächlich umstritten war. Johannes bleibt also eine spannende Gestalt, gerade weil er die Frage nach dem Wesen Jesu wie kein anderer formuliert: »Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?« (Mt 11,2) Wie die Sterndeuter bietet er sich so aus heutiger Perspektive als fragende Zugangsfigur zu Jesus an.
Aus: Georg Langenhorst, Gedichte zur Bibel. Texte - Interpretationen - Methoden. Ein Werkbuch für Schule und Gemeinde. Kösel Verlag München 2001/2004.
Da sie Pygmalion ihr Leben im Laster verbringen sah, blieb er aus Abscheu vor den Gebrechen, mit denen die Natur das weibliche Gemüt so überreich bedacht hat, unvermählt, ein Junggeselle, und lange fehlte auf seinem Lager die Lebensgefährtin.
Währenddessen gelang es ihm, aus 'schneeweißem Elfenbein mit bewundernswürdiger Kunst ein Bild zu schnitzen und ihm so viel Schönheit zu verleihen, wie die Natur keiner Frau geben kann - und er verliebte sich in sein eigenes Werk. Es ist das leibhaftige Ebenbild einer Jungfrau, man könnte meinen, sie lebe und nur die Sittsamkeit hindere sie daran, sich zu bewegen. So sehr verbarg seine Kunst alles Künstliche! Pygmalion staunt und fängt im Herzen Feuer für die selbst gebildete Schöne. Oftmals berührt er das Kunstwerk mit prüfenden Händen, ob es ein wirklicher Leib oder aus Elfenbein sei - und will sich nicht eingestehen, daß es nur aus Elfenbein ist. Er küßt es und vermeint, wiedergeküßt zu werden, spricht es an, umarmt es und glaubt, den Druck der Finger auf den berührten Gliedern zu bemerken, er sorgt sich sogar, die Glieder könnten, wo er sie drückte, bläuliche Flecken bekommen. Bald überhäuft er sie mit Liebkosungen, bald bringt er ihr Geschenke, wie Mädchen sie lieben, Muscheln, glatte Steinchen, kleine Vögel, Blumen in tausend Farben, Lilien, bunte Bälle und die nach ihrer Baumverwandlung vergossenen Tränen der Sonnentöchter, den Bernstein. Auch schmückt er sie mit Kleidern, steckt ihr Ringe mit Edelgestein an die Finger und legt ihr eine lange Kette um den Hals. Im Ohr trägt sie mattschimmernde Perlen, am Busen ein Brustband. Alles ziert sie, doch nackt erscheint sie nicht weniger schön. Er legt sie auf Purpurdecken aus Sidon, nennt sie Gefährtin seines Lagers und läßt, nicht anders, als ob sie es fühlte, ihren Nacken auf weichen Daunen ruhen.
Das Venusfest, das ganz Zypern feiert, war gekommen. Die krummen Hörner mit Gold überzogen, waren junge Rinder zusammengebrochen, als das Opferbeil ihren schneeweißen Nacken traf Der Weihrauch dampfte empor. Als Pygmalion sein Opfer dargebracht hatte, trat er an den Altar und betete schüchtern: - er wagte nicht zu sagen: , und fuhr fort:
Die goldene Venus, die selbst zu ihrem Festtag erschienen war, merkte, was es mit jenem Wunsch wirklich auf sich hatte, und als ein Zeichen göttlicher Gnade loderte dreimal die Flamme auf und schlug hoch in die Lüfte.
Kaum heimgekehrt, begibt sich Pygmalion wieder zu seinem geliebten Bild, legt sich neben ihm nieder und küßt es - da scheint es warm zu sein! Er küßt es noch einmal und legt ihm die Hand an die Brust- da wird unter seiner Hand das Elfenbein weich, verliert seine Härte, gibt den Fingern nach und nimmt Eindrücke an, gleich wie Wachs vom Hymettos in der Sonne erweicht, unter dem Druck des Daumens mancherlei Gestalt annimmt und beim Formen immer formbarer wird. Während der Liebende staunt, sich erst zaghaft freut und noch fürchtet, er könne sich täuschen, sucht er sich wieder und wieder mit den Händen zu überzeugen, daß sich sein Wunsch erfüllt hat - und das Bild leibt und lebt! Es. pochen dem tastenden Daumen die Adern entgegen! Nun sucht der paphische Künstler seinen Dank an Venus in eine Fülle feierlicher Worte zu fassen und preßt seine Lippen endlich auf wirkliche Lippen; das Mädchen fühlt den Kuß, errötet, und während es ängstlich sein lichtes Auge zum Licht erhebt, sieht es zugleich mit dem Himmel seinen Geliebten.
Über die Ehe, die sie gestiftet hat, waltet gnädig die Göttin: Als neunmal die Sichel des Mondes sich zur vollen Scheibe gerundet hatte, brachte jene das Mädchen Paphos zur Welt, von dem die Insel einen ihrer Namen hat.
Aus: Ovid, Metamorphosen. Das Buch der Mythen und Verwandlungen. In Prosa neu übersetzt von Gerhard Fink. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Mai 1992.
Selbst Beethoven war nicht davor gefeit, das Talent eines Großen zu übersehen. Ein zwölfjähriger Knabe stellte sich dem Meister vor und gab ihm am Klavier Beweise einer für sein Alter wahrhaft erstaunlichen Fertigkeit. Der junge Mann improvisierte und spielte ein Beethoven-Konzert mit großer Sicherheit. Da der Meister jedoch nicht an Wunderkinder glaubte, schickte er ihn wieder fort.
Schließlich konnten ihn Freunde dazu bewegen, ein öffentliches Konzert des jungen Mannes zu besuchen, und jetzt erst erkannte Beethoven, wie sehr er sich geirrt hatte. Er stürzte auf das Podium und umarmte den genialen Knaben. Das Wunderkind war Franz Liszt.
Aus Gerog Markus, Das heitere Lexikon der Österreicher. Die besten Anekdoten von Altenberg bis Zilk. DTV, München 2007.
Wie viele andere in der Kirche verspürte ich in den 60er und 70er Jahren das Verlangen nach einer neuen Geisterfahrung. Wir erlebten, daß ein bisweilen falsch verstandenes "Aggiornamento”, ein zu oberflächliches Bemühen, Kirche und kirchliches Leben auf die Höhe der Zeit zu bringen, zu einer Vertrocknung des geistlichen Lebens führen konnte. Zudem fühlten wir uns zum Zeugnis herausgefordert, daß die Seligpreisungen heute lebbar sind - auch inmitten einer Welt, die in vielen Aspekten der Frohen Botschaft zuwiderläuft. In der Phase nachkonziliärer Infragestellungen meinten einige, man müsse wieder lernen, zur eigenen Identität zu stehen und stolz zu sein, zur Kirche zu gehören.
Ich selbst hatte damals und all die Jahre hindurch viele Gelegenheiten (nicht nur die eingangs erwähnte!), diverse geistliche Erfahrungen aus der Nähe kennenzulernen: alte und neue, östliche und westliche. Einige der neuen Erfahrungen waren um charismatische Persönlichkeiten entstanden, durch die der Heilige Geist direkt zu den Kirchen zu sprechen schien. In den Begegnungen mit solchen Gruppen fand ich viel Gutes: ein neues Gemeinschaftsbewußtsein, eine intensiver( geistliche Erfahrung, eine Überwindung der Ängste und Sorgen angesichts einer vom Werteverfall bedrohten Welt.
Diese Begegnungen haben mein Leben bereichert ich bereue es nicht, daß ich dort "auf die Suche” gegangen bin. Und ich hoffe, dabei ein wenig mehr geiern' zu haben, auf den Heiligen Geist zu hören, der mit immer neuer Phantasie und Kreativität am Werk ist. Ich möchte sogar sagen, daß diese Erfahrungen mir auch geholfen haben, einen tieferen inneren Zugang zu "institutionalisierten” (um ein Modewort von damals auf-zugreifen) Orten der Präsenz des Heiligen Geistes zu finden: zur Heiligen Schrift als Wort Gottes, das im Glauben gelesen und im Gebet betrachtet werden will und nicht nur Gegenstand exegetischer Akribie (die freilich auch dazugehört!) ist; zum Wert der Sakramente, der Liturgie und der Zugehörigkeit zur kirchlichen Gemeinschaft und ihres karitativen Engagements.
Mit der Zeit ist mir zunehmend bewußt geworden, in welch überreichem Maße der Heilige Geist am Werk ist. Vor allem in meinem bischöflichen Dienst, den ich als besondere Gnade betrachte, habe ich erfahren, wie-viel er ohne Lärm und Aufhebens in alltäglichen Situationen bewirkt. Ich wurde Zeuge zahlloser Lebenswege bekannter und unbekannter Menschen, von Erlebnis-sen und Begebenheiten, die keine Schlagzeilen machen.
Oft waren es zufällige Begegnungen, die mich tief beeindruckt haben und ahnen ließen, wieviel Gutes es im Verborgenen gibt: Wie kostbar ist der Beitrag so vieler alter und einsamer Menschen, der häufig übersehen wird. Wie viele Familien kümmern sich ohne Aufhebens in heroischer Liebe um ein behindertes Kind. Nie werde ich den Besuch eines jungen Mannes vergessen, der seit Jahren schwer krank war und kurz vor dem Tod stand; spontan dachte ich: Hier ist der auferstandene Herr zugegen! Es hat mich tief beeindruckt, welch offenes Herz so mancher Inhaftierte hat. Ebenso die Verfügbarkeit und die anspruchsvollen Sinnfragen zahlreicher junger Leute ... Voller Bewunderung bemerkte ich unter Jugendlichen ein wachsendes Bedürfnis nach Stille und Gebet, den Wunsch, das Leben der Armen zu teilen, den Hunger nach dem Wort Gottes.
Geprägt von solchen tiefen geistlichen Erfahrungen, ist mir aufgegangen, daß der Heilige Geist auch an Orten wirkt, die man als Orte der Ferne oder gar der Abwesenheit Gottes bezeichnen würde. Dieser Eindruck hat sich nach und nach erhärtet, nicht zuletzt in einer Reihe von Begegnungen und Veranstaltungen mit Nichtglaubenden, die Augenblicke authentischer Gnade waren.
Kurz, ich habe gemerkt, daß der Heilige Geist in zweifacher Weise zugegen ist:
zum einen in der Gemeinschaft der Kirche, sei es in ihren "normalen” Lebensvollzügen und Handlungen, etwa in den liturgischen Feiern und der alltäglichen Seelsorge, sei es in den vielfältigen neuen Aufbrüchen (die geistlichen Bewegungen sind dafür ein augenfälliges, wenn auch nicht das einzige Zeichen);
zum anderen auf der großen Bühne der Welt, und zwar auch in Ereignissen und Situationen, die auf den ersten Blick wenig oder nichts mit Gott zu tun haben.
Zugleich aber ist mir etwas anderes aufgefallen: Es gibt beträchtliche Widerstände gegen das befreiende Handeln des Heiligen Geistes, der Beistand und Tröster ist. Diese Widerstände kommen von zwei Seiten.
Es bestehen Tendenzen, die eigene Gruppe und Bewegung oder die persönliche spirituelle Erfahrung zu verabsolutieren. Dies kann so weit führen, daß das ursprüngliche Charisma gewissermaßen verdinglicht und jemandem übergestülpt wird. Die freie, persönliche Reifung des einzelnen kann dadurch blockiert werden.
Andererseits gibt es die Tendenz, alles, was über das Bekannte und die eigenen Vorstellungen hinausgeht, abzutun und abzulehnen. Man glaubt den eigenen Weg und die Wege, die andere zu gehen haben, zu kennen, und ist überzeugt: So soll es bleiben. Man ist nicht offen für lebendige Erfahrungen des Geistes, die vorschnell als überflüssig oder gar als "Entfremdung” eingestuft werden. Dies geschieht besonders häufig, wenn der Glaube abnimmt oder das Streben nach materiellen Dingen die Oberhand gewinnt und dem Unsichtbaren den Rang streitig macht.
Die beiden Widerstände gegen den Geist äußern sich in zwei ernsten Versuchungen.
Im ersten Fall kann es vorkommen, daß in einer Gruppe oder Bewegung nicht die persönliche Erfahrung des Heiligen Geistes, sondern die Zugehörigkeit zur Gruppe das Wichtigste wird. Man neigt dazu, aus der charismatischen Führergestalt einen nicht hinterfragbaren Bezugspunkt zu machen. Subtile Prozesse drängen denjenigen, der sich um eine selbstkritische Überprüfung seiner eigenen Erfahrung müht, in die Rolle eines schuldig Gewordenen.
Im zweiten Fall besteht die Gefahr der Selbstgenügsamkeit. Anfänglich äußert sie sich in einem leeren, eintönigen religiösen und kirchlichen Leben. Äußerlich hält man zunächst noch an bestimmten Gewohnheiten und Bräuchen fest. Im Extremfall geht schließlich jeder Bezug zum Unsichtbaren, zur Transzendenz verloren. Man verschließt sich gegen jede Botschaft vom Heil, die Gott uns zukommen lassen möchte.
Aus: Carlo Maria Martini, Spuren des Heiligen Geistes. Beobachtungen und Anstöße. Verlag Neue Stadt, München Zürich Wien 1998.
An den großen Problemen, vor denen die römisch-katholische Kirche heute steht, ist nicht das Konzil schuld. Ich glaube sogar, dass Johannes XXIII. die Kirche gerade für die sich damals schon abzeichnenden Veränderungen in der Gesellschaft erneuern und zurüsten wollte. Und die Bischöfe der ganzen Welt, die mit ihren Theologen nach Rom gekommen waren, sind dem Papst damals erstaunlich willig gefolgt.
Nicht das Konzil ist schuld an der heutigen Schwäche der Kirche, sondern die oft divergierende Interpretation des Konzils. Und auf eine gemeinsame müsste man sich in aller Sorgfalt einigen. Wie soll das gehen? Man muss die Konzils-texte neu lesen, aber nicht nur die Endfassung, sondern jeweils den Werdegang der einzelnen Dokumente studieren. Sie waren meist zuerst im traditionellen Geist konzipiert und geben dann schließlich doch fast alle eine erneuerte Theologie wieder. Das Wirken des Geistes kann man nicht allein dem Endtext entnehmen. Da stecken zu viele Kompromisse dahinter auf Grund von Interventionen, nicht zuletzt aus kurialen Kreisen. Aber in der so unerwarteten Dynamik, aus der die Texte sich weiterentwickelt haben, spüre ich den Geist Gottes, der seine Kirche leitet.
Dann aber müssten die Anstöße, die das Konzil gab, jetzt, nach mehr als 40 Jahren, weitergedacht werden, gleichsam ein neues Aggiornamento erfahren. Und wie damals geht das nur in vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen Vertretern des Lehramtes und der theologischen Forschung. Gera-de in den verschiedenen Sparten der Theologie wurde ja die Weiterentwicklung seit dem Konzil wissenschaftlich beobachtet, und zahlreiche Lösungsmodelle sind schon ausgearbeitet worden.
Wie am Konzil braucht es auch heute den Mut, Neues zu wagen und auf manch Altes - das nicht immer das Bessere gewesen sein muss - zu verzichten. Der Glaubwürdigkeit der Kirche dient nicht der Anschein, sie habe kontinuierlich immer Dasselbe gelehrt, sondern das ehrliche Eingeständnis, auch Fehler gemacht zu haben und nun zu besserer Einsicht gekommen zu sein.
Wenn das Konzil wirklich das Geschenk des Geistes an die Kirche war, dann dürfen wir es nicht als geschichtliches Ereignis "verwahren”, "archivieren”, sondern müssen es zu voller Entfaltung bringen und mit der Welt teilen, für die es uns ja anvertraut worden ist.
Aus: Helmut Krätzl, Eine Kirche, die Zukunft hat. 12 Essays zu scheinbar unlösbaren Kirchenproblemen. Styria Verlag Wien Graz Klagenfurt 2007.
Komme, geheimnisvoller Atem,
leiser zärtlicher Wind,
hauche uns an, damit wir leben,
ohne dich sind wir tot!
Komme, in Feuer und in Flammen,
zünd uns an wie ein Licht,
mache uns trunken von der Liebe,
wir sind starr, tau uns auf!
Komme, Erfinder neuer Sprachen,
gieß dich aus über uns,
rede in uns mit neuen Zungen,
komm, begeistere uns!
Komme, du Hoffnung aller Armen,
schaff den Wehrlosen Recht,
dass die Gebeugten sich erheben,
dass sich Völker befrein!
Komme, du Tröster aller Müden,
Stille mitten im Lärm,
in den Terminen schaff uns Pausen,
lass uns ausruhn in dir!
Komme, du Taube übers Wasser,
bring den Ölzweig herbei,
bring uns das Zeichen für den Frieden,
den die Erde ersehnt!
Komme vom Vater und vom Sohne,
komm du schaffende Kraft,
mache uns neu, und unsre Erde
hat ein neues Gesicht!
Lothar Zenetti in Reinhard Kürzinger / Bernhard Sill, Das große Buch der Gebete.
Über 800 alte und neue Gebetstexte für jeden Anlass. Lizenzausgabe für Verlag Hohe, Erfstadt 2007.

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Im Lied wird ein breiter Horizont abgesteckt. Der Knecht Gottes soll das Volk Israel nicht nur zurückbringen und einen neuen Anfang machen - er soll zum Licht der Völker werden, damit Jahwes Heil die ganze Welt umspannt.
Die Menschen, die in der Verbannung zuerst an sich denken und von ihrer alten Heimat träumen, die von der Geschichte Gerechtigkeit erwarten und nicht länger Wunden lecken wollen, hören in diesem Lied, dass der Knecht Gottes sich nicht von ihnen vereinnahmen lassen kann. Es ist ein feiner Unterton - in Babel - zu hören: Jahwes Volk teilt das Licht mit den Völkern.
Es gibt Ausleger, die meinen, dass in den Liedern vom Knecht Gottes das Volk Israel selbst "Knecht Gottes" ist. Die Lieder vom Knecht Gottes enthalten so große Verheißungen, dass sie aber schon im Neuen Testament und im Urchristentum auf Jesus bezogen wurden. Alte gottesdienstliche Texte preisen Gott "durch deinen Knecht Jesus".
Das Lied spricht in der Ich-Form von der Berufung eines Propheten, sodaß man zuerst einmal meinen könnte, Buchautor und Prophet seien identisch. In Vers 3 aber wird der Prophet mit "Israel" angeredet. Dies läßt die Annahme zu, daß das Volk Israel die Rolle des Propheten und Gottesknechtes wahrzunehmen habe. Andererseits könnte die Anrede "Israel" aber auch eine Titulierung des Propheten sein. Jahweh, der ihn als Knecht in Dienst nimmt, nennte ihn nach diesem Verständnis "Gottesstreiter" oder "Gotteskämpfer" (vgl. Gen 32,29).
Wer mit dem Gottesknecht letztendlich gemeint ist, läßt sich nicht eindeutig klären.
Die Bezeichnung "Knecht" muß nicht im Sinne von Sklave oder niederer Diener verstanden werden. Sie wurde auch für hohe Staatsämter, die in Abhängigkeit vom König ausgeübt wurden, verwendet und könnte auch mit "Minister" oder "Berater" übersetzt werden.
Inhaltlich geht es um die Erwählung und Einsetzung des Gottesknechtes in sein Amt. Die Formulierung in Vers 3 ruft Psalm 2,7-9 und die Inthronisierungszeremonie des Königs in Jerusalem in Erinnerung. Der Prophet nimmt die ihm zugemessene Würde selbstbewußt an (Vers 5a).
Die Aufgabe des Gottesknechtes wird in drei Kreisen beschrieben:
- Der Gottesknecht wird eingesetzt, damit Jahweh an ihm seine Größe und Herrlichkeit offenbaren kann (Vers 3).
- Der Gottesknecht soll die Verherrlichung Gottes herbeiführen, indem er das Volk, das im Exil verstreut unter anderen Völkern lebt, heim nach Jerusalem führen wird. Diese unter den herrschenden Verhältnissen menschlich gesehen unmögliche Aufgabe übernimmt der Prophet in Vertrauen auf Gott.
- Schließlich wird der Auftrag des Gottesknechtes noch ausgeweitet: Er soll Licht werden für die Völker und das Heil Gottes bis zu den Enden der Erde sichtbar machen. Seine Sendung überschreitet die engen nationalen Grenzen und gilt für die ganze Menschheit. Spätere Texte (Lk 2,32: "ein Licht zur Erleuchtung der Heiden" und Mt 28,19: Die Aussendung der Jünger durch den Auferstandenen) werden auf diese Sendung des Gottesknechtes Bezug nehmen.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive