Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Genesis.
Gott sprach zu Noach
und seinen Söhnen, die bei ihm waren:
Ich bin es.
Siehe, ich richte meinen Bund auf
mit euch und mit euren Nachkommen nach euch
und mit allen Lebewesen bei euch,
mit den Vögeln, dem Vieh und allen Wildtieren der Erde bei euch,
mit allen, die aus der Arche gekommen sind,
mit allen Wildtieren der Erde überhaupt.
Ich richte meinen Bund mit euch auf:
Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch
vom Wasser der Flut ausgerottet werden;
nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben.
Und Gott sprach:
Das ist das Zeichen des Bundes,
den ich stifte zwischen mir und euch
und den lebendigen Wesen bei euch
für alle kommenden Generationen:
Meinen Bogen setze ich in die Wolken;
er soll das Zeichen des Bundes werden
zwischen mir und der Erde.
Balle ich Wolken über der Erde zusammen
und erscheint der Bogen in den Wolken,
dann gedenke ich des Bundes,
der besteht zwischen mir und euch
und allen Lebewesen, allen Wesen aus Fleisch,
und das Wasser wird nie wieder zur Flut werden,
die alle Wesen aus Fleisch verdirbt.
Lesung aus dem Buch Genesis.
Dann segnete Gott Noach und seine Söhne
und sprach zu ihnen:
Seid fruchtbar, mehrt euch und füllt die Erde!
Furcht und Schrecken vor euch
soll sich auf alle Tiere der Erde legen,
auf alle Vögel des Himmels,
auf alles, was sich auf dem Erdboden regt,
und auf alle Fische des Meeres;
in eure Hand sind sie gegeben.
Alles, was sich regt und lebt,
soll euch zur Nahrung dienen.
Das alles übergebe ich euch wie die grünen Pflanzen.
Nur Fleisch mit seinem Leben, seinem Blut,
dürft ihr nicht essen.
Wenn aber euer Blut vergossen wird,
fordere ich Rechenschaft für jedes eurer Leben.
Von jedem Tier fordere ich Rechenschaft und vom Menschen.
Für das Leben des Menschen fordere ich Rechenschaft
von jedem, der es seinem Bruder nimmt.
Wer Blut eines Menschen vergießt,
um dieses Menschen willen wird auch sein Blut vergossen.
Denn als Bild Gottes hat er den Menschen gemacht.
Ihr aber, seid fruchtbar und mehrt euch;
regt euch auf der Erde und mehrt euch auf ihr!
Gott sprach zu Noach
und seinen Söhnen, die bei ihm waren:
Ich bin es.
Siehe, ich richte meinen Bund auf
mit euch und mit euren Nachkommen nach euch
und mit allen Lebewesen bei euch,
mit den Vögeln, dem Vieh und allen Wildtieren der Erde bei euch,
mit allen, die aus der Arche gekommen sind,
mit allen Wildtieren der Erde überhaupt.
Ich richte meinen Bund mit euch auf:
Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch
vom Wasser der Flut ausgerottet werden;
nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben.
Und Gott sprach:
Das ist das Zeichen des Bundes,
den ich stifte zwischen mir und euch
und den lebendigen Wesen bei euch
für alle kommenden Generationen:
Meinen Bogen setze ich in die Wolken;
er soll das Zeichen des Bundes werden
zwischen mir und der Erde.
Balle ich Wolken über der Erde zusammen
und erscheint der Bogen in den Wolken,
dann gedenke ich des Bundes,
der besteht zwischen mir und euch
und allen Lebewesen, allen Wesen aus Fleisch,
und das Wasser wird nie wieder zur Flut werden,
die alle Wesen aus Fleisch verdirbt.
Kv: Deine Wege, Herr, sind Huld und Treue
für alle, die deinen Bund wahren. - Kv
Oder GL 623, 2
Zeige mir, HERR, deine Wege, *
lehre mich deine Pfade!
Führe mich in deiner Treue und lehre mich; /
denn du bist der Gott meines Heils. *
Auf dich hoffe ich den ganzen Tag. - Kv
Gedenke deines Erbarmens, HERR, /
und der Taten deiner Gnade; *
denn sie bestehen seit Ewigkeit!
Gedenke nicht meiner Jugendsünden und meiner Frevel! *
Nach deiner Huld gedenke meiner, HERR, denn du bist gütig! - Kv
Der HERR ist gut und redlich, *
darum weist er Sünder auf den rechten Weg.
Die Armen leitet er nach seinem Recht, *
die Armen lehrt er seinen Weg. - Kv
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Petrus.
Schwestern und Brüder!
Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben,
ein Gerechter für Ungerechte,
damit er euch zu Gott hinführe,
nachdem er dem Fleisch nach zwar getötet,
aber dem Geist nach lebendig gemacht wurde.
In ihm ist er auch zu den Geistern gegangen,
die im Gefängnis waren,
und hat ihnen gepredigt.
Diese waren einst ungehorsam,
als Gott in den Tagen Noachs geduldig wartete,
während die Arche gebaut wurde;
in ihr wurden nur wenige, nämlich acht Menschen,
durch das Wasser gerettet.
Dem entspricht die Taufe, die jetzt euch rettet.
Sie dient nicht dazu,
den Körper von Schmutz zu reinigen,
sondern sie ist eine Bitte an Gott
um ein reines Gewissen
aufgrund der Auferstehung Jesu Christi,
der in den Himmel gegangen ist;
dort ist er zur Rechten Gottes
und Engel, Gewalten und Mächte sind ihm unterworfen.
Lob dir, Christus, König und Erlöser!
Nicht nur vom Brot lebt der Mensch,
sondern von jedem Wort aus Gottes Mund.
Lob dir, Christus, König und Erlöser!
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit
trieb der Geist Jesus in die Wüste.
Jesus blieb vierzig Tage in der Wüste
und wurde vom Satan in Versuchung geführt.
Er lebte bei den wilden Tieren
und die Engel dienten ihm.
Nachdem Johannes ausgeliefert worden war,
ging Jesus nach Galiläa;
er verkündete das Evangelium Gottes
und sprach: Die Zeit ist erfüllt,
das Reich Gottes ist nahe.
Kehrt um
und glaubt an das Evangelium!
Die Schriftstelle ist zweigeteilt. Der erste Teil besteht aus der Versuchungsgeschichte, die eigentlich mehr den Abschluß der vorausgehenden Tauferzählung bildet.
Der zweite Teil wird bei den meisten Übersetzungen (so auch in der Einheitsübersetzung) mit einer eigenen Überschrift versehen, also abgehoben.
Der Vers 14 ist das "Summarium der Verkündigung Jesu", eine Zusammenfassung der Predigt Jesu (nämlich "das Evangelium Gottes"), während der Vers 15 konkreter ausformuliert, was Jesus verkündete:
"Die Zeit ist erfüllt": Hinter diesem Ausspruch "steht das Wissen, das Gott die Zeiten festlegt. So hat Gott den Zeitpunkt des Auftretens Jesu im voraus bestimmt." Mit ihm vollzieht sich die Zeitenwende, der Anbruch der Endzeit. Damit ist die Nähe der Gottesherrschaft eindeutig festgemacht.
Die Gottesherrschaft stellt sich aber "nicht als kosmisches Ereignis mit herabstoßenden Engelscharen", sondern "als ein verborgener Anfang, den nicht jedes Auge wahrnahm, sondern nur der Glaube."
Umkehr: Im Gegensatz zum Aufruf zur Umkehr und Buße bei Johannes, ruft Jesus zur Umkehr angesichts der nahendenn Gottesherrschaft auf, und es setzen die Zwölf Apostel diesen Ruf auch fort.
Mit Umkehr ist biblisch gesprochen die "Kehre des Lebens, die den Lebensweg radikal umwenden will und den gedanklichen Bereich selbstverständlich miteinbezieht und die sich im praktischen Leben auswirken muß. Ziel der Wandlung auf dem Weg, der also bis dahin ein falscher war, ist Gott, weil die Gottesherrschaft hier alle Bereiche des menschlichen Lebens des einzelnen, den privaten und öffentlichen, den ethischen und politischen, umgreift."
Die Forderung hinter all dem ist der Glaube an das Evangelium von Jesus Christus.
Die Verse 1-15 im ersten Kapitel bilden den "Prolog" des ältesten der vier Evangelien. Das Stichwort "Evangelium" im Vers 1 und in den Versen 14 und 15 bildet gleichsam den Rahmen dieses Prologs. Die prophetische Rede und Wirksamkeit des Johannes wird von der Verkündigung Jesu und den Ereignissen um seine Person (Taufe, Versuchung) überboten. Jesus, zu dem sich im Bericht von der Taufe der Vater bekennt, soll schon hier als Hauptperson des ganzen Evangeliums herausgestellt werden.
Der knappe und sprachlich markante Bericht vom Wüstenaufenthalt und der Versuchung Jesu steht in engem Zusammenhang mit der Taufe im Jordan. Der Geist, der auf Jesus herabgekommen ist, führt ihn in die Wüste, den Ort der Gottesbegegnung, aber auch den Ort, an dem das Böse mächtig ist.
Jesus ist dem Satan überlegen. Gottes Geist ist unvergleichlich stärker als die Macht des Bösen. Das friedliche Zusammensein mit den wilden Tieren deutet darauf hin, dass mit dem Anbrechen der Gottesherrschaft paradiesische Zustände einkehren. Eine Adam-Christus-Typologie wird angedeutet. Die messianische Zeit bricht an. Boten Gottes bedienen den Gesalbten des Herrn.
Der Hinweis auf die Gefangennahme des Täufers Johannes (Vers 14) will sicher nicht nur einen zeitlichen Zusammenhang herstellen, er hat auch eine theologische Bedeutung. Der unbegreifliche Plan Gottes steht dahinter: Auch Jesus wird ausgeliefert werden. Der Ausdruck "Evangelium Gottes", der nur hier bei Markus steht, hat höchstwahrscheinlich seinen Ursprung im Freudenboten von Jesaia 52,7. Jesus ist der Bringer der Freudenbotschaft Gottes. Seine Verkündigung bedeutet Heil und Frieden.
Der Vers 15 faßt in vier knappen Aussagen, von denen je zwei zusammengehören, die Predigt Jesu zusammen: "Die Zeit ist erfüllt!" und "Das Reich Gottes ist nahe!" – "Kehrt um!" und "Glaubt an das Evangelium!". Jetzt ist der "Kairos", der rechte Augenblick. Jesu Heilsverkündigung steht in der Spannung zwischen dem "Schon jetzt" und "Noch Nicht", zwischen Heilsgegenwart und Heilszukunft (... ist nahe). Wer auf den Ruf Jesu mit der totalen Hinwendung seines Lebens auf Gott antwortet, der wird auch die rettende Macht des Glaubens erfahren.
Nach der Wüste beginnt Jesu Auftritt. Wüste ist Ort der Erinnerung an die Gottesbegegnung im Sinai. Und es ist die Erinnerung an die vielen Erfahrungen beim Exodus. An diese Erinnerungen knüpft der Geist an, der Jesus in die Wüste führt (Mk 1,12).
Aus der "Fülle der Geschichte" verkündet Jesus die Botschaft der Umkehr. Sie ist Botschaft zur Erinnerung an die Fülle der Zuwendungen Gottes.
Mit wenigen Worten beschreibt der Evangelist die 40 Tage Jesu in der Wüste. Diese biblischen Texte ruft in uns archaische Bilder wach, die den Sinn der Fastenzeit treffend zum Ausdruck bringen.
Sind 40 Tage viel oder wenig? Und 40 Tage Wüste? 40 Tage bei den wilden Tieren? Dass die Engel Jesus dienen, hört sich wenigstens schon einmal gut an. Aber ob sie aus der Wüste das Paradies machen?
Markus geizt mit Worten. Er erzählt nur, dass Jesus in die Wüste getrieben wurde – vom Geist – und in die Versuchung geführt - vom Satan. Mehr nicht. Geist und Satan scheinen sogar gemeinsame Sache zu machen. Die beiden, Gott und Teufel zusammen? Jesus soll wohl auf Herz und Nieren geprüft werden. Aber: warum? Warum jetzt?
Schauen wir uns um, sehen wir, wie der Evangelist Markus den Anfang Jesu beschreibt. Sein erster Satz im Evangelium: Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Ein grandioser Auftakt. Zugegeben. Die ersten Sätze haben es immer in sich! Dann erzählt Markus von Johannes dem Täufer, um ohne große Umschweife auf die Taufe Jesu zuzueilen. Schmucklos wird von ihr erzählt. Es geht auch alles rasend schnell. Sie erinnern sich vielleicht sogar. Da kommt eine Stimme aus dem Himmel: „Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.“ Eine Liebeserklärung ist das auch. Zunächst und vor allem anderen aber eine Offenbarung. Für uns! Spätestens jetzt sind wir mittendrin. Was dann folgt? Nun, „alsbald trieb ihn der Geist in die Wüste“.
Alsbald, umgehend, sofort. Darf ich das frei übersetzen: Der Sohn wird in die Wüste geschickt. Sieht so Wohlgefallen aus? Väterliche Liebe? Wenn ihnen das jetzt merkwürdig vorkommt (oder spanisch) – genau darauf hat es der Evangelist abgesehen.
40 Tage können die Hölle sein! Umgeben von wilden Tieren – sie schauen uns an, haben uns im Visier. Dabei sehen wir sie nicht einmal. Geahnt sind sie überall. Wappnen können wir uns nicht. Schlangenaugen. Und Jesus ist alleine. Die Engel lassen wir jetzt erst einmal aus dem Spiel.
40 Tage. Wie lange geht jetzt schon Corona? Viel, viel länger als 40 Tage. Gefühlt eine Ewigkeit. Im Kalender könnte ich nachrechnen, aber was bringt‘s? Jeden Tag zählen? Ich sehe eine Wüste. Mitten in der Stadt! Mitten in der Zivilisation! Wir leben jetzt zwar nicht mit wilden Tieren. Doch Corona ist heimtückisch. Ein unsichtbarer Feind. Er kommt nicht nur von heut auf morgen, er schleppt den Tod mit sich herum. Auch den Tod von Geschäften und Existenzen, von Hoffnung und von Mut. 40 Tage – sie lassen sich nicht zählen und auch nicht abwiegen. Werden wir auch auf Herz und Nieren geprüft? Sind wir mit Jesus gerade darin verbunden?
Ich will jetzt aber auch von einem alten Freund erzählen. Schon über die Achtzig. Einmal im Jahr muss er in die Wüste! Seine Frau merkt irgendwann im Jahr die Unruhe, die mit jedem Tag wächst. Ihre Bedenken finden kein Ohr. Sie kann ihn dann zum Bahnhof begleiten. Er sehnt sich danach, ohne jeden Komfort, Wüste um sich zu haben. Er liebt die Stille und die Weite. Er liebt die Kälte der Nacht. Die Sonne scheint ganz anders und der Mond auch. Er liebt aber auch, mit sich alleine zu sein. Wer das einmal probiert hat, weiß, wie abenteuerlich das ist: mit sich alleine sein! Das kann die Hölle sein. Wilde Tiere in der Seele.
Wüsten haben es in sich. Schon am Anfang des Christentums sind die sog. Wüstenväter in die Wüste gezogen. Sie flohen dem Lärm, den Ablenkungen, der Sicherheit - sie flohen der Welt. Viele Menschen suchten sie dann aber auf, sogar in Scharen, um einen Rat von ihnen zu bekommen. Seelsorger in der Wüste! Nicht im Chat! Man muss schon hinausgehen. In die Wüste. Zu erprobten Menschenkennern. 40 Tage müssen es nicht sein. - Warum nur wird Jesus in die Wüste geschickt?
40 Tage erinnern an 40 Jahre. 40 Jahre war Israel, nach der Flucht aus Ägypten, in der Wüste. Das gelobte Land, wie es hieß, war unendlich weit weg. So weit, dass es in immer weiterer Ferne entschwand. Von Tag zu Tag mehr! Wir drehen uns im Kreis, sagen die Menschen. Wir sind in die Irre geführt. Wir wissen nicht mehr, wo wir sind. Mose, der das Volk führt, gerät immer mehr in die Defensive. Er weiß es doch auch nicht – schaut euch das an. Sagen sie. Alles sieht gleich aus. Jeden Tag. Es beginnt mit dem Morgen und endet in der Nacht. Eine endlose Schleife. Kein Silberstreif am Horizont. Kein gelobtes Land. Nur entsetzliche Weite. Nichts, was den Augen Halt, den Füßen Schwung, den Seelen Mut geben würde. Der Frust wächst. Der Unglaube wächst. Die Wüste wächst.
Obwohl es eine alte Geschichte ist – sie kommt mir doch sehr bekannt vor. Das Warten. Die Unsicherheit. Die Vorwürfe. Ich sehe auch die Versuchungen, an Gott zu zweifeln, nach dem berühmten starken Mann zu rufen und Schuldige zu suchen. Letzteres besonders! Jetzt sind wir mit Jesus in der Wüste, umgeben von wilden Tieren. Markus zählt sie nicht auf, lässt sie auch nicht auf die Bühne. Aber wir spüren ihre Nähe. Unheimlich ist es schon.
Ich fühle mich wie jemand, der Indizien sammelt. Wir müssen doch herausbekommen, warum Jesus in die Wüste geschickt wird! Je größer das Geheimnis – umso größer die Neugier. Auch wenn ich das alles nicht auf die Kette bekomme, eine Spur ist zu finden. Der Weg Jesu wird in einer kleinen Szene schon am Anfang deutlich mit Wohlgefallen betrachtet. Geht er nicht tatsächlich in die Hölle? Teilt er nicht sein Leben mit Menschen, die angefochten, zweifelnd, verzweifelt sind? Die schuldig sind oder schuldig gesprochen werden? Die sich übernehmen und in die Wüste geschickt werden? Ist er nicht der Seelsorger in der Wüste?
Ungewohnte Bilder stellen sich ein. Aber der erste Satz leuchtet: Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Jetzt ist die Zeit erfüllt und das Reich Gottes nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium. So predigt Jesus. Als er aus der Wüste kommt. In der Wüste hat er sozusagen seinen Schliff bekommen. Sage keiner, der Sohn Gottes sei fertig gewesen, als er sich taufen ließ! Er teilt mit uns die Menschlichkeit.
40 Tage Evangelium. Fein abgemessen. Kein Tag zu viel, kein Tag zu wenig. Aber jeder Tag Himmel. In der Wüste. In der Hölle. Dass sogar der Satan dabei mitmachen muss - ist das der Schalk des Evangelisten oder der Übermut Gottes? Sein Wohlgefallen?
Als Petrus, wohl längere Zeit nach dem Evangelium, einen Brief schrieb – den wir in Auszügen auch vorhin gelesen haben -, hat er ziemlich treffsicher die Frage aufgenommen, die uns bewegt: Warum wurde Jesus in die Wüste geschickt?
Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben,
ein Gerechter für Ungerechte,
damit er euch zu Gott hinführe,
nachdem er dem Fleisch nach zwar getötet,
aber dem Geist nach lebendig gemacht wurde.
In ihm ist er auch zu den Geistern gegangen,
die im Gefängnis waren,
und hat ihnen gepredigt.
Die Geister im Gefängnis – das sind die Menschen, die in der Unterwelt, in der Hölle, die auf die Auferstehung warten. Auf Liebe, die ihr Leben gut macht. Sie wird ihnen geschenkt!
Übrigens: Satan ist der, der alles durcheinanderbringt, aufmischt, gegeneinander kehrt, sprich: der alles kaputt macht. Vertrauen zersetzt er gekonnt, Zweifel sät er professionell, Angst schürt er mit Tücke. Er nistet sich in unsere Seelen ein, nimmt uns von innen gefangen – und tut dann so, als gäbe es ihn nicht. Wie der Satan aussieht? Sein Gesicht zeigt er in der Wüste. Manchmal fühlen wir uns auch so, als würden sich dunkle Mächte in unseren Herzen breit machen, die wir weder gerufen haben noch im Zaum halten können.
Darum geht Jesus mit uns in die Wüste! Und Engel dienen uns.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Das Beispiel des vierzigtägigen Aufenthalt Jesu in der Wüste lädt uns ein, unsere Lebensweise zu überdenken und nach Reich-Gottes-Erfahrungen zu befragen. Solidarität ist ein unverzichtbares Moment des Reiches Gottes. Wie ist es um Solidarität im Nahbereich und im Blick auf die Menschen am Rand der Gesellschaft bestellt?.
Im heutigen Evangelium wird berichtet, dass Jesus in der Wüste war. Ganze vierzig Tage lang ist er dort gewesen. Eine Zeit, in der er sich ganz seiner Beziehung zu Gott gewidmet hat.
Auch für uns hat jetzt wieder mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit begonnen. Eine Zeit, die wir nutzen können um innezuhalten, um zu reflektieren, den Alltag genauer unter die Lupe zu nehmen. Fastenzeit als eine Zeit in den Rückspiegel zu blicken, um wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen und um sich wieder neu auf Gott auszurichten, neu zu beginnen, im Wissen um Gottes Versprechen da zu sein und zwar immer, wie uns in der Noah-Geschichte versichert wird. Er wird weder uns Menschen, noch den anderen Lebewesen den Rücken kehren, wie wir gerade eben in der Noah-Erzählung gehört haben. Das Angebot gilt! Und es wurde uns noch mehr angekündigt, im Evangelium spricht Jesus vom Reich Gottes, das nahe ist.
Was ist daraus geworden? Wie schaut es bei Ihnen derzeit mit Reich-Gottes-Erfahrungen aus? Wie geht es Ihnen? Bei mir ist es so, dass ich mich herausgefordert fühle durch die aktuelle Situation. Lockdown oder soft Lockdown, impfen oder nicht oder gar nicht möglich… wie auch immer, die Unruhe ist da.
Ja, ich bin etwas aus der Bahn geworfen. Seit einem Jahr verzichte ich weitgehend auf Sozialkontakte, mit allem Drum und Dran. Stattdessen gibt es vermehrt Video-Gespräche, die unterbrochen sind von schlechter Netzqualität, das Bild pixelt, der Ton fällt aus, ... ich sehe von jenen, die weiter weg leben und die ich meine Freunde und Freundinnen nenne, nicht wie sie gehen und stehen, wie sie sich befinden. Eine Wüstenzeit in gewisser Weise. Wo bleibt hier das Reich Gottes, das Jesus hier ankündigt, frage ich mich? Es versteckt sich wohl in der Hoffnung, dass es in absehbarer Zeit zu einer Verbesserung der Situation kommen wird. Sicher wird sich hier ein Weg finden.
Wo wir auch noch genau hinsehen sollten, ist die Frage welche Auswirkungen die Pandemie auf unser Zusammenleben ganz grundsätzlich und im Hinblick auf unsere demokratische Kultur hat. Was heißt das für die Solidarität als Grundlage unseres guten Miteinanders?
Die Entstehungsvoraussetzungen für Solidarität funktionieren derzeit anders. Solidarität entwickelt sich zuallererst mit den Menschen, die uns in irgendeiner Weise nahe sind, mit jenen in unserem nächsten Umfeld, mit jenen die wir für Unseresgleichen halten. Jenen, die die gleichen Hobbys und Interessen haben, beim selben Verein sind, sei es ein Sportverein oder eine Hilfs- oder Umweltorganisation oder eben auch bei der Kirche. Solidarität regt sich jedenfalls dort, wo wir mit Menschen vertraut sind. Genau dieser Nahbereich ist von der Pandemie betroffen und hat sich verändert.
Zudem wird derzeit von uns eine Solidarität erwartet, die sich im Abstandhalten zeigt, im Mangel an persönlichen physischen Begegnungen. Das geforderte Verhalten ist ein Widerspruch zu dem, wie wir sonst Solidarität im Nah-Raum entwickeln und leben. Wir sind angehalten etwas zu tun, was zumindest meinen Bedürfnissen zutiefst widerspricht, was aber wichtig ist. Hier braucht es viel Zuversicht. Ich denke, es wird uns gelingen, unser Beziehungsgeflecht nach dieser Zeit der Herausforderung wieder neu zu vertiefen. Denn die Pandemie hat sehr deutlich werden lassen, wie sehr Begegnungen fehlen, wie sehr sie unser Leben ausmachen.
Solidarität hat aber noch eine weitere Seite, die Solidarität, die jenen gilt, die am Rand der Gesellschaft leben, die Hilfe brauchen. Wie sieht ihre Lebenssituation derzeit aus?
Werfen wir zuerst einen Blick auf Menschen auf der Flucht. Die Frage ihrer Lebensqualität und -chancen, ist derzeit wieder medial stark präsent, weil Schulkinder in einer Nacht- und Nebel-Aktion abgeschoben wurden und uns Bilder von Menschen erschüttern, die unter unwürdigen Umständen hausen: Keine schutzbietenden Unterkünfte gegen Kälte oder andere Gefahren, Hunger, keine ausreichende Infrastruktur, weder Bildungsangebote, noch medizinische Versorgung. Wie kann hier Vertrauen und Zuversicht aufgebaut werden? Wo bleibt der sorglose Spaß, die Entspannung und Ruhe oder der Genuss, die unser Leben lebenswert machen? Diese Ereignisse und Bilder haben erschüttert. Immer mehr beteiligen sich an verschiedenen Initiativen wie Aufrufen, Spenden oder Unterbringungsangeboten, die dem Leid ein Ende bereiten wollen.
Die Angebote zu helfen, sind teilweise sehr konkret. Gemeinden, Pfarren und unterschiedlichste Gruppierungen wollen die Verantwortung übernehmen. Doch diese Ansinnen werden zerredet. Es wird von einer Verantwortungsethik im Gegensatz zur Gesinnungsethik gesprochen. Aber wie geht das, Verantwortung ohne Gesinnung? Ich hoffe doch, dass den guten Taten auch eine gute Absicht zugrunde liegt und nichts Anderes.
Eine weitere Wortwahl finde ich auch sehr besorgniserregend: flexible Solidarität. Was heißt das, »flexible Solidarität«. Und was heißt flexible Solidarität mit Menschen dort in anderen Ländern und hier bei uns für unser Miteinander? Stellen Sie sich vor, das wird zur allgemeingültigen Regel erklärt und zum Erziehungsziel. Welche Folgen hätte das? Zu welchem Verhalten wird hier aufgerufen? Geht es darum, uns abbringen zu lassen, von dem, was unser Impuls ist, nämlich Leben zu ermöglichen, zu teilen.
Stellen Sie sich vor, Solidarität gilt nur noch denen, die mir gerade angenehm sind. Was heißt das, wenn ich in Not gerate, wird mir jemand beim Aufstehen helfen, wird die Krankenkasse im Falle eines Unfalls, die Kosten für meine Behandlung übernehmen, wird sich jemand für mich einsetzen, wenn mir Unrecht widerfahren ist, ich ausgegrenzt werde? Was heißt das ganz konkret für jene, die in der Krise arbeitslos geworden sind oder geblieben sind, für jene, die in Kurzarbeit sind und bei denen es dann nicht reicht, weil das Geld auch vorher schon knapp war oder bei (kleineren) Unternehmen, die monatelang zusperren mussten? Nicht auszudenken.
Eine beliebige, unzuverlässige, eine eingeschränkte Solidarität, ein eingeschränkter Blickwinkel, das ist eine Versuchung vor der wir heute stehen. Auch Jesus wurde in der Wüste versucht nur an das eigene Wohl, den eigenen Erfolg und das eigene Weiterkommen zu denken, aber das war und ist nicht der Weg zum guten Miteinander. Wir können die Fastenzeit nutzen, um Sackgassen zu erkennen und Kraft zu sammeln, um uns aufzumachen in Richtung Reich Gottes, in Richtung gutes Leben aller Menschen auf dieser einen Erde und das Angebot annehmen, das Noah und uns allen gemacht wurde und wird, dass Gott jederzeit für uns da ist und mit uns ist.
© Mag.a Lucia Göbesberger, Leiterin der Abtlg. Gesellschaft & Theologie, Pastoralamt Linz.
Ereignisse wie die gegenwärtige Pandemie stellen unser Gottvertrauen in Frage. Wie können wir da dem Ruf Jesu "Kehrt um und glaubt an das Evangelium!" folgen?
Viele fragen sich: Ist in der schon lange dauernden Pandemie das Vertrauen zu Gott gewachsen oder schwächer geworden? Auf diese Frage können wir keine wissenschaftliche Antwort geben. Aber jeder kann für sich die Frage beantworten. Immer wieder begegne ich Menschen, die Gott misstrauen oder Menschen, bei denen der Glaube im Leben wenig oder gar keine Bedeutung mehr hat.
Wie kann ich den Satz der heutigen Frohbotschaft verkündigen: „Das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium“. (Mk 1,15) Gott ist uns nicht nur nahe, er ist in Jesus schon erschienen. Als Auferstandener bleibt er sogar bei uns bis zum Ende der Welt. Wer sich Jesus nähert, nähert sich Gott. Wenn ich das glaube, kann sich mein Leben total ändern. Doch in meiner Kindheit wurde Gott zum Erziehungsmittel degradiert. Der Höchste und Ewige wurde als strafender und nicht als liebender Gott dargestellt. In Wirklichkeit hat Jesus selbst unsere Schuld an sein Kreuz geheftet. Wir brauchen nicht mehr bestraft werden. Der rechte Schächer hat seine Vergehen bereut und kam noch am selben Tag in das himmlische Paradies. Als ich dies verstand, ist für mich das Evangelium zur Frohbotschaft geworden.
Kehrt um und glaubt an das Evangelium. Gott straft nicht, er verzeiht. „Wären unsere Sünden rot wie Scharlach. Sie sollen weiß werden wie Schnee. Wären sie rot wie Purpur, sie sollen weiß werden wie Wolle“ (Jes 1,18). Warum haben wir Mistrauen gegenüber Gott? Er macht doch alles gut. Vielen Menschen dauert die Pandemie schon zu lange. Sie fragen: Ist das ein guter Gott, der dies zulässt. Es gibt so viele Warum-Fragen. Jesus hat auch seiner Mutter das Leid zugemutet. Aber hinter jedem Leid steht die Liebe Gottes, die Sorge um unser Heil. Jesus kann auch das Kreuz in Segen verwandeln.
Die ersten Christen nannten sich Menschen eines neuen Weges (Apg 9,29, vgl. Ps 1). Gehen wir diesen Weg, führt er zur Auferstehung. Wir machen mit Jesus einen neuen Exodus, der aus dieser Welt hinaus zum Vater führt. Wir bleiben nicht bei der Pandemie stehen. Christus ist für uns der Weg zur Fülle des Lebens. In einem Lied heißt es: „Wir sind nur Gast auf Erden (siehe Hebr. 13,14) und wandeln ohne Ruh der ewigen Heimat zu“. Das macht uns gelassener gegenüber allen Ereignissen dieser Welt. „Muss ich auch wandern im Tal des Todesschattens, ich fürchte kein Unheil, denn der Herr ist bei mir“ (Ps 23,4).
Auf den Wegstrecken zu Gott stehen Rasthäuser (Gotteshäuser), in denen wir das Brot des Lebens empfangen dürfen. Nur ist das in der Zeit der Pandemie weniger oft möglich. Die heilige Katharina de Ricci (gest. 1590) sagt: „Die Vereinigung mit Jesus in der Kommunion sind Momente des Himmels auf Erden“. Kehren wir um! Glauben wir dem Evangelium. „Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll“ (Röm 8,18).
Die biblischen Texte des ersten Sonntags der Fastenzeit erzählen von Neuanfängen: der Neuanfang Gottes mit den Menschen nach der Sintflut, der Neuanfang Gottes, nachdem er sein Volk aus Ägypten herausführte, der Neuanfang, den Jesu einleitete und der Neuanfang mit der Umkehr, zu der wir von Jesus aufgerufen werden.
Von den biblischen Texten her steht der erste Fastensonntag unter dem Thema: Neu-Anfang. Wahrnehmen und beachten sollten wir dabei gleich von Beginn an: Der Anstoß dazu geht jeweils neu von Gott aus.
Heute ist der erste Sonntag der österlichen Bußzeit. Wir nennen sie auch die Vierzigtagezeit. Jesus wird in die Wüste geschickt. Da spielen der Geist Gottes, aber auch Satan eine Rolle. Gegenspieler, die sich jetzt wohl einmal einig sind. Einig darin, Jesus zu versuchen, ihn auf die Probe zu stellen, ihn fertig zu machen.
Oft haben wir auch das Gefühl, fertig gemacht und in eine Wüste geschickt zu werden. Wie lange das jetzt schon geht mit Corona? 40 Tage und mehr. Werden wir unser Vertrauen bewahren oder neu finden können?
Wir stehen am Beginn der Fastenzeit und werden eingeladen, neu unseren Glauben zu überprüfen. Die Einladung geschieht nicht vorwurfsvoll mit dem Hinweis, was wir alles falsch gemacht haben. Vielmehr sollen wir neu bedenken, mit welcher Liebe und Sorge sich Gott uns Menschen zuwendet. Wer dies tief bedenkt und immer wieder verinnerlicht, den wird sein Herz bewegen, trotz wiederholten Versagens von der Liebe nicht zu lassen. Er wird Kraft und Mühe darauf verwenden, Gott mit Werken der Liebe zu antworten.
Mit dem Aschermittwoch haben wir die 40-tägige Fastenzeit begonnen, um uns auf das Fest der Auferstehung vorzubereiten.
Der erste Sonntag der Fastenzeit erinnert uns an die vierzig Tage, die Jesus in der Wüste zugebracht hat, bevor er mit seiner Sendung an die Öffentlichkeit trat.
Auch wir bedürfen von Zeit zu Zeit eine Phase der Klärung unserer Lebensziele, unserer Beziehungen, nicht zuletzt unserer Beziehung zu Gott. Die Fastenzeit gibt uns dafür den nötigen Raum und schafft die entsprechende Atmosphäre.
Treten wir am Beginn dieser Feier vor den Herrn hin und bitten wir ihn, dass er sich uns zuwende:
Herr,
gewohnte Wege zu verlassen, fällt uns schwer,
wir haben uns in unseren Gedanken eingerichtet,
manchmal drehen wir uns nur noch um uns.
Herr, erbarme dich.
Herr,
Schuld einzugestehen, fällt uns schwer,
Wir suchen uns zu entlasten,
manchmal geben wir den schwarzen Peter einfach weiter.
Christus, erbarme dich.
Herr,
Menschen anzunehmen, die anders sind als wir, fällt uns schwer.
Wir pochen auf unsere Traditionen,
manchmal verschwinden hinter Ordnungen und Regeln Gesichter, die wir lieben könnten
Herr, erbarme dich.
Oder:
GL 168: O Herr, nimm unsre Schuld, mit der wir uns belasten
Herr,
dein Weg beginnt in der Wüste.
Mit bösen Geistern musst du kämpfen.
Sie wollen nicht, dass du uns liebst.
Herr, erbarme dich.
Christus,
in unseren Herzen und Köpfen rumort es.
Wir sind hin- und hergerissen.
Das Vertrauen wird auf eine harte Probe gestellt.
Christus, erbarme dich.
Herr,
von der Weite der Wüste sind wir fasziniert.
Ob wir es aushalten, mit uns allein zu sein?
Deine Engel sind uns nah.
Herr, erbarme dich.
So spricht der Herr:
Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören;
ich bin bei ihm in der Not,
ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen
(Ps 91 = Invokavit)
Vater im Himmel,
du schaust uns an und willst, dass wir nicht in den Fluten des Lebens untergehen.
Herr, erbarme dich.
Du setzt uns Zeichen in den Himmel und in unsere Herzen als Zusage deiner Liebe.
Christus, erbarme dich.
Unserer Schwachheit und unseren Irrwegen schenkst du die Zusage, bei uns zu sein und uns Kraft zum Neubeginn zu geben.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
du hast dich vom Geist Gottes in die Wüste führen lassen.
Herr, erbarme dich.
Du hast dich den Versuchungen des Satans ausgesetzt.
Christus, erbarme dich.
Als die Zeit erfüllt war, hast du zur Umkehr aufgerufen
und das Evangelium Gottes verkündet.
Herr, erbarme dich.
Allmächtiger Gott,
du schenkst uns die heiligen vierzig Tage
als eine Zeit der Umkehr und der Buße.
Gib uns durch ihre Feier die Gnade,
daß wir in der Erkenntnis Jesu Christi voranschreiten
und die Kraft seiner Erlösungstat
durch ein Leben aus dem Glauben sichtbar machen.
Darum bitten wir durch ihn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 1. Fastensonntag
Gott, unser Heil,
gib uns die Gnade, umzukehren zu dir.
Erleuchte unseren Verstand
und stärke unseren Willen,
damit uns diese Zeit der Buße zum Segen wird.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Montag in der 1. Woche der Fastenzeit
Herr,
vierzig Tage sind zu viel für uns.
Für was sollen wir Buße tun,
was verändern,
was neu beginnen?
Vierzig Tage sind zu wenig für uns,
dich zu finden und zu lieben,
in unsere Herzen zu blicken,
einander Gemeinschaft zu schenken.
Deinen Geist erbitten wir.
Dann wird uns an vierzig Tagen Glück zuteil.
Durch Christus, unserem Herrn. - Amen.
Wir danken dir, guter Gott, für die Fastenzeit,
für vierzig Tage der Besinnung und der Einkehr.
Du schenkst uns dein Wort,
du lässt uns den Weg Jesu mitgehen,
du hilfst uns, einen neuen Blick auf unser Leben zu werfen.
Wir bitten dich, hilf uns,
die Dinge in unserem Leben abzuwägen,
Abhängigkeiten zu entdecken
und alten Ballast abzuwerfen.
Trägheit und Resignation legen wir in deine Hände.
Du führst uns in die herrliche Freiheit deiner Kinder.
Durch Christus, unserem Herrn.
Jesus wird in die Wüste geschickt.
Wie ein verlorener, aufgegebener Mensch, den man loswerden möchte.
Aber er geht sogar in die Hölle, um die Verdammten zu befreien.
Darum beten wir heute in seinem Namen
Für alle verfluchten, verfemten und aufgegebenen Menschen.
Sie haben keine Heimat mehr in dieser Welt.
Herr, lass Engel bei ihnen sein!
Für alle, die Hass und Angst verbreiten.
Sie wissen nichts von der Kraft der Liebe.
Für alle, die einsam und traurig unter Corona leiden.
Sie sehnen sich nach menschlicher Nähe.
Für alle, die Verordnungen aufsetzen.
Sie müssen Freiheitsrechte einschränken, aber auch verteidigen.
Für alle, die politischen Streit ausfechten müssen.
Sie brauchen ein dickes Fell und offene Ohren.
Du, Herr, hast in der Wüste deinen Weg zu uns gefunden.
Du rufst uns zur Umkehr auf, zu einem neuen Leben.
Das Reich Gottes ist nahe.
In Jesus, der es mit Tod und Teufel aufnimmt. – Amen.
Den Versuchungen in unserem Leben können wir aus eigener Kraft nicht widerstehen.
Auch Christus ist in seinem irdischen Leben Versuchungen ausgesetzt gewesen.
Er konnte sie bestehen.
Ihn lasst uns bitten:
Um eine Kirche, die ehrlich mit ihren menschlichen Schwächen umgeht
und gerade darin den Menschen nahe ist.
Um Frieden und Gerechtigkeit für die Menschen,
die versuchen, sich gegen Korruption, Gewaltherrschaft und Missachtung ihrer Würde in ihren Ländern zu wehren.
Um einen verantwortungsvollen und vorsichtigen Umgang mit den vielen Informationen,
die uns täglich durch die digitalen Medien erreichen.
Um Kraft aus dem Glauben an dich, der uns hilft, trotz der gegenwärtigen Einschränkungen die Beziehung zu dir, zu unseren Mitmenschen und zu uns selbst nicht zu verlieren.
Um Hoffnung für unser Verstorbenen,
weil du, Jesus, uns alle vom ewigen Tod befreit hast.
In deinem Leben, Jesus, können wir die Kraft Gottes erkennen.
Auch wir sind durch die Taufe in diese Kraftquelle hineingenommen.
Dass wir uns nicht aus dieser Beziehung zu dir entfernen,
erbitten wir durch dich vom Vater im Heiligen Geist. Amen.
Herr, unser Gott,
wir bringen Brot und Wein für das heilige Opfer,
das wir zum Beginn dieser Fastenzeit feiern.
Nimm mit diesen Gaben uns selbst an
und vereine unsere Hingabe
mit dem Opfer deines Sohnes,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 1. Fastensonntag
Herr, unser Gott,
wir bringen diese Gaben dar
und weihen uns dir im Opfer deines Sohnes.
Nimm den Dienst deiner Kirche an.
Übe Nachsicht mit unserem Versagen
und heilige unser Leben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Montag in der 1. Woche der Fastenzeit
In der Wüste, Herr, ist Brot das Paradies,
Wein das vollendete Glück.
Dir bringen wir unseren Hunger nach Leben,
die Sehnsucht nach Liebe,
die Hoffnung einer neuen Welt.
Du verwandelst alles,
Trauer in Freude,
Angst in Mut.
Und Brot und Wein lässt du uns werden
Leib und Blut unseres Herrn.
Du lässt uns den Himmel schmecken.
In Christus, unserem Herrn.
Kehrvers
Singet dem Herrn alle Länder der Erde,
singt dem Herrn und preiset seinen Namen.
(GL 54,1)
Wir kommen zu dir, Gott und Vater,
um dir unseren Dank und Lobpreis darzubringen.
Du schenkst uns Zeiten der Besinnung und Umkehr
und gehst jenen entgegen, die dich mit aufrichtigem Herzen suchen.
Kehrvers
Obwohl die Menschen sich immer wieder von dir abwandten,
hast du ihnen deinen Bund angeboten.
Nach der großen Flut hast du der Menschheit zugesagt,
dass du ein Gott des Lebens bist,
der nicht den Tod des Sünders will,
sondern, dass er umkehrt und lebt.
Kehrvers
Wir danken dir für die Frohe Botschaft vom Reich Gottes,
die uns dein Sohn Jesus Christus verkündet hat.
Durch sie haben wir das wahre Leben gefunden.
Kehrvers
Durch die Taufe hast du uns Anteil am ewigen Leben der Kinder Gottes gegeben
und uns aus der Not des Sterbens errettet.
Dafür danken wir dir und preisen wir dich mit allen,
die in deiner Gegenwart leben.
Danklied, z. B. Lasst uns loben, freudig loben (GL 489)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er hat in der Wüste vierzig Tage gefastet
und durch sein Beispiel diese Zeit der Buße geheiligt.
Er macht die teuflische List
des Versuchers zunichte und läßt uns
die Bosheit des Feindes durchschauen.
Er gibt uns die Kraft,
den alten Sauerteig zu entfernen,
damit wir Ostern halten mit lauterem Herzen
und zum ewigen Ostern gelangen.
Darum preisen wir dich mit den Cherubim und Serafim
und singen mit allen Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Fastensonntag 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dein Erbarmen zu preisen.
Denn jedes Jahr
schenkst du deinen Gläubigen die Gnade,
das Osterfest in der Freude
des Heiligen Geistes zu erwarten.
Du mahnst uns in dieser Zeit der Buße
zum Gebet und zu Werken der Liebe,
du rufst uns zur Feier der Geheimnisse,
die in uns die Gnade der Kindschaft erneuern.
So führst du uns mit geläutertem Herzen
zur österlichen Freude und
zur Fülle des Lebens
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn rühmen wir deine Größe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Fastenzeit 1
hat in einer großen Tiefe zum Vater gebetet.
Beten wir das Gebet, welches Christus uns selber zu beten gelehrt hat,
mit der gleichen großen Ehrfurcht.
Vater unser...
© Pfarrer Hans Tinkhauser <hans.tinkhauser@aon.at>
Ich bin da vor dir, mein Gott
du kennst und verstehst mich besser
als ich mich kenne und verstehe
Vor dir darf ich alles ans Licht bringen
auch das, was in mir dunkel ist
dir muss ich nichts vormachen
Vor dir darf ich meine Masken ablegen
ich darf sein, wie ich bin, wer ich bin
vor dir darf ich auch zulassen
was ich vor meinen Mitmenschen verberge
Du gibst mir dein Wort
und sagst zu mir
ich liebe dich so wie du bist
mit deinen Stärken und deinen Talenten
aber auch mit all deinen Fehlern und Schwächen
ich bitte dich heute
gib mir Kraft und Mut zur Umkehr
wo es nötig ist
Schenke mir das Vertrauen und die Hoffnung
dass sich auch das Dunkel in mir
in Licht und Leben verwandelt
Ich danke dir für die Erlösung durch Jesus Christus
und für die Kraft des Heiligen Geistes
die mich zu neuem Leben führt.
Wir danken dir, Gott,
dass du Frieden bringst und uns Menschen rufst
sich für den Frieden einzusetzen.
Dass du diese Welt geschaffen hast,
damit Glück und Frieden sich ausbreiten können.
Wir danken dir, dass du nicht zulassen willst,
dass Menschen in Hunger und Elend bleiben
und sich gegenseitig töten.
Wir danken dir,
dass du uns in Jesus Christus
einen Bruder gegeben hast,
der unsere Nöte und Ängste erlebt hat,
der zuerst die Leidenden und Hilflosen sah
und die Verachteten und Ausgestoßenen.
Der nicht schwieg, wo alle schwiegen,
und der bereit war,
für den Frieden am Kreuz zu sterben.
Wir danken dir, dass du uns in dieser Fastenzeit
von Neuem rufst
unsere Irrwege und Umwege zu verlassen
und dir zu folgen,
damit dein Reich wachsen kann
dein Reich der Liebe und des Friedens.
Gütiger Gott,
du hast uns das Brot des Himmels gegeben,
damit Glaube, Hoffnung und Liebe in uns wachsen.
Erhalte in uns das Verlangen nach diesem wahren Brot,
das der Welt das Leben gibt,
und stärke uns mit jedem Wort,
das aus deinem Mund hervorgeht.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 1. Fastensonntag
Allmächtiger Gott,
du hast uns Anteil gegeben am heiligen Mahl.
Laß uns an Leib und Seele gesunden.
Schenke uns durch dieses Sakrament deine Hilfe
und die ewige Vollendung.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Montag in der 1. Fastenwoche
Herr,
am Anfang der österlichen Bußzeit danken wir dir,
dass uns 40 Tage geschenkt sind,
mit dir und mit uns in Reine zu kommen.
Hilf uns, unsere Ideen, Fragen und Zweifel
in deinem Licht abzuwägen,
alte Denkmuster zu öffnen und
alles, was selbstverständlich ist,
noch einmal neu zu entdecken.
Und wenn unsere Wege
Wegen in der Wüste gleichen,
schenke uns,
einander Engel zu werden.
In der Kälte wird es dann warm,
in der Hitze des Tages kühl,
in der Weite nah
und im Sand wachsen Blumen.
In Christus verheißen
von Horizont zu Horizont. – Amen.
Herr, Jesus Christus,
dir sind die Wege, die Durststrecken und die Anfechtungen des Lebens vertraut.
Die Menschen durften dir in ihrer ganzen Bedürftigkeit begegnen.
Du hast vom verzeihenden Vater Kunde gebracht und uns zugerufen:
Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium.
Gib uns die Kraft, immer wieder auf das zu schauen,
was unser Leben wirklich ausmachen soll
und lass uns Wege der Umkehr und des Neubeginns finden.
Tritt du immer wieder vor dem Vater für uns ein. – Amen.
Es segne uns Gott der Vater,
der die Buntheit des Regenbogens,
als Zeichen seines Bundes mit uns,
in den Himmel setzte.
Es segne uns Gottes Sohn, unser Bruder,
der uns liebend zur Umkehr gerufen hat.
Es segne uns die Kraft des Hl. Geistes,
dass sie uns befähigt und stärkt.
So segne uns der dreieinige Gott…
Gott unser Vater
du hast deinen Sohn in die Wüste geführt,
damit wir in der Freiheit der Kinder Gottes leben können.
Segne unsere Tage in der österlichen Bußzeit.
Lass uns Christus nahe kommen,
damit wir Ostern als Fest des Lebens und der Freude feiern
durch die Erlösungstat, die Herr für uns vollbracht hat.
So segne uns der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohn und der heilend tröstende Geist. – Amen.
© Pfarrer Hans Tinkhauser <hans.tinkhauser@aon.at>
„In die Wüste?… Du?“ – Mein Gegenüber schaut mich ungläubig an. Ja, ich gehe in die Wüste.
Nächste Woche schon geht’s los. Zwölf Tage – mit Rucksack, Schlafsack und Isomatte. Kein Auto. Kein Handy. Keine Uhr.
Nicht in die Sandwüste nach Afrika, sondern nach Jordanien. Dort gibt’s auch Sand, aber vor allem Steine und Felsen.
Ich gehe in die Wüste zum Wandern. Das auch. Aber vor allem, weil ich mal rauskommen will aus der Tretmühle.
Abschalten, frei werden von all dem, was da jeden Tag auf mich einstürmt – an Bildern, an Worten, an Reizen, an Aufgaben und Verpflichtungen. Manchmal habe ich das Gefühl, ich werde von all dem getrieben.
Darum gehe ich in die Wüste. Ich suche die Einsamkeit… und Gott. Dazu braucht es vor allem eins: Stille.
Ich glaube: Gott redet. Auch heute. Aber um mich herum ist es so laut. Ständig bin ich abgelenkt.
Und auch in mir ist es laut. Mein Kopf ist so voll. Und da kreisen so viele Gedanken: An das muss ich noch denken. Und das wollte ich noch besprechen. Und das andere nicht vergessen…
Die Steppe wird blühen
Die Steppe wird blühen,
die Steppe wird lachen und jauchzen.
Die Felsen, die stehen seit
den Tagen der Schöpfung,
stehn voll Wasser, doch dicht,
sie werden sich öffnen.
Das Wasser wird strömen,
das Wasser wird glitzern und strahlen,
Durstige kommen und trinken.
Die Steppe wird trinken,
die Steppe wird blühen,
die Steppe wird lachen und jauchzen.
Verbannte, sie kommen
mit leuchtenden Garben nach Hause.
Die gingen in Trauer
bis zum Ende der Erde,
hin auf immer, allein –
vereint kehrn sie wieder.
Wie Bäche voll Wasser,
wie Bäche voll sprudelndem Wasser,
brausend herab von den Bergen.
Mit Lachen und Jauchzen –
die säten in Tränen,
kehrn wieder mit Lachen und Jauchzen.
Der Tote wird leben.
Der Tote wird hören: Nun lebe.
Zu Ende gegangen,
unter Steinen begraben:
Toter, Tote, steht auf,
es leuchtet der Morgen.
Da winkt eine Hand uns,
uns ruft eine Stimme: ich öffne
Himmel und Erde und Abgrund.
Und wir werden horen,
und wir werden aufstehn
und lachen und jauchzen und leben.
Übersetzung: Anette Rotherberg-Joerges, © Ekklesia Music Publishing EMP. For the world: Small Stone Media bv, Holland
https://www.koormuziek.nl/files/lyrics/ECC17.1086.03L.pdf
Überall Sand
Kinderlieder zum Mitsingen von Thomas Koppe
https://www.youtube.com/watch?v=u0kkflX-yf8
Kinderlieder zum Mitsingen von Thomas Koppe
https://www.youtube.com/watch?v=u0kkflX-yf8
Die katholische Kirche ist stets für Überraschungen gut. Das hat sie in den vergangenen Wochen wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Zuerst zaubert man Gerhard Maria Wagner aus dem Hut. Und mit ihm seine ganz persönliche Meinung zu Naturkatastrophen und Homosexualität. Bischof Elmar Fischer konnte da noch nachlegen: Homosexualität sei eine "psychische Krankheit wie Alkoholismus". Damit hat man nur die Angesprochenen vor den Kopf gestoßen.
Überraschend war auch der jüngste Schritt, überraschend positiv: Der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn hat mit der raschen Einberufung einer Sondersitzung der Bischofskonferenz reagiert. Und damit ein deutliches Signal gesetzt: einerseits in Richtung der vielen Kritiker, die der Kirche angesichts der aktuellen Krise ein Aussitzen selbiger unterstellten. Andererseits in Richtung der zahlreichen Katholiken, die derzeit in ernster Sorge um ihre Kirche sind. Probleme zu erkennen und diejenigen, die darunter leiden, ernst zu nehmen, ist ein erster Schritt in Richtung Deeskalation.
Und es nährt die Hoffnung auf einen generellen Umdenkprozess; nicht zuerst die Schäfchen mahnen, nicht von kritischen Dechanten Gehorsam und Loyalität einfordern, sondern sich an die eigene Bischofsmütze fassen und zu fragen: Was können wir als zuständige Ortsbischöfe tun? Viele Katholiken würden sich über überraschend deutliche Worte von Schönborn und seinen Kollegen freuen. Und dann müssten den schönen Worten noch konkrete Taten folgen.
Markus Rohrhofer in: DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.2.2009)
Die Blase ist geplatzt, weil jede Blase irgendwann platzt. Wer noch vor zwei Jahren Experten fragte, wo denn der reale Gegenwert der gewaltigen Gewinne auf den Finanzmärkten sei, wurde groß angeschaut: Welcher Gegenwert? Die Gewinne sind ja da- erklären sich also von selbst und damit den Erfolg des Systems, dessen Prinzip lautet: je größer, desto besser; je mehr, desto erfolgreicher.
Die menschliche Gier sei schuld, heißt es jetzt. Die hat es freilich schon immer gegeben. Bloß, dass ihr die globalisierte Welt ein unbegrenztes Betätigungsfeld geschaffen hat. Scheinbar.
Aber das Streben nach materiellem Reichtum allein kann die Blase nicht erklären, die jetzt geplatzt ist. Es ist eine andere, sozusagen abstrakte Gier. Oder besser: ein Wahn. Der Wahn, dass "mehr" und "größer" etwas grundsätzlich Besseres, also Erstrebenswertes seien. So folgt auf "groß" "super", auf "super" "hyper", auf "hyper" "mega", auf "mega" "giga", auf "giga" - was?
Vor der Globalisierung sorgten nationale oder technische Grenzen dafür, dass die Bäume nicht in den Himmel wuchsen, wie die alte Redewendung so schön sagt. Die weltweite Kommunikations- und Ökonomie-Vernetzung hat diese Korrektive beseitigt. Aber sind mit den Möglichkeiten auch die menschlichen Fähigkeiten gewachsen, sie zu beherrschen? Die Antwort erhalten wir soeben. Nicht mehr kontrollierbares Wachstum führt zum Tod, wie wir aus der Biologie wissen.
Eindringlichstes Sinnbild des Super-Mega-Giga-Wahns ist der globale Wettlauf um den höchsten Wolkenkratzer. Welchen Sinn macht es, ein tausend Meter hohes Gebäude zu errichten? Und wer fühlt sich wohl darin? Die Wüsten-"Metropole" Dubai, die in diesem Wettbewerb mitmacht, ist selbst eines der drastischsten Beispiele für wahnwitziges Wachstum.
Es gibt auch andere, weniger spektakuläre Beispiele, hinter denen aber dieselbe Philosophie steckt. Den Event-Wahn etwa: je größer ein Ereignis welcher Art auch immer, desto aufregender. Eine Fußball-EM mit Publikum in den Stadien oder vor den Fernsehschirmen tut's längst nicht mehr - da müssen Events in Form groß aufgezogener Fanmeilen dazu. Wenn die sich im Nachhinein als Defizit in jeder Beziehung herausstellen - wenn kümmert's dann noch? Und wer wird so kleinlich sein, die behauptete Umwegrentabilität infrage zu stellen. Hauptsache, es war ein Mega-Event.
Oder die Modellpolitik, mit der nicht nur die amerikanischen Autokonzerne in die Sackgasse gefahren sind? Möglichst groß, möglichst stark.
Um zurück zum Finanzmarkt zu kommen: Wenn selbst biedere österreichische Gemeindeverwaltungen der Gier nach möglichst hohen Renditen verfallen und Steuergelder in mehrstelliger Millionenhöhe verzocken, ist jedes menschliche Augenmaß verloren gegangen.
Und wenn jetzt so viel von Nachhaltigkeit die Rede ist: Jeder Euro, der in Bildung, Qualifikation, Integration, Förderung von innovativen Klein- und Mittelbetrieben, also direkt in Menschen investiert wird, rechnet sich letztlich um ein Vielfaches besser als die höchste Rendite auf dem Kapitalmarkt oder die (vermeintliche) höchste Umwegrentabilität von Mega-Events.
Was also folgt auf "giga", wenn wir die Botschaft der Krise verstanden haben? Die (Rück-)Besinnung auf den Menschen als kleinste und zugleich größte Einheit. Isolierte Humanbiotope und geschützte Werkstätten kann es in einer durch und durch vernetzten Welt nicht mehr geben. Die Globalisierung verpflichtet nicht nur die Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik, sondern jeden Einzelnen dazu, auch in seiner persönlichen Lebensweise immer die Welt mitzudenken. Und diese Aufgabe ist groß genug.
Josef Kirchengast in: DER STANDARD, Printausgabe, 23.2.2009
© 2009 derStandard.at
Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Genesis.
Gott sprach zu Noach
und seinen Söhnen, die bei ihm waren:
Ich bin es.
Siehe, ich richte meinen Bund auf
mit euch und mit euren Nachkommen nach euch
und mit allen Lebewesen bei euch,
mit den Vögeln, dem Vieh und allen Wildtieren der Erde bei euch,
mit allen, die aus der Arche gekommen sind,
mit allen Wildtieren der Erde überhaupt.
Ich richte meinen Bund mit euch auf:
Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch
vom Wasser der Flut ausgerottet werden;
nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben.
Und Gott sprach:
Das ist das Zeichen des Bundes,
den ich stifte zwischen mir und euch
und den lebendigen Wesen bei euch
für alle kommenden Generationen:
Meinen Bogen setze ich in die Wolken;
er soll das Zeichen des Bundes werden
zwischen mir und der Erde.
Balle ich Wolken über der Erde zusammen
und erscheint der Bogen in den Wolken,
dann gedenke ich des Bundes,
der besteht zwischen mir und euch
und allen Lebewesen, allen Wesen aus Fleisch,
und das Wasser wird nie wieder zur Flut werden,
die alle Wesen aus Fleisch verdirbt.
Die Schriftlesungen zum Beginn der österlichen Bußzeit beginnen mit einer Verheißung. Aus der Sintflutgeschichte hören wir die Zusage Gottes, daß Gott weiterhin den Menschen zugewandt bleibt. Und daß er ein Gott des Beistandes ist.
Im Zentrum der priesterlichen Schrift steht der Bundesschluß. Es geht dabei nicht um einen beiderseitigen Abschluß eines Bundes oder Vertrages, sondern Gott selbst gibt hier eine feierliche Bindung und Zusage. Die Menschen sind hingegen die beschenkten Bundespartner. Im Zeichen des Regenbogens wird diese Zusage besiegelt. Gott selbst will sich an die Zusage immer wieder erinnern.
Hintergrund dieser Erzählung ist auch die Erfahrung des babylonischen Exils. Hinter all den negativen und schlimmen Erfahrungen, dürfen sich die Menschen doch immer wieder an den geschenkten Bund und die Treue Gottes halten und auf ihn bauen.
Israel ist ein Volk, das auf seinen Gottesbund setzt. Dieser Bund wird in den 5 Büchern Mose immer wieder thematisiert. Der Noahbund ist ein Mosaikstein der großen Aussage: Gott steht zu uns.
Besonders in der Zeit des Exils war dieser Bund wichtig. Wenn Gott nicht mehr will, dass alles ausgerottet wird, dann muss die aktuelle Not in der Verbannung einen glücklichen Ausgang finden.
Ein Zeichen der Schöpfung, das sich in allen Gegenden finden lässt, wird zum Zeichen des Bundes. Es gibt keinen Ort, an dem Gott sich nicht zu seinem Bund und seiner Treue bekennen kann.
Unsere Perikope steht am Ende der Sintfluterzählung, gehört aber zugleich auch zum Finale der Priesterschrift in der Urgeschichte (Gen 1 bis 10).
Die "sehr gute" Schöpfung ist durch die Gewalttat des Menschen verdorben worden (6,11-13). Über die aus der Ordnung geratene Schöpfung ergeht das Gericht Gottes (Sintflut), aber über ihr waltet die Treue Gottes und seine erbarmende Liebe.
Der Text der ersten Lesung läßt zwei Teile erkennen:
Die erste Rede (9, 8 –11) kündigt den Bundesschluß an. Noach und seinen Nachkommen, alle kommenden Geschlechter (d. h. allen Menschen), aber auch die Tiere sind Partner dieses Bundes. Gott garantiert die Beständigkeit dieser Schöpfung und gibt die Zusicherung, daß eine Sintflut sich nicht wiederholen wird.
Die zweite Rede (9,12–16) beschreibt diesen Bundesschluß. Für den Menschen des Altertums bedeuten die Gewitter die Bedrohung, dass das Chaos ausbrechen kann. Der Regenbogen nach dem Unwetter ist das natürliche Zeichen des Aufatmens. Dieses natürliche Zeichen wird aufgegriffen und zum Zeichen dafür gemacht, dass Gott das Chaos ein für allemal überwunden hat. Indem er den Bogen in die Wolken setzt, stiftet Gott zugleich ein dauerhaftes, ewiges Zeichen des Bundes. Jedes neue Erscheinen dieses Bundeszeichens erneuert den "Noachbund" und erinnert die Menschen an die Treue Gottes zur ganzen Schöpfung.
Lesung aus dem Buch Genesis.
Dann segnete Gott Noach und seine Söhne
und sprach zu ihnen:
Seid fruchtbar, mehrt euch und füllt die Erde!
Furcht und Schrecken vor euch
soll sich auf alle Tiere der Erde legen,
auf alle Vögel des Himmels,
auf alles, was sich auf dem Erdboden regt,
und auf alle Fische des Meeres;
in eure Hand sind sie gegeben.
Alles, was sich regt und lebt,
soll euch zur Nahrung dienen.
Das alles übergebe ich euch wie die grünen Pflanzen.
Nur Fleisch mit seinem Leben, seinem Blut,
dürft ihr nicht essen.
Wenn aber euer Blut vergossen wird,
fordere ich Rechenschaft für jedes eurer Leben.
Von jedem Tier fordere ich Rechenschaft und vom Menschen.
Für das Leben des Menschen fordere ich Rechenschaft
von jedem, der es seinem Bruder nimmt.
Wer Blut eines Menschen vergießt,
um dieses Menschen willen wird auch sein Blut vergossen.
Denn als Bild Gottes hat er den Menschen gemacht.
Ihr aber, seid fruchtbar und mehrt euch;
regt euch auf der Erde und mehrt euch auf ihr!
Gott sprach zu Noach
und seinen Söhnen, die bei ihm waren:
Ich bin es.
Siehe, ich richte meinen Bund auf
mit euch und mit euren Nachkommen nach euch
und mit allen Lebewesen bei euch,
mit den Vögeln, dem Vieh und allen Wildtieren der Erde bei euch,
mit allen, die aus der Arche gekommen sind,
mit allen Wildtieren der Erde überhaupt.
Ich richte meinen Bund mit euch auf:
Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch
vom Wasser der Flut ausgerottet werden;
nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben.
Und Gott sprach:
Das ist das Zeichen des Bundes,
den ich stifte zwischen mir und euch
und den lebendigen Wesen bei euch
für alle kommenden Generationen:
Meinen Bogen setze ich in die Wolken;
er soll das Zeichen des Bundes werden
zwischen mir und der Erde.
Balle ich Wolken über der Erde zusammen
und erscheint der Bogen in den Wolken,
dann gedenke ich des Bundes,
der besteht zwischen mir und euch
und allen Lebewesen, allen Wesen aus Fleisch,
und das Wasser wird nie wieder zur Flut werden,
die alle Wesen aus Fleisch verdirbt.
Kv: Deine Wege, Herr, sind Huld und Treue
für alle, die deinen Bund wahren. - Kv
Oder GL 623, 2
Zeige mir, HERR, deine Wege, *
lehre mich deine Pfade!
Führe mich in deiner Treue und lehre mich; /
denn du bist der Gott meines Heils. *
Auf dich hoffe ich den ganzen Tag. - Kv
Gedenke deines Erbarmens, HERR, /
und der Taten deiner Gnade; *
denn sie bestehen seit Ewigkeit!
Gedenke nicht meiner Jugendsünden und meiner Frevel! *
Nach deiner Huld gedenke meiner, HERR, denn du bist gütig! - Kv
Der HERR ist gut und redlich, *
darum weist er Sünder auf den rechten Weg.
Die Armen leitet er nach seinem Recht, *
die Armen lehrt er seinen Weg. - Kv
Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Petrus.
Schwestern und Brüder!
Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben,
ein Gerechter für Ungerechte,
damit er euch zu Gott hinführe,
nachdem er dem Fleisch nach zwar getötet,
aber dem Geist nach lebendig gemacht wurde.
In ihm ist er auch zu den Geistern gegangen,
die im Gefängnis waren,
und hat ihnen gepredigt.
Diese waren einst ungehorsam,
als Gott in den Tagen Noachs geduldig wartete,
während die Arche gebaut wurde;
in ihr wurden nur wenige, nämlich acht Menschen,
durch das Wasser gerettet.
Dem entspricht die Taufe, die jetzt euch rettet.
Sie dient nicht dazu,
den Körper von Schmutz zu reinigen,
sondern sie ist eine Bitte an Gott
um ein reines Gewissen
aufgrund der Auferstehung Jesu Christi,
der in den Himmel gegangen ist;
dort ist er zur Rechten Gottes
und Engel, Gewalten und Mächte sind ihm unterworfen.
Lob dir, Christus, König und Erlöser!
Nicht nur vom Brot lebt der Mensch,
sondern von jedem Wort aus Gottes Mund.
Lob dir, Christus, König und Erlöser!
Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.
In jener Zeit
trieb der Geist Jesus in die Wüste.
Jesus blieb vierzig Tage in der Wüste
und wurde vom Satan in Versuchung geführt.
Er lebte bei den wilden Tieren
und die Engel dienten ihm.
Nachdem Johannes ausgeliefert worden war,
ging Jesus nach Galiläa;
er verkündete das Evangelium Gottes
und sprach: Die Zeit ist erfüllt,
das Reich Gottes ist nahe.
Kehrt um
und glaubt an das Evangelium!
Die Schriftstelle ist zweigeteilt. Der erste Teil besteht aus der Versuchungsgeschichte, die eigentlich mehr den Abschluß der vorausgehenden Tauferzählung bildet.
Der zweite Teil wird bei den meisten Übersetzungen (so auch in der Einheitsübersetzung) mit einer eigenen Überschrift versehen, also abgehoben.
Der Vers 14 ist das "Summarium der Verkündigung Jesu", eine Zusammenfassung der Predigt Jesu (nämlich "das Evangelium Gottes"), während der Vers 15 konkreter ausformuliert, was Jesus verkündete:
"Die Zeit ist erfüllt": Hinter diesem Ausspruch "steht das Wissen, das Gott die Zeiten festlegt. So hat Gott den Zeitpunkt des Auftretens Jesu im voraus bestimmt." Mit ihm vollzieht sich die Zeitenwende, der Anbruch der Endzeit. Damit ist die Nähe der Gottesherrschaft eindeutig festgemacht.
Die Gottesherrschaft stellt sich aber "nicht als kosmisches Ereignis mit herabstoßenden Engelscharen", sondern "als ein verborgener Anfang, den nicht jedes Auge wahrnahm, sondern nur der Glaube."
Umkehr: Im Gegensatz zum Aufruf zur Umkehr und Buße bei Johannes, ruft Jesus zur Umkehr angesichts der nahendenn Gottesherrschaft auf, und es setzen die Zwölf Apostel diesen Ruf auch fort.
Mit Umkehr ist biblisch gesprochen die "Kehre des Lebens, die den Lebensweg radikal umwenden will und den gedanklichen Bereich selbstverständlich miteinbezieht und die sich im praktischen Leben auswirken muß. Ziel der Wandlung auf dem Weg, der also bis dahin ein falscher war, ist Gott, weil die Gottesherrschaft hier alle Bereiche des menschlichen Lebens des einzelnen, den privaten und öffentlichen, den ethischen und politischen, umgreift."
Die Forderung hinter all dem ist der Glaube an das Evangelium von Jesus Christus.
Die Verse 1-15 im ersten Kapitel bilden den "Prolog" des ältesten der vier Evangelien. Das Stichwort "Evangelium" im Vers 1 und in den Versen 14 und 15 bildet gleichsam den Rahmen dieses Prologs. Die prophetische Rede und Wirksamkeit des Johannes wird von der Verkündigung Jesu und den Ereignissen um seine Person (Taufe, Versuchung) überboten. Jesus, zu dem sich im Bericht von der Taufe der Vater bekennt, soll schon hier als Hauptperson des ganzen Evangeliums herausgestellt werden.
Der knappe und sprachlich markante Bericht vom Wüstenaufenthalt und der Versuchung Jesu steht in engem Zusammenhang mit der Taufe im Jordan. Der Geist, der auf Jesus herabgekommen ist, führt ihn in die Wüste, den Ort der Gottesbegegnung, aber auch den Ort, an dem das Böse mächtig ist.
Jesus ist dem Satan überlegen. Gottes Geist ist unvergleichlich stärker als die Macht des Bösen. Das friedliche Zusammensein mit den wilden Tieren deutet darauf hin, dass mit dem Anbrechen der Gottesherrschaft paradiesische Zustände einkehren. Eine Adam-Christus-Typologie wird angedeutet. Die messianische Zeit bricht an. Boten Gottes bedienen den Gesalbten des Herrn.
Der Hinweis auf die Gefangennahme des Täufers Johannes (Vers 14) will sicher nicht nur einen zeitlichen Zusammenhang herstellen, er hat auch eine theologische Bedeutung. Der unbegreifliche Plan Gottes steht dahinter: Auch Jesus wird ausgeliefert werden. Der Ausdruck "Evangelium Gottes", der nur hier bei Markus steht, hat höchstwahrscheinlich seinen Ursprung im Freudenboten von Jesaia 52,7. Jesus ist der Bringer der Freudenbotschaft Gottes. Seine Verkündigung bedeutet Heil und Frieden.
Der Vers 15 faßt in vier knappen Aussagen, von denen je zwei zusammengehören, die Predigt Jesu zusammen: "Die Zeit ist erfüllt!" und "Das Reich Gottes ist nahe!" – "Kehrt um!" und "Glaubt an das Evangelium!". Jetzt ist der "Kairos", der rechte Augenblick. Jesu Heilsverkündigung steht in der Spannung zwischen dem "Schon jetzt" und "Noch Nicht", zwischen Heilsgegenwart und Heilszukunft (... ist nahe). Wer auf den Ruf Jesu mit der totalen Hinwendung seines Lebens auf Gott antwortet, der wird auch die rettende Macht des Glaubens erfahren.
Nach der Wüste beginnt Jesu Auftritt. Wüste ist Ort der Erinnerung an die Gottesbegegnung im Sinai. Und es ist die Erinnerung an die vielen Erfahrungen beim Exodus. An diese Erinnerungen knüpft der Geist an, der Jesus in die Wüste führt (Mk 1,12).
Aus der "Fülle der Geschichte" verkündet Jesus die Botschaft der Umkehr. Sie ist Botschaft zur Erinnerung an die Fülle der Zuwendungen Gottes.
Mit wenigen Worten beschreibt der Evangelist die 40 Tage Jesu in der Wüste. Diese biblischen Texte ruft in uns archaische Bilder wach, die den Sinn der Fastenzeit treffend zum Ausdruck bringen.
Sind 40 Tage viel oder wenig? Und 40 Tage Wüste? 40 Tage bei den wilden Tieren? Dass die Engel Jesus dienen, hört sich wenigstens schon einmal gut an. Aber ob sie aus der Wüste das Paradies machen?
Markus geizt mit Worten. Er erzählt nur, dass Jesus in die Wüste getrieben wurde – vom Geist – und in die Versuchung geführt - vom Satan. Mehr nicht. Geist und Satan scheinen sogar gemeinsame Sache zu machen. Die beiden, Gott und Teufel zusammen? Jesus soll wohl auf Herz und Nieren geprüft werden. Aber: warum? Warum jetzt?
Schauen wir uns um, sehen wir, wie der Evangelist Markus den Anfang Jesu beschreibt. Sein erster Satz im Evangelium: Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Ein grandioser Auftakt. Zugegeben. Die ersten Sätze haben es immer in sich! Dann erzählt Markus von Johannes dem Täufer, um ohne große Umschweife auf die Taufe Jesu zuzueilen. Schmucklos wird von ihr erzählt. Es geht auch alles rasend schnell. Sie erinnern sich vielleicht sogar. Da kommt eine Stimme aus dem Himmel: „Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.“ Eine Liebeserklärung ist das auch. Zunächst und vor allem anderen aber eine Offenbarung. Für uns! Spätestens jetzt sind wir mittendrin. Was dann folgt? Nun, „alsbald trieb ihn der Geist in die Wüste“.
Alsbald, umgehend, sofort. Darf ich das frei übersetzen: Der Sohn wird in die Wüste geschickt. Sieht so Wohlgefallen aus? Väterliche Liebe? Wenn ihnen das jetzt merkwürdig vorkommt (oder spanisch) – genau darauf hat es der Evangelist abgesehen.
40 Tage können die Hölle sein! Umgeben von wilden Tieren – sie schauen uns an, haben uns im Visier. Dabei sehen wir sie nicht einmal. Geahnt sind sie überall. Wappnen können wir uns nicht. Schlangenaugen. Und Jesus ist alleine. Die Engel lassen wir jetzt erst einmal aus dem Spiel.
40 Tage. Wie lange geht jetzt schon Corona? Viel, viel länger als 40 Tage. Gefühlt eine Ewigkeit. Im Kalender könnte ich nachrechnen, aber was bringt‘s? Jeden Tag zählen? Ich sehe eine Wüste. Mitten in der Stadt! Mitten in der Zivilisation! Wir leben jetzt zwar nicht mit wilden Tieren. Doch Corona ist heimtückisch. Ein unsichtbarer Feind. Er kommt nicht nur von heut auf morgen, er schleppt den Tod mit sich herum. Auch den Tod von Geschäften und Existenzen, von Hoffnung und von Mut. 40 Tage – sie lassen sich nicht zählen und auch nicht abwiegen. Werden wir auch auf Herz und Nieren geprüft? Sind wir mit Jesus gerade darin verbunden?
Ich will jetzt aber auch von einem alten Freund erzählen. Schon über die Achtzig. Einmal im Jahr muss er in die Wüste! Seine Frau merkt irgendwann im Jahr die Unruhe, die mit jedem Tag wächst. Ihre Bedenken finden kein Ohr. Sie kann ihn dann zum Bahnhof begleiten. Er sehnt sich danach, ohne jeden Komfort, Wüste um sich zu haben. Er liebt die Stille und die Weite. Er liebt die Kälte der Nacht. Die Sonne scheint ganz anders und der Mond auch. Er liebt aber auch, mit sich alleine zu sein. Wer das einmal probiert hat, weiß, wie abenteuerlich das ist: mit sich alleine sein! Das kann die Hölle sein. Wilde Tiere in der Seele.
Wüsten haben es in sich. Schon am Anfang des Christentums sind die sog. Wüstenväter in die Wüste gezogen. Sie flohen dem Lärm, den Ablenkungen, der Sicherheit - sie flohen der Welt. Viele Menschen suchten sie dann aber auf, sogar in Scharen, um einen Rat von ihnen zu bekommen. Seelsorger in der Wüste! Nicht im Chat! Man muss schon hinausgehen. In die Wüste. Zu erprobten Menschenkennern. 40 Tage müssen es nicht sein. - Warum nur wird Jesus in die Wüste geschickt?
40 Tage erinnern an 40 Jahre. 40 Jahre war Israel, nach der Flucht aus Ägypten, in der Wüste. Das gelobte Land, wie es hieß, war unendlich weit weg. So weit, dass es in immer weiterer Ferne entschwand. Von Tag zu Tag mehr! Wir drehen uns im Kreis, sagen die Menschen. Wir sind in die Irre geführt. Wir wissen nicht mehr, wo wir sind. Mose, der das Volk führt, gerät immer mehr in die Defensive. Er weiß es doch auch nicht – schaut euch das an. Sagen sie. Alles sieht gleich aus. Jeden Tag. Es beginnt mit dem Morgen und endet in der Nacht. Eine endlose Schleife. Kein Silberstreif am Horizont. Kein gelobtes Land. Nur entsetzliche Weite. Nichts, was den Augen Halt, den Füßen Schwung, den Seelen Mut geben würde. Der Frust wächst. Der Unglaube wächst. Die Wüste wächst.
Obwohl es eine alte Geschichte ist – sie kommt mir doch sehr bekannt vor. Das Warten. Die Unsicherheit. Die Vorwürfe. Ich sehe auch die Versuchungen, an Gott zu zweifeln, nach dem berühmten starken Mann zu rufen und Schuldige zu suchen. Letzteres besonders! Jetzt sind wir mit Jesus in der Wüste, umgeben von wilden Tieren. Markus zählt sie nicht auf, lässt sie auch nicht auf die Bühne. Aber wir spüren ihre Nähe. Unheimlich ist es schon.
Ich fühle mich wie jemand, der Indizien sammelt. Wir müssen doch herausbekommen, warum Jesus in die Wüste geschickt wird! Je größer das Geheimnis – umso größer die Neugier. Auch wenn ich das alles nicht auf die Kette bekomme, eine Spur ist zu finden. Der Weg Jesu wird in einer kleinen Szene schon am Anfang deutlich mit Wohlgefallen betrachtet. Geht er nicht tatsächlich in die Hölle? Teilt er nicht sein Leben mit Menschen, die angefochten, zweifelnd, verzweifelt sind? Die schuldig sind oder schuldig gesprochen werden? Die sich übernehmen und in die Wüste geschickt werden? Ist er nicht der Seelsorger in der Wüste?
Ungewohnte Bilder stellen sich ein. Aber der erste Satz leuchtet: Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Jetzt ist die Zeit erfüllt und das Reich Gottes nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium. So predigt Jesus. Als er aus der Wüste kommt. In der Wüste hat er sozusagen seinen Schliff bekommen. Sage keiner, der Sohn Gottes sei fertig gewesen, als er sich taufen ließ! Er teilt mit uns die Menschlichkeit.
40 Tage Evangelium. Fein abgemessen. Kein Tag zu viel, kein Tag zu wenig. Aber jeder Tag Himmel. In der Wüste. In der Hölle. Dass sogar der Satan dabei mitmachen muss - ist das der Schalk des Evangelisten oder der Übermut Gottes? Sein Wohlgefallen?
Als Petrus, wohl längere Zeit nach dem Evangelium, einen Brief schrieb – den wir in Auszügen auch vorhin gelesen haben -, hat er ziemlich treffsicher die Frage aufgenommen, die uns bewegt: Warum wurde Jesus in die Wüste geschickt?
Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben,
ein Gerechter für Ungerechte,
damit er euch zu Gott hinführe,
nachdem er dem Fleisch nach zwar getötet,
aber dem Geist nach lebendig gemacht wurde.
In ihm ist er auch zu den Geistern gegangen,
die im Gefängnis waren,
und hat ihnen gepredigt.
Die Geister im Gefängnis – das sind die Menschen, die in der Unterwelt, in der Hölle, die auf die Auferstehung warten. Auf Liebe, die ihr Leben gut macht. Sie wird ihnen geschenkt!
Übrigens: Satan ist der, der alles durcheinanderbringt, aufmischt, gegeneinander kehrt, sprich: der alles kaputt macht. Vertrauen zersetzt er gekonnt, Zweifel sät er professionell, Angst schürt er mit Tücke. Er nistet sich in unsere Seelen ein, nimmt uns von innen gefangen – und tut dann so, als gäbe es ihn nicht. Wie der Satan aussieht? Sein Gesicht zeigt er in der Wüste. Manchmal fühlen wir uns auch so, als würden sich dunkle Mächte in unseren Herzen breit machen, die wir weder gerufen haben noch im Zaum halten können.
Darum geht Jesus mit uns in die Wüste! Und Engel dienen uns.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Das Beispiel des vierzigtägigen Aufenthalt Jesu in der Wüste lädt uns ein, unsere Lebensweise zu überdenken und nach Reich-Gottes-Erfahrungen zu befragen. Solidarität ist ein unverzichtbares Moment des Reiches Gottes. Wie ist es um Solidarität im Nahbereich und im Blick auf die Menschen am Rand der Gesellschaft bestellt?.
Im heutigen Evangelium wird berichtet, dass Jesus in der Wüste war. Ganze vierzig Tage lang ist er dort gewesen. Eine Zeit, in der er sich ganz seiner Beziehung zu Gott gewidmet hat.
Auch für uns hat jetzt wieder mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit begonnen. Eine Zeit, die wir nutzen können um innezuhalten, um zu reflektieren, den Alltag genauer unter die Lupe zu nehmen. Fastenzeit als eine Zeit in den Rückspiegel zu blicken, um wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen und um sich wieder neu auf Gott auszurichten, neu zu beginnen, im Wissen um Gottes Versprechen da zu sein und zwar immer, wie uns in der Noah-Geschichte versichert wird. Er wird weder uns Menschen, noch den anderen Lebewesen den Rücken kehren, wie wir gerade eben in der Noah-Erzählung gehört haben. Das Angebot gilt! Und es wurde uns noch mehr angekündigt, im Evangelium spricht Jesus vom Reich Gottes, das nahe ist.
Was ist daraus geworden? Wie schaut es bei Ihnen derzeit mit Reich-Gottes-Erfahrungen aus? Wie geht es Ihnen? Bei mir ist es so, dass ich mich herausgefordert fühle durch die aktuelle Situation. Lockdown oder soft Lockdown, impfen oder nicht oder gar nicht möglich… wie auch immer, die Unruhe ist da.
Ja, ich bin etwas aus der Bahn geworfen. Seit einem Jahr verzichte ich weitgehend auf Sozialkontakte, mit allem Drum und Dran. Stattdessen gibt es vermehrt Video-Gespräche, die unterbrochen sind von schlechter Netzqualität, das Bild pixelt, der Ton fällt aus, ... ich sehe von jenen, die weiter weg leben und die ich meine Freunde und Freundinnen nenne, nicht wie sie gehen und stehen, wie sie sich befinden. Eine Wüstenzeit in gewisser Weise. Wo bleibt hier das Reich Gottes, das Jesus hier ankündigt, frage ich mich? Es versteckt sich wohl in der Hoffnung, dass es in absehbarer Zeit zu einer Verbesserung der Situation kommen wird. Sicher wird sich hier ein Weg finden.
Wo wir auch noch genau hinsehen sollten, ist die Frage welche Auswirkungen die Pandemie auf unser Zusammenleben ganz grundsätzlich und im Hinblick auf unsere demokratische Kultur hat. Was heißt das für die Solidarität als Grundlage unseres guten Miteinanders?
Die Entstehungsvoraussetzungen für Solidarität funktionieren derzeit anders. Solidarität entwickelt sich zuallererst mit den Menschen, die uns in irgendeiner Weise nahe sind, mit jenen in unserem nächsten Umfeld, mit jenen die wir für Unseresgleichen halten. Jenen, die die gleichen Hobbys und Interessen haben, beim selben Verein sind, sei es ein Sportverein oder eine Hilfs- oder Umweltorganisation oder eben auch bei der Kirche. Solidarität regt sich jedenfalls dort, wo wir mit Menschen vertraut sind. Genau dieser Nahbereich ist von der Pandemie betroffen und hat sich verändert.
Zudem wird derzeit von uns eine Solidarität erwartet, die sich im Abstandhalten zeigt, im Mangel an persönlichen physischen Begegnungen. Das geforderte Verhalten ist ein Widerspruch zu dem, wie wir sonst Solidarität im Nah-Raum entwickeln und leben. Wir sind angehalten etwas zu tun, was zumindest meinen Bedürfnissen zutiefst widerspricht, was aber wichtig ist. Hier braucht es viel Zuversicht. Ich denke, es wird uns gelingen, unser Beziehungsgeflecht nach dieser Zeit der Herausforderung wieder neu zu vertiefen. Denn die Pandemie hat sehr deutlich werden lassen, wie sehr Begegnungen fehlen, wie sehr sie unser Leben ausmachen.
Solidarität hat aber noch eine weitere Seite, die Solidarität, die jenen gilt, die am Rand der Gesellschaft leben, die Hilfe brauchen. Wie sieht ihre Lebenssituation derzeit aus?
Werfen wir zuerst einen Blick auf Menschen auf der Flucht. Die Frage ihrer Lebensqualität und -chancen, ist derzeit wieder medial stark präsent, weil Schulkinder in einer Nacht- und Nebel-Aktion abgeschoben wurden und uns Bilder von Menschen erschüttern, die unter unwürdigen Umständen hausen: Keine schutzbietenden Unterkünfte gegen Kälte oder andere Gefahren, Hunger, keine ausreichende Infrastruktur, weder Bildungsangebote, noch medizinische Versorgung. Wie kann hier Vertrauen und Zuversicht aufgebaut werden? Wo bleibt der sorglose Spaß, die Entspannung und Ruhe oder der Genuss, die unser Leben lebenswert machen? Diese Ereignisse und Bilder haben erschüttert. Immer mehr beteiligen sich an verschiedenen Initiativen wie Aufrufen, Spenden oder Unterbringungsangeboten, die dem Leid ein Ende bereiten wollen.
Die Angebote zu helfen, sind teilweise sehr konkret. Gemeinden, Pfarren und unterschiedlichste Gruppierungen wollen die Verantwortung übernehmen. Doch diese Ansinnen werden zerredet. Es wird von einer Verantwortungsethik im Gegensatz zur Gesinnungsethik gesprochen. Aber wie geht das, Verantwortung ohne Gesinnung? Ich hoffe doch, dass den guten Taten auch eine gute Absicht zugrunde liegt und nichts Anderes.
Eine weitere Wortwahl finde ich auch sehr besorgniserregend: flexible Solidarität. Was heißt das, »flexible Solidarität«. Und was heißt flexible Solidarität mit Menschen dort in anderen Ländern und hier bei uns für unser Miteinander? Stellen Sie sich vor, das wird zur allgemeingültigen Regel erklärt und zum Erziehungsziel. Welche Folgen hätte das? Zu welchem Verhalten wird hier aufgerufen? Geht es darum, uns abbringen zu lassen, von dem, was unser Impuls ist, nämlich Leben zu ermöglichen, zu teilen.
Stellen Sie sich vor, Solidarität gilt nur noch denen, die mir gerade angenehm sind. Was heißt das, wenn ich in Not gerate, wird mir jemand beim Aufstehen helfen, wird die Krankenkasse im Falle eines Unfalls, die Kosten für meine Behandlung übernehmen, wird sich jemand für mich einsetzen, wenn mir Unrecht widerfahren ist, ich ausgegrenzt werde? Was heißt das ganz konkret für jene, die in der Krise arbeitslos geworden sind oder geblieben sind, für jene, die in Kurzarbeit sind und bei denen es dann nicht reicht, weil das Geld auch vorher schon knapp war oder bei (kleineren) Unternehmen, die monatelang zusperren mussten? Nicht auszudenken.
Eine beliebige, unzuverlässige, eine eingeschränkte Solidarität, ein eingeschränkter Blickwinkel, das ist eine Versuchung vor der wir heute stehen. Auch Jesus wurde in der Wüste versucht nur an das eigene Wohl, den eigenen Erfolg und das eigene Weiterkommen zu denken, aber das war und ist nicht der Weg zum guten Miteinander. Wir können die Fastenzeit nutzen, um Sackgassen zu erkennen und Kraft zu sammeln, um uns aufzumachen in Richtung Reich Gottes, in Richtung gutes Leben aller Menschen auf dieser einen Erde und das Angebot annehmen, das Noah und uns allen gemacht wurde und wird, dass Gott jederzeit für uns da ist und mit uns ist.
© Mag.a Lucia Göbesberger, Leiterin der Abtlg. Gesellschaft & Theologie, Pastoralamt Linz.
Ereignisse wie die gegenwärtige Pandemie stellen unser Gottvertrauen in Frage. Wie können wir da dem Ruf Jesu "Kehrt um und glaubt an das Evangelium!" folgen?
Viele fragen sich: Ist in der schon lange dauernden Pandemie das Vertrauen zu Gott gewachsen oder schwächer geworden? Auf diese Frage können wir keine wissenschaftliche Antwort geben. Aber jeder kann für sich die Frage beantworten. Immer wieder begegne ich Menschen, die Gott misstrauen oder Menschen, bei denen der Glaube im Leben wenig oder gar keine Bedeutung mehr hat.
Wie kann ich den Satz der heutigen Frohbotschaft verkündigen: „Das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium“. (Mk 1,15) Gott ist uns nicht nur nahe, er ist in Jesus schon erschienen. Als Auferstandener bleibt er sogar bei uns bis zum Ende der Welt. Wer sich Jesus nähert, nähert sich Gott. Wenn ich das glaube, kann sich mein Leben total ändern. Doch in meiner Kindheit wurde Gott zum Erziehungsmittel degradiert. Der Höchste und Ewige wurde als strafender und nicht als liebender Gott dargestellt. In Wirklichkeit hat Jesus selbst unsere Schuld an sein Kreuz geheftet. Wir brauchen nicht mehr bestraft werden. Der rechte Schächer hat seine Vergehen bereut und kam noch am selben Tag in das himmlische Paradies. Als ich dies verstand, ist für mich das Evangelium zur Frohbotschaft geworden.
Kehrt um und glaubt an das Evangelium. Gott straft nicht, er verzeiht. „Wären unsere Sünden rot wie Scharlach. Sie sollen weiß werden wie Schnee. Wären sie rot wie Purpur, sie sollen weiß werden wie Wolle“ (Jes 1,18). Warum haben wir Mistrauen gegenüber Gott? Er macht doch alles gut. Vielen Menschen dauert die Pandemie schon zu lange. Sie fragen: Ist das ein guter Gott, der dies zulässt. Es gibt so viele Warum-Fragen. Jesus hat auch seiner Mutter das Leid zugemutet. Aber hinter jedem Leid steht die Liebe Gottes, die Sorge um unser Heil. Jesus kann auch das Kreuz in Segen verwandeln.
Die ersten Christen nannten sich Menschen eines neuen Weges (Apg 9,29, vgl. Ps 1). Gehen wir diesen Weg, führt er zur Auferstehung. Wir machen mit Jesus einen neuen Exodus, der aus dieser Welt hinaus zum Vater führt. Wir bleiben nicht bei der Pandemie stehen. Christus ist für uns der Weg zur Fülle des Lebens. In einem Lied heißt es: „Wir sind nur Gast auf Erden (siehe Hebr. 13,14) und wandeln ohne Ruh der ewigen Heimat zu“. Das macht uns gelassener gegenüber allen Ereignissen dieser Welt. „Muss ich auch wandern im Tal des Todesschattens, ich fürchte kein Unheil, denn der Herr ist bei mir“ (Ps 23,4).
Auf den Wegstrecken zu Gott stehen Rasthäuser (Gotteshäuser), in denen wir das Brot des Lebens empfangen dürfen. Nur ist das in der Zeit der Pandemie weniger oft möglich. Die heilige Katharina de Ricci (gest. 1590) sagt: „Die Vereinigung mit Jesus in der Kommunion sind Momente des Himmels auf Erden“. Kehren wir um! Glauben wir dem Evangelium. „Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll“ (Röm 8,18).
Die biblischen Texte des ersten Sonntags der Fastenzeit erzählen von Neuanfängen: der Neuanfang Gottes mit den Menschen nach der Sintflut, der Neuanfang Gottes, nachdem er sein Volk aus Ägypten herausführte, der Neuanfang, den Jesu einleitete und der Neuanfang mit der Umkehr, zu der wir von Jesus aufgerufen werden.
Von den biblischen Texten her steht der erste Fastensonntag unter dem Thema: Neu-Anfang. Wahrnehmen und beachten sollten wir dabei gleich von Beginn an: Der Anstoß dazu geht jeweils neu von Gott aus.
Heute ist der erste Sonntag der österlichen Bußzeit. Wir nennen sie auch die Vierzigtagezeit. Jesus wird in die Wüste geschickt. Da spielen der Geist Gottes, aber auch Satan eine Rolle. Gegenspieler, die sich jetzt wohl einmal einig sind. Einig darin, Jesus zu versuchen, ihn auf die Probe zu stellen, ihn fertig zu machen.
Oft haben wir auch das Gefühl, fertig gemacht und in eine Wüste geschickt zu werden. Wie lange das jetzt schon geht mit Corona? 40 Tage und mehr. Werden wir unser Vertrauen bewahren oder neu finden können?
Wir stehen am Beginn der Fastenzeit und werden eingeladen, neu unseren Glauben zu überprüfen. Die Einladung geschieht nicht vorwurfsvoll mit dem Hinweis, was wir alles falsch gemacht haben. Vielmehr sollen wir neu bedenken, mit welcher Liebe und Sorge sich Gott uns Menschen zuwendet. Wer dies tief bedenkt und immer wieder verinnerlicht, den wird sein Herz bewegen, trotz wiederholten Versagens von der Liebe nicht zu lassen. Er wird Kraft und Mühe darauf verwenden, Gott mit Werken der Liebe zu antworten.
Mit dem Aschermittwoch haben wir die 40-tägige Fastenzeit begonnen, um uns auf das Fest der Auferstehung vorzubereiten.
Der erste Sonntag der Fastenzeit erinnert uns an die vierzig Tage, die Jesus in der Wüste zugebracht hat, bevor er mit seiner Sendung an die Öffentlichkeit trat.
Auch wir bedürfen von Zeit zu Zeit eine Phase der Klärung unserer Lebensziele, unserer Beziehungen, nicht zuletzt unserer Beziehung zu Gott. Die Fastenzeit gibt uns dafür den nötigen Raum und schafft die entsprechende Atmosphäre.
Treten wir am Beginn dieser Feier vor den Herrn hin und bitten wir ihn, dass er sich uns zuwende:
Herr,
gewohnte Wege zu verlassen, fällt uns schwer,
wir haben uns in unseren Gedanken eingerichtet,
manchmal drehen wir uns nur noch um uns.
Herr, erbarme dich.
Herr,
Schuld einzugestehen, fällt uns schwer,
Wir suchen uns zu entlasten,
manchmal geben wir den schwarzen Peter einfach weiter.
Christus, erbarme dich.
Herr,
Menschen anzunehmen, die anders sind als wir, fällt uns schwer.
Wir pochen auf unsere Traditionen,
manchmal verschwinden hinter Ordnungen und Regeln Gesichter, die wir lieben könnten
Herr, erbarme dich.
Oder:
GL 168: O Herr, nimm unsre Schuld, mit der wir uns belasten
Herr,
dein Weg beginnt in der Wüste.
Mit bösen Geistern musst du kämpfen.
Sie wollen nicht, dass du uns liebst.
Herr, erbarme dich.
Christus,
in unseren Herzen und Köpfen rumort es.
Wir sind hin- und hergerissen.
Das Vertrauen wird auf eine harte Probe gestellt.
Christus, erbarme dich.
Herr,
von der Weite der Wüste sind wir fasziniert.
Ob wir es aushalten, mit uns allein zu sein?
Deine Engel sind uns nah.
Herr, erbarme dich.
So spricht der Herr:
Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören;
ich bin bei ihm in der Not,
ich will ihn herausreißen und zu Ehren bringen
(Ps 91 = Invokavit)
Vater im Himmel,
du schaust uns an und willst, dass wir nicht in den Fluten des Lebens untergehen.
Herr, erbarme dich.
Du setzt uns Zeichen in den Himmel und in unsere Herzen als Zusage deiner Liebe.
Christus, erbarme dich.
Unserer Schwachheit und unseren Irrwegen schenkst du die Zusage, bei uns zu sein und uns Kraft zum Neubeginn zu geben.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
du hast dich vom Geist Gottes in die Wüste führen lassen.
Herr, erbarme dich.
Du hast dich den Versuchungen des Satans ausgesetzt.
Christus, erbarme dich.
Als die Zeit erfüllt war, hast du zur Umkehr aufgerufen
und das Evangelium Gottes verkündet.
Herr, erbarme dich.
Allmächtiger Gott,
du schenkst uns die heiligen vierzig Tage
als eine Zeit der Umkehr und der Buße.
Gib uns durch ihre Feier die Gnade,
daß wir in der Erkenntnis Jesu Christi voranschreiten
und die Kraft seiner Erlösungstat
durch ein Leben aus dem Glauben sichtbar machen.
Darum bitten wir durch ihn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 1. Fastensonntag
Gott, unser Heil,
gib uns die Gnade, umzukehren zu dir.
Erleuchte unseren Verstand
und stärke unseren Willen,
damit uns diese Zeit der Buße zum Segen wird.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Montag in der 1. Woche der Fastenzeit
Herr,
vierzig Tage sind zu viel für uns.
Für was sollen wir Buße tun,
was verändern,
was neu beginnen?
Vierzig Tage sind zu wenig für uns,
dich zu finden und zu lieben,
in unsere Herzen zu blicken,
einander Gemeinschaft zu schenken.
Deinen Geist erbitten wir.
Dann wird uns an vierzig Tagen Glück zuteil.
Durch Christus, unserem Herrn. - Amen.
Wir danken dir, guter Gott, für die Fastenzeit,
für vierzig Tage der Besinnung und der Einkehr.
Du schenkst uns dein Wort,
du lässt uns den Weg Jesu mitgehen,
du hilfst uns, einen neuen Blick auf unser Leben zu werfen.
Wir bitten dich, hilf uns,
die Dinge in unserem Leben abzuwägen,
Abhängigkeiten zu entdecken
und alten Ballast abzuwerfen.
Trägheit und Resignation legen wir in deine Hände.
Du führst uns in die herrliche Freiheit deiner Kinder.
Durch Christus, unserem Herrn.
Den Versuchungen in unserem Leben können wir aus eigener Kraft nicht widerstehen.
Auch Christus ist in seinem irdischen Leben Versuchungen ausgesetzt gewesen.
Er konnte sie bestehen.
Ihn lasst uns bitten:
Um eine Kirche, die ehrlich mit ihren menschlichen Schwächen umgeht
und gerade darin den Menschen nahe ist.
Um Frieden und Gerechtigkeit für die Menschen,
die versuchen, sich gegen Korruption, Gewaltherrschaft und Missachtung ihrer Würde in ihren Ländern zu wehren.
Um einen verantwortungsvollen und vorsichtigen Umgang mit den vielen Informationen,
die uns täglich durch die digitalen Medien erreichen.
Um Kraft aus dem Glauben an dich, der uns hilft, trotz der gegenwärtigen Einschränkungen die Beziehung zu dir, zu unseren Mitmenschen und zu uns selbst nicht zu verlieren.
Um Hoffnung für unser Verstorbenen,
weil du, Jesus, uns alle vom ewigen Tod befreit hast.
In deinem Leben, Jesus, können wir die Kraft Gottes erkennen.
Auch wir sind durch die Taufe in diese Kraftquelle hineingenommen.
Dass wir uns nicht aus dieser Beziehung zu dir entfernen,
erbitten wir durch dich vom Vater im Heiligen Geist. Amen.
Herr, unser Gott,
wir bringen Brot und Wein für das heilige Opfer,
das wir zum Beginn dieser Fastenzeit feiern.
Nimm mit diesen Gaben uns selbst an
und vereine unsere Hingabe
mit dem Opfer deines Sohnes,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 1. Fastensonntag
Herr, unser Gott,
wir bringen diese Gaben dar
und weihen uns dir im Opfer deines Sohnes.
Nimm den Dienst deiner Kirche an.
Übe Nachsicht mit unserem Versagen
und heilige unser Leben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Montag in der 1. Woche der Fastenzeit
In der Wüste, Herr, ist Brot das Paradies,
Wein das vollendete Glück.
Dir bringen wir unseren Hunger nach Leben,
die Sehnsucht nach Liebe,
die Hoffnung einer neuen Welt.
Du verwandelst alles,
Trauer in Freude,
Angst in Mut.
Und Brot und Wein lässt du uns werden
Leib und Blut unseres Herrn.
Du lässt uns den Himmel schmecken.
In Christus, unserem Herrn.
Kehrvers
Singet dem Herrn alle Länder der Erde,
singt dem Herrn und preiset seinen Namen.
(GL 54,1)
Wir kommen zu dir, Gott und Vater,
um dir unseren Dank und Lobpreis darzubringen.
Du schenkst uns Zeiten der Besinnung und Umkehr
und gehst jenen entgegen, die dich mit aufrichtigem Herzen suchen.
Kehrvers
Obwohl die Menschen sich immer wieder von dir abwandten,
hast du ihnen deinen Bund angeboten.
Nach der großen Flut hast du der Menschheit zugesagt,
dass du ein Gott des Lebens bist,
der nicht den Tod des Sünders will,
sondern, dass er umkehrt und lebt.
Kehrvers
Wir danken dir für die Frohe Botschaft vom Reich Gottes,
die uns dein Sohn Jesus Christus verkündet hat.
Durch sie haben wir das wahre Leben gefunden.
Kehrvers
Durch die Taufe hast du uns Anteil am ewigen Leben der Kinder Gottes gegeben
und uns aus der Not des Sterbens errettet.
Dafür danken wir dir und preisen wir dich mit allen,
die in deiner Gegenwart leben.
Danklied, z. B. Lasst uns loben, freudig loben (GL 489)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater im Himmel, zu danken
und dein Erbarmen zu preisen.
Denn jedes Jahr
schenkst du deinen Gläubigen die Gnade,
das Osterfest in der Freude
des Heiligen Geistes zu erwarten.
Du mahnst uns in dieser Zeit der Buße
zum Gebet und zu Werken der Liebe,
du rufst uns zur Feier der Geheimnisse,
die in uns die Gnade der Kindschaft erneuern.
So führst du uns mit geläutertem Herzen
zur österlichen Freude und
zur Fülle des Lebens
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn rühmen wir deine Größe
und vereinen uns mit den Chören der Engel
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Fastenzeit 1
hat in einer großen Tiefe zum Vater gebetet.
Beten wir das Gebet, welches Christus uns selber zu beten gelehrt hat,
mit der gleichen großen Ehrfurcht.
Vater unser...
© Pfarrer Hans Tinkhauser <hans.tinkhauser@aon.at>
Wir danken dir, Gott,
dass du Frieden bringst und uns Menschen rufst
sich für den Frieden einzusetzen.
Dass du diese Welt geschaffen hast,
damit Glück und Frieden sich ausbreiten können.
Wir danken dir, dass du nicht zulassen willst,
dass Menschen in Hunger und Elend bleiben
und sich gegenseitig töten.
Wir danken dir,
dass du uns in Jesus Christus
einen Bruder gegeben hast,
der unsere Nöte und Ängste erlebt hat,
der zuerst die Leidenden und Hilflosen sah
und die Verachteten und Ausgestoßenen.
Der nicht schwieg, wo alle schwiegen,
und der bereit war,
für den Frieden am Kreuz zu sterben.
Wir danken dir, dass du uns in dieser Fastenzeit
von Neuem rufst
unsere Irrwege und Umwege zu verlassen
und dir zu folgen,
damit dein Reich wachsen kann
dein Reich der Liebe und des Friedens.
Gütiger Gott,
du hast uns das Brot des Himmels gegeben,
damit Glaube, Hoffnung und Liebe in uns wachsen.
Erhalte in uns das Verlangen nach diesem wahren Brot,
das der Welt das Leben gibt,
und stärke uns mit jedem Wort,
das aus deinem Mund hervorgeht.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 1. Fastensonntag
Allmächtiger Gott,
du hast uns Anteil gegeben am heiligen Mahl.
Laß uns an Leib und Seele gesunden.
Schenke uns durch dieses Sakrament deine Hilfe
und die ewige Vollendung.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Montag in der 1. Fastenwoche
Herr,
am Anfang der österlichen Bußzeit danken wir dir,
dass uns 40 Tage geschenkt sind,
mit dir und mit uns in Reine zu kommen.
Hilf uns, unsere Ideen, Fragen und Zweifel
in deinem Licht abzuwägen,
alte Denkmuster zu öffnen und
alles, was selbstverständlich ist,
noch einmal neu zu entdecken.
Und wenn unsere Wege
Wegen in der Wüste gleichen,
schenke uns,
einander Engel zu werden.
In der Kälte wird es dann warm,
in der Hitze des Tages kühl,
in der Weite nah
und im Sand wachsen Blumen.
In Christus verheißen
von Horizont zu Horizont. – Amen.
Herr, Jesus Christus,
dir sind die Wege, die Durststrecken und die Anfechtungen des Lebens vertraut.
Die Menschen durften dir in ihrer ganzen Bedürftigkeit begegnen.
Du hast vom verzeihenden Vater Kunde gebracht und uns zugerufen:
Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium.
Gib uns die Kraft, immer wieder auf das zu schauen,
was unser Leben wirklich ausmachen soll
und lass uns Wege der Umkehr und des Neubeginns finden.
Tritt du immer wieder vor dem Vater für uns ein. – Amen.
Es segne uns Gott der Vater,
der die Buntheit des Regenbogens,
als Zeichen seines Bundes mit uns,
in den Himmel setzte.
Es segne uns Gottes Sohn, unser Bruder,
der uns liebend zur Umkehr gerufen hat.
Es segne uns die Kraft des Hl. Geistes,
dass sie uns befähigt und stärkt.
So segne uns der dreieinige Gott…
Gott unser Vater
du hast deinen Sohn in die Wüste geführt,
damit wir in der Freiheit der Kinder Gottes leben können.
Segne unsere Tage in der österlichen Bußzeit.
Lass uns Christus nahe kommen,
damit wir Ostern als Fest des Lebens und der Freude feiern
durch die Erlösungstat, die Herr für uns vollbracht hat.
So segne uns der dreieinige Gott,
der Vater und der Sohn und der heilend tröstende Geist. – Amen.
© Pfarrer Hans Tinkhauser <hans.tinkhauser@aon.at>
Die Steppe wird blühen
Die Steppe wird blühen,
die Steppe wird lachen und jauchzen.
Die Felsen, die stehen seit
den Tagen der Schöpfung,
stehn voll Wasser, doch dicht,
sie werden sich öffnen.
Das Wasser wird strömen,
das Wasser wird glitzern und strahlen,
Durstige kommen und trinken.
Die Steppe wird trinken,
die Steppe wird blühen,
die Steppe wird lachen und jauchzen.
Verbannte, sie kommen
mit leuchtenden Garben nach Hause.
Die gingen in Trauer
bis zum Ende der Erde,
hin auf immer, allein –
vereint kehrn sie wieder.
Wie Bäche voll Wasser,
wie Bäche voll sprudelndem Wasser,
brausend herab von den Bergen.
Mit Lachen und Jauchzen –
die säten in Tränen,
kehrn wieder mit Lachen und Jauchzen.
Der Tote wird leben.
Der Tote wird hören: Nun lebe.
Zu Ende gegangen,
unter Steinen begraben:
Toter, Tote, steht auf,
es leuchtet der Morgen.
Da winkt eine Hand uns,
uns ruft eine Stimme: ich öffne
Himmel und Erde und Abgrund.
Und wir werden horen,
und wir werden aufstehn
und lachen und jauchzen und leben.
Übersetzung: Anette Rotherberg-Joerges, © Ekklesia Music Publishing EMP. For the world: Small Stone Media bv, Holland
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Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
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Die Schriftlesungen zum Beginn der österlichen Bußzeit beginnen mit einer Verheißung. Aus der Sintflutgeschichte hören wir die Zusage Gottes, daß Gott weiterhin den Menschen zugewandt bleibt. Und daß er ein Gott des Beistandes ist.
Im Zentrum der priesterlichen Schrift steht der Bundesschluß. Es geht dabei nicht um einen beiderseitigen Abschluß eines Bundes oder Vertrages, sondern Gott selbst gibt hier eine feierliche Bindung und Zusage. Die Menschen sind hingegen die beschenkten Bundespartner. Im Zeichen des Regenbogens wird diese Zusage besiegelt. Gott selbst will sich an die Zusage immer wieder erinnern.
Hintergrund dieser Erzählung ist auch die Erfahrung des babylonischen Exils. Hinter all den negativen und schlimmen Erfahrungen, dürfen sich die Menschen doch immer wieder an den geschenkten Bund und die Treue Gottes halten und auf ihn bauen.
Israel ist ein Volk, das auf seinen Gottesbund setzt. Dieser Bund wird in den 5 Büchern Mose immer wieder thematisiert. Der Noahbund ist ein Mosaikstein der großen Aussage: Gott steht zu uns.
Besonders in der Zeit des Exils war dieser Bund wichtig. Wenn Gott nicht mehr will, dass alles ausgerottet wird, dann muss die aktuelle Not in der Verbannung einen glücklichen Ausgang finden.
Ein Zeichen der Schöpfung, das sich in allen Gegenden finden lässt, wird zum Zeichen des Bundes. Es gibt keinen Ort, an dem Gott sich nicht zu seinem Bund und seiner Treue bekennen kann.
Unsere Perikope steht am Ende der Sintfluterzählung, gehört aber zugleich auch zum Finale der Priesterschrift in der Urgeschichte (Gen 1 bis 10).
Die "sehr gute" Schöpfung ist durch die Gewalttat des Menschen verdorben worden (6,11-13). Über die aus der Ordnung geratene Schöpfung ergeht das Gericht Gottes (Sintflut), aber über ihr waltet die Treue Gottes und seine erbarmende Liebe.
Der Text der ersten Lesung läßt zwei Teile erkennen:
Die erste Rede (9, 8 –11) kündigt den Bundesschluß an. Noach und seinen Nachkommen, alle kommenden Geschlechter (d. h. allen Menschen), aber auch die Tiere sind Partner dieses Bundes. Gott garantiert die Beständigkeit dieser Schöpfung und gibt die Zusicherung, daß eine Sintflut sich nicht wiederholen wird.
Die zweite Rede (9,12–16) beschreibt diesen Bundesschluß. Für den Menschen des Altertums bedeuten die Gewitter die Bedrohung, dass das Chaos ausbrechen kann. Der Regenbogen nach dem Unwetter ist das natürliche Zeichen des Aufatmens. Dieses natürliche Zeichen wird aufgegriffen und zum Zeichen dafür gemacht, dass Gott das Chaos ein für allemal überwunden hat. Indem er den Bogen in die Wolken setzt, stiftet Gott zugleich ein dauerhaftes, ewiges Zeichen des Bundes. Jedes neue Erscheinen dieses Bundeszeichens erneuert den "Noachbund" und erinnert die Menschen an die Treue Gottes zur ganzen Schöpfung.