Lesung aus dem Buch Exodus.
So spricht der Herr:
Einen Fremden sollst du nicht ausnützen oder ausbeuten,
denn ihr selbst seid im Land Ägypten Fremde gewesen.
Ihr sollt keine Witwe oder Waise ausnützen.
Wenn du sie ausnützt
und sie zu mir schreit,
werde ich auf ihren Klageschrei hören.
Mein Zorn wird entbrennen
und ich werde euch mit dem Schwert umbringen,
sodass eure Frauen zu Witwen und eure Söhne zu Waisen werden.
Leihst du einem aus meinem Volk,
einem Armen, der neben dir wohnt, Geld,
dann sollst du dich gegen ihn
nicht wie ein Gläubiger benehmen.
Ihr sollt von ihm keinen Zins fordern.
Nimmst du von einem Mitbürger den Mantel zum Pfand,
dann sollst du ihn bis Sonnenuntergang zurückgeben;
denn es ist seine einzige Decke,
der Mantel, mit dem er seinen bloßen Leib bedeckt.
Worin soll er sonst schlafen?
Wenn er zu mir schreit,
höre ich es,
denn ich habe Mitleid.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv Ich will dich lieben, Herr, meine Stärke. – Kv
GL 649,1
Ich will dich lieben, Herr, meine Stärke, *
Herr, du mein Fels und meine Burg und mein Retter;
mein Gott, mein Fels, bei dem ich mich berge, *
mein Schild und Horn meines Heils, meine Zuflucht. – (Kv)
Ich rufe: Der Herr sei hoch gelobt! *
und ich werde vor meinen Feinden gerettet.
Es lebt der Herr, gepriesen sei mein Fels. *
Der Gott meiner Rettung sei hoch erhoben. – (Kv)
Seinem König verleiht er große Hilfe, /
Huld erweist er seinem Gesalbten, *
David und seinem Stamm auf ewig.
Darum will ich dir danken, Herr, inmitten der Nationen, *
ich will deinem Namen singen und spielen. – Kv
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Thessalonich.
Schwestern und Brüder!
Ihr wisst, wie wir bei euch aufgetreten sind,
um euch zu gewinnen.
Und ihr seid unserem Beispiel gefolgt
und dem des Herrn;
ihr habt das Wort
trotz großer Bedrängnis
mit der Freude aufgenommen,
die der Heilige Geist gibt.
So wurdet ihr ein Vorbild für alle Glaubenden
in Mazedónien und in Acháia.
Von euch aus
ist das Wort des Herrn aber
nicht nur nach Mazedónien und Acháia gedrungen,
sondern überall ist euer Glaube an Gott bekannt geworden,
sodass wir darüber nichts zu sagen brauchen.
Denn man erzählt sich überall,
welche Aufnahme wir bei euch gefunden haben
und wie ihr euch von den Götzen zu Gott bekehrt habt,
um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen
und seinen Sohn vom Himmel her zu erwarten,
Jesus, den er von den Toten auferweckt hat
und der uns dem kommenden Zorn entreißt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der erste Brief des Apostels Paulus ist jener an die Gemeinde in Thessalonich (entstanden ca. um 50 n. Chr.). Er hat als pastorales Anliegen die Erbauung der jungen christlichen Gemeinde. Im ersten Teil wird auf das Wirken des Wortes Gottes deutlich verwiesen, bevor im vierten Kapitel Ermahnungen zur Gestaltung des christlichen Lebens gegeben werden.
In dieser Lesung wird der Weg des Wortes Gottes zur Gemeinde von Thessalonich nachgezeichnet. Durch die Verkündigung des Evangeliums durch die Apostel hat das Wort Gottes Einlass in das Leben der Gemeinde gefunden. Das ganze Leben der Christen ist in sich Verkündigung. Dem gibt es von Seiten des Apostels nichts hinzuzufügen, denn bereits jetzt – zur Zeit der Abfassung dieses Briefes – ist von dieser Art der Verkündigung des Evangeliums in vieler Munde die Rede. Ein konkretes Beispiel dafür, dass das Evangelium vor allem gelebt werden und so weitergetragen werden will.
Die 2. Lesung ist ein Teil der Einleitung des 1. Thessalonicherbrief. "Der erste Brief an die Gemeinde von Thessalonich ist der älteste der uns erhaltenen Paulusbriefe. Paulus hatte auf seiner zweiten Missionsreise zusammen mit Timotheus die Gemeinde von Thessalonich um das Jahr 50 n. Chr. Gegründet, mußte aber nach kurzem Wirken die Stadt verlassen (vgl. Apg 17, 1-9. Von Athen aus schickte Timotheus nach Thessalonich zurück, um sich über den Stand der jungen Gemeinde zu unterrichten. In Korinth (Apg 18, 1-6) traf er mit Timotheus wieder zusammen und schrieb den uns vorliegenden Brief." (Einleitung zur Einheitsübersetzung des 1. Thessalonicherbriefes).
In Predigermanier erinnert Paulus an all das Gute, das er in dieser Stadt erfahren hat. Er lobt ihren vorbildlichen Glauben, der überall bekannt geworden ist.
Paulus geht hier von der Erwartung aus, daß Jesus sehr bald als "der Menschensohn" zurückkommen wird, um sein Erlösungswerk durch das Endgericht abzuschließen.
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Wer mich liebt, hält mein Wort.
Mein Vater wird ihn lieben und wir werden bei ihm Wohnung nehmen.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit,
als die Pharisäer hörten,
dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte,
kamen sie am selben Ort zusammen.
Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer,
wollte ihn versuchen
und fragte ihn: Meister,
welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?
Er antwortete ihm:
Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben
mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele
und mit deinem ganzen Denken.
Das ist das wichtigste und erste Gebot.
Ebenso wichtig ist das zweite:
Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
An diesen beiden Geboten
hängt das ganze Gesetz und die Propheten.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
In der Lektüre des Mt-Evangeliums lesen wir eine Auseinandersetzung Jesu mehr mit den Pharisäern. Den Belehrungen und Streitgesprächen ist bereits der Einzug in Jerusalem vorausgegangen – sie finden ihren Abschluss im Beschluss, des Hohen Rates, Jesus zu töten, und bilden den Anlass für das Kreuz Christi. Die Schriftgelehrten und Gesetzeslehrer möchten Jesus testen und stellen ihm verschiedene Fangfragen. Die Frage nach dem wichtigsten Gebot in diesem Evangelium ist eine davon. Den Hintergrund dafür bilden die Haarspaltereien über winzigste Vorschriften und die minutiöse Auslegung derselben, die mit einer Akribie von diversen Schriftgelehrten verfolgt wurden.
Jesus Christus erinnert in seiner einfachen und schlichten Antwort auf das Grundlegende aller Gebote und zitiert Dtn 6, 5 (Gottesliebe mit ganzem Herzen und ganzer Seele) und Lev 19,18 (Nächstenliebe). Er stellt damit kein neues Gebot auf, sondern unterstreicht das Wesentliche des jüdischen und des christlichen Glaubens. Ein Grund mehr, der Begründung unseres christlichen Glaubens im Judentum nachzugehen und selbst so, wie es Jesus war, ein Kenner/eine Kennerin der Thora zu werden.
Als Evangelium wird am 30. Sonntag Im Jahreskreis das Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe in der Version des Matthäus gelesen. Was dieses Gebot für die Hörer Jesu und die Leser des Matthäus bedeutet, geht aus einem Vergleich mit der Überlieferung des Markus deutlicher hervor:
Matthäus schreibt für Christen, die aus dem Judentum kamen, Markus für sogenannte Heidenchristen. Das sind Menschen, die aus dem römisch-hellenistischen Kulturkreis ohne Umweg über das Judentum Christen geworden sind.
Bei Markus fragt ein Schriftgelehrter nach dem ersten Gebot. Er hat keine Schwierigkeiten, sich eine hierarchische Ordnung der Gebote, von vorrangigen und weniger bedeutsamen Geboten vorzustellen. Bei ihm setzt Jesus das Liebesgebot an die erste und oberste Stelle.
Bei Matthäus fragt ein Gesetzeslehrer nach einem sehr wichtigen Gebot. In der jüdischen Diskussion kannte man die Frage nach Prinzipien, auf die die Gesetze aufbauen und zurückzuführen sind. Schwer tat man sich hingegen, ein Gesetz als weniger wichtig zu qualifizieren als ein anderes. Im 5. Kapitel (Verse 17 bis 19) des Matthäusevangeliums beteuert Jesus, daß er nicht das kleinste Strichlein des Gesetzes aufheben will. Die Antwort Jesu auf die Frage des Schriftgelehrten bekommt bei Matthäus einen anderen Akzent als bei Markus: Das Doppelgebot der Gottes- und der Nächstenliebe ist der Schlüssen zum ganzen Gesetz. Die Liebe ist das innere Prinzip des Gesetzes und der Gebote. Aufgabe des Menschen ist, das Gesetz mit Liebe auszufüllen und auszugestalten.
Gott und den Nächsten lieben wie sich selbst, ist zunächst Auftrag. Doch wie werden wir fähig, diesen Auftrag auszuführen? Wir werden fähig, uns selbst und den Nächsten zu lieben, weil wir von Gottes Liebe getragen sind. Es gilt, die Spuren der Liebe Gottes in unserem eigenen Leben zu entdecken.
Mit den heutigen Gedanken möchten ich Sie zum Nachdenken und zur persönlichen Reflexion einladen. Zwischendurch lasse ich zweimal etwa eine Minuten Zeit, damit wir in Stille unseren Gedanken und Gefühlen nachgehen und spüren können: Gott ist an unserer Seite.
„Freuen sollen sich alle, die den Herrn suchen“, haben wir zu Beginn dieses Gottesdienstes gehört. Zunächst wollen auch wir uns auf die Suche machen – nicht irgendwo in der Ferne, sondern mitten in unserem Alltag. Wir wollen nach den Spuren der Liebe Gottes, der Lieber unserer Mittmenschen und unserer selbst suchen.
Stellen wir uns dazu einen Weg vor. Auf diesem Weg sind viele Menschen unterwegs. Manche gehen nebeneinander, andere begegnen sich nur kurz und sehen sich vielleicht nie wieder. Einige bleiben stehen, um jemandem zu helfen, andere gehen achtlos vorbei und wieder andere kehren um, weil sie merken, dass jemand ihre Hilfe braucht.
Wenn wir auf unseren persönlichen Lebensweg zurückblicken, entdecken wir bestimmt so manche Spur der Liebe: Menschen, die uns begleitet, getröstet, ermutigt und getragen haben. Aber vielleicht entdecken wir auch Spuren, die uns nachdenklich stimmen: Momente, in denen wir nicht hingesehen, jemanden verletzt oder unsere Hilfe versagt haben. Jesus gibt uns für diese Spuren heute eine klare Orientierung: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken. […] Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“
Das klingt selbstverständlich, doch im Alltag ist das oft gar nicht so einfach. Gott zu lieben, fällt uns vielleicht leichter, wenn wir beten, Gottesdienst feiern oder in einer schönen Kirche zur Ruhe kommen. Aber wie zeigt sich unsere Liebe zu Gott am Montagmorgen, am Arbeitsplatz, in der Familie oder im Umgang mit Menschen, die anstrengend sind?
Jesus verbindet die Liebe zu Gott untrennbar mit der Liebe zum Nächsten. Unsere Liebe zu Gott wird dort sichtbar, wo wir den Menschen neben uns wahrnehmen: Wo wir zuhören, statt sofort zu urteilen; wo wir Zeit schenken, obwohl wir selbst viel zu tun haben, wo wir Frieden stiften, statt einen Streit weiterzutragen.
Und dann ist da noch die Liebe zu uns selbst. Jesus sagt: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Auch wir selbst sind Menschen, denen Gottes Liebe gilt. Manchmal sind wir mit anderen geduldig und verständnisvoll, mit uns selbst aber streng und unnachgiebig. Auch uns selbst dürfen wir mit Barmherzigkeit begegnen, unsere Grenzen annehmen und uns zugestehen, dass wir nicht alles schaffen.
Werden wir nun still und denken wir über folgende Fragen nach:
Wem habe ich in den vergangenen Tagen durch ein Wort oder eine Tat Liebe geschenkt?
Wo bin ich an einem Menschen vorbeigegangen, obwohl ich hätte helfen können?
Wo darf ich mir selbst mit mehr Geduld und Güte begegnen?
(Mindestens eine Minute Stille!!!)
Wir müssen nicht die ganze Welt verändern. Die Liebe beginnt oft im Kleinen: mit einem Anruf, einem offenen Ohr, einer versöhnlichen Geste oder dem Mut, auf jemanden zuzugehen.
Wenn wir heute aus diesem Gottesdienst hinausgehen, dann vielleicht mit dem Vorsatz, genauer hinzusehen: Wo kann ich Liebe schenken? Wo braucht jemand meine Aufmerksamkeit? Und wo kann ich selbst mit mehr Güte und Geduld auf andere und auf mich schauen?
Dazu kommt mir das bekannte Gedicht „Spuren im Sand“ in den Sinn (siehe Kontexte). Ein Mensch blickt auf seinen Lebensweg zurück und entdeckt, dass gerade in den schweren Zeiten nur eine Spur im Sand zu sehen ist. Er fragt sich, warum Gott ihn ausgerechnet dann im Stich gelassen habe. Doch Gott macht ihm deutlich: Gerade in diesen Zeiten hat er ihn getragen.
Dieses Bild ist tröstlich. Denn wir sind nicht allein auf unserem Weg. Wir dürfen selbst erfahren, was es heißt, getragen zu werden: Von Gott, von Menschen, die uns lieben, und von einer Kraft, die uns auch dann hält, wenn wir selbst nicht mehr weiterwissen. Vielleicht erwächst gerade daraus unsere Fähigkeit, andere zu lieben: Weil wir selbst Liebe erfahren haben, weil wir wissen, wie wohltuend es ist, wenn jemand an unserer Seite bleibt, uns aufrichtet oder ein Stück des Weges mit uns geht.
So gehören beide Spuren zusammen: die Spuren, die Gott in unserem Leben hinterlässt, und die Spuren der Liebe, die wir für andere hinterlassen.
Nehmen wir uns noch einmal einen Moment Zeit, um über unser eigenes Leben nachzudenken:
Wo habe ich in schwierigen Zeiten erfahren, dass ich getragen werde?
Welche Menschen haben mich auf meinem Lebensweg begleitet, gestärkt und mir Liebe geschenkt?
Für wen kann ich selbst zu einem Menschen werden, der mitgeht, hilft und Liebe schenkt?
(Mindestens eine Minute Stille!!!)
Bitten wir den Herrn, dass er uns Augen schenkt, die den Nächsten sehen, ein Herz, das sich berühren lässt, und Hände, die bereit sind zu helfen, damit wir aus der Liebe leben, die uns trägt und hilft, selbst Spuren der Liebe hinterlassen.
Dreifach erfahren wir die Liebe des dreifaltigen Gottes, drei Dimensionen hat auch die Liebe, die uns geboten ist.
Im Auszug der Israeliten aus Ägypten hat Gott dem Volk Freiheit gebracht und damit den Grund gelegt, dass es sich zu einem großen und mächtigen Königreich entwickeln konnte. Im Jahre 722 v. Chr. nehmen die Assyrer das Nordreich Samarien ein. Viele Menschen sind geflüchtet und viele von ihnen konnten nur ihre Kleidung am Körper und einige Habseligkeiten mitnehmen. Die Lesung aus dem Buch Exodus erinnert an diese Erfahrungen: Erinnert euch nur, ihr wart selbst Flüchtlinge. Denkt daran, wie man euch in Ägypten behandelt hat. Als Gastarbeiter wart ihr zuerst willkommen, dann aber wurden die Schikanen immer unerträglicher und der Ruf nach Freiheit immer lauter. Macht es jetzt besser! Gott hat Mitleid, er hört den Schrei der Armen (vgl. Ps 9,13; Ps 34,7; Jes.; Sir 35,16-17; Ex 22,22-23 etc.).
Auch heute sind weltweit Millionen Menschen auf der Flucht. Viele von ihnen klopfen an die Tore Europas. Vor kurzer Zeit erst sind in Ceuta viele Flüchtlinge aus Marokko angekommen. Lampedusa ist ein weiterer, mittlerweile beinahe vergessener Flüchtlingsbrennpunkt.
Da kommen viel Fragen und auch sehr emotional geführte Diskussionen auf. Was tun, wenn Gott auch heute den Schrei der Armen hört? Grenzzäune errichten? Bewaffnete Posten zur Grenzsicherung aufstellen? Nur das Allernotwendigste anbieten, damit diese Menschen gerade noch überleben?
Wie sieht das alles aus der Sicht der Flüchtlinge aus, die ihre Heimat verlassen mussten, dabei in einer risikoreichen Überfahrt Angst um ihr Leben erlebt haben? Wie nehmen Menschen in Europa dazu Stellung, die ihren Wohlstand und inneren Frieden gefährdet sehen? Gott hört den Schrei der Armen auch heute.
Was können wir in unserer Lebensumgebung tun? Überhören? Vertrösten oder nach Möglichkeiten suchen, zu helfen? Unsere Verehrung eines Gottes, der darüber sehr zornig wird, wenn nichts geschieht, beruht auf dem ständigen Bemühen um eine gerechte soziale Ordnung, die die Schwächsten nicht ausgrenzt. Wir sollen dieser Gerechtigkeit nachjagen (1 Tim 6,20).
Gerechtigkeit ist kein passiver Zustand, man muss sich darum bemühen (Dtn 16,20). Das fordert auch die Katholische Soziallehre. Papst Leo XIV. erinnert in seiner Enzyklika „Magnifica humanitas“ daran. Das zu erreichen kann nur in Wort und Tat geschehen in vorbildhafter Weise, wenn beispielsweise der 1. Thessalonicherbrief sagt: „Überall ist euer Glaube bekannt geworden.“ (1 Thess 1,8).
Die Pharisäer stellen gerne „Entweder-oder-Fragen“, bei denen man zynisch ausgedrückt zwischen Pest oder Cholera wählen kann. So auch hier: „Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?“ (Mt 22,36). Jesus antwortet mit einer Glaubensformel, die jeder Jude auswendig kennt: „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben mit ganzem Herzen, ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken. Das ist das wichtigste und erste Gebot.“ (Mt 22,37).
Daran schließt das dreifaltige Liebesgebot, das sich in Gottesliebe, Nächsten und Selbstliebe zeigt. Dieses ist existentiell von großer Wichtigkeit, so wie die Dreiheit in Gott dem Vater, Gott dem Sohn und Heiligem Geist.
Liebe muss, wenn es ein Gebot des Herrn ist, erfüllbar sein. Jesus arbeitet mit menschlichen Begriffen. Diese sind aber mehrdeutig, wie Sprache überhaupt mehrdeutig ist. Vieles bleibt rätselhaft. Wir kennen den Namen Gottes, etliche seiner Eigenschaften und Gewohnheiten, trotzdem wissen wir nicht alles.
Das Gebot des Herrn verbindet Göttliches und Menschliches als etwas ganz Existentielles. So wie wir die Dreiheit in Gott Vater, Gott Sohn und Hl. Geist verstehen und verehren, so zeigt sich auch die Liebe dreifaltig: in Gottes- Nächsten- und Selbstliebe. Feindesliebe sollten wir dabei nicht vergessen. Selbstliebe darf jedoch nicht als Egoismus verstanden werden.
Wir haben es somit mit den Grundfesten unseres Glaubens zu tun, und jeder Christ sollte darüber Auskunft geben können. Gott und Mensch sind untrennbar miteinander verbunden. Das lehren auch die vier christologischen Konzilien des 4. und 5. Jhdts. Die Konzilsteilnehmer haben ehrlich, emotional und hart um diese Erkenntnis gerungen. Für Jesus gehört neben dem Herzen, der Seele und der Kraft auch der Verstand zu den „Organen“ der Gottesliebe. All das soll sich auch in unserem Leben als Christen zeigen.
Gott und den Nächsten zu lieben erfordert ein Umdenken. Das Buch Exodus gibt dazu bereits klare Regeln, die nicht erlauben, dass die gesellschaftlich Schwachen benachteiligt oder ausgenützt werden. Auch heute ist es notwendig, dass wir Netzwerke der Solidarität knüpfen.
Was zählt im Leben? Was ist das Wichtigste? Woran sollen wir uns halten? Welches ist das wichtigste Gebot im Gesetz? - Ein Gesetzeslehrer fragt Jesus, aber nicht im Guten. Er will ihn aufs Glatteis führen, versucht, ihm eine Falle stellen. Das geht gründlich schief. So nach dem Motto: Wer andern eine Grube gräbt. Jesus antwortet, kurz und bündig, leicht zu merken, schwierig zu tun: Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben… - voll und ganz. Der Bezugspunkt ist klar. Gott garantiert, dass es nur einen Herrn gibt, und wir Menschen gleiche unter gleichen sind.
Klar ist bei Jesus auch, dass Gott Bezugspunkte auf Erden braucht. Ebenso wichtig ist das zweite Gebot: nicht nachgereiht, sondern gleichwertig: „Du sollst deinen Nächsten, deine Nächste lieben, wie dich selbst.“ Gott und Mensch müssen zusammen gesehen und gedacht werden. Das ist die Grundlage für alles andere. Es geht um den Nächsten, die Nächste als Bezugspunkt und Korrektiv für mein Leben und für meine Beziehung zu Gott.
Die Botschaft ist eindeutig: Ich brauche Menschen um mich herum und ich brauche einen Bezugspunkt über mich hinaus. Mitmenschen bewahren mich davor, mir selbst zu genügen, erweitern mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen mein Leben, sind Tankstellen zum Auftanken, bringen mich auf neue Gedanken oder lassen mich Altbewährtes neu sehen. Es ist eine Lebensregel, dass wir von allen Menschen lernen können und sollten. Denn wir sind nicht aus uns selbst zum Leben gekommen, wir verdanken einander.
Wie wir einander brauchen und was der Umgang mit den Mitmenschen ganz konkret bedeuten kann, darüber hören wir in der Lesung aus dem Buch Exodus. Wer Genaueres über die Gebote, Weisungen für ein gelingendes Leben, wissen will, ist hier richtig. Denn: gemeinschaftliches Leben will organisiert werden, das Gestalten von Gemeinschaft ist Arbeit.
„Es ist der Blick von unten, der den Blick von oben entlarvt, als einen Blick von oben eben“, so bringt es der Amsterdamer Theologe Dick Boer auf den Punkt und knüpft damit an unsere heutige Bibelstelle an. Einen Fremden sollst du nicht ausnutzen, auch keine Witwe oder Waisen. Die Schwachen der Gesellschaft stehen im Mittelpunkt. Jahwe hört die Schreie der Witwen, Waisen und Armen, und hat Mitleid, lässt sich berühren, nimmt Anteil an deren Situation. Die Schreie nach Erlösung werden gehört, verklingen nicht im Nichts. Das ist tröstlich und ermutigt auch uns, in Unrechtssituationen immer wieder hinzuhören, hinzusehen, laut die Stimme zu erheben, und zu schreien.
Welche Schreie nehmen wir wahr in unserer Gesellschaft, welche Rufe vernehmen wir, wo beginnen wir laut zu rufen?
Gottesdienst besteht wesentlich im Hören und Tun der Gebote, so kann eine neue Gesellschaft des Miteinanders entstehen, wo wir uns nicht egal sind. Gott zu dienen, ihn zu lieben heißt, sich halten an die Verbundenheit mit den Armen, an die parteiliche Bevorzugung für die Unterdrückten.
Gemessen an den heutigen Verhältnissen ist dieser Text ein Entwurf einer Gesellschaft, die noch kommen muss, eine fantastische Geschichte also. Gerade das brauchen wir heute so notwendig, Bilder einer Gesellschaft, einer Welt anders, wo wir mitmenschlich miteinander umgehen, wo jeder Mensch gleiche Würde und Wert hat, wo das Lamm neben dem Wolf liegt, wo Frieden und Gerechtigkeit einander küssen, wo genug da ist für alle.
Wir erleben ganz Anderes. Die Leistungsstarken werden wieder hervorgehoben, Österreicher zuerst gereiht, Zuwanderung soll begrenzt, gar auf null gestellt werden. Asylwerber werden nicht als Mitmenschen wahrgenommen, sondern als Menschen dargestellt, die über Gebühr Zuwendungen erhalten. Wie würden aber unsere Spitäler funktionieren, die Pflege in den Heimen ablaufen, wie unser Müll entsorgt werden, geschweige denn, wer würde bei unseren Fußballvereinen kicken, wenn es keine Migrant:innen und Ausländer:innen mehr gäbe?
Die Bibel setzt immer wieder Kontrapunkte. Wer in den Blick genommen werden muss, um einen Ausgleich in der Gesellschaft anzustreben und zu verwirklichen, wird klar benannt. Es sind die Schwächeren der Gesellschaft, Fremde, Witwen, Waisen, Arme, Mindestsicherungsbezieher:innen, Mindestpensionistinnen, Arbeitslose, Wohnungslose, Frauen, Jugendliche. Nicht abschieben oder zurückweisen, sondern Leben ermöglichen, ist der Auftrag. Und: niemand darf und soll auf Kosten anderer leben. Denn Ausbeutung entflammt den Zorn Jahwes so richtig.
Die „wahre Religion“ ist biblisch gesprochen, deinem Nächsten, deiner Nächsten zu dienen, der und die wie du auf Solidarität angewiesen ist.
Klingelt es da, wenn wir an die heutigen Lebens- und Arbeitsverhältnisse denken, an sinkende Reallöhne, Armut trotz Arbeit, steigende Miet- und Lebenshaltungskosten, an unseren Umgang mit Geflüchteten, Skepsis gegenüber Fremden, Bettler:innen, Obdachlosen, Menschen am Rand der Gesellschaft?
Grundlage für einen gerechten, angemessenen Umgang miteinander ist im Volk Israel die eigene Erinnerung, als das Volk als Sklaven arbeiten musste. „Ihr selbst seid im Land Ägypten Fremde gewesen.“ Ihr könnt euch hoffentlich noch erinnern an diese Zeiten unmenschlicher Arbeitsbedingungen und Ausbeutung. Das sollte doch Verständnis wecken für die Situation von Fremden, für jene, die sich ihr Leben hart verdienen müssen.
Wir können uns heute die Frage stellen: Wie möchten wir empfangen und behandelt werden, wenn wir in ein fremdes Land kommen? Das könnte ein Kriterium sein, wie wir selbst mit anderen umgehen, mit Ausländer:innen, Migrant:innen, Geflüchteten.
Das ist das Gebot, deinen Nächsten zu lieben, dir gleich. Liebe den Nächsten, die Nächste, will sagen, solidarisch sein, neben dem anderen stehen, der sich ohne dich nicht retten kann – wie du dich ohne sie nicht retten kannst.
Dort, wo Lebensmöglichkeiten bedroht sind, fordert die Bibel zum Eingreifen und Handeln auf und gibt auch Ideen mit, wie das gehen könnte. „Wenn du einem Armen aus meinem Volk Geld leihst, nimm keinen Zins.“ Jesus würde wohl sogar empfehlen zu teilen, was du hast. Denn wenn wer vorher schon zu wenig Geld hatte, wie soll der nachher ein Vielfaches, mit Zinsen also, zurückzahlen können?
Jede und jeder ist mitverantwortlich für die Menschen neben ihm und ihr. Ein Mantel, der zum Pfand genommen wird, soll bis Sonnenuntergang zurückgegeben werden. Der Mantel dient als Decke. Worin soll der Mensch sonst schlafen? Es geht um das Notwendige. Das muss für alle gesichert sein. Tagtäglich. Um Lebensmöglichkeiten zu gewährleisten und abzusichern, braucht es klare Rechtsordnungen, auf die man sich verlassen kann, die allen klar sind. An den Lebensverhältnissen der Schwächeren der Gesellschaft ist dann ablesbar, wie weit wir einander Mensch oder Wolf sind. Unsere Zuwendung macht deutlich, wem wir Nächster beziehungsweise Nächste werden und sind. An unserem Handeln entscheidet sich, ob der Entwurf einer neuen Gesellschaft, wie er uns in biblischen Texten entgegenkommt, Wirklichkeit werden kann.
Du sollst deinen Nächsten lieben, dir gleich oder wie dich selbst. Erkenne im Nächsten deinen Mit-Menschen und durch ihn dich selbst. Er oder sie ist Mensch wie du, dir verbunden in der radikalen Sehnsucht nach gutem, mitmenschlichem, geschwisterlichem Leben. Gottes Weisungen zeigen sich in einem barmherzigen, menschenfreundlichen, gerechten Umgang mit- und aneinander.
Wir haben es in der Hand, ob es frei nach Hilde Domin, „hinter uns herblüht“.
Es ist immer gut, Menschen neben sich zu haben, Weggenossen und Gefährtinnen, die stützen, helfen, einfach da sind. Wir brauchen Netzwerke zum Leben, Verbundenheiten, wo immer es geht. Wo zwei oder drei in meinem Namen der Solidarität versammelt sind, heißt es in der Bibel, Leben also zumindest zu zweit, besser zu dritt, niemals alleine.
Verbundenheit will und muss organisiert werden, braucht bewusste Aktivität, aus mir herauszugehen und auf andere zuzugehen, offen, barmherzig, urteilsfrei. Um uns in dieser Welt gegenseitig zu stärken für die Hoffnung einer anderen Welt, braucht es die Spurensuche nach solidarischem Denken und Handeln, im Alltag, in den Arbeitswelten, im Freudinnenkreis, in Bündnissen. Es braucht auch den Blick auf das Kleine, Leise, Unscheinbare, auf die zarten Wurzeln einer Welt der Verbundenheit.
Wir sind als Menschen nicht aus uns selbst heraus diejenigen, die wir sind, sondern wir werden, was wir sind, im Bezug zu anderen. Wir sind zutiefst voneinander abhängig. Das blendet unsere vorherrschende Kultur der Hierarchie und Unterdrückung aus, suggeriert wird, dass es nur auf jede und jeden selbst ankommt, Resilienz und Willenskraft scheinen wichtiger als solidarische Verbundenheit und gegenseitige Achtsamkeit. Wir existieren nur durch andere Menschen, sind nie fertig in unserer Entwicklung, wir verändern uns in unserem Verhältnis zur Welt, zu anderen Menschen, denen wir begegnen, immer wieder neu. „So gesehen sind wir immer „viele“ und nicht nur „eine Person“, schreibt Franziska Schutzbach. „Wenn wir versuchen, einander nicht als abgeschlossene, souveräne Ichs zu begegnen, sondern den Fokus darauf zu richten, einander in unserer Verletzbarkeit und Abhängigkeit zu sehen, können wir Koalitionen bilden, in denen wir uns nicht gegenseitig dominieren, sondern fürsorglicher miteinander umgehen.“
Das trifft auch die biblische Hoffnung einer Welt, wo wir barmherzig und nachsichtig einander Nächste sind und werden, gleichwürdig und gleichwertig, wo niemand mehr sich erhebt über einen anderen Menschen, wo wir die Güter der Welt miteinander teilen, uns geschwisterlich verbunden eine Welt wünschen, „in der es genug Brot, Liebe und Freiheit für alle Menschen gibt“, wie es Huub Oosterhuis treffend formulierte. Das ganze Glück für alle zu ersehnen oder die ganze Bäckerei statt nur ein Stück vom Kuchen, das dürfen wir uns nicht nehmen lassen, es ist die Basis für Solidarität.
© Fritz Käferböck-Stelzer, Diözese Linz, Fachbereich Gesellschaft und Soziales
Die Zeitgenossen Jesu möchten wissen, wie sie mit ihm dran sind. Sie testen ihn in mehreren Richtungen. Er zeigt nicht nur, dass er sich im Leben auskennt. Erzeigt wie man leben soll, um ganz Mensch im Sinne Gottes zu werden.
Vor Wahlen werden Kandidaten und Kandidatinnen der einzelnen Parteien nach ihrer Position zu bestimmten Themen befragt. Auch Jesus wurde befragt. Er war bekannt geworden im Land. Viele sahen in ihm einen Propheten, einige den Messias. Nun war er nach Jerusalem gekommen (vgl. Mt 21,1.12). „Den müssen wir uns näher anschauen!“ scheint man in Jerusalem gesagt zu haben. So wird er nach seiner politischen Einstellung, seiner Beziehung zum Kaiser, dadurch indirekt zur römischen Besatzungsmacht befragt. Seine Antwort ist zum Sprichwort geworden: "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und gebt Gott, was Gottes ist!" (vgl. Mt 22,21). Andere, die Sadduzäer, lassen ihn anhand einer erfundenen Geschichte Stellung beziehen zu ihrer Ansicht, dass es keine Auferstehung gebe (vgl. Mt 22,23ff). Jesus antwortet eindeutig. Und nun kommen die Pharisäer, die dafür bekannt sind, dass sie streng nach dem Gesetz leben wollen. Kann Jesus bei Gesetzesfragen mithalten? Der Überlieferung nach hatten die Gesetzesgelehrten 248 Gebote und 365 Verbote zusammengestellt. Da kann man die Frage verstehen, die an Jesus durch einen Schriftgelehrten gestellt wird: „Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?“
Die Antwort Jesu:
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben
Mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele
Und mit deinem ganzen Denken.
Das ist das wichtigste und erste Gebot.
Ebenso wichtig ist das zweite:
Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“
Jesus gibt eine Antwort, in der er sich voll und ganz als gesetzeskundig ausweist.
Seine Antwort ist jedoch mehr als eine Schriftgelehrtenantwort? In seiner Antwort leuchtet sein persönliches Lebenskonzept auf: Er liebt den Vater mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit seinem ganzen Denken. Der Vater ist sein Ein-und-Alles. Und dann kommt’s: Ebenso wichtig ist für ihn, seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst.
Wir sind jetzt zum Gedächtnis Christi versammelt. Er ist da. Dann sind wir jetzt seine Nächsten. Das heißt: er liebt Sie, er liebt Dich wie sich selbst!
Das müssen wir in uns einsickern lassen: Jesus liebt mich wie sich selbst! Es lohnt sich, diese Zusage als Ritornell, als Kehrreim in den Tag zu nehmen. Es ist nicht irgendwer, der mich liebt. Im ersten Teil seiner Antwort offenbart Jesus sein Inneres, seine Beziehung zum Vater. Jesus ist der Mensch, der ganz Liebe ist. Seine Liebe ist die größte, die es gibt.
Von Jesus können wir lernen, wie volles Menschsein geht: Menschsein, das Liebe ist. Wir sind von ihm eingeladen, in seine Schule zu gehen. Wir lernen wirklich Mensch sein, wenn wir auf ihn schauen. Seine Schule ist freilich mehr als eine Schule, sie ist Lebensgemeinschaft. Jesus, der Liebende, möchte in uns leben und uns zu »neuen Menschen« gestalten, jesuanische Menschen, Menschen, wie Gott sie denkt! Jesus ist nicht nur Vorbild für uns Menschen, sondern auch Ermöglicher, Wirkender: Er schafft uns neu durch seinen Geist, den Heiligen Geist. Unsere Chance ist es, sich ihm zu öffnen, sich ihm auszusetzen.
Dabei bleiben wir als verschiedene Menschen verschieden, auch wenn wir mit Jesus verbunden sind. Wir bilden zusammen mit ihm seinen sozialen »Leib«. Durch uns sollen verschiedene Seiten Jesu aufleuchten.
In der Schule bzw. Lebensgemeinschaft Jesu atmen wir den Geist Jesu. Vergessen wir nicht, uns vom Geist Jesu erfüllen zu lassen - bis zu der Fülle, in der es auch für uns und für mich stimmt:
Ich liebe Gott von ganzem Herzen,
mit ganzer Seele
und mit meinem ganzen Denken
und meinen Nächsten wie mich selbst.
Immer wieder bekommen chaotische Vorgänge die Oberhand und zerstören, was Menschen in Friedenszeiten aufgebaut haben. Jesus stellt dem das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe gegenüber. In dieser Botschaft liegt die Kraft, die uns Umbrüche und Neuanfänge gelingen lässt.
Alttestamentliche Texte, die beinahe 3 000 Jahre alt sind – wir haben daraus in der ersten Lesung gehört -, sprechen von Ausbeutung, vom Schrei der Armen und Verfolgten. Es ist eine Kriegssituation. Das Nordreich fällt 722 v. Chr. Das ruft den Zorn JHWHs herauf. Krieg! Keine Spur von Nächstenliebe und Zusammenhalt der Menschen.
Viel Missbrauch geschieht auch heute. Fast täglich lesen oder hören wir von Schleppern, die den verzweifelten Menschen ihr letztes Geld abnehmen. Politische Flüchtlinge, Klimaflüchtlinge, oft beides, hervorgerufen durch Naturkatastrophen, Hunger, Krankheit. Wir erleben es weltweit. UNO- Generalsekretär Antonio Guteress sagte kürzlich: „Unsere Welt gerät aus den Fugen,“ angesichts zunehmender globaler Spannungen. Der evangelische Theologe Ernst Troeltsch (1865- 1923) spürte bereits 1896 am Beginn einer Vorlesung: „Meine Herren, es wackelt alles!“ Der Schrei der Armen wird immer lauter. Da vermischt sich Ratlosigkeit mit Untätigkeit, mit Ängsten verschiedenster Art, es geht auch um Gier und Besitzerhaltung. Es gelingt offenbar kaum, Politik, Recht, Ethik und Moral in Einklang zu bringen.
#Umbrüche und Aufbrüche sind Teil unseres Lebens. Bis wir uns Neues zutrauen, muss der Leidensdruck sehr hoch sein. Das erleben wir gegenwärtig in Kirche, Gesellschaft und Politik. Die jetzigen Zustände müssen offenbar so unglücklich machen, dass es beinahe egal ist, wie der Neuanfang aussehen wird, Hauptsache er bringt Veränderung. Vielleicht sollten wir besser hinhören auf das, was entstehen will, offen sein für neue Ideen. Gott schafft aus dem Nichts, „creatio ex nihilo“. Der kreativste Akt ist wohl die Ausstattung des Menschen mit Verstand, mit einem guten Geist.
Das drückt die zweite Lesung aus: „Ihr habt das Wort trotz großer Bedrängnis mit Freude aufgenommen, die der Heilige Geist gibt.“ (1 Thess 1,6), loben Paulus, Silvanus und Timotheus die Thessalonicher. Glaube, Hoffnung, Liebe und Freude helfen durch schwierige Zeiten. Es kostet viel Geduld, diese nicht zu verlieren. Besonders Paulus weiß, wovon er spricht, hat er doch mit seiner Botschaft viel Ablehnung erfahren. Wenn Glaube, Hoffnung, Liebe, Freude nicht absterben, dann bewahrheitet sich der Hymnus, den wir im Brevier als Abendgebet der Kirche finden:
„Du starker Gott,
der diese Welt im Innersten zusammenhält.
Du Angelpunkt,
der unbewegt den Wandel aller Zeiten trägt.“
Das meint auch das Evangelium. Die Liebe ist dreifaltig: Gottes Liebe (die Liebe des Schöpfers), Nächstenliebe (verkörpert durch seinen Sohn) wird auch im Nächsten sichtbar, zeigt sich in der sozialen Dimension, indem es um Zusammenhalt und nicht um Abgrenzung geht. Selbstliebe ist dann gegeben, wenn wir den Heiligen Geist in uns wirken lassen und auch diese Liebe weitergeben. Da entsteht Beziehung, Freude und Friede, wie ihn die Welt nicht geben kann. Diese bietet bestenfalls „Friedhöflichkeit“ (Ausdruck von Karl Kraus).
„Gottes Wille ist immer Gottesliebe“, ein Wort von Franz von Sales (1567-1622, Ordensgründer und Bischof). Das verstehen wir oft nicht. Wir brauchen in dieser Welt Gesetze und Ordnungen, sonst gerät dieser Globus wirklich aus den Fugen. Diesen Gesetzen muss jedoch Leben, Menschlichkeit, Barmherzigkeit eingeflößt werden und nicht Menschenverachtung. Das Gebot der Nächstenliebe, dazu gehört auch Feindesliebe, wird im heutigen Evangelium dem der Gottesliebe gleichgestellt. Deshalb spricht auch Jesus von dem großen und ersten Gebot. Wer Gott und den Nächsten liebt, erfüllt das ganze Gesetz. Die Liebe ist der Motivationsschub, den uns Jesus in Menschengestalt gebracht hat. Die Einheit von Mensch und Gott kann nicht rückgängig gemacht werden, auch wenn sie der Mensch immer wieder bricht. Das sind Texte, die aufrütteln, Mut machen und entängstigen.
Der Schutz vor Ausbeutung musste schon im alten Israel in Gesetzestexten festgeschrieben werden. Er ist auch heute noch, bzw. wieder aktuell. Durch die wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftliche Veränderungen treten neue prekäre Arbeitsbedingungen auf, die wir nicht übergehen dürfen, wenn wir das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe ernstnehmen.
das Evangelium des heutigen Sonntags enthält die Frage nach dem wichtigsten Gebot. Jesus beantwortet diese Frage mit dem sogenannten Doppelgebot. Zum einen: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken (Vers 37). Und zum anderen: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst (Vers 39). Beides ist gleich wichtig, betont er!
Diesem Evangelium zur Seite gestellt ist heute die Lesung aus dem Ersten Testament, dem
Buch Exodus, Kapitel 22, Vers 20 bis 26. Hier geht es um Anweisungen zum Schutz vor Unterdrückung und Ausbeutung. Bestimmte Personengruppen sind ausdrücklich genannt und Beispiele aufgezählt.
Nicht zufällig stehen diese beiden Bibeltexte gemeinsam da. Man könnte die Lesung als Aufforderung verstehen, sich doch mal genauer umzusehen, wer denn mein Nächster ist, den ich lieben solle wie mich selbst. Die engere Familie, den/die Lebenspartner*in sowie persönliche Freund*innen zu lieben und für sie da zu sein, ist ja normalerweise nicht die Frage. Doch wenn wir auch auf Menschen schauen, die alleine dastehen, die fremd sind, die keine Lobby haben - sie als Nächste zu sehen, ihnen menschliche Zuneigung, Würde und Schutz zuzusagen und dies auch ganz praktisch zu leben, ist eine Herausforderung - eine im engen Wortsinn christliche „Zu-Mutung“.
Etwas neuzeitlicher und weltlich ausgedrückt, finden wir das Thema auch im Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948. Dort heißt es: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren [...] und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“ Heute, 75 Jahre später, würden wir es vielleicht nochmals anders formulieren, aber die Aussage ist klar: Du und ich sind gleich viel wert und das hat sich im Miteinander widerzuspiegeln!
Welche Menschen, welche »Du«, sind es nun, die in der Lesung vorkommen? Der Text benennt ausdrücklich Fremde, Witwen, Waisen und Arme, deren Notlage nicht ausgenutzt werden darf. Ganz klar steht Gott an ihrer Seite, wenn ihnen die Lebensgrundlagen wie z.B. der einzige Mantel als Schutz vor der nächtlichen Kälte vorenthalten wird.
Und nun versuchen wir, dieses Bild der Lebensgrundlagen in die heutige Zeit zu übertragen. Für die große Mehrheit der Menschen in Österreich ist die Erwerbsarbeit die Basis ihrer Lebensgrundlage. Durch sie sind wir kranken- und unfallversichert. Mit dem Lohn bestreiten wir unser Auskommen, unseren Lebensunterhalt. Auch für die Pension ist von Relevanz, wie lange wir Teil dieses Systems waren und was wir verdient haben.
Doch in den letzten Jahren beobachten wir rasante Umformungen am Arbeitsmarkt, Erwerbsarbeit verändert sich. Da geht es nicht nur um den Wandel von Berufsbildern, um Digitalisierung und KI. Es geht auch um Auslagerungen, Schaffung von Sub-Systemen, Flexibilisierung und Risikoverschiebungen mit der Folge, dass eine dauerhafte, gut dotierte Festanstellung in Vollzeit inzwischen alles andere als der Normalfall ist.
Viele Menschen arbeiten im sogenannten prekären Bereich, der weder finanzielle Sicherheit noch langfristige Planbarkeit bietet. Das sind junge Leute mit Studium, die sich von Praktikum zu Praktikum hanteln, Crowdworker, die auf Onlineplattformen ausgeschriebene Aufträge für ein Pauschalhonorar übernehmen. Wiedereinsteiger*innen, die - oft als Ausweg aus der Betreuungsmisere - als Einpersonenunternehmen ihr Auskommen zu sichern versuchen. Das sind Arbeitnehmer*innen, die auf die Vermittlung durch Leasingfirmen angewiesen sind, oder Menschen, die es aufgrund ihres Alters oder ihres Migrationshintergrunds schwer haben. Menschen, die geringfügig angemeldet werden und in Wahrheit ganztags arbeiten. Oder Menschen, von denen verlangt wird, sich selbständig zu melden und als Subunternehmer bzw. als freie Dienstnehmer*innen Aufträge abarbeiten. Zu finden bei Grafikdesign, IT oder im Reinigungs- und Sicherheitsbereich genauso wie in der Bauwirtschaft und im Zustellgewerbe.
Bleiben wir kurz bei dieser Gruppe: Wenn wirtschaftliche Abhängigkeit von nur einer einzigen Auftragsfirma besteht, liegt die Vermutung von Scheinselbständigkeit nahe. Ein Beispiel von Ausnutzung und Ausbeutung, denn Scheinselbständigen wird durch Vertragslösungen vorenthalten, was ihnen als Arbeitnehmer*innen eigentlich zustünde: bezahlter Urlaub, Zulagen, Arbeitsplatzausstattung und -geräte, soziale Absicherung...
Ein zweites aktuelles Beispiel für prekäre Arbeit möchte ich noch nennen: Viele von uns bestellen schnell mal ein Mittag- oder Abendessen online. Zugestellt wird es oft unter körperlich herausfordernden Bedingungen von Fahrradkurieren - orange für „Lieferando“, pink für „foodora“. Wer hier als freie*r Dienstnehmer*in radelt, erhält pro Bestellung einen Fixbetrag von ein paar Euro, dazu kommt ein variables Kilometergeld, mit Glück auch noch etwas Trinkgeld. Und bei einer schwachen Schicht? Viel Stehzeit, noch weniger Einkommen ...
Unter den vielen Menschen, die für ihren Lebensunterhalt an Arbeit nehmen müssen, was sich bietet, ist der Anteil von Migranten und Migrantinnen besonders hoch, unabhängig von ihrem tatsächlichen Bildungsstand und ihren Kompetenzen.
Es ist offenbar verlockend, die Notlage anderer, vor allem fremder Menschen, auszunützen, ihre Arbeitskraft auszubeuten, ihnen Rechte vorzuenthalten. Schon der Jahrtausende alte biblische Lesungstext weiß um diese Versuchung und warnt davor.
Der stetige Anstieg von prekären Arbeitsverhältnissen hat nun 2019 die EU auf den Plan gerufen. Als Reaktion auf die zunehmende Deregulierung hat sie Mindeststandards für Arbeitsbedingungen eingeführt, die quer über alle Beschäftigungsformen hinweg gelten. Im September 2022 verabschiedeten die Abgeordneten des Europäischen Parlaments eine EU-Gesetzgebung für angemessene Mindestlöhne. Das sind erste Schritte, die Rechte von Menschen in unseren neuen, flexiblen Arbeitswelten zu stärken und ausbeuterischen Verhältnissen einen gesetzlichen Riegel vorzuschieben, weitere werden (hoffentlich) folgen.
Ich freue mich darüber, denn christliche Nächstenliebe hat nicht nur ein persönliches Gesicht. Dieses „Du sollst“ der Bibel weist über das Individuelle hinaus, es ist ebenso ein kollektiv zu verstehendes „Du sollst“, das sich an die Gemeinschaft richtet.
Somit sind die Texte des heutigen Sonntags auch ein Auftrag, in gemeinsamer Verantwortung für ein (Arbeits-)System zu sorgen, das die Gleich-Wertigkeit und Gleich-Würdigkeit aller Menschen schützt und besonders die vulnerablen Personen vor Unterdrückung und Ausbeutung bewahrt!
© Elisabeth M. Zarzer, Referentin Team mensch & arbeit, Diözese Linz.
Im Reigen der Gesetze und Gebote, gibt es nichts Wichtigeres als die Liebe. Sie ordnet alles. Gott leidet mit den Fremden, mit Witwen und Waisen, mit den Armen – und mit denen, die sogar ihren Mantel verpfänden müssen.
Sie kennen den Witz? Fragt eine Mutter ihren Sohn, worüber denn der Pfarrer heute gepredigt habe – und die Antwort, prompt und keinesfalls verlegen: Er hat über die Liebe gepredigt. Mehr wollte die Mutter aber auch nicht wissen. Schade! Aber klar, wenn etwas in der Kirche zu hören ist – dann über die Liebe. Nie verkehrt, aber eben auch nicht überraschend. Ein Witz? Nein, traurig genug: Redeweisen, in denen Liebe vorkommt, sind langweilig und nichtssagend geworden. Die Predigt vorhersehbar und floskelhaft. Die Erwartungen verbraucht und spannungslos.
Wenn, ja, wenn da nicht der Mantel wäre! Der Mantel? Ja, der Mantel, der als Pfand dient – und am Abend, wenn die nächtliche Kälte durch Gassen und Zimmer schleicht, einfach zurückgegeben werden soll. Sie haben diese kleine Geschichte noch im Ohr? Sie wird im Buch Exodus erzählt, dem Buch, das den schönen Namen „Auszug“ trägt. Israel ist unterwegs. Nicht irgendwo hin – in das gelobte Land. Land der Verheißung, Land der Träume, Land für Menschen, die einen langen und beschwerlichen Weg hinter sich haben. Ein Bett! Genug Essen! Sicherheit! Heimat! Und dann, auf einmal und mit jedem Tag mehr, verblassen Erinnerungen. Man ist angekommen! Feste, Denkmäler und Märchen werden alte Geschichten wachzuhalten versuchen. Aber was heißt das schon: wachhalten? Wenn die einen reich, die anderen arm werden. Die einen etwas zu sagen haben, die anderen das Maul zu halten haben. Wenn Geschichten Menschen zu trennen anfangen – und die gemeinsame Geschichte verloren geht.
Gott hat da seine Vorstellungen. Wenn er schon sein Volk aus der Gefangenschaft befreit, wenn er schon durch die Wüste mitgeht, wenn er schon barmherzig und gnädig ist, dann soll das auch sein:
Einen Fremden sollst du nicht ausnützen oder ausbeuten,
denn ihr selbst seid im Land Ägypten Fremde gewesen.
Ihr sollt keine Witwe oder Waise ausnützen.
Wenn du sie ausnützt
und sie zu mir schreit,
werde ich auf ihren Klageschrei hören.
Leihst du einem aus meinem Volk,
einem Armen, der neben dir wohnt, Geld,
dann sollst du dich gegen ihn
nicht wie ein Gläubiger benehmen.
Ihr sollt von ihm keinen Zins fordern.
Nimmst du von einem Mitbürger den Mantel zum Pfand,
dann sollst du ihn bis Sonnenuntergang zurückgeben;
denn es ist seine einzige Decke,
der Mantel, mit dem er seinen bloßen Leib bedeckt.
Worin soll er sonst schlafen?
Wenn er zu mir schreit,
höre ich es,
denn ich habe Mitleid.
"Denn ich habe Mitleid!" Ich leide mit! Ich leide… mit ihnen, mit den Fremden, mit Witwen und Waisen, mit den Armen – und mit denen, die sogar ihren Mantel verpfänden müssen.
Und da ist er: der Mantel! Auf dem Höhepunkt dieser Worte taucht er auf. Wie der Mensch, der ihn verpfänden muss – das Wenige, dass er noch hat. Mantel am Tag, Decke in der Nacht. Und wie lange soll, wie lange kann das gehen? Ein Leben ohne Mantel, ohne den einen, der schützt und wärmt? Bis zum Abend! Nicht länger! Also: das Pfand ist umsonst. Es bringt nichts. Es gibt nichts. Seine Würde kann, seine Würde darf ein Mensch nicht abgeben müssen. Und das von ihm zu fordern, stellt Gott höchstpersönlich unter Strafe. Ein deutliches Nein! Was jetzt Recht ist? Recht genannt werden kann? Das mögen die Menschen diskutieren - aber Gott hat sein Urteil schon gefällt: Auf euch wird zurückfallen, was ihr macht. Um das zu verstehen, muss man nicht einmal fromm sein.
Übrigens – und ganz aktuell: in Schuldknechtschaft werden weltweit viele Menschen gehalten! Es ist ein einträgliches Geschäft! Verlogen bis zum geht nicht mehr. Neuerdings wissen wir sogar, dass Schlepper Menschen, die nichts mehr haben, auf ihren Fluchten „behilflich“ sind, gegen Geld, das sie nicht haben und wohl auch nie haben werden – um ihnen lange, gar sehr lange, alles zu nehmen, was sie in Zukunft erarbeiten werden. Sonderangebote sind das nicht. Vor unseren Augen passiert das. Gepfändete Menschen!
Da ist er wieder, der Mantel – der nicht mehr wärmt, der nicht mehr birgt, der einfach genommen wird. Gott weiß um die Kälte der Nacht. Er weiß auch um die Kälte der Herzen. Darum interessiert er sich so für – Mäntel. Der Mantel wird zum Symbol der Hoffnung, zum Symbol des Paradieses. So ganz einfach, so ganz bescheiden. Der Mantel ist die Chiffre für Leben. Für die Zukunft. Für das Morgen.
Andererseits ist Kleidung für viele Menschen in unseren Breiten inzwischen zu einem Wegwerfartikel geworden: günstig und massenhaft produziert, wenig getragen und schnell entsorgt. »Fast Fashion« heißt dieses Phänomen, das vor zwanzig Jahren entstand und für die Wegwerfgesellschaft steht, die Ressourcen vergeudet. Der Mantel steht für nichts mehr. Unter den vielen anderen unsinnigen Dingen verschwindet er im Altkleidercontainer und macht eine zweite Karriere in Entwicklungsländern – nicht ohne den dortigen Markt kaputt zu machen.
Der Gerichtsvollzieher von heute wird auch keinen Mantel pfänden. Das wäre gegen die Ordnung. Zudem: Ein Mantel ist wertlos. Getragen. Abgetragen. Seine Versteigerung bringt nichts. Nur: im übertragenen Sinn hat nicht nur das letzte Hemd keine Taschen, sondern ein Mensch kein Leben, wenn er nicht einmal den Mantel sein eigen nennen kann, wenn die Sonne untergeht.
Gott ist so verwegen, dass er Partei ergreift. Er will sich sogar von uns abwenden! Wieviel wir doch laufen lassen, obwohl wir so klug sind, das Elend zu sehen, das wir anrichten – oder wenigstens zulassen! Bis zur Stunde gibt es Menschen, die aussortiert werden. Weil sie fremd und anders sind, weil sie nicht mehr mithalten können, weil sie durch alle Raster fallen. Oder: ohne Mantel dastehen. Nackt.
Im Evangelium begegnet uns ein Pharisäer, mehr noch: ein Gesetzeslehrer. Ein kluger Mann! Er weiß nicht nur viel, er weiß eigentlich alles. Er kann jedes Gebot, jeden Paragraphen mit Stellenangaben und Referenzen benennen. Das ganze Wissen ist in seinem Kopf. Er ist Gesetzbuch und Kommentar in einem. Doch die Frage, die er stellt, ist mehr als berechtigt, alles andere auch als eine Fangfrage: „Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?“ Die Antwort Jesu ist – für uns – nicht einmal überraschend. Gott zu lieben – und den Nächsten! Das wissen wir doch schon lange, oder? Wann wir das zum ersten Mal hörten? Ich weiß es nicht. Es steht schon im Alten Testament, in der Hebräischen Bibel. Das Doppelgebot der Liebe – so haben kluge Menschen darüber geschrieben. Das klingt gut, sieht auch gut aus. Doppelt genäht, hält! Hält alles zusammen!
Heute geht uns auf, dass Gott keine Liebe braucht, auch keine Liebe will, die einem Menschen fehlt, die einem Menschen verweigert, die einem Menschen abgesprochen wird. Die Liebe zu Gott macht sich an einem Mantel fest, der wärmt, der schützt, einen Menschen einzuhüllen vermag. Wenn das Leben unwirtlich wird und die Nacht kalt und der Bauch leer.
Im Reigen der Gesetze, in der Harmonie der Ordnungen, im Dschungel der Gebote, gibt es nichts Wichtigeres als die Liebe: Dass Gott geliebt wird. In einem Menschen, der einen Mantel braucht. Der den Mantel zurückerhält. Der die Nacht übersteht. Die Nacht!
Sie kennen den Witz? Fragt eine Mutter ihren Sohn, worüber denn der Pfarrer heute gepredigt habe – und die Antwort, prompt und keinesfalls verlegen: Er hat über die Liebe gepredigt. Jetzt wird es spannend. Wird die Mutter. klug wie der Pharisäer, nach dem Wichtigen im Leben fragen? Mäuschen möchte ich spielen – es gibt sehr viel zu bedenken, abzuwägen, noch einmal neu zu entdecken. Und wenn es nur ein Mantel ist!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
In den fünf Büchern der Thora ist für das Volk Israel die Grundordnung niedergeschrieben. Heutige wundern sich, wie umfangreich und konkret darin Rechte der Armen, Schwachen und Fremden verankert sind. Wir sind zwar stolz auf unsere Sozialgesetzgebung, übersehen dabei aber oft, dass wir uns in der Praxis oft mehr von einer »Menschenlogik« als von einer »Gotteslogik« leiten lassen.
Klar und wuchtig sind die Zeilen in der heutigen Lesung aus dem Buch Exodus. Eingewoben in das sogenannte Bundesbuch, einer Sammlung von Gesetzestexten, die das religiöse und gesellschaftliche Leben im Alltag Israels regeln sollen, steht diese Passage. Sie wendet ihr Augenmerk den Menschen zu, die für gewöhnlich unter die Räder kommen.
Es beginnt mit den Fremden im eigenen Land, die nicht ausgenützt werden dürfen. Und erinnert die ZuhörerInnen daran, dass sie in ihrer Geschichte (im Land Ägypten) selber Fremde gewesen sind.
Auch die Witwen und Waisen sollen nicht ausgebeutet werden: diese haben nicht mehr den Schutz der größeren Familie oder Sippschaft und sind somit der Umgebung hilflos ausgeliefert.
Und man soll die Not der Armen nicht ausnutzen, um für geborgtes Geld Zinsen zu verlangen. Denn das vergrößert letztendlich nur die Not derer, die ökonomisch am Boden sind.
Und ganz basal: wenn man einem Schuldner den einzigen Mantel nimmt, ihm sozusagen das Nötigste abknöpft, um eine Sicherheit zu haben - auch das ist nur bis zum Abend erlaubt. Denn sonst friert der arme Teufel. Und wenn er dann zu Gott schreit wird IHN Gott erhören. Nicht erhören wird Gott offensichtlich die Klage der Gläubiger gegenüber den säumigen SchuldnerInnen.
Wir haben hier also eine Gesellschaft, die gerechtes Handeln zutiefst religiös begründet: es ist Gott, der diese Sätze Mose weitergibt, auf dass sie dem wartenden Volk Israel verkündet werden. Glaube an Gott bedingt hier gerechtes Handeln. Es geht nicht bloß um Mitleid oder gar Almosen für die Gruppen in der Gesellschaft, die am Rande leben, die schutzlos und gefährdet sind. Nein, sie sind im Zentrum der göttlichen Aufmerksamkeit, und es braucht klare Normen im Umgang mit ihnen. Sonst dominiert im schlimmsten Fall absolutes Elend bei den Machtlosen und entsprechende Willkür der Starken und im besten Fall eine Art „Charity Haltung“ mit dem entsprechenden Wankelmut, welche Not einem halt am besten zu Gesichte steht.
Es ist also keine verhandelbare Sache, sondern wesentlich für den gläubigen Menschen: Achte auf den Umgang mit den sozioökonomisch Schwächsten der Gesellschaft! Selbst wenn sie nicht zu den eigenen Leuten gehören, sondern als Fremde im Land leben!
Mit diesen und weiteren Gesetzen in diesem Abschnitt wird verhindert, dass Menschen mit wenig Einkommen oder Rückhalt durch die Familie weiter strukturell verarmen. Abhängigkeiten sollen so verhindert werden, das randständige Leben soll nicht einzementiert werden.
Die Logik eines Gottes, der auf der Seite der politisch Schwachen steht, schlägt die übliche Logik, dass die Stärkeren sich durchsetzen und von der Not anderer profitieren. Selbst mit dem Tod droht Gott hier denjenigen, die darauf pfeifen und andere ausnutzen. Dagegen ist unsere politische Kritik ja geradezu ein sanftes Säuseln... Aber so wichtig ist es Gott, hier für absolute Klarheit zu sorgen!
Nun, das ist lange her. Was tun wir heute damit, in einer anderen Zeit und in einer Gesellschaft, die ein ausgeklügeltes Sozialsystem und auch entsprechende Rechtsnormen hat?
Als Kirche gilt das für uns auch heute noch: der Glaube an Gott trägt den Glutkern der Gerechtigkeit weiter in sich. Unsere Zuwendung zu Gott wird dann echt (also für die Umwelt wirksam) sein, wenn die Menschen in unserer Umgebung merken, dass wir sie sehen in ihren Nöten. Unseren Glauben wird man wahrnehmen, wenn diejenigen, die am meisten am Rand stehen, sehen: wir kümmern uns, wir nehmen ihre Nöte auf, wir fordern politische und strukturelle Maßnahmen ein, wenn ihnen Unrecht geschieht. Und wir tun selber, was in unserer Macht steht, um konkret zu helfen.
Wer fremd im Land ist, wer wenig Ressourcen hat, wer wem Geld schuldet - all dies Gruppen sind auch heute der Umgebung ausgeliefert und gefährdet, ausgenutzt zu werden.
Die überteuerte Mietwohnung für die subsidiär Schutzberechtigten, der ihnen verwehrte Zugang zur Sozialhilfe…
Die Tretmühle für Menschen, die sich verschuldet haben und nun mit Raten Kredite bedienen müssen ohne dauerhaft runterzukommen vom Schuldenberg...
Tausende Frauen aus Osteuropa, die bei uns gegen geringen Lohn in der Pflege tätig sind, weil sie zuhause kaum Perspektiven haben - und Österreich ihnen zuletzt auch noch die Kinderbeihilfe gekürzt hat…
Die Alleinerziehenden, die stark armutsgefährdet sind…
Viel Phantasie braucht es nicht, um die Witwen, Fremden und Waisen ins heute zu übersetzen!
Als Kirche haben wir hoffentlich den Blick für die Lücken im System, für die verborgenen Winkel in der Gesellschaft, wo von der Not anderer profitiert wird. Politisch müssen wir achtgeben, wohin wir uns als Gesellschaft entwickeln. Die leidenschaftliche Liebe Gottes zu den Armen wird nämlich realpolitisch derzeit in Österreich nicht gerade erwidert. Eher gibt man gerne den ökonomisch Schwachen die Schuld für ihr Übel, begnügt sich gerne auch mit Almosen bzw. verteilt großzügig Schuldzuweisungen an Gruppen wie Geflüchtete, Sozialhilfeempfänger, Arbeitslose etc.
Die Bedingungen haben sich in der Sozialpolitik in den letzten Jahren für gewisse Gruppen eindeutig verschlechtert. Gerechtigkeit ist im öffentlichen Gespräch verkürzt worden zu Gerechtigkeit für die sogenannten „LeistungsträgerInnen“. Als gerecht beurteilt wird z.B. von manchen politischen Parteien die Kürzung der Sozialhilfe für Familien mit mehreren Kindern, damit der Abstand zu Niedriglöhnen wieder größer wird. Auf die Idee, daran zu arbeiten, dass Niedriglöhne erhöht werden, kommt man dabei nicht. Man moralisiert wieder verstärkt, verteilt großzügig Schuld an diejenigen mit weniger Möglichkeiten und ruft alle zur Leistung auf. Aber vergisst zu erwähnen, dass die Startbedingungen auch heute sehr ungleich verteilt sind.
Angesichts der größten Wirtschaftskrise seit den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts ist der Zug Gottes zu den sogenannten Kleinen, Schwachen und Armen aktueller denn je. Wir werden als Kirche unsere biblisch jüdischen Wurzeln nicht vergessen können, die leidenschaftlich darum kreisen, dass wir daran bemessen werden, wie es den sozioökonomisch Schwächsten unter uns geht. Eine Politik, die sich den christlich-sozialen Wurzeln verpflichtet fühlt, sollte sich dessen auch besinnen. Wenn sie das nicht tut, werden wir als Kirche, gegründet auf unsere alltäglichen Erfahrungen in unserer sozialen Arbeit, in Wort und Tat aktiv werden müssen. Die Tradition der biblischen Propheten, die gerade dazu oft ihre Stimme erhoben haben, ermuntert uns dazu, nicht zu schweigen, und kreativ laut zu werden.
© Mag. Wilfried Scheidl, Caritas der Diözese Linz
Beispiele für Kürzungen im Sozialbereich am Beispiel von Oberösterreich finden Sie unter
http://www.armutskonferenz.at/news/news-2020/sozialhilfe-keine-krisenfeste-absicherung.html - (abgerufen am 7.9.2020)
Das Wesen Gottes ist Liebe. Da er uns liebt, müssen wir auf seine Liebe mit Liebe antworten; mit der Gottesliebe und mit der Nächstenliebe. Den Nächsten lieben wie sich selbst muss nicht heißen, dass wir alle umarmen. Wir müssen sie annehmen auch mit ihren Schattenseiten, wie wir auch uns selbst mit unseren Fehlern annehmen können und müssen.
Gott hört auf das Rufen der Schwachen und Unterdrückten. Die alttestamentlichen Gesetze sorgen dafür, dass auch die Schwachen und Ohnmächtigen nicht unter die Räder der Tüchtigen kommen. Darin zeigt sich der Entwurf einer neuen Gesellschaft. Im Nächsten erkennen wir den Mit-Menschen und durch ihn uns selbst.
Die Gottes- und Nächstenliebe gehören untrennbar zusammen. Sie haben ihre Wurzeln in der Ge-schichte Israels mit Jahwe. Weil wir uns von Gatt angenommen wissen, können auch wir einander lieben.
Aus einem Streitgespräch heraus fasst Jesus das Halten der Gebote im Gebot der Gottes- und Nächstenliebe zusammen. Auch wenn es uns manchmal zu hoch und zu schwer ist, in vielen Selbstverstädnlichkeiten des Alltags leben wir diese Gebote oft sehr konkret.
„Freuen sollen sich alle, die den Herrn suchen.
Sucht den Herrn und seine Macht,
sucht sein Antlitz allezeit.“
(Psalm 105)
Der Eröffnungsvers des heutigen Sonntages lädt uns ein, Gott zu suchen. Auch die biblischen Lesungen greifen dieses Motiv auf. Denn, wer sich auf die Suche nach Gott und seinem Willen macht, öffnet sein Herz für die Liebe. Gott zu suchen und ihn, den Nächsten und uns selber lieben zu lernen, gehören unmittelbar zusammen.
Bitten wir den Herrn, dass er uns öffnet für sein Wort und uns hilft, seine Liebe im Alltag zu leben. Feiern wir miteinander Gottesdienst und machen wir uns gemeinsam auf die Suche nach den Spuren der Liebe Gottes:
Ein entscheidendes Thema unseres Lebens und auch unseres Glaubens ist die Liebe. In vielfältiger Weise wird sie besungen und bedacht. Bei so umfassenden Begriffen wie dem der Liebe kommt es allerdings darauf an, was man konkret damit meint und was man darunter versteht. Es besteht die Gefahr, dass wir zwar das gleiche Wort verwenden, aber dennoch an einander vorbeireden.
Jesus hat uns nicht nur die Liebe zu Gott und zu unseren Nächsten als oberstes Gebot aufgetragen, er hat uns selbst vorgelebt, was er darunter versteht. Ohne Liebe gibt es keinen dauerhaften Frieden zwischen den Menschen und ohne sie gibt es auch kein erfülltes Leben des einzelnen.
Am Beginn dieser Feier bitten wir Gott und einander um Vergebung für das, was wir an Liebe schuldig geblieben sind.
Heute haben wir schon den 30. Sonntag im Jahreskreis! Wie viele Sonntage stehen schon unter dem Vorzeichen von Corona? Nicht einmal zwei Hände reichen, sie abzuzählen. Wir spüren die Verunsicherungen. Wir nehmen die Widerstände wahr. Wir sind nicht im Frieden mit uns.
Aber im Gottesdienst werden wir von Gott umgeben. Von seiner Liebe, von seiner Nähe. Er lädt uns zu seinem Mahl ein. Er schenkt uns seinen Geist. Mit dem 18. Psalm beten wir:
Ich will dich lieben, Herr, meine Stärke, *
Herr, du mein Fels und meine Burg und mein Retter;
mein Gott, mein Fels, bei dem ich mich berge, *
mein Schild und Horn meines Heils, meine Zuflucht.
Herr Jesus Christus,
du bist der Weg, der uns zum Leben führt.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du bist die Wahrheit, nach der wir suchen.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du bist das Licht, das unsere Dunkelheit erhellt.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
du hast uns die Liebe des Vaters geoffenbart.
Herr, erbarme dich.
Durch dich sind wir Kinder Gottes geworden.
Christus, erbarme dich.
Wer in deiner Liebe bleibt, bringt reiche Frucht.
Herr, erbarme dich.
Herr,
eine Burg wäre jetzt gerade richtig!
Sich zurückziehen, die Brücke hochziehen,
die böse Welt draußen lassen.
Aber du öffnest Türen und machst die Tore weit.
Herr, erbarme dich.
Christus,
einen Felsen unter unseren Füßen wünschen wir uns sehr.
Während es stürmt und die Wellen hoch gehen,
möchten wir allen Widerfahrnissen trotzen.
Aber du hilfst uns, einander nicht untergehen zu lassen.
Christus, erbarme dich.
Herr,
eine Rüstung täte uns gut.
Gepanzert und mit Harnisch über dem Gesicht
könnte uns niemand zu nahe treten,
niemand in die Augen schauen.
Aber du hast dich wehrlos gemacht
und mit Liebe die Welt bezwungen.
Herr, erbarme dich.
Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände
meine Zeit, mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen, das Elend und die Zärtlichkeit.
(H.D. Hüsch)
Ehre sei Gott in der Höhe...
Herr Jesus Christus,
wir sollen Gott, unseren Gott lieben mit ganzem Herzen.
Wenn uns anderes wichtiger, ja größer erscheint, rufen wir:
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, wir sollen den Nächsten lieben.
Wenn wir Menschen verachten oder gering schätzen, rufen wir:
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus, wir sollen den Nächsten lieben wie uns selbst.
Wo wir uns nicht bejahen und wo wir hart sind zu uns selbst, rufen wir:
Herr, erbarme dich.
Allmächtiger, ewiger Gott,
mehre in uns den Glauben,
die Hoffnung und die Liebe.
Gib uns die Gnade,
zu lieben, was du gebietest,
damit wir erlangen, was du verheißen hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 30. Sonntag im Jahreskreis
Heiliger Gott,
du hast uns das Gebot der Liebe
zu dir und zu unserem Nächsten aufgetragen
als die Erfüllung des ganzen Gesetzes.
Gib uns die Kraft,
dieses Gebot treu zu befolgen,
damit wir das ewige Leben erlangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 25. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
du hast uns erschaffen, damit wir dich preisen.
Gib, daß wir dich mit ungeteiltem Herzen anbeten
und die Menschen lieben, wie du sie liebst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 4. Sonntag im Jahreskreis
Gott,
du hast uns das Gebot der Liebe aufgetragen
als Erfüllung des ganzen Gesetzes.
Öffne uns Augen und Herzen
für die Spuren deiner Liebe
und lass uns weitergeben,
was uns geschenkt ist.
Das erbitten wir im Heiligen Geist
durch Jesus Christus, unsern Herrn,
der mit dir lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit.
WB 30. Sonntag im Jahreskreis A
Herr Jesus Christus,
du liebst uns und rufst uns dazu auf, dich zu lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all unserer Kraft.
Du zeigst uns, dass die Liebe zu dir untrennbar verbunden ist mit der Liebe zu unseren Mitmenschen.
Öffne unsere Herzen für dein Wort und befreie uns von allem, was uns hart und gleichgültig macht, und schenke uns neuen Mut.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. – Amen.
An diesem Abend/Tag kommen wir zu dir,
Gott des Lichtes, Gott der Hoffnung.
Wir sind im Bann von Schlagzeilen,
Verlautbarungen und Krisenszenarien.
Manchmal haben wir Angst,
manchmal sind wir einfach nur wütend;
zu vieles wächst uns über den Kopf.
Bewahre uns davor,
uns von einem Virus gefangen nehmen zu lassen,
die Welt zu verdunkeln
und die Solidarität untereinander aufzugeben.
Du kannst auch in unseren Albträumen
die Hoffnung lesen
und die Sehnsucht nach der Liebe,
in der alles verwandelt wird
in Christus,
unserem Bruder, Freund und Herrn.
In der Kraft seines Geistes und
von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Gnädiger Gott, auf unsere Erde leben aktuell 8,3 Milliarden Menschen. Jeder von ihnen trägt eigene Sorgen, Hoffnungen und Sehnsüchte in sich.
Im Vertrauen auf deine Liebe bitten wir:
Begleite sie auf ihrem Weg. – Wir bitten dich erhöre uns!
Für alle Menschen, die auf der Suche nach den täglichen Grundnahrungsmitteln sind.
Stille ihren Hunger und schenke ihnen Kraft, ihren Alltag zu meistern.
Für alle Menschen, die auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens sind.
Richte du sie wieder auf und gib ihnen neue Kraft.
Für alle Menschen, die auf der Suche nach einer Heimat sind.
Begleite du ihren Weg und schenke ihnen ein Zuhause, an dem sie Geborgenheit finden.
Für alle Menschen, die auf der Suche nach einer Gottesbeziehung sind.
Lass sie deine barmherzige Liebe spüren und schenke ihnen Vertrauen in deine Nähe.
Für alle Menschen, die auf der Suche nach Gerechtigkeit sind.
Stärke ihren Einsatz für eine bessere Welt und gib uns Frieden.
Für alle Menschen, die auf der Suche nach Gesundheit sind.
Stütze sie, wenn sie fallen und gib ihnen treue Begleiter an ihre Seite.
Guter Gott,
du kennst die Sehnsüchte und Bedürfnisse eines jeden Menschen.
Wir bitten dich, höre unser Rufen und schenke uns allen Hoffnung, Kraft und Zuversicht.
Heute und an jedem neuen Tag. – Amen.
Das Doppelgebot der Liebe wird uns geschenkt und anvertraut.
Die Liebe zu Gott, die Liebe zu den Menschen.
Heute denken wir an viele Menschen, Länder und Situationen,
die von Hass und Zwietracht zerrissen werden.
Sogar die Natur ächzt unter der Last, die ihr aufgebürdet wird.
Herr, du mein Fels und meine Burg und mein Retter,
wir bitten dich, erhöre uns!
Heute denken wir an die weltweite Bedrohung durch das Coronavirus,
das alte Sicherheiten und bewährte Ordnungen durcheinander bringt.
Die Welt ist noch kleiner geworden.
Heute denken wir an verjagte, vertriebene und bedrohte Menschen,
die auf der Flucht sind, in Lagern kampieren oder im Meer ertrinken.
Die eine Welt ist nur ein Traum.
Heute denken wir an die Konflikte, die an vielen Orten aufbrechen,
an die Gräben, die sich zwischen politischen Lagern auftun.
Worte und Geschichten trennen.
Heute denken wir an die kranken Menschen in Krankenhäusern, Hospizen und Altenheimen,
an alte Menschen, die dement sind und voneinander getrennt werden.
Die Einsamkeit bringt Menschen zum Schweigen.
Du, Gott, hast Menschen in den Blick genommen, die einen Mantel brauchen
für den Tag und für die Nacht.
Hilf uns, in der Kälte Wärme zu teilen,
in der Nacht Licht,
am Tag Vertrauen.
Dann werden wir in der Liebe doppelt groß.
In Christus, dem Anführer und Vollender des Glaubens. – Amen.
Zu dir, den Gott, der Mitleid mit seinen Geschöpfen hat,
wenden wir uns mit unseren Bitten:
Für alle, denen eine gelebte Glaubensgemeinschaft wichtig ist,
und für die, die deine große Liebe zu uns Menschen annehmen und darauf antworten wollen.
Für alle, die der in unserer Sozialgesetzgebung enthaltenen Moral konkrete Gestalt geben
und für die, die sich gegen Unterdrückung und Rechtlosigkeit einsetzen.
Für alle, die Dankbarkeit empfinden können,
und für die, deren Lebensziel nicht nur im Streben nach Erfolg, Geld und Macht besteht.
Für alle, die in der Liebe zu dir und zu ihren Mitmenschen scheitern,
und für die, die sich von dir trotz ihres Versagens angenommen fühlen.
Für die Verstorbenen, die deinen Worten in ihrem Leben trotz aller Bedrängnis gefolgt sind,
und für die wir das ewige Heil erhoffen.
Denn Jesus hat uns die Bedeutung des Doppelgebots der Gottes- und Nächstenliebe und damit die Kunst eines geglückten Lebens gelehrt.
Durch ihn und mit ihm preisen wir dich jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Jesus stellt das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe gleichwertig nebeneinander.
Erst in der Liebe zu den Menschen, mit denen wir in vielfältigen Beziehungen stehen, wird Gottesliebe lebendig und sichtbar.
Lasst uns miteinander und für einander beten:
Um den Glauben an die Kraft des gemeinsamen Gebets für eine Kirche, in der Barmherzigkeit über Gebote und Verbote steht.
Um eine weltweite Gemeinschaft von Menschen, die einander im Bewusstsein stärken, dass das miteinander Teilen einen Mehrwert für alle bereit hält.
Um Verstand, Einsicht und Kraft im Umgang mit den Menschen, die auf unsere Zuwendung warten.
Um einen guten und gütigen Umgang mit uns selbst, weil wir nur im Wissen um unsere eigenen Schwächen gut und gütig zu anderen sein können.
Um den Glauben an deine barmherzige Liebe in unserer eigenen Todesstunde und für alle jene, die heute ihr irdisches Leben beenden werden.
Denn Christus hat uns deine Liebe verkündet und vorgelebt.
Schenke uns die Gnade, seinem Beispiel zu folgen
und dich und deine Güte immer und überall zu loben und zu preisen. - Amen.
Allmächtiger Gott,
sieh gnädig auf die Gaben, die wir darbringen,
und laß uns dieses Opfer so feiern,
dass es dir zur Ehre gereicht.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 30. Sonntag im Jahreskreis
Herr, sieh gütig auf dein Volk,
das sich zu deinem Lob versammelt hat.
Nimm an, was wir darbringen,
und mehre durch diese Feier unsere Liebe.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 10. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
mehre in unseren Herzen die brüderliche Liebe
und stärke durch dieses Opfer deine Gläubigen in der Treue zu Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 1074
Gott,
sieh auf dein Volk, das im Gebet versammelt ist,
und nimm unsere Gaben an.
Heilige sie, damit alle, die sie empfangen,
in deiner Liebe wachsen und dir immer treuer dienen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 15. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott,
du schenkst dich uns nun in Brot und Wein.
Wir bitten dich nimm dieses Opfer an und werde gegenwärtig in unseren Herzen, damit wir nicht nur dich, sondern auch unseren Nächsten und uns selber lieben.
Darum bitten wir durch Christus, der uns erhält in alle Ewigkeit. – Amen.
Herr,
wir bringen dir das ganze Elend,
das wir beklagen.
Wir bringen dir die große Hoffnung,
die wir zu bewahren versuchen.
Wir bringen dir die verlorenen Geschichten,
die uns aus den Händen fallen.
Wir bringen dir Brot und Wein.
Du bringst uns deine Liebe,
und das zerbrochene Vertrauen wird heil.
Du bringst uns deine Nähe,
und die alten Gräben tragen Brücken.
Du bringst uns eine neue Geschichte,
und alles, was verbraucht ist,
fängt neu zu leben an.
Du schenkst uns dich,
Leib und Blut unseres Herrn.
Den Anfang kennen wir nicht,
aber die Vollendung liegt uns schon auf der Zunge,
Christus, unser Herr.
Du unser Gott,
Brot und Wein sind bereitet,
um dein Mahl miteinander zu feiern.
Wenn du diesen Gaben Segen gibst,
lass uns dir danken und jenen,
die die Arbeit damit hatten.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Kehrvers:
Preiset den Herrn zu aller Zeit, denn er ist gut. (GL Ö875)
Oder:
Singt dem Herrn, alle Lander der Erde,
singt dem Herrn und preist seinen Namen. (GL 54,1)
Liebender und barmherziger Gott, wir treten vor dich,
um dir zu danken und dir unseren Lobpreis darzubringen,
denn du bist die Liebe und der Ursprung allen Lebens.
Kehrvers
Noch bevor wir dich erkennen konnten,
hast du uns bereits geliebt.
In deinen Sohn Jesus von Nazareth bist du uns nachgegangen
und hast du uns in deine Nähe zurück geholt.
Kehrvers
Mit dem Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe
hat er uns den Weg zum wahren Leben gewiesen.
Wie er uns geliebt hat, sollen auch wir einander lieben.
Kehrvers
Für seine Liebe und sein Beispiel danken wir dir.
Mit den Heiligen und mit der ganzen Schöpfung
stimmen wir ein in den Lobgesang, der dir gebührt.
Danklied, z. B. Nun saget Dank und lobt den Herren (GL 385)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dein Gnade zu rühmen.
So sehr hast du die Welt geliebt,
daß du deinen Sohn als Erlöser gesandt hast.
Er ist uns Menschen gleich geworden
in allem, außer der Sünde,
damit du in uns lieben kannst,
was du in deinem eigenen Sohne geliebt hast.
Durch den Ungehorsam der Sünde
haben wir deinen Bund gebrochen,
durch den Gehorsam deines Sohnes
hast du ihn erneuert.
Darum preisen wir das Werk deiner Liebe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ....
MB Sonntage 7
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
immer und überall zu danken für deine Liebe,
die du uns niemals entzogen hast.
Du hast den Menschen in deiner Güte erschaffen
und ihn, als er der gerechten Strafe verfallen war,
in deiner großen Barmherzigkeit erlöst
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir
das Werk deiner Gnade und singen
mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Wochentage 2
Es kann ein Ausdruck unserer Liebe zu Gott sein,
wenn wir zu ihm rufen:
Vater Unser...
Herr Jesus Christus,
du hast dich nicht aus der Ruhe und aus dem Frieden bringen lassen,
als der Gesetzeslehrer dich auf die Probe stellen wollte.
Dein Beispiel wollen wir aufgreifen und bitten dich:
Schaue nicht auf unsere Sünde...
Herrn, unser Gott,
gib, daß deine Sakramente
in uns das Heil wirken, das sie enthalten,
damit wir einst
als unverhüllte Wirklichkeit empfangen,
was wir jetzt in heiligen Zeichen begehen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 30. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott,
wir haben den Auftrag deines Sohnes erfüllt
und sein Gedächtnis begangen.
Die heilige Gabe,
die wir in dieser Feier empfangen haben,
helfe uns,
daß wir in der Liebe zu dir und unseren Brüdern
Christus nachfolgen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 33. Sonntag im Jahreskreis
Gütiger Gott,
die heilige Speise, die wir empfangen haben,
durchdringe uns mit ihrer Kraft.
Sie vertiefe unseren Glauben,
mache stark unsere Hoffnung
und entzünde unsere Herzen zu Werken der Liebe.
Lass das göttliche Leben, das du uns geschenkt hast,
sich entfalten und Frucht bringen für das ewige Leben.
Darum bitten wir…
MB Schlussgebete zur Auswahl 10
Barmherziger Gott,
du hast uns alle mit dem einen Brot des Himmels gestärkt.
Erfülle uns mit dem Geist deiner Liebe,
damit wir ein Herz und eine Seele werden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Sonntag im Jahreskreis
Liebreicher Gott,
wir danken dir für dein Wort und dein Mahl.
Mache uns nun bereit, das Gebot der dreifachen Liebe in die Welt hinauszutragen,
und hilf uns, Tag für Tag zu Menschen zu werden, wie sie dir gefallen.
Segne uns dazu mit allen Gaben des Himmels, damit wir nicht nur auf dein Wort hören, sondern es auch in Wahrheit leben.
Heute und in alle Ewigkeit. – Amen.
Jetzt, Herr, wo wir uns wieder auf den Weg machen,
erbitten wir deinen Segen.
Für den Gottesdienst in deinem Namen danken wir dir,
für die Gemeinschaft, die wir auch mit Masken spürten,
für die Blicke, die wir uns zu geworfen haben,
für dein Wort, das voller Liebe für uns ist.
Die Wochen, die vor uns liegen,
wissen wir in deiner Hand.
Schenke uns Geduld, Gelassenheit und Humor,
einander nicht auf die Nerven zu gehen
und die Kraft, einander gut zu tun.
Du zeigst uns dein freundliches Gesicht
in Christus, unserem Herrn,
in der Kraft deines Geistes,
von Ewigkeit zu Ewigkeit. – Amen.
Gott, unser Vater,
segne euch mit allem Segen des Himmels,
damit ihr rein und heilig lebt vor seinem Angesicht. - Amen.
Er lehre euch durch das Wort der Wahrheit;
er bilde euer Herz nach dem Evangelium Christi
und gebe euch Anteil an seiner Herrlichkeit. - Amen.
Er schenke euch jene geschwisterliche Liebe,
an der die Welt die Jünger Christi erkennen soll. - Amen.
Das gewähre euch der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. - Amen.
MB Feierlicher Segen im Jahreskreis 6
Von: Margaret Fishback Powers Copyright
©1964 Margaret Fishback Powers
Übersetzt von Eva-Maria Busch
Copyright © der deutschen Übersetzung 1996 Brunnen Verlag Gießen.
Seit 2000 Jahren lebt die Erde ohne Liebe
Es regiert der Herr des Hasses
Hässlich, ich bin so hässlich
So grässlich hässlich:
Ich bin der Hass!
Hassen, ganz hässlich hassen
Ich kann's nicht lassen:
Ich bin der Hass!
Attention, attention
Unknown flying object approaching the planet
Identify unknown flying object
Codo der dritte
Aus der Sternenmitte bin ich der dritte von Links.
Unknown flying object identifies as: "Codo"
Und ich düse im Sauseschritt
Und bring die Liebe mit von meinem Himmelsritt
Denn die
Liebe
Die macht viel Spaß
Viel mehr Spaß als irgendwas
We do not need any love on this planet:
Tötet Codo!
Vernichtet die Liebe!
Zielansprache: Gamma
Delta
Sieben
Drei
Eins
Überraum
Codo aus der Ferne der leuchtenden Sterne:
Ich düse so gerne durchs All
Und ich düse...
Objekt überwindet den Hassschirm
Ätzend
Ich bin so ätzend
Alles zersetzend:
Ich bin der Hass
Und ich düse...
http://www.songtexte.com/songtext/dof/codo-bd345ae.html
Herr, guter Gott,
du sprichst uns an mit deinem Wort,
du richtest uns auf und machst uns Mut,
du erfüllst unsere Herzen mit deiner liebenden Gegenwart.
Überall auf der Welt lassen sich Menschen von dir ansprechen,
Männer und Frauen, Junge und Alte
machen dich zur Mitte ihres Lebens,
leben aus deinem aufmerksamen Zuspruch
und setzen sich dafür ein, dass deine Liebe spürbar wird.
Herr, es ist schön, zu deiner Gemeinschaft zu gehören.
Wir freuen uns, dass du mit uns unterwegs bist
und uns sensibel machst
und uns aufrüttelst, das unsere zu tun,
damit die Welt durch uns ein klein wenig liebevoller wird.
Berührt durch deine Liebe
und begleitet durch dein Wort
dürfen wir zu Freuden-Boten deiner Liebe werden.
Du schenkst uns deinen Heiligen Geist,
der unser Lebensatem ist,
uns stärkt und sendet, deine Liebe zu leben.
Hier. Heute. Immer. Überall. - Amen.
Aus: www.missio.com/medien
Zum Begriff "Liebe" fällt mir als erstes ein mittelalterliches Lied ein, das heute, durch die Taizé-Bewegung bekannt geworden, viel gesungen wird. Es geht auf einen Bibelvers zurück. "Ubi caritas et amor, ibi Deus est." Wo Liebe ist, da ist Gott. Nicht Gottesverehrung in Demut und Ergebenheit, nicht Anbetung eines höheren unbegreiflichen Wesens ist das Herz der Religion, sondern Liebe im Doppel-sinn dieses Wortes, das uns als Geliebte und als Liebende benennt. An die Liebe zu glauben, heißt sich selber zu erfahren als bejahte, gewollte, angenommene Wesen und zugleich als solche, die selber Liebe werden. Liebesfähig zu werden, ist das Ziel des Lebens. Was die Tradition mit dem – für uns oft missverständlichen – Ausdruck „die ewige Seligkeit” benennt, bedeutet nichts anderes, als dass Liebe und Gerechtigkeit ihre Kraft zeigen: in allen, für alle.
"Wer nicht liebt, hat von Gott nichts verstanden, denn Gott ist Liebe" (1 Johannes 4, 8). In diesem kleinen Satz "Gott ist Liebe" gibt das Neue Testament seine einzige "Definition" des nicht definierbaren Gottes an. Und gerade hier sind die beiden Qualitäten der Liebe, zu geben und zu nehmen, neu zu werden und neu zu machen, Leben zu schenken und lebendig zu werden, zusammen gegenwärtig. Sie sind untrennbar. Das patriarchale Verständnis von Sexualität, das genitale Sexualität abspaltet von dem großen Geflecht der Beziehungen unserer Körper und Seelen zu anderen Menschen und zur Welt, hat hier nichts zu suchen.
Agape ist die Fähigkeit der Selbsthingabe des Ego. "Im Anfang war die Beziehung", so drückt der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber dieses Grunddatum menschlicher Existenz aus. Wir sind nicht einfach der wirtschaftsfähige Mensch, für den es genügt, seinem erleuchteten Selbstinteresse zu folgen, wir brauchen etwas mehr zum Leben als „self interest”. "Am Anfang" war nicht der Homo oeconomicus, dieses geschäfts- und genussfähige Einzelwesen, zu dem wir gemacht werden sollen, sondern die Selbsttranszendenz der Liebe.
Geliebt zu werden ruft unsere Fähigkeit zu lieben hervor. Aber ist, um das zu verstehen, eigentlich Religion notwendig? Genügt nicht die rationale Analyse? Leistet nicht die Psychologie das, was da zur Aufarbeitung der Eltern-Kind-Beziehung notwendig ist? Inwiefern ist da mehr notwendig? Ist die religio, die Rückbindung, zumal in ihren institutionalisierten Formen nicht eher ein verkrustetes Gewebe um diesen glühenden Kern herum, das eher ablenkt als aufbaut? Ich denke, dass unsere Beziehungsfähigkeit eine Sprache braucht, die mehr ist als die Sprache der Argumente. Das Geheimnis des Lebens, dem Menschen in den verschiedensten Religionen Namen wie der Ewige, der Dreieinige, Allah, die Energie, die Gütekraft, das Unaussprechliche gegeben haben, will geteilt werden. "Gott ist das Allermitteilsamste", sagt Meister Eckhart, ein Satz, der mich oft in Verzweiflung stürzt, weil es häufig absolut unmöglich scheint, auch nur das Mindeste von diesem Geheimnis weiterzugeben. Die Religion erwächst aus der Notwendigkeit, eine Sprache zu finden, die aufs Ganze geht, die mehr einklagt und herbeiruft als das, was ablesbar ist und machbar ist.
Es liegt im Interesse der Liebe, auf die Notwendigkeit einer Sprache hinzuweisen, die uns mit anderen und mit einer Tradition verbindet, die über die reine Subjektivität hinausgeht. Wir sind alle "unheilbar religiös", wie Nikolai Berdjajew gesagt hat. Sich von dieser Krankheit zu verabschieden, ist zugleich eine Aufgabe der Erotik Gottes, ohne die Leben nicht lebt. Meine Zweifel an den Menschen, die sich von dieser Krankheit "geheilt" glauben, die mit Religion "nichts am Hut" haben, sind mit der Totalisierung unserer Ökonomie immer mehr gewachsen.
Können wir denn ohne "die Liebe Gottes, die höher ist als alle Vernunft", leben? Ist nicht der Verzicht auf Religion ein Verzicht auf Eros? Von einem Menschen zu sagen, er oder sie sei "unerotisch", scheint mir eine Art Todesurteil. Die Zerstörung unserer anderen Wünsche und Träume vom Leben aller auf diesem Planeten schreitet mit der Erübrigung von Religion voran. Ist nicht das, was viele für eine Art aufgeklärterer Intelligenz halten, eher nach dem Muster "Behandlung (der Krankheit Religion) erfolgreich, Patient leider tot" zu beschreiben?
Manchmal frage ich mich, warum es gerade in den christlichen Konfessionen so wenig Sprache der Gottesliebe gibt, sondern meist nur ein abgeblasstes Reden vom uns liebenden, uns beschützenden, von uns kleinen Winzlingen bloß nichts erwartenden Herren-Gott. Eine der Ursachen für die Schwäche institutionalisierter Religion in unserer Welt scheint mir in einem religiösen Wunsch, möglichst lange, möglichst immer Kind bleiben zu wollen, begründet. Diese krampfhaft festgehaltene Kindlichkeit ist kindisch - und hat nichts mit den offenen staunenden Augen der Kinder, die Jesus im Sinn hatte, zu tun. Erwachsenwerden, gegen und mit den religiösen Institutionen zugleich, heißt vor allem, die Liebe in ihrer ganzen Gegenseitigkeit ernst zu nehmen. "Ich weiß, dass ohne mich/Gott nicht ein Nu könnt leben" (Angelus Silesius) ist mystischer Ausdruck dieser Gegenseitigkeit, gegen alle hierarchisch im Schema von oben und unten denkende Orthodoxie.
Du sollst Gott lieben "von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allem Vermögen": Wann tun wir denn etwas ganz, ohne Vorbehalte, ohne Wenn und Aber, ohne Lohnerwartung oder Strafbefürchtung, ohne Zwänge und ohne dieses tödliche "und dann?", das den Augenblick zerstört? Wann leben wir denn etwas, das reines Jetzt wird und in dem wir ganz das sind, was wir tun? "I am what I do" ist eine klassische mystische Formulierung für dieses Ganzsein. In der Liebe fallen Sein und Handeln zusammen. Wann erreichen wir diese Sammlung, diese unabgelenkte Aufmerksamkeit, die zur Liebe gehört?
Der buddhistische Mönch Thich Nhat Hanh drückt das gleiche Grunddasein mit der Formel aus: "Das Geschirr spülen, um das Geschirr zu spülen." Es ist ein Akt unabgelenkter Hingabe - und sie setzt die Fähigkeit des oder der Einzelnen, sich an das Ganze zu binden, voraus. Das Ego ist nicht der letzte Horizont des Selbst. Wir können aus uns selbst herausgehen, die Wolke werden, die wir vorüberziehen sehen, das Lied werden, das wir singen. Wir sind nicht nur das begrenzte und berechenbare Produkt, zu dem wir uns oft machen. Im Anfang war die Beziehung, die uns konstituiert. Wir existieren, wie Emmanuel Levinas das ausgedrückt hat, "im Akkusativ", angesprochen, angehaucht, angesehen und gebraucht. Ganzsein bedeutet dieses Glück des "Siehe da!"
Dorothee Sölle in: Was kommt. Was geht. Was bleibt. Herausgegeben von Markus Schächter. Herder Verlag Freiburg Basel Wien 2001.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
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Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
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Die alttestamentliche Lesung aus dem Buch Exodus gehört einem Abschnitt an, der eine Sonderstellung einnimmt, dem sog. Bundesbuch. Dieses enthält eine alte Sammlung von Rechtsvorschriften.
Der für die Lesung ausgewählten Verse enthalten Schutzvorschriften für Fremde, Witwen und Waisen sowie das Verbot, Zinsen zu nehmen. Der Schutz der Fremden und der Armen war in Israel Sache Jahwehs und damit des ganzen Volkes. Begründet wurde dieser besondere Schutz mit dem eigenen Fremdsein in Ägypten. Witwen und Waisen ohne männliche Angehörige hatten niemand, der für ihre Rechte eintreten konnte.
Den Volksgenossen gegenüber bestand auch das Verbot, Zinsen für Geliehenes zu nehmen. Dies war bei den Nachbarvölkern durchaus üblich. Der Schutz der Angehörigen des eigenen Volkes bezog sich auch auf des Pfandnehmen. Lebensnotwendige Gegenstände durften nicht als Pfand zurückbehalten werden.
Anwalt der Fremden, Witwen, Waisen und Armen ist Gott selbst. Er hat Mitleid mit ihnen. Ihre Klageschrei ist eine Anrufung seines Gerichtes. Später werden die Propheten das Mitleid mit den Armen und Benachteiligten einfordern
Die Vorschriften des Bundesbuches in unserem Abschnitt haben die soziale Gerechtigkeit als Anliegen. In unserer Lesung sollen die Rechtsvorschriften, die vorgelegt werden, zum Schutz der Armen dienen. Sie sollen nicht noch ärmer werden, als sie schon sind. Das, was die Menschen zum Leben brauchen, soll ihnen nicht weggenommen werden. Als Beispiel dienen die Wucherzinsen und den Mantel eines Armen. Die Schutzbedürftigen können sich dem Schutz Gottes sicher sein. Ihnen schenkt JHWH besonderes Gehör. Als Grundmotivation, sich an diese Rechtsvorschriften zu halten und sie im Leben umzusetzen, wird die Erinnerung an das eigene Elend in Ägypten wachgehalten. Diese steht gleichsam als Überschrift vor unserer Lesung (vgl. Vers 20).
Die Situation von Fremden im Land erlebte das Volk. Was es als Hilfe erlebte, sollte es auch selber leben. Und was es als Last erlebte, sollte es auch nicht geben.
Die Notwendigkeit des Mantels als Schutz war elementar. Diesen Schutz sollte der Arme behalten - auch aus der Sorge Gottes um den Armen.
Ein Leben nach Gottes Geboten ist ein Leben als Antwort. Zu dieser Antwort will das Bundesbuch verhelfen.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive