Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Jesaja:
So spricht Gott, der Herr:
Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze;
das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen.
Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt,
er bringt den Nationen das Recht.
Er schreit nicht und lärmt nicht
und lässt seine Stimme nicht auf der Gasse erschallen.
Das geknickte Rohr zerbricht er nicht
und den glimmenden Docht löscht er nicht aus;
ja, er bringt wirklich das Recht.
Er verglimmt nicht und wird nicht geknickt,
bis er auf der Erde das Recht begründet hat.
Auf seine Weisung warten die Inseln.
Ich, der HERR, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen,
ich fasse dich an der Hand.
Ich schaffe und mache dich
zum Bund mit dem Volk,
zum Licht der Nationen,
um blinde Augen zu öffnen,
Gefangene aus dem Kerker zu holen
und die im Dunkel sitzen, aus der Haft.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Jesaja.
So spricht Gott, der Herr:
Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze;
das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen.
Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt,
er bringt den Nationen das Recht.
Er schreit nicht und lärmt nicht
und lässt seine Stimme nicht auf der Gasse erschallen.
Das geknickte Rohr zerbricht er nicht
und den glimmenden Docht löscht er nicht aus;
ja, er bringt wirklich das Recht.
Er verglimmt nicht und wird nicht geknickt,
bis er auf der Erde das Recht begründet hat.
Auf seine Weisung warten die Inseln.
So spricht Gott, der HERR,
der den Himmel erschaffen und ausgespannt hat,
der die Erde gemacht hat und alles, was auf ihr wächst,
der dem Volk auf ihr Atem gibt und Geist
allen, die auf ihr gehen.
Ich, der HERR, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen,
ich fasse dich an der Hand.
Ich schaffe und mache dich
zum Bund mit dem Volk,
zum Licht der Nationen,
um blinde Augen zu öffnen,
Gefangene aus dem Kerker zu holen
und die im Dunkel sitzen, aus der Haft.
Kv: Der Herr schenkt seinem Volk den Frieden. – Kv
(oder GL 263)
Bringt dar dem HERRN, ihr Himmlischen,
bringt dar dem HERRN Ehre und Macht!
Bringt dar dem HERRN die Ehre seines Namens,
werft euch nieder vor dem HERRN in heiliger Majestät! - Kv
Die Stimme des HERRN über den Wassern:
der HERR über gewaltigen Wassern.
Die Stimme des HERRN voller Kraft,
die Stimme des HERRN voll Majestät. - Kv
Der Gott der Ehre hat gedonnert.
In seinem Palast ruft alles: Ehre!
Der HERR thronte über der Flut,
der HERR thronte als König in Ewigkeit.- Kv
Lesung aus der Apostelgeschichte.
In jenen Tagen
begann Petrus zu reden
und sagte:
Wahrhaftig, jetzt begreife ich,
dass Gott nicht auf die Person sieht,
sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist,
wer ihn fürchtet
und tut, was recht ist.
Er hat das Wort den Israeliten gesandt,
indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus:
Dieser ist der Herr aller.
Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist,
angefangen in Galiläa,
nach der Taufe, die Johannes verkündet hat:
wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat
mit dem Heiligen Geist und mit Kraft,
wie dieser umherzog,
Gutes tat
und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren;
denn Gott war mit ihm.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Zu verstehen ist diese Lesung nur im größeren Zusammenhang der Cornelius-Geschichte in der Apostelgeschichte. Cornelius, Römer, aber dem jüdischen Glauben nahe stehend, wird in einer Vision zu Petrus geführt. Der, gefangen in den Kategorien von "rein" und "unrein", "dazu gehörend“ und "fremd" wird in dieser Geschichte davon überzeugt, dass Gott nicht so denkt.
Apg 18,28: "Und (Petrus) sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen meiden oder unrein nennen soll."
Gott hat den Israeliten das Wort gesandt: Jesus, den Christus. Er hat Frieden verkündigt, er ist der Herr aller. So wird hier zusammengefasst, was in der Predigt des Petrus dann ausgeführt wird. Mit einem vertrauten "ihr wisst" werden Erinnerungen wachgerufen, die lebendig sind: Nach der Taufe, die Johannes verkündigt hat, hat Gott Jesus von Nazareth gesalbt mit dem Heiligen Geist. Er zog umher, tat Gutes, heilte alle, die in der Gewalt des Teufels waren – kurz: der Weg Jesu wird als Heilsweg beschrieben, auf dem Gott selbst erscheint ("denn Gott war mit ihm").
In der Cornelius-Geschichte wird die Taufe Jesu ausgelegt. Die Apostelgeschichte, die mit dem Lukas-Evangelium zusammen gelesen werden muss, erzählt, dass "nach der Taufe, die Johannes verkündigt hat", durch Jesus auch Cornelius nicht mehr zu den Fremden gehört. In Lk 3,21f wird die Taufe Jesu so erzählt: "Und es begab sich, als alles Volk sich taufen ließ und Jesus auch getauft worden war und betete, da tat sich der Himmel auf, und der Heilige Geist fuhr hernieder auf ihn in leiblicher Gestalt wie eine Taube, und eine Stimme kam aus dem Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen."
Halleluja. Halleluja.
Der Himmel tat sich auf, und eine Stimme sprach:
Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
Zu dieser Zeit
kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes,
um sich von ihm taufen zu lassen.
Johannes aber wollte es nicht zulassen
und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden
und du kommst zu mir?
Jesus antwortete ihm: Lass es nur zu!
Denn so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen.
Da gab Johannes nach.
Als Jesus getauft war,
stieg er sogleich aus dem Wasser herauf.
Und siehe, da öffnete sich der Himmel
und er sah den Geist Gottes wie eine Taube
auf sich herabkommen.
Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach:
Dieser ist mein geliebter Sohn,
an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.
"Eine programmatische Geschichte” - so fasst Gnilka seinen Kommentar zur vorliegenden Perikope zusammen. Die Perikope ist einheitlich und nach vorne und hinten klar abgegrenzt. Der kurze Text kann in drei Teile gegliedert werden: Einleitung, Johannes-Jesus-Dialog und Offenbarungsgeschehen.
Seinen programmatischen Charakter erhält der Text durch drei Klammern, die im ganzen Matthäusevangelium wiederholt auftauchen und damit einen roten Faden’ legen: “Dies ist mein geliebter Sohn” - diese Wendung findet sich wieder in der Beschreibung der Verklärung Jesu (Mt 17:5) und
erhält eine Antwort im Aufschrei des Hauptmanns unter dem Kreuz Jesu (Mt 27:54). Entstanden ist diese Erzählung vermutlich aus einer Tradition des älteren Markusevangeliums und einer weiterführenden Bearbeitung durch den Autor des Matthäusevangeliums.
Die Taufe Jesu wird von allen vier Evangelien berichtet. Die Abweichung vom Markustext, ein Gesprächseinschub zwischen dem Täufer und Jesus, ist Hinweis auf ein dem Evangelisten wichtiges Thema, nämlich, wie die neue Gerechtigkeit erfüllt werden soll.
Jesus ist Sohn Gottes im Sinne der Gottesknechtslieder, der den Weg des Gehorsams geht. Der Knecht Gottes ist schon im Alten Testament nicht nur zu Israel gesandt. Er hat auch eine Aufgabe für die anderen Völker.
"Du bist mein Sohn" erinnert an das Psalmwort: "Mein Sohn bist du, heute habe ich dich gezeugt" (Ps2:7) - ursprünglich ein Wort an den König bei dessen Thronbesteigung, das den König als von Gott bestellten Hirten legitimiert. Hier bei der Taufe Jesu wird festgehalten, daß Jesus von Anfang an Gottes Gesalbter (= Messias, Christus) ist.
Die Taufe des Johannes mit Wasser hat keine Sünden vergebende Kraft, sie ist Umkehrtaufe, welche die Umkehrbereitschaft des Volkes besiegelt.
Nun aber kommt der "Größere", auf den Johannes hingewiesen hat und reiht sich ein in die Schar derer, die der Taufe bedürfen. Jesu Antwort auf den Einwand des Täufers löst das Problem: "Nur so können wir die Gerechtigkeit, die Gott fordert, ganz erfüllen". Jesus und der Täufer werden so als Vorbilder im Tun der neuen und ganzen Gerechtigkeit hingestellt.
"Gerechtigkeit" gehört zu den Schlüsselbegriffen des Matthäusevangeliums. Sie ist das Thema der Bergpredigt und bezeichnet das rechte und vollkommene Verhalten des Jüngers nach dem Evangelium.
Die Herabkunft des Geistes Gottes wird als Erfahrung Jesu dargestellt. Die Himmelsstimme wirkt amtlicher und proklamatorischer als bei Markusund Lukas. Statt "Du bist ..." heißt es hier "Dieser ist mein geliebter Sohn", d.h. es wird öffentlich bekanntgemacht.
Mt. weicht von seiner Vorlage in Mk 1,7-11 ab, überliefert die Taufe Jesu aber in einem anderen Rahmen. Das gibt ihm die Möglichkeit, die Taufgeschichte pointiert nachzuerzählen.
Der Täufer Johannes will Jesus nicht zur Taufe zulassen. Er hat nur ein Argument - und das wird ihm entwunden: Um die Gerechtigkeit zu erfüllen (eine beliebte Formulierung des Matthäus), muss sich Jesus von Johannes taufen lassen. Jesus stellt sich auf die Seite der Sünder. In dieser Szene wird nicht einmal eine Verbrüderung erzählt, sondern die Unterordnung Jesu.
Dem entspricht, dass Matthäus die Predigt des Täufers, die er aus Markus hätte übernehmen können, weglässt: Nach mir kommt einer, der stärker ist als ich … Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
Matthäus, der die Bedeutung Jesu kennt und erzählt, relativiert sie hier sogar. So erscheint Jesus in dieser Szene als einer "von uns". Die Offenbarung fällt aus dem Himmel.
Diese Erzählebene richtet die Blicke neu aus. Als Jesus aus dem Wasser steigt, sieht er den Geist auf sich herabkommen. Eine Stimme aus dem Himmel spricht: "Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe." Aber wer sieht und hört hier was? Jesus? Nur Jesus? Matthäus lässt mich zuschauen. Und zieht mich ins Vertrauen. Die Frage, woher die Geschichte kommt, kann nur stellen, wer nichts gesehen, nichts gehört hat. Was der Geist bewirkt, wird im Evangelium erzählt.
Die Geschichte von der Taufe Jesu erzählt am Anfang der Geschichte Jesu (bevor sein Weg überhaupt beginnt), dass Gott sich zu ihm bekennt, ihn Sohn nennt, an ihm Gefallen gefunden hat. Das ist eine Proklamation, eine Inthronisation, eine Epiphanie. Am Ende seines Evangeliums werden die Jünger beauftragt, in alle Welt zu gehen, zu lehren, zu taufen. "Und siehe: ich bin bei euch alle Tage bis an die Enden der Erde" (Mt 28,28f.).
Jesus stellt sich ohne Sonderstatus in die Schlange der Menschen und zeigt: Gott kommt nicht von oben herab, sondern stellt sich zu uns – und genau dann geht der Himmel auf. In der Taufe spricht Gott jedem Menschen seine Zusage zu: Du bist geliebt, deine Würde kommt vor Leistung – und diese Verbindung darf jeden Tag neu „eingesteckt“ werden.
Manchmal wünscht man sich so einen Moment, der alles sortiert. Nicht, weil plötzlich alle Probleme weg sind – sondern weil innen klar wird: Wofür stehe ich eigentlich? Wer bin ich – unter all den Rollen? Und genau so ein Moment ist die Taufe Jesu.
Johannes tauft Menschen, die sagen: „Ich will neu anfangen. Ich muss umkehren.“ Und dann kommt Jesus. Der, der doch „keine Umkehr nötig hätte“. Und er stellt sich einfach dazu. Keine VIP-Spur. Keine Abkürzung. Keine Sonderbehandlung. Das ist nicht nur Demut. Das ist Programm. Jesus sagt damit: Ich stehe nicht über euch – ich stelle mich zu euch. Ich komme nicht als moralischer Richter, der von oben herab sortiert. Ich komme als einer, der die Welt von innen her heilt – von innen herträgt. Wenn man die Taufe so hört, merkt man: Christsein beginnt nicht mit „Ich bin besser“, sondern mit: Gott ist näher, als ich denke.
Jesus sagt zu Johannes: „Lass es geschehen; so erfüllen wir, was Gottes Gerechtigkeit entspricht.“
Gerechtigkeit klingt schnell nach Paragrafen. Nach „richtig und falsch“. Nach Kontrolle. Aber Gottes Gerechtigkeit ist oft anders: Sie ist nicht zuerst Strafe – sie ist Wiederherstellung. Nicht zuerst „Du bekommst, was du verdienst“, sondern: Du bekommst, was du brauchst, um leben zu können. Darum lässt Jesus sich nicht taufen, weil er muss. Sondern weil er sagt: Ich gehe mit euch den Weg neu. Ich mache den Himmel auf – nicht irgendwann, sondern hier.
Das Evangelium ist knapp und stark: Jesus steigt aus dem Wasser – und „der Himmel öffnet sich“. Wie oft fühlt sich das Leben an, als wäre der Himmel zu. Gebete prallen ab. Nachrichten drücken runter. Die eigene Seele ist müde. Und dann dieser Satz: Der Himmel öffnet sich. Nicht, weil plötzlich alles gut ist. Sondern weil Gott sagt: Ich bin im Dunkel nicht abwesend. Ich bin da. Die Taufe Jesu ist nicht romantische Kulisse. Sie ist Gottes klares Zeichen: Ich halte Verbindung. Ich breche die Decke auf.
Der Geist Gottes kommt „wie eine Taube“ – nicht wie ein Sturm, nicht wie Feuer, nicht wie ein Erdbeben. Vielleicht, weil viele Menschen schon genug Sturm haben. Genug Druck. Genug Lärm. Genug Überforderung. Der Geist kommt oft nicht als Spektakel, sondern als leise innere Bewegung: ein Gedanke, der Hoffnung macht; ein Mut, der plötzlich da ist; eine Ruhe mitten im Chaos; ein „Trotzdem“, das wieder aufstehen lässt. Gottes Geist ist selten Push-Nachricht. Eher eine innere Einladung.
Dann diese Stimme: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Bevor Jesus predigt, bevor er Wunder tut, bevor er Leistung bringt, sagt Gott: Du bist geliebt. Und genau hier wird’s ganz neu – auch für uns: Taufe ist nicht zuerst ein religiöser Termin im Familienalbum. Taufe ist nicht zuerst Tradition.
Taufe ist Gottes Satz über ein Leben: „Du gehörst zu mir. Du bist mehr als dein Versagen. Mehr als dein Stress. Mehr als deine Angst. Mehr als deine Vergangenheit.“ Viele Menschen leben, als müssten sie sich ihren Wert erarbeiten: durch Funktionieren, durch Anerkennung, durch Perfektion, durch Leistung. Gott sagt am Jordan etwas ganz anderes: Würde kommt vor Leistung. Liebe kommt vor Beweis.
Vielleicht so: Wenn Jesus sich in die Schlange stellt, dann ist Christsein nicht „oben sein“, sondern bei Menschen sein. Wenn der Himmel aufgeht, dann heißt das: Gott ist nicht nur jenseits – er ist mittendrin.
Wenn die Stimme sagt „geliebt“, dann heißt das: Dein Leben hat einen göttlichen Grundton.
Und jetzt eine konkrete, moderne Frage: Woran lassen Sie sich im Alltag definieren? Von Terminen? Von Erwartungen? Von Fehlern? Von dem, was nicht geschafft wurde? Oder von diesem Satz: „Du bist mein geliebtes Kind“? Das ist kein billiges „Alles wird gut“. Das ist eine andere Identität. Ein anderer Startpunkt.
Vielleicht ist die Taufe des Herrn wie ein Kopfhörer, der neu eingesteckt wird. Vorher: alles rauscht. Alles durcheinander. Stimmen von außen, Selbstkritik, Druck. Und dann: eine klare Verbindung.
Gott sagt nicht: „Reiß dich zusammen.“ Gott sagt: „Ich bin da. Du gehörst zu mir. Geh deinen Weg – aber nicht allein.“ Und genau so beginnt Jesus: nicht mit Macht, sondern mit Nähe. Nicht mit Drohung, sondern mit Zusage, nicht mit Leistung, sondern mit Liebe.
Wo Gott sich dazu stellt, geht der Himmel auf – auch über einem ganz normalen Alltag.
Mit der Taufe Jesu durch Johannes im Jordan war der Beginn eines neuen Lebensabschnittes. Die Erwachsenentaufe setzt eine Umkehr, einen Neubeginn voraus. Die bewusste Annahme der Taufe hat Folgen für die konkrete Lebensgestaltung
Taufe ist Anfangs- und Ermächtigungssakrament, weil wir so das Gemeindeleben bzw. das Leben der Kirche mitgestalten dürfen. Taufe ist auch Anfangssakrament, weil wir alle immer wieder in unserem Leben Anfänger sind, Anfänger vom ersten Lebenstag an bis zum letzten Atemzug, jeder Tag ein Neubeginn. So ist es auch bei der Geburt Jesu gewesen und auch seine Taufe bildet einen entscheidenden Neubeginn.
In der ersten Lesung hören wir: „So spricht Gott, der Herr: Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Nationen das Recht.“ (Jes 42,1).
Gerechtigkeit ist eine Wesenseigenschaft Gottes, die er mit Hilfe des Heiligen Geistes auf den Sohn überträgt. Er soll Gottes Bund mit den Menschen erneuern, weil der Mensch diesen Bund gebrochen hat. Wie soll das geschehen? „Blinde Augen zu öffnen“ (Jes 42,7), das heißt, den Menschen zur Einsicht, zur Erkenntnis zu führen, damit sein Glaube und sein Vertrauen wachse, „Gefangene aus dem Kerker zu holen“ (Jes 42,7), alles, was dieses Vertrauen gefangen hält oder blockiert, zu beseitigen, damit er in die Freiheit kommt; ein Aspekt der Liebe, denn Gott will einen ebenbürtigen Partner.
Petrus beginnt zu begreifen, was sich da vollzieht, so die zweite Lesung. Auch er muss, so wie Jesus seiner Berufung gerecht werden. Er erkennt und begreift, „dass Gott nicht auf die Person sieht“ (Apg 10,34), sondern dass alle, ohne Ausnahme an diesem Bund mit Gott Anteil haben, vorausgesetzt, sie wollen das. „Wer ihn fürchtet“ (Apg 10,35) heißt, wer Gott anerkennt, sich auf ihn einlässt, mit ihm sein Leben gestaltet, erhält Unterstützung durch den Heiligen Geist. Das setzt Umkehr voraus, die schon Johannes eingemahnt hat. Metanoia lautet das griechische Wort für Umkehr. Es bedeutet: anders leben, damit andere überleben, ein Start up, ein Neustart, so wie wir es im Römerbrief 12,2 lesen können: „Ändert euer Denken und prüft, damit ihr erkennt, was der Wille Gottes ist.“
Ignatius von Loyola (1491-1556) sagt in seinen „Geistlichen Übungen“: Verbessere, was fehlerhaft ist (deformata) und bemühe dich um reformata, zum guten Ursprung zurückzukehren. So wie Jesus bei der Taufe den Heiligen Geist empfangen hat – "Christus2 heißt übersetzt "der Gesalbte" - empfangen auch wir ihn in der Taufe durch die Salbung mit Chrisam und werden so der Gewalt des Teufels entrissen. Der Teufel gilt als der Oberchef der Dämonen. Wir sehen, spüren, hören wieviel Dämonisches sich in der Weltgeschichte, aber auch im kleinen alltäglichen Umgang miteinander. Auch wenn es oft sehr lange dauert, bis sich Gottes Wille durchsetzt, hat die Sündenverflochtenheit, in die Menschen hineingeraten, keine Chance sich auf Dauer durchzusetzen.
Welche Botschaften bringt uns das Evangelium? Taufe ist ein Sakrament der Solidarität, weil Jesus einer von uns ist, weil er sich taufen lässt, ohne Sünder zu sein. Bei der Taufe wird der Täufling mit Chrisam gesalbt und der Taufspender sagt ihm zu: Du bist nun Glied des Volkes Gottes, gesalbt zum Priester, König und Propheten in alle Ewigkeit. Das gilt unwiderruflich, ist ein unauslöschliches Merkmal, das bleibt, auch wenn der oder die Getaufte aus der Kirche austritt.
Dies ist ein bedeutungsschwerer Satz, ein Lebensprogramm, das allen Getauften aufgegeben wird. In die Gemeinschaft der Glaubenden hineingestellt sind wir füreinander Priester, wir bezeichnen dies als „gemeinsames Priestertum“. Das bedeutet, einander zu helfen, die Beziehung zu Gott aufrecht zu erhalten.
Wir sind auch König bzw. Königin. Wir besitzen Menschenwürde, unabhängig davon aus welchem Kulturkreis, aus welchem Land, aus welcher Gesellschaftsschicht wir kommen, egal welchem Geschlecht wir angehören. „Denn ihr alle seid durch den Glauben Söhne [und Töchter] in Christus Jesus. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie; nicht männlich und weiblich, denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.“ (Gal 3,26 und 28).
Prophet sein heißt, im Auftrag Gottes zu sprechen, etwa durch Interpretation gegenwärtiger Ereignisse als göttliche Pädagogik. Dazu gehören Mut, Klugheit und Zivilcourage, kein feiges Wegducken bei Unrecht, dem Menschen hilflos ausgesetzt sind, die nicht die Kraft haben sich zu wehren. Prophet sein, ein gefährliches Amt, das sogar Leben kostet. Auch in unseren Breiten ist man für ein klares Bekenntnis manchmal Spott, Drohungen, Mobbing ausgesetzt.
Nehmen Sie aus dem Gottesdienst diese drei Anregungen mit. Überlegen Sie, was es für Sie bedeutet als Getaufte König, Priester und Prophet für Ihre Lebensumgebung zu sein?
Jesus lässt sich von Johannes im Jordan taufen. Dieser tauft die Menschen als Zeichen der Umkehr. Jesus hat die Umkehr nicht nötig. Er lebt vor, wie Bekehrte leben sollen.
„Warum möchten Sie, dass ich Ihr Kind taufe?“ Diese Frage stelle ich bei jedem Taufgespräch. Eine Tauffeier bekommt dann Sinn, wenn der Glaube im Leben der Eltern wichtig ist, wenn den Kindern von Gott erzählt wird, wenn sie zum Glauben geführt werden und erfahren, was der Glaube schenkt.
Von einem Taufgespräch hören wir auch im Evangelium. Johannes fragt, warum Jesus sich taufen lassen will. Doch hat seine Frage einen ganz anderen Hintergrund. Johannes weiß, dass er eigentlich von Jesus getauft werden müsste. Doch es ist genau umgekehrt. Jesus bittet Johannes, ihn zu taufen. Damit zeigt Jesus, wozu er in diese Welt gekommen ist. Jesus verkündet das Reich Gottes. Es gelten andere Maßstäbe als bei den Menschen. Jesus, der Größere, der Höhere beugt sich unter den, der eine niedrigere Position hat. Jesus zeigt damit: Gott geht andere Wege als wir es erwarten.
Jesus ist solidarisch mit allen Menschen, auch mit mir persönlich. „Er war wie Gott, hielt aber nicht daran fest Gott gleich zu sein“, so hat es Paulus einmal beschrieben. Als Jesus sich taufen ließ, da hat er gerade diese Worte gelebt. Johannes hat den Menschen seiner Zeit die Taufe zur Umkehr gespendet. Jesus begleitet uns alle auf diesem Weg der Umkehr zu Gott. Es zeigt durch seine eigene Taufe eine tiefe Solidarität mit uns allen. Er war ganz eins mit Gott, seinem Vater. Jesus brauchte die Taufe zur Umkehr nicht. Doch er hat sie empfangen. Damit hat Jesus gezeigt, dass er unser Leben bis ins Letzte teilt.
Jesus setzt, indem er sich taufen lässt, Zeichen und Signale. Diese Zeichen, sich eins zu machen mit uns Menschen, prägen sein ganzes Wirken. Mit dem, was er tat und sagte, wollte er „die Gerechtigkeit, die Gott fordert“, ganz erfüllen. Wenn wir das Wort von der Gerechtigkeit hören, dann denken wir zuerst daran, dass die Güter der Welt so verteilt sind, dass alle Menschen leben können und auch das bekommen, was sie brauchen. Als nächstes denken wir, dass jemand sich bemüht, einen Menschen ehrlich und ohne Ansehen zu beurteilen, dem Mitmenschen gerecht zu werden. Das alles ist in der Gerechtigkeit, die Gott fordert mit enthalten. Jesus hat sich eingesetzt für die Armen seiner Zeit. In den Notleidenden und Schwachen begegnen wir ihm. Was wir für diese Menschen tun, das tun wir ihm. Wo Menschen sich einsetzen für andere, wo Menschen Gerechtigkeit erleben, beginnt das Reich Gottes.
Auch der zweite Hinweis ist bei Jesus zu finden. Während wir danach urteilen, ob wir mit jemandem befreundet sind oder ob jemand in hohem Ansehen steht, schaute Jesus auf das Herz. Wir fordern oft gerechte Bestrafung und Urteile. Das ist auch notwendig. Ein Mörder soll nicht frei herumlaufen können. Doch das endgültige Urteil über das Leben fällt Gott. Denn Gott schaut ins Herz.
Gottes Gerechtigkeit geht tiefer. Jesus tut alles aus Liebe zu uns. Er nimmt den Tod am Kreuz auf sich. Er zeigt einen anderen Weg, Hass und Gewalt zu besiegen. Durch Gewaltlosigkeit. Von Jesus wird berichtet, dass er der Meister, seinen Jüngern die Füße gewaschen hat. Jesus war einer, der ganz und gar den Menschen gedient hat. Er hat ihnen gezeigt, dass jeder Mensch von Gott geliebt ist. Wie arm sind Kinder, deren Eltern nur das tun, was sie vom Gesetz her zu tun verpflichtet sind. Liebe kann kein Gesetz vorschreiben. Sie ist immer Geschenk. Gottes Wege und Gottes Gerechtigkeit sind Wege der Liebe. Gottes Gerechtigkeit ist von Barmherzigkeit bestimmt. Gott will uns nicht klein machen oder klein halten. Gott schaut nicht auf unsere Sünden, vielmehr schaut Gott mit den Augen der Liebe auf uns.
Weil Jesus Gottes Liebe verkündete und lebte, treffen auch die Beschreibungen der Lesung auf Jesus zu: „Er lärmt nicht und schreit nicht; das geknickte Rohr zerbricht er nicht, ja er bringt wirklich das Recht!“ Jesus ist anders, als die Menschen erwartet haben, und anders als was bei uns gängig ist. Der Retter sollte Macht und Stärke zeigen, er sollte hart sein und durchgreifen – doch bei Jesus ist Friede und auch Sanftmut. Jesus geht den Weg der Gewaltlosigkeit. Er steht immer auf der Seite derer, die arm sind, die sich nicht wehren können.
Diese Friedfertigkeit und Sanftmut, diese Liebe zeigt sich im Bild der Taube. Jesus sieht bei seiner Taufe im Jordan den Geist Gottes, die Kraft Gottes, in der Gestalt einer Taube auf sich herabkommen. Gott hat ihn mit dem heiligen Geist gesalbt, der Frieden bringt. Jesus hört das Ja, das Gott zu ihm spricht, er hört, dass Gott ihn liebt, an ihm Gefallen gefunden hat. Diese Liebe hat Jesus weitergeschenkt an die Menschen, die ihn hörten und die ihn sahen.
Warum lassen sie Ihr Kind taufen? Warum haben Sie sich entschieden, als Christ, als Christin zu leben? Was Jesus bei seiner Taufe erfährt, das ist uns allen bei unserer eigenen Taufe zugesagt. Jeder ist ein geliebter Sohn, eine geliebte Tochter. Bei der Taufe und später noch einmal bei der Firmung bekommen wir Gottes Kraft, den Heiligen Geist zugesagt. Leben wir aus Gottes Liebe heraus, setzen wir auf seine Kraft, auf den Heiligen Geist, dann leben wir die Taufe.
Die Taufe wird für die Christen zu einem Ritus des Neubeginns. Johannes der Täufer tauft zum Zeichen der Umkehr, Jesus führt dieses Zeichen weiter. Der Getaufte wird erfüllt von einem neuen Geist, dem Heiligen Geist, der ihn von nun an leitet und führt.
Der Sohn des Rabbiners lässt sich taufen. Das geht dem alten Mann so nahe, dass er beschließt, zu sterben. Er kommt in den Himmel, trifft den lieben Gott, der ihn fragt: „Wieso bist du gestorben?“ „Ach, Herr, mein Sohn hat sich taufen lassen.“ „Kränk dich nicht“, sagt der liebe Gott, „mein Sohn hat sich auch taufen lassen.“ „Was hast du gemacht, lieber Gott?“, „Ein neues Testament.“ (aus Otto Schenk: Garantiert zum Lachen, Piper 2003:)
Damit sind wir schon bei der zweiten Lesung des Sonntags. Wir hören aus der Apostelgeschichte nur vier Verse. Wir hören leider nichts von der Vision des römischen Hauptmanns Kornelius und auch nichts von der Vision des Petrus in Joppe (Jaffa. Das ist das alte Tel Aviv, heute südliche Vorstadt), die nach langem Zögern zur Taufe des römischen Hauptmanns Kornelius führt. Petrus und Philippus verkündeten hier das Evangelium. Diese Erzählung wie es durch Petrus zur Aufnahme der ersten „Heiden“ in der Kirche kam, wird sehr ausführlich dargestellt und zeigt auch die schrittweise Verbreitung des Christentums an. Zwei Visionen führen die beiden Männer zusammen, eine örtliche Distanz von ca. 40 km. Kornelius lebte in Cäsarea. In seiner Vision sollte er Leute zu Petrus schicken, um von ihm die Taufe zu erbitten. Petrus hatte auch eine Vision, die bei ihm Widerstand und Verwirrung auslöste. Er erfuhr nämlich im Traum, dass er bei seinem Auftrag Kornelius zu taufen, sich mit „unreinen“ Speisen stärken sollte. Für den wankelmütigen, unsicheren Petrus und für seine traditionellen Vorstellungen war das eine Überforderung. Er musste lernen und erkennen, „dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern, dass ihm jedes Volk willkommen ist.“ Petrus musste sich mit der Tatsache anfreunden, dass auch auf andere Völker die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wird. Das verstehen die einheimischen traditionellen Juden nicht, dass Menschen ohne Beschneidung und auch an den Speisegesetzen vorbei, Christen werden können. Mehr hat Petrus nicht gebraucht. Schön brav an die Gesetze halten, keine Normen und Traditionen brechen und auf einmal ist alles anders.
Damit kommen wir schon zum Matthäusevangelium. Es beginnt, abgesehen vom Stammbaum, mit der Taufe Jesu und endet auch mit dem Taufauftrag: „Geht hin in alle Welt, lehrt und tauft im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ (Mt 28,16).
Was bedeutet Taufe? Eintauchen in die Liebe Gottes, symbolisiert durch Untertauchen des Täuflings. Johannes selbst macht den Unterschied: „Ich taufe mit Wasser“ (siehe Lk 3,16), also Reinigung, Umkehr. Sie kennen den Ausspruch: "Mit allen Wassern gewaschen sein", worauf schon eine geistige Haltung von Schlauheit und Durchtriebenheit deutet. „Wir möchten nicht, dass unser Kind mit allen Wassern gewaschen wird. Wir möchten, dass es mit den Wassern der Gerechtigkeit, mit den Wassern der Barmherzigkeit, mit den Wassern der Liebe und des Friedens […] mit dem Wasser des christlichen Geistes reingewaschen wird.“ (Wilhelm Wills, Priester, Lyriker 1930-2002). Das ist kein Slogan für Waschmaschinenwerbung. Es geht nicht so sehr um den Unterschied von Johannes und Jesus, sondern es geht um Jesus, der von Gott selbst gesalbt wird am Beginn seiner Lehrtätigkeit.
Salbung als heilende Wirkung gegen die Brandwunden des Lebens. „Du bist mein geliebter Sohn“, sagt aus, dass der Geist des Vaters in seinem Sohn durch die Kraft der Liebe ausgestattet ist. Jesus weiß, dass der Heilige Geist ihn führen wird. Dieser Geist Gottes soll auch in uns wirken, damit wir uns entfalten mit unseren Gaben, Begabungen und Talenten, damit wir dazu eine innere Autorität bekommen. In diesem Geist sollten wir auch den Versuchungen in unserem Leben widerstehen können. Im Matthäusevangelium ist davon die Rede gleich nach der Taufe. Gott übt sich in Solidarität mit dem schwachen Menschen. Das wird in der Taufe ausgedrückt und soll uns auch als Erinnerung durch unser ganzes Leben erhalten bleiben.
In der Taufe Jesu offenbart Gott den erwarteten Gottesknecht. Dieser geht auf die Menschen zu, wie Gott selbst auf die Menschen zugeht. Die Erzählung möchte uns bestärken, selbst ein Mensch wie Jesus zu werden, der liebt wie Gott liebt.
Die Juden waren fest davon überzeugt, Gott werde ihnen zu ihrem Heil einen in besonderer Weise Auserwählten senden. In der heutigen Lesung aus dem Prophetenbuch Jesaja wird uns das Wesen dieses Auserwählten beschrieben. Jesaja legt die Worte, die er den Israeliten verkündet, in den Mund Gottes, um kundzutun, dass seine Worte wahrhaft eine Botschaft von Gott sind.
Der Auserwählte wird „Knecht Gottes“ genannt. In unserem Sprachempfinden hat das Wort Knecht eher einen negativen Klang. Jesaja will genau das Gegenteil von dem ausdrücken, was wir bei dem Wort „Knecht“ empfinden. Der Gottesknecht ist herausgehoben aus dem Kreis der übrigen Menschen. Er ist von Gott erwählt und begnadet. Denn im Wesen ist er ganz auf Gott und dessen Willen ausgerichtet. Gottes Geist ruht auf ihm. Daher kann der Gottesknecht das Wesen Gottes den Menschen kundtun.
In allen Völkern gab es und gibt es nicht wenige, die sich vor Gott immer wieder fürchteten; auch im Judentum. Im Blitz und Donner vermuteten sie das Grollen Gottes. Beben der Erde, Unglück, Unfruchtbarkeit, Krankheit empfanden sie als Strafe des Himmels. Gegen diese Vorstellungen wird der Gottesknecht seine Stimme erheben, um die Menschen davon zu überzeugen: Gott nimmt Anteil an den Menschen, weil er sie wahrhaft liebt und ihnen zur Seite steht. Er hat ihr Leben deutlich im Blick, empfindet mit, was Menschen erfreut und beglückt, ihnen zur Last wird oder sie quält.
Weil Gottes Geist auf dem Gottesknecht ruht, verhält er sich in seinem Auftreten in der Art und Weise, wie Gott es tut. Er lärmt nicht und schreit nicht. Ins Zanken und Streiten lässt er sich nicht ein. Bittere oder überzogene Vorwürfe kommen nicht über seine Lippen. Er unterlässt alles Maulen und Meckern auf den Straßen oder in der Öffentlichkeit.
Wie Gott selbst nähert sich der Gottesknecht den Menschen behutsam, milde, immer wieder werbend, liebevoll und mit Hochachtung. Das geknickte Rohr bricht er nicht, den glimmenden Docht löscht er nicht aus. Vielmehr ist er bemüht, Menschen auf Abwegen zur Umkehr zu bewegen und zu ermutigen, neu den rechten Weg einzuschlagen. Auf diese Weise versucht er, ohne Gewalt anzuwenden, die Beziehungen der einzelnen zu Gott zu stärken und die Menschen untereinander zu einem guten Miteinander zu führen. Helfen, bestärken, ermutigen, das ist sein Anliegen.
Die Jünger und ersten Anhänger Jesu wussten bei ihren Begegnungen mit Jesus nicht auf Anhieb, wer dieser von seinem Wesen her war. Erst ihre engere Beziehung zu ihm ließ sie nach und nach erkennen, dass der von Jesaja beschriebene Gottesknecht mit dem Wesen und Verhalten Jesu übereinstimmte. Ihr Glaube an Jesus als den von Gott Verheißenen wurde zusätzlich gestärkt, als sich nach und nach immer mehr herumsprach, was sich bei der Taufe Jesu zugetragen hatte: das Herabkommen des Hl. Geistes auf Jesus und die Stimme aus dem Himmel „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe“. Selbst die Apostel mussten sich ihren Glauben erst erarbeiten. Bei der Taufe Jesu waren sie ja nicht zugegen. Sie hatten das Glück, Jesu Wirken hautnah miterleben zu können. Aber seine Kreuzigung brachte sie noch einmal in völlige Verwirrung. Erst das Erleben seiner Auferstehung und die Geistsendung ließen den Glauben in den Jüngern stark und unerschütterlich werden.
Die Evangelisten schrieben ihr Evangelium für Glauben Suchende und zur Stärkung der Glaubenden. Sie wollten dazu beitragen, dass der Glaube in einem jeden auf festem Fundament stehen möge. Daher war ihnen das Berichten von der Taufe Jesu mit dem Einwirken Gottes, der Sendung des Hl. Geistes und der Stimme aus dem Himmel sehr wichtig, zumal man nach dem Tod Jesu ihn nicht mehr persönlich erleben konnte.
Auch für die Juden wollte der Bericht von den Geschehnissen bei der Taufe Jesu Hilfe sein. Sie sollten erneut erkennen können, dass Gott seine Verheißungen einhielt und wahrmachte. Die Betrachtung des Wesens Jesu, das ganz dem Wesen des verheißenen Gottesknechts glich, wollte sie dazu hinführen, noch vorhandene Furcht und Ängste vor Gott abzubauen. Dies sollte ihnen und jedem von uns Festigkeit im Glauben geben und Zuversicht, sein Leben vertrauensvoll auf Gott hin auszurichten.
Mit dem heutigen Sonntag endet die Weihnachtszeit. In ihr wurde uns Jesus als der von Gott gesandte Heilsbringer neu vor Augen gestellt. Er entäußerte sich und wurde aus Liebe zu uns äußerlich klein und gering. Auch später strebte er nicht nach weltlicher Macht, sondern zeigte auf, welche Kraft der Liebe innewohnt und eigen ist.
Jesus lädt uns werbend, wohlwollend und ohne uns ständig zu kritisieren oder bei Versagen aus seiner Liebe auszuschließen, ein, die Liebe in uns wachsen und stark werden lassen. Machen wir uns bewusst: Wie klein und gering wir in den Augen der Menschen und der Welt auch sind, nichts kann uns daran hindern, in der Nachahmung Jesu ein großer Liebender, eine große Liebende im Sinne Jesu zu werden.
Johannes der Täufer und Jesus waren um eine moralische und geistige Erneuerung des Judentums bemüht. Sie haben das Schicksal vieler anderer Reformer erlitten. Die Taufe Jesu geht über die Taufe des Johannes hinaus: Er wird nicht nur mit dem Wasser des Jordan sondern auch mit dem Feuer des Heiligen Geistes getauft. Der Heilige Geist Gottes, der in unserer Taufe auch auf uns herabgekommen ist, befähigt uns, die schwierigen Aufgaben unserer Zeit zu bewältigen.
2017 jährt sich zum 500. Mal, dass Martin Luther mit seinen Forderungen nach einer Reform der Kirche an die Öffentlichkeit getreten ist. Er nahm Anstoß an einer Reihe von Missständen und forderte darüber hinaus eine Erneuerung ein, die er durch den Wandel der Zeit für überfällig hielt. Leider kam es zum Auseinanderbrechen der Kirche bis hin zu unseligen Kriegen, in denen sich Menschen verbissen bekämpften, weil sie den einzig wahren Glauben für sich beanspruchten. Rückblickend tun wir uns schwer, so gravierende Unterschiede in den Auffassungen auszumachen, die so heftige Auseinandersetzungen rechtfertigen könnten. Reformen großer Organisationen gelingen selten kontinuierlich. Oft führen sie zum Bruch.
Im Evangelium begegneten uns auch zwei Reformer. Johannes der Täufer hat die Menschen zur Umkehr aufgerufen. Ihm ging es vor allem um eine moralische Erneuerung. Die Rückkehr zu den alten Werten war sein großes Anliegen. Er fand ein breites Echo in den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten. Als Zeichen der Umkehr ließ er sie im Jordan untertauchen und so zeichenhaft ihr altes Leben abwaschen. Sogar Pharisäer und Sadduzäer, die führenden religiösen Gruppierungen des damaligen Judentums, kamen um diesen Ritus an sich vollziehen zu lassen. Johannes hatte jedoch Sorge, dass deren Umkehr nicht tief genug ging und ohne konkrete Früchte bleiben könnte. Er sah sich einerseits in der Tradition der alten Propheten, andererseits am Beginn einer Erneuerungsbewegung. Er kündigte einen Erneuer an, der mit Heiligem Geist und Feuer taufen werde.
Auch Jesus reiht sich ein, um sich von Johannes taufen zu lassen. Johannes erkennt in ihm den Größeren, der mit Geist und Feuer taufen wird, und wehrt ab. Doch Jesus besteht darauf, wie die anderen mit dem Wasser des Jordan getauft zu werden. Sein Tauferlebnis geht aber über den normalerweise vollzogenen Vorgang hinaus: Er sieht den Geist Gottes auf sich herabkommen und hört eine Stimme, die ihm zusichert: "Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe."
Wie wir aus dem weiteren Verlauf der Jesusgeschichte erfahren, geht seine Reform über die Vorstellungen des Johannes hinaus. Er will mehr als eine moralische Erneuerung, mehr als eine Rückkehr zu den alten Werten. Er ist getrieben und geführt vom Geist Gottes. Er will eine geistige Erneuerung, eine Durchdringung des ganzen Lebens mit dem Geist Gottes. Eine moralische Erneuerung und moralische Integrität ist für ihn die Basis einer geistigen Erneuerung. Ihm geht es um eine neue Gottesbeziehung, eine innige Verbindung mit Gott, die mehr ist als die althergebrachte Gottesfurcht. Wer seine Geisttaufe empfängt, wird Tochter oder Sohn Gottes, Kind Gottes, wird wie Jesus erfüllt vom Heiligen Geist Gottes.
Beide Reformer sind auf erbitterten Widerstand gestoßen. Johannes kam unter die Räder des politischen Regimes, das von moralischer Erneuerung nichts wissen wollte, Jesus unter die der religiösen Instanzen, für die eine geistige Erneuerung undenkbar war.
Mittlerweile sind 2000 Jahre vergangen. Die Vielfalt der Bekenntnisse und Religionen ist noch größer geworden als zur Zeit Jesu und viel komplizierter als zur Zeit Luthers. Einfache suchende Menschen blicken oft nicht mehr durch und sehen nur mehr nebensächliche Unterschiede. Nicht wenige begnüge sich damit, ein guter Mensch sein zu wollen, und wenden sich von den Religionen ab.
Wie kann man aber miteinander leben, ohne sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen? Ist der Kampf um die bessere Religion unvermeidlich?
Jesus schlug Johannes vor, sich auf die Gerechtigkeit zu besinnen, die Gott fordert. Daraus spricht der Geist Gottes, der Jesus beseelt. Ein gemeinsames Suchen nach der Gerechtigkeit, wie sie Gott fordert, könnte auch heute die Basis für ein friedliches Nebeneinander und Miteinander der verschiedenen Religionen und Konfessionen sein.
Als mit dem Heiligen Geist Getaufte stehen wir in der Tradition des Jesus von Nazareth. Ein Leben aus dem Geiste Jesu ermöglicht uns, auch neue, noch nie dagewesene Aufgaben und Fragestellungen zu bewältigen. Er befähigt uns, auch neue Wege zu gehen.
Dies setzt allerdings voraus, dass wir uns auf den Geist Jesu einlassen und den Geist Jesu in uns einlassen. Ein Christsein, das sich mit der Pflege alter Traditionen begnügt, wird den gegenwärtigen Herausforderungen nicht gewachsen sein.
Jesus nimmt den Ruf zur Umkehr, der Johannes dem Täufer so wichtig war, auf. Umkehr heißt nicht nur Abkehr von Sünde und Schuld. Umkehr heißt auch Hinkehr zum Guten und Schönen, Hinkehr zu sich selbst, Selbstwerdung.
Da ist Johannes der Täufer. Er fühlt sich von Gott berufen und gerufen zu einer bestimmten Aufgabe. Mit der ganzen Glut seines Herzens nimmt er seinen Auftrag an und gibt sich mit all seinen Kräften in die Arbeit. Er erfährt Zustimmung und Ablehnung, kann viele Menschen überzeugen und hat gleichzeitig seine Gegner. Johannes hat bei all seiner Mühe keine Berge versetzt, die Welt nicht umgekrempelt. Und dennoch hat er zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort, unter bestimmten Menschen eine Aufgabe wahrgenommen, die wichtig war und die Gott ihm anvertraute.
Mitten in sein Wirken hinein erscheint Jesus am Jordan, um sich taufen zu lassen. Johannes reagiert sehr gesund und normal, wenn er Jesus entgegnet: Ich müsste von dir getauft werden. Denn du bist es ja, der mit Feuer und heiligen Geist tauft. Ich, Johannes, taufe nur mit Wasser alle, die von ihren falschen Wegen umkehren wollen, dir jedoch ist die Macht gegeben, mit dem Feuer des Heiligen Geistes zu taufen. Aber Jesus wehrt ab mit den Worten: Lass es nur geschehen.
Da Jesus die Taufe nicht nötig hat, dürfen wir sein Handeln sicher so deuten: Jesus taucht ein in den Jordan, in dessen Wasser die Menschen bei der Bußtaufe ihre Schuld zurückließen. Symbolhaft zeigt Jesus dem Täufer und allen Anwesenden, welches seine Aufgabe in dieser Welt ist. Er nimmt die Schuld der Menschen auf sich. Er wird heilen, was zerbrochen ist. Er wird den Menschen die Barmherzigkeit Gottes entgegenbringen. Und Gott bestätigt dies. Der Himmel öffnet sich und der Geist Gottes schwebt wie ein Taube über ihm. Die Taube ist seit eh und je ein Symbol für die Sanftmut. Ja Sanftmut, das Erbarmen, die Güte und unendliche Liebe zeichnen Jesu Geist und sein Wesen aus.
Nachdem Johannes sich vom ersten Schreck über das, was vor seinen Augen geschieht und für ihn zunächst unfassbar ist, erholt hat, kann er voller Freude für sich feststellen: Es war richtig, dass ich meinem inneren Anruf gefolgt bin. Es war kein Trugbild, dem ich nachgelaufen bin. Ich habe mich nicht in eine religiöse Wahnidee verrannt, in eine von mir ausgedachte Spinnerei.
Johannes wird voll Freude betrachtet haben, wie Jesus in seinem öffentlichen Auftreten bei seinem, des Täufers, Wirken ansetzt, das sich in die Worte zusammenfassen lässt: Kehrt um!
Dieses Wort „Kehrt um!“ könnte zu einem schönen Leitwort für uns werden, das uns durch das neue Jahr hindurch begleitet. Dabei denke ich als erstes gar nicht an schlimme Taten, von denen wir umkehren sollten. Nein. „Kehrt um!“ sollte uns als erstes dazu animieren, zu etwas Schönem zurück zu kehren, das wir bereits einmal besaßen, das uns aber irgendwie verloren gegangen ist. In der Umkehr es wiederfinden, dazu sind wir eingeladen, z.B.: In der Hinkehr zur ersten Liebe und zum alten Schwung, der uns einmal beseelte; Im sich hinkehren zu jener Leidenschaft, mit der wir uns für dies und jenes Gute früher eingesetzt haben; die Glut wieder finden, mit der wir einmal beten konnten; unser Feuer des Herzens und der Seele neu entzünden; uns wieder jenem guten Geist öffnen, der uns Weite des Denkens und ein offenes Herzens schenkte.
Umkehren, ohne gleich Sünde oder Versagen in den Blick zu nehmen, könnte für uns auch bedeuten: Umkehren zu mir selbst; sich besinnen und wahrnehmen, wie viel Schönes ich in mir habe, wie viel Kraft in meinem Herzen und meiner Seele liegt, obwohl ich vielleicht körperlich gar nicht so stark bin. Umkehren, indem ich den Blick auf mich wende und sehe, wie viel Freude ich machen könnte, ohne mich dabei übernehmen oder völlig verausgaben zu müssen, wahrnehmen, wem ich etwas wert bin, wer sich über eine Freundschaft mit mir freuen würde, mit wem ich etwas unternehmen könnte, weil wir uns in unseren Vorstellungen gleichen.
Umkehren, ohne gleich auf Sünde und Versagen zu schielen, könnte sich in die Richtung vollziehen, dass ich eine halbe Drehung mache nach links oder rechts, und dann sehe und wahrnehme, was es außer mir und neben mir noch Wunderbares gibt, das ich nur entdecken kann, wenn ich mich hinkehre:
- Menschen mit einer positiven Einstellung zum Leben,
- Menschen, die ihr Glück auch mit mir teilen würden,
- Menschen mit einer liebenswürdigen Art und großen Offenheit,
- Menschen, die mir imponieren und von deren Wesen ich mir still manches für mich wünsche.
Umkehren von Fehlern oder Schwächen ist oft eine schwierige und langwierige Sache. Und sie gelingt uns in der Regel wohl nur zum Teil. Gott sei Dank ist Christus eingetaucht in unsere Schuld, nimmt sie auf sich und vergibt uns, wenn wir ihn ehrlich darum bitten.
Aber daneben gibt es die Umkehr zu dem Schönen in uns und um uns, von der ich meine, sie sei leicht möglich und mehr eine Frage der Achtsamkeit und des wirklichen Wollens. Auch wenn sie leicht ist, ist sie enorm wichtig. Denn die Hinkehr zum Schönen in uns und um uns gibt uns große Kraft für die Umkehr und Abkehr von Schuld und Versagen.
Der Täufer hat keine Berge versetzt. Das werden wir wohl auch nicht. Aber wenn wir sein Wort „Kehrt um!“ schon einmal in dem ernst nehmen, was uns leichtfällt, kann Christus an uns weiter bauen, werden auch wir eine Freude in uns spüren, die uns versichert: Dies ist der richtige Weg. Ihn will ich gehen unter der Leitung des Hl. Geistes, der nicht nur auf Christus herabgekommen ist, sondern in der Taufe auch jedem von uns verliehen wurde.
Weihnachten ist vorbei, Die Könige sind heimgezogen, Herodes ist gestorben, die Hirten kennen die Ereignisse nur mehr von den Erzählungen der Alten, Maria und Josef haben sich mittlerweile in Nazareth niedergelassen und führen dort ein rechtschaffenes Leben. Von Jesus heißt es: "Jesus aber wuchs heran, und seine Weisheit nahm zu, und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen." (Lk 2,52). Was bleibt von all den Aufregungen rund um Betlehem? Sind sie schon vergessen?
Auch wir haben uns wieder dem Alltag zugewandt: Schule, Arbeit, Arztbesuche, Amtswege, Geschäftliches, ein neues Kalenderjahr hat begonnen, die öffentliche Aufmerksamkeit wendet sich dem Fasching zu... – Was bleibt von Weihnachten?
Am Sonntag vor dem Weihnachtsfest haben wir im Evangelium gehört, wie ein Engel des Herrn im Traum Josef sagte: "Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist." (Mt 1,20). Die Erzählungen von der Geburt und Kindheit Jesu, die wir in der Weihnachtszeit gehört und betrachtet haben, führen uns hin zum ersten öffentlichen Erscheinen Jesu bei seiner Taufe im Jordan. Hier begegnet er uns wieder, der Heilige Geist: "Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen." (Mt 3,16).
Der Geist treibt und leitet Jesus fortan. Zunächst führt er ihn in die Wüste. Dort wird er vom Teufel versucht. Dann treibt er ihn, Wunder und Zeichen zu wirken und die Frohe Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden.
Mit dem Fest der Taufe Jesu wird der Weihnachtsfestkreis abgeschlossen und zugleich der normale Jahresablauf, der Alltag des Kirchenjahres, eröffnet. Es fasst das Weihnachtsereignis zusammen und stellt uns den gottgesandten Messias vor. Sein wesentliches Merkmal ist der Heilige Geist. Mit Jesus tritt auch der Heilige Geist, der in ihm und durch ihn wirkt an die Öffentlichkeit.
Was dies bedeutet, können wir der Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja entnehmen. In ihr wurde uns der Knecht Gottes vorgestellt: "Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt." (Jes 42,1). Zunächst wird beschrieben, was er tut: "Er bringt den Völkern das Recht. Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht. Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen, bis er auf der Erde das Recht begründet hat. Auf sein Gesetz warten die Inseln." (Jes 42,1-4). So überdimensional seine Aufgabe ist – "er bringt den Völkern das Recht" – so unspektakulär ist sein Auftreten. Zu bewundern ist, dass er nicht müde wird und nicht zusammenbricht.
Was hier vom Gottesknecht gesagt wird, kann als Beschreibung dessen gelten, was Jesus getan hat, als der Geist Gottes durch ihn zu wirken begonnen hat.
In der Taufe wurde auch über uns der Heilige Geist ausgegossen. Analog zur Taufe Jesu ist an uns das Gleiche geschehen. "Allen, die ihn aufnahmen, gab er die Macht, Kinder Gottes zu werden", beschreibt das Johannesevangelium das, was uns das Menschwerden Jesu eröffnet hat. Wir sind keine unbeteiligten Beobachter des Weihnachtsgeschehens mehr, keine Besucher des göttlichen Kindes von Betlehem, die mehr oder weniger froh wieder heimgehen und ihre gewohntes Leben fortsetzen.
Wenn wir die Parallelen vom Weihnachtsfest über die Taufe Jesu bis hin zu unserer Taufe ernst nehmen, ist das Programm des Gottesknechtes auch das Programm der Getauften heute:
Den Völkern Gerechtigkeit zuteilwerden lassen, still, selbstverständlich, unaufdringlich.
Die Geknickten nicht zerbrechen, den glimmenden Docht nicht auslöschen, die Schwachen stützen, das Licht der Hoffnung am Leuchten halten. Und das unermüdlich, bis auf der Erde das Recht begründet ist.
Der zweite Teil enthält Verheißungen des sendenden Gottes: "Ich fasse dich an der Hand." Du bist der Bund für mein Volk, du bist Licht. Durch dich werden Blinden die Augen geöffnet, Gefangene aus den Kerkern geholt, und Menschen aus der Dunkelheit herausgeführt. Wie der Gottesknecht werden auch wir Werkzeuge Gottes für die Erlösung der Menschen.
Oft ertappe ich mich dabei, wie ich die Kirche beobachte, was sie tut, nicht tut oder meiner Meinung nach noch tun sollte. Alle, denen der die Macht gab, Kinder Gottes zu werden, sind diese Kirche. Und ich stehe mitten in ihr und bin Teil dieser Sendung. Der Geist Gottes wirkt in uns, durch uns. Weihnachten war nicht vergeblich.
Am Jordan hat Gott sein JA zu Jesus gesagt, nochmals und - wie uns die Evangelisten bekunden - nun auch öffentlich. Ein Ja ohne Wenn und Aber: "Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden!".
Er, dieser Jesus reihte sich ein unter die Hunderten, die auch zum Jordan gekommen waren. Sie wollten sich taufen lassen von Johannes, dem großen Prediger der Wüste. Menschen aus wohl ganz unterschiedlichen Gegenden, mit ganz unterschiedlichen Erwartungen und auch Hoffnungen.
Dieser Jesus von Nazareth reihte sich einfach ein.
So, als ob er sagen wollte: Ich bin einer von euch. Ich kenne euch. Ich kenne auch eure Hoffnungen, eure Grenzen, eure Abgründe und eure ganz persönlichen Bitten.
So, als ob er sagen wollte: Ja, ich weiß um eure Gebrechlichkeit.
Ich weiß um das Leid, das oft unaussprechliche und unverschuldete Leid, sei es durch Unterdrückung, durch Ungerechtigkeit oder durch Katastrophen so gekommen.
Ja, ich weiß, dass eure Gebete eigentlich die oft einzigen Mittel waren und sind, um aus diesem Leid, aus dieser Trauer, oder auch dieser Hoffnungslosigkeit herauszukommen.
Ja, ich weiß, wie oft ihr alle unterwegs seid und Ausschau hält, nach Gesundheit, nach Heilung, nach Wunder, nach Frieden, Freude und Glück...
Für mich eine bewegende Episode am Jordan. Jesus, der Herr, reiht sich ein unter uns Menschen: Ein großartiges Bild der tiefen Solidarität Gottes mit den Menschen.
Später - nach Ostern - wird dieser Christus seinen Jüngern auftragen: "Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." (Mt 28,18f)
So kommen wir zu der von Christus gestifteten Taufe. Sie ist anders als die Taufe des Johannes am Jordan. Sie enthält das JA Gottes an uns persönlich und ist ein gesendeter Zuspruch.
Wer von uns erinnert sich schon an die eigeneTaufe? Die meisten von uns wurden als Säuglinge getauft - ohne unser Zutun. Unseren Eltern oder Verwandten war es wichtig, dass auch wir in eine große Heilsgemeinschaft eingegliedert wurden. Es war ihnen wohl auch wichtig, dass der Segen Gottes uns ein Leben lang begleiten möge. In der Taufe wurden uns dann auch Segen und Heil zugesprochen. Wir wurden getauft im "Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes".
Mit der Erstkommunion, der Firmung - oder bei anderen Anlässen - wurden viele von uns - als Kinder und Jugendliche - bewusst eingeführt in diese Heilsgemeinschaft in Jesus Christus. Wir wurden eingeladen, selbst JA zu sagen, zum Christsein mit seinen Sakramenten. Ich lasse es einmal hingestellt, wie viele von uns auch wirklich bewusst ein JA zu sagen vermochten zu diesem Weg als Christen... Wollen wir es annehmen.
Daneben dürfen wir aber glauben, dass Gott selbst bereits sein JA zu uns, zu jedem von uns, ausgesprochen hat.
Die Taufe, die wir erhalten haben, hat uns hierher geführt, verbindet uns auch heute als Gottesdienstgemeinde. Diese Taufe verbindet uns auch mit den vielen Christen anderer Konfessionen, so mit den Protestanten, den Anglikanern, den vielen Orthodoxen auf der ganzen Welt. Derzeit werden weltweit drei Milliarden Christen gezählt - eine große Zahl!
Was bewirkte eigentlich die geschenkte Taufe bei uns? Eine Frage, die ich mir immer wieder stelle, wenn ich so in - auch gebrochene - Lebensgeschichten schaue und diese bedenke.
Befähigte uns die Taufe im Glauben ständig zu wachsen und als christliche Menschen zu leben und zu handeln? Oder war sie nur eine geschenkte kleine Glut, welche dann erst zu einem Feuer werden konnte, wenn genügend "Material" gesammelt wurde ...?
Im Gedenken an unsere Taufe dürfen wir dies alles auch bedenken. Wir dürfen vor allem bedenken, dass Gott zu uns sein JA gesagt hat.
Dieses JA lädt uns ein, selbst JA zu sagen im Glauben, im Mitgehen als Volk Gottes (auch in seiner Kirche) und als Heilsgemeinschaft Jesu Christi.
Im Empfangen der Sakramente und im Gebet darf ich immer wieder auch Zeichen des Heils, der Stärkung für den Alltag, für die verschiedenen Lebenswege, empfangen. Als geheimnisvolles Wirken in der Welt heute.
Papst Benedikt XVI. umschrieb dieses "JA Gottes" bei einer Ansprache vor wenigen Tagen: Wir alle brauchen dieses "unbedingte Angenommensein Gottes. Nur wenn Gott mich annimmt und ich dessen gewiss werde, weiß ich endgültig: Es ist gut, dass ich bin. Es ist gut, ein Mensch zu sein".
Jesus Christus reihte sich ein unter die Vielen, die getauft werden wollten. Er weiß um uns. Reihen wir uns selbst auch immer wieder ein, im gemeinsamen Suchen nach Gott, nach den Zeichen des Heils in unserer Welt, in unserem Leben. Achten wir auf das Geschenk der Taufe, welches uns zugekommen ist. Entdecken wir vielleicht wieder neu, was diese unsere gemeinsame Taufe uns auch aufträgt und verheißt!
Wir kennen das Wort von der "Einheit in der Vielfalt". In vielen Lebensbereichen scheint es nur schwer möglich zu sein, unterschiedliche Meinungen, Meinungsgegensätze zuzulassen, etwa in der Politik. Verschiedene Ideologien nach dem Motto "So musst du denken, so musst du handeln, dann gehörst du zu uns!" sind Feinde der Wissenschaft und des Glaubens, weil sie einengen und nur sehr sehr geringe Toleranz zulassen. Das geht vom Staat über Vereinigungen bis in die Familien hinein und zeigt sich in Vereinnahmungen aller Art: manipulierte bis brutale Höflichkeit und auch unverhohlenen Drohgebärden, die durchaus in Gewalttätigkeit ausarten können.
Die erste Lesung und auch das Evangelium sind gute Beispiele dafür. In der zweiten Hälfte des 8. vorchristlichen Jahrhunderts wird Galiläa (Sébulon und Náftali) von den Assyrern annektiert. Das ist eine sehr dunkle, schlimme Zeit für das Volk Israel. Gewalt, Kriegszustände stürzen bis heute Völker in große Not. Gier, Machtgehabe und Intoleranz fördern noch die grauenhaften Zustände, vom Gespräch zur Versöhnung miteinander keine Rede. Das Evangelium zeigt, dass Jesus besonders in dieser Gegend voller Not und Unterdrückung als Hoffnungsträger, als "helles Licht" aufscheint.
Auch die zweite Lesung aus dem 1. Korintherbrief betreibt Ursachenforschung, wenn sie der Frage nachgeht, was die Einheit in der Gemeinde von Korinth gefährdet: Gruppenbildungen und Personenkult, Prestigedenken um Vorrangstellung innerhalb der Gemeinde lassen die Botschaft Jesu vom Liebesgebot verblassen, weil Gerüchte, Vorurteile, Hinterlist, Emotionen verschiedener Art den einzelnen, aber auch die unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten besetzt halten.
Zwei große Fragen lassen sich aus den Sonntagslesungen ableiten: Was vertragen wir an Pluralität, was lassen wir zu, ohne feste Standpunkte zu verlieren, ohne in all unserem Denken und Tun durchlässig (=standpunktlos) wie ein Sieb zu sein, denn das führt zu Chaos? Das ist aber ein ganz persönliches Problem.
Gibt die Heilige Schrift darüber Auskunft, wie Einheit aussehen soll? In der Apostelgeschichte (2,47) finden wir dazu große Richtlinien: die Gemeinde teilt Hab und Gut miteinander, sie beteten, lasen in der Schrift, sie brachen in den Häusern das Brot und hielten Mahl. Sie bemühten sich also um einen gewissen Ausgleich zwischen arm und reich. Es ist aber auch bekannt, dass diese Ideale nicht durchgehalten wurden, aber bemüht hat man sich darum. Aktualisiert wird diese Einheit in dem einen Evangelium, der einen Taufe, der einen Eucharistie, also des einen Leibes Christi. Somit ist die Kirche der eine Leib Christi mit vielen Gliedern und dem einen Haupt Christus.
Was ist aus diesem Auftrag die "Einheit des Geistes durch Frieden zu bewahren", geworden, damit sich die Kirche als ein Leib, eine gemeinsame Hoffnung zeigt (Eph.4, 2ff.), damit durch die eine Taufe spürbar wird, dass ein Gott und Vater mit uns und in uns Menschen wirkt?
Leider gab es um den Auftrag und die Botschaft Jesu Religionskriege, Ausgrenzungen, Lehrverfahren, aber auch hoffnungsvolle Zeichen in großen Persönlichkeiten, wie etwa der im Jahre 2010 selig gesprochene Kardinal Henry Newman (1801-1890), der auch von der anglikanischen Kirche heutzutage hoch geschätzt wird und der als großer Vordenker für das II. Vatikanum gilt. Das Ökumenedekret des II. Vatikanums geschah unter Mitwirkung des Wiener Kardinals und Konzilsvaters Franz König.
Angesichts des jüngsten blutigen Anschlags auf koptische Christen in Alexandrien werden wir auf die Tatsache aufmerksam gemacht: Kein Friede unter den Nationen, wenn es nicht auch Friede unter den Religionen und Konfessionen gibt (siehe auch Hans Küng: Weltethos).
Leider haben wir auch in unserer Kirche Unfrieden und Krisenerscheinungen, angezeigt in Österreich durch 87 393 Austritte im Jahre 2010. Das Wort Jesu von der Umkehr, also weg von Dialogverweigerung und Ausgrenzung ist besonders aktuell. Umkehr verstehe ich im Sinn von Änderung, Anderswerden. Das heißt noch nicht, dass alles besser wird, aber die Ökumene braucht wieder weltkirchlich mehr Bewegung, keinen Beinahestillstand. In der Erzdiözese Wien herrscht aber trotz manchem Rückschritt ein sehr gutes ökumenisches Klima. Es ist schon viel geschehen: Taufe, Vater unser und Credo haben wir gemeinsam - Fast alle christlichen Kirchen. Glauben an die Realpräsenz. Wäre es jetzt nicht endlich an der Zeit den Schritt der ökumenischen Gastfreundschaft zu setzen?
Ein Volk, das im Dunklen sitzt, gilt auch für unsere heutige kirchliche Situation. Es sieht aber (trotz allem) ein helles Licht, denn das Himmelreich ist nahe. Es ist noch nicht erreicht, es hat aber schon begonnen, wenn wir die Bitte Jesu, seinen Auftrag um Einheit und die österlichen Geschenke von Taufe, Eucharistie und Sündenvergebung ernst nehmen und wach halten und nicht zum Streitobjekt für Kirchendisziplin, Zentralismuskritik, Fragen der Sexualmoral verschwenden.
Der heutige Sonntag beschließt die Weihnachtszeit: Wir feiern die Taufe Jesu. Der Bogen spannt sich weit: vom Kind in der Krippe zum Erwachsenen Jesus, der sich taufen lässt. Als Jesus in den Jordan hinabsteigt zur Bußtaufe, bricht von Oben herab der Himmel auf: Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen habe. Dieses Wort gilt auch uns. Es will helfen, unsere Erwählung zu begreifen und zu leben.
Warum ließ sich Jesus, der Gottessohn, von Johannes taufen? Hat er es nötig? Eine Buß-Taufe? Der Täufer spürt das Dilemma und will den Spieß umdrehen: Ich müsste von Dir getauft werden und Du kommst zu mir? Doch Jesus antwortet: Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit, die Gott fordert, ganz erfüllen. Da gab Johannes nach.
Die Gerechtigkeit ganz erfüllen? Ein schwieriges Wort. Was soll den gerecht sein, richtig gestellt werden? Dass er ein Mensch ist wie Du und ich. Er reiht sich ein in die Menschen, stellt sich in die Schlange derer, die sich taufen lassen, steigt wie die Sünder in den Jordan hinab, um die Buß-Taufe zu empfangen. Es soll richtig herauskommen, wer Jesus ist: ganz Mensch wie wir.
Zugleich offenbart Gott selber, wer Jesus ist: Es ist doch keine Buß-Taufe. Der Vater im Himmel bestätigt persönlich, dass Jesus sein Sohn ist: "Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Gefallen finde." Der Geist Gottes kommt wie eine Taube auf ihn herab. Damit erfüllt Jesus die alttestamentliche Verheißung bei Jesaja. Dort heißt es: "Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze, mein Erwählter, an ihm finde ich gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt. Er schreit und lärmt nicht. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht. Den glimmenden Docht löscht er nicht aus. Ich habe dich bestimmt, der Bund für mein Volk, das Licht der Völker zu sein."
Im Geist kann Jesus seinen Weg nach Galiläa gehen: er besteht die Versuchungen in der Wüste; er verkündet die Gottesherrschaft in Galiläa; er heilt Besessene und Kranke; er entzündet die Lebensflamme, wo sie aus zu sein scheint; Geknickte richtet er auf.
Bei unserer Taufe sprach auch zu uns der Vater im Himmel: Du bist mein geliebter Sohn, meine liebe Tochter, die mir gefallen. Nicht aus uns selbst haben wir diese Würde, sondern als Geschenk durch das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Heiligen Geist, in unserer Taufe. Wir brauchen nichts leisten und vorweisen, es reicht, dass Gott uns liebt. Gibt das nicht Kraft? Geliebt und getragen zu sein, kann beflügeln!
Eine kleine Geschichte erklärt es so: Ein Schmetterling, eine Blume und eine Schnecke treffen sich. Sagt der Schmetterling wichtigtuend: Ich bin bunt und kann fliegen. Ereifert sich die Blume: ich blühe und kann duften. Meint die Schnecke bescheiden: Mir reicht's, dass Gott mich liebt!
Nicht immer im Alltag leben wir aus dieser Kraft. Oft drücken uns Aufgaben und Probleme nieder. Kürzlich, als ich voller Sorgen war und nicht wusste, wie ich eine Aufgabe meistern sollte, sagte mir ein Mitbruder, beinahe beiläufig: "Weißt Du, es ist doch alles so einfach für uns Glaubende: wir brauchen nur das tun, was wir können, alles andere macht der von Oben, der uns nicht m Stich lässt! Hinter unserem Leben steht Gott, unser Vater." Es war für mich, als würde eine Nadel in meinen aufgeblähten Sorgen-Luftballon stechen; alles entspannte sich, ich fand zum Vertrauen.
"Wer befreit ist, kann befreien!" so habe ich oft in einem Jugendlied gesungen. Es stimmt. Auch inmitten ungelöster Probleme - wer von uns kann alle Probleme lösen? - können wir durchatmen und uns offen den Menschen zuwenden. So kann sich Gottes Gerechtigkeit und Erbarmen auch durch uns einen Weg bahnen.
Schade! In unserem Gottesdienst wird heute kein Mensch getauft. Kein Kind. Kein Erwachsener. Dabei ist es nicht nur ein Fest der Familie, sondern ein Fest der ganzen Gemeinde, wenn ein Mensch getauft wird. Wenn sich eine kleine oder größere Gemeinde an einem Taufbecken - oder auch Taufbrunnen - versammelt, an der Osterkerze die Taufkerze entzündet - und dann die Taufe feiert. Die Heilige Taufe. Mit Wasser und Geist.
In unseren Breiten ist die Taufe längst nicht mehr selbstverständlich. Vielleicht auch nur als Pflichtübung, als guter Brauch. Dabei ist die Taufe doch nichts weniger als ein großes Geschenk Gottes: Ich werde sein Kind - und werde auch so genannt, angesehen und sogar im Testament berücksichtigt. Ohne Vorleistung, Probezeit oder Bewährungsfrist. Was das für uns heißt, als Menschen, die sich ständig beweisen, rechtfertigen und besserstellen wollen, ist mit Worten nicht zu beschreiben. Es kann nur gefeiert werden. Mit Wasser und Geist.
Lange wurde darüber gestritten, ob Kinder getauft werden könnten oder nicht doch nur Erwachsene, die doch wissen, was sie tun. Es war eine Entscheidung nach dem Herzen Gottes: Gerade Kinder. Und Menschen, die noch nichts mitbringen können, die nicht einmal auf ihren Glauben pochen können. Die sich beschenken lassen. Heute machen sogar viele Erwachsene gerade diese Erfahrung. Sie möchten sich taufen lassen. Sie möchten angenommen werden, die Zusage Gottes für sich hören, Glauben überhaupt erst einmal entdecken. Ohne fertig zu sein - und vielleicht je fertig zu werden.
Wenn ich jetzt an das Evangelium denke, das wir gehört haben, erscheint uns Jesus selbst als einer, der uns voraus- und vorangegangen ist. Er lässt sich taufen. Er geht an den Jordan. Er geht zu Johannes. Hat er es nötig, sich taufen zu lassen? Muss er auch Buße tun, umkehren, noch einmal neu anfangen? Entsetzt reagiert auch Johannes. Du - bei - mir? Wenn, müsste es doch umgekehrt sein. Ich - bei - dir! Aber Jesus lässt sich von seinem Weg nicht abbringen. Es ist ein Weg, der ihn mit den vielen anderen verbindet, die sich aufmachen, um getauft zu werden. Jesus stellt sich sogar in eine Reihe mit ihnen. Wartet, bis er dran ist. Wenn es Gott ernst ist, sich unter die Menschen zu mischen, einer von ihnen zu sein - jetzt, heute wird es sichtbar. Und sichtbar gemacht! Denn der Himmel öffnet sich. Wir hören die Stimme, ohne das Gesicht dazu sehen zu können: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.
Auffällig ist das schon: von Leuten, die das gesehen und gehört haben könnten, erzählt der Evangelist nichts - aber er erzählt es so, dass wir es hören und sehen. Eine Vorstellung für uns. Jetzt wissen wir, wer Jesus ist: Einer von uns - und doch Gottes Sohn. In den Streit, ob Jesus nur adoptiert worden sei, müssen wir uns nicht hineinziehen lassen. Wir werden auch keine neuen Argumente für die eine oder andere Seite finden - allerdings: wenn uns Jesus als Sohn Gottes begegnet, geht uns der Himmel auf. Gott ist auf einmal so nah, seiner Ferne und Größe geradezu entkleidet. Ich sehe Jesus an den Jordan gehen. Er will sich taufen lassen. Er ist nicht einmal der Erste, der sich taufen lässt - und nicht der letzte.
Sie könnten mir jetzt den Vorwurf machen, ich würde die Würde Jesu schmälern. Ihn einfach einreihen - und klein machen. Aber das könnte mir nicht einmal dann gelingen, wenn mir daran gelegen wäre. Nein, wer Jesus ist, wird uns heute in feinen Strichen gezeichnet:
In einer schrecklichen Situation, in der Israel buchstäblich am Ende war, predigt Jesaja:
"Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Völkern das Recht"
Und dann, warm, nah, vertraut:
"Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus".
Erst dachte ich, ich müsse unbedingt etwas zu dieser Predigt des Jesaja sagen - aber dann ging mir auf, dass die Worte für sich sprechen: Wir wissen doch alle, wie Hoffnungen verglimmen, letzte Sicherheiten wegbrechen, uns selbst das Leben entgleitet. Gott setzt sich für Menschen ein, gerade dann, wenn sie glauben müssen, er habe sie fallen gelassen. Er gibt ihnen nicht den - Rest.
Bei Gott heißt das, "blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien." Eine neue Zeit kündigt sich an. Mit Menschen, die sehen - und die nicht mehr gefangen sind. Wir sehen geradezu das Licht aufgehen. Es gibt da einen, der sich kümmert - und der Autorität hat. Heißt er bei Jesaja noch "Knecht", wird er uns im Evangelium als "Sohn" vorgestellt - Gott begibt sich immer tiefer in die Geschichte der Menschen. Er gibt sein Bestes.
Wir sind heute auch in der glücklichen Lage, einer Predigt des Petrus zu lauschen. Darf ich ihn zitieren? - "Ihr wisst, was im ganzen Land der Juden geschehen ist, angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat: wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren; denn Gott war mit ihm."
Ich fühle mich auf Anhieb wohl: Ich weiß. Zumindest traut Petrus mir das zu. Das ist etwas! Manchmal bin ich da eher zögerlich - oder auch zweifelnd. Jesus, mit dem Heiligen Geist "gesalbt" - wunderschön ausgedrückt! - tut Gutes und heilt alle, die in der Gewalt des Teufels waren. Alle! Nun ist das mit dem Teufel so eine Sache, aber reden wir heute doch einmal von den bösen Erfahrungen, die wir machen - und die wir bereiten, reden wir heute doch einmal von der Angst, die wir ausstehen - und die wir machen, reden wir heute doch einmal von den Schuldverstrickungen, die uns gefangen halten - und aus denen wir andere nicht entkommen lassen. Auf einmal ist das Wort genannt: frei, erlöst. Und zwar: alle - Einschränkungen machen wir. Nicht ER.
Immer, wenn ich an meine Taufe denke, wenn ich mit anderen eine Taufe feiere, dann sehe ich Jesus an den Jordan gehen. Seine Taufe fest im Blick. Das gefällt mir, tröstet mich auch. Er ist auf meiner Seite. Aber dann höre ich auch die Stimme aus dem Himmel. Sie ist - mir zugedacht. Der, der mit mir auf dem Weg ist, kommt von Gott, ist ein Teil von ihm, ja, am Ende nicht mehr zu unterscheiden von ihm. Das ist meine Hoffnung, mein Glück, mein Lied.
Was alles in meinem Leben zerbricht und zerbrechen kann: bei ihm muss ich nicht fertig sein. Mich auch nicht fertig machen. Aber er richtet mich auf. Was mich gefangen nimmt und wie ein Fluch auf mir lastet: ich bin frei gesprochen.
Was Gott über Jesus sagt: Das ist mein geliebter Sohn, strahlt auf uns aus. Es ist wie ein Licht, das auf uns gebreitet wird - wie ein Himmel, der sich uns öffnet. Jetzt - als Kinder Gottes angenommen, angesehen und sogar testamentarisch bedacht - werden wir glimmende Dochte nicht auslöschen, sondern entfachen; werden wir den Teufelskreisläufen keine Macht einräumen, sondern dem Bösen Paroli bieten; werden wir Gutes tun.
Zu den schönsten Geheimnissen des Weges Gottes mit uns Menschen gehört, dass er uns nicht alleine gehen lässt. Wenn wir schon "Kinder" sind - haben wir auch Brüder, Schwestern - Menschen, die mit uns auf dem Weg sind. Menschen, die uns, die wir brauchen! Wie gut tut da auch der Gedanke, Kirche zu sein - oder zu werden.
In meinen Leben spiele ich viele Rollen. Nicht immer gute. Auch nicht immer erfolgreiche. Schon gar nicht "göttliche". Aber was mir heute zugemutet wird, sprengt so ziemlich alles, was ich mir zurecht gelegt habe: Ich bin getauft!
Johann Jakob Rambach schreibt 1734:
Ich bin getauft auf deinen Namen,
Gott Vater, Sohn und Heil'ger Geist,
Ich bin gezählt zu deinem Samen,
Zum Volk, das dir geheiligt heißt,
Ich bin in Christum eingesenkt,
Ich bin mit seinem Geist beschenkt.
AMEN.
Das kennen wir doch aus den Medien: Bilder, die das inszenierte Zusammentreffen großer Männer zeigen, Staatsmänner, Funktionäre zumeist, die nach irgendeinem Vertragsabschluß aufgeräumt und händeschüttelnd vor die Kameras treten. Sie haben in der Regel Grund, sich gutgelaunt der Öffentlichkeit zu präsentieren, haben sie doch zumeist nach langem und zähem Ringen ein für beide Seiten vorteilhaftes und zukunftweisendes Arrangement besiegelt, das sie beide im Scheinwerferlicht gut dastehen läßt.
Auch das heutige Evangelium gibt Kunde von der Begegnung zweier großer Männer: Johannes der Täufer und Jesus begegnen sich am Jordan. Doch wie anders ist der Rahmen, in dem diese Begegnung stattfindet! Sie ist nicht kurzfristig anberaumt und in Szene gesetzt, sondern ergibt sich aus einer inneren Notwendigkeit und ist im Heilsplan Gottes von langer Hand vorbereitet, denn bereits ihre beiden Mütter, Elisabeth und Maria, begegneten einander, als beider Söhne noch gar nicht geboren waren. Damals war bereits klar, daß es mit diesen beiden Söhnen eine besondere Bewandtnis haben würde.
Nun sucht Jesus Johannes am Jordan auf, um sich von ihm taufen zu lassen. Er kommt aus Galiläa, hat also einen weiten Weg zurückgelegt, um die Taufe von Johannes zu empfangen. Er reiht sich mit seinem Taufbegehren ein in die Schar der vielen Menschen, die damals als Täuflinge zu Johannes kamen. Er spielt keine Sonderrolle; er ist nicht erhaben über das, was Johannes vollzieht; sondern er ordnet sich ein, ja, er ordnet sich unter. Johannes erkennt das ganz klar, wenn er zu Jesus, abwehrend und mit einer gewissen Entgeisterung, sagt: "Ich müßte von dir getauft werden, und du kommst zu mir?"
Begegnung zweier großer Männer. Nicht auf höchster Ebene. Nicht einmal auf gleicher Ebene. Nicht einmal im richtigen Rangverhältnis. Sondern Jesus, von dem Johannes kurz zuvor sagte, er werde die Menschen mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen, erbittet und empfängt von Johannes die Taufe mit Wasser.
Warum ist Jesus diese Taufe so wichtig, daß er den weiten Weg von Galiläa auf sich nimmt und sich über den Einwand des Johannes hinwegsetzt? Jesus erklärt es Johannes mit den Worten: "Denn nur so können wir die Gerechtigkeit (die Gott fordert) ganz erfüllen." Das meint doch wohl: Ich will keine Ausnahme sein, sondern bin meinem von Gott gegebenen Auftrag gemäß ein Mensch unter Menschen, und an mir soll geschehen, was den anderen Menschen auch geschieht. Ich will auch hierin, in diesem Akt der Umkehr, den Menschen gleich sein, den Menschen nahe sein. Und ein Zeichen der Umkehr ist diese Taufe Jesu ja tatsächlich, allerdings mit einem ganz anderen Vorzeichen als bei den übrigen Menschen: Bedeutet bei diesen Umkehr, daß sie Buße tun, so bedeutet sie bei Jesus, daß er, der Sohn Gottes, sich all seiner Göttlichkeit begibt und aus ihr umkehrt zum Menschen. Und da ist es dann nur konsequent, daß er sich der Taufe unterwirft, wie sie Johannes spendet.
Vielleicht gibt es noch einen weiteren Grund für die Notwendigkeit der Taufe Jesu durch Johannes. In der Begegnung dieser beiden Männer vollzieht sich nämlich die Begegnung zwischen dem Alten und dem Neuen. Johannes steht für das Alte, für den alten Glauben - nicht umsonst war seine Mutter schon "alt", als sie ihn bekam; nicht umsonst war sein Vater ein Priester des Alten Bundes. Johannes selbst weiß, daß eine neue Zeit anbrechen wird, daß sein Tun ein vorläufiges und er selbst ein Vorläufer ist. In Jesus aber hat das Neue Gestalt angenommen. Doch dieses Neue bedeutet nicht einen Bruch mit dem Alten, so, als sei das Alte untauglich gewesen, sondern es bedeutet die Erfüllung des Alten. Das Alte wird nicht außer Kraft gesetzt, sondern ist das Fundament des Neuen - das bestätigt Jesus mit seiner Taufe, die daher ganz folgerichtig die Voraussetzung für sein öffentliches Wirken in seiner ganzen Neuartigkeit darstellt.
Wie ja überhaupt die Taufe d a s Symbol für die Neu- und Wiedergeburt ist! Das wird bei der Taufe Jesu auf geradezu wunderbare Weise sinnfällig. Denn sobald sie vollzogen ist, öffnet sich für Jesus der Himmel, sieht er den Geist Gottes in leibhaftiger Gestalt auf sich herabkommen und wird er als Sohn aus dem Himmel bestätigt. So wird offenkundig, welchem Reich er angehört, wes Geistes Kind er ist und welchen Vater er hat. Die Taufe, die Jesus von Johannes verlangte, bedeutet Offenbarung, Geistempfang und höchste Legitimation. Die Stimme aus dem Himmel bestätigt, dass Jesus der Erwählte ist, von dem es bei Jesaja heißt:
"Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand. Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt, der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein: blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien."
Hier wird nicht im Blitzlichtgewitter ein profitabler Vertragsabschluß zwischen zwei sich in ihrem Erfolg sonnenden Partnern dokumentiert - hier beglaubigt eine Stimme aus dem Himmel ein gewaltiges, Erde und Himmel umspannendes Geschehen, dem sich die beiden Protagonisten in der Haltung der Demut hingeben. So wie Jesaja es vom Gottesknecht kundtut:
"Er schreit nicht und lärmt nicht und läßt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. [ ...] Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen, bis er auf der Erde das Recht begründet hat. Auf sein Gesetz warten die Inseln."
In jeder Taufe, die gespendet und empfangen wird, bekommt diese große Hoffnung ein Gesicht. Eine Perspektive. Einen Weg. Der Himmel ist offen. Wir hören: "Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe".
Ich bin - bestimmt - auch gemeint!
Lieder:
GL 144: Nun jauchzt dem Herren, alle Welt
GL 346: Atme in uns, Heiliger Geist
GL 347: Der Geist des Herrn erfüllt das All
GL 360: Macht weit die Pforten in der Welt
GL 362: Jesus Christ, you are my life
GL 368: O lieber Jesu, denk ich dein
GL 372: Morgenstern der finstern Nacht
GL 377: O Jesu, all mein Leben bist du
GL 378: Brot, das die Hoffnung nährt
GL 384: Hoch sei gepriesen unser Gott
GL 385: Nun saget Dank und lobt den Herren
GL 395: Den Herren will ich loben, es jauchzt in Gott mein Geist
GL 464: Gott liebt diese Welt, und wir sind sein Eigen
GL 468: Gott gab uns Atem, damit wir leben
GL 470: Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht
GL 477: Gott ruft sein Volk zusammen
GL 485: O Jesu Christe, wahres Licht
GL 489: Laß uns loben, freudig loben
GL 491: Ich bin getauft und Gott geweiht
GL Ö809: In tiefer Nacht trifft uns die Kunde
GL Ö841: Öffne meine Ohren, Heiliger Geist
GL Ö856: Du bist das Licht der Welt
GL Ö859: Unser leben sei ein Fest, Jesu Geist in unserer Mitte
GL Ö924/925: Fest soll mein Taufbund immer stehen
Psalmen und Kehrverse:
GL 37: Der Herr ist mein Hirt; er führt mich an Wasser des Lebens - Mit Psalm 23 - VI.
GL 38: Der Herr ist mein Licht und mein Heil - Mit Psalm 27 - IV.
GL 56: Freut euch, wir sind Gottes Volk, erwählt durch seine Gnade - Mit Psalm 100 - V.
GL 263: Seht, unser König kommt, er bringt seinem Volk den Frieden. - Mit Psalm 29 - VI.
GL 264,2: Du bist das Licht, die Völker zu erleuchten, du deines Volkes Herrlichkeit - Mit Psalm 8 (GL 33,2) - VII.
GL 633,8+9: Dankt dem Vater mit Freude, er schenkt uns seinen Sohn. - Mit Kol 1,12-20
Heute feiern wir das Fest der Taufe des Herrn. Das ist ein Moment, der alles sortiert – nicht, weil plötzlich alle Probleme weg wären, sondern weil klar wird: Wer bin ich eigentlich? Wofür stehe ich?
Jesus stellt sich damals in die Schlange – ohne VIP-Spur, ohne Abkürzung. Und genau dort passiert das Entscheidende: Der Himmel geht auf. Gott sagt: Du bist mein geliebter Sohn.
Heute feiern wir: Diese Zusage gilt nicht nur Jesus – sie gilt allen Getauften. Auch Ihnen.
Und darum beginnen wir diese Messe mit einer kurzen, modernen Tauferneuerung.
Wenn Sie möchten: Öffnen Sie kurz die Hände – als Zeichen "Ich will diese Zusage neu annehmen."
Wenn wir eine katholische Kirche betreten, dann nehmen wir Weihwasser. Denn wir sind getauft. Gott hat uns in unserer Taufe ewiges Leben geschenkt. Gott hat uns angenommen als seine geliebten Töchter und geliebten Söhne. Die meisten von uns wurden von den Eltern zur Taufe getragen. Wir wollen wiederum uns selbst neu für Gott entscheiden.
Erneuern wir in dieser Feier unser eigenes Taufversprechen.
Wir feiern am heutigen Sonntag das Fest „Taufe des Herrn“. Mit diesem Sonntag endet zugleich die Weihnachtszeit. Noch einmal wird uns durch den Bericht, was bei der Taufe Jesu geschah, vor Augen geführt, wie wahr es ist, dass uns in Jesus der von Gott verheißene Heiland gesandt wurde. Je tiefer diese Überzeugung in uns lebendig ist, um so aufmerksamer werden wir Jesu Botschaft in uns aufnehmen, wenn uns an den weiteren Sonntagen im Laufe des Jahres von Jesu Wirken berichtet wird.
Vorzubereiten sind:
Osterkerze am Ort des Taufgedächtnisses Wasser im Taufbrunnen bzw. Gefäß mit Wasser Aspergill
Taufgedächtnis Form A
Der Leiter/Die Leiterin lädt mit folgenden oder ähnlichen Worten zum Taufgedächtnis ein:
Liebe Brüder und Schwestern!
Das Wasser erinnert uns daran:
Wir alle sind in der Taufe von Gott erwählt,
sein heiliges Volk zu sein,
und sind berufen,
seine großen Taten zu verkünden.
Der Leiter/Die Leiterin geht zum Taufbrunnen, oder es wird ein geeignetes Gefäß mit Wasser gebracht. Die Gemeinde steht.
Lasset uns beten.
Gott, du Quelle des Lebens.
Du schenkst uns dein Heil in sichtbaren Zeichen.
So sei uns dieses Wasser ein Zeichen für das neue Leben,
das du in der Taufe in uns gewirkt hast.
Erneuere in uns die Gaben deines Geistes.
Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn. - Amen.
Austeilung des Wassers
Die Austeilung des gesegneten Wassers kann auf verschiedene Weise geschehen:
Aus: Wort-Gottes-Feier. Werkbuch für die Sonn- und Feiertage. Hrsg. von den Liturgischen Instituten Deutschlands und Österreichs.
Vorzubereiten sind:
Osterkerze am Ort des Taufgedächtnisses Wasser im Taufbrunnen bzw. Gefäß mit Wasser Aspergill
Der Leiter/Die Leiterin lädt mit folgenden oder ähnlichen Worten zum Taufgedächtnis ein:
Liebe Schwestern und Brüder!
In der Taufe sind wir mit Wasser und Heiligem Geist auf den Tod und die Auferstehung Jesu Christi getauft worden. Er ist die Quelle, aus der wir unseren Durst nach ewigem Leben stillen. Ihm vertrauen wir uns neu an.
Oder:
Liebe Schwestern und Brüder!
Das Wasser erinnert uns: In der Taufe hat uns Gott als seine geliebten Kinder angenommen. Wir sind seine Töchter und Söhne und dürfen ihn Vater nennen. Aus seiner Liebe leben wir Tag für Tag.
Lobpreis Gottes über dem Wasser
Der Leiter/Die Leiterin geht mit den anderen, die einen besonderen liturgischen Dienst ausüben, zum Taufort, oder es wird ein geeignetes Gefäß mit Wasser gebracht. Er/Sie spricht:
Wir preisen dich, Gott, Vater voll Erbarmen. Du schenkst uns das neue Leben im Wasser der Taufe.
Wir loben dich. A: Wir preisen dich.
In deinem Sohn Jesus Christus machst du alle, die aus Wasser und Heiligem Geist getauft sind, zu einem Volk. Wir loben dich.
Wir loben dich. A: Wir preisen dich.
Durch den Geist deiner Liebe befreist du uns und schenkst uns deinen Frieden.
Wir loben dich. A: Wir preisen dich.
Du erwählst alle Getauften, das Evangelium Christi in der Welt freudig zu bezeugen.
Wir loben dich. A: Wir preisen dich.
Erneuerung des Taufbekenntnisses
Der Leiter/Die Leiterin lädt die Gemeinde mit folgenden oder ähnlichen Worten ein, ihren Glauben zu bekennen.
Das Glaubensbekenntnis kann gesprochen oder gesungen werden.
Lasst uns gemeinsam unseren Glauben bekennen,
auf den wir getauft wurden:
A: Ich glaube an Gott... (GL 3,4)
Oder großes Glaubensbekenntnis (GL 586,2):
A: Wir glauben an den einen Gott…
Austeilung des Wassers
Die Austeilung des gesegneten Wassers kann auf verschiedene Weise geschehen:
Aus: Wort-Gottes-Feier. Werkbuch für die Sonn- und Feiertage. Hrsg. von den Liturgischen Instituten Deutschlands und Österreichs.
Glauben Sie, dass Gott Sie beim Namen kennt – nicht nach Leistung, sondern aus Liebe?,
dann sagen Sie: "Ich glaube."
Gemeinde: Ich glaube.
Glauben Sie, dass Christus sich zu Menschen stellt – auch zu den Müden, den Suchenden, den Unfertigen?
Gemeinde: Ich glaube.
Glauben Sie, dass Gottes Geist leise Kraft schenkt – Mut, Trost, neuen Anfang?
Gemeinde: Ich glaube.
Wollen Sie heute neu Ja sagen zu diesem Weg: aus der Taufe leben – mit Hoffnung, mit Barmherzigkeit, mit einem offenen Herzen?
Gemeinde: Ich glaube.
Dann darf jede und jeder im Herzen hören, was Gott am Jordan sagt – und was er auch über Ihr Leben sagt: Du bist mein geliebtes Kind. - Amen.
(Optional: Besprengung mit Weihwasser / oder alle kommen wie zur Kommunion nach vorne und machen an einer Weihwasserschale ein Kreuzzeichen )
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. -
Gemeinde: Amen.
Schwestern und Brüder!
Wir bitten den Herrn, dass er dieses Wasser segne,
mit dem wir nun besprengt werden.
Das geweihte Wasser erinnert uns an die Taufe Jesu
durch Johannes im Jordan
und an unsere eigene Taufe mit Wasser und Heiligem Geist.
Gott erneuere in diesem heiligen Zeichen seine Zusage,
dass er uns als seine Töchter und Söhne liebt,
und erfülle uns mit seiner Gnade,
dass wir unser Leben aus dem Geiste Jesu gestalten.
Gebetsstille
Allmächtiger, ewiger Gott,
du hast das Wasser geschaffen als Element,
das Leben hervorbringt und reinigt.
Durch das Wasser der Taufe
hast du uns ewiges Leben geschenkt
und uns von aller Sünde gereinigt.
Segne + dieses Wasser,
damit die Lebensquelle deiner Gnade und Liebe
aus unserem Inneren fließe
und unser Leben Früchte des Geistes hervorbringe.
Wasch ab alles Böse, mit dem wir uns belastet haben
und lass uns mit reinem Herzen
an der Gemeinschaft der Kinder Gottes teilhaben.
Zelebrant besprengt die Gottesdienstteilnehmer mit Wasser,
die Gemeinde singt dazu GL 491,1 - 3
Herr, erbarme dich.
Christus, erbarme dich.
Herr, erbarme dich.
Der allmächtige Gott reinige uns von Sünden
und mache uns durch das heilige Opfer,
das wir nun feiern, würdig,
am Tisch seines Reiches teilzunehmen.
(Messbuch, Anhang I, Seiten 1171ff)
Oder:
Schwestern und Brüder!
Wir bitten den Herrn, dass er dieses Wasser segne,
mit dem wir nun besprengt werden.
Das geweihte Wasser erinnert uns an die Taufe Jesu
durch Johannes im Jordan
und an unsere eigene Taufe mit Wasser und Heiligem Geist.
Gott erneuere in diesem heiligen Zeichen seine Zusage,
dass er uns als seine Töchter und Söhne liebt,
und erfülle uns mit seiner Gnade,
dass wir unser Leben aus dem Geiste Jesu gestalten.
Gebetsstille
Allmächtiger, ewiger Gott,
du hast das Wasser geschaffen als Element,
das Leben hervorbringt und reinigt.
Durch das Wasser der Taufe
hast du uns ewiges Leben geschenkt
und uns von aller Sünde gereinigt.
Segne + dieses Wasser,
damit die Lebensquelle deiner Gnade und Liebe
aus unserem Inneren fließe
und unser Leben Früchte des Geistes hervorbringe.
Wasch ab alles Böse, mit dem wir uns belastet haben
und lass uns mit reinem Herzen
an der Gemeinschaft der Kinder Gottes teilhaben.
Besprengung mit dem gesegneten Wasser
Tauflied, z. B. "Ich bin getauft und Gott geweiht" (GL 491)
Herr, erbarme dich.
Christus, erbarme dich.
Herr, erbarme dich.
Der allmächtige Gott reinige uns von Sünden
und mache uns durch das heilige Opfer,
das wir nun feiern, würdig,
am Tisch seines Reiches teilzunehmen.
gebetet oder GL 104
Oder, wenn kein Taufgedächtnis gehalten wird:
Grüßen wir Jesus, der sich im Jordan von Johannes taufen ließ, in unserer Mitte.
Herr Jesus Christus,
du bist Gottes geliebter Sohn.
Auch wir sind geliebt.
Kyrie eleison.
Herr Jesus Christus,
der Heilige Geist kam in Gestalt einer Taube auf dich herab.
Auch wir dürfen uns dem Heiligen Geist öffnen.
Christe eleison.
Herr Jesus Christus,
du erfülltest Gottes Gerechtigkeit.
Auch wir wollen deinen Willen suchen und tun.
Kyrie eleison.
Herr, Jesus Christus,
obwohl Erwählter, kamst du als Knecht,
als Diener in unsere Welt.
Herr, erbarme dich.
Du bist gekommen für die Menschen aller Völker und Nationen.
Christus, erbarme dich.
Du kamst, um uns aus der Dunkelheit ins Licht zu führen,
aus unserem Gefangensein in die Freiheit der Kinder Gottes.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
als göttlicher Heilsbringer kamst du auf unsere Erde.
Herr, erbarme dich.
Du gabst dich uns in deinem Wesen zu erkennen.
Christus, erbarme dich.
Uns hast du immer wieder eingeladen, deine Gesinnung unserem Herzen einzupflanzen.
Herr, erbarme dich.
Allmächtiger, ewiger Gott,
bei der Taufe im Jordan
kam der Heilige Geist auf unseren Herrn Jesus Christus herab,
und du hast ihn als deinen geliebten Sohn geoffenbart.
Gib, daß auch wir,
die aus dem Wasser und dem Heiligen Geist wiedergeboren sind,
in deinem Wohlgefallen stehen
und als deine Kinder aus der Fülle dieses Geistes leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Taufe des Herrn
Allmächtiger Gott,
dein einziger Sohn, vor aller Zeit aus dir geboren,
ist in unserem Fleisch sichtbar erschienen.
Wie er uns gleichgeworden ist in der menschlichen Gestalt,
so werde unser Inneres neu geschaffen nach seinem Bild.
Darum bitten wir durch ihn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Taufe des Herrn
9. Januar
Guter Gott,
am Jordan hast du gezeigt: Du stellst dich zu den Menschen,
und du sprichst Worte, die Leben öffnen.
Öffne auch heute den Himmel über unserem Alltag.
Lass uns neu hören, dass wir deine geliebten Kinder sind –
nicht nach Leistung bewertet, sondern von dir getragen.
Schenke uns deinen Geist:
leise Kraft, die Mut macht,
Klarheit, die uns ausrichtet,
und Liebe, die uns verwandelt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Guter Gott,
Jesus ist dein erwählter und auch geliebter Sohn.
Er ist zum Jordan gegangen
und hat sich von Johannes taufen lassen.
Von Anfang an erfüllte er deinen Willen.
Sein Wort und sein Lebensbeispiel möge auch uns helfen,
deinen Willen zu suchen, zu erkennen und zu tun. - Amen.
Gütiger Gott,
du hast uns als Quelle des Lebens das Wasser geschenkt.
Durch deinen Sohn, Jesus Christus,
ist es für uns zum Zeichen der Hoffnung geworden.
Lass uns darauf vertrauen, dass auch uns mit ihm
deine Zusage geschenkt ist: Du bist mein geliebtes Kind.
Das erbitten wir durch ihn, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Guter Gott, am Jordan hast du gezeigt: Du stellst dich zu den Menschen und sprichst Leben frei.
Darum kommen die Bitten:
Für alle, die sich im Alltag nur über Leistung definieren.
Schenke die innere Gewissheit: „Du bist geliebt – auch ohne Beweis.“
Herr, höre uns. - A: Herr, erhöre uns.
Für Menschen, über denen der Himmel „zu“ wirkt – in Krankheit, Erschöpfung, Depression, Angst.
Öffne neue Fenster der Hoffnung und sende tröstende Begleiter.
Für Kinder, Jugendliche und alle, die gerade ihren Platz im Leben suchen.
Gib Halt, gute Vorbilder und den Mut, den eigenen Weg zu gehen.
Für Eltern, die ihre Kinder taufen lassen – und für Patinnen und Paten.
Stärke die Bereitschaft, Glauben nicht nur zu feiern, sondern im Alltag vorzuleben.
Für die Kirche.
Mach sie zu einem Ort ohne VIP-Spur – nah bei den Menschen, offen für Fragen, stark in Barmherzigkeit.
Für Verantwortungsträger in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Schenke Weisheit, Mut zur Wahrheit und den Willen, Gerechtigkeit zu fördern, die heilt.
Für alle, die trauern oder Schuld mit sich tragen.
Lass einen neuen Anfang möglich werden und schenke Frieden im Herzen.
Für die Verstorbenen.
Nimm sie auf in dein Licht und vollende, was im Leben unvollendet blieb.
Guter Gott,
du kennst Namen, Wege und Fragen. Nimm unsere Bitten an
durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Unser Herr Jesus Christus, der von Johannes im Jordan getauft wurde, hat uns Freunde genannt und uns in der Taufe zu dieser Freundschaft berufen, die über den Tod hinausgeht.
Darum können wir zu ihm rufen:
Christus höre uns. - Christus erhöre uns (GL 558/8)
Dankbar blicken wir auf das Leben und Wirken von Benedikt XVI.: dem Theologen und Professor, Erzbischof, Kardinalpräfekt und Papst. Schau auf das Gute, das Benedikt XVI. in seinem Leben vollbracht hat. Sei ihm ein gnädiger Richter und vollende, was in seinem Leben und Dienst unvollendet geblieben ist.
Stärke alle, die mit Josef Ratzinger, Papst Benedikt XVI., im Laufe seines langen Lebens gemeinsam unterwegs waren, im Glauben und in der Hoffnung. Allen
Boten deines Evangeliums gib das Gespür für den richtigen Moment und die rechten Worte.
Wir beten für unsere Glaubensgemeinschaft: für unseren Papst Franziskus, für alle, die in ihr Verantwortung tragen, für alle die unsere Kirche durch Ihr Gebet und ihre Opfer stärken und alle deren tägliches Engagement sie lebendig hält.
Führe die Christen auf der ganzen Erde zusammen: hilf zu überwinden, was uns zu trennen scheint. Allen Religionen dieser Erde gewähre ein gemeinsames Suchen nach DIR und ein respektvolles Miteinander.
Lass junge Menschen ihre Berufung zur Freundschaft mit DIR erkennen: Mögen ihnen Menschen begegnen, die ihren Glauben mit ihnen teilen. Lass in ihnen die Sehnsucht nach einer lebenslangen Freundschaft mit DIR, dem menschgewordenen Sohn Gottes, wachsen.
Ohnmächtig schauen wir von Österreich in die Ukraine: Schenke den Menschen in den Kriegs- und Krisengebieten der Erde jetzt Überleben und Sicherheit, und später Versöhnung und Frieden.
Steh allen Kranken und Leidenden in ihrer Not bei. Die Sterbenden nimm an die Hand wie ein guter Freund, wenn sie vom Tod zum Leben in DIR aufbrechen.
Herr, unser Gott, du hast Benedikt XVI. zum Segen für viele Menschen gemacht. Wir danken dir für sein Leben und seinen unermüdlichen Dienst in der Nachfolge deines Sohnes, unseres Herrn, der in der Einheit mit dem Heiligen Geist mit dir lebt und herrscht bis in Ewigkeit. - Amen.
Zur Verfügung gestellt vom Pastoralamt der ED Wien, Bereich Bibel, Liturgie, Kirchenraum.
Gott, zu dir unserem Vater, der den Willen des Vaters ganz erfüllte, beten wir:
Erfülle alle Frauen und Männer, die sich auf die Taufe vorbereiten, mit Freude
Schenke deinen Heiligen Geist allen, die ihre Mitmenschen auf dem Weg zur Taufe begleiten.
Lass die Kinder und Jugendlichen in ihren Eltern, ihren Lehrern und Lehrerinnen, echten Vorbildern für den Glauben an dich begegnen.
Segne alle, die in der Ausbildung von Religionslehrern und Religionslehrerinnen tätig sind.
Hilf Frieden und Gerechtigkeit zwischen Ländern und im eigenen Lebensbereich zu schaffen.
Erneuere die Herzen derer, die im Glauben müde oder mutlos geworden sind.
Lass die Verstorbenen in deiner Nähe geborgen sein.
Dir sei Lob und Preis, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.
Wie sich der Himmel über Jesus bei seiner Taufe im Jordan geöffnet hat, steht auch uns seit unserer Taufe der Himmel ein Stück weit offen. Unser Leben vollzieht sich unter den Augen Gottes und in Beziehung mit ihm.
Ihn lasst uns bitten:
Um die Einheit der Christen, die alle durch die eine Taufe verbunden sind.
Um deinen Geist, der dort ermutigt, stärkt und erneuert, wo Klagen und Jammern sich breitmachen.
Um die rechten Worte und Taten, die andere in ihrer Würde und Selbstachtung bestärken, wenn sie niedergedrückt und verletzt sind.
Um Achtsamkeit auf Schlüsselmomente in unserem eigenen Leben, in denen deine Spur und dein Auftrag für uns erkennbar werden.
Um Anteil an deinem offenen Himmel für unsere Verstorbenen.
In seiner Taufe am Jordan hat sich Jesus mit uns Menschen solidarisiert. Er nimmt so Anteil an unserer Zerbrechlichkeit und Bedürftigkeit. Durch ihn wenden wir uns mit unseren Bitten und Nöten an dich, den Vater, und bitten um deinen Geist. - Amen.
Bei der Taufe Jesu im Jordan hat Gott bezeugt, dass Jesus sein Erwählter und unser Heilsbringer ist.
An ihn wenden wir uns mit unseren Bitten.
Christus, höre uns…
Gottes Geist möge in allen Getauften kraftvoll wirksam sein.
Er öffne unsere Augen für das Gute
und stärke unseren Willen, es immer wieder zu vollbringen.
Gottes Geist richte auf die Ängstlichen und Verzagten, die Mutlosen und Enttäuschten.
Er erhalte Kraft und Stärke allen, die sich mit großer Hingabe für Kranke, Behinderte, Ausgestoßene und Verfolgte einsetzen.
Gottes Geist zeige uns Wege des Friedens und begleite alle, die im Dienst der Verkündigung stehen.
Er stehe den Sterbenden bei und geleite sie in die Gemeinschaft des Himmels.
Herr Jesus Christus, gesandt zu unserem Heil,
wir danken dir für alle Gnade und Liebe, die du uns immer wieder schenkst. Du bist wahrhaft Spender von Heil, Kraft und Gnade. Dir vertrauen wir und erbitten deine Hilfe. – Amen.
In unserer Taufe werden wir zu Kindern Gottes.
Zu ihm, den wir Vater nennen dürfen, lasst uns beten:
Für alle, die am kommenden Tag des Judentums durch ihr Engagement zum besseren gegenseitigen Verständnis von Juden und Christen beitragen.
Für ein friedvolles Zusammenleben der Völker mit ihren verschiedenen Religionen im Nahen Osten.
Für alle Menschen, die merken, dass sie auf ihrem bisher beschrittenen Weg nicht zum Ziel gelangen und sich neu orientieren wollen.
Für uns selbst, dass wir uns der uns geschenkten Taufgnade als würdig erweisen.
Für unserer Lieben, die nach ihrem irdischen Leben zu dir, unserem Vater, heimgekehrt sind.
Vater!
Wie auf Jesus der Heilige Geist gleich einer Taube herabgekommen ist, schenkst du auch uns seine Gaben. Dafür gilt dir unser tief empfundener Dank.
Dich loben und preisen wir jetzt und allezeit. - Amen.
Gott, unser Vater,
wir feiern den Tag,
an dem du Jesus als deinen geliebten Sohn geoffenbart hast.
Nimm unsere Gaben an
und mache sie zum Opfer Christi,
der die Sünden der ganzen Welt abgewaschen hat.
Er, der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Taufe des Herrn
Guter Gott,
wir bringen Brot und Wein vor dich
als Zeichen unseres Lebens:
mit allem, was gelingt, und allem, was offenbleibt.
Nimm diese Gaben an
und verwandle auch uns,
dass wir aus unserer Taufe leben,
dass wir dein geliebtes Kind sein dürfen
und deine Nähe in diese Welt tragen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Guter Gott,
weil du uns liebst, kommst du zu uns,
weil du uns liebst, lädst du uns ein zum Mahl.
Du sagst uns zu,
was du einst Jesus, deinem Sohn zugesagt hast:
Wir sind deine geliebten Töchter und Söhne.
In diesem Mahl erfahren wir,
dass du uns dienen willst.
Stärke uns in unserer Berufung und auf unserem Lebensweg. - Amen.
Altargebet bei einer Wort-Gottes-Feier
Gott, guter Vater,
du bist Quelle des Lebens,
du rufst Menschen beim Namen
und gibst Würde, bevor Leistung zählt.
Heute danken wir dir für Jesus Christus.
Am Jordan hat er sich nicht über andere gestellt,
sondern sich dazu gestellt:
in die Reihe der Menschen,
mitten hinein in deren Leben.
Da ging der Himmel auf, dein Geist kam herab,
und deine Stimme sprach: „Du bist mein geliebter Sohn.“
Diese Zusage trägt – damals wie heute.
Darum loben wir dich,
weil deine Nähe nicht fern bleibt,
weil du Hoffnung stärkst, wo Angst drückt,
weil du neues Beginnen schenkst, wo Wege festgefahren sind.
Alle: Heilig, heilig, heilig…
Gott, sende deinen Heiligen Geist:
öffne Herzen für dein Wort,
mache Glauben lebendig,
lasse Frieden wachsen,
und gib der Gemeinde die Kraft, aus der Taufe zu leben:
barmherzig, wach, mutig, zugewandt.
Gedenke deiner Kirche in aller Welt:
dass sie kein Ort der Sonderwege wird,
sondern ein Haus für Suchende, Müde und Hoffende.
Stärke alle, die Verantwortung tragen
– in Gemeinden, in Familien, in Gesellschaft und Politik.
Sei nahe allen, über denen der Himmel „zu“ erscheint:
Kranken, Einsamen, Trauernden, Überforderten.
Schenke Trost und Menschen, die mitgehen.
Wir erinnern vor dir das Leben Jesu:
seine Nähe zu den Kleinen,
seine heilenden Worte und Taten,
seinen Weg bis zum Kreuz
und die Freude der Auferstehung.
Er lebt und bleibt gegenwärtig, wenn dein Wort verkündet wird
und wenn die Gemeinde am Tisch zusammenkommt.
So danken wir dir für das Brot des Lebens,
das du der Kirche anvertraut hast:
Als Zeichen deiner Treue stärke es Glauben und Liebe
und verbinde die Feiernden mit Christus und miteinander.
Nimm die Verstorbenen auf in dein Licht
und vollende, was im Leben unvollendet blieb.
Darum preisen wir dich und danken dir
durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn,
durch ihn und mit ihm und in ihm
ist dir, Gott, allmächtiger Vater,
in der Einheit des Heiligen Geistes
alle Herrlichkeit und Ehre,
jetzt und in Ewigkeit.
Alle: Amen.
Kehrvers:
GL 401: Lobet den Herrn, preist seine Huld und Treue
Wir preisen dich, Vater,
für die Menschwerdung deines Sohnes,
für seine Geburt aus der Jungfrau Maria,
für sein Kommen in unserer Mitte.
Kehrvers
Wir preisen dich, Vater,
für Jesu verborgenes Leben in Nazareth,
für sein Heranwachsen im Licht deiner Liebe,
für sein Leben in der heiligen Familie.
Kehrvers
Wir preisen dich, Vater,
für die Offenbarung deines Sohnes am Jordan,
für sein Hinabtauchen in die Tiefen des Wassers,
für die Herabkunft des Heiligen Geistes.
Kehrvers
Wir preisen dich, Vater,
für jedes Wort aus dem Munde Jesu,
für sein heilendes und ermutigendes Wirken,
für die Zeichen seiner Herrlichkeit.
Kehrvers
Wir preisen dich, Vater,
für alle Macht, die du Jesus gegeben hast,
für seine Gegenwart in unserer Mitte,
für sein Kommen am Ende der Zeiten.
Kehrvers
Wir preisen dich, Vater,
durch ihn Jesus Christus, deinen Sohn,
im Heiligen Geist.
Und wir danken dir in alle Ewigkeit. Amen.
Kehrvers
Danklied, z.B. Lasst uns loben, freudig loben (GL 489)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dass wir dich, ewiger Gott, immer und überall loben
und dir danken durch deinen geliebten Sohn Jesus Christus.
Als die Zeit erfüllt war, hast du ihn gesandt,
mit uns deinen Bund zu schließen.
In seiner Taufe ist er zu uns getreten als Bruder,
um uns vom ewigen Tod zu erlösen.
In unserer Taufe haben wir sein unauslöschliches Siegel empfangen,
das uns Anteil verbürgt an seinem göttlichen Licht und ewigen Leben.
Darum preisen wir dich mit allen Heiligen und Vollendeten
und singen das Lob deiner Herrlichkeit.
Heilig...
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater,
zu danken und deine Größe zu preisen.
Denn bei der Taufe im Jordan
offenbarst du das Geheimnis deines Sohnes
durch wunderbare Zeichen:
Die Stimme vom Himmel verkündet ihn
als deinen geliebten Sohn,
der auf Erden erschienen ist,
als dein ewiges Wort,
das unter uns Menschen wohnt.
Der Geist schwebt über ihm in Gestalt einer Taube
und bezeugt ihn als deinen Knecht,
den du gesalbt hast,
den Armen die Botschaft der Freude zu bringen.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Taufe des Herrn
Wo der Himmel sich öffnet,
wird Gott zugänglich.
Wo der Himmel sich öffnet,
finden Einsame Gemeinschaft.
Wo der Himmel sich öffnet,
hat alle Sinnlosigkeit ein Ende.
Wo der Himmel sich öffnet,
kann alles neu werden.
Wo der Himmel sich öffnet,
erhalten Menschen ungeahnte Chancen.
Wo der Himmel sich öffnet,
wird die Erde vom Geist erfüllt.
Wo der Himmel sich öffnet,
geschieht Wandlung,
dann,
wenn wir uns dafür öffnen.
Gütiger Gott,
du hast uns mit deinem Wort
und dem Brot des Lebens genährt.
Gib, daß wir gläubig auf deinen Sohn hören,
damit wir deine Kinder heißen und es in Wahrheit sind.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Taufe des Herrn
Guter Gott,
du hast uns in dieser Feier neu hören lassen, dass wir deine geliebten Kinder sind.
Nimm das, was wir empfangen haben – dein Wort, deine Nähe, deine Hoffnung –
und lass es in unserem Alltag wirksam werden:
in unseren Worten, in unseren Entscheidungen,
in unserem Blick auf andere und auf uns selbst.
Schenke uns deinen Geist,
damit wir nicht aus Druck leben, sondern aus Vertrauen,
nicht aus Angst, sondern aus Liebe,
und damit durch uns ein Stück Himmel aufgeht – dort, wo wir sind.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Segne uns, guter Gott,
dass diese Feier sich auswirke auf unser Leben.
Lass an uns sichtbar werden, dass wir an dich glauben,
dass dein Wort in uns lebt und wirkt,
dass wir Kraft bekommen aus der Gemeinschaft mit dir im Brot und Wein.
Segne uns in unserem alltäglichen Leben.
Denn du stehst hinter uns. - Amen.
Guter Gott,
dein Zuspruch des Mit-uns-seins gilt für alle Zeit.
Durch deinen Sohn Jesus Christus durften wir erfahren,
dass du uns liebst als Kinder.
Das wir dich vertrauensvoll Vater nennen dürfen.
Nimm alles an,
was wir in diesem Gottesdienst vor dich getragen haben
und schenke uns die Kraft,
dem Vorbild deines Sohnes zu folgen.
Dir sei Lob und Dank heute und alle Zeit. – Amen.
Herr, lehre mich
lieben können:
Anita
Petra
Michael
Paul
Alois
Maria
Theo
Magdalene
Stephan
Andrea
Ulli
Markus
Theresia
Helmut
Hubert
Georg
Gertrud
Valentin
Thomas
Gerda
Doris
Peter
Marlies
Otto
Stefano
Achmed
Achmed?
Das ist doch ein Türke!
Wie?
Herr, lehre mich
dich lieben zu können
in allen Menschen!
Aus: Peter Boekholt, Im Aufbruch. Wege ins Leben, Kevelaer 1985.
1. Wenn einer sagt: „Ich mag dich, du
Ich find dich ehrlich gut",
dann krieg ich eine Gänsehaut
und auch ein bisschen Mut
2. Wenn einer sagt: „Ich brauch dich, du;
ich schaff es nicht allein.“,
dann kribbelt es in meinem Bauch,
ich fühl mich nicht mehr klein.
3. Wenn einer sagt: „Komm, geh mit mir;
zusammen sind wir was!“,
dann werd ich rot, weil ich mich freu,
dann macht das Leben Spaß.
4. Gott sagt zu dir: „Ich hab dich lieb.
Ich wär so gern dein Freund!
Und das, was du allein nicht schaffst,
das schaffen wir vereint.“
Text und Melodie: Andreas Ebert.
© 1979 Hänssler Verlag, D-71087 Holzgerlingen.
Die Nachricht von der Herrschaft Gottes ist erstens gut, weil sie verkündet, dass Gott bei uns ist. Wenn wir uns selbst genug verlieren, um Gott zu finden, entdecken wir nicht nur seine Anwesenheit, sondern auch seine Liebe und Kraft. Matthäus eignet Jesus den prophetischen Namen Immanuel zu (das heißt: Gott ist mit uns, Matthäus 1,23); aber Jesus selbst geht weiter und sagt, Gott ist mit jeder und jedem von uns! Wir müssen nur umkehren, uns umdrehen und Gott ins Angesicht schauen, Gottes Gegenwart wahrnehmen.
Zweitens ist das eine gute Nachricht, weil sie verkündet, dass Gott uns liebt. Er liebt uns bedingungslos mit einer unendlichen Liebe, die wir niemals verdienen können. Matthäus sagt, dass der Vater Jesus seine „geliebten Sohn“ nannte (Mt. 3,17); aber wenn Gott immer mit unendlicher Liebe liebt, dann kann er uns nicht weniger lieben als Jesus. Er liebt alle seine Söhne und Töchter ohne Bedingung und Einschränkung.
Die Nachricht von der Herrschaft Gottes ist drittens gut, weil sie besagt, dass Gottes Kraft bei uns ist. Matthäus verknüpft Jesu Verkündigung vom Gottesreich mit seinen Krankenheilungen (Matthäus 2,23); aber Jesus selbst sagt, dass seine Nachfolgerinnen und Nachfolger mindestens ebenso viel bewirken können wie er selbst (Matthäus 17,20).
Aus: Richard Rohr, Das entfesselte Buch – Eine Einführung in die Bibel, Altes und Neues Testament, Freiburg 2003.
Sosehr Christus der einzige Priester (sacerdos) und Mittler zwischen Gott und Menschen ist, hat er uns durch die Taufe Anteil gegeben an seinem Priestertum. Paulus schreibt: „Angesichts des Erbarmens Gottes ermahne ich euch, meine Brüder und Schwestern, euch selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen, das Gott gefällt“ (Röm 12,1), ja auch die Heiden sollen „eine Opfergabe werden, die Gott gefällt“ (Röm 15,16). So heißt es in der geheimen Offenbarung: Christus „hat uns zu Königen gemacht und zu Priestern vor Gott, seinem Vater“ (Offb 1,16); und im ersten Petrusbrief wird den verfolgten Christen in der Diaspora Mut zugesprochen, indem ihnen ihre Würde vor Augen gehalten wird: „Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen...; ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat“ (1 Petr 2,5. 9).
In der Hingabe unseres Lebens an Gott, sozusagen in der „Liturgie des Alltags“, und im Zeugnis, in der „Verkündigung der Großtaten Gottes“, zeigt sich also dieses gemeinsame Priestertum der Gläubigen. Von der Aufgabe, Zeugnis zu geben, spricht auch dieser Vers: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“ (1 Petr 3,15).
Vor allem aber ist es ein Priestertum des Dienens und der Liebe zu einander ...; dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat ... Wer dient, der diene aus der Kraft, die Gott verleiht. So wird in allem Gott verherrlicht durch Jesus Christus“ (1 Petr 4,8. 10f)
Aus: Gerhard Bauer, Für Euch – Mit Euch. Was der Priester ist und was er nicht ist. München 2013.
In dieser Zeit
uns aufmachen,
um nicht über den Jordan zu gehen,
um nicht mit allen Wassern gewaschen zu sein,
sondern, um zu den Quellen zu gehen.
Erkennen, dass auch wir den Zuspruch
durch andere benötigen.
Erbitten,
dass der andere be-reinigend,
Heil zusprechend
und verzeihend an uns handelt.
Heraus-steigen aus der Quelle,
die neues Leben stiftet.
Erfahren dürfen,
dass sich auch für uns der Horizont -
der Himmel - öffnet.
Der Stimme vertrauen,
dass wir, in Jesus,
Gott auch unseren Vater nennen dürfen.
Ein Vater, der auch uns zuspricht:
Du bist mein geliebtes Kind,
du darfst dich mir anvertrauen.
Beatrix Senft 2023
hinabgestiegen in den Jordan,
ER ist hinabgestiegen
in das Wasser des Jordan
in die tiefen Abgründe der Seele
in die abgewaschenen Sünden
der Vorgänger
ER hatte keine Ängste
vor Sünden, Finsternis und Tod.
Er stieg hinab
um vom Heiligen Geist
berührt zu werden
um die Bestätigung zu hören:
„Du bist mein geliebter Sohn“
Ilse Pauls (unveröffentlicht)
Braucht er das
als Sohn Gottes?
Ganz hineingenommen sein
in Gottes Lebensraum
damit er aushält
was kommen wird
Sohn
oder Tochter Gottes zu sein
was bedeutet das
für dich?
Was für eine Herkunft
Was für eine Zukunft
Was für ein LEBEN
jetzt
Diese Zugehörigkeit
birgt ALLE Chancen
für ein gelingendes Leben in sich
nicht für ein leidfreies
aber für ein sinnvolles
Jesus war einer von uns
und
ganz Gottes Sohn
So
wie wir
geliebt und gestärkt
mit Zuwendung
und begabt mit Hl. Geist
so
fühle ich mich gut
ausgestattet
für meinen Lebensauftrag
Ich schätze diese Liebesbeziehung
Sie ist das
was ich ERFÜLLUNG nenne
und es auch so erfahre
Es ist ein großes Wagnis
zu glauben
und
ein großer Gewinn
Hat gestern ein neues Zeitalter begonnen? Die Weltgeschichte, heißt es, ist das Weltgericht. Gibt es Gerichtsferien? Wir leben in einer Zeit des permanenten Wandels. Die Weltgeschichte macht niemals Pause, im Weltgericht schließt eine Sitzungsperiode nahtlos an die nächste. Die Urteile werden von jenem gefällt, der Herr ist über die Geschicke.
Noch einmal: Hat gestern ein neues, ein anderes Zeitalter begonnen? Die Weltgeschichte ist das Weltgericht, und Gerichtsferien gibt es nicht. Der Richter ist in drei Personen ein Einziger. Das Gerichtsgebäude ist die Erde. Was tun wir, um einen milden Richtspruch zu erreichen? Nein, das ist nicht bloße Salbaderei. Es gibt Jahre, die in der Tat anmuten wie ein Gerichtstermin, und das Urteil kann nicht angefochten werden. Es gibt weder Einspruch noch Berufungsinstanz.
Hat also gestern wirklich ein neues Zeitalter begonnen? So ist es, und das Weltgericht tagt in Permanenz. Das Jahr 2016 ist eines, das sich in manchem von den vorigen unterscheidet. Es hat Entscheidungen gebracht, die unwiderruflich sind. Und die in späteren Jahren in den Geschichtsbüchern, wenn es solche noch geben wird, rot angestrichen werden müssten. Was nicht politisch gemeint ist. 2016 war das Jahr, das in Österreich und in der Welt das Unterste zu oberst gekehrt hat. Auch dies ist nicht politisch zu verstehen. Zum ersten Mal ist in den USA ein Milliardär zum Staatsoberhaupt gewählt worden, den viele als minder tauglich bezeichnen, viele sogar als Narren. Aber Volkes Stimme ist Gottes Stimme, nicht wahr? Bisweilen flüstert er freilich nur.
Und in Österreich? Da hat – Volkes Stimme ist Gottes Stimme – im selben Jahr 2016 die Hofburg ihre Türen einem Kandidaten geöffnet, der zum ersten Mal seit Staatsgründung 1945 von keiner der beiden Großparteien (die nicht mehr groß sind) gestellt wurde. Er duellierte sich in der (verzögerten) Stichwahl mit einem Anwärter, der gleichfalls von der Opposition nominiert worden war.
Die Weltgeschichte als Weltgericht, und sei es nur eine Bezirksjury. Lassen wir es dabei. Blicken wir in den historischen Almanach – und lassen uns überzeugen, dass geschichtliche Perioden immer schon von Ereignissen eingeläutet wurden, die dann der Historie ihren freien Lauf ließen, mit Betonung auf frei. Und auch dies ist nicht politisch zu verstehen – oder kaum politisch.
Da war das Jahr 1914, das einen Umbruch der Welt und ihrer historischen Ordnung bescherte. Diese Ordnung ist umgestoßen worden, mit Nachwehen, die bis tief ins Heute reichen. Da war aber auch das Jahr 1939, das den Zeitgenossen und deren Nachgeborenen eine Veränderung in Haupt und Gliedern aufzwang. Sie hat das politische Antlitz der Erde radikal umgestaltet und das, was war, als Vorkriegszeit bezeichnet.
Die Weltgeschichte ein Welttribunal, in dem Schuldsprüche und Freisprüche nicht so verteilt waren, wie es sich gehört. 1945 wiederum muss im Weltkalender doppelt angestrichen werden: Die Atombombe schuf neue Gefahren und mit ihr neues politisches Gewissen, das bis zum Handschlag der USA und Japans, soll heißen Obamas und Abes, reichte.
Das Weltgericht in Gestalt der Weltgeschichte tagt weiter, in Permanenz, von der deutschen Einheit bis zur Europäischen Union. Und zur neuen Völkerwanderung. Es wird weiter tagen. Und Freisprüche wird es nur wenige geben. Vielleicht im Vatikan?
http://diepresse.com/home/meinung/merkswien/5144807
01.01.2017 | 17:22 | (Die Presse) - Thomas Chorherr war langjähriger Chefredakteur und Herausgeber der „Presse“.
© DiePresse.com - http://diepresse.com/home/meinung/merkswien/5144807
Der Anteil der Katholiken und Protestanten in der deutschen Bevölkerung ist 2015 auf 28,9 beziehungsweise 27,1 Prozent gesunken. 36 Prozent der Bevölkerung gehörten keiner Religionsgemeinschaft an. Der Anteil der konfessionsgebundenen Muslime lag bei 4,4 Prozent. Die Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften (u. a. Orthodoxe Kirchen, Freikirchen, Juden, Hindus und Buddhisten) stellten rund 3,6 Prozent der Bevölkerung.
mehr:
https://fowid.de/meldung/religionszugehoerigkeiten-deutschland-2015
01.01.2017 | 17:22 | (Die Presse) - Thomas Chorherr war langjähriger Chefredakteur und Herausgeber der „Presse“.
© DiePresse.com - http://diepresse.com/home/meinung/merkswien/5144807
Umgekehrt nimmt Wiens Erzbischof den Muslimen den Wunsch nach einem islamischen Europa nicht übel.
Kardinal Christoph Schönborn hat angesichts der Flüchtlingsbewegungen erklärte, er nehme den Muslimen den Wunsch nach einem islamischen Europa nicht übel. Umgekehrt wünsche auch er sich, "dass der Nahe Osten wieder christlich wird, wie er es einmal war", oder auch Nordafrika, so Schönborn in der "Kronen Zeitung": "Die Türkei war einmal zur Gänze christlich, bevor sie von den Türken erobert worden ist. Kleinasien war ein durch und durch christianisiertes Land. Natürlich würde ich mir als Christ wünschen, dass der Nahe Osten wieder christlich wird, wie er es einmal war, oder Nordafrika. Nordafrika war zur Gänze christianisiert"
Gefragt, ob er nicht Angst habe, dass der Stephansdom einmal zu einer Moschee werden könnte, sagte Schönborn in der Sonntags-"Krone": "Natürlich wünsche ich mir, dass der Stephansdom ein lebendiges christliches Gotteshaus, ein Ort des Gebetes, bleibt und nicht nur eine Touristenattraktion für fünf Millionen Touristen im Jahr. Aber wir haben in Wien schon jetzt zweihundert islamische Gebetsstätten. Dass Religionen miteinander in Konkurrenz stehen, das ist so alt wie die Welt."
Angst vor einer Islamisierung Europas zu haben, sei "unsinnig, wenn man nicht selber etwas dazu beiträgt, dass Europa christlich bleibt. Wenn in Holland eine Kirche nach der anderen verkauft wird, wenn uns Supermärkte wichtiger sind als die christlichen Wurzeln Europas, dürfen wir uns nicht wundern, dass Europa sich entchristlicht. Aber es ist nicht Schuld der Muslime." Wenn man sehe, dass die Moscheen gut besucht sind und die Kirchen schlecht besucht sind, "dann dürfen wir nicht den Muslimen den Vorwurf machen, dass sie Europa islamisieren wollen. Sondern wir müssen uns den Vorwurf machen, dass wir nicht genug tun, um ein christliches Europa zu erhalten."
[...]
© DiePresse.com - 01.01.2017 | 13:49 | (DiePresse.com)
http://diepresse.com/home/panorama/religion/5144778
Im 18. Jahrhundert malte der Sigmaringer Künstler Meinrad von Au (1712-1792) ein seltenes und wohl auch seltsames Bild "Der Heilige Geist in Gestalt einer Frau". Meinrad von Au war ein religiöser Maler im Stil des Barock und im Geist katholischer Frömmigkeit Oberschwabens. Mit seinem wohl interessantesten Bild geriet er natürlich in Konflikt mit der Amtskirche. Auftraggeber waren die aufgeschlossenen Augustinerinnen des nahe gelegenen Klosters Inzigkofen.
Zum Bild: Umgeben von hellem Licht erscheint eine weiß gekleidete weibliche Gestalt am Himmel. Ihr Haupt ist umkränzt von zungenartigen Gebilden. Das Gesicht, die zarten Hände und Füße, die Andeutung eines weiblichen Busens - das alles spricht für eine Frau. Ein Engel ist es nicht, auch nicht Maria - ihre Attribute sind eine Mondsichel und Sterne. Auch keine andere Heilige kann es sein, denn kein Mensch wurde über Gott dargestellt. Es ist der Heilige Geist in Gestalt einer Frau. Da ist nicht das bekannte Symbol der Taube, sondern Feuerzungen, im Neuen Testament und in der Kunst ebenfalls Symbole für den Geist Gottes.
Ein für die damalige Zeit gewiss kühnes Bild. Seit dem Konzil, der Kirchenversammlung von Nicaea im Jahre 325, wird der Heilige Geist üblicherweise im Symbol einer Taube dargestellt. Und immer wieder gab es im Lauf der Kirchengeschichte ein ausdrückliches Verbot, den Heiligen Geist in menschlicher Gestalt abzubilden. Man wollte so die Einzigartigkeit Gottes und die Unverfügbarkeit seines Geistes unterstreichen.
So sind Bilder wie die eines Meinrad von Au selten geblieben, wenngleich nicht einmalig, besonders dort, wo der Augustinerorden als Auftraggeber ausfindig gemacht werden konnte.
Der Heilige Geist als "Geistin"? Was heißt "Heiliger Geist"? Alle Sprachen kennen ein Wort für Geist und meinen damit Atem, Luft, Brausen, Energie, Wind, Sturm ... unsichtbar, nicht greifbar, und doch mächtig und lebenswichtig. Sinnigerweise wird das Wort für Geist in den verschiedenen Sprachen mit unterschiedlicher geschlechtlicher Zuordnung verwandt:
"Spiritus" ist lateinisch und männlich - wie im Deutschen "der" Geist. "Ruach" ist hebräisch und weiblich. Zum Verwechseln verwandt mit der ebenfalls weiblichen "sophia" der Weisheit Gottes. "Pneuma" ist griechisch und wird neutral gebraucht.
Geist ist die von Gott ausgehende lebendige Kraft: in der Schöpfung, in der Geschichte der Menschheit, im Gottesvolk Israel, in der Kirche, auch in Einzelpersonen wie Propheten und Heiligen. Heiliger Geist ist Gott selbst in seiner persönlichen, unmittelbaren Nähe zu uns Menschen - sich schenkend, aber nicht verfügbar, sich jedem menschlichen, auch amtlichen Zugriff entziehend.
Die Taube, Symbol für den Heiligen Geist, ist ein uraltes Symbol auch für die Weisheit, für das Mütterlich-Weibliche, Leben spendende, für Liebe und Friede - für die mütterliche Seite in Gott. So wie es auch die uns vertrautere väterliche Seite in Gott gibt.
Warum sollte man dann den Heiligen Geist nicht auch in menschlicher Gestalt, eben als Frau darstellen, um diese mütterlich-weibliche Seite anzusprechen? Solchen Gedanken stand jedenfalls der Augustinerorden aufgeschlossen gegenüber. Eine bedeutende Frau des Mittelalters, Hildegard von Bingen (1098-1179), sagte: "In der Herabkunft des Wortes Gottes hat uns alle mütterliche Liebe umarmt."
Und in einem zeitgenössischen Kirchenlied heißt es:
Mutter Geist -
mit deiner guten Hand
Mutter Geist
halt mich fest.
Schwester Geist -
mit deiner Fröhlichkeit
Schwester Geist
mach mich stark.
Freundin Geist -
mit deiner Zärtlichkeit
Freundin Geist
hüll mich ein.
(Sybille Fritsch)
So neu sind diese Gedanken gar nicht. Die syrischen Kirchenväter nannten vor über 1500 Jahren den Heiligen Geist "Mutter". Sie sprachen vom "Mutteramt" des Geistes!
Aus. Michael Broch, Von Auferstehung bis Zweifel. Den Glauben neu sagen. Schwabenverlag, Ostfildern 2001.
Erneure mich, o ewigs Licht,
und lass von deinem Angesicht
mein Herz und Seel mit deinem Schein
durchleuchtet und erfüllet sein.
Schaff in mir, Herr, den neuen Geist,
der dir mit Lust Gehorsam leist'
und nichts sonst, als was du willst, will;
ach Herr, mit ihm mein Herz erfüll.
Auf dich lass meine Sinne gehen,
lass sie nach dem, was droben stehn,
bis ich dich schau, o ewigs Licht,
von Angesicht zu Angesicht.
Johann Friedrich Ruopp in: Hildegund Wöller, Gott, höre meine Stimme. Gebete aus Bibel und Tradition. Kreuz Verlag, Stuttgart 2006.
Leises Flüstern in den Herzen,
ungestümer Schrei nach Gerechtigkeit,
dein Evangelium, Herr, ist all das.
Sanftes Trostwort, reumütiges Schluchzen,
dein Evangelium ist all das.
Pianissimo deiner Liebe,
Freudengebraus und heiterer Klingklang,
abgrundtiefes Schweigen,
säuselnde Brise,
schmetternder Ruf des Herolds guter Nachricht,
Gedonner unbändigen Glückes.
Vertrauliche Mitteilung des Herzens,
laut proklamierte Lehre -
dein Evangelium ist all das.
Glut, die unter der Asche glimmt,
unzähmbares Leuchtfeuer,
dein Evangelium ist all das.
Geheimnis eingekneteten Sauerteigs,
Klarheit aufsteigenden Tages -
ein Christ lebe all das, ohne Rückhalt.
Aus: Das Lächeln Gottes, Gebete unserer Zeit. Herausgegeben von Maria Otto und Ludger Hohn-Morisch. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2003.
und gewähre mir die Gabe,
deinen und meinen Willen zu unterscheiden.
Gib mir den Mut,
mein Leben nach dir auszurichten
und mich nicht
vom Denken und Tun der anderen
verführen zu lassen.
Ich will mich so verhalten,
daß du jederzeit mit mir rechnen kannst,
auch wenn ich bei den Menschen
auf Unverständnis stoße.
Ich will den Streitenden Frieden bringen,
den Notleidenden beistehen,
die Verzweifelten auffangen,
die Suchenden zu dir führen.
Erfülle mich mit deinem Heiligen Geist,
daß ich dies alles in Klugheit tue,
demütigen Herzens
und im Vertrauen auf deinen Beistand.
Aus: Jörg Müller, Ich hab die was zu sagen, Herr. Gebete für alle Zeiten. Betulius Verlag, Stuttgart 1994.
Die Gerechtigkeit hat viele Gestalten. Als Impuls für eigenes Nachdenken möchte ich einige nennen:
Sich mühen, niemandem Unrecht zu tun; weder in Gedanken noch in Worten oder Taten. Nicht Unrecht zu tun in Gedanken und Worten, setzt ein großes Gespür für den anderen voraus; ist aber wichtig, denn das Unrecht in Gedanken und Worten ist der Nährboden für das Unrecht in Taten.
Niemanden ausbeuten: Zur Gerechtigkeit gehört das Verlangen, niemanden auszubeuten, weder materiell noch psychisch; nicht auf Kosten anderer zu leben und es sich selbst gut gehen lassen. Jeder Mensch lebt auch auf Kosten anderer; Unrecht wird dies, wenn es einseitig wird und der andere nicht mehr menschenwürdig leben kann.
Nicht das Recht beugen: Man soll bei "Gericht" das Recht nicht beugen und Menschen nicht um das Ihre bringen.
Niemandem den gerechten Lohn vorenthalten: Den Armen den gerechten Lohn vorzuenthalten, zählt in der Bibel zu den himmelschreienden Sünden.
Worin der gerechte Lohn besteht, damit befasst sich auch die katholische Soziallehre. In Zeiten der Arbeitslosigkeit entstehen diesbezüglich ganz neue Probleme.
Der gerechte Lohn ist aber nicht nur materiell zu sehen. Wir sollen auch niemandem die Anerkennung, das Lob vorenthalten; vor allem jenen nicht, die selbstverständlich viele - oft unbemerkte - Dienste leisten.
Den Unrecht Leidenden Recht verschaffen: Den Menschen, die Unrecht leiden, die benachteiligt sind, Beistand leisten, ihnen Recht verschaffen; gegen jene, die Unrecht tun, auftreten.
Dieser Kampf um die Gerechtigkeit liegt in der Linie der Propheten und ist ein Teil der Nachfolge Jesu.
Er betrifft nicht nur die materiellen Güter, sondern auch die personalen und religiösen Rechte. Das Eintreten für Gerechtigkeit bringt viele Unannehmlichkeiten; es kann lebensgefährlich werden und hat viele das Leben gekostet.
Aus: P. Alois Kraxner, Wie Kristalle in taubem Gestein. Christsein im Alltag. Wagner Verlag Linz 2008.
Es ist wichtig, sich als Seelsorgerin und Seelsorger das Bewusstsein zu erwerben, dass ich in diesem Prozess, zu dem Gott uns ruft, ein "Werkzeug" bin, nicht der Manager oder die Managerin. (Das wäre eine Selbstüberschätzung, die nur in Hoffnungslosigkeit enden würde.) Denn die Hilflosigkeit, der wir uns gegenübersehen und die wir empfinden angesichts der Veränderung von Systemen, ist eine harte, realistische Hilflosigkeit. Und ich kann aus Hilflosigkeit nur selten etwas aufbauen und gestalten. Aber wenn ich auf den Punkt zurückkomme, dass ich "Werkzeug" bin, erfahre ich Entlastung und kann meines Lebens wieder froh werden.
Christoph Jacobs in: Walter Krieger / Balthasar Sieberer (Hg.), Der Geist macht lebendig. Pastorale Spiritualität in Zeiten des Umbruchs. Lahn Verlag, Kevelaer 2006.
Die Taufe Jesu bleibt ein Höhepunkt in der Wirksamkeit des Herrn. Jesus, der selbst nie taufte, ließ sich von dem taufen, der auf ihn verwies, Johannes den Täufer.
Hier am Jordan reihte sich Jesus unter die Menschen ein. Und doch geschah etwas Einmaliges: Gott war bei der Taufe Jesu nicht nur dabei, sondern mitten drin. Er tat danach den Himmel auf und ließ seinen Geist wie eine Taube niedersteigen und über ihn kommen, mit den Worten: "Das ist mein geliebter Sohn an dem ich Wohlgefallen habe."
Hier spricht man auch von der "Adoptionsformel", weil Gott Jesus zu seinem Sohn erklärt.
Heiliger Geist
Genau das geschieht bei unserer Taufe, wenn auch nicht so spektakulär aber dennoch mit der gleichen Kraft und Macht. Auch wir werden als Getaufte, zu Söhnen und Töchtern Gottes. Der heilige Geist soll die treibende Kraft in uns sein, daran sollen wir erkannt werden, dass wir Gottes Kinder sind.
"Du bist von Gottes Geist getrieben - nicht im Strudel von Ereignissen und enthusiastischem Überschwang, sondern in Kraft, Liebe und Besonnenheit."*
Weihwasserbecken
In der Nähe der Kirchentüre ist in den allermeisten Kirchen ein Weihwasserbecken aufgestellt. Das soll uns an unsere eigene Taufe erinnern. Man taucht zwei oder mehr Finger kurz in das Wasser und bekreuzigt sich damit.
Manche, die zu Zweit oder zu Dritt in die Kirche kommen, befeuchten die Finger mit Weihwasser, um diese dann auch den anderen Eintretenden zu reichen, bevor sie selbst das Kreuzzeichen an sich vollziehen. Das deutet an, dass der getaufte Christ selbst zur "Quelle lebendigen Wassers" geworden ist.
In die Taufe kriechen
Luther spricht davon, täglich in die eigene Taufe zu kriechen. Von Luther wird berichtet, wie er, als er sich in einem Gespräch besonders missverstanden und von seinen Gegnern verfolgt fühlte, diesen Satz "Ich bin getauft.” auf einen Tisch schrieb. Er rief immer wieder: "Bapticatus sum", ich bin getauft.”
Unabhängig davon, ob diese Legende tatsächlich der historischen Wahrheit entspricht: Die Gewissheit, getauft zu sein, gab Luther Kraft, die ihn hoffen ließ, von Gott nicht alleine gelassen zu werden. Was auch immer in seinem Leben passieren würde: Gott hatte versprochen, bei ihm zu sein. Deshalb verstand Luther die Taufe auch als den Beginn und das Zentrum des christlichen Lebens. Ja, jeden Morgen neu - so schrieb Luther - solle man in die Taufe hineinkriechen. Denn das, was sich einmalig in der Taufe vollzogen hat, bedürfe, dass wir es für uns tagtäglich aneignen.
Der getaufte Mensch gehört unwiderruflich zu Gott. Dies wird in der Taufe jedem Einzelnen zugesagt: Du bist ein Kind Gottes. Du gehörst zu Ihm und Er ist mit dir.
Die Bekreuzigung
Das Bekreuzigen, welches an die eigene Taufe er-innern soll, wird in der katholischen Kirche sehr stark gepflegt, in den evangelischen Kirchen gewöhnlich nicht mehr. ... Jedoch gibt Martin Luther beim Beginn der Anweisung zu seinem Abend- und Morgensegen:
"Des Morgens, so du aus dem Bette fährest, magst du dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sollst sagen: "Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen."
http://www.christ-im-dialog.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1714&Itemid=30
Ein geistlich Lied von unsre heiligen Taufe, darin fein kurz gefasset: Was sie sei? Wer sie gestiftet habe? Was sie uns nützt? usw.
Christ, unser Herr, zum Jordan kam
Nach seines Vaters Willen,
Von Sankt Johannes die Taufe nahm,
Sein Werk und Amt zurfüllen.
Da wollt er stiften uns ein Bad,
Zu waschen uns von Sünden,
Ersäufen uns den bittern Tod
Durch sein selbst Blut und Wunden.
Es galt ein neues Leben.
So hört und merket alle wohl,
Was Gott heißt selbst die Taufe,
Und was ein Christen glauben soll,
Zu meiden Ketzerhaufen.
Gott spricht und will, daß Wasser sei,
Doch nicht allein schlecht Wasser,
Sein heilges Wort ist auch dabei
Mit Geist ohn Maßen, reichen
Der ist allhie der Taufer.
Solchs hat er uns beweiset klar
Mit Bildern und mit Worten.
Des Vaters Stimm man offenbar
Daselbst am Jordan horte.
Er sprach: Das ist mein lieber Sohn,
An dem hab ich Gefallen,
Den will ich euch befohlen han,
Daß ihr ihn höret alle
Und folget seinen Lehren.
Auch Gottes Sohn hie selber steht
In seiner zarten Menschheit.
Der heilig Geist hernieder fährt,
In Taubenbild verkleidet.
Das wir nicht sollen zweifeln dran,
Wenn wir getaufet werden:
All drei Personen getaufet han,
Damit bei uns auf Erden
Zu wohnen sich ergeben.
Sein Jünger heißt der Herre Christ:
Geht hin, all Welt zu lehren,
Daß sie verlorn in Sünden ist,
Sich soll zur Buße kehren.
Wer glaubet und sich taufen läßt,
Soll dadurch selig werden,
Ein neugeborner Mensch er heißt,
Der nicht mehr könne sterben,
Das Himmelreich soll erben.
Wer nicht glaubt dieser großen Gnad,
Der bleibt in seinen Sünden
Und ist verdammt zum ewigen Tod
Tief in der Höllen Grunde.
Nicht hilft sein eigen Heiligkeit,
All sein Tun ist verloren,
Die Erbsünd machts zur Nichtigkeit,
Darin er ist geboren,
Vermag ihm selbst nichts helfen.
Das Aug allein das Wasser sieht,
Wie Menschen Wasser gießen,
Der Glaub im Geist die Kraft versteht
Des Blutes Jesu Christi.
Und ist vor ihm ein rote Flut
Von Christi Blut gefärbet,
Die allen Schaden heilen tut,
Von Adam her geerbet.
Auch von uns selbst gegangen.
Martin Luther (1541) in EG 202.
Gott Vater, du hast deinen Namen
In deinem lieben Sohn verklärt
Und uns, so oft wir zu dir kamen,
die Vatergnade neu gewährt.
So rufe dieses Kind mit Namen,
das nun nach deinem Sohne heißt.
Wir glauben, du Dreiein'ger! Amen!
Zum Wasser gabst du Wort und Geist.
Erhalte uns bei deinem Namen!
Dein Sohn hat es für uns erfleht.
Geist, Wort und Wasser mach zum Samen
der Frucht des Heils, die nie vergeht.
Jochen Klepper (1941), EG 208.
Dietrich Bonhoeffer schrieb anlässlich der Taufe an sein Patenkind im Mai 1944:
"Du wirst heute zum Christen getauft. Alle die alten großen Worte der christlichen Verkündigung werden über Dir ausgesprochen, und der Taufbefehl Jesu Christi wird an Dir vollzogen, ohne dass Du etwas davon begreifst. Aber auch wir selbst sind wieder ganz auf die Anfänge des Verstehens zurückgeworfen. Was Versöhnung und Erlösung, was Wiedergeburt und Heiliger Geist, was Feindesliebe, Kreuz und Auferstehung, was Leben in Christus und Nachfolge Christi heißt, das alles ist so schwer und so fern, dass wir es kaum mehr wagen, davon zu sprechen... Unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen..."
Dietrich Bonhoeffer schließt seinen Brief mit dem Wunsch, dass sein Patenkind zu den Menschen gehören möchte, "die beten und das Gerechte tun und auf Gottes Zeit warten", und dass es von ihm einmal heißt: "Des Gerechten Pfad glänzt wie das Licht, das immer heller leuchtet bis auf den vollen Tag" (Sprüche 4, 18).
Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, DBW 8, Gütersloh 1998.
Überfließende Himmel verschwendeter Sterne
prachten über der Kümmernis. Statt in die Kissen,
weine hinauf. Hier, an dem weinenden schon,
an dem endenden Antlitz,
um sich greifend, beginnt der hin-
reißende Weltraum. Wer unterbricht,
wenn du dort hin drängst,
die Strömung? Keiner. Es sei denn,
daß du plötzlich ringst mit der gewaltigen Richtung
jener Gestirne nach dir. Atme.
Atme das Dunkel der Erde und wieder
aufschau! Wieder. Leicht und gesichtlos,
lehnt sich von oben Tiefe dir an. Das gelöste
nachtenthaltne Gesicht gibt dem deinigen Raum.
Rainer Maria Rilke, Aus den Gedichten an die Nacht http://www.textlog.de/22450.html
Die Evangelische Kirche in Deutschland begeht 2011 als ein "Jahr der Taufe". In den kommenden zwölf Monaten sind unter anderem große Tauf- und Tauferinnerungsgottesdienste geplant. Außerdem soll es Seminare für Erwachsene und Projekte für Jugendliche geben. Laut dem EKD-Ratsvorsitzenden Schneider ist die Taufe "das Grunddatum christlicher Freiheit schlechthin". Der westfälische Präses Buß bezeichnete die Taufe als ein Gottesgeschenk, das ausgepackt werden wolle. Dabei wollten die Kirchen helfen.
http://www.domradio.de/news/70498/evangelische-kirche-in-deutschland-eroeffnet-jahr-der-taufe.html
Liebe Familie von ..........................,
bei der Geburt Ihres Kindes haben viele gute Wünsche Sie begleitet. Inzwischen ist Ihr Kind herangewachsen, hat Ihnen viel Freude aber vielleicht auch Sorgen bereitet. Wir wünschen Ihnen ein Zusammenleben, das von gegenseitiger Liebe und Achtung getragen ist.
Es ist ein großes Geschenk, wenn wir Liebe erfahren. Auch die Taufe ist ein solches Geschenk, denn in ihr wird einem Menschenkind Gottes Liebe zugesagt. So ist die Taufe der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen Gott und einem Menschen.
Dass viele Kinder nicht getauft sind, hat verschiedene Gründe, die wir natürlich respektieren. Manche Eltern wollen, dass sich ihre Kinder für die Taufe selbst entscheiden. Bei anderen haben äußere Gründe bisher gegen eine Taufe gestanden. Vielen Familien fehlte einfach nur der konkrete Anlass.
Den möchten wir Ihnen nun bieten und wollen den Wünschen vieler Familien mit einem besonderen Kindertauffest nachkommen. Wir laden Sie, Ihre Angehörigen und Freunde zu einem Tauffest mit Kaffee, Kuchen und Kinderaktionen am ........... in ........... herzlich ein. Einzelheiten entnehmen Sie dem beiliegenden Flyer.
Es grüßt Sie herzlich ...
P.S.: Sollte Ihr Kind bereits getauft sein und dieser Brief Sie irrtümlicherweise erreichen, dann bitten wir Sie, uns dieses mitzuteilen, damit wir die Taufe in das Kirchenbuch eintragen und damit dokumentieren können.
http://www.evlka.de/content.php?contentTypeID=1425
Das Behindertentaxi brachte Gerhard in die Propstei für ein versprochenes Mittagessen. Gerhard ist schwer körperbehindert. Das begann schon mit drei Jahren. Wie bei seinem älteren Bruder stellte man bei ihm eine heimtückische Krankheit fest, die langsam voranschreiten würde. Es begann bei den Füßen. Bald konnte sich Gerhard nur noch im Rollstuhl fortbewegen. Das Gehör nahm immer mehr ab und schließlich stellte sich eine totale Taubheit ein. Dann begann das Augenlicht abzunehmen, bis für ihn schließlich nur noch dunkle Nacht war. Zeitweilig besuchte Gerhard das Gymnasium, dann aber kehrte er nach Hause zurück. Geistig ist er rege. Er möchte sich ausdrücken und seine Gefühle in Worte kleiden. Was er im Innern erleidet und empfindet, will er durch Worte nach außen transportieren. Wenn er sich einen Text vorstellt, will er ihn schließlich diktieren. Dieser Text muss dann korrigiert und kontrolliert werden. Wie kann man einem Blinden und Tauben das gesprochene Wort zurückgeben?
Marion, eine Arzthelferin, hörte eine Sendung im Radio: Gerhard suchte jemanden, der bereit war, ihn zu besuchen und Kontakt aufzunehmen. Eine große innere Einsamkeit drängte ihn dazu. Zwei freie Arbeitstage in der Woche verbringt Marion nun mit Gerhard. Dabei machte sie eine großartige Erfindung: Sie zeichnet die Buchstaben einen nach dem anderen auf Gerhards Stirn. Nach und nach bildet sich Gerhard daraus ein Wort. Hat er dieses Wort verstanden, spricht er es aus und dann kann Marion auf seiner Stirn weiterschreiben. Ist das Wort voll-ständig, berührt sie die Nasenspitze. Gerhard schreibt so Gedichte und Kurzgeschichten. Im Radio wurde letzte Woche sein letztes Buch "Harte Straßen” vorgestellt.
Das Leben von Gerhard ist wirklich steinig und hart. Wir bestaunen die Liebe und Zärtlichkeit von Marion. Mit großer Hingabe kümmert sie sich um Gerhard: "Ich kann gar nicht anders. Als gesunder Mensch habe ich das Bedürfnis, mich um einen Menschen mit Behinderung zu kümmern. Jesus hat das gemacht und gesagt: ,Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, habt ihr mir getan.' Ich gehe in die Kirche, aber nicht jeden Sonntag. Ich betrachte das Zusammensein mit Gerhard als meinen Gottesdienst, dort begegne ich Jesus. Seine Gegenwart gibt mir Kraft und Freude. Über jeden kleinen Fortschritt freue ich mich und bin dankbar dafür.”
Löffel um Löffel gibt Marion Gerhard das Mittagessen. Zwischendurch macht Gerhard die Bemerkung: "Einiges, das in den Mund gehört, ist zur Erde gefallen.” Darüber müssen wir lachen. Dann fügt Gerhard hinzu, er möchte einen Pflaumenschnaps. Ich verdünne ein Gläschen Eiswein, erhitze es und biete es ihm als Pflaumenwein an.
Es ist 15 Uhr geworden. Das Behindertentaxi fährt vor und der Fahrer hievt Gerhard ins Auto. Gerhards Mutter und Marion verabschieden sich und bedanken sich herzlich für das Mittagessen. Auch Gerhard meldet sich noch einmal zu Wort. Er danke für den Pflaumenwein, den er so gut fand. Das Auto fährt ab.
Staunend und dankbar erfahren wir, dass das Reich Gottes mitten unter uns ist.
Nathanael Wirt OSB in: Die Augen meiner Augen sind geöffnet. Erfahrungen der Dankbarkeit. Eine Hommage an David Steindl-Rast. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2006.
Feuer,
wärmendes Feuer,
weit leuchtendes Feuer,
Funken versprühendes Feuer,
knisternd in der Nacht,
voller Leben.
Feuer,
wenn ich in deine Flammen schau,
denk ich an mein Leben:
an Orte,
an denen es kalt ist,
an Momente,
in denen ich friere,
in denen mir' s kalt ist ums Herz,
in denen mir alles in Eis erstarrt scheint,
in denen ich mich sehne
nach deiner Wärme und Geborgenheit.
Feuer,
wenn ich in deine Flamme schau,
denk ich an mein Leben;
an Orte,
an denen es dunkel ist,
an denen ich blind bin,
blind vor Angst,
blind für alles Schöne,
traurig und einsam,
umhüllt von Dunkelheit und Kälte
und mich sehne
nach deiner Nähe und deinem Licht.
Feuer,
wenn ich in deine Flamme schau,
denk ich an mein Leben;
an Augenblicke
voller Langeweile und Sinnlosigkeit,
in denen ich warte, und niemand kommt,
in denen ich hoffe, und nichts passiert,
in denen mich alles anödet,
in denen ich nicht mehr weiß wohin,
in denen ich mich sehne
nach deinem knisternden Leben,
nach deinem tanzendem Funkenflug,
der mich mit sich zieht.
Feuer,
wärmendes Feuer,
weit leuchtendes Feuer,
Funken versprühendes Feuer,
knisternd in der Nacht,
voller Leben,
Anziehungspunkt unserer Sehnsucht,
Feuer, Heiliger Geist!
Aus: Hans Joachim Remmert, Firmung vorbereiten, Freiburg 1995, Seite 135.
Ich weiß, daß hinabsteigt, der unbewegt ist. Ich weiß, daß von mir geschaut wird, der von Natur unschaubar ist. Ich weiß, daß er, der aller Kreatur weit entrückt ist, mich in sich aufnimmt und mich in seinen Armen verbirgt, und ich finde mich außer der ganzen Welt. Hinwieder schaue ich Sterblicher und in der Welt Geringer den ganzen Schöpfer der Welt in mir: Und dieweil ich im Leben bin, umfange ich in mir das ganze blühende Leben und weiß, daß ich nicht sterben werde. In meinem Herzen ist er und wohnt im Himmel: Hier und dort sehe ich ihn in gleichem Leuchten.
Symeon der neue Theologe (949 - 1022) in: Im Spiegel der Seele. Die Quellen der Mystik. Ausgewählt und eingeleitet von Elisabeth Hense. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 1997.
Gott Vater, du hast deinen Namen
In deinem lieben Sohn verklärt
Und uns, so oft wir zu dir kamen,
die Vatergnade neu gewährt.
So rufe dieses Kind mit Namen,
das nun nach deinem Sohne heißt.
Wir glauben, du Dreiein’ger! Amen!
Zum Wasser gabst du Wort und Geist.
Erhalte uns bei deinem Namen!
Dein Sohn hat es für uns erfleht.
Geist, Wort und Wasser mach zum Samen
der Frucht des Heils, die nie vergeht
Jochen Klepper (1941), EG 208
Mein Schöpfer, steh mir bei, sei meines Lebens Licht
Und führe mich zum Ziel, wie es dein Wort verspricht.
Lass mich Vertrauen fassen, auf dich mich zu verlassen.
Ich möchte dir gehören und deinen Namen ehren.
Mit dir zu leben, mach mich frei, mein Schöpfer steh mir bei.
Mein Heiland, segne mich / und nimm mich gnädig an, /
dass ich mit dir vereint / im Glauben wachsen kann. /
Lass mich dein Wort bewahren / und vor dem Kreuz erfahren, /
Dass ich von Schuld und Sünde / bei dir Erlösung finde. /
Wer bin ich Arme/r ohne dich, / mein Heiland, segne mich.
Mein Tröster, gib mir Kraft, / mach mich erwartungsvoll /
und hilf mir zu bestehen, wo ich bestehen soll. /
Mein Denken, Tun und Sagen / lass mich auf Christus wagen, /
Dass ich mich mutig übe / in wahrer Menschenliebe. /
Du bist, der alles Gute schafft, / mein Tröster, gib mir Kraft.
Gott Vater, Sohn und Geist, / du liebst mich, wie ich bin. /
Schenk diese Zuversicht / mir tief in Herz und Sinn. /
Erwähle und behüte / mich ganz durch deine Güte, /
so will ich dir mein Leben / auch ganz zum Lobpreis geben. /
Erfüll an mir, was du verheißt, / Gott Vater, Sohn und Geist.
Nach Johann Jakob Rambach (1729) von Detlev Block (1990), EG 593
Dietrich Bonhoeffer schrieb anlässlich der Taufe an sein Patenkind im Mai 1944:
"Du wirst heute zum Christen getauft. Alle die alten großen Worte der christlichen Verkündigung werden über Dir ausgesprochen, und der Taufbefehl Jesu Christi wird an Dir vollzogen, ohne dass Du etwas davon begreifst. Aber auch wir selbst sind wieder ganz auf die Anfänge des Verstehens zurückgeworfen. Was Versöhnung und Erlösung, was Wiedergeburt und Heiliger Geist, was Feindesliebe, Kreuz und Auferstehung, was Leben in Christus und Nachfolge Christi heißt, das alles ist so schwer und so fern, dass wir es kaum mehr wagen, davon zu sprechen... Unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen..."
Dietrich Bonhoeffer schließt seinen Brief mit dem Wunsch, dass sein Patenkind zu den Menschen gehören möchte, "die beten und das Gerechte tun und auf Gottes Zeit warten", und dass es von ihm einmal heißt: "Des Gerechten Pfad glänzt wie das Licht, das immer heller leuchtet bis auf den vollen Tag" (Sprüche 4, 18).
Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, DBW 8, Gütersloh 1998
Gott, wir sehnen uns danach,
dass du Recht schaffst in unserer Welt,
deren Ungerechtigkeit zum Himmel schreit.
Wir fühlen uns oft so ohnmächtig
gegenüber all dem Furchtbaren,
von dem wir hören.
Gott, wir ersehnen deine Gerechtigkeit
und fürchten doch auch dein Gericht.
Denn du lässt dich nicht täuschen
durch die schönen Fassaden,
hinter denen wir uns so oft verbergen.
Du lässt dich nicht beschwichtigen
von der gängigen Ausrede,
wir könnten schließlich nichts machen.
Du weißt, was wir anderen Menschen schuldig bleiben
und wie viel Böses auch von uns ausgeht.
Barmherziger Gott, sei uns ein gnädiger Richter
und hilf uns, entschieden und tapfer zu werden
im Tun deines Willens.
Amen.
Reformierte Liturgie
Es wird uns nicht berichtet, wie die Zeit der Verborgenheit im Leben des Herrn zu Ende ging. [ ...]
Wie Jesus zum Jordan kommt, liegt hinter Ihm das tiefe Erfahren der Kindheit und der langen Jahre des "Zunehmens an Alter, Weisheit und Gnade" (Lk 2, 52). Das Bewußtsein der ungeheuren Aufgabe und aus unergründlichen Tiefen aufsteigende Kräfte leben in Ihm - die erste Gebärde aber, die wir von Ihm sehen, und das erste Wort, das Er spricht, sind Demut. Nirgendwo der Anspruch der Ungewöhnlichkeit, der sagt: "Das gilt für andere, nicht für mich!" Er kommt zu Johannes und verlangt die Taufe. Sie verlangen, heißt das Wort des Täufers annehmen und sich als Sünder bekennen; Buße tun und sich dem öffnen, was von Gott her kommen will. So verstehen wir, wie Johannes erschrocken abwehrt. Jesus aber tritt in die Reihe. Er beansprucht keine Ausnahme, sondern stellt sich unter die "Gerechtigkeit", die für alle gilt.
Auf dieses Hinabsteigen in die Menschentiefe antwortet der Ausbruch aus der Höhe. Die Himmel öffnen sich. Die Schranke, die den allgegenwärtigen Gott in seinem Himmel, seinem seligen Bei-sich-Sein, von uns absperrt - nämlich der Mensch selbst in seiner gefallenen Geschöpflichkeit, und daß er die Welt mit sich gerissen hat, und sie nun "der Vergänglichkeit unterworfen ist" (Röm 8,20) - diese Schranke tut sich auf. Ein unendliches Begegnen geschieht. Dem Menschenherzen Jesu strömt die offene Fülle des Vaters entgegen. "Während Er betet", geschieht es, sagt Lukas, und scheint damit anzudeuten, daß es ein innerer Vorgang ist (3,21). Wohl wirklich; wirklicher als alle greifbaren Dinge ringsumher; aber innerlich, "im Geiste". [ ...]
Die Macht des Geistes kommt über Jesus, und in das überschwengliche Begegnen, in die Gottesfülle des Augenblicks tönt das Wort des väterlichen Liebe, das bei Lukas als Anrede steht: "Du bist mein geliebter Sohn; an Dir habe ich mein Wohlgefallen!" (Lk 3, 22) Und so, "des Heiligen Geistes voll, verläßt Jesus den Jordan und wandert im Geiste in die Wüste"(Lk 4,1).
Romano Guardini, Der Herr. Betrachtungen über die Person und das Leben Jesu Christi, Würzburg: Werkbund-Verlag 11., unveränderte Aufl. 1959, S. 27 - 28.
Christ, unser Herr, zum Jordan kam
Nach seines Vaters Willen,
Von Sankt Johannes die Taufe nahm,
Sein Werk und Amt zurfüllen.
Da wollt er stiften uns ein Bad,
Zu waschen uns von Sünden,
Ersäufen uns den bittern Tod
Durch sein selbst Blut und Wunden.
Es galt ein neues Leben.
So hört und merket alle wohl,
Was Gott heißt selbst die Taufe,
Und was ein Christen glauben soll,
Zu meiden Ketzerhaufen.
Gott spricht und will, daß Wasser sei,
Doch nicht allein schlecht Wasser,
Sein heilges Wort ist auch dabei
Mit Geist ohn Maßen, reichen
Der ist allhie der Taufer.
Solchs hat er uns beweiset klar
Mit Bildern und mit Worten.
Des Vaters Stimm man offenbar
Daselbst am Jordan horte.
Er sprach: Das ist mein lieber Sohn,
An dem hab ich Gefallen,
Den will ich euch befohlen han,
Daß ihr ihn höret alle
Und folget seinen Lehren.
Auch Gottes Sohn hie selber steht
In seiner zarten Menschheit.
Der heilig Geist hernieder fährt,
In Taubenbild verkleidet.
Das wir nicht sollen zweifeln dran,
Wenn wir getaufet werden:
All drei Personen getaufet han,
Damit bei uns auf Erden
Zu wohnen sich ergeben.
Sein Jünger heißt der Herre Christ:
Geht hin, all Welt zu lehren,
Daß sie verlorn in Sünden ist,
Sich soll zur Buße kehren.
Wer glaubet und sich taufen läßt,
Soll dadurch selig werden,
Ein neugeborner Mensch er heißt,
Der nicht mehr könne sterben,
Das Himmelreich soll erben.
Wer nicht glaubt dieser großen Gnad,
Der bleibt in seinen Sünden
Und ist verdammt zum ewigen Tod
Tief in der Höllen Grunde.
Nicht hilft sein eigen Heiligkeit,
All sein Tun ist verloren,
Die Erbsünd machts zur Nichtigkeit,
Darin er ist geboren,
Vermag ihm selbst nichts helfen.
Das Aug allein das Wasser sieht,
Wie Menschen Wasser gießen,
Der Glaub im Geist die Kraft versteht
Des Blutes Jesu Christi.
Und ist vor ihm ein rote Flut
Von Christi Blut gefärbet,
Die allen Schaden heilen tut,
Von Adam her geerbet.
Auch von uns selbst gegangen.
Martin Luther (1541) in EG 202

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
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Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Im ersten "Gottesknechtlied" (Jes 42,1-9) erfolgen die Vorstellung und Beauftragung des Knechtes. Er ist gewissermaßen das Werk Jahwes, von ihm erwählt und sein Knecht. Im Mittelpunkt steht aber nicht das "Untergebensein" des Knechtes, sondern die Zugehörigkeit und Geborgenheit beim Herrn. Dieser Knecht findet seine Aufgabe und Bestimmung - ähnlich wie bei Mose oder David - im "Dasein" für andere. Gott präsentiert ihn wie einen König (vgl. 1 Sam 9,15-17) und erwählt ihn frei aufgrund seines Willens - ohne jegliche Vorleistungen durch den Knecht. Die Rede von seiner Erwählung dient der Legitimation des Knechtes und der Begründung seiner Aufgabe.
Weil Gott an ihm Gefallen gefunden hat, erwählte er ihn. Diese Erwählung durch Gott läßt sich ebensowenig wie die Erwählung Israels hinterfragen. Diese Erwählung gilt aber nicht nur dem hier vorgestellten Knecht, denn es handelt sich nicht um eine vorübergehende Erwählung - wie beispielsweise bei den Richtern - sondern sie ist als dauernde Gabe, als besondere Form des "Mitseins Jahwes", zu sehen, die sich zugunsten anderer auswirkt.
Die Lesung ist ein Ebed-Jahwe-Lied (Knecht-Gottes-Lied). Ursprünglich wohl selbständig überliefert, gehören sie im Kanon der hebr. Bibel zum Buch des (2.) Jesaja (Jes. 40-55 - Exilszeit).
Jahwe stellt seinen Knecht zunächst vor: "Seht, das ist mein Knecht." Die Figur, die dazu passt, ist uns jedoch verborgen. In der Auslegungsgeschichte variieren die Vermutungen: war es eine einzelne Person? Oder vielleicht sogar das ganze Volk Gottes? Jedenfalls wird in der Vorstellung (mit dem Imperativ "Seht" eingeleitet) ein Gesicht erkennbar, dass in der christlichen Rezeption die Züge des Kyrios trägt, von dem es im Hymnus (Phil 2,6-11) heißt, er habe göttliche Gestalt gehabt...
Was enthält die Gottesrede über den Knecht? Er wird von Jahwe gestützt, er ist von Jahwe erwählt, an ihm findet Jahwe Gefallen, Jahwe hat seinen Geist auf ihn gelegt - und unvermittelt und überraschend: Jahwes Knecht bringt den Völkern das Recht. Er ist mit der höchsten Autorität ausgestattet, um den Völkern das Recht zu bringen. Jahwe selbst erscheint so als Garant des Rechtes.
In der hebräischen Sprache gehören Recht, Gerechtigkeit, Frieden, Heil zusammen. Der Knecht Jahwes ist Heilbringer für die Völker. Das bringt einen neuen Ton in die prophetische Botschaft, die sich an das Volk Israel in der Fremde richtet. Ob Israel in Babylon eine neue Rolle übernehmen soll? Nicht die Rolle des Opfers, sondern des Friedensstifters?
Der Knecht zerbricht das geknickte Rohr nicht, er löscht den glimmenden Docht nicht aus, er (selbst) wird nicht müde und bricht nicht zusammen - bis er auf der Erde das Recht begründet. Zur Krone des Ganzen wird: (Selbst) die Inseln warten auf ihn.
Jahwe sichert dem Knecht seine Berufung zu, überreicht ihm sozusagen die Ernennungsurkunde. Was Recht heißt, wird hier in einer umfassenden und universalen Aufgabe beschrieben: Bund für mein Volk - Licht für die Völker. Vertieft: blinde Augen zu öffnen, Gefangene zu befreien, alle, die im Dunkel sind, ins Licht zu führen.
In der lukanischen Jesus-Erzählung (Evangelium) werden Ebed-Jahwe-Lieder besonders an zwei Stellen aufgelesen: Einmal im Lobgesang des Zacharias (Benedictus), Lk 1,67-79, und zum anderen in der ersten Predigt Jesu in Nazareth, Lk 4,16-21. Die Geschichte Jesu wird so fest mit den Ebed-Jahwe-Liedern verknüpft.
Dieser Text wird Deuterojesaja zugeschrieben, einem unbekannten Propheten aus der Zeit der Babylonischen Gefangenschaft, als sich schon die Befreiung anbahnt. So spricht Deuterojesaja tröstend zu seinem Volk. Die Kapitel 40-55 werden nach ihren ersten Worten auch "Trostbuch Israels" genannt (vgl. die Alternativlesung des heutigen Tages Jes 40,1-5. 9-11). Beim vorliegenden Text handelt es sich um das erste der sog. "Gottesknechtslieder", die einen vollkommenen Jünger Jahwes vorstellen. Umstritten ist, ob es sich hierbei um die Personifikation der Gemeinde Israels, um eine Person der Vergangenheit oder Gegenwart wie etwa Deuterojesaja selbst oder den erwarteten Messias handelt. Die urchristliche Predigt und die Auswahl als heutige Lesung bezog den Text auf Jesus.
Unabhängig von der Beantwortung dieser Frage macht die Beschreibung des von Gott Beauftragten den Willen Gottes deutlich: Plastische Bilder und leidenschaftliche Worte zeigen, auf welche Weise Gott unsere Befreiung erreichen will und wie unser Heil aussehen soll. Der Gesandte Gottes will nicht wie ein fanatischer Heilsprediger Menschenmassen aufputschen und für seine Ideologie gewinnen (Vers 2). Stattdessen wendet er sich dem Einzelnen und Unvollkommenen zu und gibt ihm eine neue Chance (Vers 3) - anders als Moralprediger mit dem Standpunkt "Alles oder nichts!". Diese Behutsamkeit geht aber auch mit Ausdauer einher (Vers 4).
Die starken Bilder in Vers 7, die Jesus auch in seiner "Antrittspredigt" in der Synagoge von Nazareth zitiert (Lk 4,18), sprechen tiefgehende menschliche Erfahrungen von Befreiung an.
"Blinde Augen zu öffnen" kann bedeuten, vor eigenen "blinden Flecken" nicht länger die Augen zu verschließen und so seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Auch offene Augen für die Freuden und Nöte unserer Mitmenschen zu bekommen oder in ausweglosen Situationen neue Wege zu entdecken, können solche Heilungserfahrungen sein.
"Gefangene aus dem Kerker zu holen" meint unter anderem die Befreiung aus eingefahrenen Denk- und Verhaltensmustern, die ein erster Schritt sein kann, um verfahrene Situationen und Beziehungen zu lösen. Dazu zählt auch, wenn Menschen in einengenden Strukturen und Rollen in Familie, Beruf und Gesellschaft allmählich mehr Freiheit erfahren können.
Die Befreiung derer, "die im Dunkel sitzen", umfasst die Überwindung von Lebensphasen, die von Leid, Schmerz, Trauer, Einsamkeit und Angst geprägt sind.
All diese biblischen Bilder führen uns vor Augen, welches erfüllte Leben Gott für uns will. Um dies schon in diesem Leben zu verwirklichen, schickt er seine Beauftragten - und das kann jeder Mensch sein, der uns begegnet und uns zu mehr Freiheit führt.
Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr C 2/2006. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2006, S. 42-54.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive