Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Genesis.
Gott, der HERR, formte den Menschen,
Staub vom Erdboden,
und blies in seine Nase den Lebensatem.
So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.
Dann pflanzte Gott, der HERR, in Eden, im Osten, einen Garten
und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte.
Gott, der HERR, ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen,
begehrenswert anzusehen und köstlich zu essen,
in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens
und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.
Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes,
die Gott, der HERR, gemacht hatte.
Sie sagte zu der Frau:
Hat Gott wirklich gesagt:
Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen?
Die Frau entgegnete der Schlange:
Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen;
nur von den Früchten des Baumes,
der in der Mitte des Gartens steht,
hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen
und daran dürft ihr nicht rühren,
sonst werdet ihr sterben.
Darauf sagte die Schlange zur Frau:
Nein, ihr werdet nicht sterben.
Gott weiß vielmehr:
Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf;
ihr werdet wie Gott
und erkennt Gut und Böse.
Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen,
dass der Baum eine Augenweide war
und begehrenswert war, um klug zu werden.
Sie nahm von seinen Früchten und aß;
sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war,
und auch er aß.
Da gingen beiden die Augen auf
und sie erkannten, dass sie nackt waren.
Sie hefteten Feigenblätter zusammen
und machten sich einen Schurz.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Genesis.
Zur Zeit, als Gott, der HERR, Erde und Himmel machte,
gab es auf der Erde noch keine Feldsträucher
und wuchsen noch keine Feldpflanzen,
denn Gott, der HERR,
hatte es auf die Erde noch nicht regnen lassen
und es gab noch keinen Menschen,
der den Erdboden bearbeitete,
aber Feuchtigkeit stieg aus der Erde auf
und tränkte die ganze Fläche des Erdbodens.
Da formte Gott, der HERR, den Menschen
Staub vom Erdboden,
und blies in seine Nase den Lebensatem.
So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.
Dann pflanzte Gott, der HERR, in Eden, im Osten,
einen Garten und setzte dorthin den Menschen,
den er geformt hatte.
Gott, der HERR,
ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen,
begehrenswert anzusehen und köstlich zu essen,
in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens
und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.
Ein Strom entspringt in Eden, der den Garten bewässert;
dort teilt er sich und wird zu vier Hauptflüssen.
Der Name des ersten ist Pischon;
er ist es, der das ganze Land Hawila umfließt,
wo es Gold gibt.
Das Gold jenes Landes ist gut;
dort gibt es Bdelliumharz und Karneolsteine.
Der Name des zweiten Stromes ist Gihon;
er ist es, der das ganze Land Kusch umfließt.
Der Name des dritten Stromes ist Tigris;
er ist es, der östlich an Assur vorbeifließt.
Der vierte Strom ist der Eufrat.
Gott, der HERR, nahm den Menschen
und gab ihm seinen Wohnsitz im Garten von Eden,
damit er ihn bearbeite und hüte.
Dann gebot Gott, der HERR, dem Menschen:
Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen,
doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse
darfst du nicht essen;
denn am Tag, da du davon isst, wirst du sterben.
Dann sprach Gott, der HERR:
Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.
Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm ebenbürtig ist.
Gott, der HERR,
formte aus dem Erdboden alle Tiere des Feldes
und alle Vögel des Himmels
und führte sie dem Menschen zu,
um zu sehen, wie er sie benennen würde.
Und wie der Mensch jedes lebendige Wesen benannte,
so sollte sein Name sein.
Der Mensch gab Namen allem Vieh,
den Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes.
Aber eine Hilfe, die dem Menschen ebenbürtig war,
fand er nicht.
Da ließ Gott, der HERR,
einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen,
sodass er einschlief,
nahm eine seiner Rippen
und verschloss ihre Stelle mit Fleisch.
Gott, der HERR, baute aus der Rippe,
die er vom Menschen genommen hatte,
eine Frau und führte sie dem Menschen zu.
Und der Mensch sprach:
Das endlich ist Bein von meinem Bein
und Fleisch von meinem Fleisch.
Frau soll sie genannt werden;
denn vom Mann ist sie genommen.
Darum verlässt der Mann Vater und Mutter
und hängt seiner Frau an und sie werden ein Fleisch.
Beide, der Mensch und seine Frau, waren nackt,
aber sie schämten sich nicht voreinander.
Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes,
die Gott, der HERR, gemacht hatte.
Sie sagte zu der Frau:
Hat Gott wirklich gesagt:
Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen?
Die Frau entgegnete der Schlange:
Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen;
nur von den Früchten des Baumes,
der in der Mitte des Gartens steht,
hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen
und daran dürft ihr nicht rühren,
sonst werdet ihr sterben.
Darauf sagte die Schlange zur Frau:
Nein, ihr werdet nicht sterben.
Gott weiß vielmehr:
Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf;
ihr werdet wie Gott
und erkennt Gut und Böse.
Da sah die Frau,
dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen,
dass der Baum eine Augenweide war
und begehrenswert war, um klug zu werden.
Sie nahm von seinen Früchten und aß;
sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war,
und auch er aß.
Da gingen beiden die Augen auf
und sie erkannten, dass sie nackt waren.
Sie hefteten Feigenblätter zusammen
und machten sich einen Schurz.
Als sie an den Schritten hörten,
dass sich Gott, der HERR,
beim Tagwind im Garten erging,
versteckten sich der Mensch und seine Frau
vor Gott, dem HERRN,
inmitten der Bäume des Gartens.
Aber Gott, der HERR, rief nach dem Menschen
und sprach zu ihm: Wo bist du?
Er antwortete:
Ich habe deine Schritte gehört im Garten;
da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin,
und versteckte mich.
Darauf fragte er:
Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist?
Hast du von dem Baum gegessen,
von dem ich dir geboten habe, davon nicht zu essen?
Der Mensch antwortete:
Die Frau, die du mir beigesellt hast,
sie hat mir von dem Baum gegeben.
So habe ich gegessen.
Gott, der HERR, sprach zu der Frau:
Was hast du getan?
Die Frau antwortete:
Die Schlange hat mich verführt.
So habe ich gegessen.
Da sprach Gott, der HERR, zur Schlange:
Weil du das getan hast,
bist du verflucht unter allem Vieh
und allen Tieren des Feldes.
Auf dem Bauch wirst du kriechen
und Staub fressen alle Tage deines Lebens.
Und Feindschaft setze ich zwischen dir und der Frau,
zwischen deinem Nachkommen
und ihrem Nachkommen.
Er trifft dich am Kopf
und du triffst ihn an der Ferse.
Zur Frau sprach er:
Viel Mühsal bereite ich dir
und häufig wirst du schwanger werden.
Unter Schmerzen gebierst du Kinder.
Nach deinem Mann hast du Verlangen
und er wird über dich herrschen.
Zum Menschen sprach er:
Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört
und von dem Baum gegessen hast,
von dem ich dir geboten hatte, davon nicht zu essen,
ist der Erdboden deinetwegen verflucht.
Unter Mühsal wirst du von ihm essen
alle Tage deines Lebens.
Dornen und Disteln lässt er dir wachsen
und die Pflanzen des Feldes wirst du essen.
Im Schweiße deines Angesichts
wirst du dein Brot essen,
bis du zum Erdboden zurückkehrst;
denn von ihm bist du genommen,
Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück.
Der Mensch gab seiner Frau den Namen Eva, Leben,
denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen.
Gott, der HERR, machte dem Menschen und seiner Frau
Gewänder von Fell und bekleidete sie damit.
Dann sprach Gott, der HERR:
Siehe, der Mensch ist wie einer von uns geworden,
dass er Gut und Böse erkennt.
Aber jetzt soll er nicht seine Hand ausstrecken,
um auch noch vom Baum des Lebens zu nehmen,
davon zu essen und ewig zu leben.
Da schickte Gott, der HERR, ihn aus dem Garten Eden weg,
damit er den Erdboden bearbeite,
von dem er genommen war.
Er vertrieb den Menschen
und ließ östlich vom Garten Eden die Kerubim wohnen
und das lodernde Flammenschwert,
damit sie den Weg zum Baum des Lebens bewachten.
Kv: Erbarme dich unser, o Herr,
denn wir haben gesündigt. – Kv
(GL 639,1)
Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, *
tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!
Wasch meine Schuld von mir ab *
und mach mich rein von meiner Sünde! – (Kv)
Denn ich erkenne meine bösen Taten, *
meine Sünde steht mir immer vor Augen.
Gegen dich allein habe ich gesündigt, *
ich habe getan, was böse ist in deinen Augen. – (Kv)
Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz *
und einen festen Geist erneuere in meinem Innern!
Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, *
deinen heiligen Geist nimm nicht von mir! – (Kv)
Gib mir wieder die Freude deines Heiles, *
rüste mich aus mit dem Geist der Großmut!
Herr, öffne meine Lippen, *
damit mein Mund dein Lob verkünde! – Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt
und durch die Sünde der Tod
und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen,
weil alle sündigten.
Sünde war nämlich schon vor dem Gesetz in der Welt,
aber Sünde wird nicht angerechnet, wo es kein Gesetz gibt;
dennoch herrschte der Tod von Adam bis Mose auch über die,
welche nicht durch Übertreten eines Gebots gesündigt hatten
wie Adam, der ein Urbild des Kommenden ist.
Doch anders als mit der Übertretung
verhält es sich mit der Gnade;
sind durch die Übertretung des einen
die vielen dem Tod anheimgefallen,
so ist erst recht die Gnade Gottes
und die Gabe,
die durch die Gnadentat des einen Menschen Jesus Christus
bewirkt worden ist,
den vielen reichlich zuteilgeworden.
Und anders als mit dem,
was durch den einen Sünder verursacht wurde,
verhält es sich mit dieser Gabe:
Denn das Gericht
führt wegen eines Einzigen zur Verurteilung,
die Gnade führt aus vielen Übertretungen
zur Gerechtsprechung.
Denn ist durch die Übertretung des einen
der Tod zur Herrschaft gekommen, durch diesen einen,
so werden erst recht diejenigen,
denen die Gnade und die Gabe der Gerechtigkeit
reichlich zuteilwurde,
im Leben herrschen durch den einen, Jesus Christus.
Wie es also durch die Übertretung eines Einzigen
für alle Menschen zur Verurteilung kam,
so kommt es auch durch die gerechte Tat eines Einzigen
für alle Menschen zur Gerechtsprechung,
die Leben schenkt.
Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen
die vielen zu Sündern gemacht worden sind,
so werden auch durch den Gehorsam des einen
die vielen zu Gerechten gemacht werden.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
In seinem Römerbrief stellt Paulus Adam und Christus gegenüber: Adam, der Mensch überhaupt, ist mit dem Tod verbunden. Seine Geschichte ist vertraut. Sie ist die Geschichte aller Menschen. In ihrer Sehnsucht nach Leben haben sie das Leben verwirkt, in dem Wunsch, darüber zu befinden, was "gut" und "böse" ist, haben sie ihre Unschuld verloren. Davon erzählt die Lesung.
Christus aber, der Mensch Gottes, lässt Gnade und Gerechtigkeit "reichlich" zuteil werden. Paulus spricht von der "gerechten Tat eines einzigen" und markiert damit einen Neuanfang in der Geschichte Gottes mit den Menschen. Nicht nur Adam und Christus stehen einander gegenüber, sondern auch die Vielen und der Eine, Tod und Leben.
Entscheidend für Paulus ist die Beziehung zu Gott. Adam steht für den Ungehorsam (mögen die Menschen es auch Befreiung aus der Unmündigkeit nennen), Christus für den Gehorsam, der Leben überhaupt erst möglich macht: die ungeteilte Liebe zu Gott, das grenzenlose Vertrauen und eine Freiheit, die anderen Menschen zu gute kommt. Gehorsam kommt von "hören", "hören" aber heißt: das letzte Wort von IHM erwarten. Über "gut" und "böse", über Tod und Leben, über Adam und Christus.
Paulus stellt Adam und Christus gegenüber. Durch den Ungehorsam des einen kam der Tod in die Welt, durch den Gehorsam des anderen wurde das Leben neu geschenkt. Beide sind als "korporative Persönlichkeiten" anzusehen. D.h.: Im Stammvater eines Volkes ist bereits die gesamte Nachkommenschaft präsent. In diesem Sinne - und nicht in einem geschichtlichen - ist die Sünde der Nachkommen Adams und die Gerechtsprechung der "Nachkommen" des Christus zu verstehen. Adam verkörpert den Menschen, wie er von Anfang an verfaßt ist, die Menschheit schlechthin. Die Menschen haben sich von Anfang an von Gott und seinem Gebot gelöst und sind eigene Wege gegangen. Erst in Jesus Christus wurde diese Loslösung von Gott überwunden. Auch hier wieder durch die Tat des einen. Den "vielen", das sind alle, die sich zu Christus gehörig wissen, wird die Gerechtsprechung als unverdientes Geschenk (Gnade) zuteil.
Auf den zweiten Schöpfungsbericht rekurrierend legt Paulus hier seine Gnadentheologie dar: Sowie einst einmal der Mensch durch die Sünde des Adam dem Tod verfallen ist, wurde er durch die rettende Auferstehung des Gottessohnes zu neuem Leben berufen. Wie durch einen Einzigen die Sünde kam, kam auch durch einen Einzige die Rettung.
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt
und durch die Sünde der Tod
und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen,
weil alle sündigten.
Denn ist durch die Übertretung des einen
der Tod zur Herrschaft gekommen, durch diesen einen,
so werden erst recht
diejenigen, denen die Gnade und die Gabe der Gerechtigkeit
reichlich zuteilwurde,
im Leben herrschen durch den einen, Jesus Christus.
Wie es also durch die Übertretung eines Einzigen
für alle Menschen zur Verurteilung kam,
so kommt es auch durch die gerechte Tat eines Einzigen
für alle Menschen zur Gerechtsprechung,
die Leben schenkt.
Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen
die vielen zu Sündern gemacht worden sind,
so werden auch durch den Gehorsam des einen
die vielen zu Gerechten gemacht werden.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!
Nicht nur vom Brot lebt der Mensch,
sondern von jedem Wort aus Gottes Mund.
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit
wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt;
dort sollte er vom Teufel versucht werden.
Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte,
hungerte ihn.
Da trat der Versucher an ihn heran
und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist,
so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.
Er aber antwortete:
In der Schrift heißt es:
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein,
sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.
Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt,
stellte ihn oben auf den Tempel
und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist,
so stürz dich hinab;
denn es heißt in der Schrift:
Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen,
und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen,
damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.
Jesus antwortete ihm:
In der Schrift heißt es auch:
Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.
Wieder nahm ihn der Teufel mit sich
und führte ihn auf einen sehr hohen Berg;
er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht
und sagte zu ihm:
Das alles will ich dir geben,
wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.
Da sagte Jesus zu ihm:
Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht:
Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten
und ihm allein dienen.
Darauf ließ der Teufel von ihm ab
und siehe, es kamen Engel und dienten ihm.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Fastenzeit startet mit einem klaren Bild: Jesus wird vom Geist in die Wüste geführt. Nicht als Strafe, sondern zur Klärung. Die drei Versuchungen zeigen bis heute wirksame Muster: Bedürfnis wird zum Chef, Glaube zur Show, Macht zur Abkürzung. Fasten heißt darum: weniger Ablenkung, mehr Freiheit. Und die Zusage bleibt: Die Wüste ist nicht das Ende - Gott stärkt.
Am Beginn der österlichen Bußzeit steht ein Satz, der erstaunlich nüchtern ist: Jesus wird vom Geist in die Wüste geführt. Nicht von einem Unfall. Nicht von einer dunklen Macht. Sondern von Gottes Geist. Das bedeutet: Die Wüste ist im Evangelium nicht zuerst Strafe. Die Wüste ist Klärung.
Es gibt im Leben Momente, in denen nicht „mehr“ hilft, sondern „weniger“. Weniger Lärm. Weniger Ablenkung. Weniger Ausreden. Damit sichtbar wird, worauf das Leben wirklich steht.
Wüste ist ein Ort ohne Reserve. Ohne Schatten. Ohne Komfort. Und genau deshalb ist sie so ehrlich. Wüste deckt auf: Was trägt, wenn das Tragende nicht mehr in Reichweite ist? Was bleibt, wenn nichts mehr betäubt? Vielleicht kennen Sie solche Wüstenzeiten: Nicht unbedingt Sand und Hitze - aber innere Trockenheit. Ein Konflikt, der nicht aufhört. Eine Sorge, die nachts wachhält. Oder auch ganz schlicht: das Gefühl, dass vieles voll ist, aber innen leer. Wüste ist ein Raum, in dem das Leben sagt: Jetzt bitte ohne Kulisse.
Dann heißt es: Vierzig Tage und vierzig Nächte fastet Jesus. Vierzig ist in der Bibel keine Zufallszahl. Vierzig ist Reifezeit. Israel lernt in der Wüste Vertrauen. Mose empfängt Weisung. Elija findet neue Richtung. Jesus klärt, wovon er sich leiten lässt - bevor sein Weg öffentlich beginnt.
Und dann kommt das, worüber viele stolpern: der Versucher. Vielleicht denken manche: Ist das nicht wie eine alte Erzählform? Ein Dialog mit dem Teufel - wie soll das realistisch sein? Genau hier hilft ein nüchterner Blick: Das Evangelium will nicht ein Theaterstück zeigen. Es will die Logik von Versuchung offenlegen. Versuchung ist selten der plumpe Ruf zum Bösen. Versuchung klingt meist plausibel. Sie kommt in einem Satz daher, den man leicht unterschreibt - und erst später merkt man, wohin er führt.
Und deshalb sind es drei Prüfungen - wie drei Grundmuster, die Menschen bis heute kennen.
Jesus ist hungrig. Der Satz lautet: Wenn du Gottes Sohn bist, dann sorg doch sofort für Brot.
Es geht nicht darum, dass Brot schlecht wäre. Es geht um die Reihenfolge: „Wenn es dringend ist, darf es alles bestimmen.“ Der Hunger wird zum Chef. Das Bedürfnis wird zum Befehl. Jesus antwortet mit einem Wort aus dem Deuteronomium: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Das stammt aus der Wüstengeschichte Israels: Dort lernt das Volk, dass Leben mehr ist als Versorgung. Jesus sagt: Ich lasse mich nicht erpressen - nicht einmal vom eigenen Mangel. Ich bin nicht nur Bedürfnis. Ich bin Berufung.
Das ist ein Fastenzeit-Satz für heute: Nicht alles, was sich meldet, hat das Recht, mich zu führen.
Die zweite Versuchung ist religiös getarnt. Es ist die Mutprobe: Mach etwas Spektakuläres - und dann muss Gott liefern. Der Versucher zitiert sogar die Bibel.
Hier geschieht etwas Erschreckendes: Gottes Wort wird benutzt wie Munition. Als Druckmittel. Als Hebel. Als Beweisführung: “Dann zeig mal, Gott!”
Jesus antwortet: Sie sollen den Herrn, Ihren Gott, nicht auf die Probe stellen. Glaube ist kein Stunt. Gott ist kein Sicherheitsnetz für Eitelkeit. Wer Gott testet, hat innerlich schon misstraut.
Auch das ist Fastenzeit: Weniger „Beweis mir was“ - mehr Vertrauen. Weniger Show - mehr Wahrheit.
Die dritte Versuchung ist die große Abkürzung: Einfluss, Erfolg, Reichweite - sofort. Aber der Preis ist klar: Unterwerfung. Die Richtung wechseln. Einen anderen Mittelpunkt haben. Das ist die alte Verlockung: gute Ziele, aber falsche Mittel. Wirkung um jeden Preis. „Hauptsache, es klappt.“
Jesus sagt: Gott allein sollst du anbeten. Und dann kommt der Satz: Weg mit dir, Satan! Das ist kein beleidigtes Wegschieben. Das ist eine Grenzziehung. „Satan“ heißt Widersacher. Der, der auseinanderzieht. Der, der die Mitte verrückt.
Es gibt Dinge, die kann man nicht „ausbalancieren“. Es gibt Gedanken, mit denen darf man nicht verhandeln. Manchmal ist der geistlichste Satz: Stopp. Weg damit. Und dann heißt es: Da ließ der Teufel von ihm ab - und Engel kamen und dienten ihm.
Das ist kein kitschiges Finale. Das ist eine stille Zusage: Versuchung ist nicht allmächtig. Und wer sich nicht verkauft, bleibt nicht allein.
Engel - das kann heute sehr unspektakulär aussehen: Ein Mensch, der genau im richtigen Moment anruft. Ein Wort, das trägt. Ein Frieden, der nicht gemacht ist. Eine Kraft, die man nicht aus sich selbst herauspressen kann. Manchmal ist das die Erfahrung: Nach der Klarheit kommt Stärkung.
Bitte nicht der nächste Vorsatz, der morgen scheitert. Sondern eine Entscheidung, die klein ist und tragfähig:
Wählen Sie eine Stelle, an der Sie weniger werden, damit Sie freier werden: weniger Handy, weniger Nebenbei-Konsum, weniger Gift im Reden.
Wählen Sie eine Stelle, an der Sie mehr werden: mehr Stille, mehr Gebet, mehr Zeit für einen Menschen, der sonst untergeht.
Die Fastenzeit beginnt nicht mit Druck. Sie beginnt mit Wahrheit: Du bist mehr als Deine Bedürfnisse. Du bist mehr als Deine Ängste. Du bist mehr als der Drang, sich zu beweisen. Und wenn in den nächsten Wochen Gedanken auftauchen, die Dich von Deiner Mitte wegziehen, dann darf ein Satz Jesu ganz schlicht Dein Satz werden: Weg damit!
Denn am Ende geht es nicht um eine Prüfung, die wir bestehen müssen, um Gott zu gefallen. Es geht um Freiheit. Um ein Herz, das wieder klarsieht. Und um einen Weg, der nicht in der Wüste endet.
Die Lesungen des ersten Fastensonntags führen hinein in die großen Themen unsers Glaubens: Freiheit, Ungehorsam, Sünde, Erneuerung des Bundes mit Gott durch den Gehorsam Jesu.
Die Lesung aus dem Buch Genesis lädt uns ein, auf unseren Ursprung Bedacht zu nehmen. Auf den Schöpfungsbericht folgt eine Existenzanalyse des Menschen. Gott, Mensch und Welt sind eng miteinander verbunden und leben zunächst in Harmonie. „Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Staub vom Erdboden und blies in seine Nase den Lebensatem.“ (Gen 2,7).
Auch der römische Dichter Publius Ovid (43 v. Chr. bis 15 n. Chr.) beschäftigt sich in seinen „Metamorphosen“ mit dem Schöpfungsthema und erzählt vom „Goldenen Zeitalter“ „Aurea prima sata aetas quae vindice nullo sponte sua“ (Verse 72-162). Frei übersetzt: Das Zeitalter wird golden genannt, weil das Land und alles auf ihm eine goldene Aura hat. Das erste Goldene Zeitalter war die Geburt der Erde, ist also ähnlich der biblischen Erzählung von der Erschaffung des Menschen. Ovid beschreibt die idealen Zustände unter der Herrschaft des Saturn, des römischer Gottes des Ackerbaus. Es herrschen Frieden und Gerechtigkeit. Es gibt keine Notwendigkeit, Gesetze zu schaffen, damit braucht es auch keine Richter und keinerlei Bestrafung. Die Erde selbst gibt alles, was der Mensch braucht, um zu überleben. Diese paradiesischen Zustände wird es in späterer Zeit nicht mehr geben.
Ähnliches können wir auch im Buch Genesis ab dem Kapitel 3 nachlesen. Es kommt zum Sündenfall. Der Mensch mit seinem freien Willen entscheidet sich gegen Gott. Es folgt der Brudermord, und etwas später heißt es im Kapitel 6: Gott reute es, den Menschen geschaffen zu haben. Es folgt aber dann die Versöhnung, die Erneuerung dieses Bundes Gott und Mensch.
Die zweite Lesung führt den Gedanken des Sündenfalls weiter aus. Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt, weil er sich von der Liebe Gottes abgesondert hat. Im Wort Sünde steckt das Absondern. Der große Wendepunkt liegt aber darin, dass Gott durch die Menschwerdung seines Sohnes, die wir zu Weihnachten gefeiert haben, dieses Bündnis erneuert hat. Der Mensch ist Verursacher der Sünde durch seinen freien Willen. Gott gab dem Menschen seinen freien Willen, weil er einen ebenbürtigen Partner und keine Marionetten wollte. Wenn Gott Liebe ist, dann braucht diese Liebe auch Freiheit in den Entscheidungen. Der Mensch hat zwei Identitäten, eine menschliche und eine göttliche. Jesus nimmt menschliche und göttliche Natur an. Das führt uns das Evangelium in den Versuchungen vor Augen.
Der Geist führt Jesus in die Wüste, um ihn zu versuchen. Will uns Gott hereinlegen? Im Vater unser ist es missverständlich ausgedrückt: "Führe uns nicht in Versuchung..." Das führt bis heute zu endlosen Debatten. Der Geist führt an einen einsamen Ort, dieser ist existenzbedrohend bis in die Verzweiflung, fast bis zum Nullpunkt, und von dort heraus in einen Nachdenkprozess zu überlegen, worauf es im Leben ankommt. Der Einzelne soll den Willen Gottes finden. Bei der Gnade Gottes muss man mitwirken. Liebe ist immer auf Partnerschaft angewiesen, auf ein Du, und das ist Gott.
Glaube bedeutet auch Mitarbeit, ist personal: Ich glaube DIR, ich vertraue DIR. So erfährt man das Mitwirken Gottes im Vertrauen. Auch Jesus hat zwei Willen: einen menschlichen und einen göttlichen, in den er erst hineinwachsen muss. Er hat die Gespaltenheit des Menschen miterlebt. Der menschliche Wille hat oft Bedenken. Versuchungen sind immer Gratwanderungen, verlangen Entscheidungen und Willensstärke.
Sie sind in allen Lebensphasen verschieden und können auch zu den Wurzelsünden führen, deren Hintergrund Habgier, Machtgehabe, Gier, Zorn und Neid sind. Das wird uns in drei Bildern vor Augen geführt:
Steine zu Brot werden zu lassen. Die Wüste hat auch Gebiete, in denen es viele Steine gibt. Der Satan fordert Jesus auf, seine Macht unter Beweis zu stellen. Sie soll sich in diesem Bild im Überfluss zeigen. Nicht alles, was im Überfluss vorhanden ist, was satt macht, nährt auch wirklich. Das kann nur das Wort Gottes, die geistige Nahrung. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“.
Weiters geht es um die Sinnfrage und darüber hinaus um das Leben nach dem Tod. "Stürz dich hinab...". Echter Glaube braucht keine ausgefallenen Beweise, unterlegt mit Machtgehabe. Das haben Menschen im Mittelalter immer wieder versucht, um Gottesurteile herauszufordern, bei Fehlverhalten, etwa Ehebruch, nachschauen, ob die Schwurhand schwarz wird.
Der Teufel zeigt Jesus alle Reiche dieser Welt: Die Gier immer mehr zu besitzen führt zur Sinnleere, nie genug zu haben. Ein gutes Beispiel ist die derzeitige weltpolitische Lage, mit der Versuchung die Welt unter sich aufzuteilen und das vielleicht noch mit Gottes Hilfe. Alle Großreiche dieser Welt sind der Vergänglichkeit unterworfen, auch großer materieller Besitz. Sammelt lieber Schätze für das Himmelreich in den Werken der Nächstenliebe. (siehe Mt 6,20).
Vielleicht helfen Ihnen diese Texte zu erspüren, welche Folgen auf uns zukommen, wenn wir uns von der Liebe Gottes absondern. Jesus hat all diesen Versuchungen widerstanden. Versuchen wir besonders jetzt in der Fastenzeit den kleinen Versuchungen des Alltags durch einen starken Willen zu widerstehen. Das wünsche ich uns allen.
Die Fastenzeit ist eine Zeit der Selbstprüfung: wovon machen wir uns abhängig? Wovon erwarten wir unsere Erfüllung, unser Lebensglück. In den Versuchungen zeigt Jesus, dass er Gott allein anbeten und dienen will.
„Wie wäre es, wenn wir einmal im Jugendfreizeitbereich einen handyfreien Abend durchführen?“ „Dann kommt keiner!“ So lief vor einigen Jahren ein Gespräch, das ich mit jungen Erwachsenen im Religionsunterricht führte. Das Handy beherrscht in unseren Tagen das Leben der allermeisten Menschen. Wer heute kein Handy besitzt, ist außen vor. Doch der eine oder andere hat sich vorgenommen, in der Fastenzeit es weniger zu benutzen. Wer auf das Handy verzichtet, der kann abgeschnitten sein von den Kontakten, ja auch von den neuesten Nachrichten. Ohne Handy können wir uns fühlen wie in der Wüste.
Die Wüste – Jesus ist vierzig Tage in die Wüste gegangen. Das Volk Israel wanderte 40 Jahre durch die Wüste. Die Wüste ist in der Bibel ein Ort, wo Menschen Gott begegnen. Die Wüste ist ein Ort, an dem wir uns auch selbst begegnen, unseren eigenen Gedanken, unseren Sehnsüchten; wo wir vor allem dem begegnen zu können, was wir meinen unbedingt zu brauchen.
Wenn ich an Exerzitien teilnehme, dann merke ich persönlich, wie wohltuend es ist, einmal alles beiseite zu lassen. Öfters hat der Leiter der Exerzitien auch einen Wüstentag eingeplant. Ein Philosoph hat einmal gesagt: Die größte Not des modernen Menschen ist die, dass er es nicht vermag, einmal allein auf seinem Zimmer zu sein.“ Ein Wüstenvater hat einmal zu einem jungen Menschen gesagt: „Geh in dein Kellion und dein Kellion, also deine Zelle, wird dich alles lehren.“
Auch Jesus ist in die Wüste gegangen nach seiner Taufe. Nach der Zeit der Wüste wollte Jesus gestärkt seinen Auftrag erfüllen. Er wollte seinem Gott begegnen. Jesus besteht die Wüste. Nichts kann ihn abbringen von seinem Vertrauen auf Gott. Wir begegnen hier Jesus, der ganz mit Gott verbunden ist. Wir begegnen hier Jesus, der völlig auf Gott vertraut. Wir begegnen hier Jesus, dem es bewusst ist, dass allein Gott Erfüllung schenkt. Wir begegnen hier Jesus, der allein Gott anbetet.
Nun schauen wir uns einmal die Versuchungen von Jesus an. „Der Mensch lebt nicht von Brot allein!“ Brot – hier in Westeuropa können wir zwischen vielen Brotsorten wählen. In vielen anderen Ländern ist Brot Mangelware. Jesus selbst hat gespürt: Der Mensch ist Seele und Leib. Er braucht Nahrung. Missionsarbeit hat auch immer das Ziel, Lebensgrundlagen zu schaffen, damit sich Menschen eine menschenwürdige Existenz aufbauen. Ein Mitbruder unseres Ordens hat das in dem Satz zusammengefasst: „Bessere Felder, Bessere Häuser, bessere Herzen!“ Doch wir brauchen auch das Wort Gottes. Wir brauchen die guten Worte, die uns aufbauen, die uns zeigen, wir sind wertvoll und wichtig. Wir können diesen Worten begegnen in der Bibel und im Gottesdienst. Wir brauchen es aber auch, dass Menschen uns diese Worte zusagen. Leben lässt uns allein Gottes Wort.
Schauen wir auf die zweite Versuchung. Hier sehen wir Jesus, der einzig und allein auf Gott vertraut. Der Teufel missbraucht sogar ein Schriftzitat. Wie oft wird die Bibel hergenommen, um Fehlverhalten zu rechtfertigen? Doch Jesus kontert. „Du sollst den Herrn deinen Gott nicht auf die Probe stellen!“ Wir dürfen wie Jesus Gott bedingungslos vertrauen. Oft wissen wir die Wege Gottes nicht. Oft hadern wir. Warum bin gerade ich krank? „Wenn Gott doch die Menschen liebt...“ Als könnten wir Gott etwas befehlen. Wir brauchen unseren Wert auch nicht mit spektakulären Aktionen beweisen. Wir sind das, was wir vor Gott sind, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Auch die dritte Versuchung besteht Jesus und lädt uns ein, allein Gott anzubeten, ihm allein zu dienen. Ich genieße es, wenn ich in manchen Kirchen, eine Zeit vor dem Allerheiligsten verbringen kann. Doch Jesus will sagen: „In allem, was du tust, was du denkst, in allem sollst du zeigen, dass es dir wichtig ist, Gott zu dienen. In allem sollst du fragen, was ist Gottes Wille. Dabei ist eine Gefahr: Ich kann auch das Reden vom Willen Gott für mich und meine eigenen Interessen missbrauchen. Wir dürfen uns vor niemanden niederwerfen: weder vor Menschen, noch vor einer Ideologie, noch vor dem Zeitgeist, noch vor einer inneren Haltung.
Jesus hat uns das vorgelebt. Wenn Paulus in seinem Brief an die Römer sinngemäß schreibt, durch den Ungehorsam des einen Menschen wir zu Sündern wurden, dann will er damit sagen: Alle Menschen sind Sünder. Alle Menschen sind versucht, wie Gott zu werden, das eigene Leben ohne Gott zu gestalten, sich an die Stelle Gottes zu setzen. Adam und Eva, die sich verführen lassen, wie Gott werden zu wollen, ja Gott gleich sein wollen, stehen für uns alle. Nur allein Jesus (und die ohne Erbsünde empfangene Gottesmutter Maria) war Gott gehorsam, in allem. Wir müssen hineinwachsen, Gott wieder mehr zu gehorchen.
Es gibt so vieles, was uns vom Guten und von Gott wegführen will. Es gibt vieles, was uns das Böse als gut zeigen möchte: Karriere, Geld, Besitz. Dabei ist es Gott, seine Liebe und seine Gebote, die uns erfüllen. In diese Haltung kann uns auch die diesjährige Fastenzeit führen. Auch in diesem Jahr können wir einen Schritt tun, ganz auf Gott zu vertrauen, ihm zu begegnen. Mancher Verzicht, sei es, dass er während der ganzen Fastenzeit geschieht oder nur zeitweise, kann uns zeigen: Von wem und wovon mache ich mich abhängig? Was glaube ich, für mein Lebensglück zu brauchen? Wenn wir ein Handy und andere Dinge gut gebrauchen, dann kann es hilfreich sein. Wenn wir von ihnen abhängig werden, dann ist das schlecht.
Entdecken wir, dass Gott die Quelle unserer Erfüllung ist, dass Gott uns das gibt, was wir brauchen, dass wir Gott lieben und ihn verehren und anbeten. Allein Gott schenkt Erfüllung!
Zum Beginn der Fastenzeit legen uns die biblischen Lesungen ein Programm für die Fastenzeit vor. Der Mensch ist von seiner Erschaffung an versucht, aus der engen Beziehung zu Gott, seinem Schöpfer, auszutreten. Paulus hält uns die Folgen der Sünde vor Augen. In den vielfältigen Versuchungen unseres Lebens wird unsere Gottesbeziehung auf die Probe gestellt.
Diese sonntäglichen Texte noch am Beginn der Fastenzeit geben lebensnahen „Nachhilfeunterricht“, was Umkehr, Sündenverständnis und Versuchungen betrifft. Das beginnt schon mit der ersten Lesung: Die Bilder, die uns vor Augen geführt werden, sind wirkliche Bilder, kein Dokumentarbericht. Die Schöpfung, Tiere und Pflanzen als Hilfe für den Menschen, so etwas wie eine Gebrauchsanweisung, verbunden noch mit der Mahnung: Nütze sie gut! Der Versuch misslingt, vorbei ist es mit dem Leben im Paradies. Es geht weiter mit dem Brudermord, mit Mord und Totschlag. Weil der Mensch Partnerschaft braucht, schuf Gott Gleichwertiges: Eva (= Leben) zu Adam (= Mensch). Gott schuf Gleichwertiges aus der Rippe des Mannes, dem Herzen nahe.
Wie schwer tun wir uns mit der Gleichwertigkeit von Mann und Frau bis heute, weltweit in manchen Kulturen (Taliban). Wir führen in unseren Bereichen Quotenregelungen ein, das will auch nicht so recht funktionieren, ganz kleine Fortschritte gelingen ja, aber nur sehr langsam. In der Kirche wird das Frauenproblem immer dringlicher. Es kam auch jetzt wieder beim Vorbereitungstreffen zur Weltsynode in Prag zur Sprache. Es gibt wohl viele Bemühungen, aber dennoch eine Pattstellung, biblischer Auftrag gegen Tradition, die aber sehr wohl bedeutende Mitarbeiterinnen in den Gemeinden kennt und gegen das Kirchenrecht. Vieles muss sich erst erfüllen. Dabei gibt es viele Niederlagen, da und dort auch Schadenfreude, die keine Probleme löst. Kurzum: Die ersten 11 Kapitel im Buch Genesis sind Existenzanalyse der Menschheit. Vielleicht könnten wir daraus auch für uns persönlich etwas ableiten.
Die zweite Lesung setzt sich mit der Sünde und ihren Folgen auseinander. Sünde ist eine bewusste Absonderung von der Liebe Gottes, in der sich der Mensch in Freiheit entscheidet, nicht auf dem Weg Jesu zu bleiben. Sünde wird hier mit dem Tod verglichen, bei dem es um Vergänglichkeit geht, in der die gesamte Schöpfung, der Kosmos und der Mensch miteinbezogen sind. Biblisch gesprochen ist es aber das geistige Absterben der Beziehung zu Gott. Wichtiger Hinweis: „Sünde war schon vor dem Gesetz in der Welt, aber Sünde wird nicht angerechnet, wo es kein Gesetz gibt; dennoch herrschte der Tod von Adam bis Mose auch über die, welche nicht durch Übertreten eines Gebotes gesündigt hatten, wie Adam, der ein Urbild des Kommenden ist.“ (Röm 5,13-14). Das heißt: Auch Pflanzen, Tiere übertreten nicht das Gesetz des Liebesgebotes, sie haben keine Sünde, wohl aber der Mensch. Und nun kommt das Trostwort: „Wo die Sünde mächtig wurde, ist die Gnade übergroß geworden.“ (Röm 5,20).
Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt. Das ist das Risiko Gottes, dass er den Menschen mit Freiheit ausgestattet hat, die er missbraucht, bis zum heutigen Tag. Dieser Missbrauch führt zur Ursünde mit Nebenwirkungen, nachzulesen im Lasterkatalog bei Paulus 1 Kor 6,9-14 und 18-20. Aber wo die Sünde mächtig wurde, setzt sich die Gnade als liebevolle Zuwendung zum Menschen durch. Die Gnade setzt die Natur voraus und schließt die Vernunft mit ein.: Gratia supponit naturam (Thomas von Aquin + 1274).
Damit kommen wir schon zu den Versuchungen, die zur Sünde führen können. Das hören wir im Evangelium. Die vorletzte Bitte im Vaterunser „Führe uns nicht in Versuchung“ löste in letzter Zeit Unverständnis, Skepsis, Anfragen an unser Gottesbild aus. Besser wäre zu sagen: Hilf uns, durch alle Versuchungen durchzukommen, diese zu bestehen, zu überstehen, Versuchung als Erprobung der Treue, als Festhalten an Gott, besonders in schwierigen Situationen, die auch schwere Krisen auslösen können. Versuchung als Erprobung zu verstehen.
Im Evangelium hören wir von der Wüste als Ort der Erprobung, als Erfahrung des Lebens, als Durchgang durch schwere Zeiten, da muss man durch. Man ist froh, wieder herauszukommen. Es ist ein Leben der Ausgesetztheit bis zur Existenzbedrohung. Bedrohungen, brenzlige Lebenssituationen haben wir auch heute, nicht nur durch Naturkatastrophen, Klimawandel, wir haben sie auch in Beziehungsproblemen mit den Kindern, mit dem Ehepartner. Wir unterliegen beruflichen Versuchungen, auch Versuchungen, die mit Risiken verbunden sind beim Sport, im Glücksspiel etc.
Die Bibel erwähnt drei Versuchungen und bringt sie in Zusammenhang mit Freiheit, sich zu entscheiden. Steine zu Brot werden zu lassen, Hochsaison für Finanzspekulanten, Betrügereien, viel Gier ist dabei. Alle Reiche will ich dir geben, Machtgehabe, Großreiche schaffen zu wollen, Machtausübung bis hinein in die Familien in Wort und Gewalt. Die dritte Versuchung, der man leicht erliegt: Ruhm, Ansehen, Anerkennung über Titel, Karrieresucht, Geld, Versuchung auch auf Kosten anderer.
Beten wir um gute Überlegungen, Erkenntnisse, in welche Versuchungen wir persönlich immer wieder hineingeraten und versuchen wir, all den Erprobungen Widerstand zu leisten so wie es Jesus auch getan hat.
Die Fastenzeit enthält die Herausforderung, Neues zu versuchen, seine Grenzen zu erkennen, sich von Gottes Geist leiten zu lassen und sich so in kritischen Situationen zu bewähren.
Ich war neugierig und habe den Versuch gewagt, Neues in meinem Leben auszuprobieren. Versuchen – setzt einen suchenden, nach neuen Wegen Ausschau-haltenden Menschen voraus! Dieses Verhalten ist positiv und dient dem Leben, dem Überleben der Menschheit! Etwas im Leben suchen, testen, probieren, fördert die eigene Kreativität, macht mutig.
Dazu gehört auch manchen Misserfolg als Herausforderung anzunehmen, zu bewältigen und einen Neuanfang zu starten. Daran gibt es nichts auszusetzen. Und so würde man sich bei manchen Menschen wünschen, dass sie ihrem Leben mehr zutrauen, mehr neue Möglichkeiten versuchen, ausprobieren. Mögen sie die Herausforderungen in ihrem Leben sehen, erkennen und auch standhalten und nicht ausweichen.
Bei anderen Menschen trifft genau das Gegenteil zu! Denn der Mensch kann auch leicht im Versuchen übermütig werden und dabei Grenzen überschreiten, Grenzen, die ihn vor Unmenschlichkeit bewahren! Es gibt solche Typen von Menschen. Sie gehen beim Versuchen über das hinaus, was ihrem Leben oder/und dem Zusammenleben in der Gemeinschaft dient, förderlich ist.
Genährt wird dieser Übermut oft nach einem übertriebenen Sendungsbewusstsein und von der Sehnsucht und dem Streben nach Macht. Gründe dafür gibt es in Hülle und Fülle. Nicht einfach nur „unbewusste“ Dummheit und Blindheit, sondern auch Kräfte, die im Menschen vorhanden sind, die etwas oder gar sich selbst durchsetzen wollen, die schwer in Zaum zu halten sind und diese können so zu unheilvollem Handeln führen.
Der Mensch, der die großen Möglichkeiten in seinem Leben versucht, erprobt, und so den Anreiz zu seiner eigenen machtvollen Handlung sieht – ist immer noch in einer Situation der Versuchung! Auch daran gibt es nichts auszusetzen nur zu ergänzen: Diese Situation der Versuchung ist zugleich auch eine Chance der Bewährung, des Standhaltens gegenüber der Herausforderung!
Bewährung
Wie man dieser Herausforderung standhalten kann, darauf gibt das heutige Matthäus-Evangelium eine Vorschau. Es verweist auf eine Kraft, eine Geistkraft, auf die Menschen ihr Leben ausrichten. Eine Kraft, die sie in ihre Entscheidungen in Situationen der Versuchung einbeziehen und sich davon leiten lassen. Dieser Geistkraft, Gottes Geist, Raum zu geben im Leben, Raum zu geben in Zeiten, wo die Versuchung zu eigenem Handeln herausfordert und eine Chance der Bewährung ist, darum geht es.
An Jesus und seinem Umgang mit seiner „geisterfüllten“ Lebensrealtität zeigt sich, wie Versuchungen zur Bewährung werden. Jesus, der am Jordan erfahren hat, dass er Gottes geliebter Sohn ist, ist von diesem Geist Gottes durchdrungen und gestärkt. Auf diesen Gott, der mit ihm ist, baut er sein Leben, dieser begleitet ihn auch auf der Suche nach seinem Auftrag, auf seinem Weg in die Wüste und wieder heraus.
Durch unsere Taufe sind auch wir in diese Zusage Gottes „Du bist meine geliebte Tochter, mein geliebter Sohn“ mit hineingenommen und von Gottes Geist durchdrungen. Das ist es, was uns stärkt, was uns in der Versuchung begleitet. Zugleich ist es für uns die Chance, der Versuchung, der Macht der Anerkennung und Versklavung anderer, wie wir es im Evangelium gehört haben, nicht zu erliegen.
Dann sind wir auf unserem Lebensgrund, dem Unaussprechlichen, dem Heiligen, der uns trägt, uns begleitet, uns im Scheitern nicht allein lässt, angekommen. In ihm ist alles „eingebettet“, Licht und Schatten unseres Lebens.
Etwas später erfahren wir im Matthäus-Evangelium von einer Bitte, die nur aus dieser Grunderfahrung zu verstehen ist: „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns von dem Bösen“ Mt 6,13.
Was menschlich logisch scheint, ist oft nur eine verführerische Abkürzung, die dann doch nicht zur Lösung des angestrebten Zieles führt. Die Versuchungserzählung entlarvt derartige Logiken. Der Weg Jesu geht von Mensch zu Mensch ohne die schnellen Abkürzer und falschen trügerischen Versprechungen. Fastenzeit will uns helfen, unsere klammheimlichen Machtphantasien und insgeheimen Verzweckungen der Menschen abzurüsten.
Hat der Urheber dieses Zitates, der irische Schriftsteller George Bernhard Shaw, an die Versuchungsgeschichte gedacht, an die Begegnung von Jesus mit dem klugen Teufel in der Wüste?
Nun, jedenfalls scheint es der Teufel hier mit Jesus gut zu meinen. Dieser kommt quasi gerade von der Taufe am Jordan, bei der ihm die Zusage gegeben worden ist, Gottes geliebter Sohn zu sein. Er hat dort sozusagen den offenen Himmel erblickt, zweifellos ein Höhepunkt, ein zutiefst bewegendes Erlebnis. Und nun das: 40 Tage in der Wüste, hineingeführt vom Geist Gottes.
Wir dürfen wohl vermuten, dass diese Wüste nichts zu tun hat mit einem abgesicherten Mediationserlebnis oder einem Fastenkurs in schöner ruhiger klösterlicher Atmosphäre. Eher scheint mir die Wüste für die absolute mitleidlose Lebensfeindlichkeit zu stehen, hineingeworfen in eine trostlose, trockene Umgebung, Steine und Sand, nichts Nahrhaftes, nur der nagende Hunger. Eine wirkliche Zeit der Krise: Was gilt denn nun von der zuvor gemachten und wohl beglückenden Erfahrung? Zählt die noch? Und wenn ja, wie zählt Sie? Wie geht denn das nun konkret: Gottes Sohn zu sein mit einer Botschaft? Auf welchem Weg soll diese Kunde in die Welt gehen?
Da kommt er gerade recht, der Ungeist, der scheinbar so vernünftig argumentiert. Gleich beim ersten Teil wird das deutlich. Aus Steinen Brot machen: Wäre das nicht wünschenswert? Der allgegenwärtige Hunger in der Welt, das unglaubliche Elend, das damit verbunden ist, heute vielleicht fast noch mehr als damals. Das Eintauschen gegen die Gabe aus dem Wertlosen nahrhaftes Essen zu schaffen. Mit Gott an der Seite endlich Schluss machen mit den jährlichen Katastrophenmeldungen von Hunger hier und Unterernährung dort. Caritas, OXFAM, die UNO und wie sie alle heißen, wären auf einmal arbeitslos in diesem Bereich: Endlich sind alle satt!
Aber Jesus verweigert sich dem schnellen Weg. Nein, es reicht für ihn nicht, dass die Mägen satt sind. Was kommt danach, scheint er zu fragen? Was dann, wenn der vordergründige Hunger gestillt ist? Satt alleine reicht für ihn nicht! Aber man sollte diese Stelle nicht vorschnell vergeistigen. Jesus wird später in seinem Tun zeigen, welches Wunder wirklich hilft gegen den Hunger der Menschen, der auch auf Leib und Seele drückt: Das Wunder des geteilten Brotes, das alle satt macht.
Nun, der Teufel ist hartnäckig, er bleibt dran. Also weg mit Jesus aus der Wüste, rein in die Heilige Stadt Jerusalem: hinein ins Zentrum der Religion. Oben auf der Spitze, auf dem Tempel, dem Petersdom oder den Türmen Mekkas oder wo auch immer organisierte Religionen ihre Stätten haben... Ein Wunder würde reichen, ein Beweis, dass er wirklich anders ist, einzigartig... Der Sohn Gottes soll es beweisen. Es bräuchte ganz wenig. Ein wenig Show, eine kurze Zugabe vor laufenden Kameras, und die Aufmerksamkeit der Welt wäre ihm gewiss. Auch hier widersteht Jesus. Mit Gott in Verbindung sein, auf ihn zu setzen, geht ohne Geschäft und Gegengeschäft. Wer vertraut, braucht den erzwungenen Beweis nicht. Dieser würde sogar der Liebe widersprechen. Beweise mir, dass Du mich liebst - wer so spricht, ist bereits außerhalb dieser vorbehaltlosen Zuwendung. Selbst wenn es so verführerisch wäre: Die Kirche als Werkzeug Gottes würde so viel besser dastehen mit nur einer winzigen kleinen Show, eines gezeigten Wunders, ein globaler Wow-Effekt und wir hätten die Aufmerksamkeit und die Zuneigung quer durch die Welt, und dann könnten wir in bester Absicht wirken und Gutes tun...
Dann das schwerste Geschütz: Hinauf auf den hohen Berg. Jetzt liegt die ganze Welt zu seinen Füßen. Die Reichen, die Mächtigen, die Imperien, die Machtstrukturen., wäre das nicht reizvoll? Mit dem Anerkennen der teuflischen Logik durch Jesus wäre es gelöst, könnte das Potential dieser Mächte doch verwendet werden für das Gute. Mit aller Kraft und Gewalt endlich dem Guten, dem Vernünftigen den Weg ebnen. Nicht mehr kämpfen, reden, argumentieren, überzeugen müssen, sich nicht mehr verirren müssen im täglichen Hickhack und politischen Getriebe. Mit aller Kraft sagen können, was ist und sein wird. zum Wohle aller wohlgemerkt!
Z. B. Heute eine Weltregierung, die endlich die Klimakatastrophe gegen alle Widerstände und GegnerInnen klar bekämpft und konsequent ihre Maßnahmen durchzieht!
Aber auch hier scheitert der Teufel: Allein Gott zählt. Nicht die übliche Logik unserer Welt, Geschäft, Gegengeschäft, Machtlogik und sei sie auch noch so gut gemeint. Jesus geht nicht diesen Weg, um seine Vision durchzusetzen. Weder die verschlagenen machtpolitischen Spielchen sind seines, noch der revolutionäre Weg, der am Ende die eigenen Kinder frisst.
Jesus beharrt darauf, nur in der Freiheit Gottes verwurzelt zu sein, ihm allein anzuhängen. Das trägt ihn hier durch, gibt ihm die Worte aus der Tradition, mit denen er sich zurechtrückt angesichts der verführerischen Perspektive.
Es hilft ihm hier einen dritten Weg zu finden angesichts der scheinbar aussichtlosen Alternativen: Die Welt ist ganz oft im Elend und daran kannst du nichts wirklich ändern! Oder dagegen: Der Weg zum Besseren geht über die guten Vorsätze, diese müssen durchgekämpft werden, koste es, was es wolle! Kollateralschäden sind dann eben nicht zu vermeiden.
Nein, sein Weg wird ein anderer sein: Er zwingt Gott nicht in die übliche Logik des „Wenn Du mir gibst, dann gebe ich Dir...“. Er vertraut ohne die verführerischen Abkürzungen. Weder religiöses Theater, noch Wunder, noch Macht setzt er ein als Mittel zum Zweck, sondern bleibt geduldig dran am Menschen in seinen alltäglichen Vollzügen. Machtlos, bei den sogenannten Kleinen setzt er an, er geht nicht den Weg über die Mächtigen von Religion und Staat. Mit dieser Entscheidung, zu der sich Jesus durchringt in diesem tagelangen Prozess, wird die Wüste wieder lebendig: die Engel dienen ihm, die Krise ist ausgestanden, der Weg nun klar.
Zu Fuß auf den eigenen Füßen, ohne die verlockenden Ingredienzen von Religion und staatlicher Macht geht es weiter. Von Mensch zu Mensch. Mühsam, manchmal beglückend, oft wohl auch andere enttäuschend, setzt er die frohe Botschaft in die Welt, weil er es Gott allein zutraut, das Unheile zu wenden. Er wird immer wieder Taten setzen, die lokal wie im Brennglas zeigen, worauf es ihm ankommt in der Begegnung mit den armen, kranken, ausgestoßenen Menschen. Er tut was dazu, aber weiß sich aufgefangen bis zum härtesten vorstellbaren vorläufigen Ende am Karfreitag von der Liebe Gottes, die nicht zwingt, blendet oder vortäuscht, sondern in Freiheit setzt Antwort zu geben.
Für uns, die ich uns ohne bösen Beiklang als Weltverbesserer und Weltverbesserinnen bezeichnen möchte (wer wollte denn nicht die Welt verbessern!) ein Hinweis auch auf unsere Strategie heute: Von Mensch zu Mensch, ohne die schnellen Abkürzer und falschen trügerischen Versprechungen. Nicht mit Gewalt, ohne Tricks im Vertrauen auf Gott, der uns in Freiheit setzt und in Freiheit sich binden möchte. Fastenzeit so gesehen: Ein Abrüsten unserer klammheimlichen Machtphantasien und insgeheimen Verzweckungen der Menschen. Eine Ermutigung, unser Vertrauen auf Gott zu setzen, in seiner Freiheit der Welt begegnen!
© Wilfried Scheidl, Leiter Regional Caritas, Diözese Linz
Jesus wurde in seinem Leben vielfach versucht. In der Erzählung von den Versuchungen am Ende seiner Wüstenzeit werden drei markante und typische Versuchungssituationen vorgestellt, in denen Jesus seiner Spur als Mensch und Sohn Gottes treu bleibt. In der Fastenzeit sollen auch wir uns im Glauben bewähren und wachsen.
Vor uns steht die Fastenzeit, die für uns zu einer Gnadenzeit werden soll. Um uns dafür Anregungen zu geben, wird uns die Erzählung von den Versuchungen Jesu in der Wüste vor Augen gestellt.
Als der Sohn Gottes hat Jesus menschliche Gestalt angenommen, um den Bewohnern der Erde ein Vorbild dafür zu sein, wie gottverbundenes Leben zu gestalten ist. Mit seinem klaren Ja zu dieser Aufgabe, Gottes Sohn und ganz Mensch zu sein, unterwirft sich Jesus den Begrenzungen menschlichen Lebens: der Mühe, dem Leid, Versuchungen.
Von Versuchungen, die an Jesus herantraten oder herangetragen wurden, ist in der Bibel mehrfach die Rede: z.B. als man ihn zum König machen wollte. Jesus entfernt sich, sobald er spürt, was man mit ihm vorhat. Er lässt sich nicht verführen, seiner Aufgabe als Messias untreu zu werden. Oder am Ölberg: Im Blick auf das Leid, das auf ihn zukommt, tritt Angstschweiß auf seine Stirn. Jesus muss all seine Kraft aufbieten, um sagen zu können: Vater, dein Wille geschehen – nicht der meine.
Die im heutigen Evangelium beschriebenen Versuchungen hat Matthäus sicher sehr bewusst gewählt, da sie für uns Menschen typisch sind.
Vom Hunger ist die Rede. Das von Matthäus vorgetragene Beispiel dürfen wir sicher ausweiten. Wir Menschen hungern nicht nur nach Brot. Wo wir Mangel leiden, arm sind oder krank, uns verlassen oder in Schicksale verstrickt fühlen, einen schlimmen Unfall hatten oder einen beruflichen Zusammenbruch erlitten haben, dort hungern wir Menschen nach Veränderung unserer Lebenssituation.
Jesus behebt seine Hungersituation nicht dadurch, dass er Steine in Brot verwandelt, wie es ihm der Teufel rät und wozu er die Macht hätte. Denn damit wäre er aus dem vollen Menschsein ausgestiegen. Jesus hat kein einziges Wunder zu seinen Gunsten gewirkt, um sich aus persönlichen Nöten zu retten. Immer geschahen seine Wunder, um Leid und Nöte anderer zu lindern. Füreinander Brot werden, sich für die Werke der Liebe und das Durchhalten im Leid von Gott Kraft erbitten wie Jesus am Ölberg, das will Jesus uns Menschen ans Herz legen.
In der zweiten Versuchung Jesu geht es um Schein und Wirklichkeit. Der Teufel will Jesus verführen, eine Show abzuziehen im sich Hinabstürzen von den Zinnen des Tempels. Es gibt in ganz Israel keinen spektakuläreren Ort als den Tempel von Jerusalem. Dort sind immer Mensch und Besucher aus dem ganzen Land versammelt. Vor ihren Augen soll sich Jesus von der Zinne des Tempels stürzen und von den Engeln auffangen lassen. Wir können uns vorstellen, welches Aufsehen ein solches Ereignis erregt hätte. Jesus wäre als der Superstar in aller Munde gewesen. Aber Jesus ist vom Vater nicht gesandt, als „show-maker“ Spektakel zu erregen.
Sein Auftrag lautet: Gottes unendliche Liebe zu den Menschen in den Blick zu bringen und die Menschen durch seine Wunder Gottes Heilswirken spüren zu lassen. Die Liebe leben, Menschen ein Helfer zu sein, darauf hat Jesus sich ausgerichtet und eingestellt. Im Hinweis auf Gottes Liebe und der von ihm gelebten Hilfsbereitschaft will Jesus den Menschen Anstoß geben, die Verbundenheit mit Gott und untereinander zu vertiefen.
Die dritte Versuchung ist die, die wohl am häufigsten an uns Menschen herantritt: Unser Heil und Wohlergehen im Glanz von Reichtum und Macht suchen. Macht haben wollen und Macht ausüben, reich sein wollen und dadurch etwas gelten… Wie oft tritt diese Versuchung an uns Menschen heran!
Bei Gott dagegen geht es ums Dienen. Das ist die Botschaft, die Jesus der Welt bringt: Gott ist ein dienender Gott. Darin unterscheidet er sich von allen Göttern rings um ihn her. Die Götter sind Macht ausübende Gottheiten. Und nicht selten sind die Israeliten der Versuchung erlegen, ihren Gott Jahwe zu präsentieren als einen Gott, der seine Macht einsetzt, um zu herrschen und Überlegenheit zu demonstrieren.
Spätestens mit Jesus Christus wird deutlich, dass Gott zwar allmächtig ist, dies aber nie demonstriert hat. Im Gegenteil: Er wirkt im Hintergrund, meistens erst im Nachhinein erspürbar, oft in Verbindung mit Menschen, die seine Pläne ausführen. Für die Nachahmung dieses Stils möchte Jesus die Menschen gewinnen.
Dabei ist festzuhalten: Macht, Einfluss, Reichtum sind nicht von vornherein etwas Schlechtes oder Schlimmes. Sie sind sogar gut und wertvoll, wenn sie dem Heil und Wohl der Menschen nützen. Wer keinen Einfluss hat und wem keinerlei Mittel zur Verfügung stehen, ist in seinen Möglichkeiten, zum Wohl des Nächsten beizutragen, in vielen Richtungen begrenzt. Es geht also nicht darum, Macht, Einfluss oder Reichtum zu verteufeln, sondern darum, unser Verhältnis zur Macht, zu Einfluss und Reichtum dem Dienst an den Menschen zu unterstellen.
Die Fastenzeit soll uns zu einer Zeit der Gnade und des Heils werden, in der wir uns ganz bewusst darauf besinnen: Es gilt,
Es ist durchaus ein sehr umfassendes Programm, vor dem wir jedoch nicht erschrecken sollen. Es wäre ja schon viel gewonnen und ein guter Schritt nach vorn, wenn wir uns in der diesjährigen Fastenzeit wenigstens einen Punkt herausgreifen würden, um ihn im Besonderen und mit aller Energie beherzigen würden. Gott schenkt unserem Bemühen ganz sicher seine Kraft.
Die Versuchungen Jesu sind Grundmuster für Versuchungen, denen auch wie in unserem Leben ausgesetzt sind. In der Fastenzeit sollen wir uns kritisch mit diesen Neigungen auseinandersetzen und uns allein in den Dienst Gottes stellen.
Dreimal tritt der Versucher an Jesus heran und will sein Naheverhältnis zu Gott zerstören. Er erkennt ihn als Teufel und weist seine Ansinnen zurück. Auch wir zweifeln oft an Gott und greaten so in Versuchung.
Schwestern und Brüder, herzlich willkommen zum Gottesdienst am 1. Fastensonntag.
Mit dem Aschermittwoch hat die österliche Bußzeit begonnen - eine Zeit, die nicht zuerst Druck macht, sondern klärt: Was trägt wirklich? Was lenkt mein Leben? Was ist nur Lärm - und was ist Wahrheit?
Das Evangelium heute ist dabei erstaunlich nüchtern: Jesus wird vom Geist in die Wüste geführt. Nicht als Strafe, sondern als Weg der Sammlung. In der Wüste wird nichts überdeckt. Dort zeigen sich Hunger und Sehnsucht, Angst und Vertrauen - und dort entscheidet sich, wem man glaubt: dem schnellen Impuls oder Gott.
Vielleicht stehen auch wir am Beginn dieser Wochen mit Gedanken wie: “Was nehme ich mir vor?” Oder: “Wie halte ich das durch?” Die Fastenzeit lädt weniger zu großen Programmen ein als zu einer einfachen, tragfähigen Entscheidung: weniger Ablenkung - mehr Aufmerksamkeit. Weniger Nebensache - mehr Mitte.
Bitten wir Gott zu Beginn dieses Gottesdienstes um einen wachen Geist, um Mut zur Ehrlichkeit und um das Vertrauen, dass die Wüste nicht das Ende ist - sondern ein Ort, an dem Gott neu stärkt.
Gott hat diese Welt als eine gute Welt geschaffen. Doch vieles will uns von Gott und damit auch von uns selbst wegführen, uns von uns selbst entfremden. Davon erzählen die Lesungen und auch das Evangelium. Adam, der erste Mensch, lässt sich verführen. Christus hält den Versuchungen stand. Er bleibt Gott gehorsam. Er ist der zweite Adam, der neue Mensch. Jesus führt uns zu Gott zurück.
Hören wir Gottes Wort, aus dem wir leben. Feiern wir die Liebe und die Hingabe Jesu in der Eucharistie. Grüßen wir ihn in unserer Mitte und bitten wir ihn um sein Erbarmen.
Mit Aschermittwoch haben wir die vierzigtägige Fastenzeit begonnen. Sie soll für uns eine Zeit des Heils und der Gnade werden. Wachsen sollen wir in unserem Glauben, in unserer Hoffnung und in der Liebe, damit unser Leben immer mehr am Leben Jesu Anteil erhält und sich an ihm orientiert. Gott will uns durch Jesus auf einen guten Lebensweg führen.
Herr Jesus Christus,
du gehst in die Wüste - und wir laufen oft davon.
Du hältst Stille aus - und wir füllen jede Lücke.
Du wählst den Weg der Wahrheit - und wir wählen so leicht die Abkürzung.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
wenn Hunger in uns laut wird - nach Anerkennung, nach Trost, nach „mehr“ -
und wir vergessen, wovon wir wirklich leben:
Wenn wir dich prüfen wollen, statt dir zu vertrauen,
und aus Glauben eine Forderung machen.
Wenn Macht, Rechthaben und Durchsetzen wichtiger werden als Liebe,
und wir unsere Mitte verlieren:
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
Du zeigst: Nicht jeder Gedanke, der sich richtig anfühlt, führt in die richtige Richtung.
Du zeigst: Gottes Wort ist Kompass - keine Munition.
Du zeigst: Ein klares „Weg damit“ kann der Anfang von Freiheit sein.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
der Mensch lebt von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt.
Du bist Gottes Wort.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
der Mensch soll Gott nicht auf die Probe stellen.
Du hast fest auf Gott vertraut.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
der Mensch wirft sich vor vielem nieder, was ihm Leben verspricht.
Doch Gott dem Herrn allein sollen wir dienen.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
du hast dich vom Vater in unsere ganze Menschlichkeit senden lassen.
Herr, erbarme dich.
Den Versuchungen von Macht und Geltung hast du widerstanden.
Christus, erbarme dich.
Durch deine Treue bis in Tod hast du uns die Pforten der Auferstehung geöffnet.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
um uns in unserem Denken und Handeln Vorbild zu sein, kamst du auf unsere Erde.
Herr, erbarme dich.
Als Mensch warst auch du Versuchungen ausgeliefert.
Christus, erbarme dich.
Du willst uns Kraft schenken, Anfechtungen zu widerstehen.
Herr, erbarme dich.
Es erbarme sich unser der Herr, damit wir ihm in Treue folgen. – Amen.
Allmächtiger Gott,
du schenkst uns die heiligen vierzig Tage
als eine Zeit der Umkehr und der Buße.
Gib uns durch ihre Feier die Gnade,
daß wir in der Erkenntnis Jesu Christi voranschreiten
und die Kraft seiner Erlösungstat
durch ein Leben aus dem Glauben sichtbar machen.
Darum bitten wir durch ihn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 1. Fastensonntag
Jesus hat gesagt:
"Nicht nur vom Brot lebt der Mensch,
sondern von jedem Wort,
das aus Gottes Mund kommt."
Darum bitten wir:
Gott, unser Vater.
Verwirrt vom Geschwätz unserer Tage,
erschöpft von Arbeit und Sorgen,
suchen wir dich und rufen:
Komm uns entgegen.
Rede uns an.
Gib uns ein Wort,
das uns ändert und heilt,
das uns nährt und befreit.
Das gewähre uns durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 41
Barmherziger Gott.
Du nimmst die Sünde ernst,
aber du läßt uns die Möglichkeit zur Umkehr.
Du verurteilst unsere Verfehlungen,
aber du lädst uns ein zu einem neuen Anfang.
Wir danken dir, daß du barmherzig bist.
Gib uns den Mut umzukehren.
Gib uns die Kraft, neu anzufangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 26
Gott.
Du kennst uns besser, als wir uns selber kennen.
Du weißt, wie sehr wir
der Änderung und Umkehr bedürfen.
Aber du trittst nicht mit Gewalt an uns heran
oder mit List.
Du kommst zu uns mit deinem Wort -
deinem offenen und guten,
deinem fordernden und heilenden Wort.
Gib, daß wir dir heute nicht ausweichen,
daß wir uns öffnen
und dein Wort annehmen:
Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Amen.
MB Auswahl 33
Gott, unser Heil,
gib uns die Gnade, umzukehren zu dir.
Erleuchte unseren Verstand
und stärke unseren Willen,
damit uns diese Zeit der Buße zum Segen wird.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Montag in der 1. Woche der Fastenzeit
Gott,
du führst in die Wüste - nicht um zu verletzen, sondern um zu klären.
Schenke uns in dieser Fastenzeit einen wachen Geist:
dass wir unterscheiden, was uns gut tut und was uns bindet,
was uns antreibt und was uns zerstört,
was laut ist - und was wahr ist.
Gib uns Kraft, Versuchungen zu widerstehen,
Abkürzungen zu meiden
und dir neu zu vertrauen -
mit einem Herzen, das frei wird für Liebe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
der mit dir lebt und wirkt in der Einheit des Heiligen Geistes,
als Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. - Amen.
Herr Jesus Christus,
du wurdest versucht, doch du hast standgehalten.
Wir werden versucht, immer wieder, und wir werden schwach.
Doch wir dürfen immer wieder neu anfangen.
Wir dürfen immer wieder ja sagen zu dem, was Gott will.
Du schenkst uns dein Wort, aus dem wir leben.
Es ist Gottes Wort.
Du schenkst uns Ansehen,
Wir sind von Gott geliebt.
Auf Gott allein vertrauen wir – ohne Einschränkung.
Sei bei uns. - Amen.
Vater im Himmel,
die vierzigtägige Fastenzeit liegt vor uns.
Lass sie uns zu einer Zeit werden,
in der wir uns rückbesinnen auf dein Wort
und auch neue Zugänge zu uns selbst finden.
Schenke uns die Kraft,
die Vorsätze, die wir gefasst haben, auch durchzuhalten,
damit das erwartete Osterfest
zu einem wahren Freudenfest werden kann.
Das erbitten wir durch Jesus Christus,
der uns in seinem Fasten in der Wüste,
ein Beispiel der Standhaftigkeit gegeben hat.
Guter Gott,
am Beginn der Fastenzeit hören wir: Jesus wurde vom Geist in die Wüste geführt. In der Stille wird klar, was trägt - und was uns von dir wegzieht.
Mit allem, was uns bewegt, kommen wir zu dir und bitten:
Für deine Kirche:
Schenke Mut zur Wahrheit, zur Freude am Evangelium und einen klaren Blick für die Menschen, die am Rand stehen.
Gott, wir bitten dich: erhöre uns.
Für alle, die Verantwortung tragen in Politik und Gesellschaft:
Lass sie dem Gemeinwohl dienen, Versuchungen von Macht und Ego überwinden und Wege des Friedens suchen.
Für Menschen in Wüstenzeiten:
für Kranke, Einsame, Überforderte, Trauernde und alle, die keine Kraft mehr spüren.
Sende ihnen Menschen, die tragen, und Hoffnung, die bleibt.
Für alle, die fasten oder neu anfangen wollen:
Bewahre sie vor falschem Perfektionismus. Schenke kleine, echte Schritte, die frei machen: weniger Ablenkung, mehr Liebe.
Für Familien, Kinder und Jugendliche:
Stärke Vertrauen, gute Worte und Zeit füreinander. Schütze sie vor Druck, Streit und allem, was Beziehungen zerstört.
Für unsere Gemeinde:
Gib, dass diese Fastenzeit nicht nur Vorsätze bringt, die schnell vergehen, sondern ein Herz, das neu auf dich hört.
Für unsere Verstorbenen:
Nimm sie auf in dein Licht und tröste alle, die um sie trauern.
Guter Gott,
du kennst unsere Wege - auch die trockenen Strecken.
Bleib an unserer Seite, wenn wir ringen, und stärke uns, wenn wir müde werden.
Dir vertrauen wir heute und alle Tage. - Amen.
Herr Jesus Christus,
du hat in den Versuchungen standgehalten.
Wir bitten dich:
Für alle, die allein in Reichtum, Ansehen und Macht den Sinn ihres Lebens sehen.
Dass sie dich entdecken als wahre Quelle des Glücks.
Für alle, die schlechte Vorbilder erlebt haben oder sonst unter einem schlechten Einfluss stehen. Dass sie Menschen begegnen, die sie positiv beeinflussen.
Für alle, die unter der Gewalt und der Boshaftigkeit einzelner zu leiden haben.
Dass sie inneren wie äußeren Frieden erfahren.
Für alle, die unter den Folgen des Erdbebens in der Türkei und in Syrien leiden oder von sonstigen Naturkatastrophen betroffen sind.
Dass sie Hilfe erfahren und wieder in die Zukunft schauen können.
Für alle, die sich auf die Taufe oder auf die Firmung vorbereiten.
Dass sie in der Freude am Glauben und in der Liebe zu dir wachsen und reifen.
Für unsere Verstorbenen.
Dass sie bei dir ewige Freude und Erfüllung finden.
Dich loben und preisen wir, jetzt und in alle Ewigkeit. - Amen.
Als Mensch ist auch Jesus bis zu seinem Sterben am Kreuz innerlich immer wieder in Versuchung geraten. In Freiheit entscheidet er sich aber dafür, sein Leben ganz unter den Willen Gottes zu stellen. So wird er für uns zum Helfer in unseren Zweifeln und Versuchungen.
An ihn wenden wir uns mit unseren Bitten:
Für alle, die in der Kirche mitarbeiten,
dass ihr Handeln im pastoralen Dienst in menschlicher Zuwendung und Wertschätzung der ihnen Anvertrauten gelingt.
Für unsere Gesellschaft,
dass in ihr auf allen Ebenen das Gemeinwohl mehr gilt als persönliche Gier nach Macht und Profit.
Für alle Verantwortungsträger,
dass sie nicht versuchen, sich und andere durch schnelle und einfache Lösungen für die vielfältigen Krisen unserer Zeit in die Irre zu führen.
Für uns selbst,
dass wir uns in Dankbarkeit immer mehr bewusst werden, wie sehr du uns trotz aller Unzulänglichkeiten und Fehler annimmst und bejahst.
Für alle Sterbenden,
dass sich ihre Hoffnung auf deine Nähe und Geborgenheit erfüllt.
Jesus! Du hast in deinem menschlichen Leben allen Versuchungen durch deine enge Bindung an den Vater standgehalten. Dir vertrauen wir uns an und dich bitten wir: Lass dein Erlösungswerk in unseren Versuchungen wirksam werden. - Amen.
Herr Jesus Christus,
du hast dich für deine Aufgabe durch Sammlung, Gebet und innere Vorbereitung zugerüstet und auf Gott ausgerichtet.
Wir bitten dich:
Hilf uns, vom Weg der Liebe nicht abzuweichen, sobald Mühe oder Last sich einstellen.
Christus, höre uns.
Unterstütze alles Bemühen um Frieden, gegenseitige Wertschätzung und Versöhnungsbereitschaft.
Schenke Menschen in Not Helfer und gute Begleiter.
Richte auf, die durch Misserfolge oder wiederholte Niederlagen entmutigt sind.
Segne, die sich von dir in einen besonderen Dienst haben nehmen lassen und schenke ihnen Erfolg bei ihrer Arbeit.
Stehe allen Sterbenden bei und nimm die Verstorbenen auf in die Gemeinschaft mit dir.
Herr Jesus Christus,
du hast uns eingeladen, uns in dieser Stunde sehr bewusst und intensiv mit dir zu verbinden und Gemeinschaft zu pflegen, auf deine Botschaft zu hören und uns mit neuer Kraft beschenken zu lassen. Wir danken dir für deinen Beistand: heute und alle Tage unseres Lebens. – Amen.
Viele Entscheidungen erwarten uns täglich. Oft sind wir nicht sicher, welcher Weg einzuschlagen ist. Mit den Konsequenzen unserer Entscheidungen müssen wir selbst und meist auch die anderen leben. Die Verantwortung dafür zu übernehmen, fällt oft nicht leicht.
Aus den Unsicherheiten unseres Lebens rufen wir zu dir, Vater:
Um den Beistand des Heiligen Geistes für Papst Franziskus, von dessen Entscheidungen immer das Ganze des Volkes Gottes betroffen ist.
Um den Beistand des Heiligen Geistes für die politischen Vertreter der Großmächte, die bei ihren Entscheidungen mehr als nur die Interessen des eigenen Landes zu berücksichtigen haben.
Um den Beistand des Heiligen Geistes für alle, die in den diversen Bildungsinstituten durch ihre Entscheidungen die Entwicklung der Jugend und damit die Zukunft unseres Landes in den Händen halten.
Um den Beistand des Heiligen Geistes, wenn es gilt, für unsere eigenen Entscheidungen Verantwortung zu übernehmen und diese durchzutragen.
Um den Beistand des Heiligen Geistes als Trost und Hoffnung für alle Sterbenden, wenn sie am Ende ihres Lebens Fehlentscheidungen erkennen müssen.
Vater! Du schenkst uns eine ganze Lebenszeit, um zu reifen und all das zu entfalten, das du jeden von uns an Gaben geschenkt hast. Begleite uns auf allen Wegen, Umwegen und Irrwegen, die wir brauchen, um bei dir, unserem Ziel, anzukommen.
Das erbitten wir von dir durch Christus, unseren Herrn und Bruder, im Heiligen Geist. - Amen.
Herr, unser Gott,
wir bringen Brot und Wein für das heilige Opfer,
das wir zum Beginn dieser Fastenzeit feiern.
Nimm mit diesen Gaben uns selbst an
und vereine unsere Hingabe
mit dem Opfer deines Sohnes,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 1. Fastensonntag
Herr,
du hast uns
zur Feier der göttlichen Geheimnisse versammelt.
Nimm unser Gebet gnädig an
und stärke uns,
damit wir den Versuchungen dieser Welt nicht erliegen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Montag der Fastenzeit
Herr, unser Gott,
wir feiern das heilige Opfer
in diesen Tagen der Buße.
Nimm in deinem Sohn auch uns an
und schenke uns größeren Eifer
zu einem Fasten, wie du es liebst.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Freitag nach Aschermittwoch
Guter Gott,
wir bringen Brot und Wein vor dich - Zeichen unseres Lebens;
unserer Arbeit und Mühe,
unserer Freude und Sorge,
unserer Hoffnung und Fragen.
Nimm diese Gaben an
und verwandle sie durch deinen Geist,
dass sie uns in dieser Fastenzeit stärken,
damit wir Versuchungen widerstehen,
Abkürzungen meiden
und den Weg Jesu gehen - klar, frei und voller Liebe.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Herr Jesus Christus,
du hast Gottes Willen getan.
du hast Gottes Liebe gelebt, bis in den Tod.
Wir feiern jetzt diese Liebe und Hingabe für uns
in Brot und Wein.
Wenn wir dich empfangen,
dann forme unser Wesen,
dass wir immer mehr mit dir vereint sind
und nach deinem Heiligen Willen leben. - Amen.
Altargebet bei einer Wort-Gottes-Feier
Guter Gott,
wir treten vor dich mit dem, was diese Woche war:
mit Dank und mit Unruhe,
mit Freude und mit dem, was schwer auf dem Herzen liegt.
Du bist da - nicht fern,
nicht erst am Ende, sondern mitten im Leben.
Du rufst Menschen heraus aus dem Gewohnten,
du führst in die Stille, du klärst den Blick.
Du lässt nicht allein in der Wüste,
sondern schenkst Richtung, Kraft und Hoffnung.
Darum loben wir dich mit allen, die auf dich vertrauen,
und mit der ganzen Schöpfung, die deine Größe spiegelt:
Heilig, heilig, heilig ...
Gott, du Quelle des Lebens,
segne auch uns, in der Gegenwart deines Sohnes,
der im Brot des Lebens in unserer Mitte gegenwärtig ist.
Sende deinen Heiligen Geist über diese Gemeinde:
dass dein Wort in uns Wurzeln schlägt,
dass aus Hören Vertrauen wächst
und aus Vertrauen Liebe.
Du hast zu uns gesprochen durch die Schrift,
du sprichst zu uns in deinem Sohn, Jesus Christus.
Er hat Menschen aufgerichtet,
Hungrige satt gemacht mit Hoffnung,
Verlorene zurückgeholt in die Gemeinschaft,
Kranke berührt, Schuld gelöst, Zukunft eröffnet.
Er ist den Weg der Wahrheit gegangen,
ohne Abkürzungen, ohne Spiel, ohne Gewalt -
bis ans Kreuz.
Und du hast ihn nicht im Tod gelassen,
sondern ihm das Leben gegeben, das bleibt.
Darum erinnern wir uns vor dir:
an seinen Weg, an seine Hingabe,
an seine Nähe zu den Kleinen und Schwachen,
an seine Treue, die nicht wankt.
Lass diese Erinnerung nicht bloß Gedanke sein,
sondern Gegenwart und Kraft, die verändert.
Gott, schau auf deine Kirche in aller Welt.
Gib ihr Klarheit im Glauben, Wärme im Herzen
und Mut zum Dienst.
Stärke alle, die Verantwortung tragen:
in der Kirche, in Politik und Gesellschaft, in Familien und Gemeinschaften.
Lass sie dem Frieden dienen und der Gerechtigkeit Raum geben.
Sei bei allen, die in einer Wüste stehen:
bei Kranken und Einsamen,
bei Menschen, die überfordert sind,
bei denen, die Angst haben vor morgen,
bei denen, die um einen lieben Menschen trauern.
Sende ihnen Engel -
Menschen, die zuhören, helfen, tragen,
und Zeichen deiner Nähe.
Gedenke auch unserer Verstorbenen.
Nimm sie auf in dein Licht
und tröste alle, die zurückbleiben.
Guter Gott,
wenn wir gleich das Brot des Lebens empfangen,
dann lass daraus mehr werden als ein Zeichen:
eine Stärkung für den Weg,
eine Einübung in Freiheit,
ein Ja zu dir - mitten im Alltag.
Denn du bist der Gott, der Leben schenkt.
Du bist der Gott, der aufrichtet.
Du bist der Gott, der mitgeht.
Durch Christus, mit Christus und in Christus
ist dir Ehre und Dank,
jetzt und in Ewigkeit. - Amen.
Kehrvers: Alles, was Odem hat, lobe den Herrn. (GL 616,5)
Guter Gott, Schöpfer allen Lebens,
wir kommen zu dir, um dir zu danken.
Du hast die Welt ins Dasein gerufen
und den Menschen als dein Abbild geschaffen,
dir verdanken wir uns Leben.
Kehrvers
Du hast dem Menschen die Freiheit gelassen, eigene Wege zu gehen
und das Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten.
Du hast ihm die Erde anvertraut, sie zu behüten und bebauen.
Kehrvers
In Jesus, deinem Sohn, bist du den Menschen nachgegangen,
als sie sich in eigenen Interessen und Vorstellungen verrannten
und ihr eigenes Wohl und ihre Zukunft aufs Spiel setzten.
Kehrvers
Er hat uns gezeigt, wie heilsam es für uns ist,
auf dein Wort zu hören und deinen Willen zu beachten,
denn du liebst uns und willst uns ewiges Leben schenken.
Kehrvers
Jesus hat der Versuchung widerstanden,
menschliche Wünsche nur oberflächlich zu erfüllen.
Er hat die Sehnsucht der Menschen nach einem erfüllten Leben wahrgenommen
und uns Wege gezeigt, sie zu stillen.
Kehrvers
Dafür danken wir dir und loben und preisen wir dich mit der ganzen Schöpfung
und singen:
Danklied, z. B.: Gott liebt diese Welt (GL 464)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er hat in der Wüste vierzig Tage gefastet
und durch sein Beispiel diese Zeit der Buße geheiligt.
Er macht die teuflische List
des Versuchers zunichte und läßt uns
die Bosheit des Feindes durchschauen.
Er gibt uns die Kraft,
den alten Sauerteig zu entfernen,
damit wir Ostern halten mit lauterem Herzen
und zum ewigen Ostern gelangen.
Darum preisen wir dich mit den Cherubim und Serafim
und singen mit allen Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Fastensonntag 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dein Erbarmen zu preisen.
Denn jedes Jahr
schenkst du deinen Gläubigen die Gnade,
das Osterfest in der Freude
des Heiligen Geistes zu erwarten.
Du mahnst uns in dieser Zeit der Buße
zum Gebet und zu Werken der Liebe,
du rufst uns zur Feier der Geheimnisse,
die in uns die Gnade der Kindschaft erneuern.
So führst du uns mit geläutertem Herzen
zur österlichen Freude und
zur Fülle des Lebens
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn rühmen wir deine Größe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Fastenzeit 1
Gott, sei vor mir,
damit du mich führst und leitest
und mir den rechten Weg zeigst.
Gott, sei hinter mir,
damit du alle Nachstellungen von mir fernhältst
und mich immer im Auge hast.
Gott, sei neben mir,
damit du mich stützt und hältst,
wenn ich unsicher bin und mich Zweifel plagen.
Gott, sei unter mir,
damit du mich auffängst und trägst,
wenn ich auf meinem Weg stolpere oder gar falle.
Gott, sei in mir,
damit ich deine Stimme höre und erkenne,
wenn Angst und Sorgen mich überwältigen.
Gott, sei über mir,
damit du mich segnest
und stets deine schützende Hand
über mich hältst.
Gott, sei immer bei mir.
(nach einem irischen Segensgebet)
Gütiger Gott,
du hast uns das Brot des Himmels gegeben,
damit Glaube, Hoffnung und Liebe in uns wachsen.
Erhalte in uns das Verlangen nach diesem wahren Brot,
das der Welt das Leben gibt,
und stärke uns mit jedem Wort,
das aus deinem Mund hervorgeht.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 1. Fastensonntag
Barmherziger Gott,
stärke uns durch dieses heilige Mahl,
damit wir fasten können, wie es dir gefällt,
und durch die Feier dieser Tage Heilung finden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Aschermittwoch
Guter Gott,
du hast uns heute dein Wort geschenkt.
Lass es nicht nur gehört, sondern gelebt werden.
Du hast uns am Tisch deines Sohnes gestärkt.
Stärke uns für die Wege dieser Fastenzeit:
dass wir Versuchungen erkennen,
Abkürzungen meiden
und in der Stille neu auf dich hören.
Schenke uns ein waches Herz für Menschen, die Hilfe brauchen,
und gib uns Mut zu kleinen Schritten, die wirklich verändern.
So geh mit uns in die neue Woche
und segne alles, was vor uns liegt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Herr Jesus Christus,
wir leben in einer Welt,
die voll ist von Gier nach Macht, nach Reichtum, nach Ehre.
Wir müssen aufpassen, deine Liebe nicht zu vergessen…
Steh uns bei, wo wir versucht werden.
Segne uns, damit wir bereit sind,
mit dir zu leben und in der Liebe zu dir zu wachsen. - Amen.
Herr, Jesus Christus,
bewusst hast du dich der Wüste und dem Fasten ausgesetzt.
Bereit, noch einmal auf den Willen des Vaters zu hören,
deinen Auftrag bejahend anzunehmen
und deinen Weg bis zum Schluss zu gehen.
In den Versuchungen bist du standhaft geblieben.
Wir bitten dich, begleite uns in dieser Fastenzeit auf unserem Weg.
Stärke uns, da, wo uns Versuchungen von unserem Weg abhalten könnten.
Für dein Mit-uns-sein danken wir dir,
heute und in Ewigkeit. - Amen.
Barmherziger Gott,
wenn wir uns jetzt auf den Weg durch die Fastenzeit machen,
wissen wir uns begleitet durch dein Wort
und gestärkt durch das Brot des Lebens.
Schenke uns Kraft und Willen zur Umkehr,
dass wir mit gutem Geist und Herz
das Auferstehungsfest feiern können.
So bitten wir durch Christus unseren Bruder und Herrn.
wer aus „satten Tagen“
„in die Wüste geht“
sich den Anfechtungen des Lebens aussetzt
sich aussetzt
Hunger und Durst zu spüren
an Leib und Seele
die Unübersichtlichkeit
dieser „neuen Landschaft“ ernst nimmt
der mag auch Angst spüren
ob er all dem gewachsen ist
was wird mir auf dem Weg begegnen
werde ich das Wenige
was mein Leben ausmacht
verlieren
werde ich Durchhaltekraft haben
sind die „Fata Morganen“
die mich locken
stärker
wenn ich mich
dieser neuen Erfahrung aussetze
werde ich nicht die Orientierung verlieren
das Gerüst meines Lebens
an das ich mich so krampfhaft halte
wird es nicht einstürzen
und
ich rutsche ab in Orientierungslosigkeit?
und doch
ist da der Wunsch
mich neu zu erfahren
und
meinen Gott
und so darf ich mich einladen lassen
auf ganz unterschiedliche Weisen
diese Fastenzeit
zu er-leben
im Verzicht auf etwas
im Rückzug
zu bestimmten Meditations- und
Gebetszeiten im Tagesablauf
in Exerzitien im Alltag
in Auszeiten in Gruppen und Klöstern
darf mich einladen lassen
zu diesem neuen Unterwegs sein
durch eine Phase meines Lebens
und
finde mich vielleicht ganz neu
und
gebe mir eine Chance
auch
GOTT
ganz neu zu begegnen
IHN
der spricht:
ICH BIN auch hier schon DA
Beatrix Senft 2023 zu Mt 4,1-11.
Und das Leben
stellt dich
auf einen hohen Berg
und zeigt dir
all die Pracht und
Macht dieser Welt.
Und du wirst auf die Probe gestellt –
nicht dreimal –
nein täglich –
stündlich wieder
du machst einen Stadtbummel
und findest nach langem Suchen
das Kleid
das dir gefällt
es hängt da
in einer Boutique
maßlos teuer
und traumhaft
schön
du denkst real
lässt es zurück
hast bestanden
diese Probe!?
nein
denn im Stillen
wirfst du dich
vor ihm nieder
tagelang
wochenlang
hat es Macht
in dir –
wird zu einem
kleinen Gott
ob du
die Proben
auf die du gestellt wirst
bestehst
liegt nicht im äußeren Verzicht
liegt nicht daran
was äußere Umstände
dir abverlangen
ob du die Probe
bestehst
liegt daran
ob du
innerlich
loslassen kannst
liegt daran
welchen Stellenwert
äußere Pracht
oder Macht
für dich hat
liegt letztlich daran
dass du dich
immer wieder
neu aufmachen musst
nach den Werten
deiner selbst
und dieser Welt
zu suchen.
Beatrix Senft
Vers 1-4:
Aus den satten Talebenen des Jordans in die Wüsten des Landes gehen, d.h. für jeden, der alleine geht, sich allen Anfechtungen des Lebens aussetzten. Das, was einem Menschen dort begegnen kann, ist nicht nur Hunger und Durst des Leibes, es ist auch die Angst vor der Orientierungslosigkeit, der Unübersichtlichkeit dieser Gegend. Auch die Angst vor Wegelagerern, die einem hier auflauern können, weil sie darauf hoffen, dass mal einer kommt, der alleine mit Hab und Gut hier anzutreffen ist, weil er nach Jerusalem hinauf will, ist für niemanden unbegründet.
Jesus setzt sich all dem aus, angetrieben, geleitet von dem Verlangen nach Gottes-Erfahrung, angetrieben durch die Kraft Gottes, dem Hl. Geist.
Und er will die Wüste nicht nur durchqueren, wie einer, dem eben nichts anderes übrigbleibt. Er will – vielleicht ist es auch ein inneres Muss – sich ihr stellen. In ihr stellt er sich Hunger und Durst, stellt sich aber auch den Anfragen an sich selbst. Denn wer sich so lange von allem zurückzieht, der kommt an seine eigenen Grenzen.
Bis an seine Grenzen geht Jesus hier.
Grenzen überschreiten macht frei für ganz neue Erfahrungen.
Wie nun die teuflische Versuchung vor sich gegangen sein mag, hierüber können auch Theologen nur spekulieren. Doch eines wird mir hier klar: es besteht für Jesus eine Anfrage an seine Gottessohnschaft und wie er sie erfüllen kann.
Und vielleicht war es ja hier, wo er seinen messianischen Weg klar erkannt hat. Er, der menschgewordene Sohn Gottes, lebt wie alle Menschen nicht nur vom Brot allein. Mehr noch lebt er aus dem Willen/Wort seines Gottes. (Wie uns Matthäus in seinem Text zusätzlich erklärt.)
Und so überwindet er den Wunsch nach kurzzeitiger Sättigung durch das Brot. Er setzt auf die ganzheitliche Sättigung, die Sättigung durch Gott.
Vers 5-8:
Israelgereiste Menschen mögen es erahnen, wenn sie am Fuß des Berges gestanden haben, den man als den Berg der Versuchung annimmt, dass man bei einem Blick von dort oben das Gefühl bekommen kann, die ganze Welt läge einem zu Füßen.
Ja, wenn er sich hier niederwerfen würde, um die Macht-Art des Lebens anzubeten, dann würde er gut ins Weltbild passen. Alle Machthaber wollen sich Stück um Stück die Welt unterwerfen. Ihren Machtbereich ausbauen.
Auch hier steht Jesus zu seiner Wüstenerkenntnis. Vor seinem Gott soll er sich niederwerden und ihm allein dienen. Sein Weg soll den Todeskreis der Macht durchbrechen. Das geht nur, indem er einen ganz neuen Weg einschlägt, den Weg der Mitmenschlichkeit, der Versöhnung, des Friedens, der Gleichheit aller Menschen.
Vers 9-13:
Warum Lukas Jesus erst an dritter Stelle in Jerusalem auf den Tempel stellt – vielleicht als Hinweis darauf, dass er hier „zu Fall kommen“ wird – wollen wir einmal außer Acht lassen.
Er stellt ihn auf das Dach des Hauses Gottes. Hoch ist es. Wer sich hier herunterstürzt und nicht von guten Mächten aufgefangen wird, der hat nicht die kleinste Chance mit einem heilen Knochen unten anzukommen, geschweige denn lebend.
Da steht Jesus nun auf dem Heiligtum “seines Gottes“, Ihm näher, als man Gott wohl (nach dem Verständnis der Juden) je kommen kann. Doch Jesus sagt auch hier der Versuchung ab. „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.“ Mit anderen Worten: Gottes Liebe ist in solcher Form von menschlicher Beweisbarkeit nicht einzufordern.
Er bleibt sich treu in dem, wie er Gott zu verkündigen hat: erfüllt vom Hl. Geist. Ihm sollen keine Steine aus dem Weg geräumt werden. Ihm sollen nicht die Engel dienen. Er will seinem Gott selbst – an den Menschen – dienen.
Ab hier wird er zum „Stein des Anstoßes“, wie uns schon die nächste Geschichte im Lukas-Evangelium berichtet. Zum Stein des Anstoßes, weil er das Gottesbild und das Messias-Bild neu definiert. Diesen, seinen, Weg konsequent bis zum Ende zu gehen, das setzt ihn auch weiterhin den Anfechtungen und Versuchungen aus. – Denken wir an sein Ringen am Ölberg. Doch hier, wie auch in den letzten Minuten am Kreuz, übergibt er sich in den Willen und die Hände seines Vaters. Er, der Überbringer und Vollstrecker des Vermächtnisses/Testamentes seines Vaters. Er, der Gottes Sohn ist und Bruder aller wurde.
Beatrix Senft
Worauf mein Leben ausgerichtet ist
das wird mich aufrichten
Woran ich mich halte
das wird mich halten
Wonach ich nicht gierig raffe
wird mir geschenkt
Einer hat’s uns vorgelebt
um einen hohen Preis
in einer verlässlichen
Beziehung gehalten
gegen jegliche verlockende Versuchung
LIEBE
die einzige Währung
die zählt und hält
wenn’s drauf an kommt
Fasten – ZEIT
auf das INNERE zu achten
weil dich dort Gott erwartet
DER Reichtum deines LEBENS
© Sr. Maria Schlackl SDS
https://salvatorianerinnen.at/engagement/verkuendigen-als-frau-in-der-kirche/lebensimpulse-sms/
Verführerisch
was das Leben scheinbar angenehm
macht
Wozu
Bin ich (leicht) verführbar?
Verlockend
was dem Leben Sinn gibt
Erkenne ich den Reichtum
den Gott in mir sinnstiftend
grundgelegt hat?
Ein größeres Reich
als das Reich Gottes
kann mir nicht geschenkt werden
Ich könnt nicht bewerkstelligen
was Gott durch mich wirkt
… WUNDER …?
Ich habe 40 Tage Zeit
mich zu entscheiden
wem mein Leben
dienen soll
© Sr. Maria Schlackl SDS
https://salvatorianerinnen.at/engagement/verkuendigen-als-frau-in-der-kirche/lebensimpulse-sms/
Der Mensch lebt nicht nur von Brot allein,
sondern von jedem Wort,
das aus dem Munde Gottes kommt.
Und umgekehrt:
Einer, der nach Brot hungert,
lebt nicht nur vom Wort …
FastenZeit,
Zeit für Umkehr
für Umkehrung der Verhältnisse
Zeit, Ausgleich zu schaffen
LEBENsMITTEL
Brot und Wort - teilen
© Sr. Maria Schlackl SDS
https://salvatorianerinnen.at/engagement/verkuendigen-als-frau-in-der-kirche/lebensimpulse-sms/
Jeder des anderen Ärgernis
jeder des anderen Spaß
jeder des anderen Spielautomat
Goldene Serie, schrecklicher Reinfall
jeder des anderen Kontaktperson
Wackelkontakt, total überdreht
jeder des anderen Fels
jeder aus Stein.
Es gibt keinen Grund
dich nicht zu belügen
jedem ist alles egal.
Jeder eine Nummer
ein Loch und im Eimer
alle auf Nummer Sicher.
Jeder sieht mir irgendwie ähnlich
und verschläft jeden Tag
diesen billigen Traum:
Wenn jeder jedem Feuer gäbe
mit brennendem Paß
wäre keiner mehr jeder.
Aus: Ralf Rothmann, Gebet in Ruinen. Gedichte. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000.
Darf ich die drei Akte der Versuchung in eins setzen? Dann würde die Geste des Teufels bedeuten: "Du, der du von oben kommst, wie willst du bei denen da unten ankommen? Ich räume das Feld, wenn du auf meinen Vorschlag eingehst." Ja wahrhaftig, Jesus scheint zu erschrecken über die gewaltige Aufgabe, die vor ihm liegt; er erschrickt über die Dreistigkeit des Versuchers. Seine Hände greifen zum Kopf, wie zur Abwehr einer Bedrohung. Wie soll er den Menschen "das Wort aus Gottes Mund" sagen, das erlösende, befreiende Wort, wie soll er ihnen "das Brot des Lebens" reichen, wenn ihre Erlösungsbedürftigkeit einzig in der Magengegend zu liegen scheint?
Jesus lässt sich von seinem Auftrag nicht abbringen. Er geht von allem Anfang an den unteren Weg, den Weg der Erniedrigung und des Gehorsams. Er, der ganz Heilige, erniedrigt sich gar so sehr, dass er den teuflischen Versucher an sich heranlässt. Der Teufel selbst, so marionettenhaft er ist, "der Affe Gottes", bleibt eine von Gott gelenkte Figur. Er wird an kurzer Leine geführt.
Jesus geht aus der Versuchung als Sieger hervor. Ein programmatischer Sieg, in dem der totale Sieg über das Böse und den Bösen schon angesagt ist und aufleuchtet.
Die Apostel mögen mit dieser Versuchungsgeschichte, einem Gleichnis sozusagen, ihren Gemeinden, die von innen und außen bedroht waren, gedeutet haben: Die Macht des Bösen ist durch Jesus radikal, d. h. von der Wurzel her, bereits gebrochen. Dennoch bleibt auch der Jünger Jesu der Versuchung zum Abfall ausgesetzt. Es bleibt uns die Bitte des Vaterunsers - wie sie richtig zu verstehen ist:
"Und lass uns nicht in der Versuchung fallen."
Aus: Karlheinz May, Vom Duft der Auferstehung. Die vier Evangelien in Auszügen mit Meditationen, kommentierenden Texten und Zeichnungen. Im Eigenverlag (Holsteinstr 1, D-51065 Köln).
Gib mir die gabe der tränen gott
gib mir die gabe der sprache
Führ mich aus dem lügenhaus
wasch meine erziehung ab
befreie mich von meiner mutter tochter
nimm meinen schutzwall ein
schleif meine intelligente burg
Gib mir die gabe der tränen gott
gib mir die gabe der sprache
Reinige mich vom verschweigen
gib mir die wörter den neben mir zu erreichen
erinnere mich an die tränen der kleinen studentin
in göttingen
wie kann ich reden wenn ich vergessen habe
wie man weint
mach mich naß
versteck mich nicht mehr
Gib mir die gabe der tränen gott
gib mir die gabe der sprache
Zerschlage den hochmut mach mich einfach
laß mich wasser sein das man trinken kann
wie kann ich reden wenn meine tränen nur für
mich sind
nimm mir das private eigentum und den wunsch
danach
gib und ich lerne leben
Gib mir die gabe der tränen gott
gib mir die gabe der sprache
gib mir das wasser des lebens
Dorothee Sölle in: Höre Gott! Psalmen des Jahrhunderts. Herausgegeben von Paul Konrad Kurz. Benziger Verlag, Zürich und Düsseldorf 1998.
In meinen grünen Tagen
fand ich die Liebe nie.
Ich blühte blind von Jahr zu Jahr,
rutschte aus auf meinem Samen
und wurd mir selber saure Frucht.
In meinen grünen Tagen.
In meinen feuerfarbenen Tagen
hielt ich die Liebe für eine stolze Frau.
Ihr Haar war lang und schwer wie Schlaf
und flog im Traum, im Gold des Traums,
davon wie Rauch.
In meinen feuerfarbenen Tagen.
Und in den Zeiten ohne Farbe,
vom Wein gemalt im schiefen Licht,
war ich den wenigsten ein Engel,
schien so vielen ohne Herz, machte
kunstvoll leere Worte und wußte doch:
Der Reim auf Schmerz, der wärs!
So kamen Leiden in Form schöner Dinge.
Während der Mond zunahm, wurde mein
Schatten dunkler, während Fehltritte abnahmen,
verzehnfachte sich ihr Gewicht.
In schwarzen Tagen kam die Warnung
als ein erstes silberweißes Haar.
Dann machte mir ein Frühling klar: So nicht!
Wer sich schwer nimmt, kann kaum fliegen.
Wer im Geld schwimmt, ist längst abgesoffen.
Wem der Himmel nicht Preis und Ehre bleibt,
der trägt eine Krone aus Stroh.
Denn dies affige Theater, das wir
Liebe nennen, ist nicht der ganze Gott.
Höchstens seine Augenfarbe.
Da wurde Schwärze noch mal Licht
und Sommer wieder Lied und Spiel.
Da hörte ich das »Danke« mit,
als lautlos eine Blüte fiel.
Aus: Ralf Rothmann, Gebet in Ruinen. Gedichte. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Die Paradieserzählung wird gemeinhin zur Urgeschichte gezählt. Aber der Begriff ist unklar, weil die Urgeschichte sich nicht linear einordnen und in die Vorgeschichte verbannen lässt. Die Jetztzeit trägt Züge der Urzeit, die Urzeit selbst ist Teil jeder Zeit. Die Urgeschichte, wie sie in Gen 1 bis 11 (mit sehr verschiedenen Tönen und doch einem erkennbaren cantus firmus) vorliegt, erzählt von dem, was typisch ist für die Schöpfung Gottes, typisch auch für den Menschen, der sich aufmacht, das Fürchten zu lernen. Der die Unschuld verliert. Die Freiheit im Gebüsch versteckt.
Die Unterstellung ist: Gott verbietet etwas. Gott will etwas für sich behalten. Gott will dies nicht teilen ... und bis heute denken Menschen, wenn ihnen Religion (oder was sie dafür halten) begegnet, an Verbote und Unmündigkeit. Aber die Menschen haben Gott als Gebenden kennen gelernt. Der Garten ist von ihm. Den Menschen wird anvertraut, ihn zu bebauen und zu bewahren. Eine Vertrauensstellung par excellance.
Das Verbot, von dem Baum der Erkenntnis zu essen, schützt den Menschen auch davor, den Garten verkommen zu lassen oder ihn zu zerstören - und sich gleich mit. Denn die Erkenntnis von gut und böse ist keine denkerische Möglichkeit, keine akademische Diskussion oder ein Spiel mit Alternativen. Die Erkenntnis von gut und böse setzt die Erfahrung voraus, durch eigene Schuld das Paradies, die Unschuld und die Freiheit zu verlieren.
Die erste Frucht der Erkenntnis von gut und böse ist die Nacktheit. Erst sind es Schürze aus Feigenblätter, die schützen, später müssen es Waffen und Medienkampagnen sein. Angesichts der Nacktheit, die aber nichts davon offenbart, was in den Köpfen vorgeht oder hinter den Worten steckt, suchen Menschen Schutz. Sie sichern sich gegen den anderen. Sie sind ständig auf Suche nach Motiven. Sie analysieren Sätze, aber auch, was nicht gesagt wurde. Sie trennen objektiv und subjektiv. Nehmen Güterabwägungen vor. Und trauern, dass es keine Gerechtigkeit auf der Welt gibt.
Das 2. und 3. Kapitel des Buches Genesis wollen nicht historisch verstanden werden. Sie suchen nach einer Antwort, warum der Mensch so ist, wie er ist. Woher kommt seine Sehnsucht nach einer heilen Welt, obwohl er die Welt als unheil erlebt? Die beiden Kapitel wollen nebeneinander und nicht nacheinander gelesen werden. Genesis 2 erzählt, wie die Welt sein könnte und sein sollte, Genesis 3, wie sie tatsächlich ist und warum sie so ist.
Der ursprüngliche Text enthält ein dreifaches Wortspiel, das in der Übersetzung und auch im Bewußtsein der meisten Menschen verloren gegangen ist. Der Mensch (adam) wird aus dem Ackerboden (adamah) geformt. Noch ist nicht vom Mann die Rede. Adam müßte besser mit "Erdling" übersetzt werden. Vom Mann (iš) ist erst nach der Erschaffung der Frau (iššah) die Rede. Mit Adam ist der Mensch schlechthin, die ganze Menschheit, gemeint. Die Geschichte erzählt also, wie der Mensch ist: erdhaft und zugleich vom Lebensatem Gottes beseelt, Gott sorgt für ihn.
Das 3. Kapitel erzählt meisterhaft von der Verführung des Menschen durch die Schlange zum Ungehorsam gegenüber seinem Schöpfer. Auch hier bedient sich der Verfasser eines Wortspiels: Das 2. Kapitel endet mit der Feststellung, daß die Menschen nackt (arom) waren, sich aber nicht voreinander schämten. Das 3. Kapitel beginnt mit der Vorstellung der Schlange als klug (arum), klüger als alle Tiere des Feldes. Die Menschen essen gegen das Gebot ihres Schöpfers, um klug und weise zu werden, erkennen aber, nachdem sie von der verbotenen Frucht gegessen haben, daß sie nackt sind.
Die Erzählung enthält viele Momente, die auch in anderen Kulturen und Religionen vorkommen und in allen Mythologien eine wichtige Rolle spielen: die Erde, der Baum des Lebens, die Schlange als Symbol der Klugheit und Weisheit, die Frau als Symbol der Fruchtbarkeit (Mutter alles Lebendigen)... Der biblische Verfasser übernimmt diese Elemente aus seiner Umwelt und setzt im Nacherzählen seine eigenen theologischen Akzente.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive