Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Genesis.
Der HERR sah,
dass auf der Erde die Bosheit des Menschen zunahm
und dass alles Sinnen und Trachten seines Herzens immer nur böse war.
Da reute es den HERRN,
auf der Erde den Menschen gemacht zu haben,
und es tat seinem Herzen weh.
Da sprach Gott zu Noach:
Mach dir eine Arche aus Goferholz!
Statte sie mit Kammern aus
und dichte sie innen und außen mit Pech ab!
Von allem, was lebt,
von allen Wesen aus Fleisch,
führe je zwei in die Arche,
damit sie mit dir am Leben bleiben;
je ein Männchen und ein Weibchen sollen es sein.
Von allen Arten der Vögel,
von allen Arten des Viehs,
von allen Arten der Kriechtiere auf dem Erdboden
sollen je zwei zu dir kommen,
damit sie am Leben bleiben.
Nimm dir von allem Essbaren mit
und leg dir einen Vorrat an!
Dir und ihnen soll es zur Nahrung dienen.
Noach tat alles genauso, wie ihm Gott geboten hatte.
Lesung aus dem Buch der Sprichwörter:
So spricht die Weisheit Gottes:
Der HERR hat mich geschaffen als Anfang seines Weges,
vor seinen Werken in der Urzeit;
in frühester Zeit wurde ich gebildet,
am Anfang, beim Ursprung der Erde.
Als die Urmeere noch nicht waren, wurde ich geboren,
als es die Quellen noch nicht gab, die wasserreichen.
Ehe die Berge eingesenkt wurden,
vor den Hügeln wurde ich geboren.
Noch hatte er die Erde nicht gemacht und die Fluren
und alle Schollen des Festlands.
Als er den Himmel baute, war ich dabei,
als er den Erdkreis abmaß über den Wassern,
als er droben die Wolken befestigte
und Quellen strömen ließ aus dem Urmeer,
als er dem Meer sein Gesetz gab
und die Wasser nicht seinen Befehl übertreten durften,
als er die Fundamente der Erde abmaß,
da war ich als geliebtes Kind bei ihm.
Ich war seine Freude Tag für Tag
und spielte vor ihm allezeit.
Ich spielte auf seinem Erdenrund
und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein.
Nun, ihr Kinder, hört auf mich!
Selig, die auf meine Wege achten.
Hört die Mahnung und werdet weise,
lehnt sie nicht ab!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Genesis.
Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde.
Die Erde war wüst und wirr
und Finsternis lag über der Urflut
und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.
Gott sprach:
Es werde Licht.
Und es wurde Licht.
Gott sah, dass das Licht gut war.
Und Gott schied das Licht von der Finsternis.
Und Gott nannte das Licht Tag
und die Finsternis nannte er Nacht.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
erster Tag.
Dann sprach Gott:
Es werde ein Gewölbe mitten im Wasser
und scheide Wasser von Wasser.
Gott machte das Gewölbe
und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes
vom Wasser oberhalb des Gewölbes.
Und so geschah es.
Und Gott nannte das Gewölbe Himmel.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
zweiter Tag.
Dann sprach Gott:
Es sammle sich das Wasser unterhalb des Himmels an einem Ort
und das Trockene werde sichtbar.
Und so geschah es.
Und Gott nannte das Trockene Land
und die Ansammlung des Wassers nannte er Meer.
Gott sah, dass es gut war.
Dann sprach Gott:
Die Erde lasse junges Grün sprießen,
Gewächs, das Samen bildet,
Fruchtbäume,
die nach ihrer Art Früchte tragen mit Samen darin auf der Erde.
Und so geschah es.
Die Erde brachte junges Grün hervor,
Gewächs, das Samen nach seiner Art bildet,
und Bäume,
die Früchte tragen mit Samen darin nach ihrer Art.
Gott sah, dass es gut war.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
dritter Tag.
Dann sprach Gott:
Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein,
um Tag und Nacht zu scheiden.
Sie sollen als Zeichen
für Festzeiten, für Tage und Jahre dienen.
Sie sollen Lichter am Himmelsgewölbe sein,
um über die Erde hin zu leuchten.
Und so geschah es.
Gott machte die beiden großen Lichter,
das große zur Herrschaft über den Tag,
das kleine zur Herrschaft über die Nacht,
und die Sterne.
Gott setzte sie an das Himmelsgewölbe,
damit sie über die Erde leuchten,
über Tag und Nacht herrschen
und das Licht von der Finsternis scheiden.
Gott sah, dass es gut war.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
vierter Tag.
Dann sprach Gott:
Das Wasser wimmle von Schwärmen lebendiger Wesen
und Vögel sollen über der Erde am Himmelsgewölbe fliegen.
Und Gott erschuf die großen Wassertiere und alle Lebewesen,
die sich fortbewegen nach ihrer Art,
von denen das Wasser wimmelt,
und alle gefiederten Vögel nach ihrer Art.
Gott sah, dass es gut war.
Gott segnete sie
und sprach: Seid fruchtbar und mehrt euch!
Füllt das Wasser im Meer
und die Vögel sollen sich auf Erden vermehren.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
fünfter Tag.
Dann sprach Gott:
Die Erde bringe Lebewesen aller Art hervor,
von Vieh,
von Kriechtieren
und von Wildtieren der Erde nach ihrer Art.
Und so geschah es.
Gott machte die Wildtiere der Erde nach ihrer Art,
das Vieh nach seiner Art
und alle Kriechtiere auf dem Erdboden nach ihrer Art.
Gott sah, dass es gut war.
Dann sprach Gott:
Lasst uns Menschen machen
als unser Bild, uns ähnlich!
Sie sollen walten über die Fische des Meeres,
über die Vögel des Himmels,
über das Vieh,
über die ganze Erde
und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen.
Gott erschuf den Menschen als sein Bild,
als Bild Gottes erschuf er ihn.
Männlich und weiblich erschuf er sie.
Gott segnete sie
und Gott sprach zu ihnen:
Seid fruchtbar und mehrt euch,
füllt die Erde
und unterwerft sie
und waltet über die Fische des Meeres,
über die Vögel des Himmels
und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!
Dann sprach Gott:
Siehe, ich gebe euch alles Gewächs,
das Samen bildet auf der ganzen Erde,
und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin.
Euch sollen sie zur Nahrung dienen.
Allen Tieren der Erde,
allen Vögeln des Himmels
und allem, was auf der Erde kriecht,
das Lebensatem in sich hat,
gebe ich alles grüne Gewächs zur Nahrung.
Und so geschah es.
Gott sah alles an, was er gemacht hatte:
Und siehe, es war sehr gut.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
der sechste Tag.
So wurden Himmel und Erde und ihr ganzes Heer vollendet.
Am siebten Tag
vollendete Gott das Werk, das er gemacht hatte,
und er ruhte am siebten Tag,
nachdem er sein ganzes Werk gemacht hatte.
Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn;
denn an ihm ruhte Gott,
nachdem er das ganze Werk erschaffen hatte.
Das ist die Geschichte der Entstehung
von Himmel und Erde, als sie erschaffen wurden.
Zur Zeit, als Gott, der HERR,
Erde und Himmel machte,
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Es handelt sich um den ersten der beiden Schöpfungsberichte aus dem Buch Genesis. Er entstammt in seiner Endgestalt vermutlich der Zeit nach dem Babylonischen Exil, also frühestens der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts vor Christus. Ein zentrales Anliegen war es damals wohl zu zeigen, daß der Gott des kleinen, machtlosen Israel der Schöpfer des Himmels, der Erde und der Menschen ist.
Von seiner Gattung her ist der erste Schöpfungsbericht der Genesis eine "Kosmogonie", also eine Erzählung von der Entstehung des Kosmos. Allerdings darf er nicht als eine naturwissenschaftliche Darstellung im heutigen Sinn verstanden werden. Es handelt sich nicht um einen Tatsachenbericht, sondern es geht um eine theologische Aussage über Gott und sein Verhältnis zur Welt und zum Menschen. Wichtige Aspekte dieser Aussage seien im folgenden genannt:
1. Der Schöpfungsbericht ist das Bekenntnis, daß die Welt und der Mensch sich Gott verdanken und deshalb in guten Händen geborgen sind.
2. Die Schöpfung ist Gleichnis und Ausdruck Gottes. So wie ein Kunstwerk auf seinen Meister verweist, verweist die Welt auf ihren Schöpfer. Gott gibt der Welt seine Gutheit mit und will sie in ihr zur Geltung gebracht sehen.
3. In besonderer Weise gilt dies vom Menschen. Er wird als das Ebenbild Gottes bezeichnet (Gen 1:27). Im ganzen antiken Denken hat das Ebenbild engste Beziehung mit dem Urbild. Es ist gewissermaßen der Stellvertreter des Urbildes.
4. Zum menschlichen Sein gehört von Anfang an die Dimension der Gemeinschaft. Gerade in der Gemeinschaftlichkeit und im Aufeinander-verwiesen-sein von Mann und Frau ist der Mensch Ebenbild Gottes.
5. Gott als Schöpfer anzuerkennen heißt, auch die Verantwortung des Menschen für die Schöpfung zu sehen. Der sogenannte Herrschaftsauftrag (Gen 1:28) versetzt den Menschen in die Stellung eines Sachwalters. Er soll die Schöpfung sich aneignen und kreativ weiterführen. Wer den Herrschaftsauftrag des Menschen über die Schöpfung im Sinne von bloßer Selbstherrlichkeit auffaßt, mißversteht ihn. Der Mensch und die übrige Schöpfung bilden eine Solidargemeinschaft, da sie beide von Gott hervorgebracht sind. Außerdem wird der Herrschaftsauftrag in einem Segenswort übertragen. Das heißt: Nur unter den Bedingungen des Segens ist dieser Auftrag erfüllbar.
Für das Volk Israel war die Vorstellung von Gott als Schöpfer gegenüber der Vorstellung von Gott als dem geschichtsmächtigen Befreier aus der Knechtschaft Ägyptens lange Zeit eher zweitrangig, wiewohl freilich nicht unwichtig. Erst die frühe Kirche hat den Schöpfungsglauben zu einer vorrangigen Lehre gemacht: siehe Glaubensbekenntnis. In der Osternacht, die in vielerlei Hinsicht aufs Ganze geht, haben beide Sichtweisen des einen Gottes ihren Platz. Gott als der gute Schöpfer und der in der Geschichte wirkende Gott.
Lesung aus dem Buch Genesis.
Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde.
Dann sprach Gott:
Lasst uns Menschen machen
als unser Bild, uns ähnlich!
Sie sollen walten über die Fische des Meeres,
über die Vögel des Himmels,
über das Vieh,
über die ganze Erde
und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen.
Gott erschuf den Menschen als sein Bild,
als Bild Gottes erschuf er ihn.
Männlich und weiblich erschuf er sie.
Gott segnete sie
und Gott sprach zu ihnen:
Seid fruchtbar und mehrt euch,
füllt die Erde
und unterwerft sie
und waltet über die Fische des Meeres,
über die Vögel des Himmels
und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!
Dann sprach Gott:
Siehe, ich gebe euch alles Gewächs,
das Samen bildet auf der ganzen Erde,
und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin.
Euch sollen sie zur Nahrung dienen.
Allen Tieren der Erde,
allen Vögeln des Himmels
und allem, was auf der Erde kriecht,
das Lebensatem in sich hat,
gebe ich alles grüne Gewächs zur Nahrung.
Und so geschah es.
Gott sah alles an, was er gemacht hatte:
Und siehe, es war sehr gut.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Noach war ein gerechter, untadeliger Mann unter seinen Zeitgenossen;
er ging mit Gott.
Die Erde aber war vor Gott verdorben,
die Erde war voller Gewalttat.
Gott sah sich die Erde an
und siehe, sie war verdorben;
denn alle Wesen aus Fleisch auf der Erde lebten verdorben.
Da sprach Gott zu Noach:
Ich sehe, das Ende aller Wesen aus Fleisch ist gekommen;
denn durch sie ist die Erde voller Gewalttat.
Siehe, ich will sie zugleich mit der Erde verderben.
Mach dir eine Arche aus Goferholz!
Statte sie mit Kammern aus
und dichte sie innen und außen mit Pech ab!
Ich bin es.
Siehe, ich will die Flut, das Wasser, über die Erde bringen,
um alle Wesen aus Fleisch unter dem Himmel,
alles, was Lebensgeist in sich hat, zu verderben.
Alles auf Erden soll den Tod finden.
Mit dir aber richte ich meinen Bund auf.
Geh in die Arche, du, deine Söhne,
deine Frau und die Frauen deiner Söhne!
Von allem, was lebt,
von allen Wesen aus Fleisch,
führe je zwei in die Arche,
damit sie mit dir am Leben bleiben;
je ein Männchen und ein Weibchen sollen es sein.
Von allen Arten der Vögel,
von allen Arten des Viehs,
von allen Arten der Kriechtiere auf dem Erdboden
sollen je zwei zu dir kommen,
damit sie am Leben bleiben.
Nimm dir von allem Essbaren mit
und leg dir einen Vorrat an!
Dir und ihnen soll es zur Nahrung dienen.
Noach tat alles genauso,
wie ihm Gott geboten hatte.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Genesis.
Gott sprach zu Noach
und seinen Söhnen, die bei ihm waren:
Ich bin es.
Siehe, ich richte meinen Bund auf
mit euch und mit euren Nachkommen nach euch
und mit allen Lebewesen bei euch,
mit den Vögeln, dem Vieh und allen Wildtieren der Erde bei euch,
mit allen, die aus der Arche gekommen sind,
mit allen Wildtieren der Erde überhaupt.
Ich richte meinen Bund mit euch auf:
Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch
vom Wasser der Flut ausgerottet werden;
nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben.
Und Gott sprach:
Das ist das Zeichen des Bundes,
den ich stifte zwischen mir und euch
und den lebendigen Wesen bei euch
für alle kommenden Generationen:
Meinen Bogen setze ich in die Wolken;
er soll das Zeichen des Bundes werden
zwischen mir und der Erde.
Balle ich Wolken über der Erde zusammen
und erscheint der Bogen in den Wolken,
dann gedenke ich des Bundes,
der besteht zwischen mir und euch
und allen Lebewesen, allen Wesen aus Fleisch,
und das Wasser wird nie wieder zur Flut werden,
die alle Wesen aus Fleisch verdirbt.
Steht der Bogen in den Wolken,
so werde ich auf ihn sehen
und des ewigen Bundes gedenken
zwischen Gott und allen lebenden Wesen,
allen Wesen aus Fleisch auf der Erde.
Und Gott sprach zu Noach:
Dies ist das Zeichen des Bundes,
den ich zwischen mir und allen Wesen aus Fleisch auf der Erde aufgerichtet habe.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Schriftlesungen zum Beginn der österlichen Bußzeit beginnen mit einer Verheißung. Aus der Sintflutgeschichte hören wir die Zusage Gottes, daß Gott weiterhin den Menschen zugewandt bleibt. Und daß er ein Gott des Beistandes ist.
Im Zentrum der priesterlichen Schrift steht der Bundesschluß. Es geht dabei nicht um einen beiderseitigen Abschluß eines Bundes oder Vertrages, sondern Gott selbst gibt hier eine feierliche Bindung und Zusage. Die Menschen sind hingegen die beschenkten Bundespartner. Im Zeichen des Regenbogens wird diese Zusage besiegelt. Gott selbst will sich an die Zusage immer wieder erinnern.
Hintergrund dieser Erzählung ist auch die Erfahrung des babylonischen Exils. Hinter all den negativen und schlimmen Erfahrungen, dürfen sich die Menschen doch immer wieder an den geschenkten Bund und die Treue Gottes halten und auf ihn bauen.
Israel ist ein Volk, das auf seinen Gottesbund setzt. Dieser Bund wird in den 5 Büchern Mose immer wieder thematisiert. Der Noahbund ist ein Mosaikstein der großen Aussage: Gott steht zu uns.
Besonders in der Zeit des Exils war dieser Bund wichtig. Wenn Gott nicht mehr will, dass alles ausgerottet wird, dann muss die aktuelle Not in der Verbannung einen glücklichen Ausgang finden.
Ein Zeichen der Schöpfung, das sich in allen Gegenden finden lässt, wird zum Zeichen des Bundes. Es gibt keinen Ort, an dem Gott sich nicht zu seinem Bund und seiner Treue bekennen kann.
Unsere Perikope steht am Ende der Sintfluterzählung, gehört aber zugleich auch zum Finale der Priesterschrift in der Urgeschichte (Gen 1 bis 10).
Die "sehr gute" Schöpfung ist durch die Gewalttat des Menschen verdorben worden (6,11-13). Über die aus der Ordnung geratene Schöpfung ergeht das Gericht Gottes (Sintflut), aber über ihr waltet die Treue Gottes und seine erbarmende Liebe.
Der Text der ersten Lesung läßt zwei Teile erkennen:
Die erste Rede (9, 8 –11) kündigt den Bundesschluß an. Noach und seinen Nachkommen, alle kommenden Geschlechter (d. h. allen Menschen), aber auch die Tiere sind Partner dieses Bundes. Gott garantiert die Beständigkeit dieser Schöpfung und gibt die Zusicherung, daß eine Sintflut sich nicht wiederholen wird.
Die zweite Rede (9,12–16) beschreibt diesen Bundesschluß. Für den Menschen des Altertums bedeuten die Gewitter die Bedrohung, dass das Chaos ausbrechen kann. Der Regenbogen nach dem Unwetter ist das natürliche Zeichen des Aufatmens. Dieses natürliche Zeichen wird aufgegriffen und zum Zeichen dafür gemacht, dass Gott das Chaos ein für allemal überwunden hat. Indem er den Bogen in die Wolken setzt, stiftet Gott zugleich ein dauerhaftes, ewiges Zeichen des Bundes. Jedes neue Erscheinen dieses Bundeszeichens erneuert den "Noachbund" und erinnert die Menschen an die Treue Gottes zur ganzen Schöpfung.
Lesung aus dem Buch Genesis
Der Pharao hatte einen Traum:
Siehe, er stand am Nil.
Siehe, aus dem Nil stiegen sieben Kühe
von schönem Aussehen und fett im Fleisch
und weideten im Riedgras.
Nach ihnen stiegen sieben andere Kühe aus dem Nil;
sie waren von hässlichem Aussehen
und mager im Fleisch.
Sie stellten sich neben die Kühe am Ufer des Nils.
Und die hässlichen, mageren Kühe
fraßen die sieben schön aussehenden
und fetten Kühe auf.
Dann erwachte der Pharao.
Er schlief aber wieder ein
und träumte ein zweites Mal:
Siehe, an einem einzigen Halm
wuchsen sieben Ähren,
prall und schön.
Doch siehe:
Nach ihnen wuchsen sieben kümmerliche,
vom Ostwind ausgedörrte Ähren.
Die kümmerlichen Ähren
verschlangen die sieben prallen, vollen Ähren.
Der Pharao wachte auf:
Siehe, es war ein Traum.
Am Morgen fühlte er sich beunruhigt;
er schickte hin
und ließ alle Wahrsager und Weisen Ägyptens rufen.
Der Pharao erzählte ihnen seine Träume,
doch keiner war da, der sie ihm deuten konnte.
Da schickte der Pharao hin und ließ Josef rufen.
Man holte ihn schnell aus der Grube,
schor ihm die Haare,
er wechselte seine Obergewänder
und kam zum Pharao.
Der Pharao sagte zu Josef:
Ich hatte einen Traum,
doch keiner kann ihn deuten.
Von dir habe ich aber gehört,
du brauchst einen Traum nur zu hören,
dann kannst du ihn deuten.
Josef antwortete dem Pharao:
Nicht ich, sondern Gott
wird zum Wohl des Pharao
eine Antwort geben.
Darauf sagte Josef zum Pharao:
Der Traum des Pharao ist ein und derselbe.
Gott hat dem Pharao kundgetan,
was er vorhat:
Die sieben schönen Kühe sind sieben Jahre
und die sieben schönen Ähren sind sieben Jahre.
Es ist ein und derselbe Traum.
Die sieben mageren und hässlichen Kühe,
die nachher heraufkamen,
sind sieben Jahre
und die sieben leeren,
vom Ostwind ausgedörrten Ähren
sind sieben Jahre Hungersnot.
Siehe, sieben Jahre kommen,
da wird großer Überfluss
im ganzen Land Ägypten sein.
Nach ihnen aber
werden sieben Jahre Hungersnot heraufziehen:
Da wird der ganze Überfluss im Land Ägypten
vergessen sein
und Hunger wird das Land auszehren.
Dann wird man nichts mehr
vom Überfluss im Land merken wegen des Hungers,
der danach kommt;
denn er wird sehr drückend sein.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Deuteronomium:
Höre, Israel!
Der HERR, unser Gott, der HERR ist einzig.
Darum sollst du den HERRN, deinen Gott,
lieben mit ganzem Herzen,
mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.
Und diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte,
sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen.
Du sollst sie deinen Kindern wiederholen.
Du sollst sie sprechen, wenn du zu Hause sitzt
und wenn du auf der Straße gehst,
wenn du dich schlafen legst
und wenn du aufstehst.
Du sollst sie als Zeichen um das Handgelenk binden.
Sie sollen zum Schmuck auf deiner Stirn werden.
Du sollst sie auf die Türpfosten deines Hauses
und in deine Stadttore schreiben.
Und wenn der HERR, dein Gott,
dich in das Land geführt hat, von dem du weißt:
er hat deinen Vätern
Abraham, Isaak und Jakob geschworen,
es dir zu geben
- große und schöne Städte, die du nicht gebaut hast,
mit allen Gütern gefüllte Häuser,
die du nicht gefüllt hast,
ausgehauene Zisternen,
die du nicht ausgehauen hast,
Weinberge und Ölbäume,
die du nicht gepflanzt hast - ,
wenn du dann isst und satt wirst:
nimm dich in Acht,
dass du nicht den HERRN vergisst,
der dich aus Ägypten, dem Sklavenhaus, geführt hat!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Dieser Abschnitt schließt an den Dekalog (Dtn 5) an und leitet zu den Unterweisungen des Volkes über (Dtn 7-11).
Dtn 6,4-5 (bzw. 4-9) wurde später einer der wichtigsten liturgischen Texte des Judentums: Zusammen mit Dtn 11,13-21 und Num 15,37-41 ist es das "Schemac"-Gebet.
Wenn sich Israel an die Gesetze hält, wird ihm Wohlstand verheißen. Mit dem "Höre, Israel" (vgl. auch Dtn 5,1; 9,1; 20,3; 27,9) wird eine Grundsatzaussage, gleichsam ein Glaubensbekenntnis eingeleitet.
Das Bekenntnis zum einen Gott hängt zusammen mit dem Liebesgebot; es geht nicht mehr nur um ein juristisches Verhältnis anhand der Gesetze, sondern um ein Liebesverhältnis zu Gott, um "Vater-Kind".
"Diese Worte" (also eigentlich das gesamte Gesetzeswerk) müssen gelernt und weitergegeben werden.
Das Besondere dieser Stelle ist die eindringliche Aufforderung zur Gottesliebe (vgl. Hosea). Dieses ist das erste und wichtigste aller Gebote.
Lesung aus dem Buch Deuteronomium:
Wenn der HERR, dein Gott,
dich in ein prächtiges Land führt,
ein Land mit Bächen, Quellen und Grundwasser,
das im Tal und am Berg hervorquillt,
ein Land mit Weizen und Gerste,
mit Weinstock, Feigenbaum und Granatbaum,
ein Land mit Ölbaum und Honig,
ein Land, in dem du nicht armselig dein Brot essen musst,
in dem es dir an nichts fehlt,
ein Land, dessen Steine aus Eisen sind,
aus dessen Bergen du Erz gewinnst;
wenn du dort isst und satt wirst
und den HERRN, deinen Gott,
für das prächtige Land, das er dir gegeben hat, preist,
dann nimm dich in Acht und vergiss den HERRN,
deinen Gott, nicht,
missachte nicht seine Gebote,
Rechtsentscheide und Satzungen,
auf die ich dich heute verpflichte!
Und wenn du gegessen hast und satt geworden bist
und prächtige Häuser gebaut hast und sie bewohnst,
wenn deine Rinder, Schafe und Ziegen sich vermehren
und Silber und Gold sich bei dir häuft
und dein gesamter Besitz sich vermehrt,
dann nimm dich in Acht,
dass dein Herz nicht hochmütig wird
und du den HERRN, deinen Gott, nicht vergisst,
der dich aus Ägypten, dem Sklavenhaus, geführt hat;
der dich durch die große und Furcht erregende Wüste
geführt hat,
durch Feuernattern und Skorpione,
durch ausgedörrtes Land, wo es kein Wasser gab;
der für dich Wasser aus dem Felsen der Steilwand
hervorsprudeln ließ;
der dich in der Wüste mit dem Manna speiste,
das deine Väter noch nicht kannten,
um, nachdem er dich gefügig gemacht
und dich geprüft hat, dir zuletzt Gutes zu tun.
Dann nimm dich in Acht
und denk nicht bei dir:
Ich habe mir diesen Reichtum aus eigener Kraft
und mit eigener Hand erworben.
Gedenke vielmehr des HERRN, deines Gottes:
Er ist es, der dir die Kraft gibt, Reichtum zu erwerben,
weil er seinen Bund,
den er deinen Vätern geschworen hatte,
so verwirklichen will, wie er es heute tut.
Nach dem Erhalt der Bundesgebote (5,1-22) und seiner Ausfaltung in Kap. 6 ("Höre Israel, der Herr, unser Gott, ist einzig.") wird Israel der Lohn für die Treue zu Gottes Gebot verheißen: der Besitz des verheißenen Landes.
Der Weg durch die Wüste wird hier pädagogisch gedeutet als ein Einüben in die Gottesfurcht und in den Gottesdienst.
8,3: "Er wollte dich erkennen lassen, daß der Mensch nicht nur von Brot lebt, sondern daß der Mensch von allem lebt, was der Mund des Herrn spricht."
In 8,7ff wird zuerst das Land mit all seinem Reichtum geschildert - und gleichzeitig die Warnung ausgesprochen: Gerade anhand des Überflusses darf auf Gott nicht vergessen werden (V. 11). Ebenso wird vor dem Hochmut gewarnt (V. 14), der zur Gottvergessenheit führen kann.
Die Versuchung besteht darin zu sagen: all der Reichtum wurde aus eigener Kraft erworben (V. 17). Demgegenüber betont Dtn 8,18: alles verdankt sich Gott.
V. 19f wird die Drohung angefügt für den Fall des Vergessens: Gott wird das Volk vertilgen.
Der Text aus dem Buch Deuteronomium stellt sich in eine Reihe anderer Texte des Ersten und Zweiten Testaments, die den richtigen Umgang mit den Gütern der Welt vermitteln wollen. Dem Verfasser steht sicher eine Zeit des Wohlstandes im Volk Israel vor Augen: vermutlich die Zeit König Joschijas (641-609 v. Chr.), in der durch die Schwäche beider vorderasiatischen Hegemonialmächte (Assur und Ägypten – Babylon ist noch nicht zu seiner späteren Stärke gelangt) Juda sich nahezu auf das alte davidische Territorium wieder ausdehnen konnte.
Angesichts des Wohlstandes mahnt der Verfasser, dass die Menschen nicht den Geber dieser Gaben, Jahwe, vergessen sollen. Er warnt vor Gottvergessenheit und Hochmut angesichts des Reichtums. Durch die Erinnerung an die entbehrungsreichen Anfangszeiten des Volkes Israel, wird dem Volk die Größe Gottes, dem sie alles zu verdanken haben, vor Augen geführt.
Lesung aus dem Buch Ezechiel:
Der Mann, der mich begleitete,
führte er mich zum Eingang des Tempels zurück
und siehe, Wasser strömte unter der Tempelschwelle hervor nach Osten hin;
denn die vordere Seite des Tempels schaute nach Osten.
Das Wasser floss unterhalb der rechten Seite des Tempels herab,
südlich vom Altar.
Dann führte er mich durch das Nordtor hinaus
und ließ mich außen herum zum äußeren Osttor gehen.
Und siehe, das Wasser rieselte an der Südseite hervor.
Der Mann ging nach Osten hinaus, mit der Messschnur in der Hand,
maß tausend Ellen ab
und ließ mich durch das Wasser gehen;
das Wasser reichte mir bis an die Knöchel.
Dann maß er wieder tausend Ellen ab
und ließ mich durch das Wasser gehen;
das Wasser reichte mir bis zu den Knien.
Darauf maß er wieder tausend Ellen ab
und ließ mich hindurchgehen;
das Wasser ging mir bis an die Hüften.
Und er maß noch einmal tausend Ellen ab.
Da war es ein Fluss,
den ich nicht mehr durchschreiten konnte;
denn das Wasser war tief,
ein Wasser, durch das man schwimmen musste,
ein Fluss, den man nicht mehr durchschreiten konnte.
Dann fragte er mich:
Hast du es gesehen, Menschensohn?
Darauf führte er mich zurück, am Ufer des Flusses entlang.
Als ich zurückging,
siehe, da waren an beiden Ufern des Flusses sehr viele Bäume.
Er sagte zu mir:
Diese Wasser fließen hinaus in den östlichen Bezirk,
sie strömen in die Araba hinab und münden in das Meer.
Sobald sie aber in das Meer gelangt sind,
werden die Wasser gesund.
Wohin der Fluss gelangt, da werden alle Lebewesen,
alles, was sich regt, leben können
und sehr viele Fische wird es geben.
Weil dieses Wasser dort hinkommt, werden sie gesund;
wohin der Fluss kommt, dort bleibt alles am Leben.
An beiden Ufern des Flusses wachsen alle Arten von Obstbäumen.
Ihr Laub wird nicht welken und sie werden nie ohne Frucht sein.
Jeden Monat tragen sie frische Früchte;
denn ihre Wasser kommen aus dem Heiligtum.
Die Früchte werden als Speise
und die Blätter als Heilmittel dienen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Aus dem Buch des Propheten Joël.
Fürchte dich nicht, Ackerboden!
Freu dich und juble;
denn der HERR hat Großes getan!
Fürchtet euch nicht, ihr Tiere auf dem Feld!
Denn das Gras in der Steppe wird wieder grün,
der Baum trägt seine Frucht,
Feigenbaum und Weinstock bringen ihren Ertrag.
Jubelt, ihr Kinder Zions,
und freut euch über den HERRN, euren Gott!
Denn er gibt euch Nahrung, wie es recht ist.
Er schickt euch den Regen,
Herbstregen und Frühjahrsregen
wie in früherer Zeit.
Die Tennen sind voll von Getreide,
die Keltern fließen über von Wein und Öl.
Ich ersetze euch die Ernten,
die von der Wanderheuschrecke und der Larve,
vom Nager und vom Grashüpfer gefressen wurden,
von meinem großen Heer,
das ich gegen euch sandte.
Ihr werdet essen und satt werden
und den Namen des HERRN, eures Gottes, preisen,
der für euch solche Wunder getan hat.
Mein Volk braucht sich nie mehr zu schämen.
Dann werdet ihr erkennen,
dass ich mitten in Israel bin
und dass ich der HERR, euer Gott, bin,
ich und sonst niemand.
Mein Volk braucht sich nie mehr zu schämen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Lesungstext ist dem ersten Teil des Prophetenbuches Joel entnommen. Die Zeit, in der er entstanden ist, lässt sich nicht mit Sicherheit datieren.
Im ersten Kapitel wird eine Heuschreckenplage und eine darauf folgende Dürre beschrieben und beklagt, die das ganze Land in eine Hungersnot stürzte. Der Prophet sieht sie als Vorzeichen des Tages des Herrn und ruft zu Buße und Umkehr auf.
Der Abschnitt der Lesung enthält bereits die Antwort des Herrn auf Buße und Umkehr und verheißt neue Fruchtbarkeit. Der reiche Ertrag wird ebenso wie die vorangehende Katasprophe als Zeichen Gottes verstanden. Das Volk soll erkennen, dass er in seiner Mitte ist und für es sorgt.
Lesung aus der Apostelgeschichte:
Sie hielten an der Lehre der Apostel fest
und an der Gemeinschaft,
am Brechen des Brotes und an den Gebeten.
Alle wurden von Furcht ergriffen;
und durch die Apostel
geschahen viele Wunder und Zeichen.
Und alle, die glaubten,
waren an demselben Ort
und hatten alles gemeinsam.
Sie verkauften Hab und Gut
und teilten davon allen zu,
jedem so viel, wie er nötig hatte.
Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel,
brachen in ihren Häusern das Brot
und hielten miteinander Mahl
in Freude und Lauterkeit des Herzens.
Sie lobten Gott
und fanden Gunst beim ganzen Volk.
Und der Herr
fügte täglich ihrer Gemeinschaft die hinzu,
die gerettet werden sollten.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
In der Schriftstelle aus der Apostelgeschichte werden idealtypische Elemente christlich-gemeindlichen Lebens in wenigen Strichen herausgearbeitet:
das Festhalten an der Lehre der Zeugen des Auferstandenen, also der Apostel, die Einmütigkeit untereinander und die soziale Verantwortung sowie die Gemeinschaft in Eucharistie und Gebet.
Nicht zu übersehen ist, dass der Tempel der Mittelpunkt dieser christlichen Urgemeinde von Jerusalem war. Tag für Tag war man dort. Das entsprach dem Wurzelboden der Urgemeinde wie auch der Jesusbewegung überhaupt.
Die knappen Angaben über die ersten Christen von Jerusalem erweisen einen großen Beziehungsreichtum: Das Leben des einzelnen vollzieht sich in der Beziehung zu Gott (Gebet) und zu den Mitmenschen (Einmütigkeit, soziale Verantwortung). Auch die Christengemeinde als ganze weiß sich in doppelter Beziehung: Sie lebt aus der Gemeinschaft mit dem erhöhten Herrn (Eucharistie) und übt einen guten Einfluß auf sie umgebende andersgläubige Menschengruppen aus. Gottesdienst und Weltverantwortung sind kennzeichnend für die Christengemeinde.
Bei der vorliegenden Textstelle aus der Apostelgeschichte handelt es sich um einen Sammelbericht, wie sie in der Apostelgeschichte noch einige vorkommen. Es geht dabei nicht um eine historische Schilderung, sondern will Lukas vielmehr idealtypisch Elemente christlichen Lebens an der Urgemeinde herausarbeiten.
Richtig verstandenes Beibehalten alter Traditionen, Einmütigkeit (nicht 100% Übereinstimmung in allen Belangen) und soziale Verantwortung, Gemeinschaft der Eucharistie und Gebet sind damals wie heute Grundpfeiler christlichen Gemeindelebens. Wenn Lukas hier das Wort "verharren" verwendet, so bedeutet das auch: Ausharren in Geduld, ständige Bereitschaft zum Neubeginn, auch das Durchhalten so mancher ernüchternder Situationen, die oft gar nichts mehr mit dem Enthusiasmus der ersten Zeit zu tun hat.
Die wenigen Angaben über das Gemeindeleben spiegeln einen großen Beziehungsreichtum: Das Leben des einzelnen Christen vollzieht sich in der Beziehung zu Gott (Gebet) und zu den Mitmenschen (Einmütigkeit, soziale Verantwortung).
Auch die Christengemeinde als ganze weiß sich in doppelter Beziehung: Sie lebt aus der Gemeinschaft mit dem erhöhten Herrn (Eucharistie) und übt einen guten Einfluß auf sie umgebende andersgläubige Menschengruppen aus (beachte auch den Gedanken der Kontrastgesellschaft im Werk der beiden Lohfinks). Gottesdienst und Weltverantwortung sind kennzeichnend für die Christengemeinde.
In der ersten Lesung werden Szenen und Situationen geschildert, die einen idealtypischen Charakter besitzen und wichtige Elemente des Lebens in der Gemeinde darstellen:
- Festhalten an der Lehre der Apostel
- Einmütigkeit untereinander
- soziale Verantwortung
- Gemeinschaft in Eucharistie und Gebet
Dreh- und Angelpunkt des Handelns der Gemeinde war der Tempel, "in dem sie Tag für Tag einmütig verharrten".
In diesem kurzen Text zeigen sich auch die Grundpfeiler christlichen Lebens: Martyria (Verkündigung und das Bekenntnis der Frohbotschaft - Zeugnis geben), Liturgia (Gedächtnis von Leben, Sterben und Auferstehung Jesu Christi), Diakonia (Dienst am Notleidenden, am Nächsten - soziale Verantwortung) und Koinonia (Gemeinschaft).
Kv: Preise den HERRN, meine Seele!
Herr, mein Gott, überaus groß bist du! - Kv
(oder GL 58,1)
Preise den HERRN, meine Seele! /
HERR, mein Gott, überaus groß bist du!
Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.
Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel,
du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt. - Kv
Du verankerst die Balken deiner Wohnung im Wasser. /
Du nimmst dir die Wolken zum Wagen,
du fährst einher auf den Flügeln des Windes.
Du machst die Winde zu deinen Boten,
zu deinen Dienern Feuer und Flamme. - Kv
Wie zahlreich sind deine Werke, HERR, /
sie alle hast du mit Weisheit gemacht,
die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Da ist das Meer, so groß und weit,
darin ein Gewimmel, nicht zu zählen: kleine und große Tiere. - Kv
Auf dich warten sie alle,
dass du ihnen ihre Speise gibst zur rechten Zeit.
Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein,
öffnest du deine Hand, werden sie gesättigt mit Gutem. - Kv
Verbirgst du dein Angesicht, sind sie verstört, /
nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin
und kehren zurück zum Staub.
Du sendest deinen Geist aus: Sie werden erschaffen
und du erneuerst das Angesicht der Erde. - Kv
Kv - Die Völker sollen dir danken, o Gott,
danken sollen dir die Völker alle. – Kv
(oder GL 55,1)
Gott sei uns gnädig und segne uns.
Er lasse sein Angesicht über uns leuchten,
damit man auf Erden deinen Weg erkenne,
deine Rettung unter allen Völkern.- Kv
Die Nationen sollen sich freuen und jubeln, /
denn du richtest die Völker nach Recht
und leitest die Nationen auf Erden.
Die Völker sollen dir danken, Gott,
danken sollen dir die Völker alle.- Kv
Die Erde gab ihren Ertrag.
Gott, unser Gott, er segne uns!
Es segne uns Gott!
Fürchten sollen ihn alle Enden der Erde.- Kv
Lesung aus dem Buch der Psalmen.
Preise den HERRN, meine Seele!
HERR, mein Gott, überaus groß bist du!
Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.
Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel,
du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt.
Du lässt Quellen sprudeln in Bäche,
sie eilen zwischen den Bergen dahin.
Sie tränken alle Tiere des Feldes,
die Wildesel stillen ihren Durst.
Darüber wohnen die Vögel des Himmels,
aus den Zweigen erklingt ihr Gesang.
Du tränkst die Berge aus deinen Kammern,
von der Frucht deiner Werke wird die Erde satt.
Du lässt Gras wachsen für das Vieh
und Pflanzen für den Ackerbau des Menschen,
damit er Brot gewinnt von der Erde
und Wein, der das Herz des Menschen erfreut,
damit er das Angesicht erglänzen lässt mit Öl
und Brot das Herz des Menschen stärkt.
Die Bäume des HERRN trinken sich satt,
die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat,
dort bauen die Vögel ihr Nest,
auf den Zypressen nistet der Storch.
Die hohen Berge gehören dem Steinbock,
dem Klippdachs bieten die Felsen Zuflucht.
Du machst den Mond zum Maß für die Zeiten,
die Sonne weiß, wann sie untergeht.
Du sendest Finsternis und es wird Nacht,
dann regen sich alle Tiere des Waldes.
Die jungen Löwen brüllen nach Beute,
sie verlangen von Gott ihre Nahrung.
Strahlt die Sonne dann auf, so schleichen sie heim
und lagern sich in ihren Verstecken.
Nun geht der Mensch hinaus an sein Tagwerk,
an seine Arbeit bis zum Abend.
Wie zahlreich sind deine Werke, HERR,
sie alle hast du mit Weisheit gemacht,
die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Ich will dem HERRN singen in meinem Leben,
meinem Gott singen und spielen, solange ich da bin.
Preise den HERRN, meine Seele! Halleluja!
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Ich bin überzeugt,
dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten
im Vergleich zu der Herrlichkeit,
die an uns offenbar werden soll.
Denn die Schöpfung
wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes.
Gewiss, die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen,
nicht aus eigenem Willen,
sondern durch den, der sie unterworfen hat,
auf Hoffnung hin:
Denn auch sie, die Schöpfung,
soll von der Knechtschaft der Vergänglichkeit befreit werden
zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Mensch ist ein Teil der ganzen Schöpfung. Das Leben der Christen in dieser Welt hat als Ziel die Herrlichkeit bei Gott. Der Weg dorthin ist gekennzeichnet durch Solidarität mit der Schöpfung, denn wir stehen wie sie unter dem Gesetz der Vergänglichkeit. Doch als Christen haben wir eine sichere Hoffnung: Gott führt uns und alles Geschaffene den Weg zu Befreiung aus aller Knechtschaft und Verlorenheit hin zur Freiheit und Herrlichkeit, die ihren Grund allein in Gott hat.
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an Timotheus.
Die Frömmigkeit bringt in der Tat reichen Gewinn,
wenn man genügsam ist.
Denn wir haben nichts in die Welt mitgebracht
und wir können auch nichts aus ihr mitnehmen.
Wenn wir Nahrung und Kleidung haben,
soll uns das genügen.
Die aber reich sein wollen,
geraten in Versuchung und Verstrickung
und in viele sinnlose und schädliche Begierden,
welche die Menschen ins Verderben
und in den Untergang stürzen.
Denn die Wurzel aller Übel ist die Habsucht.
Nicht wenige, die ihr verfielen,
sind vom Glauben abgeirrt
und haben sich viele Qualen bereitet.
Du aber, ein Mann Gottes,
flieh vor alldem!
Strebe vielmehr nach Gerechtigkeit,
Frömmigkeit, Glauben, Liebe,
Standhaftigkeit und Sanftmut!
Ermahne die, die in dieser Welt reich sind,
nicht überheblich zu werden
und ihre Hoffnung
nicht auf den unsicheren Reichtum zu setzen,
sondern auf Gott,
der uns alles reichlich gibt, was wir brauchen!
Sie sollen wohltätig sein,
reich werden an guten Werken,
freigebig sein
und, was sie haben, mit anderen teilen.
So sammeln sie sich einen Schatz
als sichere Grundlage für die Zukunft,
um das wahre Leben zu erlangen.
Timotheus, bewahre, was dir anvertraut ist!
Halte dich fern von dem gottlosen Geschwätz
und den Widersprüchen
der fälschlich sogenannten Erkenntnis!
Einige, die sich darauf eingelassen haben,
sind vom Weg des Glaubens abgekommen.
Die Gnade sei mit euch!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der erste und der zweite Brief an Timotheus und der Brief an Titus werden seit dem 18. Jahrhundert "Pastoralbriefe" genannt. Sie geben Anweisungen für die "Pastores", die "Hirten" und Leiter christlicher Gemeinden. Die paulinische Herkunft wird unter Exegeten nicht mehr für sicher gehalten. Die Pastoralbriefe könnte ein späterer, Paulus-begeisterter "Paulusschüler", verfaßt haben, der für eine veränderte Situation in der Kirche das Evangelium des Paulus verkünden wollte und der vielleicht um 100 in Kleinasien lebte.
Timotheus wurde von Paulus in Ikonien bekehrt und war von der zweiten Missionsreise an sein ständiger Begleiter (vgl. Apg 16,1-3). Wegen seiner Hilfe in der schwierigen Missionsarbeit wird er vom Apostel sehr geschätzt. Die Überlieferung kennt ihn als ersten Bischof von Ephesus (vgl. 1 Tim1,3; 2 Tim 1,6).
Zur Lesungsperikope: Angesichts der schweren Einbrüche des Irrglaubens in die Gemeinde, soll sich Timotheus im Glaubenskampf bewähren als Diener Christi an der Gemeinde. Paulus ist erschüttert, ihn trifft das Schicksal derer, die sich selbst und andere in den Untergang mit hineinziehen.
Der Apostel spricht Timotheus als "Mann Gottes" an, weil er, wie die alttestamentlichen Propheten, in einem besonders engen und nahen Verhältnis zu Gott steht, dem er durch Berufung (Taufe) und Amt (Weihe) sein ganzes Leben geweiht hat. Wie in einem Wettlauf soll er einem anderen Ziel nachjagen, jenen Tugenden, die sein Verhältnis zu Gott und den Menschen regeln. Denn Gott selbst hat Timotheus berufen und dieser hat mit seinem Bekenntnis geantwortet. Welches Bekenntnis hier gemeint ist – jener bei der Taufe oder jenes bei der Weihe - geht nicht eindeutig aus dem Text hervor.
Timotheus soll sich nach Paulus in einem heiligen Lebenswandel das "Gebot", den christlichen Glauben, bewahren, und zwar bis zur Ankunft Christi im Weltgericht. Die Wiederkunft Christi wird als "Epiphanie" - Erscheinung - bezeichnet. Das Wann der Erscheinung kennt der Mensch nicht. Gott allein kennt den Zeitpunkt. Der Christ muß sie erwarten und stets bereit sein.
Die Mahnung des Apostels klingt aus in einem Lobpreis Gottes. Vor Gott kann keine irdische Macht bestehen. Gott allein besitzt Unsterblichkeit und wohnt in unzugänglichem Lichte. Damit ist er jeder menschlichen Erkenntnis unerreichbar, wenn nicht Gottes Gnade den Menschen selbst zu Licht emporhebt. Am Ende steht ein Lobwort, in dem die ewige und unbeschränkte Macht Gottes hervorgehoben wird.
Halleluja, Halleluja.
Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:
In jener Zeit sprach Jesus:
Ich sage euch:
Sorgt euch nicht um euer Leben,
was ihr essen oder trinken sollt,
noch um euren Leib,
was ihr anziehen sollt!
Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung
und der Leib mehr als die Kleidung?
Seht euch die Vögel des Himmels an:
Sie säen nicht,
sie ernten nicht
und sammeln keine Vorräte in Scheunen;
euer himmlischer Vater ernährt sie.
Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?
Wer von euch kann mit all seiner Sorge
sein Leben
auch nur um eine kleine Spanne verlängern?
Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung?
Lernt von den Lilien des Feldes,
wie sie wachsen:
Sie arbeiten nicht und spinnen nicht.
Doch ich sage euch:
Selbst Salomo war in all seiner Pracht
nicht gekleidet wie eine von ihnen.
Wenn aber Gott schon das Gras so kleidet,
das heute auf dem Feld steht
und morgen in den Ofen geworfen wird,
wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!
Macht euch also keine Sorgen
und fragt nicht: Was sollen wir essen?
Was sollen wir trinken?
Was sollen wir anziehen?
Denn nach alldem streben die Heiden.
Euer himmlischer Vater weiß,
dass ihr das alles braucht.
Sucht aber zuerst sein Reich
und seine Gerechtigkeit;
dann wird euch alles andere dazugegeben.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit
trieb der Geist Jesus in die Wüste.
Jesus blieb vierzig Tage in der Wüste
und wurde vom Satan in Versuchung geführt.
Er lebte bei den wilden Tieren
und die Engel dienten ihm.
Nachdem Johannes ausgeliefert worden war,
ging Jesus nach Galiläa;
er verkündete das Evangelium Gottes
und sprach: Die Zeit ist erfüllt,
das Reich Gottes ist nahe.
Kehrt um
und glaubt an das Evangelium!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Schriftstelle ist zweigeteilt. Der erste Teil besteht aus der Versuchungsgeschichte, die eigentlich mehr den Abschluß der vorausgehenden Tauferzählung bildet.
Der zweite Teil wird bei den meisten Übersetzungen (so auch in der Einheitsübersetzung) mit einer eigenen Überschrift versehen, also abgehoben.
Der Vers 14 ist das "Summarium der Verkündigung Jesu", eine Zusammenfassung der Predigt Jesu (nämlich "das Evangelium Gottes"), während der Vers 15 konkreter ausformuliert, was Jesus verkündete:
"Die Zeit ist erfüllt": Hinter diesem Ausspruch "steht das Wissen, das Gott die Zeiten festlegt. So hat Gott den Zeitpunkt des Auftretens Jesu im voraus bestimmt." Mit ihm vollzieht sich die Zeitenwende, der Anbruch der Endzeit. Damit ist die Nähe der Gottesherrschaft eindeutig festgemacht.
Die Gottesherrschaft stellt sich aber "nicht als kosmisches Ereignis mit herabstoßenden Engelscharen", sondern "als ein verborgener Anfang, den nicht jedes Auge wahrnahm, sondern nur der Glaube."
Umkehr: Im Gegensatz zum Aufruf zur Umkehr und Buße bei Johannes, ruft Jesus zur Umkehr angesichts der nahendenn Gottesherrschaft auf, und es setzen die Zwölf Apostel diesen Ruf auch fort.
Mit Umkehr ist biblisch gesprochen die "Kehre des Lebens, die den Lebensweg radikal umwenden will und den gedanklichen Bereich selbstverständlich miteinbezieht und die sich im praktischen Leben auswirken muß. Ziel der Wandlung auf dem Weg, der also bis dahin ein falscher war, ist Gott, weil die Gottesherrschaft hier alle Bereiche des menschlichen Lebens des einzelnen, den privaten und öffentlichen, den ethischen und politischen, umgreift."
Die Forderung hinter all dem ist der Glaube an das Evangelium von Jesus Christus.
Die Verse 1-15 im ersten Kapitel bilden den "Prolog" des ältesten der vier Evangelien. Das Stichwort "Evangelium" im Vers 1 und in den Versen 14 und 15 bildet gleichsam den Rahmen dieses Prologs. Die prophetische Rede und Wirksamkeit des Johannes wird von der Verkündigung Jesu und den Ereignissen um seine Person (Taufe, Versuchung) überboten. Jesus, zu dem sich im Bericht von der Taufe der Vater bekennt, soll schon hier als Hauptperson des ganzen Evangeliums herausgestellt werden.
Der knappe und sprachlich markante Bericht vom Wüstenaufenthalt und der Versuchung Jesu steht in engem Zusammenhang mit der Taufe im Jordan. Der Geist, der auf Jesus herabgekommen ist, führt ihn in die Wüste, den Ort der Gottesbegegnung, aber auch den Ort, an dem das Böse mächtig ist.
Jesus ist dem Satan überlegen. Gottes Geist ist unvergleichlich stärker als die Macht des Bösen. Das friedliche Zusammensein mit den wilden Tieren deutet darauf hin, dass mit dem Anbrechen der Gottesherrschaft paradiesische Zustände einkehren. Eine Adam-Christus-Typologie wird angedeutet. Die messianische Zeit bricht an. Boten Gottes bedienen den Gesalbten des Herrn.
Der Hinweis auf die Gefangennahme des Täufers Johannes (Vers 14) will sicher nicht nur einen zeitlichen Zusammenhang herstellen, er hat auch eine theologische Bedeutung. Der unbegreifliche Plan Gottes steht dahinter: Auch Jesus wird ausgeliefert werden. Der Ausdruck "Evangelium Gottes", der nur hier bei Markus steht, hat höchstwahrscheinlich seinen Ursprung im Freudenboten von Jesaia 52,7. Jesus ist der Bringer der Freudenbotschaft Gottes. Seine Verkündigung bedeutet Heil und Frieden.
Der Vers 15 faßt in vier knappen Aussagen, von denen je zwei zusammengehören, die Predigt Jesu zusammen: "Die Zeit ist erfüllt!" und "Das Reich Gottes ist nahe!" – "Kehrt um!" und "Glaubt an das Evangelium!". Jetzt ist der "Kairos", der rechte Augenblick. Jesu Heilsverkündigung steht in der Spannung zwischen dem "Schon jetzt" und "Noch Nicht", zwischen Heilsgegenwart und Heilszukunft (... ist nahe). Wer auf den Ruf Jesu mit der totalen Hinwendung seines Lebens auf Gott antwortet, der wird auch die rettende Macht des Glaubens erfahren.
Nach der Wüste beginnt Jesu Auftritt. Wüste ist Ort der Erinnerung an die Gottesbegegnung im Sinai. Und es ist die Erinnerung an die vielen Erfahrungen beim Exodus. An diese Erinnerungen knüpft der Geist an, der Jesus in die Wüste führt (Mk 1,12).
Aus der "Fülle der Geschichte" verkündet Jesus die Botschaft der Umkehr. Sie ist Botschaft zur Erinnerung an die Fülle der Zuwendungen Gottes.
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit sagte Jesus:
Mit dem Reich Gottes ist es so,
wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;
dann schläft er und steht wieder auf,
es wird Nacht und wird Tag,
der Samen keimt und wächst
und der Mann weiß nicht, wie.
Die Erde bringt von selbst ihre Frucht,
zuerst den Halm, dann die Ähre,
dann das volle Korn in der Ähre.
Sobald aber die Frucht reif ist,
legt er die Sichel an;
denn die Zeit der Ernte ist da.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Das Gleichnis von der selbstwachsenden Saat findet sich im vierten Kapitel des Markusevangeliums zusammen mit anderen Gleichnissen vom Werden und von der Vollendung des Reiches Gottes.
Aufmerksam wird hier ein bekannter Vorgang aus der Realität landwirtschaftlichen Lebens und Arbeitens geschildert, der gleichwohl zum Staunen und zur Dankbarkeit anregen kann. Denn: Kein Tun des Sämanns kann erklären, warum am Ende das Feld zur Ernte reif dasteht. Während die Saat aufgeht und von selbst wächst, wartet der Sämann. Wenn das Getreide reif ist, ist die Zeit zur Ernte gekommen. Es ist Gott, der das Aufgehen und Wachsen der Saat bis zur reifen Frucht fördert und garantiert.
Wie mit der Saat so verhält es sich auch mit dem Reich Gottes. Aus den kleinen Anfängen im unscheinbaren Wort der Verkündigung oder im Leben in der Jesusnachfolge erwächst das Gottesreich durch geheimnisvolle Kraft, bis es in voller Frucht steht und die Zeit der Ernte gekommen ist.
Das Gleichnis führt von der Beschreibung einer natürlichen Wirklichkeit zur Einsicht in eine übernatürliche Wirklichkeit. Es kann aber umgekehrt auch die übernatürliche Wirklichkeit das Geheimnisvolle und Wunderbare in den Vorgängen der Natur erschließen helfen.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
Als Jesus die vielen Menschen sah,
stieg er auf den Berg.
Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm.
Und er öffnete seinen Mund,
er lehrte sie und sprach:
Ich sage euch:
Sorgt euch nicht um euer Leben,
was ihr essen oder trinken sollt,
noch um euren Leib,
was ihr anziehen sollt!
Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung
und der Leib mehr als die Kleidung?
Seht euch die Vögel des Himmels an:
Sie säen nicht,
sie ernten nicht
und sammeln keine Vorräte in Scheunen;
euer himmlischer Vater ernährt sie.
Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?
Wer von euch kann mit all seiner Sorge
sein Leben
auch nur um eine kleine Spanne verlängern?
Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung?
Lernt von den Lilien des Feldes,
wie sie wachsen:
Sie arbeiten nicht und spinnen nicht.
Doch ich sage euch:
Selbst Salomo war in all seiner Pracht
nicht gekleidet wie eine von ihnen.
Wenn aber Gott schon das Gras so kleidet,
das heute auf dem Feld steht
und morgen in den Ofen geworfen wird,
wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!
Macht euch also keine Sorgen
und fragt nicht: Was sollen wir essen?
Was sollen wir trinken?
Was sollen wir anziehen?
Denn nach alldem streben die Heiden.
Euer himmlischer Vater weiß,
dass ihr das alles braucht.
Sucht aber zuerst sein Reich
und seine Gerechtigkeit;
dann wird euch alles andere dazugegeben.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit
verließ Jesus das Gebiet von Tyrus wieder
und kam über Sidon an den See von Galiläa,
mitten in das Gebiet der Dekapolis.
Da brachten sie zu ihm einen, der taub war und stammelte,
und baten ihn, er möge ihm die Hand auflegen.
Er nahm ihn beiseite,
von der Menge weg,
legte ihm die Finger in die Ohren
und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel;
danach blickte er zum Himmel auf,
seufzte
und sagte zu ihm: Effata!,
das heißt: Öffne dich!
Sogleich öffneten sich seine Ohren,
seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit
und er konnte richtig reden.
Jesus verbot ihnen, jemandem davon zu erzählen.
Doch je mehr er es ihnen verbot,
desto mehr verkündeten sie es.
Sie staunten über alle Maßen
und sagten: Er hat alles gut gemacht;
er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Im Gebiet der Dekapolis, der zehn Städte am Ostufer des Sees Genesareth, bringen Unbekannte einen Unbekannten zu Jesus. Der Unbekannte ist taubstumm und wahrscheinlich ein Heide. Das griechische Wort für Stummheit bedeutet in etwa "er konnte nur stammeln".
Ein Kind, das nicht hören kann, stammelt meist nur und lernt (ohne heutige medizinische Standards) auch nie richtig sprechen. Ob er allerdings von Geburt an taubstumm gewesen ist oder erst aufgrund einer Krankheit, kann aus dem Text nicht geschlossen werden. Sicher ist hingegen, daß Taubheit damals oft mit Besessenheit gleichgesetzt worden ist. Dieser Taubstumme wird also zu Jesus gebracht, und seine Heilung, ein Wunder, wird erwartet.
Jesus nimmt den Kranken beiseite, da dieser in der Masse hilflos zu sein scheint, und Jesus möchte ihm den nötigen Raum zur "gesamtmenschlichen" Begegnung mit ihm geben. Die Finger waren oft Sinnbilder einer Kraftübertragung und werden hier auf die "Orte des Schmerzes" gelegt. Speichel kam im Alten Orient eine heilende und exorzistische Bedeutung zu. Der Blick zum Himmel drückt die tiefe Verbundenheit mit Gott aus. Die Heilung kommt nicht von verborgenen Kräften, es werden keine unverständlichen Riten und Rituale praktiziert, sondern die Heilung beruft sich auf die Kraft Gottes. Dadurch lösen sich die (dämonischen?) Blockaden im Körper des Taubstummen und er wird zu einer normalen menschlichen Kommunikation befähigt.
Jesus will aber nicht, daß die Menschen von dieser Heilung berichten. Seine Zeit, die Zeit in der die Menschen sein Tun erst begreifen werden, ist die Zeit des Kreuzes und diese ist noch nicht gekommen. Logisch, daß die Menge dieses Wunder nicht geheim halten konnte. Doch sie läuft gleichsam Gefahr, das Wesentliche zu übersehen und am Wunder "hängen zu bleiben". Das "effata", das "öffne dich" gilt auch für die Menge.
Das Evangelium dieses Sonntags erzählt von einer wunderbaren Heilung eines Tabstummen. Diese Geschichte ist einzigartig. Obwohl sie Matthäus und Lukas vorgelegen hat, haben sie sie nicht übernommen. Sie wird ganz nach dem Muster der Wunder- und Heilungserzählungen, die es im palästinenschischen und hellnistischen Umfeld gegeben hat, erzählt. Die Erzählung beschreibt ungewöhnlich bis ins Detail, was der Heiler mit dem zu Heilenden anstellt. So zu erzählen war damals üblich.
Markus gibt dieser Erzählung jedoch seine eigene Deutung. Diese läßt sich aus dem Kontext und dem Schweigegebot, das Markus an mehreren Stellen einfügt, ablesen. Für Markus ist Jesus der verborgene Gottessohn, der erst am Kreuz offenbar wird. Was man von ihm schon vor diesem Offenbarwerden erzählt und erzählen kann, ist mißverständlich. Deshalb fügt Markus immer wieder das Schweigegebot ein.
"Die Heiden" (Dekapolis und Gliläa, wo sie diese Ereignisse zutragen, gelten als heidnische Gebiete) mißverstehen Jesu Wundertäter, göttlichen Arzt, Wohltäter der Menscheit...
Jesus läßt sich aber auch nicht nach den Forderungen der Pharisäer nach jüdischen Vorstellungen verstehen.
Auch die Jünger verstehen ihn nicht (vgl. Mk 8, 21).
Der Abschluß der Erzählung knüpft jedoch an die alttestamentliche Überlieferung vom Schöpfer, der alles gut macht, und vom Retter, der heilt und die Schöpfung wieder herstellt, an.
Die Geschichte von der Heilung des Hör- und Sprachbehinderten steht im Zusammenhang von verschiedenen Heilungs- und auch anderen Wundergeschichten. Diese Wundergeschichten haben zwei Aussageebenen: Zuerst verweisen sie auf die Wirkmächtigkeit des Gottessohnes. Die Taten sollen die Menschen wissen lassen: Das, was er sagt, stimmt wirklich. Und all jene, die keine Ahnung haben von Torah und Propheten, bekommen mit: Da ist einer, mit dem bricht Neues an - da muss man wirklich daran glauben. Darüber hinaus soll der fromme Jude erfahren: Mit diesem Mann erfüllen sich die Schriften der Alten. Im Fall der Heilung des Hör- und Sprachbehinderten sind es die Worte aus Jesaja 35.
Ein kleines Detail in der Geschichte verwundert (und nicht nur in dieser): Immer wieder verbietet Jesus nach seiner Tat den Leuten - den Geheilten wie der Zeugenschaft - zu erzählen, was sie erlebt haben. Eigentlich sollte man annehmen, das Gegenteil müsse Jesu Absicht sein. Vermutlich ist das Schweigegebot ein Hinweis darauf, dass das Handeln Jesu mit der Heilung nicht fertig ist. Darauf verweist auch die Komposition unserer Sonntagsliturgie, wenn dem Evangelium die Jesaja-Lesung vorangeht, die von der Erfüllung des Heilsversprechens erzählt. Diesen Hinweis hatten die Menschen damals aber nicht. Für sie sollte sich der Sinn der Heils- und Wundertaten mit der Erfahrung der Auferstehung Jesu erschließen. Und bis zu diesem Moment sollten sie nicht marktschreierisch und unverständig von dem erzählen, was sie gesehen hatten. In allen Heilungsgeschichten können wir nachlesen: Dieses Schweigegebot ist ungehört verhallt.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:
In jener Zeit
bat einer aus der Volksmenge Jesus:
Meister, sag meinem Bruder,
er soll das Erbe mit mir teilen!
Er erwiderte ihm: Mensch,
wer hat mich zum Richter oder Erbteiler bei euch eingesetzt?
Dann sagte er zu den Leuten: Gebt Acht,
hütet euch vor jeder Art von Habgier!
Denn das Leben eines Menschen besteht nicht darin,
dass einer im Überfluss seines Besitzes lebt.
Und er erzählte ihnen folgendes Gleichnis:
Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte.
Da überlegte er bei sich selbst: Was soll ich tun?
Ich habe keinen Platz, wo ich meine Ernte unterbringen könnte.
Schließlich sagte er:
So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen
und größere bauen;
dort werde ich mein ganzes Getreide
und meine Vorräte unterbringen.
Dann werde ich zu meiner Seele sagen:
Seele, nun hast du einen großen Vorrat,
der für viele Jahre reicht.
Ruh dich aus, iss und trink
und freue dich!
Da sprach Gott zu ihm: Du Narr!
Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern.
Wem wird dann das gehören, was du angehäuft hast?
So geht es einem,
der nur für sich selbst Schätze sammelt,
aber bei Gott nicht reich ist.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Jesus stellt klar, dass er den Sinn des Lebens nicht in materiellen Gütern sieht. Er warnt vor Habgier. Seine Antwort ist die Beispielerzählung vom reichen Kornbauern, der "nur für sich Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist" (V. 21). Das Selbstgespräch, die Gedanken des Bauern, in denen sechsmal das Wort "ich" vorkommt zeigt, dass er nur auf sich selber schaut und sehr egoistisch denkt. Er kreist um seine Vorräte, seine Lebenssattheit und Absicherung.
Doch seine selbstsicheren Zukunftsplanungen werden durch den plötzlichen Tod zunichte gemacht. Der Tod, der uns alle aufeinmal "gleich" macht. Der Gedanke, das Ziel der Lebensabsicherung hat sich als Torheit erwiesen.
Die Frage stellt sich massiv: "Was oder wer gibt wirklichen Sinn über den Tod hinaus?" Sammelt euch Schätze, die vor Gott reich machen! Was damit gemeint ist, mit diesem "reich-sein" vor Gott läßt das Evangelium offen. Vielleicht ist unser Leben, d. h. Geben und Nehmen, das Haben und Loslassen, jetzt schon eine Erfahrung, dass ich Sinn und Zufriedenheit hier und jetzt schon finden kann.
Dem Trachten nach Reichtum und der ängstlichen Sorge um Selbstsicherung (Lk 12,13-21) wird in diesem Text das vom Vertrauen auf Gott getragene Trachten nach seinem Reich gegenübergestellt.
Der kunstvoll gegliederte Abschnitt (rahmende Erzählung, parallel formulierte gleichnisartige und weisheitliche Unterweisung) leitet die Leser an, die Grundlosigkeit ihrer ängstlichen Sorge zu erkennen und frei zu bleiben für die Erwählung. Die Textsorte (eine Art Lehrgedicht) verbietet es, darin eine schwärmerische, naive Ablehnung jeglichen Sorgens ausgesprochen zu finden. Lk hat die Vorlage (aus der Redequelle Q) besonders durch ihre Einordnung nach dem Gleichnis und den erweiterten Abschluss als Trostwort und Mahnung an kleinmütige, verängstigte Jünger in der Urkirche gestaltet. Der schon im Blick auf die Christen erfolgten Zusammenstellung ursprünglich getrennt überlieferter Worte liegen Jesu eigene Warnung vor ängstlichem Sorgen sowie deren gleichnisartige Motivierung zugrunde.
Für die urkirchlichen Leser, besonders für die Wandermissionare, wie auch für heutige Christen ist dieser Text ein Beleg für Jesu meditierendes Gewahrwerden von Zusammenhängen in der Natur. Es ist zugleich eine Aufforderung, alle Sorgen und Ängste jeweils im größeren Zusammenhang des geschenkten Lebens, der ganzen Welt und der Umsorgung durch den Vater zu betrachten, um so für die einem jeden abverlangte Sorge um das Reich Gottes freizubleiben. Die Empfehlung des Schätzesammelns für Gott setzt die Hoffnung auf individuelle Entgeltung durch geschenkhaften Lohn voraus.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:
In jener Zeit
sagte Jesus zu den Leuten: Gebt Acht,
hütet euch vor jeder Art von Habgier!
Denn das Leben eines Menschen besteht nicht darin,
dass einer im Überfluss seines Besitzes lebt.
Und er erzählte ihnen folgendes Gleichnis:
Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte.
Da überlegte er bei sich selbst: Was soll ich tun?
Ich habe keinen Platz, wo ich meine Ernte unterbringen könnte.
Schließlich sagte er:
So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen
und größere bauen;
dort werde ich mein ganzes Getreide
und meine Vorräte unterbringen.
Dann werde ich zu meiner Seele sagen:
Seele, nun hast du einen großen Vorrat,
der für viele Jahre reicht.
Ruh dich aus, iss und trink
und freue dich!
Da sprach Gott zu ihm: Du Narr!
Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern.
Wem wird dann das gehören, was du angehäuft hast?
So geht es einem,
der nur für sich selbst Schätze sammelt,
aber bei Gott nicht reich ist.
Und er sagte zu seinen Jüngern:
Deswegen sage ich euch:
Sorgt euch nicht um euer Leben,
was ihr essen sollt,
noch um euren Leib,
was ihr anziehen sollt!
Denn das Leben ist mehr als die Nahrung
und der Leib mehr als die Kleidung.
Seht auf die Raben:
Sie säen nicht und ernten nicht,
sie haben keine Vorratskammer
und keine Scheune;
und Gott ernährt sie.
Wie viel mehr seid ihr wert als die Vögel!
Wer von euch
kann mit all seiner Sorge sein Leben
auch nur um eine kleine Spanne verlängern?
Wenn ihr nicht einmal etwas so Geringes könnt,
warum macht ihr euch dann Sorgen um das Übrige?
Seht euch die Lilien an, wie sie wachsen:
Sie arbeiten nicht und spinnen nicht.
Doch ich sage euch:
Selbst Salomo war in all seiner Pracht
nicht gekleidet wie eine von ihnen.
Wenn aber Gott schon das Gras so kleidet,
das heute auf dem Feld steht
und morgen in den Ofen geworfen wird,
wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!
Und darum auch ihr:
Sucht nicht,
was ihr essen und was ihr trinken sollt,
und ängstigt euch nicht!
Denn nach all dem streben die Heiden in der Welt.
Euer Vater weiß, dass ihr das braucht.
Vielmehr sucht sein Reich;
dann wird euch das andere dazugegeben.
Fürchte dich nicht, du kleine Herde!
Denn euer Vater hat beschlossen,
euch das Reich zu geben.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Evangelienperikope ist ein Lehrgedicht in 3 Strophen über die Sorglosigkeit. Es stammt aus der sog. Redenquelle. Lukas hat es nach dem Gleichnis vom Mann, der sein Leben vergeblich durch Reichtum absichern will, eingeordnet.
Die 1. Strophe streicht die Nutzlosigkeit der Sorge um das Leben, den Leib und die Nahrung hervor. Nach Ansicht der damaligen Medizin kann niemand weder seine Lebensdauer noch seine Körpergröße verlängern. Das Leben liegt in Gottes Hand. Dies wird durch den Vergleich mit den Raben unterstrichen. Den Juden galten diese als unrein. Sie wurden obendrein als die verlassensten Tiere eingestuft, da sie von ihren eigenen Eltern vernachlässigt würden („Rabeneltern“). Und dennoch sorgt Gott für sie…
Die 2. Strophe zieht zum Vergleich die Lilien heran, mit deren Pracht sich nicht einmal der israelit-ische „Sonnenkönig“ Salomon messen kann. Wenn Gott sie so großartig kleidet, wie viel mehr euch, ihr Kleingläubigen…
In der 3. Strophe fordert Jesus seine Jünger auf, für das Reich Gottes Sorge zu tragen. Das ist ihr erster Auftrag. Alles andere werden sie aus der Hand des Vaters empfangen.
Dem Trachten nach Reichtum und der ängstlichen Sorge um Selbstsicherung (Lk 12,13-21) wird in diesem Text das vom Vertrauen auf Gott getragene Trachten nach seinem Reich gegenübergestellt.
Der kunstvoll gegliederte Abschnitt (rahmende Erzählung, parallel formulierte gleichnisartige und weisheitliche Unterweisung) leitet die Leser an, die Grundlosigkeit ihrer ängstlichen Sorge zu erkennen und frei zu bleiben für die Erwählung. Die Textsorte (eine Art Lehrgedicht) verbietet es, darin eine schwärmerische, naive Ablehnung jeglichen Sorgens ausgesprochen zu finden. Lk hat die Vorlage (aus der Redequelle Q) besonders durch ihre Einordnung nach dem Gleichnis und den erweiterten Abschluss als Trostwort und Mahnung an kleinmütige, verängstigte Jünger in der Urkirche gestaltet. Der schon im Blick auf die Christen erfolgten Zusammenstellung ursprünglich getrennt überlieferter Worte liegen Jesu eigene Warnung vor ängstlichem Sorgen sowie deren gleichnisartige Motivierung zugrunde.
Für die urkirchlichen Leser, besonders für die Wandermissionare, wie auch für heutige Christen ist dieser Text ein Beleg für Jesu meditierendes Gewahrwerden von Zusammenhängen in der Natur. Es ist zugleich eine Aufforderung, alle Sorgen und Ängste jeweils im größeren Zusammenhang des geschenkten Lebens, der ganzen Welt und der Umsorgung durch den Vater zu betrachten, um so für die einem jeden abverlangte Sorge um das Reich Gottes freizubleiben. Die Empfehlung des Schätzesammelns für Gott setzt die Hoffnung auf individuelle Entgeltung durch geschenkhaften Lohn voraus.
Jesus stellt klar, dass er den Sinn des Lebens nicht in materiellen Gütern sieht. Er warnt vor Habgier. Seine Antwort ist die Beispielerzählung vom reichen Kornbauern, der "nur für sich Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist" (V. 21).
Das Selbstgespräch, die Gedanken des Bauern, in denen sechsmal das Wort "ich" vorkommt, zeigt, dass er nur auf sich selber schaut und sehr egoistisch denkt. Er kreist um seine Vorräte, seine Lebenssattheit und Absicherung.
Doch seine selbstsicheren Zukunftsplanungen werden durch den plötzlichen Tod zunichte gemacht. Der Tod, der uns alle auf einmal "gleich" macht. Der Gedanke, das Ziel der Lebensabsicherung hat sich als Torheit erwiesen.
Die Frage stellt sich massiv: "Was oder wer gibt wirklichen Sinn über den Tod hinaus?"
Sammelt euch Schätze, die vor Gott reich machen! Was damit gemeint ist, mit diesem "reich-sein" vor Gott läßt das Evangelium offen.
Vielleicht ist unser Leben, d. h. Geben und Nehmen, das Haben und Loslassen, jetzt schon eine Erfahrung, dass ich Sinn und Zufriedenheit hier und jetzt schon finden kann.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:
In jener Zeit
sagte zu seinen Jüngern:
Deswegen sage ich euch:
Sorgt euch nicht um euer Leben,
was ihr essen sollt,
noch um euren Leib,
was ihr anziehen sollt!
Denn das Leben ist mehr als die Nahrung
und der Leib mehr als die Kleidung.
Seht auf die Raben:
Sie säen nicht und ernten nicht,
sie haben keine Vorratskammer
und keine Scheune;
und Gott ernährt sie.
Wie viel mehr seid ihr wert als die Vögel!
Wer von euch
kann mit all seiner Sorge sein Leben
auch nur um eine kleine Spanne verlängern?
Wenn ihr nicht einmal etwas so Geringes könnt,
warum macht ihr euch dann Sorgen um das Übrige?
Seht euch die Lilien an, wie sie wachsen:
Sie arbeiten nicht und spinnen nicht.
Doch ich sage euch:
Selbst Salomo war in all seiner Pracht
nicht gekleidet wie eine von ihnen.
Wenn aber Gott schon das Gras so kleidet,
das heute auf dem Feld steht
und morgen in den Ofen geworfen wird,
wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!
Und darum auch ihr:
Sucht nicht,
was ihr essen und was ihr trinken sollt,
und ängstigt euch nicht!
Denn nach all dem streben die Heiden in der Welt.
Euer Vater weiß, dass ihr das braucht.
Vielmehr sucht sein Reich;
dann wird euch das andere dazugegeben.
Fürchte dich nicht, du kleine Herde!
Denn euer Vater hat beschlossen,
euch das Reich zu geben.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Evangelienperikope ist ein Lehrgedicht in 3 Strophen über die Sorglosigkeit. Es stammt aus der sog. Redenquelle. Lukas hat es nach dem Gleichnis vom Mann, der sein Leben vergeblich durch Reichtum absichern will, eingeordnet.
Die 1. Strophe streicht die Nutzlosigkeit der Sorge um das Leben, den Leib und die Nahrung hervor. Nach Ansicht der damaligen Medizin kann niemand weder seine Lebensdauer noch seine Körpergröße verlängern. Das Leben liegt in Gottes Hand. Dies wird durch den Vergleich mit den Raben unterstrichen. Den Juden galten diese als unrein. Sie wurden obendrein als die verlassensten Tiere eingestuft, da sie von ihren eigenen Eltern vernachlässigt würden („Rabeneltern“). Und dennoch sorgt Gott für sie…
Die 2. Strophe zieht zum Vergleich die Lilien heran, mit deren Pracht sich nicht einmal der israelit-ische „Sonnenkönig“ Salomon messen kann. Wenn Gott sie so großartig kleidet, wie viel mehr euch, ihr Kleingläubigen…
In der 3. Strophe fordert Jesus seine Jünger auf, für das Reich Gottes Sorge zu tragen. Das ist ihr erster Auftrag. Alles andere werden sie aus der Hand des Vaters empfangen.
Dem Trachten nach Reichtum und der ängstlichen Sorge um Selbstsicherung (Lk 12,13-21) wird in diesem Text das vom Vertrauen auf Gott getragene Trachten nach seinem Reich gegenübergestellt.
Der kunstvoll gegliederte Abschnitt (rahmende Erzählung, parallel formulierte gleichnisartige und weisheitliche Unterweisung) leitet die Leser an, die Grundlosigkeit ihrer ängstlichen Sorge zu erkennen und frei zu bleiben für die Erwählung. Die Textsorte (eine Art Lehrgedicht) verbietet es, darin eine schwärmerische, naive Ablehnung jeglichen Sorgens ausgesprochen zu finden. Lk hat die Vorlage (aus der Redequelle Q) besonders durch ihre Einordnung nach dem Gleichnis und den erweiterten Abschluss als Trostwort und Mahnung an kleinmütige, verängstigte Jünger in der Urkirche gestaltet. Der schon im Blick auf die Christen erfolgten Zusammenstellung ursprünglich getrennt überlieferter Worte liegen Jesu eigene Warnung vor ängstlichem Sorgen sowie deren gleichnisartige Motivierung zugrunde.
Für die urkirchlichen Leser, besonders für die Wandermissionare, wie auch für heutige Christen ist dieser Text ein Beleg für Jesu meditierendes Gewahrwerden von Zusammenhängen in der Natur. Es ist zugleich eine Aufforderung, alle Sorgen und Ängste jeweils im größeren Zusammenhang des geschenkten Lebens, der ganzen Welt und der Umsorgung durch den Vater zu betrachten, um so für die einem jeden abverlangte Sorge um das Reich Gottes freizubleiben. Die Empfehlung des Schätzesammelns für Gott setzt die Hoffnung auf individuelle Entgeltung durch geschenkhaften Lohn voraus.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
Zu jener Zeit kamen einige Leute
und berichteten Jesus von den Galiläern,
deren Blut Pilatus
mit dem ihrer Opfertiere vermischt hatte.
Und er antwortete ihnen:
Meint ihr, dass diese Galiläer größere Sünder waren
als alle anderen Galiläer,
weil das mit ihnen geschehen ist?
Nein, sage ich euch,
vielmehr werdet ihr alle genauso umkommen,
wenn ihr nicht umkehrt.
Oder jene achtzehn Menschen,
die beim Einsturz des Turms am Schiloach erschlagen wurden -
meint ihr, dass sie größere Schuld auf sich geladen hatten
als alle anderen Einwohner von Jerusalem?
Nein, sage ich euch,
vielmehr werdet ihr alle ebenso umkommen,
wenn ihr nicht umkehrt.
Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis:
Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum gepflanzt;
und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug,
fand er keine.
Da sagte er zu seinem Winzer:
Siehe, jetzt komme ich schon drei Jahre
und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt,
und finde nichts.
Hau ihn um!
Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen?
Der Winzer erwiderte:
Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen;
ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen.
Vielleicht trägt er in Zukunft Früchte;
wenn nicht, dann lass ihn umhauen!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
In einer Abfolge von Gleichnissen unterbricht der Evangelist Lukas die Hörer und Leser mit einer Schreckensmeldung (diese ist nur bei Lukas anzutreffen). Die Aufzeichnungen des Josephus Flavius (Jüdisches Altertum, Rom, Ende des 1. Jhdt.) erzählen von diesen beiden Vorfällen. Darin wird von Samaritern berichtet, die zum Heiligtum zogen und auf Befehl von Pilatus niedergemetzelt wurden. Der Zeitpunkt dieses Vorfalles liegt aber nach diesen Quellen nach dem Tod Jesu. Hingegen wird von einer jüdischen Demonstration in Jerusalem etwa zur Zeit Jesu berichtet, die auch von Pilatus blutig niedergeschlagen wurde.
Der Evangelist Lukas gibt in knapper Form den Inhalt dieser Schreckensmeldungen wieder. Jesus nimmt diese Meldungen und Fragen auf und gibt eine klare Stellung ab. Jesus widerspricht der landläufigen jüdischen Ansicht, dass besondere Schuld der Menschen zu besonderem Unglück führe. Jesus blickt nicht auf den Ursprung des Unglücks, sondern viel eher auf die Zukunft der Lebenden. Die beiden Unglücke zeigen den Lebenden, dass es ihnen auch so ergehen wird, wenn sie nicht umkehren.
Die angeschlossene Parabel macht dies deutlich. Der Weingärtner ist solidarisch mit dem Feigenbaum; die Fürbitte des Winzers für den Feigenbaum erinnert an die Bitte des Abraham für Sodom (vgl. Gen 18,23ff). Die Fürbitte wird erhört. Der Feigenbaum erhält noch eine Chance um Frucht zu bringen. Das Kriterium ist also, dass der Baum Frucht bringe. Das letzte Urteil bleibt dem Besitzer des Weinbergs vorbehalten.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit
erzählte Jesus ihnen dieses Gleichnis:
Ein Mann hatte in seinem Weinberg
einen Feigenbaum gepflanzt;
und als er kam und nachsah,
ob er Früchte trug,
fand er keine.
Da sagte er zu seinem Winzer:
Siehe, jetzt komme ich schon drei Jahre
und sehe nach,
ob dieser Feigenbaum Früchte trägt,
und finde nichts.
Hau ihn um!
Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen?
Der Winzer erwiderte:
Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen;
ich will den Boden um ihn herum aufgraben
und düngen.
Vielleicht trägt er in Zukunft Früchte;
wenn nicht, dann lass ihn umhauen!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit
kam er zu einer Stadt in Samarien, die Sychar hieß
und nahe bei dem Grundstück lag,
das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte.
Dort befand sich der Jakobsbrunnen.
Jesus war müde von der Reise
und setzte sich daher an den Brunnen;
es war um die sechste Stunde.
Da kam eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen.
Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken!
Seine Jünger waren nämlich in die Stadt gegangen,
um etwas zum Essen zu kaufen.
Die Samariterin sagte zu ihm:
Wie kannst du als Jude
mich, eine Samariterin, um etwas zu trinken bitten?
Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.
Jesus antwortete ihr:
Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht
und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!,
dann hättest du ihn gebeten
und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.
Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß
und der Brunnen ist tief;
woher hast du also das lebendige Wasser?
Bist du etwa größer als unser Vater Jakob,
der uns den Brunnen gegeben
und selbst daraus getrunken hat,
wie seine Söhne und seine Herden?
Jesus antwortete ihr:
Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen;
wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde,
wird niemals mehr Durst haben;
vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe,
in ihm zu einer Quelle werden,
deren Wasser ins ewige Leben fließt.
Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser,
damit ich keinen Durst mehr habe
und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen!
Er sagte zu ihr: Geh, ruf deinen Mann
und komm wieder her!
Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann.
Jesus sagte zu ihr:
Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann.
Denn fünf Männer hast du gehabt
und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann.
Damit hast du die Wahrheit gesagt.
Die Frau sagte zu ihm:
Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.
Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet;
ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte,
wo man anbeten muss.
Jesus sprach zu ihr:
Glaube mir, Frau, die Stunde kommt,
zu der ihr weder auf diesem Berg
noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.
Ihr betet an, was ihr nicht kennt,
wir beten an, was wir kennen;
denn das Heil kommt von den Juden.
Aber die Stunde kommt und sie ist schon da,
zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden
im Geist und in der Wahrheit;
denn so will der Vater angebetet werden.
Gott ist Geist
und alle, die ihn anbeten,
müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.
Die Frau sagte zu ihm:
Ich weiß, dass der Messias kommt,
der Christus heißt.
Wenn er kommt,
wird er uns alles verkünden.
Da sagte Jesus zu ihr:
Ich bin es, der mit dir spricht.
Inzwischen waren seine Jünger zurückgekommen.
Sie wunderten sich, dass er mit einer Frau sprach,
doch keiner sagte: Was suchst du?
oder: Was redest du mit ihr?
Die Frau ließ ihren Wasserkrug stehen,
kehrte zurück in die Stadt
und sagte zu den Leuten:
Kommt her, seht, da ist ein Mensch,
der mir alles gesagt hat, was ich getan habe:
Ist er vielleicht der Christus?
Da gingen sie aus der Stadt heraus und kamen zu ihm.
Währenddessen baten ihn seine Jünger: Rabbi, iss!
Er aber sagte zu ihnen:
Ich habe eine Speise zu essen,
die ihr nicht kennt.
Da sagten die Jünger zueinander:
Hat ihm jemand etwas zu essen gebracht?
Jesus sprach zu ihnen:
Meine Speise ist es,
den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat,
und sein Werk zu vollenden.
Sagt ihr nicht: Noch vier Monate dauert es bis zur Ernte?
Sieh, ich sage euch: Erhebt eure Augen
und seht, dass die Felder schon weiß sind zur Ernte!
Schon empfängt der Schnitter seinen Lohn
und sammelt Frucht für das ewige Leben,
sodass sich der Sämann und der Schnitter gemeinsam freuen.
Denn hier hat das Sprichwort recht:
Einer sät und ein anderer erntet.
Ich habe euch gesandt
zu ernten, wofür ihr euch nicht abgemüht habt;
andere haben sich abgemüht
und euch ist ihre Mühe zugutegekommen.
Aus jener Stadt kamen viele Samariter zum Glauben an Jesus
auf das Wort der Frau hin,
die bezeugt hatte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe.
Als die Samariter zu ihm kamen,
baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben;
und er blieb dort zwei Tage.
Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn
aufgrund seiner eigenen Worte.
Und zu der Frau sagten sie:
Nicht mehr aufgrund deiner Rede glauben wir,
denn wir haben selbst gehört
und wissen:
Er ist wirklich der Retter der Welt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Das Evangelium ist dem 4. Kapitel des Johannes entnommen. Jesus zieht auf dem Weg von Galiläa nach Jerusalem durch Samarien. Dieses Gebiet war einst Kernland des israelischen Nordreiches. Im 8. Jh. v. Chr. wurde es assyrische Provinz. Da sich in dieser Zeit die Bevölkerung mit der neuen Oberschicht mischte, wurde es von den Juden als kultisch unrein betrachtet. Es entwickelte sich ein eigenständiger samaritischer Kult, der sich trotz mehrfacher Versuche nie gänzlich auslöschen lies. In den Büchern des Neuen Testamentes treten an mehreren Stellen die religiösen Spannungen zwischen Juden und Samaritern zutage. Diese bilden auch den Hintergrund der Erzählung von der Begegnung Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen.
Die Frau gilt in einem mehrfachen Sinn als vom Heil abgeschnitten: Als Frau, durch ihren Lebenswandel, als Samariterin. Trotzdem nimmt Jesus Kontakt zu ihr auf; nicht nur aus einer persönlichen Notlage heraus. Es kommt zu einer Begegnung, in der die Frau (und später auch die Leute aus ihrem Dorf) zum Glauben an den Messias findet, während Jesus von den eigenen Volksangehörigen als solcher abgelehnt (im folgenden Kapitel 5) wird.
In der Erzählung haben Wasser und die Speisen, welche die Jünger besorgten, eine besondere symbolische Bedeutung. Man kann die Geschichte nicht lesen, ohne an die Wasser- und Speisungswunder des Alten Testamentes zu denken.
Betrachtet man die österliche Bußzeit als Vorbereitungszeit auf den Empfang des Taufsakramentes, so steht ab dem dritten Fastensonntag der konkrete Weg zu diesem Sakrament immer mehr im Mittelpunkt. In Sonntagsgottesdiensten und zusätzlichen Bußgottesdiensten soll die gemeinsame Vorbereitung geschehen. Dabei geht es nicht mehr um Glaubenswissen oder Glaubensbelehrung, sondern um die tiefere Erkenntnis Christi, um die Erkenntnis des eigenen Herzens oder die Befreiung vom "Negativen". Also um die intensive Vorbereitung auf die Osternacht und die Feier der Auferstehung.
Das Gespräch Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen zeigt, wie der Evangelist Johannes mit dem hintergründigen Sinn von Worten und Begriffen "spielt". Zunächst spricht Jesus von Wasser im wörtlichen Sinn. Mit seinem Angebot, "lebendiges Wasser" zu geben, kommt ein doppeldeutiger Begriff ins Spiel. Er kann, wörtlich verstanden, das fließende Wasser bezeichnen, im Unterschied zum Wasser aus der Zisterne. So fasst ihn die Frau zunächst auch auf. Zwar stellt sie erstmals die Frage nach der Würde Jesu ("Bist du etwa größer als unser Vater Jakob?"); doch ihr bleibt der tiefere Sinn des "lebendigen Wassers" selbst dann noch verborgen, als Jesus es auf das ewige Leben bezieht. Denn die Verheißung, das von Jesus gegebene Wasser werde nie mehr dürsten lassen, versteht sie als Erleichterung der täglichen Mühsal: Sie müsste nicht mehr zum Brunnen gehen, um Wasser zu schöpfen.
Jesus meint dagegen, dass das menschliche Streben nach Sinn und Erfüllung gestillt wird; er spricht von der Gabe einer neuen Existenz, die auch den Tod überdauert - vielleicht mit besonderer Beziehung zum Geist. Dass die Frau dies letztlich versteht, zeigt eine fast unscheinbare Bemerkung: Sie läßt ihr Schöpfgefäß stehen, ehe ihr Zeugnis die Einwohner der Stadt zu Jesus führt.
Das Evangelium erzählt eine Begegnung am Brunnen. Sein Ort ist weder zufällig noch unwichtig: Sychar in Samarien. Für Juden ist Samarien unrein, obwohl der Brunnen mit dem Namen Jakob, einem der Väter Israels, eng verbunden ist. Jesus spricht als Jude und Mann - gegen die gute Sitte - eine Samariterin an und erbittet von ihr Wasser. Dass die Frau keinen Namen hat, macht sie "typisch" - ihre Lebensgeschichte allerdings, die Jesus kennt, gibt ihr die Würde, einmalig zu sein.
Der Brunnen wird bei Johannes zu einem Ort der Offenbarung. Das Gespräch, das ohne Jünger geführt wird und Jesus mit der samaritanischen Frau allein zeigt, kreist um das Wasser: Jesus, der von der Frau das Wasser aus dem Brunnen erbittet, offenbart sich ihr als das "lebendige" Wasser, das ewiges Leben schenkt.
Zu dieser Offenbarung - Jesus spricht am Ende sogar davon, der Messias zu sein - gehört, dass die Heiligen Orte, der Berg Garizim für die Samariter, der Berg Zion für die Juden, nicht mehr die Orte der Gegenwart Gottes sind, auch nicht mehr Menschen und Gebete trennen: "Die Stunde kommt - und sie ist schon da (!) -, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden." Dass die Stunde schon da ist, kann nur Jesus sagen. Er selbst ist da. Der, der um Wasser bat, ist die Wahrheit: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Johannes hat die Geschichte kunstvoll aufgebaut. Er legt der samaritanischen Frau in den Mund, was zu einem Bekenntnis wird. Oder: was ihr aufgeht:
Erst ist Jesus ein Jude (V. 9), dann ein Prophet (V. 19b), am Ende formuliert sie die die Hoffnung, dass der Messias kommt (V. 25). Darauf hin offenbart sich ihr Jesus.
Die fast schon intime Begegnung am Brunnen mit vielen zärtlichen Zwischentönen wird von Johannes geöffnet: Viele Samariter kommen zum Glauben und bitten Jesus, bei ihnen zu bleiben. Zwei Tage bleibt er bei ihnen (am dritten ist seine Auferstehung).
Die Geschichte am Jakobsbrunnen endet mit der Begegnung der anderen Samariter mit der Frau. Sie legen vor ihr (!) das Bekenntnis ab: "Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt." Dieses Messiasbekenntnis ist gleich in zweifacher Hinsicht bemerkenswert: Es kommt aus dem Mund der Samariter (nicht der Juden), ist aber von einer Frau mit Vergangenheit bezeugt und vor ihr sogar bekannt. Johannes nimmt in dieser Begegnungsgeschichte das Osterzeugnis der Maria von Magdala vorweg (Joh. 20,11-18).
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit
kam er zu einer Stadt in Samarien, die Sychar hieß
und nahe bei dem Grundstück lag,
das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte.
Dort befand sich der Jakobsbrunnen.
Jesus war müde von der Reise
nd setzte sich daher an den Brunnen;
es war um die sechste Stunde.
Da kam eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen.
Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken!
Seine Jünger waren nämlich in die Stadt gegangen,
um etwas zum Essen zu kaufen.
Die Samariterin sagte zu ihm:
Wie kannst du als Jude
mich, eine Samariterin, um etwas zu trinken bitten?
Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.
Jesus antwortete ihr:
Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht
und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!,
dann hättest du ihn gebeten
und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.
Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß
und der Brunnen ist tief;
woher hast du also das lebendige Wasser?
Bist du etwa größer als unser Vater Jakob,
der uns den Brunnen gegeben
und selbst daraus getrunken hat,
wie seine Söhne und seine Herden?
Jesus antwortete ihr:
Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen;
wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde,
wird niemals mehr Durst haben;
vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe,
in ihm zu einer Quelle werden,
deren Wasser ins ewige Leben fließt.
Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser,
damit ich keinen Durst mehr habe
und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen!
Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.
Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet;
ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte,
wo man anbeten muss.
Jesus sprach zu ihr:
Glaube mir, Frau, die Stunde kommt,
zu der ihr weder auf diesem Berg
noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.
Ihr betet an, was ihr nicht kennt,
wir beten an, was wir kennen;
denn das Heil kommt von den Juden.
Aber die Stunde kommt und sie ist schon da,
zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden
im Geist und in der Wahrheit;
denn so will der Vater angebetet werden.
Gott ist Geist
und alle, die ihn anbeten,
müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.
Die Frau sagte zu ihm:
Ich weiß, dass der Messias kommt,
der Christus heißt.
Wenn er kommt,
wird er uns alles verkünden.
Da sagte Jesus zu ihr:
Ich bin es, der mit dir spricht.
Aus jener Stadt kamen viele Samariter zum Glauben an Jesus.
Als die Samariter zu ihm kamen,
baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben;
und er blieb dort zwei Tage.
Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn
aufgrund seiner eigenen Worte.
Und zu der Frau sagten sie:
Nicht mehr aufgrund deiner Rede glauben wir,
denn wir haben selbst gehört
und wissen:
Er ist wirklich der Retter der Welt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Ich bin der wahre Weinstock
und mein Vater ist der Winzer.
Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt,
schneidet er ab
und jede Rebe, die Frucht bringt,
reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt.
Ihr seid schon rein kraft des Wortes,
das ich zu euch gesagt habe.
Bleibt in mir
und ich bleibe in euch.
Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann,
sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt,
so auch ihr,
wenn ihr nicht in mir bleibt.
Ich bin der Weinstock,
ihr seid die Reben.
Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe,
der bringt reiche Frucht;
denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.
Wer nicht in mir bleibt,
wird wie die Rebe weggeworfen
und er verdorrt.
Man sammelt die Reben,
wirft sie ins Feuer
und sie verbrennen.
Wenn ihr in mir bleibt
und meine Worte in euch bleiben,
dann bittet um alles, was ihr wollt:
Ihr werdet es erhalten.
Mein Vater wird dadurch verherrlicht,
dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
In der Reihe der „Ich-bin“-Worte, die im Johannesevangelium überliefert werden, begegnet uns heute das Bildwort von dem Weinstock, von der Rebe und von der Frucht. Unschwer ist wahrzunehmen, dass in den vielen Assoziationen nur ein Thema variiert wird: reiche Frucht bringen.
Gerichtszüge trägt das Evangelium auch: Reben, die keine Frucht bringen, werden abgeschnitten. Für die Hörer in ihrer alltäglichen Erfahrung eine vertraute Schlussfolgerung. Jesus will aber seine Zuhörer davon befreien, abgeschnitten zu werden: „reiche Frucht bringen“ ist jedoch nicht nur eine Vorgabe, sondern eine Verheißung. Die Rebe, die am Weinstock bleibt, wird reiche Frucht bringen!
Das Ich-bin-Wort „Ich bin der wahre Weinstock“ umkreist das Geheimnis des „bleibens“. Am Weinstock reift die reiche Frucht, von ihm getrennt bleibt nur der Abfall. Auf Jesus bezogen, stellt der Evangelist vor Augen, in ihm zu bleiben und sein Wort zu verinnerlichen. Es ist Jesu Wort, dass reiche Frucht beschert. Nach Jes 55 kommt Gottes Wort nie leer zurück.
Der letzte Satz bindet Bilder und Assoziationen zusammen: Der Vater Jesu wird dadurch verherrlicht, dass wir Jesu Jünger werden und reiche Frucht bringen. Es gehört zu der johanneischen Sehweise, Jesu Wort und Werk nicht an sich zu betrachten und vorzustellen, sondern als sein „Bleiben“ im Vater zu bezeugen. So kann der Evangelist mit dem Wort „bleiben“ Gott, Jesus und uns verbinden. Statisch ist „bleiben“ nicht. Als Bildwort kann das „Ich-bin-Wort“ Jesu einen Wachstumsprozess beschreiben und gleichzeitig einen großartigen Geschmack hinterlassen. Für die Hörer kann es nur eine Konsequenz geben: „Reiche Frucht bringen“
In der Zeit vom 1. September bis zum 4. Oktober machen Die christlichen Kirchen auf die Dringlichkeit der Bewahrung der Schöpfung aufmerksam.
Lautet ein altes Sprichwort, das im ersten Moment vielleicht ein bisschen schräg klingt. Wer von uns zieht heute noch den Hut – und dann auch noch vor einem Strauch? Und doch steckt darin eine erstaunliche Weisheit.
Der Holler begleitet uns schon lange: als erfrischender Hollersaft, als „Hugo“ – ja, ich sehe schon das Schmunzeln – und als herrlicher Hollerröster mit Vanilleeis. - Ein Genuss!
Weniger genussvoll: das Abrebbeln der Beeren – zuweilen eine Geduldsprobe oder vielleicht auch etwas Meditatives.
Und der Holler kann noch mehr: Er hat gesundheitsfördernde Wirkung – richtig angewendet. Aber er kann auch schaden – falsch verwendet. Früher wurde er manchmal genutzt, um Wein „aufzubessern“. Mit bei unkundigem Pantschen - sagen wir – bedenklicher Wirkung. Und genau da wird er interessant: Der Holler ist kein harmloses Pflänzchen. Er ist ein Stück Schöpfung, das Respekt verlangt. - Vielleicht kommt genau daher dieses alte Sprichwort: „Zieh den Hut!“
Denn wer den Hut zieht, der sagt: Ich sehe dich. Ich nehme dich ernst. Ich gehe respektvoll mit dir um. Und ist das nicht genau das, worum es gerade jetzt geht?
Wir feiern die Schöpfungszeit – von 1. September bis 4. Oktober. Eine Zeit, die uns daran erinnern will: Wir leben nicht allein auf dieser Welt. Wir sind verbunden – mit allem, was lebt.
Ein Hollerstrauch im Garten ist vielleicht kein theologisches Lehrbuch. Aber er kann uns etwas lehren: Achtsamkeit. Grenzen. Und Dankbarkeit.
Früher glaubten die Menschen sogar, ein Holler schütze Haus und Hof. Mag Volksglaube sein. Aber eines stimmt sicher: Er hat die Menschen dazu gebracht, die Natur zu achten – und sie eben nicht einfach umzuhauen.
Und vielleicht brauchen wir genau das heute wieder: mehr Haltung - mehr „Hutziehen“. Vielleicht ja ganz konkret: Beim nächsten Spaziergang stehen bleiben. Hinschauen. Nicht achtlos vorbeigehen. Oder – wer es mutig mag – tatsächlich den Hut ziehen. - Ich verspreche Ihnen: Die Reaktionen werden interessant.
Aber vielleicht passiert noch etwas anderes: Dass wir wieder lernen, die Schöpfung zu sehen – und nicht nur zu benutzen. Am Ende geht es nämlich um etwas ganz Einfaches: Ein achtsamer Umgang mit dem, was uns umgibt, fördert Leben. Unser eigenes – und das der Welt. Und ganz ehrlich: Selbst wenn Sie heute denken sollten, das war jetzt ein bisschen viel Holler – dann zeigt das nur eines: Man kommt an ihm einfach nicht vorbei.
© Lucia Göbesberger, Leiterin Fachbereich Gesellschaft und Soziales sowie Umweltreferentin der Diözese Linz.
In der Komplexität der Lebensmittelerzeugung und –versorgung laufen wir Gefahr, den zu vergessen, der uns das Leben und alles, was wir zum Leben brauchen, gegeben hat und immer neu gibt. Wir müssen neu lernen, dankbar zu sein.
Die Teuerungswelle der letzten Jahre betrifft den Lebensmittelmarkt besonders hart. Die Gründe dafür sind vielfältig und vielschichtig, beteuern die Produzenten und Vertreter des Handels. Nicht unbeteiligt daran sind auch die höheren Ansprüche, die wir an Lebensmittel stellen: Die Behandlung mit schädlicher Chemie soll ausgeschlossen sein, nachhaltig hergestellt, frisch und schön anzuschauen müssen sie sein, sonst bleiben sie im Regal liegen. Ein erschreckend hoher Prozentsatz wird wieder weggeworfen. Das alles wirkt sich auch auf die Preisgestaltung aus.
Stand früher bei der Erntedankfeier der Dank an Gott für die Früchte der Erde im Vordergrund und der Dank, von Unwettern verschont geblieben zu sein, tendiert dieses Fest immer mehr zu einer Leistungsschau der Lebensmittelindustrie und wir neigen dazu, uns vor allem bei den Herstellern zu bedanken. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass wir dank wissenschaftlicher Fortschritte und Verbesserung der an der Herstellung beteiligten Technologien auf die Qualität unserer Lebensmittel Einfluss nehmen können wie nie zuvor.
Galt bei den Bauern noch vor wenigen Jahrzehnten der Spruch: "Wie's der Herrgotte hat wachsen lassen", appellieren wir heute an das Verantwortungsbewusstsein aller an der Produktion Beteiligten. Wir sonnen uns gerne im Lebensgefühl "Alles ist machbar", zum Nachdenken kommen wir meist erst, wenn wir an unsere Grenzen stoßen; etwa wenn wir entdecken, dass manche Techniken auch Nachteile haben oder gar gefährlich sein können und nicht wieder gut zu machenden Schaden anrichten…
Haben wir verlernt, dankbar zu sein? Wir nehmen alles Schöne und Gute als selbstverständlich hin und erheben Anspruch auf eine perfekte und heile Welt. Auch wenn vieles machbar, beeinflussbar und gestaltbar ist, das Leben in all seiner Schönheit und Großartigkeit ist und bleibt ein Geschenk des Schöpfers. Und mit Schöpfer meine ich nun nicht den Menschen, der durch harte Arbeit daran mitwirkt, dass das Leben genossen werden kann, sondern den ungreifbaren Geber alles Guten, der all das ermöglicht und hervorgebracht hat. Wir staunen z.B. darüber, was man heutzutage mit einem Handy alles machen kann, nehmen das Wunder des Leben jedoch als selbstverständlich hin. Wir bemühen uns, Gesundheit und Lebensqualität, ja das Leben selbst zu optimieren, geraten jedoch in Ratlosigkeit und Verzweiflung, wo wir mit unserer Technikverliebtheit nichts ausrichten können.
Staunen und Danken sind unverzichtbare Wege zum Menschsein und zum Glauben an Gott. Wer aufhört dankbar zu sein, wird zu einem seelenlosen Wesen, das nur mehr funktioniert und weggeworfen wird, wenn es zu nichts mehr nützt.
Das Erntedankfest erinnert uns daran, wie wichtig es ist, danke zu sagen und dankbar zu sein: dankbar gegenüber dem Schöpfer, dankbar gegenüber allen Menschen, die sich für eine lebenswerte Welt einsetzen; in welchem Beruf auch immer, und dankbar für Menschen, die Lebensfreude ausstrahlen.
Lernen wir wieder Danke sagen; auch bei Kleinigkeiten, auch wenn wir für etwas bezahlt haben, kann man danke sagen! Lernen wir wieder, bewusst Zeichen der Dankbarkeit zu setzen, indem wir behutsam mit unserer Umwelt umgehen, indem wir auf die Schwächeren Rücksicht nehmen und indem wir in unserer Wohlstandsgesellschaft niemand zurücklassen.
Es ist ein tiefsinniger aber oft vergessener und von manchen Zeitgenossen belächelter religiöser Brauch, vor oder nach dem Essen ein Dankgebet zu sprechen. Wenn wir Gott für alles, was er uns zum Leben gegeben hat, für alle Lebensmittel und alle Menschen, die unser Leben lebenswert machen, danken, gestehen wir ein, dass nicht wir selbst Herren des Lebens sondern auf ihn und auf unsere Mitmenschen angewiesen sind. Ein solches Dankgebet geht uns leichter von den Lippen, wenn wir alle Mitmenschen einschließen, denen wir Dank schulden.
Jeder Dank ist zugleich auch eine Bitte, eine Bitte um das Wohlwollen Gottes sowie eine Bitte um das Miteinander und um Solidarität der Mitmenschen.
Wenn wir heute Erntedank im Gottesdienst feiern, bringen wir diesen Dank und diese Bitte in einer Hochform vor Gott. Wir erleben uns dabei nicht nur als Dankende und Bittende, sondern werden von ihm aufs Neue beschenkt mit dem Brot des Lebens und dem Kelch des Segens.
Der Freude des Erntedankfestes stehen die Sorgen um das Wohl der Schöpfung, des Klimawandels und des Artensterbens gegenüber. Die Erzählung von Noah und der Arche kann als erstes Artenschutzprogramm gelesen werden. Erntedank bedeutet Dank für die Wunder der Natur. Es gilt neu staunen zu lernen und behutsam mit der Schöpfung umzugehen.
„Das sechste Sterben“ - so nennen Fachleute das gegenwärtige Artensterben auf unserem Planeten Erde. Fünf große Artensterben gab es im Laufe der Erdgeschichte bereits, alle lange bevor Menschen entstanden. Jetzt schätzt der Weltbiodiversitätsrat der Vereinten Nationen, dass weltweit in naher Zukunft wiederum eine Million Arten aussterben könnte. Rund ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht. Seit 65 Millionen Jahren gab es auf der Erde kein so schnelles Artensterben. Doch während zur Zeit der Dinosaurier ein Meteoriteneinschlag dafür verantwortlich war, sind das heute wir Menschen. Unsere Übernutzung von Land- und Meeresflächen, unsere übermäßige Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, die menschengemachte Klimaerwärmung, die Verschmutzung von Boden, Luft und Wasser sowie der interkontinentale Personen- und Warenverkehr, der sogenannte „invasive Arten“ als blinde Passagiere in andere Kontinente bringt, wo sie Ökosysteme zerstören, verursachen und beschleunigen das Artensterben. - Lässt sich dieses sechste Sterben überhaupt noch aufhalten?
Die erste Lesung von der großen Flut macht zunächst einmal klar: Nicht die Willkür eines launenhaften Gottes verursacht die große Zerstörung, sondern die „Bosheit“ und Gewalt der Menschen. Heute würden wir in einem solchen Fall sagen: „Die Natur schlägt zurück“ oder „die Natur rächt sich“. Damals vor 2500 Jahren sagten die Menschen: „Gott schlägt zurück“ und „Gott rächt sich“. Übereinstimmend ist jedoch in beiden Fällen die Ursache - das zerstörerische Handeln der Menschen. Gott hingegen will, so die Lesung, dass das Leben weitergeht. Er geht auf die Suche, bis er wenigstens einen Menschen findet, dem alle Lebewesen am Herzen liegen: Noach. Der spürt in seinem Gewissen, dass er eine Arche bauen sollte, um darin Tieren aller Arten Platz zu geben. Allen - auch denen, die keinen Nutzen für uns Menschen haben! Es geht Noach nicht um Eigennutz oder wirtschaftlichen Gewinn. Er schützt die Tiere um ihrer selbst willen und ist dafür sogar bereit, den engen Platz des Rettungsschiffs mit ihnen zu teilen. Vereinfacht gesagt haben wir es mit dem ersten großen Artenschutzprogramm der Menschheitsgeschichte zu tun. Und Gott sorgt dafür, dass Noach mit seinem fürsorglichen Handeln Erfolg hat.
Viel wird gegenwärtig darüber gesprochen, welchen Nutzen die Artenvielfalt für uns Menschen hat. Eine vielfältige Lebenswelt versorgt uns besser und verlässlicher mit Lebensmitteln, Rohstoffen und Wirkstoffen für Arzneien; sie reguliert das lokale Klima und mildert die Folgen von Extremwetterereignissen ab; sie sorgt für unsere Erholung an Leib und Seele und regt unsere Kreativität an; sie ist ein großartiger Vermittler von Spiritualität. Doch warnt Papst Franziskus uns ausdrücklich davor, die Artenvielfalt nur um unseres eigenen Nutzens willen erhalten zu wollen. In seiner Enzyklika Laudato si' schreibt er: „Es genügt nicht, an die verschiedenen Arten nur als eventuelle nutzbare Ressourcen' zu denken und zu vergessen, dass sie einen Eigenwert besitzen.“ (LS 33)
Genau an dieser Stelle tritt die Spiritualität auf den Plan. Im Psalm 104 haben wir gehört, wie wunderbar und vielfältig Gottes Schöpfung ist. Allen Tier- und Pflanzenarten hat Gott ein passendes Biotop zugewiesen - und wo viele Arten im selben Biotop wohnen, können sie zu unterschiedlichen Zeiten aktiv sein, die einen am Tag, die anderen bei Nacht. Alle bekommen ihre Nahrung. Natürlich weiß der Psalmist, dass viele Lebewesen sich ernähren, indem sie andere fressen. Aber das Fressen und die Konkurrenz untereinander stehen nicht an erster Stelle wie bei Charles Darwin, sondern sind eingebettet und moderiert durch eine Ressourcenfülle, die überwältigend groß ist. Der Tisch der Erde ist mehr als reich gedeckt, und alle dürfen daran teilhaben.
Dieselbe Spiritualität des Staunens über die Lebensfülle kennzeichnet auch Jesu Einladung im Evangelium: Wenn der Schöpfer schon für die Vögel des Himmels und die Blumen des Feldes so großartig sorgt, um wieviel mehr dann für uns! Es wird für alle Lebewesen reichen! Das gegenwärtig in politischen Debatten oft geäußerte Argument, dass die Menschheit nicht genug zu essen oder anzuziehen hätte, würde sie nicht alle landwirtschaftlich nutzbaren Flächen auch tatsächlich nutzen, ist wissenschaftlich betrachtet schlichtweg falsch; es ist darüber hinaus aber auch ein Zeichen des Unglaubens, des mangelnden Gottvertrauens. Unsere Sorge sollte allein die Gerechtigkeit sein, sagt Jesus - die Gerechtigkeit gegenüber den armen Menschen, die hungern, obwohl genügend Lebensmittel für alle vorhanden wären, und gegenüber der nichtmenschlichen Schöpfung, der wir kaum Lebensräume lassen, in denen sie frei und uneingeschränkt leben können.
Liebe Schwestern und Brüder, am heutigen Erntedankfest lädt Jesus uns ein, über das Wunder der Schöpfung zu staunen und dem Gott des Lebens zu vertrauen. Aber wie können wir das lernen? Und wie können wir es ganz praktisch im Alltag leben?
Ein erster Schritt ist das heutige Fest selbst: Danken ist wichtiger als Bitten! Auf das zu schauen, was uns geschenkt ist, ist wichtiger als auf das zu schauen, was wir gerne noch dazu hätten. Es ist doch unendlich großartig, dass die meisten Menschen in unserem Land sich nicht tagtäglich sorgen müssen, was sie heute zum Essen haben. Das kann ihre Herzen öffnen für die, die aktuell wirklich Sorge um ihr täglich Brot haben - und das sind weltweit fast eine Milliarde Menschen!
Der zweite Schritt ist das Staunen über die Wunder der Natur. Gehen Sie hinaus in einen abwechslungsreichen Naturraum und entdecken Sie dort die vielen Tier- und Pflanzenarten! Schauen Sie vor allem auf die kleinen Tiere, die Insekten, Käfer, Spinnen und anderen Kleintiere. Hören Sie auf den Gesang der Vögel oder das Quaken der Frösche. Berühren Sie die Rinde verschiedener Bäume oder die Oberfläche unterschiedlicher Blätter. Schmecken Sie jetzt im Herbst die essbaren Früchte und Kräuter. Und riechen Sie den Duft nicht nur der Blüten, sondern auch anderer Teile der Pflanzen. Solche Naturerlebnisse mit allen Sinnen sind spirituelle Erlebnisse - sie öffnen uns den Zugang zum Schöpfer selbst.
Durch diese beiden Schritte können wir dem ökonomischen Denken ganz nebenbei Grenzen setzen. Es geht nicht um größtmögliche Effizienz. Es geht nicht darum, das Maximale aus dem Boden herauszuholen. Es geht um ein verträgliches Wirtschaften mit den Schöpfungsgaben - so, dass für die nichtmenschlichen Lebewesen Raum bleibt. Und das wäre dann der dritte Schritt, den wir nur gemeinsam politisch realisieren können: Dass wir auf die Nutzung eines Teils unserer Flächen verzichten und sie sein lassen, wie sie sich von selbst entwickeln. Ich bin überzeugt, es werden die schönsten, die lebendigsten, die kostbarsten Flächen sein. Wer es nicht glaubt, begebe sich nur ein einziges Mal für ein paar Stunden in den Nationalpark Kalkalpen und beobachte die Natur mit allen Sinnen. Wundervoller können wir Menschen die Welt niemals gestalten.
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, das sechste Sterben ist im Gang - doch es lässt sich noch aufhalten. Wir müssen nur wie Noach bereit sein, „Archen“ zu bauen, Schutzräume für alle Lebewesen. Umsonst sind sie nicht zu haben. Aber das war zu Noachs Zeiten schon genau so. Doch vergessen wir nicht: In der Arche mag es eng werden, es mag manchmal stinken und unbequem sein. Aber es ist eine wundervolle Gemeinschaft, die unser Leben reich macht.
(c) Prof. Dr. Michael Rosenberger, Linz.
Mit Klugheit und kompetentem Wissen versuchen wir, einen zerstörerischen Umgang mit der Natur zu korrigieren. Eine uralte biblische Tradition bewundert die Weisheit, mit der Gott seine Schöpfung eingerichtet hat. Diese Weisheit in unser Denken und Handeln hereinzuholen und sie zu unserer Wegbegleiterin zu machen, eröffnet uns in ein neues Verhältnis zur Natur und zur Schöpfung.
Im Psalm 104 (Vers 24) wird von Gott gesagt: "Mit Weisheit hast du alle deine Werke gemacht." Klingt interessant: Mit Weisheit, nicht mit Logik, nicht mit Mathematik, nicht mit kosmischen Gesetzen oder mit Evolution, nein mit Weisheit hat Gott die Welt erschaffen. Weisheit, das ist mehr als Klugheit und Intelligenz, mehr als Reflexion und Kalkül. Weisheit erfasst das Ganze, sieht in die Tiefe und Breite, erahnt Wirkungen und Perspektiven, die nicht auf der Hand liegen.
Im Buch der Sprichwörter wird gesagt, dass Gott diese Weisheit nötig hat, um die Welt zu erschaffen. Sie wird weiblich, als Frau personifiziert. Ohne sie läuft gar nichts, auch für Gott. Gott hat sie als Erste geschaffen, vor aller Zeit wurde sie geboren und dann war sie bei allem dabei, was Gott ins Dasein gerufen hat. Die Weisheit spielte vor Gott, wie ein selbstvergessenes Kind, ganz in der Gegenwart und es war ihre Freude, bei den Menschen zu sein.
Welche Bedeutung haben diese biblischen Aussagen für unseren Zugang zur Natur und für unseren Umgang mit allem Lebendigen um uns herum?
Stimmen werden heutzutage immer lauter, die fordern, dass es bei den Fragen rund um Klimawandel, das Artensterben und die Nachhaltigkeit neben konkreten Maßnahmen um einen fundamentalen Wandel unserer Einstellung zur Umwelt gehen muss. Für viele ist die Natur eine Sache, die man möglichst gut und gewinnbringend nützen soll und kann. Die Frage ist, was man herausholen kann, wie man Ertrag und Effizienz steigern kann. Solange diese Mentalität herrscht, werden Maßnahmen zum Klima oder Artenschutz, zur Renaturierung oder Nachhaltigkeit vielleicht eingesehen (besonders nach der letzten Wetterkatastrophe), aber unwillig in Kauf genommen.
Wir können aber auch wieder lernen, die Natur mit den Augen von Frau Weisheit zu sehen. Wir können staunen, welche Schönheit die Schöpfung uns bietet, wie ausgewogen und raffiniert das Zusammenspiel der Naturgesetze ist oder wie kreativ sich die Lebewesen an ihren Lebensraum und ihre Situation anpassen.
Wir können unsere Gleichgültigkeit, Überheblichkeit und Arroganz hinter uns lassen und zum Beispiel am Weg in die Arbeit darüber staunen, dass jetzt die Sonne aufgeht, oder dass unser Magen das Essen verdaut, das uns so gut geschmeckt hat oder dass die Dämmerung eine friedliche Stimmung erzeugt, die uns zur Ruhe kommen lässt. Dann können wir spüren, wie alles mit Weisheit gemacht ist und wie kostbar, schützenswert und einmalig unsere Umwelt ist.
Wenn wir einen absichtslosen, bewundernden Zugang zur Schöpfung pflegen, Ausbeutung und Zerstörung zurücknehmen, dann können wir auch Gott, der Schöpferin in der Natur begegnen.
Die Frau Weisheit, die Freude hat, unter uns Menschen zu sein, kann uns einen guten Weg zeigen. Wenn wir uns auf sie einlassen, können wir von ihr lernen:
+ Genügsamkeit:
Wer weise mit der Natur umgeht, spürt, wann es genug ist, und verbraucht nicht mehr, als er oder sie nötig hat.
+ Genussfähigkeit:
Wer mit allen Sinnen den Reichtum der Schöpfung erspürt, der oder die erfährt Fülle und Glück im Leben.
+ Respekt und Ehrfurcht:
Wer mit weisen Augen auf die Natur schaut, erkennt ihre Einmaligkeit aber auch ihre Zerbrechlichkeit und Verletzbarkeit.
+ Verantwortung:
Wer die Weisheit findet, selbst ein Teil dieser wunderbaren Schöpfung zu sein, kann sensibel und rücksichtsvoll mit der Natur umgehen.
UND es ist nicht schwer diese Weisheit zu finden. An anderer Stelle sagt die Bibel, dass Frau Weisheit auf unserer Türschwelle sitzt und auf uns wartet. Wir brauchen nur die Tür zu öffnen, dann ist sie da und wartet darauf, hereingebeten zu werden.
Öffnen wir unsere Türen und Herzen und bitten sie herein, denn es ist ihre Freude bei den Menschen zu sein.
© Dorothea Schwarzbauer Haupt, Diözese Linz.
In einer Welt, die vom Untergang bedroht ist, können wir nicht Erntedank feiern, ohne handeln zu beginnen und uns für den Erhalt der Schöpfung einsetzen.
1. Lesung: Gen 9,8-17
2. Lesung: Röm 8,18-21
Evangelium: Mk 1,12-15
Als die Umweltorganisation Greenpeace im Juli 1985 gegen französische Kernwaffentests auf dem Mururoa-Atoll demonstrieren wollte, weil die Bewohner*innen der Nachbaratolle seit Jahrzehnten an Strahlungsschäden litten, befestigten Taucher des französischen Geheimdienstes mit Wissen des französischen Staatspräsidenten Francois Mitterand im Hafen von Auckland/Neuseeland zwei Sprengsätze an dem Schiff und versenkten es. Ein Greenpeace-Mitarbeiter kam ums Leben.
Sicher können Sie sich den tiefen Frust der Umweltengagierten vorstellen, als sie von diesem Ereignis erfuhren. Denn viel schlimmer als der materielle Schaden war ja die Botschaft Frankreichs: Wir werden mit der Entwicklung von Atomwaffen fortfahren, und ihr werdet uns daran nicht hindern! Frust und Verzweiflung breiten sich aus.
Ganz ähnlich dürfte die Gefühlslage vieler Umweltaktivist*innen heute sein. Da setzen sich die Jugendlichen der Fridays for Future, der Letzten Generation und anderer Gruppierungen uneigennützig und mit leidenschaftlichem Engagement für den Schutz von Klima und Biodiversität ein. Aber auch nach vier Jahren zeigen ihre Proteste kaum Wirkung. Politik und Gesellschaft machen weiter wie bisher und tun so, als ob uns noch Jahrhunderte Zeit blieben, um unsere zerstörerischen Praktiken aufzugeben.
Der Frust ist hoch, und er ist nachvollziehbar. Verzweiflung und die sprichwörtliche „Klima-Angst“ greifen um sich, so dass viele junge Menschen ernsthaft erwägen, keine Kinder in die Welt zu setzen, um sie nicht einer furchtbaren Lebenssituation auszusetzen. Diese Gefühlslage sollten wir sehr ernst nehmen, denn sie ist gut begründet und nimmt die wissenschaftlichen Prognosen ernster als sämtliche Parolen eines naiven „Weiter-so“.
Doch wie können wir mit Angst und Sorge umgehen? Wie können wir verhindern, dass junge Menschen völlig verzweifeln und ihre Hoffnung ganz verlieren? Lässt sich eine trost- und hoffnungsvolle Perspektive finden, die keine billige Vertröstung, sondern echte Stärkung bedeutet? Klassisch ist das eine Frage an die Religionen. Und wenn wir genau hinsehen, hält die christliche Tradition dazu einige Ressourcen bereit, die wir allerdings in den letzten Jahrhunderten wenig beachtet haben.
So haben wir in der Lesung aus dem Buch Genesis gehört, dass Gott nach der großen Flut einen Bund mit der Schöpfung schließt. Als ob die Autoren wüssten, wie widerständig die Menschen sind, hämmert ihr Text den Zuhörenden vielfach ein, dass es um einen Bund mit allen Lebewesen geht, menschlichen und nichtmenschlichen - auf dem Land, denen im Wasser und denen in der Luft. Fast in jedem Satz wird das betont, damit es auch der letzte kapiert. Menschen und Tiere können nur gemeinsam überleben, sie sitzen sprichwörtlich in einem Boot. Und Gott verspricht ihnen, dass, wenn es nach ihm geht, nie wieder eine derart zerstörerische Flut das Leben auf der Erde vernichtet. Der Regenbogen, der den damaligen Menschen als Vorbote von Blitz und Donner Angst und Schrecken einflößte, soll daher zum Zeichen der Treue und Fürsorge Gottes werden - zum Symbol des Friedens.
Abstrakter formuliert Paulus im Römerbrief etwas Ähnliches: Er leugnet nicht, dass die Schöpfung leidet und stöhnt und in vielerlei Weise ernsthaft bedroht ist. Doch in allen Bedrängnissen sieht er Hoffnung - für die gesamte Schöpfung. Auch er macht klar: Das Geschick der Menschheit und das Geschick der nichtmenschlichen Schöpfung hängen untrennbar zusammen. Gott aber will von seiner Seite alles zum Guten führen.
Ganz in diesem Sinne stellt schließlich der Evangelist Markus im Prolog seines Evangeliums Jesus als neuen Adam vor, der anders als der erste Adam mit den nichtmenschlichen Geschöpfen in Frieden lebt. Das „Reich Gottes“, über das Jesus wenig später zu predigen beginnt, ist folglich nach Markus dann und nur dann unter uns gegenwärtig, wenn Menschen und nichtmenschliche Geschöpfe miteinander in Frieden leben.
Liebe Schwestern und Brüder, es gibt Hoffnung, sagen die biblischen Texte - jedoch nur unter einer Bedingung: Dass wir diese Hoffnung in unserem Handeln ergreifen! Von Gott her soll nie wieder eine Flut kommen, die die Welt zerstört - das ist sein Bundesangebot an uns. Aber an uns liegt es, unseren Teil der Bundesverpflichtung wahrzumachen und mit Rücksicht auf die Zerbrechlichkeit und Sensibilität der Schöpfung, ihrer Lebensräume und Lebewesen zu leben. Das fordert die Bereitschaft, eigene Ansprüche um des größeren Ganzen willen zurückzustellen.
Hoffnung ist keine Beruhigungspille, keine Einladung, uns auf die faule Haut zu legen, nach dem Motto: „Es wird schon irgendwie gut gehen!“ Nein, wenn wir die Hände in den Schoß legen, wird es furchtbar ausgehen - und Hoffnung heißt, das ernst zu nehmen. Hoffnung macht sich aber unabhängig vom Erfolgsdruck, sie ist frei. Frei aus der Dankbarkeit. Frei, weil sie weiß, dass uns alles geschenkt ist, dass wir uns die Gaben der Schöpfung nicht gemacht und nicht verdient haben, wie wir es heute am Erntedanksonntag feiern. Die Schöpfungsgaben kommen uns aus der überfließenden Liebe des Schöpfers zu. Genau diese Dankbarkeit macht frei, umso entschlossener, umso hingebungsvoller, umso selbstloser zu handeln. Es geht nicht um die Frage: Was habe ich davon? Sondern es geht darum, dem Schöpfer und der Schöpfung etwas zurückzugeben, wo wir doch so unendlich viel empfangen haben. Um es mit dem früheren tschechischen Präsidenten Vaclav Havel zu sagen: Hoffnung ist die Gewissheit, dass unser Engagement Sinn macht - völlig unabhängig davon, wie es ausgeht.
Liebe Schwestern und Brüder, von Anfang an nannte Greenpeace seine Schiffe „Rainbow Warrior“, auf Deutsch „Regenbogen-Kämpfer“, und malte auf den Bug den Regenbogen und die Taube mit dem Ölzweig. Eine deutliche Anspielung auf die Noacherzählung der Bibel, die große Kraftquelle der Organisation. Als die „Rainbow Warrior“ 1985 durch den französischen Geheimdienst versenkt worden war, startete Greenpeace eine weltweite Plakatkampagne mit dem Motto: „Einen Regenbogen könnt ihr nicht versenken!“ Das ist eine großartige, zutiefst spirituelle Botschaft der Hoffnung: Unser Schiff, unseren materiellen Besitz könnt ihr zerstören, und vielleicht sogar unser Leben. Aber unsere Leidenschaft für die Schöpfung, unseren unermüdlichen Einsatz, unsere Hingabe und unsere Hoffnung - die könnt ihr nie zerstören! Wie ein Regenbogen können sie nicht untergehen.
Ich wünsche uns, dass wir uns von dieser Leidenschaft anstecken lassen - und so in unserem täglichen Handeln Zeugnis ablegen von der Hoffnung, die uns erfüllt.
Die große Katastrophe der »Sintflut« und Unfälle wie der Einsturz eines Turmes sind nicht einfach Naturereignisse. Sie sind folgen menschlicher Sorglosigkeit und werden uns so zu Mahnmalen für den Umgang mit der Schöpfung. Erntedank macht uns bewusst, dass uns die Früchte der Erde geschenkt sind. Geschenke verpflichten jedoch zu einem sorgsamen Umgang.
Predigtgedanken zur Lesung Gen 6,9. 11-14. 17-22 und zum Evangelium Lk 13,1-9:
Vor 16 Jahren, am 30. Oktober 2006 legte der Chefvolkswirt der britischen Regierung, Nicholas Stern, seinem Regierungschef Tony Blair einen Bericht über die Folgen der Klimaerwärmung vor. Die Kernbotschaft lautete: Wenn die Treibhausgasemissionen ab sofort kontinuierlich reduziert würden, würde das ungefähr ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts kosten. Wenn hingegen nichts getan würde, koste das auf Grund der Schäden der Erderwärmung langfristig ungefähr 20 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Je länger wir zögerten, umso teurer würde es am Ende.
Heute, 16 Jahre später, müssen wir eingestehen, dass wir seitdem fast nichts getan haben. In Österreich haben sich die Treibhausgasemissionen nahezu überhaupt nicht verringert, europaweit nur um etwa 20 Prozent. Die vorgeschlagenen Reduktionsziele des Stern-Reports werden krachend verfehlt. Noch immer emittiert jeder Europäer und jede Europäerin das Fünffache an Treibhausgasen, das klimaverträglich wäre. Und was ich am Beispiel des Klimas gezeigt habe, lässt sich genauso an dem anderen großen Problem, dem Erhalt der Biodiversität zeigen. Es wird immer teurer, sie zu erhalten - doch wir tun viel zu wenig.
Dabei kommen die „Einschläge“ immer näher. Große Schadensereignisse haben unsere direkten Nachbarländer erreicht, und es ist nur eine Frage der Zeit, wann die erste Maxi-Katastrophe in Österreich passiert. In der Schweiz der verheerende Bergsturz am Piz Cengalo 2011; in Deutschland die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021; in Tschechien der Tornado ebenfalls 2021; in Italien der Gletscherabbruch an der Marmolata 2022. Ganz zu schweigen von häufigeren Hitzewellen und Dürren, die unserer Land- und Forstwirtschaft seit Jahren schwer zu schaffen machen. Die Folgen der Klimaerwärmung werden von Jahr zu Jahr schlimmer und treten häufiger auf.
Angesichts dessen ist der Ukraine-Krieg und die damit einhergehende Verknappung und Verteuerung der fossilen Energieträger nur das Tüpfelchen auf das „i“. Wer jetzt noch nicht kapiert hat, was die Stunde schlägt, dem ist nicht zu helfen.
Genau von einer solchen Situation erzählt uns die heutige Lesung. Die Flutkatastrophe, die Menschen und Tieren bevorsteht, ist darin ein Symbol für die Bosheit und Gewalttätigkeit „aller Wesen aus Fleisch“. Sie ist kein Willkürakt eines launenhaften Gottes, sondern menschengemacht und eine logische Folge eines falschen, zerstörerischen Verhaltens, so der Bibeltext. Doch die dramatische Bedrohung nehmen nur jene wenigen ernst, die sich verantwortungsbewusst verhalten: Noach und seine Familie. Sie distanzieren sich vom Tun der Masse, bauen ein Rettungsboot und nehmen die gesamte Schöpfung mit ins Boot.
Auf unsere heutige Situation übertragen könnten wir sagen: Das Wasser der Umweltzerstörung steht uns Menschen und allen Geschöpfen bis zum Hals. Ein Überleben in einer lebenswerten Umwelt ist nur möglich, wenn wir sehr schnell sehr durchgreifend reagieren. Also raus aus dem unreflektierten Konsumieren, raus aus dem verschwenderischen Lebensstil, der Lebensstandard mit Lebensqualität verwechselt, und rein in die Arche des einfachen, solidarischen Lebens, rein in ein achtsames Zusammenleben mit allen Lebewesen!
Auch das Evangelium geht in eine ähnliche Richtung: Da nimmt Jesus Bezug auf zwei menschengemachte Katastrophen. Eine passierte aus Fahrlässigkeit - der Einsturz des Turmes von Schiloach -, eine aus Brutalität - die Ermordung der Galiläer durch Pilatus. Jesus schiebt die Schuld weder Gott noch den umgekommenen Menschen in die Schuhe, sondern interpretiert beide Ereignisse als dringende Mahnung zur Umkehr an alle: „Ihr werdet alle ebenso umkommen, wenn ihr nicht umkehrt!“ (Lk 13,3.5). Zweimal sagt er diesen Satz und betont das „alle“: Unsere Geschicke hängen zusammen - wir sollten nicht meinen, dass wir nach dem Floriani-Prinzip vor Katastrophen geschützt sind, die nur die anderen betreffen. Nein, es wird auch uns treffen - wenn wir nicht umkehren.
Dann erzählt Jesus ein wunderbares Gleichnis. Ein Mann hat in seinem Weinberg einen Feigenbaum gepflanzt, der jedoch keine Früchte trägt. Verständlicherweise will er den Baum umhauen und einen neuen an seiner Stelle pflanzen. Doch der Mitarbeiter, der den Baum jahrelang gepflegt und gehegt hat, bettelt ganz demütig: „Ein Jahr noch!“ (Lk 13,8). Ob der Besitzer ihm die Bitte gewährt, erzählt Jesus nicht. Es bleibt eine offene Frage. -
Auch das können wir auf unsere Situation übertragen: Der göttliche Besitzer des irdischen Gartens erkennt, dass die Spezies homo sapiens keine Früchte bringt, sondern das Klima ungebremst weiter schädigt und die Biodiversität weiter ungehemmt zerstört. Doch einer, der fleischgewordene Gottessohn, bittet um einen kurzen Aufschub. Noch ein Jahr, noch ein Jahrzehnt, um klimaneutral zu werden und die Lebensvielfalt zu respektieren! Ob der Schöpfer der Menschheit diesen Aufschub gewährt? Und ob wir ihn dann nutzen, um tatsächlich Früchte des Klima- und Biodiversitätsschutzes zu bringen?
Erntedank ist ein Tag des Dankes und der Freude. Trotz aller Anstrengung und harten Arbeit der Bäuerinnen und Bauern, vor der wir großen Respekt haben müssen, haben wir unverdient ein riesiges Geschenk des Schöpfers empfangen: Auf unseren Feldern und in unseren Gärten ist so viel gewachsen, dass wir davon leben können. Noch dazu in einer Reichhaltigkeit und Vielfalt, die uns Genuss am Essen und Trinken spüren lässt.
Im Jahr des Ukrainekriegs, in dem viel mehr Menschen hungern müssen als sonst, weil das Getreide aus der Kornkammer Europas nicht exportiert werden kann, wissen wir das umso mehr zu schätzen. Aber jedes Geschenk verpflichtet und mahnt auch zu einem sorgsamen Umgang. Die Landwirtschaft ist in hohem Maße abhängig von einem stabilen Klima und vom Vorhandensein einer reichen Biodiversität. Beides sind wir gegenwärtig im Begriff zu zerstören. Die Zeit läuft uns davon. Es gilt schnell zu handeln. Wir alle müssen unsere Art zu leben und zu konsumieren erheblich verändern. Und zwar heute. Denn schon morgen kann es zu spät sein.
© Univ.-Prof. Dr. Michael Rosenberger, Linz.
Das Erntedankfest ist Anlass, für alles zu danken, was Gott uns zum Leben gibt. Die Kostbarkeit des Wassers wird dabei leicht übersehen. Ohne Wasser keine Ernten. Das Wasser ist Symbol des Lebens und der Lebendigkeit.
Jedes Jahr sinkt der Wasserspiegel des Toten Meeres um einen ganzen Meter ab. Schon ist absehbar, wann das Meer vollständig verschwunden sein wird. Dem See Gennesaret und dem Jordan wird zu viel Süßwasser entnommen, als Trink- und Brauchwasser für die Haushalte, besonders aber für die Landwirtschaft. So kommt der Jordan, eigentlich ein kräftiger Fluss, wie ein jämmerliches Rinnsal im Toten Meer an. Würde Johannes der Täufer heute an seinem angestammten Platz taufen wollen, müsste er das Taufwasser tropfenweise verwenden.
Was kann getan werden, um die ökologische Katastrophe des Wassermangels im Nahen Osten zu bewältigen? Seit Jahrzehnten wird eine technische Lösung vorangetrieben. 2013 haben Jordanien, Israel und die Palästinensische Autonomiebehörde ein Abkommen zum Bau einer „Zwei-Meeres-Pipeline“ unterzeichnet, über die aus dem Roten Meer jährlich 80 Millionen Kubikmeter Wasser in eine Entsalzungsanlage und 120 Millionen Kubikmeter Wasser in das Tote Meer geleitet werden sollen. Nebenbei würde eine große Menge Ökostrom produziert, weil das Wasser vom Roten zum Toten Meer 400 Meter in die Tiefe stürzt und eine Turbine antreiben kann.
UmweltschützerInnen warnen allerdings davor, dass das Projekt im Roten Meer ein Korallensterben und im Toten Meer die Bildung von Gipsschichten zur Folge haben könnte. Beides wäre ökologisch fatal. Die Alternative zu einer technischen Lösung kann jedoch nur eine Veränderung des Lebensstils und der Wirtschaftsweise im Nahen Osten sein. Bis 1960 hat das vorhandene Süßwasser, das fast zu 100 Prozent vom Hermon-Gebirge im Grenzgebiet zwischen Syrien und dem Libanon kommt, vollkommen ausgereicht. Erst die Industrialisierung und Intensivierung der Landwirtschaft sowie der verschwenderische Umgang mit Wasser in den Haushalten haben in Verbindung mit einer massiven Bevölkerungszunahme zur gegenwärtigen Knappheit geführt.
An sich wusste Israel stets um die Kostbarkeit des Wassers. Immer wieder litt das Land unter mehrjährigen Dürrekatastrophen, wie die Bibel eindrücklich erzählt. Der Hermon ist ein vergleichsweise kleines Quellgebiet, das nicht so stabile Wassermengen zur Verfügung stellt wie das Quellgebiet des Nils für Ägypten. Doch dessen ungeachtet glaubte Israel an einen Gott, der für Menschen, Tiere und Pflanzen ausreichend Wasser spendet, wenn man damit nur behutsam umgeht.
In der Erzählung von der Tempelquelle im Buch Ezechiel träumt der Prophet von einer Quelle, die so viel Wasser liefert, dass das Tote Meer lebendig wird, dass also aus seinem hochgradig salzigen Wasser Süßwasser wird, in dem Fische und andere Meerestiere leben können und an dessen Ufer Obstbäume wachsen. Ein paradiesischer Traum. Aber Ezechiel macht deutlich, dass nur einer diesen Traum erfüllen kann: Gott selbst. Das Wasser quillt aus dem Tempel hervor und nicht aus einer menschengemachten Pipeline. Gott ist der Geber des Wassers. Die Menschen können nur demütig bitten - und achtsam mit dem geschenkten Wasser umgehen.
Liebe Schwestern und Brüder, noch haben wir nördlich der Alpen vergleichsweise viel Wasser. Aber die Dürrejahre 2019 und 2020 waren unübersehbare Warnsignale für das, was uns mit der Zuspitzung der Klimaerwärmung bevorstehen könnte. Monatelang ausbleibende Niederschläge und knochenharte, staubtrockene Böden. Die LandwirtInnen können von den Ernteeinbußen der vergangenen Jahre ein Lied singen. Keine einzige unserer Feldfrüchte kommt ohne Wasser aus. Das Wasser ist ihr Lebenssaft und führt ihnen die nötigen Nährstoffe zu. Daher gilt es, mit dem Wasser sorgsam umzugehen:
Als Jesus in Sichem die Samariterin um Wasser bittet, ist ein tiefer Brunnen des Stammvaters Jakob die einzige Wasserquelle weit und breit. Jesus ist ohne Schöpfgefäß unterwegs und damit auf Hilfe angewiesen. Demütig bittet er die Frau um Wasser. Auch wenn unser Wasser unkompliziert aus der Leitung fließt, sind wir eingeladen, die Haltung Jesu nachzuahmen: Eine Haltung der Demut und der Dankbarkeit. Wasser ist ein großartiges Lebens-Mittel!
© Univ.-Prof. Dr. Michael Rosenberger, Linz.
Die gegenwärtigen Krisen machen uns mehr als in anderen Jahren bewusst, wie sehr wir aufeinander angewiesen sind und einander zu danken haben. Sie können uns aber auch bewusstmachen, wem wir unser Leben und unsere Lebensgüter ver-danken. Mitauslöser der gegenwärtigen Krisen sind auch die weltweit herrschenden Ungerechtigkeiten. Zum Danken kommt das Denken an jene, die nicht am großen Segen Gottes teilhaben.
Die Coronakrise hat uns gezeigt, dass viele Personen in unserer Gesellschaft an wichtigen Posten tätig sind, die wir im Alltag oft gar nicht wahrnehmen und oft auch nicht ausreichend wertschätzen: Kassierinnen im Supermarkt, Pflegerinnen und Pfleger im Gesundheitsdienst, die Leute von der Müllabfuhr, um nur einige zu nennen. "Systemrelevant" zu sein ist eine Auszeichnung geworden.
Sichtbar geworden sind auch eine Vielzahl von Experten, von denen wir zuvor kaum gehört haben, die sonst in stillen Hinterzimmern Dinge wie z.B. Viren erforschen oder Modellrechnungen anstellen und Notfallspläne entwerfen. In der Krise hat sich der Öffentlichkeit gezeigt, wie wichtig ihre Tätigkeit ist.
Es ist uns bewusst geworden, wie sehr wir auf einander angewiesen und voneinander abhängig sind. Unser tägliches Leben baut auf eine Vielfalt an Kompetenzen auf, die es zu entwickeln und zu erhalten gilt. Meist werden sie nicht bewusst wahrgenommen.
Ähnliches gilt auch für unsere Lebensmittel. Im Supermarkt vergleichen wir die Angebote und Preise, wir nehmen aber nur selten die vielen Menschen wahr, die mit ihrem Können und Wissen dahinterstehen und dafür sorgen, dass wir in den Genuss all dessen kommen. Als Kunden fühlen wir uns als Könige, als die Anschaffer, weil wir das alles ohnehin bezahlen. Da uns die Vielfalt der Angebote ständig zur Verfügung steht, haben wir den Blick dafür verloren, dass dies gar nicht so selbstverständlich ist. Weil wir dafür bezahlen und arbeiten, ist uns entschwunden, dass genaugenommen alles, was wir zum Leben gebrauchen, genauso wie das Leben selbst geschenkt ist, Gabe Gottes.
Das Reden von einer Gabe Gottes tragen heute viele Menschen nicht mehr mit. Sie reden lieber von der Natur, die unser Leben trägt und erhält. Die Klimakrise hat uns bewusstgemacht, dass wir durch unkritischen Umgang mit den natürlichen Gegebenheiten wichtige Zusammenhänge in der Natur durcheinanderbringen und sogar das Klima der ganzen Welt in eine lebensbedrohende Richtung verändert haben.
Wir erleben uns als die großen Könner und Macher, die alles produzieren, was wir zum Leben brauchen. Wir haben viele Dinge entwickelt, die das Leben angenehmer machen und lebenswerter erscheinen lassen. Dabei haben wir übersehen, dass wir natürliche Kreisläufe unterbrechen, begrenzte Ressourcen ohne Rücksicht auf die Nachwelt ausbeuten und vergeuden.
Wem verdanken wir unser Leben, die Lebensgrundlagen, die Lebensmittel? Dadurch, dass so viele Menschen an der Herstellung der Lebensmittel beteiligt sind, werden wir verleitet zu glauben, wir hätten sie gemacht. Wir verlieren das Gespür dafür, dass all das uns zuvor geschenkt worden ist.
Die Wirtschaftskrise - ausgelöst und verschärft durch die Corona-Pandemie und die Klimaveränderungen - konfrontiert uns noch mit weiteren Fragen, die für unser Überleben wichtig sind, wie die der gerechten Verteilung der Lebensgüter und des wirtschaftlichen Fortschritts der Reichen auf Kosten der Armen.
In jedem Herbst feiern wir ein scheinbar veraltetes Fest: Erntedank. Wir danken Gott für die Früchte der Erde. Hinzu kommt der Dank für die menschliche Arbeit. In agrarisch geprägten Gemeinden wird dieses Fest mit großem Prunk und in großer Festesfreude begangen. Es ist aber ein Fest nicht nur für Bauern und Gärtner. Alle, die die Früchte der Erde genießen, haben Grund zu danken: dem Schöpfer aber auch den vielen, die an der Bereitstellung der Nahrungsmittel mitwirken.
Es ist aber nicht nur ein Fest des Dankens. Es ist auch ein Fest, das uns zu denken gibt. Wir tun gut daran innezuhalten und uns bewusst zu machen, wie abhängig wir von dem sind, was wir der Mutter Erde abringen oder gläubig ausgedrückt, was wir dem Schöpfer verdanken. Mehr als in anderen Jahren machen uns die gegenwärtigen Krisen in diesem Jahr bewusst, wie viel wir einander verdanken durch das Mitwirken eines jeden an unserem Wohlstand. Wir tun gut daran, auch diesen Dank einmal bewusst allen auszusprechen, die sich aufbauend in das Leben der Gesellschaft einbringen; dieses Jahr ganz besonders denen, die infolge der Krisen besonderen Belastungen ausgesetzt sind.
Vergessen wir aber auch nicht, über den sprichwörtlichen Tellerrand hinauszuschauen auf die Teller derer, die nur sehr dürftig gefüllt oder gar leer sind. Es wäre ein scheinheiliger Dank, wenn wir die Fragen nach der gerechten Verteilung der Lebensgüter ausblendeten und wenn wir auf all jene vergäßen, die keinen Zugang zu dem haben, was Gott uns allen geschenkt hat.
Die ökotheologischen australischen Handreichungen von Pater Charles Rue für die Sonntage im September, die ins Lesejahr A fallen können, sind als Denkanstöße ins Deutsche übersetzt.
"SchöpfungsZeit 2020 - 23. Sonntag im Lesejahr A in der Liturgie der Römisch-katholischen Kirche" - als PDF herunterladen
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Die ökotheologischen australischen Handreichungen von Pater Charles Rue für die Sonntage im September, die ins Lesejahr A fallen können, sind als Denkanstöße ins Deutsche übersetzt.
"SchöpfungsZeit 2020 - 24. Sonntag im Lesejahr A in der Liturgie der Römisch-katholischen Kirche" - als PDF herunterladen
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Wir haben viele Gründe zu danken und dankbar zu sein. Eine Dankbare Haltung verändert unsere Einstellung zum Leben. Dankbarkeit ist ein Lebenselixier, lässt Traurigkeit überwinden, bringt Sonne und Wärme in unser Gemüt.
Wenn wir auf das Leben zurückschauen, merken wir, dass wir mehr Grund zu danken als zu bitten haben. Mein verstorbener Bruder hat in seinem Testament geschrieben: „Gott ist der Geber aller guten Gaben. Wir haben nichts, was wir nicht empfangen haben.“ Aus diesem Grund ist „Dankbarkeit die Mutter aller Tugenden“ (Cicero).
Einsicht macht dankbar. Wer denkt, der dankt. Nicht das Glück, sondern die Dankbarkeit ist die Quelle wahrer Lebensfreude. Dank ist ein Lebenselixier. Wissenschaftliche Untersuchungen haben nachgewiesen, dass unser Hormonsystem positiv auf die Haltung der Dankbarkeit reagiert. Eine Frau hat mir erzählt, dass für sie die Dankbarkeit ein Anker ist, der ihr hilft über schlechte Zeiten hinwegzukommen. Positives Denken und Dankbarkeit verändern unser Leben. Ich kann mich noch sehr gut an eine Stunde in der Volksschule erinnern. Der Lehrer fragte uns: „Wie viele Personen haben für uns gearbeitet, damit die Mama das Frühstück auf den Tisch stellen konnte?“ Da mussten der Bäcker, der Bauer, der Fleischer, der Händler und viele andere am Werk sein. Da kommt Dankbarkeit auf.
Damit Dankbarkeit wächst, müssen wir unseren Blick für die Realität öffnen: Kein Mensch kann alles und hat alles. „Jeder ist für den anderen geboren“, sagt ein afrikanisches Sprichwort. Es ist auch so, dass kein Mensch für sich stirbt (Röm 14,7). Der dänische Philosoph Kierkegaard sagt daher: „Es lohnt sich erst dann zu leben, wenn man eine Idee hat, für die es sich lohnt zu sterben“. Ich bin reich, wenn ich all die Dinge zähle, die ich für Geld nicht kaufen kann. Zum Beispiel Liebe und Wohlwollen, Hingabe und Eifer, Ausdauer und Fleiß, Gelassenheit und Geduld.
Das irdische und das ewige Leben kann der Mensch sich nicht selbst geben. Das Wichtigste gibt es nicht um Geld. Wenn wir jeden Tag in unser Tagebuch das Gute aufschreiben, das wir erlebt haben, haben wir immer Grund zum Danken. Dann wird die Geschichte unseres Lebens eine Sammlung schöner Erlebnisse, Eindrücke und Freundschaften sein.
Wenn es einmal im Leben kriselt, Undankbarkeit aufkommt, dann denken wir daran: die besten Ärzte der Welt sind Dr. Ruhe, Dr. Humor und Dr. Fröhlich oder Frau Dr. Musica. Aber der Arzt aller Ärzte ist Gott selbst. Er ist der Geber alles Guten. Er schenkt uns so viele Feste: Weihnachten, Ostern, Pfingsten und viele andere. Der Benediktinermönch David Steidl-Rast sagt. „Wäre das Wort „Danke“, das einzige Gebet, das du je sprichst, so würde es genügen“. Für mich ist Dankbarkeit ein Lebenselixier, lässt Traurigkeit überwinden, bringt Sonne und Wärme in unser Gemüt.
Immer mehr entdecken wir, wie wichtig eine gesunde Natur ist und wie gut sie uns tut. Gleichzeitig nutzen wir die Ressourcen der Erde über die Grenzen des Verantwortlichen hinaus aus. Der Blick auf den Schöpfer kann uns das rechte Verhältnis zur Schöpfung bringen.
Mit den Fingern essen gilt als unschicklich. Kinder zeigen uns, wie wichtig tasten und fühlen auch beim Essen ist. Tasten und Fühlen bringt uns in einen intensiveren Kontakt mit unseren Speisen und ihrer Herkunft. Sie können uns auch zu unserem Schöpfer hinführen.
Das Erntedankfest ist ein Anlass für den Überfluss, in dem wir leben zu danken. Der Dank beinhaltet aber auch Bitten an Gott und die Mitmenschen und die Herausforderung auch das wechselseitige Vertrauen in der Gesellschaft zu fördern. Grundlage dieses Vertrauens ist das Vertrauen in Gott.
Auch wenn unwetterbedingt Ernteausfälle zu beklagen sind und betroffene Bauern damit in beträchtliche Nöte geraten sind, leben wir insgesamt im Überfluss. Beim Einkaufen werden wir von den Ernteausfällen gar nichts bemerken. Wir haben einen Überfluss an Lebensmitteln, und es steht uns ein Warenangebot zur Verfügung wie noch nie zuvor. Fast könnten wir uns sorglos zurücklehnen wie der Gutsbesitzer im Lukasevangelium (Lk 12, 19) und sagen: "Ruh dich aus, iss und trink und freu dich des Lebens!" und vergessen, dafür Gott zu danken.
Wenn wir genauer hinschauen, haben wir auch einen Überfluss an Problemen, über die wir nicht hinwegschauen dürfen: Nicht alle Menschen haben teil am Überfluss. Viel zu viele leiden noch bittere Armut und Hunger. Sie sind nicht fähig, aus eigener Kraft ihrer Not zu entkommen. Wer wird ihnen helfen? Wie können gerechtere politische und ökonomische Verhältnisse geschaffen werden?
Seit Jahren beobachten wir klimatische Veränderungen, von denen wir nicht genau sagen können, wodurch sie verursacht werden. Es besteht der dringende Verdacht, dass unser unbedachtes Leben im Überfluss diese mitverursacht. Und es ist zu befürchten, dass wir erst am Anfang einer Entwicklung stehen, die wieder vor allem die Ärmsten am härtesten trifft. Millionen von Menschen sind auf der Flucht vor Kriegen wie auch vor Dürre- und Hungerkatastrophen.
Kopfzerbrechen bereiten uns auch der Einsatz chemischer Mittel bei der Produktion von Lebensmitteln und der Ausstoß von Schadstoffen seitens der Industrie, die unsere Umwelt belasten.
Erntedank ist ein Innehalten am Ende der Erntezeit. Wir danken Gott für die Fülle der Lebensmittel, die uns zur Verfügung stehen. Wir danken bei dieser Gelegenheit auch allen Menschen, die in der Erzeugung von Lebensmitteln mitarbeiten. Darüber hinaus danken wir allen, die sich dafür einsetzen, dass möglichst viele Menschen gut leben können.
Unser Dank ist zugleich auch eine Bitte: Eine Bitte an den Schöpfer, dass er auch in Zukunft wachsen lässt, was wir zum Leben brauchen.
Mit unserem Dank bitten wir auch alle, die an der Herstellung und Verteilung von Lebensmitteln mitwirken, dass sie sich ihrer Verantwortung für die Gesundheit und das Wohl aller Menschen bewusst sind.
Mit unserem Dank verbinden wir aber auch Bitten an jeden einzelnen Nutznießer des Überflusses an Gütern: Vergessen wir jene nicht, die vom Reichtum unserer Zivilisation ausgeschlossen sind, auch wenn wir für ihre Nöte keine schnellen Lösungen bereit haben.
Auch wir tragen Mitverantwortung für unsere Umwelt und für die Zukunft unseres Planeten, auch wenn uns unsere Mitverantwortung zeitweise überfordert und wir uns nicht gerne daran erinnern lassen. Erntedank ist auch die gegenseitige Bitte an uns alle, dass wir unsere Augen nicht vor den Problemen verschließen und uns+ am gesellschaftlichen Dialog, der diesbezüglich notwendig ist, teilnehmen.
Neben der Aufforderung zu Danken und den damit verbundenen Bitten beinhaltet das Erntedankfest noch eine dritte Aufforderung an uns alle: Es gilt das Vertrauen zu stärken, das Vertrauen in Gott wie auch das Vertrauen in unsere Mitmenschen. Dies scheint mir in einer Zeit, da nicht wenige Kräfte Interesse daran haben, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu destabilisieren, erneut wichtig. Wechselseitiges Vertrauen ist ein hohes Gut, das nicht von selbst entsteht sondern wie unsere Erntefrüchte dem Wachstum unterworfen ist. Es fällt nicht vom Himmel. Und es kann auch zugrunde gehen, "verfaulen" oder zerstört werden.
Die biblischen Texte (z.B. Dtn 6,4-12 oder Ez 36,1-12) werden nicht müde in Erinnerung zu rufen, wie Gott uns bisher getragen und ernährt hat. Sie möchten in den Lesern und Hörern das Vertrauen stärken, dass Gott auch in Zukunft für uns sorgen wird, auch wenn wir selbst unseren Teil dazu beitragen müssen.
Das Zusammenwirken der Menschen ist keine Selbstverständlichkeit. Es treten immer wieder Kräfte auf, die Zwietracht, Neid und Hass säen, die Menschen entzweien und daran hindern, an einem gemeinsamen Strang zu ziehen. Ich halte es für wichtig und notwendig, dass sich alle Menschen über die Grenzen von religiösen, ideologischen und nationalen Interessen hinweg vernetzen und jenen entschlossen entgegentreten, die einer friedlichen und gerechten Zukunft für alle Menschen entgegenarbeiten.
Vertrauen kann wachsen, wenn wir uns immer wieder all das Positive vor Augen halten, das durch Zusammenhalt und dauerhaften Frieden möglich geworden ist. Reiche Ernten auch in Zukunft sind am meisten bedroht durch persönliche und nationale Egoismen, die zu Krieg und Terror führen. Hier entgegenzuwirken ist auch unsere Herausforderung.
Unser Gehörsinn ist oft einseitig getrimmt auf Geräusche, die für unseren Alltag Bedeutung haben. Das Erntedankfest und dessen diesjähriges Motte lädt uns ein, unser Ohr für die Geräusche der Schöpfung zu schärfen.
Es ist uns ein Bedürfnis, Gott für alles zu danken, was er uns zum Leben gibt. Eine Form des Dankens ist das Teilen. Es macht uns reicher, schenkt Freude.
Das Motto des Erntedanksonntags wurde übernommen von der OeKU, der ökumenischen Arbeitsstelle Kirchen und Umwelt in der Schweiz. Bei dieser Stelle können unter www.oeku.ch auch weitere Materialien zum Thema und für die Schöpfungszeit vom 1.9. bis zum 4.10. bezogen werden. Die OeKU schreibt zum diesjährigen Motto: Die Alpen gehören mit etwa 30 000 Tier- und 13 000 Pflanzenarten zu den artenreichsten Gebieten Europas. Die Leitidee für die landwirtschaftliche, touristische, energetische und verkehrsmäßige Nutzung der Bergwelt muss die Nachhaltigkeit sein. Das bedeutet, dass der Lebensraum Berge den künftigen Generationen möglichst intakt erhalten werden soll. So bleiben die Berge auch in Zukunft Ort für die spirituelle Erfahrung. Dafür dürfen auch Pfarreien und Kirchgemeinden eintreten.
Vielleicht waren manche von Ihnen schon einmal in den italienischen oder französischen Alpen zum Wandern. Wenn ja, dann ist Ihnen sicher der große Unterschied zu den schweizerischen, österreichischen und deutschen Alpen aufgefallen: In Italien und Frankreich sind die meisten Almen verwaist, die Almhütten eingefallen, die Weiden verbuscht und bewaldet. Die typischen Almlandschaften, die jahrhundertelang fast flächendeckend verbreitet waren, gibt es dort nicht mehr.
Womöglich werden manche spontan sagen: Da holt sich die Natur zurück, was der Mensch ihr mit der Rodung der Bergwälder einst genommen hat. Da wächst wieder eine „natürliche", nicht vom Menschen gestaltete Vegetation heran. Doch ist der Verlust der Almen so leicht abzuhaken? Kann man den Traditionsbruch, den das Verlassen der Almen darstellt, so einfach beiseiteschieben?
Historisch betrachtet ist die heutige Almlandschaft der Alpen im Wesentlichen im Hochmittelalter entstanden. Zwar gab es zum Beispiel auf dem Dachstein-Hochplateau schon von 1700 bis 900 vor Chr. eine bronzezeitliche Almwirtschaft mit 28 Almen, um die Arbeiter des Salzbergbaus in Hallstatt mit ausreichender Nahrung zu versorgen. Ohne die Almwirtschaft wäre der Bergbau dort gar nicht möglich gewesen. Daher fand an allen Bergbaustandorten in den Alpen bereits in dieser frühen Phase Almwirtschaft statt. Doch eine systematische und flächendeckende Erschließung der höheren Lagen zur Sommerbewirtschaftung war erst nötig, als die alpine Bevölkerung ihren Höchststand erreichte - und das war im 12. und 13. Jahrhundert. Seitdem sehen die Alpen unterhalb der Baumgrenze so aus, wie wir sie kennen.
Welche Bedeutung haben die Almen aber in einer modernen Industriegesellschaft? Warum kann man sie nicht einfach aufgeben? Warum setzen die nationalen Regierungen und die Europäische Union Fördermittel für die Almbewirtschaftung ein?
Natürlich ist das wundervolle Landschaftsbild am auffälligsten, das durch die Almen erzeugt wird: Statt eintöniger Berghänge, die flächendeckend bewaldet sind, ist der Wechsel von Wald und Almweide eine Wohltat für die Augen. Hinzu kommen die bunten Blumen auf den Almwiesen, die uns erfreuen. Das ist der schönste, aber zugleich der nebensächlichste Aspekt der Almen.
Ökologisch betrachtet von höchster Bedeutung ist die Funktion der Almen für die Artenvielfalt: Die Alpen gehören mit etwa 30 000 Tier- und 13 000 Pflanzenarten zu den artenreichsten Gebieten Europas. Eine große Zahl von ihnen kann in dieser Höhe nur dann leben, wenn sie nicht vom Wald verdrängt wird. Die Artenvielfalt der Berge ist menschengemacht.
Ursprünglich war die wichtigste Funktion der Almen die Lebensmittelgewinnung: Weil die Felder und Wiesen im Tal als Lebensgrundlage für die Bevölkerung nicht ausreichten, musste man auch die höheren Lagen erschließen und landwirtschaftlich nutzen. Heute haben wir eine so mühsame Erarbeitung von Lebensmitteln nicht mehr nötig, weswegen die Almwirtschaft ohne Fördermittel nicht mehr lebensfähig ist.
Dennoch verdanken wir der Almwirtschaft sehr viel, unter anderem unsere vielfältige und hochentwickelte Käsekultur: Seit einiger Zeit vergibt die Europäische Union für bestimmte Lebensmittel die sogenannte „geschützte Ursprungsbezeichnung". Diese besagt, dass Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung eines Produkts in einem bestimmten geographischen Gebiet nach einem dort traditionell anerkannten und festgelegten Verfahren erfolgen. In Österreich sind sechs von acht Lebensmitteln mit geschützter Ursprungsbezeichnung Bergkäsesorten, in Deutschland fünf von zwölf. Mit den Almen ginge ein zentrales Stück unserer Ernährungskultur verloren.
Liebe Schwestern und Brüder, Israel kennt keine Almen, die nur im Sommer bewirtschaftet würden. Das Klima ist so warm, dass man selbst auf den höchsten Bergen ganzjährig Landwirtschaft treiben kann. Deshalb ist Israel ein Volk der Berge. In den fruchtbaren Ebenen am Meer und am Jordan wohnen die Philister und die Kanaanäer. Die haben modernste Waffen, so dass die Israeliten sie nicht besiegen können. Also ziehen sie sich in die Berge zurück, wo sie nur schwer angegriffen werden können und weitgehend in Ruhe gelassen werden (Jdt 7,10). Ihre Gegner trösten sich damit, dass Israel nur in den Bergen stark ist, denn sie sagen: „Ihr Gott ist ein Gott der Berge" (1 Kön 20,23. 28).
Für Israel sind die Berge Lebensraum und Nahrungsquelle zugleich:
- ein Lebensraum der Tiere, denn „die hohen Berge gehören dem Steinbock, dem Klippdachs bieten die Felsen Zuflucht." (Ps 104,18).
- ein lebensnotwendiges Wasserreservoir, denn „du tränkst die Berge aus deinen Kammern, aus deinen Wolken wird die Erde satt." (Ps 104,13).
- die Kornkammer des Landes, denn „im Land gebe es Korn in Fülle. Es rausche auf dem Gipfel der Berge." (Ps 72,16).
Besonders aber ist die Fruchtbarkeit der Berge ein Sinnbild für das Leben des Volkes Israel, wie uns die Lesung aus dem Buch Ezechiel eindrücklich verdeutlicht (Ez 36): „Ihr aber, ihr Berge Israels, sollt wieder grün werden und Früchte hervorbringen für mein Volk Israel; denn es wird bald zurückkommen. Seht, ich wende mich euch wieder zu und dann ackert und sät man wieder auf euch und ich lasse viele Menschen dort leben, das ganze Haus Israel... Ich lasse viele Menschen und Tiere auf euch leben und sie werden sich vermehren und fruchtbar sein."
Mit der Deportation der Jerusalemer Oberschicht ins babylonische Exil waren die Berge verödet und wurden kaum noch landwirtschaftlich genutzt. Vier Jahrzehnte später prophezeit Ezechiel, dass dieser Zustand bald ein Ende hat. Das Bergvolk Israel darf in seine Berge zurückkehren. Aber Ezechiel richtet seine Botschaft nicht an die Menschen, sondern an die Berge: Ihnen verkündet er Heil und erneutes Wohlergehen. An sie denkt Gott ganz unmittelbar, als er sein Volk befreit.
Vor diesem Hintergrund wird es verständlich, warum Matthäus so viel Wert darauf legt, dass Jesus seine Predigt über die Fülle der Nahrung für Pflanzen und Tiere auf einem Berg verkündet. Wo sonst könnten die Israeliten so augenscheinlich an die Großzügigkeit des Vaters im Himmel erinnert werden wie dort, wo alles voll ist von Lebensmitteln? Wo sonst könnten sie die Sorglosigkeit und das Gottvertrauen besser lernen als dort, wo Gott ihnen Nahrung wachsen lässt?
Liebe Schwestern und Brüder, am heutigen Erntedanksonntag danken wir für alle Lebensmittel, die der Schöpfer in diesem Jahr hat wachsen lassen. Dazu gehören auch die würzige Bergbauernbutter, die geschmacksintensive Almenmilch und die vielen Käsesorten, die im Alpenraum produziert werden. Es ist großartig, dass es diese Lebensmittel gibt und dass sie anders schmecken als die Produkte aus dem Tal.
Aber danken heißt auch denken. Ohne unsere Unterstützung kann die Almwirtschaft nicht überleben. Wenn wir die Almen wertschätzen, sollten die Bergbauern und -bäuerinnen sie umweltbewusst pflegen, die SteuerzahlerInnen sie mit öffentlichen Mitteln unterstützen und die KonsumentInnen in ihrer Freizeit auf den Almen und im Alltag zuhause das essen und trinken, was dort produziert wird - zu fairen Preisen. Außerdem müssen wir auf der Hut sein, dass nicht immer mehr und größere Skipisten die lebendige Vielfalt der Almen verdrängen. Und schließlich sollte die Kirche in alpinen Gemeinden den Almauf- und abtrieb auch im 21. Jahrhundert selbstbewusst feiern: Als Bitte um und Dank für den gesunden, unfallfreien Aufenthalt von Mensch und Tier in großer Höhe.
In Italien und Frankreich sind die meisten Almen verwaist, die Hütten eingefallen, die Wiesen verbuscht und bewaldet. Die biblischen Texte erinnern uns daran, dass da ein wertvoller Lebensraum verlorengeht. Noch ist das bei uns nur vereinzelt der Fall. An uns allen - auch weit weg vom Gebirge - liegt es, den Lebensraum Berge für die Zukunft zu erhalten.
© Univ.-Prof. Dr. Michael Rosenberger, KTU Linz
In den 1960er-Jahren wurden in den Ferienmonaten hunderte von Kindern aus Berlin zur Erholung in die Steiermark eingeladen. Mehrere Jahre hindurch kam Ricardo auf den Hof meiner Eltern. Bei seinem ersten Aufenthalt war er erst fünf Jahre alt. Das anfängliche Heimweh war bald verflogen, denn bald hatte er gleich mehrere "Geschwister" und auf dem Bauernhof gab es für das Großstadtkind viel zu entdecken.
Meine Eltern hielten damals keine Kühe mehr. Die Milch holten wir bei den Nachbarn. Dort konnte Ricardo auch zusehen, wie die Nachbarin ihre Kühe mit den Händen melkte. Ihm war das nicht geheuer, denn daheim kam die Milch aus dem Kühlschrank. Und wenn keine mehr da war, kaufte man sie im Laden. Anfangs weigerte er sich daher, Milch von der Kuh zu trinken...
Weit entfernt von landwirtschaftlichen Produktionsverhältnissen sind heute nicht nur Großstadtkinder. Die meisten Menschen erleben keinen direkten Kontakt mehr zur Erzeugung von Lebensmitteln. Viele haben auch kaum eine Vorstellung davon, wie viel Arbeit, Mühe, Fachwissen und Sachkenntnis dazu notwendig ist. Die Lebensmittelproduktion ist eine unüberschaubare Technologie geworden. Wer darin mitarbeiten will, braucht eine gediegene und umfassende Ausbildung. Wir aber bezahlen im Supermarkt den uns vorgegebenen Preis und erhalten dafür, was wir haben wollen.
Erst in der Krise beginnen wir darüber nachzudenken, wo alles herkommt und dass nicht alles so selbstverständlich ist, wie es im Alltag erlebt wird. In der Krise müssen wir erst lernen, wie wir mit mageren Jahren zurechtkommen, denn in den fetten leben die meisten Menschen gedankenlos dahin.
Auch in anderen Bereichen haben wir grundlegende Zusammenhänge aus dem Blick verloren. Geld holt man sich vom Bankomaten. Wie es dort hineinkommt, weiß man bestenfalls vom Fernsehen. Dass es nicht immer fließt, sondern dass der Lohn manchmal nur langsam tröpfelt, und vor allem dass er meist hart erarbeitet werden muss, begreifen Kinder und Jugendliche oft erst sehr spät, manches Mal sogar zu spät...
Die Geldwirtschaft ist zu einer undurchschaubaren Technologie geworden. Der Zusammenhang mit der Wertschöpfung ist vielen aus dem Bewusstsein geraten. In der Krise versuchen vife Politiker an den Stellschrauben dieser Maschine ein wenig herumzuschrauben. Dies wird nicht viel bringen, solange wir nicht zugleich ein Gespür für Geldwert, Leistung und Warenwerte zurückgewinnen.
Im Herbst - so ist es vielerorts Brauch - feiern wir Erntedank. Dieses Fest erinnert uns daran, dass nicht alles so selbstverständlich ist, wie wir es im Alltag wahrnehmen. Die Milch kommt eben nicht nur aus dem Kühlregal und das Brot nicht nur vom Bäcker. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir ausreichend zu essen haben, unverdorbenes Wasser, gesunde Lebensmittel. Es ist nicht selbstverständlich, dass der Wirtschaftskreislauf funktioniert, dass aus den Bankomaten Geld kommt, dass Menschen sich anstrengen, forschen und ihr Wissen unmanipuliert weitergeben.
Wir haben Grund, allen dankbar zu sein, die ihre Kräfte und Begabungen in diesen großen Kreislauf einbringen. Und wir ahnen, dass hinter all dem ein geheimnisvoller Geber steht, dem es vor allen anderen zu danken gilt.
Menschen, die näher an der Natur leben oder gar von ihr abhängig sind, werden sich leichter tun, in diesen Dank einzustimmen. Denn sie wissen, dass alles miteinander verknüpft und verflochten ist und dass es letztlich einem Wunder gleichkommt, dass die Natur so Vielfältiges so reichlich hervorbringt.
Erntedank ist darüber hinaus Anlass, an all jene zu denken, die aus irgendeinem Grund an diesen Kreisläufen nicht teilhaben können. Etwa weil sie in einem Land oder in einer Gesellschaftsschicht leben, die von unserer modernen Zivilisation abgeschnitten sind, und sie deswegen hungern oder gar verhungern müssen. Die Spielregeln, nach denen Lebensmittel produziert und verteilt werden, sind von Menschen gemacht und sind oft sehr ungerecht. Das darf uns nicht ruhig schlafen lassen.
Erntedank ist auch Anlass, an jene Menschen zu denken, die aus irgendeinem Grund an den Arbeitsprozessen nicht teilnehmen können. Die Gründe dafür sind vielschichtig und nicht einfach zu lösen. Ohne Solidarität werden die Schattenseiten der Erfolgsgeschichte der modernen Weltwirtschaft nicht zu beseitigen sein.
Der schönste Dank ist das dankbare Genießen all dessen, was der Schöpfer uns geschenkt hat, und das Miteinander-Teilen. Beides kommt im Brotbrechen zum Ausdruck. Es ist kein Zufall, dass dieses Brotbrechen ein zentraler Ritus unseres Glaubens geworden ist und dass unsere Dankbarkeit dem Schöpfer und den Mitmenschen gegenüber in der Eucharistiefeier den innigsten Ausdruck findet.
Viele gläubige Menschen - nicht nur Christen - bringen ihre Haltung der Dankbarkeit auch im Tischgebet zum Ausdruck. Dieses macht uns die größeren Zusammenhänge, die in der Hektik des Alltag leicht untergehen, immer neu bewusst. Wir tun gut daran, diesen Brauch nicht verkümmern zu lassen.
Lieder
GL 81: Lobet den Herren alle, die ihn ehren
GL 86: Aus meines Herzens Grunde
GL 184: Herr, wir bringen in Brot und Wein
GL 187: Wir weihn der Erde Gaben
GL 382/Ö866: Ein Danklied sei dem Herrn
GL 385: Nun saget Dank und lobt den Herren (1. und 2. Str.)
GL 386: Laudate omnes gentes
GL 390: Magnificat
GL 392: Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren
GL 402: Danket Gott, denn er ist gut
GL 403: Nun danket all und bringet Ehr
GL 405: Nun danket alle Gott
GL 406: Danket, danket dem Herrn (Kanon)
GL 409: Singt dem Herrn ein neues Lied
GL 411: Erde singe, dass es klinge
GL 412: Die Herrlichkeit des Herrn bleibe ewiglich (Kanon)
GL 421: Mein Hirt ist Gott der Herr
GL 425: Solang es Menschen gibt auf Erden
GL 433,2 Schweige und höre
GL 462: Tanzen, ja tanzen wollen wir
GL 463: Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht
GL 466: Herr, dich loben die Geschöpfe
GL 467: Erfreue dich, Himmel, erfreue dich, Erde
GL 468 Gott gab uns Atem
GL 469: Der Erde Schöpfer und ihr Herr
GL 484: Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben
Psalmen und Kehrverse
GL 19,2/559: Sonnengesang des Franz von Assisi
GL 37: Der Herr ist mein Hirt - Mit Psalm 23 - VI.
GL 45: Der Herr krönt das Jahr mit seinem Segen - Mit Psalm 65 - VI.
GL 51: Wie groß sind deine Werke, o Herr, wie tief deine Gedanken - Mit Psalm 92 - I.
GL 58: Lobe den Herrn meine Seele. - Mit Psalm 104 - VIII.
GL Ö877: Wie schön ist es, dem Herrn zu danken - Mit Psalm 65 (GL 45,2) - VI.
Jedes Jahr im September werden wir eingeladen, unser Verhältnis zur Schöpfung Gottes zu überdenken. Rufen wir am Beginn unserer Feier das Erbarmen Jesu an, der gesagt hat: „Lernt von den Lilien des Feldes.“
Jesus, wir leben über unsere Verhältnisse und beuten die Natur aus.
Herr, erbarme dich unser.
Jesus, wir drücken uns davor, die Verantwortung für unser Wirtschaften und Konsumieren zu übernehmen.
Christus erbarme dich unser.
Jesus, unser Respekt und unsere Ehrfurcht vor dem Wunder Natur sind oft nicht sehr groß.
Herr, erbarme dich unser.
© Dorothea Schwarzbauer Haupt, Diözese Linz.
Gott, unser Vater,
du sorgst für deine Geschöpfe.
Du hast dem Menschen die Erde anvertraut.
Wir danken dir für die Ernte dieses Jahres.
Nähre damit unser irdisches Leben
und gib uns immer das tägliche Brot,
damit wir dich für deine Güte preisen.
und mit deinen Gaben den Notleidenden helfen können.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB: Zum Erntedank
Wir danken dir, Herr, für die Früchte der Erde
und für das Walten deiner Vorsehung.
Lass auch die Früchte deiner Gnade in uns reifen:
die Gerechtigkeit und die Liebe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB: Zum Erntedank
Gott, unser Vater,
du sorgst für deine Geschöpfe.
Menschen, Tieren und Pflanzen schenkst du Wasser, Nahrung und Lebensraum im Überfluss.
Darin erkennen wir einen guten Grund zur Hoffnung.
Wir danken dir für die Ernte des Jahres
in ihrer unendlichen Vielfalt und ihrem unerschöpflichen Reichtum.
Nähre und stärke alle Geschöpfe mit dem,
was auf Wiesen und Feldern, auf Almen und Bergen, in Gärten und Weinbergen gewachsen ist.
Lass uns allezeit dankbar sein vor dir, unserem Schöpfer.
Gib uns Mut zur ökologischen Verantwortung
und nähre in unseren Herzen die feste Gewissheit, dass unser Engagement sinnvoll ist.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Gott, unser Vater,
du sorgst für deine Geschöpfe.
Menschen, Tieren und Pflanzen schenkst du Wasser, Nahrung und Lebensraum im Überfluss.
Wir danken dir für die Ernte des Jahres in ihrer unendlichen Vielfalt und ihrem unerschöpflichen Reichtum.
Nähre und stärke uns mit dem, was auf Wiesen und Feldern, Almen und Bergen und in Gärten und Weinbergen gewachsen ist.
Lass uns allezeit dankbar sein vor dir, unserem Schöpfer,
und gib uns heute den Mut zur ökologischen Umkehr.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. – Amen.
Lebenspendender Gott, Quelle des Lebens, wir bitten dich:
Um Weisheit im Umgang mit deiner Schöpfung.
Um die Bereitschaft im Einklang mit der Natur zu leben.
Um die Einsicht, unseren Konsum und die Verschwendung kritisch zu reflektieren.
Um den Mut, jene zu unterstützen, die die Macht haben, den Umweltschutz umzusetzen.
Um Geduld, mit anders Denkenden im Gespräch zu bleiben.
Um die Fähigkeit, über die Schönheit und Pracht der Natur zu staunen.
Um Trost und Frieden für unsere Verstorbenen und ihre Angehörigen.
Gott du bist uns nahe und begleitest uns alle Tage unseres Lebens.
Dafür danken wir dir. – Amen.
Lebenspendender Gott, Quelle des Lebens, wir bitten dich:
Um Weisheit im Umgang mit deiner Schöpfung.
Um die Bereitschaft im Einklang mit der Natur zu leben.
Um die Einsicht, unseren Konsum und die Verschwendung kritisch zu reflektieren.
Um den Mut, jene zu unterstützen, die die Macht haben, den Umweltschutz umzusetzen.
Um Geduld, mit anders Denkenden im Gespräch zu bleiben.
Um die Fähigkeit, über die Schönheit und Pracht der Natur zu staunen.
Um Trost und Frieden für unsere Verstorbenen und ihre Angehörigen.
Gott du bist uns nahe und begleitest uns alle Tage unseres Lebens.
Dafür danken wir dir. – Amen.
Guter Gott,
dir verdanken wir unser Leben und alles, was wir zum Leben brauchen.
Wir tragen dir unsere Bitten für alle, die mit uns diese Erde bewohnen, vor:
Wir bitten dich für alle,
die durch die gegenwärtigen Krisen besonderen Belastungen ausgesetzt sind.
Gib ihnen Kraft für ihren Einsatz zum Wohl aller.
Wir bitten dich für alle,
die vor Krieg, Verfolgung und Hungersnot geflohen sind und noch keine neue Heimat gefunden haben.
Lass sie wirksame und dauerhafte Hilfe erfahren.
Wir bitten dich für alle,
die ihren Arbeitsplatz verloren haben oder um ihre Arbeitsmöglichkeit bangen müssen.
Lass sie sozialen Rückhalt und Solidarität erleben.
Wir bitten dich für alle,
denen ein gerechter Lohn für ihre Arbeit vorenthalten wird.
Stärke in ihren Arbeitgebern das Bewusstsein für Gerechtigkeit.
Wir bitten dich für alle,
die an der Erzeugung von Lebensmitteln beteiligt sind.
Mache ihnen ihre Verantwortung für gesunde Nahrungsmittel und für eine heile Umwelt bewusst.
Wir bitten dich für unsere Verstorbenen.
Vergilt ihnen, was sie in ihrem Leben zum Gemeinwohl beitgetragen haben.
Dir, guter Gott,
gebührt unser Dank für das Leben, die Lebensfreude und die Lebensmittel.
Dir vertrauen wir uns und alle Geschöpfe an. - Amen.
Herr, unser Gott,
segne die Früchte der Erde,
die wir in Dankbarkeit darbringen.
Heilige Brot und Wein für das Opfer
und lass uns durch den Empfang deines Sakramentes
Frucht bringen,
die bleibt für das unvergängliche Leben.
Darum bitten wird durch Christus, unseren Herrn.
MB Zum Erntedank
Jetzt, Gott, willst du uns begegnen.
Jetzt willst du unser Herz berühren.
Jetzt willst du uns verwandeln wie Brot und Wein.
Rühre uns an, rüttle uns auf, verwandle uns,
damit unsere Angst zur Quelle des Handelns und der Hoffnung wird.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Jetzt, Gott, willst du uns begegnen.
Jetzt willst du unser Herz berühren.
Jetzt willst du uns verwandeln wie Brot und Wein.
Rühre uns an,
rüttle uns auf,
verwandle uns,
damit wir deinem Ruf zur ökologischen Umkehr folgen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. – Amen.
Lehre uns einen weiten Blick,
Gott,
auf die Herkunft unserer Nahrung.
Lass uns das Wasser erkennen,
das in den Lebensmitteln verborgen ist.
Lass uns in ihm die Gutheit deiner Schöpfung erspüren
und dafür sorgen, dass sie erhalten bleibt.
In Brot und Wein und allem,
was die Schöpfung bietet,
lass uns dir begegnen
so wie jetzt in Jesu Mahl.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn. – Amen.
(für Wortgottesfeiern)
Kehrvers:
Lobet den Herrn, preist seine Huld und Treue.
(GL 401)
Gepriesen bist du, Herr, unser Gott.
Alles, was du geschaffen hast, ist gut.
Kehrvers
Die Welt kündet deine Weisheit und Größe.
Der Mensch kann dich erkennen und dir dienen.
Kehrvers
Du lässt uns in der Sorge um die Welt nicht allein.
In Jesus Christus ist uns deine Liebe erschienen.
Kehrvers
Auf ihn hin ist alles geschaffen;
er schenkt uns die Fülle des Lebens.
Kehrvers
Er heilt die Wunden der Schöpfung
und gibt uns unzerstörbare Hoffnung.
Kehrvers
Er ist der Anfang einer neuen Schöpfung;
durch ihn willst du die Welt vollenden.
Kehrvers
Gepriesen bist du, Herr unser Gott,
durch ihn, Jesus Christus, deinen Sohn.
Im Heiligen Geist versammelt, stimmen wir ein
in den Lobgesang der himmlischen Chöre:
Danklied, z.B.: Dein Lob, Herr, ruft der Himmel aus... (GL 381)
(Nach: Wort-Gottes-Feier; Werkbuch für die Sonn- und Festtage; Hrsg. Liturg. Institute Deutschlands und Österreichs, Trier 2004, S. 180f)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben.
Denn du hast die Welt mit all ihren Kräften ins Dasein gerufen
und sie dem Wechsel der Zeit unterworfen.
Den Menschen aber hast du
auf dein Bild hin geschaffen und
ihm das Werk deiner Allmacht übergeben.
Du hast ihn bestimmt,
über die Erde zu herrschen,
dir, seinem Herrn und Schöpfer, zu dienen
und das Lob deiner großen Taten zu verkünden
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten und
mit all den Scharen des himmlischen Heeres
den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 5
Wir danken dir, heiliger, starker Gott.
Denn wunderbar sind deine Werke.
Die ganze Welt hast du erschaffen:
Die Sonne gibt uns Licht und Wärme.
Sie lässt das Korn und die Früchte reifen.
Blumen und Tiere, Wälder und Wiesen - alles ist für uns da.
Du gibst uns Menschen Verstand und Phantasie.
Wir bauen Häuser und Straßen.
Wir können Vieles erfinden, was uns das Leben leichter macht.
Darüber freuen wir uns, dafür danken wir dir, Vater.
Zusammen mit allen, die an dich glauben,
zusammen mit den Heiligen und den Engeln preisen wir dich und rufen:
Heilig…
Herr, von den Früchten deiner Schöpfung werden alle satt.
Du schenkst dem Menschen Brot von der Erde
und Wein, der sein Herz erfreut.
(vgl. Ps. 104,13-15)
Oder:
Aller Augen warten auf dich
und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.
Du tust deine Hand auf
und sättigst alles, was lebt, mit Wohlgefallen.
(Ps 145,15f)
Guter Gott
Wir danken Dir heute
für alle guten Gaben
für den Weg, den wir gemeinsam gehen
für alle Erfahrungen, die uns Zusammenhalten
für jedes Wort, das trägt, Mut macht und tröstet
für offene Augen und Ohren
für alle Herzen, die sich öffnen
und die Hände, die uns halten.
Wir danken dir
für den Tisch, um den wir versammelt sind
für Brot und Wein
für die köstlichen Gaben der Schöpfung
für alles, was uns am Leben erhält.
Wir verbinden uns mit allen Menschen
auf der weiten Welt
mit jedem Tier auf der Erde
mit dem Fisch im Wasser und dem Vogel in der Luft
mit jeder Blume die blüht
und jedem Samen der keimt
mit jedem Stein und jedem Berg
mit allem was du geschaffen hast
und was von deiner Gegenwart kündet.
Wir wissen uns in deiner Hand
denn du bist wie ein Vater, der Leben schenkt
und wie eine Mutter, die alles trägt und umfängt
in dir wissen wir uns geborgen
heute danken wir dir dafür.
Alles, unser Gott, kommt von dir
nichts geschieht von selbst
du hältst deine Hand über uns.
Wir danken dir heute dafür.
Dass es Tag wird durch den Lauf der Sonne
verdanken wir dir
und dass es Nacht wird
und die Mühen des Tages ein Ende finden.
Wir wissen
nichts ist selbstverständlich
was bei Tag oder Nacht geschieht.
Millionen Jahre waren ehe es uns gab
Jahrmillionen werden vielleicht nach uns sein.
Irgendwo in der Mitte
ein paar Sommer lang
leben wir.
Für diese Spanne Zeit danken wir dir.
Alles ist Geschenk für uns
alle Liebe, die wir geben oder empfangen dürfen
alle Lebenskraft, die uns erfüllt.
Alles, was uns an Gutem zufällt
ist deine Gabe.
Wir danken dir dafür
aus ganzen Herzen.
Guter Gott
du hast uns verheißen:
In Freude werdet ihr schöpfen
aus den Quellen des Heils.
Mit leeren Gefäßen sind wir gekommen
du hast sie gefüllt
mit Wasser für Wiesen und Felder
mit Wasser für Menschen und Tiere
mit dem Wasser, das uns ewiges Leben schenkt.
Mit leeren Händen sind wir gekommen
du hast sie gefüllt
mit Früchten von Wiesen und Feldern
mit Blumen aus Gärten und Wäldern
mit dem Brot, das uns ewiges Leben schenkt.
Mit leeren Herzen sind wir gekommen
du hast sie gefüllt
mit deinem Wort, das unsere Gemeinschaft stärkt
mit deinem Wort, das uns zur Liebe befähigt
mit dem Wort, das uns ewiges Leben schenkt.
Herr,
in dieser heiligen Feier
haben wir dir für die Ernte des Jahres gedankt.
Schenke uns als Frucht dieses Opfers die ewigen Güter,
welche die Erde nicht geben kann.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Zum Erntedank
Barmherziger und guter Gott,
Du hast uns gesegnet vom Anbeginn der Welt.
Du hast uns mit Deiner Schöpfung gesegnet.
In ihr begegnen wir täglich Deinem Segen -
in den Gaben, die Du schenkst, um uns zu ernähren.
Du segnest uns in der Natur, die uns umgibt,
in der wir Deinen Geist und Deine Liebe erfahren dürfen.
Segne rund um die Erde alle Menschen,
die sich für die Bewahrung der Schöpfung einsetzen.
Sende Deinen Segen als Liebe zu allen,
die sich ungeliebt fuhlen.
Sende Deinen Segen als Hoffnung zu den Hoffnungslosen,
als Kraft zu den Kraftlosen,
als Versöhnung zu den Unversöhnten
und als Licht zu denen, in deren Herz es dunkel ist.
Segne uns, die wir versammelt sind,
dass wir als Gesegnete füreinander und für die Welt zum Segen werden.
So segne und beschütze und begleite uns
auf unserem Weg der gütige und barmherzige Gott,
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.
Quelle: Misereor 2010
Du Gott
hast Freude am Spiel
deiner Schöpfung.
Voll Erwartung und Stauen
schaust Du auf alles
ohne Deine schützende Hand zu entziehen.
Du machst Dich auf,
auf Entdeckungsreise
durch Zeit und Raum
zu Welt und Mensch.
Du liebst
die Vielfalt und die Entfaltung,
das Austrecken
nach mehr
nach Tieferem
nach Lebendigkeit.
Schöpfung und Welt erleben,
sich ihr öffnen,
sich an ihr freuen
und daraus vertraute und neue Wege gehen
ist Dein Wunsch,
damit Dein blühender Garten noch mehr blüht.
Pfarrer Fredi Bernatz
Mit einem neu erstellten Liturgiebehelf wollen die Steyler Missionare in der Mitteleuropäischen Provinz einen Beitrag zur Gestaltung der Schöpfungszeit (1. September bis 4. Oktober) leisten. Der Behelf enthält komplett ausgearbeitete Vorschläge für eine Reihe von fünf Gottesdiensten. Die Vorschläge können verschieden adaptiert werden: als Sonntagsmessen am 7., 14., 21., 28. September und 5. Oktober 2025, aber auch als Wochentagsmessen oder als Wortgottesdienste der Gemeinde oder von Teilgemeinden.
Die Themen reichen von der Verantwortung und Sorge für die Erde, die Bedrohung durch die Klimaerwärmung bis zu Gottes Traum von der Schöpfung, dem Netz des Lebens, das uns trägt und dem Dank für die Erntegaben.
Die einzelnen Gottesdienstvorschläge enthalten Liedvorschläge, Gebete, Schriftlesungen samt Bibelkommentaren, Predigtgedanken, Meditationstexte, Fürbitten, Präfationen und Segenssprüche sowie Ideen für Zeichenhandlungen, die die Mitfeiernden aktiv einbeziehen.
«Biodiversität - Heilige Vielfalt!» lautet der Slogan für die SchöpfungsZeit 2024. Der Verlust der Biodiversität verläuft rasant. Die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten in der Schweiz ist bedroht. Die Biodiversitätskrise wirkt sich negativ auf die Gesellschaft, auf unsere Gesundheit und unsere Lebensqualität aus. «Unseretwegen können bereits Tausende Arten nicht mehr mit ihrer Existenz Gott verherrlichen, noch uns ihre Botschaft vermitteln. Dazu haben wir kein Recht», stellt Papst Franziskus in der Enzyklika Laudato Si‘ fest (33).
Um den Verlust der Biodiversität zu bremsen, ist eine Veränderung unseres Lebensstils notwendig, beispielsweise indem wir unsere Konsum- und Ernährungsgewohnheiten ändern. Einzelne, Pfarreien und Kirchgemeinden haben vielerlei Möglichkeiten, in ihrer Umgebung die Biodiversität aktiv zu fördern und zu einer Trendumkehr beizutragen. In den Arbeitsunterlagen der oeku finden sich Informationen und Anregungen zum Thema. Auch bei der Einführung des Umweltmanagements sind Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität ein wichtiges Thema.
Ziel 15: Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodendegradation beenden und umkehren und dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende setzen.
Das Motto des Erntedanksonntags ist übernommen von der OeKU, der ökumenischen Arbeitsstelle Kirchen und Umwelt in der Schweiz. Bei dieser Stelle können unter www.oeku.ch auch weitere Materialien zum Thema und für die Schöpfungszeit vom 1.9. bis zum 4.10. bezogen werden.
Die OeKU schreibt zum diesjährigen Motto: Die Hoffnung ist in der Krise. Klimaangst macht sich unter Jugendlichen weltweit breit. «Hoffnung ist nicht etwas, was geschenkt wird. Es ist etwas, was man sich erarbeiten und verdienen muss,» haben Aktivist:innen von Fridays for Future getwittert. Was können die Kirchen beitragen, damit unsere Gesellschaft die Hoffnung nicht verliert und sich an der Gestaltung einer lebenswerten Zukunft beteiligt?
Am Ende bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe (1 Kor 13), schreibt der Apostel Paulus. Die Liebe aber ist die Größte. Christinnen und Christen setzen sich aus Liebe für die Schöpfung und die Menschen ein. «Die Liebe Gottes ist der fundamentale Beweggrund der gesamten Schöpfung», meint Papst Franziskus (Laudato Si‘ 77). Christinnen und Christen wissen, dass sie von Gott geliebt sind, und dass Gott alles Geschaffene liebt (Weish 11,24). Die Liebe weigert sich, die Welt - unser gemeinsames Haus - verloren zu geben und treibt zum Engagement für die Bewahrung der Schöpfung.
Nicht nur als Einzelne sind wir gefordert. Die ganze Gesellschaft muss Verantwortung übernehmen. Pfarreien und Kirchgemeinden können ihre Zukunftshoffnung mit konkreten Zeichen zum Ausdruck zu bringen, indem sie ihre Treibhausemissionen vermindern, ein Umweltmanagement einführen und die Sorge für die Schöpfung in Gottesdienst und Unterricht zum Ausdruck bringen - durch das ganze Kirchenjahr und ganz besonders während der SchöpfungsZeit. Möglich ist auch, sich klimapolitisch zu engagieren, beispielsweise mit einem Statement bei www.christinnenfuerklimaschutz.ch.
wsww. oeku.ch
Ref.: Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde.
Heute wird getan oder auch vertan,
worauf es ankommt, wenn er kommt
1) Der Herr wird nicht fragen:
Was hast du gespart,
was hast du alles besessen?
Seine Frage wird lauten:
Was hast du geschenkt,
wen hast du geschätzt um meinetwillen?
2) Der Herr wird nicht fragen:
Was hast du gewusst,
was hast du Gescheites gelernt?
Seine Frage wird lauten:
was hast du bedacht,
wem hast du genützt um meinetwillen?
3) Der Herr wird nicht fragen:
Was hast Du beherrscht,
was hast Du Dir unterworfen?
Seine Frage wird lauten:
Wem hast Du gedient,
wen hast du umarmt, um meinetwillen?
4) Der Herr wird nicht fragen:
Was hast Du bereist,
was hast Du Dir leisten können?
Seine Frage wird lauten:
Was hast Du gewagt,
wen hast Du befreit um meinetwillen?
5) Der Herr wird nicht fragen:
Was hast Du gespeist,
was hast Du Gutes getrunken?
Seine Frage wird lauten:
Was hast Du geteilt,
wen hast du genährt um meinetwillen?
6) Der Herr wird nicht fragen:
Was hast Du geglänzt,
was hast Du Schönes getragen?
Seine Frage wird lauten:
Was hast Du bewirkt,
wen hast Du gewärmt um meinetwillen?
7) Der Herr wird nicht fragen:
Was hast Du gesagt?
Was hast Du alles versprochen?
Seine Frage wird lauten:
Was hast Du getan,
wen hast Du geliebt um meinetwillen?
8) Der Herr wird nicht fragen:
Was hast Du erreicht,
was hast Du Großes gegolten?
Seine Frage wird lauten:
Hast du mich erkannt?
Ich war dein Bruder um deinetwillen!
Text: Alois Albrecht, Melodie: Ludger Edelkötter
https://www.evangeliums.net/lieder/lied_jetzt_ist_die_zeit_jetzt_ist_die_stunde.html
«Höchste Zeit für die Schöpfung» lautet der Slogan der SchöpfungsZeit 2022. Zum einen wird damit auf die Empfehlung der Charta Oecumenica an die Kirchen Europas aus dem Jahr 2001 Bezug genommen, sich im September «Zeit für die Schöpfung» zu nehmen. Zum andern erinnern die Klima- und die Biodiversitätskrise an die Dringlichkeit, das Engagement für den Schutz der Schöpfung zu verstärken.
Über diese Adresse können Sie diverse Materialien zur Gestaltung des Erntedankfestes beziehen.
Der Name «oeku Kirchen für die Umwelt» ist Programm: Wir setzen uns für Nachhaltigkeit und umweltbewusstes Handeln in Kirchgemeinden, Pfarreien und kirchlichen Institutionen in der Schweiz ein.
Ab 1. September machen die christlichen Kirchen in Österreich wieder auf die Dringlichkeit der Bewahrung der Schöpfung aufmerksam. Bis zum 4. Oktober, dem Fest des Heiligen Franziskus und offiziellen Ende der fünfwöchigen "Schöpfungszeit", finden österreichweit themenbezogene Veranstaltungen und Gottesdienste statt.
Seit 2015 ist der bereits davor ökumenisch begangene "Schöpfungstag" am 1. September offiziell als "Weltgebetstag für die Schöpfung" im katholischen Kirchenkalender eingetragen. Der Tag sollte in allen Ortskirchen angemessen begangen werden und einen nachhaltigen Lebensstil fördern, betonte Papst Franziskus. Damit griff er einen Impuls aus der orthodoxen Kirche auf, den der damalige Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Dimitrios, bereits 1989 gesetzt hatte.
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Karg ist die Frucht
der Liebe,
die Ernte mager,
kein Überfluß,
kein Überquellen.
Doch habe ich
viel gesät,
viel gehegt,
viel gepflegt.
Aber
wenn Du, Herr,
austeilen wirst,
werden noch
zwölf Körbe
übrigbleiben.
Aus: Ilse Pauls, Lebensbilder. Wolfgang Hager Verlag 2020.
Mein Gott,
wie schön ist deine Welt,
wie großartig ist deine Schöpfung,
wie wunderbar sind alle deine Werke.
Mein Gott,
wie überraschend bunt sind all die vielen Seiten
im großen Bilderbuch deiner Schöpfung.
Mein Gott,
wie geheimnisvoll ist das Wechselspiel
der von dir immer neu geschenkten Zeit
von Morgen und Abend, von Tag und Nacht.
Mein Gott,
wie zahlreich sind deine Fingerabdrücke
in den unterschiedlichsten Kunstwerken,
die du in der Natur geschaffen hast.
Mein Gott,
wie gewaltig und sanft sind die Kräfte
in den Schauspielen der Elemente von
Feuer und Wasser, Luft und Erde.
Mein Gott,
wie vielfältig und geistreich hast du
Farben und Formen
verteilt in Bäumen und Blumen,
Pflanzen und Tieren.
Mein Gott,
wie einzigartig und schön
hast du Gesicht und Wesen eines
jeden Menschen auf dieser Erde ersonnen.
Mein Gott,
ich stimme ein in die Sonnengesänge
und Loblieder aller deiner
Kreaturen in deiner schönen Welt.
Paul Weismantel in: Reinhard Kürzinger / Bernhard Sill, Das große Buch der Gebete. Über 800 alte und neue Gebetstexte für jeden Anlass. HOHE Verlag, Erfstadt. 2007.
1. Wir pflügen und wir streuen
den Samen auf das Land,
doch Wachstum und Gedeihen
steht in des Himmels Hand:
der tut mit leisem Wehen
sich mild und heimlich auf
und träuft, wenn heim wir gehen,
Wuchs und Gedeihen drauf.
Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt
und hofft auf ihn!
2. Er sendet Tau und Regen
und Sonn- und Mondenschein,
er wickelt seinen Segen
gar zart und künstlich ein
und bringt ihn dann behende
in unser Feld und Brot:
es geht durch unsre Hände,
kommt aber her von Gott.
Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm,
dankt und hofft auf ihn!
3. Was nah ist und was ferne,
von Gott kommt alles her,
der Strohhalm und die Sterne,
der Sperling und das Meer.
Von ihm sind Büsch und Blätter
und Korn und Obst von ihm,
das schöne Frühlingswetter
und Schnee und Ungestüm.
Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm,
dankt und hofft auf ihn!
4. Er läßt die Sonn aufgehen,
er stellt des Mondes Lauf;
er läßt die Winde wehen
und tut den Himmel auf.
Er schenkt uns so viel Freude,
er macht uns frisch und rot;
er gibt den Kühen Weide
und unsern Kindern Brot.
Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm,
dankt und hofft auf ihn!
Matthias Claudius, 1782
Am Samstag, den 21. Februar 2026 feierten wir das 30-jährige Bestehen des Predigtforums.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Der Abschnitt aus dem Buch der Sprichwörter führt zurück auf die Geschichte der Schöpfung. Die priesterschriftliche Überlieferung in Gen 1,1-2,4 setzt ein mit: "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser." Im Hebräischen ist dafür der weibliche Begriff "ruach" verwendet, das ist der Atem, der Lebenshauch Gottes.
Im Buch der Sprichwörter ist es die Weisheit, welche die "ruach" beerbt und sich in einem Gedicht als erstes Geschöpf Gottes vorstellt. Liebevoll und variantenreich dargestellt, begegnet uns hier die Schöpfungsgeschichte neu geordnet: "Als er den Himmel baute, war ich dabei, als er den Erdkreis abmaß über den Wassern ... als er die Fundamente der Erde abmaß, da war ich als geliebtes Kind bei ihm." Davor und dazwischen: Urmeere und Quellen, Berge und Hügel, Erde, Fluren und Schollen.
Höhepunkt der weisheitlichen Rede ist, dass das "geliebte Kind" allezeit vor IHM spielt, auf "seinem Erdenrund", und von sich sagt: "und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein." Eine schöpferische Leichtigkeit liegt in dem Wort "spielen". Frau Weisheit geht überhaupt spielerisch mit der Schöpfung um, weil das "geliebte Kind" aus den befestigten Wolken und abgemessenen Fundamenten noch etwas anderes bewirkt: "So hört nun auf mich, meine Söhne! Wohl denen, die meine Wege einhalten! Hört die Mahnung und werdet weise und schlagt sie nicht in den Wind! Wohl dem Menschen, der mir gehorcht, dass er wache an meiner Tür täglich, dass er hüte die Pfosten meiner Tore! Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom Herrn. Wer aber mich verfehlt, zerstört sein Leben; alle, die mich hassen, lieben den Tod." (Spr 8:32-36) - Die Schöpfungsgeschichte wird zu einer Wegweisung verdichtet, in der Menschen Halt finden.
Im Buch der Sprichwörter tritt die Weisheit auf die Bühne. Der Evangelist Johannes wird dann den Logos vorstellen: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen." (Joh 1,1-5)
In unserem Abschnitt werden folgende Aussagen zur Weisheit gemacht: Sie stammt von Gott und ist das erste seiner Geschöpfe - noch bevor alles andere war. Damit hat sie eine herausragende Stellung: Sie ist Gottes Begleiterin in seinem Schaffen und gleich seinem geliebten Kind. Im letzten Vers unserer Lesung teilt uns die Weisheit ihrerseits ihre Vorliebe mit: Ihre Freude war es, bei den Menschen zu sein. Gottes liebstes Kind, die Weisheit, ist bei den Menschen zu finden! Aus diesem Grund gilt es für den Menschen, sich um die Weisheit zu sorgen, sie zu pflegen und auf ihre Mahnungen zu achten.