Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus der Offenbarung des Johannes:
Ich, Johannes,
sah vom Aufgang der Sonne her
einen anderen Engel emporsteigen;
er hatte das Siegel des lebendigen Gottes
und rief den vier Engeln,
denen die Macht gegeben war,
dem Land und dem Meer Schaden zuzufügen,
mit lauter Stimme zu und sprach:
Fügt dem Land, dem Meer und den Bäumen keinen Schaden zu,
bis wir den Knechten unseres Gottes
das Siegel auf die Stirn gedrückt haben!
Und ich erfuhr die Zahl derer,
die mit dem Siegel gekennzeichnet waren.
Es waren hundertvierundvierzigtausend
aus allen Stämmen der Söhne Israels, die das Siegel trugen:
Danach sah ich und siehe, eine große Schar
aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen;
niemand konnte sie zählen.
Sie standen vor dem Thron und vor dem Lamm,
gekleidet in weiße Gewänder,
und trugen Palmzweige in den Händen.
Sie riefen mit lauter Stimme und sprachen:
Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt,
und von dem Lamm.
Und alle Engel standen rings um den Thron,
um die Ältesten und die vier Lebewesen.
Sie warfen sich vor dem Thron auf ihr Angesicht nieder,
beteten Gott an
und sprachen:
Amen, Lob und Herrlichkeit,
Weisheit und Dank,
Ehre und Macht und Stärke
unserem Gott in alle Ewigkeit. Amen
Da nahm einer der Ältesten das Wort und sagte zu mir:
Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen,
und woher sind sie gekommen?
Ich erwiderte ihm: Mein Herr, du weißt das.
Und er sagte zu mir:
Dies sind jene, die aus der großen Bedrängnis kommen;
sie haben ihre Gewänder gewaschen
und im Blut des Lammes weiß gemacht.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Aus allen Völkern hast du sie erwählt,
die dein Angesicht suchen, o Herr. – Kv
GL 653,3
Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt, *
der Erdkreis und seine Bewohner.
Denn er hat ihn auf Meere gegründet, *
ihn über Strömen befestigt. – (Kv)
Wer darf hinaufziehn zum Berg des Herrn, *
wer darf stehn an seiner heiligen Stätte?
Der unschuldige Hände hat und ein reines Herz, /
der seine Seele nicht an Nichtiges hängt *
und keinen trügerischen Eid geschworen hat. – (Kv)
Er wird Segen empfangen vom Herrn *
und Gerechtigkeit vom Gott seines Heils.
Das ist das Geschlecht, das nach ihm fragt, *
die dein Angesicht suchen, Jakob. – Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem ersten Johannesbrief.
Schwestern und Brüder!
Seht, welche Liebe uns der Vater geschenkt hat:
Wir heißen Kinder Gottes
und wir sind es.
Deshalb erkennt die Welt uns nicht,
weil sie ihn nicht erkannt hat.
Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes.
Doch ist noch nicht offenbar geworden,
was wir sein werden.
Wir wissen,
dass wir ihm ähnlich sein werden,
wenn er offenbar wird;
denn wir werden ihn sehen, wie er ist.
Jeder, der diese Hoffnung auf ihn setzt,
heiligt sich,
so wie er heilig ist.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der erste Johannesbrief, ein Rundschreiben für die Gemeinden Asiens, die durch die Wirren der ersten Irrlehren bedroht waren, ist um das Ende des ersten nachchristlichen Jahrhunderts entstanden. Es klingt ein Hauptthema der johanneischen Mystik an, das Thema "Gemeinschaft".
Die Einheit der christlichen Gemeinde beruht auf der Einheit jedes Gläubigen mit Gott in Christus. Diese Einheit wird auf unterschiedlichste Weise erfahrbar. Letztlich werden wir die Tiefe dieser Einheit, von der die heutige Perikope spricht, erst ergründen können, wenn wir ihn sehen, wie er ist (Joh 3,2).
In diesem Abschnitt stärkt der Verfasser des Johannesbriefes, der wohl gegen Ende des 1. Jahrhunderts entstanden ist, die christlichen Gemeinden, die wie im Abschnitt zuvor aufgrund der Irrlehrer unsicher geworden sind. Die Lesung, die wir hören, ist die eine goldene Kehrseite der Medaille - im Anschluss daran geht es weiter mit Ermahnungen, nicht zu sündigen.
In diesem Zusammenhang steht aber der große Zuspruch der Liebe Gottes, die uns zu seinen Kindern macht - nicht aus eigenem Antrieb der Menschen, sondern als Geschenk, das der Mensch annehmen kann oder nicht (vgl. V1b). Was dieses Geschenk der Kindschaft Gottes umfasst, mögen wir noch nicht zu begreifen. Und doch bleibt die Zuversicht (be-)stehen, dass wir so werden wie Gott ist - heilig: von der Sünde befreit, Gott zugehörig.
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Kommt alle zu mir,
die ihr mühselig und beladen seid!
Ich will euch erquicken.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit,
als Jesus die vielen Menschen sah,
die ihm folgten,
stieg er auf den Berg.
Er setzte sich
und seine Jünger traten zu ihm.
Und er öffnete seinen Mund,
er lehrte sie und sprach:
Selig, die arm sind vor Gott;
denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden;
denn sie werden getröstet werden.
Selig die Sanftmütigen;
denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit;
denn sie werden gesättigt werden.
Selig die Barmherzigen;
denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die rein sind im Herzen;
denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften;
denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.
Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen;
denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt
und alles Böse über euch redet um meinetwillen.
Freut euch und jubelt:
Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Seligpreisungen sind gewiss ein Herzstück der Botschaft Jesu, und sie gehören zu den berühmtesten Abschnitten der Evangelien. Im Matthäusevangelium stehen sie am Beginn der Bergpredigt (Mt 5-7), welche Jesus als den neuen Mose stilisiert. Allerdings: Mose ist auf den Berg gestiegen, um stellvertretend für das Volk die Weisungen Gottes zu empfangen, wohingegen Jesus selber diese Weisungen gibt. Und: Es handelt sich nicht in erster Linie um eine Aufzählung von Pflichten oder gar Verboten, sondern um Verheißungen und Ermutigungen.
Die vielen Menschen, die sich um Jesus scharen und zu denen er spricht, repräsentieren das ganze Volk Israel, an welches er die Botschaft vom Gottesreich zuerst und vor allem richtet. Die Jünger, die näher hinzutreten, stehen für all jene, die tatsächlich für sein Wort und seine Stimme empfänglich sind. Ihnen soll sich das ganze Volk anschließen bzw. umgekehrt: Sie sollen das Volk zur Teilhabe an der Reich-Gottes-Bewegung anstiften. Nach der Auferstehung wird sich der Bestimmungskreis der Botschaft Jesu entschieden ausweiten: Die Jünger werden den Auftrag erhalten, alle Völker mit seiner Lehre bekannt zu machen, alle Menschen dafür zu gewinnen. Nicht zufällig ergeht dieser Auftrag erneut auf einem Berg (Mt 28:16-20).
Wie lassen sich die Seligpreisungen grundsätzlich deuten? Es handelt sich um Verheißungen und Ermutigungen für die Jünger Jesu auf ihrem Weg der Nachfolge. Sie beschreiben gewissermaßen den Wertmaßstab der Teilhabe am Reich Gottes, welches Jesus verkündet hat und das mit ihm angebrochen ist. Es geht um die innersten Haltungen des Herzen, die notwendig sind, um der von Jesus eröffneten Gemeinschaft mit Gott teilhaftig zu werden. Der Blick wird dabei zweifellos nicht bloß in die Zukunft gewendet. Besonders in der allerletzten Seligpreisung kommt zum Ausdruck, dass man, die Vollendung vor Augen, schon jetzt sich freuen und jubeln kann. Aber angesichts der starken Betonung des Endgerichts im Matthäusevangelium gilt wohl dennoch, dass die endgültige Einlösung der Verheißungen erst nach dem letzten Gericht zu erwarten ist.
Im Aufbau lassen die Seligpreisungen eine kunstvolle und gezielte Anlage erkennen. Abgesehen von der Seligpreisung zum Schluss, in der Jesus über die Verfolgung um seinetwillen spricht und sich damit direkt an die zur Nachfolge bereiten Jünger wendet, handelt es sich um acht empfindsam und prägnant formulierte Verse. In den ersten vier geht es dabei mehr um eine geistig-menschlich-gesellschaftliche Mangelsituation, in der zweiten Viererreihe wird stärker auf das sittliche Bemühen abgehoben. Mit der ersten Seligpreisung wird zudem eine grundsätzliche Haltung angesprochen, die in allem wichtig und notwendig ist: das Armsein vor Gott, welches animiert, sein ganzes Vertrauen in Gott zu setzen und sich zutiefst seinem Erbarmen auszuliefern.
Die erste und die achte Seligpreisung haben im übrigen dieselbe Verheißung, sie formulieren gewissermaßen die Grundvision: „denn ihnen gehört das Himmelreich“. Demgegenüber beinhalten die dazwischen liegenden Verse Verdeutlichungen bzw. Veranschaulichungen. „Das Land erben“ spielt etwa auf Ps 37 an: „Die Armen werden das Land bekommen, und sie werden Glück in Fülle genießen.“ Die Gottesschau und die Sohn-(Kind-)schaft Gottes bilden zweifellos den Höhepunkt der Verdeutlichung, was Himmelreich bzw. Gottesreich heißt. Dass wir Gott schauen und in allem Kinder Gottes sind, darum sollen wir uns strebend bemühen, aber mehr noch dürfen wir uns hoffend darauf freuen!
Die Evangelienstellle des Allerheiligentages wird auch als die Charta des Himmelreiches bezeichnet. In einer programmatischen Rede legt Jesus den Geist des Reiches Gottes dar. Im Matthäusevangelium ist in dieser grundlegenden Rede Jesu verschiedenster Überlieferungsstoff zusammengestellt. Es geht um eine tatbereite Entschiedenheit, die die Kinder Gottes auszeichnen soll. (Die sittliche Haltung des Menschen wird bei Mt mehr als bei Lk betont). Die Armen und Demütigen, die, die den Geist gläubiger "Kindlichkeit" haben, haben Anteil an den Segnungen Gottes. Für sie gelten die schon im Alten Testament geltenden Glückwunschformeln, in denen Weisheit, Wohlergehen und Frömmigkeit gepriesen werden.
Die ersten 7 Seligpreisungen sind in sehr ähnlicher Form gestaltet, hingegen hebt sich die letzte formal deutlich ab. Im Mt 5:11 tritt Jesus selbst an die Stelle der in 5:10 erwähnten "Gerechtigkeit". Mit ihm kam die vollkommene Gerechtigkeit in die Welt (5:17). Durch ihn erhält das Gesetz seine Erfüllung und Vollendung. Die früheren Vorschriften sollen nun ins Innerste des Menschen vordringen und dort in Liebe erfüllt werden.
Zum Fest Allerheiligen richten wir unseren Blick auf große Zahl jener Menschen, die ihr Leben bereits vollendet haben. Die biblischen Lesungen des Festes zeigen uns den Weg, wie auch wir selig werden können.
Die erste Lesung aus dem Buch der Offenbarung des Johannes ist eine Ermutigung. Das Böse, das Bestialische in dieser Welt wird niemals den Sieg davontragen. Die Heiligen sind schon zum Heil gelangt, weil sie all das hinter sich gebracht haben, was für uns an Schwierigkeiten und Herausforderungen noch nicht zu Ende ist.
Der Beginn dieser Lesung löst Staunen aus, bringt Hoffnung: „Ich sah vom Aufgang der Sonne her einen anderen Engel emporsteigen: er hatte das Siegel des lebendigen Gottes.“ (Off 7,2). Das Siegel ist ein Zeichen für Macht, für Rechtssicherheit und unumstößliche Autorität. Mit ihm wurden Urkunden beglaubigt. Die große Zahl von Nationen, Stämmen, Völkern und Sprachen ist ein Bild für das endgültige Reich Gottes, das Rettung bringt. Die Menschen in weißen Gewändern haben alle Bedrängnisse dieser Welt wie Krankheit, Leid, Kriege… überwunden. Das sind die Heiligen, die ganz in der Nähe bei Gott sind. Sie können schon sagen: „Es ist vollbracht, es ist herrlich, es ist wunderschön.“
Diese Bilder richten uns auf, wenn wir selber in ausweglosen, vielleicht sogar brandgefährlichen Situationen stecken.
Die zweite Lesung bestätigt, dass wir „Kinder Gottes“ sind. (1 Joh 3,1). Das ist das erste Identitätsmerkmal, das wir in der Taufe erhalten, dazu kommt dann der ganz persönlicher Name: Franz, Judith, Gudrun, Peter usw. als weitere Identitätsangabe. Wenn wir jemand mit dem persönlichen Namen ansprechen, bzw. angesprochen werden, ist das Ausdruck des Vertrauens, eine vertrauensbildende Maßnahme. „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen…“ (Jes 45,4). Gott definiert uns nicht über eine Sozialversicherungsnummer oder über das Autokennzeichen.
In der Bergpredigt bekommen wir eine Anleitung zum Glücklichsein, damit unser Lebensweg gelingt. Der Philosoph Immanuel Kant (1724-1804) spricht verkürzt gesagt von einer Verpflichtung zum Glücklichsein. Ihm geht es um tugendhaftes Handeln. „Seine eigene Glückseligkeit ist Pflicht; wenigstens indirekt.“ Das Streben nach Glück ist für ihn keine direkte (moralische) Pflicht, weil ohnehin jeder Mensch von Natur aus einen tiefen Wunsch nach Glücklichsein in sich trägt. Zur indirekten Pflicht wird es dann, wenn es um den Erhalt der eigenen Tugendfähigkeit geht. Glück als Ordnung in der Seele schon in diesem Leben. Glück als Gipfelerlebnis, das weite Strecken des Lebens lichtvoll überstrahlt.
Die Heiligen haben das schon in ihrem Leben mit Höhen und Tiefpunkten erlebt. „Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,14). Diesen Heiligen leuchtet etwas ein, sie sind zu Erkenntnissen und Einsichten gekommen. Diese Orientierungshilfen werden uns in der Bergpredigt nahegebracht. Auf diese Weise sollen wir Licht sein in den Dunkelheiten der Welt, auch in der Dunkelheit unserer kleinen Lebensumgebung. Wo es Krieg, Konflikte in unseren verschiedenen Gemeinschaften gibt, sollen Friedenstifter*innen sein. „Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens“… Nicht sollen wir zu einem Provokateur oder Zündler für weitere Auseinandersetzungen werden. Wir sollen uns um Gerechtigkeit bemühen, besonders was Verteilungs- und personale Gerechtigkeit betrifft. Dazu kommt auch Barmherzigkeit.
Am Ende steht ein schwer verständlicher Satz: „Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet! Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.“ (Mt 5,11-12). Das ist ein Wort, das unter Umständen für Missverständnisse sorgt. Es geht nicht um Leidensverliebtheit, es ist aber damit zu rechnen, dass alles Bemühen unbedankt bleibt oder gar lächerlich gemacht wird. Das auszuhalten erfordert ein gutes Nervengerüst, viel Gottvertrauen.
Es gibt eine Unzahl von namenlosen Heiligen, die das alles ertragen haben. Vielleicht sitzen einige sogar unter uns. Zusammengefasst werden sie im Namen Allerheiligen.
Versuchen auch wir, Licht in die oft dunkle Welt zu bringen, "Lichtgestalten" zu werden, so wie wir es in der Osternacht feiern, wenn wir mit dem Ruf "Christus, das Licht" in die Kirche einziehen. Das braucht Umkehr und Veränderung. „Leben heißt sich verändern, vollkommen sein heißt, sich oft verändert zu haben“, sagte Kardinal John Henry Newman (1801-1890).
Das Doppelfest Allerheiligen/Allerseelen lenkt unseren Blick bei aller Sorge um die gegenwärtigen Entwicklungen in der Kirche auf die viel größere Kirche, die in der Vergangenheit als triumphierende, leidende und streitende Kirche beschrieben wurde. Die Seligpreisungen beschreiben den Geist, der diese Kirche bewegt und sie immer wieder lebendig macht.
Vor wenigen Tagen hat das vatikanische "Dikasterium für die Glaubenslehre" ein Dokument mit dem Titel "Venite ad me" veröffentlich, in dem es sich mit der derzeitigen Krise der Weitergabe des Glaubens beschäftigt. Bereits das Apostolische Schreiben "Evangelii Gaudium" des Papstes Franziskus hat drauf hingewiesen: „Wir dürfen auch nicht übersehen, dass in den letzten Jahrzehnten ein Bruch in der generationenlangen Weitergabe des christlichen Glaubens im katholischen Volk stattgefunden hat. Es ist unbestreitbar, dass viele sich enttäuscht fühlen und aufhören, sich mit der katholischen Tradition zu identifizieren; dass die Zahl der Eltern steigt, die ihre Kinder nicht taufen lassen und sie nicht beten lehren und dass eine gewisse Auswanderung in andere Glaubensgemeinschaften zu verzeichnen ist.“
Dabei fehlte es in den letzten Jahrzehnten keineswegs an mannigfachen Initiativen, die christliche Lehre und die Frohe Botschaft den Menschen unserer gegenwärtigen Epoche nahezubringen. Zweifellos befindet sich derzeit die Kirche in einem epochalen Umbruch. Die zahlenmäßigen Entwicklungen bereiten allen, denen die Kirche am Herzen liegt, ernsthafte Sorgen. Was können wir ihnen entgegensetzen?
Das Fest Allerheiligen und der Gedenktag Allerseelen lenken unseren Blick auf die viel größere Kirche, als wir in unseren Diskussionen vor Augen haben. In den Liturgiefeiern des Kirchenjahres erinnern wir uns die biblischen Texte immer neu an das Auf und Ab des Gottesvolkes. An den Werktagen richten wir darüber hinaus unseren Blick auf die Heiligen und Seligen und darauf, wie sie in ihrer Zeit auf die jeweiligen Herausforderungen mit ihrem Leben und Engagement geantwortet haben.
Heilige und Selige zu ehren und darauf zu schauen, wie sie Christsein gelebt haben, ist jedoch nur ein Aspekt der Heiligenkultes. Heilige erinnern uns daran, dass Kirche viel größer und weiter ist, als wir sie in der gegenwärtigen Welt erleben und statistisch erfassen können.
Kirche ist die Gemeinschaft aller Heilgen und aller zur Heiligkeit Berufenen. Zu ihr gehört auch die ungezählte und statistisch nicht erfassbare Schar derer, die ihr Leben aus dem Geist Jesu Christi gelebt haben und gegenwärtig leben. Und dafür braucht es keine Heiligsprechungsverfahren.
Wie ein solch es Leben aus dem Geist Jesu aussieht, wird in den Seligpreisungen beschrieben:
Heute feiern wir alle, die ihr Leben unter den Geist Gottes gestellt haben und sich bemühen, dass für sie die Vater-unser-Bitten "dein Name werde geheiligt", "dein Reich komme" und "dein Wille geschehe" nicht leere Gebetsformeln bleiben.
Sie ermutigen uns, dass auch wir trotz aller Krisen und Umbrüche, die uns Sorgen bereiten, auf dem Weg bleiben, der im Laufe der Geschichte des Volkes Gottes neues Leben hat aufblühen lassen.
Heilige sind keine perfekten Menschen, sondern solche, in denen Gottes Licht aufleuchtet – manchmal nur für einen Moment. Allerheiligen erinnert: Jeder kann heilig sein, wenn er Gottes Liebe Raum gibt – heute, hier, im ganz normalen Leben.
Das sagen viele, wenn sie das Wort hören. Heilig, das klingt nach etwas Unerreichbarem, nach Menschen mit Heiligenschein, die niemals zweifeln, nie schlechte Laune haben und schon gar nicht Fehler machen.
Heilig, das sind die anderen – irgendwelche großen Gestalten auf Kirchenfenstern oder in alten Legenden. Aber ich? – Ich bin doch ganz normal.
Und genau da liegt der Punkt. Denn Allerheiligen ist kein Fest der Unnahbaren, sondern ein Fest der ganz normalen Leute, die ihr Herz offenhalten für Gott. Menschen, die vielleicht nie ein Wunder gewirkt haben, aber andere zum Staunen gebracht haben durch ihr Mitgefühl, ihre Geduld, ihre Liebe.
Er sagt nicht: „Selig sind die Perfekten“ oder: „Selig sind die, die nie Fehler machen.“ Nein: selig sind die, die barmherzig sind, die Frieden stiften, die hungern nach Gerechtigkeit, die trauern und trotzdem hoffen. Selig sind die, die mitten im Chaos der Welt nicht vergessen, dass Liebe stärker ist als Angst. Das sind die wahren Heiligen. Und sie leben – auch heute! Vielleicht im Haus nebenan, im Pflegeheim, in der Schule, im Flüchtlingslager, in einem Krankenhaus oder einfach am Küchentisch. Menschen, die ihr Herz weit machen für andere und für Gott.
Heiligkeit passiert nicht im Ausnahmezustand sondern im Alltag. Da, wo jemand nach einem Streit den ersten Schritt zur Versöhnung wagt. Da, wo jemand anpackt, obwohl niemand hinschaut. Da, wo einer sagt: „Ich hab keine perfekte Antwort, aber ich bleibe da.“
Heiligkeit heißt nicht, keine Angst zu haben, sondern trotzdem zu handeln. Heiligkeit heißt, das Gute zu tun, auch wenn es unbequem ist. Heiligkeit heißt, sich berühren zu lassen vom Leid anderer und nicht einfach weiterscrollen.
Heiligkeit ist Gottes Gegenwart in menschlicher Gestalt. Sie zeigt sich in Gesichtern, nicht in Statuen; in Händen, die helfen; in Worten, die aufrichten; in Augen, die sehen, was andere übersehen.
Und manchmal zeigt sie sich auch in dir: wenn du tröstest, wenn du verzeihst, wenn du trotz allem glaubst. Dann leuchtet etwas von Gottes Licht auf. Vielleicht nur für einen Moment. Aber dieser Moment kann die Welt verändern.
Allerheiligen erinnert uns daran: Wir sind alle eingeladen, Teil dieser großen Gemeinschaft der Heiligen zu sein. Nicht erst im Himmel, jetzt schon. Jeder von uns ist berufen, ein Stück Himmel in diese Welt zu tragen. Nicht perfekt, aber echt. Heiligkeit ist keine Leistung, sondern ein Lebensstil. Sie wächst, wo Liebe den Alltag prägt. Und sie beginnt dort, wo ein Mensch sagt: „Ich will etwas Gutes hinterlassen – weil Gott mir Gutes getan hat.“ Darum lautet die Frage an diesem Festtag nicht: „Bin ich heilig genug?“ sondern: „Wofür will ich Licht sein?“ Denn Gott braucht keine Superhelden, sondern Menschen, die einfach lieben können. Und vielleicht sagt er dann auch zu dir, leise und lächelnd: Selig bist du. Jetzt. Heute. Hier.
Zu Allerheiligen blicken wir nicht nur auf die immer größer werdende Schar von Menschen, die von der Kirche offiziell ins Verzeichnis der Heiligen aufgenommen werden. Wir werden uns bewusst, dass wir Kinder Gottes und von Gott geheiligt sind. In diesem Wissen schauen wir auf zur unüberschaubaren Schar der von Gott Geheiligten.
Vor wenigen Tagen hat Papst Franziskus in Rom 14 Personen feierlich ins Verzeichnis der Heiligen aufgenommen, darunter auch den Tiroler Franziskanerpater Engelbert Kolland. Er hat mit 10 weiteren Opfern 1926 in Damaskus in der Christenverfolgung durch Drusen und Osmanen den Märtyrertod erlitten. Unter den neuen Heiligen sind neben den Märtyrern von Damaskus auch drei Ordensgründer.
Die Personen, die vom Papst zu Heiligen erklärt werden, zeichnet jeweils eine besondere Lebensgeschichte aus. Oft sind es Glaubenszeugen, die in Verfolgungen zu Tode gebracht worden sind und vom Volk als Märtyrer verehrt werden. Andere haben durch ihr vorbildliches Wirken als Missionare des Glaubens und der Nächstenliebe Großartiges geleistet. Nicht selten haben sie auch neue Orden oder geistliche Gemeinschaften gegründet.
Diese Jahrhunderte alte Praxis der Kirche prägte das landläufige Verständnis von Heiligkeit. Zweifellos sind diese Frauen und Männer bewunderns- und verehrenswert. Der Blick auf sie verstellt aber häufig jenen Aspekt von Heiligkeit, den wir mit dem Fest Allerheiligen in den Vorbergrund stellen.
In der Lesung aus dem ersten Johannesbrief haben wir gehört: "Wir heißen Kinder Gottes und sind es." Und: "noch ist nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird." In der feierlichen Einleitung des Briefes an die Christen in Rom wendet sich der Apostel Paulus "an alle in Rom, die von Gott geliebt sind, die berufenen Heiligen." Alle, die zum Christsein berufen sind, haben Anteil an der Heiligkeit Gottes und seines Sohnes Jesus Christus. "Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; Erben Gottes und Miterben Christi" (Röm 8,17). Wir gehören gleichsam zur Familie Gottes. Im Gloria der hl. Messe rühmen wir Christus als den allein Heiligen und im Hochgebet preist der Priester Gott als den Heiligen, von dem alle Heiligung ausgeht: "Ja, du bist heilig, du bist die Quelle aller Heiligkeit."
Diese Texte zeigen uns, was Heiligkeit ist. Die Praxis der Heiligsprechungen und der Heiligenverehrung erweckt unter Umständen den Eindruck, dass man sich Heiligkeit durch besondere Verdienste erwerben könne. Sie verführt manche Menschen zu Scheinheiligkeit, sie bemühen sich durch ein frommes Gehabe aus der Schar der übrigen Christen hervorzustechen. Die Echtheit solcher Heiligkeit wird dann von Menschen, die genauer hinschauen, angezweifelt.
Heiligkeit ist kein Verdienst, Heiligkeit ist Gnade, Heiligkeit ist ein Geschenk Gottes. Im Evangelium preist Jesus die vielen scheinbar unbedeutenden Menschen selig und spricht ihnen das Himmelreich zu; allen, die arm sind im Geiste Gottes, die Friedfertigen, die Verfolgten, alle, die jetzt nichts zu lachen haben.
Ähnliches gilt auch für die große Schar von Menschen, die in weißen Gewändern – wir könnten sagen "mit weißer Weste" - vor Gott hintreten. Sie haben ihre Kleider im Blut des Lammes weißgewaschen - ein paradoxes Bild für das Geschenkhafte, Gnadenhafte ihrer Gottesbeziehung.
Zu Allerheiligen gedenken wir der vielen Menschen, zu denen wir mit Respekt aufschauen, auch wenn sie nicht heiliggesprochen worden sind; weder vom Papst noch von Trauerrednern. Wir vertrauen sie der Gnadenzusage Gottes an.
An diesem Festtag machen wir uns aber auch unsere Berufung und Erwählung zur Heiligkeit bewusst, dass wir Kinder Gottes heißen und sind. Im Zweiten Hochgebet danken wir Gott dafür, "dass er uns berufen hat, vor ihm zu stehen und ihm zu dienen".
Diese Berufung fordert uns täglich heraus, unser Leben nach dem Geist des Himmelreiches, wie er in den Seligpreisungen und vielen anderen biblischen Texten beschrieben wird, zu leben. An unserem Leben sollten die Menschen erkennen, dass wir nicht nur Kinder Gottes heißen, sondern dass wir uns auch als Kinder Gottes benehmen.
Heilige sind Menschen wie du und ich. Heilige gibt es auch unter den jetzt Lebenden. Die Seligpreisungen geben uns Hinweise, wie wir unser Leben gestalten sollen, um das Heil zu erlangen und zu Vollkommenheit zu gelangen.
Die Lesung aus der Offenbarung des Johannes will vor allem ein Trostbuch sein. Die Aufmunterung besteht darin, dass Gott das Böse besiegt, sei es noch so schlimm, es wird alles ein gutes Ende finden.
Wer war Johannes, der Verfasser der Offenbarung? Er nennt sich Seher, Prophet, Knecht, Bruder und zählt nicht zu den Aposteln. (Die meisten Bibelwissenschaftler nehmen an, dass er nicht mit dem Apostel Johannes identisch ist.)
Trostworte haben auch wir heute notwendig. Sie sehen ja selber, was heute alles schiefläuft und sich an Brutalität und Gewalt abspielt, wir erleben apokalyptische Zeiten. Die Apokalypse enthüllt, deckt auf. Es wird enthüllt, was durch Gewalt, Grausamkeit immer wieder zugedeckt wird, fast hoffnungslos erscheint. Die Grausamkeiten verhüllen, (= griech: kalyptein) was gut ist. Auch von einem Siegel ist die Rede, einem Zeichen für etwas Feststehendes, einer Beglaubigung mit Rechtskraft. Das Öffnen der Siegel markiert die Wiederkunft Christi. Auf diese Weise werden alle Widerwärtigkeiten, Intrigen, Gewalt und Gemeinheiten besiegt.
Die Zahl 144 000 leitet sich von der Grundzahl 12 mal 12 mal 1 000 her und bedeutet so eine gewaltige Menge. Gott handelt wie ein Hirte, von allen Seiten sammelt er die Menschen ein. Es geht um Menschen, die ihr Dasein, ihr Leben schon vollendet haben. Das Volk der Erlösten meint alle Menschen, alle Generationen.
In Vers 13 wird von „weißen Gewändern“ gesprochen. Sie deuten auf Vollendung, Sieg, Würde, Ansehen hin. Die Menschen tragen Palmen in ihren Händen als Zeichen des Sieges, des Triumphes, die Palmzweige als Ausdruck festlicher Freude.
Zusammenfassend gesagt: Das Gute, Freudige, symbolisch dargestellt, tritt immer mehr in Erscheinung gegenüber allem Dunklen, Gefährlichen. Ja sogar der Tod wird besiegt - schon ein kleiner Hinweis auf den morgigen Gedenktag Allerseelen. Diese beiden Tage gehören untrennbar zusammen.
Der entscheidenden Satz der zweiten Lesung ist: „Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es.“ Es fehlt aber in dieser Welt die Erkenntnis Gottes, „weil noch nicht offenbar geworden ist, was wir sein werden, wenn er offenbar wird.“ (1 Joh 3,2). Gott eröffnet sich in kleinen Schritten, einerseits im großen Weltgeschehen, in den Religionen, aber auch im ganz persönlichen Leben durch persönliche Erfahrungen, durch Hinweise, die anderen nicht unbedingt zugänglich sind, aber persönlich zu einer inneren Gewissheit führen.
Damit kommen wir zum Evangelium. Heilige sind Menschen wie du und ich mit Begabungen, Talenten, guten und schlechten Eigenschaften, oft auffällig in ihrer Gestalt und in ihrem Charakter: groß / klein; schrecklich / gütig; Karl der Große, Leopold der Heilige, Iwan der Schreckliche…
Der Name ist überdies ein wichtiges Identitätsmerkmal eines Menschen, etwas ganz Persönliches. „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir“ (Jes 43,1). Das ist wichtig für uns Lebende, aber auch für die Verstorbenen. Wir sind auf dem Weg zum Heil.
Heilige gibt es auch unter den jetzt Lebenden. Oft erkennen wir sie gar nicht oder erst im Nachhinein, wenn sie gestorben sind. Wir bekommen deswegen Hinweise, wie wir unser Leben gestalten sollen, um das Heil zu erlangen, wie wir zur Vollkommenheit kommen können.
Aktuell für heute: Selig, die keine Gewalt anwenden; selig die Frieden stiften; selig, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit. Es gibt einen inneren und äußeren Frieden. Der innere Friede („nicht wie die Welt ihn gibt“, Joh 14,27) führt zum Glück; man könnte sagen zum „Leben in Fülle“ (Joh 10,10). Beide stehen in Zusammenhang. Der innere Friede ist als ganzheitliches Wohlergehen auf Erden zu verstehen, leiblich/körperlich und geistig/seelisch.
Friede heißt gewaltlos sein. Zu wenig ist, nicht Krieg zu führen, Harmonie vorzutäuschen, wo diese nicht besteht, sondern der Zorn weiterköchelt. Friede ist auch nicht Gleichgewicht des Schreckens, etwa mit Atombomben herumzufuchteln, nach dem Motto: wer wird früher zuschlagen…
Es geht um den Frieden mit sich selbst, der sich dann auch positiv auf andere auswirkt. Wesentliche Voraussetzungen für den Frieden sind Wahrheit und Gerechtigkeit. In unserer Wohlstandsgesellschaft gerät vor allem die Verteilungsgerechtigkeit in Schieflage. Wenn wir nur das persönliche Profitdenken in den Vordergrund stellen, ist es auch um die Wahrheit schlecht bestellt.
Heilige haben sich trotz vieler Mängel bemüht, in der Spur Jesu zu bleiben. Die Seligpreisungen fassen die Haltungen und Einstellungen zusammen, die uns auf der Spur Jesu halten.
Allerheiligen konfrontiert uns mit Fragen, die den meisten Menschen tief unter die Haut geht: Was bleibt von unserem Leben? Was wird aus unserem Leben? Was werden wir einmal sein? – Die Offenbarung des Johannes, des Sehers von Patmos präsentiert uns dazu eine Vision, die uns über alle existentielle Not hinausweist. Das Matthäusevangelium baut mit seiner Version der Seligpreisungen eine Brücke zwischen dem Hier und Jetzt und dem Himmelreich.
Heute sind viele Menschen, auch in unserer Mitte, traurig. Sie haben einen lieben Menschen verloren. So manche Geschichte wird wieder lebendig. Von schwerer Krankheit, einem Unfall, von Einsamkeit und Alter. Aber auch von ausgelöschter Jugend. Viele Geschichten sind bitter, viele aber auch tröstlich. „Sie hat es hinter sich gebracht“, sagen Menschen. „Er hat den Berg erklommen.“ „Wer weiß, wofür es gut war.“ Es ist gar nicht so einfach, die passenden Worte zu finden. Wenn man sie nicht findet, dann tut auch Schweigen gut. Wir hängen unseren Gedanken nach, tauchen in Erinnerungen ein. Dann könnte sogar ein Lächeln aufleuchten. Unbemerkt. Einfach so.
Ich denke jetzt an unsere erste Lesung. Johannes, der Seher, ist auf der Gefangeneninsel Patmos deportiert – kalt gestellt. Die Situation ist unübersichtlich, aber lebensgefährlich. Es geht auch nicht nur um Johannes: Die christliche Hoffnung soll gebrochen werden – und der Machtanspruch Gottes. Johannes hat doch tatsächlich gewagt, dem römischen Kaiser zu widersprechen.
Die große Vision wird Johannes am ersten Tag der Woche, an einem Sonntag, dem Tag der Auferstehung Jesu von den Toten zuteil. Kapitel für Kapitel wird erzählt - und gerühmt -, wie sich Gott auf die Seite der Menschen stellt und es mit dem Tod und seinen vielen Gestalten aufnimmt.
Aus dem Himmel hören wir jetzt laute Stimmen. Nicht zu überhören.
"Es soll den Mächtigen in den Ohren gellen:
Die Rettung kommt von unserem Gott,
der auf dem Thron sitzt,
und von dem Lamm." - Von Jesus.
Wir sehen Engel rings um den Thron Gottes. Sie singen:
"Amen, Lob und Herrlichkeit,
Weisheit und Dank,
Ehre und Macht und Stärke
unserem Gott in alle Ewigkeit. Amen."
Und dann schauen wir diese kleine Szene voller Anmut und Schönheit:
"Da nahm einer der Ältesten das Wort
und sagte zu mir:
Wer sind diese,
die weiße Gewänder tragen,
und woher sind sie gekommen?
Ich erwiderte ihm:
Mein Herr, du weißt das.
Und er sagte zu mir:
Dies sind jene,
die aus der großen Bedrängnis kommen;
sie haben ihre Gewänder gewaschen
und im Blut des Lammes weiß gemacht."
Das Letztere ist ein Bild, ein schönes Bild. Weiß ist die Unschuld, weiß ist der neue Anfang, weiß ich die Farbe Christi. Die große Bedrängnis und Angst sehen wir im Hintergrund. Nein, es verschwindet nichts, was Menschen klein macht, gefangen nimmt oder die Hoffnung raubt. Nach vorne aber kommt, leuchtend, eine Schar Menschen, die an Gottes Zukunft teilhaben. Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen?
Wir gehen über den Friedhof. Zu Allerheiligen werden viele Gräber liebevoll neu bepflanzt. Kinder sagen: Für Oma. Für Opa. Wir lesen die Namen, die Geburts-, die Sterbedaten. Was sich hinter Zahlen verbirgt, liegt in Gottes Hand. Aufgehoben und verwandelt. Auch die Geschichten, die wir nicht kennen, die wir nicht mehr kennen wollen, die uns über den Kopf wachsen – sie werden von ihm in die Hand genommen.
An Allerheiligen werden Gräber gesegnet. Wir beten für die Verstorbenen. Wir nennen ihre Namen. In manchen Gemeinden ist es Brauch, für jeden eine Kerze am Altar anzuzünden. Sie sind in Gottes Nähe! Im Hochgebet, wenn wir Eucharistie feiern, wissen wir sie mit uns vereint.
Ich denke jetzt an unsere zweite Lesung. Sie ist aus dem Brief, den Johannes an die Gemeinden in Kleinasien geschrieben hat. Übrigens: Auch die Offenbarung, die uns einen Blick in den Himmel schenkt, denkt zuerst an Menschen, die in Kleinasien angefangen haben, Christen zu sein und Gemeinden zu gründen.
Johannes schreibt:
"Es ist noch nicht offenbar geworden,
was wir sein werden.
Wir wissen (aber),
dass wir ihm ähnlich sein werden,
wenn er offenbar wird;
denn wir werden ihn sehen,
wie er ist."
Was werden wir sein? Christus ähnlich! Christus ähnlich werden wir. Heute schon in unserem Vertrauen, nach dem Tod in seiner Liebe. Die Liebe ist es, die uns über die Grenze des Todes trägt. Johannes formuliert das so eingängig und zärtlich wie nur möglich: ER, Christus, wird uns offenbar, sichtbar, nah. Dann werden wir auch für die vielen Fragen, die uns umtreiben, seine Antwort sehen.
Überhaupt liegt in diesem Wort „offenbar werden“ der Weg Jesu beschlossen: Unser Wissen ist Stückwerk, sagt Paulus. Alles, was wir machen, ist Stückwerk. Aber in seiner Liebe fügt Gott die vielen Stückwerke zusammen. Wir werden „ganz“ – geliebt. Selbst unsere Schatten fangen zu leuchten an. In seinem Licht.
Die Friedhofskulturen haben sich verändert. Es gibt nicht nur Friedhöfe. Es gibt Kolumbarien und Friedwälder. Wir müssen uns – eigentlich - Gedanken darüber machen, wie wir einmal bestattet werden möchten. Mitten im Leben – ein Gedanke, der manchmal in der Nacht hochkommt. Was wird aus all dem werden, was wir uns angeschafft haben? Was wir geleistet haben? Was wir versäumten?
Ich denke jetzt an das Evangelium. Höhepunkt und Glanzlicht in einem Gottesdienst.
Glücklich sind die Menschen, sagt Jesus, die in ihrer Armut zu Gott kommen – und das Himmelreich empfangen.
Glücklich sind die Menschen, die in ihrer Trauer zu Gott gehen – und getröstet werden.
Glücklich sind die Menschen, die ihre harten Seiten bei Gott ablegen – und Lichter werden in der Welt.
Glücklich sind die Menschen, die…
Es ist wie eine Kaskade, ein Wasserfall, glitzernd in der Sonne: Glücklich ist, glücklich wird…
Dann sehen wir die Gerechtigkeit, die Barmherzigkeit und den Frieden.
Dann sehen wir reine Herzen.
Dann sehen wir Gottes Liebe.
Wir werden Gottes Kinder genannt! In der Bergpredigt Jesu.
Heute, am Tag Allerheiligen, danken wir für die Menschen, die uns ihre Hoffnungen vererbt haben.
So mancher Mensch konnte nicht so leben wie er wollte.
So mancher Mensch musste sich Zeit seines Lebens zurücknehmen.
So mancher Mensch hat den Glauben in seinem Leben verloren.
So mancher Mensch ist an seiner Liebe zerbrochen.
Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen?
Noch einmal Johannes. Er darf heute das letzte Wort haben:
„Seht, welche Liebe uns der Vater geschenkt hat:
Wir heißen Kinder Gottes
und wir sind es.“
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Heilige sind Menschen; verwundet, wie auch auch wir verwundet und heilsbedürftig sind. Jedoch auch wir gehören nach biblischer Sprechweise zur Gemeinschaft der Heiligen.
Wer oder was ist eine Heilige oder ein Heiliger? Jede:r hat darauf seine Antwort. Vielleicht haben Sie auf diese Frage auch keine Antwort. Lange waren Heilige ferne Gestalten, die mit dem heutigen Alltag wenig zu tun haben. Dank des Heiligen Papstes Johannes Paul II. wurden die Heiligen wieder in unsere Zeit gerückt.
So sei nochmals gefragt, was sind Heilige? Eine Antwort könnte lauten, Heilige sind Freunde und Freundinnen Gottes, Heilige haben etwas Besonderes geleistet (Kranke gepflegt, Wunder vollbracht, einen Orden gegründet…). Heilige waren große Beter, manche sahen in einer Erscheinung Christus oder trugen die Wundmale Jesu an ihrem Leib. Die Auflistung ließe sich beliebig fortsetzen.
Alles Gesagte berührt das Geheimnis der Heiligen. Dennoch ist der Kern eines jeden Heiligen ein anderer. Heilige sind zuerst und zunächst Verwundete, Heilsbedürftige. Das mag auf den ersten Blick verwundern. Wenn wir auf die ersten Weggefährtinnen und Weggefährten blicken, die Apostelinnen und Apostel, dann stellen wir fest, dass sie alle Verwundete waren. Petrus und Judas ragen nicht nur in ihrem Scheitern heraus, sondern auch mit ihrer Sehnsucht nach Heil, nach Gott. Maria Magdalena trug sieben Dämonen in sich. Als Suchende wurde sie von Jesus geheilt. Die Mutter Gottes, trug die dunkle Verheißung Simeons in sich, dass ein Schwert ihre Seele durchdringen werde. Auch der erst kürzlich durch die Kirche heiliggesprochener Papst Johannes Paul II. hatte seine tiefe Sehnsucht nach Gott und zugleich die Wunde der eigenen Unzulänglichkeit (z.B. die nicht konsequent moralisch und rechtlich verfolgten Fälle der Missbrauchstäter)...
Klaus Hemmerle sprach einmal von der Menschenwunde in Gott und von der Gotteswunde im Menschen. Der Mensch ist Gottes große Liebe und Leidenschaft. Allerdings entfernt sich der Mensch immer wieder von Gott. Das ist die Menschenwunde in Gott. Der Mensch sehnt sich nach dem vollkommenen Glück und vermag es nicht aus sich heraus zu finden, selbst wenn er sich in Gott geborgen weiß. Das ist die Gotteswunde im Menschen. Gott wendet sich, trotz aller Sünden, nicht ab von uns. Er hält Ausschau nach uns. Er geht uns nach und holt uns je neu aus den tödlichen Verstrickungen heim in das Leben zurück. Schon das Sehnen nach Gott ermöglicht Aufbruch und Umkehr in das Heil. Was die meisten Heiligen vereint, ist die Erkenntnis der Unvollkommenheit und das Gewahrwerden der Heilsbedürftigkeit. Petrus erlebt das Wunder des großen Fischfangs und als der Herr auf ihn zukommt, hüpft er nicht vor Freude in den Himmel, sondern versinkt angesichts seiner Erbärmlichkeit in Grund und Boden. Der Herr beruft ihn gerade deshalb zum Jünger und zu seinem Nachfolger.
Von Petrus können wir den Bogen zum Credo schlagen. Darin bekennen wir:
„Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige katholische Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.“
Wie zur Zeit Jesu, so gilt auch uns der Ruf des Herrn in seine Nachfolge. Wir gehören zur Gemeinschaft der Heiligen, nicht nur die Verstorbenen. Die Verstorbenen können uns Vorbild und Weggeleit sein. Es ist tröstlich zu glauben, dass auch und gerade auch Sünder von Gott geheilt, geheiligt werden. Weshalb sind wir hier und jetzt die Gemeinschaft der Heiligen? Wir sind es nicht, weil wir Großes geleistet oder Wunder vollbracht hätten, sondern wir sind es, weil wir uns voller Sehnsucht um den Heiligen versammeln, damit er uns annehme und hineinnehme in die große Verwandlung, die uns das Heil der Welt schenkt, das Brot des Lebens. Durch diese Kommunion sind und werden wir immer wieder Gemeinschaft der geheilten Heiligen.
Die jüdisch-christliche Überlieferung hat unterschiedliche Zugänge zum Begriff der Heiligkeit entwickelt. Heilige müssen nicht vollkommen sein, sie sind Vorbilder und Suchende auf dem Weg zu Vollkommenheit.
Am heutigen Festtag könnten uns diese Fragen bewegen: Sind Heilige Vorbilder, wenn ja, mit welcher Wirkung auch für uns heute? Was hat Vorbild mit Heiligkeit zu tun?
Vorbilder werden in vielen Fällen sehr positiv dargestellt, obwohl es auch schlechte Vorbilder mit miserabler Vorbildwirkung gibt. Man sagt sogar, dass man aus schlechten Vorbildern einiges lernen kann.
Wir verbinden den Begriff „Vorbild“ meistens mit der Trias, dem Dreiklang, „gut“, „wahr“ und „schön“, abgeleitet aus der griechischen Philosophie und dann übernommen als kulturelles Leitthema für das 18. und 19. Jhdt. Wichtig auch für das Menschenbild dieser Zeit, und auch in manchen Rechtstexten unserer Zeit sind diese drei Begriffe wieder zu finden.
Damit ist auch schon die Verbindung zum Begriff „heilig“ hergestellt. „Heilig“ als das „Wahre“, „Gute“ und „Schöne“. Immer wieder kommt es vor, dass wir beinahe spöttisch mit dem Finger auf Menschen zeigen und fragend, zweifelnd ausdrücken: Das soll ein Heiliger sein? So erging es auch Menschen damals, die wegen ihrer Lebensweise, auch wegen ihrer schlechten Gewohnheiten lächerlich gemacht und verhöhnt wurden.
Was meint der Begriff „heilig“ in biblischer Hinsicht? Darin enthalten ist das Wort „Heil“. Somit geht es um Menschen, die nach dem Heil, nach Glück, nach „Fülle des Lebens“ (Joh.10,10) streben und es auch auf ihre Weise erreichen. Menschen suchen das Heil und versuchen sich in einer Zeit großer Orientierungslosigkeit zu orientieren. Das war damals so, und auch heute suchen Menschen in der Hektik der Zeit Orientierung auf ihrem Lebensweg.
Den Begriff des Heiligen veranschaulichen auch einige Schriftstellen. Im Buch Exodus lesen wir: „Da rief ihm (Mose) vom Berg Sinai der HERR zu: Mir gehört die ganze Erde, ihr aber sollt mir ein Königreich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören.“ (Ex 19,3.5.6). Gott schließt mit dem Volk, mit allen Menschen einen unauflöslichen Bund. Wenn JHWH das tut, dann hilft er auch dazu. Im Neuen Testament spricht Paulus die Getauften als Heilige an (2 Kor 8,4), somit dürfen sich Getaufte auch so angesprochen fühlen und genau so deutlich lesen wir es auch im Epheserbrief: „Ihr seid also nicht mehr Fremde und ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes“ (Eph 2,19). Eine wunderbare Aussage voll Vertrauen und Liebe.
Die Bergpredigt, die Berglehre, mit ihren Seligpreisungen sind eine Verschärfung der zehn Gebote. Eine dieser Seligpreisungen lautet: „Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“ (Mt 5,9). Frieden als ganzheitliches Wohlergehen auf Erden: körperlich, geistig- seelisch. Friede mit sich selbst und mit anderen. Frieden in der Natur und mit der Natur. Friede ist nicht, wie wir das schon erlebt haben und gegenwärtig wieder erleben „Gleichgewicht des Schreckens“ und damit kein Krieg oder vorgetäuschte Höflichkeit, in der die Verlogenheit Triumphe feiert. Friede hat Geschwister wie Freiheit, Gerechtigkeit, Verantwortung, Wahrheit. Psalm 85,11 drückt es so aus: „Es begegnen einander Liebe und Wahrheit, Gerechtigkeit und Friede küssen sich.“
Zum Vorbild eignen sich nicht Besserwisser, Altkluge, Perfektionisten und Moralapostel auch keine Antreiber zu religiösem Hochleistungssport. Wie sieht die Heilige Schrift, die Kirchengeschichte die Heiligen? Sie sind Suchende auf dem Weg zur Vollkommenheit mit allen guten und schlechten Charakterzügen, wie wir alle. Als Suchende orientieren sie sich immer wieder am Wort Gottes und versuchen zu guten Lebensentscheidungen zu kommen.
Ja, Heilige sind zum großen Teil Vorbilder, wie Franz von Assisi, hochaktuell für die heutige Zeit: Friede mit der Natur, Friede mit sich selber, Friede mit anderen Religionen. Franz suchte sogar das Bessere und ließ das Gute, wie einen für ihn damals vorgesehenen Wohlstand, zurück. Das taten auch andere Heilige, je nach Temperament und Begabung. Die Bergpredigt endet bei Mt 7,12 mit der Goldenen Regel, die wir heute in jedem Ethiklehrbuch finden: „Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.“
Ja, Heilige sind uns größtenteils Vorbilder, die Kirche zeigt da viele Möglichkeiten auf, die nicht immer unserem Denken und unseren persönlichen Ansichten entsprechen, glaube aber doch, dass sie im Großen und Ganzen auch nach dieser Regel gelebt haben. Goldene Regel, eine wertvolle Hilfe für unseren Alltag, wenn wir uns öfter an sie erinnern und auch anwenden.
Heilig sein hat in der Alltagssprache oft einen negativen Beigeschmack. Kind Gottes zu sein ist aber eine schöne Aufgabe, die uns täglich herausfordert.
Wer von uns ist schon heilig? Wahrscheinlich behauptet niemand das von sich selbst. Vielleicht ist aber bei der einen oder dem anderen von uns eine heimliche Sehnsucht danach da heilig zu werden. Ist das überheblich oder doch ganz katholisch?
Bei mir daheim wurde über sehr gläubige Menschen gesagt: „Der (oder die) ist so heilig.“ Da wurde gläubig mit heilig gleichgesetzt, doch diese Aussage hatte einen eher negativen Beigeschmack. Heute denke ich, dass gläubig sein eine gute Voraussetzung ist, wenn ich heilig werden will.
Im 1. Johannesbrief werden wir Kinder Gottes genannt. Durch die Taufe sind wir in die Beziehung mit Gott hineingenommen. Der Verfasser des Briefes richtet sich vor allem an Judenchrist:innen, die es schwer hatten, wenn sie sich zu Jesus als dem Retter bekannten. „Jeder und jede, der/die diese Hoffnung auf ihn (Jesus) setzt, heiligt sich, so wie er heilig ist.“ (1 Joh 3,3). Je tiefer und inniger meine Beziehung zu ihm ist, desto ähnlicher werde ich Jesus. In dieser Hoffnung dürfen wir leben und daraus täglich neu die Zuversicht gewinnen, ein geliebtes Kind Gottes, Jesu Schwester oder Bruder zu sein. Christlich zu leben bedeutet aber nicht nur, das zu sein, sondern danach zu leben:
In den Seligpreisungen schenkt Jesus uns eine Orientierungshilfe. Wenn wir den Text durchlesen, kann es sein, dass ein Gefühl von Überforderung aufkommt: Wie soll ich das alles schaffen? Manche der Seligpreisungen erfahren wir im Leben ganz automatisch: jede/r von uns hat schon einmal getrauert und die meisten von uns haben schon einmal jemanden getröstet. Weltweit gibt es Millionen Menschen, die hungern und dürsten nach Brot, Wasser und nach Gerechtigkeit. Durch meinen Lebensstil kann ich dazu beitragen, dass es weniger werden.
Ich lade Sie ein, die Seligpreisungen zuhause einmal in Ruhe zu meditieren und sich aufzuschreiben, welche persönliche Erlebnisse Sie damit verbinden und vielleicht auch zu notieren, wo noch „Luft nach oben“ ist.
Der Weg zur Heiligkeit ist aber kein Wettkampf und soll uns nicht in Stress versetzen. In unserem irdischen Leben werden nur die wenigsten von uns dieses Ziel schon erreichen. Daher ist es gut, wenn es in unserem Leben immer wieder Spuren von Heiligkeit gibt, oder wenn wir aus dem Alltag herausgenommen werden:
wenn wir heilige Orte aufsuchen,
wenn wir uns in die Heilige Schrift vertiefen,
wenn wir Gottes Geist in seiner Schöpfung wahrnehmen,
wenn wir Gottesdienst miteinander feiern.
Wenn dann etwas von der Heiligkeit in unserem Leben aufleuchtet, dürfen wir es dankbar annehmen und uns mit Menschen weltweit verbunden fühlen, die ebenfalls auf diesem Weg zu Heiligkeit sind. Seien wir aufmerksam für all das Gute, Schöne, Heilige, das unser Leben hell macht!
Heilige sind Menschen, die genauso wie du und ich in der Spannung zwischen gut und böse, Liht und Dunkel leben. Heilig sein, heilig werden ist das Streben nach Ganzheit. Mutter Teresa beschreibt das Leben nach den Seligpreisungen als »Trotzdem-Mentalität«
In vielen alten Kirchen leuchten uns mit Gold und schönen bunten Farben Heiligenfiguren entgegen. Von ihrem Anblick sind wir meist überwältigt. Bei genauerem Hinsehen und mehrseitiger Betrachtung merken wir: Innen sind sie hohl, an der Vorderseite kleine, wenig auffällige Löcher, der Sockel ein bisschen ramponiert. »Da ist der Wurm drinnen!« Was so farbenprächtig und kunstvoll erscheint, ist fehlerhaft. Der Wurm hat sich einquartiert. - Heilige mit Wurmbefall!
Das bringt unsere Vorstellung von den Heiligen wohl durcheinander. Außen hui, strahlend prächtig und doch morbid. Wie passt das zusammen?
Wir erwarten doch von den Heiligen ein perfektes Leben, nicht sündhaft, meist in Gebet versunken, schon jetzt dieser Welt entrückt. Vielleicht war oder ist der eine oder andere Mensch wirklich so. Das wird wohl eine ganz große Ausnahme sein. Unsere Erwartungen an Heilige bewegen sich um ihr Wirken als Wunderwuzzis für verlorene Wohnungsschlüssel, Geldbörsen oder andere Gegenstände, manche erhoffen Heilige als Nothelfer in Krankheitsfällen, die sie vielleicht sogar wegzaubern können. Und da soll »der Wurm drinnen sein«?! Nein, denkunmöglich!
Was hier mit der Heiligenstatue gesagt wurde, passt aber auch haarscharf auf weite Teile unserer Gesellschaft, und da sind auch die Heiligen miteinbezogen. Wir sind teilweise eine »Bluffgesellschaft«, weil es oft an Orientierungsmöglichkeiten mangelt. Das ist jetzt in Coronazeiten besonders spürbar. Unsicherheiten, sehr viele kennen sich nicht mehr aus! Wir brauchen »Stars« und Prominenz, die hochstilisiert wird. Das übertragen wir dann auf ein großes Heiligenrepertoire. Das war schon früher so, und ist es bis heute geblieben.
Theresa von Avila (1515 - 1582, spanische Ordensfrau und Kirchenlehrerin), auch heiliggesprochen, holt uns auf den Boden der Realität, wenn sie im „Abendgebet einer Nonne“ feststellt: „Ich möchte kein Heiliger sein, mit ihnen lebt es sich so schwer.“
Was verstehen wir dann unter einem Heiligen bzw. unter dem Begriff »heilig«? Da hilft vielleicht eine sprachliche Überlegung weiter: »heilig« ist »heil werden«; englisch: »holy«, »holydays« sind besonders herausgehobene Tage zu unserem Heil und »Holismus« ist die ganzheitliche Schöpfung. Da gehört auch der Mensch dazu. Diese Ganzheit besteht aus Geist und Materie, aus Licht und Dunkel, aus Gut und Böse. All das trifft auf die gesamte Menschheit zu. So wird auch klar, dass im Menschen, in den Institutionen der Gesellschaft »der Wurm drinnen« ist, Schönheit und Widerwertigkeit zugleich, und dass jeder einzelne von uns lebenslang sich von manchen Würmern befreien muss, etwa dem Wurm der Habgier, dem Wurm der Gleichgültigkeit, dem Wurm der Machtbesoffenheit, der Wurm des Egotrips und und und…
So ist es auch den Heiligen mit ihren guten und verwerflichen Eigenschaften ergangen. All der vielen Frauen und Männer, derer wir heute gedenken, auch der Namenlosen, die Gott bei ihrem Namen ruft – (Jes 45: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir“) - haben sich bemüht, den Weisungen der Bergpredigt zumindest ansatzweise gerecht zu werden. Sie werden glücklich genannt. Das bedeutet: Ordnung im Inneren der Seele und Zufriedenheit und auch Joh.10,10: „Damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“.
Mutter Teresa von Kalkutta (1910- 1997) übersetzt die Bergpredigt in die heutige Zeit:
Die Leute sind unvernünftig, unlogisch und selbstbezogen, liebe sie trotzdem!
Wenn du Gutes tust, werden sie dir egoistische Motive und Hintergrundgedanken vorwerfen, tue trotzdem Gutes!
Wenn du erfolgreich bist, gewinnst du falsche Freunde und echte Feinde, sei trotzdem erfolgreich!
Das Gute, das du tust, wird morgen vergessen sein, tue trotzdem Gutes!
Ehrlichkeit und Offenheit machen dich verwundbar, sei trotzdem ehrlich und offen!
Diese »Trotzdem- Mentalität« auf dem Weg zur Heiligkeit, zum Heilwerden wünsche ich Ihnen aus ganzem Herzen.
Allerheiligen ist ein Fest der Verbundenheit mit Menschen, die durch ihr „heiligmäßiges Leben“ - mit allen Licht- und Schattenseiten - den Himmel auf Erden „verorten“; einst und jetzt.
Wir glauben an die „Gemeinschaft der Heiligen“, so bekennen wir im Credo! Zu Allerheiligen feiern wir den Himmel auf Erden, die Gemeinschaft mit jenen, die das Göttliche in sich haben aufleuchten lassen und nach außen getragen haben. Damit haben sie anderen Menschen ein Stück Himmel auf Erden erfahrbar gemacht.
Damit wir alle, die „heiligmäßig“ gelebt und das Gute, das sie auf Erden vermehrt haben, nicht vergessen, ist Allerheiligen als Sammelfest entstanden!
Was ist unter »heilig«, unter »heiligmäßig leben« im Zusammenhang mit dem Fest Allerheiligen zu verstehen?
Einst wurde der Begriff geprägt von der Bedeutung der Märtyrer und Märtyrerinnen, die ihren Glauben an Christus mit ihrem Leben bezeugt haben. Die Verbundenheit mit ihnen war bei den ersten Christen und Christinnen verknüpft mit dem Glauben an ein vollendetes Leben bei Gott. Es war somit ein österliches Fest und ein Fest der Auferstehung. Anfangs wurde es bald nach Ostern gefeiert.
Zu den ersten Märtyrer und Märtyrerinnen, deren Leben als »heilig« angesehen wurde, kamen die »heiligmäßig« lebenden Christen und Christinnen, bekannte und unbekannte, dazu! Das sind jene Menschen, die das Gute und die Liebe gesucht und getan haben. Egal wie ihr Leben verlaufen ist, sie haben sich an der christlichen Botschaft orientiert. Auch sie haben in ihrem Leben Glück und Unglück erfahren und wurden dadurch auch geprägt.
Was bezeichnen wir heute als »heilig« im Leben von Menschen? - Gute Erfahrungen im »menschlichen Zusammenleben können wir besonders hervorheben und diese als »heilig« bezeichnen und dadurch das „Lebensbejahende“ dieser Erfahrungen unterstreichen.
Wo eine „dunkle“ Lebenssituation den Nächsten kaum erkennen und seine Nähe nicht spüren lässt, leuchtet durch erlebte, erfahrene Menschlichkeit das »Heilige« für uns. Es wird sichtbar, was möglich ist.
Gerade im alltäglichen Leben, lässt diese Menschlichkeit, die eine Vielfalt an guten Möglichkeiten beinhaltet, durch Menschen, die in der Nachfolge Jesu leben, die Welt in einem Licht erstrahlen, die das Göttliche in uns und im anderen erkennbar macht.
Wenn wir davon ausgehen, dass wir alle zur Heiligkeit berufen sind, dann wird es möglich sein, das Heilige in uns und bei anderen wahr zu nehmen. Salopp gesagt mit einem Wort aus der Wirtschaft: der Umgang miteinander würde daraus „profitieren“.
Das „Heilige“ im Alltag suchen und finden erfordert:
- ein Offensein für Positives,
- ein Bereitsein für das Annehmen von Beispielhaftem, das zum Nachahmen anregt,
- einen Wagemut, um davon zu erzählen
- und ganz viel Kreativität, um dem Guten, das täglich geschieht, auch eine Plattform zu geben.
In diesem Sinne soll von einem konkreten Beispiel erzählt werden. Es ist ein Beispiel aus diesen Tagen, welches das Fest Allerheiligen „unter die Haut gehen lässt“, denn was da an Hinwendung zum Nächsten gedacht, geplant und angeboten wird ist einfach „heilig“!
Am 25. September 2020 war in einer Aussendung vom ORF.at zu lesen:
„Auschwitz-Gedenkstätte: Gnadenbitte für Buben aus Nigeria“
Der Direktor dieser Gedenkstätte, Piotr Cywinski, hat um Gnade für einen nigerianischen Buben, 13 Jahre alt, der zu 10 Jahren Gefängnis wegen Blasphemie in Nigeria (Bundesstaat Kano, wo zum Teil die Scharia gilt) verurteilt wurde, mit einem Schreiben an den nigerianischen Präsidenten gebeten. „Als Direktor der Gedenkstätte des deutschen Konzentrationslagers, wo Kinder inhaftiert und ermordet wurden, könne er angesichts dieses 'die Menschheit beschämenden Urteils' nicht gleichgültig bleiben. Der Bub solle nicht um seine Jugend, seine Chancen und seine Bildung gebracht werden.“ (aus dem Text vom ORF). Dazu hat er den Vorschlag, das Angebot gemacht, dass er und 120 andere Menschen anstelle des 13-jährigen Buben die Haft im dortigen Gefängnis (jeweils einen Monat = 10 Jahre Haft) absitzen.
Ergriffen von dieser Reaktion, die Länder, Kontinente, Religionen, Altersgruppen übergreift, von einem Ort des ehemaligen Grauens zum Schutz eines Buben, der im Gefängnis sitzt, konnte ich nicht anders als weitersagen, was für mich heute »heilig« ist!
Dieses Verhalten vom Direktor der Gedenkstätte Auschwitz ist für mich »heiligmäßiges Leben«.
Allerheiligen – der Gedanke, dass wir mit den Heiligen in Gemeinschaft verbunden sind, macht dieses Fest zu einem Fest der Hoffnung und der Auferstehung mitten im Leben werden.
Heilige sind einerseits Menschen, die durch ihr Lebenszeugnis aus dem Alltag herausragen, andererseits Menschen, die die Seligpreisungen Jesu im Alltag leben. Die Berufung zur Heiligkeit fordert uns heraus, dass wir so leben, dass man auch von uns einmal sagen kann: Das war für mich ein wertvoller Mensch.
Am 13. Oktober diesen Jahres wurden 5 Menschen auf dem Petersplatz heiliggesprochen. Das bedeutet: Die Kirche erkennt an, dass diese 4 Frauen und 1 Mann ein exemplarisches Leben vollendet haben. Sie sind Zeugen, dass es möglich ist, zu ihrer Zeit und in ihrem Land so zu leben, dass Menschen sagen: In ihnen begegnet mir Gott. Ob 1879 in der Schweiz, 1890 in England, 1911 in Italien, 1926 in Indien oder 1992 in Brasilien – immer starben Menschen, die anderen Mut zum Glauben gemacht haben.
Diese 5 Heiligen sind auch Zeugen dafür, dass andere von ihrem Lebensweg und -werk erfahren haben. Immer gehört zum Prozess der Heiligsprechung das Wunder. Menschen haben zu den angehenden Heiligen gerufen. Sie haben gebetet: „Hilf uns als FürsprecherIn bei Gott in einer schweren und fast ausweglosen Situation.“ Diese Bitten wurden erhört. Heilungen geschahen.
Diese neuen Heiligen sind bei weitem nicht die einzigen Menschen, die Vorbilder des Glaubens waren. Vielen von uns werden Menschen einfallen, die sie überzeugt haben.
- Es waren Menschen, die mit sich und Gott im Reinen waren.
- Es waren Menschen, die nicht sagen mussten: „Ich bin überzeugter Christ!“ Wir sahen es ihnen an.
- Es waren Menschen, deren Zuneigung zu anderen echt war.
- Es waren Menschen, die bereit waren, ihre Fähigkeiten für jene einzusetzen, die suchten.
Vor diesem Hintergrund ist mir das Evangelium der Seligpreisungen wertvoll. Alle Fähigkeiten, für die Jesus die Menschen seligpreist, sind wichtige Haltungen. Wer sie lebt, gibt damit seiner Mitwelt ein Geschenk.
„Selig, die Frieden stiften“ – denn sie tun das auch im Nachbarschaftsstreit. Sie werden um Vermittlung gebeten, wenn die Situation verfahren ist. Und die Menschen um sie sind dankbar. Manchmal ist diese Fähigkeit wichtig für eine größere Zahl von Menschen. Ich denke an Bruder Klaus von der Flüe und die Tagsatzung von Stans. Er wurde später tatsächlich heiliggesprochen.
„Selig die Barmherzigen“ – denn sie zeigen, dass Neuanfang in verfahrenen Situationen möglich ist. Sie zeigen, dass Liebe stärker sein kann als Hass. Dieses Beispiel wirkt nach – und bewegt die Menschen dann, wenn sie merken: „Ich habe es doch erlebt. Jetzt bin ich dran.“
„Wir heißen Kinder Gottes“ steht im ersten Johannesbrief. Das erkennen jene, die Gott kennen. Und das übersehen jene, die Gott nicht kennen. Wieweit also sind wir? Wie viel von der Gotteskindschaft sehe ich selbst? Erkenne ich den goldenen Anteil in meinem Leben? Merke ich, dass Menschen mich anschauen und sagen: „Jetzt kann ich glauben, dass es einen Gott gibt!?“
„Was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden“ heißt es weiter. Gott gibt seinen Geschöpfen, seinen Kindern, seinen Boten – zusammengefasst: uns – noch viel mehr. Wir können gerne träumen. Aber meistens reichen unsere Träume nicht aus. Es geht um mehr.
Für viele von uns gehören der Allerheiligentag und der Besuch der Gräber der Verstorbenen zusammen. Was geschieht an diesem Grab? Oftmals ist es doch die Erinnerung, die wir wach halten. Was habe ich mit meinen Eltern, Geschwistern, Partnern, Großeltern, Onkeln und Tanten erlebt? Es kommen die kleinen Anekdoten wieder hoch, die uns lächeln lassen. Es kommen die Momente der Geborgenheit wieder hoch, die wir bei und mit ihnen erlebt haben. Es wird deutlich: Sie waren auch große und wertvolle Menschen.
Spätere Generationen sollen auch die Möglichkeit haben, über uns zu sagen: Sie/er war für mich ein wertvoller Mensch.
Johannes, der Verfasser der Offenbarung, malt uns ein großartiges Panorama mit 144 000 Heiligen, obwohl er sich selbst in großer Bedrängnis befindet. Es ist ein Bild der Vollendung des Menschen, ein Bild des Glücks. Heilige sind die von Gott Geliebten.
Zu Allerheiligen/Allerseligen gedenken wir nicht nur der verstorbenen Angehörigen. Wir weiten unseren Blick auf alle Verstorbenen, auch auf die Opfer der Kriege und der Unrechtsregime. Erinnern weitet den Blick für die Gegenwart.
In vielen Orten Oberösterreichs wird zu Allerheiligen an den Kriegerdenkmälern in unterschiedlichster Weise der Gefallenen der beiden Weltkriege gedacht. In der Pfarre St. Georgen an der Gusen wurde vor einigen Jahren in einem Kunstprojekt das Kriegerdenkmal für mehrere Monate verhüllt. „Sichtbar machen durch verdecken“, so nannte die Künstlerin diese gewagte Intervention. Es gab große Aufregung in der Bevölkerung. An den Stammtischen wurde darüber intensiv diskutiert. Gleichzeitig wurde von der Künstlerin am Kirchenvorplatz ein Spiegelsteg errichtet, der auf die unterirdischen Waffenwerke während der NS-Zeit ganz nahe der Kirche und auf das Konzentrationslager Gusen hinweist.
„Sichtbar machen durch Verdecken.“ - So wurde der Blick auf die 40.000 Menschen gelenkt, die in dieser Pfarre zur Zeit des Nationalsozialismus grausam zu Tode kamen und viele Jahrzehnte fast gänzlich in Vergessenheit gerieten. Heute am Allerheiligen Fest gedenkt man dort sowohl der Gefallenen der Kriege am Kriegerdenkmal, als auch der Opfer der Konzentrationslager, der gegenwärtigen Kriege und des Terrors auf unserer Welt.
Warum gedenken wir zu Allerheiligen und Allerseelen nicht nur der uns lieb gewordenen Verwandten, der eigenen Freundinnen, Freunde und Bekannten? Warum gedenken wir als Christinnen und Christen auch der Opfer von Kriegen und Unrechtsregimen?
In Österreich begehen wir das Gedenkjahr 2018. Die Österreichischen Bischöfe haben dazu eine beeindruckende Erklärung abgegeben und darauf hingewiesen, dass das Erinnern und Gedenken insbesondere der Opfer unserer Geschichte zutiefst christlich sei und jede humane Kultur auszeichne. In der Erklärung der österreichischen Bischöfe heißt es wörtlich: Wir „gedenken vor allem der Opfer, die in Folge der nationalsozialistischen Machtübernahme gedemütigt, vertrieben, verfolgt, eingekerkert, verschleppt und ermordet wurden. Wir schauen aber auch auf die Orientierungslosen, die Mitläufer und die Täter ... Auch heute schmerzt noch, dass damals, im März 1938, und in den sieben düsteren Jahren danach, die ChristInnen - auch und gerade die Bischöfe - nicht stärker der Macht des Hasses, der Unmenschlichkeit und der Diktatur entgegengetreten sind. ... Traurig und beschämt haben wir erkannt, dass mit der Zerstörung der Synagogen und der Shoah unschuldige und wehrlose Menschen getötet und der Name des Ewigen geschändet wurde.“
80 Jahre danach - klare Worte der österreichischen Bischöfe, versehen mit der reinigenden Kraft des Bekenntnisses der eigenen Mitschuld. Die österreichischen Bischöfe sprechen aber auch von Menschen, „die sich in der damaligen Zeit als 'Gerechte' erwiesen und die sich nicht vom Sog dieser unmenschlichen und verbrecherischen Ideologie mitreißen ließen“.
Unter Vielen seien in diesem Zusammenhang stellvertretend nur zwei Personen unserer Diözese genannt, die Ihnen wohl bekannt sind: der Wehrdienstverweigerer und Selige Franz Jägerstätter und der Priester und Pädagoge Dr. Johann Gruber, der von den KZ-Mithäftlingen in Gusen als „Engel in der Hölle“ verehrt wurde. Diese beiden Oberösterreicher lebten ihren Glauben, sie widersetzten sich der Macht des Hasses und der Unmenschlichkeit und sie wurden hingerichtet. „Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.“ So hörten wir es im heutigen Evangelium.
Wie geht es uns als Christinnen und Christen heute angesichts der Kriege, des Elends in den Flüchtlingslagern dieser Welt, mit dem wir via Fernsehen konfrontiert werden? Berühren uns diese Bilder noch? Sind unsere Herzen eingefroren - in einem Land, in dem „Gutmensch“ zu einem Schimpfwort geworden ist? Wie geht es uns als Christinnen und Christen angesichts der Tatsache, dass etwa 800 Millionen Menschen gegenwärtig an chronischer Unterernährung leiden? Wir leben in einer Welt, in der innerhalb einer Woche mehr Geld für die Armeen ausgegeben wird, als es kosten würde, die Hungernden unserer Erde auf der ganzen Welt für ein ganzes Jahr zu sättigen. Ist uns diese Realität bewusst? „Wo bin ich, wenn vor meinen Augen großes Unrecht geschieht, wenn Ausgrenzung, Entsolidarisierung und Hass ihren Lauf nehmen?“ So fragen die Bischöfe in ihrer vorher erwähnten Erklärung.
Zunehmend ist in unserer Gesellschaft spürbar, dass Menschen aufgrund ihrer Nationalität, Herkunft oder Hautfarbe ausgegrenzt werden. Denken Sie an die Ausländerfeindlichkeit, an die Unbarmherzigkeit, die manchen AsylwerberInnen zuteil wird. Denken Sie etwa an die jungen AsylwerberInnen, die in Österreich nun keine Chance mehr auf einen Lehrplatz haben und kaum Möglichkeiten haben, sich am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen. Bischof Manfred Scheuer und der Caritasdirektor der Diözese Linz, Franz Kehrer betonen in ihrer Stellungnahme zu Asyl und Integration „Viele Menschen haben bei uns in den vergangenen Jahren Asyl gesucht und suchen es auch gegenwärtig. Wir sollten nie vergessen, dass sie hier ein Menschenrecht in Anspruch nehmen, und dass jede und jeder von uns ebenso in eine Lage geraten kann, in der sie/er aus der eigenen Heimat flüchten muss.“
Liebe Pfarrgemeinde, widerstehen wir als Christinnen und Christen - kraftvoll und entschieden - einer zunehmenden Stimmung in der Bevölkerung, in der Menschen in ihrer Gottesebenbildlichkeit, in ihrer Würde nicht wahrgenommen werden! Andre Heller sagte anlässlich des Gedenkjahres beim Staatsakt in der Hofburg in seiner vielbeachteten Rede: „Vergessen wir nicht, dass am Anfang der nationalsozialistischen Herrschaft nicht Ausschwitz, sondern die Ausgrenzung von Menschen, die als störend, als schädlich betrachtet wurden, stand. Und weil es dafür viel Zustimmung gab, hatten die Nazis freie Bahn und die humanitäre Katastrophe wurde immer größer.“
Kommen wir zurück auf unsere Frage: Warum gedenken wir Christinnen und Christen zu Allerheiligen und Allerseelen der Opfer von Krieg und Terror, warum gedenken wir der Menschen, die sich der Macht des Hasses und der Unmenschlichkeit widersetzten und dies mit ihrem Leben bezahlen mussten?
Für den bekannten Konzils-Theologen Johann Baptist Metz gehört die Erinnerung und das Gedächtnis an die Leiden und an die Opfer unserer Geschichte zu den Grundpfeilern des christlichen Glaubens. In seinem Buch „Memoria Passionis“, Gedächtnis des Leidens, schreibt Metz, dass man Gott nicht mit dem Rücken zur menschlichen Leidensgeschichte verehren könne. „Die Botschaft Jesu lässt es nicht zu, dass wir über seine Leidensgeschichte die Leidensgeschichte der Welt vergessen; sie lässt es nicht zu, dass wir über seinem Kreuz die vielen Kreuze in der Welt übersehen.“
Das Kreuz Jesu Christi öffnet den Blick für die Geschundenen, für die vielen Kreuze in der Welt, für vergangenes und gegenwärtiges Leid. Zu Allerheiligen erinnern wir uns an die Verheißung, dass es mit dem Tod nicht einfach aus ist, dass der Tod nicht alle und alles gleichschaltet, dass uns über den Tod hinaus die universale Gerechtigkeit Gottes verheißen wird: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein..." So heißt es imBuch der Offenbarung (Off. 21,4).
Erinnern weitet den Blick für die Gegenwart. Der Vorstand des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich bringt das Erinnern mit der Gegenwart in Berührung. In seiner Erklärung zum Gedenkjahr 2018 heißt es: „Wir als Kirchen wollen uns dafür einsetzen, dass Österreich - 80 Jahre nach der Katastrophe von 1938 - zu einem Haus mit offenen Fenstern und zu einer Heimatstätte für Verfolgte wird. Wir wollen in einem Land leben, in dem der soziale Friede gewahrt wird und in dem Menschen Geborgenheit und die Möglichkeit zu einem erfüllten Leben finden."
Auch heute haben wir Christinnen und Christen eine große Verantwortung, dort wo wir stehen, für Menschlichkeit und Menschenwürde zu sorgen. Die Seligpreisungen, die wir heute im Evangelium gehört haben, weisen uns die Richtung, sie sind so etwas wie das Leitbild der großen Vision Gottes mit uns Menschen:
„Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne und Töchter Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein."
© Dr. Christoph Freudenthaler, Pädagogische Hochschule der Diözese Linz.
Erklärung österreichische Bischofskonferenz (2018). „1918-1938-2018. Erinnern und Gedenken". Verfügbar unter:
https://www.katholisch.at/aktuelles/2018/03/12/bischoefe-1918-1938-2018.-erinnern-und-gedenken - [27.8.2018]
Scheuer Manfred, Kehrer Franz (2018). Stellungnahme zu Asyl und Integration. Verfügbar unter:
https://www.dioezese-linz.at/news/2018/03/13/stellungnahme-zu-asyl-und-integration - [27.8.2018]
Heller Andre (2018). Rede anlässlich des Gedenkaktes zum 80. Jahrestag des 12. März. Verfügbar unter:
https://www.youtube.com/watch?v=rL7k2XzJxcA&feature=youtu.be - [27.8.2018]
Erklärung des Vorstandes des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich zum Gedenkjahr 2018 (2018). Verfügbar unter:
http://www.oekumene.at/site/erklaerungen/article/1844.html - [27.8.2018]
Metz, Johann Baptist (2006). Memoria Passionis. Freiburg im Breisgau: Herder.
Die Seligpreisungen nach dem Evangelisten Matthäus formulieren Kriterien der Heiligkeit. Heilige sind Menschen, die danach gelebt haben, bzw. die auch heute danach ihr Leben ausrichten.
Zu Allerheiligen und zu Allerseelen denken wir an unsere Verstorbenen, wir erinnern uns an die Heiligen unserer Kirche, wir erinnern uns aber auch an Menschen, die ein heiligmäßiges Leben führten, die sich von Gott berühren ließen und in deren Leben die Seligpreisungen, die wir im heutigen Evangelium gehört haben, in ganz besonderer Weise spürbar werden.
Eine Vielzahl von Heiligen lebt mitten unter uns. Nur Gott weiß, wer das ist. Gottes Liebe umfasst ihr Leben und ist der Grund ihres Glaubens.
Eine unzählige Schar von Menschen, die Christus nachgefolgt sind, haben dieser Nachfolge jeweils eine eigene Gestalt gegeben. Heilige sind fleischgewordene Auslegung des fleischgewordenen Wortes Gottes. Ihr Beispiel kann auch uns inspirieren.
Anlässlich der Heiligsprechung Mutter Theresas sind Berichte aufgetaucht, die ihr Fehler und Mängel vorwerfen. Angesichts dieser Kritik ist zu fragen: welche Vorstellungen haben wir von Heiligen. Heilige sind Menschen, die Liebe konkret werden lassen, keine „spirituellen Wunderwuzzis“.
Jeder Mensch sehnt sich nach Glück. Doch was macht uns glücklich? Im Märchen vom "Hans im Glück" wird uns eine eigenartige Geschichte erzählt, in der ein Mensch glücklich wird, obwohl er alles, was er besaß, verloren hat. Die Seligpreisungen verweisen auf einen Weg ins Glück, ja sogar Seligkeit, das unserer gewohnten Wertordnung konträr entgegensteht. Es ist die Wertordnung des Reiches Gottes. Heilige sind Menschen, die in dieser neuen Welt angekommen sind.
In den Seligpreisungen legt uns Jesus neue Grundwerte vor. Seine Liebe gilt den Armen und allen, die auf Barmherzigkeit angewiesen sind.
Lieder:
GL 164: Der in seinem Wort uns hält
GL 210: Das Weizenkorn muss sterben
GL 380: Großer Gott, wir loben dich (4., 7. und 8. Str.)
GL 395: Den Herren will ich loben
GL 430: Von guten Mächten treu und still geborgen
GL 437: Meine engen Grenzen
GL 424: Wer nur den lieben Gott lässt walten
GL 455: Alles meinem Gott zu Ehren
GL 458+459: Selig seid ihr, wenn ihr einfach lebt
GL 460: Wer leben will wie Gott auf dieser Erde
GL 479: Eine große Stadt ersteht
GL 482: Die Kirche steht gegründet (3. Str.)
GL 491: Ich bin getauft und Gott geweiht
GL 542: Ihr Freunde Gottes allzugleich
GL 543: Wohl denen, die da wandeln
GL 548: Für alle Heiligen in Herrlichkeit
GL Ö897: Von guten Mächten treu und still geborgen
GL Ö907: Meine Zeit steht in deinen Händen
GL Ö909: Da wohnt ein Sehnen tief in uns
Psalmen und Kehrverse:
GL 54,1: Singt dem Herr alle Länder der Erde, singt dem Herrn und preist seinen Namen - Mit Psalm 96 - VIII.
GL 55: Jubelt ihr Lande dem Herrn; alle Enden der Erde schauen Gottes Heil. - Mit Psalm 98 - VIII.
GL 544: Halleluja - Mit Seligpreisungen - V.
GL 622,4: Sieh, der Herr kommt in Herrlichkeit und mit ihm seiner Heilgen Schar... - V.
GL 651,7-8: Selig, die bei dir wohnen, Herr, die dich loben alle Zeit - Mit Seligpreisungen - V.
GL 652,1: Du hast uns erlöst mit deinem Blut... (Responsorium)
GL 653,3-4: Selig, die bei dir wohnen, Herr, die dich loben alle Zeit - Mit Ps 84 - V.
Heute feiern wir das Fest aller Heiligen, der allseits bekannten wie der namenlosen und unbekannten. Es erinnert uns daran, dass alle Getauften zur Heiligkeit berufen sind.
Heilige sind Menschen, die jene Vollendung erreicht haben, die Gott ihnen von Beginn an zugedacht hat. Das ist wohl eine unzählbare Schar. Wir hoffen, dass viele von den Menschen, die wir gekannt und geschätzt haben, dazugehören.
Mit ihnen allen stimmen wir ein in das Lob Gottes und in den Dank, den wir ihm schulden.
Am Beginn der Feier treten wir vor Gott hin und bitten wir um sein Erbarmen.
Heute feiern wir ein großes Fest der Hoffnung. Allerheiligen – das ist kein Tag für die wenigen „Perfekten“, sondern für alle, die ihr Leben nach dem Evangelium ausrichten, die sich mühen, lieben, trösten, glauben, zweifeln und hoffen. Wir denken an die vielen bekannten und unbekannten Menschen, in deren Leben Gottes Licht aufleuchtete. Und wir lassen uns daran erinnern: Auch wir sind zur Heiligkeit berufen, hier und heute, mitten im Alltag.
So treten wir ein in diese Feier, dankbar für das Zeugnis der Heiligen, offen für Gottes Gegenwart und bereit, uns neu von seiner Liebe verwandeln zu lassen.
Am 1. November in den Himmel schauen zu können – wer wünschte sich das nicht! Am 1. November, am Tag Allerheiligen, in der großen Gemeinschaft Gottesdienst, Eucharistie feiern zu können, das wird uns heute geschenkt.
In der Offenbarung, im letzten Buch der Bibel, wird uns eine Vision zuteil:
"Ich sehe eine große Schar
aus allen Nationen und Stämmen,
Völkern und Sprachen;
niemand kann sie zählen.
Sie standen vor dem Thron
und vor dem Lamm, Jesus,
gekleidet in weiße Gewänder,
und trugen Palmzweige in den Händen.
Zeichen des Sieges,
Zeichen des Lebens.
Sie riefen mit lauter Stimme und sprachen:
Die Rettung kommt von unserem Gott,
der auf dem Thron sitzt,
und von dem Lamm, Jesus."
Wir sehen eine große Schar! Erlöste. Geliebte. Vollendete.
Lasst uns – im Bild gesprochen – alles vor dem Thron Gottes ablegen, was uns ängstigt, bedrückt und schuldig spricht.
Mühselig und beladen sind wir immer wieder von den Lasten unseres Lebens. Das Hochfest Allerheiligen eröffnet uns einen Ausblick auf unsere Vollendung. Die heiligen Frauen und Männer, die bereits bei Gott sind, halten Fürsprache für uns. Gottes Geist gibt uns Kraft und Stärke, um unseren je eigenen Weg zur Heiligkeit zu finden und zu gehen.
„Wer ist Ihr Vorbild?“ Das werden Menschen manchmal gefragt. Sportler nennen dann gerne den Namen eines Großen ihrer Disziplin.
Wer ist mein Vorbild als Christ? Von wem kenne ich die Lebensdaten und die entscheidenden Wendepunkte? Von wem sind mir Sinnsprüche bekannt, die ich nicht erst nachschlagen muss? Diese Menschen könnten die Heiligen sein. Am heutigen Fest feiern wir sie – und hoffen auch auf ihren helfenden Dienst an uns.
So rufen wir:
Herr, Jesus Christus,
du hast die Kleinen und Machtlosen, die auf dich vertrauen, selig gepriesen.
Herr, erbarme dich.
Du hast ihnen das Himmelreich zugesagt.
Christus, erbarme dich.
Du hast uns verheißen, dass wir Gott schauen
und ihm ähnlich sein werden.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du hast die Menschen selig genannt, die arm sind im Geist und offen für Gott.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du hast den Frieden gestiftet, wo Hass und Streit herrschen.
Christus, erbarme dich.
Herr,
du rufst auch uns, in Liebe und Barmherzigkeit zu leben.
Herr, erbarme dich.
Her,
an diesem Tag denken wir an Menschen,
die gestorben sind.
Du kennst ihre Namen und ihre Geschichten.
Herr, erbarme dich.
Christus,
an diesem Tag denkst du an uns.
Der Tod eilt durch Zeitungen und Fernsehbilder.
Christus, erbarme dich.
Herr,
an diesem Tag feiern wir deine Auferstehung.
In der gro0en Gemeinschaft derer,
die du bei dir versammelt hast.
Herr, erbarme dich.
Jeder, der diese Hoffnung auf Christus setzt, wird von ihm heilig gesprochen. In der Gemeinschaft aller Heiligen loben und preisen wir ihn.
Ehre sei Gott in der Höhe…
Herr Jesus Christus,
du bist die Sonne der Gerechtigkeit.
Kyrie eleison.
Herr Jesus Christus,
du bist der Trost für alle Trauernden.
Christe eleison.
Herr Jesus Christus,
du bist der Friedensstifter in einer unversöhnten Welt.
Kyrie eleison.
Herr Jesus,
der du den Menschen Gaben und Kräfte geschenkt hast:
Kyrie, eleison.
Herr Christus,
der du Menschen seliggepriesen hast, die ihre Berufung leben:
Christe, eleison.
Herr Jesus,
auf den wir uns verlassen können in unserem Alltag:
Kyrie, eleison.
Allmächtiger, ewiger Gott,
du schenkst uns die Freude,
am heutigen Fest
die Verdienste aller deiner Heiligen zu feiern.
Erfülle auf die Bitten so vieler Fürsprecher unsere Hoffnung
und schenke uns dein Erbarmen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Allerheiligen
Gott, Quelle aller Heiligkeit,
du lenkst heute unseren Blick auf Menschen,
in deren Leben dein Licht sichtbar wurde.
Sie haben geglaubt, gehofft und geliebt -
mitten in dieser Welt, mit all ihren Brüchen.
Lass auch uns aus deiner Liebe leben,
im Kleinen treu, im Großen mutig,
damit dein Reich wächst in unserer Zeit.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
der in der Gemeinschaft der Heiligen lebt
und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. – Amen.
Gott, Anfang und Ende sind in dir.
Alles hast du in Liebe gehüllt.
Wir danken dir.
Heute bringen wir dir unsere Trauer.
Wir haben uns von Menschen verabschieden müssen,
die uns lieb und teuer waren.
Sie sind in deiner Liebe geborgen.
So manche Frage ist offen geblieben,
so manches Gespräch haben wir nicht geführt,
so manche Schuld konnten wir nicht vergeben.
Wir sind in deiner Liebe geborgen.
Heute zeigst du uns den offenen Himmel,
aber unsere Augen sind wie verschleiert..
Die Nachrichten von Hass und Tod
halten wir nicht aus.
Wir bitten dich um Hoffnung,
um Kraft, einander beizustehen
und füreinander zu glauben.
Höhen und Tiefen sind in dir.
Alles willst du in Liebe verwandeln.
In Christus,
der uns in das Leben führt.
In der Kraft deines Geistes.
Heute, für die Ewigkeit. – Amen.
Vater im Himmel,
durch die Botschaft deines Sohnes Jesus Christus
hast du uns zugesprochen,
dass wir ihm ähnlich seine werden, wenn er offenbar wird,
und wir ihn ganz schauen dürfen, wie er ist.
Ja, auch ganz schauen dürfen, wie du bist.
Darauf sollen wir unsere Hoffnung setzten,
damit wir heilig werden können.
Lass uns heute neu den Zugang zu diesem Geschenk des Glaubens finden
und schenke uns deine begleitende Kraft,
dem Weg Jesu zu folgen.
Das erbitten wir mit IHM,
der uns einlädt in seine Nachfolge. – Amen.
Gott und Vater,
wir können sehen: Menschen haben dich verstanden
und haben so ihr Leben gestaltet.
Menschen haben dich erfahren
und haben verständlich davon erzählt.
Menschen haben gespürt, wen du trösten willst
und haben es getan.
Wir danken dir für diese Zeugen deiner Liebe zu uns.
Und wir bitten deinen Sohn, Jesus Christus,
uns das immer wieder zu zeigen in der Kraft deines Geistes. - Amen!
Heiliger, starker Gott,
die Welt in der wir leben, ist in vielerlei Hinsicht unerlöst und unheilig.
Wir bringen dir unsere Bitten und Gebete vor:
Wir beten für alle, die unter Hass und Krieg leiden und für alle, die Hass und Krieg schüren.
Zeige ihnen Wege zu einer friedlichen Lösung ihrer Konflikte.
Wir beten für alle, die nur ihren eigenen Vorteil im Sinn haben und damit Frieden und Gerechtigkeit verhindern.
Öffne ihren Blick für die Not ihrer Mitmenschen.
Wir beten für alle, die um ihres Glaubens und ihrer Überzeugung willen verfolgt, angefeindet oder gar vertrieben werden.
Schenke ihnen einen Ort der Ruhe, an dem sie sich entfalten können.
Wir beten für alle, die ihre Heimat verlassen, um in einem anderen Land bessere Lebensbedingungen zu finden.
Gib ihnen langen Atem und lass sie wohlwollenden Menschen begegnen.
Wir beten für alle, die für sich selbst keine Hoffnung sehen und ihr eigenes Leben und das ihrer Mitmenschen zerstören.
Wecke in ihnen das Vertrauen, dass du alles zum Guten führen kannst.
Wir beten für unsere verstorbenen Angehörigen, Freunde und Bekannten.
Lass sie bei dir Vollendung und die Erfüllung ihres Lebens finden.
Vater im Himmel,
wir ehren heute alle, die sich deiner Frohen Botschaft geöffnet haben
und von dir haben heiligen lassen.
Dein Reich komme auch zu uns und zu allen Menschen. - Amen.
Herr Jesus Christus,
du hast die Menschen selig genannt, die nach Gerechtigkeit hungern, die Frieden stiften, die barmherzig sind.
Zu dir beten wir:
Für alle, die sich nach Sinn und Tiefe sehnen,
die inmitten von Leistungsdruck und Unruhe nach dir suchen.
Christus, höre uns!
Für die Trauernden und Einsamen,
für alle, die ihre Hoffnung fast verloren haben.
Für Menschen, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen,
in Politik, Kirche und im Alltag – oft gegen Widerstände.
Für unsere Gemeinden,
dass wir Orte werden, an denen Liebe, Mut und Barmherzigkeit wachsen.
Für alle Verstorbenen,
besonders für jene, die niemand mehr beim Namen nennt.
Nimm sie auf in deine Freude und dein Licht.
Denn du, Herr, bist unsere Hoffnung und das Ziel aller Heiligkeit.
Dich loben wir heute und alle Tage bis in Ewigkeit. – Amen.
Mit den Heiligen aller Zeiten stehen wir mit leeren Händen vor Gott und vertrauen darauf, dass er sie füllt.
Auf ihrer aller Fürsprache bitten wir ihn:
Für alle, die durch die Taufe mit dir und untereinander verbunden deine Kirche bilden.
Für die Menschen, die aufgrund ihrer Lebensumstände sich nicht frei zu ihrem Glauben bekennen können, und für alle, die abgesichert im Wohlstand leben und dich, den Ursprung allen Lebens, zu vergessen scheinen.
Für alle, die sich um Frieden und sichere Lebensumstände für andere bemühen und so zu Hoffnungsträgern werden.
Für uns selbst mit all unseren Ecken und Kanten, der Prägung durch Zeit – und Lebensumstände und der Sehnsucht nach Sinn und deinen Spuren in unserem Leben.
Für unsere Verstorbenen in der Hoffnung, dass sie in dir ihre Vollendung finden.
In Gemeinschaft mit allen, die deine Größe preisen und dir, großer Gott, danken, stimmen auch wir in dein Lob ein. - Amen.
Am Tag Allerheiligen freuen wir uns über so viele Heilige, die Gott in seiner Liebe vollendet hat. Sie wussten nichts davon. Sie haben aus sich keine Heiligen gemacht. Sie wurden geliebt.
Heute beten wir besonders:
Für die Menschen, die mit der großen Leere in ihrem Leben nicht klar kommen, die sich zurück gelassen fühlen und traurig sind.
Herr, zeige ihnen dein Angesicht!
Für die Menschen, die böse Überraschungen erlebt haben, die keinen Frieden finden, wenn sie an einen Menschen denken.
Für die Menschen, die anderen das Leben zur Hölle machen, die Angst um sich verbreiten und keine Hoffnungen neben sich dulden.
Für die Menschen, die mit einer schlimmen Diagnose leben müssen, die mit einer Krankheit kämpfen.
Für die Menschen, die auf der Flucht sind oder die nicht einmal mehr aus einer Hölle fliehen können.
Für die Menschen, die im Sterben liegen, umgeben von lieben Menschen oder auch ganz alleine.
Für die Menschen, die andere liebevoll pflegen; zu Hause, in Heimen und Hospizen.
Heute fühlen wir uns in der Gemeinschaft aller Heiligen wohl. Menschen, die wir gekannt und geliebt haben, sind in ihrer Mitte. Du hast sie mit ihren Namen gerufen.
Glücklich sind die Menschen, sagt Jesus,
die in ihrer Armut zu Gott kommen – und das Himmelreich empfangen.
Glücklich sind die Menschen,
die in ihrer Trauer zu Gott gehen – und getröstet werden.
Glücklich sind die Menschen,
die ihre harten Seiten bei Gott ablegen – und Lichter werden in der Welt.
Über Jahrhunderte hinweg waren Menschen von Gottes Botschaft ergriffen und haben uns vorgelebt, wie sie konkret gelebt werden kann. Sie verehren wir als Heilige.
Auf ihre Fürsprache lasst uns den Vater bitten:
Für deine Kirche, die durch Verkündigung deiner Botschaft der barmherzigen Liebe zu deiner Schöpfung Halt und Orientierung in einer verunsicherten Zeit schenkt.
Für alle Politiker, die sich für Frieden und Menschenrechte einsetzen.
Für alle, die versuchen, möglichst viele Menschen in das gemeinsame Ziel zur Verbesserung des Klimas zu integrieren.
Für uns selbst in all den Situationen, in denen wir versucht sind, auf die Fehler der anderen hinzuweisen und uns selbst dabei in egoistischer Behaglichkeit einzurichten.
Für unsere Verstorbenen in der Hoffnung auf ihre Vollendung in deinem Reich.
Denn alle Liebe hat in dir die Quelle. Du allein schenkst Hoffnung und Rettung.
Mit allen Heiligen rühmen und preisen wir dich jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Herr Jesus Christus, du bist unser Heiland, der alle heilsam berühren will.
Dir sagen wir unsere Bitten.
Viele sind verwundet durch kleine und große Kriege.
Schenke Ihnen auch durch uns Heil und Frieden.
Wir brauchen leuchtende Vorbilder.
Gib uns ein offenes Herz für die Heiligen mitten unter uns.
Die Ansprüche heilig zu sein scheinen unerreichbar.
Herr, lass uns mit anderen und uns großherzig sein.
Die Heiligen im Himmel leuchten noch immer und leuchten uns die Wege aus.
Lass uns mit wachem Blick Ausschau nach ihren Spuren in unserem Leben halten.
Lass unsere lieben Verstorbenen ganz heil in der Liebe Gottes sein.
Herr Jesus Christus, wir danken Dir, dass Du uns alle Augenblicke heiligst und trägst jetzt und in Ewigkeit. – Amen.
Gottes Geist wirkt zu jeder Zeit in den unterschiedlichsten Menschen und macht sie zu seinen Ebenbildern.
Auf ihre Fürsprache lasst uns den Vater bitten:
Wer in Gemeinschaft mit dir lebt, dessen Leben erfüllst du mit Sinn.
Hilf deiner Kirche so zu wirken, dass schon jetzt etwas von deiner endgültigen Gottesherrschaft sichtbar werden kann.
In deinem Reich herrscht die Umkehr unserer irdischen Machtverhältnisse.
Hilf allen, die jetzt unter Hungersnot, Verfolgung, Zerstörung ihres Lebensraums oder Gewalt an Leib und Seele leiden.
In Jesus bist du deiner Schöpfung ganz nahegekommen.
Beschenke uns auch heute mit Menschen, die Mutlose aufrichten, in Konflikten Frieden vermitteln, Hilfsbedürftigen beistehen, Irrenden ein Licht auf dem Weg zu dir sind.
Zu sich selbst zu finden, im Lot leben zu dürfen, zutiefst beglückt zu sein, ist unser aller Wunschdenken.
Hilf uns gerade dann auf dich zu vertrauen, wenn die Kluft zur eigenen Realität groß ist.
Verfügbarkeit über unser Leben zu haben, ist uns wichtig.
Im Tod können wir uns aber letztlich nur deiner Barmherzigkeit anvertrauen.
Wir bitten dich
für unsere Verstorbenen.
Gott, von dir geht alle Heiligkeit aus.
Dir sei Lob und Dank, Preis und Ehre in alle Ewigkeit. - Amen.
Wir setzen unsere Hoffnung auf Gott und kommen mit unseren Anliegen zu ihm:
Für alle, die es schwer haben im Leben.
Für alle, die anderen ein gutes Vorbild sind.
Für alle, die auf der Flucht sind.
Für alle, die sich um Frieden bemühen.
Für alle, die wir heute besonders schmerzlich vermissen.
Gütiger Gott, du kennst unsere Sorgen und Mühen und weißt, was wir brauchen.
Dafür loben wir dich und danken wir dir mit allen Heiligen, heute und alle Tage unseres Lebens. – Amen.
Als Getaufte sind wir alle mit dem Siegel des Heiligen Geistes beschenkt.
Bitten wir den Vater um die Gnade, unserer Berufung entsprechend auch leben zu können:
Hilf deiner Kirche zur Brücke für alle Menschen zu werden, die sich nicht mit dem Vordergründigen zufrieden geben wollen sondern nach einem tieferen Sinn in ihrem Leben streben.
Hilf unserer Gesellschaft hellhörig für die Nöte der Armen, Benachteiligten, Einsamen, Gemobbten und Ausgelaugten zu werden.
Hilf allen, die Auswege aus festgefahrenen Positionen suchen, die in Unfrieden leben oder für ihre Haltung Repressionen in Kauf nehmen müssen.
Hilf uns in den schweren und sinnlos erscheinenden Stunden unseres Lebens an deine uns aufrichtende Gerechtigkeit glauben zu können.
Hilf allen, die in diesen Tagen die Gräber ihrer Lieben aufsuchen und sich in ihrem Verlustschmerz im Gebet an dich wenden.
Im Glauben an dich, den dreieinen Gott, brauchen wir nicht in Hoffnungslosigkeit versinken sondern können einen umfassenden Sinn in unserem Leben finden. Dafür sei dir, dem Vater, Jesus Christus, unserem Erlöser, im Heiligen Geist alle Ehre, Lob und Dank jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Auf die Fürsprache all jener, die durch ihr Leben anderen etwas von Gottes Liebe und Größe nahegebracht haben, lasst uns den Vater bitten:
Für alle, die in deiner Kirche Verantwortung tragen,
dass sie Mittel und Wege finden, dass deine Botschaft auch in dieser schwierigen Zeit bei denen ankommt, die sich nach ihr sehnen.
Für die Politiker aller Parteien,
dass sie wagen, notwendende Maßnahmen zu ergreifen und parteipolitisch bedingte Äußerungen hintanzustellen.
Für alle Verunsicherten, Depressiven und Verzweifelten,
dass sie erfahren dürfen, dass du uns in allen Schwierigkeiten des Lebens nahe bist.
Für alle, die sich nach einer Welt sehnen, in der Gerechtigkeit und Friede herrscht,
dass sie beginnen, in ihrem eigenen kleinen Wirkungsbereich deiner Botschaft immer mehr Raum zu geben.
Für die Verstorbenen, die in unserem Herzen für immer einen bedeutenden Platz einnehmen,
und für die, an die niemand mehr denkt.
Im Vertrauen auf deine Größe und Macht bringen wir diese und alle Bitten, die wir dir im Stillen anvertrauen, vor dich.
Denn wir bauen darauf, dass du letztlich alles zum Guten wenden wirst.
Dafür preisen wir dich und danken dir jetzt und allezeit. - Amen.
Großer und allmächtiger Herr! Deine Gegenwart erfüllt Himmel und Erde. Die ganze Schöpfung und alles Leben hat in dir Ursprung und Ende. Vater! Erhöre gnädig die Bitten derer, die sich deine Kinder nennen dürfen:
Hilf den christlichen Kirchen Wege zur Einheit zu finden.
Bestärke die Friedfertigen in allen Nationen in ihrem Bemühen Problemlösungen ohne Waffengewalt herbeizuführen.
Erfülle alle, die sich gegen Armut, Hunger und Benachteiligungen einsetzen, mit dem Geist der Kraft deiner Liebe.
Erhalte in unseren Herzen eine Unruhe, die danach strebt, sich dir und unseren Mitmenschen zu öffnen.
Beschenke unsere Verstorbenen mit der Fülle deiner Verheißungen.
Großer und allmächtiger Herr, mit allen Heiligen stimmen wir in deinen Lobpreis ein und danken dir jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Zu Gott, dessen Kinder wir sind, rufen wir:
Erfülle das Leben deiner Kinder
Du hast uns Nachbarn und Freunde gegeben, die versuchen, ihr Leben zu meistern. Wir bitten:
Dir empfehlen wir alle, die unsere Gesellschaft lebenswert machen und bitten dich:
Wir ahnen um manche Menschen, die es im Moment schwer haben. Für sie hoffen wir und bitten:
Dir gehören die Menschen auf der ganzen Welt. Mit ihnen wollen wir fühlen und dich bitten:
Kranke und Leidende, ihre Pflegenden und Freunde brauchen Kraft und Nähe. Wir bitten dich:
Wir denken an jene, die unser Leben begleitet und geprägt haben und die schon dein Reich erleben. Für Sie bitten wir:
Denn einmal wird deutlich, was wir sein werden. Darauf warten wir und bis dahin freuen wir uns des Lebens in dir. - Amen.
Herr, unser Gott,
nimm die Gaben entgegen,
die wir am heutigen Fest darbringen.
Wir glauben, dass deine Heiligen bei dir leben
und dass Leid und Tod sie nicht mehr berühren.
Erhöre ihr Gebet
und lass uns erfahren,
dass sie uns nahe bleiben und für uns eintreten.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Allerheiligen
Heiliger Gott,
du hast uns berufen, in dieser Welt Spuren deiner Liebe zu hinterlassen.
Nimm die Gaben von Brot und Wein an
und verwandle sie
wie du auch uns verwandeln willst:
zu Menschen, die teilen, trösten und hoffen.
Mach dieses Mahl zu einem Zeichen deiner Nähe
und lass uns wachsen in deiner Heiligkeit.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. – Amen.
Dir, Herr, bringen wir unsere Trauer,
die Gefühle der Zerrissenheit
und alles, was unversöhnt bleibt.
Wir bringen dir das harte Brot und den bitteren Wein.
Aber du teilst mit uns dein Reich.
Alles, was du uns geben kannst.
Die Liebe, das Paradies.
Du schenkst uns das Brot des Lebens
und den Wein deiner Herrlichkeit.
Sprich du das Wort, das alles verwandelt.
Brot in deinen Leib,
Wein in dein Blut.
Du schenkst dich uns ganz.
Zu dir, Herr, gehören wir.
Unser Vater,
dein Sohn wird uns sagen: Ich für euch!
Und wir werden ihn empfangen.
Segne diese Gaben von Brot und Wein,
damit es gelingen kann: Ich für euch.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Altargebet bei einer Wort-Gottes-Feier
Gütiger Gott,
du bist heilig,
du bist die Quelle allen Lebens,
du bist die Liebe,
die in allem wirkt, was lebt.
Wir danken dir für alle Menschen,
in deren Leben dein Licht aufleuchtet,
für die Heiligen der Geschichte
und für die stillen Heiligen unserer Zeit:
Menschen, die Gutes tun, ohne es laut zu sagen,
die trösten, vergeben, aufrichten,
die Frieden bringen, wo Streit ist.
Du hast uns berufen,
Teil dieser Gemeinschaft der Heiligen zu sein –
nicht aus eigener Kraft,
sondern weil du uns mit deinem Geist erfüllst.
Darum bitten wir dich:
Sende deinen Geist über uns,
dass wir verwandelt werden in Herz und Sinn,
bereit zu lieben, wie dein Sohn geliebt hat.
Er ist uns Vorbild und Weg,
er zeigt uns, was Heiligkeit bedeutet:
Mensch sein in deiner Liebe.
Er hat das Leben geteilt mit Armen und Traurigen,
hat Mut gemacht den Schwachen,
und Hoffnung geschenkt, wo alles verloren schien.
Er hat dein Reich verkündet –
ein Reich des Friedens, der Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit.
Er hat uns gezeigt, dass du ein Gott bist,
der uns nahe ist – im Lachen und im Weinen,
im Zweifel und im Glauben,
im Leben und im Tod.
Darum danken wir dir, Gott,
für alle Zeichen deiner Liebe:
für das Brot, das wir teilen,
für das Miteinander, das du uns schenkst,
für deine Gegenwart in unserer Mitte.
Mit allen, die vor uns geglaubt haben,
mit allen, die jetzt mit uns feiern,
und mit allen, die du vollendet hast in deinem Licht,
stimmen wir ein in das Lob deiner Herrlichkeit
und rufen:
Sanctus-Gesang
Heiliger Gott,
du bist groß im Erbarmen und reich an Güte.
Du kennst uns und liebst uns,
auch wenn wir scheitern,
du richtest uns auf, wenn wir müde werden.
Du stärkst uns mit deinem Wort
und mit der Gemeinschaft, die aus deiner Liebe lebt.
Darum bitten wir dich:
Mach uns zu Werkzeugen deines Friedens.
Lass uns heilig werden im täglichen Tun,
in Geduld, Mitgefühl und Freude.
Führe deine Kirche auf den Weg des Evangeliums,
damit sie Licht ist in einer oft dunklen Welt.
Erinnere dich an alle,
die in dieser Feier und in unserem Leben mit uns verbunden sind,
und an alle, die wir im Glauben und in der Liebe an dich vollendet wissen.
Nimm sie auf in die Gemeinschaft deiner Heiligen,
in dein Reich des Friedens und der Freude.
Durch Christus, mit Christus und in Christus
ist dir, Gott, dem Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes,
alle Herrlichkeit und Ehre,
jetzt und in Ewigkeit. – Amen.
Kehrvers:
Freut euch, wir sind Gottes Volk,
erwählt durch seine Gnade.
(GL 56,1)
Gelobt seist du, guter Gott.
Wir preisen dich für deine Schöpfung.
Wir danken dir für diesen Feiertag,
der uns Kraft und Erholung tanken lässt.
Kehrvers
Gelobt seist du, guter Gott.
Wir preisen dich für deinen Sohn Jesus Christus.
Er hat uns ein Beispiel gegeben, wie wir leben und handeln sollen.
Kehrvers
Gelobt seist du, guter Gott.
Wir preisen dich für den Heiligen Geist.
Durch ihn sendest du uns Menschen als Zeuginnen und Zeugen deiner Liebe,
die unser Leben hell machen – auch in dunklen Zeiten.
Kehrvers
Wir danken dir und preisen dich, guter Gott.
Voll Freude singen wir dein Lob.
Loblied: z.B.: Alles meinem Gott zu Ehren (GL 455, 4. Str.)
(für Wortgottesfeiern):
Kehrvers:
Dich, Gott, loben wir / dich, Herr, preisen wir.
Oder:
Gott, du bist herrlich und heilig,
wir wollen dir lobsingen. Halleluja. (GL 488,2)
Dir, dem ewigen Vater, huldigt das Erdenrund.
Dir rufen die Engel alle,
die Himmel und Mächte insgesamt,
die Kerubim dir und die Seraphim,
mit nie endender Stimme zu:
Heilig; heilig, heilig der Herr der Scharen!
Voll sind Himmel und Erde von deiner hohen Herrlichkeit.
Kehrvers
Dich preist der glorreiche Chor der Apostel;
dich der Propheten lobwürdige Zahl;
dich der Märtyrer leuchtendes Heer;
dich preist über das Erdenrund die heilige Kirche;
dich, den Vater unermessbarer Majestät;
deinen wahren und einzigen Sohn;
und den Heiligen Fürsprecher Geist.
Kehrvers
Du hast der Jungfrau Schoß nicht verschmäht,
bist Mensch geworden, den Menschen zu befreien.
Du hast bezwungen des Todes Stachel
und denen, die glauben, die Reiche der Himmel aufgetan.
Du sitzest zur Rechten Gottes in deines Vaters Herrlichkeit.
Kehrvers
Als Richter, so glauben wir, kehrst du einst wieder.
Dich bitten wir denn, komm deinen Dienern zu Hilfe,
die du erlöst hast mit kostbarem Blut.
In deiner ewigen Herrlichkeit zähle uns deinen Heiligen zu.
Danklied, Nun lobet Gott im hohen Thron (GL 393)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dich mit der ganzen Schöpfung zu rühmen.
Denn heute schauen wir deine heilige Stadt,
unsere Heimat, das himmlische Jerusalem.
Dort loben dich auf ewig
die verherrlichten Glieder der Kirche,
unsere Brüder und Schwestern,
die schon zur Vollendung gelangt sind.
Dorthin pilgern auch wir im Glauben,
ermutigt durch ihre Fürsprache und ihr Beispiel
und gehen freudig
dem Ziel der Verheißung entgegen.
Darum preisen wir dich
in der Gemeinschaft deiner Heiligen
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig. . .
MB Allerheiligen
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Die Schar der Heiligen verkündet deine Größe,
denn in der Krönung ihrer Verdienste
krönst du das Werk deiner Gnade.
Du schenkst uns in ihrem Leben ein Vorbild,
auf ihre Fürsprache gewährst du uns Hilfe
und gibst uns in ihrer Gemeinschaft
das verheißene Erbe.
Ihr Zeugnis verleiht uns die Kraft,
im Kampf gegen das Böse zu siegen
und mit ihnen die Krone der Herrlichkeit zu empfangen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Darum preisen wir dich mit allen Engeln
und Heiligen und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig. . .
MB Heilige 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und das Werk deiner Gnade zu preisen.
Denn in den Heiligen schenkst du der Kirche
leuchtende Zeichen deiner Liebe.
Durch das Zeugnis ihres Glaubens
verleihst du uns immer neu die Kraft,
nach der Fülle des Heiles zu streben.
Durch ihre Fürsprache und ihr heiliges Leben
gibst du uns Hoffnung und Zuversicht.
Darum rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen
und singen wie aus einem Munde
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig. .
MB Heilige 2
Wir glauben als Kinder Gottes an den Vater, der uns Leben ermöglicht. Darum rufen wir:
Herr Jesus,
du hast die Friedensstifter seliggepriesen, denn sie leben, was auch dich erfüllt hat.
Darum bitten wir dich:
Schaue nicht auf unsere Sünden…
Heilig werden wir,
wenn wir füreinander das Brot brechen.
Heilig werden wir,
wenn wir bereit sind miteinander zu teilen.
Heilig werden wir,
wenn wir uns von den anderen beschenken lassen.
Heilig werden wir,
wenn wir aufeinander hören.
Heilig werden wir,
wenn wir uns den Mitmenschen zuwenden.
Heilig werden wir,
wenn wir einander die Hand zur Versöhnung reichen.
Heilig werden wir,
wenn wir den Frieden suchen.
Heilig werden wir,
wenn die Liebe unser Leben bestimmt.
Heilig werden wir,
wenn wir tun,
was uns Jesus vorgelebt hat.
SELIG
die das Wohl der Anderen lieben wie ihr eigenes
denn sie werden ihren Egoismus überwinden
SELIG
die immer bereit sind den ersten Schritt zu tun
denn sie werden für Frieden und Einheit sorgen
SELIG
die nie sagen: jetzt ist Schluss
denn sie werden einen neuen Anfang finden
SELIG
die zuerst hören und dann reden
denn man wird ihr Wort aufnehmen
SELIG
die eine andere Meinung gelten lassen
denn sie werden integrieren und vermitteln können
SELIG
die ihre Macht nie missbrauchen
denn sie werden geachtet werden
SELIG
die unterliegen und verlieren können
denn
dann kann GOTT gewinnen
nach einem unbekannten Verfasser
Gott du allein bist heilig,
dich ehren wir, wenn wir der Heiligen gedenken.
Stärke durch dein Sakrament in uns das Leben der Gnade
und führe uns auf dem Weg der Pilgerschaft
zum ewigen Gastmahl,
wo du selbst die Vollendung der Heiligen bist.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Allerheiligen
Allmächtiger Gott,
du rufst uns in die Gemeinschaft deiner Heiligen,
du lässt dein Licht in uns leuchten.
Stärke unseren Glauben,
bewahre unsere Hoffnung
und entfalte unsere Liebe,
damit wir wie die Heiligen unseres Lebens Zeugnis geben
von deiner Gegenwart und Treue.
Segne uns, unsere Familien und unsere Wege,
dass wir in Frieden und Freude leben
und eines Tages aufgenommen werden in dein Reich.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. – Amen.
Dir, Gott, unsere Hoffnung,
danken wir, dass wir nicht alleine unterwegs sind.
In der Gemeinschaft aller Heiligen
freuen wir uns, von dir geliebt zu sein.
In unserer Lebenszeit
und weit über sie hinaus.
Schenke uns
einen liebevollen Blick auf das Leben,
auf die Menschen,
auf die vielen Wege,
die wir jeden Tag gehen.
Schenke uns auch einen liebevollen Blick
auf unsere Verstorbenen,
auf die Wege, die sie gegangen sind,
auf die Gemeinschaft, die sie uns geschenkt haben.
Lass sie in deinem Frieden ruhen.
Was wir nicht vollenden können,
wirst du in deiner Liebe vollenden.
Schenke uns deinen Segen,
Mut, für Gerechtigkeit und Wahrheit einzutreten
Gelassenheit, uns nicht aufscheuchen zu lassen,
und Liebe, mit anderen Menschen deinen Weg zu gehen.
Bis wir sehen, was wir glauben
In Christus, unserem Bruder und Herrn. – Amen.
Herr,
an diesem Allerheiligentag schauen wir auf Vorbilder,
die Heiligen, die uns mit ihrem Leben ein Beispiel überzeugten Glaubens vorgelebt haben.
Viele sind einen schweren Weg gegangen und sind dir treu geblieben.
Schenke auch uns die Kraft für unseren Glauben einzutreten,
wo immer wir gefordert sind und gib uns dazu deinen Segen. – Amen.
Guter Gott,
deine Zusage gilt auch uns,
dass wir selig sein werden,
wenn wir dem Evangelium deines Sohnes folgen,
dass uns eine gutes Miteinander
und die Bewahrung der Schöpfung gelingt,
wenn wir mit IHM auf diesem Weg bleiben.
Schenke uns wache Sinne
und ein gutes Miteinander
und zu allem deinen reichen Segen.
Das erbitten wir durch IHN,
der in seinem Wort uns hält. – Amen.
Gott, unser großes Du,
wir durften dich neu erfahren.
Wir durften dir Menschen von heute ans Herz legen.
Wir durften uns mit Menschen verbinden,
die nun viel mehr von dir wissen.
Für all das danken wir und bitten:
Lass es uns nie verlieren.
Darum bitten wir mit deinem Sohn Jesus,
den du uns gesandt hast. – Amen.
Der gütige Gott,
der die Heiligen zur Vollendung geführt hat,
segne euch und bewahre euch vor allem Unheil. - Amen.
Das Vorbild der Heiligen lehre euch,
und ihre Fürsprache helfe euch,
Gott und den Menschen zu dienen. - Amen.
Am heutigen Festtag gedenkt die Kirche in Freude aller Heiligen;
Gott führe euch nach diesem Leben zur ewigen Gemeinschaft mit ihnen. - Amen.
Das gewähre euch der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohn + und der Heilige Geist. - Amen.
MB Segen: Von allen Heiligen
Gott erfülle euch mit seinem Segen,
denn er liebt euch als seine Kinder. - Amen!
Gott erfülle euch mit seinem Segen,
dass ihr den Worten und Zeichen seines Sohnes folgen könnt. - Amen!
Gott erfülle euch mit seinem Segen,
dass ihr in seinem Geist auch morgen Zeugen Gottes sein könnt. - Amen!
So begleite euch und halte euch lebendig
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. - Amen.
Überlegungen zur Weitergabe des Glaubens im Wandel der Zeit.
Ganzes Dokument
Der Vatikan erkennt die Krise der Glaubensweitergabe. Doch bei Missbrauch, Reformen und der Rolle der Frauen bleiben entscheidende Fragen offen.
Die Diagnose des Vatikans ist deutlich: Die Weitergabe des christlichen Glaubens von einer Generation an die nächste funktioniert in vielen Teilen der Welt nicht mehr. Über Generationen hinweg galt es als selbstverständlich, dass Kinder und Jugendliche durch ihre Eltern und Großeltern in den Glauben hineinwachsen. Doch diese Selbstverständlichkeit ist vielerorts verloren gegangen. Einen "Automatismus" bei der Glaubensweitergabe gibt es kaum noch. Zu diesen Diagnosen und gleichzeitig Überlegungen kommt das vatikanische Dikasterium für die Glaubenslehre in seinem am Donnerstag veröffentlichten Dokument "Kommt zu mir. Überlegungen zur Weitergabe des Glaubens im Wandel der Zeit".
Ganzer Beitrag
Mario Trifunovic am 24.10.2026 auf katholisch.de
Die Gemeinschaft aller Gläubigen der Ekklesia in ihrer Gesamtheit wird traditionellerweise gesehen als die:
Diese Begriffe werden oft im Kontext der Lehre der römisch-katholischen Kirche über die Gemeinschaft der Heiligen und der Lehre von den letzten Dingen gebraucht. Obwohl Christen durch den Tod auf natürliche Weise voneinander getrennt sind, gehören sie der einen Kirche an.
https://de.wikipedia.org/wiki/Streitende,_leidende_und_triumphierende_Kirche
Am Sonntag der Weltmission hat Franziskus 14 Selige ins Verzeichnis der Heiligen aufgenommen: darunter auch den Tiroler Franziskanerpater Engelbert Kolland. Unter den neuen Heiligen sind neben den Märtyrern von Damaskus auch drei Ordensgründer.
mehr...
www.vaticannews.va am 20.10.2024
Predigt von Landesbischof Fischer zum Festgottesdienst "450 Jahre Heidelberger Katechismus" in der Heiliggeistkirche in Heidelberg am (12.05.2013).
https://www.ekiba.de/detail/nachricht-seite/id/4452-was-verstehst-du-unter-der-gemeinschaft-der-heiligen/?cat_id=235
www.ekiba.de (28.10.2023)
Bilaterale Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz und der Kirchenleitung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands
Download als PDF-File:
https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/communio_sanctorum.pdf
www.ekiba.de (28.10.2023)
Jesu, stärke deine Kinder
und mach aus denen Überwinder,
die du erkauft mit deinem Blut!
Schaffe in uns neues Leben,
dass wir uns stets zu dir erheben,
wenn uns entfallen will der Mut!
Gieß aus auf uns den Geist,
dadurch die Liebe fließt
in die Herzen:
so halten wir getreu an dir
im Tod und Leben für und für.
Wilhelm Erasmus Arends (1714). EG 164.
in einer unseligen Zeit
sprichst DU
Jesus
auch uns zu
dass wir selig sind
wenn wir uns
unserer Armut
unserer Trauer
und
unserem Durst
und Hunger
nach Gerechtigkeit
stellen
und
wenn wir
sanftmütig
und
barmherzig bleiben
die Reinheit des Herzens
bewahren
und
den Frieden suchen
in deiner Nachfolge
ja
dann sprichst DU uns zu
dass wir selig sind
und
uns freuen düfen
in DIR
Beatrix Senft 2023.
vielleicht wird nach meinem Tod Gottes Schiff kommen
das mich mitnimmt zu anderen Ufern
ein Schiff aus des Vaters Wort
das mich bergend aufnimmt in sicherer Fahrt
das mich heimbringt zu IHM
der mein sicherer Hafen sein will
und in diesem Hafen der Liebe Gottes warten schon die
die schon vor Zeiten diese Fahrt angetreten haben
und sie rufen mir Willkommen zu
nun bist auch du im Hafen – der keine Stürme mehr kennt
und wir werden uns nah sein – für immer
weil wir alle geborgen sind
in dieser einen Liebe Gottes
die uns für immer umschließt
Beatrix Senft 2023.
noch sind wir verwurzelt
hier auf Erden
doch wir gedenken
all euch Lieben
die ihr schon dem Himmel
entgegengewachsen seid
was immer wir uns waren
in unserer Liebe sind und
bleiben wir verbunden
bis kommt
unsere neue gemeinsame Zeit
in der sich alles zusammenfügt
in Gottes unermesslicher Liebe
in Unendlichkeit
dann werden wir uns
„einfach“
in IHM
und allem
nahe sein
Beatrix Senft 2023.
„Aller Heiligen“ gedenkt man am 1. November nur in der katholischen Kirche. Aber auch evangelische Christen können das Gleiche tun. Denn im Neuen Testament werden alle getauften Christen «Heilige» genannt.
Man vergleiche, wie Paulus die Gemeinde in seinen Briefen anredet und sich verabschiedet. So heißt es zu Beginn seines zweiten Briefes an die Gemeinde im griechischen Korinth: «Paulus … an die Gemeinde Gottes in Korinth samt allen Heiligen in Achaja».
Warum sind wir alle Heilige? Weil der Geist Gottes selbst uns allen an seiner Heiligkeit teilgibt (Epheser 3,16–19) – schon in unserem Zusammenleben in der irdischen Kirche und ganz gewiss nach unserem Tod, wenn wir durch seine Gnade in die himmlische Kirche unseres Herrn und Heilands Jesus Christus aufgenommen werden.
Aus: Ulrich Wilckens, Was Christen glauben. Fontis 2018.
(123) Die Gemeinschaft der Heiligen, die aus Gnade durch Wort und Sakrament gerechtfertigt und geheiligt sind, ist zum Dienst für Gott und die Menschen berufen. Das gilt für die Gemeinschaft als ganze wie für jedes einzelne Glied. Durch die heilige Taufe werden Menschen in das Volk Gottes eingegliedert, mit den Gaben des Heiligen Geistes beschenkt und berufen, Gott und ihre Nächsten zu lieben. „Die Taufe gliedert alle Gläubigen in das Volk Gottes des neuen Bundes ein und macht aus ihnen eine universale Priesterschaft, ein Werkzeug seines liebenden Plans für die ganze Schöpfung.“
Aus: Bilaterale Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz und der Kirchenleitung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands. Communio Sanctorum. Die Kirche als Gemeinschaft der Heiligen.
h eute noch
e rkenne
i ch in euren
l ebensspuren
i mmer
g ottes gütiges
e ntgegenkommen
Michael Lehmler
a uch wenn die schöpfung
l angsam - blatt für blatt -
l eichenblass wird - die
e wigkeit ist lebhafter und
r eicher und jeder ist ein
h elllichter traum
e ingepflanzt
i ns dunkel des
l ebens und des sterbens -
i mmer wirkt
g ott dem tod
e ntgegen
n euanfang
Michael Lehmler
nichts gehört dem nichts
alles leben läuft ins licht
unser leben
wird verklärt sein
in deiner liebe
bleiben wir zusammen
jubelndes singen
wundervolle freude
Michael Lehmler
Beim Betreten der Kirche
Ort meiner Kindheit –
Ort meines Lebens –
einladendes Licht
und die Heiligen
sie stehen im verhaltenen Licht
der farbigen Beleuchtung
geschnitzt –
schon mal vom Holzwurm angefressen –
aufgearbeitet und
neu bemalt
mal mit lieblichem Lächeln
mal mit verklärtem Blick
über uns stehend –
erhoben
jede Figur steht für eine eigene Geschichte
und doch mit der gleichen
Glauben gelebt –
oft bis in die letzte Konsequenz
vor allem
Glauben bezeugt
Glauben gelebt
sich liebend verschenkt
durch Höhen und Tiefen
in Freude und Leid
Glauben gelebt
in der Hoffnung auf Auferstehen
und Unendlichkeit
aber vor allem
Glauben gelebt
im Miteinander
im Füreinander
in der Weite des Herzens
zu dem einen
der den Anfang setzte
und der uns rief
in jedem anderen
IHN zu sehen
und seine Liebe weiterzutragen
und es gibt sie
bis heute
ja
es gibt nicht nur die Heiligen
die
berechtigt
auf einem Sockel stehen
es gibt sie
neben dir und mir
es gibt sie
die Menschen
die im täglichen Leben
auch heute bis an ihre Grenzen gehen
und
fest im Glauben stehen
und vielleicht erkennen wir
wie Heil bringend
heilig sie sind
die vielen namenlosen
nicht wertgeschätzten
kleinen Heiligen
neben dir und
neben mir
sie zu sehen und
zu achten
das könnte ein
aller HEILIGEN-FEST sein
Beatrix Senft, unveröffentlicht.
Endlich einer, der sagt:
"Selig die Armen!"
und nicht: "Wer Geld hat, ist glücklich!
Endlich einer, der sag:
"Liebt eure Feinde!"
und nicht: Nieder mit den Konkurrenten!
Endlich einer, der sagt:
"Selig, wenn man euch verfolgt!"
und nicht: Passt euch jeder Lage an!
Endlich einer, der sagt:
Der Erste soll der Diener aller sein!"
und nicht: Zeige, wer du bist!
Endlich einer, der sagt:
"Was nützt es dem Menschen,
wenn er die ganze Welt gewinnt!"
und nicht: Hauptsache vorwärtskommen!
Endlich einer, der sagt:
"Wer an mich glaubt, wird leben
in Ewigkeit!"
und nicht:
Was tot ist, ist tot!
Josef Dirnbeck/Martin Gutl in: Paul Jakobi, Damit das Glück Wurzeln schlägt, Mainz 1987.
Carlos Acutis, der 2006 im Alter von 15 Jahren an Leukämie starb, wird seit seinem Tod als "Cyber-Apostel" verehrt. Am 10. Oktober soll er in der italienischen Stadt Assisi seliggesprochen werden.
Eine ungewöhnliche Seligsprechung findet am 10. Oktober in der italienischen Stadt Assisi statt. Carlos Acutis, der 2006 im Alter von 15 Jahren an Leukämie starb, wird seit seinem Tod aufgrund seiner Affinität zum Internet und seiner intensiven Eucharistie- sowie Marienfrömmigkeit als "Cyber-Apostel" verehrt, wie das Internetportal www.katholisch.de berichtete.
Im Vorfeld der Seligsprechung wurde sein offenbar gut erhaltener Leichnam nun in einem mit einer Glasscheibe versehenen Grab in einem Altar zur öffentlichen Verehrung ausgestellt. Acutis' Körper trägt seine damalige Alltagskleidung: "Zum ersten Mal in der Geschichte sehen wir einen Heiligen in Jeans, Sneaker und Sweater", sagte Carlos Acacio Goncalves Ferreira, der Rektor der Kirche in Assisi, in der Acutis bestattet ist.
Ganzer Artikel:
https://www.diepresse.com/5876753/
6. Denken wir nicht nur an die, die bereits selig- oder heiliggesprochen wurden. Der Heilige Geist verströmt Heiligkeit überall, in das ganze heilige gläubige Gottesvolk hinein, denn es hat Gott gefallen, »die Menschen nicht einzeln und unabhängig von aller wechselseitigen Verbindung zu heiligen und zu retten, sondern sie zu einem Volke zu machen, das ihn in Wahrheit anerkennen und ihm in Heiligkeit dienen soll«.[3] Der Herr hat in der Heilsgeschichte ein Volk gerettet. Es gibt keine vollständige Identität ohne Zugehörigkeit zu einem Volk. Deshalb kann sich niemand allein, als isoliertes Individuum, retten, sondern Gott zieht uns an, wobei er das komplexe Geflecht zwischenmenschlicher Beziehungen berücksichtigt, das der menschlichen Gemeinschaft innewohnt: Gott wollte in eine soziale Dynamik eintreten, in die Dynamik eines Volkes.
7. Es gefällt mir, die Heiligkeit im geduldigen Volk Gottes zu sehen: in den Eltern, die ihre Kinder mit so viel Liebe erziehen, in den Männern und Frauen, die arbeiten, um das tägliche Brot nach Hause zu bringen, in den Kranken, in den älteren Ordensfrauen, die weiter lächeln. In dieser Beständigkeit eines tagtäglichen Voranschreitens sehe ich die Heiligkeit der streitenden Kirche. Oft ist das die Heiligkeit „von nebenan“, derer, die in unserer Nähe wohnen und die ein Widerschein der Gegenwart Gottes sind, oder, um es anders auszudrücken, „die Mittelschicht der Heiligkeit“.[4]
Mehr dazu:
https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2018-04/gaudete-et-exultate-exhortation-wortlaut-amtliche-uebersetzung.html
Aus: Apostolisches Schreiben Gaudete et exsultate des Heiligen Vaters Papst Franziskus über den Ruf zur Heiligekeit in der Welt von heute. Rom 19. März 2018.
Allerheiligen wird gerne als ein Fest beschrieben, welches das Gedächtnis aller Heiligen und Märtyrer vereint. So richtig das ist, kommt in dieser Erklärung doch ein Aspekt zu kurz, der in der Frühzeit des Festes eine Rolle gespielt hat: seine Nähe zu Ostern. Das hat durchaus Bedeutung: Die Heiligenverehrung sollte transparent sein auf das Osterereignis hin und wurde von hierher gedacht. Heiligenverehrung einesteils und Oster- oder Christusereignis andernteils wurden eng miteinander verbunden. Im Leben der Heiligen würde demnach sichtbar, was Nachfolge Christi bedeutet. Heilige nehmen in besonderer Weise an Leiden, Tod und Auferstehung Christi teil.
Die Geschichte von Allerheiligen ist nicht sehr gradlinig verlaufen. Nach Aussagen der Forschungsliteratur entwickelte sich aus einem stark österlich geprägten Festtag mehr und mehr ein Fest, das, vom Osterereignis gelöst, die Heiligenverehrung in den Vordergrund stellte. Allerheiligen wurde zudem immer enger mit Allerseelen, also dem Totengedächtnis, verbunden.
Erste Spuren für ein Fest aller Heiligen meint man in Syrien im 4. Jahrhundert ausmachen zu können. Am 13. Mai begegnet dort ein Fest, mit dem man aller Märtyrer gedachte. An anderer Stelle feierte man ein Gedächtnis aller Bekenner am Freitag der Osterwoche. Und einer Äußerung des Johannes Chrysostomus kann man entnehmen, dass in Konstantinopel am Sonntag nach Pfingsten ein entsprechendes Fest begangen wurde: „Es sind noch nicht sieben Tage vergangen, dass wir Pentecoste gefeiert haben“ (PG 50, 705), beginnt er eine Predigt, die alle Märtyrer auf dem ganzen Erdenrund preist. Der starke Bezug auf Ostern und die Osterzeit hat sich im Osten bis heute durchgehalten.
In Rom findet man ein solches Fest erst zwei Jahrhunderte später. Auch hier ist nach Pfingsten ein Sonntag, der als „Dominica in natali sanctorum“ bezeichnet wird, überliefert, also ein Festtag, der an den Todestag der Heiligen wie an einen „Geburtstag“ erinnert. Der Tag soll unter Papst Gregor I. (590-604) jedoch wieder abgeschafft worden sein.5 Papst Bonifatius IV. (608- 615) hat dann das Pantheon, das ihm der Kaiser zu diesem Zweck überlassen hatte,6 zu einem Memorialort für Maria und alle Heiligen erhoben. Legendarisch wird ausgemalt, der Papst habe auf 28 Wagen Gebeine von Märtyrern aus den Katakomben in die Kirche bringen lassen.
Aus: Benedikt Kranemann, Allerheiligen – Entstehung und Bedeutungswandel eines Hochfestes. – Theologisch Praktische Quartalschrift 4/2019. Verlag Friedrich Pustet.
Ich glaube, ein Grashalm ist nicht geringer
Als das Tagewerk der Sterne.
Und die Ameise ist ebenso vollkommen
Und ein Sandkorn und das Ei des Zaunkönigs
Und die Baumkröte ist ein Meisterwerk
Vor dem Höchsten
Und die Brommbeerranken wären eine Zierde
Der himmlischen Hallen,
Und das kleinste Gelenk meiner Hand
Spottet aller Maschinen,
Und die Kuh, wiederkäuend mit gesenktem Kopf
Übertrifft jede Statue,
Und eine Maus ist ein so großes Wunder,
Dass es Abermillionen von Ungläubigen erschüttert.
Walt Withman in: Anselm Spring; Leben im Licht. Herder Verlag Freiburg – Basel – Wien 1989.
Am 1.11. jeden Jahres feiert die katholische Kirche das Fest Allerheiligen, d.h. aller Heiligen. Damit nimmt sie Menschen in den Blick, deren Leben beispielhaft für andere war, die sich an Gott hielten und sich für andere Menschen einsetzten.
Heilig meint heil sein, ganz sein. Wie Gott zu Abraham sagt: „Geh vor mir und sei ganz.“ Katharina Kasper nennt das: „in sich ruhen und Gottes Gegenwart genießen.“ Überall Gottes gegenwärtig werden im Menschen, in der Natur, in den Ereignissen… Das Leben in einem großen Zusammenhang sehen.
Heilige sind nicht weggerückte Menschen, die auf einem Sockel stehen. Das hätten sie selbst sicher abgelehnt. Heilige sind Menschen, denen es gelungen ist, nach dem zu leben, was der Schöpfer ihnen in diese Welt mitgegeben hat. Der inneren tiefen Lebenssehnsucht Raum geben.
Schwester M. Simone ADCJ in: Aus der Stille leben. Ermutigende Impulse von Ordensleuten zum Kirchenjahr. Benno Verlag Leipzig, o. J.
Als das Schiff des Bischofs für einen Tag an einer fernen Insel anlegte, beschloss er, diesen Tag so gut wie möglich zu nutzen, Er schlenderte am Strand entlang und traf drei Fischer, die ihre Netze flickten. In Pidgin Englisch erklärten sie ihm, dass sie vor vielen Jahrhunderten von Missionaren christianisiert worden waren. „Wir Christen!“ sagten sie stolz und zeigten auf sich.
Der Bischof war beeindruckt. Kannten sie das Vaterunser? Davon hatten sie noch nie gehört. Der Bischof war schockiert. Wie konnten diese Männer behaupten, Christen zu sein, wenn sie nicht etwas so Grundlegendes wie das Vater Unser kannten?
„Was sagt Ihr also, wenn Ihr betet?“
„Wir heben Augen zum Himmel. Wir beten: ‚Wir sind drei, du bist drei, sei uns gnädig‘ Der Bischof war bestürzt über dieses primitive, ja zutiefst ketzerische Gebet. So verbrachte er den ganzen Tag damit, sie das Gebet des Herrn zu lehren.
[…]
Monate später passierte das Schiff des Bischofs zufällig wieder diese Inseln.
Als der gedankenverloren aufblickte, sah er im Osten einen hellen Fleck. Das Licht kam auf das Schiff zu, und als der Bischof verwundert hinsah, erkannte er drei Gestalten, die sich auf dem Wasser dem Schiff näherten. Der Kapitän stoppte, alle Matrosen beugten sich über die Reling, um das erstaunliche Ereignis zu sehen.
Als sie so nahe waren, dass man sie verstehen konnte, erkannte der Bischof seine drei Freunde, die Fischer. „Bischof“ riefen sie, „wir so froh, dich zu sehen. […] Wir vergessen schönes Gebet. Bitte sag uns ganzes Gebet noch einmal.“ Demütig sagte der Bischof: „Geht nach Hause zurück, gute Leute, und sagt, wenn Ihr betet: ‚Wir sind drei, du bist drei, sei uns gnädig‘“
Aus: Anthony de Mello; Warum der Vogel singt. Geschichten für das richtige Leben. Herder Verlag Freiburg – Basel – Wien 1984.
Paulus schreibt in den Briefen immer wieder die Formulierung: „Grüßt mir die Heiligen bei Euch!“
Er sieht in ihnen, wie es gelingt, das Leben zu meistern. Er sieht in ihnen, wie Gottes Liebe durch sie in unserer Welt präsent ist. Paulus meisterte das Ende seines Lebens Wer ihn erlebt hatte in seinen großen Predigten, fühlte sich von Gottes Liebe angesprochen und bestätigt.
Wenn wir am Freitag oder Samstag die Gräber unserer Angehörigen besuchen oder daran denken, wie wir es in besseren Tagen tun konnten, dann darf auch die Erinnerung lebendig bleiben: Sie haben ihr Leben zum Teil recht gut gemeistert. Sie waren darin für uns Vorbilder.
Sie waren Heilige!
Aus: Sonntagsgruß 94/43 vom 27.10.2019
In den kommenden Tagen feiern wir alle Heiligen und alle Verstorbenen, die in unserem Leben Spuren hinterlassen haben.
„Herr, ich möchte Dir danken für alle, denen du geholfen hast, überzeugende Boten deiner Liebe zu sein. Sie hat man heiliggesprochen.
Herr, ich möchte Dir danken für alle, deren Leben Du erfüllt hast mit Deinen Zeichen und Deiner Ermutigung, dem Leben zu trauen.
Darf ich mit der Bergpredigt sagen: Selig sind Sie?
Herr, ihnen hast Du es getan - und wenn Du willst, dann tue es auch mir.“
Aus: Sonntagsgruß 94/43 vom 27.10.2019
Geboren als Anjezë (Agnes) Gonxha Bojaxhiu; * 26. August 1910 in Üsküb, Osmanisches Reich (heute Skopje, Mazedonien); † 5. September 1997 in Kalkutta, Indien) war eine indische Ordensschwester und Missionarin albanischer Herkunft. Weltweit bekannt wurde sie durch ihre Arbeit mit Armen, Obdachlosen, Kranken und Sterbenden, für die sie 1979 den Friedensnobelpreis erhielt. In der katholischen Kirche wird Mutter Teresa als Heilige verehrt. Unter anderem wegen der sozialen und hygienischen Zustände in den Sterbehäusern sowie ihrer vermuteten eigentlichen Motivation der Missionierung und nicht der Hilfe sind ihre Arbeit und ihre Person umstritten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Mutter_Teresa
Wikipedia
[HTML] Den Brauch, für jene Verstorbenen zu beten, für die sonst niemand betet, finde ich berührend und sinnvoll. Es ist das Gebet für jene »vergessenen Seelen«, deren Leben auf Erden im Gedächtnis keines einzigen Lebenden noch eine Spur hinterlassen hat. Darauf geht wohl auch der persönliche Brauch einer älteren Dame zurück, besonders die vergessenen Heiligen zu verehren. Ein wenig Mitleid mit diesen namenlosen Heiligen im Himmel mag dabei eine Rolle spielen. Vielleicht kommt ein gewisser Gerechtigkeitssinn dazu. Heilige haben oft einen schweren, oft von anderen nicht beachteten Weg hinter sich. Die Heiligsprechung wäre wenigstens eine posthume Anerkennung. Aber die unbekannten Heiligen müssen auch auf diese Wiedergutmachung verzichten. So könnten die Überlegungen dieser Dame sein. Vielleicht ist auch eine gewisse Schlauheit dabei. Vielleicht die Annahme, daß solche Heilige, die von anderen Menschen nicht als Fürsprecher angerufen werden, deswegen auch weniger zu tun haben und sich eines Falles besser annehmen können. So wie man in einem Supermarkt schaut, bei welcher Kasse sich die wenigsten Leute angestellt haben. Diese liebenswürdige Schrulle einer freundlichen Dame meint vielleicht doch auch Bedenkenswertes. Denn es gibt sie natürlich wirklich, diese namenlosen Heiligen. Sie haben mit uns gelebt, sie leben unter uns, alte, aber auch junge. Wir haben sie nicht erkannt. Manchmal ist man mit einem solchen Menschen ins Gespräch gekommen. Als einen Heiligen aber hat man ihn nicht erkannt. Nur nachher hat man sich darüber gewundert, wie auf einmal der Alltag leuchtete und woher wohl der Frieden gekommen sein mag, den man in seinem Herzen spürte.
Aus: Joop Roeland, Die Stimme eines dünnen Schweigens, Die Quelle Verlag, Feldkirch 1992.
Am Samstag, den 21. Februar 2026 feierten wir das 30-jährige Bestehen des Predigtforums.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Der Text dieser Lesung stammt aus der literarischen Gattung der Apokalypse. Man bezeichnet damit göttliche Offenbarungen, die der Verfasser in Form von Visionen oder Auditionen empfangen hat. Diese schriftlich niedergelegten Visionen enthalten viele Symbole, die aus der Entstehungszeit her verstanden werden sollen.
Der Verfasser, ein Johannes, der sicher eine bedeutende prophetische Gestalt und Autorität in den kleinasiatischen Gemeinden war (aber nicht unbestritten mit dem Apostel Johannes gleichgestellt werden kann), verfasste die Apokalypse (= Enthüllung) unter der Regierung Kaiser Domitians um 95 n.Chr. Die Schrift sollte Mut machen in einer Zeit, in der heftige Christenverfolgungen ausgebrochen waren.
Der Verfasser ruft die Zusage in Erinnerung, die auch dem alttestamentlichen Volk in Zeiten der Not und Verfolgung von den Propheten gegeben wurde: der "große Tag Jahwes" kommt; Gott ist der absolute Herr der menschlichen Geschichte, er übergibt dem Lamm (= Christus) das Buch, das die volle Verwirklichung des Planes enthält. Trotz zahlreicher Schrecken (Verfolgung, Krieg, Hunger, Pest) werden die Gläubigen bewahrt werden.
Der Abschnitt der Lesung spricht tröstend davon, dass die Gläubigen sich ihres Sieges im Himmel freuen dürfen. Auch uns sagt der Text: "Die Welt ist nicht so finster, wie sie manchmal scheinen mag. Für die Treuen kommt die Rettung von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm." (Offb 7,10)
Die Lesung beinhaltet zwei apokalyptische Visionen: In der ersten erscheinen die vier Engel und bezeichnen die "Knechte unseres Gottes" mit dem Siegel - so wie in der Antike auch Tiere und Sklaven mit dem Siegel ihres Herrn bezeichnet waren und damit die Zugehörigkeit sichtbar gemacht wurde (vgl. auch Ez 9,2-7). Der Sinn des Siegels ist es, die auserwählten Knechte nicht vor den Stürmen der Endzeit, sondern in diesen Stürmen zu bewahren, damit sie durch sie hindurch zur Rettung gelangen.
Die Zahl der Knechte Gottes ist mit hundertvierundvierzigtausend angegeben. Das ist eine symbolische Zahl (12 mal 12 mal 1000), die besagt, dass es sich um die Fülle der Erwählten handelt. In dem Zwischenstück, das in der Perikopenordnung ausgelassen wird, wird die Zahl auf die zwölf Stämme Israels aufgeteilt. D. h. kein Stamm, kein Volk wird von Gott bevorzugt. Alle sind gleich.
Die zweite Vision: In dieser Endzeit gibt es keinen Unterschied mehr - weder im alten Gottesvolk, noch im neuen. Es hat sein Ziel erreicht: durch Drangsale und Opfer hindurch nun endlich vor Gott und mit Gott zu leben.
In den Visionen der Apokalypse spiegelt sich die Situation der Kirche wider: Laut Irenäus sei die Apokalypse des Johannes gegen Ende der Regierungszeit des Kaisers Domitian (81-96 n. Chr.) geschrieben worden. Christenverfolgungen sind vorausgegangen, neue Auseinandersetzungen stehen der Kirche bevor. In dieser Zeit soll die geheime Offenbarung die christlichen Gemeinden stärken.
Die Apokalypse richtet sich an sieben im Römischen Reich stark bedrängte christliche Gemeinden in Kleinasien, die von der Mission des Paulus von Tarsus theologisch geprägt waren, aber auch an allgemein an einen weiteren Adressatenkreis. Als Entstehungszeit können die Jahre 81 - 96 nach Christus - also die Regierungszeit des römischen Kaisers Domitian -angenommen werden.
In den Visionen der Apokalypse spiegelt sich die Situation der Kirche wider: Christenverfolgungen sind vorausgegangen, neue Auseinandersetzungen stehen der Kirche bevor. In dieser Zeit soll die Prophetie der Apokalypse die christlichen Gemeinden stärken. Das Buch möchte den Heilsplan Gottes enthüllen und so die Gemeindemitglieder ermutigen, den römischen Kaiserkult abzulehnen und auf die Wiederkunft Christi als Endrichter zu hoffen.
Die heutige Lesung ist ein Hoffnungstext, denn er spricht Rettung und Erlösung zu. Die Getauften aller Völker und die Zahl des Volkes Israel werden zusammengeführt. Das ist die Zahl der Vollkommenheit (12 x 12 x 1000). Alle erscheinen im weißen Kleid der Getauften und erringen den Sieg durch das Blut des Lammes, durch den Tod Jesu, der als Sühne verstanden wird. Als Sühne, die uns erlöst, befreit und zu neuem Leben berufen hat. Ihm verdanken alle, wir alle, unsere Rettung.
Nach einer einleitenden Vision wendet sich Christus selbst an sieben Gemeinden. Es folgt der längere Hauptteil, der vom thronenden Gott inmitten seines himmlischen Hofstaates spricht. Als Hauptthema sind die kommende Herrlichkeit und der Triumph Gottes anzusehen. Der endgültige und letztgültige Sieg Gottes hat bereits mit der Auferstehung Jesu begonnen.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz