Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Jesaja.
Siehe, mein Knecht wird Erfolg haben,
er wird sich erheben
und erhaben und sehr hoch sein.
Wie sich viele über dich entsetzt haben -
so entstellt sah er aus,
nicht mehr wie ein Mensch,
seine Gestalt war nicht mehr die eines Menschen - ,
so wird er viele Nationen entsühnen,
Könige schließen vor ihm ihren Mund.
Denn was man ihnen noch nie erzählt hat,
das sehen sie nun;
was sie niemals hörten,
das erfahren sie jetzt.
Wer hat geglaubt, was wir gehört haben?
Der Arm des HERRN - wem wurde er offenbar?
Vor seinen Augen wuchs er auf wie ein junger Spross,
wie ein Wurzeltrieb aus trockenem Boden.
Er hatte keine schöne und edle Gestalt,
sodass wir ihn anschauen mochten.
Er sah nicht so aus, dass wir Gefallen fanden an ihm.
Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden,
ein Mann voller Schmerzen,
mit Krankheit vertraut.
Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt,
war er verachtet;
wir schätzten ihn nicht.
Aber er hat unsere Krankheit getragen
und unsere Schmerzen auf sich geladen.
Wir meinten, er sei von Gott geschlagen,
von ihm getroffen und gebeugt.
Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Vergehen,
wegen unserer Sünden zermalmt.
Zu unserem Heil lag die Züchtigung auf ihm,
durch seine Wunden sind wir geheilt.
Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe,
jeder ging für sich seinen Weg.
Doch der HERR ließ auf ihn treffen
die Schuld von uns allen.
Er wurde bedrängt und misshandelt,
aber er tat seinen Mund nicht auf.
Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt,
und wie ein Schaf vor seinen Scherern verstummt,
so tat auch er seinen Mund nicht auf.
Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft,
doch wen kümmerte sein Geschick?
Er wurde vom Land der Lebenden abgeschnitten
und wegen der Vergehen meines Volkes zu Tode getroffen.
Bei den Frevlern gab man ihm sein Grab
und bei den Reichen seine Ruhestätte, '
obwohl er kein Unrecht getan hat
und kein trügerisches Wort in seinem Mund war.
Doch der HERR hat Gefallen an dem von Krankheit Zermalmten.
Wenn du, Gott, sein Leben als Schuldopfer einsetzt,
wird er Nachkommen sehen und lange leben.
Was dem HERRN gefällt, wird durch seine Hand gelingen.
Nachdem er vieles ertrug,
erblickt er das Licht.
Er sättigt sich an Erkenntnis.
Mein Knecht, der gerechte,
macht die Vielen gerecht;
er lädt ihre Schuld auf sich.
Deshalb gebe ich ihm Anteil unter den Großen
und mit Mächtigen teilt er die Beute,
weil er sein Leben dem Tod preisgab
und sich unter die Abtrünnigen rechnen ließ.
Er hob die Sünden der Vielen auf
und trat für die Abtrünnigen ein.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. - Kv
(GL 308,1)
HERR, bei dir habe ich mich geborgen. /
Lass mich nicht zuschanden werden in Ewigkeit;
rette mich in deiner Gerechtigkeit!
In deine Hand lege ich voll Vertrauen meinen Geist;
du hast mich erlöst, HERR, du Gott der Treue. - Kv
Vor all meinen Bedrängern wurde ich zum Spott, /
zum Spott sogar für meine Nachbarn.
Meinen Freunden wurde ich zum Schrecken,
wer mich auf der Straße sieht, der flieht vor mir.
Ich bin dem Gedächtnis entschwunden wie ein Toter,
bin geworden wie ein zerbrochenes Gefäß.- Kv
Ich aber, HERR, ich habe dir vertraut,
ich habe gesagt: Mein Gott bist du.
In deiner Hand steht meine Zeit;
entreiß mich der Hand meiner Feinde und Verfolger! - Kv
Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht,
hilf mir in deiner Huld!
Euer Herz sei stark und unverzagt,
ihr alle, die ihr den HERRN erwartet.- Kv
Lesung aus dem Hebräerbrief.
Schwestern und Brüder!
Da wir nun einen erhabenen Hohepriester haben,
der die Himmel durchschritten hat,
Jesus, den Sohn Gottes,
lasst uns an dem Bekenntnis festhalten.
Wir haben ja nicht einen Hohepriester,
der nicht mitfühlen könnte mit unseren Schwächen,
sondern einen, der in allem wie wir
versucht worden ist,
aber nicht gesündigt hat.
Lasst uns also voll Zuversicht hinzutreten zum Thron der Gnade,
damit wir Erbarmen und Gnade finden
und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit!
Christus hat in den Tagen seines irdischen Lebens
mit lautem Schreien und unter Tränen
Gebete und Bitten vor den gebracht,
der ihn aus dem Tod retten konnte,
und er ist erhört worden aufgrund seiner Gottesfurcht.
Obwohl er der Sohn war,
hat er durch das, was er gelitten hat, den Gehorsam gelernt;
zur Vollendung gelangt,
ist er für alle, die ihm gehorchen,
der Urheber des ewigen Heils geworden.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Hebräerbrief deutet das Leben Jesu in den Bildern und der Sprache jüdischer Überlieferungen: Durchschritt der Hohepriester den Tempel, um am Versöhnungstag allein das Allerheiligste zu betreten, wird Jesus hier vorgestellt als der, der den Himmel durchschritten hat. Er ist hier zu Hause. Für den Hebräerbrief folgt daraus, an dem Bekenntnis festzuhalten: Er ist der Sohn Gottes.
Der Gedankengang, der im Himmel beginnt, nähert sich menschlichen Erfahrungen. Von Schwachheiten ist die Rede und von der Versuchung. Ohne sie zu spezifizieren oder konkretisieren, wird der Hohepriester – Jesus – als der vor Augen gestellt, der „mitfühlen“ oder, eine andere Übersetzung, „mitleiden“ kann. Nur: gesündigt hat er nicht. Der Hebräerbrief setzt die Geschichten voraus, die in den Evangelien erzählt werden. Da ist von der vertrauten Nähe Jesu zu Menschen die Rede, aber auch von seiner Stellung und Würde. Im Hebräerbrief formuliert: ohne Sünde.
Eine Szene, die zur Leidensgeschichte Jesu gehört, wird im Hebräerbrief besonders herausgehoben: Der sog. Gebetskampf Jesu in Gethsemane. Mit „lautem Schreien und unter Tränen“ hat Jesus mit seinem Vater gerungen. Aber was in der synoptischen Überlieferung zu dem Ja Jesu führt, den Kelch zu trinken, ist im Hebräerbrief zu dem Ja Gottes geworden, ihn aus seiner Angst zu befreien. Schon innerhalb der neutestamentlichen Überlieferung hat die Gethsemane-Erfahrung Jesu vielfältige Aneignungen hervorgebracht. Nach dem Hebräerbrief ist die Bitte Jesu, dass der Kelch an ihm vorübergehen möge, in der Auferstehung in Erfüllung gegangen.
Am Schluss ist es fast eine Kurzformel, die das Leben Jesu zusammenfasst: Obwohl er der Sohn war, hat er durch Leiden den Gehorsam gelernt; zur Vollendung gelangt, ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden.
Zu beachten ist: Jesus und die Seinen sind im Gehorsam miteinander verbunden.
In dieser Lesung vernehmen wir, dass Jesus, der Sohn Gottes, unser Hoherpriester ist. Damit trägt Jesus Christus einen Titel, der im weiteren entfaltet wird. Nicht nur "Kyrios", "Christus", sondern auch "Hoherpriester". Der Verfasser stellt Jesus Christus damit in die Reihe der Hohenpriester vor ihm, vor allem Aaron, dessen Amtseinsetzung zitiert wird. Während die Propheten jeweils von Gott berufen werden, wird die Würde des Hohenpriesters innerhalb der Familie weitergegeben. Dieses Spezifikum lässt uns aufhorchen, denn es verweist uns auf den Ursprung Jesu: Er ist Sohn Gottes. Dadurch wird Christus zum erhabendsten aller Hohenpriester – zugleich aber auch einer, der sich von den Menschen und seiner Gemeinde nicht entfernt, sondern den Menschen gleichgeworden ist. Diese Nähe ist Grund zum Bekenntnis und zur Zuversicht.
Die zweite Lesung des Karfreitags ist dem Hebräerbrief entnommen und möchte das unfaßbare Leiden Jesu theologisch deuten.
Der Hebräerbrief entstand in einem Umfeld, das zutiefst mit der jüdischen Schrifttradiotion und dem jüdischen Tempelkult verbunden war und daraus lebte. Mit den Mitteln der überlieferten jüdischen Theologie versucht der Verfasser, das Christusereignis zu verstehen und in Worte zu fassen. Dabei ist er fest überzeugt, daß die jüdische Tradition in Jesus Christus ihr Ziel gefunden hat.
Der Jerusalemer Tempelkult verstand sich als irdisches Abbild des realen Kultes vor dem Thron Gottes im Himmel. Die Rolle, die der Hohepriester im Tempelkult wahrnahm, nimmt in Wirklichkeit Jesus Christus im Himmel wahr. Für den Verfasser des Hebräerbriefes ist Jesus Christus der Hohepriester, der die Himmel durchschritten hat und zugleich unter Schreien und Tränen menschliche Existenz erfahren hat. Er ist Gott und Mensch zugleich. Wie der irdische Hohepriester die Gebete und Bitten des Volkes stellvertretend vor Gott bringt, bringt sie Christus im Himmel vor den Thron Gottes. Dies ist Anlaß, am Bekenntnis, daß Jesus der Sohn Gottes ist, festzuhalten und sich ihm in Gehorsam unterzuordnen.
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre! - Kv
Christus war für uns gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott erhöht
und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen.
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!
Die Verhaftung Jesu
E Jesus ging mit seinen Jüngern hinaus,
auf die andere Seite des Baches Kidron.
Dort war ein Garten;
in den ging er mit seinen Jüngern hinein.
Auch Judas, der ihn auslieferte, kannte den Ort,
weil Jesus dort oft
mit seinen Jüngern zusammengekommen war.
Judas holte die Soldaten
und die Gerichtsdiener der Hohepriester und der Pharisäer
und kam dorthin mit Fackeln, Laternen und Waffen.
Jesus, der alles wusste,
was mit ihm geschehen sollte,
ging hinaus
und fragte sie:
+ Wen sucht ihr?
E Sie antworteten ihm:
S Jesus von Nazaret.
E Er sagte zu ihnen:
+ Ich bin es.
E Auch Judas, der ihn auslieferte, stand bei ihnen.
Als er zu ihnen sagte: Ich bin es!,
wichen sie zurück und stürzten zu Boden.
Er fragte sie noch einmal:
+ Wen sucht ihr?
E Sie sagten:
S Jesus von Nazaret.
E Jesus antwortete:
+ Ich habe euch gesagt, dass ich es bin.
Wenn ihr also mich sucht,
dann lasst diese gehen!
E So sollte sich das Wort erfüllen, das er gesagt hatte:
Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast.
Simon Petrus, der ein Schwert bei sich hatte, zog es,
traf damit den Diener des Hohepriesters
und hieb ihm das rechte Ohr ab;
der Diener aber hieß Malchus.
Da sagte Jesus zu Petrus:
+ Steck das Schwert in die Scheide!
Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat -
soll ich ihn nicht trinken?
Jesus vor Hannas
E Die Soldaten,
der Hauptmann
und die Gerichtsdiener der Juden nahmen Jesus fest,
fesselten ihn
und führten ihn zuerst zu Hannas;
er war nämlich der Schwiegervater des Kajaphas,
der in jenem Jahr Hohepriester war.
Kajaphas aber war es, der den Juden den Rat gegeben hatte:
S Es ist besser, dass ein einziger Mensch für das Volk stirbt.
E Simon Petrus und ein anderer Jünger folgten Jesus.
Dieser Jünger war mit dem Hohepriester bekannt
und ging mit Jesus in den Hof des Hohepriesters.
Petrus aber blieb draußen am Tor stehen.
Da kam der andere Jünger,
der Bekannte des Hohepriesters, heraus;
er sprach mit der Pförtnerin und führte Petrus hinein.
Da sagte die Pförtnerin zu Petrus:
S Bist nicht auch du einer von den Jüngern dieses Menschen?
E Er sagte:
Ich bin es nicht.
E Die Knechte und die Diener
hatten sich ein Kohlenfeuer angezündet
und standen dabei, um sich zu wärmen;
denn es war kalt.
Auch Petrus stand bei ihnen und wärmte sich.
E Der Hohepriester
befragte Jesus über seine Jünger und über seine Lehre.
Jesus antwortete ihm:
+ Ich habe offen vor aller Welt gesprochen.
Ich habe immer in der Synagoge und im Tempel gelehrt,
wo alle Juden zusammenkommen.
Nichts habe ich im Geheimen gesprochen.
Warum fragst du mich?
Frag doch die, die gehört haben,
was ich zu ihnen gesagt habe;
siehe, sie wissen, was ich geredet habe.
E Als er dies sagte,
schlug einer von den Dienern, der dabeistand, Jesus ins Gesicht
und sagte:
S Antwortest du so dem Hohepriester?
E Jesus entgegnete ihm:
+ Wenn es nicht recht war, was ich gesagt habe,
dann weise es nach;
wenn es aber recht war,
warum schlägst du mich?
E Da schickte ihn Hannas
gefesselt zum Hohepriester Kajaphas.
Simon Petrus aber stand da und wärmte sich.
Da sagten sie zu ihm:
S Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern?
E Er leugnete und sagte:
S Ich bin es nicht.
E Einer von den Knechten des Hohepriesters,
ein Verwandter dessen,
dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, sagte:
S Habe ich dich nicht im Garten bei ihm gesehen?
E Wieder leugnete Petrus
und gleich darauf krähte ein Hahn.
Jesus vor Pilatus
E Von Kajaphas brachten sie Jesus zum Prätorium;
es war früh am Morgen.
Sie selbst gingen nicht in das Gebäude hinein,
um nicht unrein zu werden,
sondern das Paschalamm essen zu können.
Deshalb kam Pilatus zu ihnen heraus
und fragte:
S Welche Anklage erhebt ihr gegen diesen Menschen?
E Sie antworteten ihm:
S Wenn er kein Übeltäter wäre,
hätten wir ihn dir nicht ausgeliefert.
E Pilatus sagte zu ihnen:
S Nehmt ihr ihn doch
und richtet ihn nach eurem Gesetz!
E Die Juden antworteten ihm:
S Uns ist es nicht gestattet, jemanden hinzurichten.
E So sollte sich das Wort Jesu erfüllen,
mit dem er angedeutet hatte, welchen Tod er sterben werde.
E Da ging Pilatus wieder in das Prätorium hinein,
ließ Jesus rufen
und fragte ihn:
S Bist du der König der Juden?
E Jesus antwortete:
+ Sagst du das von dir aus
oder haben es dir andere über mich gesagt?
E Pilatus entgegnete:
S Bin ich denn ein Jude?
Dein Volk und die Hohepriester
haben dich an mich ausgeliefert.
Was hast du getan?
E Jesus antwortete:
+ Mein Königtum ist nicht von dieser Welt.
Wenn mein Königtum von dieser Welt wäre,
würden meine Leute kämpfen,
damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde.
Nun aber ist mein Königtum nicht von hier.
E Da sagte Pilatus zu ihm:
S Also bist du doch ein König?
E Jesus antwortete:
+ Du sagst es,
ich bin ein König.
Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen,
dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege.
Jeder, der aus der Wahrheit ist,
hört auf meine Stimme.
E Pilatus sagte zu ihm:
S Was ist Wahrheit?
E Nachdem er das gesagt hatte,
ging er wieder zu den Juden hinaus
und sagte zu ihnen:
S Ich finde keine Schuld an ihm.
Ihr seid aber gewohnt,
dass ich euch zum Paschafest einen freilasse.
Wollt ihr also, dass ich euch den König der Juden freilasse?
E Da schrien sie wieder:
Nicht diesen, sondern Barabbas!
E Barabbas aber war ein Räuber.
E Darauf nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln.
Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen;
den setzten sie ihm auf das Haupt
und legten ihm einen purpurroten Mantel um.
Sie traten an ihn heran und sagten:
S Sei gegrüßt, König der Juden!
E Und sie schlugen ihm ins Gesicht.
E Pilatus ging wieder hinaus
und sagte zu ihnen:
S Seht, ich bringe ihn zu euch heraus;
ihr sollt wissen,
dass ich keine Schuld an ihm finde.
E Jesus kam heraus;
er trug die Dornenkrone und den purpurroten Mantel.
Pilatus sagte zu ihnen:
S Seht, der Mensch!
E Als die Hohepriester und die Diener ihn sahen,
schrien sie:
S Kreuzige ihn,
kreuzige ihn!
E Pilatus sagte zu ihnen:
S Nehmt ihr ihn und kreuzigt ihn!
Denn ich finde keine Schuld an ihm.
E Die Juden entgegneten ihm:
S Wir haben ein Gesetz
und nach dem Gesetz muss er sterben,
weil er sich zum Sohn Gottes gemacht hat.
E Als Pilatus das hörte,
fürchtete er sich noch mehr.
Er ging wieder in das Prätorium hinein
und fragte Jesus:
S Woher bist du?
E Jesus aber gab ihm keine Antwort.
Da sagte Pilatus zu ihm:
S Du sprichst nicht mit mir?
Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich freizulassen,
und Macht, dich zu kreuzigen?
E Jesus antwortete ihm:
+ Du hättest keine Macht über mich,
wenn es dir nicht von oben gegeben wäre;
darum hat auch der eine größere Sünde,
der mich dir ausgeliefert hat.
E Daraufhin wollte Pilatus ihn freilassen,
aber die Juden schrien:
S Wenn du diesen freilässt, bist du kein Freund des Kaisers;
jeder, der sich zum König macht,
lehnt sich gegen den Kaiser auf.
E Auf diese Worte hin ließ Pilatus Jesus herausführen
und er setzte sich auf den Richterstuhl
an dem Platz, der Lithostrotos,
auf Hebräisch Gabbata, heißt.
Es war Rüsttag des Paschafestes,
ungefähr die sechste Stunde.
Pilatus sagte zu den Juden:
S Seht, euer König!
E Sie aber schrien:
S Hinweg, hinweg,
kreuzige ihn!
E Pilatus sagte zu ihnen:
S Euren König soll ich kreuzigen?
E Die Hohepriester antworteten:
S Wir haben keinen König außer dem Kaiser.
E Da lieferte er ihnen Jesus aus,
damit er gekreuzigt würde.
Kreuzigung, Tod und Begräbnis Jesu
E Sie übernahmen Jesus.
Und er selbst trug das Kreuz
und ging hinaus zur sogenannten Schädelstätte,
die auf Hebräisch Golgota heißt.
Dort kreuzigten sie ihn
und mit ihm zwei andere,
auf jeder Seite einen,
in der Mitte aber Jesus.
E Pilatus ließ auch eine Tafel anfertigen
und oben am Kreuz befestigen;
die Inschrift lautete:
Jesus von Nazaret,
der König der Juden.
Diese Tafel lasen viele Juden,
weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde,
nahe bei der Stadt lag.
Die Inschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefasst.
Da sagten die Hohepriester der Juden zu Pilatus:
S Schreib nicht: Der König der Juden,
sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden.
E Pilatus antwortete:
S Was ich geschrieben habe,
habe ich geschrieben.
E Nachdem die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten,
nahmen sie seine Kleider
und machten vier Teile daraus,
für jeden Soldaten einen Teil,
und dazu das Untergewand.
Das Untergewand war aber ohne Naht von oben ganz durchgewoben.
Da sagten sie zueinander:
S Wir wollen es nicht zerteilen,
sondern darum losen, wem es gehören soll.
E So sollte sich das Schriftwort erfüllen:
Sie verteilten meine Kleider unter sich
und warfen das Los um mein Gewand.
Dies taten die Soldaten.
E Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter
und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas,
und Maria von Magdala.
Als Jesus die Mutter sah
und bei ihr den Jünger, den er liebte,
sagte er zur Mutter:
+ Frau, siehe, dein Sohn!
E Dann sagte er zu dem Jünger:
+ Siehe, deine Mutter!
E Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
(Hier stehen alle auf.)
E Danach, da Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war,
sagte er, damit sich die Schrift erfüllte:
+ Mich dürstet.
E Ein Gefäß voll Essig stand da.
Sie steckten einen Schwamm voll Essig auf einen Ysopzweig
und hielten ihn an seinen Mund.
Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er:
+ Es ist vollbracht!
E Und er neigte das Haupt
und übergab den Geist.
(Hier knieen alle zu einer kurzen Gbetsstille nieder.)
E Weil Rüsttag war
und die Körper während des Sabbats
nicht am Kreuz bleiben sollten
- dieser Sabbat war nämlich ein großer Feiertag - ,
baten die Juden Pilatus,
man möge ihnen die Beine zerschlagen
und sie dann abnehmen.
Also kamen die Soldaten
und zerschlugen dem ersten die Beine,
dann dem andern, der mit ihm gekreuzigt worden war.
Als sie aber zu Jesus kamen
und sahen, dass er schon tot war,
zerschlugen sie ihm die Beine nicht,
sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite
und sogleich floss Blut und Wasser heraus.
Und der es gesehen hat, hat es bezeugt
und sein Zeugnis ist wahr.
Und er weiß, dass er Wahres sagt,
damit auch ihr glaubt.
Denn das ist geschehen,
damit sich das Schriftwort erfüllte:
Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen.
Und ein anderes Schriftwort sagt:
Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.
E Josef aus Arimathäa war ein Jünger Jesu,
aber aus Furcht vor den Juden nur im Verborgenen.
Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen,
und Pilatus erlaubte es.
Also kam er und nahm den Leichnam ab.
E Es kam auch Nikodemus,
der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte.
Er brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloe,
etwa hundert Pfund.
Sie nahmen den Leichnam Jesu
und umwickelten ihn mit Leinenbinden,
zusammen mit den wohlriechenden Salben,
wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist.
E An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten
und in dem Garten war ein neues Grab,
in dem noch niemand bestattet worden war.
Wegen des Rüsttages der Juden
und weil das Grab in der Nähe lag,
setzten sie Jesus dort bei.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die Passionsgeschichte, die am Karfreitag vorgetragen wird, ist dem Johannes-Evangelium entnommen. Es ist eine dramatische Geschichte mit vielen Auseinandersetzungen, Dialogen und Perspektivwechseln.
Schlüsselszenen sind:
Die Gefangennahme Jesu
Das Verhör vor dem Hohen Rat
Die Verleugnung des Petrus
Die Verhandlung vor Pilatus
Geißelung und Verspottung
Das Todesurteil
die Kreuzigung und Jesu Tod
Die Grablegung.
Schon bei der Gefangennahme, aber besonders in der Verhandlung vor Pilatus, ist Jesus der Herr, der das letzte Wort hat: Er lässt sich gefangen nehmen, verhören und verurteilen. Menschen sind zwar Akteure in dieser Geschichte, haben aber – im wahrsten Sinn dieses Wortes – „nichts“ zu sagen. Vor den religiösen und politischen Instanzen, die über Tod und Leben befinden, klärt sich der Wahrheitsanspruch Jesu. Es wird alles darauf ankommen, die Geschichte so vorzutragen, dass die Linien scharf hervortreten.
Am Beispiel des Petrus wird in der Passionsgeschichte, wie sie Johannes überliefert, Gewalt einerseits (18,10 f.) und Versagen andererseits (18,15-18) zusammen gesehen: Der mit dem Schwert kämpfen will, verliert mit seinem Mund. Wenn davon zu reden ist, das Petrus Jesus verleugnet, ist auch davon zu reden, wie denn die Wahrheit Jesu bezeugt werden kann.
Auf eine Wunde, die die Passionsgeschichte besonders in der johanneischen Fassung geschlagen hat, ist behutsam zu achten: Die Juden erscheinen in dieser Geschichte als die, die die Hauptschuld an Jesu Tod haben. Pilatus wird von ihnen seiner Karriere geopfert und vereinnahmt. Aber eine antijudaistische Interpretation des Evangeliums, bedauerlicherweise über lange Strecken der Auslegungsgeschichte geübt, wird dem Anspruch Jesu nicht gerecht, Herr des Verfahrens zu sein. Die Juden stehen hier stellvertretend für die Menschen, die sich der Wahrheit Jesu verschließen. Der schärfste Widerspruch wird von Jesus vor Pilatus formuliert: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Dieses Wort wird von Jesus ausgelegt: Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme.
Was dieses „Hören“ angeht: Besonders in den Ich-bin-Worten Jesu ist festgehalten, wer er in Wahrheit ist: Brot, Weg, Tür, Licht, Leben usw. Und immer ausschließlich: DAS Brot, DER Weg, DIE Tür. Diese Ich-bin-Worte Jesu sind der rote Faden, der das Johannes-Evangelium durchzieht. Schon im Prolog heißt es: In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat´s nicht ergriffen (1,4 f.).
In der Karfreitagsliturgie wird die Leidensgeschichte nach dem Evangelisten Johannes vorgetragen. Dieser griff auf eine von den anderen Evangelisten unabhängige Überlieferung zurück, setzte jedoch eigene theologische Akzente. Ihm geht es um mehr als die historische Beschreibung der Vorgänge um den Tod Jesu.
So beschreibt Johannes nicht wie seine Evangelistenkollegen, wie schwer es Jesus fiel, sich in das einzufügen, was auf ihn zukam. Er, "der alles wußte, was mit ihm geschehen sollte", tritt selbstbewußt und überlegen den Soldaten und Dienern der Hohenpriester gegenüber und läßt sich festnehmen. Er ist der Sohn Gottes, der den Weg durch das Leiden hindurch zur Erhöhung und Verherrlichung geht.
Im Verhör durch Hannas und Pilatus führt der Evangelist Johannes aus, was er bereits im Prolog zu seinem Evangelium hervorkehrt: "Das wahre Licht kam in die Welt [...] aber die Welt erkannt ihn nicht"; und "Er kam in sein Eigentum, aber die seinen nahmen ihn nicht auf". Im Prozeß Jesu ist dem Evangelisten wichtig, zu zeigen, daß Jesus der wahre "König der Juden" ist, von seinem Volk jedoch nicht als der Messias erkannt wird. Sie stellen ihn vor das staatliche Gericht. Pilatus ist zu feige, um der Wahrheit Rechnung zu tragen. Er läßt Jesus hinrichten, obwohl er erkannt hat, daß Jesus keinen politischen Anspruch stellt.
Ein anderes Motiv, das die Passion des Johannes durchzieht, ist das des wahren Paschalammes. Johannes legt den Zeitablauf im Gegensatz zu den anderen drei Evangelien so fest, daß Jesus zu der Zeit am Kreuz stirbt, als im Tempel die Paschalämmer geschlachtet werden. Er ist das wahre Paschalamm, das für uns geschlachtet wurde... Er betont, daß ihm die Beine nicht zerschlagen wurden und daß seine Seite mit einer Lanze geöffnet wurde, sodaß Blut und Wasser daraus flossen. In den Bestimmungen für die Paschafeier (Ex 12:46) heißt es, daß dem Lamm kein Bein zerbrochen werden dürfe. Das Blut des Paschalammes schützte in Ägypten die Häuser der Israeliten vor dem Würgengel, der die Erstgeborenen der Ägypter schlug.
Johannes beton auf Schritt und Tritt, wie souverän Jesus das Todesleiden durchgegangen ist. In allem sollte sich die Schrift erfüllen. Vom Kreuz aus vertraut er seine Mutter dem Jünger, den er liebte an, und diesen ihr. Mit den Worten "Es ist vollbracht!" neigt er sein Haupt und gibt er seinen Geist auf.
Wir haben gerade die Passion des Herrn nach Johannes gehört; einen Bericht, der nicht nur das Leiden Jesu schildert, sondern uns tief hineinführt in das Geheimnis seiner Sendung und uns seine göttliche Natur bewusst macht. Johannes berichtet uns dabei aus einer anderen Perspektive als die übrigen Evangelisten. Bei ihm ist Jesus nämlich nicht der ohnmächtige Leidende, nicht der zu Tode gemarterte, sondern der königliche Sohn Gottes, der sich auch in der Stunde der äußersten Erniedrigung als Herr über Leben und Tod in Würde erweist.
Schon in der ersten Szene fällt das auf: Als die Soldaten mit Fackeln und Waffen in den Garten kommen, um ihn zu verhaften, fragt Jesus: „Wen sucht ihr?“ – und als sie antworten: „Jesus von Nazareth“, spricht er: „Ich bin es.“ (Joh 18,5). - Und was geschieht? Sie wanken zurück und fallen zu Boden. Ein einfaches Wort: „Ich bin es“ – dieselben Worte, die Jahwe dem Mose am Dornbusch sagt: „Ich bin, der ich bin.“ (Ex 3,14). Jesus spricht hier zwar nicht seinen Namen aus, aber er offenbart seine göttliche Wirklichkeit als der ,Da-Seiende‘. Schon in der Nacht der Verhaftung ist klar: Er gibt sein Leben hin für uns Menschen, für unsere Verfehlungen tauscht er seine menschliche Natur ein. Er erweist den Menschen einen wahren Dienst der Barmherzigkeit und gibt dabei sein Leben hin.
In den weiteren Szenen – vor dem Hohenpriester, vor Pilatus – erleben wir Jesus als den wahrhaftigen Zeugen. „Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege.“ (Joh 18,37). Pilatus fragt: „Was ist Wahrheit?“ – Doch erkennt sie nicht, obwohl sie leibhaftig vor ihm steht. Ist das nicht auch heute unsere Versuchung – so viele Stimmen, so viele Wahrheiten, und wir übersehen den, der die Wahrheit ist? Sollten wir da nicht mehr auf unsere innere Stimme hören? Was sagt sie uns?
Dann kommt die Kreuzigung. Und wieder setzt Johannes Zeichen. Jesus trägt das Kreuz selbst – kein Simon von Cyrene wie in den anderen Evangelien. Denn Johannes will uns zeigen: Der gute Hirte legt sein Leben aus freiem Willen nieder, er trägt die Last ganz allein. Oben am Kreuz steht, was Pilatus geschrieben hat: „Jesus von Nazareth, der König der Juden.“ (Joh 19,19). Ungewollt wird Pilatus hier zum Verkünder des Evangeliums. Jesus ist der wahre König, nicht mit Macht und Gewalt, sondern mit Dornen gekrönt und ans Holz genagelt.
Unter dem Kreuz steht Maria - nur Johannes erzählt das. Jesus sagt zu ihr: „Frau, siehe, dein Sohn!“ Und zu dem Jünger: „Siehe, deine Mutter!“ (Joh 19,26–27). In diesem Moment wird die Kirche geboren: Maria wird Mutter aller Gläubigen. Johannes, der Jünger, den Jesus liebt, steht für jeden von uns Menschen. Wir dürfen Maria als das Vorbild im Glauben und als Mittlerin zu Jesus Christus sehen.
Und dann: der letzte Satz. „Es ist vollbracht.“ – Kein Schrei der Verzweiflung, sondern ein Triumph. Das Werk des Vaters ist vollendet. Die Stunde, von der Jesus im ganzen Evangelium gesprochen hat, ist gekommen: Die Stunde seiner Verherrlichung. Und als er sein Haupt neigt und den Geist übergibt, wird der Tod zur Hingabe, zum Beginn des neuen Lebens für ihn und uns alle.
Liebe Gemeinde, wenn wir heute das Kreuz verehren, dann verehren wir nicht den Tod, sondern die Liebe – die Liebe Gottes, die bis zum Äußersten geht. Die Passion nach Johannes ist keine traurige Geschichte. Sie ist das Evangelium, die frohe Botschaft: Christus hat die Welt geliebt bis zur Vollendung. (Joh 13,1) Bleiben wir nicht als Zuschauer unter dem Kreuz, sondern als Glaubende. Bleiben wir bei Maria, bei Johannes, beim Gekreuzigten. Denn dort, wo die Welt nur Scheitern sieht, geschieht das Heil.
Wir alle haben schon Karfreitage verschiedenster Art durchlebt, meist nicht punktgenau an einem Karfreitag, wohl aber sehr schmerzhaft und leidvoll, etwa durch niederschmetternde Krankheitsdiagnose oder qualvollen Krankheitsverlauf, Unglücksfälle verschiedenster Art, menschliche Verluste, Existenzbedrohung durch die Natur oder Kündigung des Arbeitsplatzes. So wird unser Leben im wahrsten Sinn des Wortes durchkreuzt und viele dieser erbärmlichen Unglücksfälle nageln uns auch noch fest.
So erleben wir Verwundungen und Wunden verschiedenster Art, auch dadurch, dass wir ans Kreuz geheftet sind. Der Karfreitag bietet sich an, und ich lade Sie dazu ein, zwei sehr einprägsame Zeichen mit mir zu meditieren: das KREUZ, die WUNDEN und dann der Hinweis, dass auch in der Endlichkeit unseres Lebens TROST zu finden ist, weil dieses Leben hier als Vorbereitungszeit hinüberführt ins „Leben in Fülle“ (Joh 10,10), zu unfassbarem Glück.
Baum des Lebens, erfolgreiches Scheitern oder Holz des Todes? Auf die Sichtweise kommt es an, auf Vertrauen als Offenheit des Herzens. Vertrauen braucht Weite und Weitblick, Vertrauen führt zum Glauben: credo, setzt sich zusammen aus cor-dare: Ich schenke dir mein Herz ohne Beweise und Sicherstellungen. „Glaubt an Gott und glaubt an mich“, denn, „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,1- 6). „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir.“ (Jes 43,1). Wir sind nicht namenlose Geschöpfe. Gott selbst gibt uns die Spur für unser Leben vor.
Das wird im Liebesgebot am deutlichsten spürbar. Gottes- und Nächstenliebe sind der Halt für unsere Füße. Wer diese pflegt, nimmt Haltung an, lässt sich nicht verkrümmen oder fällt schon bei kleinsten Konflikten um. So führt Liebe neben anderen Aspekten auch zur Geisteshaltung. Durch den Tod müssen wir unser irdisches Leben loslassen, um mit Hilfe der zukunftsorientierten Hoffnung Trost zu finden, weil unsere Erlösung uns durch die Auferstehung mehrmals zugesagt wird. So können wir im Kreuz den Baum des Lebens sehen und sollten uns nicht einseitig auf das Holz des Todes fixieren, denn ohne Auferstehung und Erlösung ist alle Mühsal und Beschwer, alles Leid sinnlos.
Was hat die Kreuzigung Jesu mit erfolgreichem Scheitern zu tun? Ein gewaltiger Widerspruch? Scheitern: Wir kennen diesen Begriff von Holzscheiteln, Holz, das zertrümmert, gespalten wird, nichts bleibt ganz, Trümmer fliegen herum, Zeichen für Misserfolg, eben: scheitern. Wir kennen das alle, das bleibt niemandem erspart. Die Trümmer wieder zusammensuchen, das ist Ursachenforschung ohne Schuldzuweisung und ehrlich sein Versagen einzugestehen. Scheitern gibt die Chance in der Persönlichkeit mit Hilfe des Heiligen Geistes zu wachsen, wenn man es schafft, Selbstmitleid und Depression zu überwinden. Auch Jesus ist mit seiner Verkündigung gescheitert. „Sie nahmen Anstoß an ihm. Da sagte Jesus zum ihnen: Nirgends ist ein Prophet ohne Ansehen außer in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und seiner Familie. Und er konnte dort keine Machttaten mehr tun.“ (Mk 6,4-5a). Scheitern heißt auch: Spott, Erniedrigung ertragen müssen und durchhalten, darin stark zu werden. Jesus wird noch am Kreuz von den Soldaten ausgespottet: „Hilf dir doch selbst und steig herab vom Kreuz.“ (Mk 15,29-32). Dieses Scheitern, so können wir es auch erleben, kann in Jubel, Triumph und Freude übergehen, manchmal dauert es sehr lange. „Er der, den Tod überwand, der im Triumph aus dem Grabe erstand…“, so lautet der Text eines alten Kirchenliedes.
Wir sind aufgerufen, Gott selbst in den Wunden der Welt zu begegnen. Da gibt es jede Menge davon. Wunden und Verwundungen in den Familien, der Gesellschaft und der Kirche. Papst Franziskus spricht von der Kirche als „großem Lazarett“. Wunden im Herzen Jesu als Gottverlassenheit. Auch das kennen und spüren wir. Da brennen Wunden besonders schmerzlich, weil auch nach der Sinnhaftigkeit von Leid gefragt wird. Wunden als Zeichen der Erinnerung, wir tragen sie am Körper, oft vernarben sie, dann reißen sie wieder auf. Bei der Aufbereitung der Osterkerze spricht der Priester: „Durch seine heiligen Wunden, die in Herrlichkeit leuchten, behüte und bewahre uns, Christus, der Herr.“
Wir alle haben schon Karfreitage verschiedenster Art durchlebt, meist nicht punktgenau an einem Karfreitag, wohl aber sehr schmerzhaft und leidvoll, etwa durch niederschmetternde Krankheitsdiagnose oder qualvollen Krankheitsverlauf, Unglücksfälle verschiedenster Art, menschliche Verluste, Existenzbedrohung durch die Natur oder Kündigung des Arbeitsplatzes. So wird unser Leben im wahrsten Sinn des Wortes durchkreuzt und viele dieser erbärmlichen Unglücksfälle nageln uns auch noch fest.
So erleben wir Verwundungen und Wunden verschiedenster Art, auch dadurch, dass wir ans Kreuz geheftet sind. Der Karfreitag bietet sich an, und ich lade Sie dazu ein, zwei sehr einprägsame Zeichen mit mir zu meditieren: das KREUZ, die WUNDEN und dann der Hinweis, dass auch in der Endlichkeit unseres Lebens TROST zu finden ist, weil dieses Leben hier als Vorbereitungszeit hinüberführt ins „Leben in Fülle“ (Joh 10,10), zu unfassbarem Glück.
Baum des Lebens, erfolgreiches Scheitern oder Holz des Todes? Auf die Sichtweise kommt es an, auf Vertrauen als Offenheit des Herzens. Vertrauen braucht Weite und Weitblick, Vertrauen führt zum Glauben: credo, setzt sich zusammen aus cor-dare: Ich schenke dir mein Herz ohne Beweise und Sicherstellungen. „Glaubt an Gott und glaubt an mich“, denn, „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,1- 6). „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir.“ (Jes 43,1). Wir sind nicht namenlose Geschöpfe. Gott selbst gibt uns die Spur für unser Leben vor.
Das wird im Liebesgebot am deutlichsten spürbar. Gottes- und Nächstenliebe sind der Halt für unsere Füße. Wer diese pflegt, nimmt Haltung an, lässt sich nicht verkrümmen oder fällt schon bei kleinsten Konflikten um. So führt Liebe neben anderen Aspekten auch zur Geisteshaltung. Durch den Tod müssen wir unser irdisches Leben loslassen, um mit Hilfe der zukunftsorientierten Hoffnung Trost zu finden, weil unsere Erlösung uns durch die Auferstehung mehrmals zugesagt wird. So können wir im Kreuz den Baum des Lebens sehen und sollten uns nicht einseitig auf das Holz des Todes fixieren, denn ohne Auferstehung und Erlösung ist alle Mühsal und Beschwer, alles Leid sinnlos.
Was hat die Kreuzigung Jesu mit erfolgreichem Scheitern zu tun? Ein gewaltiger Widerspruch? Scheitern: Wir kennen diesen Begriff von Holzscheiteln, Holz, das zertrümmert, gespalten wird, nichts bleibt ganz, Trümmer fliegen herum, Zeichen für Misserfolg, eben: scheitern. Wir kennen das alle, das bleibt niemandem erspart. Die Trümmer wieder zusammensuchen, das ist Ursachenforschung ohne Schuldzuweisung und ehrlich sein Versagen einzugestehen. Scheitern gibt die Chance in der Persönlichkeit mit Hilfe des Heiligen Geistes zu wachsen, wenn man es schafft, Selbstmitleid und Depression zu überwinden. Auch Jesus ist mit seiner Verkündigung gescheitert. „Sie nahmen Anstoß an ihm. Da sagte Jesus zum ihnen: Nirgends ist ein Prophet ohne Ansehen außer in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und seiner Familie. Und er konnte dort keine Machttaten mehr tun.“ (Mk 6,4-5a). Scheitern heißt auch: Spott, Erniedrigung ertragen müssen und durchhalten, darin stark zu werden. Jesus wird noch am Kreuz von den Soldaten ausgespottet: „Hilf dir doch selbst und steig herab vom Kreuz.“ (Mk 15,29-32). Dieses Scheitern, so können wir es auch erleben, kann in Jubel, Triumph und Freude übergehen, manchmal dauert es sehr lange. „Er der, den Tod überwand, der im Triumph aus dem Grabe erstand…“, so lautet der Text eines alten Kirchenliedes.
Wir sind aufgerufen, Gott selbst in den Wunden der Welt zu begegnen. Da gibt es jede Menge davon. Wunden und Verwundungen in den Familien, der Gesellschaft und der Kirche. Papst Franziskus spricht von der Kirche als „großem Lazarett“. Wunden im Herzen Jesu als Gottverlassenheit. Auch das kennen und spüren wir. Da brennen Wunden besonders schmerzlich, weil auch nach der Sinnhaftigkeit von Leid gefragt wird. Wunden als Zeichen der Erinnerung, wir tragen sie am Körper, oft vernarben sie, dann reißen sie wieder auf. Bei der Aufbereitung der Osterkerze spricht der Priester: „Durch seine heiligen Wunden, die in Herrlichkeit leuchten, behüte und bewahre uns, Christus, der Herr.“
Wenn die Zeit um ist, bleibt unsere Ewigkeit, dann ist es vollbracht, dann ist alles voll Pracht. „Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung“. (Thomas von Kempen, Augustiner Chorherr 1380- 1491, in: Nachfolge Christi.)
Im Englischen heißt der Karfreitag "Good Friday". Doch was ist gut an diesem Freitag? Ist es nicht eher ein tief schwarzer Freitag? – Die sehr persönliche Erfahrung, dass Gott mit mir, mit uns, durch das tiefste und dunkelste Leid geht, ist die Basis unserer Hoffnung.
Für mich ist der Karfreitag der schlimmste Tag im ganzen Jahr… Ich fühle mich als Sünder mitschuldig an dem Leiden, der Folter und dem grausamen Tod von Jesus am Kreuz. Er hat sein Leben hingegeben zur Vergebung auch meiner Sünden, meiner Schuld, meines Versagens. Viel zu oft habe ich in meinem Leben, Gutes unterlassen und Böses getan. Die grausamen Bilder von Jesus Kreuzweg und Kreuzigung lassen mich nicht los.
Immer wieder quält mich die Frage, wie finde ich als Sünder Gnade vor Gott? Neben Jesu Leiden und Sterben belasten mich auch die persönlichen Karfreitage in meinem Leben. Mehr als 4 Jahrzehnte leidet meine Frau unter psychischen Störungen mit vielen stationären Klinikaufenthalten in psychiatrischen Kliniken.
Wenn es die Hölle auf Erden gibt, wir haben sie durchlebt. Da gerät man auch als gläubiger Christ in Situationen, wo man total verzweifelt ist, den Boden unter den Füßen verliert und man kein Licht am Ende des Tunnels sieht. Da kommen dann ganz dunkle Gedanken auf, auch der Gedanke an Suizid, vor lauter Verzweiflung und Ohnmacht. Und wie Jesus am Kreuz, habe ich geschrien: "Eli, Eli, lema sabachtani. Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?"
Erst im Rückblick - wie im Rückspiegel des Autos - erkenne ich: Gott hat mich auch in diesen schweren Stunden nicht allein gelassen. Er hat uns Menschen geschickt, Fachärzte, psychologisch geschultes Personal, hilfsbereite Menschen, welche uns geholfen haben, diese Karfreitage zu überleben, zu überstehen. Auch wenn es nur temporäre Hilfen sind - es heißt: diese Erkrankung kann nicht geheilt, nur medikamentös behandelt werden -, geben sie mir Mut und Hoffnung, sodass wir sagen können: unser Glaube hat uns geholfen.
Im Englischen heißt der Karfreitag Good Friday. Ich habe lange überlegt, was am Karfreitag ein Good Friday, ein guter Freitag, sein soll. Vielleicht stand am Anfang ein Schreibfehler und sollte God's Friday heißen: Gottes Freitag.
Der Theologe Fulbert Steffensky hat es so ausgedrückt: „ Kein Tod ist gut, der dem Menschen gewaltsam aufgepresst wird, auch nicht der brutale Tod des Sohnes Gottes. Kein Blut ist gut, das gewaltsam vergossen wird.“
Aber gut ist das Gute. Gut ist die Liebe und die Leidenschaft dieses Gottes, der nirgendwo anders sein will als dort, wo Menschen in ihrem Leiden ertrinken und vom Tod gezeichnet sind. Gott will uns Menschen so nah wie möglich sein. Gott ist nicht nur auf der Sonnenseite des Lebens zu finden, sondern gerade auf den Schattenseiten unseres Lebens. Gott ist nicht fern, sondern ganz nah bei uns Menschen.
Wenn ich all dies bedenke, dann ist der Karfreitag vielleicht doch ein guter Tag: weil er mich ermahnt, die Augen nicht vor dem Leid und den Nöten in dieser Welt zu verschließen; weil er mir die Hoffnung und die Kraft gibt, dass ich mit meinem Leid nicht allein bin.
Der Karfreitag zeigt mir, dass ich mit meinem Kreuz nicht allein bin. Gott ist bei mir, Gott ist bei uns - näher, als wir erahnen können. Der Karfreitag zeigt mir und uns eine Perspektive auf, welche über dieses irdische Leben hinausgeht. Wenn Jesus dem Verbrecher zusagt: „noch heute wirst du mit mir im Paradiese sein“, dann gilt diese Zusage Jesu auch für alle, die ihm vertrauen.
So kann ich meine verzweifelte Frage "Wie finde ich Gnade vor Gott?" für mich so beantworten: Durch Jesus Leiden und Sterben bin ich, sind wir, von unserer Sündenschuld erlöst. Durch das Erlösungswerk Gottes in Jesus Christus haben wir die Hoffnung auf die ewige Herrlichkeit im Reich Gottes.
Der Karfreitag ist kein Tag für fröhliche Feiern, aber ein guter Tag für uns Menschen.
Also doch eher ein Good Friday als ein Black Friday.
© Wilhelm Kraft, Sindelfingen.
Es fällt uns schwer, Leiden zu akzeptieren, sowohl im eigenen Leben wie auch im Leben anderer. Es fällt uns schwer im Leiden Sinn zu sehen. Menschen, die wir lieben, können wir jedoch "gut leiden". Gott leidet an uns und mit uns. Von Jesus heißt es, er habe durch das was er gelitten hat, den Gehorsam gelernt.
„Ich mag dich leiden!“ oder "Ich kann dich gut leiden", sagen wir zu Menschen, die wir mögen, die wir lieben, in deren Nähe wir gerne sind, mit denen wir gerne zusammen sind. Es sind Menschen, an die wir gerne denken. Wir freuen uns, wenn wir sie sehen. Wir sind rundherum glücklich, diese Menschen zu kennen. Dabei können wir oft uns nicht erklären, warum wir gerade diese Menschen "gut leiden" können, andere nicht. Wie passt denn bei all diesen Beschreibungen das Wort „leiden?“
Wenn ich einen Menschen wirklich liebe, dann bin ich bereit, mit diesem Menschen zu leiden. Dann bin ich bereit, auch an dem zu leiden, wo dieser Mensch schwach ist. Es gibt keine Liebe zwischen Menschen, in der Menschen einander nicht auch verletzen, in der es keine Leiden gibt. Gerade dann, wenn ich einen Menschen gerne habe, empfinde ich Kränkungen besonders schlimm, trifft mich ein böses Wort härter, als bei Menschen, die mir weniger nahestehen. Wenn jemand, den ich liebe, leidet, dann leide ich um so mehr mit, dann wünsche ich mir um so mehr, dass das Leiden beendet wird. In Freundschaften und Ehen, ja in guten Beziehungen gibt es Phasen und Stunden der Enttäuschungen und des Leidens. Eine „Liebe ohne Leiden“ wie sie der Sänger Udo Jürgens im Duett mit seiner Tochter Jenny einmal gewünscht hat, gibt es nicht, so schön und fromm dieser Wunsch auch ist.
Wir feiern Karfreitag. Wir denken daran, dass das Leben von Jesus von Beginn an bis hin zu seinem Tode von Leiden, von Schmerzen und Trauer, bestimmt war. Auch nach seiner Auferstehung ist Jesus vor allem an seinen Wundmalen zu erkennen.
Es gibt eine Legende vom Heiligen Martin. Diesem sei in seinem Traum einmal der Satan in der Gestalt von Jesus Christus erschienen. Doch trug der Satan in Gestalt von Christus keine Wunden. Der Heilige Martin sagte zum Satan. „Du kannst nicht Christus sein, denn du trägst die Wundmale nicht an dir.“
Die Lesung aus dem Brief an die Hebräer stellt uns Jesus als Leidenden vor. Jesus kann mitfühlen mit unserer Schwäche. Wie wir erlebte er Versuchungen, Anfechtungen. Doch in allem blieb Jesus ohne Sünde. Jesus hat "mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor Gott gebracht" (Hebr 5,7). Durch Leiden hat er den Gehorsam gelernt. Jesus ist auf diese Weise der Urheber des Heils geworden. Das Leben von Jesus ist mit Leiden verbunden.
Jesus wurde nicht Mensch, um alles Leiden der Welt aufzuheben. Doch in allen Menschen, die leiden - sei es, dass Leiden selbst verschuldet ist, sei es, dass es auf jemanden zu kam - können wir Jesus begegnen. Wir fragen: „Wo ist Gott, wo ist Jesus bei all den Menschen, die leiden?“ Warum lässt Gott Kriege zu? Woher die Ungerechtigkeiten? Warum müssen Kinder sterben? Jede Antwort kann bestenfalls stammelnd ein Versuch sein, etwas zu erklären. Doch Jesus selbst hat das Leiden auf sich genommen. Jesus geht mit uns Menschen durch Leiden und Trauer, durch Schmerzen und Angst hindurch.
Er hat Verrat erlebt, er hat erlebt, wie er verspottet wird. Jesu musste leiden, weil die Wege Gottes oft andere Wege sind als die Wege der Menschen. Darum geht Jesus einen Weg, der von Liebe bestimmt ist, von der Absage an jede Gewalt. Jesus geht, wenn wir den Passionsbericht des Johannes betrachten, seinen Weg bewusst. Jesus leidet an die Menschen, die ihn verfolgen, die ihn dann auch schlussendlich umbringen. „Es ist vollbracht!“, hören wir in der Passion. Jesus hat das vollbracht, wozu er bestimmt war. Durch sein Sterben am Kreuz wurde Jesus „Urheber des ewigen Heils.“ (Hebr 5,9).
Jesus nahm dieses Leiden auf sich, weil er, weil Gott uns Menschen leiden kann. Gott liebt uns so tief liebt, dass er bereit ist, an unseren Schwächen, an unseren Sünden, die so oft seine Liebe und seine Gebote missachten, weil Gott bereit ist, an der Welt, die momentan so krank scheint, zu leiden. Gott ist da, wo Menschen ihr Leiden beklagen und bejammern. Einfach hinnehmen brauchen wir das Leiden nicht, weder das eigene noch das anderer Menschen. Es gilt, mitzufühlen, mitzuleiden. Wir können am Leiden, das uns widerfährt, zerbrechen. Wir können aber auch innerlich reifen. Wir können dankbarer werden für alles, was uns geschenkt wurde. Wir können entdecken, dass Gott uns Kraft gibt, Leiden zu tragen.
Ich bin mir bewusst, meine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Leidens ist unvollkommen. Sind auch wir bereit darunter zu leiden, dass wir die Wege Gottes oft nicht verstehen? Lernen auch wir durch unser Leiden Gehorsam gegenüber Gott (Hebr 5,8).
Leiden und Tod werfen kaum beantwortbare Fragen nach dem Sinn auf. Der Prophet Jesaja versucht, in den Gottesknechtsliedern darauf eine Antwort zu geben.
Wir stehen am Beginn der großen Heiligen Woche, dem Zentrum unseres Glaubens. Gott steigt durch seinen Sohn herab in diese Welt bis zum Tod, besonderer Beginn einer Erniedrigung. Die Menschen damals und heute spüren ihre Erlösungsbedürftigkeit. Sie haben Sehnsucht nach Erlösung. Das zeigt sich auch kulturell in den Passionsspielen. In der Cantate von Johann Sebastian Bach (1685-1750) hören wir in der schönen Melodie: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erden auferwecken.“ Der Mensch ist auf Transzendenz ausgerichtet.
Dieser Palmsonntag ist ein sehr eigenartiger Tag: Freude, Hoffnung, am Karfreitag aber: Cruci figere! (= Ans Kreuz mit ihm!). Die Stimmung der Menschen, vor allem der Massen ist immer sehr schwankend. Das können Sie besonders gut ablesen am beinahe jeder Woche veröffentlichen Umfrageergebnis der Politiker und ihrer Parteien. Erkenntnisprozesse sind sehr langwierig, bereiten vielen Menschen große Schwierigkeiten. Das zeigt bereits die erste Lesung. In diesem Gottesknechtlied geht es um das Verständnis der Heilsbotschaft. Das dauert sehr lange bis die Menschen etwas kapieren, zugegeben auch oft schwierig, besonders was den Auferstehungsglauben betrifft.
In der ersten Lesung (aus dem dritten Gottesknechtslied des Propheten Jesaja) geht es um das Verständnis der Heilsbotschaft. Von Schülern ist da die Rede. Eltern und Lehrer wissen viel von den Schwierigkeiten, den jungen Menschen etwas beizubringen. Das ist bei Erwachsenen oft nicht viel besser. Der Widerstand kann enorm sein. Israel leistet auch Widerstand, indem es sich von JHWH immer wieder abgewendet hat und stürzt so ins Chaos. Misstrauen, Opposition, Gleichgültigkeit sind im Menschen oft besser ausgeprägt als Vertrauen. Dem lernwilligen Gesandten, auch Israel und allen, die Vertrauen aufbauen, damals und heute, spricht Gott seine Heilsbotschaft zu.
Das Leben zu dieser Zeit war emotionell sehr aufgeladen, besonders Volksmassen sind sehr wankelmütig. Das bekommt auch Jesus zu spüren. Er geht bis zum Äußersten. Das zeigt die zweite Lesung: „Er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen.“ (Phil 2,7). Dass Jesus Gott und wahrer Mensch ist, haben erst die christologischen Konzilien des 4. Und 5. Jhdts. geklärt. Auch da gab es etlichen Widerstand. Jesus macht bis zu seinem Tod all das durch, was auch wir im Lauf unseres Lebens ertragen und aushalten müssen. Er hat das Leiden nie gewollt, sondern den Willen seines Vaters erfüllt. „Ich und der Vater sind eins“. (Joh 10,30).
Am Beginn des Evangeliums hören wir, dass Jesus einen Esel suchen lässt, also ein Lasttier, kein Pferd als Zeichen für Triumph. Gott will sich suchen und finden lassen, auch ein Lernprozess für uns, um den Weg der Erniedrigung zu gehen. Wie sieht dieser Weg aus? Die Menschen breiten Kleider aus, vielleicht, um den Weg zu schmücken oder etwas zu ebnen, sie reißen Zweige als Schmuck ab. Wahrscheinlich kennen Sie die Redewendung „Rosen auf den Weg streuen“, jemanden hofieren, unterstützen, bevorzugt behandeln, Rose als Blume besonderer Liebe. Vielleicht hatten die Menschen damals für die Begegnung keine Rosen zur Hand. Dann rufen sie „Hosianna!“, das heißt: So hilf doch!, angelehnt an Ps 118,25: „Ach Herr, gib doch Rettung, gib doch Gelingen.“ Rettung wovor? Damals vor den Römern oder geht es um etwas anderes? Mit Beginn des Leidensweges setzt Jesus zwei große Zeichen: Liebe und Freiheit für uns alle, aber ohne Gewalt. Es geht aber dann doch mit roher Gewalt zu: Jesus wird geschlagen, verspottet, ausgepeitscht. Aus dem Hosianna wird ein Cruci figere! Im alltäglichen Umgang miteinander erleben wir Ähnliches: Zuerst Vorschusslorbeeren, viel Lob und dann Intrigen, Mobbing, weg mit ihm oder mit ihr, weg vom verantwortungsvollen Posten, vom Arbeitsplatz, Ausgrenzung, Erniedrigung, Niedertracht.
Fassen wir zusammen: Aus dem Hosianna wird ein Cruci figere, Vorgänge, die bis heute auch medial sichtbar werden. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in der Erkenntnis Gottes einen großen Schritt vorwärts machen, vor allem dann, wenn Sie sich Zeit nehmen, die Heilige Woche mitzufeiern
Menschen leiden zu sehen, ist eine große Herausforderung: Leiden durch einen Krieg, persönliches Leiden. Das Leiden Jesu lässt uns nicht müde werden, uns für Recht und Gerechtigkeit einzusetzen, und gibt uns Kraft, unser eigenes Kreuz auf uns zu nehmen.
Der Karfreitag 2023 ist ein besonderer Karfreitag, an dem wir uns an den Tod Jesu Christi am Kreuz erinnern.
Über ein Jahr dauert nun schon dieser brutale Angriffskrieg Putins auf die Ukraine. Unzählige Menschen, Soldaten, aber auch unschuldige Zivilisten, Kinder und Frauen haben dabei ihr Leben verloren. Folter und grausame Verbrechen werden immer mehr aufgedeckt. Und kein Ende in Sicht. Immer mehr Waffen werden geliefert, auch von Deutschland. Für uns als Christen ist dies alles schwer zu ertragen. Waffen schmieden zu Pflugscharen… Wäre das eine Lösung? Kann man so einem Aggressor entgegentreten? Hat die Ukraine nicht das Recht auf Selbstverteidigung und Souveränität?
All diese Fragen und noch viel mehr gehen mir durch den Kopf gerade am Karfreitag, wo wir Christen an das Leiden und Sterben Jesu Christi denken. Und auch da stelle ich mir persönlich immer wieder die Frage: gab es keinen anderen Weg, uns Menschen von unserer Sünde und Schuld zu erlösen, als durch diesen brutalen Verbrechertod am Kreuz? Es gehört wohl zu Gottes Heilsplan, dass sein Sohn Jesus Christus dies alles erleiden musste. In seinem Leiden und Sterben ist Jesus Christus all den Menschen nahe, die Verfolgung, Folter und Ermordung erleiden. Das rechtfertigt keinesfalls die täglichen Menschenrechtsverletzungen auf der ganzen Welt. Aber auch diese menschlichen Leiden sind in dem Leiden Jesu enthalten. Gott hat seinen eigenen Sohn nicht geschont, nicht verschont. Dadurch ist Jesus besonders denen nahe, die unter Unrecht und Verfolgung leiden. Unsere Aufgabe als Christen ist es, dieses Unrecht immer wieder anzuklagen und uns für Recht und Gerechtigkeit einzusetzen.
Neben diesem Leid auf der Welt, gibt es aber auch das individuelle Leid, wie ich es bezeichnen möchte. Ich kenne viele Menschen, die ein schweres Kreuz zu tragen haben. Menschen, die schwerkranke Angehörige zu Hause pflegen. Eltern, welche sich aufopferungsvoll um ein körperlich oder geistig behindertes Kind kümmern. Menschen, die sich in den Alten- und Pflegeheimen liebevoll um die Bewohner/innen kümmern, obwohl sie überlastet sind. Diese Aufzählung ließ sich beliebig fortsetzen. Menschen des Alltags, welche ihr eigenes Kreuz aber auch das Kreuz anderer Menschen täglich auf sich nehmen. Diese Menschen haben Jesu Wort: „wer mein Jünger sein will, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach“, verstanden und leben es in ihrem Alltag.
Für mich als 70-jährigen Christ ist die Kreuzesnachfolge Bestandteil meines Lebens und meines christlichen Glaubens. Gerade an Karfreitag wird mir bewusst, dass Jesus diesen Weg durch Kreuz und Leid hindurch zur Auferstehung gegangen ist. Das gibt mir Mut und Kraft, meinen Lebensweg weiter zu gehen, auch in schweren Zeiten.
(c) Wilhelm Kraft, wilhelm-kraft@web.de
Der Karfreitag erinnert uns an das unsagbare Leid Jesu. Zugleich wird uns das unsagbare Leid, das Menschen in unserer nächsten Umgebung zu tragen haben, bewusst. Das gemeinsame Stehen unter dem Kreuz verbindet zu einer Gemeinschaft, in der wir uns gegenseitig stärken.
Soeben sind wir den Leidensweg Jesu nachgegangen, so wie ihn der Evangelist Johannes aufgeschrieben hat. Auf dem Kreuzweg Jesu begegnen wir unaussprechlichem Leid. Dem Leid eines Unschuldigen, des Unschuldigen schlechthin: dem Leid des Gottessohnes.
Uns allen ist durch die schrecklichen Ereignisse in der Ukraine in den letzten Wochen immer wieder Leid von Unschuldigen vor Augen geführt worden. Ich denke da vor allem an das Leid der Menschen in Mariopul, an die Flüchtenden, welche ihre Heimat verloren haben, aber auch an die jungen Soldaten, die nicht wussten, was man mit ihnen vorhatte.
Aber wir brauchen nicht weit zu gehen. Auch in unserer Pfarrei gibt es viele Beispiele von Leid, welches menschliches Verstehen übersteigt. Viele leben unter uns, die unter teils unheilbaren Krankheiten leiden. Manche von uns betrauern verstorbene Angehörige. Angesichts des Leides drohen viele zu verzweifeln. Und auch angesichts des Kreuzes kann man zu verzweifeln drohen.
Aber die Botschaft des Karfreitags ist nicht nur eine Botschaft des Leides. Es ist auch eine Botschaft, welche froh machen kann, wenn wir den Blick nach vorne richten: Ja, das Leid ist schrecklich. Aber durch Kreuz und Leiden Jesu Christi sind wir nicht verloren gegangen, nein, wir sind gerettet, erlöst worden. Durch seine Wunden wurden wir geheilt. Und wir sehen: Da wo das Kreuz aufragt, wo das Leid nicht mehr zu umgehen ist, entspringt manchmal auch viel Gutes.
Viele Menschen in unserer Pfarrei pflegen oder besuchen aufopferungsvoll Angehörige; oft seit Jahren.
Viele Menschen werden angerührt durch das Leid in der Nachbarschaft, im Bekanntenkreis und bieten Hilfe an, zeigen in kleinen Gesten menschliche Nähe.
Und so viele Kerzen brennen in unserer Kirche oder in den Wohnungen für Kranke, vom Leid Geprüfte, Trauernde, Verstorbene.
Und groß ist die Hilfsbereitschaft, mit der wir den Kriegsflüchtlingen begegnen.
Ja, auch in unserer Gesellschaft gibt es viel Gleichgültigkeit dem Leid der anderen gegenüber. Leidende werden gerne an den Rand und aus dem Blickfeld abgeschoben. Für die vielen Zeichen echter Liebe, Nächstenliebe in unserer Pfarrei und in der Gesellschaft dürfen wir deshalb umso dankbarer sein.
In der Passion hören wir: "Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, Dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, Deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich."
Was unter dem Kreuz Jesu geschah, geschieht immer wieder auch hier oder anderswo. Das Kreuz verbindet zu einer neuen Gemeinschaft, ja zu einer neuen Familie. Das gemeinsame Stehen unter dem Kreuz – es ist oft so schrecklich, nichts tun zu können, hilflos dabei zu stehen, wie Maria und Johannes – das gemeinsame Stehen unter dem Kreuz bringt Menschen oft näher zusammen, lässt zusammenrücken, einander den Rücken stärken.
Wenn wir nach den großen Fürbitten das Kreuz enthüllen, werden wir gleichsam wie Maria und Johannes unter dem Kreuz stehen und auf Jesus schauen. Und er wird uns dann einander anvertrauen, damit wir einander stärken, füreinander einstehen – gerade auch im Leid. Wenn wir auf den Gekreuzigten blicken, sehen wir den, der für uns gelitten hat, der für uns gestorben ist, der für uns auferstand und der für uns Speise zum Leben geworden ist in der Eucharistie. So werden wir zu einer tieferen Gemeinschaft in Christus vereint. Für das Heil der Welt.
Der Blick auf das Kreuz hilft uns, unser Kreuz zu tragen. Das Kreuz muss uns nicht in die Knie zwingen, sondern ist ein Zeichen des Lebens geworden.
Am Karfreitag steht das Kreuz im Mittelpunkt: In den Texten der Liturgie und auch in unserem Tun. Wir treten vor das Kreuz, um Jesus, der daran sein Leben für uns hingab, zu verehren. Das Kreuz – ein Zeichen, welches uns immer wieder begegnet, in Kirchen, an Wegen, auf Feldern, in unseren Häusern und Wohnungen.
Nicht wenige Menschen tragen ein Kettchen mit einem Kreuz als Anhänger, oder es hängt am Innenspiegel so manchen Autos. Das Kreuz, es stellt uns unsere menschliche Begrenztheit vor Augen. Immer wieder wird unser Leben "durchkreuzt", da verändert sich urplötzlich das Leben, der gewohnte Ablauf:
- eine Krankheit, die mich zwingt, meine Lebensgewohnheiten zu ändern,
- die Sorge um den Arbeitsplatz
- das Scheitern von Beziehungen
- die drohenden Umweltkatastrophen
- die Kriege, die immer mehr werden
- die Konfrontation mit dem Tod
"Der oder die hat ein schweres Kreuz zu tragen" - so drücken wir solche und andere notvolle Situationen von Menschen aus. Mit dem Kreuz wird uns vor Augen gestellt, wie brutal und gewaltvoll Menschen sein können, was sie einander antun können.
Schauen wir auf das Kreuz, so sehen wir einen Menschen - geschunden, zerschlagen, er verzichtet auf sein Recht. Schauen wir auf das Kreuz, so sehen wir einen Menschen, der sich uns mit ausgebreiteten Armen zuneigt. Jesus hat durchlebt, was auch wir immer wieder erfahren müssen, womit wir in unserm Leben nicht zurechtkommen, woran wir leiden. Jesus kennt die Passionsgeschichten der Menschen und der Welt. ER ist den Weg bis zum Ende, bis zum Äußersten gegangen.
Seine Freunde hätten gerne gesehen, dass er sich mit Gewalt und Macht gegen diesen Weg wehrt. Jesus am Kreuz - er breitet die Arme aus, will uns mit unseren Leiden und Gebrechen in seine Arme schließen und uns sagen: "Du bist nicht allein, ich weiß um dich und ich bin mit deiner Not vertraut."
Weil Jesus selber durch all das menschliche Leid hindurchgegangen ist, hat er sich solidarisch gezeigt mit uns, die wir unser Kreuz durch unser Leben tragen, so wie es in einem westfälischen Sprichwort heißt: Jedet Hüsken häs sin Krüsken (Jedes Haus trägt sein Kreuz).
Aber das Kreuz muss uns nicht in die Knie zwingen. Das Kreuz ist zum Zeichen des Lebens geworden, zum Zeichen, dass Tod und Elend überwunden wurden durch Jesus Christus. Darum können wir singen: »Seht das Holz des Kreuzes, an dem der Herr gehangen, das Heil der Welt.« Jetzt, in der Stunde, wo wir an Jesu Tod denken, stehen wir nicht vor dem Nichts.
Die Botschaft vom Kreuz ist die Botschaft des Glaubens:
"Du bist nicht allein, glaube mir. Leg deine Zweifel, all deine Not an mein Kreuz."
Die Botschaft vom Kreuz ist die Botschaft der Hoffnung:
"Schau auf mich, ich richte dich wieder auf, ich will Leben für dich - Leben in Fülle."
Die Botschaft vom Kreuz ist die Botschaft der Liebe:
"Ich gebe mich hin für dich, damit du am Leid nicht zerbrichst.
Es ist wichtig und not-wendig, dass wir Christen den Karfreitag feiern. Wir fordern damit alle Welt auf innezuhalten und zu bedenken, wie Hass, Unrecht und Gewalt die Menschen zu Tode bringen.
Wir haben unsere Karfreitagsliturgie mit einer stillen Gedenkminute begonnen. Wer auf zum Kreuz schaut, bleibt davon nicht unberührt. Was damals an Jesus von Nazareth geschehen ist, erschüttert jeden, der die Botschaft des Kreuzes an sich heranlässt. Das Schauen auf das Kreuz erinnert aber auch an das grausame Morden, das die Menschheit begleitet, seit es Menschen gibt. Österreich beklagt in diesem Jahr einen traurigen Rekord an Frauenmorden. Fast immer sind es Beziehungstaten. Krieg Terror, Völkermord sind täglich Themen aller Medien. Wir nehmen dies oft nicht mehr wahr, weil es selbstverständlich geworden ist.
In den 60er und 70er-Jahren warben Mitglieder der Katholischen Arbeiterjugend und anderer Bewegungen am Karfreitag an den Fabrikstoren für eine Gedenkminute zur Todesstunde Jesu. Heute ist dieser Brauch kaum wo erhalten geblieben. Wir können das auch symbolisch deuten: Die Welt bleibt nicht stehen wegen eines Toten. Sie dreht sich weiter. Sie nimmt bestenfalls Notiz von vielen Toten. Nur in besonders krassen Fällen werden da und dort Gedenkminuten gehalten.
In Österreich wurde in den vergangenen Wochen die Frage diskutiert, ob der Karfreitag Feiertag für alle werden solle. Bei allen Schwierigkeiten, eine für alle befriedigende und gerechte Lösung zu finden, hat die von der Politik vorgestellte Lösung, dass jeder das Recht in Anspruch nehmen könne, sich aus religiösen Gründen einen Urlaubstag zu nehmen, auch symbolische Bedeutung: Für die kleine Zahl an evangelischen oder altkatholischen Christen können wir keine Ausnahme machen. Die Interessen der Mehrheit und der Wirtschaft können darauf nicht Rücksicht nehmen. - Auch dieses Rad dreht sich weiter…
Wozu innehalten? Was gibt es am Karfreitag zu feiern? Die religiösen Deutungen des Kreuzestodes Christi lassen sich nicht auf einen einheitlichen Nenner bringen. Schon gar nicht in einer pluralen und multikulturellen Gesellschaft. Wie dieser Tag gefeiert und ausgestaltet wird, muss den einzelnen Religionsgemeinschaften und jedem Einzelnen überlassen bleiben.
Eines aber können, sollen, müssen wir Christen aber der Mehrheitsgesellschaft in Erinnerung rufen: Was damals in Jerusalem geschehen ist, wiederholt sich auf vielfältige Weise immer wieder. Was im Laufe der Geschichte so selbstverständlich geworden ist, dass scheinbare Sieger über Opfer hinweggehen, darf um der Menschlichkeit willen nicht als selbstverständlich hingenommen werden. Der Karfreitag ruft in Erinnerung, dass wir in ein unmenschliches und grausames System hineinverwoben sind, das wir nicht als unveränderbar akzeptieren dürfen.
Wir schöpfen zwar unsere Hoffnung aus dem Glauben an die Auferstehung und an die Liebe Gottes, die Hass und Tod überwinden können, wir dürfen aber nicht müde werden, auf Hass, Unrecht und Gewalt, die Menschen zu Tode bringen, aufmerksam zu machen. Wir Christen feiern den Karfreitag als Bedenktag, um alle Welt aufzufordern, sich zu besinnen und innezuhalten.
"Deinen Tod, o Herr, verknden wir!" Alle Welt soll es hören und bedenken: Nur wenn sie innehält und sich die Todesnot der Menschen zu Herzen gehen lässt, wird sie auch bereit werden, gegen Hass, Unrecht und Gewalt an der Schöpfung etwas zu tun.
„Nicht die Gewalt erlöst, sondern die Liebe“ (Benedikt XVI).
Jesus Christus bezeugt bis zum Tod, dass seine Worte Gottesworte, dass seine Taten Gottestaten sind, die aus der Liebe entspringen. Er wurde durch sein Leiden und Sterben zum Märtyrer der Liebe und Wahrheit. Warum hat man Jesus angeklagt? Warum wollte man ihn mundtot machen? Was hat er verbrochen, dass man ein „solch scharf Urteil hat gesprochen?“ (GL 290) Es fällt einem auf, dass schon im Hintergrund der Krippe das Kreuz steht. König Herodes wollte den „neugeborenen König der Juden“ (Mt 2,2) suchen, „um ihn zu töten“ (Mt 2,13). Der greise Simeon sagte über Jesus zu Maria: „Dieser ist gesetzt, dass in Israel viele durch ihn zum Fall kommen und viele aufgerichtet werden. Er ist ein Zeichen, dem widersprochen wird“ (Lk 2,34).
Man wirft Jesus vor dass er sich der Betrüger, Zöllner und Sünder annimmt. Er isst sogar mit ihnen. Darüber murrten eine Reihe von Schriftgelehrten und Pharisäern (Lk 5,29f). Außerdem schenkt er Sündern eine neue Zukunft, weil er ihnen die Schuld vergibt. Da dachten die Schriftgelehrten und Pharisäer bei sich: „Wer ist dieser, der Gotteslästerungen ausstößt? Wer kann Sünden vergeben als Gott allein?“ (Lk 5,21) Jesus sagt: „Ich und der Vater sind eins. Da hoben die Juden Steine auf, um ihn zu steinigen“ (Joh 10,30f). Denn er stellt sich Gott gleich (Joh 5,18). Er kann nicht von Gott kommen, da er sich im Kreis von Sündern aufhält. Doch „Gott will, dass alle Menschen gerettet werden“ (1 Tim 2,4).
Als aber Jesus auf einem Esel in Jerusalem einzog, wurde die Situation brisant. Das Volk jubelte ihm zu. Es sah in ihm den neuen Herrscher. Doch Jesus wollte kein König dieser Welt sein. Er wusste, was auf ihn zukam. „Die Karriere nach unten war kein Unfall, sondern ein Programm. Jesus selbst hat es so gewollt“ (Richard Geier). Er will auch bei den Menschen sein, die keinen Ausweg mehr sehen.
Im Johannesevangelium steht der Satz: „Jetzt ergeht das Gericht über diese Welt, jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen werden“ (Joh 12,31). Doch das Gericht traf nicht die Menschen, sondern Jesus. Christus nahm freiwillig unsere Schuld auf sich. Beim letzten Abendmahl deutete Jesus sein Sterben als Hingabe an Gott und an die Menschen (1Kor11,24f; Mt 26,26). Jesus ist der gute Hirt, der sich für uns geopfert hat. Er ist „das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt“ (Joh 1,29). Wer daher „an Jesus glaubt, wird nicht gerichtet“ (Joh3,18). Jetzt wird wahr, dass Jesus alle Menschen an sich ziehen wird. (Joh 12,31f). Alle werden erkennen, dass Jesus Gottes Sohn ist, der keinen Menschen fallen lässt. „Er erlöst nicht durch Gewalt, sondern durch Liebe“ (Papst Benedikt XVI). Seit Ostern steht das Kreuz für die Überwindung des Todes und für neues Leben. Jesus ist einer, der durch seine Auferstehung alles Dagewesene übersteigt. So wurde er das Zeichen Gottes in der Welt, in der das Ewige in die Zeit eingetreten ist.
Die Botschaft vom Kreuz ist die Botschaft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe.
Das Kreuz ist für Christen ein zentrales Symbol, weil es einerseits Gewalt, Hass und Leid vor Augen führt, andererseits die Liebe Christi verkörpert, die Gewalt, Hass und Leid überwindet.
Ein wichtiger Teil des Karfreitagsgottesdienstes ist die Enthüllung und Verehrung des Kreuzes. Alle Mitfeiernden sind eingeladen, ihre Verehrung des Kreuzes durch eine Kniebeuge oder eine andere persönliche Geste zum Ausdruck zu bringen.
Unter Nichtchristen ist das Symbol des Kreuzes umstritten. Immer wieder fordern einige, Kreuze aus öffentlichen Räumen wie Schulen oder Kindergärten zu entfernen. Sie sehen darin ein Mittel der Indoktrination. Zum anderen werden historische Argumente angeführt. Das Kreuz wurde im Laufe der Geschichte immer wieder als Kampf- und Siegeszeichen missbraucht. Im Zeichen des Kreuzes wurden Kriege geführt. Einige fürchten, durch das Kreuz könnten Gewaltanwendung und Leid verherrlicht werden. Menschen, die das Kreuz verehren, könnten sich nicht entschieden genug für die Bekämpfung des Leids einsetzen.
Soll man schon Kinder mit diesem Bild von Gewalt vertraut machen? Sollten wir zu ihnen nicht besser gleich von der Auferstehung als Sieg über Hass und Tod sprechen?
Religions- und kunstgeschichtlich lässt sich das Kreuz nicht einfach aus unserem Leben wegretuschieren. Es hat zu lange eine bedeutsame Rolle in der Welt der Zeichen und Symbole gespielt. Ich trete dafür ein, dass dieses Zeichen auch in Zukunft nicht aus der Öffentlichkeit verschwindet, dass wir jedoch behutsam damit umgehen. Wir dürfen es nicht zu einem Kampfsymbol machen, weil dies seine tiefere Symbolik verdunkelt.
Ja, es zeigt das hässliche Gesicht der Gewalt und alles, was wir Menschen einander an Bösem antun können. Auch in der Gegenwart werden Menschen verfolgt, aufs grausamste gefoltert und umgebracht. Das darf nicht totgeschwiegen werden. Es wäre verlogen, den Menschen eine heile Welt vorzugaukeln. Wenn wir das den Menschen vor Augen führen, heißt das nicht, dass wir damit Gewalt propagieren. Im Gegenteil: wir Christen schauen auf den Gekreuzigten, weil wir in dem Weg, den Jesus gegangen ist, auch das Heilmittel erkennen, das Gewalt, Hass und Ungerechtigkeit überwinden kann: Eine Liebe, die bis ans Äußerste geht und die stärker ist als der Tod. Jesus war so tief in Gott verwurzelt, dass er Folter und Tod freiwillig auf sich nehmen konnte.
Am Karfreitag schauen wir auf zum Kreuz und wir prägen uns ein, was allein Hass und Gewalt überwinden kann. Der Blick aufs Kreuz lädt uns darüber hinaus ein, uns wie Jesus in Gott zu verwurzeln, damit auch wir die Kraft haben, alles Dunkle durchzustehen, womit uns unser persönliches Lebensschicksal konfrontieren könnte.
Jesus geht freiwillig durch das Dunkel des Leids und des Sterbens. Er durchlebt das Gefühl der Gottverlassenheit. Doch Gott ist ihm im Leid nahe. Er geht mit ihm.
Jesus wird gefangen genommen, verurteilt und hingerichtet. Er muss leiden und sterben. Jesus glaubt an seinen Vater, dessen Willen er erfüllt. Er glaubt, dass er immer von ihm unendlich geliebt wird, auch im Leiden und Tod. Am Ölberg ringt er: „Nicht mein Wille geschehe, sondern der Deine!" Jesus betet um Glauben und Kraft gegen das, was kommt, das grausame Sterben am Kreuz. Er betet die Psalmen, besonders die Klage- und Bittpsalmen seines Volkes. Jesus ruft zum Vater um Hilfe und wird erhört: ein Engel kommt und stärkt ihn. Dann geht er den Kreuzweg, er bricht öfter zusammen. Er wird gekreuzigt. Er spürt die ganze Schuld der Menschen, die sich auf ihn legt und die er freiwillig auf sich nimmt. Er will in das größte Elend der Menschen hineingehen. So begibt er sich in die äußerste Gottesfinsternis. Er hat nur mehr den nackten Glauben. Er kann auch seinen Vater nicht mehr fühlen. In seiner Verlassenheit betet er den Psalm 22: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ Er, der Gottessohn ist von Gott verlassen, weil alle Sünde, alles Leid von uns auf ihm lastet. Er wird für uns „zur Sünde“, wie Paulus sagt. Jesus glaubt im blinden Vertrauen weiter, er liebt, er zündet in dem äußersten Dunkel der Menschen das Licht der Liebe an. Er vertraut weiter: „Vater, in Deine Hände empfehle ich meinen Geist!“ Vorher schenkt er noch dem gläubigen Schächer das Paradies, vergibt seinen Feinden, er stirbt.
Glauben auch wir, dass Gott die Liebe ist, in jeder Situation, auch im Leid? - Auch für mein Leben gilt, wie für das Leben Jesu: Gottes Liebe begleitet alle Stufen meines Lebens. Gottes Liebe lässt mich in Schmerz, Unglück und Leid nicht fallen. Er trägt mich. Er spricht zu mir in meinen Schmerzen: „Fürchte Dich nicht, ich bin da für dich!“ Paul Claudel, der katholische französische Dichter, sagte: „Gott lässt das Leid zu, weil er uns darin nahe sein möchte“. Wir halten das Leid für eine Katastrophe, wir sehen oft nicht die Nähe Gottes. Wir sehen nicht, wie er mir entgegengeht und mir zuruft mit ermutigender Stimme: „Fürchte Dich nicht, ich bin es!“ Denken wir nicht: Es hat uns erwischt, das Leid hat uns erwischt? Nein, Er begegnet mir, der schon alles in Liebe getragen und gewandelt hat am Kreuz. Er sagt: „Fürchte Dich nicht! Ich bin es! Ich habe Dich erlöst!“ Als die hl. Katharina von Siena Jesus fragte. „Mein Gott, wo warst Du, als mein Herz in Finsternis und Todesschatten fiel?“ antwortete Jesus: „Meine Tochter, hast Du es nicht gespürt, ich war in Deinem Herzen.“
Er kommt und ist da, wenn wir leiden. Die heilige Theresia von Lisieux, sagte, als sie ihre Todeskrankheit spürte, 1897: „Als ich meiner tödlichen Krankheit gewahr wurde, als ich Blut spuckte, war dies für mich wie die frohe Ankunft meines Bräutigams“. Was kann ich also tun? Sich nicht fürchten und den Bräutigam erkennen, das ist Jesus, der uns unendlich liebt. Konkret: Wenn mir seine Liebe im Schmerz entgegenkommt, ihm sagen: „ich entscheide mich für Dich, Ich liebe Dich! Du hast Dich schon für mich entschieden!“ Der Gekreuzigte antwortet uns und sendet uns den heiligen Geist, der uns erfüllt, Licht verbreitet. Denn Jesus hat versprochen: „Wenn ich am Kreuz erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen“.
Ein Thema beschäftigt jeden Menschen: das Kreuz. Es ist für mich zu einem Buch geworden, das nie ausgelesen werden kann. Für den einen ist das Kreuz Christi Torheit, für den anderen Gottes Kraft (1 Kor 1,18). Jesus sagt: „Wer mein Jünger sein will, verleugne sich selbst, nehme das Kreuz auf sich und folge mir nach“ ( Mt 16,24). Jesus nachfolgen heißt auch für andere leiden.
Als die Sünde groß wurde, ist die Liebe Gottes noch größer geworden. Am Karfreitag aber wurde das größte Verbrechen begangen, die Kreuzigung des Messias. Jesus aber betete: „Vater vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lk 23,34). Er ging durch die Mühle des Leidens, um für uns Brot zu werden. Er nahm das Leiden auf sich, um als höchster Priester alle Sünden zu tilgen. Das ist seine schenkende Liebe, die alles für uns tut. Der Hohepriester Christi ist für uns gestorben, damit wir in der Eucharistie die Nahrung für das ewige Leben empfangen können. Die Länge, Breite und Höhe dieser Liebe ist daher mit dem Verstand nicht fassbar. Das wollen die Fastenkrippen andeuten. Daher ist die Eucharistiefeier die Quelle und der Höhepunkt unseres Glaubens. Das heißt: Wir werden schon jetzt in die dreifaltige Liebe Gottes hineingenommen. Wer daher in Gott ist, für den hat die Auferstehung schon begonnen.
Über einen Satz denke ich immer wieder nach. Als Jesus seinen Leidensweg antrat, sagte er sinngemäß: „Jetzt wird Gott verherrlicht“ (Joh.13,31). Warum? Der Karfreitag zeigt, wie weit Gottes Liebe zu uns geht. Er lässt wie ein Pelikan sein Herz öffnen, „damit keiner verloren gehe, sondern das ewige Leben habe“ (Joh 3,16). Die Liebe Gottes geht wirklich bis zum Äußersten. Sie lässt sich ans Kreuz nageln, damit wir wissen, dass uns nichts von der Lieben Gottes trennen kann. Daher sagt Paulus: „Nichts will ich mehr kennen außer Jesus Christus, den Gekreuzigten“ (1Kor. 2,3). Im Hohen Lied der Liebe heißt es: „Stark wie der Tod ist die Liebe. Ihre Gluten sind Feuersgluten. Mächtige Wasser sind nicht in der Lage, die Liebe auszulöschen“ (Hohelied 6,8).
Die Liebe Gottes vergilt das Böse mit Gutem, geht über das Zeitliche hinaus. Daher verkünden Tod und Auferstehung Jesu den Triumph der Liebe Gottes. Alle Menschen werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben. Und wir erkennen darin die größte Offenbarung Gottes, das Wunder der Liebe. So wurde aus der Unheilsgeschichte der Menschen eine Heilsgeschichte, aus dem Kreuz eine Monstranz. Das ist der Triumph der Liebe.
Papst Benedikt XVI. sagte zu Beginn seines Pontifikates 2005: „Nicht die Gewalt erlöst, sondern die Liebe. Die Welt wird durch den Gekreuzigten und nicht durch die Kreuziger erlöst. Die Welt wird durch die Geduld Gottes erlöst und durch die Ungeduld der Menschen verwüstet.“
Wer in seinem Leben erlebt und begriffen hat, dass Liebe in sich ihren Sinn hat, dessen Leben wird eine besondere „Gestalt“ annehmen. Das Leben des Gottesknechtes hat so eine besondere Gestalt angenommen: nicht schön, nicht lieblich. Dafür wurde er nicht beneidet, denn seine Gestalt „war nicht mehr die eines Menschen“. Und doch war er es, der durch sein Leben, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen vermochte.
Am Karfreitag begegnen uns Menschen, die ihr Ansehen verloren haben. Gerade sie werden zu Heilszeichen Gottes.
Am Kreuz zeigt sich die unfassbare Liebe Gottes. Sie ist größer als die Sünde.
Das Kreuz ist mehr als ein Schmuckstück. Es ist über Nacht wieder als Zeichen für Härte und Grausamkeit aktuell geworden. Ungezählte Christen sind heute der Verfolgung ausgesetzt. Wir sind herausgefordert, wie Jesus zu handeln und unsere Liebe an den Verfolgten und Notleidenden unserer Zeit zu unter Beweis zu stellen.
"Man sagt: Tote lässt man ruhen.
Wir sagen: Nein, Tote lässt man auferstehen,
ihre guten Ideen, ihre Taten, ihr Leben:
Tote lässt man auferstehen.
Man sagt: Vorbei ist vorbei.
Nein, wir sagen: Vorbei ist nicht vorbei:
Jetzt fängt die Sache erst an.
Jesus ist nicht vorbei...
Jetzt, heute, fängt die Sache mit Jesus an."
(Wilhelm Willms).
Aber: Daran können viele nicht mehr glauben, vor allem, wenn ihnen ein lieber Mensch genommen wird. Sehr groß und sehr tief sitzt der Schmerz darüber. Der Tod ist uns lebenslanger, unfreiwilliger Begleiter, der uns mahnt, mit der Zeit, mit der Kraft und unseren Begabungen verantwortungsvoll umzugehen.
Für einen sehr großen Teil von uns ist der Tod im wahrsten Sinn des Wortes der Todfeind, der uns Todesangst macht. Die Erfahrung lehrt, dass Geburt und Tod die einzige Gewissheit in unserem Leben darstellen. "Mors certa, hors incerta", also: Der Tod ist sicher, unsicher hingegen die Zeit, die Stunde unseres Todes.
Der Tod ist wohl die radikalste Form des Abschieds und auch des "Los-Lassen-Müssens". Jeden Tag werden wir mit ihm konfrontiert, ohne dass es uns wirklich bewusst wird. Das Ende eines Tages, die mitternächtliche Stunde bringt einen neuen Tag hervor. Jedes Ende eines Lebens- und Zeitabschnittes hat einen Neubeginn. Es ist so wie mit dem Weizenkorn, das in die Erde eingesenkt wird, um neues Leben zu schaffen.
Wann ist ein Mensch wirklich tot? Vielleicht schon mitten im Leben, wenn die Auferstehung für ihn sinnlos, nur Märchen, billige Vertröstung ist, wenn er nicht mehr nachdenkt, zurück, - vor- und weiterdenkt über seinen eigenen Tod hinaus, wenn er nicht nach dem Sinn des Lebens fragt, nach seiner Zukunft.
Vielleicht ist er schon mitten im Leben herztot, wenn er nicht mehr mitfühlt, nachfühlt und vorfühlt in die Auferstehungshoffnung mit dem Blick auf Christus.
Die christlichen Kirchen verkünden heute, dass die Liebe stärker ist als der Tod, und sie berufen sich dabei auf die Auferstehung: nicht als Wiederkehr eines Toten in die vergängliche Schöpfung, sondern als Auferstehen in eine Welt, in der es kein Leid, keine Not und auch keinen Tod mehr gibt.
So ist also der Tod derjenige, der uns das Ticket überreicht in die ewige Heimat, in das Haus des Vaters, der für uns eine Wohnung bereithält. Der Tod als Übergang in jenen Frieden, der die große Sehnsucht nach Gott stillt.
Lieder:
GL 140: Kommt herbei, singt dem Herrn
GL 147: Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr
GL 283: Aus der Tiefe rufe ich zu dir: Herr, höre meine Klagen
GL 287: Christus war für uns gehorsam bis zum Tod
GL 289: O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn
GL 290: Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen
GL 291: Holz auf Jesu Schultern
GL 292: Fürwahr, er trug unsre Krankheit
GL 294: O du hochheilig Kreuze, daran mein Herr gehangen
GL 295: O Traurigkeit, o Herzeleid!
GL 297: Wir danken dir, herr Jesu Christ
GL 299: Der König siegt, sein Banner glänzt
GL 300: Heiliger Herre Gott, heiliger starker Gott
GL 430: Von guten Mächten treu und still umgeben
GL 460: Wer leben will wie Gott auf dieser Erde
GL 497: Gottheit tief verborgen, betend nah ich dir
GL Ö819: Laß mich deine Leiden singen
GL Ö820: Herr Jesus Christ, wir suchen dich
GL Ö822: O du mein Volk, was tat ich dir?
GL Ö823: Heilges Kreuz, sei hoch verehret
Psalmen und Kehrverse:
GL 293: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? - Mit Psalm 40 (GL 41,2) oder mit Psalm 51 (GL 639,2) - IV.
GL 296: Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung - Mit Psalm 40 (GL 41,2) - IV.
GL 308,1: Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist - Mit Psalm 40 (GL 41,2) - IV.
GL 308,4: Sei uns gegrüßt, du heiliges Kreuz! - Mit Psalm 22 (GL 36,2) - II.
GL 308,5: Heiliger Gott! heiliger starker Gott! Heiliger, Unsterblicher, erbarme dich unser - Mit Psalm 40 (GL 41,2) - IV.
GL 518: Beim Herrn ist Barmherzigkeit und reiche Erlösung - Mit Psalm 46 (GL653,2) oder mit Psalm 57 (GL649,6) - VII.
GL 639: Beim Herrn ist Barmherzigkeit, bei ihm ist Erlösung in Fülle - Mit Psalm 130 oder mit Psalm 22 (GL 36,2) - II.
Voll Ehrfurcht und Dankbarkeit
haben wir uns vor dir niedergeworfen.
Voller Ehrfurcht und Dankbarkeit
wollen wir in dieser Stunde Worte deines Leidens hören.
Voll Ehrfurcht und Dankbarkeit wollen wir
dich am Kreuz verehren,
während andere dich verhöhnten.
Wir stehen mit Johannes, deinem Apostel
und mit Maria bei dir.
Gleich ihnen wollen wir
unsere Herzen bereit machen für den Willen Gottes,
auch wenn er für uns durch Dunkel und Leiden geht. - Amen.
Versöhnungsbereiter Gott,
du hast dein Wirken in dieser Welt längst nicht vollendet. Heute schauen wir auf das Kreuz und sehen deinen Sohn als den, der zu Tode gefoltert wurde, als den, der sein Leben am Kreuz für die vielen geopfert hat.
Vereine uns mit Christus in seinem Leiden, damit wir mit ihm auch das neue Leben erlangen, das du allen schenkst, die an ihn glauben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, der in der Einheit des Hl. Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Der Karfreitag rückt Tod und Trauer in den Blickpunkt. Tod und Trauer belasten viele Menschen. Der Tod Jesu Christi am Kreuz, an den wir heute erinnern, ist ein zentraler Inhalt unseres Glaubens. Wir fragen uns, wie der Tod eines unschuldigen Mannes, der bedingungslos für das Gute und die Liebe eintrat, einen nachvollziehbaren Sinn haben kann. Wenn es als Zeichen der Liebe Gottes zu uns Menschen betrachtet werden kann, dass er seinen Sohn dem Tod überließ, ist dies eine Möglichkeit, dem Mysterium des Karfreitags näher zu kommen. Gelingt es uns, uns darauf einzulassen?
Der Karfreitag ist ein stiller Tag. Kein Glockenläuten, kein Orgelspiel, keine festlichen Lieder – und doch ist er ein Tag von unermesslicher Tiefe, von heiliger Bedeutung. Heute stehen wir am Fuß des Kreuzes. „Es ist vollbracht“, spricht Jesus, bevor er sein Haupt neigt und stirbt. Drei einfache Worte – und doch enthalten sie das ganze Evangelium. Was ist vollbracht? Nicht nur ein Leben, nicht nur ein grausamer Tod – sondern der Heilsplan Gottes. In diesem Moment ist die Schuld der Welt auf Jesus gelegt, und er trägt sie ans Kreuz, aus Liebe zu uns.
Wir schweigen und schauen hinauf zu Jesus. Wir trauern und doch glauben wir.
Versöhnungsbereiter Gott,
du hast dein Wirken in dieser Welt längst nicht vollendet. Heute schauen wir auf das Kreuz und sehen deinen Sohn als den, der zu Tode gefoltert wurde, als den, der sein Leben am Kreuz für die vielen geopfert hat.
Vereine uns mit Christus in seinem Leiden, damit wir mit ihm auch das neue Leben erlangen, das du allen schenkst, die an ihn glauben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, der in der Einheit des Hl. Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Jesus, es ist vollbracht:
Der Wille deines Vaters,
dass du aus Liebe uns am Kreuz erlöst,
dass du am Kreuz das Böse und alle Gewalt
mit Gewaltlosigkeit und Liebe beantwortest,
er ist vollbracht.
Du hast für uns den Tod auf dich genommen,
du hast dein Haupt geneigt,
deinen Geist aufgegeben.
Nun liegt dein Geist, dein Leben, deine Liebe
in den schützenden Händen des Vaters.
Jesus, es ist vollbracht:
Du bist das Heil der Welt,
das Heil unserer Seelen,
unserer verwundeten Herzen.
Jesus, es ist vollbracht:
Wenn wir dich verehren,
wenn wir vor dir knien,
dann schenke uns dein Heil,
dann mache uns mutig und stark,
Gewalt und Hass mit Liebe und Vertrauen zu überwinden. - Amen…
Lasst uns beten für die Kirche Gottes.
Sie ist so durchgeschüttelt ist von den vielen Krisen.
Krisen kamen von außerhalb an sie heran.
Krisen hat sie aber auch selbst verursacht.
Wir fragen:
Welche Zukunft hat sie in Deutschland,
in Europa,
auf der ganzen Welt?
Beuget die Knie…
Allmächtiger Gott,
schenke deiner Kirche wahre Demut,
die ihre Fehler und Schwächen ehrlich sieht.
Lass deine Kirche nahe bei den Menschen sein.
Hilf ihr, deinen Auftrag zu erfüllen,
auf die Fragen der Menschen Antworten zu finden,
deine Botschaft von der unbedingten Liebe weiter zutragen,
auf die Seite der armen, gescheiterten, kranken, behinderten und ausgestoßenen Menschen zu stehen.
Lasst uns beten für Papst Franziskus.
Sein Alter und seine Gesundheit bereiten vielen Menschen Sorgen.
Sein Alter und seine Gesundheit machen ihm zu schaffen.
Doch zeigt er unserer Kirche Wege in dieser Zeit.
Beuget die Knie…
Allmächtiger Gott,
gib ihm Weisheit, die rechten Worte zu finden.
Erhalte ihm Tatkraft und Gesundheit.
Führe durch ihn die Kirche auf der ganzen Welt,
dass sie echte Zeugin sei. - Amen.
Lasst uns beten für alle,
die in der Kirche ein Amt bekleiden.
Sie tragen hohe Verantwortung.
Sie haben eine hohe Arbeitslast.
Es gibt aber die Versuchung dazu, Macht zu missbrauchen.
Oft aber sehen sie sich ungerechten Anfeindungen ausgesetzt.
Beuget die Knie…
Allmächtiger Gott,
du bist es, der das Heil wirkt,
der seine Kirche den Weg führt.
Alle sind deine Werkzeuge.
Jesus hat den Jüngern die Füße gewaschen
und dabei den Apostel gesagt:
„Wie ich euch gedient habe,
so sollt auch ihr einander dienen.“
Hilf allen Amtsträgern und Amtsträgerinnen,
ihre Aufgabe und Verantwortung
als Dienst an den Mitmenschen
und an deinem Reich zu sehen
und wahrzunehmen. – Amen.
Lasst uns beten für alle,
die sich einsetzen im Glauben,
in ihren Gemeinden,
in den caritativen Einrichtungen,
die sich einsetzen als Katecheten und Katechetinnen
und auf vielerlei Weise ihren Glauben bezeugen,
in der Erziehung ihrer und anderer Kinder,
im tapferen Zeugnis für den Glauben
in den verschiedenen Lebensbereichen.
Beuget die Knie…
Allmächtiger Gott,
alle getauften Christen und Christinnen
sind als Zeugen und Zeuginnen an ihrem Platz gestellt.
Du hast uns allen Fähigkeiten und Talente geschenkt.
Manchmal bedeutet es auch, für den Glauben auch zu leiden.
Gib allen die Kraft und den Mut,
gerade in dieser Zeit, in der der Glaube zu verdunsten droht
und an den Rand gedrängt wird,
dich zu bekennen als den Herrn unseres Lebens. – Amen.
Lasst uns beten für alle,
die zu dir gefunden haben
und sich taufen lassen wollen.
Immer wieder entdecken Menschen deine Worte und Taten
als den Weg zu einem sinnvollen Leben.
Sie brauchen das Vorbild echter Christen und Christinnen.
Beuget die Knie…
Allmächtiger Gott,
lass alle, die neu zu dir finden,
im Glauben und in der Liebe zu dir wachsen und reifen.
Bewahre sie davor,
dass ihre junge Pflanze des Glaubens zertreten wird,
sondern hilf ihnen, dass sie gehegt und gepflegt wird
durch gute Wegbegleiter und Wegbegleiterinnen.
Nimm sie auf in deiner Liebe
und segne ihre Liebe zu dir,
die sie als Antwort auf deinen Ruf gegeben haben,
denn du hast uns zuerst geliebt. – Amen.
Lasst uns beten für das Volk der Juden,
zu dem Gott zuerst gesprochen hat
und zu dem auch Jesus gehörte.
Sie werden auch heute wieder angefeindet und bekämpft.
Doch wir sind mit ihnen auf dem Weg.
Wir beten auch für die Muslime,
die ebenso Abraham als Stammvater verehren
und oft auch Gewalt erleben.
Beuget die Knie…
Allmächtiger Gott,
bewahre uns davor, Menschen wegen ihrer Religion auszugrenzen.
Der Glaube Abrahams, der Glaube der Propheten,
ist auch der Glaube, in dem Jesus aufgewachsen ist.
Unser Glaube an Jesus
und auch der Glaube der Muslime
fußt auf den Glauben der Juden.
Lass in den Herzen aller,
die dich als den einen und wahren Gott verehren,
fruchtbar werden,
was du durch den Glauben zu unserem Heil schenken willst. – Amen.
Lasst uns beten für alle Menschen,
die anderen Religionen angehören.
Wir beten für alle, die dem Buddhismus und Hinduismus angehören,
wir beten für alle Menschen, die nach Wahrheit suchen:
Beuget die Knie…
Allmächtiger Gott,
es gibt viele Wege, zu dir zu finden.
Du sprichst die Menschen auf unterschiedliche Weise an.
In allen Religionen ist Wahrheit von dir enthalten.
Wir wollen das schätzen,
damit die Religionen zum Frieden in der Welt beitragen
und nicht für egoistische und kriegerische Zwecke missbraucht werden.
Segen auch unsere Bemühungen aufeinander zu hören
und voneinander zu lernen.
Hilf allen, die nicht an dich glauben,
nach ihrem Gewissen zu leben.
Lass sie die guten Wege für die Mitmenschen erkennen. – Amen.
Wir beten für alle,
die nicht an dich glauben können,
aber sich dennoch einsetzen für deine Welt,
für deine Schöpfung,
die du im Anfang so gut gedacht hast.
Beuget die Knie…
Allmächtiger Gott,
hilf allen, die nicht an dich glauben,
nach ihrem Gewissen zu leben.
Lass sie ihr Gewissen bilden
und deine guten Wege für die Mitmenschen erkennen.
Denn du siehst das Herz aller Menschen.
Führe sie zu dir
durch das glaubwürdige Zeugnis der Menschen. – Amen.
Lasst uns beten für alle,
die in Staat und Gesellschaft Verantwortung tragen.
Ihnen allen ist eine große Aufgabe übertragen.
Doch auch sie sind in Gefahr,
vor allem an ihren eigenen Vorteil und an die eigene Macht zu denken.
Darum ist das Gespräch von Verantwortlichen und Bürgern wichtig.
Beuget die Knie…
Allmächtiger Gott,
sende allen Männern und Frauen,
die unsere Gesellschaft führen und leiten,
echte Bereitschaft für das Wohl der ihnen anvertrauten Mitmenschen zu sorgen.
Sende ihnen in schwierigen Entscheidungen deinen Heiligen Geist.
Lass ihnen Frieden ein Anliegen sein,
damit die Menschen in Ruhe und Sicherheit ihr Leben gestalten können.
Mache sie bereit, den Glauben an dich zu fördern
und lass sie bewusst sein,
dass der Mensch nicht das Maaß ist,
sondern in deiner Verantwortung steht. - Amen.
Lasst uns beten für die Einheit der Kirche.
Die Gespaltenheit ist ein Ärgernis.
Menschen suchen aber Wege zueinander.
Sie beten gemeinsam, lesen gemeinsam in der Bibel.
Sie wissen: Wir glauben alle an denselben Gott.
Doch immer noch gibt es Unterschiede.
Beuget die Knie…
Allmächtiger Gott,
heile alle Wunden, welche die Spaltungen der Christenheit erzeugt haben.
Hilf uns, gemeinsam auf dich
und unser aller Ziel, in deiner Herrlichkeit zu leben, zuzugehen.
Schenke uns allen eine tiefe Achtung vor denen,
die anderen Wege gehen, weil sie anders geprägt sind.
Hilf uns voneinander zu lernen
und immer die Einheit zu suchen. - Amen.
Veröffentlicht vom Pastoralamt der ED Wien
in mehreren Varianten, auch mit Noten:
Lasst uns auch beten für die Menschen in der Ukraine
und in allen Kriegsgebieten der Erde;
für alle, die vor dem Schrecken der Gewalt geflohen
und ihrer Heimat beraubt sind;
für alle Frauen und Männer, die mit ihrem Leben einstehen
für die Abwehr des Bösen
und für den Schutz der Schwachen und Verfolgten.
(D.: Beuget die Knie. – Stille – D.: Erhebet euch.)
Allmächtiger, ewiger Gott, du hast Mitleid mit den Geringen und
Armen, die Unterdrücker aber stürzt du.
Wie du Israel aus der Knechtschaft Ägyptens geführt hast,
so rette in unseren Tagen alle Opfer von Krieg und Gewalt.
Wandle die Herzen derer, die Böses tun,
und lass den Frieden siegreich sein.
Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn.
A.: Amen.
Hrsg.Österreichisches Liturgisches Institut (www.liturgie.at)
Text: Liborius Lumma, Musikalische Einrichtung und Notensatz: Rudolf Pacik
Die Österreichische Bischofskonferenz hat für die Feier des Karfreitags für 2021 folgende Regelungen erlassen:
Gekreuzigter Herr Jesus Christus,
am Karfreitag, deinem Todestag, bringen wir unsere Bitten und Anliegen vor dich:
Wir bitten für die Menschen in der Ukraine, welche seit über einem Jahr, unter den Folgen dieses brutalen Krieges leiden. Für die unzähligen Toten, auch Zivilisten; für die Menschen, die in Angst und Schrecken vor dem nächsten Angriff, Schutz suchen in U-Bahn Schächten, deren Häuser und Wohnungen zerstört wurden.
Hilf diesen wahnsinnigen Krieg zu stoppen und zu beenden.
Wir bitten für die Menschen in der Türkei und in Syrien, welche durch das Erdbeben, zehntausende Menschen, auch Familienangehörige, verloren haben. Für die Menschen, welche alles verloren haben: ihre Wohnungen, ihren persönlicher Besitz, ihre Existenz.
Lass uns diese Menschen mit unserer Hilfsbereitschaft unterstützen, dass Sie die Hoffnung nicht verlieren und den Wiederaufbau wagen.
Wir bitten für die Millionen Flüchtlinge auf der ganzen Welt. Menschen, welche aus ihrer Heimat flüchten mussten, Schutz suchen und nun in Flüchtlingslagern oft unter menschenunwürdigen Bedingungen ausharren müssen. Besonders auch für die Menschen, Frauen und Kinder, welche auf der Flucht über das Meer ihr Leben verloren haben.
Lass unsere Hilfsbereitschaft und Solidarität angesichts der hohen Flüchtlingszahlen nicht ermüden.
Wir bitten für alle Menschen, die ein schweres Kreuz zu tragen haben. Menschen, welche unter einer schweren Krankheit leiden, Menschen deren Beziehungen gescheitert sind und die deshalb enttäuscht und traurig sind. Menschen deren Lebensträume geplatzt sind und die in Depressionen und verhängnisvollen Abhängigkeiten versinken.
Hilf, dass sie Menschen finden, die sie auffangen, trösten und wieder aufrichten.
Diese und all die vielen unausgesprochen Bitten, bringen wir zu Dir Herr Jesus Christus und zu Gott unserem Vater. Bleibe bei uns und mit uns in diesen Zeiten, in denen die Karfreitage uns zu beherrschen scheinen.
Lass uns die Hoffnung auf Ostern nicht verlieren. – Amen.
(c) Wilhelm Kraft, wilhelm-kraft@web.de
Wir beten zu Gott, (der unsere Heimat und unsere Zukunft ist und) dessen Gebote uns zum wahren Menschsein führen wollen:
Lasst uns beten für alle, die heute verfolgt, gequält und umgebracht werden aufgrund ihres Glaubens, ihrer Herkunft, ihrer Meinung; die drangsaliert werden, weil sie anderen im Weg sind, weil sie fremd oder beharrlich oder klug oder besonders menschenfreundlich sind oder weil sie sich für Menschen, Tiere und die Natur einsetzen.
Schöpfer der Welt, stärke alle mit Zuversicht und Kraft, die unter Benachteiligung, Häme, Verleumdung, Verfolgung und Vertreibung leiden. Sei all jenen nahe, die auf sich allein gestellt sind und nimm all jene auf, die unschuldig getötet werden. Dir vertrauen wir alle an, die aufgrund ihrer Lebenswirklichkeit verzweifeln. - Durch Christus, unseren Herrn.
Lasst uns beten für alle Menschen, die an Gott glauben und ihr Leben auf ihn hin auszurichten versuchen:
Gott, in vielen Facetten und auf je individuelle Weise glauben Menschen an dich, vertrauen sich dir an, erhoffen von dir Beistand und eine Heimat über den Tod hinaus. Begleite deine Kinder, die du ins Leben gerufen hast, und lass sie im Miteinander deine Gegenwart erleben. - Durch Christus, unseren Herrn.
Lasst uns beten für das Volk, das Gott sich zuerst erwählt hat, für die Juden.
Herr, unser Gott, du stehst in Treue zu deinem einmal gegebenen Wort. Du hast dir das Volk Israel zuerst erwählt. Immer wieder hast du dich in den Wechselfällen seiner Geschichte deines Volkes angenommen. Sei gepriesen, der du lebst und wirkst in Ewigkeit.
Lasst uns beten für das gemeinsame Zeugnis aller Christen:
Gott, du Herr deiner Kirche, menschliche Unvollkommenheit hat die Gemeinschaft derer, die nach dir benannt sind, immer wieder gespalten, hat unsere Gemeinschaft durch Macht und falsche Zielsetzungen vom Weg der aufrichtigen Nachfolge abgebracht. Lass uns umkehren zu dir, damit dein Wort der Vergebung uns Heilung schenke und wir dich in gegenseitiger Achtung bezeugen. - Durch Christus, unseren Herrn.
Lasst uns beten für alle, die in der Kirche im Dienst der Verkündigung und Leitung stehen:
Herr, unser Gott, du wirkst durch Menschen. Erfülle alle mit den Gaben deines Geistes, die dein Wort verkünden, dein Lebensbeispiel verkörpern und deine Gemeinde leiten, damit wir alle das Ziel unseres Lebens erreichen in Christus, unserem Herrn.
Lasst uns beten für alle, die mit deinem Segen in ehelicher Gemeinschaft leben:
Gott, du bist Liebe. Du zeigst dich, wo Menschen einander Leben schenken und zum Leben ermutigen. Segne und ermutige die Familien und Paare, damit sie in der Vielfalt des Menschseins und im Vertrauen auf dein Mitgehen deine Gegenwart lebendig werden lassen. - Durch Christus, unseren Herrn.
Lasst uns beten für alle, die krank sind oder an körperlichen oder seelischen Einschränkungen ihres Lebens leiden:
Gott, du unser Schöpfer, in deinem Sohn Jesus Christus hast du unser Leben geteilt, hast Leid erfahren und Not durchlitten. Steh allen Kranken, Leidenden und Beeinträchtigten bei, damit sie nicht an dir verzweifeln. - Durch ihn, Christus, unseren Herrn.
Lasst uns beten für unsere Verstorbenen:
Gott, du Schöpfer allen Lebens. Du bewahrst uns nicht vor Abschieden und vor dem Sterben. In Christus dürfen wir hoffen, dass du uns allen durch den Tod hindurch die Erfüllung des Lebens schenkst in der vollendeten Gemeinschaft mit dir. Sei gepriesen durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Gott, höre die Stimmen derer, die sich nach deiner Nähe sehnen, und das Schweigen jener, die in Hoffnungslosigkeit verstummen. Erweise dich in unserer Mitte als Erlöser von allem, was Menschen quält. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn. - Amen.
Wir stehen unter dem Kreuz,
erschüttert, schweigend, hoffend.
Was wir mit menschlichen Augen sehen,
ist Ohnmacht und Scheitern.
Was du uns der Glaube erkennen lässt,
ist Sieg –
der Sieg der Barmherzigkeit über die Sünde,
der Sieg des Lebens über den Tod.
Schreien
um Hilfe
und niemand hört
Weinen
vor tiefem Schmerz
und keiner tröstet
Betteln
um heilsame Nähe
und keine Hand öffnet sich
Verlassen von Gott
und den Menschen
ausgeliefert
und doch
glauben
alles wird gut
Herr, unser Gott,
reicher Segen komme herab auf dein Volk,
das den Tod deines Sohnes gefeiert hat
und die Auferstehung erwartet.
Schenke ihm Verzeihung und Trost,
Wachstum im Glauben und die ewige Erlösung.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Karfreitag
Gott, du Spender allen Lebens.
Wir dachten an das Leiden und Sterben deines geliebten Sohnes, den du schon vor seiner Geburt erwählt hast.
Beschenke du uns mit deinem reichen Segen und hilf uns, diesen Segen hinauszutragen zu allen Menschen, um Trost und Stärke zu spenden. Gib uns die Kraft, unser Leben zu ändern und den Weg der Versöhnung miteinander und untereinander zu suchen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Gott,
in dieser Feier haben wir deines Sohnes gedacht.
Er hat uns verheißen, uns an sich zu ziehen, wenn er erhöht sein wird.
Er hat unser Leben bis in den Tod geteilt.
Schenke uns Anteil an seinem unvergänglichen Leben
– heute und bis in Ewigkeit. - Amen.
Gedenke, Herr, der grossen Taten, die dein Erbarmen gewirkt hat.
Schütze und heilige deine Diener,
für die dein Sohn Jesus Christus sein Blut vergossen
und das österliche Geheimnis eingesetzt hat,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.
(MB Karfreitag)
GL 532 (KG 31/1): "Lob dir Christus, König und Erlöser"
"Christus war für uns gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen,
der grösser ist als alle Namen."
GL 180 (KG 391): "Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen"
Kreuzenthüllung an drei Stationen: Eingang/Mitte/vor den Altarstufen.
3 x Ruf "Seht das Holz des Kreuzes"
Ein Mensch hängt zwischen Himmel und Erde, '
Mittler zwischen Gott und den Menschen.
Welch große Liebe!
Welch großer Hass!
"Es ist vollbracht!"
Was ist vollbracht?
Der Wille des Vaters?
Das Opfer des Sohnes?
Das Leiden des Menschseins?
Das Werk der Liebe!
Ich kann am Karfreitag nicht Traurigkeit spielen
im Bewusstsein der Freude des Ostermorgens.
Ich kann nur diese Liebe in stiller Freude annehmen,
mich ihr entgegenstrecken - und danken.
(Hans Waltersdorfer)
Oder:
An das Kreuz haben sie ihn gehängt
- diesen Jesus
Er war der verachtetste Mensch
- dieser Jesus
Er war der einsamste Mensch
- dieser Jesus
Sichtbar für alle war es aufgerichtet
- das Kreuz
Ein Zeichen für totale Niederlage
- das Kreuz
Jesu Auferstehung machte es zum Siegeszeichen
- das Kreuz
Es wurde zum Zeichen für Glaube, Liebe, Hoffnung
- das Kreuz
Deshalb können wir
im Zeichen des Kreuzes glauben
an Gottes Barmherzigkeit zu uns.
Deshalb können wir
im Zeichen des Kreuzes glauben
an Gottes Liebe zu uns.
Deshalb können wir
im Zeichen des Kreuzes hoffen
auf die Auferstehung.
(Günter Weigel)
Oder:
Ecce Homo
Weniger als die Hoffnung auf ihn
Das ist der Mensch
Einarmig
Immer
Nur der gekreuzigte
Beide Arme
Weit offen
Der Hier-Bin-Ich
(Hilde Domin)
Oder:
Wird je ein Mensch erahnen können, was in Jesus Christus in dieser letzten Stunde vor sich geht? Wie tief ist der Riss zwischen Gott und Mensch? Unter qualvollen Schmerzen, die bis zum Wahnsinn und zur Ohnmacht treiben, stirbt Jesus. Und doch - unbegreiflich bleibt die liebende Kraft dieses Menschen, der zwischen Himmel und Erde mit dem Tod ringt.
Er vergibt denen, die ihn töten; er vergibt dem der neben ihm hängt und um Vergebung bittet; er übergibt seine Mutter an seinen liebsten Freund und damit an all seine Freunde; seinem Vater legt er sich in die gütigen Hände; liebend und tröstend schenkt er im Todeskampf anderen Kraft und Mut.
Und als dies alles vollbracht ist, bricht das tiefste Dunkel der Todesnacht über ihn herein. Der Durst - der Durst nach Leben schreit aus ihm heraus, und er versinkt in Gottesferne und Verlassenheit. Im grausamsten Dunkel der Grenze menschlichen Lebens schreit er nach Gott: Warum? Warum, Gott?
Und als er sein Haupt neigt, gibt Gott sich selbst und uns die Antwort: Es ist vollbracht. Er, wir, alles ist vollbracht. Seither ist menschliches Leben im Frieden Gottes geborgen.
(Br. Immanuel Jacobs)
mit Blumen und Kerzen. . .
GL 189 (KG 389,3.+ 4. Str.): "Ich danke dir von Herzen"
Die Sendung, deretwegen Jesus zu uns gekommen ist, erreicht ihre Erfüllung im Paschamysterium. Bevor er seinen „Geist aufgibt“, sagt er von der Höhe des Kreuzes aus, von der er alle an sich zieht (vgl. Joh. 12, 23): „Es ist vollbracht!“ (Joh. 19, 30). In dem Geheimnis seines Gehorsams bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz (vgl. Phil 2, 8) wurde der neue und ewige Bund verwirklicht. In seinem gekreuzigten Leib haben sich die Freiheit Gottes und die Freiheit des Menschen in einem unauflöslichen, immerwährenden Bündnis endgültig zusammengefunden. Auch die Sünde des Menschen ist durch den Sohn Gottes ein für allemal gesühnt worden (vgl. Hebr. 7, 27; 1 Joh. 2,2; 4, 10). „In seinem Tod“ vollzieht sich“ – wie ich an anderer Stelle bereits betonte – „jene Wende Gottes gegen sich selbst, in der er sich verschenkt, um den Menschen wieder aufzuheben und zu retten – Liebe in ihrer radikalsten Form.“ Im Paschamysterium ist unsere Befreiung vom Bösen und Tod tatsächlich Wirklichkeit geworden. Bei der Einsetzung des Altarsakramentes hatte Jesus selbst vom „neuen und ewigen Bund“ gesprochen, der in dem von ihm vergossenen Blut geschlossen wurde (Mt. 26, 28; Mk 14, 24; Lk. 22, 20). Dieses letzte Ziel seiner Sendung war bereits zu Beginn seines öffentlichen Lebens sehr deutlich. Als nämlich Johannes der Täufer am Ufer des Jordans Jesus auf sich zukommen sieht, ruft er aus: „Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg hinwegnimmt! (Joh. 1, 29). Es ist bezeichnend, dass ebendieses Wort in jeder Messfeier in dem Augenblick wiederkehrt, da der Priester zum Empfang der Kommunion einlädt: „Seht, das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt! Selig, die zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen sind!“ Jesus ist das wahre Osterlamm, das sich selbst freiwillig als Opfer für uns dargebracht und so den neuen und ewigen Bund verwirklicht hat. Die Eucharistie enthält in sich diese radikale Neuheit, die uns in jeder Messfeier neu dargeboten wird.“
Aus: Benedikt XVI, Sakrament der Liebe, mit einer Einführung von Karl Kardinal Lehmann, Leipzig 2007.
Im Augenblick des Todes rief Jesus: „Es ist vollbracht!“ (Johannes 19, 30) Das war ein Siegesruf: Die Sünde, die Ungerechtigkeit der Welt, der Satan und alle widergöttlichen Mächte waren geschlagen. Das drückt vor allem der Evangelist Johannes aus. Er sieht im Kreuz immer zugleich die Auferstehung. Es ist für ihn Zeichen einer neuen Freiheit für den ganzen Menschen.
Kannst du dir vorstellen, liebe Kerstin, was diese Gedanken der Heiligen Schrift für uns bedeuten? Die Welt ist noch immer voller Ungerechtigkeit, voller Not und Schmerz, und viele fragen: „Warum beseitigt Gottes Sohn das Leid der Welt nicht? Er tut Größeres: Er nimmt es selber auf sich, wendet es zum Heil. Und er fordert uns auf, ihm nachzufolgen, unser Kreuz im gleichen Sinn zu tragen. Er hat uns in der Taufe in sein Todesleiden genommen, damit wir auch an seinem Leben teilhaben. Er macht sein Kreuzesopfer in der Messe gegenwärtig, damit wir immer wieder neu mit ihm eins werden. Mit Jesus eins: so können Tod und Leid sinnvoll und hell werden...
Natürlich heißt das nicht, dass wir das Leid und die Ungerechtigkeit in der Welt einfach hinnehmen und die Betroffenen mit dem Kreuz „vertrösten“. Gottes Sohn ist am Kreuz ja gerade mit den Erniedrigten und Gequälten dieser Welt eins geworden und hat ihnen seine Liebe gezeigt. Deshalb müssen wir im Zeichen des Kreuzes für die Menschen eintreten, für ihre Freiheit, gegen ihre Not. Aber Tod und Leid werden trotzdem bleiben. Das Kreuz wendet sie zum Segen.
Glaube mir, liebe Kerstin: Das sind nicht bloß fromme Sprüche. Es gibt Stunden, wo einen nur noch das Kreuz hochhält. Ich glaube fast, du hast das selber schon erlebt....
Aus: Winfrid Henze, Glauben ist schön, Harsum 2001.
Schweigend stehen wir vor dem Kreuz und hören Jesu Worte: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Die römischen Soldaten wissen genau, was sie tun: einen Aufständischen hinrichten. Auch Pilatus weiß, was er tut. Aber wissen sie wirklich, dass unter ihren Händen ein Gerechter stirbt, zu dem sich Gott bekennen wird? Und sind nicht diese Täter des Grauens zugleich auch Opfer des blinden Hasses? Wer könnte die Worte Jesu hören, ohne sogleich an Gewalttaten unserer Tage zu denken? „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Diese Worte sind nicht nur Worte des Gekreuzigten für seine Mörder. Dies sind Worte der Liebe, die allen Menschen gelten, die sich in ihrem blinden Hass selbst nicht verstehen. Der Gekreuzigte will seine Feinde wandeln, nicht vernichten. Darin steckt die Zumutung des Karfreitages, die Zumutung der Liebe Gottes. Sie mutet uns zu, keinen Menschen für immer abzuschreiben.
Und dann das zweite Wort Jesu: „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Jesus hat mit seiner Bitte um Vergebung den mitgekreuzigten Gewalttäter verändert. Schon „heute“ bricht für ihn, der nichts als Verderben verdient hatte, das ewige Leben bei Gott an. Gottes Gnade ist unfassbar und setzt unserem Urteil Grenzen. Wo wir andere als Feinde abschreiben, da errichtet Gott das Kreuz als unübersehbares Zeichen seiner Gnade, für die es nie ein „zu spät“ gibt.
„Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“ So spricht grenzenloses Gottvertrauen. Wer so stirbt, rechnet mit der Treue Gottes über den Tod hinaus. Damit deutet sich bereits am Kreuzesstamm an, dass das Holz auf Jesu Schultern zum Baum des Lebens wird für alle, die sich von diesem Gottvertrauen erfassen lassen. Jesu Worte haben im Leben vieler Christen ein Echo des Gottvertrauens gefunden; im Leben von Menschen, die erfahren durften, dass Sterben im Gottvertrauen ein Weg zum Leben ist,
Ulrich Fischer in: Mit der Bibel durch das Jahr 2013, Freiburg 2012.
Die Zeit ist um
Die uns verband
Ich weiß, dass du es fühlst
So geh' ich jetzt
Auch wenn du mich
Noch gern beschützen willst
Dein Leuchtturm steht nun anderswo
Und nicht mehr hier bei dir
Und auf dem Weg
Zum eig'nen Licht
Komm sag - was wünscht du mir?
Ich wünsch dir Liebe ohne Leiden
Und eine Hand, die deine hält
Ich wünsch dir Liebe ohne Leiden
Und dass dir nie die Hoffnung fehlt
Und dass dir deine Träume bleiben
Und wenn du suchst nach Zärtlichkeit
Wünsch ich dir Liebe ohne Leiden
Und Glück für alle Zeit
Du du du du du du...
Du bleibst zurück
Und stehst an sich
Recht fest in deiner Welt
Und doch tut's gut
Wenn irgendwer
Auch mir den Daumen hält
So sag ich tschau...
Doch bitte schau
Noch einmal hinter dich
Und lach mich an
Und sage mir:
Was ist dein Wunsch für mich?
Ich wünsch dir Liebe ohne Leiden
Und eine Hand, die deine hält
Ich wünsch dir Liebe ohne Leiden
Und dass dir nie die Hoffnung fehlt
Und dass dir deine Träume bleiben
Und wenn du suchst nach Zärtlichkeit
Wünsch ich dir Liebe ohne Leiden
Und Glück für alle Zeit
Du du du du du du...
Du du du du du du...
Du du du du du du...
Du du du du du du...
Udo Jürgens: Ich wünsch dir Liebe ohne Leiden
https://www.youtube.com/watch?v=dLZmSOMD4TM
Aller Jubel verhallt
Hosanna – Hochgelobt
Jetzt tief gebeugt
Gelegt in den Staub des Todes
Gestürzt – gefallen
Zum Opfer gefallen
Neid und Hass
Schuld und Sünde
Zum Opfer geworden
Unschuldig
Der Schuld – der Schuldigen wegen
Geopfert
Sich aufgeopfert
Alle Begeisterung verschwunden
Wenn alle Anstoß nehmen
Verleugnet – verraten
Verlassen und verkauft
Loskaufen kann keiner den anderen
Noch Sühnegeld zahlen
Nicht bezahlt – unbezahlbar
Losgekauft
Erkauft mit Blut
Losgekauft von Sünde und Tod
Erlöst im Leben, zum Leben durch Gott
Leben durch Gott
Leben mit Gott und bei Gott
Leben in Gott
Beatrix Senft 2023.
Auf den
Kreuzwegsteinen des Jesus von Nazareth
mit-gehen
IHN
wahrnehmen
mit allem
was ihn ausmacht
erspüren
seine Last
seine Angst
ja Todesangst
erspüren
auch
seine Hingabe
seine Liebe
bis in die letzte Konsequenz
bei ihm
verweilen
ausharren
aushalten
zum
Mit-Leiden
bereit
auch
die Last spüren
die
auf meinen Schultern
als Holz
des Leidens
liegt
erspüren
die Last
die auf den Schultern
meiner Lieben
und
so vieler
liegt
IHM
zeigen
hin-halten
und
mit
IHM
erhoffen dürfen
dass es
ein
AUF-ERSTEHEN
gibt
und
auf den
Kreuzwegsteinen
auch
in dieser Zeit
mutig
WEITER-GEHEN
mit IHM
bin ich bereit?
mutig
WEITER-GEHEN
mit IHM
ich bin
bereit
Beatrix Senft 2023.
Wir loben dich
Jesu Einzug in Jerusalem
Das letzte Abendmahl
Erinnerung an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern
Überall ist Golgatha
Die Leiden Jesu Christi und dieser Welt heute sind eins
Das Kreuz des Jesus Christus
Zur Meditation
Deinen Tod o Herr verkünden wir
Lobpreis für den Überwinder des Todes
Lied vom Ostermorgen
Befreiung zum Neubeginn
Der Herr sei mit euch
Gruß der Jünger Jesu – heute
Welcher Engel wird uns sagen
Für eine ganz persönliche Auferstehung
(c) Reinhard Burchhardt
© LIEDERLAND Musikverlag GbR.
aus: "Von Palmsonntag bis nach Ostern - ein musikalischer Wegbegleiter". Warburg 2006.
Das Kreuz,
es hat seine Härte
verloren.
Die Liebe,
die durch Jesus Christus
in das Kreuz
eingedrungen ist,
sie strömt aus ihm heraus
und wird
zum Heil
der Welt.
Für dich – für mich – für alle.
Und für alle Zeit.
AMEN.
Beatrix Senft, unveröffentlicht.
Ostern ist das große Fest der Liebe, die stärker ist als der Tod. Ostern feiern wir das Trotzdem dieser Liebe. Im Gegensatz zum rechthaberischen Trotz ist das widerständige Trotzdem eine prophetische und hoffnungsvolle Haltung. Ich möchte zeigen, wie stark die Bibel geprägt ist von Trotzdem-Haltungen und Trotzdem-Personen; und dass dies gerade in der Karwoche und zu Ostern Hoffnung und Mut geben kann.
Der ganze Text >>>
tehocare.network: Theologie im zeichen von (Post)Corona. Hrsg. Institut für Praktische Theologie der katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien,
Das Kreuz ist für manche ein anstößiges Symbol, das mit schöner Regelmäßigkeit heftige Debatten hervorruft. Wir stehen seit Längerem in einem Wandel von einer christlichen Monokultur zu einer religiös pluralen Gesellschaft. Dabei wächst auch die Konfession der Konfessionslosen. Das mag nicht allen gefallen, aber es ist ein religionssoziologisches Faktum. Und wir müssen damit umgehen lernen.
Ganzer Beitrag >>>
Jan-Heiner Tück in Die Presse am 26.2.2020
Nach der Verleugnung
Wie sieht Jesus ihn an?
Nicht vorwurfsvoll,
nicht anklagend.
Nur wissend um seine Schwäche,
voll Liebe und Verzeihen.
In seinem Erkennen –
ist er von IHM erkannt.
Ilse Pauls
Die deutsche Sprache unterscheidet nicht wie die lateinische oder englische zwischen dem, der ein heiliges Opfer - ein Sacrificium oder sacrifice - darbringt, und dem, der zum Opfer wird, Victima oder victim. In beiden Fällen ergibt sich das Opfer aus dem spannungsreichen Wechselspiel von Liebe, Begehren, Schuld und Leid. Seit den 60-er Jahren verbreitet Aufopferung aus Liebe einen altmodischen, moralischen Mief, dem es zu entkommen gilt. Im aufgeklärten Zeitalter war Selbstverwirklichung und Spaß angesagt, sowohl in der Liebe als auch in der Liturgie. Die religiös aufgeklärten 68-ger haben intellektuell nur noch die selbstmitleidige Opferrolle victima zugelassen, die es kritisch zu hinterfragen gilt, da wir doch alle viel zu lange den Repressalien einer „falschen“, verkrusteten Weltanschauung, Theologie und Moral nicht zuletzt der Kirche zum Opfer gefallen sind. Das alltägliche Sacrificium verdünnte sich bis zur Unkenntlichkeit und eine Hl. Messe für drei oder vier Besucher zahlt sich gar nicht aus. Außerdem ist ein Wortgottesdienst gemütlicher. Wer dennoch daran festhielt, wurde als konservativer Hinterwäldler von Gestern abgestempelt. Denn wenn Gott die Liebe sei, kann er doch nicht seinen Sohn geopfert haben! Das wäre blanker Sadismus. Nein danke! Diese „Gedanken“ lösten bei den Gläubigen in den post 68-iger Jahren bis heute eine anhaltende geistig-religiöse Revolution aus. Wozu in der Spaßgesellschaft aus Liebe zu Gott und dem Nächsten etwas und gar sein Leben aufopfern, wie es die Heiligen taten? Die herkömmlichen Stätten dieses Opfergedankens wie Klöster, Ordenshäuser und Priesterseminare leeren sich. Religiöse Selbstverwirklichung und Freizeit schauen eben anders aus als „Hingabe“. Und doch: Liebe und Leid lassen sich nicht wegrationalisieren. Wer wirklich jemanden liebt, nimmt so manches Opfer freiwillig auf sich, auch für Gott. Und nicht nur der Mensch — auch Gott. Credo quia absurdum est!
MJP in: "Die Brücke", Pfarrblatt der katholischen Stadtkirche Leoben. 44. Jg. / Nr. 2 / 2019
MJP in: "Die Brücke", Pfarrblatt der katholischen Stadtkirche Leoben. 44. Jg. / Nr. 2 / 2019
Zweitausend Jahre sind es fast,
seit du die Welt verlassen hast,
du Opferlamm des Lebens!
Du gabst den Armen ihren Gott.
Du littest durch der Reichen Spott.
Du tatest es vergebens!
Du sahst Gewalt und Polizei.
Du wolltest alle Menschen frei
und Frieden auf der Erde.
Du wusstest, wie das Elend tut
und wolltest allen Menschen gut,
damit es schöner werde!
Du warst ein Revolutionär
und machtest dir das Leben schwer
mit Schiebern und Gelehrten.
Du hast die Freiheit stets beschützt
und doch den Menschen nichts genützt.
Du kamst an die Verkehrten!
Du kämpftest tapfer gegen sie
und gegen Staat und Industrie
und die gesamte Meute.
Bis man an dir, weil nichts verfing,
Justizmord, kurzerhand, beging.
Es war genau wie heute.
Die Menschen wurden nicht gescheit.
Am wenigsten die Christenheit,
trotz allem Händefalten.
Du hattest sie vergeblich lieb.
Du starbst umsonst.
Und alles blieb
beim alten.
Eine Vertonung dieses Textes von Reinhard Burchhardt steht als PDF zum Download zur Verfügung.
https://www.deutschelyrik.de/dem-revolutionaer-jesus-zum-geburtstag.html
https://www.predigtforum.com/dl/prLkJKJLnoJqx4LJK/Burchhardt_Dem_Revolutionaer_Jesus_zum_Geburtstag_pdf
Herr, Jesus Christus,
wir danken dir für dein Haupt voll Blut und Wunden.
Dein Haupt, das alle Ehre verdient,
wird von dichtem Dornengeflecht zerstochen.
Dein Antlitz, schön vor allen Menschenkindern,
wird durch Speichel entehrt.
Deine Augen, leuchtender als die Sonne,
werden im Tod verfinstert.
Deine Ohren, die den Gesang der Engel kennen,
vernehmen die Lästerreden der Sünder.
Dein Mund, der uns Worte des ewigen Lebens kündete,
wird mit Essig und Galle getränkt.
Es bleibt dir nichts als die Zunge,
damit du für uns Sünder betest.
Um dieser schmerzlichen Wunden willen hilf uns,
wenn wir gedemütigt werden um deinetwillen.
Lass dein göttliches Antlitz über uns leuchten und segne uns.
Nach Bernhard v. Clairvaux

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
spirituelle Impulse, Bibeltexte mit Erklärungen, Gebete für Gottesdienstfeiern und Denkanstöße für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres.
Verbesserte Suchfunktionen - Neue Exportfunktionen
Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
Die Unterseiten des Predigtforums kann man auch mit einer Kurzadresse erreichen:
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Das 4. Knecht-Gottes-Lied, das von Deuterojesaja überliefert wird, stellt eine Figur vor, die sich historischen Zuordnungen entzieht. Mitten im Exil, dass das Volk Gottes in Babylon erleidet und durchsteht, wird der Knecht Gottes vorgestellt: Seine Gestalt ist von Leiden gezeichnet, aber es ist fremdes Leiden, das er – stellvertretend – auf sich nimmt. „Unsere Sünden“ sind es, die er trägt. In diesem Lied wird auch der Ungehorsam des Volkes Gottes auf dem zerschundenen Körper des Knechtes sichtbar gemacht. Nur: wer ihn sieht, erschrickt vor ihm, wendet sich angewidert und hilflos ab – sieht selbst aber nicht, welche Rolle er in dieser Geschichte spielt. In diesem Lied verlieren die Augen ihre Unschuld. Sie, die die Welt an Schönheit und Erfolg messen, werden einer Schuld ansichtig, in die Menschen tief verwickelt sind.
Aber das Lied weiß auch von einer großen Zuversicht: Jahwe findet Gefallen an seinem Knecht, macht ihn groß und rettet ihn. Von ihm heißt es: „Mein Knecht, der gerechte, macht die vielen gerecht.“ Nicht nur das Leiden, sondern auch die Auferstehung (wie wir übersetzen dürfen) ist bei ihm stellvertretend zu erblicken.
Einer der ältesten Hymnen greift die Linien, die im 4. Knecht-Gottes-Lied auf vielfältige Weise verwoben sind, auf: Es ist der Christus-Hymnus, den Paulus in seinem Brief an die Gemeinde zu Philippi überliefert (2:5 ff.). Wenn auch der Knecht Gottes, der im Buch des 2. Jesaja Israel neu zu seiner Berufung verhilft, für uns nicht fassbar ist, so bekommt er doch in Jesus und seinem Geschick ein Gesicht:
Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr lud auf ihn die Schuld von uns allen.
Als alttestamentliche Lesung des Karfreitagsgottesdienstes ist das sog. vierte Lied vom Gottesknecht aus dem Jesaja-Buch vorgesehen. Die vier Gottesknechtslieder dürfte der Verfasser des zweiten Teiles des Jesajabuches bereits als zusammengehörige Überlieferungseinheit vorgefunden und an vier Stellen in sein Werk eingefügt haben. Als Verfasser des zweiten Teiles des Jesajabuches wird ein Schüler des "ersten" Jesaja in Betracht gezogen. Er lebte vermutlich im babylonischen Exil und suchte in seinen prohetischen Texten dem Volk in der Gefangenschaft Hoffnung zu geben.
Ähnlich unklar wie die Person des "zweiten" Jesaja ist die Gestalt des Gottesknechtes, von dem die vier Gesänge erzählen. Ist mit dem Gottesknecht das in der Verbannung lebende Volk Israel selbst gemeint? Ist es der zweite Jesaja selbst? In diesem Falle hätten seine Jünger den vierten Gesang verfaßt. Dies läßt sich heute nicht mehr feststellen.
Ebenso interessant wie die Person des Gottesknechtes ist die Theologie, die in diesen Liedern, vor allem im vierten dargeboten wird. Das Lied erzählt von einem Knecht, der im Ansehen der Menschen so weit abgesunken und erniedrigt ist, daß er als verachtet und auch von Gott verlassen gelten mußte. Seine Krankheit, seine Schmerzen, sein schlechtes Aussehen konnten damals nur als von Gott Verlassensein und als Strafe Gottes verstanden werden.
Doch da kommt die Wende: Er hat die Erniedrigung nicht als Strafe für seine eigene Schuld erlitten, sondern er hat "unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen". Sein Leiden ist nicht als Strafe zu betrachten sondern als Sühne für die Schuld anderer, für unsere Schuld. Sein Leiden wird geschildert in der Art, wie in den Klagepsalmen Leidende ihr unverdientes und Unverstandenes Leid vor Gott zur Sprache bringen.
Die zweite überraschende Wende setzt ein, wenn gesagt wird: Der geschlagene Knecht findet Gefallen bei Gott. Sein Leben wird durch Nachkommenschaft und lange Dauer gesegnet.
Die Gottesknechtslieder dienten den Christen der ersten Generation als Verstehenshilfe für das unverstehbare Schicksal Jesu. Sie sahen in ihm den Gottesknecht, der trotz aller Redlichkeit die Schmach des Verbrechertodes zu erleiden hatte. Sie verstehen sein Leiden als Sühneleiden und als Weg zur Erhöhung durch Gott.
Der erste Vers der alttestamentlichen Lesung stellt einen neuen Einsatz mit der Gottesrede und der Aufforderung zum Sehen dar. Jahwe lenkt den Blick auf seinen Knecht. Dazwischengeschoben ist der Bericht eines anderen über das Leiden jenes Knechtes. Die Gottesrede selbst setzt mit "Mein Knecht" wieder ein. Eingerahmt von der Zusage Gottes werden die Verachtung und die Schmerzen des Gottesknechtes breit entfaltet. Dann macht sich ein Wechsel in der Darstellungsweise bemerkbar: Weg von der Vordergründigkeit werden nun die Hintergründe des Leidens durchschaut: Aus dem blossen "Meinen" wird die Gewissheit "Für uns": wegen unserer Krankheit und unserer Schmerzen, wegen unserer Sünden, zu unserem Heil, die Schuld von uns. Dann wird betont, dass der Gottesknecht all das Leid zu dem wortlos auf sich genommen hat. Seine Gefühle, sein Leid spielen keine Rolle. Es geht allein darum, den Plan Gottes zu erfüllen. Die Zwischenrede findet sein Ende in der Gewissheit, dass dieser getreue Knecht seinen Lohn erhalten wird. Zusammengefasst: Von der Vordergründigkeit der Oberflächlichkeit des Betrachters durch das Hintergründige des Warum auf die Verheißung einer licht- und heilvollen Zukunft.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive