Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Joel.
Spruch des HERRN:
Kehrt um zu mir von ganzem Herzen
mit Fasten, Weinen und Klagen!
Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider,
und kehrt um zum HERRN, eurem Gott!
Denn er ist gnädig und barmherzig,
langmütig und reich an Huld
und es reut ihn das Unheil.
Wer weiß, vielleicht kehrt er um und es reut ihn
und er lässt Segen zurück,
sodass ihr Speise- und Trankopfer darbringen könnt
für den HERRN, euren Gott.
Auf dem Zion stoßt in das Horn,
ordnet ein heiliges Fasten an,
ruft einen Gottesdienst aus!
Versammelt das Volk,
heiligt die Gemeinde!
Versammelt die Alten,
holt die Kinder zusammen, auch die Säuglinge!
Der Bräutigam verlasse seine Kammer
und die Braut ihr Gemach.
Zwischen Vorhalle und Altar sollen die Priester klagen,
die Diener des HERRN sollen sprechen:
Hab Mitleid, HERR, mit deinem Volk
und überlass dein Erbe nicht der Schande,
damit die Völker nicht über uns spotten!
Warum soll man bei den Völkern sagen:
Wo ist denn ihr Gott?
Da erwachte im HERRN die Leidenschaft für sein Land
und er hatte Erbarmen mit seinem Volk.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Erbarme dich unser, o Herr,
denn wir haben gesündigt. – Kv
(GL 639,1)
Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, *
tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!
Wasch meine Schuld von mir ab *
und mach mich rein von meiner Sünde! – (Kv)
Denn ich erkenne meine bösen Taten, *
meine Sünde steht mir immer vor Augen.
Gegen dich allein habe ich gesündigt, *
ich habe getan, was böse ist in deinen Augen. – (Kv)
Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz *
und einen festen Geist erneuere in meinem Innern!
Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, *
deinen heiligen Geist nimm nicht von mir! – (Kv)
Gib mir wieder die Freude deines Heiles, *
rüste mich aus mit dem Geist der Großmut!
Herr, öffne meine Lippen, *
damit mein Mund dein Lob verkünde! – Kv
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korinth.
Schwestern und Brüder!
Wir sind also Gesandte an Christi statt
und Gott ist es, der durch uns mahnt.
Wir bitten an Christi statt:
Lasst euch mit Gott versöhnen!
Er hat den, der keine Sünde kannte,
für uns zur Sünde gemacht,
damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.
Als Mitarbeiter Gottes ermahnen wir euch,
dass ihr seine Gnade nicht vergebens empfangt.
Denn es heißt:
Zur Zeit der Gnade habe ich dich erhört,
am Tag der Rettung habe ich dir geholfen.
Siehe, jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade;
siehe, jetzt ist er da, der Tag der Rettung.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Gottes heilvolles Handeln in Jesus Christus wird durch den Apostel Paulus in diesem Abschnitt mit dem Begriff der "Versöhnung" beschrieben. Im Griechischen hat dieser Begriff die Bedeutung von: anders machen, verändern, vertauschen. Es ist die Situation des Menschen, die sich durch Jesus Christus grundsätzlich verändert hat. Er hat stellvertretende Sühne geleistet, damit der Mensch wieder seiner ursprünglichen Ebenbildlichkeit Gottes gerecht wird. Die Verkündigung dieser von Gott in Jesus Christus durchgeführten Versöhnung ist ein wesentlicher Aspekt des Aposteldienstes, wie Paulus ihn versteht. Er sieht sich als "Gesandter an Christi Statt", das heißt: als bevollmächtigter Vertreter, gewissermaßen als Sonderbotschafter seines Herrn. Wenn die Botschaft von der Versöhnung Gottes mit den Menschen ein wesentlicher Inhalt der apostolischen Verkündigung ist, dann ist diese Verkündigung immer auch Ermahnung, nämlich dazu, das Heil und die Gnade Gottes wirklich anzunehmen.
Der zweite Korintherbrief gilt als ein sehr persönliches Schreiben des Apostels Paulus. Leidenschaftlich bemüht er sich, Missverständnisse auszuräumen. Ein Mitglied der Gemeinde war gegen ihm aufgetreten. Da schreibt Paulus einen scharfen, klärenden Brief und trifft dann auf Titus um zu erfahren, ob damit der Wahrheit zum Durchbruch verholfen wurde. Der Völkerapostel lässt immer wieder anklingen, wie engagiert er seine Missionsarbeit macht. Sie bringt ihm viel Leid, Bedrängnis, Entbehrungen und Demütigungen. In der Liebe zu seinen Gemeinden und im festen Vertrauen als Apostel an Christi statt gesandt zu sein, ruft er die Korinther zur Versöhnung auf. Gott hat in Christus neue Maßstäbe gesetzt: "Wenn also jemand in Christus ist, ist er eine neue Schöpfung: das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat".
Der 2. Brief an die Gemeinde von Korinth stammt vermutlich aus der Feder verschiedener Paulus-Schüler, die den Text unter seiner legitimierenden Autorität verfasst haben. Die vorliegende Perikope erzählt von den Motiven der Glaubensverkündigung und stellt das Amt der Verfasser dar als Dienst der Versöhnung. An diesem Dienst soll die ganze Gemeinde sich beteiligen - bis hin in unsere Tage.
Kv - Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre! – Kv
Wenn ihr heute seine Stimme hört,
verhärtet nicht euer Herz!
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit sprach jesus zu seinen Jüngern:
Hütet euch,
eure Gerechtigkeit vor den Menschen zu tun,
um von ihnen gesehen zu werden;
sonst habt ihr keinen Lohn
von eurem Vater im Himmel zu erwarten.
Wenn du Almosen gibst,
posaune es nicht vor dir her,
wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun,
um von den Leuten gelobt zu werden!
Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Wenn du Almosen gibst,
soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut,
damit dein Almosen im Verborgenen bleibt;
und dein Vater, der auch das Verborgene sieht,
wird es dir vergelten.
Wenn ihr betet,
macht es nicht wie die Heuchler!
Sie stellen sich beim Gebet
gern in die Synagogen und an die Straßenecken,
damit sie von den Leuten gesehen werden.
Amen, ich sage euch:
Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Du aber, wenn du betest, geh in deine Kammer,
schließ die Tür zu;
dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist!
Dein Vater, der auch das Verborgene sieht,
wird es dir vergelten.
Wenn ihr fastet,
macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler!
Sie geben sich ein trübseliges Aussehen,
damit die Leute merken, dass sie fasten.
Amen, ich sage euch:
Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haupt
und wasche dein Gesicht,
damit die Leute nicht merken, dass du fastest,
sondern nur dein Vater, der im Verborgenen ist;
und dein Vater, der das Verborgene sieht,
wird es dir vergelten.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Zu Beginn der Fastenzeit hören wir als Evangelium eine Perikope aus der Bergpredigt. An dieser Stelle des Evangeliums geht es Matthäus um den Charakter der Gerechten: Er warnt sie, ihre Gerechtigkeit nicht zur Schau zu stellen und verdeutlicht das anhand dreier Beispiele: Almosen, Beten und Fasten. Der Text liest sich wie eine katechetische Unterweisung. Diese Art sowie die gleichsam einer Karikatur dargestellten fehlbaren Heuchler führen am ehesten zum dem Gedanken, dass diese Worte tatsächlich eher für den Gemeindegebrauch geschrieben wurden: Sie dienten weniger einer authentischen Darstellung der Reden Jesu, sondern vielmehr der Verkündigung seiner Botschaft mitten hinein in die Gemeinde - das galt für die Gemeinde des Matthäus damals und gilt für unsere heute.
Der liebende Blick Gottes auf uns ermöglicht uns, dass wir uns mit uns selbst versöhnen, dass wir uns mit unseren Schwächen und Fehlern annehmen.
„Der liebe Gott sieht alles!“ „Es gibt ein Aug, das alles sieht, und wenn's in dunkler Nacht geschieht!“ Diese Gedanken können Angst machen, einengen, zu einem schlechten Gewissen führen. Doch sie können auch sehr tröstlich ausgesprochen sein. „Herr, dir ist nichts verborgen, du schaust mein Wesen ganz!“ So singen wir es in einem Lied. Gott kennt meine Stärken und meine Schwächen. Denn Gott hat mich geschaffen, so wie ich bin, mit meinen Talenten und auch meinen Eigenschaften. Ich darf dafür dankbar sein, ja mich darüber freuen. „Dir will ich Dank bezeugen, der herrlich mich gemacht.“ Gott kennt meine Lebensgeschichte, meine Verwundungen und Prägungen. Gott kennt meine Zukunft.
Gott schaut uns mit Liebe an. Paulus schreibt in der Lesung: „Wir bitten euch an Christi statt. Lasst euch mit Gott versöhnen!“ Wir dürfen uns selbst mit Liebe anschauen. Wir dürfen auch unser ganzes Leben mit Liebe und Dankbarkeit anschauen. Wer sich mit Gott versöhnt, wer Gott dankt für sein Leben, der wird sich auch mit sich selbst und mit anderen versöhnen.
Wir freuen uns, wenn wir gute Eigenschaften an uns feststellen. Wir freuen uns, wenn Menschen uns loben. Dann ist es einfach, sich zu bejahen. Wir freuen uns, wenn wir erfolgreich sind. Dann werden wir bewundert. Doch was ist, wenn wir feststellen, dass auch bei uns nicht alles „Gold ist, was glänzt.“
Klar, jeder hat seine 1000 kleinen Fehler. Doch wenn wir tatsächlich feststellen müssen, dass es etwas Schwerwiegendes ist, wenn wir spüren, dass wir immer an unsere Grenzen kommen, wenn wir doch nicht so geduldig sind, wie wir es gerne sein möchten, wenn wir immer wieder anecken, und es nicht spüren, dann ist es schwer, sich anzunehmen. Dann wollen es nicht wahrhaben, verdrängen wir es oft. Das kann sogar so weit gehen, dass ich mich selber nicht mehr mag. Doch dann sagt uns das Wort von Paulus aus der Lesung, dass wir uns gerade dann annehmen können. Nur dann, wenn wir zu uns selbst stehen, wenn wir – so wie Gott es tut – uns mit unseren Schwächen lieben, sie barmherzig anschauen, werden wir mit Gott versöhnt.
Diese Worte des Paulus machen uns Mut, unser Leben, unser Denken, unser Reden und Tun anzuschauen. Wenn wir dieses mit einem versöhnten Blick tun, fällt es uns leichter, umzukehren, neu zu werden. Es fällt uns leichter, abzulegen, was unser Leben behindert, krank macht. Das dauert eine Zeit lang. Aber wir können täglich kleine Schritte tun.
Wenn wir uns selbst mit Gott und damit auch mit uns versöhnen, dann brauchen wir uns auch nicht größer oder besser machen als wir sind, weder vor Gott, noch vor anderen, noch vor uns.
Uns vor andere besser machen als wir sind, das können wir mit Almosengeben, mit Fasten und mit Beten. Geht es mir beim Geben von Almosen, beim Spenden, um mich selbst, dass ich damit angeben kann, mich loben lassen kann, dann ist meine Spende nichts wert. Beim Spenden muss es mir um die gehen, die arm sind, denen das Nötigste fehlt. Gott wird meine Gesinnung sehen, wenn ich es verborgen tue, ohne groß davon zu reden.
Dasselbe kann ich über das Fasten und auch über mein Beten sagen. Warum sollen die Menschen nicht spüren, dass ich faste? Warum sollen die Menschen nicht sehen, wenn ich bete? Weil alles zur Fassade werden kann. Ich glaube, dass ich Gott eine Leistung bringen muss. Je mehr ich mit Gott versöhnt werde, umso weniger habe ich es nötig, mich vor Gott groß zu machen.
Kehre um – und glaube an das Evangelium! Mit diesen Worten werden Sie nun das Aschekreuz empfangen. Glauben wir an die frohe Botschaft, dass Gott mit uns versöhnt ist.
„Herr, dir ist nichts verborgen, du schaust mein Wesen ganz!“ „Dir will ich Dank bezeugen, der herrlich mich gemacht.“ Gott schaut auf uns – in Liebe.
Am 17. Februar 2025 wurde in der hl. Messe die Lesung aus dem Buch Genesis vorgetragen. Kain hatte seinen Bruder Abel erschlagen. Gott schickte ihn fort und setzte ihm ein Zeichen auf die Stirn. Es sollte alle Menschen davor hüten, Kain zu erschlagen. Auf der einen Seite war es ein Zeichen, das Kain retten sollte, auf der anderen Seite war es ein Zeichen der Erinnerung: Es gibt einen wunden Punkt in meinem Leben.
Bis vor einigen Jahren konnten wir am Aschermittwoch gegenseitig erkennen, ob wir das Aschekreuz empfangen hatten. Da wurde kräftig Weihwasser auf die Asche gegeben. Die feuchte Asche hinterließ eine deutliche Spur auf der Stirn. Heute ist es meist anders, nachdem die feuchte Asche bei einigen zu Ätzungen auf der Haut geführt hat. Es wird meist kein Kreuz mehr auf die Stirn gezeichnet, sondern etwas trockene Asche auf das Haar gestreut. Geblieben ist das Wort dazu: „Kehr um und glaube der frohen Botschaft.“
Das ist es wie bei Kain: Wenn ich die Asche empfange, macht es mir bewusst, dass es dunkle Punkte in meinem Leben gibt. Sie müssen nicht Mord sein wie bei Kain. Sie können juristisch betrachtet klein sein, aber subjektiv empfunden auch ganz groß. Wer dies weiß, ist aufgerufen zur Umkehr. Zugleich gilt die Aufforderung: „Glaube der frohen Botschaft“. Glaube daran, dass ich, dein Gott, dich retten kann und will.
Das Aschekreuz ist nicht das erste Kreuz auf der Stirn, das wir empfangen. Vor der Taufe wird es den Kindern am Beginn der Feier von Taufspender, Eltern und Paten auf die Stirn gezeichnet. Es ist das Zeichen der Aufnahme in die Gemeinde. Es ist das Zeichen Christi, des Erlösers. Das wird uns zugesagt.
Der Karneval war eine Zeit, in der wir andere Rollen ausprobieren konnten, in der wir geschützt durch eine Maske Dinge ansprechen konnten, über die wir nicht ohne weiteres frei reden können. Die Fastenzeit ist die Chance, unsere Masken abzulegen; vor einander und vor Gott.
Wer in den vergangenen Tagen Karneval gefeiert hat, wird vielleicht die Verkleidung schon in den Kleiderschrank zurückgetan haben. Sie sind vorbei – die Tage, an denen wir fröhlich und lustig waren, wo wir einfach gesungen und gelacht haben. Sie sind vorbei die Tage, an denen die Politiker und Politikerinnen und vieles, was auf der Welt geschieht auf den Arm genommen werden. Sie sind vorbei die Tage, an denen sich viele verkleidet haben, um einmal in eine andere Rolle zu schlüpfen. Sie sind vorbei die Tage, an denen viele Menschen Masken getragen haben.
Damit bin ich schon beim Stichwort. Das Stichwort heißt „Masken!“ Die Masken werden in der Fastenzeit abgenommen. Ein guter Freund sagte mir einmal, dass es viele Menschen gibt, die „eine Maske“ tragen. Sie verbergen damit, wie es ihnen wirklich geht. Sie spielen eine Rolle, auch dann, wenn es ihnen nicht so danach ist. Aber die Gesellschaft, die Mitmenschen erwarten es. So muss der Priester immer freundlich sein. Wie geht es wohl einem Politiker, einer Politikerin, die ständig Angriffen und Kritik ausgesetzt ist? Ob sie das immer so ertragen, wie es den Anschein hat. Vor vielen Jahren hat Katja Ebstein einmal ein Lied gesungen mit dem Titel „Theater“. Wir hören da die Zeilen: "Und der Clown, der muss lachen / auch, wenn ihm zum Weinen ist / und das Publikum sieht nicht, dass eine Träne fließt. / Und der Held, der muss stark sein / Und kämpfen für das Recht / doch oft ist ihm vor Lampenfieber schlecht."
Wie oft sehnen sich Menschen und oft auch wir, vor anderen so sein zu dürfen, wie wir wirklich sind. Es gibt auch die andere Seite. Wir haben vielleicht auch ein wenig Angst vor der eigenen Wirklichkeit. Bin ich wirklich so stark, so fröhlich, so freundlich wie ich es immer tue oder habe ich nicht auch andere Seiten in mir?
Doch eben darum geht es in der Fastenzeit. Diese österliche Bußzeit ist eine Einladung. Sie lädt uns ein, dass wir immer mehr hinter unsere Maske schauen. Sie lädt uns ein, dass wir uns immer tiefer kennen lernen und damit auch lieben lernen. Wenn wir an uns selbst Fehler und Schwächen erkennen, dann kann uns das zuerst traurig machen. Doch es kann uns auch demütig machen, zu erkennen, dass wir Menschen mit Fehlern und Schwächen sind. Doch gilt es, gerade zu diesen Fehlern und Schwächen zu stehen, uns gerade darin anzunehmen und zu lieben. Man wandelt nur das, was man annimmt. Wenn ich eine Schwäche nur bekämpfe, wenn ich mich darin ablehne, dann kann ich verkrampfen. Ich darf auch ja sagen dazu. Dann habe ich einen ersten Schritt getan, diese Schwäche zu überwinden. „So spricht der Herr: Kehrt um zu mir von ganzem Herzen, mit Fasten, Weinen und Klagen. Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider, und kehrt um zum Herrn, eurem Gott.“ Ein Kleid zu zerreißen, tut nicht weh, wohl aber kann es schmerzlich sein, die eigenen Fehler und Schwächen zu erkennen.
Sie bekommen gleich das Aschekreuz ausgeteilt. Ein Satz, der dabei gesprochen wir ist: „Staub ist du und zum Staube kehrst du zurück.“ Wir werden dadurch an unsere Vergänglichkeit erinnert. Was immer wir im Leben erreichen, uns selbst aufbauen, worauf wir so stolz sind, es kann von heute auf morgen wertlos werden. Wir sind Geschöpfe. Wir stehen immer noch unter Gott. Wir brauchen seine Gebote immer noch als Orientierung für unser Leben. Wir brauchen Gottes Gebote, damit wir nicht ins Unglück rennen. Wir sind als Menschen nicht das Maß aller Dinge.
Ein anderer Satz lautet: „Kehre um und glaube an das Evangelium.“ Kehre um und glaube an die frohe Botschaft, dass du geliebt bist von Gott, unabhängig von deiner Leistung. Kehre um und glaube, dass seine Liebe, seine Botschaft dein Leben erfüllen kann. Kehre um und glaube, dass du geliebt wirst, auch und gerade, wenn du schwach bist, ja dass gerade die Schwachen diejenigen sind, die bei Gott am höchsten stehen. Kehre um und glaube, dass du vor Gott keine Maske tragen brauchst, sondern dass du so unendlich geliebt bist.
Vor Gott kann ich keine Maske tragen. Das macht Jesus im Evangelium unmissverständlich klar. Ob ich ein Almosen gebe, ob ich bete oder ob ich faste – alles kann auch zur Schau werden. Ich kann versuchen mich mit all diesem religiösen Tun vor Gott und den Menschen gut darstellen. Doch Gott sieht mein Herz. Tue ich etwas aus Liebe? Gebe ich ein Almosen um mich den Armen überlegen zu fühlen oder tue ich es aus Liebe, um das, was mir unverdient geschenkt wurde, mit jemand zu teilen? Bete ich, um Gottes Willen immer mehr zu erkennen und in die Liebe zu ihm immer weiter hineinzuwachsen oder möchte ich auf andere Menschen Eindruck machen? Jesus prangert immer wieder religiöse Heuchelei an, wenn Menschen gerade das Gebet missbrauchen, um eine Maske aufzusetzen. Faste ich, um andere und auch mich selbst zu beeindrucken oder will ich wirklich neu werden, frei werden für Gott, für die Mitmenschen?
Wer sich wirklich auf diese Zeit einlässt, braucht Mut. Haben wir doch alle den Mut, uns unsere Masken abnehmen zu lassen, immer mehr den Mut, zu erkennen, wer wir wirklich sind. So wie wir wirklich sind, so dürfen wir uns lieben. Wir brauchen nicht den oder die zu lieben, die wir sein möchten, sondern die wir wirklich sind. Hängen wir das wie ein Karnevalskostüm in den Kleiderschrank.
Beten, fasten und Almosen geben gehören zum Repertoire der meisten Religionen. Es kommt darauf an, wie man es tut. Jesus stößt sich an Praktiken, wie er sie zu seiner Zeit beobachtet hat und mahnt uns, es besser zu machen.
Das Evangelium hallt nach. Ich höre das Echo: Hütet euch, eure Frömmigkeit zur Schau zu stellen. Passt auf! Passt auf euch auf! Passt auf eure Frömmigkeit auf! Egal, ob Almosen, Gebete oder Fastenübungen. Egal, ob Auftritte in der Kirche, Superperformance im Gottesdienst, Selbstdarstellung in einem Leitungsgremium. „Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zu tun, um von ihnen gesehen zu werden.“
Vielleicht ist es menschlich, allzu menschlich. Wir Menschen möchten gesehen werden, wir möchten uns die Schau nicht stehlen lassen, wir möchten uns ins rechte Licht rücken. Wenn es schon kein anderer Mensch für uns tut. Ich kenne das auch. Aber es gibt wohl auch keinen Menschen, der nicht gelegentlich davon angewidert ist. Dann allerdings, Entschuldigung, eher von anderen.
In der Welt Jesu kam das alles vor, fein gestylt und inszeniert: Almosen werden in einer großen Geste gegeben - beim Gebet bleibt ein Auge halboffen, um zu schauen, ob jemand zuschaut - und Fastenübungen glänzen in einer Inszenierung. Hauptsache: gesehen werden. Natürlich war auch die Kleidung passend – wie der Gesichtsausdruck. Es werden Rollen gespielt. Doch Gott sieht in ein Herz. Er sieht die Selbstgerechtigkeit wie die Verlogenheit, die Show wie die Sehnsucht – die Sehnsucht, geliebt und angenommen zu sein.
Was Gott sieht, kann ich ihm nicht zuschneiden. Schon gar nicht, was er sehen soll. Doch in seinem Blick bin ich aufgehobener und geborgener als in meinen Träumen; auch in dem Traum, Gott auf meine Seite zu ziehen.
Die Almosen sollen doch Menschen helfen – nicht mir.
Im Gebet schütte ich mein Herz aus – für ihn.
Und das Fasten hilft mir, etwas zu entdecken - mich.
Die Dinge sind getrennt voneinander in einem großen Glück verbunden: „…dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“ Im Evangelium wird es gleich dreimal gesagt. Ein Refrain für das Leben.
Wer sich zur Schau stellt, findet sich nicht. Wer eine Rolle spielt, muss sich verstecken. Wer Gott etwas vormacht, steht mit leeren Händen vor ihm. Eher verliert ein Mensch auch noch das Letzte, was ihm geblieben ist: die Selbstachtung.
Heute legen wir die Kollekte in ein Körbchen. Vielleicht sogar verschämt. Wer etwas mehr machen möchte, spendet. Für die Erdbebenopfer – zum Beispiel. Oder wir geben Menschen etwas von dem ab, was wir haben. So mancher Karton wird von Menschen gepackt und auf eine weite Reise geschickt. Dass Menschen sich anrühren lassen und helfen, ist ein Glücksfall. In den großen Zahlen gehen die kleinen unter – und machen doch die kleinen groß.
Heute tun wir uns schwer, überhaupt zu beten. In der Öffentlichkeit schon gar nicht. Im Restaurant ist ein Tischgebet fremd. Am Grab ist das Gebet versteckt. Am Abend still. Dann geht mir der Tag durch den Kopf. Gott weiß, dass es ein Gebet ist.
Wenn überhaupt, ziehen wir uns oft auf Riten zurück. Die Gebete sind vorformuliert und werden abgelesen. Sie werden den Fachleuten überlassen – und die sind kenntlich: am Gewand und an der Stola. Zudem sprechen sie gekonnt. Stammeln ist nicht vorgesehen…
Fasten freilich ist „in“. Fasten ist eine Modeerscheinung geworden. Und wohl auch eine Wohlstandserscheinung. Für viele Menschen wird, wenigstens für eine kurze Zeit, „weniger“ „mehr“. Das Essen kontrollieren. Auf Alkohol verzichten. Gar das Auto soll fasten. Autofasten. Es gibt Ratgeber, Kalender – und Artikel zum Kaufen. Fasten hat sich längst einen Markt erobert. Mit Anbietern und Kunden. Nur: Gott kommt nicht vor. Und der andere Mensch auch nicht. Ich faste.
Im Evangelium werden Selbstdarstellung und Selbstgenügsamkeit von Jesus in eine andere Bahn gelenkt. Es ist alles gut – Almosen, Gebete, Fasten – und was es so noch gibt. Es ist gut, wenn Menschen sich einbringen und einmischen. Gut ist, wenn Menschen Freude daran haben, anderen Menschen eine Freude zu machen. Wenn sie das Beste, ihr Bestes geben! Manchmal ermuntere ich Menschen, doch den Mut zu haben, sich vorne hinzustellen. Sich zu zeigen. Sich sichtbar zu machen.
Es gibt so viele graue Mäuse, die noch nicht wissen, dass sie fliegen können. Viele Menschen haben Angst davor. Sie trauen ihrem Auftritt nicht, nicht ihrer Sprache, nicht ihrem Gesicht. Wenn es in der Kirche nicht gelingt – wo soll es dann seinen Platz finden?
Auf einmal verändert sich das Thema: Jesus hat Menschen in den Blick genommen, die wie Frömmigskeitsmaschinen abgespult haben, was ihren Selbstwert steigerte, aber den Menschen, die ihn und andere Menschen suchten, hat er Mut gemacht, ihren Glauben zu leben.
Heute wünschen wir uns, dass Menschen in der Öffentlichkeit als Christen erkennbar sein möchten. Vielleicht auch nur mit kleinen Zeichen, mit kleinen Gesten. Aber erkennbar – und offen.
Kirchliche Hilfswerke haben die Almosen professionalisiert, aber auch Anonymität gegeben. Die Posaunen blasen nicht mehr. Sie werden auch nicht vermisst. –
Gebete in der Öffentlichkeit können Menschen aufrichten und ihnen auch eine Sprache geben, die sie verlernt oder verloren haben. Wer einmal die Erfahrung gemacht hat, wie sich eine große Stille ausbreitet, wird nie vergessen, dass ein Gebet vermag, was keine Rede schafft: das Aufleuchten einer Nähe, mit der Menschen nicht mehr rechneten. –
Fasten kann entschlacken, Dinge, die im Alltag untergehen, noch einmal wichtigmachen, Fasten aber kann auch den Blick schenken für Gott, der unauffällig, doch mit einer großen Liebe, in meinem Leben gegenwärtig ist. Erinnerungen sprechen mit Hoffnungen, der Glaube mit dem Zweifel.
Am Aschermittwoch beginnt die Vierzigtagezeit (so heißt es bei unseren niederländischen Nachbarn), auch Fasten- oder Passionszeit genannt. Heute werden wir mit einem Evangelium beschenkt, das nicht nur Fehlformen der Frömmigkeit aufdeckt, sondern uns zur Umkehr einlädt: „Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“ Was? Deinen Mut, mit einem Lächeln zu glauben. Mit allem, was du tust, was dein Gebet ausmacht, was dich öffnet und frei macht für ihn – der dich von Anfang an geliebt hat, bevor du überhaupt wusstest, was die Dinge dieser Welt mit Menschen machen.
Ein Zeichen wird uns heute gegeben, nein, auf die Stirn gezeichnet, auf das Haar gestreut: das Aschekreuz. Die Asche riecht zwar nach Vergänglichkeit, hat aber in der Kreuzform bereits Ostern in sich. Kehrt um – und glaubt an das Evangelium!
Das Evangelium hallt nach. Ich höre das Echo: Seid behütet in eurer Frömmigkeit!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Das Aschenkreuz, das sich Christen am Aschermittwoch als Zeichen der Buße und Umkehr auf die Stirn zeichnen lassen, nimmt Bezug zu einem für viele Anwendungen bewährten alten Hausmittel. Asche diente auch zur Reinigung von Silbergeräten. Bis Ostern sollen wir "strahlen wie ein frisch polierter Silberlöffel".
Vor der Erfindung moderner Reinigungsprodukte verwendeten die Menschen ein altbewährtes Hausmittel: Holzasche eignet sich als Scheuermittel für angebrannte Kochtöpfe, und fein gesiebte Asche verwenden manche zur Silberpolitur. Einfach einreiben, polieren und danach gründlich abspülen – da glänzt der Silberlöffel wieder wie neu! Ja, Asche ist sogar ein Unkrautvernichter und hilft bei der Bekämpfung von Schädlingen wie Blattläusen. Die befallene Pflanze wird leicht mit Asche bestäubt, und die Läuse geben Fersengeld.
Die Bibel berichtet von Menschen, die sich Asche aufs Haupt streuen und ihre Kleider zerreißen (etwa in 2 Sam 13,19; Es 4,1; Dan 9,3), um zu zeigen, dass sie traurig sind, enttäuscht oder dass ihnen eine Laus über die Leber gelaufen ist. Nun wird uns gesagt: „Zerreißt eure Herzen und nicht euere Kleider und bekehrt euch zu eurem Gott“ (Joel 2,13).
Am Aschermittwoch werden wir mit dem Aschenkreuz bezeichnet. Es erinnert an unsere Vergänglichkeit und weist zugleich auf jenen hin, der den Tod überwunden hat: auf Jesus Christus! Das Aschenkreuz markiert den Beginn einer Zeit nicht nur des kargen Mahles, sondern auch der inneren Umkehr. Wenn „Um‑Kehr“ von Dauer sein soll, braucht es „Zu-Kehr“ zu Neuem. So mag ich in der Fastenzeit nicht nur bewusst auf Verschiedenes verzichten, sondern zugleich auf Gott hingewandt mein Leben ganz bewusst anschauen.
Wir dürfen uns von Äußerlichkeiten und Zwängen freimachen und manche Dinge loslassen, um Gott wieder ein Stückchen näher zu kommen. Erinnern wir uns an die 40-jährige Wüstenwanderung des Volkes Israel, die in jenen 40 Tagen widerhallt, die Jesus in die Wüste ging. Vierzig ist eine Zahl der Vorbereitung und der Prüfung. Auch in unserem Leben haben wir so manche Wüste zu durchqueren. In einer 40-tägigen Bußzeit mögen wir unsere Kräfte neu bündeln, um zu Ostern mit neuem Elan durchzustarten.
In der Fastenaktion sammeln wir für Bedürftige. Zugleich mahnt uns das heutige Evangelium: „Wenn du Almosen gibst, posaune es nicht vor dir her, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden!“ (Mt 6,2). Aber lesen wir nicht an anderer Stelle, wir sollen unser „Licht nicht unter den Scheffel stellen“ (Mt 5,15; Mk 4,21; Lk 8,16) und heißt es nicht auch: „Tue Gutes und rede darüber“, damit es andere anspornt, auch „mehr“ zu tun?
Die Volxbibel, eine Bibelübersetzung in der Sprache von Jugendlichen, bringt es auf den Punkt: „Wenn du irgendeinem Obdachlosen auf der Straße ein paar Cent schenkst, dann poste das nicht gleich auf der Insta-Seite deiner Gemeinde, wie das die Pseudos und Superfrommen machen. Sie texten die Leute zu und erzählen jedem ihre Heldengeschichten, ob man es nun hören will oder nicht. Sie wollen als die dicken Macker dastehen. Ich sag nur: Damit haben sie ihre Belohnung schon kassiert“ (Mt 6,2). Ja, wir brauchen nicht alles an die große Glocke zu hängen, denn unser Vater im Himmel sieht auch das Verborgene – wiederum mit den Worten der Volxbibel: „Gott weiß, was in dir abgeht“ (Mt 6,6) – und er wird dir vergelten, was du tust (Mt 6,18).
Asche hat man früher zum Streuen bei Glatteis eingesetzt. Das macht man heute kaum mehr. Und wegen der Klimaerwärmung wird das Glatteis weniger. Was nicht weniger wird, ist der Bedarf an innerer Einkehr, gerade wenn man sich auf „rutschiges Parkett“ begeben hat. Es braucht Bereitschaft, um das eigene Leben in Christus neu zu denken, ganz so wie es heißt: „Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15). Danach können wir wieder strahlen wie ein frisch polierter Silberlöffel!
Die Fastenzeit unterbricht unseren gewohnten Trott und fordert uns heraus, unsere Lebensweise zu überdenken. Dabei sind wir nicht allein. Gemeinsam können wir Wege aus den Krisen suchen. Wir sind nicht allein, wenn wir mit Gott diesen Weg gehen.
Fasten liegt seit einigen Jahren ziemlich im Trend. Die einen fasten zum Abnehmen, die anderen zum Entschlacken, manche fasten abends, während andere mehrmals die Woche ganze Fastentage einlegen. Neben diesen Trends wirkt die nun beginnende Fastenzeit beinahe etwas altmodisch: Eine gute Gelegenheit, über Inhalt und Zielrichtung dieser Zeit nachzudenken und ihre Bedeutung für die Gegenwart zu erschließen.
Der Text der ersten Lesung aus dem Buch Joel gibt uns einen Hinweis mit dem eindringlichen Appell: „Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider“. Eines der Hauptziele der Fastenzeit ist also eine innere Reifung und Wandlung anstatt der Konzentration auf die äußere Sichtbarkeit unserer Handlungen. Beim Fasten handelt es sich in diesem Sinn also um eine Herzensangelegenheit mit dem Ziel, mich selbst und mein Leben besser kennenzulernen.
Nicht nur in diesem Punkt erinnert mich das Fasten an das Pilgern. Beides stellt eine „Zwischenzeit“ im Alltag dar und führt zu einer Unterbrechung des gewohnten Trotts. Ich muss alles, was nicht notwendig für mich ist bzw. nicht Platz im Rucksack hat, zurücklassen und bekomme so einen Blick für wirklich Wichtiges. Diese neue Sicht auf die Dinge kann mir dabei helfen, Gutes wertzuschätzen und Schlechtes abzuwerfen oder auszubessern. Wenn mir das gelingt, kann ich im doppelten Sinn frei werden: Frei werden von Belastendem, Zwängen und Verletzungen und frei werden für neue Wege, neue Perspektiven und meine Mitmenschen.
Der letzte Punkt - frei werden für meine Mitmenschen - kann uns zu einer weiteren Erkenntnis führen: Weil wir eingebettet in ein soziales Umfeld leben und keine Einzelkämpfer:innen sind, macht es keinen Sinn, in der Fastenzeit nur allein nach neuen Wegen und Perspektiven zu suchen. Zusätzlich dazu sind wir auch als Gesellschaft herausgefordert, an Lösungen für Probleme und Gerechtigkeit für benachteiligte Menschen zu arbeiten.
Der Blick auf die vergangenen Jahre zeigt uns, dass das Finden neuer Wege als Gemeinschaft immer größere Bedeutung gewinnt. Die multiplen Krisen offenbaren uns, vor welchen Grenzen unser derzeitiger Lebensstil steht: Krieg in Europa, Naturkatastrophen, Pandemie, weltweite Konfliktherde, Hunger, Teuerung, zunehmende Auswirkungen der Klimakatastrophe, die Aufzählung könnte noch lange fortgeführt werden. Diese Vielzahl an Herausforderungen, die unseren eigenen Wirkungsbereich übersteigen, lässt uns oft ohnmächtig zurück. Wie soll und kann ich selbst zur Verbesserung all dieser Aufgaben beitragen?
Dabei kann die kurze Textstelle der zweiten Lesung aus dem 2. Korintherbrief weiterhelfen: Wir können darauf vertrauen, dass Rettung und Zuwendung als Geschenk Gottes schon da sind. Es liegt an mir, dieses Geschenk aktiv anzunehmen. Die Zusage Gottes öffnet eine positive Perspektive, kann Mut sowie Sicherheit geben und stattet uns zugleich mit einem konkreten Auftrag aus, nämlich zu seinen Mitarbeiter:innen zu werden. Unsere Aufgabe ist es daher, durch eine am Wohl der Mitmenschen orientierte Lebensführung die Zuwendung Gottes in die Welt zu bringen.
Konkret kann das auch mit Blick auf die Enzyklika „Laudato Si‘“ von Papst Franziskus bedeuten, sich mit den globalen Herausforderungen - Klimawandel, destruktive Finanzsysteme, Hunger, Kriege - zu beschäftigen und Wege daraus zu finden. Hier bietet die Fastenzeit eine gute Gelegenheit, die Folgen des eigenen Lebensstils zu überdenken und sich gegebenenfalls neu zu orientieren: Welche Auswirkungen hat meine Lebensweise beispielsweise auf Menschen im globalen Süden und auf die Umwelt? Wie kann ich mich für eine gerechte und nachhaltige Umverteilung von Reichtum und Macht einsetzen? Wo werde ich angesichts von zunehmender „Normalisierung des Krieges“ und Aufrüstung mit einer Botschaft der Versöhnung gehört?
Wenn wir uns angesichts dieser großen Fragen und Herausforderungen überfordert fühlen, können wir uns die Botschaft aus dem 2. Korintherbrief ins Gedächtnis rufen. Wir sind nicht allein gelassen, Gott hat uns seine Zuwendung geschenkt. Darauf können wir vertrauen und uns als Mitarbeiter:innen Gottes aktiv in seinen Dienst stellen für eine gerechte und friedliche Welt. Fastenzeit kann in diesem Sinn bedeuten, sich mit Gottes Hilfe mutig auf den Weg zu machen, neu zu orientieren und so auf das gemeinsame Ziel zuzugehen: Ostern und die damit verbundene Hoffnung auf ein Leben in Fülle für alle!
© Daniel Holzapfel, Referent Pax Christi Österreich.
Die 40 Tage der Fastenzeit erinnern an die Erfahrungen der Quarantäne während der Pandemie. Sie sind eine Einladung, unsere Lebensweise zu überdenken und neu zu ordnen.
„Heute gehen wir gar nicht raus´´ - wir bleiben im Pyjama z' Haus“ (Heute gehen wir nicht aus dem Haus, wir bleiben im Pyjama zu Hause). Diesen Spruch habe ich irgendwo zur Zeit der Pandemie, des Home-offices und der strengen Quarantäne gelesen.
Fastenzeit und Quarantäne haben Manches gemeinsam. Das Wort Quarantäne lässt sich vom Lateinischen quadraginta herführen und wir erlebten Zeiten der Quarantäne. Auch die Heilige Schrift kann mit Beispielen dazu aufwarten. Im Buch Numeri kann man nachlesen, dass Mirjam, die Schwester des Mose, vom Aussatz befallen war und deshalb außerhalb des Lagers leben musste. Erst auf Bitte ihres Bruders „Herr, heile sie!“, erfolgte diese Heilung in der Quarantäne. Vor Beginn des öffentlichen Auftreten Jesu ging er in die Wüste, betete und fastete. - Jesus in Quarantäne, auch abgesondert. 2000 Jahre später bringt es dieses kleine unscheinbare Virus zustande, Menschen in Quarantäne zu schicken. Eine Zeit der mannigfachen Krise, gleichzeitig Chance, unser Leben zu überprüfen und umzukehren.
Da stellt uns der Prophet Joel - ein kleines Büchlein, bestehend aus vier Kapiteln - in Bildern vor Augen, was Umkehr heißt: „Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider!“ (Joel 2,13). Umkehr muss vom Inneren her kommen, Kleider zu zerreißen, ist als Heuchelei anzusehen, da geschieht nicht Umkehr. Kleider sind nur das äußere Merkmal von Menschen. Aus diesem Wort ergibt sich schon ein Bezug zum Evangelium wie Fasten, Beten, Almosen geben aussehen soll. Aber warum finden wir im Buch Joel so mahnende Worte? Da geht es um Juda und Jerusalem, um Gericht, weil die Menschen von JHWH abgefallen sind und ihren eigenen Göttern gehuldigt haben.
Das ist bei uns ähnlich. Wir brauchen keinen Gott, geht ganz gut ohne, denken nicht wenige. Vielleicht geben wir nur sehr schwach oder gar nicht Auskunft, was der Grund unserer Hoffnung in dieser schwierigen, raschlebigen Zeit ist. Nachdenken, Umkehr ist notwendig. Umkehr kann aus Freude geschehen, den richtigen (Lebens)Weg gefunden zu haben, Umkehr heißt: auch anders leben, damit andere überleben. „Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade, die Zeit der Rettung“ (2 Kor 6,2) und „ändert euer Denken und prüft, damit ihr erkennen könnt, was der Wille Gottes ist.“ (Röm 12,2). „Erkennen“ und „Lieben“ haben im Hebräischen ein und dieselbe Bedeutung.
Damit sind wir schon beim Evangelium, wieder ein Stück aus der Bergpredigt. Beten, Fasten, Almosen geben als Grundpfeiler in den großen Religionen. „Tu Gutes und rede darüber!“, das darf schon sein, ist vielleicht da und dort notwendig, viel wichtiger ist aber, was in wenigen Worten gesagt wird: „Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“ (Mt 6,18). Wenn man hinausposaunt, welch gutes Vorbild man ist und die Aufmerksamkeit möglichst vieler Menschen auf sich lenkt, kann das die Umgebung furchtbar nerven, aber der eine kurze Satz gibt ausreichend Antwort: „Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.“ (Mt 6,16).
Diesen Texten wird durch die Symbolik des Aschermittwochs Nachdruck verliehen. Bedenken wir, was in unserem Leben alles zu Asche wird, schöne Urlaubsreisen, Feste, nicht eingehaltene Versprechen, Gott sei Dank auch manche Untat etc. Alles ist der Vergänglichkeit unterworfen. Das ist Zumutung und Herausforderung. Asche und Kreuz werden uns auf die Stirne gezeichnet und dazu wird uns gesagt: „Vom Staub bist du genommen, zum Leben berufen.“ Wir haben zu Recht Angst vor Krankheit, Gebrechlichkeit, Leid, vor der Vergänglichkeit. Das wird uns heute bewusst gemacht. Auch das Kreuz wäre ein Skandal ohne Zuspruch und Glaube an die Auferstehung, an das unvergängliche Leben nach dem Tod. Wir sind Staub, Erde, Lehm (siehe Schöpfungsbericht Genesis 2). Wenn wir uns aber von Gottes Hand formen lassen, werden wir zu etwas Wunderbarem - wir werden Gott ähnlich. Dann bekommt auch die Frage „Wozu leben wir?“ Sinn. Zentrales Anliegen hier auf Erden ist schon die Liebe über den Tod hinaus. Geld, Karriere sind Hilfsmittel, die vergehen und werden auch zu Staub. Die Liebe bleibt bestehen.
Ich sehe hier Firmlinge, die in absehbarer Zeit dieses Sakrament empfangen. Sakrament ist Medikament für ein geglücktes Leben. Ihr seid in einem Alter, wo Ihr immer selbstständiger werdet, wo allmählich die Ablösung vom Elternhaus erfolgt, wo ihr immer mehr eintretet in die Welt der Erwachsenen, in neue Beziehungen, wo ihr schon drinnen seid in Schule und Berufsausbildung, wo sich Erfolg und Niederlage abwechseln, wo Ihr mit Hilfe des Heiligen Geistes und Euren Begabungen kritisch zu denken lernt, Entscheidungen treffen müsst. Firmung, aus dem Lateinischen »confirmare« heißt: Ich bestätige, jetzt als junger Mensch, was Eltern und Paten im Baby- oder Kindesalter in meinem Namen für mich versprochen haben. Ich will in Gottes Spur bleiben, auch wenn es viel Versagen in Kirche und Gesellschaft gibt.
Umkehr heißt eigenes Leben in den Blick nehmen, „Licht der Welt sein“, das sich in guten Werken in vielen Dunkelheiten der Welt gut sichtbar zeigt. Ich wünsche Euch Firmlingen, aber auch der ganzen Gemeinde, dass das und engagierte Mitarbeit auch im Glaubensleben gelingen.
Die Bezeichnung Fastenzeit lenkt uns unter Umständen in die falsche Richtung. Mit ein bisschen Einschränkung, Konsumverzicht oder Fasten ist es nicht getan. Fasten im christlichen Sinn will von Dauer sein und erfordert unser Umdenken.
Während man vor wenigen Jahren noch belächelt wurde, wenn man es ablehnte am Freitag Fleisch zu essen, ernähren sich heute nicht wenige Menschen vegetarisch oder vegan. Auch Fasten ist inzwischen schick geworden, nicht nur in der Fastenzeit.
Es gibt viele gute Gründe zu fasten und noch mehr Arten zu fasten. Man kann um des Abnehmens willen fasten oder einen Diätplan befolgen, man kann als Zeichen der Solidarität mit Menschen, die nicht genug zu essen haben, fasten, manche machen alljährlich eine Fastenkur zur Entschlackung. Vegetarier und Veganer empfinden ihren Verzicht auf tierische Nahrungsmittel gar nicht als Fasten. Manchen geht es beim Fasten vor allem ums Verzichten auf bestimmte Genüsse wie Fleisch oder Alkohol. Ihnen kommt es auf das Nicht-Genießen an.
Im Evangelium kritisiert Jesus jene, die beten, fasten oder Almosen geben, um von den Menschen gesehen, bewundert und gelobt zu werden. So erfreulich Charity-Veranstaltungen sind, die Devise "tu Gutes und rede darüber" ist von Standpunkt Jesu her zu hinterfragen. Sind Wohltätigkeiten, die als Werbeausgaben verbucht werden, Herzenssache?
Am Beginn der Fastenzeit fragen wir uns, wie fasten wir richtig? Wie fastet man christlich? Wie begehen und gestalten wir die 40 Tage vor Ostern dem ursprünglichen Sinn entsprechend?
Das Evangelium betont, dass unser Gutes-tun, unser Gut-sein im Herzen stattfinden muss, andernfalls ist es scheinheilig. Die Lesungen führen uns zum eigentlichen Sinn des Fastens hin. Es geht um die Hinwendung zu Gott, um Versöhnung mit Gott. In vielen Bereichen unseres Lebens spielt Gott keine Rolle oder nur mehr eine Nebenrolle.
In der Fastenzeit prüfen wir unsere Lebensgewohnheiten und eingeübten Abläufe, wie weit sie mit dem in Einklang sind, was Gott in unser Leben hineingelegt hat, als er uns und die ganze Welt ins Leben gerufen hat. Wir fragen uns: Was tut uns wirklich gut? Was tut mir, meiner Gesundheit, meinem leiblichen und geistigen Wohlbefinden gut? Was tut meinen Mitmenschen und meinen Beziehungen gut? Was tut unserer Umwelt gut? Dabei geht es um mehr als um Wellness oder es sich gut gehen lassen. Es geht nicht darum, dass wir 40 Tage lang weniger essen, weniger Alkohol trinken, uns weniger gönnen, Konsumverzicht üben, weniger Auto fahren, fernsehen und so weiter. Es geht um die Überprüfung unseres Lebensstils, über den wir meist gar nicht nachdenken.
Umkehr will von Dauer sein und erfordert ein Umdenken: einen gesünderen Lebensstil, echte Kommunikation, echtes Miteinander, Wertschätzung und Respekt, Rücksicht auf die Schwächeren weltweit und in der nächsten Umgebung. Das Aschenkreuz, mit dem wir die Fastenzeit beginnen, ist ein Zeichen, dass wir uns auf diesen Weg der Besinnung einlassen wollen. Das Gehen dieses Weges liegt noch vor uns.
Fastenzeit ist eine Zeit der Erneuerung. Wir besinnen uns auf alte Leitgedanken, die uns zum Guten lenken. Wir lassen los, was in unserem Leben zum unnötigen Ballast geworden ist.
Unsere Wohlstandsgesellschaft hält es wie der Mond: Entweder sie nimmt zu oder sie nimmt ab. Lustvoll zunehmen und schuldbewusst abnehmen.- Balance halten zwischen beiden. Das gelingt sehr gut über „Maß halten“. Gemeint ist nicht, das Maß Bier beim Stammtisch, sondern sich zu mäßigen in verschiedenen Lebensbereichen.
Die Fastenzeit gibt Gelegenheit dazu. Sie soll nicht Leidenszeit sein, sondern Zeit der Vorfreude auf das größte und zentralste Fest der Christenheit, auf das Fest der Erlösung, das uns daran erinnert, von allen Dunkelheiten, Lasten, unnötigem Ballast frei zu werden, also ein Neubeginn als Frühjahrsputz an Leib und Seele, auch was unsere Umgebung betrifft. Reinigung, Altes beseitigen, damit wieder neues Leben entstehen kann.
Die Kirche bietet dazu Lebenshilfen an: das Sakrament der Versöhnung und Buße, Eucharistie, Andachten, 24 Stunden vor dem Herrn hier in der Pfarre Atzgersdorf: Bibel lesen. Sakramente als Medikamente, Lebenshilfe, um das Leben gut auszubalancieren zwischen Zuviel und Zuwenig. Schon Aristoteles (384-322 v. Chr.) bringt es in seiner Philosophie zum Ausdruck, dass die Meisterschaft des richtigen Maßes voraussetzt, über den Dingen zu stehen, sie zu steuern, nicht dass sie uns steuern durch Gier, Machtgehabe, Unmäßigkeit.
Der heutige Aschermittwoch lehrt, dass wir von manchen Dingen loslassen müssen, verzichten, weil die Schöpfung und auch wir auf Vergänglichkeit ausgerichtet sind. Wir stellen es dar durch Asche und Kreuz, das einst zur Auferstehung führt, zum Leben „in Fülle“, wie wir im Johannesevangelium nachlesen können. Das fordert Verzicht, auch wenn Manches widersprüchlich erscheint, wie etwa das Kreuz: Zeichen des Todes, der Vergänglichkeit, aber auch Zeichen für neues Leben. Die Pandemie lehrt uns, auf Verschiedenes zu verzichten.
In der 1. Lesung findet sich ein bemerkenswerter Satz: „Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider“, ein Bild natürlich, das verstanden werden will. Es meint, all unsere Verstockungen, Egoismen, Verhärtungen, Intoleranz, die aus dem Inneren des Menschen kommen, aufgebrochen werden, damit sich auch äußere Verhaltensweisen ändern, ja sogar das Aussehen kann sich dadurch ändern: Beobachten Sie doch, wie ein Griesgram gegen einen zufriedenen Menschen aussieht.
Verzicht als wunderbare Therapie, etwa beim Wörterfasten. Jesus sagte: „Über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, werden sie am Tag des Gerichts Rechenschaft ablegen müssen; denn aufgrund deiner Worte wirst du freigesprochen und aufgrund deiner Worte wirst du verurteilt werden.“ (Mt 12,36). Eine gewaltige Vorgabe. Wie sieht das heute aus? Fake news, Shitstorms, Wortschwall und Wortmüll, kein Unterschied zwischen höflicher Umgangssprache und Political correctness: einen „großen Braunen“ im Restaurant wird man noch ausnahmsweise bestellen dürfen, ohne dass jemand die Moralkeule schwingt, beim „Mohr im Hemd“ kann es schon Schwierigkeiten geben. Da entsteht Heuchelei bis zum Erbrechen: Niemand wird arbeitslos, Menschen werden nur „freigesetzt“, Preise „angepasst“, „korrigiert“. An giftige Sprechblasen gar nicht zu denken, statt zu schweigen, das zum Gebet hinführt. Gott spricht im Schweigen zu uns, in der Stille ganz diskret. Verzicht und Umweltfasten: Im Flug- und Schiffsverkehr mit den riesigen Kreuzfahrtschiffen, Energieverbrauch: Wie rasch sich die Natur erholen könnte. Verzicht muss nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern es kann Vergangenes neu erstehen - eine Form der Auferstehung schon jetzt.
Ein Wort an die Firmlinge: Wir sind Staub, Erde, Lehm, dazu kommt noch Wasser. Doch wenn wir uns von Gottes Händen formen lassen, werden wir zu etwas Wunderbaren, wir werden Gott ähnlich. Geformt wird man schon im Mutterleib, dann in der Jugend durch Ausbildung und Bildung sowie Persönlichkeitsbildung durch ständige Erfahrung. Christentum ist eine Bildungsreligion, die den ganzen Menschen betrifft: Leib / Seele - Körper. In etwa zwei Monaten empfangt Ihr das Sakrament der Firmung. Latein: confirmare = bestätigen, firm sein= feststehend. Hier geht es um Eure Entscheidung für den Glauben nach Vorbereitung, vielen Gesprächen, vielleicht auch heftigen Diskussionen für ein bewusstes Christsein in Eurem Leben: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von Euch Rechenschaft fordert, über die Hoffnung, die Euch erfüllt.“ (1 Petr 3,15). Auskunft geben: Was bedeutet für mich Erlösung? Warum gehe ich in die Kirche? Jesus gibt seinen Jüngern und dem Volk Lebenshilfe in Gleichnissen, Alltagsgeschichten, wie Leben glücken kann. Er gibt Auskunft, die nicht jedem passt. Auskunft geben, damit der Glaube nicht verdunstet, wie man immer wieder feststellen kann. Topaktuell. Sowie lebenslanges Lernen für das berufliche Fortkommen wichtig ist, braucht es auch Wachstum im Glaubensleben.
Ich wünsche Euch, dass dieses Sakrament nicht zu einem Abschiedssakrament aus der Kirche wird, sondern dass Ihr Euch untereinander festigt im Gespräch, im Zusammensein bei Festen und Feiern und auch bei der Arbeit. Das hat sicher Auswirkungen auf Euer Glaubensleben.
Die Fastenzeit besteht nicht darin, dass wir uns einschränken. Die Fastenzeit fordert uns auf, unsere Lebensweise zu überdenken und zu hinterfragen, worauf es ankommt. Es geht nicht um das Äußere. Der Verzicht auf bestimmte Gewohnheiten kann uns helfen, bewusster zu leben.
Worauf kommt es im Leben an? Worauf kommt es in der Fastenzeit an?
Wir sind wieder am Beginn einer besonderen Zeit. Viele Menschen nutzen die Fastenzeit, um auf etwas zu verzichten, viele aus religiösen Gründen, andere aus gesundheitlichen oder anderen persönlichen Gründen. Manche verzichten auf Süßigkeiten, andere auf Fleisch oder Alkohol, wieder andere auf das Auto, manche auf negative Gedanken usw. Das sind alles gute und wertvolle Übungen oder können es zumindest sein. Dazu braucht es, dass ich mich frage, worauf es ankommt.
Einen Hinweis darauf finden wir in der Lesung aus dem Buch Joel: „Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider“, lesen wir da. Es kommt nicht auf das Äußere an, sondern es geht um unser Inneres. Alles, was mir dabei hilft, ganz zu mir zu kommen und mich frei von äußeren Zwängen zu machen, bringt mich Gott ein Stück näher. Bei dieser Freiheit geht es nicht um eine Freiheit „von“, sondern um eine Freiheit „zu“. Ich bin frei, mich meinem Mitmenschen zuzuwenden, wenn ich etwas von meiner Zeit verschenke. Ich bin frei, weniger Fleisch und mehr regionale Produkte zu essen, weil ich solidarisch sein möchte. Ich bin frei, mit Gott ins Gespräch zu kommen, wenn ich mir täglich fünf Minuten Zeit nehme.
Eine Änderung meines Lebensstils lässt mich daran denken, dass meine Handlungen und mein Konsumverhalten Auswirkungen auf andere Menschen haben. So ist für mich Gottes- und Nächstenliebe in der Fastenzeit besonders gut erkennbar. Gott hat es nicht notwendig, dass ich mich für ihn kasteie oder mit Verzichtsübungen quäle. Die Fastenzeit macht mir wieder bewusst, dass ich nicht allein auf dem Weg bin. Auch wenn unsere sozialen Kontakte im persönlichen Bereich noch immer und wahrscheinlich weiterhin eingeschränkt sind, sind wir alle miteinander auf die eine oder andere Art verbunden und vernetzt. Wenn ich mich getragen fühle von einer Gemeinschaft oder einem Kreis, dem ich angehöre, kann ich besser nachvollziehen, dass mein Denken und Handeln Konsequenzen für andere Menschen hat, im Positiven wie im Negativen.
Es kommt nicht auf das Äußere an. Das merken wir heute auch daran, dass im Gottesdienst die Asche nicht in Kreuzform auf meine Stirn gezeichnet, sondern mir auf's Haupt gestreut wird. Diese kleine Änderung im Ritus macht mir wieder neu bewusst, dass Gott mein Inneres erreichen und verwandeln möchte.
Die Offenheit dazu und die Bereitschaft, ihm Zeit zu schenken, wünsche ich uns! Gott schenkt uns die Fastenzeit, nehmen wir sein Geschenk an und lassen wir uns verwandeln und neue Wege gehen! Dann wird jede/r von uns für sich entdecken, worauf es ankommt.
Die Fastenzeit möchte nicht unsere Lebensfreude einschränken, sondern zu neuen Erfahrungen führen, die unser Leben bereichern. Umkehr kann mit einem Wechsel der Blickrichtung beginnen. Wenn wir mit den Augen anderer auf das Leben schauen, werden wir neue Lebensmöglichkeiten entdecken.
Während die im heutigen Evangelium empfohlenen Aktivitäten Beten, Fasten und Almosen geben schon längst in die säkulare Welt ausgewandert sind, hat die Fastenzeit hartnäckig noch immer einen schlechten Ruf. In Wellnessoasen wird fleißig meditiert und gefastet und für Licht ins Dunkel werden Millionen gespendet, aber KirchgängerInnen haben immer noch das Gefühl in diesen sechs Wochen auf Genuss, Spaß und lustvolle Dinge verzichten zu müssen. Sie fragen sich, warum Gott das als Vorbereitung auf Ostern von ihnen verlangt. Solche Gedanken zeigen, dass Missverständnisse darüber, was die Fastenzeit eigentlich ist und sein will, immer noch in den Köpfen der Menschen herum spuken.
Die Vorbilder für diese Zeit sind die Wüstenwanderung des Volkes Israel, nachdem es aus der Sklaverei in Ägypten befreit wurde und die vierzig Fasttage Jesu in der Wüste. Ein Leben in Freiheit einzuüben, das ist eine der Wurzeln der Fastenzeit.
Die andere ist sich zurückzuziehen und über die eigenen Lebensperspektiven nachzudenken. Jesus kehrt aus der Wüste zurück und predigt: Kehrt um und glaubt an das Evangelium.
Die Umkehr ist ein Vorgang und Prozess, der uns die Perspektive wechseln lässt. Wer zum Beispiel bergauf geht und sich umdreht, deren oder dessen Weg führt plötzlich bergab.
Ich möchte sie einladen, das jetzt gleich auszuprobieren: Wenn Sie möchten, stehen Sie bitte auf und drehen sich einfach um. Sie sehen jetzt den hinteren Teil der Kirche. Normalerweise geht unsere Perspektive, wenn wir die Kirche betreten, ja nach vorne. Nehmen Sie wahr, was Sie jetzt sehen können. Vielleicht fällt Ihnen etwas auf, das sie noch nie gesehen haben...
Danke, nehmen Sie jetzt bitte wieder Platz.
Ich lade Sie ein die heurige Fastenzeit einmal unter diesem Aspekt zu sehen. Wo kann ich in meinem Leben umkehren und damit die Perspektive, wie ich gewisse Menschen und Situationen sehe, wechseln? Das gelingt, wenn ich mich auf den Standpunkt eines oder einer Anderen stelle und ihren Platz einnehme.
Einige Beispiele:
Falls Sie an Ihrem Arbeitsplatz in einer leitenden Position sind, putzen Sie einmal nach Dienstschluss die WCs in der Firma und versuchen Sie, den Betrieb aus der Perspektive des Reinigungspersonals zu sehen. Oder falls sie in den untergeordneten Bereichen tätig sind, setzen Sie sich tatsächlich oder in der Vorstellung in den Chefsessel und stellen Sie sich vor, wie das ist, Entscheidungen treffen zu müssen und wichtige Akten zu unterschreiben.
Oder laden Sie Ihre Enkel ein und bitten sie diese, ein Musikstück, das sie gerade hören, mitzubringen. Suchen Sie einen Song, den Sie im selben Alter gehört haben, spielen sie diesen den Enkeln vor und tauschen Sie sich mit ihnen darüber aus, aus welcher Perspektive Sie als älterer Mensch auf das Leben schauen, und wie das bei den jungen Menschen ist.
Leben Sie einen Tag auf der Straße, um zu spüren, wie es Obdachlosen geht oder versuchen Sie eine Woche lang mit fünfzig Euro für die Dinge des täglichen Bedarfs über die Runden zu kommen. Besuchen Sie eine Einrichtung zur Unterstützung von Geflüchteten oder die Probe des Kirchenchores. Melden Sie sich als Begleitperson für einen Schulausflug oder geben Sie einem jungen Menschen Nachhilfe. Besuchen Sie eine Woche lang Personen im Altersheim oder reden Sie mit einer arbeitslosen Person über ihre Gefühle.
Wenn Sie kreativ nach Möglichkeiten suchen und den Vorsatz fassen, jede Woche in einem Bereich ihres Lebens die Perspektive zu wechseln und von einem ungewohnten, vielleicht sogar bedrohlichen Standpunkt aus auf ihr Leben zu schauen, werden Sie Erstaunliches entdecken und damit Ihr Leben bereichern.
Kehrt um und glaubt an das Evangelium, das steht als Motto über der Fastenzeit. Wir sind eingeladen zu entdecken, dass das Leben noch viel mehr zu bieten hat, als in unserem gewohnten Alltag vorkommt. Dadurch könnten wir auch frei werden vom Trott und den eingefahrenen Mustern unseres Lebens. Wir können entdecken, dass wir als Menschen zusammengehören und eine große Familie sind. Und wir könnten entdecken, dass Gottes liebevolle und befreiende Gegenwart in unserer Mitte wirksam ist und uns immer wieder neue Perspektiven eröffnen will. Das ist wirklich eine frohe Botschaft.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine überraschende und interessante Fastenzeit.
© Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt, Theologin, Diözese Linz
Das Fasten und die Fastenzeit können als Neustart für gute Vorsätze dienen. Es geht um Neuorientierung und Umkehr. Das Symbol des Aschenkreuzes erinnert an die Vergänglichkeit aller menschlichen Pläne und lenkt unseren Blick auf das, was Bestand hat.
Fastenzeit - Beginn des österlichen Festkreises - bietet ausreichend Gelegenheit, den persönlichen „religiösen Grundwasserspiegel“ zu messen und zu versuchen, eine Verhaltensänderung, Umkehr durchzuführen, wo es notwendig erscheint. Die Fastenzeit als Neustart für Vorsätze, die sehr oft am Jahresbeginn gefasst, aber dann nur schleppend oder überhaupt nicht gehalten wurden. Vielerorts beklagen wir, dass unser Glaube verdunstet, und tatsächlich kommt es zu merkwürdigen religiösen Begriffsverwechslungen: „Golgotha“ ist keine Zahnpaste und das „Goldene Kalb“ keiner der vielen Filmpreise.
So darf ich Euch jetzt einige ganz sichtbare „Stützpunkte“ vorstellen, die uns durch die Fastenzeit hilfreich den Weg bahnen, die uns auch wieder Einblick schaffen in die Tiefe unseres „religiösen Grundwasserspiegels“.
Bei einer meiner Flugreisen prangte über mir besonders aufdringlich in großen Buchstaben der Hinweis „FASTEN SEAT BELT“. Etwas frei übersetzt heißt das: "Halt dich fest", um Sicherheit und Orientierung für das Wesentliche zu gewinnen, um den Blick auf das Osterfest, auf Tod und Auferstehung des Herrn, auch auf unsere persönliche Vollendung freizubekommen.
Die Lesung dieses Tages aus dem Buch Joel sagt: „Kehrt um zu mir mit ganzem Herzen, mit Fasten, Weinen, Klagen.“ FASTEN als Sicherheit und Orientierungshilfe für unser Leben. WEINEN, die Tränen als reinigende Wirkung. Alles, was unsere Seele belastet an Leid, Versagen, Trauer soll herauskommen. Es tut auch gut, durch KLAGEN Leid, Probleme, Sorgen zu verbalisieren. Unnötiger körperlicher und geistiger Ballast mögen auf diese Weise abgebaut werden.
Die ASCHE erinnert uns daran, dass alles, was wir tun, der Vergänglichkeit unterworfen ist. Heute oder morgen schon werden unsere Gedanken, Worte und Werke absinken in die Nacht des Vergessens. Manchmal ist das sogar sehr gut.
Am KREUZ hat Jesus alles, was unzulänglich ist, durchkreuzt, auch manche unserer Lebenspläne wurden durchkreuzt, was nicht immer aus menschlicher Sicht verständlich ist. Alles Endliche wird durchkreuzt, auch der Tod.
Das ASCHENKREUZ: Lass all deine Sackgassen, deine Sorgen, deine Unvollkommenheit einmünden in das Kreuz Jesu. Lass dich bezeichnen durch die Asche deines Scheiterns, deiner Heucheleien (siehe Evangelium dieses Tages!), deiner Misserfolge, aber mit dem Zeichen des Heils.
ASCHE ist nicht nur Zeichen der Vergänglichkeit, sie dient schon von altersher auch als Reinigungsmittel. Das Realsymbol der Asche ist aber auch Anfrage an uns, was alles in unserem Leben an Plänen, guten Vorsätzen zu Asche geworden ist. Auch die gegenwärtige Krise der Kirche ist Reinigungsmittel, ein Zeichen, mit Hilfe des Heiligen Geistes Ostern entgegenzugehen auf dem Weg der Umkehr.
„Vom Staub bist du genommen, zum Leben berufen“, lautet eines der Worte, die wir mit dem Aschenkreuz empfangen. Aus Staub und Asche entsteht auch neues Leben, ein Hinweis darauf, dass wir auf dem Weg zu einem nie endenden Osterfest sind.
Zwischenzeiten im Alltag des Lebens sind oft Auslöser für eine Neuorientierung, für einen kreativen Wandel. Wie sehr so ein „zeitlicher“ Zwischenraum das Leben im Licht der Auferstehung prägen kann, zeigt die dynamische Auseinandersetzung mit der biblischen Botschaft in der „österlichen Bußzeit“ auf.
Wer denkt schon daran, dass die Zwischenräume im Leben unser Leben letztlich prägen können. Ob es nun Warteräume (wo immer wir warten) sind, die verschiedenen Haltestellen unterwegs oder die Ablageplätze, wo gesucht wird, sind. Diese Zwischenräume, welche ein Geschehen, eine Zeit, mit einem anderen Geschehen, mit einer anderen Zeit verbinden, geben unserem Leben oft eine Wandlung. Denn sie lösen kreative Prozesse aus, wenn wir diese Zwischenzeiten als Möglichkeit, Leben neu zu gestalten, wahrnehmen lernen.
Der Aschermittwoch ist der Beginn einer besonderen Zwischenzeit, der österlichen Bußzeit. Sie schließt nach „40 Tagen“ mit einem „Ruhetag“, dem Karsamstag, ab. Diese Zwischenzeit, oft als Fastenzeit bezeichnet, enthält alles, was Zwischenzeiten, Zwischenräume so im Leben auf sich haben:
- die Hinwendung zu schmerzvollen Zäsuren – im Bild der Asche
- die Erfahrung von Durststrecken – im Bild der Wüste
- das Wahrnehmen von Dunkelheit - im Bild des Grabes.
Diese österliche Bußzeit wird am Karsamstag mit der Einladung zum Gebet in Stille, in Grabesstille abgeschlossen. Dazwischen, also in der Zwischenzeit ist Raum, ist Zeit sich den Zumutungen der biblischen Texte auszusetzen, ihnen nachzugehen. Es ist eine Einladung, die „Fastenzeit“ kreativ, „er“-lösend zu gestalten.
Bilder für diese Zwischenzeiten sind eben das Grab mit seiner Dunkelheit, die Wüste mit ihrer Durststrecke, die Asche als Bild für Zäsur.
Am Beginn der österlichen Bußzeit, heute am Aschermittwoch sind wir zum Gebet eingeladen.
„Wenn ihr betet...“, so hörten wir im Evangelium und „So sollt ihr beten...“, heißt es ein paar Verse weiter im Vaterunser:
Dein Name..., dein Reich... lässt uns hoffen:
Gib uns... Und erlass uns... Und führe uns... Dann werden auch wir...
Dies alles sind „Wandlungsworte“ der anderen Art. Sie nennen beim Namen, was uns in der kommenden liturgischen Zwischenzeit Kraft und Zuversicht gibt, unser Leben neu auszurichten.
Dass wir an dieser Zwischenzeit mit ihren Erinnerungen an unsere Schattenseiten im Leben, auch wachsen können, ist beabsichtigt. Joop Roeland macht darauf aufmerksam, wenn er schreibt:
"Ach Mensch: Du bist für das Leben bestimmt. Kehre um und glaube an das Evangelium.
In den Zwischenräumen unseres Lebens müssen wir uns orientieren, vielleicht neu orientieren lernen, können oft mit Hergebrachtem nichts anfangen, sind dadurch unsicher, verlieren die Macht, die Kontrolle über Gewohnheiten, lassen wir los."
Die Bilder von Grab, Wüste und Asche sind es, die uns in den Zwischenräumen des Lebens begegnen:
Grab – so manches tragen wir dann zu Grabe, Schmerz, Verlassenheit und Trauer sind da die Begleiter. Die Dunkelheit mitten im Leben ist zum „davonrennen“. Dem Tod ausweichen ist oft die Strategie, um ihn nicht annehmen zu müssen als einen Teil des Lebens.
Wüste – Strecken, die uns dürsten lassen nach dem Wasser des Lebens, die das Überleben schwierig machen. Einsamkeit, innere Kämpfe, Zweifel - all das sind Erfahrungen, denen wir gerne ausweichen. Die innere Leere ist schwer auszuhalten.
Asche – die Welt des grauen Alltags, das Einerlei verlassen, weil die Sehnsucht nach mehr im Leben uns treibt. Zerstört so manche Träume, leblos die Beziehungen, trist die Zukunft. Wer kennt das nicht, wer will schon so leben?
Wir haben 40 Tage Zeit, geschenkte Zwischenzeit...
- in der wir finden können, was wir zum Leben brauchen
- in der wir suchen können nach dem, was uns Hoffnung gibt
- in der wir gefunden werden können, weil wir uns auf den Weg machen und anderen begegnen.
Die kommenden sechs Sonntage, die diese Zwischenzeit unterbrechen, sind ein Vorgeschmack auf Ostern, auf das Fest der Auferstehung. Sie erinnern uns an das österliche Geschehen, das zum entscheidenden Durchbruch des Lebens führt.
„Seine, Jesu, Auferstehung gehört nicht der Vergangenheit an; sie birgt eine Lebenskraft, die die Welt durchdrungen hat. Wo alles tot zu sein scheint, sprießen wieder überall Anzeichen der Auferstehung hervor. Es ist eine unvergleichliche Kraft.“
(Aus dem Schreiben von Papst Franziskus „Freudige Nachricht“)
Die Fastenzeit gibt uns Gelegenheit, unser Leben zu überprüfen und zu korrigieren. Die Zusagen der Lesung geben uns Kraft und Halt dazu.
Die Fastenzeit kann Anlass sein, die nicht eingehaltenen Neujahrsvorsätze wieder aufzunehmen. Es geht jedoch vielmehr um eine geistige/geistliche Erneuerung: Wir sollen österliche Menschen werden: ohne Heuchelei Barmherzigkeit üben. Das Aschenkreuz ist Zeichen unserer Umkehr und unserer Hoffnung.
Die Asche, mit der wir uns am Aschermittwoch bekreuzigen lassen, ruft uns zur Umkehr. Wie Umkehr erfolgen soll, zeigen uns die Lesungen des Tages.
Wer fastet, der hat die Chance, sich selbst zu überraschen: Fällt es mir leicht, sieben Wochen auf Schokolade zu verzichten? Ist mein Leben anders, wenn ich keinen Rotwein trinke? Was entdecke ich, wenn ich täglich einen Psalm lese? Wie verändert sich mein Leben, wenn ich den Menschen in meiner Lebens- und Arbeitsumgebung aufmerksamer und wohlwollender begegne? Die Fastenzeit bietet ungeahnte Möglichkeiten, denn: Wer fastet, der schafft sich selbst neue Freiräume, wird ein neuer Mensch.
"Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehrst." So lautet die Formel, während uns das Aschenkreuz auf die Stirn gezeichnet wird. Ziemlich eindeutig macht der Aschermittwoch klar, dass auch die Endlichkeit unseres Lebens sich mitten im Leben abspielt. Das Bewusstsein unserer Endlichkeit verweist uns so radikal auf die Einzigartigkeit unseres Lebens. Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit, eine Zeit bewusster Aufmerksamkeit für unser Leben.
In der Bibel ist Fasten oft nicht Sache eines oder einer Einzelnen, sondern es steht für die Umkehr einer ganzen Gesellschaft. Fasten steht in der Tradition auch dafür, gegen gesellschaftliche Missstände anzugehen. "Nein, das ist ein Fasten wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulasen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen." (Jesaia 58,6-7).
Jesaia fordert, den Mitmenschen zu sehen und ihm zu helfen, wieder mehr zu sehen, wo Hilfe nötig ist, mehr zu hören, wenn jemand bittet, wieder mehr zu fordern, wenn Ungerechtigkeit sich breitmacht, sein Leben einzusetzen für eine mögliche bessere Welt. Fasten ist keine Privatsache, sondern berührt uns und unsere realen gesellschaftlichen Verhältnisse, lenkt das Augenmerk auf unser Tun und unser Umfeld. Fasten heißt hier, Ungerechtigkeit wahrzunehmen und die möglichen eigenen Schritte zu setzen, sich mit anderen zu solidarisieren, Unrecht sichtbar zu machen und an der Veränderung mitzugestalten. Fasten bedeutet, die Welt, die Menschen, vor allem die Geknechteten und Leidenden zu sehen und menschenfreundlich zu handeln. Denn die biblische Zusage ist ein Leben in Fülle für alle, gutes Leben für alle. Das kann nur gelingen, wenn wir im Mitmenschen unseren Bruder, unsere Schwester sehen und ihnen barmherzig und wohlwollend begegnen.
Gleichzeitig ist es auch wichtig, uns selbst in den Blick zu nehmen, wie es Bernhard von Clairvaux (1091-1153) beschreibt:
GÖNNE DICH DIR SELBST!
Wenn du dein ganzes Leben und Erleben
völlig ins Tätigsein verlegst
und keinen Raum mehr für Besinnung vorsiehst,
soll ich dich da loben?
Wie kannst du voll und echt Mensch sein,
wenn du dich selbst verloren hast?
... Denk also daran: Gönne dich dir selbst
Fasten verändert also Leben, das eigene und das der Mitmenschen. Veränderung braucht Neubesinnung, Offenheit und den Mut, sein Leben auf- und auszuräumen. Wer Fülle will, muss leer werden. Mit vollen Händen kann man nichts empfangen. Fasten fordert auf, unser Leben großzügig zu teilen.
Das mittelhochdeutsche Wort "vasten" bedeutet "(fest-)halten, beobachten, bewachen." Die Fastenzeit regt uns an, uns und unserer Umgebung die gebührende Aufmerksamkeit und Wachsamkeit zu schenken. 40 Tage können wir uns immer wieder Zeitgeschenke gönnen in einer Welt der Turbulenzen und Hochgeschwindigkeit. Hier tut ab und zu auch Stille gut. Denn Stille ist eine Erholungsreise fürs Gehirn. Leben wird uns geschenkt, mit jedem Atemzug neu. Das kann uns gerade in der Fastenzeit wieder mehr bewusst werden. Genießen wir jeden Atemzug und Augenblick in Dankbarkeit. Jede Minute ist eine unbezahlbare Kostbarkeit.
Fasten verdichtet unser Leben, kann uns helfen, den Blick freizugeben auf das Wesentliche unseres Lebens. Was wollen wir wirklich? Was brauchen wir wirklich? Wir können bewusster konsumieren, im Zweifelsfalle weniger.
Die FASTEN-ZEIT lädt uns ein, "7 Wochen anders zu leben".
7 Wochen unseren Stärken Raum geben, unseren Fähigkeiten nachspüren und sie mit anderen zu teilen. Ich bin wichtig und wertvoll, ich nehme mir Zeit für mich und andere. Wir können auch bewusst das wahrnehmen, was uns im Leben Gutes begegnet.
7 Wochen Zeitgeschenk einmal im Jahr als Unterbrechung des Gewohnten und Alltäglichen sind eine tolle Sache.
7 Wochen bewusst den Kontakt mit Freunden und Freundinnen pflegen, mit unseren Ideen andere anstecken. Denn wo zwei oder drei gemeinsam etwas teilen wird es lebendiger und lustvoller. In der Gemeinschaft finden wir Unterstützung, können uns Kraft holen, finden ein Ohr für Gespräche, dürfen auf Unterstützung hoffen, können uns auch in vermeintlich schwierigen Situationen Mut machen.
7 Wochen unseren Mitmenschen freundlich begegnen, denn unsere Haltung, unsere Einstellung, unser Gesichtsausdruck, unsere Gedanken verändern uns und die anderen. Lächle deinen Mitmenschen zu. Das verändert, erstmal schon dich und mit Sicherheit auch dein Gegenüber. Und im Übrigen ist Lachen, ein Lächeln gut gegen Falten.
7 Wochen haben wir Zeit, unserer Seele auf den Grund zu gehen, unserer Mitte nachzuspüren, unserem Leben, unseren Herzensangelegenheiten Frei-Raum zu geben. 7 Wochen haben wir Zeit zu überlegen, worauf wir in unserem Leben verzichten möchten, um dadurch Leben und Lebendigkeit zu gewinnen, zum Beispiel nur mehr jeden zweiten Tag oder einmal die Woche die E-mails abrufen, oder gar erst wieder nach Ostern, uns einen fernsehfreien Abend pro Woche gönnen, keine Tageszeitung mehr lesen, dafür 5 Minuten in die Luft schauen und uns am Leben freuen, ab und zu zu Fuß gehen und das Auto stehen lassen und dadurch unsere Umgebung neu wahrnehmen ...
7 Wochen ohne das eine und dafür Platz für Neues, für das, was ich mich bisher nicht getraut habe. 7 Wochen Zeit für "Gutes Leben". Verzichten wir auf das, was uns gefangen nimmt oder belastet, auf die unangenehmen Dinge. Lassen wir das sein, was uns nicht lustig ist im Leben, dann bleibt uns mehr Zeit für das über, was unser Leben ausmacht, was uns gut tut und unsere Lebendigkeit fördert. Spüren wir in uns hinein, was uns gut tut. Denn nur wer sich selbst gut versorgt, kann auch gut auf andere schauen.
Wir haben mit der Fastenzeit die Chance, Neues zu wagen, Vertrautes mit einem neuen Blick zu sehen, für ein paar Wochen auf Gewohntes zu verzichten, um etwas anderes zu wagen oder Altem wieder neue Räume zu eröffnen. Manche Freiräume laden auch ein zum süßen Nichtstun, einfach sein, einfach alles für eine Weile sein lassen. Vielleicht stellen wir in der Veränderung auch eine innere Unruhe fest ...
Müssen wir wirklich ...
... sofort antworten, wenn wir eine Mail bekommen haben?
... beim Handy abheben, wenn es läutet?
... immer freundlich sein, auch wenn uns nicht danach ist?
... zu einer Veranstaltung gehen, obwohl wir keine Lust haben?
... zustimmen, obwohl unser Herz was anderes flüstert?
... viel arbeiten, damit alle mit uns zufrieden sind?
Ich will zu mir stehen und das tun, was mir entspricht, meinem Herzen folgen. Und mir immer wieder die Frage stellen: Was möchte ich von HERZEN gerne tun? Nehmen wir uns Fasten-zeit. Wagen wir die Veränderung! Gehen wir einfach los! Entdecken wir unsere Sehnsüchte und Hoffnungen neu und geben ihnen Raum! Raum zum Leben. Was möchten wir tun? Wovon möchten wir uns verabschieden?
Und: keine Angst vor dem Scheitern: Wenn wir ein Vorhaben nicht schaffen, beginnen wir am nächsten Tag einfach von Neuem. Nähren wir unsere Freuden täglich neu. Denn die Seele nährt sich von dem, was ihr Freude macht.
In diesem Sinne kann uns die kommende Fastenzeit Anstoß sein, uns wertvolle, wesentliche Augenblicke und aufmerksame Wahrnehmungen zu gönnen im Gehen auf Ostern hin, dem Fest der Auferstehung und der Neuausrichtung. Möge uns unsere Ausrichtung aufeinander zu immer wieder neu gelingen, damit der Geist der Menschenfreundlichkeit immer mehr Platz greife.
Autor: Mag. Fritz Käferböck-Stelzer, Leiter Treffpunkt mensch & arbeit, Nettingsdorf
Liedvorschläge:
GL 142: Zu dir, o Gott erheben wir die Seele voll Vertrauen
GL 161: Du rufst uns, Herr, trotz unsrer Schuld
GL 266: Bekehre uns, vergib die Sünde
GL 267: O Mensch, bewein dein Sünde groß
GL 268: Erbarme dich, erbarm dich mein
GL 269: Du Sonne der Gerechtigkeit
GL 271: O Herr, aus tiefer Klage erheb ich mein Gesicht
GL 272: Zeige uns, Herr, deine Allmacht und Güte (3. Str.)
GL 273: O Herr, nimm unsere Schuld
GL 274: Und suchst du meine Sünde, flieh ich von dir zu dir
GL 275: Selig, wem Christus auf dem Weg begegnet
GL 277: Aus tiefer Not schrei ich zu dir
GL 385,2: Nicht sterben werd ich, sondern leben
GL 422: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr
GL 427: Herr, deine Güt' ist unbegrenzt
GL 428: Herr, dir ist nichts verborgen
GL 437: Meine engen Grenzen
GL 440: Hilf, Herr, meines Lebens
GL 448: Herr, gib uns Mut zum Hören
GL 464: Gott liebt diese Welt
GL 485: O Jesu Christe, wahres Licht
GL 638: Nun ist sie da, die rechte Zeit
GL Ö815: Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt
GL Ö814: O höre, Herr, erhöre mich
Psalmen und Kehrverse:
GL 276: Verbirg dein Gesicht vor meinen Sünden, erschaffe mir ein reines Herz - Mit Psalm 103 (GL57,2) - II.
GL 301: Ein reines Herz erschaffe mir, o Gott - Mit Psalm 1 (GL 31,2) - IV.
GL 511: Aus der Tiefe rufe ich zu dir, höre, o Herr, meine Stimme. - Mit Psalm 90 (GL 50,2) - I.
GL 517: Der Herr vergibt die Schuld und rettet unser Leben - Mit Psalm 1 (GL 31,2) - IV.
GL 639: Erbarme dich meiner, o Gott, erbarme dich meiner - Mit Ps 51 - IV.
GL 640,1: Herr, unser Gott bekehre uns
Wir beginnen in dieser Feier die Fastenzeit. Fastenzeit: Innehalten, nachdenken, aussteigen aus dem Hamsterrad, von allem, was uns von Gott, vom Nächsten und von uns selbst wegführt. Fastenzeit: neu erfahren, wir sind das, was wir vor Gott sind.
Hören wir seine Worte – Gott schenkt sie uns aus Liebe. Gott schenkt sie uns, damit wir wachsen und reifen in der Liebe – wieder neu in dieser Zeit der Umkehr 2026.
Nach der Homilie wird die Asche gesegnet und das Aschenkreuz ausgeteilt. Das Kyrie entfällt, es folgt gleich das Tagesgebet bzw. Eröffnungsgebet.
„Am Aschermittwoch ist alles vorbei!“, heißt es in einem Karnevalsschlager. Sollte das Wort nicht besser heißen: Am Aschermittwoch fängt es wieder an?
An diesem Tag geht es um die Bereitschaft, sich selbst zu prüfen, um die Anerkennung, kein perfekter Mensch zu sein. Es kann losgehen, Gott im Leben wieder Raum zu geben. Wir können davon nur profitieren.
In dieser Feier beginnen wir die „vierzig Tage der Umkehr und der Buße“.
Nachdenken, neu zu sich finden, entdecken, wo ich auf dem falschen Wege bin, wo ich von Gott weggeführt werde – das ist von Zeit zu Zeit nötig. Das Aschekreuz ist ein wichtiges Zeichen für unsere Vergänglichkeit und, dass alles im Leben hinfällig ist. Gott allein ist unvergänglich.
Fassen wir diese Zeit als eine Einladung auf, wieder neu anzufangen im Glauben. Es kann uns helfen, bewusster, erfüllter und glücklicher zu leben.
Dazu hören wir jetzt sein Wort. Darum feiern wir jetzt seine Liebe im Heiligen Mahl.
Das Aschekreuz wird nach der Predigt ausgeteilt. Es entfällt darum das allgemeine Schuldbekenntnis und das Kyrie. Der Priester setzt fort mit dem Tagesgebet.
Ein Tag im Jahr ist der Asche gewidmet. Am Aschermittwoch. Heute. Die Karnevalstage sind vorbei. Viele Menschen haben nach der langen Coronazeit wieder ausgelassen feiern können. Dafür dürfen wir auch dankbar sein.
In einem Karnevalslied von Jupp Schmitz heißt es:
Am Aschermittwoch
Ist alles vorbei (ist alles vorbei)
Die Schwüre von Treue
Sie brechen entzwei (sie brechen entzwei)
Von all deinen Küssen
Darf ich nichts mehr wissen
Wie schön es auch sei
Dann ist alles vorbei.
Alles vorbei?
Asche ist erloschenes, verbranntes Leben. Asche ist aber auch seit alters her Zeichen eines neuen Anfangs. Neuen Lebens. Darum wird uns heute ein Kreuz aus Asche auf die Stirn gezeichnet. „Kehrt um, glaubt an das Evangelium!“
Wir werden nicht nur an die Vergänglichkeit erinnert, wir werden gesegnet.
Unseren Herrn rufen wir an:
Mit dem Aschermittwoch beginnen wir die vierzigtägige Fastenzeit, in der wir uns auf das Osterfest vorbereiten. Der Brauch des Fastens, den es in allen großen Religionen gibt, will uns helfen, dass wir uns auf das Wesentliche unseres Lebens konzentrieren. Jesus und vor ihm schon die Propheten fordern uns auf, dass wir unser Herz Gott neu zuwenden und unser Leben auf Gott ausrichten. Es ist eine Zeit des sich Besinnens und der Überprüfung unserer Lebensgewohnheiten.
Am Beginn dieser Feier treten wir vor den Herrn und bitten um Vergebung unserer Schuld und um Erbarmen.
Mit der Feier des Aschermittwochs machen wir uns auf den Weg zum Osterfest. Unsere Zeit ist geprägt von Unsicherheit, Sorgen und Ängsten. Gehen wir gemeinsam und vertrauensvoll auf Ostern zu und nutzen die Fastenzeit, um uns auf das zu besinnen, was wesentlich ist im Leben und auf den, der uns immer wieder neu zur Umkehr einlädt: Jesus Christus. Zu ihm rufen wir:
Herr Jesus,
du lädst immer wieder ein zu den Momenten der Versöhnung.
Kyrie, eleison.
Du sprichst uns Dinge zu, die wir ersehnen.
Christe, eleison.
Du bist an unserer Seite, wenn wir einen neuen Weg in den Alltag suchen.
Kyrie eleison.
Herr,
wir sind im Trott.
Schenke uns heilsame Unterbrechungen.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du lädst uns zur Umkehr ein.
Hilf uns, deinen Weg mitzugehen.
Christus, erbarme ich.
Herr,
wir funktionieren im Takt der Uhr.
Hilf uns, einander in der Liebe zu finden.
Herr, erbarme dich.
Gib mir wieder die Freude deines Heiles, *
rüste mich aus mit dem Geist der Großmut!
Herr, öffne meine Lippen, *
damit mein Mund dein Lob verkünde!
(Ps 51)
Du rufst uns auf, umzukehren.
Herr, erbarme Dich.
Du möchtest, dass wir nicht mit Worten umkehren sondern in unseren Herzen.
Christus, erbarme Dich.
Du bist uns Vorbild.
Herr, erbarme Dich.
Herr, Jesus Christus,
du mahnst uns zu aufrichtiger Umkehr.
Herr, erbarme dich.
Du forderst von uns ungeheuchelte Frömmigkeit.
Christus, erbarme dich.
Du rufst uns zur Versöhnung mit Gott.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du bist mit uns auf dem Weg.
Kyrie eleison.
Herr Jesus Christus,
dein Wort schenkt uns Kraft.
Christe eleison.
Herr Jesus Christus,
du öffnest unsere Herzen für deinen Ruf.
Kyrie eleison.
Die Fastenzeit ist ein Angebot zur Versöhnung. Eindringlich mahnt der Apostel Paulus, dass wir uns zur Versöhnung mit Gott, mit uns selber und mit unseren Mitmenschen durchringen sollen. Das ist nicht einfach, deshalb rufen wir das Erbarmen Jesu an:
Jesus, durch deinen Tod und deine Auferstehung hast du Versöhnung für alle möglich gemacht. Herr, erbarme dich unser.
Jesus, du hast uns Gottes bedingungslose Gnade zugänglich gemacht.
Christus, erbarme dich unser.
Jesus, du bist der Retter der Welt.
Herr erbarme dich unser.
© Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt, Theologin, Diözese Linz
Getreuer Gott, im Vertrauen auf dich
beginnen wir die vierzig Tage der Umkehr und Buße.
Gib uns die Kraft zu christlicher Zucht,
damit wir dem Bösen absagen
und mit Entschiedenheit das Gute tun.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Aschermittwoch
Gott, unser Heil,
gib uns die Gnade, umzukehren zu dir.
Erleuchte unseren Verstand
und stärke unseren Willen,
damit uns diese Zeit der Buße zum Segen wird.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Montag in der 1. Woche der Fastenzeit
Barmherziger Gott.
Du nimmst die Sünde ernst,
aber du läßt uns die Möglichkeit zur Umkehr.
Du verurteilst unsere Verfehlungen,
aber du lädst uns ein zu einem neuen Anfang.
Wir danken dir, daß du barmherzig bist.
Gib uns den Mut umzukehren.
Gib uns die Kraft, neu anzufangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 26
Heiliger Gott,
du liebst die Unschuld
und schenkst sie dem Sünder zurück,
der reumütig zu dir heimkehrt.
Wende unser Herz zu dir
und schenke uns neuen Eifer im Heiligen Geist,
damit wir im Glauben standhaft bleiben
und stets bereit sind, das Gute zu tun.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 2. Donnerstag der Fastenzeit
Guter Gott,
oft grüßt traurig der, der ich bin, den, der ich sein könnte.
Ich weiß – ich könnte besser sein.
Ich könnte ein besserer Zeuge sein.
Du kennst mich bis auf den Grund – du schaust auf mein Herz.
Ich darf glauben, dass dein Blick ein Blick in Liebe ist.
Dein Blick der Liebe mache uns Mut, neu zu werden.
Dein Blick der Liebe wird uns verkündet in deinem Wort. Amen.
Herr, Gott des Erbarmens!
Auf dem Weg mit deinem Volk
hast du es immer wieder zu dir zurückgeholt,
wenn es eigene Wege gesucht hat.
Hole auch uns zurück
und erfülle uns mit deiner Liebe,
die wir an unsere Schwestern und Brüder weitergeben können.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Guter Gott,
sie fangen wieder an, die 40 Tage der Umkehr und der Buße.
Wir wollen nachdenken über uns,
über unser Leben mit den Mitmenschen,
über unser Leben mit dir.
Wir wollen neu entdecken,
dass du die Quelle unseres Glücks und unserer Erfüllung bist.
Darum hören wir jetzt deine Worte. - Amen.
Gott,
du schenkst uns das Lachen
und wenn wir weinen, tröstest du uns.
Wir danken dir für ausgelassene Stunden,
für Humor und Leichtigkeit.
Jetzt schenkst du uns vierzig Tage,
den Leidensweg Jesu mitzugehen
und Ostern zu erwarten.
Hilf uns, alles, was wir tun,
aus Liebe zu tun,
einander nichts vorzumachen
und mutig für einander einzustehen.
Mit dem Aschekreuz segnest du uns
in Christus, unserem Herrn. - Amen.
Barmherziger Gott,
du bist den Demütigen nahe
und lässt dich durch Buße versöhnen.
Neige dein Ohr unseren Bitten
und segne + alle, die gekommen sind,
um das Aschenkreuz zu empfangen.
Hilf uns, die vierzig Tage der Buße
in rechter Gesinnung zu begehen,
damit wir das heilige Osterfest
mit geläutertem Herzen feiern.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Aschermittwoch
Oder:
Herr und Gott,
du willst nicht den Tod des Sünders,
du willst, dass er sich bekehrt und lebt.
Erhöre gnädig unsere Bitten:
Segne + diese Asche, mit der wir uns bezeichnen lassen,
weil wir wissen,
dass wir Staub sind und zum Staub zurückkehren.
Hilf uns, die vierzig Tage der Buße in rechter Gesinnung zu begehen.
Verzeih uns unsere Sünden.
Erneuere uns nach dem Bild deines Sohnes
und schenke uns durch seine Auferstehung das unvergängliche Leben.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Aschermittwoch
Oder:
Gott, du willst nicht unseren Tod und unser Verderben.
Du willst, dass wir umkehren und leben.
Erhöre unser Gebet und segne + diese Asche,
mit der wir uns bezeichnen lassen.
Hilf uns nach deinem Wort zu leben,
erneuere uns durch Jesus Christus, deinen Sohn,
und lass uns ihm immer ähnlicher werden.
Schenke uns durch seine Auferstehung
unvergängliches Leben bei dir.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus, unseren Herrn.
Guter Gott,
wir sind von der Erde genommen
und werden einst zur Erde zurückkehren.
Alles, was wir sind,
alles, was wir denken
alles, was wir reden
alles, was wir tun,
alles ist unvollkommen.
Alles ist brüchig und hinfällig.
Die Asche ist ein Zeichen dafür.
Wenn wir das Aschekreuz empfangen,
lehre uns, das zu bedenken.
Unsere Tage zu zählen, lehre uns,
dann gewinnen wir ein weises Herz.
Dann spüren wir, dass wir nur in dir
Erfüllung finden,
Halt bekommen,
dass du unsere Hoffnung bist.
Dann spüren wir, dass wir nur in dir Vergebung finden.
Dieses Aschekreuz sei uns Zeichen,
zu dir neu umzukehren.
Segne + diese Asche, die wir empfangen.
Das Aschekreuz sei ein Schritt,
neu zu werden nach deinem Willen. Amen.
Alles ist vergänglich,
unser Leben,
unsere Gesundheit,
unser Reichtum,
alles, was wir besitzen,
es kann verloren gehen.
Diese Asche ist ein Zeichen,
dass alles vergehen kann,
dass alles ein Geschenkt ist.
Segne diese Asche.
Mit ihr wird uns ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet.
Wir sind aus uns heraus vergänglich, hinfällig.
Mit dir aber sind wir alles.
Darum wollen wir zu dir umkehren. - Amen.
Ich lade Sie ein, nach der Segnung der Asche das Aschenkreuz zu empfangen unter folgenden Gedanken.
Die Asche sprach:
Einmal war ich Glut, war ich Leben, Liebe, Leidenschaft - .
und jetzt? Jetzt bin ich Asche.
Ja, ich war einmal jemand -
ich wurde bewundert, war angesehen, beliebt und gefragt.
Jetzt bin ich nur noch Asche.
Da meldete sich Gott zu Wort und sprach:
Auf die Glut kommt es bei mir an.
Hast du geglüht?
Hast du dich in Liebe verschenkt, verausgabt, hingegeben wie Jesus?
(Quelle unbekannt, frei nacherzählt)
Die Liebe Jesu, die ihn für uns bis an Kreuz gehen ließ,
richtet auf und erweckt zu neuem Leben.
Empfangen wir das Aschenkreuz mit dieser Zuversicht.
Zu unserem Herrn Jesus Christus, der uns immer wieder neu zu Gott zurückführt, beten wir:
Schenke der Welt deinen Frieden, in der Welt der Politik, in der Welt der Wirtschaft wie auch in unserem persönlichen Lebensbereich.
Lass alle Vergebung erfahren, die schwer schuldig geworden sind und vor einem Scherbenhaufen ihres Lebens stehen.
Richte alle auf, die an Leib und Seele krank sind.
Segne das Mühen aller, die durch einen besonderen Verzicht dir näher kommen wollen.
Erneuere unser Beten, das um uns selbst kreist, damit wir im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe wachsen.
Mache uns bereit, anderen Verzeihung zu schenken und neu anzufangen.
Erbarme dich aller Verstorbenen und lass sie in deiner Nähe leben.
Dich loben und preisen wir, jetzt und in alle Ewigkeit. - Amen.
Herr und Gott,
Wir nehmen deine Einladung zur Umkehr an.
Wir sehen die Dinge des Lebens und bitten:
Hilf allen, die umkehren wollen.
Die Nachrichten berichten immer wieder von Gewalt in Demonstrationen.
Wir bitten…
Je besser wir einander kennen, desto schneller können wir wunde Punkte der anderen antippen und sie reizen.
Wir bitten…
Wir schauen meist auf das Laute und Grelle. Manches Leid lebt in der Dunkelheit und wird oft nicht wahrgenommen. Den Menschen fehlt die Ermutigung.
Wir bitten…
Vorsätze der Fastenzeit können manchmal Geschwister der Neujahrsvorsätze sein. Schnell sind sie oft wieder vergessen. Du kannst uns helfen bei "7 Wochen ohne".
Wir bitten…
Fehler der anderen fallen uns auf, vor unseren eigenen Fehlern verschließen wir leider oft die Augen. Wir bitten…
Wo Umkehr ist, kann ein Mehr an Liebe spürbar werden. Darauf hoffen viele Menschen.
Wir bitten…
Herr, wir bitten dich um all das, weil wir Vertrauen in dich haben. In diesem Vertrauen stellen wir uns den Herausforderungen, die Ostern zum Fest werden lassen. – Amen.
Zu unserem Herrn Jesus Christus, der uns immer wieder zu Gott zurückführt, beten wir voll Vertrauen:
Schenke uns echte Demut, ehrlich auf unser Leben zu schauen, damit wir unsere falschen Wege erkennen und dich neu lieben lernen.
Lass alle, die große Schuld auf sich geladen haben, Vergebung erfahren, damit sie neu anfangen können.
Segne alle, die sich in diesen Tagen redlich mühen, durch mancherlei Verzicht innerlich freier zu werden und wieder mehr zu dir zu finden.
Hilf Frieden und Gerechtigkeit zu schaffen, damit alle Kriege und alle Gewalt ein Ende nehmen.
Sende deiner Kirche deinen Heiligen Geist, damit sie nach deinem Willen erneuert werde und allen Menschen Heimat im Glauben gibt.
Mache alle Menschen bereit, sich nach Kräften und Möglichkeiten für Freiheit und für die Würde aller einzusetzen.
Erbarme dich unserer Verstorbenen und schenke ihnen ewiges Leben.
Dich loben und preisen wir, jetzt und in alle Ewigkeit. - Amen.
Mit seinen ausgebreiteten Armen am Kreuz lädt uns Christus ein, alle unsere Bitten seinem und unserem Vater anzuvertrauen:
Wir bitten um Besonnenheit, Liebe und Kraft, die alle in deiner Kirche erkennen lassen, was an Zuviel abgebaut werden kann und wobei ein Mehr erforderlich ist.
Wir bitten um Frieden und faire Kompromisse zwischen allen Beteiligten in den Krisenherden des Nahen Ostens.
Wir bitten um eine Haltung des Fastens, in der wir Verzicht als Chance zur Freiheit begreifen können.
Wir bitten um Freude und Dankbarkeit für alle erwiesene Zuneigung, die uns heute am Valentinstag von anderen entgegengebracht wird.
Wir bitten um das ewige Heil für unsere Verstorbenen.
Denn in Christus hast du die Welt mit dir versöhnt. Lass auch uns in den kommenden Wochen im Umgang miteinander ein Mehr an Liebe wagen. - Amen.
Es ist gut, wenn Menschen sich einbringen und einmischen. Gut ist, wenn Menschen Freude daran haben, anderen Menschen eine Freude zu machen. Anderen Menschen zu helfen. Wenn sie das Beste, ihr Bestes geben!
Heute sehen wir Menschen, die in Erdbeben ihre Angehörigen, ihre Wohnungen, ihre Existenzen verloren haben. Die mediale Aufmerksamkeit wird nachlassen, neue unheilvolle Nachrichten die alten verdrängen. In Zahlen verschwinden menschliche Namen und Geschichten.
Wir bitten: Herr, erbarme dich
Wir sehen Menschen, die von einem Krieg aufgefressen werden, die unter Gewalt leiden, die keine Heimat mehr haben. Nach den ersten Schrecken hat der Gewöhnungsprozess begonnen, Hassbotschaften bekommen einen normalen Ton, die Angst aber, es könnte alles noch schlimmer kommen, frisst sich in Seelen ein.
Wir sehen Menschen, die in ihren Heimatländern keine Zukunft haben, sich auf gefährliche Routen wagen und bei uns Sicherheit suchen. Doch Schlepper verdienen mit ihnen viel Geld. In Europa wissen die Länder nicht, wie sie die „Lasten“ verteilen sollen. Integration misslingt an vielen Orten.
Wir sehen Menschen, die aus fremden Ländern, Konflikten und Katastrophen berichten, die Stimmen einfangen und Gesichter zeigen. Für Nachrichten gibt es einen Markt. Die Entscheidung, was gezeigt wird, ist von vielen Faktoren abhängig. Im Nachrichtendschungel gehen auch viele Hoffnungsgeschichten unter.
Wir sehen Menschen, die ihre Meinungen im Internet suchen, ihre Wahrheiten zusammenstellen und kritischen Rückfragen ausweichen. In einer virtuellen Welt kursieren Verdächtigungen und Verschwörungstheorien. Viele Menschen halten die Realität nicht aus.
Was Gott sieht, können wir ihm nicht zuschneiden. Schon gar nicht, was er sehen soll. Doch in seinem Blick sind wir aufgehobener und geborgener als in unseren Träumen. Auch in dem Traum, Gott auf unsere Seite zu ziehen.
Er geht uns voran. Heute und für die Ewigkeit. – Amen.
Du, Herr, erbarmst dich aller Menschen und willst, dass sie den Weg zu dir finden.
Dich bitten wir:
Du schenkst uns Gemeinschaft mit dir in deinem Wort und Sakrament, der Kirche, und in jeder Begegnung untereinander.
Wir bitten dich um deine Gnadengaben, durch die wir durch unser Tun an deinem Reich mitwirken können.
Katastrophen, Kriege und Krisen bedrohen unser soziales Gefüge.
Wir bitten dich um Mut, um aus dem Altgewohnten aufbrechen zu können und weltweite Solidarität zu leben.
Wer auf dich hofft, erwartet nicht, dass immer alles gut ausgeht, sondern dass alles, was uns im Leben begegnet, Sinn macht.
Wir bitten dich für die Jugendlichen, die sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen müssen, und für die Menschen der älteren Generation, die sich oft um den Verlust traditioneller Werte sorgen.
Selbstoptimierung in Ansehen und Aussehen liegt im Trend unserer Zeit.
Wir bitten dich, lehre uns mehr danach streben, was du in deinen Geschöpfen verwirklichen willst.
Du begleitest uns immer, auch in der Stunde unseres Todes.
Wir beten für unsere Verstorbenen und für uns selbst, wenn es für uns Zeit ist, von dieser Welt Abschied zu nehmen.
Im Wissen um unsere Vergänglichkeit und deine Barmherzigkeit bitten wir dich, steh uns bei, wenn wir in den kommenden Wochen versuchen, unser Leben neu nach dir auszurichten. - Amen.
Guter Gott, nun beginnt die Fastenzeit: 40 Tage, in denen wir uns besinnen wollen und zur Umkehr aufgerufen sind.
Wir bitten Dich:
Für alle Menschen, die sich in diesen Tagen auf den Weg machen, ihren Lebensstil zu überprüfen. dass sie es in der Gewissheit tun, dass Du sie begleitest.
Für die Politiker, die in diesen Tagen abwägen müssen, welche Maßnahmen richtig sind, um den Krieg in der Ukraine nicht eskalieren zu lassen und zugleich die Menschen dort nicht in Stich zu lassen:
dass sie sich dabei von der Liebe zu den Menschen in der Ukraine und der Sehnsucht nach Frieden leiten lassen.
Für alle Menschen, denen die Krisen dieser Tage den Boden unter den Füßen weggezogen haben, die nicht mehr wissen, wem sie glauben können, die ihre Orientierung verloren haben:
steh ihnen bei auf der Suche nach dem richtigen Weg.
Für alle Christen, die sich in diesen Tagen der Fastenzeit neu auf den Weg zu Dir machen:
zeige Du ihnen Wege auf, die sie gehen können.
Für alle, die bedingungslos an der Seite der Verlierer unserer Gesellschaft stehen:
schenke ihnen die Kraft, die sie brauchen.
Für alle, die sich tatkräftig in den Krisengebieten und Flüchtlingslagern unserer Zeit engagieren und Unrecht laut anprangern:
dass sie standhaft bleiben und sich nicht mundtot machen lassen.
Für unsere Kranken und Verstorbenen.
Guter Gott, Du möchtest, dass wir umkehren und uns auf den Weg machen zu Dir. Du bist uns nahe, wenn wir dies versuchen.
Dafür danken wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herren. - Amen.
Guter Gott,
am Beginn der 40-tägigen Fastenzeit stehen wir in vielerlei Hinsicht hilflos da.
Wir bitten dich um deinen Beistand.
Steh allen Menschen in der Ukraine bei, die in ihrem Land ausharren
und sich gegen die Übergriffe fremder Mächte wehren.
Steh allen bei, die vor dem Kriegsgeschehen auf der Flucht sind, um sich und ihre Kinder in Sicherheit zu bringen.
Lass sie Aufnahme und Unterstützung finden.
Steh allen Politikern bei, dass sie Wege finden, die aus dieser Katastrophe herausführen.
Steh allen bei, die in dieser Fastenzeit ihren Lebensstil und ihre Leitlinien im Licht des Glaubens überprüfen.
Nimm alle Opfer des Krieges bei dir auf und vergilt ihnen, was sie Gutes bewirken wollten.
Schenke allen unseren Toten die Fülle des Lebens, die sie in ihrer Zeit auf der Erde gesucht haben.
Du, Herr, stehst über der Zeit
und kannst Leben schenken, wo wir mit unseren Möglichkeiten am Ende sind.
Dir vertrauen wir. - Amen.
Das Pastoralamt der ED Wien, Abteilung Bibel-Liturgie-Kirchenraum, stellt den Gemeinden folgende Fürbitten für die Gottesdienste zur Verfügung:
Die Nachrichten und Bilder,
die uns in den vergangenen Tagen
aus der Ukraine erreicht haben,
haben viele fassungslos gemacht.
Die Welt hat sich an diesem Donnerstagmorgen
plötzlich anders angefühlt.
So bringen wir vor dich, guter Gott,
unsere Bitten.
Für alle, die um ihr Leben fürchten.
Für alle, die vor den Trümmern ihrer Existenz stehen.
Für alle, die ihre Heimat verteidigen.
Für alle, die ausgeschickt werden ein anderes Land anzugreifen.
Für alle, die nur in der Flucht ihre Zukunft sehen.
Für alle, die Menschen in Not helfen.
Für alle, die der Krieg traumatisiert.
Für alle, die versuchen zu verstehen.
Für alle, die gegen Ungerechtigkeit aufstehen.
Für alle, die sich instrumentalisieren lassen.
Für alle, die um Lösungen am Verhandlungstisch ringen.
Für alle, die nur auf ihrem eigenen Weg beharren wollen.
Für alle, die getötet wurden.
Für alle, die um Verstorbene trauern.
Allmächtiger Gott,
du Gott des Lebens und des Friedens
dich loben und preisen wir in Ewigkeit. Amen
liturgie@edw.or.at, www.liturgie.wien
Gott schenkt uns die vierzig Tage als Zeit der Besinnung und Umkehr.
Mit unseren Bitten kommen wir zu ihm:
Für alle Verantwortlichen in Politik, Wissenschaft und Medizin, die in dieser Zeit schwierige Entscheidungen treffen müssen.
Für alle Menschen, die sich für die Fastenzeit vorgenommen haben, ihren Lebensstil und dessen Auswirkungen auf andere zu bedenken.
Für alle, die aufgrund der Corona-Krise gesundheitliche, finanzielle oder psychische Probleme haben.
Für alle, die sich immer wieder neu auf die Suche nach Gott machen.
Für alle, die sich für geflüchtete Menschen engagieren und ihre Stimme für die Armen erheben.
Für alle Verstorbenen und besonders für jene, die an Corona verstorben sind.
Guter Gott, du bist und bleibst uns nahe.
Dafür danken wir dir heute und alle Tage unseres Lebens. - Amen.
Barmherziger und gütiger Gott am Beginn dieser Fastenzeit bitten wir dich:
Für jene, die fasten müssen, weil sie nicht genug zum Leben haben.
Für jene, die in der Hektik ihres Alltages keine Ruhe für Gebet und Meditation finden.
Für jene, die jetzt in der Fastenzeit für Hilfsorganisationen spenden.
Für alle, die Gutes tun, aber niemand bemerkt es.
Für jene, die unversöhnt mit Gott, sich selbst oder ihren Mitmenschen sind.
Für alle, die in dieser Fastenzeit umkehren und damit neue Perspektiven gewinnen möchten.
Für unsere Verstorbenen und ihre Angehörigen
Gott du bist treu und gut.
Wir vertrauen dir alle unsere Sorgen und Anliegen an mit Jesus unserem Bruder und Herrn. – Amen.
© Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt, Theologin, Diözese Linz
Herr, unser Gott,
zu Beginn der heiligen vierzig Tage bringen wir dieses Opfer dar
und bitten dich: Hilf uns, umzukehren
und Taten der Buße und der Liebe zu vollbringen,
damit wir unseren bösen Neigungen nicht nachgeben.
Reinige uns von Sünden
und mache uns fähig,
das Gedächtnis des Leidens unseres Herrn Jesus Christus
mit ganzer Hingabe zu begehen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Aschermittwoch
Allmächtiger Gott,
höre gnädig auf unsere Bitten:
Nimm die Gebete und Gaben deines Volkes entgegen
und bekehre unsere Herzen zu dir.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Donnerstag in der 1. Woche der Fastenzeit
Herrn, unser Gott,
im heiligen Opfer, das wir feiern,
nimm auch unsere Mühen an,
damit der äußere Verzicht,
den wir in diesen vierzig Tagen auf uns nehmen,
uns durch deine Gnade innerlich erneuere.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Donnerstag in der 2. Fastenwoche
Guter Gott,
Jesus hat mit allen Menschen zusammen gegessen.
Er ist zu den Frommen gegangen
und hat auch mit denen Gemeinschaft gesucht,
die Fehler gemacht haben und Schuld auf sich geladen haben.
Wir alle brauchen es umzukehren.
Wir alle brauchen deine barmherzige Liebe.
Du lädst uns dazu ein.
Du bist unsere Mitte. - Amen.
Gott,
im Brot hast du Versöhnung ausgedrückt.
Im Bild des gefüllten Bechers erkennen wir deine Freude.
Gib diesem Brot und diesem Kelch deinen Segen,
damit wir dich bei unserem Neuanfang an der Seite wissen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Guter Gott,
die Gaben von Brot und Wein
werden gewandelt in Leib und Blut Jesu.
Auch unsere Herzen mögen gewandelt werden,
unsere Herzen mögen neu werden,
unsere Liebe möge wachsen und reifen.
Sei uns nahe.
Mache dich eins mit uns. - Amen.
Herr,
du kannst alles verwandeln.
Brot und Wein und mich.
Ich bringe dir, was ich habe.
Brot und Wein und mich.
Du wirst alles neu machen.
Brot und Wein und mich.
Du verschenkst alles.
Brot und Wein und dich.
Kehrvers:
Lobe den Herrn, meine Seele!
(GL 58,1)
Guter Gott,
wir kommen zu dir, um dir zu danken
und deine barmherzige Liebe zu preisen.
Du hast den Menschen, als er sich von dir abgewandt hat,
nicht verstoßen, sondern auf einen Weg geführt,
auf dem er die Tiefe deiner Weisheit und Liebe zu verstehen begann.
Kehrvers
Du hast immer wieder mit den Menschen einen Bund geschlossen
und schließlich Israel zu deinem heiligen Volk erwählt.
Wann immer es deinen Bund verlassen hat,
hast du ihm Propheten gesandt,
damit sie die Herzen der Menschen wieder dir zuzuwenden.
Kehrvers
Jesus von Nazareth hat den Bund mit deinem Volk erneuert.
Er hat uns an seiner innigen Verbundenheit mit dir teilhaben lassen
und uns den Heiligen Geist gesandt,
durch den auch wir dich Vater nennen.
Er hat uns mit dir, heiliger Gott und Vater, versöhnt
und ruft uns zur Umkehr,
wo immer wir von deinen Wegen abgewichen sind.
Kehrvers
Wir danken dir für die Gnade und Barmherzigkeit,
mit der du uns begegnest
und die uns die Kraft gibt, auch einander zu vergeben
und auf den Weg zurück zu kehren, den Jesus Christus mit uns geht.
Wir stimmen ein in den Lobgesang aller Menschen,
die deine Größe erkannt haben,
und singen mit den Engeln und Heiligen dein Lob:
Danklied, z. B. "Mein ganzes Herz erhebet dich..." (GL 143)
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen deinen heiligen Namen.
Denn jetzt ist die Zeit der Gnade,
jetzt sind die Tage des Heiles.
Du hilfst uns, das Böse zu überwinden,
du schenkst uns von neuem die Reinheit des Herzens.
Du gibst deinen Kindern die Kraft,
in dieser vergänglichen Welt
das unvergängliche Heil zu wirken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir dich
in deiner Kirche und vereinen uns
mit den Engeln und Heiligen zum Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig...
MB Fastenzeit 2
Versöhnung geben und Versöhnung empfangen.
Versöhnung empfangen haben und Versöhnung weiterschenken.
An welcher Stelle in diesem Prozess wir auch sind, wir stellen uns diesem Thema und rufen:
Vater unser…
Wer über die Weisung des Herrn nachsinnt bei Tag und Nacht,
bringt seine Frucht zur rechten Zeit.
(Ps 1,2-3)
Oder:
Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade;
jetzt ist er da, der Tag der Rettung.
(2 Kor 6,2b)
Wenn du wirklich fasten willst
dann mache Inventur:
Es geht ganz leicht.
Prüfe wie viel du wiegst
und falls du Übergewicht hast
denke nach, wieso.
Geh zu deinen Schränken
zähle nach
wie viele Schuhe, Pullover, Anzüge, Kleider, Mäntel du hast
und wie viele du davon wirklich brauchst.
Denke nach welche Strecken du zu Fuß gehst,
und wie oft du gedankenlos einfach das Auto nimmst.
Überlege wie viel Geld du monatlich für dein Hobby ausgibst
und wie viel für Menschen in Not.
Ende der Inventur.
Wenn du wirklich fasten willst
und wenn du genug Mut hast
dann überlege, was du ändern musst.
Und wenn du wirklich Mut hast
dann ändere dich.
Fasten ist: sich ändern
Autor unbekannt
Ich kann fasten
und dabei nur mich selber suchen.
Ich kann beten und zum Gottesdienst gehen
und nur um mich selber kreisen,
um mich und um mein Wohlergehen.
Mein Fasten und mein Beten,
mein Gottesdienstbesuch
wollen und sollen mich verändern,
wollen senden und einladen
die Welt und die Menschen neu zu sehen.
Ich bin eingeladen
von Gott persönlich -
mich zu verändern und senden zu lassen,
hin zu meinen Schwestern und Brüdern,
zu den Bedürftigen und Geringen.
Mein Fasten und mein Beten
soll etwas verändern
in mir
und bei denen,
die diese Welt mit mir teilen.
So satt wie heute waren wir noch nie -
aber auch noch nie
so unersättlich
So reich an allem waren wir noch nie -
aber auch noch nie
so arm
So eng beisammen wohnten wir noch nie -
aber auch noch nie
so weit weg voneinander
So versichert waren wir noch nie -
aber auch noch nie
so unsicher
So viele Sprachen konnten wir noch nie -
aber auch noch nie
so wenig gute Worte
So viele Möglichkeiten hatten wir noch nie -
aber auch noch nie
so wenig Freude
Fasten heißt auch:
Chancen nutzen
Möglichkeiten ergreifen
Hindernisse überwinden
Gutes tun
neu beginnen
Barmherziger Gott,
stärke uns durch dieses heilige Mahl,
damit wir fasten können, wie es dir gefällt,
und durch die Feier dieser Tage Heilung finden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Aschermittwoch
Allmächtiger Gott,
du erneuerst uns durch deine Sakramente.
Gewähre uns deine Hilfe
und mache das Werk der Erlösung,
das wir gefeiert haben,
auch in unserem Leben wirksam.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 25. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
du hast uns von den alten
zu den neuen Zeichen des Heils hinübergeführt.
Lass uns die Gewohnheiten des alten Menschen ablegen
und neu werden in Heiligkeit und Gerechtigkeit.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Freitag der 4. Woche der Fastenzeit
Guter Gott,
wir gehen wieder aufs Neue unsere Wege.
Wir haben das Aschekreuz empfangen.
Wir wollen jetzt neu mit dir und den Nächsten anfangen.
und möchten anfangen, dich immer mehr zu lieben.
Segne uns dazu. - Amen.
Du unser Gott,
wir lassen uns auf einen Neubeginn ein,
und du stärkst uns dazu.
Danke für die Kraft aus dem Wort deines Sohnes.
Danke für die Kraft aus dem Leib und Blut deines Sohnes.
Danke, dass Hoffnung in uns leben kann.
Das erfahren wir immer wieder durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Guter Gott,
sich zu wandeln das dauert ein Leben lang.
Wir wollen jetzt wieder neue Schritte tun.
Wir brauchen deine Hilfe,
damit unsere Herzen sich erneuern.
Dass wir uns erneuern,
dazu segne uns jetzt. - Amen.
Gott, der auch aus der Asche neues Leben schafft,
wir danken dir für dein Wort,
für das Zeichen des Kreuzes
und für das Mahl,
Vorgeschmack deines Reiches.
Hilf uns, unsere Frömmigkeit liebevoll zu pflegen,
in dem, was wir geben, die Liebe zu finden,
und einander Mut zu machen, auch eigene Wege zu gehen.
In Christus,
Weg, Wahrheit und Leben,
umfasst von dem einen Geist,
der uns zu Kindern Gottes macht.
Von Ewigkeit zu Ewigkeit. – Amen.
Gott,
unter deinem Segen gehen wir auf dem Weg des Neubeginns
dem Osterfest entgegen.
Schenke du uns dazu die Kraft,
mit der du deinen Sohn
vierzig Tage durch die Wüste geführt hast.
Das erbitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
Es segne euch Gott, damit ihr geschützt seit wie Kain. - Amen.
Es segne euch Gott, damit sein Wort euch ermutigt. - Amen.
Es segne euch Gott, damit sein Geist in euch Frieden schaffen kann. - Amen.
Und der Segen des Vaters
und des Sohnes
und des Heiligen Geistes
begleite Euch diesen Tag und durch die ganze Zeit der Vorbereitung auf Ostern. - Amen.
Gott weiß, was ich denke
Gott weiß, was ich fühle
Gott weiß, was ich tue
Gott weiß, wann ich glücklich bin
Gott weiß, wann ich traurig bin
Gott weiß, wann ich es brauche, dass mir jemand Mut macht
Gott weiß, wann ich jemanden brauche, der mir einen Schubs gibt...
Gott weiß das alles besser als ich selbst
Gott kennt mich besser, als ich mich selber kenne
Doch Gott liebt mich mehr, als ich mich selber liebe...
Lieben kann ich nur das, was ich auch wirklich kenne...
Gott, ich danke dir, dass du mich mit Liebe anschaust,
dass du mich annimmst
denn du hast mich ja so geschaffen...
Gott, das hilft mir, mich mit dir zu versöhnen
und auch mit anderen mich zu versöhnen
und auch mit mir selbst.
Gott,
aus dieser Liebe heraus, hilf mir, stets neu zu werden.
© Pater Jörg Thiemann
Vom Guten in euch kann ich sprechen, nicht aber vom Bösen. Denn was ist das Böse anderes als das Gute, das von seinem Hunger und Durst gequält wird?
Wahrlich, wenn das Gute hungrig ist, sucht es sogar in finsteren Höhlen nach Nahrung, und wenn es durstig ist, trinkt es sogar aus toten Gewässern.
Ihr seid gut, wenn ihr eins seid mit euch selbst. Doch wenn ihr nicht eins seid mit euch selbst, seid ihr deshalb nicht böse.
Denn ein gespaltenes Haus ist keine Räuberhöhle, es ist lediglich ein gespaltenes Haus. Und ein Schiff ohne Ruder mag ziellos zwischen gefährlichen Riffs treiben, aber es sinkt deswegen noch nicht auf den Grund.
Ihr seid gut, wenn ihr danach strebt, etwas von euch zu geben. Aber ihr seid nicht böse, wenn ihr euren eigenen Vorteil sucht. Denn wenn ihr nach Gewinn strebt, seid ihr nichts als die Wurzel, die sich an die Erde klammert und an ihrer Brust trinkt. Freilich kann die Frucht nicht zur Wurzel sagen: „Sei wie ich, reif und voll und immer bereit, von der eigenen Fülle zu geben.“ Denn für die Frucht ist Geben ein Bedürfnis, so wie Empfangen ein Bedürfnis der Wurzel ist.
Ihr seid gut, wenn ihr in eurer Rede vollkommen wach seid. Aber ihr seid nicht böse, wenn ihr schlaft, während eure Zunge sinnloses Zeug stammelt. Und selbst eine stammelnde Rede kann eine schwache Zunge stärken.
Ihr seid gut, wenn ihr euch mit festen und mutigen Schritten eurem Ziel nähert. Aber ihr seid nicht böse, wenn ihr hinkend darauf zugeht. Auch die Hinkenden gehen nicht rückwärts. Aber ihr, die ihr stark und schnell seid, achtet darauf, dass ihr nicht aus falsch verstandener Freundlichkeit vor den Lahmen hinkt.
Ihr seid gut auf zahllose Arten, und ihr seid nicht böse, wenn ihr nicht gut seid. Ihr seid lediglich träge und faul.
Schade, dass der Hirsch der Schildkröte nicht Geschwindigkeit beibringen kann!
In eurer Sehnsucht nach eurem übermenschlichem Selbst liegt euer Gutsein: Und diese Sehnsucht ist in jedem von euch. Aber in manchen von euch ist diese Sehnsucht ein Sturzbach, der sich mit Wucht ins Meer ergießt und die Geheimnisse der Hügel und die Lieder des Waldes mit sich reißt. Und in anderen ist sie ein seichter Strom, der sich selbst in Windungen und Biegungen verliert und immer wieder innehält, bevor er die Küste erreicht. Aber lasst nicht zu, dass der, dessen Sehnsucht stark ist, zu dem, dessen Sehnsucht schwach ist, sagt:
„Warum bist du so langsam und zögerlich?“
Denn die wahrhaft Guten fragen nicht die Nackten: „Wo ist deine Kleidung?“ noch die Obdachlosen: „Was ist mit deinem Haus geschehen?“
Aus: Khalil Gibran, Der Prophet. München 2007, 8. Auflage.
Gestern Abend,
als ich im Bett lag
und nicht einschlafen konnte,
da stiegen die Bilder des Tages
noch einmal hoch.
Da dachte ich über mich nach,
und dabei
bin ich ganz gut weggekommen!“
Die „Gewissenserforschung“ ergab:
Ich habe keinen umgebracht,
habe keinen bestohlen
oder ausgeraubt!
Ich habe wohl schon
mal gelogen,
mal gestänkert,
mal über andere geredet,
mal falsches Zeugnis gegeben,
mal wissentlich einen schlecht gemacht und
in die Pfanne gehauen –
so nennt man das wohl. –
Aber
Das tun ja alle schon mal.
Der Rausch gestern abend
war bloß Ergebnis
der Bombenstimmung unter uns,
und der kurze Streit
nach Mitternacht
mit Ulli
war nur eine unbedeutende Geschichte.
Das Rot an der Ampel
war ja eigentliche in der letzten
Gelbphase
Und ohnehin (ziemlich) ungefährlich,
denn ich hatte die Straße
im Griff,
es war Nacht
und Radar war nirgendwo zu sehen,
ich hatte auch mein Auto
im Griff
wie alles!
Ja, Herr, gestern Abend,
als ich so über mich nachdachte,
da war ich sehr zufrieden mit mir,
da bin ich ganz gut weggekommen –
weg – ge – kommen,
von dem, was man (vielleicht)
ein sensibles Gewissen nennt.
Wie viele der „kleinen“ Dinge,
die ich tat,
und die gemein und verantwortungslos waren.
So muss ich dich heute bitten:
Herr, lass mich umkehren!
Aus: Peter Boekholt, Im Aufbruch. Wege ins Leben. Kevelaer 1985
Buße tun ist heutzutage nicht gerade modern. Viele sehen ihr eigenes Versagen nicht ein, es ist immer jemand anders schuld, Eltern und Erzieher zum Beispiel oder die Veranlagung eines Menschen, seine Umgebung, die Gesellschaft und so weiter. Natürlich spielen alle diese Faktoren eine Rolle, aber wenn wir unser Versagen allein darauf zurückzuführen, heißt das doch: Ich bin nicht selbst verantwortlich, ich bin nicht Herr meiner Taten, bin nicht frei, und das heißt letzten Endes: Mir fehlt Wesentliches an der Menschenwürde. Buße tun heißt zuallererst: Sich selber verantwortlich bekennen – und damit in Anspruch nehmen, dass man frei ist in seinen Entscheidungen. Wer Buße tut, rettet etwas von der Würde des Menschseins. Wir sind keine Apparate, die ohne Eigenverantwortung nur reagieren, wir sind Menschen...
Für Jesus war die Bereitschaft zur Buße und Umkehr Kernstück seiner Verkündigung. Dabei folgte er der Mahnung der alttestamentlichen Propheten: Buße muss eine Sache des Herzens sein, eine innere Umkehr zum Guten hin, Abkehr vom Bösen und Hinkehr zu Gott, auch zu den Mitmenschen, von denen uns ja die Sünde immer irgendwie entfernt. Vor allem ist Buße ein Geschenk – das habe ich hier wieder neu erfahren. Die Umkehr ist nicht unsere Leistung, es geht dabei auch gar nicht darum, Gott gnädig zu stimme. Er hat sich ja längst uns zugewendet, Jesu Blut ist längst für uns vergossen, er hat uns die Gnade geschenkt, dass wir neu anfangen dürfen. Darum ist das Mitfeiern der heiligen Messe die wichtigste Form der Buße. Hier wird nämlich das Kreuzesopfer gegenwärtig, durch das unsere Schuld gesühnt worden ist.
Aus: Winfried Henze, Glauben ist schön, Ein katholischer Familienkatechismus. München 2001.
Das Kainsmal oder das Kainszeichen ist ein Zeichen, das in der Bibel dem Brudermörder Kain von Gott auferlegt wird. Kain erschlug seinen Bruder Abel aus Neid wegen seiner bevorzugten Stellung bei einem Gottesopfer. Damit er nicht als Brudermörder selbst erschlagen werde, machte Gott ein Zeichen an Kain, um ihm eine Chance für ein gewaltfreies Leben zu geben. Das Kainsmal ist also sowohl das Erkennungszeichen des Mörders als auch ein Schutzzeichen, das ihn vor einem gewaltsamen Tode bewahrt.
Heutzutage hat das Kainsmal die Bedeutung eines Zeichens der Schuld; ein Merkmal, das einen verrät. Oft negativ behaftet, muss es jedoch keine "gerechte Strafe", im biblischen Sinne sein. Das Kainsmal ist der Stempel, den die Gesellschaft anderen aufdrückt, um sie auf das festzunageln, was sie sich als Bild von ihnen gemacht hat.
Aus: https://anthrowiki.at/Kainsmal
Das Kains-Mal ist ein geheimnisvolles Schutzzeichen. Gott versah Kain damit. Wie es dazu kam, erfahrt ihr hier.
https://kerstin-soederblom.de/kains-mal/
Dr. Kerstin Soederblom auf: https://kerstin-soederblom.de/
Welch ein Segen,
dass du glauben kannst
an den, der dich erschaffen hat,
versöhnt und auch erlösen wird.
Welch ein Segen,
dass du in Gott deine Kraft findest
und deinen Sinn.
Welch ein Segen,
dass du in Gott deine Kraft findest
und deinen Sinn.
Aus: Thomas Schwartz, Segen voller Leben. Gute Worte für alle Tage. Herderverlag 2017.
Du
Anwalt der Armen
Ich möchte Anteil haben an Deiner Liebe für die Armen
hungern mit den Hungernden
Durst haben mit den Durstigen
verzichten, weil so Viele nichts haben
Lehr mich ein Fasten, wie es Dir gefällt.
Öffne meine Augen für die vielfältige Armut
Lass mich ein Herz haben für die Bedürftigen
und tun, was in meinen Kräften liegt
Mach mich in der Fastenzeit zum Anwalt der Armen
Dir gleich
Du Anwalt der Armen
Aus: Anton Rotzetter; Gott, der mich atmen läßt. Gebete. Herderverlag 1986.
Manchmal besteht der Segen Gottes
nicht in dem, was er dir gibt,
sondern in dem, was er dir wegnimmt.
Er weiß am besten,
was ein Segen für dich ist.
Vertraue ihm einfach
und lass ihn dich segnen.
Aus: Thomas Schwartz, Segen voller Leben. Gute Worte für alle Tage. Herderverlag 2017.
Gott, der voller Liebe wie eine gute Mutter
und wie ein gütiger Vater ist, segne uns,
er lasse unser Leben gedeihen,
er lasse unsere Hoffnung erblühen,
er lasse unsere Früchte reifen.
Der Herr behüte uns,
er sei uns nahe in unseren Ängsten
und in mancher Herzensnot.
Der Herr lass leuchten sein Angesicht über uns,
so wie ein zärtlicher Blick erwärmt,
so überwinde er bei uns, was erstarrt ist.
Gott, der Herr, sei uns gnädig.
Wenn uns Schuld drückt,
dann lasse er uns aufatmen und mache uns frei.
Der Herr erhebe sein Angesicht über uns,
er sehe unser Leid, er tröste und heile uns.
Er gebe uns Frieden, das Wohl des Leibes
und das Heil für unsere starken und schwachen Seelen.
So segne und behüte uns der nahe und der ferne Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
Aus: https://www.wortgottesdienste.de/Detail?id=14
ZEIT
frei zu werden von …
frei zu werden für …
deine Lebens-Impulse
GOTT
Ich sehne mich nach
deinem Geleit
durch diese kostbare
LEBENsZEIT
Sie setzen jeden Abend eine Maske auf
Und sie spielen, wie die Rolle es verlangt
An das Theater haben sie ihr Herz verkauft.
Sie stehn oben und die unten schaun sie an.
Sie sind König, Bettler, Clown im Rampenlicht,
doch wie`s tief in ihnen aussieht sieht man nicht.
Theater, Theater
Der Vorhang geht auf, dann wird die Bühne zur Welt.
Theater, Theater,
das ist wie ein Rausch, und nur der Augenblick zählt.
Wie ein brennendes Fieber, wie ein Stück Glückseligkeit.
Ein längst vergessener Traum erwacht zum leben.
Theater, Theater,
gehasst und geliebt, Himmel und Hölle zugleich.
Und der Clown, der muß lachen,
auch wenn ihm zum Weinen ist
und das Publikum sieht nicht,
das eine Träne fließt.
Und der Held, der muß stark sein
Und kämpfen für das Recht,
doch oft ist ihm vor Lampenfieber schlecht.
Alles ist nur Theater
Und ist doch auch Wirklichkeit.
Theater - das Tor zur Phantasie
Theater, Theater
Nur der bleibt dir treu, der dich vor Leidenschaft liebt.
Theater, Theater
Ist Leben und Traum, Anfang und Ende zugleich
Theater, Theater
Ihr schenkt uns Applaus, wir geben alles für euch
und lachen und weinen für euch.
Ja, wir geben alles für euch.
Katja Ebstein, Eurovision 1980.
Songwriter: Bernd Meinunger / Ralph (jun.) Siegel
Songtext von Theater © Warner Chappell Music, Inc
https://www.youtube.com/watch?v=RP21evYWHmo
Anselm Grün beschreibt das Gebet so:
„Das Gebet stellt uns vor Gott. Gottes Licht leuchtet hinter die Fassade meines Tuns und Denkens. Es lässt mich erst die wahren Motive meines Handelns und die Ursachen meiner Gedanken und Stimmungen entdecken. Manches würde ich in mir ohne das Gebet gar nicht entdecken. Denn gerade durch die Konfrontation mit Gott wird mir bewusst, was in mit verkehrt ist. Dies gründet darin, dass uns das Gebet mit einer Person, mit Gott konfrontiert. Gebet ist nicht Monolog, nicht Selbstbespiegelung, sondern Gespräch, Begegnung mit einer von mir unabhängigen Person. Indem ich im Gebet von mir weg auf Gott sehe, kann ich von Gott her auf mich blicken und mich im Lichte Gottes weit besser erkennen.“
„Gott, öffne mir die Augen,
mach weit meinen Blick und mein Interesse,
damit ich sehen kann,
was ich noch nicht erkenne.
Gott, öffne mir die Ohren,
mache mich hellhörig und aufmerksam,
damit ich hören kann,
was ich noch nicht verstehe.
Gott, gib mir ein vertrauensvolles Herz,
dass sich deinem Wort überlässt
und zu tun wagt,
was es noch nicht getan hat.“
(nach Willi Lambert)
Aus: Andrea Schwarz, Wie ein Gebet sei mein Leben, Exerzitien im Alltag, Freiburg 2002.
Askese und Enthaltsamkeit sind alles andere als rein christliche Tugenden. Alle große Religionen beschäftigen sich mit dem Verzicht aus unterschiedlichsten Motiven. Verzicht, nicht zuletzt der frei gewählte, macht Verzichtende nicht nur für sich selbst besser. Wer verzichtet, ist Vorbild und will das in einer Gesellschaft, in der staatlich geforderter Verzicht mittlerweile als Freiheitsberaubung gesehen wird, auch gerne sein.
Ganzer Beitrag:
https://topos.orf.at/askese100
Gerald Heidegger (Text), ORF Topos, Markus Marschalek (Video), ORF Religion, für ORF Topos.
Heute beginnt die Fastenzeit. Viele Menschen nehmen das zum Anlass zu fasten, nicht nur aus religiösen Gründen, sondern auch, um die "Sünden" der Weihnachtszeit ungeschehen zu machen, um zu entschlacken, um was Neues auszuprobieren, z.B. vegan zu leben. Die Fastenzeit bietet sich einfach dafür an. Überall sprießen einem Angebote entgegen, was man unbedingt jetzt mal ausprobieren sollte. Das traditionelle kein Fleisch, Zigaretten, Alkohol hat sich überholt, ebenso das Süßigkeiten Fasten der Kinder, das in der Regel eher von den Eltern kam.
Worum geht es eigentlich beim Fasten? Darum, sich gegenseitig zu überbieten ganz sicher nicht. Es geht darum, zu schauen: wie überladen ist mein Leben. Worauf könnte ich vielleicht verzichten? Wie kann ich Zeit und Gelegenheit finden, in mich zu gehen, mich zu fragen: Wer bin ich eigentlich? Wohin will ich gehen? Was ist mein Auftrag als Christ:in? Wie kann ich Gott nahe sein?
Als unsere Kinder noch zu Hause waren, haben wir immer mit ihnen gemeinsam überlegt, was die Zeitfresser in ihrem Leben wahren, und sie haben sich mal aufs Fernsehfasten, mal aufs Computerspielfasten eingelassen. Ich habe lange Jahre den PC in der Fastenzeit nur zum Arbeiten angemacht. Heute bin ich da nicht mehr so streng mit mir: nachdem ich während Corona überwiegend zu Hause war (meine Eltern, inzwischen über 90, wohnen im Haus), nicht ausgegangen bin, nicht Geburtstag gefeiert habe und selten bis gar nicht meine Freunde und Freundinnen getroffen habe, hatte ich irgendwie das Gefühl, genug gefastet zu haben.
In diesem Jahr will ich etwas ganz anderes fasten: mich zu ärgern. Ich habe nämlich festgestellt, dass das ein riesengroßer Zeitfresser ist: sich über etwas ärgern, sich in den Ärger reinsteigern, Phantasien entwickeln – herauskommt dabei genau nix. Stattdessen möchte ich Gelassenheit und Ruhe entwickeln, Dinge, die mich ärgern, wo es geht, anzusprechen oder einfach an mir abprallen zu lassen, wenn ich eh nichts ändern kann.
Egal, ob wir fasten oder nicht: wir sollten uns jeden Tag ein paar Minuten Zeit nehmen, uns auf diese Fragen zu konzentrieren. Mit einem Gebet, einem Fastenimpuls, mit einer kleinen Meditation, vielleicht auch auf einem Spaziergang: irgendetwas, das uns guttut und uns hilft, innezuhalten und zu uns selbst und zu Gott zu finden. Und tun wir es ganz für uns. Nicht für die anderen. „Zerreißt Eure Herzen, zerreißt nicht Eure Kleider“…
Edith Furtmann 2023
LEBEN
zwischen
Werden und Vergehen
ERBLÜHEN
Wer will nicht
Spuren hinterlassen
am Ende
nicht nur verglühen
Fastenzeit 2021
ich achte
auf meine LEBENsSPUREN
Mit dem Aus-Blick auf die Asche:
Die Zeit ist reif
für NEU-Ausrichtung
sie fängt in meinem Herzen an
Und Gottes Segen
lässt gedeihen
Vom Fasten …
Einfach leben
Fasten
Reduzieren
von jeglichem Zuviel
Beten
meine Beziehung mit Gott
vertiefen und be-leben
Almosen geben
meinen solidarischen Lebensstil
überprüfen
FREUDE am LEBEN
erstrahlen lassen
So einfach kann’s sein
Eine bemerkenswerte Empfehlung
aus der Bibel
So einfach ist es nicht
und dennoch …
tiefer SINN steckt drin
Aschermittwoch
Wende-Zeit
Zeit für innen
Zeit für mich
um
Klarheit zu gewinnen
und der Kostbarkeit
meines Lebens
auf den Grund zu gehen
Im Verborgenen
inne-halten
mich
reinigend konfrontieren
achtsam orientieren
mutig neu ausrichten
und
FREUDE wird
unaufhaltsam
Einkehr halten
und ausstrahlen
Alles klar
für deine
Fasten-Kur?
Was möchtest du
in dieser Fastenzeit
klären?
Bald wie ein Sommermorgen, bald Sonne im Zenit,
Bald eine Regenwolke, die durch meinen Himmel zieht,
Bald schweigsam und verschlossen, überschäumend gleich danach,
Sie ist der dunkle Bergsee, und sie ist der helle Bach.
Geheimnisvoll, dazu an Überraschungen so reich,
Sie ist so wie ich sag‘ und auch das Gegenteil zugleich.
Asche und Glut,
Schwarz oder weiß,
Lava und Eis,
Ebbe und Flut.
Sie ist wie ein Bild im Kaleidoskop, das kaum geseh‘n
In bunte Scherben fällt, um neu und schöner zu entsteh‘n.
Und ihre Seele hat so viele Farben wie das Licht,
Das sich in Tauperlen im Gras als Regenbogen bricht,
Wie schillernde Akkorde aus einer Sphärenmusik,
Und ich, ich liebe jeden Stein in diesem Mosaik!
Ich hab‘ manches gelernt von ihr, und lerne doch nie aus,
Je mehr ich weiß, desto weniger werd‘ ich schlau daraus.
Sie ist mir oft ein Rätsel, doch ich komme zu dem Schluß,
Daß ich nicht jedes Rätsel auf der Welt verstehen muß.
Ein Buch mit sieben Siegeln, doch ich rühre nicht daran,
Solang ich in der Wärme ihrer Liebe leben kann!
Reinhard Mey
Wohlauf, mein Herz und all mein Mut,
und such das Gut ob allem Gut!
Was das nicht ist, das schätz gar klein
Und sehn dich allzeit wieder heim.
Du hast doch hier kein Bleiben nicht,
ob’s morgen oder heut geschieht.
Da es denn anders nicht mag sein,
so flieh der Welte falschen Schein.
Bereu dein Sünd und beßre dich,
als wolltst du morgn gen Himmelreich.
Ade, Welt, Gott gesegne dich!
Ich fahr dahin gen Himmelreich.
1
Staub und Asche
verherrlichen dich nicht.
Du hast es doch nicht nötig,
daß ich sterbe.
2
Heile mich. Heile mich nicht.
Was nicht sein kann, kann nicht sein.
Heile mich von meiner Angst.
3
Ich habe noch so Vieles nicht gesehn.
Es gibt Menschen, die ich liebe.
Ich kann es nicht glauben. Warum
hast du mich verlassen?
4
Ende noch nicht in Sicht.
Ich sehe Licht. Ich fühle Schmerz.
Schmerz, der mich schafft.
Der ich sterben muß,
einsam wie wir alle.
5
Sende den Engelo
des letzten Trostes,
die Augen eines Menschen.
Enthalte mir den einen
Menschen nicht vor, der sagt:
hier bin ich.
6
Weck meine Milde wieder auf,
Gib mir zurück
die Augen eines Kindes.
Daß ich sehe, was ist,
und mich anvertraue
und das Licht nicht hasse.
7
Weil du es bist,
größer als mein Herz,
der mich gesehen hat,
eh ich geboren wurde.
Lasset uns mit Jesus ziehen,
seinem Vorbild folgen nach,
in der Welt der Welt entfliehen,
auf der Bahn, die er uns brach,
immer fort zum Himmel reisen,
irdisch noch schon himmlisch sein,
glauben recht und leben rein,
in der Lieb den Glauben weisen.
Treuer Jesu, bleib bei mir,
gehe vor, ich folge dir.
Lasset uns mit Jesus leiden,
seinem Vorbild werden gleich;
nach dem Leide folgen Freuden,
Armut hier macht dorten reich,
Tränensaat, die erntet Lachen;
Hoffnung tröste mit Geduld:
Es kann leichtlich Gottes Huld
aus dem Regen Sonne machen.
Jesu, hier leid ich mit dir,
dort teil deine Freud mit mir.
Lasset uns mit Jesus sterben;
sein Tod uns vom andern Tod
rettet und vom Seelverderben,
von der ewiglichen Not.
Lasst uns töten hier im Leben
unser Fleisch, ihm sterben ab,
so wird er uns aus dem Grab
in das Himmelleben heben.
Jesu, sterb ich, sterb ich dir,
dass ich lebe für und für.
Lasset uns mit Jesus leben.
Weil er auferstanden ist,
muss das Grab uns wiedergeben.
Jesu, unser Haupt du bist,
wir sind deines Leibes Glieder
wo du lebst, da leben wir;
ach erkenn uns für und für,
trauter Freund, als deine Brüder!
Jesu, dir ich lebe hier,
dorten ewig auch bei dir.
maßvoll leben
befreit
leert
klärt
erfüllt
ZEIT fasten
fasten
Zeit umwidmen
mir
genug
ZEIT widmen
und
dem SINN des GANZEN
FastenZeit – WendeZeit
umwenden
hinwenden
zuwenden
Was
gilt es
zu wenden
in meinem Leben?
Fasten ist
VerANTWORTung leben
reduzieren
und
vermehren
Fasten führt
in die
VerANTWORTung
Beteiligung zahlreicher Künstler an der Liturgie zum Beginn der Fastenzeit - Installationen machen auf die Botschaft von Buße und Umkehr aufmerksam
Wien, 13.2.2015 (KAP) Am Aschermittwoch als Beginn der Fastenzeit wird in den Kirchen das Aschenkreuz als Zeichen für Umkehr und Buße ausgeteilt. Etliche Angebote der Kirchen im ganzen Bundesgebiet laden auch heuer dazu ein, diesem Tag - er fällt diesmal auf den 18. Februar - einen ökumenischen oder künstlerischen Schwerpunkt zu geben. Spezielle liturgische Feiern gibt es u.a. auch für Journalisten sowie für Künstler.
Eine bereits langjährige Initiative ist die Aschermittwochs-Feier von Christen verschiedener Konfessionen, die in Wien etwa in der Ruprechtskirche stattfindet. Der "ökumenische Aschermittwoch" ab 19 Uhr wird vom Ruprechtskirchen-Rektor P. Hans Brandl sowie von der evangelischen Hochschulpfarrerin Gerda Pfandl geleitet. Das Thema des Wortgottesdienstes mit Aschenkreuz-Verteilung, der besonders auch Familien mit Partnern und Kindern aus verschiedenen Konfessionen ansprechen soll, lautet "Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider". Im Zentrum steht dabei der alttestamentliche Prophet Joel mit seinen Aufrufen zur Buße sowie auch seinen Hoffnungsworten.
Die Wiener Hofburgkapelle ist bereits ab 17 Uhr Schauplatz des diesjährigen "Aschermittwochs der Künstler", an dem Musiker und Schauspieler unter Verzicht ihres Honorars zugunsten der St. Anna Kinderkrebsforschung Darbietungen geben. Im literarischen Programm unter dem Motto "Sisyphos" wird Nestroy-Preisträgerin Sunnyi Melles mit Studenten des Max Reinhardt-Seminars Texte von Albert Camus, Charles Baudelaire, Günter Grass und anderen Autoren lesen. Neben musikalischen Beiträgen aus allen Epochen ist eine "gestische Intervention" von Jacqueline Kornmüller mit den Wiener Sängerknaben zu Franz Schuhs Videointerview "Über die Zukunft" geplant. (Anmeldung unter office@hofmusikkapelle.gv.at, erbetene Mindestspende 25 Euro).
Besonders an Journalisten ist die Einladung des katholischen Publizistenverbandes gerichtet, der ebenfalls um 17 Uhr den "Aschermittwoch für Medienleute" in der Wiener Michaelergruft veranstaltet. Der Ort ist sehr bewusst gewählt - so wird der Pfarrer der Michaelerkirche, P. Peter von Meijl, inmitten der teils offenen Särgen mit den Worten "Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst" das Aschenkreuz auf die Stirn zeichnen.
Installationen in den Domkirchen
Zahlreiche liturgische Veranstaltungen auch in den Bundesländern setzten künstlerische Akzente, um die Botschaft des Aschermittwochs und der Fastenzeit zu verdeutlichen. So wird etwa bei der Aschenkreuz-Feier im Innsbrucker Dom (19 Uhr) die Kunstinstallation "Poly X" von Heidi Holleis zu sehen sein, die bis Karsamstag an dieser Stelle verbleibt. Eine Installation von Gerhard Kalian ist im Klagenfurter Dom zu sehen, wo ebenfalls um 19 Uhr Bischof Alois Schwarz die Aschermittwochsliturgie feiert.
In St. Pölten findet - diesmal erst am Donnerstag, 19. Februar um 18.30 Uhr - im Dom eine Fastenbesinnung für Künstler statt. Im Anschluss eröffnet Diözesanbischof Klaus Küng die Ausstellung "Nur Kunst" im Bischöflichen Sommerrefektorium, bei der bis 15. März Werke von zehn bildenden Künstlern und drei Literaten zu erleben sind. Im Gurker Dom wird am Mittwoch mit Beginn der Aschermittwochs-Liturgie um 18 Uhr das "Hungertuch" aus dem Jahr 1458 aufgezogen. Das 89-Quadratmeter-Textilwerk des Meisters Konrad aus Friesach gilt als eines der bedeutendsten Zeugnisse mittelalterlicher Malkunst.
In der Linzer Ursulinenkirche steht die Aschermittwochsliturgie um 20 Uhr unter dem Motto "Memento Mori". Zu sehen ist die Installation "ich bin vergangen, du bist" von Hannelore Demel-Lerchster, zudem gibt es eine Predigt und Orgelimprovisationen von Kirchenrektor Peter-Paul Kaspar.
"Aktion Liebe" im Burgenland
Öffentlichkeitswirksam startet die Diözese Eisenstadt in die Fastenzeit: Bischof Ägidius Zsifkovics wird bei einem Aschermittwoch-Wortgottesdienst bereits um 11 Uhr das große Kreuz im Eisenstädter Martinsdom verhüllen, was zugleich Auftakt zur "Aktion Liebe" ist. Im ganzen Burgenland werden dabei in der Fastenzeit Kreuze im öffentlichen Raum - auch Marterln und Wegkreuze - verhüllt. Die Fortsetzung der "Aktion Glaube" sowie "Aktion Hoffnung" in den vergangenen Jahren soll Aufmerksamkeit für Glaubenszeichen und damit auch für den Glauben selbst wecken.
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Hildesheimer Bischof Trelle will im Gottesdienst "Last der Geschichte in den Blick nehmen" und um Verzeihung bitten.
Bonn, 13.2.2015 (KAP/KNA) Mit einem öffentlichen Schuldbekenntnis will der Hildesheimer katholische Bischof Norbert Trelle an Verfehlungen der Kirche im Laufe der Geschichte erinnern. Im Aschermittwochsgottesdienst um 18.30 Uhr im Dom wolle er in bisher nicht dagewesener Weise "die Last der Geschichte in den Blick nehmen" und um Verzeihung bitten, teilte die Diözese am Freitag in Hildesheim mit.
Es seien schlimme Fehler geschehen, teils aus gutem Glauben und Unwissenheit, aber auch "aus Machtkalkül, Patriotismus und Obrigkeitsgehorsam", so die Diözese. Der Bischof werde auch nicht verschweigen, "wo weggeschaut und geschwiegen wurde, wo Menschen in der Kirche Opfer von Missbrauch geworden sind". Das alles wolle Trelle mit der Bitte um Verzeihung "auf den Altar legen".
Die deutschen Bischöfe hatten speziell aufgrund der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche bereits 2011 in einen symbolischen Akt der Buße um Erneuerung und Vergebung gebeten.
Noch weiter ging zuvor der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode an Karfreitag 2010, als er ein öffentliches Schuldbekenntnis abgelegte und sich vor dem Altar auf den Boden legte und dort Minuten lang in Stille verharrte.
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O Herr, nimm dieses Herz von Stein
und gib mir ein menschliches Herz:
ein Herz, dich zu lieben und zu verehren,
ein Herz, in dir mich zu freuen,
dich nachzuahmen
und dir zu gefallen um Christi willen!
Ambrosius von Mailand in: Gebete großer Menschen. Zusammengestellt von Sr. M. Lucia OCD. Styria Verlag, Graz Wien Köln 1978.
Darf man jetzt, wo der Fasching eben seinem Höhepunkt zustrebt, schon von der Fastenzeit reden? Ich versuche es. Nicht deshalb, weil in den Kaufhäusern schon die Osterhasen angeboten werden. Sondern weil die nächste FURCHE erst erscheinen wird, wenn Heringsschmaus und/ oder Aschenkreuz schon hinter uns liegen.
Jahr für Jahr überlege ich mir zeitgemäße Formen, der Fastenzeit einen Stellenwert zu geben. Überzeugt davon, dass unser Leben samt seiner Maßlosigkeiten wenigstens gelegentlich den Verzicht braucht, um halbwegs in die Balance zu kommen. Um im Luxus dem "Wärmetod der Gefühle" zu entkommen. Und um die eigene Seelenkammer von Gerümpel aller Art zu säubern.
Gewinn durch Verzicht
Keiner von uns kommt ganz ohne Abschied von Falschem, Liebgewonnenem und allzu Bequemem aus. Alle spüren wir, wie oft unser komplexes Leben an die Grenzen dessen stößt, was unsere Seele noch ertragen kann; was sich an Zwängen und Ängsten mit unserem Wohlstand verschwistert. "Je mehr Du hast, desto mehr hat es Dich" - seit Jahren begleitet mich dieses Wort eines Mönchsfreundes. Es heißt im Umkehrschluss: Gewinn durch Verzicht.
Also: Was tun? Wo und wie die Ansprüche bewusst herunterschrauben - zumindest für ein paar Wochen? Nichts spricht gegen das klassische "Friss (trink, rauch ...) die Hälfte!". Würden wir uns daran halten, dann könnten - so sagt die Medizin - bis zu 30 Prozent unserer Spitalsbetten eingespart werden. Trotzdem: Mich irritiert der Verdacht einer spirituell entleerten Lifestyle-Askese - samt kommerzialisiertem Fitness- und Körperkult. Mehr denn je gerinnt uns ja sogar das Fasten zur reinen Sorge um uns selbst.
Persönlich glaube ich: Sinnvoll ist Verzicht nur dort, wo daraus Freiheit wächst - und nicht Fremdbestimmung. Religionen, Kirchen haben in beidem eine enorme Erfahrung. Hier Vergeistigung, ja Gottesbegegnung, dort Machtinstrument und Manipulation: "Ein abgemagerter Körper wird das schmale Himmelstor schneller durchschreiten", mahnte der schlaue Kirchenvater Tertullian.
Ich möchte es heuer anders versuchen. "Schuld" daran ist Franz Welser-Möst. Vor wenigen Tagen haben wir über sein großes Lebenselixier geredet: über die Stille. Das Mönchtum hat es immer gewusst -und die Musik auch: Großes - auch Heiliges - kann nur dort wachsen, wo dafür Zeit und Raum geschaffen wird. Wo Stille zugelassen und auch ertragen wird. Wo wir uns selbst die Chance geben, ruhig zu werden und auf die Sprache unserer Seele zu hören.
Ein Spalt in die Weite und Tiefe
Bewusst gesetzte Momente der Stille also. Klingt einfach, ist es aber nicht. Denn: Wir tun uns verdammt schwer mit der Stille. Wir "müllen" uns mit Lärm zu, sagt Welser-Möst, was - psychologisch gesehen - ein klares Fluchtverhalten ist: Flucht vor uns selbst. Vor dem Blick in den eigenen Spiegel. Auch der kleinste Moment von Stille ist also ein Spalt in die Weite -und Tiefe.
Übrigens: Punkt 18 Uhr haben gestern - wie jeden Tag - die Abendglocken geläutet. Ich habe es einmal versucht: Stehenbleiben und Zuhören. Es war schön.
Heinz Nußbaumer in: Die Furche 9 / 3. März 2011, Rubrik "Auf ein Wort".
Der Mensch ist bald vergessen,
Der Mensch vergißt so bald,
Der Mensch hat nichts besessen,
Er sterb jung oder alt.
Der Mensch ist bald vergessen,
Nur Gott vergißt uns nicht,
Hat unser Herz ermessen,
Wenn es in Schmerzen bricht.
Wir steigen im Gebete
Zu ihm, wie aus dem Tod,
Sein Hauch, der uns durchwehte,
Tat unserm Herzen not.
Achim von Arnim in: Hans-Rüdiger Schwab, Gott im Gedicht. Ein Streifzug durch die deutschsprachige Lyrik. Tops Verlag, Kevelaer 2007.
Stille lass mich finden, Gott, bei dir.
Atem holen will ich, ausruhn hier.
Voller Unrast ist das Herz in mir,
bis es Frieden findet, Gott, in dir
Lassen will ich Hast und Eile,
die mein Tagewerk bestimmen,
die mich ständig weitertreiben.
Innehalten will ich, rasten.
Will vergessen, was die Augen,
was die Sinne überflutet,
diese Gier: Das muss ich sehen.
Ruhen sollen meine Augen.
Lassen will ich alles Laute,
das Gerede und Getöne,
das Geschrei und das Gelärme.
Schließen will ich Mund und Ohren.
Will vergessen meine Sorgen:
Was ist heut und was wird morgen?
Ich bin ja bei dir geborgen,
du wirst allzeit für mich sorgen.
Stille lass mich finden, Gott, bei dir.
Atem holen will ich, ausruhn hier.
Voller Unrast ist das Herz in mir,
bis es Frieden findet, Gott, in dir.
zum Kern vordringen
prüfen ob
die Ehrlichkeit ehrlich
der Fuß geerdet
das Bild real
die Offenheit offen
nicht verführbar sein
für Projektion Ideologie
Geltungssucht Rechthaberei
Übertreibung
kein seichter Talkshowmaster werden
den so genannten Großen schmeichelnd
nicht devot Ruf und Mammon folgen
und Begegnungen
zu Seifenopern
verkommen lassen, ach nein
mit Tiefe denken reden
gelassen altern
einfach aufrichtig schlicht
die kleinen Kreise ziehn
die Not und Sorge
im eigenen Quadratkilometer
erkennen wollen
hilfsbereit Hand anlegen
ohne Aufhebens
das Gold der Stille schätzen lernen
schillernd aus trübem Alltag
Feste machen
und Sekunden für die wahren
Wunder halten
Aus: Iris Mandl-Schmidt, Schaff meinen Gedanken einen Weg. Gebete ins Konkrete. Matthias-Grünewald-Verlag Mainz 2001.
Gott, du Schöpfer und Herr der Zeiten,
nach der Zeit fröhlicher Ausgelassenheit
wird uns bewusst, was unser Leben beschwert:
Anfechtungen durch Leiden und Tod,
Verstrickungen in Schuld,
Enttäuschungen durch Verletzungen.
Stärke uns in dunklen Stunden
Mit der Hoffnung auf deine Zukunft.
Das bitten wir dich im Namen Jesu Christi.
Aschermittwoch, in: Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die Evangelische Kirche der Union und für die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschland, Berlin 1999, S. 293.
FLUGSAND der Stunden. Leise fortwährende Schwindung
auch noch des glücklich gesegnetes Baus.
Leben weht immer. Schon ragen ohne Verbindung
die nicht mehr tragenden Säulen heraus.
Aber Verfall: ist er trauriger, als der Fontäne
Rückkehr zum Spiegel, die sie mit Schimmer bestaubt?
Halten wir uns dem Wandel zwischen die Zähne,
dass er uns völlig begreift in sein schauendes Haupt.
Rainer Maria Rilke, in: Die Gedichte, Itb 2246, Frankfurt-Leipzig: Insel 1998, 945.
Wohl dem Mann, der nicht dem Rat
der Marketingfachleute folgt
Der nicht in die Fallen
ihrer politischen Propaganda tritt
Und der nicht für den von Verbrechern
finanzierten Kandidaten stimmt
Sondern Freude hat auf den Wegen
des Reiches Gottes
Und nach seinen Zeichen Ausschau hält
Am Tag und in der Nacht.
Er ist wie eine Bananenstaude
Die stirbt und von Neuem geboren wird
Und erst ganz verschwindet
Wenn sie schon viele Früchte getragen hat.
Nicht so die Schlechten;
Ihre populistischen Versprechungen
widern das Volk an
Ihr Doppelleben wird eines Tages aufgedeckt.
Denn den Herrn täuschen sie nicht
Und eines Tages werden sie es erfahren:
Dass
In Gott seinen Nachhall findet,
was sie dem Armen antun.
Nach Psalm 1
Alfonso M. L. Soares (Sao Paulo), in: Psalmen der Völker, hrsg. vom Missionswissenschaftliches Institut Missio e.V., Aachen 2007, S. 46f.
Das Glück ist eine leichte Dirne,
Und weilt nicht gern am selben Ort;
Sie streicht das Haar dir von der Stirne
Und küsst dich rasch und flattert fort.
Frau Unglück hat im Gegenteile
Dich liebefest ans Herz gedrückt;
Sie sagt, sie habe keine Eile,
Setzt sich zu dir ans Bett und strickt.
Heinrich Heine, in: 100 Gedichte, hrsg. Jan-Christoph Hauschild, Berlin: Aufbau 2002, 127.
Sie werden wissen
wann es Zeit ist
sie zur Welt zu bringen,
die neue Schöpfung.
Oh Gott sei Du Hebamme unserer Träume,
mach Hebammen aus uns allen.
Sie müssen wissen
genau, was es heißt pressen,
Sie müssen wissen
wie hart pressen, wenn etwas Neues
dabei ist, geboren zu werden.
Oh Gott sei Du Hebamme unserer Hoffnungen,
mach Hebammen aus uns allen.
Sie müssen wissen
wie die Nabelschnur abschneiden
und wie man loslässt,
was schon vergangen ist,
weil das, was sein wird,
anders sein wird,
und es wird nötig sein,
sich einige Zeit zu nehmen,
um sich daran zu gewöhnen.
Oh Gott sei Du Hebamme unserer Freiheit,
mach Hebammen aus uns allen.
Wie gut ist es
den Traum zur Welt zu bringen.
Ermögliche uns, ihn wach zu halten
bis er sich erfüllt.
Oh Gott sei Du Hebamme der Zukunft,
mach Hebammen aus uns allen.
Was ist die Welt und ihr berühmtes Glänzen?
Was ist die Welt und ihre ganze Pracht?
Ein schnöder Schein in kurzgefaßten Grenzen,
Ein schneller Blitz bei schwarzgewölkter Nacht,
Ein buntes Feld, da Kummerdisteln grünen,
Ein schön Spital, so voller Krankheit steckt,
Ein Sklavenhaus, da alle Menschen dienen,
Ein faules Grab, so Alabaster deckt.
Das ist der Grund, darauf wir Menschen bauen
Und was das Fleisch für einen Abgott hält.
Komm, Seele, komm, und lerne weiter schauen,
Als sich erstreckt der Zirkel dieser Welt!
Streich ab von dir derselben kurzen Pranken,
Halt ihre Lust für eine schwere Last:
So wirst du leicht in diesen Port gelangen,
Da Ewigkeit und Schönheit sich umfasst.
Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau, (1617-1679), in: Gebete der Dichter. Große Zeugnisse aus 12 Jahrhunderten, ausgewählt von A. Weimer, Düsseldorf 2006, S.103.

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Der Prophet fordert dabei vor allem eine Umkehr der Herzen. Die innere Haltung der Einzelnen wie des ganzen Volkes muss sich verändern. Wer sein Herz zerreißt, der öffnet es für das Wort und das Erbarmen Gottes. Niemand soll sich von diesem Umkehrvorgang ausschließen. Selbst junge Brautleute sollen daran teilnehmen, auch wenn sie ansonsten im Volk viele Vorrechte genießen. Öffentlicher Ausdruck für die allgemeine Umkehr ist ein Bußgottesdienst im Tempel.
Hinter dem, was Joel fordert, steht die Überzeugung, dass das Gericht nicht unabwendbar ist. Gott ist voll erbarmender Liebe. Bemerkenswert ist die Aussage: "Vielleicht kehrt er um, und es reut ihn, und er lässt Segen zurück ...". Zwar wird mit dem "Vielleicht" ein gewisser Vorbehalt geäußert, doch damit kommt zum Ausdruck, dass Gott souverän ist über sein Erbarmen und dass seine Barmherzigkeit nicht einfach erzwungen werden kann. Ebenso aber wird deutlich, dass Gott nicht eine ferne, unbewegbare, blinde Macht ist, sondern bereit, sich rühren und umstimmen zu lassen, letztlich ganz menschlich zu sein: reuevoll und umkehrwillig - seinem Volk zum Heil und Segen.
Das Buch Joel gliedert sich in zwei Teile: ein Aufruf zur Klage und Reue angesichts einer verheerenden Heuschreckenplage und Not des Volkes. Im zweiten Teil (Kap. 3 und 4) ist von einem Tag Jahwes die Rede, der die Not wenden wird.
Das Buch beginnt mit einem leidenschaftlichen Aufruf zur Buße. Nicht das äußere Fasten ist wichtig. "Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider und bekehrt euch zu dem Herren, eurem Gott!". Joel hofft, dass sein Aufruf zur Buße so viel Reue und Umkehr bewirke, dass das Strafgericht zum Segen gewandelt werden kann. Wenn das Volk sich auf diese Weise für Jahwe öffnet, wird es bereit sein für die große Prophezeiung: "Denn er ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte, und es reut ihn, dass er das Unheil verhängt hat."
Das Buch Joel gehört zu den sog. zwölf kleinen Prophetenbüchern des AT. Hinsichtlich der Abfassungszeit wird ein solch großes Spektrum diskutiert, dass man die historischen Hintergründe nur mühsam zur Interpretation der Prophetenworte heranziehen kann. Immer wahrscheinlicher wird eine Datierung in die erste Hälfte des 9. Jahrhunderts v.Chr.
Der Prophet Joel verkündet dem Volk Juda Gericht und Bestrafung, dem durch Fasten und Beten entgegen gegangen werden soll. Über das, was die Bestrafung Gottes für das Volk darstellt - Einfall der Assyrer? - lässt sich nur spekulieren.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive