Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Joel.
Spruch des HERRN:
Kehrt um zu mir von ganzem Herzen
mit Fasten, Weinen und Klagen!
Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider,
und kehrt um zum HERRN, eurem Gott!
Denn er ist gnädig und barmherzig,
langmütig und reich an Huld
und es reut ihn das Unheil.
Wer weiß, vielleicht kehrt er um und es reut ihn
und er lässt Segen zurück,
sodass ihr Speise- und Trankopfer darbringen könnt
für den HERRN, euren Gott.
Auf dem Zion stoßt in das Horn,
ordnet ein heiliges Fasten an,
ruft einen Gottesdienst aus!
Versammelt das Volk,
heiligt die Gemeinde!
Versammelt die Alten,
holt die Kinder zusammen, auch die Säuglinge!
Der Bräutigam verlasse seine Kammer
und die Braut ihr Gemach.
Zwischen Vorhalle und Altar sollen die Priester klagen,
die Diener des HERRN sollen sprechen:
Hab Mitleid, HERR, mit deinem Volk
und überlass dein Erbe nicht der Schande,
damit die Völker nicht über uns spotten!
Warum soll man bei den Völkern sagen:
Wo ist denn ihr Gott?
Da erwachte im HERRN die Leidenschaft für sein Land
und er hatte Erbarmen mit seinem Volk.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Jesaja:
Rufe aus voller Kehle,
halte dich nicht zurück!
Erhebe deine Stimme wie ein Widderhorn!
Halt meinem Volk seine Vergehen vor
und dem Haus Jakob seine Sünden!
Sie suchen mich Tag für Tag und haben daran Gefallen,
meine Wege zu erkennen.
Wie eine Nation, die Gerechtigkeit übt
und vom Recht ihres Gottes nicht ablässt,
so fordern sie von mir gerechte Entscheide
und haben an Gottes Nähe Gefallen.
Warum fasten wir und du siehst es nicht?
Warum haben wir uns gedemütigt
und du weißt es nicht?
Seht, an euren Fasttagen macht ihr Geschäfte
und alle eure Arbeiter treibt ihr an.
Seht, ihr fastet
und es gibt Streit und Zank
und ihr schlagt zu mit roher Gewalt.
So wie ihr jetzt fastet,
verschafft ihr eurer Stimme droben kein Gehör.
Ist das ein Fasten, wie ich es wünsche,
ein Tag, an dem sich der Mensch demütigt:
wenn man den Kopf hängen lässt wie eine Binse,
wenn man sich mit Sack und Asche bedeckt?
Nennst du das ein Fasten
und einen Tag, der dem HERRN gefällt?
Ist nicht das ein Fasten, wie ich es wünsche:
die Fesseln des Unrechts zu lösen,
die Stricke des Jochs zu entfernen,
Unterdrückte freizulassen,
jedes Joch zu zerbrechen?
Bedeutet es nicht,
dem Hungrigen dein Brot zu brechen,
obdachlose Arme ins Haus aufzunehmen,
wenn du einen Nackten siehst,
ihn zu bekleiden
und dich deiner Verwandtschaft nicht zu entziehen?
Dann wird dein Licht hervorbrechen wie das Morgenrot
und deine Heilung wird schnell gedeihen.
Deine Gerechtigkeit geht dir voran,
die Herrlichkeit des HERRN folgt dir nach.
Wenn du dann rufst,
wird der HERR dir Antwort geben,
und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen:
Hier bin ich.
Wenn du Unterjochung aus deiner Mitte entfernst,
auf keinen mit dem Finger zeigst
und niemandem übel nachredest,
den Hungrigen stärkst
und den Gebeugten satt machst,
dann geht im Dunkel dein Licht auf
und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.
Der HERR wird dich immer führen,
auch im dürren Land macht er dich satt
und stärkt deine Glieder.
Du gleichst einem bewässerten Garten,
einer Quelle, deren Wasser nicht trügt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv - Ein reines Herz erschaffe mir, o Gott!. – Kv
Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz *
und einen festen Geist erneuere in meinem Innern!
Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, *
deinen heiligen Geist nimm nicht von mir! - Kv
Gib mir wieder die Freude deines Heils, *
rüste mich aus mit dem Geist der Großmut!
Ich will die Frevler deine Wege lehren *
und die Sünder kehren um zu dir. - Kv
Schlachtopfer willst du nicht, ich würde sie geben, *
an Brandopfern hast du kein Gefallen.
Schlachtopfer für Gott ist ein zerbrochener Geist, *
ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz
wirst du, Gott, nicht verschmähen. - Kv
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korinth.
Schwestern und Brüder!
Wir sind also Gesandte an Christi statt
und Gott ist es, der durch uns mahnt.
Wir bitten an Christi statt:
Lasst euch mit Gott versöhnen!
Er hat den, der keine Sünde kannte,
für uns zur Sünde gemacht,
damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.
Als Mitarbeiter Gottes ermahnen wir euch,
dass ihr seine Gnade nicht vergebens empfangt.
Denn es heißt:
Zur Zeit der Gnade habe ich dich erhört,
am Tag der Rettung habe ich dir geholfen.
Siehe, jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade;
siehe, jetzt ist er da, der Tag der Rettung.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Gottes heilvolles Handeln in Jesus Christus wird durch den Apostel Paulus in diesem Abschnitt mit dem Begriff der "Versöhnung" beschrieben. Im Griechischen hat dieser Begriff die Bedeutung von: anders machen, verändern, vertauschen. Es ist die Situation des Menschen, die sich durch Jesus Christus grundsätzlich verändert hat. Er hat stellvertretende Sühne geleistet, damit der Mensch wieder seiner ursprünglichen Ebenbildlichkeit Gottes gerecht wird. Die Verkündigung dieser von Gott in Jesus Christus durchgeführten Versöhnung ist ein wesentlicher Aspekt des Aposteldienstes, wie Paulus ihn versteht. Er sieht sich als "Gesandter an Christi Statt", das heißt: als bevollmächtigter Vertreter, gewissermaßen als Sonderbotschafter seines Herrn. Wenn die Botschaft von der Versöhnung Gottes mit den Menschen ein wesentlicher Inhalt der apostolischen Verkündigung ist, dann ist diese Verkündigung immer auch Ermahnung, nämlich dazu, das Heil und die Gnade Gottes wirklich anzunehmen.
Der zweite Korintherbrief gilt als ein sehr persönliches Schreiben des Apostels Paulus. Leidenschaftlich bemüht er sich, Missverständnisse auszuräumen. Ein Mitglied der Gemeinde war gegen ihm aufgetreten. Da schreibt Paulus einen scharfen, klärenden Brief und trifft dann auf Titus um zu erfahren, ob damit der Wahrheit zum Durchbruch verholfen wurde. Der Völkerapostel lässt immer wieder anklingen, wie engagiert er seine Missionsarbeit macht. Sie bringt ihm viel Leid, Bedrängnis, Entbehrungen und Demütigungen. In der Liebe zu seinen Gemeinden und im festen Vertrauen als Apostel an Christi statt gesandt zu sein, ruft er die Korinther zur Versöhnung auf. Gott hat in Christus neue Maßstäbe gesetzt: "Wenn also jemand in Christus ist, ist er eine neue Schöpfung: das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat".
Der 2. Brief an die Gemeinde von Korinth stammt vermutlich aus der Feder verschiedener Paulus-Schüler, die den Text unter seiner legitimierenden Autorität verfasst haben. Die vorliegende Perikope erzählt von den Motiven der Glaubensverkündigung und stellt das Amt der Verfasser dar als Dienst der Versöhnung. An diesem Dienst soll die ganze Gemeinde sich beteiligen - bis hin in unsere Tage.
Kv - Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre! – Kv
Wenn ihr heute seine Stimme hört,
verhärtet nicht euer Herz!
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit sprach jesus zu seinen Jüngern:
Hütet euch,
eure Gerechtigkeit vor den Menschen zu tun,
um von ihnen gesehen zu werden;
sonst habt ihr keinen Lohn
von eurem Vater im Himmel zu erwarten.
Wenn du Almosen gibst,
posaune es nicht vor dir her,
wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun,
um von den Leuten gelobt zu werden!
Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Wenn du Almosen gibst,
soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut,
damit dein Almosen im Verborgenen bleibt;
und dein Vater, der auch das Verborgene sieht,
wird es dir vergelten.
Wenn ihr betet,
macht es nicht wie die Heuchler!
Sie stellen sich beim Gebet
gern in die Synagogen und an die Straßenecken,
damit sie von den Leuten gesehen werden.
Amen, ich sage euch:
Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Du aber, wenn du betest, geh in deine Kammer,
schließ die Tür zu;
dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist!
Dein Vater, der auch das Verborgene sieht,
wird es dir vergelten.
Wenn ihr fastet,
macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler!
Sie geben sich ein trübseliges Aussehen,
damit die Leute merken, dass sie fasten.
Amen, ich sage euch:
Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haupt
und wasche dein Gesicht,
damit die Leute nicht merken, dass du fastest,
sondern nur dein Vater, der im Verborgenen ist;
und dein Vater, der das Verborgene sieht,
wird es dir vergelten.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Zu Beginn der Fastenzeit hören wir als Evangelium eine Perikope aus der Bergpredigt. An dieser Stelle des Evangeliums geht es Matthäus um den Charakter der Gerechten: Er warnt sie, ihre Gerechtigkeit nicht zur Schau zu stellen und verdeutlicht das anhand dreier Beispiele: Almosen, Beten und Fasten. Der Text liest sich wie eine katechetische Unterweisung. Diese Art sowie die gleichsam einer Karikatur dargestellten fehlbaren Heuchler führen am ehesten zum dem Gedanken, dass diese Worte tatsächlich eher für den Gemeindegebrauch geschrieben wurden: Sie dienten weniger einer authentischen Darstellung der Reden Jesu, sondern vielmehr der Verkündigung seiner Botschaft mitten hinein in die Gemeinde - das galt für die Gemeinde des Matthäus damals und gilt für unsere heute.
Die Fastenzeit besteht nicht darin, dass wir uns einschränken. Die Fastenzeit fordert uns auf, unsere Lebensweise zu überdenken und zu hinterfragen, worauf es ankommt. Es geht nicht um das Äußere. Der Verzicht auf bestimmte Gewohnheiten kann uns helfen, bewusster zu leben.
Worauf kommt es im Leben an? Worauf kommt es in der Fastenzeit an?
Wir sind wieder am Beginn einer besonderen Zeit. Viele Menschen nutzen die Fastenzeit, um auf etwas zu verzichten, viele aus religiösen Gründen, andere aus gesundheitlichen oder anderen persönlichen Gründen. Manche verzichten auf Süßigkeiten, andere auf Fleisch oder Alkohol, wieder andere auf das Auto, manche auf negative Gedanken usw. Das sind alles gute und wertvolle Übungen oder können es zumindest sein. Dazu braucht es, dass ich mich frage, worauf es ankommt.
Einen Hinweis darauf finden wir in der Lesung aus dem Buch Joel: „Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider“, lesen wir da. Es kommt nicht auf das Äußere an, sondern es geht um unser Inneres. Alles, was mir dabei hilft, ganz zu mir zu kommen und mich frei von äußeren Zwängen zu machen, bringt mich Gott ein Stück näher. Bei dieser Freiheit geht es nicht um eine Freiheit „von“, sondern um eine Freiheit „zu“. Ich bin frei, mich meinem Mitmenschen zuzuwenden, wenn ich etwas von meiner Zeit verschenke. Ich bin frei, weniger Fleisch und mehr regionale Produkte zu essen, weil ich solidarisch sein möchte. Ich bin frei, mit Gott ins Gespräch zu kommen, wenn ich mir täglich fünf Minuten Zeit nehme.
Eine Änderung meines Lebensstils lässt mich daran denken, dass meine Handlungen und mein Konsumverhalten Auswirkungen auf andere Menschen haben. So ist für mich Gottes- und Nächstenliebe in der Fastenzeit besonders gut erkennbar. Gott hat es nicht notwendig, dass ich mich für ihn kasteie oder mit Verzichtsübungen quäle. Die Fastenzeit macht mir wieder bewusst, dass ich nicht allein auf dem Weg bin. Auch wenn unsere sozialen Kontakte im persönlichen Bereich noch immer und wahrscheinlich weiterhin eingeschränkt sind, sind wir alle miteinander auf die eine oder andere Art verbunden und vernetzt. Wenn ich mich getragen fühle von einer Gemeinschaft oder einem Kreis, dem ich angehöre, kann ich besser nachvollziehen, dass mein Denken und Handeln Konsequenzen für andere Menschen hat, im Positiven wie im Negativen.
Es kommt nicht auf das Äußere an. Das merken wir heute auch daran, dass im Gottesdienst die Asche nicht in Kreuzform auf meine Stirn gezeichnet, sondern mir auf's Haupt gestreut wird. Diese kleine Änderung im Ritus macht mir wieder neu bewusst, dass Gott mein Inneres erreichen und verwandeln möchte.
Die Offenheit dazu und die Bereitschaft, ihm Zeit zu schenken, wünsche ich uns! Gott schenkt uns die Fastenzeit, nehmen wir sein Geschenk an und lassen wir uns verwandeln und neue Wege gehen! Dann wird jede/r von uns für sich entdecken, worauf es ankommt.
Die Fastenzeit möchte nicht unsere Lebensfreude einschränken, sondern zu neuen Erfahrungen führen, die unser Leben bereichern. Umkehr kann mit einem Wechsel der Blickrichtung beginnen. Wenn wir mit den Augen anderer auf das Leben schauen, werden wir neue Lebensmöglichkeiten entdecken.
Während die im heutigen Evangelium empfohlenen Aktivitäten Beten, Fasten und Almosen geben schon längst in die säkulare Welt ausgewandert sind, hat die Fastenzeit hartnäckig noch immer einen schlechten Ruf. In Wellnessoasen wird fleißig meditiert und gefastet und für Licht ins Dunkel werden Millionen gespendet, aber KirchgängerInnen haben immer noch das Gefühl in diesen sechs Wochen auf Genuss, Spaß und lustvolle Dinge verzichten zu müssen. Sie fragen sich, warum Gott das als Vorbereitung auf Ostern von ihnen verlangt. Solche Gedanken zeigen, dass Missverständnisse darüber, was die Fastenzeit eigentlich ist und sein will, immer noch in den Köpfen der Menschen herum spuken.
Die Vorbilder für diese Zeit sind die Wüstenwanderung des Volkes Israel, nachdem es aus der Sklaverei in Ägypten befreit wurde und die vierzig Fasttage Jesu in der Wüste. Ein Leben in Freiheit einzuüben, das ist eine der Wurzeln der Fastenzeit.
Die andere ist sich zurückzuziehen und über die eigenen Lebensperspektiven nachzudenken. Jesus kehrt aus der Wüste zurück und predigt: Kehrt um und glaubt an das Evangelium.
Die Umkehr ist ein Vorgang und Prozess, der uns die Perspektive wechseln lässt. Wer zum Beispiel bergauf geht und sich umdreht, deren oder dessen Weg führt plötzlich bergab.
Ich möchte sie einladen, das jetzt gleich auszuprobieren: Wenn Sie möchten, stehen Sie bitte auf und drehen sich einfach um. Sie sehen jetzt den hinteren Teil der Kirche. Normalerweise geht unsere Perspektive, wenn wir die Kirche betreten, ja nach vorne. Nehmen Sie wahr, was Sie jetzt sehen können. Vielleicht fällt Ihnen etwas auf, das sie noch nie gesehen haben...
Danke, nehmen Sie jetzt bitte wieder Platz.
Ich lade Sie ein die heurige Fastenzeit einmal unter diesem Aspekt zu sehen. Wo kann ich in meinem Leben umkehren und damit die Perspektive, wie ich gewisse Menschen und Situationen sehe, wechseln? Das gelingt, wenn ich mich auf den Standpunkt eines oder einer Anderen stelle und ihren Platz einnehme.
Einige Beispiele:
Falls Sie an Ihrem Arbeitsplatz in einer leitenden Position sind, putzen Sie einmal nach Dienstschluss die WCs in der Firma und versuchen Sie, den Betrieb aus der Perspektive des Reinigungspersonals zu sehen. Oder falls sie in den untergeordneten Bereichen tätig sind, setzen Sie sich tatsächlich oder in der Vorstellung in den Chefsessel und stellen Sie sich vor, wie das ist, Entscheidungen treffen zu müssen und wichtige Akten zu unterschreiben.
Oder laden Sie Ihre Enkel ein und bitten sie diese, ein Musikstück, das sie gerade hören, mitzubringen. Suchen Sie einen Song, den Sie im selben Alter gehört haben, spielen sie diesen den Enkeln vor und tauschen Sie sich mit ihnen darüber aus, aus welcher Perspektive Sie als älterer Mensch auf das Leben schauen, und wie das bei den jungen Menschen ist.
Leben Sie einen Tag auf der Straße, um zu spüren, wie es Obdachlosen geht oder versuchen Sie eine Woche lang mit fünfzig Euro für die Dinge des täglichen Bedarfs über die Runden zu kommen. Besuchen Sie eine Einrichtung zur Unterstützung von Geflüchteten oder die Probe des Kirchenchores. Melden Sie sich als Begleitperson für einen Schulausflug oder geben Sie einem jungen Menschen Nachhilfe. Besuchen Sie eine Woche lang Personen im Altersheim oder reden Sie mit einer arbeitslosen Person über ihre Gefühle.
Wenn Sie kreativ nach Möglichkeiten suchen und den Vorsatz fassen, jede Woche in einem Bereich ihres Lebens die Perspektive zu wechseln und von einem ungewohnten, vielleicht sogar bedrohlichen Standpunkt aus auf ihr Leben zu schauen, werden Sie Erstaunliches entdecken und damit Ihr Leben bereichern.
Kehrt um und glaubt an das Evangelium, das steht als Motto über der Fastenzeit. Wir sind eingeladen zu entdecken, dass das Leben noch viel mehr zu bieten hat, als in unserem gewohnten Alltag vorkommt. Dadurch könnten wir auch frei werden vom Trott und den eingefahrenen Mustern unseres Lebens. Wir können entdecken, dass wir als Menschen zusammengehören und eine große Familie sind. Und wir könnten entdecken, dass Gottes liebevolle und befreiende Gegenwart in unserer Mitte wirksam ist und uns immer wieder neue Perspektiven eröffnen will. Das ist wirklich eine frohe Botschaft.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine überraschende und interessante Fastenzeit.
© Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt, Theologin, Diözese Linz
Das Fasten und die Fastenzeit können als Neustart für gute Vorsätze dienen. Es geht um Neuorientierung und Umkehr. Das Symbol des Aschenkreuzes erinnert an die Vergänglichkeit aller menschlichen Pläne und lenkt unseren Blick auf das, was Bestand hat.
Fastenzeit - Beginn des österlichen Festkreises - bietet ausreichend Gelegenheit, den persönlichen „religiösen Grundwasserspiegel“ zu messen und zu versuchen, eine Verhaltensänderung, Umkehr durchzuführen, wo es notwendig erscheint. Die Fastenzeit als Neustart für Vorsätze, die sehr oft am Jahresbeginn gefasst, aber dann nur schleppend oder überhaupt nicht gehalten wurden. Vielerorts beklagen wir, dass unser Glaube verdunstet, und tatsächlich kommt es zu merkwürdigen religiösen Begriffsverwechslungen: „Golgotha“ ist keine Zahnpaste und das „Goldene Kalb“ keiner der vielen Filmpreise.
So darf ich Euch jetzt einige ganz sichtbare „Stützpunkte“ vorstellen, die uns durch die Fastenzeit hilfreich den Weg bahnen, die uns auch wieder Einblick schaffen in die Tiefe unseres „religiösen Grundwasserspiegels“.
Bei einer meiner Flugreisen prangte über mir besonders aufdringlich in großen Buchstaben der Hinweis „FASTEN SEAT BELT“. Etwas frei übersetzt heißt das: "Halt dich fest", um Sicherheit und Orientierung für das Wesentliche zu gewinnen, um den Blick auf das Osterfest, auf Tod und Auferstehung des Herrn, auch auf unsere persönliche Vollendung freizubekommen.
Die Lesung dieses Tages aus dem Buch Joel sagt: „Kehrt um zu mir mit ganzem Herzen, mit Fasten, Weinen, Klagen.“ FASTEN als Sicherheit und Orientierungshilfe für unser Leben. WEINEN, die Tränen als reinigende Wirkung. Alles, was unsere Seele belastet an Leid, Versagen, Trauer soll herauskommen. Es tut auch gut, durch KLAGEN Leid, Probleme, Sorgen zu verbalisieren. Unnötiger körperlicher und geistiger Ballast mögen auf diese Weise abgebaut werden.
Die ASCHE erinnert uns daran, dass alles, was wir tun, der Vergänglichkeit unterworfen ist. Heute oder morgen schon werden unsere Gedanken, Worte und Werke absinken in die Nacht des Vergessens. Manchmal ist das sogar sehr gut.
Am KREUZ hat Jesus alles, was unzulänglich ist, durchkreuzt, auch manche unserer Lebenspläne wurden durchkreuzt, was nicht immer aus menschlicher Sicht verständlich ist. Alles Endliche wird durchkreuzt, auch der Tod.
Das ASCHENKREUZ: Lass all deine Sackgassen, deine Sorgen, deine Unvollkommenheit einmünden in das Kreuz Jesu. Lass dich bezeichnen durch die Asche deines Scheiterns, deiner Heucheleien (siehe Evangelium dieses Tages!), deiner Misserfolge, aber mit dem Zeichen des Heils.
ASCHE ist nicht nur Zeichen der Vergänglichkeit, sie dient schon von altersher auch als Reinigungsmittel. Das Realsymbol der Asche ist aber auch Anfrage an uns, was alles in unserem Leben an Plänen, guten Vorsätzen zu Asche geworden ist. Auch die gegenwärtige Krise der Kirche ist Reinigungsmittel, ein Zeichen, mit Hilfe des Heiligen Geistes Ostern entgegenzugehen auf dem Weg der Umkehr.
„Vom Staub bist du genommen, zum Leben berufen“, lautet eines der Worte, die wir mit dem Aschenkreuz empfangen. Aus Staub und Asche entsteht auch neues Leben, ein Hinweis darauf, dass wir auf dem Weg zu einem nie endenden Osterfest sind.
Zwischenzeiten im Alltag des Lebens sind oft Auslöser für eine Neuorientierung, für einen kreativen Wandel. Wie sehr so ein „zeitlicher“ Zwischenraum das Leben im Licht der Auferstehung prägen kann, zeigt die dynamische Auseinandersetzung mit der biblischen Botschaft in der „österlichen Bußzeit“ auf.
Wer denkt schon daran, dass die Zwischenräume im Leben unser Leben letztlich prägen können. Ob es nun Warteräume (wo immer wir warten) sind, die verschiedenen Haltestellen unterwegs oder die Ablageplätze, wo gesucht wird, sind. Diese Zwischenräume, welche ein Geschehen, eine Zeit, mit einem anderen Geschehen, mit einer anderen Zeit verbinden, geben unserem Leben oft eine Wandlung. Denn sie lösen kreative Prozesse aus, wenn wir diese Zwischenzeiten als Möglichkeit, Leben neu zu gestalten, wahrnehmen lernen.
Der Aschermittwoch ist der Beginn einer besonderen Zwischenzeit, der österlichen Bußzeit. Sie schließt nach „40 Tagen“ mit einem „Ruhetag“, dem Karsamstag, ab. Diese Zwischenzeit, oft als Fastenzeit bezeichnet, enthält alles, was Zwischenzeiten, Zwischenräume so im Leben auf sich haben:
- die Hinwendung zu schmerzvollen Zäsuren – im Bild der Asche
- die Erfahrung von Durststrecken – im Bild der Wüste
- das Wahrnehmen von Dunkelheit - im Bild des Grabes.
Diese österliche Bußzeit wird am Karsamstag mit der Einladung zum Gebet in Stille, in Grabesstille abgeschlossen. Dazwischen, also in der Zwischenzeit ist Raum, ist Zeit sich den Zumutungen der biblischen Texte auszusetzen, ihnen nachzugehen. Es ist eine Einladung, die „Fastenzeit“ kreativ, „er“-lösend zu gestalten.
Bilder für diese Zwischenzeiten sind eben das Grab mit seiner Dunkelheit, die Wüste mit ihrer Durststrecke, die Asche als Bild für Zäsur.
Am Beginn der österlichen Bußzeit, heute am Aschermittwoch sind wir zum Gebet eingeladen.
„Wenn ihr betet...“, so hörten wir im Evangelium und „So sollt ihr beten...“, heißt es ein paar Verse weiter im Vaterunser:
Dein Name..., dein Reich... lässt uns hoffen:
Gib uns... Und erlass uns... Und führe uns... Dann werden auch wir...
Dies alles sind „Wandlungsworte“ der anderen Art. Sie nennen beim Namen, was uns in der kommenden liturgischen Zwischenzeit Kraft und Zuversicht gibt, unser Leben neu auszurichten.
Dass wir an dieser Zwischenzeit mit ihren Erinnerungen an unsere Schattenseiten im Leben, auch wachsen können, ist beabsichtigt. Joop Roeland macht darauf aufmerksam, wenn er schreibt:
"Ach Mensch: Du bist für das Leben bestimmt. Kehre um und glaube an das Evangelium.
In den Zwischenräumen unseres Lebens müssen wir uns orientieren, vielleicht neu orientieren lernen, können oft mit Hergebrachtem nichts anfangen, sind dadurch unsicher, verlieren die Macht, die Kontrolle über Gewohnheiten, lassen wir los."
Die Bilder von Grab, Wüste und Asche sind es, die uns in den Zwischenräumen des Lebens begegnen:
Grab – so manches tragen wir dann zu Grabe, Schmerz, Verlassenheit und Trauer sind da die Begleiter. Die Dunkelheit mitten im Leben ist zum „davonrennen“. Dem Tod ausweichen ist oft die Strategie, um ihn nicht annehmen zu müssen als einen Teil des Lebens.
Wüste – Strecken, die uns dürsten lassen nach dem Wasser des Lebens, die das Überleben schwierig machen. Einsamkeit, innere Kämpfe, Zweifel - all das sind Erfahrungen, denen wir gerne ausweichen. Die innere Leere ist schwer auszuhalten.
Asche – die Welt des grauen Alltags, das Einerlei verlassen, weil die Sehnsucht nach mehr im Leben uns treibt. Zerstört so manche Träume, leblos die Beziehungen, trist die Zukunft. Wer kennt das nicht, wer will schon so leben?
Wir haben 40 Tage Zeit, geschenkte Zwischenzeit...
- in der wir finden können, was wir zum Leben brauchen
- in der wir suchen können nach dem, was uns Hoffnung gibt
- in der wir gefunden werden können, weil wir uns auf den Weg machen und anderen begegnen.
Die kommenden sechs Sonntage, die diese Zwischenzeit unterbrechen, sind ein Vorgeschmack auf Ostern, auf das Fest der Auferstehung. Sie erinnern uns an das österliche Geschehen, das zum entscheidenden Durchbruch des Lebens führt.
„Seine, Jesu, Auferstehung gehört nicht der Vergangenheit an; sie birgt eine Lebenskraft, die die Welt durchdrungen hat. Wo alles tot zu sein scheint, sprießen wieder überall Anzeichen der Auferstehung hervor. Es ist eine unvergleichliche Kraft.“
(Aus dem Schreiben von Papst Franziskus „Freudige Nachricht“)
Die Fastenzeit gibt uns Gelegenheit, unser Leben zu überprüfen und zu korrigieren. Die Zusagen der Lesung geben uns Kraft und Halt dazu.
Die Fastenzeit kann Anlass sein, die nicht eingehaltenen Neujahrsvorsätze wieder aufzunehmen. Es geht jedoch vielmehr um eine geistige/geistliche Erneuerung: Wir sollen österliche Menschen werden: ohne Heuchelei Barmherzigkeit üben. Das Aschenkreuz ist Zeichen unserer Umkehr und unserer Hoffnung.
Die Asche, mit der wir uns am Aschermittwoch bekreuzigen lassen, ruft uns zur Umkehr. Wie Umkehr erfolgen soll, zeigen uns die Lesungen des Tages.
Wer fastet, der hat die Chance, sich selbst zu überraschen: Fällt es mir leicht, sieben Wochen auf Schokolade zu verzichten? Ist mein Leben anders, wenn ich keinen Rotwein trinke? Was entdecke ich, wenn ich täglich einen Psalm lese? Wie verändert sich mein Leben, wenn ich den Menschen in meiner Lebens- und Arbeitsumgebung aufmerksamer und wohlwollender begegne? Die Fastenzeit bietet ungeahnte Möglichkeiten, denn: Wer fastet, der schafft sich selbst neue Freiräume, wird ein neuer Mensch.
"Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehrst." So lautet die Formel, während uns das Aschenkreuz auf die Stirn gezeichnet wird. Ziemlich eindeutig macht der Aschermittwoch klar, dass auch die Endlichkeit unseres Lebens sich mitten im Leben abspielt. Das Bewusstsein unserer Endlichkeit verweist uns so radikal auf die Einzigartigkeit unseres Lebens. Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit, eine Zeit bewusster Aufmerksamkeit für unser Leben.
In der Bibel ist Fasten oft nicht Sache eines oder einer Einzelnen, sondern es steht für die Umkehr einer ganzen Gesellschaft. Fasten steht in der Tradition auch dafür, gegen gesellschaftliche Missstände anzugehen. "Nein, das ist ein Fasten wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulasen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen." (Jesaia 58,6-7).
Jesaia fordert, den Mitmenschen zu sehen und ihm zu helfen, wieder mehr zu sehen, wo Hilfe nötig ist, mehr zu hören, wenn jemand bittet, wieder mehr zu fordern, wenn Ungerechtigkeit sich breitmacht, sein Leben einzusetzen für eine mögliche bessere Welt. Fasten ist keine Privatsache, sondern berührt uns und unsere realen gesellschaftlichen Verhältnisse, lenkt das Augenmerk auf unser Tun und unser Umfeld. Fasten heißt hier, Ungerechtigkeit wahrzunehmen und die möglichen eigenen Schritte zu setzen, sich mit anderen zu solidarisieren, Unrecht sichtbar zu machen und an der Veränderung mitzugestalten. Fasten bedeutet, die Welt, die Menschen, vor allem die Geknechteten und Leidenden zu sehen und menschenfreundlich zu handeln. Denn die biblische Zusage ist ein Leben in Fülle für alle, gutes Leben für alle. Das kann nur gelingen, wenn wir im Mitmenschen unseren Bruder, unsere Schwester sehen und ihnen barmherzig und wohlwollend begegnen.
Gleichzeitig ist es auch wichtig, uns selbst in den Blick zu nehmen, wie es Bernhard von Clairvaux (1091-1153) beschreibt:
GÖNNE DICH DIR SELBST!
Wenn du dein ganzes Leben und Erleben
völlig ins Tätigsein verlegst
und keinen Raum mehr für Besinnung vorsiehst,
soll ich dich da loben?
Wie kannst du voll und echt Mensch sein,
wenn du dich selbst verloren hast?
... Denk also daran: Gönne dich dir selbst
Fasten verändert also Leben, das eigene und das der Mitmenschen. Veränderung braucht Neubesinnung, Offenheit und den Mut, sein Leben auf- und auszuräumen. Wer Fülle will, muss leer werden. Mit vollen Händen kann man nichts empfangen. Fasten fordert auf, unser Leben großzügig zu teilen.
Das mittelhochdeutsche Wort "vasten" bedeutet "(fest-)halten, beobachten, bewachen." Die Fastenzeit regt uns an, uns und unserer Umgebung die gebührende Aufmerksamkeit und Wachsamkeit zu schenken. 40 Tage können wir uns immer wieder Zeitgeschenke gönnen in einer Welt der Turbulenzen und Hochgeschwindigkeit. Hier tut ab und zu auch Stille gut. Denn Stille ist eine Erholungsreise fürs Gehirn. Leben wird uns geschenkt, mit jedem Atemzug neu. Das kann uns gerade in der Fastenzeit wieder mehr bewusst werden. Genießen wir jeden Atemzug und Augenblick in Dankbarkeit. Jede Minute ist eine unbezahlbare Kostbarkeit.
Fasten verdichtet unser Leben, kann uns helfen, den Blick freizugeben auf das Wesentliche unseres Lebens. Was wollen wir wirklich? Was brauchen wir wirklich? Wir können bewusster konsumieren, im Zweifelsfalle weniger.
Die FASTEN-ZEIT lädt uns ein, "7 Wochen anders zu leben".
7 Wochen unseren Stärken Raum geben, unseren Fähigkeiten nachspüren und sie mit anderen zu teilen. Ich bin wichtig und wertvoll, ich nehme mir Zeit für mich und andere. Wir können auch bewusst das wahrnehmen, was uns im Leben Gutes begegnet.
7 Wochen Zeitgeschenk einmal im Jahr als Unterbrechung des Gewohnten und Alltäglichen sind eine tolle Sache.
7 Wochen bewusst den Kontakt mit Freunden und Freundinnen pflegen, mit unseren Ideen andere anstecken. Denn wo zwei oder drei gemeinsam etwas teilen wird es lebendiger und lustvoller. In der Gemeinschaft finden wir Unterstützung, können uns Kraft holen, finden ein Ohr für Gespräche, dürfen auf Unterstützung hoffen, können uns auch in vermeintlich schwierigen Situationen Mut machen.
7 Wochen unseren Mitmenschen freundlich begegnen, denn unsere Haltung, unsere Einstellung, unser Gesichtsausdruck, unsere Gedanken verändern uns und die anderen. Lächle deinen Mitmenschen zu. Das verändert, erstmal schon dich und mit Sicherheit auch dein Gegenüber. Und im Übrigen ist Lachen, ein Lächeln gut gegen Falten.
7 Wochen haben wir Zeit, unserer Seele auf den Grund zu gehen, unserer Mitte nachzuspüren, unserem Leben, unseren Herzensangelegenheiten Frei-Raum zu geben. 7 Wochen haben wir Zeit zu überlegen, worauf wir in unserem Leben verzichten möchten, um dadurch Leben und Lebendigkeit zu gewinnen, zum Beispiel nur mehr jeden zweiten Tag oder einmal die Woche die E-mails abrufen, oder gar erst wieder nach Ostern, uns einen fernsehfreien Abend pro Woche gönnen, keine Tageszeitung mehr lesen, dafür 5 Minuten in die Luft schauen und uns am Leben freuen, ab und zu zu Fuß gehen und das Auto stehen lassen und dadurch unsere Umgebung neu wahrnehmen ...
7 Wochen ohne das eine und dafür Platz für Neues, für das, was ich mich bisher nicht getraut habe. 7 Wochen Zeit für "Gutes Leben". Verzichten wir auf das, was uns gefangen nimmt oder belastet, auf die unangenehmen Dinge. Lassen wir das sein, was uns nicht lustig ist im Leben, dann bleibt uns mehr Zeit für das über, was unser Leben ausmacht, was uns gut tut und unsere Lebendigkeit fördert. Spüren wir in uns hinein, was uns gut tut. Denn nur wer sich selbst gut versorgt, kann auch gut auf andere schauen.
Wir haben mit der Fastenzeit die Chance, Neues zu wagen, Vertrautes mit einem neuen Blick zu sehen, für ein paar Wochen auf Gewohntes zu verzichten, um etwas anderes zu wagen oder Altem wieder neue Räume zu eröffnen. Manche Freiräume laden auch ein zum süßen Nichtstun, einfach sein, einfach alles für eine Weile sein lassen. Vielleicht stellen wir in der Veränderung auch eine innere Unruhe fest ...
Müssen wir wirklich ...
... sofort antworten, wenn wir eine Mail bekommen haben?
... beim Handy abheben, wenn es läutet?
... immer freundlich sein, auch wenn uns nicht danach ist?
... zu einer Veranstaltung gehen, obwohl wir keine Lust haben?
... zustimmen, obwohl unser Herz was anderes flüstert?
... viel arbeiten, damit alle mit uns zufrieden sind?
Ich will zu mir stehen und das tun, was mir entspricht, meinem Herzen folgen. Und mir immer wieder die Frage stellen: Was möchte ich von HERZEN gerne tun? Nehmen wir uns Fasten-zeit. Wagen wir die Veränderung! Gehen wir einfach los! Entdecken wir unsere Sehnsüchte und Hoffnungen neu und geben ihnen Raum! Raum zum Leben. Was möchten wir tun? Wovon möchten wir uns verabschieden?
Und: keine Angst vor dem Scheitern: Wenn wir ein Vorhaben nicht schaffen, beginnen wir am nächsten Tag einfach von Neuem. Nähren wir unsere Freuden täglich neu. Denn die Seele nährt sich von dem, was ihr Freude macht.
In diesem Sinne kann uns die kommende Fastenzeit Anstoß sein, uns wertvolle, wesentliche Augenblicke und aufmerksame Wahrnehmungen zu gönnen im Gehen auf Ostern hin, dem Fest der Auferstehung und der Neuausrichtung. Möge uns unsere Ausrichtung aufeinander zu immer wieder neu gelingen, damit der Geist der Menschenfreundlichkeit immer mehr Platz greife.
Autor: Mag. Fritz Käferböck-Stelzer, Leiter Treffpunkt mensch & arbeit, Nettingsdorf
Liedvorschläge:
GL 142: Zu dir, o Gott erheben wir die Seele voll Vertrauen
GL 161: Du rufst uns, Herr, trotz unsrer Schuld
GL 266: Bekehre uns, vergib die Sünde
GL 267: O Mensch, bewein dein Sünde groß
GL 268: Erbarme dich, erbarm dich mein
GL 269: Du Sonne der Gerechtigkeit
GL 271: O Herr, aus tiefer Klage erheb ich mein Gesicht
GL 272: Zeige uns, Herr, deine Allmacht und Güte (3. Str.)
GL 273: O Herr, nimm unsere Schuld
GL 274: Und suchst du meine Sünde, flieh ich von dir zu dir
GL 275: Selig, wem Christus auf dem Weg begegnet
GL 277: Aus tiefer Not schrei ich zu dir
GL 385,2: Nicht sterben werd ich, sondern leben
GL 422: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr
GL 427: Herr, deine Güt' ist unbegrenzt
GL 428: Herr, dir ist nichts verborgen
GL 437: Meine engen Grenzen
GL 440: Hilf, Herr, meines Lebens
GL 448: Herr, gib uns Mut zum Hören
GL 464: Gott liebt diese Welt
GL 485: O Jesu Christe, wahres Licht
GL 638: Nun ist sie da, die rechte Zeit
GL Ö815: Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt
GL Ö814: O höre, Herr, erhöre mich
Psalmen und Kehrverse:
GL 276: Verbirg dein Gesicht vor meinen Sünden, erschaffe mir ein reines Herz - Mit Psalm 103 (GL57,2) - II.
GL 301: Ein reines Herz erschaffe mir, o Gott - Mit Psalm 1 (GL 31,2) - IV.
GL 511: Aus der Tiefe rufe ich zu dir, höre, o Herr, meine Stimme. - Mit Psalm 90 (GL 50,2) - I.
GL 517: Der Herr vergibt die Schuld und rettet unser Leben - Mit Psalm 1 (GL 31,2) - IV.
GL 639: Erbarme dich meiner, o Gott, erbarme dich meiner - Mit Ps 51 - IV.
GL 640,1: Herr, unser Gott bekehre uns
Mit der Feier des Aschermittwochs machen wir uns auf den Weg zum Osterfest. Unsere Zeit ist geprägt von Unsicherheit, Sorgen und Ängsten. Gehen wir gemeinsam und vertrauensvoll auf Ostern zu und nutzen die Fastenzeit, um uns auf das zu besinnen, was wesentlich ist im Leben und auf den, der uns immer wieder neu zur Umkehr einlädt: Jesus Christus. Zu ihm rufen wir:
Herr Jesus Christus,
du bist mit uns auf dem Weg.
Kyrie eleison.
Herr Jesus Christus,
dein Wort schenkt uns Kraft.
Christe eleison.
Herr Jesus Christus,
du öffnest unsere Herzen für deinen Ruf.
Kyrie eleison.
Die Fastenzeit ist ein Angebot zur Versöhnung. Eindringlich mahnt der Apostel Paulus, dass wir uns zur Versöhnung mit Gott, mit uns selber und mit unseren Mitmenschen durchringen sollen. Das ist nicht einfach, deshalb rufen wir das Erbarmen Jesu an:
Jesus, durch deinen Tod und deine Auferstehung hast du Versöhnung für alle möglich gemacht. Herr, erbarme dich unser.
Jesus, du hast uns Gottes bedingungslose Gnade zugänglich gemacht.
Christus, erbarme dich unser.
Jesus, du bist der Retter der Welt.
Herr erbarme dich unser.
© Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt, Theologin, Diözese Linz
Getreuer Gott, im Vertrauen auf dich
beginnen wir die vierzig Tage der Umkehr und Buße.
Gib uns die Kraft zu christlicher Zucht,
damit wir dem Bösen absagen
und mit Entschiedenheit das Gute tun.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Aschermittwoch
Barmherziger Gott,
du bist den Demütigen nahe
und lässt dich durch Buße versöhnen.
Neige dein Ohr unseren Bitten
und segne + alle, die gekommen sind,
um das Aschenkreuz zu empfangen.
Hilf uns, die vierzig Tage der Buße
in rechter Gesinnung zu begehen,
damit wir das heilige Osterfest
mit geläutertem Herzen feiern.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Aschermittwoch
Oder:
Herr und Gott,
du willst nicht den Tod des Sünders,
du willst, dass er sich bekehrt und lebt.
Erhöre gnädig unsere Bitten:
Segne + diese Asche, mit der wir uns bezeichnen lassen,
weil wir wissen,
dass wir Staub sind und zum Staub zurückkehren.
Hilf uns, die vierzig Tage der Buße in rechter Gesinnung zu begehen.
Verzeih uns unsere Sünden.
Erneuere uns nach dem Bild deines Sohnes
und schenke uns durch seine Auferstehung das unvergängliche Leben.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Aschermittwoch
Oder:
Gott, du willst nicht unseren Tod und unser Verderben.
Du willst, dass wir umkehren und leben.
Erhöre unser Gebet und segne + diese Asche,
mit der wir uns bezeichnen lassen.
Hilf uns nach deinem Wort zu leben,
erneuere uns durch Jesus Christus, deinen Sohn,
und lass uns ihm immer ähnlicher werden.
Schenke uns durch seine Auferstehung
unvergängliches Leben bei dir.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus, unseren Herrn.
Ich lade Sie ein, nach der Segnung der Asche das Aschenkreuz zu empfangen unter folgenden Gedanken.
Die Asche sprach:
Einmal war ich Glut, war ich Leben, Liebe, Leidenschaft - .
und jetzt? Jetzt bin ich Asche.
Ja, ich war einmal jemand -
ich wurde bewundert, war angesehen, beliebt und gefragt.
Jetzt bin ich nur noch Asche.
Da meldete sich Gott zu Wort und sprach:
Auf die Glut kommt es bei mir an.
Hast du geglüht?
Hast du dich in Liebe verschenkt, verausgabt, hingegeben wie Jesus?
(Quelle unbekannt, frei nacherzählt)
Die Liebe Jesu, die ihn für uns bis an Kreuz gehen ließ,
richtet auf und erweckt zu neuem Leben.
Empfangen wir das Aschenkreuz mit dieser Zuversicht.
Gott schenkt uns die vierzig Tage als Zeit der Besinnung und Umkehr.
Mit unseren Bitten kommen wir zu ihm:
Für alle Verantwortlichen in Politik, Wissenschaft und Medizin, die in dieser Zeit schwierige Entscheidungen treffen müssen.
Für alle Menschen, die sich für die Fastenzeit vorgenommen haben, ihren Lebensstil und dessen Auswirkungen auf andere zu bedenken.
Für alle, die aufgrund der Corona-Krise gesundheitliche, finanzielle oder psychische Probleme haben.
Für alle, die sich immer wieder neu auf die Suche nach Gott machen.
Für alle, die sich für geflüchtete Menschen engagieren und ihre Stimme für die Armen erheben.
Für alle Verstorbenen und besonders für jene, die an Corona verstorben sind.
Guter Gott, du bist und bleibst uns nahe.
Dafür danken wir dir heute und alle Tage unseres Lebens. - Amen.
Barmherziger und gütiger Gott am Beginn dieser Fastenzeit bitten wir dich:
Für jene, die fasten müssen, weil sie nicht genug zum Leben haben.
Für jene, die in der Hektik ihres Alltages keine Ruhe für Gebet und Meditation finden.
Für jene, die jetzt in der Fastenzeit für Hilfsorganisationen spenden.
Für alle, die Gutes tun, aber niemand bemerkt es.
Für jene, die unversöhnt mit Gott, sich selbst oder ihren Mitmenschen sind.
Für alle, die in dieser Fastenzeit umkehren und damit neue Perspektiven gewinnen möchten.
Für unsere Verstorbenen und ihre Angehörigen
Gott du bist treu und gut.
Wir vertrauen dir alle unsere Sorgen und Anliegen an mit Jesus unserem Bruder und Herrn. – Amen.
© Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt, Theologin, Diözese Linz
Herr, unser Gott,
zu Beginn der heiligen vierzig Tage bringen wir dieses Opfer dar
und bitten dich: Hilf uns, umzukehren
und Taten der Buße und der Liebe zu vollbringen,
damit wir unseren bösen Neigungen nicht nachgeben.
Reinige uns von Sünden
und mache uns fähig,
das Gedächtnis des Leidens unseres Herrn Jesus Christus
mit ganzer Hingabe zu begehen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Aschermittwoch
Kehrvers:
Lobe den Herrn, meine Seele!
(GL 58,1)
Guter Gott,
wir kommen zu dir, um dir zu danken
und deine barmherzige Liebe zu preisen.
Du hast den Menschen, als er sich von dir abgewandt hat,
nicht verstoßen, sondern auf einen Weg geführt,
auf dem er die Tiefe deiner Weisheit und Liebe zu verstehen begann.
Kehrvers
Du hast immer wieder mit den Menschen einen Bund geschlossen
und schließlich Israel zu deinem heiligen Volk erwählt.
Wann immer es deinen Bund verlassen hat,
hast du ihm Propheten gesandt,
damit sie die Herzen der Menschen wieder dir zuzuwenden.
Kehrvers
Jesus von Nazareth hat den Bund mit deinem Volk erneuert.
Er hat uns an seiner innigen Verbundenheit mit dir teilhaben lassen
und uns den Heiligen Geist gesandt,
durch den auch wir dich Vater nennen.
Er hat uns mit dir, heiliger Gott und Vater, versöhnt
und ruft uns zur Umkehr,
wo immer wir von deinen Wegen abgewichen sind.
Kehrvers
Wir danken dir für die Gnade und Barmherzigkeit,
mit der du uns begegnest
und die uns die Kraft gibt, auch einander zu vergeben
und auf den Weg zurück zu kehren, den Jesus Christus mit uns geht.
Wir stimmen ein in den Lobgesang aller Menschen,
die deine Größe erkannt haben,
und singen mit den Engeln und Heiligen dein Lob:
Danklied, z. B. "Mein ganzes Herz erhebet dich..." (GL 143)
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen deinen heiligen Namen.
Denn jetzt ist die Zeit der Gnade,
jetzt sind die Tage des Heiles.
Du hilfst uns, das Böse zu überwinden,
du schenkst uns von neuem die Reinheit des Herzens.
Du gibst deinen Kindern die Kraft,
in dieser vergänglichen Welt
das unvergängliche Heil zu wirken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir dich
in deiner Kirche und vereinen uns
mit den Engeln und Heiligen zum Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig...
MB Fastenzeit 2
Wer über die Weisung des Herrn nachsinnt bei Tag und Nacht,
bringt seine Frucht zur rechten Zeit.
(Ps 1,2-3)
Oder:
Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade;
jetzt ist er da, der Tag der Rettung.
(2 Kor 6,2b)
So satt wie heute waren wir noch nie -
aber auch noch nie
so unersättlich
So reich an allem waren wir noch nie -
aber auch noch nie
so arm
So eng beisammen wohnten wir noch nie -
aber auch noch nie
so weit weg voneinander
So versichert waren wir noch nie -
aber auch noch nie
so unsicher
So viele Sprachen konnten wir noch nie -
aber auch noch nie
so wenig gute Worte
So viele Möglichkeiten hatten wir noch nie -
aber auch noch nie
so wenig Freude
Fasten heißt auch:
Chancen nutzen
Möglichkeiten ergreifen
Hindernisse überwinden
Gutes tun
neu beginnen
Ich kann fasten
und dabei nur mich selber suchen.
Ich kann beten und zum Gottesdienst gehen
und nur um mich selber kreisen,
um mich und um mein Wohlergehen.
Mein Fasten und mein Beten,
mein Gottesdienstbesuch
wollen und sollen mich verändern,
wollen senden und einladen
die Welt und die Menschen neu zu sehen.
Ich bin eingeladen
von Gott persönlich -
mich zu verändern und senden zu lassen,
hin zu meinen Schwestern und Brüdern,
zu den Bedürftigen und Geringen.
Mein Fasten und mein Beten
soll etwas verändern
in mir
und bei denen,
die diese Welt mit mir teilen.
Barmherziger Gott,
stärke uns durch dieses heilige Mahl,
damit wir fasten können, wie es dir gefällt,
und durch die Feier dieser Tage Heilung finden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Aschermittwoch
Gott,
unter deinem Segen gehen wir auf dem Weg des Neubeginns
dem Osterfest entgegen.
Schenke du uns dazu die Kraft,
mit der du deinen Sohn
vierzig Tage durch die Wüste geführt hast.
Das erbitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
Bald wie ein Sommermorgen, bald Sonne im Zenit,
Bald eine Regenwolke, die durch meinen Himmel zieht,
Bald schweigsam und verschlossen, überschäumend gleich danach,
Sie ist der dunkle Bergsee, und sie ist der helle Bach.
Geheimnisvoll, dazu an Überraschungen so reich,
Sie ist so wie ich sag‘ und auch das Gegenteil zugleich.
Asche und Glut,
Schwarz oder weiß,
Lava und Eis,
Ebbe und Flut.
Sie ist wie ein Bild im Kaleidoskop, das kaum geseh‘n
In bunte Scherben fällt, um neu und schöner zu entsteh‘n.
Und ihre Seele hat so viele Farben wie das Licht,
Das sich in Tauperlen im Gras als Regenbogen bricht,
Wie schillernde Akkorde aus einer Sphärenmusik,
Und ich, ich liebe jeden Stein in diesem Mosaik!
Ich hab‘ manches gelernt von ihr, und lerne doch nie aus,
Je mehr ich weiß, desto weniger werd‘ ich schlau daraus.
Sie ist mir oft ein Rätsel, doch ich komme zu dem Schluß,
Daß ich nicht jedes Rätsel auf der Welt verstehen muß.
Ein Buch mit sieben Siegeln, doch ich rühre nicht daran,
Solang ich in der Wärme ihrer Liebe leben kann!
Reinhard Mey
Wohlauf, mein Herz und all mein Mut,
und such das Gut ob allem Gut!
Was das nicht ist, das schätz gar klein
Und sehn dich allzeit wieder heim.
Du hast doch hier kein Bleiben nicht,
ob’s morgen oder heut geschieht.
Da es denn anders nicht mag sein,
so flieh der Welte falschen Schein.
Bereu dein Sünd und beßre dich,
als wolltst du morgn gen Himmelreich.
Ade, Welt, Gott gesegne dich!
Ich fahr dahin gen Himmelreich.
1
Staub und Asche
verherrlichen dich nicht.
Du hast es doch nicht nötig,
daß ich sterbe.
2
Heile mich. Heile mich nicht.
Was nicht sein kann, kann nicht sein.
Heile mich von meiner Angst.
3
Ich habe noch so Vieles nicht gesehn.
Es gibt Menschen, die ich liebe.
Ich kann es nicht glauben. Warum
hast du mich verlassen?
4
Ende noch nicht in Sicht.
Ich sehe Licht. Ich fühle Schmerz.
Schmerz, der mich schafft.
Der ich sterben muß,
einsam wie wir alle.
5
Sende den Engelo
des letzten Trostes,
die Augen eines Menschen.
Enthalte mir den einen
Menschen nicht vor, der sagt:
hier bin ich.
6
Weck meine Milde wieder auf,
Gib mir zurück
die Augen eines Kindes.
Daß ich sehe, was ist,
und mich anvertraue
und das Licht nicht hasse.
7
Weil du es bist,
größer als mein Herz,
der mich gesehen hat,
eh ich geboren wurde.
Lasset uns mit Jesus ziehen,
seinem Vorbild folgen nach,
in der Welt der Welt entfliehen,
auf der Bahn, die er uns brach,
immer fort zum Himmel reisen,
irdisch noch schon himmlisch sein,
glauben recht und leben rein,
in der Lieb den Glauben weisen.
Treuer Jesu, bleib bei mir,
gehe vor, ich folge dir.
Lasset uns mit Jesus leiden,
seinem Vorbild werden gleich;
nach dem Leide folgen Freuden,
Armut hier macht dorten reich,
Tränensaat, die erntet Lachen;
Hoffnung tröste mit Geduld:
Es kann leichtlich Gottes Huld
aus dem Regen Sonne machen.
Jesu, hier leid ich mit dir,
dort teil deine Freud mit mir.
Lasset uns mit Jesus sterben;
sein Tod uns vom andern Tod
rettet und vom Seelverderben,
von der ewiglichen Not.
Lasst uns töten hier im Leben
unser Fleisch, ihm sterben ab,
so wird er uns aus dem Grab
in das Himmelleben heben.
Jesu, sterb ich, sterb ich dir,
dass ich lebe für und für.
Lasset uns mit Jesus leben.
Weil er auferstanden ist,
muss das Grab uns wiedergeben.
Jesu, unser Haupt du bist,
wir sind deines Leibes Glieder
wo du lebst, da leben wir;
ach erkenn uns für und für,
trauter Freund, als deine Brüder!
Jesu, dir ich lebe hier,
dorten ewig auch bei dir.
O Herr, nimm dieses Herz von Stein
und gib mir ein menschliches Herz:
ein Herz, dich zu lieben und zu verehren,
ein Herz, in dir mich zu freuen,
dich nachzuahmen
und dir zu gefallen um Christi willen!
Ambrosius von Mailand in: Gebete großer Menschen. Zusammengestellt von Sr. M. Lucia OCD. Styria Verlag, Graz Wien Köln 1978.
Der Mensch ist bald vergessen,
Der Mensch vergißt so bald,
Der Mensch hat nichts besessen,
Er sterb jung oder alt.
Der Mensch ist bald vergessen,
Nur Gott vergißt uns nicht,
Hat unser Herz ermessen,
Wenn es in Schmerzen bricht.
Wir steigen im Gebete
Zu ihm, wie aus dem Tod,
Sein Hauch, der uns durchwehte,
Tat unserm Herzen not.
Achim von Arnim in: Hans-Rüdiger Schwab, Gott im Gedicht. Ein Streifzug durch die deutschsprachige Lyrik. Tops Verlag, Kevelaer 2007.
Stille lass mich finden, Gott, bei dir.
Atem holen will ich, ausruhn hier.
Voller Unrast ist das Herz in mir,
bis es Frieden findet, Gott, in dir
Lassen will ich Hast und Eile,
die mein Tagewerk bestimmen,
die mich ständig weitertreiben.
Innehalten will ich, rasten.
Will vergessen, was die Augen,
was die Sinne überflutet,
diese Gier: Das muss ich sehen.
Ruhen sollen meine Augen.
Lassen will ich alles Laute,
das Gerede und Getöne,
das Geschrei und das Gelärme.
Schließen will ich Mund und Ohren.
Will vergessen meine Sorgen:
Was ist heut und was wird morgen?
Ich bin ja bei dir geborgen,
du wirst allzeit für mich sorgen.
Stille lass mich finden, Gott, bei dir.
Atem holen will ich, ausruhn hier.
Voller Unrast ist das Herz in mir,
bis es Frieden findet, Gott, in dir.
zum Kern vordringen
prüfen ob
die Ehrlichkeit ehrlich
der Fuß geerdet
das Bild real
die Offenheit offen
nicht verführbar sein
für Projektion Ideologie
Geltungssucht Rechthaberei
Übertreibung
kein seichter Talkshowmaster werden
den so genannten Großen schmeichelnd
nicht devot Ruf und Mammon folgen
und Begegnungen
zu Seifenopern
verkommen lassen, ach nein
mit Tiefe denken reden
gelassen altern
einfach aufrichtig schlicht
die kleinen Kreise ziehn
die Not und Sorge
im eigenen Quadratkilometer
erkennen wollen
hilfsbereit Hand anlegen
ohne Aufhebens
das Gold der Stille schätzen lernen
schillernd aus trübem Alltag
Feste machen
und Sekunden für die wahren
Wunder halten
Aus: Iris Mandl-Schmidt, Schaff meinen Gedanken einen Weg. Gebete ins Konkrete. Matthias-Grünewald-Verlag Mainz 2001.
Gott, du Schöpfer und Herr der Zeiten,
nach der Zeit fröhlicher Ausgelassenheit
wird uns bewusst, was unser Leben beschwert:
Anfechtungen durch Leiden und Tod,
Verstrickungen in Schuld,
Enttäuschungen durch Verletzungen.
Stärke uns in dunklen Stunden
Mit der Hoffnung auf deine Zukunft.
Das bitten wir dich im Namen Jesu Christi.
Aschermittwoch, in: Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die Evangelische Kirche der Union und für die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschland, Berlin 1999, S. 293.
FLUGSAND der Stunden. Leise fortwährende Schwindung
auch noch des glücklich gesegnetes Baus.
Leben weht immer. Schon ragen ohne Verbindung
die nicht mehr tragenden Säulen heraus.
Aber Verfall: ist er trauriger, als der Fontäne
Rückkehr zum Spiegel, die sie mit Schimmer bestaubt?
Halten wir uns dem Wandel zwischen die Zähne,
dass er uns völlig begreift in sein schauendes Haupt.
Rainer Maria Rilke, in: Die Gedichte, Itb 2246, Frankfurt-Leipzig: Insel 1998, 945.
Wohl dem Mann, der nicht dem Rat
der Marketingfachleute folgt
Der nicht in die Fallen
ihrer politischen Propaganda tritt
Und der nicht für den von Verbrechern
finanzierten Kandidaten stimmt
Sondern Freude hat auf den Wegen
des Reiches Gottes
Und nach seinen Zeichen Ausschau hält
Am Tag und in der Nacht.
Er ist wie eine Bananenstaude
Die stirbt und von Neuem geboren wird
Und erst ganz verschwindet
Wenn sie schon viele Früchte getragen hat.
Nicht so die Schlechten;
Ihre populistischen Versprechungen
widern das Volk an
Ihr Doppelleben wird eines Tages aufgedeckt.
Denn den Herrn täuschen sie nicht
Und eines Tages werden sie es erfahren:
Dass
In Gott seinen Nachhall findet,
was sie dem Armen antun.
Nach Psalm 1
Alfonso M. L. Soares (Sao Paulo), in: Psalmen der Völker, hrsg. vom Missionswissenschaftliches Institut Missio e.V., Aachen 2007, S. 46f.
Das Glück ist eine leichte Dirne,
Und weilt nicht gern am selben Ort;
Sie streicht das Haar dir von der Stirne
Und küsst dich rasch und flattert fort.
Frau Unglück hat im Gegenteile
Dich liebefest ans Herz gedrückt;
Sie sagt, sie habe keine Eile,
Setzt sich zu dir ans Bett und strickt.
Heinrich Heine, in: 100 Gedichte, hrsg. Jan-Christoph Hauschild, Berlin: Aufbau 2002, 127.
Sie werden wissen
wann es Zeit ist
sie zur Welt zu bringen,
die neue Schöpfung.
Oh Gott sei Du Hebamme unserer Träume,
mach Hebammen aus uns allen.
Sie müssen wissen
genau, was es heißt pressen,
Sie müssen wissen
wie hart pressen, wenn etwas Neues
dabei ist, geboren zu werden.
Oh Gott sei Du Hebamme unserer Hoffnungen,
mach Hebammen aus uns allen.
Sie müssen wissen
wie die Nabelschnur abschneiden
und wie man loslässt,
was schon vergangen ist,
weil das, was sein wird,
anders sein wird,
und es wird nötig sein,
sich einige Zeit zu nehmen,
um sich daran zu gewöhnen.
Oh Gott sei Du Hebamme unserer Freiheit,
mach Hebammen aus uns allen.
Wie gut ist es
den Traum zur Welt zu bringen.
Ermögliche uns, ihn wach zu halten
bis er sich erfüllt.
Oh Gott sei Du Hebamme der Zukunft,
mach Hebammen aus uns allen.
Was ist die Welt und ihr berühmtes Glänzen?
Was ist die Welt und ihre ganze Pracht?
Ein schnöder Schein in kurzgefaßten Grenzen,
Ein schneller Blitz bei schwarzgewölkter Nacht,
Ein buntes Feld, da Kummerdisteln grünen,
Ein schön Spital, so voller Krankheit steckt,
Ein Sklavenhaus, da alle Menschen dienen,
Ein faules Grab, so Alabaster deckt.
Das ist der Grund, darauf wir Menschen bauen
Und was das Fleisch für einen Abgott hält.
Komm, Seele, komm, und lerne weiter schauen,
Als sich erstreckt der Zirkel dieser Welt!
Streich ab von dir derselben kurzen Pranken,
Halt ihre Lust für eine schwere Last:
So wirst du leicht in diesen Port gelangen,
Da Ewigkeit und Schönheit sich umfasst.
Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau, (1617-1679), in: Gebete der Dichter. Große Zeugnisse aus 12 Jahrhunderten, ausgewählt von A. Weimer, Düsseldorf 2006, S.103.
Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Joel.
Spruch des HERRN:
Kehrt um zu mir von ganzem Herzen
mit Fasten, Weinen und Klagen!
Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider,
und kehrt um zum HERRN, eurem Gott!
Denn er ist gnädig und barmherzig,
langmütig und reich an Huld
und es reut ihn das Unheil.
Wer weiß, vielleicht kehrt er um und es reut ihn
und er lässt Segen zurück,
sodass ihr Speise- und Trankopfer darbringen könnt
für den HERRN, euren Gott.
Auf dem Zion stoßt in das Horn,
ordnet ein heiliges Fasten an,
ruft einen Gottesdienst aus!
Versammelt das Volk,
heiligt die Gemeinde!
Versammelt die Alten,
holt die Kinder zusammen, auch die Säuglinge!
Der Bräutigam verlasse seine Kammer
und die Braut ihr Gemach.
Zwischen Vorhalle und Altar sollen die Priester klagen,
die Diener des HERRN sollen sprechen:
Hab Mitleid, HERR, mit deinem Volk
und überlass dein Erbe nicht der Schande,
damit die Völker nicht über uns spotten!
Warum soll man bei den Völkern sagen:
Wo ist denn ihr Gott?
Da erwachte im HERRN die Leidenschaft für sein Land
und er hatte Erbarmen mit seinem Volk.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Das Buch Joel gehört zu den sog. zwölf kleinen Prophetenbüchern des AT. Hinsichtlich der Abfassungszeit wird ein solch großes Spektrum diskutiert, dass man die historischen Hintergründe nur mühsam zur Interpretation der Prophetenworte heranziehen kann. Immer wahrscheinlicher wird eine Datierung in die erste Hälfte des 9. Jahrhunderts v.Chr.
Der Prophet Joel verkündet dem Volk Juda Gericht und Bestrafung, dem durch Fasten und Beten entgegen gegangen werden soll. Über das, was die Bestrafung Gottes für das Volk darstellt - Einfall der Assyrer? - lässt sich nur spekulieren.
Lesung aus dem Buch Jesaja:
Rufe aus voller Kehle,
halte dich nicht zurück!
Erhebe deine Stimme wie ein Widderhorn!
Halt meinem Volk seine Vergehen vor
und dem Haus Jakob seine Sünden!
Sie suchen mich Tag für Tag und haben daran Gefallen,
meine Wege zu erkennen.
Wie eine Nation, die Gerechtigkeit übt
und vom Recht ihres Gottes nicht ablässt,
so fordern sie von mir gerechte Entscheide
und haben an Gottes Nähe Gefallen.
Warum fasten wir und du siehst es nicht?
Warum haben wir uns gedemütigt
und du weißt es nicht?
Seht, an euren Fasttagen macht ihr Geschäfte
und alle eure Arbeiter treibt ihr an.
Seht, ihr fastet
und es gibt Streit und Zank
und ihr schlagt zu mit roher Gewalt.
So wie ihr jetzt fastet,
verschafft ihr eurer Stimme droben kein Gehör.
Ist das ein Fasten, wie ich es wünsche,
ein Tag, an dem sich der Mensch demütigt:
wenn man den Kopf hängen lässt wie eine Binse,
wenn man sich mit Sack und Asche bedeckt?
Nennst du das ein Fasten
und einen Tag, der dem HERRN gefällt?
Ist nicht das ein Fasten, wie ich es wünsche:
die Fesseln des Unrechts zu lösen,
die Stricke des Jochs zu entfernen,
Unterdrückte freizulassen,
jedes Joch zu zerbrechen?
Bedeutet es nicht,
dem Hungrigen dein Brot zu brechen,
obdachlose Arme ins Haus aufzunehmen,
wenn du einen Nackten siehst,
ihn zu bekleiden
und dich deiner Verwandtschaft nicht zu entziehen?
Dann wird dein Licht hervorbrechen wie das Morgenrot
und deine Heilung wird schnell gedeihen.
Deine Gerechtigkeit geht dir voran,
die Herrlichkeit des HERRN folgt dir nach.
Wenn du dann rufst,
wird der HERR dir Antwort geben,
und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen:
Hier bin ich.
Wenn du Unterjochung aus deiner Mitte entfernst,
auf keinen mit dem Finger zeigst
und niemandem übel nachredest,
den Hungrigen stärkst
und den Gebeugten satt machst,
dann geht im Dunkel dein Licht auf
und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.
Der HERR wird dich immer führen,
auch im dürren Land macht er dich satt
und stärkt deine Glieder.
Du gleichst einem bewässerten Garten,
einer Quelle, deren Wasser nicht trügt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv - Ein reines Herz erschaffe mir, o Gott!. – Kv
Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz *
und einen festen Geist erneuere in meinem Innern!
Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht, *
deinen heiligen Geist nimm nicht von mir! - Kv
Gib mir wieder die Freude deines Heils, *
rüste mich aus mit dem Geist der Großmut!
Ich will die Frevler deine Wege lehren *
und die Sünder kehren um zu dir. - Kv
Schlachtopfer willst du nicht, ich würde sie geben, *
an Brandopfern hast du kein Gefallen.
Schlachtopfer für Gott ist ein zerbrochener Geist, *
ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz
wirst du, Gott, nicht verschmähen. - Kv
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korinth.
Schwestern und Brüder!
Wir sind also Gesandte an Christi statt
und Gott ist es, der durch uns mahnt.
Wir bitten an Christi statt:
Lasst euch mit Gott versöhnen!
Er hat den, der keine Sünde kannte,
für uns zur Sünde gemacht,
damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.
Als Mitarbeiter Gottes ermahnen wir euch,
dass ihr seine Gnade nicht vergebens empfangt.
Denn es heißt:
Zur Zeit der Gnade habe ich dich erhört,
am Tag der Rettung habe ich dir geholfen.
Siehe, jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade;
siehe, jetzt ist er da, der Tag der Rettung.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Gottes heilvolles Handeln in Jesus Christus wird durch den Apostel Paulus in diesem Abschnitt mit dem Begriff der "Versöhnung" beschrieben. Im Griechischen hat dieser Begriff die Bedeutung von: anders machen, verändern, vertauschen. Es ist die Situation des Menschen, die sich durch Jesus Christus grundsätzlich verändert hat. Er hat stellvertretende Sühne geleistet, damit der Mensch wieder seiner ursprünglichen Ebenbildlichkeit Gottes gerecht wird. Die Verkündigung dieser von Gott in Jesus Christus durchgeführten Versöhnung ist ein wesentlicher Aspekt des Aposteldienstes, wie Paulus ihn versteht. Er sieht sich als "Gesandter an Christi Statt", das heißt: als bevollmächtigter Vertreter, gewissermaßen als Sonderbotschafter seines Herrn. Wenn die Botschaft von der Versöhnung Gottes mit den Menschen ein wesentlicher Inhalt der apostolischen Verkündigung ist, dann ist diese Verkündigung immer auch Ermahnung, nämlich dazu, das Heil und die Gnade Gottes wirklich anzunehmen.
Der zweite Korintherbrief gilt als ein sehr persönliches Schreiben des Apostels Paulus. Leidenschaftlich bemüht er sich, Missverständnisse auszuräumen. Ein Mitglied der Gemeinde war gegen ihm aufgetreten. Da schreibt Paulus einen scharfen, klärenden Brief und trifft dann auf Titus um zu erfahren, ob damit der Wahrheit zum Durchbruch verholfen wurde. Der Völkerapostel lässt immer wieder anklingen, wie engagiert er seine Missionsarbeit macht. Sie bringt ihm viel Leid, Bedrängnis, Entbehrungen und Demütigungen. In der Liebe zu seinen Gemeinden und im festen Vertrauen als Apostel an Christi statt gesandt zu sein, ruft er die Korinther zur Versöhnung auf. Gott hat in Christus neue Maßstäbe gesetzt: "Wenn also jemand in Christus ist, ist er eine neue Schöpfung: das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat".
Der 2. Brief an die Gemeinde von Korinth stammt vermutlich aus der Feder verschiedener Paulus-Schüler, die den Text unter seiner legitimierenden Autorität verfasst haben. Die vorliegende Perikope erzählt von den Motiven der Glaubensverkündigung und stellt das Amt der Verfasser dar als Dienst der Versöhnung. An diesem Dienst soll die ganze Gemeinde sich beteiligen - bis hin in unsere Tage.
Kv - Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre! – Kv
Wenn ihr heute seine Stimme hört,
verhärtet nicht euer Herz!
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit sprach jesus zu seinen Jüngern:
Hütet euch,
eure Gerechtigkeit vor den Menschen zu tun,
um von ihnen gesehen zu werden;
sonst habt ihr keinen Lohn
von eurem Vater im Himmel zu erwarten.
Wenn du Almosen gibst,
posaune es nicht vor dir her,
wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun,
um von den Leuten gelobt zu werden!
Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Wenn du Almosen gibst,
soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut,
damit dein Almosen im Verborgenen bleibt;
und dein Vater, der auch das Verborgene sieht,
wird es dir vergelten.
Wenn ihr betet,
macht es nicht wie die Heuchler!
Sie stellen sich beim Gebet
gern in die Synagogen und an die Straßenecken,
damit sie von den Leuten gesehen werden.
Amen, ich sage euch:
Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Du aber, wenn du betest, geh in deine Kammer,
schließ die Tür zu;
dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist!
Dein Vater, der auch das Verborgene sieht,
wird es dir vergelten.
Wenn ihr fastet,
macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler!
Sie geben sich ein trübseliges Aussehen,
damit die Leute merken, dass sie fasten.
Amen, ich sage euch:
Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haupt
und wasche dein Gesicht,
damit die Leute nicht merken, dass du fastest,
sondern nur dein Vater, der im Verborgenen ist;
und dein Vater, der das Verborgene sieht,
wird es dir vergelten.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Zu Beginn der Fastenzeit hören wir als Evangelium eine Perikope aus der Bergpredigt. An dieser Stelle des Evangeliums geht es Matthäus um den Charakter der Gerechten: Er warnt sie, ihre Gerechtigkeit nicht zur Schau zu stellen und verdeutlicht das anhand dreier Beispiele: Almosen, Beten und Fasten. Der Text liest sich wie eine katechetische Unterweisung. Diese Art sowie die gleichsam einer Karikatur dargestellten fehlbaren Heuchler führen am ehesten zum dem Gedanken, dass diese Worte tatsächlich eher für den Gemeindegebrauch geschrieben wurden: Sie dienten weniger einer authentischen Darstellung der Reden Jesu, sondern vielmehr der Verkündigung seiner Botschaft mitten hinein in die Gemeinde - das galt für die Gemeinde des Matthäus damals und gilt für unsere heute.
Die Fastenzeit besteht nicht darin, dass wir uns einschränken. Die Fastenzeit fordert uns auf, unsere Lebensweise zu überdenken und zu hinterfragen, worauf es ankommt. Es geht nicht um das Äußere. Der Verzicht auf bestimmte Gewohnheiten kann uns helfen, bewusster zu leben.
Worauf kommt es im Leben an? Worauf kommt es in der Fastenzeit an?
Wir sind wieder am Beginn einer besonderen Zeit. Viele Menschen nutzen die Fastenzeit, um auf etwas zu verzichten, viele aus religiösen Gründen, andere aus gesundheitlichen oder anderen persönlichen Gründen. Manche verzichten auf Süßigkeiten, andere auf Fleisch oder Alkohol, wieder andere auf das Auto, manche auf negative Gedanken usw. Das sind alles gute und wertvolle Übungen oder können es zumindest sein. Dazu braucht es, dass ich mich frage, worauf es ankommt.
Einen Hinweis darauf finden wir in der Lesung aus dem Buch Joel: „Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider“, lesen wir da. Es kommt nicht auf das Äußere an, sondern es geht um unser Inneres. Alles, was mir dabei hilft, ganz zu mir zu kommen und mich frei von äußeren Zwängen zu machen, bringt mich Gott ein Stück näher. Bei dieser Freiheit geht es nicht um eine Freiheit „von“, sondern um eine Freiheit „zu“. Ich bin frei, mich meinem Mitmenschen zuzuwenden, wenn ich etwas von meiner Zeit verschenke. Ich bin frei, weniger Fleisch und mehr regionale Produkte zu essen, weil ich solidarisch sein möchte. Ich bin frei, mit Gott ins Gespräch zu kommen, wenn ich mir täglich fünf Minuten Zeit nehme.
Eine Änderung meines Lebensstils lässt mich daran denken, dass meine Handlungen und mein Konsumverhalten Auswirkungen auf andere Menschen haben. So ist für mich Gottes- und Nächstenliebe in der Fastenzeit besonders gut erkennbar. Gott hat es nicht notwendig, dass ich mich für ihn kasteie oder mit Verzichtsübungen quäle. Die Fastenzeit macht mir wieder bewusst, dass ich nicht allein auf dem Weg bin. Auch wenn unsere sozialen Kontakte im persönlichen Bereich noch immer und wahrscheinlich weiterhin eingeschränkt sind, sind wir alle miteinander auf die eine oder andere Art verbunden und vernetzt. Wenn ich mich getragen fühle von einer Gemeinschaft oder einem Kreis, dem ich angehöre, kann ich besser nachvollziehen, dass mein Denken und Handeln Konsequenzen für andere Menschen hat, im Positiven wie im Negativen.
Es kommt nicht auf das Äußere an. Das merken wir heute auch daran, dass im Gottesdienst die Asche nicht in Kreuzform auf meine Stirn gezeichnet, sondern mir auf's Haupt gestreut wird. Diese kleine Änderung im Ritus macht mir wieder neu bewusst, dass Gott mein Inneres erreichen und verwandeln möchte.
Die Offenheit dazu und die Bereitschaft, ihm Zeit zu schenken, wünsche ich uns! Gott schenkt uns die Fastenzeit, nehmen wir sein Geschenk an und lassen wir uns verwandeln und neue Wege gehen! Dann wird jede/r von uns für sich entdecken, worauf es ankommt.
Die Fastenzeit möchte nicht unsere Lebensfreude einschränken, sondern zu neuen Erfahrungen führen, die unser Leben bereichern. Umkehr kann mit einem Wechsel der Blickrichtung beginnen. Wenn wir mit den Augen anderer auf das Leben schauen, werden wir neue Lebensmöglichkeiten entdecken.
Während die im heutigen Evangelium empfohlenen Aktivitäten Beten, Fasten und Almosen geben schon längst in die säkulare Welt ausgewandert sind, hat die Fastenzeit hartnäckig noch immer einen schlechten Ruf. In Wellnessoasen wird fleißig meditiert und gefastet und für Licht ins Dunkel werden Millionen gespendet, aber KirchgängerInnen haben immer noch das Gefühl in diesen sechs Wochen auf Genuss, Spaß und lustvolle Dinge verzichten zu müssen. Sie fragen sich, warum Gott das als Vorbereitung auf Ostern von ihnen verlangt. Solche Gedanken zeigen, dass Missverständnisse darüber, was die Fastenzeit eigentlich ist und sein will, immer noch in den Köpfen der Menschen herum spuken.
Die Vorbilder für diese Zeit sind die Wüstenwanderung des Volkes Israel, nachdem es aus der Sklaverei in Ägypten befreit wurde und die vierzig Fasttage Jesu in der Wüste. Ein Leben in Freiheit einzuüben, das ist eine der Wurzeln der Fastenzeit.
Die andere ist sich zurückzuziehen und über die eigenen Lebensperspektiven nachzudenken. Jesus kehrt aus der Wüste zurück und predigt: Kehrt um und glaubt an das Evangelium.
Die Umkehr ist ein Vorgang und Prozess, der uns die Perspektive wechseln lässt. Wer zum Beispiel bergauf geht und sich umdreht, deren oder dessen Weg führt plötzlich bergab.
Ich möchte sie einladen, das jetzt gleich auszuprobieren: Wenn Sie möchten, stehen Sie bitte auf und drehen sich einfach um. Sie sehen jetzt den hinteren Teil der Kirche. Normalerweise geht unsere Perspektive, wenn wir die Kirche betreten, ja nach vorne. Nehmen Sie wahr, was Sie jetzt sehen können. Vielleicht fällt Ihnen etwas auf, das sie noch nie gesehen haben...
Danke, nehmen Sie jetzt bitte wieder Platz.
Ich lade Sie ein die heurige Fastenzeit einmal unter diesem Aspekt zu sehen. Wo kann ich in meinem Leben umkehren und damit die Perspektive, wie ich gewisse Menschen und Situationen sehe, wechseln? Das gelingt, wenn ich mich auf den Standpunkt eines oder einer Anderen stelle und ihren Platz einnehme.
Einige Beispiele:
Falls Sie an Ihrem Arbeitsplatz in einer leitenden Position sind, putzen Sie einmal nach Dienstschluss die WCs in der Firma und versuchen Sie, den Betrieb aus der Perspektive des Reinigungspersonals zu sehen. Oder falls sie in den untergeordneten Bereichen tätig sind, setzen Sie sich tatsächlich oder in der Vorstellung in den Chefsessel und stellen Sie sich vor, wie das ist, Entscheidungen treffen zu müssen und wichtige Akten zu unterschreiben.
Oder laden Sie Ihre Enkel ein und bitten sie diese, ein Musikstück, das sie gerade hören, mitzubringen. Suchen Sie einen Song, den Sie im selben Alter gehört haben, spielen sie diesen den Enkeln vor und tauschen Sie sich mit ihnen darüber aus, aus welcher Perspektive Sie als älterer Mensch auf das Leben schauen, und wie das bei den jungen Menschen ist.
Leben Sie einen Tag auf der Straße, um zu spüren, wie es Obdachlosen geht oder versuchen Sie eine Woche lang mit fünfzig Euro für die Dinge des täglichen Bedarfs über die Runden zu kommen. Besuchen Sie eine Einrichtung zur Unterstützung von Geflüchteten oder die Probe des Kirchenchores. Melden Sie sich als Begleitperson für einen Schulausflug oder geben Sie einem jungen Menschen Nachhilfe. Besuchen Sie eine Woche lang Personen im Altersheim oder reden Sie mit einer arbeitslosen Person über ihre Gefühle.
Wenn Sie kreativ nach Möglichkeiten suchen und den Vorsatz fassen, jede Woche in einem Bereich ihres Lebens die Perspektive zu wechseln und von einem ungewohnten, vielleicht sogar bedrohlichen Standpunkt aus auf ihr Leben zu schauen, werden Sie Erstaunliches entdecken und damit Ihr Leben bereichern.
Kehrt um und glaubt an das Evangelium, das steht als Motto über der Fastenzeit. Wir sind eingeladen zu entdecken, dass das Leben noch viel mehr zu bieten hat, als in unserem gewohnten Alltag vorkommt. Dadurch könnten wir auch frei werden vom Trott und den eingefahrenen Mustern unseres Lebens. Wir können entdecken, dass wir als Menschen zusammengehören und eine große Familie sind. Und wir könnten entdecken, dass Gottes liebevolle und befreiende Gegenwart in unserer Mitte wirksam ist und uns immer wieder neue Perspektiven eröffnen will. Das ist wirklich eine frohe Botschaft.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine überraschende und interessante Fastenzeit.
© Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt, Theologin, Diözese Linz
Das Fasten und die Fastenzeit können als Neustart für gute Vorsätze dienen. Es geht um Neuorientierung und Umkehr. Das Symbol des Aschenkreuzes erinnert an die Vergänglichkeit aller menschlichen Pläne und lenkt unseren Blick auf das, was Bestand hat.
Fastenzeit - Beginn des österlichen Festkreises - bietet ausreichend Gelegenheit, den persönlichen „religiösen Grundwasserspiegel“ zu messen und zu versuchen, eine Verhaltensänderung, Umkehr durchzuführen, wo es notwendig erscheint. Die Fastenzeit als Neustart für Vorsätze, die sehr oft am Jahresbeginn gefasst, aber dann nur schleppend oder überhaupt nicht gehalten wurden. Vielerorts beklagen wir, dass unser Glaube verdunstet, und tatsächlich kommt es zu merkwürdigen religiösen Begriffsverwechslungen: „Golgotha“ ist keine Zahnpaste und das „Goldene Kalb“ keiner der vielen Filmpreise.
So darf ich Euch jetzt einige ganz sichtbare „Stützpunkte“ vorstellen, die uns durch die Fastenzeit hilfreich den Weg bahnen, die uns auch wieder Einblick schaffen in die Tiefe unseres „religiösen Grundwasserspiegels“.
Bei einer meiner Flugreisen prangte über mir besonders aufdringlich in großen Buchstaben der Hinweis „FASTEN SEAT BELT“. Etwas frei übersetzt heißt das: "Halt dich fest", um Sicherheit und Orientierung für das Wesentliche zu gewinnen, um den Blick auf das Osterfest, auf Tod und Auferstehung des Herrn, auch auf unsere persönliche Vollendung freizubekommen.
Die Lesung dieses Tages aus dem Buch Joel sagt: „Kehrt um zu mir mit ganzem Herzen, mit Fasten, Weinen, Klagen.“ FASTEN als Sicherheit und Orientierungshilfe für unser Leben. WEINEN, die Tränen als reinigende Wirkung. Alles, was unsere Seele belastet an Leid, Versagen, Trauer soll herauskommen. Es tut auch gut, durch KLAGEN Leid, Probleme, Sorgen zu verbalisieren. Unnötiger körperlicher und geistiger Ballast mögen auf diese Weise abgebaut werden.
Die ASCHE erinnert uns daran, dass alles, was wir tun, der Vergänglichkeit unterworfen ist. Heute oder morgen schon werden unsere Gedanken, Worte und Werke absinken in die Nacht des Vergessens. Manchmal ist das sogar sehr gut.
Am KREUZ hat Jesus alles, was unzulänglich ist, durchkreuzt, auch manche unserer Lebenspläne wurden durchkreuzt, was nicht immer aus menschlicher Sicht verständlich ist. Alles Endliche wird durchkreuzt, auch der Tod.
Das ASCHENKREUZ: Lass all deine Sackgassen, deine Sorgen, deine Unvollkommenheit einmünden in das Kreuz Jesu. Lass dich bezeichnen durch die Asche deines Scheiterns, deiner Heucheleien (siehe Evangelium dieses Tages!), deiner Misserfolge, aber mit dem Zeichen des Heils.
ASCHE ist nicht nur Zeichen der Vergänglichkeit, sie dient schon von altersher auch als Reinigungsmittel. Das Realsymbol der Asche ist aber auch Anfrage an uns, was alles in unserem Leben an Plänen, guten Vorsätzen zu Asche geworden ist. Auch die gegenwärtige Krise der Kirche ist Reinigungsmittel, ein Zeichen, mit Hilfe des Heiligen Geistes Ostern entgegenzugehen auf dem Weg der Umkehr.
„Vom Staub bist du genommen, zum Leben berufen“, lautet eines der Worte, die wir mit dem Aschenkreuz empfangen. Aus Staub und Asche entsteht auch neues Leben, ein Hinweis darauf, dass wir auf dem Weg zu einem nie endenden Osterfest sind.
Zwischenzeiten im Alltag des Lebens sind oft Auslöser für eine Neuorientierung, für einen kreativen Wandel. Wie sehr so ein „zeitlicher“ Zwischenraum das Leben im Licht der Auferstehung prägen kann, zeigt die dynamische Auseinandersetzung mit der biblischen Botschaft in der „österlichen Bußzeit“ auf.
Wer denkt schon daran, dass die Zwischenräume im Leben unser Leben letztlich prägen können. Ob es nun Warteräume (wo immer wir warten) sind, die verschiedenen Haltestellen unterwegs oder die Ablageplätze, wo gesucht wird, sind. Diese Zwischenräume, welche ein Geschehen, eine Zeit, mit einem anderen Geschehen, mit einer anderen Zeit verbinden, geben unserem Leben oft eine Wandlung. Denn sie lösen kreative Prozesse aus, wenn wir diese Zwischenzeiten als Möglichkeit, Leben neu zu gestalten, wahrnehmen lernen.
Der Aschermittwoch ist der Beginn einer besonderen Zwischenzeit, der österlichen Bußzeit. Sie schließt nach „40 Tagen“ mit einem „Ruhetag“, dem Karsamstag, ab. Diese Zwischenzeit, oft als Fastenzeit bezeichnet, enthält alles, was Zwischenzeiten, Zwischenräume so im Leben auf sich haben:
- die Hinwendung zu schmerzvollen Zäsuren – im Bild der Asche
- die Erfahrung von Durststrecken – im Bild der Wüste
- das Wahrnehmen von Dunkelheit - im Bild des Grabes.
Diese österliche Bußzeit wird am Karsamstag mit der Einladung zum Gebet in Stille, in Grabesstille abgeschlossen. Dazwischen, also in der Zwischenzeit ist Raum, ist Zeit sich den Zumutungen der biblischen Texte auszusetzen, ihnen nachzugehen. Es ist eine Einladung, die „Fastenzeit“ kreativ, „er“-lösend zu gestalten.
Bilder für diese Zwischenzeiten sind eben das Grab mit seiner Dunkelheit, die Wüste mit ihrer Durststrecke, die Asche als Bild für Zäsur.
Am Beginn der österlichen Bußzeit, heute am Aschermittwoch sind wir zum Gebet eingeladen.
„Wenn ihr betet...“, so hörten wir im Evangelium und „So sollt ihr beten...“, heißt es ein paar Verse weiter im Vaterunser:
Dein Name..., dein Reich... lässt uns hoffen:
Gib uns... Und erlass uns... Und führe uns... Dann werden auch wir...
Dies alles sind „Wandlungsworte“ der anderen Art. Sie nennen beim Namen, was uns in der kommenden liturgischen Zwischenzeit Kraft und Zuversicht gibt, unser Leben neu auszurichten.
Dass wir an dieser Zwischenzeit mit ihren Erinnerungen an unsere Schattenseiten im Leben, auch wachsen können, ist beabsichtigt. Joop Roeland macht darauf aufmerksam, wenn er schreibt:
"Ach Mensch: Du bist für das Leben bestimmt. Kehre um und glaube an das Evangelium.
In den Zwischenräumen unseres Lebens müssen wir uns orientieren, vielleicht neu orientieren lernen, können oft mit Hergebrachtem nichts anfangen, sind dadurch unsicher, verlieren die Macht, die Kontrolle über Gewohnheiten, lassen wir los."
Die Bilder von Grab, Wüste und Asche sind es, die uns in den Zwischenräumen des Lebens begegnen:
Grab – so manches tragen wir dann zu Grabe, Schmerz, Verlassenheit und Trauer sind da die Begleiter. Die Dunkelheit mitten im Leben ist zum „davonrennen“. Dem Tod ausweichen ist oft die Strategie, um ihn nicht annehmen zu müssen als einen Teil des Lebens.
Wüste – Strecken, die uns dürsten lassen nach dem Wasser des Lebens, die das Überleben schwierig machen. Einsamkeit, innere Kämpfe, Zweifel - all das sind Erfahrungen, denen wir gerne ausweichen. Die innere Leere ist schwer auszuhalten.
Asche – die Welt des grauen Alltags, das Einerlei verlassen, weil die Sehnsucht nach mehr im Leben uns treibt. Zerstört so manche Träume, leblos die Beziehungen, trist die Zukunft. Wer kennt das nicht, wer will schon so leben?
Wir haben 40 Tage Zeit, geschenkte Zwischenzeit...
- in der wir finden können, was wir zum Leben brauchen
- in der wir suchen können nach dem, was uns Hoffnung gibt
- in der wir gefunden werden können, weil wir uns auf den Weg machen und anderen begegnen.
Die kommenden sechs Sonntage, die diese Zwischenzeit unterbrechen, sind ein Vorgeschmack auf Ostern, auf das Fest der Auferstehung. Sie erinnern uns an das österliche Geschehen, das zum entscheidenden Durchbruch des Lebens führt.
„Seine, Jesu, Auferstehung gehört nicht der Vergangenheit an; sie birgt eine Lebenskraft, die die Welt durchdrungen hat. Wo alles tot zu sein scheint, sprießen wieder überall Anzeichen der Auferstehung hervor. Es ist eine unvergleichliche Kraft.“
(Aus dem Schreiben von Papst Franziskus „Freudige Nachricht“)
Die Fastenzeit gibt uns Gelegenheit, unser Leben zu überprüfen und zu korrigieren. Die Zusagen der Lesung geben uns Kraft und Halt dazu.
Die Fastenzeit kann Anlass sein, die nicht eingehaltenen Neujahrsvorsätze wieder aufzunehmen. Es geht jedoch vielmehr um eine geistige/geistliche Erneuerung: Wir sollen österliche Menschen werden: ohne Heuchelei Barmherzigkeit üben. Das Aschenkreuz ist Zeichen unserer Umkehr und unserer Hoffnung.
Die Asche, mit der wir uns am Aschermittwoch bekreuzigen lassen, ruft uns zur Umkehr. Wie Umkehr erfolgen soll, zeigen uns die Lesungen des Tages.
Wer fastet, der hat die Chance, sich selbst zu überraschen: Fällt es mir leicht, sieben Wochen auf Schokolade zu verzichten? Ist mein Leben anders, wenn ich keinen Rotwein trinke? Was entdecke ich, wenn ich täglich einen Psalm lese? Wie verändert sich mein Leben, wenn ich den Menschen in meiner Lebens- und Arbeitsumgebung aufmerksamer und wohlwollender begegne? Die Fastenzeit bietet ungeahnte Möglichkeiten, denn: Wer fastet, der schafft sich selbst neue Freiräume, wird ein neuer Mensch.
"Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehrst." So lautet die Formel, während uns das Aschenkreuz auf die Stirn gezeichnet wird. Ziemlich eindeutig macht der Aschermittwoch klar, dass auch die Endlichkeit unseres Lebens sich mitten im Leben abspielt. Das Bewusstsein unserer Endlichkeit verweist uns so radikal auf die Einzigartigkeit unseres Lebens. Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit, eine Zeit bewusster Aufmerksamkeit für unser Leben.
In der Bibel ist Fasten oft nicht Sache eines oder einer Einzelnen, sondern es steht für die Umkehr einer ganzen Gesellschaft. Fasten steht in der Tradition auch dafür, gegen gesellschaftliche Missstände anzugehen. "Nein, das ist ein Fasten wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulasen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen." (Jesaia 58,6-7).
Jesaia fordert, den Mitmenschen zu sehen und ihm zu helfen, wieder mehr zu sehen, wo Hilfe nötig ist, mehr zu hören, wenn jemand bittet, wieder mehr zu fordern, wenn Ungerechtigkeit sich breitmacht, sein Leben einzusetzen für eine mögliche bessere Welt. Fasten ist keine Privatsache, sondern berührt uns und unsere realen gesellschaftlichen Verhältnisse, lenkt das Augenmerk auf unser Tun und unser Umfeld. Fasten heißt hier, Ungerechtigkeit wahrzunehmen und die möglichen eigenen Schritte zu setzen, sich mit anderen zu solidarisieren, Unrecht sichtbar zu machen und an der Veränderung mitzugestalten. Fasten bedeutet, die Welt, die Menschen, vor allem die Geknechteten und Leidenden zu sehen und menschenfreundlich zu handeln. Denn die biblische Zusage ist ein Leben in Fülle für alle, gutes Leben für alle. Das kann nur gelingen, wenn wir im Mitmenschen unseren Bruder, unsere Schwester sehen und ihnen barmherzig und wohlwollend begegnen.
Gleichzeitig ist es auch wichtig, uns selbst in den Blick zu nehmen, wie es Bernhard von Clairvaux (1091-1153) beschreibt:
GÖNNE DICH DIR SELBST!
Wenn du dein ganzes Leben und Erleben
völlig ins Tätigsein verlegst
und keinen Raum mehr für Besinnung vorsiehst,
soll ich dich da loben?
Wie kannst du voll und echt Mensch sein,
wenn du dich selbst verloren hast?
... Denk also daran: Gönne dich dir selbst
Fasten verändert also Leben, das eigene und das der Mitmenschen. Veränderung braucht Neubesinnung, Offenheit und den Mut, sein Leben auf- und auszuräumen. Wer Fülle will, muss leer werden. Mit vollen Händen kann man nichts empfangen. Fasten fordert auf, unser Leben großzügig zu teilen.
Das mittelhochdeutsche Wort "vasten" bedeutet "(fest-)halten, beobachten, bewachen." Die Fastenzeit regt uns an, uns und unserer Umgebung die gebührende Aufmerksamkeit und Wachsamkeit zu schenken. 40 Tage können wir uns immer wieder Zeitgeschenke gönnen in einer Welt der Turbulenzen und Hochgeschwindigkeit. Hier tut ab und zu auch Stille gut. Denn Stille ist eine Erholungsreise fürs Gehirn. Leben wird uns geschenkt, mit jedem Atemzug neu. Das kann uns gerade in der Fastenzeit wieder mehr bewusst werden. Genießen wir jeden Atemzug und Augenblick in Dankbarkeit. Jede Minute ist eine unbezahlbare Kostbarkeit.
Fasten verdichtet unser Leben, kann uns helfen, den Blick freizugeben auf das Wesentliche unseres Lebens. Was wollen wir wirklich? Was brauchen wir wirklich? Wir können bewusster konsumieren, im Zweifelsfalle weniger.
Die FASTEN-ZEIT lädt uns ein, "7 Wochen anders zu leben".
7 Wochen unseren Stärken Raum geben, unseren Fähigkeiten nachspüren und sie mit anderen zu teilen. Ich bin wichtig und wertvoll, ich nehme mir Zeit für mich und andere. Wir können auch bewusst das wahrnehmen, was uns im Leben Gutes begegnet.
7 Wochen Zeitgeschenk einmal im Jahr als Unterbrechung des Gewohnten und Alltäglichen sind eine tolle Sache.
7 Wochen bewusst den Kontakt mit Freunden und Freundinnen pflegen, mit unseren Ideen andere anstecken. Denn wo zwei oder drei gemeinsam etwas teilen wird es lebendiger und lustvoller. In der Gemeinschaft finden wir Unterstützung, können uns Kraft holen, finden ein Ohr für Gespräche, dürfen auf Unterstützung hoffen, können uns auch in vermeintlich schwierigen Situationen Mut machen.
7 Wochen unseren Mitmenschen freundlich begegnen, denn unsere Haltung, unsere Einstellung, unser Gesichtsausdruck, unsere Gedanken verändern uns und die anderen. Lächle deinen Mitmenschen zu. Das verändert, erstmal schon dich und mit Sicherheit auch dein Gegenüber. Und im Übrigen ist Lachen, ein Lächeln gut gegen Falten.
7 Wochen haben wir Zeit, unserer Seele auf den Grund zu gehen, unserer Mitte nachzuspüren, unserem Leben, unseren Herzensangelegenheiten Frei-Raum zu geben. 7 Wochen haben wir Zeit zu überlegen, worauf wir in unserem Leben verzichten möchten, um dadurch Leben und Lebendigkeit zu gewinnen, zum Beispiel nur mehr jeden zweiten Tag oder einmal die Woche die E-mails abrufen, oder gar erst wieder nach Ostern, uns einen fernsehfreien Abend pro Woche gönnen, keine Tageszeitung mehr lesen, dafür 5 Minuten in die Luft schauen und uns am Leben freuen, ab und zu zu Fuß gehen und das Auto stehen lassen und dadurch unsere Umgebung neu wahrnehmen ...
7 Wochen ohne das eine und dafür Platz für Neues, für das, was ich mich bisher nicht getraut habe. 7 Wochen Zeit für "Gutes Leben". Verzichten wir auf das, was uns gefangen nimmt oder belastet, auf die unangenehmen Dinge. Lassen wir das sein, was uns nicht lustig ist im Leben, dann bleibt uns mehr Zeit für das über, was unser Leben ausmacht, was uns gut tut und unsere Lebendigkeit fördert. Spüren wir in uns hinein, was uns gut tut. Denn nur wer sich selbst gut versorgt, kann auch gut auf andere schauen.
Wir haben mit der Fastenzeit die Chance, Neues zu wagen, Vertrautes mit einem neuen Blick zu sehen, für ein paar Wochen auf Gewohntes zu verzichten, um etwas anderes zu wagen oder Altem wieder neue Räume zu eröffnen. Manche Freiräume laden auch ein zum süßen Nichtstun, einfach sein, einfach alles für eine Weile sein lassen. Vielleicht stellen wir in der Veränderung auch eine innere Unruhe fest ...
Müssen wir wirklich ...
... sofort antworten, wenn wir eine Mail bekommen haben?
... beim Handy abheben, wenn es läutet?
... immer freundlich sein, auch wenn uns nicht danach ist?
... zu einer Veranstaltung gehen, obwohl wir keine Lust haben?
... zustimmen, obwohl unser Herz was anderes flüstert?
... viel arbeiten, damit alle mit uns zufrieden sind?
Ich will zu mir stehen und das tun, was mir entspricht, meinem Herzen folgen. Und mir immer wieder die Frage stellen: Was möchte ich von HERZEN gerne tun? Nehmen wir uns Fasten-zeit. Wagen wir die Veränderung! Gehen wir einfach los! Entdecken wir unsere Sehnsüchte und Hoffnungen neu und geben ihnen Raum! Raum zum Leben. Was möchten wir tun? Wovon möchten wir uns verabschieden?
Und: keine Angst vor dem Scheitern: Wenn wir ein Vorhaben nicht schaffen, beginnen wir am nächsten Tag einfach von Neuem. Nähren wir unsere Freuden täglich neu. Denn die Seele nährt sich von dem, was ihr Freude macht.
In diesem Sinne kann uns die kommende Fastenzeit Anstoß sein, uns wertvolle, wesentliche Augenblicke und aufmerksame Wahrnehmungen zu gönnen im Gehen auf Ostern hin, dem Fest der Auferstehung und der Neuausrichtung. Möge uns unsere Ausrichtung aufeinander zu immer wieder neu gelingen, damit der Geist der Menschenfreundlichkeit immer mehr Platz greife.
Autor: Mag. Fritz Käferböck-Stelzer, Leiter Treffpunkt mensch & arbeit, Nettingsdorf
Liedvorschläge:
GL 142: Zu dir, o Gott erheben wir die Seele voll Vertrauen
GL 161: Du rufst uns, Herr, trotz unsrer Schuld
GL 266: Bekehre uns, vergib die Sünde
GL 267: O Mensch, bewein dein Sünde groß
GL 268: Erbarme dich, erbarm dich mein
GL 269: Du Sonne der Gerechtigkeit
GL 271: O Herr, aus tiefer Klage erheb ich mein Gesicht
GL 272: Zeige uns, Herr, deine Allmacht und Güte (3. Str.)
GL 273: O Herr, nimm unsere Schuld
GL 274: Und suchst du meine Sünde, flieh ich von dir zu dir
GL 275: Selig, wem Christus auf dem Weg begegnet
GL 277: Aus tiefer Not schrei ich zu dir
GL 385,2: Nicht sterben werd ich, sondern leben
GL 422: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr
GL 427: Herr, deine Güt' ist unbegrenzt
GL 428: Herr, dir ist nichts verborgen
GL 437: Meine engen Grenzen
GL 440: Hilf, Herr, meines Lebens
GL 448: Herr, gib uns Mut zum Hören
GL 464: Gott liebt diese Welt
GL 485: O Jesu Christe, wahres Licht
GL 638: Nun ist sie da, die rechte Zeit
GL Ö815: Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt
GL Ö814: O höre, Herr, erhöre mich
Psalmen und Kehrverse:
GL 276: Verbirg dein Gesicht vor meinen Sünden, erschaffe mir ein reines Herz - Mit Psalm 103 (GL57,2) - II.
GL 301: Ein reines Herz erschaffe mir, o Gott - Mit Psalm 1 (GL 31,2) - IV.
GL 511: Aus der Tiefe rufe ich zu dir, höre, o Herr, meine Stimme. - Mit Psalm 90 (GL 50,2) - I.
GL 517: Der Herr vergibt die Schuld und rettet unser Leben - Mit Psalm 1 (GL 31,2) - IV.
GL 639: Erbarme dich meiner, o Gott, erbarme dich meiner - Mit Ps 51 - IV.
GL 640,1: Herr, unser Gott bekehre uns
Mit der Feier des Aschermittwochs machen wir uns auf den Weg zum Osterfest. Unsere Zeit ist geprägt von Unsicherheit, Sorgen und Ängsten. Gehen wir gemeinsam und vertrauensvoll auf Ostern zu und nutzen die Fastenzeit, um uns auf das zu besinnen, was wesentlich ist im Leben und auf den, der uns immer wieder neu zur Umkehr einlädt: Jesus Christus. Zu ihm rufen wir:
Herr Jesus Christus,
du bist mit uns auf dem Weg.
Kyrie eleison.
Herr Jesus Christus,
dein Wort schenkt uns Kraft.
Christe eleison.
Herr Jesus Christus,
du öffnest unsere Herzen für deinen Ruf.
Kyrie eleison.
Die Fastenzeit ist ein Angebot zur Versöhnung. Eindringlich mahnt der Apostel Paulus, dass wir uns zur Versöhnung mit Gott, mit uns selber und mit unseren Mitmenschen durchringen sollen. Das ist nicht einfach, deshalb rufen wir das Erbarmen Jesu an:
Jesus, durch deinen Tod und deine Auferstehung hast du Versöhnung für alle möglich gemacht. Herr, erbarme dich unser.
Jesus, du hast uns Gottes bedingungslose Gnade zugänglich gemacht.
Christus, erbarme dich unser.
Jesus, du bist der Retter der Welt.
Herr erbarme dich unser.
© Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt, Theologin, Diözese Linz
Getreuer Gott, im Vertrauen auf dich
beginnen wir die vierzig Tage der Umkehr und Buße.
Gib uns die Kraft zu christlicher Zucht,
damit wir dem Bösen absagen
und mit Entschiedenheit das Gute tun.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Aschermittwoch
Barmherziger Gott,
du bist den Demütigen nahe
und lässt dich durch Buße versöhnen.
Neige dein Ohr unseren Bitten
und segne + alle, die gekommen sind,
um das Aschenkreuz zu empfangen.
Hilf uns, die vierzig Tage der Buße
in rechter Gesinnung zu begehen,
damit wir das heilige Osterfest
mit geläutertem Herzen feiern.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Aschermittwoch
Oder:
Herr und Gott,
du willst nicht den Tod des Sünders,
du willst, dass er sich bekehrt und lebt.
Erhöre gnädig unsere Bitten:
Segne + diese Asche, mit der wir uns bezeichnen lassen,
weil wir wissen,
dass wir Staub sind und zum Staub zurückkehren.
Hilf uns, die vierzig Tage der Buße in rechter Gesinnung zu begehen.
Verzeih uns unsere Sünden.
Erneuere uns nach dem Bild deines Sohnes
und schenke uns durch seine Auferstehung das unvergängliche Leben.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Aschermittwoch
Oder:
Gott, du willst nicht unseren Tod und unser Verderben.
Du willst, dass wir umkehren und leben.
Erhöre unser Gebet und segne + diese Asche,
mit der wir uns bezeichnen lassen.
Hilf uns nach deinem Wort zu leben,
erneuere uns durch Jesus Christus, deinen Sohn,
und lass uns ihm immer ähnlicher werden.
Schenke uns durch seine Auferstehung
unvergängliches Leben bei dir.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus, unseren Herrn.
Ich lade Sie ein, nach der Segnung der Asche das Aschenkreuz zu empfangen unter folgenden Gedanken.
Die Asche sprach:
Einmal war ich Glut, war ich Leben, Liebe, Leidenschaft - .
und jetzt? Jetzt bin ich Asche.
Ja, ich war einmal jemand -
ich wurde bewundert, war angesehen, beliebt und gefragt.
Jetzt bin ich nur noch Asche.
Da meldete sich Gott zu Wort und sprach:
Auf die Glut kommt es bei mir an.
Hast du geglüht?
Hast du dich in Liebe verschenkt, verausgabt, hingegeben wie Jesus?
(Quelle unbekannt, frei nacherzählt)
Die Liebe Jesu, die ihn für uns bis an Kreuz gehen ließ,
richtet auf und erweckt zu neuem Leben.
Empfangen wir das Aschenkreuz mit dieser Zuversicht.
Gott schenkt uns die vierzig Tage als Zeit der Besinnung und Umkehr.
Mit unseren Bitten kommen wir zu ihm:
Für alle Verantwortlichen in Politik, Wissenschaft und Medizin, die in dieser Zeit schwierige Entscheidungen treffen müssen.
Für alle Menschen, die sich für die Fastenzeit vorgenommen haben, ihren Lebensstil und dessen Auswirkungen auf andere zu bedenken.
Für alle, die aufgrund der Corona-Krise gesundheitliche, finanzielle oder psychische Probleme haben.
Für alle, die sich immer wieder neu auf die Suche nach Gott machen.
Für alle, die sich für geflüchtete Menschen engagieren und ihre Stimme für die Armen erheben.
Für alle Verstorbenen und besonders für jene, die an Corona verstorben sind.
Guter Gott, du bist und bleibst uns nahe.
Dafür danken wir dir heute und alle Tage unseres Lebens. - Amen.
Barmherziger und gütiger Gott am Beginn dieser Fastenzeit bitten wir dich:
Für jene, die fasten müssen, weil sie nicht genug zum Leben haben.
Für jene, die in der Hektik ihres Alltages keine Ruhe für Gebet und Meditation finden.
Für jene, die jetzt in der Fastenzeit für Hilfsorganisationen spenden.
Für alle, die Gutes tun, aber niemand bemerkt es.
Für jene, die unversöhnt mit Gott, sich selbst oder ihren Mitmenschen sind.
Für alle, die in dieser Fastenzeit umkehren und damit neue Perspektiven gewinnen möchten.
Für unsere Verstorbenen und ihre Angehörigen
Gott du bist treu und gut.
Wir vertrauen dir alle unsere Sorgen und Anliegen an mit Jesus unserem Bruder und Herrn. – Amen.
© Mag.a Dorothea Schwarzbauer-Haupt, Theologin, Diözese Linz
Herr, unser Gott,
zu Beginn der heiligen vierzig Tage bringen wir dieses Opfer dar
und bitten dich: Hilf uns, umzukehren
und Taten der Buße und der Liebe zu vollbringen,
damit wir unseren bösen Neigungen nicht nachgeben.
Reinige uns von Sünden
und mache uns fähig,
das Gedächtnis des Leidens unseres Herrn Jesus Christus
mit ganzer Hingabe zu begehen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Aschermittwoch
Kehrvers:
Lobe den Herrn, meine Seele!
(GL 58,1)
Guter Gott,
wir kommen zu dir, um dir zu danken
und deine barmherzige Liebe zu preisen.
Du hast den Menschen, als er sich von dir abgewandt hat,
nicht verstoßen, sondern auf einen Weg geführt,
auf dem er die Tiefe deiner Weisheit und Liebe zu verstehen begann.
Kehrvers
Du hast immer wieder mit den Menschen einen Bund geschlossen
und schließlich Israel zu deinem heiligen Volk erwählt.
Wann immer es deinen Bund verlassen hat,
hast du ihm Propheten gesandt,
damit sie die Herzen der Menschen wieder dir zuzuwenden.
Kehrvers
Jesus von Nazareth hat den Bund mit deinem Volk erneuert.
Er hat uns an seiner innigen Verbundenheit mit dir teilhaben lassen
und uns den Heiligen Geist gesandt,
durch den auch wir dich Vater nennen.
Er hat uns mit dir, heiliger Gott und Vater, versöhnt
und ruft uns zur Umkehr,
wo immer wir von deinen Wegen abgewichen sind.
Kehrvers
Wir danken dir für die Gnade und Barmherzigkeit,
mit der du uns begegnest
und die uns die Kraft gibt, auch einander zu vergeben
und auf den Weg zurück zu kehren, den Jesus Christus mit uns geht.
Wir stimmen ein in den Lobgesang aller Menschen,
die deine Größe erkannt haben,
und singen mit den Engeln und Heiligen dein Lob:
Danklied, z. B. "Mein ganzes Herz erhebet dich..." (GL 143)
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen deinen heiligen Namen.
Denn jetzt ist die Zeit der Gnade,
jetzt sind die Tage des Heiles.
Du hilfst uns, das Böse zu überwinden,
du schenkst uns von neuem die Reinheit des Herzens.
Du gibst deinen Kindern die Kraft,
in dieser vergänglichen Welt
das unvergängliche Heil zu wirken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn preisen wir dich
in deiner Kirche und vereinen uns
mit den Engeln und Heiligen zum Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig...
MB Fastenzeit 2
Wer über die Weisung des Herrn nachsinnt bei Tag und Nacht,
bringt seine Frucht zur rechten Zeit.
(Ps 1,2-3)
Oder:
Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade;
jetzt ist er da, der Tag der Rettung.
(2 Kor 6,2b)
So satt wie heute waren wir noch nie -
aber auch noch nie
so unersättlich
So reich an allem waren wir noch nie -
aber auch noch nie
so arm
So eng beisammen wohnten wir noch nie -
aber auch noch nie
so weit weg voneinander
So versichert waren wir noch nie -
aber auch noch nie
so unsicher
So viele Sprachen konnten wir noch nie -
aber auch noch nie
so wenig gute Worte
So viele Möglichkeiten hatten wir noch nie -
aber auch noch nie
so wenig Freude
Fasten heißt auch:
Chancen nutzen
Möglichkeiten ergreifen
Hindernisse überwinden
Gutes tun
neu beginnen
Ich kann fasten
und dabei nur mich selber suchen.
Ich kann beten und zum Gottesdienst gehen
und nur um mich selber kreisen,
um mich und um mein Wohlergehen.
Mein Fasten und mein Beten,
mein Gottesdienstbesuch
wollen und sollen mich verändern,
wollen senden und einladen
die Welt und die Menschen neu zu sehen.
Ich bin eingeladen
von Gott persönlich -
mich zu verändern und senden zu lassen,
hin zu meinen Schwestern und Brüdern,
zu den Bedürftigen und Geringen.
Mein Fasten und mein Beten
soll etwas verändern
in mir
und bei denen,
die diese Welt mit mir teilen.
Ich bin da vor dir, mein Gott
du kennst und verstehst mich besser
als ich mich kenne und verstehe
Vor dir darf ich alles ans Licht bringen
auch das, was in mir dunkel ist
dir muss ich nichts vormachen
Vor dir darf ich meine Masken ablegen
ich darf sein, wie ich bin, wer ich bin
vor dir darf ich auch zulassen
was ich vor meinen Mitmenschen verberge
Du gibst mir dein Wort
und sagst zu mir
ich liebe dich so wie du bist
mit deinen Stärken und deinen Talenten
aber auch mit all deinen Fehlern und Schwächen
ich bitte dich heute
gib mir Kraft und Mut zur Umkehr
wo es nötig ist
Schenke mir das Vertrauen und die Hoffnung
dass sich auch das Dunkel in mir
in Licht und Leben verwandelt
Ich danke dir für die Erlösung durch Jesus Christus
und für die Kraft des Heiligen Geistes
die mich zu neuem Leben führt.
Barmherziger Gott,
stärke uns durch dieses heilige Mahl,
damit wir fasten können, wie es dir gefällt,
und durch die Feier dieser Tage Heilung finden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Aschermittwoch
Gott,
unter deinem Segen gehen wir auf dem Weg des Neubeginns
dem Osterfest entgegen.
Schenke du uns dazu die Kraft,
mit der du deinen Sohn
vierzig Tage durch die Wüste geführt hast.
Das erbitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
Bald wie ein Sommermorgen, bald Sonne im Zenit,
Bald eine Regenwolke, die durch meinen Himmel zieht,
Bald schweigsam und verschlossen, überschäumend gleich danach,
Sie ist der dunkle Bergsee, und sie ist der helle Bach.
Geheimnisvoll, dazu an Überraschungen so reich,
Sie ist so wie ich sag‘ und auch das Gegenteil zugleich.
Asche und Glut,
Schwarz oder weiß,
Lava und Eis,
Ebbe und Flut.
Sie ist wie ein Bild im Kaleidoskop, das kaum geseh‘n
In bunte Scherben fällt, um neu und schöner zu entsteh‘n.
Und ihre Seele hat so viele Farben wie das Licht,
Das sich in Tauperlen im Gras als Regenbogen bricht,
Wie schillernde Akkorde aus einer Sphärenmusik,
Und ich, ich liebe jeden Stein in diesem Mosaik!
Ich hab‘ manches gelernt von ihr, und lerne doch nie aus,
Je mehr ich weiß, desto weniger werd‘ ich schlau daraus.
Sie ist mir oft ein Rätsel, doch ich komme zu dem Schluß,
Daß ich nicht jedes Rätsel auf der Welt verstehen muß.
Ein Buch mit sieben Siegeln, doch ich rühre nicht daran,
Solang ich in der Wärme ihrer Liebe leben kann!
Reinhard Mey
Wohlauf, mein Herz und all mein Mut,
und such das Gut ob allem Gut!
Was das nicht ist, das schätz gar klein
Und sehn dich allzeit wieder heim.
Du hast doch hier kein Bleiben nicht,
ob’s morgen oder heut geschieht.
Da es denn anders nicht mag sein,
so flieh der Welte falschen Schein.
Bereu dein Sünd und beßre dich,
als wolltst du morgn gen Himmelreich.
Ade, Welt, Gott gesegne dich!
Ich fahr dahin gen Himmelreich.
1
Staub und Asche
verherrlichen dich nicht.
Du hast es doch nicht nötig,
daß ich sterbe.
2
Heile mich. Heile mich nicht.
Was nicht sein kann, kann nicht sein.
Heile mich von meiner Angst.
3
Ich habe noch so Vieles nicht gesehn.
Es gibt Menschen, die ich liebe.
Ich kann es nicht glauben. Warum
hast du mich verlassen?
4
Ende noch nicht in Sicht.
Ich sehe Licht. Ich fühle Schmerz.
Schmerz, der mich schafft.
Der ich sterben muß,
einsam wie wir alle.
5
Sende den Engelo
des letzten Trostes,
die Augen eines Menschen.
Enthalte mir den einen
Menschen nicht vor, der sagt:
hier bin ich.
6
Weck meine Milde wieder auf,
Gib mir zurück
die Augen eines Kindes.
Daß ich sehe, was ist,
und mich anvertraue
und das Licht nicht hasse.
7
Weil du es bist,
größer als mein Herz,
der mich gesehen hat,
eh ich geboren wurde.
Lasset uns mit Jesus ziehen,
seinem Vorbild folgen nach,
in der Welt der Welt entfliehen,
auf der Bahn, die er uns brach,
immer fort zum Himmel reisen,
irdisch noch schon himmlisch sein,
glauben recht und leben rein,
in der Lieb den Glauben weisen.
Treuer Jesu, bleib bei mir,
gehe vor, ich folge dir.
Lasset uns mit Jesus leiden,
seinem Vorbild werden gleich;
nach dem Leide folgen Freuden,
Armut hier macht dorten reich,
Tränensaat, die erntet Lachen;
Hoffnung tröste mit Geduld:
Es kann leichtlich Gottes Huld
aus dem Regen Sonne machen.
Jesu, hier leid ich mit dir,
dort teil deine Freud mit mir.
Lasset uns mit Jesus sterben;
sein Tod uns vom andern Tod
rettet und vom Seelverderben,
von der ewiglichen Not.
Lasst uns töten hier im Leben
unser Fleisch, ihm sterben ab,
so wird er uns aus dem Grab
in das Himmelleben heben.
Jesu, sterb ich, sterb ich dir,
dass ich lebe für und für.
Lasset uns mit Jesus leben.
Weil er auferstanden ist,
muss das Grab uns wiedergeben.
Jesu, unser Haupt du bist,
wir sind deines Leibes Glieder
wo du lebst, da leben wir;
ach erkenn uns für und für,
trauter Freund, als deine Brüder!
Jesu, dir ich lebe hier,
dorten ewig auch bei dir.
Beteiligung zahlreicher Künstler an der Liturgie zum Beginn der Fastenzeit - Installationen machen auf die Botschaft von Buße und Umkehr aufmerksam
Wien, 13.2.2015 (KAP) Am Aschermittwoch als Beginn der Fastenzeit wird in den Kirchen das Aschenkreuz als Zeichen für Umkehr und Buße ausgeteilt. Etliche Angebote der Kirchen im ganzen Bundesgebiet laden auch heuer dazu ein, diesem Tag - er fällt diesmal auf den 18. Februar - einen ökumenischen oder künstlerischen Schwerpunkt zu geben. Spezielle liturgische Feiern gibt es u.a. auch für Journalisten sowie für Künstler.
Eine bereits langjährige Initiative ist die Aschermittwochs-Feier von Christen verschiedener Konfessionen, die in Wien etwa in der Ruprechtskirche stattfindet. Der "ökumenische Aschermittwoch" ab 19 Uhr wird vom Ruprechtskirchen-Rektor P. Hans Brandl sowie von der evangelischen Hochschulpfarrerin Gerda Pfandl geleitet. Das Thema des Wortgottesdienstes mit Aschenkreuz-Verteilung, der besonders auch Familien mit Partnern und Kindern aus verschiedenen Konfessionen ansprechen soll, lautet "Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider". Im Zentrum steht dabei der alttestamentliche Prophet Joel mit seinen Aufrufen zur Buße sowie auch seinen Hoffnungsworten.
Die Wiener Hofburgkapelle ist bereits ab 17 Uhr Schauplatz des diesjährigen "Aschermittwochs der Künstler", an dem Musiker und Schauspieler unter Verzicht ihres Honorars zugunsten der St. Anna Kinderkrebsforschung Darbietungen geben. Im literarischen Programm unter dem Motto "Sisyphos" wird Nestroy-Preisträgerin Sunnyi Melles mit Studenten des Max Reinhardt-Seminars Texte von Albert Camus, Charles Baudelaire, Günter Grass und anderen Autoren lesen. Neben musikalischen Beiträgen aus allen Epochen ist eine "gestische Intervention" von Jacqueline Kornmüller mit den Wiener Sängerknaben zu Franz Schuhs Videointerview "Über die Zukunft" geplant. (Anmeldung unter office@hofmusikkapelle.gv.at, erbetene Mindestspende 25 Euro).
Besonders an Journalisten ist die Einladung des katholischen Publizistenverbandes gerichtet, der ebenfalls um 17 Uhr den "Aschermittwoch für Medienleute" in der Wiener Michaelergruft veranstaltet. Der Ort ist sehr bewusst gewählt - so wird der Pfarrer der Michaelerkirche, P. Peter von Meijl, inmitten der teils offenen Särgen mit den Worten "Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst" das Aschenkreuz auf die Stirn zeichnen.
Installationen in den Domkirchen
Zahlreiche liturgische Veranstaltungen auch in den Bundesländern setzten künstlerische Akzente, um die Botschaft des Aschermittwochs und der Fastenzeit zu verdeutlichen. So wird etwa bei der Aschenkreuz-Feier im Innsbrucker Dom (19 Uhr) die Kunstinstallation "Poly X" von Heidi Holleis zu sehen sein, die bis Karsamstag an dieser Stelle verbleibt. Eine Installation von Gerhard Kalian ist im Klagenfurter Dom zu sehen, wo ebenfalls um 19 Uhr Bischof Alois Schwarz die Aschermittwochsliturgie feiert.
In St. Pölten findet - diesmal erst am Donnerstag, 19. Februar um 18.30 Uhr - im Dom eine Fastenbesinnung für Künstler statt. Im Anschluss eröffnet Diözesanbischof Klaus Küng die Ausstellung "Nur Kunst" im Bischöflichen Sommerrefektorium, bei der bis 15. März Werke von zehn bildenden Künstlern und drei Literaten zu erleben sind. Im Gurker Dom wird am Mittwoch mit Beginn der Aschermittwochs-Liturgie um 18 Uhr das "Hungertuch" aus dem Jahr 1458 aufgezogen. Das 89-Quadratmeter-Textilwerk des Meisters Konrad aus Friesach gilt als eines der bedeutendsten Zeugnisse mittelalterlicher Malkunst.
In der Linzer Ursulinenkirche steht die Aschermittwochsliturgie um 20 Uhr unter dem Motto "Memento Mori". Zu sehen ist die Installation "ich bin vergangen, du bist" von Hannelore Demel-Lerchster, zudem gibt es eine Predigt und Orgelimprovisationen von Kirchenrektor Peter-Paul Kaspar.
"Aktion Liebe" im Burgenland
Öffentlichkeitswirksam startet die Diözese Eisenstadt in die Fastenzeit: Bischof Ägidius Zsifkovics wird bei einem Aschermittwoch-Wortgottesdienst bereits um 11 Uhr das große Kreuz im Eisenstädter Martinsdom verhüllen, was zugleich Auftakt zur "Aktion Liebe" ist. Im ganzen Burgenland werden dabei in der Fastenzeit Kreuze im öffentlichen Raum - auch Marterln und Wegkreuze - verhüllt. Die Fortsetzung der "Aktion Glaube" sowie "Aktion Hoffnung" in den vergangenen Jahren soll Aufmerksamkeit für Glaubenszeichen und damit auch für den Glauben selbst wecken.
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Hildesheimer Bischof Trelle will im Gottesdienst "Last der Geschichte in den Blick nehmen" und um Verzeihung bitten.
Bonn, 13.2.2015 (KAP/KNA) Mit einem öffentlichen Schuldbekenntnis will der Hildesheimer katholische Bischof Norbert Trelle an Verfehlungen der Kirche im Laufe der Geschichte erinnern. Im Aschermittwochsgottesdienst um 18.30 Uhr im Dom wolle er in bisher nicht dagewesener Weise "die Last der Geschichte in den Blick nehmen" und um Verzeihung bitten, teilte die Diözese am Freitag in Hildesheim mit.
Es seien schlimme Fehler geschehen, teils aus gutem Glauben und Unwissenheit, aber auch "aus Machtkalkül, Patriotismus und Obrigkeitsgehorsam", so die Diözese. Der Bischof werde auch nicht verschweigen, "wo weggeschaut und geschwiegen wurde, wo Menschen in der Kirche Opfer von Missbrauch geworden sind". Das alles wolle Trelle mit der Bitte um Verzeihung "auf den Altar legen".
Die deutschen Bischöfe hatten speziell aufgrund der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche bereits 2011 in einen symbolischen Akt der Buße um Erneuerung und Vergebung gebeten.
Noch weiter ging zuvor der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode an Karfreitag 2010, als er ein öffentliches Schuldbekenntnis abgelegte und sich vor dem Altar auf den Boden legte und dort Minuten lang in Stille verharrte.
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O Herr, nimm dieses Herz von Stein
und gib mir ein menschliches Herz:
ein Herz, dich zu lieben und zu verehren,
ein Herz, in dir mich zu freuen,
dich nachzuahmen
und dir zu gefallen um Christi willen!
Ambrosius von Mailand in: Gebete großer Menschen. Zusammengestellt von Sr. M. Lucia OCD. Styria Verlag, Graz Wien Köln 1978.
Darf man jetzt, wo der Fasching eben seinem Höhepunkt zustrebt, schon von der Fastenzeit reden? Ich versuche es. Nicht deshalb, weil in den Kaufhäusern schon die Osterhasen angeboten werden. Sondern weil die nächste FURCHE erst erscheinen wird, wenn Heringsschmaus und/ oder Aschenkreuz schon hinter uns liegen.
Jahr für Jahr überlege ich mir zeitgemäße Formen, der Fastenzeit einen Stellenwert zu geben. Überzeugt davon, dass unser Leben samt seiner Maßlosigkeiten wenigstens gelegentlich den Verzicht braucht, um halbwegs in die Balance zu kommen. Um im Luxus dem "Wärmetod der Gefühle" zu entkommen. Und um die eigene Seelenkammer von Gerümpel aller Art zu säubern.
Gewinn durch Verzicht
Keiner von uns kommt ganz ohne Abschied von Falschem, Liebgewonnenem und allzu Bequemem aus. Alle spüren wir, wie oft unser komplexes Leben an die Grenzen dessen stößt, was unsere Seele noch ertragen kann; was sich an Zwängen und Ängsten mit unserem Wohlstand verschwistert. "Je mehr Du hast, desto mehr hat es Dich" - seit Jahren begleitet mich dieses Wort eines Mönchsfreundes. Es heißt im Umkehrschluss: Gewinn durch Verzicht.
Also: Was tun? Wo und wie die Ansprüche bewusst herunterschrauben - zumindest für ein paar Wochen? Nichts spricht gegen das klassische "Friss (trink, rauch ...) die Hälfte!". Würden wir uns daran halten, dann könnten - so sagt die Medizin - bis zu 30 Prozent unserer Spitalsbetten eingespart werden. Trotzdem: Mich irritiert der Verdacht einer spirituell entleerten Lifestyle-Askese - samt kommerzialisiertem Fitness- und Körperkult. Mehr denn je gerinnt uns ja sogar das Fasten zur reinen Sorge um uns selbst.
Persönlich glaube ich: Sinnvoll ist Verzicht nur dort, wo daraus Freiheit wächst - und nicht Fremdbestimmung. Religionen, Kirchen haben in beidem eine enorme Erfahrung. Hier Vergeistigung, ja Gottesbegegnung, dort Machtinstrument und Manipulation: "Ein abgemagerter Körper wird das schmale Himmelstor schneller durchschreiten", mahnte der schlaue Kirchenvater Tertullian.
Ich möchte es heuer anders versuchen. "Schuld" daran ist Franz Welser-Möst. Vor wenigen Tagen haben wir über sein großes Lebenselixier geredet: über die Stille. Das Mönchtum hat es immer gewusst -und die Musik auch: Großes - auch Heiliges - kann nur dort wachsen, wo dafür Zeit und Raum geschaffen wird. Wo Stille zugelassen und auch ertragen wird. Wo wir uns selbst die Chance geben, ruhig zu werden und auf die Sprache unserer Seele zu hören.
Ein Spalt in die Weite und Tiefe
Bewusst gesetzte Momente der Stille also. Klingt einfach, ist es aber nicht. Denn: Wir tun uns verdammt schwer mit der Stille. Wir "müllen" uns mit Lärm zu, sagt Welser-Möst, was - psychologisch gesehen - ein klares Fluchtverhalten ist: Flucht vor uns selbst. Vor dem Blick in den eigenen Spiegel. Auch der kleinste Moment von Stille ist also ein Spalt in die Weite -und Tiefe.
Übrigens: Punkt 18 Uhr haben gestern - wie jeden Tag - die Abendglocken geläutet. Ich habe es einmal versucht: Stehenbleiben und Zuhören. Es war schön.
Heinz Nußbaumer in: Die Furche 9 / 3. März 2011, Rubrik "Auf ein Wort".
Der Mensch ist bald vergessen,
Der Mensch vergißt so bald,
Der Mensch hat nichts besessen,
Er sterb jung oder alt.
Der Mensch ist bald vergessen,
Nur Gott vergißt uns nicht,
Hat unser Herz ermessen,
Wenn es in Schmerzen bricht.
Wir steigen im Gebete
Zu ihm, wie aus dem Tod,
Sein Hauch, der uns durchwehte,
Tat unserm Herzen not.
Achim von Arnim in: Hans-Rüdiger Schwab, Gott im Gedicht. Ein Streifzug durch die deutschsprachige Lyrik. Tops Verlag, Kevelaer 2007.
Stille lass mich finden, Gott, bei dir.
Atem holen will ich, ausruhn hier.
Voller Unrast ist das Herz in mir,
bis es Frieden findet, Gott, in dir
Lassen will ich Hast und Eile,
die mein Tagewerk bestimmen,
die mich ständig weitertreiben.
Innehalten will ich, rasten.
Will vergessen, was die Augen,
was die Sinne überflutet,
diese Gier: Das muss ich sehen.
Ruhen sollen meine Augen.
Lassen will ich alles Laute,
das Gerede und Getöne,
das Geschrei und das Gelärme.
Schließen will ich Mund und Ohren.
Will vergessen meine Sorgen:
Was ist heut und was wird morgen?
Ich bin ja bei dir geborgen,
du wirst allzeit für mich sorgen.
Stille lass mich finden, Gott, bei dir.
Atem holen will ich, ausruhn hier.
Voller Unrast ist das Herz in mir,
bis es Frieden findet, Gott, in dir.
zum Kern vordringen
prüfen ob
die Ehrlichkeit ehrlich
der Fuß geerdet
das Bild real
die Offenheit offen
nicht verführbar sein
für Projektion Ideologie
Geltungssucht Rechthaberei
Übertreibung
kein seichter Talkshowmaster werden
den so genannten Großen schmeichelnd
nicht devot Ruf und Mammon folgen
und Begegnungen
zu Seifenopern
verkommen lassen, ach nein
mit Tiefe denken reden
gelassen altern
einfach aufrichtig schlicht
die kleinen Kreise ziehn
die Not und Sorge
im eigenen Quadratkilometer
erkennen wollen
hilfsbereit Hand anlegen
ohne Aufhebens
das Gold der Stille schätzen lernen
schillernd aus trübem Alltag
Feste machen
und Sekunden für die wahren
Wunder halten
Aus: Iris Mandl-Schmidt, Schaff meinen Gedanken einen Weg. Gebete ins Konkrete. Matthias-Grünewald-Verlag Mainz 2001.
Gott, du Schöpfer und Herr der Zeiten,
nach der Zeit fröhlicher Ausgelassenheit
wird uns bewusst, was unser Leben beschwert:
Anfechtungen durch Leiden und Tod,
Verstrickungen in Schuld,
Enttäuschungen durch Verletzungen.
Stärke uns in dunklen Stunden
Mit der Hoffnung auf deine Zukunft.
Das bitten wir dich im Namen Jesu Christi.
Aschermittwoch, in: Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die Evangelische Kirche der Union und für die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschland, Berlin 1999, S. 293.
FLUGSAND der Stunden. Leise fortwährende Schwindung
auch noch des glücklich gesegnetes Baus.
Leben weht immer. Schon ragen ohne Verbindung
die nicht mehr tragenden Säulen heraus.
Aber Verfall: ist er trauriger, als der Fontäne
Rückkehr zum Spiegel, die sie mit Schimmer bestaubt?
Halten wir uns dem Wandel zwischen die Zähne,
dass er uns völlig begreift in sein schauendes Haupt.
Rainer Maria Rilke, in: Die Gedichte, Itb 2246, Frankfurt-Leipzig: Insel 1998, 945.
Wohl dem Mann, der nicht dem Rat
der Marketingfachleute folgt
Der nicht in die Fallen
ihrer politischen Propaganda tritt
Und der nicht für den von Verbrechern
finanzierten Kandidaten stimmt
Sondern Freude hat auf den Wegen
des Reiches Gottes
Und nach seinen Zeichen Ausschau hält
Am Tag und in der Nacht.
Er ist wie eine Bananenstaude
Die stirbt und von Neuem geboren wird
Und erst ganz verschwindet
Wenn sie schon viele Früchte getragen hat.
Nicht so die Schlechten;
Ihre populistischen Versprechungen
widern das Volk an
Ihr Doppelleben wird eines Tages aufgedeckt.
Denn den Herrn täuschen sie nicht
Und eines Tages werden sie es erfahren:
Dass
In Gott seinen Nachhall findet,
was sie dem Armen antun.
Nach Psalm 1
Alfonso M. L. Soares (Sao Paulo), in: Psalmen der Völker, hrsg. vom Missionswissenschaftliches Institut Missio e.V., Aachen 2007, S. 46f.
Das Glück ist eine leichte Dirne,
Und weilt nicht gern am selben Ort;
Sie streicht das Haar dir von der Stirne
Und küsst dich rasch und flattert fort.
Frau Unglück hat im Gegenteile
Dich liebefest ans Herz gedrückt;
Sie sagt, sie habe keine Eile,
Setzt sich zu dir ans Bett und strickt.
Heinrich Heine, in: 100 Gedichte, hrsg. Jan-Christoph Hauschild, Berlin: Aufbau 2002, 127.
Sie werden wissen
wann es Zeit ist
sie zur Welt zu bringen,
die neue Schöpfung.
Oh Gott sei Du Hebamme unserer Träume,
mach Hebammen aus uns allen.
Sie müssen wissen
genau, was es heißt pressen,
Sie müssen wissen
wie hart pressen, wenn etwas Neues
dabei ist, geboren zu werden.
Oh Gott sei Du Hebamme unserer Hoffnungen,
mach Hebammen aus uns allen.
Sie müssen wissen
wie die Nabelschnur abschneiden
und wie man loslässt,
was schon vergangen ist,
weil das, was sein wird,
anders sein wird,
und es wird nötig sein,
sich einige Zeit zu nehmen,
um sich daran zu gewöhnen.
Oh Gott sei Du Hebamme unserer Freiheit,
mach Hebammen aus uns allen.
Wie gut ist es
den Traum zur Welt zu bringen.
Ermögliche uns, ihn wach zu halten
bis er sich erfüllt.
Oh Gott sei Du Hebamme der Zukunft,
mach Hebammen aus uns allen.
Was ist die Welt und ihr berühmtes Glänzen?
Was ist die Welt und ihre ganze Pracht?
Ein schnöder Schein in kurzgefaßten Grenzen,
Ein schneller Blitz bei schwarzgewölkter Nacht,
Ein buntes Feld, da Kummerdisteln grünen,
Ein schön Spital, so voller Krankheit steckt,
Ein Sklavenhaus, da alle Menschen dienen,
Ein faules Grab, so Alabaster deckt.
Das ist der Grund, darauf wir Menschen bauen
Und was das Fleisch für einen Abgott hält.
Komm, Seele, komm, und lerne weiter schauen,
Als sich erstreckt der Zirkel dieser Welt!
Streich ab von dir derselben kurzen Pranken,
Halt ihre Lust für eine schwere Last:
So wirst du leicht in diesen Port gelangen,
Da Ewigkeit und Schönheit sich umfasst.
Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau, (1617-1679), in: Gebete der Dichter. Große Zeugnisse aus 12 Jahrhunderten, ausgewählt von A. Weimer, Düsseldorf 2006, S.103.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
Ihre Spende ermöglicht uns die Weiterführung und Weiterentwicklung des Predigtforums.
Der Prophet fordert dabei vor allem eine Umkehr der Herzen. Die innere Haltung der Einzelnen wie des ganzen Volkes muss sich verändern. Wer sein Herz zerreißt, der öffnet es für das Wort und das Erbarmen Gottes. Niemand soll sich von diesem Umkehrvorgang ausschließen. Selbst junge Brautleute sollen daran teilnehmen, auch wenn sie ansonsten im Volk viele Vorrechte genießen. Öffentlicher Ausdruck für die allgemeine Umkehr ist ein Bußgottesdienst im Tempel.
Hinter dem, was Joel fordert, steht die Überzeugung, dass das Gericht nicht unabwendbar ist. Gott ist voll erbarmender Liebe. Bemerkenswert ist die Aussage: "Vielleicht kehrt er um, und es reut ihn, und er lässt Segen zurück ...". Zwar wird mit dem "Vielleicht" ein gewisser Vorbehalt geäußert, doch damit kommt zum Ausdruck, dass Gott souverän ist über sein Erbarmen und dass seine Barmherzigkeit nicht einfach erzwungen werden kann. Ebenso aber wird deutlich, dass Gott nicht eine ferne, unbewegbare, blinde Macht ist, sondern bereit, sich rühren und umstimmen zu lassen, letztlich ganz menschlich zu sein: reuevoll und umkehrwillig - seinem Volk zum Heil und Segen.
Das Buch Joel gliedert sich in zwei Teile: ein Aufruf zur Klage und Reue angesichts einer verheerenden Heuschreckenplage und Not des Volkes. Im zweiten Teil (Kap. 3 und 4) ist von einem Tag Jahwes die Rede, der die Not wenden wird.
Das Buch beginnt mit einem leidenschaftlichen Aufruf zur Buße. Nicht das äußere Fasten ist wichtig. "Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider und bekehrt euch zu dem Herren, eurem Gott!". Joel hofft, dass sein Aufruf zur Buße so viel Reue und Umkehr bewirke, dass das Strafgericht zum Segen gewandelt werden kann. Wenn das Volk sich auf diese Weise für Jahwe öffnet, wird es bereit sein für die große Prophezeiung: "Denn er ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte, und es reut ihn, dass er das Unheil verhängt hat."
Das Buch Joel gehört zu den sog. zwölf kleinen Prophetenbüchern des AT. Hinsichtlich der Abfassungszeit wird ein solch großes Spektrum diskutiert, dass man die historischen Hintergründe nur mühsam zur Interpretation der Prophetenworte heranziehen kann. Immer wahrscheinlicher wird eine Datierung in die erste Hälfte des 9. Jahrhunderts v.Chr.
Der Prophet Joel verkündet dem Volk Juda Gericht und Bestrafung, dem durch Fasten und Beten entgegen gegangen werden soll. Über das, was die Bestrafung Gottes für das Volk darstellt - Einfall der Assyrer? - lässt sich nur spekulieren.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive