Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Jesaja.
An jenem Tag
wird der Herr der Heerscharen
auf diesem Berg – dem Zion –
für alle Völker ein Festmahl geben
mit den feinsten Speisen,
ein Gelage mit erlesenen Weinen,
mit den feinsten, fetten Speisen,
mit erlesenen, reinen Weinen.
Er verschlingt auf diesem Berg
die Hülle, die alle Völker verhüllt,
und die Decke, die alle Nationen bedeckt.
Er hat den Tod für immer verschlungen
und Gott, der Herr, wird die Tränen von jedem Gesicht abwischen
und die Schande seines Volkes
entfernt er von der ganzen Erde,
denn der Herr hat gesprochen.
An jenem Tag wird man sagen:
Siehe, das ist unser Gott,
auf ihn haben wir gehofft,
dass er uns rettet.
Das ist der Herr,
auf ihn haben wir gehofft.
Wir wollen jubeln
und uns freuen über seine rettende Tat.
Denn die Hand des Herrn ruht auf diesem Berg.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Im Haus des Herrn werde ich wohnen
für immer und ewig. – Kv
GL 37,1
Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. /
Er lässt mich lagern auf grünen Auen
und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
Meine Lebenskraft bringt er zurück.
Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen. - Kv
Auch wenn ich gehe im finsteren Tal,
ich fürchte kein Unheil;
denn du bist bei mir,
dein Stock und dein Stab, sie trösten mich. - Kv
Du deckst mir den Tisch
vor den Augen meiner Feinde.
Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt,
übervoll ist mein Becher. - Kv
Ja, Güte und Huld
werden mir folgen mein Leben lang
und heimkehren werde ich ins Haus des HERRN
für lange Zeiten. - Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Philippi.
Schwestern und Brüder!
Ich weiß Entbehrungen zu ertragen,
ich kann im Überfluss leben.
In jedes und alles bin ich eingeweiht:
in Sattsein und Hungern,
Überfluss und Entbehrung.
Alles vermag ich durch den, der mich stärkt.
Doch ihr habt recht daran getan,
an meiner Bedrängnis Anteil zu nehmen.
Mein Gott aber
wird euch durch Christus Jesus
alles, was ihr nötig habt,
aus dem Reichtum seiner Herrlichkeit schenken.
Unserem Gott und Vater
aber sei die Ehre in alle Ewigkeit! Amen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Inhalt dieser Zeilen wird erst verständlich, wenn man den Anlass für sie kennt. Paulus lebt in Gefangenschaft (wobei sich nicht mehr genau feststellen läßt, in welcher Gefangenschaft) und hat von der Gemeinde in Philippi, die er gegründet hat, eine finanzielle Unterstützung erhalten. Von keiner anderen Gemeinde hat er Geld für sich selbst angenommen, obwohl er Anspruch gehabt hätte. Nun bedankt er sich bei den Philippern.
Das Besondere seines Dankschreibens ist, daß er den Dank theologisch überhöht: Gott ist der eigentliche Empfänger. Gott wird es vergelten. Paulus selbst will genügsam sein. Ihn können weder Überfluß noch Entbehrung von seinem Missionswerk abhalten.
Erst zum Schluß des Philipperbriefes dankt Paulus für die finanzielle Spende, die ihm die Gemeinde von Philippi senden hat lassen. Paulus deutet damit an, daß diese Gabe nicht das Wichtigste ist; er möchte Mißverständnisse vermeiden, welche die Beziehungen zur Gemeinde belasten könnte - Philippi ist übrigens die einzige Gemeinde von der sich Paulus finanziell unterstützen ließ.
Für uns läßt sich durch diesen Text die schwierige Lage erahnen, in der sich Paulus zu Beginn seines Wirkens in Europa befunden haben muß.
Die vierte Philipperbrieflesung in Folge entstammt dem Schlussteil des Briefes. Paulus macht den Menschen Mut, an ihrer christlichen Berufung festzuhalten, dem Glauben treu zu bleiben. Die Perikope schließt mit einer liturgischen Gebetsformel.
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Philippi.
Schwestern und Brüder!
Ich weiß Entbehrungen zu ertragen,
ich kann im Überfluss leben.
In jedes und alles bin ich eingeweiht:
in Sattsein und Hungern,
Überfluss und Entbehrung.
Alles vermag ich durch den, der mich stärkt.
Doch ihr habt recht daran getan,
an meiner Bedrängnis Anteil zu nehmen.
Ihr wisst selbst, ihr Philipper,
dass ich beim Beginn der Verkündigung des Evangeliums,
als ich aus Mazedonien aufbrach,
mit keiner Gemeinde durch Geben und Nehmen verbunden war
außer mit euch
und dass ihr mir auch in Thessalonich
und auch sonst das eine und andere Mal etwas geschickt habt,
um mir zu helfen.
Es geht mir nicht um die Gabe,
es geht mir um den Gewinn,
der euch mit Zinsen gutgeschrieben wird.
Ich habe alles empfangen und habe Überfluss;
ich lebe in Fülle.
Mir fehlt nichts mehr, seit ich von Epaphroditus eure Gaben erhielt,
einen Wohlgeruch, eine angenehme Opfergabe, die Gott gefällt.
Mein Gott aber
wird euch durch Christus Jesus
alles, was ihr nötig habt,
aus dem Reichtum seiner Herrlichkeit schenken.
Unserem Gott und Vater
aber sei die Ehre in alle Ewigkeit! Amen.
Halleluja. Halleluja.
Der Vater unseres Herrn Jesus Christus
erleuchte die Augen unseres Herzens,
damit wir verstehen, zu welcher Hoffnung wir berufen sind.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit
erzählte Jesus den Hohepriestern
und den Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis:
Mit dem Himmelreich
ist es wie mit einem König,
der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete.
Er schickte seine Diener,
um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen.
Sie aber wollten nicht kommen.
Da schickte er noch einmal Diener
und trug ihnen auf:
Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl ist fertig,
meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet,
alles ist bereit.
Kommt zur Hochzeit!
Sie aber kümmerten sich nicht darum,
sondern der eine ging auf seinen Acker,
der andere in seinen Laden,
wieder andere fielen über seine Diener her,
misshandelten sie
und brachten sie um.
Da wurde der König zornig;
er schickte sein Heer,
ließ die Mörder töten
und ihre Stadt in Schutt und Asche legen.
Dann sagte er zu seinen Dienern:
Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet,
aber die Gäste waren nicht würdig.
Geht also an die Kreuzungen der Straßen
und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein!
Die Diener gingen auf die Straßen hinaus
und holten alle zusammen, die sie trafen,
Böse und Gute,
und der Festsaal füllte sich mit Gästen.
Als der König eintrat, um sich die Gäste anzusehen,
bemerkte er unter ihnen einen Menschen,
der kein Hochzeitsgewand anhatte.
Er sagte zu ihm:
Freund,
wie bist du hier ohne Hochzeitsgewand hereingekommen?
Der aber blieb stumm.
Da befahl der König seinen Dienern:
Bindet ihm Hände und Füße
und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis!
Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.
Denn viele sind gerufen,
wenige aber auserwählt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Inhaltlich steht das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl in enger Verbindung mit den beiden vorangehenden Erzählungen, dem Gleichnis von den ungleichen Söhnen und dem Gleichnis von den bösen Winzern. Alle drei wenden sich an die "Hohenpriester und Ältesten".
Die Geschichte vom königlichen Hochzeitsmahl hat eine Parallele beim Evangelisten Lukas. Ein Vergleich lohnt sich.
Während bei Lukas der Gastgeber ein nicht näher gekennzeichneter Mann ist, der zu einem Mahl einlädt, ist bei Matthäus der Gastgeber ein König, der für seinen Sohn ein Hochzeitsmahl ausrichtet. Der Anlaß, das Gleichnis zu erzählen, ist bei Lukas ein Tischgespräch. Bei Matthäus folgen der Vertreibung der Händler aus dem Tempel eine Reihe von Reden und Gleichnissen gegen die Schriftgelehrten und Ältesten und eben unser Text. Matthäus erweitert sein Gleichnis noch um die Szene mit dem Mann ohne Hochzeitsgewand.
Mit dem Motiv des Königs, der für seinen Sohn das Hochzeitsmahl ausrichtet, erhält das Gleichnis von vornherein eine eschatologische Dimension. König ist Gott, der Königssohn ist der erwartete Messias. Gäste, die der Einladung des Königs nicht folgen, verweigern die Anerkennung seiner königlichen Autorität. Die Geladenen mißhandeln und töten die Diener, ähnlich wie im vorangehenden Gleichnis von den bösen Winzern. Die Strafe des Königs spielt auf die Zerstörung Jerusalems an.
Da sich Israel seiner Berufung nicht als würdig erwiesen hat, wird das Reich Gottes von ihnen weggenommen und allen Menschen angeboten. Gott erwählt sich ein neues Volk. Die junge Kirche fühlt sich als das neue Volk Gottes.
Die merkwürdige Geschichte vom Mann ohne Hochzeitsgewand versucht der Gemeinde des Evangelisten deutlich zu machen, daß für sie genauso wenig wie für Israel die Erwählung allein genügt. Wenn nicht die Anerkennung der königlichen Würde und Autorität Gottes hinzukommt, stehen sie genauso unter dem strengen Gericht Gottes wie Israel. Das Gleichnis mahnt die Zuhörer, nicht den gleichen Fehler zu begehen wie zuvor Israel, bzw. die Hohenpriester und Ältesten.
Nach dem Einzug Jesu in Jerusalem folgen bei Mt die Auseinandersetzungen mit den führenden Persönlichkeiten Israels. Zuerst schildert Mt drei "polemische" Abschnitte (Tempelreinigung, Verfluchung des Feigenbaumes, Frage über die Vollmacht Jesu) und dann drei Gerichtsgleichnisse (Gleichnis der zwei Söhne, von den rebellischen Winzern und vom Hochzeitsmahl).
Die Gerichtsgleichnisse sollen den HörerInnenn (LeserInnen) gleichsam die Augen öffnen und die Konsequenzen der Ablehnung Jesu Christi und seiner Botschaft, also die Verweigerung des Glaubens, vor Augen führen und verstärkt bewußt machen. Die Form des Gleichnisses wird gewählt, da diese Stilform es ermöglicht, Unangenehmes und auf den ersten Blick Unverständliches, in einer doch freundlichen und vor allem nicht verletzenden Weise zu formulieren. Die Bilder des Gleichnisses bleiben im Gedächtnis haften und ermöglichen es den Adressaten Entscheidungen zu treffen.
Anders als Lukas (Lk 14:16-24) formuliert Matthäus das Hochzeitsgleichnis für Hohepriester und Älteste. Deshalb verwendet er auch "kräftigere" Formulierungen, da die Verwerfung Christi als bereits beschlossene Sache gilt.
Auch in der Kirche haben sich zur Zeit der Abfassung des Evangeliums bereits Untreue und ein leichtfertiger Umgang mit den Weisungen Jesu eingeschlichen. Deshalb möchte das Gleichnis auch Drohbotschaft und Warnung für Verschlossene und Ablehnende sein, aber Frohbotschaft für Glaubende.
Eine Hochzeit war in Israel - abgesehen von religiösen Feiern - das gleichsam wichtigste Fest im sozialen Leben. Häufig fanden sie im Herbst nach der Weinlese und der Ernte statt. Bei der Einladung gab es Bräuche, die für uns heutige Mitteleuropäer nicht leicht nachvollziehbar sind. Die erste Einladung zur Feier wurde nämlich aus Höflichkeit ausgeschlagen. Erst die zweite Einladung wurde angenommen - wer aber dann doch nicht zur Feier gekommen wäre, hätte den Gastgeber sehr schwer gedemütigt.
Eine besondere Situation war die Einladung eines Königs zur Hochzeit seines Sohnes und zumeist künftigen Nachfolgers. Solch eine Feier diente zugleich der Huldigung des neuen Königs. Dieser Hintergrund schwingt beim Gleichnis des Mt mit. Spricht Lk in seinem Evangelium „nur“ von einem großen Gastmahl, so wählt Mt sicherlich bewußt die Formulierung des königlichen Hochzeitsmahles.
Das Himmelreich, in das Gott durch die Menschwerdung seines Sohnes einlädt, ist zunächst für die Auserwählten des Alten Israels gedacht. Deren Verweigerung folgt die Öffnung der Einladung für alle. Aber Eingeladensein in Gottes Reich braucht immer noch die Antwort der Menschen. Wie der Mann in den falschen Kleidern hat jeder zur christlichen Auferstehung Berufene die Freiheit, sich von der Einladung zu distanzieren: Der Christ hat die Freiheit, sich für oder gegen seinen Gott zu entscheiden, Gottes Gebote anzunehmen oder zu negieren. - Aber Gott hat gewählt.
Die Erfahrung dahinter: Schon zu Zeiten des Evangelisten mussten Christen damit leben, dass der Himmel eben nicht für alle Menschen ein verlockendes Angebot war. Damit steht dem Universalitätsgedanken der Kirche eine Partikularitätserfahrung gegenüber, die auch in unseren Zeiten das Denken und Handeln der Kirche beherrscht: Viele Menschen wollen nicht in den Himmel (oder zumindest nicht in die Kirche) und sehen für ihr Leben geeignete Alternativen.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit
erzählte Jesus den Hohepriestern
und den Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis:
Mit dem Himmelreich
ist es wie mit einem König,
der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete.
Er schickte seine Diener,
um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen.
Sie aber wollten nicht kommen.
Da schickte er noch einmal Diener
und trug ihnen auf:
Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl ist fertig,
meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet,
alles ist bereit.
Kommt zur Hochzeit!
Sie aber kümmerten sich nicht darum,
sondern der eine ging auf seinen Acker,
der andere in seinen Laden,
wieder andere fielen über seine Diener her,
misshandelten sie
und brachten sie um.
Da wurde der König zornig;
er schickte sein Heer,
ließ die Mörder töten
und ihre Stadt in Schutt und Asche legen.
Dann sagte er zu seinen Dienern:
Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet,
aber die Gäste waren nicht würdig.
Geht also an die Kreuzungen der Straßen
und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein!
Die Diener gingen auf die Straßen hinaus
und holten alle zusammen, die sie trafen,
Böse und Gute,
und der Festsaal füllte sich mit Gästen.
Das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl erzählt von Gott als großzügigem Gastgeber, der sein Fest allen öffnet, die sich von ihm einladen lassen. Er besteht jedoch auf den Dresscode, wie er damals bei entsprechenden Anlässen üblich war. Diesen zu missachten, zeugt von Arroganz und Geringschätzung des Einladenden. Für den Einlass in das Himmelreich ist die "weiße Weste" der Umkehr als "königliches Hochzeitskleid" vorausgesetzt.
Das Bild des Propheten Jesaja vom Festmahl passt gut in den Herbst, in die Zeit der Ernte. Alle Völker sind als Zeichen der Gemeinschaft zum Festmahl geladen. Dieses Zeichen verbindet uns über den Tod hinaus. Es ist ein Bild der Hoffnung für das Volk Israel, das Jahrzehnte in der Verbannung leben musste.
Die zweite Lesung ist ebenfalls optimistisch. Paulus sagt: „Ich kann im Überfluss leben.“ (Phil 4,12). Das ist die Gotteserfahrung des Paulus, der in Ephesus im Gefängnis einsitzen musste und sogar in Lebensgefahr geraten ist. „Gott wird euch durch Christus Jesus, alles, was ihr nötig habt aus dem Reichtum seiner Herrlichkeit schenken.“ (Phil 4,19). Was heißt das für uns heute? - Mag uns das Leben auch so übel mitspielen wie Paulus, wir sind dennoch nicht allein und wir dürfen vertrauen, dass es gut ausgehen wird.
Das Gleichnis des Evangeliums klingt am Ende ein wenig skurril in unseren Ohren. Dieser Text enthält viel Emotionen seitens des Königs. Zum Verständnis dieses Textes bedarf es kultureller Überlegungen, um den theologischen Sinngehalt einsichtig zu machen. In der Antike war es gar nicht so selten bei königlichen Hochzeiten üblich, dass der Gastgeber den Gästen festliche Kleidung zur Verfügung stellte, hier das Hochzeitskleid, das zum Fest passende Gewand, bevor die Geladenen den Festsaal betraten.
Der Mann wurde nicht bestraft, weil er arm war oder keine Zeit fand, sich umzuziehen, sondern weil er das Geschenk des Königs nicht angenommen hatte. Ob er das bewusst getan hat, geht aus diesem Text nicht hervor. Seine Haltung zeigt, dass er an diesem Fest mit seinen eigenen Vorstellungen teilnehmen wollte, ohne die Großzügigkeit des Königs oder die Einlassbedingungen bzw. die Ordnung des Gastgebers anzuerkennen.
Kurz gesagt: Als Einlassbedingung für das Himmelreich - hier als Festmahl zu verstehen - wäre das Liebesgebot zu beachten. Wer arrogant ist, sich um jede Anstrengung drückt, dem bleibt der Zugang zum Festmahl (Himmelreich) verschlossen. Bildlich gesprochen bedeutet das: Gott will ein „weißes, reines Gewand“. Gott will Gerechtigkeit, die der Mensch aus eigener Kraft nicht erreichen kann. Daher wird der Mensch „neu eingekleidet“ durch die Taufe. Weil der Mensch dieses reine weiße Gewand immer wieder verschmutzt, gibt es Versöhnung und Buße als „Reinigungsmittel.“
Die falsche Kleidung deutet auf innere Unreinheit, auf Hochmut oder sonstige ungute Eigenschaften hin. Der Mann hält sich selbst für gut, ohne innere Wandlung und Umkehr. Gott sieht genau hin, wer da Einlass begehrt. Wenn er beispielsweise gesagt hätte, mir wurde in diesem Gedränge kein Gewand gegeben, ich hatte keine Möglichkeit mir ein festliches Gewand zu beschaffen und ich bin außerdem sehr arm, hätte der König Barmherzigkeit walten lassen.
Seine Haltung kann als große Arroganz verstanden werden. Wer arrogant ist, fragt nicht nach, bemüht sich auch nicht um Argumente, braucht kein weiteres Gespräch, um einen Sachverhalt darzustellen.
Glauben heißt auch nachfragen, der Sache des Glaubens auf den Grund gehen. Die Begründung muss nicht einmal stichhaltig sein, zeigt aber das Bemühen zu reflektieren, zu Einsicht zu kommen. Der Mann sollte begründen können, warum er so gekleidet ist, wie er sich dem König zeigt. Das tut er nicht. Dieser Hochmut wird bestraft. Vielleicht wollte er sich eine „billige Gnade“ erschleichen, wie das Dieter Bonhoeffer bezeichnet.
Vielerorts trifft man auch heute einen Wohlfühlglauben ohne Anstrengung an, möglichst unverbindlich, einen Schulterklopfer-Gott, der Versagen augenzwinkernd zulässt. „Der Papa wird's schon richten, es gehört zu seinen Pflichten…“, heißt es in einem Lied von Gerhard Bronner und Helmut Qualtinger aus dem Jahr 1958. Gott ist wohl gütig, geduldig und barmherzig, aber zum Narren halten lässt er sich auch nicht. , wobei „Narr“ hier auch ein biblischer Ausdruck sein kann (siehe Lk. 12,20: „Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern.“).
Diese Bibelstelle ist noch in einem anderen Kontext zu verstehen: Wenn das Bemühen um rechten Glauben und darüber Auskunft zu geben, nie einsetzt, kann es zu spät sein. „Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.“ (Mt 22,13); Finsternis, Heulen und Zähneknirschen als Bild der Gottverlassenheit. Das geschieht, wenn man die Einladung Gottes zum Festmahl, zu einer besonderen Beziehung zu ihm, immer wieder zurückweist und nicht ernstnimmt.
Gott lädt alle ein. Sein Himmelreich ist offen für alle. Er erwartet jedoch ein Verhalten, das der Einladung würdig ist.
Die Kirchenglocken läuten bei uns vor jedem Gottesdienst zweimal. Das erste Läuten – eine halbe Stunde vorher – erinnert die Gläubigen daran, dass heute Messe ist. Das zweite Läuten, etwa zehn Minuten vor Beginn, ruft ihnen zu: „Kommt herein, gleich geht es los!“
Diese Dramaturgie erinnert an das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl. Auch dort lädt der König zweimal zur Hochzeit seines Sohnes ein (Mt 22,1-14). Doch kaum jemand folgte seiner Einladung. Darauf reagiert der Herrscher erzürnt und lässt die Stadt in Schutt und Asche legen (Mt 22,7). Hier zeigt sich eine Parallele zur Zerstörung Jerusalems durch die Römer, die der Evangelist vermutlich als Zeitzeuge miterlebt hat..
„Dies Evangelium ist einfach, wie ihr seht, und es ist schrecklich, weil es von denen gesagt ist, die Gottes Wort verachten!“, predigte Martin Luther 1531. Tatsächlich wirft das Gleichnis einige Fragen auf.
Weil so viele Auserwählte das Fest der Liebe ausschlagen, lädt der König nun andere ein: Er lässt einfache Menschen „von der Straße weg“ hereinholen – Menschen, die von einem solchen Fest bisher nicht einmal träumen konnten. So handelt auch Gott: Er führt keine Promi‑Liste. Im Gegenteil: Er sammelt gerade jene, die im Leben nicht immer auf der Sonnenseite standen und im Religionsunterricht nicht unbedingt einen „Einser“ hatten.
Der Evangelist Matthäus münzt hier das Gleichnis auf die Geschichte seines Volkes: Nur ein kleiner Teil des erwählten Gottesvolkes, aus dem Jesus stammte, wurde christlich. Jesus sandte die Apostel schließlich aus, um „alle Völker“ zu lehren (Mt 28,19). Er sagte nicht: „Bleibt’s sitzen und wartet, wer von selbst zu euch kommt!“ Vielmehr sollten sie aktiv auf die Menschen zugehen und mit ihnen über den Glauben ins Gespräch kommen. Seither tragen seine Jünger und ihre Nachfolger – also wir! – die Einladung in die Welt. Die Resonanz darauf fällt sehr unterschiedlich aus.
Dann kippt plötzlich die Stimmung: „Der König sah einen Menschen, der hatte kein hochzeitliches Gewand an“ (Mt 22,11). Sofort ist klar: Das gibt Ärger! Wer zu einem offiziellen Fest im Nachthemd oder in einer zermuddelten Jogginghose erscheint, sendet eine deutliche – und keine freundliche – Botschaft.
Der Einwand liegt nahe: „Die kamen doch direkt von der Straße!“ Nun war es im Orient wohl üblich, dass der König seinen Gästen beim Eintreffen passende Festkleidung aus seiner Kleiderkammer geben ließ (vgl. 2 Kön 10,22). So konnten sie ihre Alltagskleidung gegen eine dem Anlass entsprechende Bekleidung eintauschen. Der Mann im „Jogginggewand“ wollte sich also nur nicht umzuziehen, er missachtete die „Teilnahmebedingungen“. Das ist, als würde einer beim Militär in Badeschlapfen statt in Einser-Bock auf dem Exerzierplatz Habt-Acht-stehen. So etwas geht nicht lange gut! - Als der Gast beim Hochzeitsmahl zur Rede gestellt wurde, war er wienerisch gesagt „schmähstad“ (Mt 22,12). Der Ertappte versuchte nicht einmal, sich zur erklären. Sein Schweigen war ehrlicher als jede Ausrede.
Heute sehen wir vieles anders und ziehen uns beim Kirchgang oft legerer an als früher. Gottes Liebe kennt schließlich keinen Dresscode; seine Einladung gilt allen Menschen – ohne Unterschied und ohne strikte Kleiderordnung.
So bleibt für uns die Frage: Was hat es nun mit diesem „hochzeitlichen Gewand“ für uns heute auf sich? Ich denke, im Gleichnis geht es weniger um Äußerlichkeiten wie ein schönes Gewand aus feinstem Stoff, von edler Farbe, im modischen Schnitt. Es mahnt vielmehr die entsprechende „innere Gewandung“ ein: ein Verhalten, das der Einladung würdig ist. Auch das Himmelreich verlangt ein Mindestmaß an Vorbereitung. Dazu gehört vor allem, unsere Mitmenschen nicht unnötig zu quälen, sondern ihnen mit Nächstenliebe zu begegnen.
Die Bibelstelle ähnelt einem Weckruf – einer „Tagwache!“ und „Rise and shine!“. Sie will uns aufrütteln, aus dem Alltagstrott herausholen und uns zurufen: „Wach auf! Schau hin! Lebe bewusst! Lass Dich auf Gott ein!“ Jesus lädt uns alle ein! An uns liegt es, diese Einladung anzunehmen, sie ernst zu nehmen, seinem Ruf zu folgen und entsprechend zu leben.
Zu einer Hochzeit geladen zu sein, ist eine Zeichen der besonderen Nähe zu den Brautleuten und deren Familie. Eine Einladung ohne triftigen Grund kommt einer Geringschätzung die Beziehung zu ihnen gleich. Von Gott eingeladen zu sein, ist ein Beziehungsangebot, dessen Bedeutung von vielen nicht erkannt wird und dessen Zurückweisung folgen für die Gottesbeziehung hat.
Wenn Eltern zur Hochzeit eines Kindes einladen, versuchen sie meist ein unvergessliches, besonderes Fest zu organisieren. Schließlich ist die Hochzeit ein wichtiges Ereignis im Leben ihres Kindes. Außerdem verändert die Heirat eines Kindes unweigerlich das gewohnte Familiengefüge. Dieses Ereignis ist also auch ein besonderer Tag im Leben der Eltern und der ganzen Familie
An diesem Tag beginnt ein neuer Weg für ihre Kinder auf den sie ihnen möglichst viele positive Impulse mitgeben wollen. Den Auftakt soll dabei eine Feier mit fröhlichen Menschen, guten Wünschen und ausgelassene Stimmung bilden. Mit Musik und Freude soll ein guter Start in die selbstbestimmte Zukunft eingeleitet werden. Aber es gibt nicht nur diesen Aspekt. Mit einem Fest und seiner ausgelassenen Stimmung, sowie vielen interessanten neuen Begegnungen lässt sich auch die Schwermut besser ertragen, die sich in elterlichen Herzen nun breit macht, weil so ein Anlass auch Abschied bedeutet.
Für uns ist dieses Gleichnis von der Hochzeit so bedeutsam, weil es vollkommen klar ausdrückt, was sich Gott – hier der königliche Vater - für jedes seiner Kinder erhofft und wozu er uns permanent einlädt. Er möchte uns Lust auf ein Leben machen, das auf dieselben Grundintentionen aufbaut, die für eine Hochzeitsfeier typisch sind: positive Zukunftserwartungen, Gefühle von unbeschreiblicher Freude und Freiheit über gelungene Beziehungen und besondere Begegnungen, sowie dem ehrlichen Bemühen es den Eingeladenen an nichts mangeln zu lassen.
Kurz, ein Umfeld, in dem es gelingen kann, ein ganzer Mensch zu werden. Ein Mensch, dessen Streben bei den – durchaus wichtigen – irdischen Zielen wie Erfolg, Gesundheit, Verantwortung nicht aufhört, sondern der sich selbst auch als Teil der Schöpfung versteht. Als jemand dessen innere Weiterentwicklung einen Beitrag leisten kann aus dieser Welt jenen Ort zu machen als den Gott der Schöpfer ihn gedacht hat. Er möchte, dass es uns allen gelingt aus unserem Leben ein Fest zu machen. Das ist doch ein wunderbares Ziel!
Warum können trotzdem so viele Menschen diese Einladung nicht annehmen? - Die Gründe heute unterscheiden sich da nicht wesentlich von jenen im Gleichnis. Schauen wir zunächst auf die erstgeladenen Gäste. Heute wie damals gibt es scheinbar „wichtigere Vorhaben“ und offenbar „überzeugende Argumente“ für eine Ablehnung dieser Einladung Gottes.
Menschen, deren soziale Stellung ihnen erlaubt, ihre sinnlichen Bedürfnisse in hohem Maß zu befriedigen, findet sich immer wieder diese Form der Ablehnung. Mit mannigfaltigen käuflich erwerbbaren Zerstreuungen werden eventuell auftretende Sinnfragen erfolgreich ausgeblendet. Sie können locker auf die angebotenen edlen Getränke und wohlschmeckenden Speisen verzichten, weil sie über genügend monetäre Mittel verfügen, sich diese eigenständig zu beschaffen. Selbst für ihre spirituellen Bedürfnisse gibt es Angebote mit einfachen Erklärungen und ohne die anspruchsvolle Ethik, wie sie das Christsein fordert.
Dabei vergessen sie: Gerade er, der einladende Gott, hat uns Menschen Würde verliehen, weil er uns durch das Leben, Sterben und Auferstehen seines Sohnes Mut gemacht hat, uns auf die Begegnung mit der Transzendenz einzulassen. Oder wie Dorothee Sölle es ausdrückt: „Die Würde des Menschen besteht in der Fähigkeit zu überschreiten, was ist.“ Dazu lädt Christus alle Menschen ein. Er hat uns gezeigt, wieviel Kraft aus dem Geist, der dieser Transzendenz entspringt, erwachsen kann.
Würde ist für manche Menschen aber eben kein Wert. Ihr selbst gestaltetes, klar definiertes und gut abgegrenztes Lebensmodell verteidigen sie mit ganzer Kraft. Wenn es sein muss, auch mit Gewalt.
Im Sinne eines außerordentlichen Festes für seinen Sohn verzichtet Gott auf solche Gäste. Sie haben sich des Mitfeierns nicht würdig erwiesen. So schickt er seine Diener aus, um jeden einzuladen der gerne mitfeiern möchte. Wichtig ist, dass das Fest stattfindet! Es geht um die Zukunft seines Sohnes sowie seines Reiches und damit um eine neue kraftvolle Weiterentwicklung seines göttlichen Schöpfungs-Prozesses.
Gottes Einladung, die sich ursprünglich nur auf das auserwählte Volk bezogen hat, wird nun zu einer Einladung an alle Menschen. Aber auch von ihnen verlangt er, dass sie sich der Feierlichkeit des Anlasses würdig erweisen. Die im Matthäusevangelium etwas ruppig formulierte Abweisung eines Mannes ohne festliche Kleidung, verdeutlicht das. Dem König geht es darum, dem großen Fest die nötige Ehre und Achtung zu erweisen. Das Fest wird erst gelingen, wenn alle Beteiligten sich auf eine Feier in Würde einlassen. Schließlich bezieht sich die Einladung Gottes nicht nur auf die jetzige Welt, sondern leitet das große Fest himmlischer Glückseligkeit ein.
Mit dieser Motivation im Gepäck ist ihm jeder und jede willkommen. Denn sie garantieren eine Stimmung, die die Kraft hat aus jedem Menschleben ein feierliches Ganzes, eben ein Fest zu machen.
Sich zum Christentum zu bekennen, brachte zu manchen Zeiten Vorteile. Wie weit man mit dem Herzen dabei war, stand auf einem anderen Blatt. Im Gleichnis vom Hochzeitsmahl hielt Jesus den "Hohepriestern und Ältesten des Volkes" vor Augen, dass sie mit ihrer Zugehörigkeit zum Volk Gottes anderes im Sinn hatten als Gott. Dieses Gleichnis stellt aber auch uns heutige Christen die Frage, wo unser Herz hängt.
Der Evangelist Matthäus hat es mit den Gleichnissen. - In diesem Matthäus-Lesejahr hören wir immer wieder welche davon. Gleichnisse haben den Vorteil, dass sie die Botschaft des Erzählers nicht mit einem einzigen Begriff eins zu eins abbilden, sondern vor allem auch zwischen den Zeilen erzählen können. Dadurch wird die Erzählung komplexer. Gleichnisse leben von Details, von Nuancen, die durchaus wichtiger und interessanter sein können als die scheinbare Kernbotschaft, die in den Gleichnissen oftmals gleich zu Beginn markiert ist.
Heute hören wir ein langes Gleichnis - genau genommen sind es eigentlich zwei, die unterschiedliche Botschaften transportieren, auch wenn der Evangelist Matthäus seine Kernbotschaft gerade zu Anfang wieder deutlich aufscheinen lässt: Es geht um’s Himmelreich.
Die Hauptfigur der Erzählung: der König, Herrscher des Himmelreiches - Gott selbst. Der erste Teil dieses langen Gleichnisses spiegelt nun die bösen Erfahrungen der matthäischen Gemeinde zu Beginn der Frühen Kirche wider. Im Zusammenhang des Evangeliums wird dies sehr deutlich, wenn wir sehen, dass sich das Gleichnis kurz vor dem Kontext der Leidensgeschichte Jesu findet. Wir hörten: Zur Vermählung der irdischen Kirche mit dem Himmelreich, zum Erlösungsgeschehen, das im Gottessohn Jesus seinen Höhepunkt, den Hochzeitstag, erlebt, will keiner kommen. Man lehnt mit allerlei Ausreden ab. Soll heißen: Diejenigen, an die sich die Heilsbotschaft richtet, pfeifen drauf. Ihnen allen voran: die Verantwortlichen der Synagogengemeinden, die Pharisäer und Sadduzäer. Nicht nur das: Sie verfolgen sogar noch die Diener am Heilswort, die Ersten der Frühen Kirche, - und das mit aller Härte. Damit das Evangelium, die Heilsbotschaft, aber nicht untergeht, braucht es nun ein anderes Publikum als das von Jerusalem.
Man geht heute davon aus, dass das Evangelium des Matthäus im heutigen Syrien entstanden ist und die Gemeinde dort nicht mehr einen jüdischen Hintergrund hatte wie die ersten Gemeinden in Jerusalem: Geht also an die Kreuzungen der Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein!, ruft der König den Dienern zu. Zur selben Zeit - wir schreiben das Jahr 70 nach Christus - fällt auch noch die römische Armee in Jerusalem ein, plündert die Stadt und zerstört den Tempel - davon erzählt der Text ebenso: Der König wurde zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen. Die Eroberung Jerusalems als Strafe Gottes.
Die Warnung des Autors des Matthäusevangeliums an die Umgebung der Frühen Kirche: Vergreift euch nicht an der Nachfolgegemeinschaft Jesu: Das kommt am Ende schlecht. Und für alle, die Jesus folgen wollen, der Trost: Auch wenn ihr Unheil erfahren müsst, es kommt in allem Chaos schließlich schon gut für euch.
Allerdings nicht einfach so. Davon handelt der zweite Teil des Gleichnisses. Die Erzählung vom Gast, der sich nicht recht kleidet, richtet sich nun direkt an die Jüngerinnen und Jünger Jesu: Freund, wie bist du hier ohne Hochzeitsgewand hereingekommen?, fragt der König diesen auffälligen Gast. Nun kann man sich ja über Geschmack und rechten Stil streiten, aber im Fall des genanntes Besuchers schien die Sache klar. Der König lässt ihn rauswerfen und sogar bestrafen.
Die Botschaft des Evangelisten an die Frühe Kirche auch hier wieder von schmerzhafter Deutlichkeit: Es reicht nicht, einfach nur dazugehören zu wollen, um vielleicht innerhalb einer gleichgesinnten Community persönliche, wirtschaftliche oder sonst irgendwelche Vorteile zu erheischen. Der Mensch, der bei dieser Hochzeit mitfeiern will, muss nicht zur Familie, nicht zum selben Haushalt oder zur selben Gesellschaft, nicht zur selben Kultur oder Sprache gehören, aber er soll alle spüren lassen, dass er mit ganzen Herzen dabei ist.
Das Matthäus-Evangelium ruft die Frühe Kirche am Endes des 1. Jahrhunderts auf zu einer Gesinnung, die alle wissen lässt, was es meint, Jüngerin oder Jünger Jesu zu sein. Eine Botschaft, die die Nachfolgemeinschaft Jesu, die Kirche, auch heute mit voller Wucht trifft und an Aktualität kaum zu überbieten ist. Was braucht es von jedem Einzelnen und jeder Einzelnen von uns, dass das Hochzeitsmahl ein Fest wird, dass die Kirche überzeugend vom Himmelreich erzählt.
Das Thema “Missbrauch” ist sicher gerade das Gewand, in dem die Kirche am unpassendsten in dieser Welt daherkommt. Aber es ist auch nicht das einzige, was nicht stimmt. Auf der anderen Seite erzählt das Gleichnis von einem einzigen Menschen, der dem König beim Hochzeitsfest negativ auffällt - inmitten einer größeren Festgesellschaft, die sich anscheinend weitestgehend passend verhält. Heißt das also im Sinne des Gleichnisses: Im Großen und Ganzen sind wir schon richtig unterwegs?
Während uns die Lesungen des heutigen Sonntags mit den persönlichen Erfahrungen und Herausforderungen im Leben der Glaubenden konfrontieren, stellt das Evangelium die wesentlich heiklere Frage nach der Außenwirkung der christlichen Glaubensgemeinschaft. Oder anders formuliert: Das Evangelium vom heutigen Sonntag ist ein Workshop zu kirchlichem Marketing. Fragen die Lesungen danach, wie es jedem Einzelnen und jeder Einzelnen im Glaubensleben geht, konfrontiert uns das Evangelium mit der Frage: Halten wir in den Augen der Menschen, was das Evangelium verspricht? Wie stehen wir da in der Welt von heute? Sind Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, [...] auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi, wie es das II. Vatikanum eindringlich gefordert hat? Oder will man mit der Nachfolgegemeinschaft Jesu das Leben lieber nicht teilen, weil sie alles andere als sexy daherkommt? - Das ist nicht nur eine Frage an Verantwortliche in der Kirche, sondern an jede Gläubige und jeden Gläubigen.
Der Himmel ist wie ein großes Fest mit reich gedecktem Tisch. Wer hat da nicht Lust dabei zu sein? Lust zu feiern genügt jedoch nicht. Feierlaune kann sich erst entfalten, wenn auch die Beziehung zum Gastgeber des Reiches Gottes gegeben ist. Er schenkt sie allen, die sich beschenken lassen.
Visionen, Wünsche, Idealvorstellungen und harte Realität des wirklichen Lebens zeigen große Unterschiede. Das bestätigen auch die Texte dieses Sonntags.
Eine Vision von Zukunftshoffnung wie sie die erste Lesung bietet: Essen vom Feinsten, da könnte einem das Wasser im Mund zusammenrinnen. Alles, was uns plagt, hat ein Ende. Einfach wunderbar, keine Mühsal mehr, sorgenfreies Leben. Was will man mehr; Himmel auf Erden. Der Herr wischt alle Tränen ab, was immer auch uns zum Weinen bringen mag. Und jetzt kommt das Beste: „Er beseitigt den Tod für immer.“ (Jes 25,8).
Die zweite Lesung klingt da schon realistischer. So einfach ist das alles nicht. Ich habe gute Lebenserfahrung, kenne mich aus, ich weiß, was Entbehrung bedeutet und kenne auch Überfluss. Ich bin mir bewusst: „Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt.“ (Phil.4,13). Paulus weiß nur zu gut, dass Gott uns reich beschenkt, und schwierige, ja sogar sehr gefährliche Ereignisse mit Hilfe Gottes zu bewältigen sind. Mit Gottes Hilfe, mit dem Gebet, mit der ständigen Verbindung zu Gott bewältigt man die Herausforderungen des Lebens, auch wenn wir sie als zu hoch, zu anstrengend und zu gefährlich finden. Das rät auch Paulus der Gemeinde von Philippi. Das kann auch uns helfen.
Das Evangelium zeigt die bittere Realität des Lebens in einer besonders absurden Situation. Der Text ist aufs erste total unverständlich. Ein König, also nicht irgendwer, lädt zur Hochzeit seines Sohnes und all die geladenen Gäste wollten nicht kommen. Nicht nur, dass sie die Einladung ignorieren, sich nicht einmal entschuldigen - unvorhergesehene Ereignisse können wirklich auftreten. Es geht sogar noch viel ärger weiter: Gewaltanwendung bis zur Tötung.
Der König reagiert mit einem Gegenangriff. Irgendwie verständlich, dass man die guten Speisen nicht verderben lassen will. Deshalb sollen alle kommen, egal ob arm oder reich, der Festsaal füllt sich. Von Festtagskleidung kann keine Rede sein. Jetzt wird es wieder absurd. Da ist einer darunter ohne festliches Gewand. Die anderen sind ja höchstwahrscheinlich auch nicht festlich gekleidet, wie es sich für eine Hochzeit gehört. Wieso muss der eine gehen? Und auch hier ist Gewalt im Spiel. Was steckt dahinter?
Erinnern Sie sich noch an das Evangelium des letzten Sonntags: Es handelt von der Schuld und Bestrafung des Volkes Israel, weil es die Einladung Gottes, am Reich Gottes mitzuarbeiten, ignoriert hat. Auch dort war Gewalt im Spiel, ja es bestand sogar die Absicht, den Sohn des Gutsbesitzers, also Jesus, zu töten, eine Vorwegnahme des künftigen Kreuzestodes.
In beiden Evangelien geht es um die Zurückweisung der Liebe Gottes. Der Unterschied zum Evangelium des letzten Sonntags besteht darin, dass es nicht um Schuldrückzahlung geht, sondern um eine Einladung zu einem Fest, das die Loyalität mit dem Königshaus zum Ausdruck bringt.
Aber hätten nicht alle weggeschickt werden müssen, die kein hochzeitliches Gewand hatten? Bzw.: Was macht ihre Erscheinung hochzeitstauglich?
Vielleicht hat der König viele der Gäste befragen lassen, Gute und Böse, Männer und Frauen, die begründen konnten, warum sie so da sind, wie sie eben zu dieser Festtafel erschienen sind. Möglicherweise haben sie glaubwürdige Argumente und einigermaßen stichhaltige Begründungen gefunden, der eine aber nicht.
Wie ist das bei vielen Christen heute? Können sie ihren Glauben, ihren Zugehörigkeitswillen zum Reich Gottes, zu Christus, begründen? Auf die Motive der Zugehörigkeit kommt es an. In einer zunehmend religionsskeptischen Welt werden diese immer bedeutsamer. „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt; antwortet aber bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen, damit jene, die euren rechtschaffenen Lebenswandel in Christus in schlechten Ruf bringen, wegen ihrer Verleumdungen beschämt werden.“ (1 Petr 3,15-16), heißt es im ersten Petrusbrief.
Man hört oft klagend: Der Glaube verdunstet immer mehr. Das kommt daher, weil wir unser Glaubenswissen nicht alltagstauglich und krisenfest machen und Zweifler und Spötter scheinbar Recht bekommen. Gegenwärtige Fragen an uns Christen: Warum glaube ich? Was bedeutet für mich Erlösung? Warum gehe ich in die Kirche?
Dabei sein wollen allein genügt nicht. Mitlaufen mit dem Strom genügt nicht. Auf die Motive kommt es an.
Nehmen wir zumindest eine dieser Fragen mit hinein in die neue Woche. Denken Sie drüber nach, beugen Sie sich nach innen zum Gebet. Sie werden sicher Ihre persönliche Antwort finden.
Die Einladung zum Hochzeitsfest ist etwas Besonderes. Einer Einladung ohne ausreichende Entschuldigung nicht zu folgen, ist ein Affront gegenüber dem Gastgeber. Äußerlich und innerlich zum Feiern vorbereitet zu sein, gebietet die Aufrichtigkeit gegenüber dem Einladenden.
Das Hochzeitsfest ist eines der wichtigsten, wenn nicht gar das wichtigste Ereignis im Leben eines Israeliten außerhalb der religiösen Feste. Und es war Brauch, die Einladung erst einmal auszuschlagen und erst beim zweiten Mal anzunehmen: dann allerdings wäre es eine Demütigung für den Gastgeber gewesen, wenn die Gäste nicht gekommen wären. Das muss man vielleicht wissen, wenn man sich näher mit diesem Gleichnis befasst. Eine Einladung Hochzeitsfest des Königssohnes auszuschlagen kommt einem Affront gleich: es bedeutet nämlich, dass man nicht bereit ist, ihm zu huldigen, gleichsam ihn anzuerkennen.
Die zunächst Eingeladenen sind wohl die Auserwählten des Volkes Israels: viele von ihnen erkennen Jesus nicht und folgen daher der Einladung des Vaters nicht, im Gegenteil, seine Boten werden verfolgt oder gar getötet. Also wendet sich Gott an alle Menschen, ohne Ansehen der Person. Alle, wirklich alle sind eingeladen zum Hochzeitsmal im Himmelreich.
Nun ist da einer, der keine Festkleidung trägt. Heißt das, Menschen in Lumpen, die sich nicht fein machen können, dürfen nicht kommen, so wie ich als Kind befürchtet habe und deshalb immer schon sauber angezogen war in der Kirche? Natürlich nicht. Aber wer ein Fest feiern will, der muss sich darauf vorbereiten, äußerlich und innerlich. So wie er oder sie es kann, keine Frage: aber die Teilnahme erfordert ein Mindestmaß an Vorbereitung, an Glauben, an christlicher Haltung: wer dazu nicht bereit ist, der hat auf dem Mahl auch nichts verloren.
Wir sind also eingeladen. Jeden Tag wieder. Und wir sollten schauen, dass wir bereit sind für die Feier. Dass wir erkennen, dass das das Wichtigste ist und uns nicht von den vielen Ablenkungen, die unser Leben bietet, blenden lassen: Jesus hat uns eingeladen, und wir sollten so leben, dass wir seiner Hochzeitsfeier würdig sind.
Gott lädt ein, auch heute noch. Ob wir der Einladung folgen, hängt von unserer Beziehung zu ihm ab. Von vielen wird Gott verkannt, da sie sich ihr eigenes Bild von ihm zurechtrichten.
Ein gutverdienender Industrieller vergaß seine über 70-jährigen Eltern nicht. Nicht nur an Weihnachten überwies er eine beträchtliche Geldsumme. Auch an Geburtstagen und Jubiläen zeigte er seine Dankbarkeit. Wenn die Eltern Fragen hatten oder krank wurden, nahm er sich Zeit, sie zu besuchen. Im Laufe der Jahre wurden die Eltern immer hinfälliger. Darum entschloss sich der Sohn, seinen Betrieb ein Jahr früher als sonst in andere Hände zu geben und mit seiner Familie zu den Eltern zu ziehen, um für sie besser sorgen zu können.
Solches Tun ist im höchsten Maße anzuerkennen, kann freilich nicht von allen Kindern verlangt werden.
Mich lässt dieses Beispiel erahnen, wie weit unser Gott in Christus für uns gegangen ist. Er hat in seiner Barmherzigkeit nicht nur Bitten erhört. Er hat dem Volk Israel nicht nur Propheten gesandt, um es auf den rechten Weg zu bringen. In Christus unternimmt Gott für uns Menschen mehr, als andere Religionen über die höchsten Instanzen aussagen.
Auch unsere Sorgen und Bitten nimmt Christus nicht weniger ernst als bei den Notleidenden in seiner Zeit. Von sich aus sucht er unsere Nähe, bleibt bei uns und begnügt sich mit dem bescheidenen Lebensrahmen und den oft nicht rosigen Bedingungen, die uns zu schaffen machen.
Er hält sich mehr auf bei Armen und Abgeschobenen als bei Höhergestellten und Reichen. Ihm tut es weh, wenn Unrecht geschieht. Er sieht Missstände und scheut die Auseinandersetzung nicht, wo unnötige Lasten drücken und Verantwortliche wegschauen. Dafür hält Gottes Sohn seinen Kopf hin und macht unsere Sache zu seiner Sache.
Auch vor Nachteilen und Leidvollem scheut er nicht zurück. Sein Leiden und Kreuz machen deutlich, dass Gott selbst ganz hinabsteigt, wohin ein Mensch fallen kann. Er will sagen: Du kannst nicht so tief fallen, du kannst auch nicht so tief gefallen sein, dass Gott dich nicht mehr erreicht. Christus hat unser Schicksal auf sich genommen wie ein Liebender, der nicht will, dass es ihm besser geht als seinem geliebten Du.
Diese Einsatzbereitschaft kann niemand mehr überbieten. Christus verdient höchste Glaubwürdigkeit. Diese Solidarität behält Christus nach der Auferstehung unvermindert bei. Wir können glauben, dass uns Christus genauso begegnet wie den Menschen von damals. Seine Jünger haben ganz auf ihn gesetzt, haben jede Zukunftsplanung von ihm her wachsen lassen. Im tiefen Glauben konnten sie sich der größeren Weisheit ausliefern und wurden dadurch fähig, vielen anderen eine grenzenlose Lebensperspektive zu vermitteln, die alles menschliche Können übersteigt.
Dies und nicht weniger enthält die Einladung Christi damals und auch heute. Welche Tragik, dass es Christus heute nicht besser geht als bei seiner Einladung vor 2000 Jahren. Es fällt auf, dass die Bessersituierten für die Hochzeitseinladung des Königs am wenigsten Interesse zeigten. Viel zu viel Geschäfte und Termine waren ihnen wichtiger.
Das heutige Evangelium ist aktueller denn je. Wir neigen dazu, so manche Stunde mit Hobby, Kreuzworträtsel, Plaudereien und Fahrten zu verbringen als Ersatz für Wichtigeres. Es braucht Entschlossenheit, um über Kritik an anderen hinauszukommen, um Gewesenes auszuwerten und aus Fehlern Konsequenzen zu ziehen. Das brächte uns weiter und käme dem Beispiel Christi näher.
Ein extremes Beispiel erzählte ein evangelischer Pfarrer: „Seit über einem Jahr bin ich mit einer Mutter im Gespräch, um die Taufe ihres Kindes festzulegen. Das eine Mal stand eine Reise im Weg. Den nächsten Termin verhinderte ein Besuch. Eine Begründung, über die ich nur noch den Kopf schütteln konnte, lautete: Ich kann mich noch nicht festlegen, weil ich täglich den Hund ausführen muss.“ Hier spitzt sich zu, was alles sich wichtig machen und uns so besetzen kann, dass Gott immer weniger Platz bekommt.
Ich denke da an manche Ehefrau, die klagt, weil immer weniger Gespräche zustande kommen. Es kostet hohe Kunstgriffe und vermehrte Anläufe, um vom Ehepartner wenigstens ein Viertel der Fernseh-Zeit geschenkt zu bekommen.
Bei jungen Menschen schiebt sich oft Handy und Internet zwischen die Begegnung von Bekannten und Freunden. Die Kontakte in die Ferne nehmen zu. Der Nahbereich jedoch verkümmert.
Jede Woche zählt 168 Stunden. Es lohnt durchzurechnen, wieviel Stunden davon Gedanken an Gott enthalten und mit Beten gestaltet werden. Noch konkreter wird es mit dem Blick auf den Sonntagsgottesdienst. Kaum noch 10 - 15% der Christen nehmen sich dafür Zeit. Was tun die Fernbleibenden, damit ihre Beziehung zu Gott nicht verkümmert, sondern lebendiger wird?
Jeder Sterbefall sollte uns bewusst machen, wie begrenzt und unsicher unser eigenes Leben ist. Solche Situationen laden uns ein zu fragen, wieviel Gutes vom Verstorbenen ausgegangen ist, was bleibt und vor dem Beispiel Jesu bestehen kann. Der Tod gehört auch zu unserem Leben. Weiche ich dieser todsicheren Wirklichkeit aus oder bereite ich mich auf das himmlische Gastmahl vor, das der Auferstandene für mich bereit hält?
Eine Begebenheit aus dem Leben des heiligen Johannes Bosco kann verdeutlichen, welche unbezahlbare Chance uns Christus gibt:
Don Bosco begegnete einem Burschen, der ein abgefeimter Spitzbube war. Er ging ihm aber nicht aus dem Wege, wie es jeder kluge Mensch getan hätte, sondern lächelte ihn an und entbot ihm seinen Gruß. „Guten Tag" erwiderte der Bub und verneigte sich. Da blieb der Selige stehen und sprach: „Es freut mich sehr, dir begegnet zu sein, solltest mir eine Gefälligkeit erweisen!" „Wenn ich kann, sehr gern." „Freilich kannst du es! Komm mit mir zum Mittagessen!" „Ich soll bei Don Bosco zu Mittag essen?" „Jawohl du; und zwar nicht bloß heute." „Sie irren sich und verwechseln mich wohl mit einem anderen." „Nein, durchaus nicht. Bist du nicht der und der?" „Ja, der bin ich, Hochwürden." „Also komm!" „Sie wollen sich meinetwegen so bemühen und belästigen?" „Kein Kompliment, - der Entschluss steht fest, komm nur!" „Ich wage es nicht, so wie ich dastehe, zu kommen: In solch schmutzigem Gewand, mit ungewaschenen Händen!" „Das macht nichts, gar nichts!" „Aber vielleicht wartet meine Mutter auf mich." „Wir werden sie benachrichtigen lassen." Der Bub musste schließlich nachgeben. Er speiste bei Don Bosco zu Mittag. Von diesem Tag an änderte er seine Lebensführung."
Die Erzählung von der Einladung zum Hochzeitsmahl ist zugleich realistisch und unrealistisch bis komisch. Es geht um das Reich Gottes, zu dem wir eingeladen sind; tagtäglich. Wir haben unsere Entschuldigungen und Ausreden, die Einladung Gottes auszuschlagen.
Immer wieder müssen wir Entscheidungen treffen. Es gilt zu unterschieden zwischen dem Guten und dem Besseren. Die Berufung ins Reich Gottes bringt mit sich, dass wir uns für das Bessere entscheiden.
Das Gleichnis von der Einladung des Königs zum Hochzeitsmahl für seinen Sohn, die von den Geladenen nicht angenommen wird, hat heute neue Brisanz. Das einmal abgelegte Taufversprechen zeitigt bei vielen keine Konsequenzen.
Mitten im Herbst ein "prächtiges" Evangelium, eigentlich "prächtige" Texte, die von "feinsten Speisen" (Jes.25,6), von "Gelagen mit besten erlesenen Weinen" (Jes.25,6) sprechen, und dass es keine Not und keinen Tod gibt.
Aber auch Paulus in Philippi, offenbar eine für ihn liebenswerte Gemeinde einer kleinen Stadt in Mazedonien, führt diesen Gedanken weiter, wenn er sagt: "Alles, was ihr nötig habt, wird euch Jesus Christus aus dem Reichtum seiner Herrlichkeit schenken." (Phil.4,19).
Zu Recht steht dann nach dieser Lesung der Halleluja-Ruf vor dem Evangelium mit der Bitte, der Herr möge uns erkennen lassen, zu welcher Hoffnung wir berufen sind.
Herbst, Zeit der Ernte, überreiche Speisekarten, überall riesige Auswahl an Nahrungsmitteln, wovon ein Drittel des Gekauften im Mistkübel landet. (ORF-Mittagsjournal vom 4. Oktober 2014). Das ist aber ein anderes Thema...
Wer soviel an guten Gaben vorgesetzt bekommt, wird wählerisch. In den Gleichnissen Jesu stößt man oft auf den Kernpunkt, nicht das Gute zu wählen, sondern das Bessere anzustreben und zu erreichen. Sie werden möglicherweise einwenden, dass das bei einer Speisekarte vergleichsweise leicht ist: Ich wähle das für mich Bessere, was mir schmeckt (lat. "sapere", schmackhaft, dahinter steckt "sapientia", die Weisheit).
Das Gleichnis beginnt zunächst mit einer Einladung. Schon hier zeigt sich die Üppigkeit des Mahls "Ochsen und Mastvieh sind geschlachtet" (Mt. 22,4), die Entscheidungsmöglichkeit steht an: annehmen oder ablehnen. Die Geladenen lassen sich aus verschiedenen Gründen entschuldigen. Diese Ausreden, nicht zum Festmahl zu gehen - heute würden wir sagen, den Gottesdienst nicht mitzufeiern - sind wohl andere als heute. Die Verhaltensmuster sind gleich geblieben.
Wir sind in vielen Lebensbereichen aus verschiedenen Gründen wählerischer geworden: Angst, Sicherheitsdenken, Misstrauen, wir haben verschiedene Interessen im Blick, wollen alles bequem erreichen, ansonsten üben wir lieber Verzicht. Sind wir übersättigt, dass wir auch dieses angebotene Mahl nicht mehr brauchen, wenn ja, wovon? Muss man jeder Einladung Folge leisten? Die Bitte, zu diesem Mahl zu kommen, reicht nicht. Gott ist aber sehr geduldig. Der Zorn bedeutet enttäuschte Liebe. Interessant ist aber, dass dieses Mahl bei so vielen Entschuldigungen nicht abgesagt wird. Stattdessen - das ist der zweite Teil des Evangeliums - erzählt der Text von anderen Gästen, die dieser Einladung Folge leisten.: "Die Diener holten von der Straße alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen." (Mt.22,10).
Spätestens hier setzt höchster Erklärungsbedarf ein, weil diese Bilder einer Übertragung ins Heute bedürfen. Das Festmahl kann noch leicht erklärt werden: Eucharistiefeier als Hinweis auf das Reich Gottes, das in Ansätzen schon da ist und sich in der Vollendung endgültig zeigen wird.
Wichtig ist die Gestaltung unseres persönlichen Lebensweges, bei dem es wieder darum geht, nicht das Gute, sondern das Bessere zu suchen und anzustreben. Anders gesagt: Spüre deiner Berufung nach, wohin du gehen sollst, entdecke dabei deine Fähigkeiten. Das kommt auch im Weinberggleichnis Mt. 20,1-16 zum Ausdruck. Gott ruft und kümmert sich um die dritte, sechste, neunte, elfte Stunde um die Arbeiter, letztlich auch um uns. Manche folgen fast zu spät, diesem Ruf, dieser Einladung. Das ist bis heute so geblieben.
In diesem Festsaal befinden sich Gute und Böse. Wieder ein Hinweis. In jedem Menschen treffen wir Gutes und Böses an. Aber da gibt es noch eine Verständigungsschwierigkeit: Der Saal ist voll mit Auserwählten. Einer wird hinausgeworfen, weil er kein hochzeitliches Gewand anhat. Merkwürdig: Wer von der Straße kommt und überraschend zu einer Festtafel geholt wird, von dem zu verlangen, dass er festlich gekleidet erscheint, wirkt unlogisch. Es geht nicht um das edle Stück Gewand im wörtlichen Sinn, sondern um die Frage: Was hast du mit deinen Talenten und mit deiner Berufung gemacht? Hochzeitliches Gewand bedeutet, die Lebensweise so zu ändern, dass sie ohne Ausreden dem Ruf Gottes folgen kann. Daher am Schluss die Warnung, nicht ohne hochzeitliches Kleid ins Reich Gottes einzutreten. Ähnlich sagt es auch Paulus in 1 Kor 11,28: Jeder möge sich selbst prüfen.
Wichtig ist somit, diese Einladung nicht auszuschlagen, denn alle sind zu diesem Fest herzlich willkommen. Laden wir uns also nicht selbst durch Ausreden, durch falsche Prioritätensetzung aus. Daher: Herzlich willkommen bei der Eucharistiefeier! Gott spricht dich und mich höchst persönlich an. "Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, ich habe dir einen Ehrennamen gegeben!" (Jes 45,4).
Lieder:
GL 140: Kommt herbei, singt dem Herrn (4. und 5. Strophe)
GL 146: Du rufst uns, Herr, an deinen Tisch
GL 148: Komm her, freu dich mit uns, tritt ein
GL 209: Du teilst es aus mit deinen Händen
GL 213: O heilge Seelenspeise
GL 216: Im Frieden dein, o Herre mein
GL 421: Mein Hirt ist Gott der Herr
GL 422: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr
GL 425: Solang es Menschen gibt auf Erden
GL 440: Hilf, Herr meines Lebens
GL 477: Gott ruft sein Volk zusammen
GL 489: Lasst uns loben, freudig loben
GL 491: Ich bin getauft und Gott geweiht
GL 543: Wohl denen, die da wandeln
GL 551: Nun singt ein neues Lied dem Herren
GL 554: "Wachet auf", ruft uns die Stimme (1. Str.)
GL 642: Zum Mahl des Lammes schreiten wir
Kehrverse und Psalmen:
GL 34,1+2: Herr, wer darf Gast sein in deinem Zelt, wer darf wohnen auf deinem heiligen Berg? - Mit Psalm 15 - VI.
GL 37: Der Herr ist mein Hirt; er führt mich an Wasser des Lebens. - Mit psalm 23 - VI.
GL 52,1: Herr, du bist König über alle Welt - Mit Psalm 93 - VIII.
GL 53,1,2: Hört auf die Stimme des Herrn, verschließt ihm nicht das Herz. Mit Psalm 95 - VI.
GL 56: Freut euch, wir sind Gottes Volk - Mit Psalm 100 - V.
GL 630: Halleluja - Mit Offb 19,1-7 - V.
GL 651,5: Freut euch, wir sind Gottes Volk - Mit Psalm 34 - V.
GL 651,7-8: Selig, die bei dir wohnen, Herr, die dich loben alle Zeit. - Mit Seligpreisungen
GL 653,3: Selig, die bei dir wohnen, Herr, die dich loben alle Zeit - Mit Psalm 84 - V.
Nicht jeder Gottesdienst, den wir feiern, wird zu einem großartigen Ereignis, das man nicht so schnell vergisst. Jeder Gottesdienst ist aber ein Fest, durch das wir unsere Beziehung zu unserem Gastgeber - und das ist kein Geringerer als Gott selbst - feiern. Feststimmung kann man nicht herbeizwingen. Sie entsteht und wächst in der Begegnung mit dem Gastgeber.
Am Beginn dieser Feier treten wir vor den Herrn hin und huldigen wir ihm.
Frei nach Tom Hanks im Film “Forrest Gump” können wir feststellen: “Das Evangelium ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie sofort genau, was man bekommt.” Es sieht heute sehr nach einem Trost für die Kirche und einer Warnung an uns, die Glaubenden, aus. Aber nicht auf den ersten Blick. Lassen wir uns darauf ein.
Jesus Christus, der uns mehr schenken will, als wir geben können, sei mit Euch.
Im heutigen Evangelium hören wir vom Hochzeitsmahl, zu dem ein König einlädt. Es verwundert, dass die Eingeladenen aus unterschiedlichen Gründen sich entschuldigen. Andere Wichtigkeiten gehen vor. Das lässt uns fragen, welche Wichtigkeiten sich bei mir so breit machen, dass Gott an den Rand gerät.
Sie, die Sie anwesend sind, haben die Einladung zur Eucharistiefeier wahrgenommen. Was Christus uns hier schenken will, überbietet alles Menschliche. Es lohnt sich, in seinem Herzen dafür immer wieder neu Raum zu schaffen.
Im Kyrie bitten wir um Christi Erbarmen, dass er unsere Hindernisse auf dem Weg zu ihm beseitige.
Herr, Jesus Christus,
du lädst uns ein, mit dir zu feiern.
Herr, erbarme dich.
Ohne Ansehen der Person
holst du uns von überallher zusammen.
Christus. Erbarme dich.
Du beschenkst uns mit dem, was wir nötig haben,
aus dem Reichtum deiner Herrlichkeit.
Herr, erbarme dich.
Jesus Christus,
in der Not sprichst du uns Mut zu.
Herr, erbarme dich.
In der Überheblichkeit mahnst du uns zur Demut.
Christus, erbarme dich.
In der Gleichgültigkeit erwirkst du uns Freude.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
Du hast uns zum Hochzeitsmahl eigeladen.
Herr, erbarme Dich.
Oft wird die Einladung aber überwuchert
von Dingen, die uns wichtiger scheinen.
Christus, erbarme Dich.
Lenke unseren Blick auf das,
was wirklich wichtig ist für unser Leben
Herr, erbarme Dich.
Herr Jesus Christus,
du lädst uns ein, mit dir enger zusammen zu leben.
Herr, erbarme dich.
Deine Einladung gilt allen,
auch jenen, die sich nicht gut genug vorkommen.
Christus, erbarme dich.
Du hast mit deinen Jüngern deine Einladung über alle Grenzen verbreitet.
Herr, erbarme dich.
Herr, unser Gott,
deine Gnade komme uns zuvor und begleite uns,
damit wir dein Wort im Herzen bewahren
und immer bereit sind, das Gute zu tun.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 28. Sonntag im Jahreskreis
Heiliger Gott.
Du hast deine Gemeinde zur Heiligkeit berufen.
Du befähigst uns schon in dieser Welt
zu einem neuen Leben.
Vergib uns,
wenn wir dennoch immer wieder versagen.
Sende uns deinen Geist
und laß uns erfahren,
daß du die Herzen der Menschen verwandelst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 10
Allmächtiger, ewiger Gott,
in der Menschwerdung deines Sohnes
hat alles menschliche Streben nach dir seinen Ursprung
und kommt darin zur Vollendung.
Laß uns zu Christus gehören,
in dem das Heil aller Menschen begründet ist,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 7. Tag der Weihnachtsoktav
Herr, unser Gott,
bereite durch das Wirken deiner Gnade unser Herz,
damit wir bei der Ankunft deines Sohnes würdig sind,
am himmlischen Gastmahl teilzunehmen
und aus seiner Hand
die Speise des ewigen Lebens zu empfangen.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 1. Mittwoch im Advent
Allmächtiger Gott,
von dir kommt alles Gute.
Pflanze in unser Herz
die Liebe zu deinem Namen ein.
Binde uns immer mehr an dich,
damit in uns wächst, was gut und heilig ist.
Wache über uns und erhalte, was du gewirkt hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 22. Sonntag im Jahreskreis
Gott, überreich an Güte,
du deckst uns den Tisch deines Wortes
und hältst Gaben in Fülle bereit.
Wir bitten dich:
Lass uns würdige Gäste sein
und dich immerdar loben und preisen
im Heiligen Geist
durch Jesus Christus, unsern Herrn.
WB 28. Sonntag im Jahreskreis A
Gütiger Gott,
in Ungemach, Bedrohung und Angst
spendet deine Botschaft uns Trost und Heil.
In Überheblichkeit und Stolz fordert dein Wort
uns heraus zu rechtem Denken und Handeln.
Du bist ein Gott, der fordert und fördert.
Dafür danken wir dir - hier und jetzt
und dann, wenn wir hinausgehen,
um für dich Zeugnis abzulegen.
Durch Jesus Christus.
Guter Gott,
auch heute lädst du uns wieder ein zum Mahl,
das du uns durch deinen Sohn geschenkt hast,
und zum Hören auf das,
was Jesus uns von dir verkündet hat.
Wir bitten dich,
stärke uns durch dieses Mahl für unseren Weg,
wenn wir uns aufmachen,
nach seinen Worten zu leben.
Wir danken dir,
dass du uns immer wieder rufst und einlädst
und preisen dich und deinen Sohn und den Hl. Geist.
Heute und in Ewigkeit.
Herr, unser Gott,
Wir danken dir für das Geschenk dieser Zusammenkunft.
Sie hält in uns lebendig,
was wir allein vergessen und verlieren würden.
Zeig uns heute neu, was du aus unserem Leben machen willst.
Festige unsere Gemeinschaft mit dir und miteinander.
Darum bitten wir durch Christus, unserem Herrn,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Du, Gott, gehst uns nach,
du kommst immer wieder,
um uns als deine Gäste abzuholen.
Wir danken dir für deine Treue und Zuneigung.
Du weißt, wenn wir uns verschließen,
dass wir es mit der Angst zu tun bekommen
und uns mit vertrautem Terrain begnügen.
Dann schenke uns den Mut,
deine Nähe zu suchen
und deinem Wort zu folgen.
In deiner Gemeinschaft können wir lachen,
einander trösten und das Staunen wieder lernen.
Mache uns zu deinen Boten
in Christus, unserem Herrn.
Guter Gott,
du hast uns als Gäste an deinen Tisch geladen
und gewährst uns Gemeinschaft mit dir.
Dir tragen wir unsere Anliegen und Sorgen vor:
Wir bitten dich für alle, die du eingeladen hast, mit dir Mahl zu halten,
die jedoch mit dieser Einladung nichts anfangen können.
Öffne ihre Augen für das Geschenk deiner Liebe.
Wir machen uns Sorgen, weil viele Menschen, die uns nahestehen,
keinen Zugang zur Frohen Botschaft finden.
Schenke ihnen die Gnade des Glaubens.
Es tut uns weh, dass nicht alle Christen an einem Tisch zusammenfinden.
Lass unter den Christen Einheit wachsen
und räume aus, was eine volle Mahlgemeinschaft verhindert.
Ohnmächtig stehen wir vor der Tatsache,
dass Menschen einander um ihres Glaubens willen
mit Worten oder gar mit Waffen bekämpfen.
Führe sie zum friedlichen Ausgleich ihrer Interessen.
Unsere Alltagssorgen verstellen uns oft den Blick auf das,
was du uns anbietest.
Stärke unser Gespür für das Wesentliche und Notwendige.
Wir fühlen uns mit unseren verstorbenen Angehörigen und Freunden
über den Tod hinaus verbunden.
Lass sie teilhaben an deinem großen himmlischen Gastmahl.
Wir danken dir, guter Gott, für die Gemeinschaft an deinem Tisch.
Mach uns dieses Geschenkes würdig. - Amen.
Guter Gott,
dein Sohn spricht uns Trost zu, wenn Glauben und Leben zur Herausforderung werden, und er ermuntert uns, wenn es nicht richtig läuft.
So rufen wir zu dir:
Wir beten für die Bischöfe und die vielen Verantwortlichen der Kirche, die in Rom zur Synode versammelt sind:
Lass sie erkennen, was es jetzt braucht, dass die Kirche wahrhaftig und echt “Freude und Hoffnung, Trauer und Angst” (GS1) mit allen Menschen teilen und leben kann.
Wir beten für alle Menschen, die die Gemeinschaft der Christgläubigen erleben und sie eher als Last statt als Lust empfinden:
Lass sie Zeuginnen und Zeugen deiner Botschaft begegnen, die leben, was sie vom Evangelium verstanden haben.
Wir beten für die Menschen, die sich auf den Glauben einlassen wollen, deren Leben durch deine Botschaft vom Heil Sinn erfährt, bereichert und erfüllt wird:
Bewahre ihnen diese Freude und hilf ihnen, wenn sie an deiner Kirche kritisch-konstruktiv mitbauen.
Wir beten für alle, die am Ende ihres Lebens stehen und eintreten in dein Reich:
Empfange sie zum himmlischen Gastmahl, schenke ihnen ewige Freuden und vollende, was im irdischen Leben Bruchstück geblieben ist.
Guter Gott, wir teilen das Vertrauen des Psalmbeters:
Du deckst mir den Tisch.
Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang.
So kommen wir zu dir und bitten dich durch Christus unseren Herrn.
Guter Gott,
du hast uns eingeladen, an deinem Hochzeitsmal teilzunehmen. Nicht immer aber haben wir Festtagskleidung angelegt oder nehmen uns überhaupt die Zeit. Anderes erscheint wichtiger.
Wir bitten dich:
Oft scheint uns vieles wichtiger als unser Christsein, werden wir abgelenkt von den vielen Lichtern dieser Welt und vermeintliche Probleme schieben sich vor die echten:
Lass uns aufmerksamer werden für das, was wirklich zählt.
Wenn Menschen heiraten, träumen sie von einer gemeinsamen Zukunft:
Lass ihre Liebe wachsen und sie aufmerksam werden für das, was wirklich zählt.
Vielen Menschen ist nichts mehr heilig, oder sie sind verbittert und lassen niemanden mehr an sich heran.
Schenke ihnen Menschen, die ihnen zeigen, dass auch sie ein wertvolle Mitglieder unserer Gemeinschaft sind und lass sie aufmerksam werden für das, was wirklich zählt.
Viele Menschen gehen dahin, wo die Ränder sind, helfen denen, die sich selber nicht mehr helfen können und versuchen, Frieden zu verbreiten.
Steh ihnen bei, lass sie mehr werden und lass uns aufmerksam werden für das, was wirklich zählt.
Viele Menschen setzen ihr Leben ein für andere, riskieren alles, damit unsere Welt eine lebenswertere Welt wird.
Steh ihnen bei, lass sie wachsen an dem, was sie tun, und lass uns aufmerksam werden für das, was wirklich zählt.
Nicht immer leben wir so, wie du es gerne hättest, auch dann nicht, wenn wir uns doch nach deiner Liebe verzehren:
Schärfe unsere Sinne und lass uns aufmerksam werden für das, was wirklich zählt.
Lass unsere Verstorbenen teilhaben am Hochzeitsmahl der Ewigkeit.
Guter Gott,
du hast uns zum Hochzeitsmahl geladen. Hilf uns, deiner würdig zu werden.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Gott aller Menschen und Völker,
mit unseren Bitten kommen wir zu dir:
Für die Teilnehmer der Weltsynode, die um den Beistand deines Geistes bitten und nach Wegen deiner Kirche in die Zukunft suchen.
Für alle, die ihre Kräfte für Frieden in den vielen Krisengebieten der Welt, für Menschenrechte und ein gerechtes Miteinander einsetzen.
Für Menschen, die in ihren momentanen Nöten gefangen sind und an ihrer Lebenssituation zu verzweifeln drohen.
Für uns selbst, dass uns Jesu Leben und Worte zum Handeln nach seinem Beispiel führen.
Für unsere Verstorbenen, für die wir erhoffen, dass sie an deinem himmlischen Gastmahl teilnehmen und von ewiger Seligkeit erfüllt sind.
In Freude über die Berufung in deine Kirche bitten wir dich, lass uns zu Menschen reifen, die sich deiner Nachfolge würdig erweisen und sich durch deinen Geist wandeln lassen. - Amen.
Ereignisse gehen uns nach. Sie laden uns ein, sie vom Glauben her zu betrachten und uns einen Reim darauf zu machen.
Voll Vertrauen bitten wir dich:
Herr Jesus, täglich bieten sich Momente zum Innehalten an.
Lass uns sie nützen, um aufmerksamer zu werden auf das, was du uns sagen willst.
Herr Jesus Christus, deine Worte sind wie Licht auf unseren Wegen.
Lass uns dafür offen bleiben und Zeit haben.
Mehr Dinge als je zuvor können sich zwischen dir und uns schieben und uns dir entfremden.
Lass uns im Gebet den Austausch mit dir pflegen.
Wir alle möchten in den Himmel kommen.
Lass uns nicht nur in der Beichte aus unseren Erfahrungen lernen, sondern täglich danach trachten, dir näher zu kommen.
Unsere Verstorbenen wissen jetzt am besten, was zum Himmel führt.
Lass sie immer mehr die Fülle des ewigen Lebens erfahren.
Herr Jesus Christus,
du hast uns den Gott der Liebe nahe gebracht.
Wer nicht aufhört, in dieser Liebe zu wachsen, findet in dir das Leben in Fülle.
Dafür preisen wir dich und danken dir. - Amen.
Gott hat uns das Leben geschenkt.
Er hat in uns auch all das angelegt, das wir brauchen, um aus unserem Leben ein Fest zu machen und unser Lebensziel zu verwirklichen.
Ihn lasst uns bitten:
Für eine Kirche, die die Chance zur Verkündigung deiner Botschaft in den uns heute gegebenen Lebensumständen nicht verpasst.
Für das große Anliegen der Einheit der christlichen Kirchen, die sich auch in der Sehnsucht nach eucharistischer Mahlgemeinschaft ausdrückt.
Für eine Gesellschaft, die sich im Bewusstsein der uns in unserem Land geschenkten demokratischen Werte für das Wohl der Gemeinschaft entscheidet.
Für alle, die unter den Lebensumständen und Folgen dieser Pandemie leiden und sich nach unbeschwerter sozialer Nähe sehnen.
Für unsere Verstorbenen, die in der Hoffnung auf das himmlische Hochzeitsmahl gelebt haben.
Denn der Glaube an dich, den dreieinen Gott, eröffnet einen Horizont, der rein menschlich unvorstellbar und unmöglich erscheint. Gerade darin liegt seine Kraft. Dafür rühmen wir deine Herrlichkeit und danken dir für alles, was du uns schenkst, heute und allezeit. - Amen.
Herr und Gott,
nimm die Gebete und Opfergaben
deiner Gläubigen an.
Lass uns diese heilige Feier
mit ganzer Hingabe begehen,
damit wir einst das Leben
in der Herrlichkeit des Himmels erlangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 28. Sonntag im Jahreskreis
Vater, du bist die Quelle jenes Lebens,
das uns dein Sohn Jesus Christus
in seinem Sterben und seiner Auferstehung
erwirkt hat.
Nimm uns und alle Menschen hinein
in das Opfer der Erlösung
und heilige uns im Blute deines Sohnes,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Amen.
MB Auswahl 8
Du, Gott,
deckst uns den Tisch und bereitest das Mahl für uns.
Von allen Ecken und Enden der Erde
sammelst du ein Volk zusammen
hier am Altar, wo wir die Gegenwart deines Sohnes feiern,
und zum himmlischen Gastmahl, das er uns verheißen hat.
Dafür danken wir dir durch ihn,
Christus, unseren Bruder und Herrn.
Kehrvers:
Freut euch: Wir sind Gottes Volk,
erwählt durch seine Gnade. (GL 56,1)
Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus,
wir kommen zu dir, um dir zu danken
und deine Barmherzigkeit zu preisen.
Kehrvers
Dein Sohn Jesus Christus ist als Messias gekommen
und hat die Hülle, die alle Nationen verhüllt,
und die Decke, die alle Völker bedeckt, zerrissen.
Er hat den Tod für immer beseitigt.
Kehrvers
Uns hat er zum großen Festmahl gerufen,
zu dem er alle einlädt, die auf deine Stimme hören.
Durch die Taufe sind wir deine Töchter und Söhne geworden.
Nun dürfen wir in deiner Gegenwart leben.
Kehrvers
Er gibt sich selbst uns zur Speise,
damit auch wir in inniger Verbundenheit mit ihm und mit dir leben.
Wir schöpfen daraus die Kraft, unserer Berufung zu folgen
und seine Frohe Botschaft zu bezeugen.
Kehrvers
Mit allen Engeln und Heiligen
stimmen wir ein in das Lob der ganzen Schöpfung
und singen wir zu deiner Ehre:
Danklied, z. B.: Dank sei dir, Vater, für das ewge Leben (GL 484)
Wir danken dir, heiliger, starker Gott.
Du lenkst die Geschicke der Welt
und sorgst für jeden Menschen.
Du versammelst uns zu einer Gemeinschaft,
damit wir alle dein Wort hören
und deinem Sohn im Glauben folgen.
Er ist der Weg - auf diesem Weg gelangen wir zu dir;
er ist die Wahrheit - sie allein macht uns frei;
er ist das Leben und erfüllt uns mit Freude.
Darum danken wir dir, Vater, für deine Liebe,
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Wir stimmen ein in den Gesang der Engel
und bekennen zum Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 2
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er hat beim Lezten Abendmahl
das Gedächtnis des Kreuzesopfers gestiftet
zum Heil der Menschen bis ans Ende der Zeiten.
Er hat sich dargebracht als Lamm ohne Makel,
als Gabe, die dir gefällt,
als Opfer des Lobes.
Dieses erhabene Geheimnis heiligt
und stärkt deine Gläubigen,
damit der eine Glaube
die Menschen der einen Erde erleuchte,
die eine Liebe sie alle verbinde.
So kommen wir zu deinem heiligen Tisch,
empfangen von dir Gnade um Gnade und
werden neu gestaltet nach dem Bild deines Sohnes.
Durch ihn rühmen dich Himmel und Erde,
Engel und Menschen und
singen wie aus einem Munde
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Eucharistie 2
Gott, du Mitte unserer Gemeinde
du hast mit uns, deinem Volk
einen Bund geschlossen
der nie ein Ende haben soll.
Du hast uns alle in der Taufe
mit dem königlichen Gewand der Gnade bekleidet
und lädst uns immer neu ein
dir in Brot und Wein zu begegnen
Und uns vorzubereiten,
auf das große Festmahl,
das du für uns bereitet hast.
Lass uns deine Einladung nicht vergessen -
wir wollen uns in deinen Dienst stellen
und in den Dienst der ganzen Gemeinde,
damit alle zu dir finden
die deinen Ruf hören.
Begleite uns und unser Bemühen
mit deinem Segen.
Allmächtiger Gott,
in der heiligen Opferfeier
nährst du deine Gläubigen
mit dem Leib und dem Blut deines Sohnes.
Gib uns durch dieses Sakrament
auch Anteil am göttlichen Leben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 28. Sonntag im Jahreskreis
MB Samstag der 5. Woche der Fastenzeit
Herr, unser Gott,
du hast gewollt,
daß sich das Bild deines Sohnes
auspräge im Wesen der Getauften,
die du zu deinem Tisch geladen hast.
Ermutige uns, dem Evangelium zu folgen
und deinem Heiligen Geist Raum zu geben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Schlussgebete zur Auswahl 6
Gütiger Gott
wir haben das Mahl gehalten,
das nach Himmel schmeckt.
Gestärkt mit dem Brot des Lebens und dem Wort vom Heil
gehen wir jetzt hinaus, um an den Straßen und Kreuzungen
von deiner Güte zu erzählen.
Geh du mit uns, lenke unsere Schritte, gib uns das rechte Wort
und begleite uns mit deinem Segen.
Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn.
Wir danken dir, Gott,
dass du uns immer wieder zu dir einlädst,
um die Geschäftigkeit unseres Lebens zu unterbrechen
und uns neu zu stärken und zu orientieren.
Dein reich gedeckter Tisch der Zugewandtheit und Liebe
ist gedeckt für alle – aus allen Völkern und Nationen.
Sei du mit uns in dieser unruhigen und kriegerischen Zeit
und lenke unsere Sinne auf den Weg des Friedens.
Das erbitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.
und wieder spricht er
zu den Hohenpriester
und
den Ältesten
spricht zu denen
die meinen zu wissen
was gefordert ist
die meinen
den anderen sagen zu dürfen -
ja sagen zu müssen -
wo es langgeht
spricht vom Gelandensein
davon
dass schon alles bereitet ist
die
die geladen sind
verschmähen die Einladung
gehen weiter
in der Geschäftigkeit
die ihr Leben ausmacht
als unwürdig werden sie entlarvt
und
sie verlieren alles
auch ihr Leben
und
die Einladung ergeht an alle
alle auf die man trifft
alle die mitgehen wollen
Gute und Böse
alle
die zurücklassen
was vormals war
und
die anlegen das neue Kleid
das Festkleid
zum Mahl
und
es zählt nicht woher
nicht
was sie waren
es zählt einzig
die Bereitschaft
alles abzulegen
und
im Gewand des Neuwerdens
am reich gedeckten Tisch
Platz zu finden
Beatrix Senft 2023.
1992 flimmerte zum ersten Mal Walter Wippersbergs Mockumentary "Das Fest des Huhnes" über die Fernsehbildschirme Österreichs. Ob dem am 31. Jänner 2016 verstorbenen, oberösterreichischen Regisseur damals bewusst war, dass er nicht nur einen Klassiker des österreichischen Fernsehens, sondern obendrein das wohl unterhaltsamste Lehrstück für Studierende der Ethnologie und Religionswissenschaft schaffen würde, ist fraglich. Im Zentrum seines Films steht der zentralafrikanische Forscher Kayonga Kagame, der gemeinsam mit seinem Team für das fiktive "All African Television" die rätselhaften Sitten und Gebräuche der oberösterreichischen Stämme studiert.
[...]
Zunächst fällt es Kagame und seinem Team nicht leicht, in die Denkwelten der eingeborenen Stämme im fernen Oberösterreich einzudringen. Besonders die religiösen Bräuche der Indigenen werfen viele Fragen auf. So beobachten die Forscher, dass die großen steinernen Kulthäuser, in denen das sogenannte Christentum – eine schwer verständliche, als Monotheismus getarnte polytheistische Sekte – praktiziert wird, leer stehen. Stattdessen strömen die Oberösterreicher scharenweise in große Zelte. Darin verzehren sie des Abends gemeinschaftlich gebratenes Huhn und vor allem große Mengen jenes bitter schmeckenden, stark schäumenden Weizengetränks, das man auch in Afrika unter dem Namen "Bier" kennt. Aber was bedeuten diese Treffen? Die Eingeborenen hüllen sich in Schweigen und sprechen den ekstatischen Zusammenkünften jede tiefere Bedeutung ab.
Für den scharfsinnigen Ethnologen ist spätestens hier klar, dass es sich um einen besonders sakralen Kult handeln muss. Schließlich sind es genau die wichtigsten Bräuche, welche die Indigenen vor den Augen und damit dem Einfluss der Fremden geheim zu halten versuchen. Zu guter Letzt gelingt es Kagame aber dennoch die einzelnen Puzzleteile der rätselhaften Kultur zusammenzufügen, um schließlich darin nichts Geringeres als einen religiösen Paradigmenwechsel zu erkennen: Die ekstatischen Zusammenkünfte in den großen Zelten sind Ausdruck eines Totemkults, in dessen Zentrum das Huhn steht. Das Huhn wird gemeinschaftlich verspeist, um sich die Gottheit einzuverleiben, ähnlich wie man das auch aus der afrikanischen Vergangenheit kennt. Als letztes Beweisstück für diese revolutionäre Entdeckung dient ein seltsamer Tanz der Eingeborenen, in dem sie die Gottheit in Gestalt des Huhnes nachahmen: Der Hühnertanz als Imitatio Dei. Damit wäre also ein weiterer schwarzer Fleck auf der ethnologischen Landkarte aufgedeckt.
Ganzer Beitrag:
https://www.derstandard.at/story/2000073284071/das-grillhendl-als-totemtier-der-oberoesterreicher-der-film-das-fest
Kathrin Trattner am 31.12.2018 auf www.derstandard.at
möge Jesus sprechen
im Hier und Jetzt
zu den Hohenpriestern unserer Zeit
möge er die Augen öffnen
für all das
was unsere Zeit
in seinem Namen fordert
möge er abwenden
den weiteren Verfall
seiner frohmachenden Botschaft
durch Machtmissbrauch und protziges Auftreten
möge er ihnen zusprechen:
legt ab
all das Verhalten wie Cäsaren
und
kleidet euch wieder
in das Gewand der Wanderschaft
wie ich selbst
und Johannes -
wie Franziskus
geht mit den Menschen
und erspürt
wo sie aufgerichtet
und
gestärkt werden müssen
ja
möge er zu guten Einsichten führen
damit die Welt wieder erkennt
dass seine Botschaft lautet:
Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei;
aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.
(1 Kor 15,15)
Beatrix Senft 2023.
Manche wünschen sich einen Gott, den man sehen kann, der aber nicht in das Leben hineinredet. So machten sich Israeliten das goldene Kalb. Ein schöner Gott, glänzend und goldig, aber stumm und wortlos, eben anspruchslos.
Gott leugnen ist die eine, die theoretische Form des Atheismus. Gott für sich benutzen ist eine andere, die praktische Form des Atheismus.
Wir machen uns unseren Gott, und er soll uns bei unserem ichsüchtigen Streben nach Glück helfen.
Der Feuerwehr-Gott, der schnell kommen soll, wenn es brennt. Aber besser ist, man braucht ihn gar nicht.
Der Kindermädchen-Gott, der sich im Hintergrund aufhält, aber für die Sicherheit der Kinder verantwortlich ist.
Der Planierraupen-Gott, der die Hindernisse auf dem Weg zum Glück beiseiteschieben soll.
Der Waschlappen-Gott, der uns von Zeit zu Zeit vom Staub und Dreck des Lebens reinigt.
Der Drogen-Gott, der uns aus Trauer und Angst in Hochstimmungen führt.
Der Lückenbüßer-Gott, der einspringt, wo wir nicht mehr weiterwissen.
Der Urknall-Gott, der einmal am Anfang alles in Gang gesetzt und sich dann zurückgezogen hat.
Der Milchstraßen-Gott, der als höheres Wesen irgendwo dazugehören darf.
Der Dekorations-Gott, der unsere Familienfeste und Lebenshöhepunkte mit einer hübschen Girlande verschönern soll.
Der Automaten-Gott, der funktioniert, wenn man Glaube und Gebet einwirft.
Der Wunscherfüller-Gott, der darauf wartet, sich bei uns beliebt zu machen.
Der Vorzeige-Gott, der in unserem frommen Leben die erste Geige spielt. Aber am Dirigentenpult stehen wir und bestimmen die Einsätze Gottes.
Es gibt zwei Wege einer Sünde: Gott abschaffen und leugnen und Gott einspannen und benutzen.
Wir sind Gottes Schöpfung. Wehe uns, wenn wir das umkehren und Gott zu unserer Schöpfung machen. Das ist eigentlich die Ursünde.
Karl Frielingsdorf, Dämonische Gottesbilder. Ihre Entstehung, Entlarvung und Überwindung. Matthias-Grünewald-Verlag. Mainz 1992.
Er war berauscht von dem Fest, an dem er nicht Teil gehabt, und müde von Eifersucht. Wie früher, ganz wie früher war es gewesen! Mit erhitztem Gesicht hatte er an dunkler Stelle gestanden, in Schmerzen um euch, ihr Blonden, Lebendigen, Glücklichen, und war dann einsam hinweggegangen. Jemand müßte nun kommen! Ingeborg müßte nun kommen, müßte bemerken, daß er fort war, müßte ihm heimlich folgen, ihm die Hand auf die Schulter legen und sagen: Komm herein zu uns! Sei froh! Ich liebe dich! ... Aber sie kam keines Weges. Dergleichen geschah nicht. Ja, wie damals war es, und er war glücklich wie damals. Denn sein Herz lebte. Was aber war gewesen während all der Zeit, in der er das geworden, was er nun war? - Erstarrung; Öde; Eis; und Geist ! Und Kunst! ...
Er entkleidete sich, legte sich zur Ruhe, löschte das Licht. Er flüsterte zwei Namen in das Kissen hinein, diese paar keuschen, nordischen Silben, die ihm seine eigentliche und ursprüngliche Liebes-, Leides- und Glückesart, das Leben, das simple und innige Gefühl, die Heimat bezeichneten. Er blickte zurück auf die Jahre seit damals bis auf diesen Tag. Er gedachte der wüsten Abenteuer der Sinne, der Nerven und des Gedankens, die er durchlebt, sah sich zerfressen von Ironie und Geist, verödet und gelähmt von Erkenntnis, halb aufgerieben von den Fiebern und Frösten des Schaffens, haltlos und unter Gewissensnöten zwischen Extremen, zwischen Heiligkeit und Brunst hin und her geworfen, raffiniert, verarmt, erschöpft von kalten und künstlich erlesenen Exaltationen, verirrt, verwüstet, zermartert, krank - und schluchzte vor Reue und Heimweh.
Um ihn war es still und dunkel. Aber von unten tönte gedämpft und wiegend des Lebens süßer, trivialer Dreitakt zu ihm herauf.
Thomas Mann, Tonio Kröger, Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag 2003, S. 107f.

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Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
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Die Lesung bringt einen Text aus dem Jesajabuch, einen Teil der sogenannten Jesaja-Apokalypse.
Der Text kündigt ein großes Festmahl an, das der Herr der Heere an jenem Tag auf diesem Berg geben wird. Bemerkenswert ist, daß zu diesem Mahl alle Völker eingeladen sind. Eine so universalistische Sicht ist an dieser Stelle ungewöhnlich. Als Anlaß des Festmahles kann die Thronbesteigung, die Machtergreifung Gottes am Ende der Tage angenommen werden.
Ein weiteres Bild für die Endzeit wird das Zerreißen der Hülle, die alle Nationen verhüllt, angekündigt. Was damit gemeint ist, läßt sich nur schwer konkretisieren. Gemeint sein könnte mit der Hülle, was die Völker in der Begegnung und im Miteinander trennt; oder was sie von Gott trennt.
Zur Endzeitvorstellung gehört, daß der Tod vernichtet wird, daß die Tränen von jedem Gesicht abgewaschen werden, und daß Gott die Schande von seinem Volk wegnimmt. Mit der Vernichtung des Todes sind jedoch noch keine Auferstehungsvorstellungen verbunden. Nicht eindeutig ist, welche Schande hier weggenommen wird. Geht es um die Rückkehr aus dem Exil?
Abgeschlossen wird der Lesungstext mit einem Lobpreis des rettungswilligen Gottes und einer Aufforderung, auf ihn die Hoffnung zu setzen.
Diese Lesung gehört zur sogenannten "Apokalypse des Jesaja". In den Kapiteln 24 bis 27 wird in apokalyptischen Bildern das göttliche Gericht über Himmel und Erde verkündet. Der Text stammt aus der nachexilischen Zeit.
Im Anschluß an das Gericht wird für Israel und alle Völker das endgültige Heil kommen.
Die Überwindung des Todes, so wie sie im Text angesprochen wird, ist aus dieser Zeit eine "recht erstaunliche Botschaft", denn erst in späterer Zeit wird dies so klar formuliert (vgl. Dan 12,2f.; 26,19; 25,8). Die Vernichtung des Todes bewirkt ewiges Leben. Die Freude über diese rettende Tat des Herrn läßt Israel Jubellieder anstimmen.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive