Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
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Lesung aus dem Buch Jesaja.
So spricht der HERR, der einen Weg durchs Meer bahnt,
einen Pfad durch gewaltige Wasser,
der Wagen und Rosse ausziehen lässt,
zusammen mit einem mächtigen Heer;
doch sie liegen am Boden und stehen nicht mehr auf,
sie sind erloschen und verglüht wie ein Docht.
Der Herr spricht:
Denkt nicht mehr an das, was früher war;
auf das, was vergangen ist, achtet nicht mehr!
Siehe, nun mache ich etwas Neues.
Schon sprießt es, merkt ihr es nicht?
Ja, ich lege einen Weg an durch die Wüste
und Flüsse durchs Ödland.
Die wilden Tiere werden mich preisen,
die Schakale und Strauße,
denn ich lasse in der Wüste Wasser fließen
und Flüsse im Ödland,
um mein Volk, mein erwähltes, zu tränken.
Das Volk, das ich mir geformt habe,
wird meinen Ruhm verkünden.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv - Groß hat der Herr an uns gehandelt.
Da waren wir voll Freude. – Kv
(Oder GL 432)
Als der HERR das Geschick Zions wendete,
da waren wir wie Träumende.
Da füllte sich unser Mund mit Lachen
und unsere Zunge mit Jubel. - Kv
Da sagte man unter den Völkern:
Groß hat der HERR an ihnen gehandelt!
Ja, groß hat der HERR an uns gehandelt.
Da waren wir voll Freude. - Kv
Wende doch, HERR, unser Geschick
wie die Bäche im Südland!
Die mit Tränen säen,
werden mit Jubel ernten. - Kv
Sie gehen, ja gehen und weinen
und tragen zur Aussaat den Samen.
Sie kommen, ja kommen mit Jubel
und bringen ihre Garben. - Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Philippi.
Schwestern und Brüder!
Ich halte dafür, dass alles Verlust ist,
weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn,
alles überragt.
Seinetwegen habe ich alles aufgegeben
und halte es für Unrat,
um Christus zu gewinnen
und in ihm erfunden zu werden.
Nicht meine Gerechtigkeit will ich haben,
die aus dem Gesetz hervorgeht,
sondern jene, die durch den Glauben an Christus kommt,
die Gerechtigkeit, die Gott schenkt aufgrund des Glaubens.
Christus will ich erkennen
und die Macht seiner Auferstehung
und die Gemeinschaft mit seinen Leiden,
indem ich seinem Tod gleich gestaltet werde.
So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen.
Nicht dass ich es schon erreicht hätte
oder dass ich schon vollendet wäre.
Aber ich strebe danach, es zu ergreifen,
weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin.
Brüder und Schwestern, ich bilde mir nicht ein,
dass ich es schon ergriffen hätte.
Eines aber tue ich:
Ich vergesse, was hinter mir liegt,
und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist.
Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis:
der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Christus, du ewiges Wort des Vaters, Ehre sei dir! – Kv
Kehrt um zu mir von ganzem Herzen;
denn er ist gnädig und barmherzig,
langmütig und reich an Huld
Christus, du ewiges Wort des Vaters, Ehre sei dir!
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
In jener Zeit
ging Jesus zum Ölberg.
Am frühen Morgen begab er sich wieder in den Tempel.
Alles Volk kam zu ihm.
Er setzte sich und lehrte es.
Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau,
die beim Ehebruch ertappt worden war.
Sie stellten sie in die Mitte
und sagten zu ihm: Meister,
diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt.
Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben,
solche Frauen zu steinigen.
Was sagst du?
Mit diesen Worten wollten sie ihn auf die Probe stellen,
um einen Grund zu haben, ihn anzuklagen.
Jesus aber bückte sich und
schrieb mit dem Finger auf die Erde.
Als sie hartnäckig weiterfragten,
richtete er sich auf
und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist,
werfe als Erster einen Stein auf sie.
Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde.
Als sie das gehört hatten,
ging einer nach dem anderen fort,
zuerst die Ältesten.
Jesus blieb allein zurück
mit der Frau, die noch in der Mitte stand.
Er richtete sich auf
und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben?
Hat dich keiner verurteilt?
Sie antwortete: Keiner, Herr.
Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht.
Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Jesus macht es ihnen nicht einfach. Eigentlich hatten sie ja Recht. Die Ehebrecherin war auf frischer Tat erwischt worden und hatte sich damit - nach gängigem jüdischen Gesetz - das Urteil selbst gesprochen. - Eigentlich war alles klar. Nun aber steht die Frau vor Jesus und nicht vor Gericht. Und eigentlich geht es auch gar nicht um die Frau. Die Verantwortlichen der Synagogengemeinde wollen an Jesus heran. Es geht um ihn. Die Frau? - Mittel zum Zweck. Sie wird zum Sündenbock gemacht.
Das ist eine alte Tradition, die immer einwandfrei funktioniert: Wer zum Sündenbock erklärt wird, ist ja vielleicht nicht unschuldig, aber er oder sie bietet sich an, auch noch zur eigenen die Schuld der ganzen Umwelt auf sich zu nehmen. Die Idee des Sündenbocks ist uralt - wahrscheinlich noch älter als die Quelle, nach der sie bezeugt ist. Bereits im Alten Testament ist zwar nicht die Rede vom Sündenbock, aber doch vom Bock, der beladen und weggeschickt wird: Immer am israelitischen Versöhnungstag legte der Hohepriester einem unbescholtenen Ziegenbock alle Sünden des Volkes auf. - Rituell veranschaulicht durch eine Handauflegung. Danach wurde das arme Vieh - ganz wörtlich - in die Wüste geschickt und seinem Schicksal überlassen.
So geht das jetzt auch mit der Ehebrecherin. Der Buchstabe des jüdischen Gesetztes sollte ihr Schicksal werden. Jesus hingegen war dafür bekannt, dass er nicht rigoros ist - was ihm leicht als Laxheit in Sachen Gesetzestreue ausgelegt werden konnte. Und dann hätten sie sowohl die Frau als auch ihn überführt. Aber Jesus geht den linkischen Notablen der Gemeinde nicht auf den Leim. Er hält ihnen einen Spiegel vor, fordert sie heraus: "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie." Worte, die weit über die Heilige Schrift hinaus bekannt sind. Jesus geht da auf dünnem Eis - denn aus der Sicht des Gesetzes haben sie wohl Recht, aber der Gottessohn diskutiert nicht über das Gesetz, sondern er hält ihnen ihre moralische Überheblichkeit vor. Es geht ihm nicht darum, ob die Phariäser Recht haben. Es geht ihm nicht um das Gesetz - es geht um die verstockten und überheblichen Herzen der Pharisäer. Die Pharisäer urteilen nicht zuerst nach dem Gesetzbuch, sondern sie moralisieren. Sie haben eine Meinung über die Frau und das Gesetz kommt ihnen in ihrer Meinung sehr entgegen. Hier hakt Jesus ein.
Natürlich sind sie berechtigt, an der Frau Kritik zu üben. Das aber kann nur tun, wer in aller Demut auch immer wieder festgestellt hat, dass er oder sie selbst auch nicht ohne Fehler ist. "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie." Man kann diese knisternde Ruhe, in der Jesus da in den Sand schreibt, geradezu spüren. Jesus lässt seine Worte sich in aller Ruhe einsenken. Und sie wirken. Beschämt gehen die Moralapostel von dannen - weder an die Ehebrecherin noch an Jesus sind sie herangekommen. Ganz im Gegenteil: Sie sind auf der ganzen Linie gescheitert. Zum guten Schluss beendet Jesus die Situation mit einer deutlichen Unterscheidung von Recht und Moral, wenn er zu der Frau spricht: "Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!"
Diese Geschichte, die wir hörten, ist eine tendenziöse Geschichte. Oder nicht? Haben Sie sich nicht insgeheim solidarisiert mit Jesus und der Frau? Haben Sie nicht vielleicht doch ganz still und leise gedacht, was die Verantwortlichen der Synagogengemeinde für Fieslinge sind?
Und genau in dem Moment gehen wir dem Autor des Johannesevangeliums auf den Leim. Schauen wir auf das jüdische Gesetz, waren die Geistlichen durchaus nicht im Unrecht. Und in diesem Sinne bis zum Schluss gedacht wäre es ja geradezu unmöglich, ein richterliches Urteil zu fällen oder eine berechtigte Kritik auszusprechen, wenn das nur Menschen tun können, die absolut makellos sind. Auf welchen Menschen trifft es denn schon zu, was Jesus da fordert: "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie." - Doch die Idee des Evangelisten ist es nicht, Richterstühle oder kritische Gespräche abzuschaffen. Die Kunstfertigkeit, die er einfordert, ist es, einander wahrzunehmen und anzuschauen - sehr wohl auch mit kritischen Augen, und dabei benennen und aussprechen zu können, was vielleicht nicht gut oder gar falsch ist, ohne aber in überhebliches Moralisieren zu verfallen. Die Synagogenverantwortlichen haben das nicht geschafft. Es ist eine wahrhaftig schwierige Kunst. Aber erst, wer diese Kunst beherrscht, kann mit anderen kritisch sein, ohne zu verletzen; kann andere auf Fehler hinweisen, ohne abzuwerten. Die Grundvoraussetzung dafür ist eine gute Beziehung zur eigenen Fehlerhaftigkeit.
In der heutigen Lesung macht der Apostel Paulus auf seine Art darauf aufmerksam, wie das gehen kann: "Nicht meine Gerechtigkeit will ich haben, die aus dem Gesetz hervorgeht, sondern jene, die durch den Glauben an Christus kommt, die Gerechtigkeit, die Gott schenkt aufgrund des Glaubens." Die Gerechtigkeit aber, die aus dem Glauben an Christus kommt, ist geprägt von Barmherzigkeit. Und der Glaube an Christus ist geprägt vom Vertrauen, dass ich diese Barmherzigkeit erfahren kann. Wer auf die Barmherzigkeit Gottes setzt, weiß sich angenommen mit allem, was er ist: mit seinen Stärken und Vorteilen und mit seinen Fehlern und Schwächen.
Paulus macht es ja vor: Seine Briefe, vor allem seine Mahnschreiben an die Gemeinden, sind geprägt von Fundamentalkritik am Verhalten der Gläubigen. Paulus nimmt kein Blatt vor den Mund. Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein, möchte man ihm zurufen. Aber Paulus weiß sich in seine eigene Kritik durchaus miteingeschlossen, sein kritisches Auge macht auch vor seiner eigenen Person nicht Halt. - Wer so in Demut zu seinen eigenen Grenzen stehen kann und um den Schmerz dieses eigenen Begrenztseins weiß, der findet auch einen angemessenen Zugang zu den Fehlern und zu der Begrenztheit seiner Nächsten.
Lassen wir uns in diesen Tagen vor Ostern auf diese wahrlich schwierige Herausforderung ein. Probieren wir uns aus und versuchen wir herauszufinden, wie es gehen kann, einerseits ehrlich und offen mit den Nächsten auch in kritischen Situationen zu sein, ohne andererseits verurteilend und abwertend zu sein. Möge die Barmherzigkeit Gottes da für unser eigenes Denken und Handeln Richtschnur, Wegweiser und Maßstab sein.
Wir tun uns schwer, Fehler einzusehen und einzugestehen. Es braucht echte Umkehr. „Es geht! Gerecht!“ lautet das Motto des diesjährigen Misereor-Sonntags. Jeder von uns ist gefordert.
„Ganze Ökosysteme kollabieren. Wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens. Und alles, worüber Sie reden können, sind Geld und Märchen vom ewigen Wirtschaftswachstum. Wie können Sie es wagen!“ Wie können Sie es wagen, so zu tun, als ob dies (die dramatische Verschlechterung des Klimas) mit Business-as-usual- und einigen technischen Verbesserungen gelöst werden könnte? Wir werden Sie nicht damit davonkommen lassen. Genau hier, genau hier ist es, wo wir die Grenze ziehen. Die Welt wacht auf. Und die Veränderung kommt, ob es Ihnen gefällt oder nicht.”
Dies sind Worte aus der emotionalen Rede, welche Greta Thunberg, die schwedische Umweltaktivistin, vor dem UN Sicherheitsrat gehalten hat. Es gibt arrogante Menschen, die diese Worte belächelt haben. Doch diese Rede hat auch Beifall gefunden. Es wäre schön, wenn diese Rede nicht nur Beifall fände. Greta wollte betroffen machen. Sie wollte die Verantwortlichen und alle Menschen zu einem besseren Verhalten gegenüber der Umwelt bewegen.
Es ist einfach zu verurteilen. Es ist schwer, die eigenen Fehler einzusehen. Wir alle haben unsere Fehler. Wir sollten nicht mit Steinen aus Worten werfen und andere verurteilen. So wollten es die Männer im Evangelium mit der Ehebrecherin machen. Doch mit seinen Worten machte er diese Spießer betroffen. Sie sind bekannt, auch heute. „Wer glaubt, ohne Sünde zu sein, werfen den ersten Stein auf diese Frau!“ Den Männern wird klar: Ich darf also auf keinen Fall den ersten Stein werfen. Ich habe selbst genug Sünden und Fehler. Das vergessen wir oft bei uns selbst.
Jesus verurteilt diese Frau nicht. „Geh, und sündige von nun an nicht mehr!“ Das heißt doch: Bemühe dich jetzt, dein Leben zu ändern. Leg ab, was dich unglücklich macht. Leg das ab, was dein Leben schädigt. Jesus zeigt hier den barmherzigen und liebenden Gott. Gott liebt die SünderInnen und nicht die Sünde.
Darum will der Herr auch heute mit uns allen etwas Neues machen. Wie Gott sein Volk aus Babylonien befreit hat, so befreit Jesus die Frau aus der Gefangenschaft ihres bisherigen Lebens, ihres Ehebruches. Gott will auch uns aus der Gefangenschaft unserer Sünden befreien. Wir dürfen uns nach vorne ausstrecken, alles hinter uns lassen, wie es Paulus sagt.
Der Klimawandel ist die große Gefangenschaft, in der wir alle leben und in der vor allem die armen Länder leben. Gerade hier ist echte Umkehr und keine halbherzige Umkehr nötig.
„Es geht!“ „Gerecht!“ Das ist das Leitwort von misereor in diesem Jahr. Es geht um unser gemeinsames Haus, wie es Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato si“ formuliert hat. Der Klimawandel ist menschengemacht. Denn die Ressourcen wurden verschwendet. Wir haben davon profitiert. Ich sage ganz bewusst „wir“. Die meisten von uns haben gut gelebt. Wir haben Autos gefahren, oft mehr als nötig gewesen wäre. Erst in den letzten Jahren werden sich viele bewusst, lieber öffentliche Verkehrsmittel zu nehmen. Wie selbstverständlich sind viele mit dem Flugzeug gereist, was auch nicht immer gut für das Klima war. Die Umweltverschmutzung, der Müll, der tonnenweise ins Meer geschüttet wurde, tun ein Übriges dazu.
müssten betroffen nach Hause gehen und eines tun: nachdenken. Wo habe ich persönlich die Umkehr nötig? Wo stimmt es in meinem Leben nicht? Der Klimawandel geht, wie es so oft ist, zu Lasten der ärmsten Länder. Doch da gibt es Lichtblicke. Es gibt in Bangladesch und auch auf den Philippinen Projekte, die dem Klimawandel entgegenwirken. In den Armenvierteln wachsen auf deren Dächern Pflanzen. So sind sie besser geschützt gegenüber Überhitzung. Zugleich tragen die Pflanzen Früchte zur Ernährung der Familien. Es gibt gut ausgebaut Radwege. Die ärmeren können klimaschonend den Weg zur Arbeit und zur Schule zurücklegen. Jeder muss seinen Beitrag leisten. Jeder Schritt kann also zur Rettung des Klimas beitragen. „Es geht! Gerecht!“
Mühen wir uns gerade in unserem Umweltverhalten redlich um die Umkehr. Dann kehren wir auch um zu Gott. Gott hat uns diese schöne Welt geschenkt, damit alle Menschen gut und erfüllt in ihr und auf ihr leben können. Fangen wir bei uns selbst.
Unrecht geschah und geschieht zu allen Zeiten. Der Umgang damit hat sich immer wieder geändert und hat viele Nuancen. Ist die Botschaft Jesu, dass Gott das Unrecht ernst nimmt, aber verzeiht, bei uns angekommen?
Unrecht geschieht, ist geschehen und wird geschehen. Wie gehen wir damit um? Wenn ich Zeitung lese, Nachrichten anschaue oder mitbekomme, was in den Sozialen Medien vor sich geht, habe ich den Eindruck: Man zeigt mit dem Finger auf das Unrecht. Es muss alles aufgedeckt und angeklagt werden! Keine Vertuschung! Wer was anstellt, der gehört an den Pranger, der muss fertiggemacht werden!
In der Szene, die uns im heutigen Evangelium vorgetragen wurde, zeigt uns Jesus, wie man auch mit Unrecht umgehen kann.
Zunächst: Wo spielt die Szene, die wir aus dem 8. Kapitel des Johannesevangeliums gehört haben? Im Tempel von Jerusalem, also dort, wo nach jüdischem Glauben Gott seine Wohnung aufgeschlagen hat! Dort kommt das Volk zusammen. Dort setzt sich Jesus und nimmt damit die würdevolle Position des Lehrers ein: Er spricht „ex cathedra“.
Die Schriftgelehrten und die Pharisäer, also diejenigen, die im Bewusstsein leben, das Gesetz Gottes zu kennen und zu beobachten, nehmen das wahr und nützen die Gelegenheit. Wozu? Ihn zu testen, ihn „auf die Probe zu stellen“ und einen Grund zu finden zu einer Anklage. Sie möchten diesen Konkurrenten loswerden.
Worum geht es?
Um eine Straftat: um einen Ehebruch! Im Buch Levitikus 20,10 heißt es: „Ein Mann, der mit der Frau seines Nächsten die Ehe bricht, wird mit dem Tode bestraft, der Ehebrecher samt der Ehebrecherin“. - Hat es Jesus wahrgenommen, dass sie nur die Frau bringen, die die Ehe gebrochen hat, nicht aber den Mann, den Ehebrecher.
Die Schriftgelehrten und Pharisäer fragen Jesus: Was sagst du? - Jesus reagiert nicht. Er spürt, worum es den Männern eigentlich geht. Er schreibt mit dem Finger auf den Boden. (Heutzutage kritzeln manche Leute beim Telefonieren auf ein Blatt Papier.) Geht es den Männern um die Straftat des Ehebruchs oder um etwas ganz Anderes? Sie fragen hartnäckig weiter.
Da richtet sich Jesus auf. Was jetzt? Was wird er sagen? Er schaut nicht auf die Frau, sondern auf die Männer, auf die Fragenden. Wenn Jesus auf einen Menschen schaut, sieht er nicht auf das Äußere, sondern aufs Herz. „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie!“ Dann schaut er diskret weg, bückt sich wieder und schreibt mit dem Finger auf den Boden. Vermutlich verwischt der Wind, was er schreibt.
Jesus und die Frau bleiben. Die Ankläger sind weg. Worum geht es Jesus? Er sagt zur Frau: „Auch ich verurteile dich nicht!“ und fügt hinzu: „Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“.
Jesus nimmt das Unrecht ernst. Aber er steht nicht für Vergeltung, sondern für Einsicht, Umkehr und Vergebung. Und das im Tempel, d.h. im Angesicht Gottes: Jesus vertritt Gott und seine Sicht auf die Menschen.
Man könnte meinen, die Schriftgelehrten und Pharisäer hätten das Steinewerfen nun aufgegeben. Dem ist aber nicht so: Schon am Ende des gleichen 8. Kapitels des Johannesevangeliums, aus dem der heutige Text genommen ist, lesen wir: „Sie hoben Steine auf, um sie auf ihn zu werfen“ (Joh 8,59). Jetzt geht es nicht mehr um eine Frau, die gesündigt hat, sondern um ihn: Sie möchten diesen Jesus, der anders denkt als sie und das noch dazu im Namen Gottes, loswerden.
Schließlich werden sie Erfolg haben: Lüge und Gewalt siegen. Sie werden den römischen Statthalter so weit bringen, dass er Jesus zum Tod am Kreuz verurteilt.
Was jetzt, in dieser neuen Situation? Jesus bleibt dabei! Er bleibt dabei, dass Gott das Unrecht ernst nimmt, aber verzeiht. Am Kreuz bittet er den Vater, dass er den Mördern vergibt!
Jesus zahlt für seine Botschaft von Umkehr und Vergebung einen teuren Preis, das Leben. Sein Tod wird zum Schrei um Vergebung des Unrechts, das die Menschen den Menschen antun.
Unser Bemühen um Korrektheit endet oft in der Ablehnung derer, die anders sind und leben als wir. Jesus will, dass wir uns ändern und bessern. Auch wenn uns Vergebung manchmal überfordert, gilt es umzukehren und einen neuen Weg zu beginnen.
Udo Jürgens hat vor vielen Jahren einmal ein sehr interessantes Lied gedichtet und gesungen. Es ist das Lied vom „ehrenwerten Haus“. Eines Tages findet ein Ehepaar, das in wilder Ehe lebt, einen Brief. Darin werden sie von den Mitbewohnern des Hauses, in dem sie wohnen, aufgefordert, bitteschön dieses Haus zu verlassen. Denn „eine wilde Ehe“ passt nicht in dieses „ehrenwerte Haus.“ Der Mann fängt an, die Liste derer zu betrachten, die diesen Brief unterschrieben haben. Dabei stellt er fest, was in deren Leben schlecht läuft. Da ist der Kerl, der seine Tochter schlägt. Auch die alte Dame, die ihre Lügen nicht für sich behalten kann, hat unterschrieben. Ebenso hat die Frau unterschrieben, die durch Intrigen verhindert hat, dass hier ein Schwarzer einziehen kann. Der Don Juan im grauen Anzug, der die Frau jedes Mal schamlos anstarrt. Am Ende sagt der Mann: Wir packen unsere sieben Sachen und ziehen hier aus, aus diesem „ehrenwerten Haus.“
Dieses Evangelium von heute ist aktuell. Es gibt sie die vielen „ehrenwerten Häuser“ auch bei uns. Es ist einfach zu verurteilen. Es ist schwer, die eigenen Fehler einzusehen. Jesus macht den Menschen deutlich: Wir alle haben unsere Fehler. Wir sollten nicht mit Steinen werfen. Auch Worte können töten.
Die Männer aber wollen was anderes. Sie nutzen dieses Fehlverhalten der Frau dazu aus, um Jesus als falsch zu entlarven. Doch Jesus reagiert sehr souverän. Seine Worte, machen alle betroffen. Sie sind bekannt, auch heute. „Wer glaubt ohne Sünde zu sein, werfe den ersten Stein auf diese Frau!“ Ihnen wird klar: Ich habe selbst genug Sünden und Fehler. Ich darf also auf keinen Fall den ersten Stein werfen.
Genau das muss immer unser Gedanke sein. Vielleicht ist es ein Weg, einmal ganz bewusst darauf zu verzichten, die Fehler anderer anzuprangern. Oft kritisieren wir an anderen das, was uns auch an uns selbst nicht gefällt.
Wir vergessen auch, dass wir selbst immer wieder der Liebe bedürfen, wie sie Jesus gegenüber der Frau zeigt. Jesus verurteilt diese Frau nicht. „Geh und sündige von nun an nicht mehr!“ Das heißt doch: Bemühe dich jetzt, dein Leben zu ändern. Denn Gott liebt dich unendlich. Leg das ab, was dich von Gott und von seinen Geboten trennt. Leg ab, was dich unglücklich macht. Das sagt er auch uns, wenn wir immer wieder bereuen. Die Frau erfährt durch Jesus den liebenden und barmherzigen Gott. Gott liebt den/die Sünder/in. Gott verachtet aber die Sünde. Wir alle brauchen es selbst, dass uns vergeben wird. Darum dürfen wir uns nicht so aufspielen, wie die Männer im Evangelium.
Wenn ich andere kritisiere, wenn ich deren Fehler sage, muss das immer im Geist der Liebe und Barmherzigkeit geschehen. Ich muss wissen: Ich bin nicht besser als der andere. Die gleiche Barmherzigkeit, die mir Gott immer wieder schenkt, muss ich anderen weiterschenken.
Da sind in den vergangenen Monaten in der Kirche einige Schritte getan worden. Inzwischen werden auch Menschen, homosexuell sind, akzeptiert. Sie können in der Kirche sogar Dienste übernehmen. Es wird sich auch redlich um die bemüht, deren Ehe trotz bestem Willen gescheitert ist. Diese Schritte werden begrüßt.
Es gibt auch noch anderes zu bedenken:
Ich denke an den sexuellen Missbrauch durch Geistliche oder kirchliche Mitarbeiter.
Was viele auch wütend macht, ist der unselige Krieg in der Ukraine, der von einem machtgierigen Präsidenten angezettelt wurde. Er soll sein Verhalten sogar noch religiös begründen wollen. Es ist schwer, da zu verzeihen. Es ist unmöglich, darüber einen Deckmantel der Vergebung zu legen.
Dazu gibt es viele Situationen und Verhalten, die schlimm sind. Vergebung überfordert uns oft. Da bleibt es nur übrig, Gott unsere Unfähigkeit zur Vergebung, darauf zu verzichten, andere endgültig zu verurteilen, hinzuhalten.
Gott liebt uns. Gott denkt nicht mehr an das Vergangene. Gott lässt uns in die Zukunft schauen und immer wieder alles hinter uns lassen, was früher war. Das gilt für dich und mich. Wollen wir werden wie all die Spießer, die Udo Jürgens da in seinem Lied vom „ehrenwerten Haus“ besingt? Beginnen wir bei der eigenen Umkehr und bemühen wir uns um die eigene Erneuerung.
Jesus geht neue Wege im Umgang mit der Ehebrecherin. Dieser läuft nicht auf eine Verharmlosung der Sünde hinaus, sondern auf Barmherzigkeit. Da niemand ohne Sünde ist, sind wir alle auf Barmherzigkeit angewiesen.
„Seht, ich mache alles neu!“, haben wir in der 1. Lesung gehört mit dem Nachsatz: „Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht?“ Was neu ist: keine Vorverurteilungen mehr, stattdessen Barmherzigkeit, Liebe, das macht Jesus im Evangelium sichtbar und spürbar.
Neue Situationen bringen mitunter Änderungen zum Schlechten hin, wie wir gerade jetzt in der Politik, in der Ukrainekrise merken. Krieg in Europa! Verschlechterungen kann es auch in Beziehungen am Arbeitsplatz geben, auch in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht. „Merkt ihr es nicht?“ Dieser Satz ist wichtig, weil unsere ganze Aufmerksamkeit gefordert ist, Gutes, Böses und Miserables rechtzeitig zu erkennen, denn es kommt nicht immer plötzlich, kommt oft schleichend, in kleinen Schritten daher. Liebe Bekannte, deren Ehe gescheitert ist, sagten mir: Auf einmal war unsere gute Ehe, unsere Beziehung kaputt, totgelaufen. Sie merkten es zuerst nicht und dann zu spät!
Hingegen sprechen 1. Lesung und Evangelium positive Veränderungen an. Die 1. Lesung spricht von einer Neuausrichtung auf Gott. Ein Neuanfang kommt zum Vorschein. Da ändert sich auch manches im Verhalten innerhalb eines so großen Zeitabstandes. Wir schleppen ständig unsere biographische Vergangenheit mit herum auch bei örtlicher und zeitlicher Veränderung und laufen dabei Gefahr, gute Chancen zu wenig oder überhaupt nicht wahrzunehmen, daher ein weiterer Hinweis: „Denkt nicht mehr an das, was war", denn Altes kann Gottes neue Wege blockieren.
JHWH will sein Volk aus der Gefangenschaft in Babylon befreien, so wie er es auch aus der Knechtschaft Ägyptens befreit hat. Krieg, Gewalt, Unterdrückung, Leid traumatisieren, machen Neuanfänge schwer, die Menschen sind mutlos. Gegenwärtig trifft das Menschen in Syrien, in der Ukraine, überall dort, wo immer wieder Kriegsherde entflammen. Wie soll man da wieder herauskommen aus den Wüsten und Verwüstungen des Lebens, wo alles chaotisch und richtungslos ist? Es gibt aber immer wieder Hoffnungswege, Straßen, Auswege, könnten wir sagen. Grundversorgung: Wasser steht für neues Leben. All das können wir aus der 1. Lesung, dem Buch Jesaja, entnehmen und hat auch für uns Gültigkeit.
Neues zeigt sich auch im Evangelium. Der Anfang dieser Perikope sieht ganz anders aus als die nachfolgende Handlung. Da gibt es nämlich eine Bruchstelle: Jesus begab sich vom Ölberg in den Tempel, er setzte sich und lehrte das Volk. Jetzt folgt im Text auch optisch ein neuer Absatz, weil sich die Situation schlagartig ändert: „Da brachten die Schriftgelehrten und Pharisäer eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war und stellten sie zum Meister in die Mitte.“ Aus der Pädagogik wissen wir: Störungen haben Vorrang. Jesus wird in seiner Lehrtätigkeit unterbrochen. Es scheint so zu sein, dass er mit einem ganz anderen Problem konfrontiert wird: Ehebruch, als Folge davon Todesstrafe durch Steinigung. Die Gesetzesmaschinerie muss seitens der Ankläger, der Pharisäer und Schriftgelehrten zu laufen beginnen.
Bei Ehebruch sieht auch das heutige Kirchenrecht schwere Sanktionen vor. Papst Franziskus versuchte das zu ändern, gewaltiger Widerstand schlug ihm da entgegen. Auch Jesus stößt auf Widerstand. Die Pharisäer und Schriftgelehrten suchen nach Anklagepunkten, um auch Jesus zu Fall zu bringen, ihn zu töten. Das Evangelium ist ein Paradebeispiel einer gelungenen Seelsorge mit viel pastoraler Klugheit. Der Konflikt wird durch den uns bekannten Dreischritt gelöst: Sehen, Urteilen, Handeln. Nach der Tat würde das Urteil folgen, hier die Todesstrafe, weil der Mensch Richtlinien braucht. Jesus will das ändern. Ihm geht es um Barmherzigkeit. Kein Gesetz kann alle Lebenssituationen abdecken, daher gilt es einmal hinzuschauen in welcher Lebenslage sich der betreffende Mensch befindet. Man kann annehmen, dass das Gespräch mit der Ehebrecherin im kleinen Rahmen stattgefunden hat, kein verbales Abwatschen, kein Herumgefuchtel mit dem Kirchenrecht, aber auch nicht mit der Einstellung "Ist ja nicht so schlimm, andere tun es auch, vielleicht noch ärger…" Jesus redet Klartext: „Geh' und sündige von jetzt an nicht mehr!“ - Passt gut zum Jesajatext: „Seht, ich mache alles neu!“
Jesus entlarvt die Ankläger: „Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.“ Er leugnet nicht die Schuld der Ehebrecherin, sondern erteilt den Pharisäern eine Lehre, sich nicht als Richter aufzuspielen und mit Steinen in der Hand ein Urteil zu fällen. Wir alle scheitern immer wieder in unserem Leben, jeder auf andere Weise. Friedrich Hebbel (deutscher Dramatiker und Lyriker 1813-1863) meint dazu: „Der ich bin, grüßt todtraurig den, der ich sein soll“ in: Lebens-Momente.
„Seht, ich mache alles neu!“ ein gutes Motto für die letzten Tage der Fastenzeit, um österliche, neue Menschen zu werden.
Die Erzählung von der Ehebrecherin, die Jesus vor der Steinigung bewahrt, hören wir gerne. Aber wie kann es danach weitergehen? Versöhnungspraxis geht über das Vergeben und Buße tun hinaus.Wir müssen lernen, mit menschlichem Versagen zu leben.
Dass Computer nicht immer das tun, was Bediener von ihnen erwarten, ist leidlich bekannt. Häufiger sitzt allerdings der Fehler vor dem Computer und nicht im Computer, behaupten die Programmierer. Wir erwarten von der Technik, dass sie uns hilft, menschliches Fehlverhalten zu minimieren. Ganz gelingt das nicht, wie der Absturz von nagelneuen Flugzeugen in letzter Zeit uns in Erinnerung gebracht hat. Unzureichend ausgeklügelte Software habe zu den katastrophalen Unfällen geführt.
Dass Menschen Fehler machen, meist ungewollt oft aber auch gewollt, damit müssen wir leben. Auch höhere Strafen und "Null-Tolerenz" können nicht verhindern, dass Menschen Dinge tun, die ihnen selbst, andere und auch der Gesellschaft schaden. Wir müssen auch damit leben, dass wir selbst Fehler machen. Sogar gut Gemeintes kann unter Umständen zum Gegenteil von Gutem werden.
Den Schriftgelehrten und Pharisäern, die Jesus mit einer Stellungnahme zu einem konkreten Fall von Ehebruch in Verlegenheit bringen wollten, hielt er entgegen: "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein". Ein Wort, das auch heute allen gesagt werden muss, die versucht sind, das Recht selbst in die Hand zu nehmen, aber auch jenen, die sich über die Unmoral der anderen ereifern.
Wir leben in einem ständigen Spagat zwischen ethischen Idealen und menschlichen Schwächen und Fehlern. Gerne stellen wir uns auf die Seite Jesu, der die Frau vor dem gewaltsamen Zugriff der sie Verurteilenden rettet. Die größere Herausforderung für uns beginnt aber erst nach dem "Auch ich verurteile dich nicht". Es sagt sich leicht: "Gehe und sündige von jetzt an nicht mehr!"
Die meisten Menschen versuchen, die Fehler, die sie einsehen, nicht mehr zu begehen. Aber wer kennt nicht, was der Apostel Paulus mit den Worten beschreibt: "Das Wollen ist bei mir vorhanden, aber ich vermag das Gute nicht zu verwirklichen. Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will, das vollbringe ich." (Röm 7,18-19). Da hilft meist auch kein eifriges Beichten. Jesus fasst dieses Dilemma im Gleichnis vom Unkraut im Weizen zusammen; (Mt 13,24-30). Mit der Gegebenheit, dass zusammen mit dem Guten, das wir wollen, auch Böses gedeiht, müssen wir leben, ohne das Ringen um das Gute aufzugeben.
Ich lade Sie ein zu überlegen, wie Sie sich die Fortsetzung der Geschichte dieser Frau vorstellen können. Wo wird sie hingegangen sein? Zum betrogenen Ehemann? Zum Freund? In die Herkunftsfamilie? Für die damalige Zeit ist das alles schwer vorstellbar.
Mit Jesus zogen eine Reihe von Personen mit angeschlagenem Leumund (vgl. Lk 8,1-3). Was müssen das für Männer und Frauen gewesen sein, die ihre Familien verlassen haben und mit Jesus umhergezogen sind! Matthäus war Zöllner, andere gehörten vorher Gruppen von Aufständischen an. Von den genannten Frauen heißt es, dass Jesus sie von bösen Geistern und Krankheiten geheilt habe. Diese seltsame Gesellschaft Jesu versuchte, die Gesellschaft zu verändern. Sie lebten die Ideale, die Jesus gepredigt hat. Nicht immer gelang es ihnen. Die Apostelgeschichte weiß davon zu erzählen (vgl. Apg 5,1ff: Hannanias und Saphira). Hohe Ideale verleiten zur Scheinheiligkeit.
Die Kirche ist auch heute nicht eine Gemeinschaft von Fehlerlosen. Zu allen Zeiten war und ist sie gefordert, mit menschlichem Versagen zu leben. Das bringt enorme Spannungen mit sich und ein großes Konfliktpotential: Wie christlich umgehen mit Menschen, denen die christlichen Ideale zu hoch sind, die daran gescheitert oder zerbrochen sind? Mit Priestern, die nicht mit dem einst gelobten Zölibat zurechtkommen, mit Menschen, deren Ehe zerbrochen ist, mit Menschen, die ihre Familie im Stich gelassen haben, mit Menschen, die Unmündige missbraucht haben, mit Menschen, die sich am öffentlichen Gut bereichert haben oder mit Straftätern, die in den gesellschaftlichen Alltag zurückkehren wollen?
Ich fürchte, wir haben es uns mit der Beicht- und Bußpraxis in den vergangenen Jahrzehnten oft zu einfach gemacht. Mit der Lossprechung allein ist noch nicht viel getan, auch nicht mit dem einen oder anderen Bußwerk. Auch hartes Durchgreifen und "Null-Toleranz" lösen das Problem nicht. Der Apostel Paulus fordert in seinem Brief an die Galater (6,2): "Einer trage des anderen Last." Die eigenen Unvollkommenheiten und die Schwächen der Mitmenschen zu ertragen und mit ihnen gut umgehen zu lernen ist ein unverzichtbarer Teil christlicher Versöhnungspraxis.
Barmherzigkeit ist die große Charaktereigenschaft unseres Gottes. Wie Barmherzigkeit in einer konkreten Situation geübt werden kann, zeigt Jesus in der Erzählung von der Ehebrecherin.
In der Erzählung vom Umgang Jesu mit der Ehebrecherin tritt Jesus für die Angeklagte ein. Er wendet sich gegen offensichtliches Unrecht und stell sich auf die Seite der Schwachen. Ähnliches versucht die Aktion Misereor, wenn sie sich hinter die Menschen im Amazonasgebiet stellt und für ihre Rechte eintritt.
Jesaja verkündet Hoffnung für sein Volk, das aus der Heimat vertrieben in der Fremde leben muss. Er sieht Neues aufkeimen, obwohl die Lage seines Volkes alles andere als gut war. Er sieht das Wirken Gottes auch in der Fremde. Auch wir können im Engagement so vieler Menschen für Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden, Zeichen für das Wirken Gottes im gegenwärtigen Flüchtlingsansturm sehen.
Lieder:
GL 142: Zu dir, o Gott erheben wir die Seele mit Vertrauen
GL 266: Bekehre uns, vergib die Sünde
GL 267: O Mensch, bewein dein Sünde groß
GL 268: Erbarme dich, erbarm dich mein
GL 271: O Herr, aus tiefer Klage erheb ich mein Gesicht
GL 273: O Herr, nimm unsre Schuld
GL 274: Und suchst du meine Sünde, flieh ich von dir zu dir
GL 289: O Haupt voll Blut und Wunden
GL 290: Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen
GL 359: O selger Urgrund allen Seins
GL 427: Herr, deine Güt’ ist unbegrenzt
GL 428: Herr, dir ist nichts verborgen
GL 437: Meine engen Grenzen (1. und 4. Str.)
GL 460: Wer leben will wie Gott auf dieser Erde
GL Ö814: O höre, Herr, erhöre mich, aus meiner Not errette mich
GL Ö815: Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt
Psalmen und Kehrverse:
GL 38: Der Herr ist mein Licht und mein Heil. - Mit Psals 27 - IV.
GL 69: Der Her hat Großes an uns getan, sein Name sei gepriesen. - Mit Psalm 126 - IX.
GL 517: Der Herr vergibt die Schuld und rettet unser Leben - Mit Psalm 40 (GL 41,2) - IV.
GL 631,3-4: Der Her hat Großes an uns getan, sein Name sei gepriesen. - Mit Magnificat - IX.
GL 518: Beim Herrn ist Barmherzigkeit und reiche Erlösung - Mit Psalm 146 (GL 77,2) - VII.
GL 629,1: Du führst mich hinaus ins Weite, du machst meine Finsternis hell - Mit Psalm 30 - I
GL 639,1-2: Erbarme dich meiner, o Gott, erbarme dich meiner. - Mit Psalm 51 - IV.
GL 639,3-4: Beim Herrn ist Barmherzigkeit, bei ihm ist Erlösung in Fülle. - Mit Psalm 130 - II.
GL 640: Herr, unser Gott, bekehre uns...
In der Ordensregel schreibt der hl. Benedikt von Nursia im 7. Kapitel über die Demut: Der Mensch denke daran, dass Gott immerdar vom Himmel auf ihn herniederschaut, dass sein Tun und Lassen allerorten klar vor Gottes Auge steht und von den Engeln zu jeder Zeit ihm gemeldet wird.
In einer eindrücklichen Begebenheit führt uns das Evangelium die Wahrheit dieses Wortes vor Augen, Ohren und Herzen.
Die Fastenzeit ist eine Zeit, in der viele versuchen, ihr Leben neu zu gestalten. Gott gibt uns immer wieder die Möglichkeit, neu anzufangen, jeden Tag, jede Minute und jede Stunde. Das Volk Israel führt er aus der Verbannung, Paulus darf alles hinter sich lassen, die Frau soll von der Begegnung mit Jesus an nicht mehr sündigen.
Nehmen wir auch diese Feier als Chance, neu anzufangen, indem wir IHN, den Auferstandenen, der uns Gottes grenzenlose Liebe zeigte, um sein Erbarmen bitten:
Glücklich kann sich preisen, wer nicht in die Mühlen der Gerechtigkeit gerät. Sie können unerbittlich und hart sein. Und dennoch brauchen wir sie, denn Schuld und Unrecht muss zur Sprache gebracht werden. Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit kann jedoch unmenschlich werden.
Wenn wir dem Ruf Jesu zur Umkehr folgen, werden wir mit beidem konfrontiert: dem Einfordern von Gerechtigkeit aber auch der Forderung, barmherzig wie unser himmlischer Vater zu sein. In der Vorbereitung auf das Osterfest werden wir herausgefordert, uns dieser Spannung zu stellen.
Am Beginn dieses Gottesdienstes treten wir vor Gott hin und bitten wir ihn um Vergebung unserer Schuld:
Ich bekenne…
Guter Gott, barmherziger Vater,
wir bitten dich um Vergebung unserer Treulosigkeiten,
den kleinen und den großen.
Herr, erbarme dich unser.
Wir bitten dich um Vergebung unserer Hartherzigkeiten,
den offen sichtbaren und den heimlichen.
Christus, erbarme dich unser.
Wir bitten dich um Vergebung für alle Steine,
die wir auf andere geworfen haben durch Worte und durch Taten
und für die Steine, die wir anderen in den Weg gelegt haben.
Herr, erbarme dich unser.
Jesus Christus
du Ursprung und Quelle allen Erbarmens.
Herr, erbarme dich.
Du Ansporn zu Friede und Versöhnung.
Christus, erbarme dich.
Du Vorbild der Liebe und Hinwendung.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
wer ohne Schuld ist, werfe zuerst einen Stein auf diese Frau – das sagst du.
Wo wir immer noch Worte wie Steine auf andere werfen, bitten wir dich:
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
Paulus sah alles als Verlust an, um dich zu gewinnen.
Wo wir Alltägliches und Unwichtiges zum Lebensinhalt machen, bitten wir dich:
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
dein Volk wurde immer wieder in eine neue Zukunft geführt.
Wo wir von deiner Führung abweichen,
um eigene und falsche Wege gehen, bitten wir dich:
Herr, erbarme dich.
Herr, unser Gott,
dein Sohn hat sich aus Liebe zur Welt
dem Tod überliefert.
Lass uns in seiner Liebe bleiben
und mit deiner Gnade aus ihr leben.
Darum bitten wir im Heiligen Geist durch Christus unseren Herrn.
MB 5. Fastensonntag
Gott.
Du kennst uns besser, als wir uns selber kennen.
Du weißt, wie sehr wir
der Änderung und Umkehr bedürfen.
Aber du trittst nicht mit Gewalt an uns heran
oder mit List.
Du kommst zu uns mit deinem Wort -
deinem offenen und guten,
deinem fordernden und heilenden Wort.
Gib, daß wir dir heute nicht ausweichen,
daß wir uns öffnen
und dein Wort annehmen:
Jesus Christus,
deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Amen.
MB Auswahl 33
Gütiger Gott.
Bei dir ist Freude über jeden Menschen,
der umkehrt und Buße tut.
Denn du bist der Vater, der für alle ein Herz hat.
Lass uns darauf vertrauen und deinem Ruf folgen.
Hilf uns,
dass auch wir einander vergeben,
wie du uns vergibst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 27
Barmherziger Gott
im Wirken deines Sohnes lässt du uns spüren,
wie sich gerecht und barmherzig leben und wirken lässt.
Lass uns im Leben mit unseren Nächsten stets
einen wachen und demütigen Sinn haben
für unsere eigenen Fehler und Grenzen.
Wenn wir einander kritisch begegnen,
lass uns zuerst Liebe leben,
bevor wir das Gesetz anwenden
- so, wie dein Sohn es vorgelebt hat.
Steh uns bei und lenke unsere Schritte und Worte.
So bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn.
Jesus,
wer kann sagen, er sei ohne Sünde?
Niemand!
Wer kann darum Mitmenschen endgültig verurteilen?
Niemand!
Wir alle brauchen sie:
Die Vergebung und Verzeihung.
Wir alle brauchen sie:
Die zweite Chance.
Wir alle brauchen ihn:
Den Neuanfang.
Deine Worte seien uns ein Ansporn:
Alles einander zu schenken. Immer wieder.
Wie du es getan hast. - Amen.
Gütiger Gott,
wir sind angewiesen auf die Güte unserer Nächsten und deine göttliche Barmherzigkeit.
So rufen wir zu dir und bitten wir dich:
Wir beten für alle, die sich in dieser Zeit an den Strukturen und Zusammenhängen in dieser Welt versündigen und zum Nachteil der Menschen und der ganzen Schöpfung agieren.
Lass sie erkennen, was dein Sohn meint, wenn er sagt: Geh hin und sündige nicht mehr.
Wir beten für alle, die in dieser Zeit schier verzweifeln, die immer mehr zu der Ansicht kommen, das zu viel verkehrt läuft, die für diese Welt kaum mehr eine Zukunft sehen.
Lass sie Zeit und Ruhe finden können, um wie dein Sohn gelassen in den Sand zu schreiben.
Wir beten für alle, die jetzt Möglichkeiten haben, in den Kriegs- und Krisenherden dieser Erde für das Wohl der Menschen und für Frieden und Sicherheit einzutreten.
Lass sie immer mehr an Geduld und Ausdauer gewinnen und halte sie auf diesen schwierigen Wegen.
Wir beten für alle, die ihr irdisches Leben beendet haben und auf ewiges Leben bei dir hoffen:
für jene, die nach langer, schwerer Krankheit gehen durften;
für jene, die Opfer von Krieg und Terror geworden sind,
und für alle, deren Lebenskreis sich friedvoll geschlossen hat:
Nimm sie auf in dein Reich.
So bitten wir dich, guter Gott, voll Hoffnung und Zuversicht von heute bis in Ewigkeit. – Amen.
Gott traut uns immer wieder einen Neuanfang zu. Er schenkt uns Kraft und Mut dazu. Wir müssen uns nur ihm anvertrauen.
Ihn bitten wir:
Für alle, die sich in dieser Zeit auf den Empfang der Taufe vorbereiten um Menschen, die ihre eigene Freude am Glauben mit ihnen teilen und sie in ihre neue Zukunft hinein begleiten.
Für alle Opfer von Kriegen und ethnischen Säuberungen und deren Angehörige, die selbst einer unsicheren Zukunft entgegengehen.
Für alle, die sich restlos überfordert fühlen und deren Lebenskonzept durcheinandergeraten ist, dass sie auf Mitmenschen treffen, die sie vor Resignation bewahren und ihnen beistehen.
Für uns selbst in diesen letzten Tagen der Fastenzeit um Mut zu Selbstreflexion und Neuausrichtung auf dich und deinen Willen in unserem Leben.
Für unsere Verstorbenen, für die wir glauben und hoffen, dass du sie in deine Herrlichkeit aufgenommen hast.
Denn dein Geist ist Leben und er nimmt uns hinein in die Einheit mit dir, dem Vater, und Jesus Christus, unseren Herrn und Bruder. Dir gebührt unser aller Dank und Lob. - Amen.
Zu unserem Herrn Jesus Christus, der auf die Erde schrieb,
rufen wir voller Demut:
Segne die Bemühungen deiner Kirche, sich zu erneuern,
und lass die Gespräche im Geist der gegenseitigen Achtung geführt werden.
Wir beten für alle, die in den Gefängnissen sitzen.
Lass an sich selbst arbeiten und hilf ihnen Menschen zu finden, die ihnen den Weg in ein straffreies Leben weisen.
Bewahre alle, deren Leben in geordneten Bahnen läuft, vor Überheblichkeit und schenke allen eine tiefe Dankbarkeit dafür.
Hilf allen Priestern, die das Bussakrament spenden, deine Barmherzigkeit sichtbar zu machen.
Lass uns alle immer dich als den wahren Sinn und als die wahre Erfüllung im Leben erkennen.
Dir sei Lob und Preis, jetzt und in alle Ewigkeit. - Amen.
Gott, unser Vater, du kennst uns Menschen.
Du weißt um unsere Sünden und um unsere Schwachheit.
In Christus streckst du uns deine barmherzige Hand entgegen.
So bitten wir dich:
Für alle, die Unrecht tun!
Vater im Himmel!
A: Wir bitten dich, erhöre uns!
Für alle, die andere anklagen!
Für alle, die ihre Schuld erkennen!
Für alle, die andere verstehen!
Für Frieden in Europa und in der Welt
Für unsere Verstorbenen!
Gott, du begleitest uns auf all unseren Wegen.
Führe uns durch diese Zeit in deine Arme durch Christus, unseren Herrn. - Amen.
Klimakrise, Pandemie und Krieg im Nachbarland rütteln an unserem Selbstverständnis und dem Glauben an die Machbarkeit von Freiheit und Sicherheit. Jesus lenkt unseren Blick in die Tiefe unseres Menschseins und fordert Umkehr zu Gott, einen Neuanfang.
Durch ihn lasst uns den Vater bitten:
Für die christlichen Kirchen, die alle gemeinsam den Gesetzen verpflichtet sind, die in Einklang mit deinem Willen, deiner Barmherzigkeit und Güte zu allen Menschen stehen.
Für alle nationalen und internationalen Gremien, die für die Versorgungslage mit Nahrungsmitteln besonders in den von Armut, Klimakrise und Hunger betroffenen Regionen verantwortlich sind.
Für die Millionen Menschen, die durch das Kriegsgeschehen unter ihr Leben bedrohenden Umständen ihre Heimat und Familien verlassen haben um Mut und Kraft, sich den nun veränderten Lebensbedingungen zu stellen.
Für alle, die im Licht ihres christlichen Glaubens innerhalb unserer demokratischen Gesellschaftsordnung nach Wegen im Umgang mit Intoleranz, Aggression und Gewalt suchen.
Für alle Verstorbenen um ein Leben in deiner Nähe, das den Tod überwunden hat.
Die Menschheitsgeschichte ist gezeichnet von Irrwegen.
Weil du, Vater, uns auch darin immer nahe bist, danken wir dir jetzt und allzeit. - Amen.
Herr, Jesus Christus,
du hast die Ehebrecherin vor dem unerbittlichen Urteil der Schriftgelehrten gerettet und ihr neues Leben ermöglicht.
Wir bitten dich:
Für alle Eheleute, deren Ehe zerbrochen ist.
Gib ihnen und allen mit ihnen Betroffenen die Chance eines Neubeginns.
Für alle Leidtragenden zerbrochener Ehen und Beziehungen:
Lass ihre Wunden heilen und gib ihnen Kraft zu vergeben.
Für die Kirche, die sich schwer tut mit Personen, deren Ehen und Beziehungen nicht den kirchlichen Idealen entsprechen.
Zeige ihr Wege, wie sie der Not der Betroffenen gerecht werden kann.
Für alle Menschen, die unter der Schuld, die sie auf sich geladen haben, leiden.
Lass sie nicht daran zerbrechen und eröffne ihnen Wege zu Vergebung und Versöhnung.
Für unsere Verstorbenen.
Erlöse sie aus aller Schuld und lass sie Vergebung und Versöhnung finden.
Du, Herr, gehst mit uns
und hilfst uns, die Last unserer eigenen Schuld und die Last der Schuld anderer zu tragen.
Wir danken dir dafür. – Amen.
Durch die Erfahrung von Gottes rettendem Handeln in den Nöten unseres Lebens
können wir in unserem Glauben an ihn reifen und wachsen.
Ihn lasst uns bitten:
In der Taufe wird uns durch die Kraft des Heiligen Geistes neues Leben als Kinder Gottes geschenkt.
Beten wir für alle, die sich in diesen Wochen auf ihre Taufe in der Osternacht vorbereiten.
Gegenseitige Schuldzuweisung, Misstrauen und Lebensängste spalten ganze Nationen.
Beten wir für die von einer unsicheren Zukunft Betroffenen,
dass sich ihre gewählten Vertreter auf einen gemeinsamen Weg einigen können.
Die Einsicht und Erkenntnis eigener Fehler und Unzulänglichkeiten fällt uns oft schwer.
Helfen wir dabei einander, indem wir andere nicht be- oder verurteilen.
Innere Reifungsprozesse oder äußere Notwendigkeiten bedingen oft einen kompletten Neustart im menschlichen Leben.
Beten wir für alle, die ihrem Leben eine neue Wendung geben wollen oder müssen.
In diesen Wochen der Fastenzeit bereiten wir uns auf die Feier des Sterbens und der Auferstehung Jesu vor.
Beten wir für unsere Verstorbenen um das Geschenk der ewigen Osterfreude.
Wir bitten dich Vater,
erneuere in uns deinen Geist,
dass er uns zu einer tieferen Teilnahme am Leiden und Sterben Jesu befähigt.
Dich den dreieinen Gott, loben und ehren wir
jetzt und in Ewigkeit. - Amen.
Erhöre uns, allmächtiger Gott.
Du hast uns durch dein Wort
zum Zeugnis eines christlichen Lebens berufen.
Reinige uns durch dieses Opfer
und stärke uns zum Kampf gegen das Böse.
Darum bitten wir im Heiligen Geist
durch Christus unseren Herrn.
MB 5. Fastensonntag
Barmherziger Gott,
nimm das Opfer des Lobes
und der Versöhnung an.
Löse uns durch diese Feier aus aller Verstrickung,
damit wir in freier Hingabe ganz dir angehören.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 12. Sonntag im Jahreskreis
Guter Gott
du deckst uns den Tisch mit den Gaben,
die die Gegenwart deines Sohnes bezeichnen.
So wie Jesus alle Menschen mit offenen Armen empfangen hat,
lass auch uns bereit und offen sein,
den Menschen zu begegnen, die nach uns fragen.
Lass uns nicht nur das Brot miteinander teilen,
sondern alles, was zum Leben notwendig ist:
Barmherzigkeit, Solidarität, Frieden und so viel mehr.
In Christus, unserem Bruder und Herrn.
Jesus.
Du gabst deinen Leib – zur Vergebung unserer Sünden.
Du gabst dein Blut – zur Vergebung unserer Sünden.
Du gabst dich selbst hin – zur Vergebung unserer Sünden.
Größer konnte deine Liebe nicht sein.
Unverdienter könnte deine Liebe nicht sein.
Wir empfangen dich in Brot (und Wein).
Deine Liebe.
Diese Gaben geben uns Kraft,
durchdringen unser Herz, unser Wesen.
Diese Gaben helfen uns, deine Liebe weiter zu schenken. - Amen.
Kehrvers:
"Lobe den Herrn meine Seele!" (GL 58,1)
Wohl dem, dessen Halt der Gott Jesu ist,
und der seine Hoffnung auf den Herrn, seinen Gott, setzt.
Der Herr hat Himmel und Erde gemacht,
das Meer und alle Geschöpfe;
er hält ewig die Treue.
Kehrvers
Recht verschafft er den Unterdrückten,
den Hungernden gibt er Brot;
der Herr befreit die Gefangenen.
Der Herr öffnet den Blinden die Augen,
er richtet die Gebeugten auf.
Kehrvers
Der Herr beschützt die Fremden
und verhilft den Waisen und Witwen zu ihrem Recht.
Der Herr liebt die Gerechten,
doch die Schritte der Frevler leitet er in die Irre.
Kehrvers
Der Herr ist gnädig und barmherzig,
langmütig und reich an Gnade.
Der Herr ist gütig zu allen,
sein Erbarmen waltet über all seinen Werken.
Der Herr stützt alle, die fallen,
und richtet alle Gebeugten auf.
Kehrvers
Ich will dich rühmen, mein Gott und König,
und deinen Namen preisen immer und ewig.
Ich will dich preisen Tag für Tag
und deinen Namen loben immer und ewig.
(Nach Psalm 146 und 145)
Danklied z.B.: Hoch sei gepriesen unser Gott (GL 384)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und das Werk deiner Gnade zu rühmen.
Denn das Leiden deines Sohnes
wurde zum Heil für die Welt.
Seine Erlösungstat bewegt uns,
deine Größe zu preisen.
Im Kreuz enthüllt sich dein Gericht,
im Kreuz erstrahlt die Macht des Retters,
der sich für uns dahingab,
unseres Herrn Jesus Christus.
Durch ihn loben dich deine Erlösten
und vereinen sich mit den Chören der Engel
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Passionszeit 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und das Werk deines Erbarmens zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn wiederum kommen die Tage,
die seinem heilbringenden Leiden und
seiner glorreichen Auferstehung geweiht sind.
Es kommt der Tag des Triumphes über den alten Feind,
es naht das Fest der Erlösung.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Passionszeit 2
Gott
tausendfach suchen wir Wege
dorthin
wo das Leben besser sein soll
Tausendfach
rennen wir dabei in die Irre
sind allein
schutzlos
erschöpft und resigniert
Doch du, Gott
gehst uns nach
wohin unsere unbestimmte Sehnsucht
uns auch treibt
wo immer wir meinen
dass ein besseres Leben auf uns wartet
Durch dich erfahren wir
Stärkung
Ermutigung,
Schutz und Gemeinschaft
tausendfach
Du führst uns Wege
dorthin
wo das Leben wirklich besser ist
in deine Nähe
und Geborgenheit
Allmächtiger Gott,
du hast uns das Sakrament der Einheit geschenkt.
Lass uns immer lebendige Glieder Christi bleiben,
dessen Mahl wir empfangen haben.
Darum bitten wir im Heiligen Geist
durch Christus unseren Herrn.
MB 5. Fastensonntag
Herr, unser Gott,
das Sakrament, das wir empfangen haben,
sei uns Heilmittel gegen das Böse in unserem Herzen
und Schutz in jeder Gefahr.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Mittwoch der 5. Woche der Fastenzeit
Guter Vater
im Wirken deines Sohnes lässt du uns erkennen,
wie du uns zu einem guten Leben herausforderst.
Gestärkt mit dem Brot des Lebens
und dem Wort vom Heil
wollen wir nun hinausgehen und dieses Leben wagen.
Lenke unsere Schritte, stütze uns, wenn es holprig wird,
und lass uns darauf vertrauen, dass du da bist,
wenn es richtig schwierig wird.
Das erbitten wir durch Christus unseren Herrn.
Jesus, du hast gesagt:
Geh, und sündige nicht mehr!
Mit diesen Worten hast du Die Frau in ihr Leben gesendet.
Geh, und bemühe dich,
zu lieben.
Geh, und bemühe dich,
Gutes zu tun.
Geh, und bemühe dich,
so zu leben, dass Menschen
aufleben können,
dass sie spüren:
Sie sind geliebt.
Sende und aus
und segne uns. - Amen.
Treuer, barmherziger Gott,
am Ende dieser Feier danken wir,
bei dir Trost, Halt und Wege zu finden.
Deine Liebe verwandelt
Anklagen in Freispruch,
Angst in Freude,
Verlorenheit in Zukunft.
Du gehst mit uns in die neue Woche.
Wir schauen in unsere Terminkalender,
wir erwarten Auseinandersetzungen,
wir sehnen uns nach Anerkennung.
Lass uns aus deiner Liebe Kraft schöpfen
und den Mut, füreinander einzustehen.
Segne uns und behüte uns,
lass dein Angesicht über uns leuchten,
schenke uns deinen Frieden.
Im Namen Jesu,
in der Kraft deines Geistes,
heute,
und in Ewigkeit.
Die Versuchung ist groß.
Groß - den Splitter im Auge des Anderen zu sehen.
Groß - nach Steinen zum Werfen zu suchen
Groß - sich am Versagen des Nächsten zu weiden
Größer ist Gottes Barmherzigkeit
Größer - als der Balken in unserem eigenen Auge
Größer - als die Steine, die wirklich geworfen werden
Größer - als die eigenen Sünden und die eigene Schuld
So stellen wir uns unter den Segen dessen, dessen liebende Vergebung uns immer wieder neu anfangen lässt und der uns nun sendet, diese Barmherzigkeit in unserem Leben zu bezeugen.
So segne Euch der barmherzige Gott,
der Vater...
Gottes Gerechtigkeit ist anders
als menschliche Gerechtigkeit.
Er überrascht uns immer wieder;
zahlt Löhne aus,
die manche nicht erwarten;
feiert Feste mit Sündern;
umarmt den Sohn,
der alles veruntreut hat;
lobt die Klugheit des ungerechten Verwalters,
spricht mit einer Samariterin am Brunnen;
begnadigt die Ehebrecherin;
schaut den Menschen tief ins Herz.
Seine Gerechtigkeit
heißt Barmherzigkeit.
Ilse Pauls, unveröffentlicht.
In diesem Mietshaus wohnen wir seit einem Jahr und sind hier wohlbekannt.
Doch stell dir vor, was ich soeben unter uns'rer Haustür fand:
Es ist ein Brief von unsern Nachbarn, darin steht, wir müssen raus!
Sie meinen du und ich wir passen nicht, in dieses ehrenwerte Haus.
Weil wir als Paar zusammen leben und noch immer ohne Trauschein sind,
hat man sich gestern hier getroffen und dann hat man abgestimmt.
Und die Gemeinschaft aller Mieter schreibt uns nun: "Zieh'n Sie hier aus.
Denn eine wilde Ehe, das passt nicht in dieses ehrenwerte Haus.
Es haben alle unterschrieben; schau' dir mal die lange Liste an:
Die Frau von nebenan, die ihre Lügen nicht für sich behalten kann,
Und die vom Erdgeschoß tagtäglich spioniert sie jeden aus,
Auch dieser Kerl, der seine Tochter schlägt, spricht für dieses ehrenwerte Haus.
Und dann die Dicke, die den Hund verwöhnt, jedoch ihr eigenes Kind vergisst.
Der Alte, der uns stets erklärt, was hier im Haus verboten ist.
Und der vom ersten Stock, er schaut die ganze Zeit zum Fenster raus.
Und er zeigt jeden an, der mal falsch parkt vor diesem ehrenwerten Haus.
Der graue Don Juan der starrt dich jedesmal im Aufzug schamlos an.
Die Witwe, die verhindert hat, dass hier ein Schwarzer einzieh'n kann.
Auch die von oben, wenn der Gasmann kommt, zieht sie den Schlafrock aus.
Sie alle schämen sich für uns, denn dies ist ja ein ehrenwertes Haus.
Wenn du nichts brauchst, diese Heuchelei halt' ich nicht länger aus.
Wir packen uns're sieben Sachen und ziehn fort aus diesem ehrenwerten Haus.
Text: Michael Kunze, Komponist und Interpret: Udo Jürgens. 1974.
https://www.youtube.com/watch?v=VT6672HanPk
Es gab einmal einen Typen, der mich total verletzt hatte. Ich hatte so einen Hass auf den, dass ich jedes Mal, wenn ich nur seinen Namen gehört hab, fast ausgerastet wäre. Er hatte in der Schule die ganze Klasse gegen mich aufgehetzt, und es war sein Hobby, Martin in der großen Pause zu verprügeln. Über Jahre hatte ich täglich irgendwelche Fantasien, wie ich es ihm eines Tages einmal heimzahlen könnte. Schließlich wurde ich mit 17 Christ und fing an, mein Leben durch Jesus neu zu gestalten. Ganz zu Anfang hat Jesus mir erst einmal klargemacht, was ich alles für Mist gebaut hatte in meinem Leben. Das war nicht unbedingt eine nette Zeit. Aber als mir dann bewusst wurde, dass Jesus meine vielen ätzenden Sünden vergibt, konnte ich plötzlich auch diesem Typ vergeben, der mich verletzt hatte. Auf die Art werden wir von Jesus dazu befähigt, jedem zu vergeben, der uns verletzt und kaputt gemacht hat. Wir brauchen nicht länger mit Hass gegen irgendwelche Leute rumzulaufen. Das ist eine riesengroße Befreiung.
Jesus hat das Sündenproblem dieser Welt für immer gelöst.
Aus: Martin Dreyer, Jesus rockt, Pattloch München 2011.
Enttäuschung ist eine Funktion der Erwartung, würden die Philosophen sagen, und Heuchelei ist eine Funktion der überzogenen Ansprüche. Die täglich erlebbare Diskrepanz zwischen moralischem Anspruch und erzieherischer Wirklichkeit führt entweder zum konservativen Zynismus - der unvergessene CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß pflegte zu sagen, dass man seine Grundsätze hoch genug halten muss, um aufrecht darunter durchgehen zu können -, oder zum totalen Realitätsverlust. Beide Varianten waren in der katholischen Kirche Österreichs immer vertreten...
Nach zwei schweren Flugzeugunglücken kündigt der US-Flugzeughersteller an, die Software der betroffenen Modelle 737 Max zu aktualisieren.
Ganzer Beitrag:
https://diepresse.com/home/wirtschaft/international/5594057/
Große Gesellschaften auf der ganzen Welt konstruierten sich übernatürliche Sittenwächter, damit sie nicht in ethnische Gruppen zerfallen. Das heißt, sie entstanden nicht erst mithilfe des Glaubens an strafende Gottheiten, berichtet ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung.
Ganzer Beitrag:
https://diepresse.com/home/science/5600126/
Zuvor war Atletico-Trainers Diego Simeone für eine ähnliche Geste im Hinspiel ebenfalls bestraft worden.
Ganzer Beitrag:
https://diepresse.com/home/sport/fussball/5599647
Gibt es, so könnten wir fragen, die Wahrheit, felsenfest und unumstößlich? Gibt es Wahrheiten, die als tiefste Form der Übereinstimmung so klar sind, dass sie als Ausgangspunkte von seelsorglicher und therapeutischer Arbeit gelten könnten? Mit diesen Fragen nach der Wahrheit geraten wir natürlich für die von Psychotherapie und Seelsorge reservierten Bezirke auf ein spannendes, um nicht zu sagen spannungsgeladenes Feld. Die naturwissenschaftlichen Wahrheiten hier und die Glaubenswahrheiten dort verlangen nach einem möglichst neutralen Boden, wo Begegnung nicht zur Farce wird, sondern als Ausgangspunkt helfenden Tuns für beide Seiten möglich erscheint.
Jorge Bucay, 1949 in Buenos Aires geboren, argentinischer Psychiater und Psychotherapeut, ein wunderbarer Meister der großen und kleinen Wahrheiten des Lebens, nennt in seinem Buch Geschichten zum Nachdenken drei Gedanken, die für ihn so sicher und verlässlich seien, wie sie es nach gesundem Menschenverstand nur sein könnten. Mit dem ersten dieser Gedanken müssen wir uns hier kurz befassen, weil er mir sowohl für die Psychotherapie als auch für die Seelsorge zur Grundvoraussetzung heilsamer Begegnung geworden ist. Und dieser Gedanke lautet kurz und bündig: "Was ist, das ist." Der Satz kann an Schlichtheit nicht übertroffen werden. Auf viele mag er banal wirken. Um aber zu wissen, dass "das, was ist, ist", muss man zunächst einmal akzeptiert haben, dass die Geschehnisse, die Dinge, die Situationen eben so sind, wie sie sind. Das ist der Ausgangspunkt jedes vertrauensvollen Gespräches als tiefste und erste Form der gegenseitigen Anerkennung und Anteilnahme:
Die Wirklichkeit ist nicht so, wie ich sie gerne hätte.
Sie ist nicht so, wie sie sein sollte.
Sie ist nicht so, wie man mir gesagt hat, dass sie sei.
Sie ist nicht so, wie sie einmal war.
Noch ist sie so, wie sie morgen sein wird.
Die Wirklichkeit um mich herum ist, wie sie ist.
Die Voraussetzung dafür, einen Weg zu beginnen, besteht im lapidaren Eingeständnis, dass ich bin, wo ich bin. Wenn der "Standpunkt" nicht "eingestanden" wird, kann er auch nicht vertreten werden und schon gar nicht als Ausgangspunkt meines Weges dienen. Weil ich einen Weg nur dort beginnen kann, wo ich gerade stehe, muss ich zunächst die Dinge so akzeptieren, wie sie sind. Wenn ich diesen verlässlichen Ausgangspunkt nicht anerkenne, kann es keinen Weg geben und in der Folge auch keine wirkliche Begegnung. Dass eine solche Übereinkunft die Wahrheit betreffend nicht nur möglich, sondern auch für andere helfende Berufe sinnvoll erscheint, versucht die Psychotherapie durch ihre Arbeit verstehbar zu machen.
Daraus folgt in direkter Ableitung, dass auch ich bin, wer ich bin. All unsere Neurosen beginnen damit, mutmaßt Bucay, dass wir versuchen, jemand zu sein, der wir nicht sind. "Alles begann an jenem grauen Tag, an dem du aufhörtest, stolz 'Ich bin!' zu sagen." Stattdessen fingst du an 'Ich sollte sein!' zu denken.
Und wenn es schon schwierig ist, zu akzeptieren, dass ich bin, wer ich bin, wie viel schwieriger mag es dann manchmal sein, im Anderen den zu sehen, der er ist, nicht so, wie ich ihn haben will, nicht so, wie er mir passt, nicht so, wie er einmal war oder demnächst sein wird. Er ist, wie er ist. Dies zu akzeptieren bedeutet, ihn zu respektieren und nicht von ihm zu verlangen, dass er sich ändert. Bucay "definiert" deshalb Liebe "als die uneigennützige Aufgabe, Raum zu schaffen, damit der andere sein kann, wer er ist". Ein liebevolleres Nachdenken über die Wahrheit und eine bessere Beschreibung der Aufgabe von Psychotherapie und Seelsorge habe ich bisher nicht finden können. Auch Lehren und Handeln des Weisen von Athen und des Mannes aus Nazareth lassen sich mit diesen Worten wunderbar benennen.
dein Wort war schlicht und doch gewaltig
wenn du erzähltest, dass ein Körnchen Glaube
genügte, wahre Wunder zu vollbringen
wenn du von Schwachen sprachst, von Letzten, Heiden
von Ewigkeit, Vater, Sattwerden und Himmel
Kinder am allerwichtigsten fandst, Vorbild nanntest
und alle Menschen gleich vor Gott
selbst die Reichen, selbst die Männer
du scheutest nicht, Mächtigen zu widersprechen
bist von deiner Botschaft nicht abgerückt, auch
wenn sie drohten
begabst dich in Gefahr um anderer willen,
warst aber klug
wie die Schlange, um oft der Falle zu entgehn
suchtest dir Freunde quer durch die Gesellschaft
blicktest ins Herz und nicht auf den Beruf
hattest keine Angst vor Frauen, jedoch auch
leider keine Zeit für Eine, das soll gesagt sein
kanntest deine Pappenheimer und nahmst sie
trotzdem ernst
holtest sie in deine Stille, auf den Berg
bis sie starke Menschen wurden, dennoch fehlbar
das war dir klar, solange Hähne krähen
du wolltest Leben, auf lange Zeit, für alle Menschen
deshalb schenktest du dein eigenes her
wagtest sogar die totale Verlassenheit,
fast Ungläubigkeit
in deiner Liebe, in deinem letzten Schrei.
Aus: Iris Mandl-Schmidt, Schaff meinen Gedanken einen Weg. Gebete ins Konkrete. Matthias-Grünewald-Verlag Mainz 2001.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
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Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
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In diese Situation hinein kommt das Wort des Propheten. Er erinnert das Volk an Gottes Taten und stellt klar: Gott handelt wieder und noch größer. Wenn weder Berge noch Meer eine Barriere für Gott darstellen und wenn jedes Lebewesen Gott preist, dann sollte der Glaubende es erst recht tun.
In Jesaja 42 werden die Babylonier angesprochen als Blinde und Taube, die sich dem Anspruch Gottes verschließen. Das aber ist falsch. Denn das neue beginnt. "Jetzt aber fürchte dich nicht. Ich habe dich ausgelöst" beginnt das 43. Kapitel. Die Rückkehr und das Versprechen Gottes zum Vergessen sind Konsequenzen.
Einige Worte über diesen König sind somit angebracht, um einerseits die Erwartungen, die in diesen König seitens Jesajas gesetzt werden, andererseits unsere Textstelle selbst verständlich zu machen.
Es handelt sich um Kyrus II. "den Großen". Er regierte von 559 bis 529 v. Chr. Er errichtete die persische Großmacht. Er eroberte die griechischen Städte in Kleinasien und ebenso Babylon. (Übrigens war einer unter diesen von Kyrus besiegten Königen der Lyderkönig Krösus. Dieser war bekannt wegen seines Reichtums und ist auf diese Weise in unseren Sprachgebrauch eingegangen.) Kyrus ist bekannt als König, der seine Unterworfenen schonte und fremde Religionen nicht zerstörte, also ihnen gegenüber tolerant war.
Somit haben wir die Verbindung in unserer Textstelle seitens Jesaja. Er knüpft an die früheren Großtaten Gottes am Volk Juda an, redet aber sofort von noch größeren Taten, die zukünftig sich am Volk Gottes ereignen werden. In Anbetracht der zukünftig erfolgten Heimkehr aus dem Exil nach Juda sind diese Sätze gefüllt mit dem Gehalt der Geschichte Gottes mit seinem Volk.