Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Jósua.
In jenen Tagen
versammelte Jósua alle Stämme Israels in Sichem;
er rief die Ältesten Israels,
seine Oberhäupter, Richter und Aufsichtsleute zusammen
und sie traten vor Gott hin.
Jósua sagte zum ganzen Volk:
Wenn es euch nicht gefällt, dem Herrn zu dienen,
dann entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt:
den Göttern, denen eure Väter jenseits des Stroms dienten,
oder den Göttern der Amoríter, in deren Land ihr wohnt.
Ich aber und mein Haus,
wir wollen dem Herrn dienen.
Das Volk antwortete:
Das sei uns fern,
dass wir den Herrn verlassen
und anderen Göttern dienen.
Denn der Herr, unser Gott, war es,
der uns und unsere Väter
aus dem Sklavenhaus Ägypten herausgeführt hat
und der vor unseren Augen
alle die großen Wunder getan hat.
Er hat uns beschützt
auf dem ganzen Weg, den wir gegangen sind,
und unter allen Völkern,
durch deren Gebiet wir gezogen sind.
Auch wir wollen dem Herrn dienen;
denn er ist unser Gott.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Jósua.
In jenen Tagen
versammelte Jósua alle Stämme Israels in Sichem;
er rief die Ältesten Israels,
seine Oberhäupter, Richter und Aufsichtsleute zusammen
und sie traten vor Gott hin.
Jósua sagte zum ganzen Volk:
So spricht der HERR, der Gott Israels:
Jenseits des Stroms wohnten eure Väter von Urzeiten an,
Terach, der Vater Abrahams und der Vater Nahors,
und dienten anderen Göttern.
Da holte ich euren Vater Abraham
von jenseits des Stroms
und ließ ihn durch das ganze Land Kanaan ziehen.
Ich schenkte ihm zahlreiche Nachkommenschaft
und gab ihm Isaak.
Dem Isaak gab ich Jakob und Esau
und ich verlieh Esau das Bergland Seïr,
damit er es in Besitz nahm.
Jakob aber und seine Söhne
zogen nach Ägypten hinab.
Dann sandte ich Mose und Aaron
und schlug Ägypten,
so wie ich es in seiner Mitte getan habe,
und dann habe ich euch herausgeführt.
Ich führte eure Väter aus Ägypten heraus.
Da seid ihr ans Meer gekommen.
Die Ägypter aber verfolgten eure Väter
mit Wagen und Pferden bis zum Roten Meer.
Da schrien eure Väter zum HERRN
und er legte zwischen euch und die Ägypter eine Finsternis
und ließ das Meer über sie kommen,
sodass es sie überflutete.
Mit eigenen Augen habt ihr gesehen,
was ich in Ägypten getan habe.
Dann habt ihr euch lange in der Wüste aufgehalten.
Ich brachte euch in das Land der Amoriter,
die jenseits des Jordan wohnten.
Sie kämpften mit euch, aber ich gab sie in eure Hand;
ihr habt ihr Land in Besitz genommen
und ich habe sie euretwegen vernichtet.
Dann erhob sich der König Balak von Moab,
der Sohn Zippors, und kämpfte gegen Israel.
Er schickte Boten zu Bileam, dem Sohn Beors,
und ließ ihn rufen, damit er euch verflucht.
Ich aber wollte keinen Fluch von Bileam hören.
Darum musste er euch segnen
und ich rettete euch aus seiner Hand.
Dann habt ihr den Jordan durchschritten
und seid nach Jericho gekommen;
die Bürger von Jericho kämpften gegen euch,
ebenso die Amoriter, die Perisiter, die Kanaaniter,
die Hetiter, die Girgaschiter, die Hiwiter und die Jebusiter
und ich gab sie in eure Hand.
Ich habe Panik vor euch hergeschickt.
Die hat sie vor euch auseinandergejagt,
die Könige der Amoriter.
Das geschah weder durch dein Schwert
noch durch deinen Bogen.
Ich gab euch ein Land,
um das ihr euch nicht bemüht hattet,
und Städte, die ihr nicht erbaut hattet.
Ihr habt in ihnen gewohnt
und ihr habt von Weinbergen und Ölbäumen gegessen,
die ihr nicht gepflanzt hattet.
Fürchtet also jetzt den HERRN
und dient ihm in vollkommener Treue!
Schafft die Götter fort,
denen eure Väter jenseits des Stroms
und in Ägypten gedient haben,
und dient dem HERRN!
Wenn es euch nicht gefällt, dem Herrn zu dienen,
dann entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt:
den Göttern, denen eure Väter jenseits des Stroms dienten,
oder den Göttern der Amoríter, in deren Land ihr wohnt.
Ich aber und mein Haus,
wir wollen dem Herrn dienen.
Das Volk antwortete:
Das sei uns fern,
dass wir den Herrn verlassen
und anderen Göttern dienen.
Denn der Herr, unser Gott, war es,
der uns und unsere Väter
aus dem Sklavenhaus Ägypten herausgeführt hat
und der vor unseren Augen
alle die großen Wunder getan hat.
Er hat uns beschützt
auf dem ganzen Weg, den wir gegangen sind,
und unter allen Völkern,
durch deren Gebiet wir gezogen sind.
Der HERR hat alle Völker vertrieben,
auch die Amoriter, die vor uns im Land wohnten.
Auch wir wollen dem Herrn dienen;
denn er ist unser Gott.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Kostet und seht, wie gut der Herr ist! – Kv
Oder: GL 39,1
Ich will den Herrn allezeit preisen; *
immer sei sein Lob in meinem Mund.
Meine Seele rühme sich des Herrn; *
die Armen sollen es hören und sich freuen. – (Kv)
Die Augen des Herrn sind den Gerechten zugewandt, *
seine Ohren ihrem Hilfeschrei.
Das Angesicht des Herrn richtet sich gegen die Bösen, *
ihr Andenken von der Erde zu tilgen. – (Kv)
Die aufschrien, hat der Herr erhört, *
er hat sie all ihren Nöten entrissen.
Nahe ist der Herr den zerbrochenen Herzen *
und dem zerschlagenen Geist bringt er Hilfe. – (Kv)
Viel Böses erleidet der Gerechte, *
doch allem wird der Herr ihn entreißen.
Er behütet all seine Glieder, *
nicht eins von ihnen wird zerbrochen. – (Kv)
Den Frevler wird die Bosheit töten, *
die den Gerechten hassen, werden es büßen.
Der Herr erlöst das Leben seiner Knechte, *
niemals müssen büßen, die bei ihm sich bergen. – Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Éphesus.
Schwestern und Brüder!
Einer ordne sich dem andern unter
in der gemeinsamen Furcht Christi!
Ihr Frauen
euren Männern wie dem Herrn;
denn der Mann ist das Haupt der Frau,
wie auch Christus das Haupt der Kirche ist.
Er selbst ist der Retter des Leibes.
Wie aber die Kirche sich Christus unterordnet,
so sollen sich auch die Frauen in allem
den Männern unterordnen.
Ihr Männer,
liebt eure Frauen,
wie auch Christus die Kirche geliebt
und sich für sie hingegeben hat,
um sie zu heiligen,
da er sie gereinigt hat durch das Wasserbad im Wort!
So will er die Kirche herrlich vor sich hinstellen,
ohne Flecken oder Falten oder andere Fehler;
heilig soll sie sein und makellos.
Darum sind die Männer verpflichtet,
ihre Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib.
Wer seine Frau liebt,
liebt sich selbst.
Keiner hat je seinen eigenen Leib gehasst,
sondern er nährt und pflegt ihn,
wie auch Christus die Kirche.
Denn wir sind Glieder seines Leibes.
Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen
und sich an seine Frau binden
und die zwei werden ein Fleisch sein.
Dies ist ein tiefes Geheimnis;
ich beziehe es auf Christus und die Kirche.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Epheserbrief fällt stilistisch aus der Reihe der Paulusbriefe. Dies und noch weitere Merkmale lassen vermuten, daß dieser Brief von einem Paulusschüler stammt. Sollte der Brief von Paulus verfaßt sein, dann hat er diesen Brief nicht an die Gemeinde von Ephesus geschrieben. In einigen guten Handschriften fehlt die Ortsangabe "Ephesus", was andeutet, daß dieses Schriftstück für eine eher allgemeine Verwendung gedacht war. Weiters ist festzustellen, daß dieses Schriftstück gar kein wirklicher Brief ist, sondern eine theologische Abhandlung. Der Brief ist ein Ringen mit Gegnern, welche sich jedoch nicht ausmachen lassen.
Der für diesen Sonntag konkret gewählte Abschnitt, läßt die Besonderheit der Denkweise des Verfassers erkennen. Ein fest geprägtes Traditionsgut der Antike, eine "Haustafel", wird übernommen. Der Verfasser wurzelt in der antiken Sozialordnung, wenn er schreibt, die Frau habe sich dem Mann unterzuordnen. Sie kann keine öffentliche Stellung übernehmen. Diese Ordnung braucht vom Briefverfasser gar nicht begründet werden, denn diese ist in der Gesellschaft einfach vorgegeben, und wird folglich auf Christus und die Kirche hingedeutet, bzw. hinübergebogen. Die Verbindung zur Taufe wird gemacht, welche ziemlich gekünstelt wirkt. Die Schöpfungsgeschichte wird einbezogen, und doch: einmal ist die Kirche Braut, dann Frau. Dies gibt wiederum eine Störung im Bezug auf Mann.
Über die Stelle hinauszugreifen, sprich weiterzulesen, ist interessant: Es folgen Ermahnungen an die Kinder und an die Sklaven. Die bestehende Gesellschaftsordnung wurde als gegeben hingenommen. Für die Urchristen existierte die Sklavenfrage nicht.
Bei den meisten der heutigen Hörerinnen wird diese Lesung sofort Widerstände wecken: Der Aufruf an die Frauen, sich ihren Männern unterzuordnen, widerspricht dem heutigen Verständnis von Gleichberechtigung und Partnerschaft von Frau und Mann. Umso wichtiger ist es, den Entstehungshintergrund des Textes zu beachten: Der Epheserbrief erhebt im ersten Vers den Anspruch, ein von Paulus abgefasstes Schreiben an die Gemeinde in Ephesus zu sein. Dagegen spricht aber eine Reihe von Gründen. In wichtigen Handschriften fehlt die Ortsangabe "Ephesus", so dass es sich wohl eher um ein Rundschreiben mit allgemeiner Verwendung handelt. Formal ist der Text zwar wie ein Brief gestaltet, inhaltlich aber eher als theologische Abhandlung oder Predigt über die Kirche. Sprache, Stil, Theologie und die vorausgesetzte Gemeindestruktur unterscheiden sich stark von authentischen Paulusbriefen. Als Verfasser ist daher ein Paulusschüler zu vermuten, der gegen Ende des 1. Jh. im Namen des Apostels an Heidenchristen schrieb.
Der vorliegende Lesungstext ist der erste Abschnitt einer "Haustafel", einer Zusammenstellung der gegenseitigen Verpflichtungen von Menschen, die in einer Hausgemeinschaft der Antike zusammenleben. Das sind neben den in der Lesung angesprochenen Frau und Mann Eltern und Kinder sowie Sklaven und Herren. Die literarische Form der Haustafel stammt aus der griechischen Philosophie und wurde bereits vom hellenistischen Judentum übernommen. Auch der Verfasser des Epheserbriefes greift auf diese Form und ihre überlieferten Inhalte zurück, betont aber das gegenseitige Verpflichtet- und Aufeinanderangewiesensein und begründet dieses aus dem christlichen Glauben.
Eph 5,21 ist daher als eine Art Überschrift der folgenden Mahnungen zu verstehen: "Einer ordne sich dem anderen unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus." Die in der Antike selbstverständliche Unterordnung der (Ehe-)Frau unter ihren Mann wird vom Verfasser übernommen, aber mit der damals sehr ungewöhnlichen Mahnung an die Männer verbunden, ihre Frauen zu lieben. Auch hebt er die enge Zusammengehörigkeit von Mann und Frau hervor. Im letzten Vers der Lesung wird dieses liebevolle Verhältnis auf Christus und seine Kirche bezogen, die ja das zentrale Thema des Epheserbriefes darstellen.
In ihrem Entstehungskontext betrachtet handelt es sich bei dieser Lesung also sogar um einen für die damalige Zeit "modernen" Text. Soll er heute im Gottesdienst gelesen werden, dann sind aber vorab Erläuterungen notwendig, damit es nicht zu Missverständnissen kommt.
Um das Thema des Evangeliums und den roten Faden von der 1. Lesung zum Evangelium in Gottesdienst und Predigt besser zu entfalten, empfiehlt es sich allerdings, diese 2. Lesung mit ihrem ganz eigenen inhaltlichen Schwerpunkt wegzulassen.
Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr B 7/2009. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2009. S. 13-27.
Halleluja. Halleluja.
Deine Worte, Herr, sind Geist und Leben.
Du hast Worte des ewigen Lebens.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit
sagten viele seiner Jünger, die ihm zuhörten:
Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören?
Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten,
und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß?
Was werdet ihr sagen,
wenn ihr den Menschensohn aufsteigen seht,
dorthin, wo er vorher war?
Der Geist ist es, der lebendig macht;
das Fleisch nützt nichts.
Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe,
sind Geist und sind Leben.
Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben.
Jesus wusste nämlich von Anfang an,
welche es waren, die nicht glaubten,
und wer ihn ausliefern würde.
Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt:
Niemand kann zu mir kommen,
wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist.
Daraufhin zogen sich viele seiner Jünger zurück
und gingen nicht mehr mit ihm umher.
Da fragte Jesus die Zwölf:
Wollt auch ihr weggehen?
Simon Petrus antwortete ihm:
Herr, zu wem sollen wir gehen?
Du hast Worte des ewigen Lebens.
Wir sind zum Glauben gekommen
und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Sogar die Jünger nehmen Anstoß an Jesus. Darin liegt eine Gewichtung in der ausgewählten Perikope. Eine zweite besteht darin, daß die Jünger zu verkraften haben, daß an Jesus überhaupt Anstoß genommen wird. Der Anstoß liegt im Anspruch Jesu als Mensch Lebensmittler zwischen Gott und Menschen zu sein.
Jesus gibt keine antwortende Erklärung auf das Murren ab, sondern stellt eine Frage: Was..., ...wenn der Menschensohn hinaufsteigt? Soll das Aufsteigen das Ärgernis mildern, oder verlangen Jesu Tod und Auferstehung nicht erst recht den Glauben?
Letzendlich gilt es, das Wort gläubig anzunehmen. Jesus und die Jüngern, alle zusammen Juden, sind mit der Wirkmacht des Wortes vertraut. In den Schriften des Alten Testamentes ist das Wort Gottes, und dessen Wirkmacht Um und Auf.
Die endgültige Fassung des Johannesevangelium entstand zu Beginn des 2. Jhdt. nach Chr. Der Verfasser betrachtet das Wirken Jesu daher aus zeitlicher Distanz und auf einem hohen Reflexionsniveau. Geprägt ist das Evangelium von Offenbarungsreden Jesu. Im Anschluss an eine solche Rede, die so genannte "Brotrede", spielt die im vorliegenden Textausschnitt beschriebene Szene von der Spaltung unter den Jüngern. Hintergrund hierfür ist die gemeindliche Situation zum Ende des ersten Jahrhunderts, die der Verfasser reflektiert: Christen wandten sich von der frühen Kirche ab, weil ihnen vieles nicht mehr einleuchtend, zumutbar und glaubwürdig erschien.
Solche Situationen haben sich im Lauf der Kirchengeschichte immer wieder ereignet - bis heute. Gründe für den Kirchenaustritt heute finden viele Menschen genug: von der Kirchensteuer über den Vorwurf des Formalismus bis hin zu persönlichen Enttäuschungen und negativen Erfahrungen mit Vertretern der Kirche. Das alles erscheint "unerträglich" (Joh 6,60) und führt dazu, dass "viele... sich zurückziehen" (vgl. Joh 6,66).
Da die Predigt im Gottesdienst sich aber an diejenigen wendet, die trotzdem gekommen sind, lohnt es sich, deren Beweggründen nachzugehen, die zur Entscheidung für Gottesdienst und darüber hinaus vielleicht für die Teilnahme am übrigen Gemeindeleben führen. Die Bandbreite der "guten Gründe" für den Gottesdienst reicht vom Sonntagsgebot, Totengedenken, bis zum Bedürfnis nach Besinnung und Impulsen für sich selbst. Diese unterschiedlichen Motivationen sollen nicht gegeneinander ausgespielt oder bewertet werden.
Das Evangelium lenkt den Blick aber auf "Worte, die Geist und Leben sind" (Vers 63) als ausschlaggebenden Grund. Petrus, zusammen mit den verbliebenen Zwölf von Jesus ausdrücklich vor die Entscheidung gestellt, begründet so sein Bleiben: "Du hast Worte des ewigen Lebens" (Vers 68). "Worte des Lebens", die trösten, befreien, aufrichten, lebendig machen, erhofft sich mancher vom Gottesdienstbesuch, weil er dies schon früher erfahren hat: Ein Liedvers, Gebet, ein Symbol, ein Bibelwort oder Predigtgedanke hat vielleicht auch durch Krisenzeiten des Lebens getragen. Sich auf solche persönlichen "Worte des Lebens" zu besinnen und dafür zu danken, stärkt die Entscheidung für den Glauben, Gottesdienst und Kirche.
Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr B 7/2009. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2009. S. 13-27.
Mit Sorge und Schmerz nehmen wir wahr, dass sich Menschen von der Kirche zurückziehen. Manche finden auf ihre Weise einen neuen Bezug zur Kirche. - Was geht da vor? Was gibt Mut zum Bleiben? Petrus bekennt stellvertretend für die übrigen Jünger: "Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens…". - Spricht er auch für mich?
Simon Petrus: "Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: du bist der Heilige Gottes." Ein grandioser Schluss, nachdem auch schon so viele Jünger sich vom Acker gemacht haben. Viele, so heißt es, haben sich zurückgezogen und wollten nicht länger mit Jesus umherziehen.
Ich bin neugierig. Was mag da wohl vorgefallen sein? Ist ihnen die Rede Jesu nicht bekommen?
Ist ihnen die ganze Sache über den Kopf gewachsen? Sind sie – enttäuscht? Nur: worüber?
Egal. Es ist eine Rückzugsgeschichte.
Rückzugsgeschichten kenne ich. Ich habe die Schnauze voll, sagt die Frau. Ich bleibe nicht länger. Wohin sie geht? Nicht zu den Worten ewigen Lebens – sie geht zum Amtsgericht. Die Kirche ist’s. Der Bischof. Der Papst. Die Leute in der Gemeinde. Sie wird austreten, sagt sie. Dass sie sogar warten muss, weil es mit den Terminen hapert, verärgert sie zusätzlich. Bloß keinen Tag länger! In der Statistik ist sie nur eine Zahl. Eine Austrittszahl mehr. Nach ihr fragt aber keiner. Eine unheimliche Stille liegt über Seelen und Fluren.
Es ist sinnlos, sagt der Mann. So viele Jahre habe ich in der Gemeinde mitgearbeitet. Ich hatte immer Zeit, wenn ich gebraucht wurde. Man musste mich nicht zweimal um etwas bitten. Dann übernahmen neue Leute die Gemeinde und schlossen gleich ganze Arbeitsfelder. Kein Geld, sagten sie. Wir müssen uns konzentrieren. Aber der Mann versteht nichts mehr. Er hat doch nie einen Cent bekommen. Und konzentriert war er immer. Jetzt ist er altes Eisen. Auf einmal. Er zieht sich zurück. Er muss sich zurückziehen. Enttäuscht. Den Blumenstrauß hat er weiter verschenkt. Ein Blumenstrauß für ein Leben!
Und da ist auch noch der Priester. Mit ganzem Herzen. Aber weil er eine Frau kennengelernt hat, musste er gehen. Als Priester. An jedem Sonntag verspürt er den Schmerz. Verträgt seine Weihe keine Liebe? Die Argumente sind schon hin und hergegangen. Die Aktenlage ist klar. Inzwischen ist der Vorgang im Archiv. Im Archiv landet alles. Jetzt hat sich der Priester mit anderen vernetzt, um das zu bleiben, was er immer schon war: Priester. Er möchte nicht gehen, er möchte auch nicht gegangen werden – er möchte wiederkommen, er möchte bleiben. Im Hause des Herrn immerdar – wie es im Psalm heißt.
Rückzugsgeschichten. Es gibt viele von ihnen. Geschichten von Enttäuschungen, falschen Erwartungen und bitteren Erfahrungen.
Simon Petrus: "Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: du bist der Heilige Gottes." Das ist ein Bekenntnis. Keine Rückzugsgeschichte. Das ist eine Liebeserklärung. Kein Abschied.
Dass ich es von Simon auch nicht anders erwartet habe, gebe ich offen zu! Aber ich freue mich sehr darüber, dass er das auch so sagt. Bei den vielen Worten, die gemacht, aber auch verschwiegen werden, sind Worte des ewigen Lebens mein großes Glück.
Eine große Gewissheit spricht aus den Worten Simons – und es sind nicht nur seine. Ob er – mit den anderen Jüngern – der Rest ist, der gerade noch übrigbleibt? Eine kleine Elite? Die Unverbesserlichen? Ein harter Kern? Ich schäme mich fast, so zu fragen. Hätten sie nicht auch eine Alternative? Sie sagen: Nein! Fehlte ihnen der Mut? Sie sagen: Nein! In ihrem NEIN ist das große JA verborgen, den Heiligen Gottes zu lieben. Von dem Heiligen Gottes geliebt zu sein.
Die Frage ist nur rhetorisch: Herr, zu wem sollen wir (denn) gehen?
Ich weiß zwar, dass ein Abschied von der Kirche nicht automatisch ein Abschied von Jesus ist, aber es ist dann doch der erste Gedanke, der mir kommt. Und der schmerzt. Simon, Petrus, Fels genannt, spricht, stellvertretend für die anderen Jünger, aus, was sie alle entdeckt haben: Jesus ist der Heilige Gottes.
Der Evangelist Johannes gibt sich richtig viel Mühe, in einer langen Geschichte zu erzählen, wie Jesus Brot teilt, wie Jesus Leben teilt, wie Jesus die Ewigkeit teilt. Mit Menschen, die hungrig sind, schuldig werden, an ihren Hoffnungen zerbrechen – und sich beschenken lassen! Mit ganz wenig hat alles angefangen: mit 5 Broten und 2 Fischen – tausende wurden satt – tausende erlebten, wie sich der Himmel öffnete - und übrig geblieben sind: Körbe. 12 Körbe! Soviel, wie Israel Stämme hatte, soviel, wie Jesus Jünger hatte. Über-Fluss heißt das Wort, das mehr verbirgt als es sagen kann: alles fließt über. Die Hoffnung, das Vertrauen, die Liebe. Es kann nichts mehr abgemessen werden. Die Maßeinheiten selbst sind ohne Maß.
"Die Worte,
die ich zu euch gesprochen habe,
sind Geist und sind Leben.
Worte ewigen Lebens!"
„Ich bin das Brot des Lebens“ – hören wir Jesus sagen. Und feiern das immer wieder. Immer, wenn wir Eucharistie feiern, immer, wenn wir zur Kommunion gehen, immer, wenn wir den Friedensgruß teilen.
„Tut dies zu meinem Gedächtnis“ – hören wir Jesus sagen. Und tun das immer wieder. Immer, wenn wir einem Menschen in seiner Angst beistehen, immer, wenn wir dem Hass wehren, immer, wenn wir Frieden stiften.
Es sind Geschichten, die vom Bleiben erzählen. Von neuen Anfängen. Wir können viele von ihnen erzählen.
Drei Rückzugsgeschichten habe ich tatsächlich erzählt. Von einer Frau, die aus der Kirche austritt. Von einem Mann, der nicht mehr gebraucht wird. Von einem Priester, der darum kämpft, wieder der Eucharistiefeier vorstehen zu dürfen. In diesen Geschichten steckt eine Sehnsucht – die Sehnsucht nach dem Heiligen, die Sehnsucht nach dem Heilen. Die Sehnsucht nach Heilwerden.
Die Frau hat sich leider nicht umstimmen lassen, aber sie erzählte, auch zwischen den Zeilen, von dem Traum, wenigstens an einem Ort angenommen und geliebt zu sein. Sie wusste, dass sie auch nicht immer liebe- und verständnisvoll war. Doch am Ende hat sie enttäuscht einen Schlussstrich gezogen. Sie hat die fremde Heimat Kirche verlassen.
Der „abservierte“ Mann hat inzwischen eine neue Heimat gefunden. In der Nachbargemeinde. Die Menschen haben ihn freundlich aufgenommen und ihm einen Raum gegeben. Wobei Raum mehr ist als ein Raum mit Wänden, Fenstern und Türen. Die berühmte Geschichte, dass Platzhirsche ihre Reviere verteidigen, musste er nicht erzählen. Viele Menschen konnten noch einmal neu anfangen.
Der Priester, von dem ich erzählte, hat einen Verein gegründet. Er bleibt am Ball. Er möchte das sein, was er ist: Priester. Die Sehnsucht, am Altar zu stehen und mit der Gemeinde die Eucharistie zu feiern, ist lebendig geblieben. Wie am Tag der Weihe. Doch jeden Sonntag feiert er den Gottesdienst mit. Unter den vielen, die „ihre Herzen erheben“. Mit Familie und Kindern.
Diese Rückzugsgeschichten haben etwas gemeinsam: Es sind nicht nur Rückzugsgeschichten, es sind Geschichten, die eine Hoffnung bewahren. Die Hoffnung, dass Menschen kommen, wieder kommen, auch wieder zueinander finden: Jesus zeigt sich ihnen als der Heilige Gottes.
Schon in der alttestamentlichen Lesungen taucht das auf – Sie haben sie noch im Ohr?
Die Leute sagen:
"Denn der Herr, unser Gott, war es,
der uns und unsere Väter
aus dem Sklavenhaus Ägypten herausgeführt hat
und der vor unseren Augen
alle die großen Wunder getan hat.
Er hat uns beschützt
auf dem ganzen Weg,
den wir gegangen sind,
und unter allen Völkern,
durch deren Gebiet wir gezogen sind.
Auch wir wollen dem Herrn dienen;
denn er ist unser Gott."
Ich schlage vor, Aufbruchsgeschichte in vielen Szenen nachzuspielen, in vielen Liedern zu besingen, in vielen Begegnungen zu – suchen! Die Klage über die, die gehen, die gegangen sind, die gegangen wurden – darf heute verstummen.
Simon Petrus: "Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: du bist der Heilige Gottes."
Das feiern wir heute!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Die emotionalen Verbindungen, die zwischen Jesus und seinen Anhängern gewachsen sind, hinterlassen nach der Abkehr von Jesus Wunden auf beiden Seiten. Ihre Folgen sind nicht zu unterschätzen. Bei diesem Jesus dürfen wir aber auch mit Verständnis für Verletzungen rechnen, die wir beim Zerreißen von Beziehungsgeflechten erleiden.
In letzter Zeit war der Hype um den Prediger Jesu immer größer geworden. Mittlerweile waren es viele, die ihn begleiteten. Die Gruppe zog vor allem junge Menschen an, denn sie spürten, hier tut sich was Besonderes. Aufbruch lag in der Luft. Die Geschichten, die erzählt wurden, waren spannend und machten nachdenklich. Besonders auffällig war der wohltuend respektvolle Umgang der Gruppenmitglieder untereinander. Jeder begegnete jedem mit Achtung und Würde, ohne Ansehen seines Standes oder seiner Profession, Es war ein gutes Gefühl zu so einer Gemeinschaft zu gehören. Doch dann sagte Jesus, er selbst sei das Brot, von dem man essen müsse, um ewiges Leben zu haben.
Mit dieser »Brotrede« hatte er die Latte zu hochgelegt. Was wollte er jetzt? Murren machte sich breit. Man konnte doch einen Menschen nicht essen! Das war Kannibalismus! Und dann untersteht sich dieser Zimmermannssohn aus Galiläa auch noch zu behaupten, er könne ewiges Leben verschenken. Für wen hält sich der? Blasphemie! Die Pharisäer und Schriftgelehrten hatten wohl doch recht, als sie diesen Jesus als Wichtigtuer und Spinner bezeichneten. Sie werden sich solche Predigten nicht gefallen lassen. Besser, man geht auf Distanz, sonst wird man noch mit diesen Leuten in einen Topf geworfen. So, oder so ähnlich, werden die Motive jener ausgesehen haben, die nach seiner »Brotrede« die Gruppe verlassen haben.
Bleibt die Frage: Haben sie die Metapher nicht verstanden? Oder ist ihr Sinn zwar angekommen, aber die Konsequenz war ihnen zu stark, der Anspruch zu hoch?
Wie geht es mir mit dem Wunsch Jesu, sich selbst als Lebensmittel - als Brot für ein neues Leben - für mich persönlich anzubieten? Kann ich mich ihm so öffnen, dass seine Worte, sein Geist, sich in mir so verströmen und ausbreiten. Wie Brot, nachdem es in meinem Organismus, von meinen Verdauungssäften in kleinste Einzelteile aufgespalten wurde und alle Zellen bis hin zu der kleinsten Zelle mit nötigen Nährstoffen versorgt. Genauso nämlich sollen seine Worte und sein Geist uns erfüllen. Das wünscht er sich für jeden von uns. Weil wir dann nicht bloß existieren, sondern in Fülle und Freiheit leben können.
Seinen Wunsch will er uns aber nicht aufdrängen, denn unsere freie Entscheidung ist ihm ganz wichtig und wertvoll. Wer sich nicht, oder noch nicht, auf diese Vertrautheit mit Gott einlassen kann, der wird sich bei der ersten Hürde von ihm abwenden.
Im heutigen Evangelium wird berichtet, dass das viele tun. Eine Zeitlang haben sie mit Jesus gelebt ihn als charismatischen Führer, wunderbaren Freund und sogar als neuen Propheten wahrgenommen, In seiner Person aber den menschgewordenen Gott, den Messias zu erkennen war ihnen zu stark, zu unsicher zu verrückt. Bis dahin waren sie Teil der Jünger Gemeinschaft und damit auch Vertraute für Jesus. Ihre Abwendung war Schmerz und Verlust für ihn. Beides ist in seiner bangen Frage an die Zwölf: „Wollt auch ihr mich verlassen?“ gut zu spüren.
Petrus klares Bekenntnis: „du hast Worte ewigen Lebens“ zeigt, dass diese bereits wissen, dass Jesus mehr ist als der Mann, der mit ihnen geht. Sie haben seine Göttlichkeit schon erlebt. Für sie ist er der Messias, der Sohn Gottes.
Die Abwendung der anderen war aber auch Gefahr für Jesus. Jeder von uns, der schon einmal die Auflösung einer vertrauten innigen Beziehung (Freundschaft, Partnerschaft, Zielgemeinschaft) erlebt hat, weiß, dass das Ende so einer Beziehung nicht nur Schmerzen bereitet, sondern mit dem verlassenden Teil auch intime, wichtige Details plötzlich den schützenden Rahmen der vertrauten Beziehung verlassen und in einen anderen Zusammenhang gebracht großen Schaden richten können. Z. B.: Scheidungskinder, die einen Rosenkrieg ihrer Eltern mitgemacht haben, können ein Lied davon singen.
Auch wenn man Jesus seine Trauer über die Entwicklung anmerkt, lässt er keine Bitterkeit aufkommen. Diese Erfahrung des Verlassenwerdens hat er zutiefst emotional erlebt und abgespeichert. Es ist ihm, so scheint es, wichtig, möglichst alle beziehungstechnischen Untiefen menschlicher Verbindungen persönlich zu durchleben. In der kurzen Zeit seines öffentlichen Wirkens hat er alles durchlebt: Enttäuschung, Hass, Neid, Einsamkeit, Verrat und Verlassenheit u.a.m.
Es ist wichtig, dass die Evangelien so ausführlich darüber berichten, denn sie zeigen uns damals und für alle Zeit, dass da einer weiß, wovon wir sprechen, wenn wir uns im eigenen Leid an ihn wenden, Wir können uns sicher sein, dass er uns verständnisvoll und wissend durch unsere Leidenszeit begleitet. Keine Not ist ihm unbekannt.
Er hat Verständnis für alle Verknotungen in unseren Beziehungsgeflechten, die ja nicht nur aus böser Absicht, sondern oft auch aus Unachtsamkeit, Unaufmerksamkeit, Bequemlichkeit und Oberflächlichkeit entstehen. Niemals verurteilt er uns dafür, aber er wird nicht müde uns zu erinnern, dass unser Vater im Himmel immer bereit ist, unsere Bitten zu erhören und unsere Knoten zu lösen. Bittet und er wird euch geben…
Bitten heißt hier aber nicht, Gott die Lösungsvorschläge anzubieten, die er dann möglichst korrekt und konkret in Wirklichkeit verwandeln soll. Bitten heißt, mein Problem in Gottes Hände zu legen und mit der Vaterunser Bitte „dein Wille geschehe“ auf seine Antwort vertrauen. Sie wird nicht auf sich warten lassen, aber möglicherweise in ungewöhnlicher Form eintreffen.
Was Paulus im Brief an die Gemeinde in Ephesus den Frauen ans Herz legt, ist vielen ein rotes Tuch. Wenn wir seine Worte genau lesen, entdecken wir darin das Erinnern an die Haltung Jesu, dessen Liebe zu den Menschen zum Grundmuster jeder christlichen Liebe geworden ist. Es geht dabei nicht um Unter- oder Überordnung, sondern um Hingabe und Dienst aneinander.
Seit einiger Zeit gibt es in der Kirche die Bewegung "Maria 2.0". Diese Bewegung fordert die Gleichberechtigung von Männern und Frauen in der Kirche. Frauen sollen Zugang zu Ämtern bekommen. Sie sollen in ihrer Würde und in ihrem Wert als Christ*innen gleich geachtet werden. Was die Gleichberechtigung von Mann und Frau angeht, gibt es auch in der Kirche Fortschritte. Doch es sind wie auch in der Gesellschaft noch manche Wünsche offen. So sitzen in den Chefetagen überwiegend Männer. In vielen Bereichen erhalten Frauen für die gleiche Arbeit immer noch weniger Geld. Was die Gleichberechtigung von Mann und Frau angeht, sind wir bestenfalls "auf dem Weg".
Die Lesung aus dem Brief an die Epheser scheint auf dem ersten Blick auch die Frauen unter die Männer zu stellen. Aber das ist wirklich nur auf den ersten Blick. Das sage ich allen, die sich beim Hören der Wortes „Ihr Frauen ordnet euch den Männern unter wie Christus, dem Herrn“ geärgert haben. Lange waren diese Worte ein Alibi dafür, die Frauen zu unterdrücken, ja regelrecht unterzubuttern.
Für die Zeit, in der Paulus gelebt hat, sind diese Worte jedoch ein Riesenfortschritt. Darum sind sie auch heute noch bedenkenswert. Paulus schreibt in diesen Worten auch uns Männern einiges ins Stammbuch: Männer sollen ihre Frau lieben. Dabei ist die gleiche Augenhöhe wichtig. Eine herablassende Liebe – ich liebe dich, aber du hast mir zu gehorchen – ist herabwürdigend. Paulus schreibt uns Männern ins Stammbuch, auf welche Weise Männer ihre Frauen lieben sollen. „Ihr Männer liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt hat und sich für sie hingegeben hat...“ Das ist die Weise, wie Männer ihre Frauen lieben sollen. So wie Jesus seine Kirche liebt. Das sind die Menschen, die an ihn geglaubt haben, die ihm nachgefolgt sind. Das sind die Menschen, die ihr Leben auf Jesus ausgerichtet haben. Wie hat Jesus denn seine Kirche geliebt? In einer Liebe und Hingabe, die bis hin zum Tod ging. Seine Liebe zu den Menschen war grenzenlos. Niemand war ausgeschlossen. Es war eine Liebe, die keine Bedingungen stellte. In seiner Liebe hat Jesus Menschen auch die Freiheit gelassen, mit ihm zu wandern oder ihn auch zu verlassen. Weil Jesus seine Kirche liebt, darum will er sie rein und heilig machen.
Ebenso sollen die Männer ihre Frauen derart tief lieben. Die Männer sollen ihre Frauen so ansehen, als seien sie ihr eigener Leib. Die Männer werden aufgefordert, ihre Frauen so zu lieben wie sich selbst. Auch darin sind sie wie Jesus. Die Kirche ist der Leib Christi.
An dem, was Paulus schreibt, zeigt sich: Die Ehe und auch das Zusammenleben in nichtehelichen Gemeinschaften haben mit Jesus zu tun. Wer seine Worte genau liest, spürt: Hier geht es um gegenseitige Achtung. Hier geht es um die gegenseitige Liebe. Wo Männer und Frauen einander so lieben, da gibt es keine Unterordnung, keine Unterwerfung. Da werden diese Wörter meiner Meinung nach überflüssig.
Paulus legt diese gegenseitige Liebe den Eheleuten, Männern wie Frauen ans Herz. „Einer ordne sich dem anderen unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus.“ Die Liebe Christi ist das Grundmuster christlicher Liebe. Sie ist die Wurzel, dass beide das Wohl des anderen suchen, einander helfen, sich gegenseitig zu entfalten.
Wer ist denn ein größeres Vorbild als Jesus, von dem Petrus ja im Evangelium sagt: „Herr, zu wem sollen wir denn gehen. Du hast Worte ewigen Lebens...“ Jesus hat Worte, mit denen er das Leben und vor allem das Zusammenleben der Menschen und das Zusammenleben von Eheleuten gelingen lässt. Jesu Worte waren gefüllt mit Leben. Er sprach davon, dass wir einander dienen sollen. Er selbst hat seinen Jüngern gedient. Im Abendmahlssaal hat er ihnen die Füße gewaschen. An einer anderen Stelle sagt Jesus seinen Jüngern: Ich nenne euch nicht mehr Knechte. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt. In der Nähe Jesu konnten Menschen aufleben. In seiner Nähe haben sie gespürt: Ich bin wertvoll und wichtig. So können Mann und Frau sich einander Worte des Leben schenken, Worte auch zum ewigen Leben.
Bei allem, was ich gesagt habe, weiß ich auch: Viele Männer und Frauen mühen sich um diese gegenseitige Liebe oder sie haben sich gemüht und sie sind gescheitert. Es gibt Männer und Frauen, die große Enttäuschungen erleben mussten und Lieblosigkeiten erfahren haben. So sehr man sich auch mühen muss, dass eine Ehe gut wird, sie ist auch immer wieder eine große Gnade. Gott aber nimmt in seiner großen Liebe und Barmherzigkeit auch das an, was uns nicht gelingt. Er nimmt auch unsere Bruchstücke an.
Es gibt neben der Ehe noch viele Formen von Zusammenleben. Wir alle leben in verschiedenen Lebenszusammenhängen. In allen Bereichen dürfen wir die Liebe und die gegenseitige Achtung weitertragen und Zeugen für Jesus sein. Das ist die gemeinsame Berufung aller Christ*innen: Die Liebe Christi zu üben und zu suchen. Das gilt besonders für alle, die unsere Kirche zu Recht erneuern wollen.
Im letzten Abschnitt der Eucharistischen Rede des Johannesevangeliums verlassen Jesus viele seiner Anhänger. Sie empfinden seine Forderungen als Zumutung. Jesus fordert eine Entscheidung, so wesentlich ist ihm die vorbehaltlose und innige Gemeinschaft mit ihm. Ihm geht es um das Reich Gottes, ohne Abstriche. Wer sich heute für Jesus entscheidet, exponiert sich in vielen Punkte gegen den Mainstream der Gesellschaft und gegen die politische Mehrheit.
In der sog. "galiläischen Krise" verlassen viele anfangs Jesusbegeisterte die Jesusbewegung. Krisen erschüttern die Kirche auch gegenwärtig. Petrus bekennt stellvertretend für jene, die bleiben, dass sonst niemand Worte habe, die das Leben tragen. Die sieben "Ich-bin-Worte" Jesu konkretisieren das Petrusbekenntnis.
Die Forderung Jesu, ihn als das Brot des ewigen Lebens anzunehmen und sein Fleisch zu essen und sein Blut zu tinken, lässt viele sich von ihm abwenden. Die Zwölf aber bleiben. Sie haben erkannt, dass Jesus der Heilige Gottes ist. Ihm vertrauen sie.
Zwei Szenen stehen sich in der Lesung aus dem Buch Josua und dem Evangelium gegenüber. In der ersten versammeln sich die zwölf Stämme Israels und beschließen, am Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der sie aus der Sklaverei heraus- und durch die Wüste geführt hat, festzuhalten. In der zweiten fragt Jesus die zwölf Jünger, ob auch sie weggehen wollen. Sie entscheiden sich für das Bleiben, denn Jesus hat Worte, die ewiges Leben schenken.
Nach der Brotvermehrung versucht Jeus den Zuhörern zu erklären, wie er dieses Zei-chen verstanden wissen will. An seinen Worten scheiden sich die Geister. Die Jünger bleiben bei ihm, nicht weil sie besser verstanden hätten, was Jesus wollte. Sie bleiben, weil sie sich im Herzen an ihn gebunden fühlten. Die tiefere Sicht der Zusammenhänge stellte sich bei ihnen erst später ein. Es lohnt sich auch für uns, nicht gleich aufzugeben, wenn wir die tieferen Zusammenhänge des Glaubens nicht gleich verstehen.
Als sich viele Menschen, die sich für Jesus interessierten, sich von ihm abwandten, weil sie die Herausforderung des Glaubens, wie er ihm wichtig war, nicht wagten, ließ er auch seinen Jüngern die Freiheit, ihre eigenen Wege zu gehen. Auch Josua stellt dem Volk die Vertrauensfrage. Sie sollen entscheiden, ob sie sich auf neue Weise versklaven wollen oder die von Gott geschenkte Freiheit leben wollen. Auch wir stehen vor der Entscheidung, uns nicht die Abhängigkeit neue Götzen zu begeben.
Die verbreitete Meinung, sich irgendwann einmal für oder gegen Gott entscheiden zu müssen, verhindert oft einen anderen Zugang zum Glauben: sich einfach der Liebe Gottes öffnen. Mystiker leben ausgerichtet auf Gott. Auch wir können uns immer wieder der Gegenwart Gottes vergewissern und uns auf ihn ausrichten.
Lieder:
GL 140: Kommt herbei, singt dem Herrn
GL 142: Zu die, o Gott erheben wir die Seele mit Vertrauen
GL 143: Mein ganzes Herz erhebet dich
GL 184: Herr, wir bringen in Brot und Wein unsere Welt zu dir...
GL 216: Im Frieden dein, o Herre mein, lass ziehn mich meine Straßen
GL 273: O Herr, nimm unsre Schuld
GL 377: O Jesu, all mein Leben bist du
GL 378: Brot, das die Hoffnung nährt
GL 405: Nun danket alle Gott
GL 409: Singt dem Herrn ein neues Lied
GL 422: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr
GL 423: Wer unterm Schutz des Höchsten steht
GL 424: Wer nur den lieben Gott lässt walten
GL 448: Herr, gib uns Mut zum Hören
GL 449: Herr, wir hören auf dein Wort
GL 450: Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht
GL 460: Wer leben will wie Gott auf dieser Erde
GL 464: Gott liebt diese Welt
GL 470: Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht
GL 484: Dank sei dir Vater für das ewige Leben
GL 489: Lasst uns loben, freudig loben
GL 543: Wohl denen, die da wandeln
Psalmen und Kehrverse:
GL 37: Der Herr ist mein Hirt; er führt mich an Wasser des Lebens - Mit Psam 23 - VI.
GL 38: Der Herr ist mein Licht und mein Heil - Mit Psalm 27 oder mit Psalm 34 (GL 651,4) - IV.
GL 584,4: Herr, du hast Worte ewigen Lebens - Mit Psalm 19 - II.
629,3-4: Ich gehe meinen Weg vor Gott im Lande der Lebenden - Mit Psalm 116 - VI.
GL 630,4: Dein Wort ist Licht und Wahrheit; es leuchtet mir auf all meinen Wegen.
Früher, als alles noch besser war – wie die Leute so sagen – hatte jedes Dorf seine Kirche, der Herr Pfarrer wohnte in seinem Pfarrhaus und auch sonst hatte alles seine moralische Ordnung. Man wusste, was man zu sagen und zu wählen hatte. Unter den Konfessionen wurden heftig gestritten.
Heute stehen viele Menschen vor der Frage, ob sie aus der Kirche austreten sollten. Die einen sind enttäuscht, die anderen wütend. Die einen haben längst abgeschlossen, andere sind ratlos. So manche Geschichte ist bitter und traurig.
Dass wir heute in unserem Gottesdienst auf Menschen treffen, die gefragt werden, ob sie denn auch gehen wollen, öffnet uns eine Tür.
Dass wir heute in unserem Gottesdienst auf Menschen treffen, die glücklich sind, zu bleiben, bringt uns in eine richtig gute Gesellschaft.
Das Volk Israel sagt:
Das sei uns fern,
dass wir den Herrn verlassen
und anderen Göttern dienen.
Und Simon Petrus:
Herr, zu wem sollen wir gehen?
Du hast Worte des ewigen Lebens.
Unsere Zweifel und Fragen, unsere Beobachtungen und Interpretationen, unseren guten Willen und die vielen kleinen Hoffnungen bringen wir zu ihm.
Es gibt Worte in der Bibel, an denen wir uns reiben. Andere Worte sind schwer zu verstehen, schwer zu ertragen. Die Bibel, das Wort Gottes fordern heraus, biedern sich nicht an. Wer Gottes Wort hört, wer sich ehrlich fragt, was sie für uns im Jahr 2021 bedeuten, kann im Glauben und in der Liebe zu Gott wachsen und riefen. Stellen wir uns dem Wort immer wieder aufs Neue.
Bitten wir den Herrn um sein Erbarmen, wo seine Worte schwer zu verstehen sind:
Gehen oder nicht gehen? Vor dieser Entscheidung sind Sie vielleicht heute Früh gestanden, oder vor der Frage: Wohin gehe ich heute?
"Wollt auch ihr gehen?" fragt Jesus seine Jünger, als viele seiner Bewunderer ihn verlassen hatten, nachdem sie mit Forderungen konfrontiert wurden, die ihnen zu hoch waren.
Diese Frage Jesu ist auch heute noch aktuell: Bleibe ich Christ? Warum bleibe ich Christ? Warum gehe ich zum Gottesdienst? Was erwarte ich vom Gottesdienst? Was gibt mir der Gottesdienst? Was bin ich bereit, Gott zu geben?
Am Beginn unserer Feier bitten wir den Herrn um die Gnade des Glaubens und um sein Erbarmen:
Herr,
es weht ein rauer Wind in der Welt.
Unsere Hoffnungen biegen sich.
Träume fliegen davon.
Herr, erbarme dich.
Christus,
du hast Worte des ewigen Lebens.
Sie beginnen am Anfang der Welt,
sie tragen uns durch unser Leben,
sie setzen deiner Schöpfung die Krone auf.
Christus, erbarme dich.
Herr,
wir eilen durch die Welt.
Unsere Gedanken drehen sich im Kreis.
Uns wachsen die Worte über den Kopf.
Herr, erbarme dich.
Die aufschrien, hat der Herr erhört, *
er hat sie all ihren Nöten entrissen.
Nahe ist der Herr den zerbrochenen Herzen *
und dem zerschlagenen Geist bringt er Hilfe.
(Ps. 34)
Ehre sei Gott in der Höhe...
Herr Jesus Christus,
Deine Worte fordern uns immer neu heraus.
Herr, erbarme dich.
Doch du hast Worte ewigen Lebens.
Christus, erbarme dich.
Wie die Apostel wollen auch wir in deiner Nachfolge bleiben.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
oft schienen deine Worte unerträglich.
Herr, erbarme dich.
Menschen haben dich deswegen verlassen
und sind nicht mehr mit dir gegangen.
Christus, erbarme dich.
Die Apostel sind geblieben
und auch wir wollen bleiben,
denn du hast Worte ewigen Lebens.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
dein Geist macht lebendig.
Herr, erbarme dich.
Die Worte, die du zu uns gesprochen hast,
sind Geist und Leben.
Christus, erbarme dich.
Nur du hast Worte ewigen Lebens.
Herr, erbarme dich.
Gott, unser Herr,
du verbindest alle, die an dich glauben,
zum gemeinsamen Streben.
Gib, daß wir lieben, was du befiehlst,
und ersehnen, was du uns verheißen hast,
damit in der Unbeständigkeit dieses Lebens
unsere Herzen dort verankert seien,
wo die wahren Freuden sind.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 21. Sonntag im Jahreskreis
Gott.
Wir danken dir,
daß du uns hier zusammengeführt hast.
Laß uns erkennen, was wir sind.
Laß uns glauben, was wir beten.
Laß uns tun, was du uns sagst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 13
Gott.
Du hast uns geschaffen - doch wir kennen dich kaum.
Du liebst uns - und doch bist du uns fremd.
Offenbare dich deiner Gemeinde.
Zeige uns dein Gesicht.
Sag uns, wer du bist und was du für uns bedeutest.
Lehre uns dich erkennen, dich verstehen, dich lieben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus. Amen.
MB Auswahl 2
Gott, unser Vater,
alles Gute kommt allein von dir.
Schenke uns deinen Geist,
damit wir erkennen, was recht ist,
und es mit deiner Hilfe auch tun.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 10. Sonntag im Jahreskreis
Dienstag der 1. Woche
MB Die Bittmesse
Heiliger Gott,
durch das Wort, das dein Sohn Jesus Christus
zu uns gesprochen hat,
spendest du Geist und Leben.
Stärke unseren Glauben,
damit wir nie von ihm getrennt werden.
Das gewähre uns durch ihn,
Jesus Christus, deinen Sohn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt in Ewigkeit.
WB 21. Sonntag im Jahreskreis B
Treuer Gott,
du bleibst mit deinem Namen
und deinem Wort bei uns.
Verlässlich ist deine Zusage,
unbeirrt dein Vertrauen
in uns.
Du kennst unsere großen Fragen
nach der Zukunft der Welt,
nach der Zukunft deiner Kirche,
nach der Zukunft unserer Wege.
Wenn wir hin- und hergerissen sind,
wenn wir den Mut verlieren,
wenn wir mit unseren Zweifeln alleine sind -
schenke uns Halt bei dir.
Hilf uns, bei dir zu bleiben,
die Gemeinschaft deiner Kirche zu lieben
und einander zu stützen.
Auf dem Weg zu dir.
Mit der Verheißung Jesu, unseres Herrn,
in der Kraft deines Geistes.
Heute und für die Ewigkeit.
Jesus,
du Wort Gottes,
du Wort, das Leben schenkt,
du Wort, das uns Hoffnung macht für das ewige Leben,
du Wort, das herausfordert,
du Wort, an dem wir uns zuweilen stoßen.
Lass uns auch jetzt erfahren
wie notwendig dein Wort ist.
Denn du hast dein Wort
aus Liebe zu uns gesprochen.
Lass es in unser Herz dringen. - Amen.
Du, Gott, der uns von Ewigkeit her liebt,
du Gott der Beständigkeit,
du Gott, der uns unsere Entscheidungsfreiheit lässt.
Zu dir kommen wir,
um uns heute neu von dir beschenken zu lassen,
damit wir die Kraft haben, uns in deinen Dienst zu stellen,
zu dem Jesus uns gerufen hat.
Wir danken dir heute und alle Tage
für deine schenkende Zugewandtheit,
die uns hilft, unser Leben zu gestalten. - Amen.
Du Gott und Vater,
von dessen Liebe Jesus gesprochen hat,
wir bitten dich heute:
Hilf uns, deinem Sohn zu begegnen.
Hilf uns, seine Worte für heute fruchtbar zu machen
und damit das zu leben, wofür er geworben hat:
Die Gemeinschaft untereinander in deinem Geist.
Darum bitten wir durch eben diesen Jesus Christus,
deinen Sohn und Boten deiner Liebe,
der mit dir und dem Heiligen Geist
Gemeinschaft lebt in Ewigkeit. Amen!
Bei dir, Jesu, will ich bleiben,
Stets in deinem Dienste steh’n;
Nichts soll mich von dir vertreiben,
Will auf deinen Wegen geh’n.
Du bist meines Lebens Leben,
Meiner Seele Trieb und Kraft,
wie der Weinstock seinen Reben
zuströmt Kraft und Lebenssaft.
Herr,
dir bringen wir die vielen Geschichten, die Menschen erzählen. Von Glück und Unglück, von Enttäuschungen und Verbitterungen.
Lass uns bei dir bleiben!
Herr,
viele Menschen treten aus den Kirchen aus. Sie fühlen sich nicht mehr zu Hause, nicht verstanden und auch nicht gebraucht. Trennungsgeschichten reichen weit zurück.
Herr,
viele Menschen wissen nicht, wie sie über die Runden kommen sollen. Der Alltag frisst sie auf. Zur Ruhe finden sie nicht.
Herr,
für viele Menschen gerät die Welt aus den Fugen. Was heilig ist, wird der Lächerlichkeit preisgegeben. Die Würde von Menschen wird mit Füßen getreten. Im Internet und auf den Straßen kursieren Hass und Angst.
Herr,
viele Menschen pilgern auf alten Wegen. Sie suchen Orte, an denen Erinnerungen lebendig und Träume zu Hause sind. Sie legen ihre Hoffnungen zusammen.
Könnt’ ich’s irgend besser haben
Als bei dir, der allezeit
So viel tausend Gnadengaben
Für mich Armen hat bereit?
Könnt’ ich je getroster werden
Als bei dir, Herr Jesu Christ,
Dem im Himmel und auf Erden
Alle Macht gegeben ist.
Auf unserem Glaubensweg sind wir in die große Gemeinschaft der Kirche eingebettet.
Beten wir für alle, deren Beispiel uns immer wieder neu zu einem lebendigen Glauben ermutigt.
Angesichts der Tatsache, dass Konflikte mit Aggressivität und Gewalt ausgetragen werden, erleben wir uns überfordert und hilflos.
Beten wir für alle, die sich für einen friedvollen Diskurs in unserer Gesellschaft einsetzen.
Die Sehnsucht nach Mitmenschen ist groß, die positiv denken und gemeinsame lebensbejahende Ziele vertreten.
Beten wir für alle Vereine, in denen Menschen einander Geborgenheit und Zuversicht schenken.
Täglich stehen für uns neue Entscheidungen an.
Beten wir dafür um Segen und Kraft.
Petrus bekennt: „Du hast Worte ewigen Lebens“.
Beten wir um den Glauben an Jesu Worte für uns selbst und unsere Verstorbenen.
Gott des Lebens!
Behüte und bewahre uns auf unserem Glaubensweg.
Dir gilt alle Ehre und Dank jetzt und allezeit. - Amen.
"Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens."
Mit Petrus bitten wir dich vertrauensvoll:
Für alle Menschen, die in ihrer Heimat Terror und Unterdrückung erfahren, aber bleiben, weil ihnen die Flucht nicht möglich ist, oder in der Hoffnung, dass sie etwas verändern können.
Steh du ihnen bei!
Für alle Menschen, die in hoffnungslosen Situationen gefangen sind und keinen Ausweg finden; aber auch für die, die ihnen zur Seite stehen.
Steh du ihnen bei!
Für alle Menschen, die Angst haben vor Überfremdung ihrer Heimat; aber auch für die, die sich unermüdlich gegen Rassismus und Ausgrenzung stellen.
Steh du ihnen bei!
Für alle Menschen, die sich dafür einsetzen, Leben zu retten; aber auch für die, die diese Verantwortung ablehnen.
Steh du ihnen bei!
Für jene Politiker, die nur ihren eigenen Nutzen sehen; aber auch für die, die nach Gerechtigkeit suchen.
Steh du ihnen bei!
Für die Menschen, die unsere Kirche verlassen, weil sie ihren Glauben verloren haben oder weil sie die Botschaft als Zumutung empfinden; aber auch für die, die gehen, weil sie deiner Botschaft treu bleiben wollen.
Steh du ihnen bei!
Für die Menschen, die sich innerhalb der Kirche unermüdlich für andere einsetzen und so deine Botschaft zu leben versuchen; aber auch für die, die in Strukturen und Organisation gefangen sind und deine Botschaft nicht mehr erkennen.
Steh du ihnen bei.
Für alle Menschen, die nur noch sich selbst und ihr eigenes Glück und Wohlergehen sehen; aber auch für die, die das Leben anderer über ihr eigenes stellen.
Steh du ihnen bei!
Herr Jesus Christus,
du hast Worte des ewigen Lebens. An dich können wir uns in jeder Situation unseres Lebens vertrauensvoll wenden. Dafür danken wir dir. – Amen.
Herr Jesus Christus, du Haupt deiner Kirche.
Du schenkst Leben und du bist die Liebe.
Wir bitten dich:
Stärke die Liebe aller Eheleute zueinander
und lass sie miteinander und aneinander wachsen und reifen.
Erneuere die Herzen aller,
die sich vom Glauben abgewendet haben,
weil deine Worte sie überforderten.
Lass deine Kirche zu einer glaubwürdigen Zeugin deiner gelebten Liebe werden.
Lass Achtung und Wohlwollen gegenüber Andersdenken immer größer werden.
Steh den jungen Menschen bei, die nach ihrem Lebenssinn fragen.
Erbarme dich unserer verstorbenen Schwestern und Brüder.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit,
in alle Ewigkeit. - Amen.
Jeder unserer Tage ist voll von Entscheidungen. Ob das Ergebnis richtig oder falsch ist, lässt sich oft erst im Nachhinein beurteilen. Wesentlich ist, dass wir unsere Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen treffen.
Dafür bitten wir Gott miteinander und für einander um den Geist der Unterscheidung:
Wir bitten um deinen Geist für deine Kirche, damit wir in ihrer Gemeinschaft weder den Blick auf die Treuen und Traditionsbewussten noch auf die ihr Fernstehenden und Skeptischen verlieren.
Wir bitten um deinen Geist für die ganze Weltgemeinschaft, damit alle, die not-wendenden Maßnahmen für den Schutz der Erde, deiner Schöpfung, mittragen können.
Wir bitten um deinen Geist in den vielen ethischen Fragen unserer Gesellschaft:
den möglicherweise einschränkenden Maßnahmen der persönlichen Freiheit und dem Schutz der Allgemeinheit;
dem Schutz des Lebens und selbstbestimmten Entscheidungen am Beginn oder Ende des Lebens;
der Offenheit und Hilfsbereitschaft für alle, die vor Hunger und Armut fliehen, und der Angst vor Überfremdung und Verlust unserer europäischen Werte.
Wir bitten um deinen Geist für uns selbst und für alle, die uns verbunden sind, in den vielfältigen Entscheidungen unseres eigenen Glaubens- und Alltagslebens.
Wir bitten um deine Barmherzigkeit in unserer eigenen Sterbestunde und für unsere Verstorbenen.
Gott!
Wir danken dir für Jesus, der einer von uns geworden ist, um uns deine Botschaft von Liebe und Erlösung zu vermitteln.
Durch ihn preisen und loben wir dich im Heiligen Geist, jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Herr, Jesus Christus,
du kennst die Nöte der Menschen.
Du kennst auch die Not des Nicht-glauben-Könnens
und die Not des nicht vertrauen Könnens.
Wir bitten dich:
Für die vielen Menschen, die sich heute vom Christentum abwenden.
Schenke ihnen die Gnade des Glaubens.
Für die vielen Menschen, die am Leben der Kirche Anstoß nehmen.
Lass sie Christen begegnen, die ihren Glauben überzeugend leben.
Für alle Menschen, die von Mitarbeitern der Kirche durch Missbrauch körperlichen oder seelischen Schaden erlitten haben.
Heile ihre Wunden und bewahre sie im Glauben an dich.
Für alle Menschen, die nach einem festen Fundament für ihr Leben suchen.
Zeige ihnen den Weg, der zu wahrem und ewigem Leben führt.
Für unsere Verstorbenen.
Schenke ihnen das verheißene ewige Leben.
Die Worte, die du, Herr, zu uns gesprochen hast,
sind Geist und Leben.
Wir folgen dir, denn wir wissen: Du bist der Heilige Gottes. - Amen.
Herr und Gott,
du hast dir
das eine Volk des Neuen Bundes erworben
durch das Opfer deines Sohnes,
das er ein für allemal dargebracht hat.
Sieh gnädig auf uns
und schenke uns in deiner Kirche
Einheit und Frieden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 21. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
dein Sohn hat uns versprochen,
er werde in unserer Mitte sein,
wann immer wir in seinem Namen versammelt sind.
Er selber erfülle das Lobgebet,
das wir über Brot und Wein sagen,
mit seiner Hingabe und Liebe.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Auswahl 4
Mit Brot und Wein
ist der Tisch reich gedeckt.
Alle werden satt,
alle feiern dich,
Herr.
Mit Brot und Wein
kommst du zu uns.
Die vor uns lebten,
erzählen ihre Geschichten,
die heute mit uns leben,
entdecken dich,
Herr.
Mit Brot und Wein
schenkst du uns Anteil
an deinem Leib, dein Blut,
dein Leben,
Herr.
Komm, unser Herr!
Jesus,
du Brot des Lebens,
du Brot der Hingabe,
du Brot der Liebe,
wir wollen eins werden mit dir,
dich empfangen
und immer mehr verwandelt werden.
Wir sind Gäste an deinem Tisch
Du willst uns beschenken
mit deiner Liebe. – Amen.
Kehrvers:
Wir loben dich, wir danken dir!
Großer Gott,
wir haben Grund, dir zu danken und dir unseren Lobpreis darzubringen:
Wir danken dir für das Geschenk des Glaubenkönnens.
Wir danken dir dafür, dass wir das Wort Gottes
als Frohe Botschaft kennen lernen durften.
Wir danken dir für die Weisheit,
die du uns in den Heiligen Schriften anvertraut hast.
Wir danken dir für alle Menschen,
die den Schatz des Glaubens bewahrt und uns überliefert haben.
Wir danken dir für alle Menschen,
die uns einen Zugang zum Glauben erschlossen haben.
Wir stimmen ein in den Dank der ganzen Kirche
uns singen mit den Engeln und Heiligen:
(Danklied, z. B. "Nun danket alle Gott", GL 405)
Wir danken dir, heiliger, starker Gott.
Du lenkst die Geschicke der Welt
und sorgst für jeden Menschen.
Du versammelst uns zu einer Gemeinschaft,
damit wir alle dein Wort hören
und deinem Sohn im Glauben folgen.
Er ist der Weg - auf diesem Weg gelangen wir zu dir;
er ist die Wahrheit - sie allein macht uns frei;
er ist das Leben und erfüllt uns mit Freude.
Darum danken wir dir, Vater, für deine Liebe,
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Wir stimmen ein in den Gesang der Engel
und bekennen zum Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig...
Präfation aus dem Schweizer Hochgebet 2
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn ihn hast du zum Haupt
der neuen Schöpfung gemacht,
aus seiner Fülle haben wir alle empfangen.
Obwohl er dir gleich war an Herrlichkeit,
hat er sich selbst erniedrigt
und der Welt den Frieden gebracht
durch sein Blut,
das er am Stamm des Kreuzes vergossen hat.
Deshalb hast du ihn über alle Geschöpfe erhöht,
so wurde er für jene, die auf ihn hören,
zum Urheber des ewigen Heiles.
Durch ihn preisen wir jetzt
und in Ewigkeit dein Erbarmen und
singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Wochentage 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater,
allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn er hat Großes an uns getan:
durch seinen Tod und seine Auferstehung
hat er uns von der Sünde
und von der Knechtschaft des Todes befreit
und zur Herrlichkeit des neuen Lebens berufen.
In ihm sind wir ein auserwähltes Geschlecht,
dein heiliges Volk,
dein königliches Priestertum.
So verkünden wir die Werke deiner Macht,
denn du hast uns aus der Finsternis
in dein wunderbares Licht gerufen.
Darum singen wir
mit den Engeln und Erzengeln,
den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen
des himmlischen Heeres den Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 1
"Ich bringe das Leben des Vaters" hat Christus den Menschen immer wieder gesagt.
Zu diesem Vater, der uns an seinem Leben Anteil geben will, rufen wir:
Vater Unser...
Herr, du hast deine Jünger gefragt: "Wollt Ihr gehen?"
Wir ahnen, dass dein Friede in uns ist, wenn wir bleiben.
Darum bitten wir:
Herr Jesus, schaue nicht auf unsere Sünden...
Gott allein kann Leben schenken
aber du und ich können es achten und schützen.
Gott allein kann Glauben schenken
aber du und ich können Zeugnis geben.
Gott allein kann Hoffnung wecken
aber du und ich können den anderen Vertrauen zeigen.
Gott allein kann die Freude schenken
aber du und ich können ein Lächeln weitergeben.
Gott allein ist das Unmögliche
aber du und ich können das Mögliche tun.
Gott allein würde sich selbst genügen
aber er hat es vorgezogen
auf dich und mich zu zählen.
Herr, unser Gott,
schenke uns durch dieses Sakrament
die Fülle deines Erbarmens
und mache uns heil.
Gewähre uns deine Hilfe,
damit wir so vor dir leben können,
wie es dir gefällt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 21. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott,
wir haben den Auftrag deines Sohnes erfüllt
und sein Gedächtnis begangen.
Die heilige Gabe,
die wir in dieser Feier empfangen haben,
helfe uns,
daß wir in der Liebe zu dir und unseren Brüdern
Christus nachfolgen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 33. Sonntag im Jahreskreis
Barmherziger Gott,
im heiligen Mahl
schenkst du uns Anteil am Leben deines Sohnes.
Durch dieses Sakrament
mache uns auf Erden Christus ähnlich
und lass uns im Himmel zur vollen Gemeinschaft mit ihm gelangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.
MB 20. Sonntag im Jahreskreis
Gütiger Gott,
du hast uns durch den Leib und das Blut Christi gestärkt.
Gib, dass wir niemals verlieren,
was wir in jeder Feier der Eucharistie empfangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 12. Sonntag im Jahreskreis
Allmächtiger Gott,
in der heiligen Opferfeier
nährst du deine Gläubigen
mit dem Leib und dem Blut deines Sohnes.
Gib uns durch dieses Sakrament
auch Anteil am göttlichen Leben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 28. Sonntag im Jahreskreis
MB Samstag der 5. Woche der Fastenzeit
Wir danken dir für deine Treue,
Gott,
für das Wort, das uns immer wieder neu einholt,
für das Mahl, das uns mit dir verbindet,
für die Hoffnung, die Welten überspannt.
In den vielen Zerreißproben und Aufregungen,
die wir in den nächsten Tagen und Wochen
erleben werden,
willst du für uns eine Insel, ein ruhender Pol,
ein Ort der Geborgenheit sein.
Wir bitten dich um deinen Segen
für unsere Arbeiten, Pausen und Träume,
für unsere Kollegen und Nachbarn
und auch für die,
die wir am liebsten nur von hinten sehen.
Du bist der, der bei uns bleibt.
In Christus,
unserem Herrn.
Alle Tage bis zum Ende der Welt.
Jesus,
du unser Leben,
du unsere Hoffnung,
du unsere Zuversicht.
Wir gehen mit dir,
wir bleiben bei dir
in unserem Alltag
Du hast Worte ewigen Lebens.
Dich wollen wir bezeugen
in Wort und in der Tat.
Sei bei uns,
geh mit uns auf unseren Wegen
Und segne uns. - Amen.
Jesus Christus,
du hast uns zugesagt,
dass deine Worte Geist und Leben sind.
Unser Weg in die neue Woche liegt jetzt vor uns.
Lass uns spüren,
dass dein Wort und dein Beispiel uns befähigen,
dir getreu nachzufolgen,
damit die Gestaltung des Miteinander zum Guten gelingen kann.
Dir sei Lob und Ehre,
mit dem Vater und dem Hl. Geist,
heute und in Ewigkeit. - Amen.
Gott, Dein Lebensatem hüllt uns ein
wie die Luft, die wir atmen.
Hülle uns ein - segne unsere Augen,
öffne sie für die Farben deiner Schöpfung.
Hülle uns ein - segne unsere Ohren,
öffne sie für die Lebensgeschichten der anderen Menschen.
Hülle uns ein - segne unseren Mund,
öffne ihn für Hoffnungsworte.
Hülle uns ein und segne uns alle,
lass uns spüren, dass wir alle durch Dich verbunden sind.
Bleibe um uns und in uns.
So segne uns Gott - der uns wie Mutter und Vater ist,
durch Christus unseren Wegbegleiter,
im Lebensatem, der alles umhüllt.
Ursula Schell, in: Benedikta Hintersberger u. a. (Hg.), Du bist der Atem meines Lebens, Das Frauengebetbuch. Schwabenverlag, Ostfildern 2006.
Treueschwur im Rückblick auf ein erfülltes Leben
Die Worte des Josua, die wir in der ersten Lesung gehört haben, stammen aus dem letzten Kapitel des Buches Josua. Nur wenige Zeilen später wird berichtet, dass er im Alter von 110 Jahren verstorben ist. Eine Art Vermächtnis also: Vor den Repräsentanten seines Volkes und vor allem vor Gott legt er Rechenschaft über sein Leben ab und schließt damit, dass er mit seinem Haus Gott in Ewigkeit dienen will. „Mein Haus“ kann man verstehen als die Großfamilie mit allen Nachkommen und Bediensteten, aber auch als „alle, die zu mir halten, bei mir bleiben“. Es kann eine einsame Entscheidung sein, wenn die anderen sich dagegen entscheiden. Das weiß Josua. Aber er leitet daraus keine Weisung ab für seine Nachfolger, im Gegenteil, er weist sie darauf hin, dass ihre Väter dort, wo sie hergekommen sind, anderen Göttern gedient haben und dass dort, wo sie jetzt sind, die Menschen ebenfalls anderen Göttern dienen. Der Glaube, die Religion, die er vertritt, ist eine Religion der Freiwilligkeit. Man muss sich bewusst für Gott entscheiden.
Seine Zuhörer bekräftigen, dass auch sie dem Gott dienen wollen, dem sie so viel verdanken: den Auszug aus Ägypten, das Manna-Brot, das vom Himmel fiel. Also einem Gott, den sie erfahren haben als einen, der sie beschützt, der ihnen hilft.
Jesus begegnen
Die Menschen, die Jesus zuhören, erfuhren es konkreter. Sie haben ihn Wunder wirken sehen, sie sind ihm nachgefolgt, weil seine Worte ihnen Hoffnung auf Gleichheit, auf ein Leben in Würde, auf Gerechtigkeit gaben. Dann aber die Brotrede! Plötzlich klingt es gar nicht mehr so leicht, so einfach. Ein Glaube, für den man sterben kann oder gar soll… So erstrebenswert scheint er doch nicht zu sein. Ein Glaube, der sich nicht in den eigenen Dienst stellen lässt, sondern in dessen Dienst man sich stellen muss. Will man das wirklich? Sich selbst verleugnen, ohne die Gewissheit, dass eintritt, was man sich von diesem Gott wünscht? Sein Leben ändern um Gottes Willen? - Die Menschen wenden sich ab. Zu schwer erscheint ihnen, was Jesus von ihnen verlangt. Und Jesus hält sie nicht. Im Gegenteil. Er fragt auch die Apostel, ob sie nicht auch weggehen wollen. Auch ihnen überlässt er in Freiwilligkeit, in seiner Nachfolge zu bleiben oder eben nicht.
Jesus nachfolgen
Auch heute geht es vielen so. Sie fragen nach dem Nutzen, den der Glaube haben könnte. Immer wieder höre ich, wo denn mein Gott war oder ist, im Holocaust, bei den Sterbenden auf dem Mittelmeer und in den Wüsten dieser Erde, bei den vielen Katastrophen, dem Terror und den Kriegen, die unsere Welt erschüttern. „Wie kannst Du glauben, dass du bei Gott geborgen bist, wo er so viele im Stich lässt? Was ist das für ein Gott, der dir wohlgesonnen ist, anderen aber nicht?“, So bin ich diese Woche noch gefragt worden. Gesucht wird ein Gott, der nicht nur „auf der Seite der Guten“ steht, sondern eingreift in die Welt, die Natur in Ordnung bringt, die Bösen stoppt, Kriege, Gewalt und das Töten beendet. Und was finden wir stattdessen vor: einen Gott, der möchte, dass wir unser Leben ändern, dass wir unser Leben in seinen Dienst stellen, in den Dienst unserer Mitmenschen, der Bedürftigen, der Ausgegrenzten, der Hilflosen. Dass wir Leid lindern, beistehen, uns bemühen, seine Liebe und Frieden zu verbreiten. Dass wir uns dem Bösen entgegenstellen. Wir, die Menschen, seine Kinder. Wie anders ist das doch als gewünscht.
Wo ist Gott? Er ist da, wo Menschen leiden. Er ist da, wo Menschen anderen Menschen beistehen. Er stirbt mit den Flüchtenden auf dem Mittelmeer. Er stirbt mit den Menschen im Bombenhagel in der Ukraine, in Russland und im Heiligen Land. Er ist bei ihnen bis zur letzten Konsequenz, so wie Jesus in letzter Konsequenz am Kreuz gestorben ist.
Gott hat uns einen freien Willen gegeben und aufgetragen, in Verantwortung für unsere Mitmenschen und die Schöpfung zu leben. Wenn wir ihm nachfolgen wollen, müssen wir unsere Bequemlichkeit aufgeben und tätig werden. Das ist nicht immer leicht. Dazu gehört auch, gegen den Strom zu schwimmen, das Wort zu ergreifen wo andere schweigen. Wir müssen erkennen, wie privilegiert wir leben, hier in unserem Land und in der Welt. Aus diesen Privilegien heraus müssen wir für die Menschen eintreten, die diese nicht haben.
Wer Jesus nachfolgen will, muss in Liebe und Fürsorge für die da sein, die seiner bedürfen. Dann dürfen wir sicher sein, Jesus stärkt uns den Rücken. Auch und vielleicht besonders dann, wenn wir es nicht merken. Spüren wir seinem Beistand nach. Er hat Worte des ewigen Lebens.
Georg Legerke in: Youcat. Jugendgebetbuch. Youcat-Verlag, 12. Auflage 2015.
Ihr wurdet zusammen geboren,
und ihr werdet auf immer zusammen sein.
Ihr werdet zusammen sein,
wenn die weißen Flügel des Todes eure Tage scheiden.
Ja, ihr werdet selbst im stummen Gedenken Gottes zusammen sein.
Aber lasst Raum zwischen euch.
Und lasst die Winde des Himmels zwischen euch tanzen.
Liebt einander, aber macht die Liebe nicht zur Fessel:
Lasst sie eher ein wogendes Meer zwischen den Ufern eurer Seelen sein.
Füllt einander den Becher, aber trinkt nicht aus einem Becher.
Gebt einander von eurem Brot, aber esst nicht vom selben Laib.
Singt und tanzt zusammen und seid fröhlich, aber lasst jeden von euch allein sein,
So wie die Saiten einer Laute allein sind und doch von derselben Musik erzittern.
Gebt eure Herzen, aber nicht in des anderen Obhut.
Denn nur die Hand des Lebens kann eure Herzen umfassen.
Und steht zusammen, doch nicht zu nah:
Denn die Säulen des Tempels stehen für sich,
Und die Eiche und die Zypresse wachsen nicht im Schatten der anderen.
Khalil Gibran, Der Prophet, Walter Verlag 1973.
Jesus blickt um sich uns sieht, dass einige von denen, die gern seien Jünger wären, zu solch einem Maß von Hingabe noch nicht bereit sind. Sie sind auf diese Glaubenstiefe nicht vorbereitet, denn sie beginnen, ihn zu verlassen. Andere schließen sich ihnen an. Man kann geradezu die Traurigkeit in seinen Augen sehen, als er zusehen muss, wie sie sich ohne ihn auf den Weg machen.
Da fragte Jesus die Zwölf: „Wollt auch ihr weggehen? Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens (Johannes 6, 67 – 68).
Das ist ein Gebet, mit dem sich viele von uns identifizieren können. Manchmal sind wir nicht sicher, welchen Sinn unser Leben hat. Manchmal können wir nicht gerade behaupten, dass unser Weg irgendeine erkennbare Richtung hat. In solchen Zeiten mögen wir im Blick auf den Herrn zugeben, dass er uns nicht als real erscheint. Wir mögen bekennen, dass wir unsere Zweifel haben und am liebsten alles hinschmeißen würden. Und dennoch müssen wir ihm zugleich ganz ehrlich sagen: Wohin sollten wir gehen? Wir haben seine Güte in der Vergangenheit erlebt. Seine Worte haben uns früher mal zum Leben geführt. Die Erinnerung an vergangene Gnadenerweise gibt uns den Mut, weiterzugehen, selbst, wenn keine Wunder passieren – nicht einmal dann, wenn wir sie dringend bräuchten...
Richard Rohr, Das entfesselte Buch, Eine Einführung in die Bibel, Altes und Neues Testament. Freiburg 1987.
Jesus Christus, du bist der,
der mich bis in das Leben liebt,
das niemals aufhört.
Du öffnest mir den Weg zum Wagnis.
Du gehst mir voraus.
Glücklich ist auf diesem Weg,
wer bis über den Tod hinaus liebt,
denn die letzte Antwort ist das Hingeben
deines Lebens.
Du willst von mir nicht einige Bruchstücke, sondern mein ganzes Dasein.
Du bist es, der Tag und Nacht in mir betet,
ohne dass ich wüsste wie.
Dich beim Namen Jesus zu nennen,
darin erfüllt sich unsere Gemeinschaft.
Du bist es, der jeden Morgen den Ring des
Verlorenen Sohnes an meinen Finger heftet,
den Ring des Festes.
Du hast mich unablässig gesucht.
Warum habe ich von neuem gezögert
Und noch um Zeit gebeten,
meine eigenen Sachen in Ordnung zu bringen?
Warum habe ich noch zurückgeschaut,
nachdem ich schon die Hand
an den Pflug gelegt hatte?
Dennoch habe ich dich geliebt,
ohne dich gesehen zu haben.
Du hast es mir wiederholt gesagt:
Lebe das, was du vom Evangelium
Begriffen hast, wenn es auch ganz wenig ist.
Verkünde mein Leben unter den Menschen.
Entzünde ein Feuer auf der Erde
und folge mir.
Roger Schutz in: Beten im Alltag. Frankfurt.
Ich muss dir sagen, was in mir vorgeht.
Meine Liebe ist zerstört.
Alle Hoffnungen
und die wiederholten Versöhnungen
waren eitel.
Ich muss schreien und anklagen,
da ein solches Leben mir zugemutet wird.
Auch gegen mich selbst
Vorwürfe über Vorwürfe.
Ich denke an die Kinder,
die am meisten betroffen sind,
dass die Liebe uns so zerquält.
Oft scheint mir Scheidung
Als alleiniger Ausweg,
dass wir uns nicht noch mehr zerstören.
Und wenn ich jetzt nicht sprechen kann
Und schweige
Und nur das Notwendige verrichte,
dass das Leben weitergeht,
dann lass mein Inneres
nicht verdorren oder verhärten.
Dass ich nicht gefühllos werde für Stunden,
die das Schlimmste wenden können,
dass ich nicht kraftlos werde,
wenn Verzeihung geboten ist,
dass ich nicht die Erinnerung an alles Gute
und gemeinsame Schöne auslösche –
davor bewahre mich.
Wir haben uns einander versprochen
und nicht geahnt, wie das Leben
uns niederschlagen könnte.
Ich bete um Kraft, ich bete um Einsicht.
Ich bete um Bewahrung meiner Ehe.
Ich bete um ein wenig Liebe,
ohne die ich nicht leben kann.
Aus: Beten im Alltag, Frankfurt.

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Das Buch Josua stellt einen Abschluß und einen Beginn dar. Josua ist der Nachfolger des Mose. Mose selbst kommt nicht mehr in das gelobte Land. Unter der Führung Josuas wird das "Gelobte Land" erobert, bzw. in Besitz genommen. Die Wanderung durch die Wüste findet somit den Abschluß.
Der Neubeginn liegt im Sesshaftwerden der Stämme des Volkes Israel. Unserem Abschnitt ist die Verteilung des Landes auf die Stämme bereits vorausgegangen. Ein neues Problem steht an. Israel wird mit den Göttern der Bewohner des Landes, welche zuvor da waren, und bei der Eroberung nicht getötet, oder vertrieben wurden, konfrontiert.
Josua stellt die Israeliten vor die Entscheidung: Entweder der Gott Israels, oder die Götter. Diese Versuchung wird die Geschichte Israels im gelobten Land immer prägen. Diese Götter versprechen anscheinend Glück und Wohlstand. Oft wird Israel dadurch in die Katastrofe schlittern. Es ist nicht so einfach für ein seßhaft gewordenes Volk an einem Gott der Wanderschaft festzuhalten. Josu greift bereits auf "das Erinnern an den Gott, der geführt hat", zurück
Nur in der gegenseitigen Hilfe einer homogenen Gemeinschaft kann nach dem erfolgreichen Weg aus Ägypten ins Gelobte Land die Landnahme und Sesshaftwerdung beginnen. Die verschiedenen Götter der Stämme des Landes sind eine Herausforderung. Ihnen werden unterschiedliche Gebets- und Opferpraktiken gewidmet. Wer daran teilnimmt, erfährt auch die verschiedenen Versprechen.
Dagegen ruft Josua zur Einheit und Entschiedenheit auf. Die Treue zum Gott des Auszugs ist die Antwort des erwählten Volkes. Im Text der Lesung wird diese Antwort gegeben.
Josua, der Nachfolger des Mose, hat das Volk Israel nach der langen Wüstenwanderung über den Jordan in das "gelobte Land" geführt. Nach der Eroberung, Inbesitznahme und Landverteilung an die einzelnen Stämme steht Israel nun vor einem neuem Problem: Es wird mit den Göttern der teilweise noch verbliebenen Bewohner des Landes konfrontiert. Diese Götter versprechen anscheinend Glück und Wohlstand und werden die Israeliten immer wieder in Versuchung führen, ihrem Gott Jahwe untreu zu werden. In der Szene, die in der heutigen Lesung (gekürzt) geschildert wird, stellt Josua das Volk vor die Entscheidung. Der Ort Sichem ist in dieser Hinsicht geschichtsträchtig: Nach der Überlieferung erschien hier Jahwe dem Abraham, später vergrub hier Jakob die fremden Götter seines Clans. Jetzt ruft Josua (im ungekürzten Text dreimal) das Volk feierlich auf, sich zwischen seinem Herrn und den anderen Göttern zu entscheiden. Ebenso klar und eindeutig spricht sich das Volk für den Herrn aus. Der ausformulierte Wortwechsel zwischen Josua und dem Volk hebt hervor, dass es sich hier um eine freie Entscheidung handelt, die ebenso folgenschwer wie unwiderruflich ist.
Als Lesung im Gottesdienst heute erinnert dieser Wortwechsel kirchlich Sozialisierte vielleicht an das liturgische Ritual der Tauferneuerung in der Osternacht. Auch hier werden die Gläubigen ausdrücklich und mehrfach gefragt und bekennen sich feierlich zu ihrem Gott.
Das Volk Israel begründet seine Entscheidung mit den Erfahrungen, die es mit seinem Gott in der Vergangenheit gemacht hat: Es hat Gott als Befreier erlebt und auf seinem schwierigen Weg immer wieder seinen Schutz erfahren. So kann es sich von ganzem Herzen neu für seinen Herrn entscheiden.
Ein solcher Rückblick auf die eigene Lebensgeschichte mit Gott bietet sich auch als Hinführung auf eine Erneuerung des Taufversprechens im einem Gottesdienst an. Das biblische Bild von Gott als einem Wegbegleiter besonders in Krisenzeiten spricht auch heute viele Menschen an. Und die Versuchung, sich beim "Sesshaftwerden" im Alltag an allzu viele Dinge wie an "Götter" zu binden, erfordert auch von Menschen heute immer wieder innezuhalten und sich neu bewusst für einen befreienden Gott zu entscheiden.
Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr B 7/2009. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2009. S. 13-27.