Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
In jener Zeit ging Jesus nach Jerusalem hinauf.
Und es geschah:
Er kam in die Nähe von Betfage und Betanien,
an den Berg, der Ölberg heißt,
da schickte er zwei seiner Jünger aus
und sagte: Geht in das Dorf, das vor uns liegt!
Wenn ihr hineinkommt,
werdet ihr dort ein Fohlen angebunden finden,
auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat.
Bindet es los und bringt es her!
Und wenn euch jemand fragt: Warum bindet ihr es los?,
dann antwortet: Der Herr braucht es.
Die Ausgesandten machten sich auf den Weg
und fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte.
Als sie das Fohlen losbanden,
sagten die Leute, denen es gehörte:
Warum bindet ihr das Fohlen los?
Sie antworteten: Weil der Herr es braucht.
Dann führten sie es zu Jesus,
legten ihre Kleider auf das Fohlen
und halfen Jesus hinauf.
Während er dahinritt,
breiteten die Jünger ihre Kleider auf dem Weg aus.
Als er sich schon dem Abhang des Ölbergs näherte,
begann die Schar der Jünger
freudig und mit lauter Stimme Gott zu loben
wegen all der Machttaten, die sie gesehen hatten.
Sie riefen:
Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn.
Im Himmel Friede und Ehre in der Höhe!
Da riefen ihm einige Pharisäer aus der Menge zu:
Meister, weise deine Jünger zurecht!
Er erwiderte:
Ich sage euch:
Wenn sie schweigen,
werden die Steine schreien.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Jesaja.
GOTT, der Herr, gab mir die Zunge von Schülern,
damit ich verstehe,
die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort.
Jeden Morgen weckt er mein Ohr,
damit ich höre, wie Schüler hören.
GOTT, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet.
Ich aber wehrte mich nicht
und wich nicht zurück.
Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen,
und meine Wange denen, die mir den Bart ausrissen.
Mein Gesicht verbarg ich nicht
vor Schmähungen und Speichel.
Und GOTT, der Herr, wird mir helfen;
darum werde ich nicht in Schande enden.
Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel;
ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Es ist das Lied eines Knechtes Gottes. Gleichzeitig ist es ein Lied über den Knecht Gottes. Wer er war? Ein Einzelner? Womöglich Israel selbst? Die Gesichtszüge haben sich nie rekonstruieren lassen. Aber das Lied legt Spuren: Der Knecht Gottes hat die Zunge eines Jüngers und stärkt die Müden mit einem Wort, das aufrichtet - und ihm wird jeden Morgen das Ohr geöffnet, um von Gott das Wort zu bekommen, das ihn hält. Auch, als er geschlagen, geschmäht und bespuckt wird. Dem Lied gelingt, in einem Satz zu sagen, was der Knecht Gottes tut und was mit ihm geschieht. Er wird von der Zusage Gottes gehalten und richtet mit seinem Wort andere, hier: Müde, auf. Im Lied bekommt sein Vertrauen Worte, die seitdem vielen Menschen helfen, Tiefpunkte, Erniedrigungen und Verletzungen auszuhalten, aber auch den Kampf mit der Resignation zu gewinnen.
Als drittes Gottesknechtlied wurde dieser Text mit den anderen - insgesamt 4 - in das Buch Jesaja eingefügt. Es ist nicht sicher, wann das geschah, aber was gelegentlich wie ein Fremdkörper wirkt, entpuppt sich als Pfeiler: Die Trost-Botschaft, die Deuterojesaja den Menschen im babylonischen Exil - einer der größten Tragödien überhaupt, die Israel erlebte - gibt, ruht wie eine Brücke auf diesen Pfeilern und wird von ihnen gehalten.
Natürlich war damals von Jesus noch nicht die Rede und das später entwickelte Schema "Verheißung" - "Erfüllung" noch nicht formuliert, aber der Gottesknecht hat in diesem Lied vertraute Züge, die uns im Evangelium wieder begegnen: dass eine Zunge Kraft hat, Menschen ohne Hoffnungen aufzurichten - und dass das Ohr Leben empfängt. Dieses Lied vom Knecht Gottes ist eine Hommage auf die Sinne - und das sehr sinnliche Wort Gottes.
Das Knecht-Gottes-Lied hat in Röm 8,31-39 von Paulus eine bemerkenswerte Auslegung erhalten: In dem Verfahren, in dem die Auserwählten Gottes angeklagt werden, können sie von der Liebe Christi nicht geschieden werden. Das Urteil ist ein Frei-Spruch, ein Lebens-Urteil.
Die Leseordnung der Kirche hat für diesen Sonntag eines der Gottesknechtlieder aus dem Buch Deuterojesaja ausgewählt. Der Schüler des Propheten spricht in diesem Text von seiner Beauftragung. Er soll mit der Zunge eines Jüngers den entmutigten Menschen im babylonischen Exil neue Hoffnung machen. Um diesen Dienst aber auch erfüllen zu können, bedarf es eines offenen Ohrs. Gott öffnet dem Jünger das Ohr, damit er wie ein guter Schüler den Menschen zuhören kann. Dieses "Ohrenöffnungsritual" wiederholt sich gleichsam jeden Tag, denn Gott weiß, wie leicht die Menschen unter "verstopften Ohren" leiden können und nur mehr hören, was sie hören wollen. Ein offenes Ohr ist aber die Voraussetzung für gutes und erfolgreiches pastorales Arbeiten und eine aufrichtige Verkündigung. Bevor der Jünger von Gott spricht, gilt es den Menschen gut zuzuhören.
Wie auch am Karfreitag begegnet uns heute eines der vier Gottesknechtslieder, die sich im Deuterojesaja befinden und zum Teil als eigene literarische Schicht gegolten haben (so z. B. bei B. Duhm).
Individuell gedeutet kann der Ebed JHWH’s als königliche oder prophetische Gestalt. Andererseits in der kollektiven Deutung als Israel/Jakob, als das Volk Gottes. Das stellvertretende Leiden jenes einen Knechtes bringt Recht für die Völker und die Vergebung der Sünden (vgl. Jes 42,1-4; 49,1-6; 50,4-9; 52,13-53,12).
Es ist eine reine christliche Deutung, in diesem Gottesknecht Jesus Christus sehen zu wollen, in die Texte des Ersten Testaments nach dem Schema Verheißung – Erfüllung die Christologie hineinzulegen, wenngleich es vielfach in unsere katholische Tradition Einzug gehalten hat und diese alttestamentlichen Lesungen aus dem Buch des Propheten Jesaja deshalb aus der Karwochenliturgie nicht mehr wegzudenken sind. Eine Einladung erneut an uns, Obacht zu geben und Wert darauf zu legen, dass das Erste Testament in seinem Eigenwert zu lesen ist.
Nach der Gottesrede in Jes 50,1-3 hat Gott den Mund eines anderen geöffnet, dessen Rede in diesem Abschnitt mit der zweimaligen Aufforderung zum bewussten Wahrnehmen der Größe und Hilfe Gottes endet (Vers 9), bevor der Sprecher mit Mahnungen und Aufforderungen erneut einsetzt. JHWH hat seinem Knecht die Sinne geöffnet (Zunge und Ohr), gleichsam als Voraussetzung dafür, alles als Gottesknecht erdulden zu können. Auf ihn hin ist er ausgerichtet. Das und das Vertrauen allein geben ihm Kraft. Die ihm Gewalt antun, hat das Gericht des Herrn bereits getroffen.
Kv: Mein Gott, mein Gott,
warum hast du mich verlassen? – Kv
(Oder GL 293)
Alle, die mich sehen, verlachen mich,
verziehen die Lippen, schütteln den Kopf:
Wälze die Last auf den HERRN! /
Er soll ihn befreien,
er reiße ihn heraus, wenn er an ihm Gefallen hat! - Kv
Denn Hunde haben mich umlagert, /
eine Rotte von Bösen hat mich umkreist.
Sie haben mir Hände und Füße durchbohrt.
Ich kann all meine Knochen zählen;
sie gaffen und starren mich an. - Kv
Sie verteilen unter sich meine Kleider
und werfen das Los um mein Gewand.
Du aber, HERR, halte dich nicht fern!
Du, meine Stärke, eile mir zu Hilfe! - Kv
Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden,
inmitten der Versammlung dich loben.
Die ihr den HERRN fürchtet, lobt ihn; /
all ihr Nachkommen Jakobs, rühmt ihn;
erschauert vor ihm, all ihr Nachkommen Israels! - Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Philippi.
Christus Jesus war Gott gleich,
hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein,
sondern er entäußerte sich
und wurde wie ein Sklave
und den Menschen gleich.
Sein Leben war das eines Menschen;
er erniedrigte sich
und war gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht
und ihm den Namen verliehen,
der größer ist als alle Namen,
damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde
ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu
und jeder Mund bekennt:
"Jesus Christus ist der Herr" -
zur Ehre Gottes, des Vaters.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Paulus schreibt in seiner Gefangenschaft einen Brief an die erste christliche Gemeinde auf europäischem Boden, an Philippi. Mit ihr weiß er sich sehr verbunden, ist besorgt um sie. Von daher sind auch die Grundanliegen des Briefes zu verstehen, die sich auch in dieser Lesung widerspiegeln: Inmitten eines heidnischen Umfeldes bedarf die junge Christengemeinde der Festigung und Belehrung im Glauben. Die paulinische Paraklese meint darin mehr als Ermahnung "Dies und jenes sollt ihr tun", sondern vielmehr ein Besorgtsein, ein Sichkümmern, ein Inverantwortunggenommensein über die Distanz hinweg. Paulus wird von Unstimmigkeiten, von Streitereien und Prahlerei gehört haben, worauf er nun reagiert. Die Ermahnung hat dort ihren Platz, wo die Gemeinschaft im Geist und das Wohlwollen des Herzens wohnen. Grund und Motivation für diese geschwisterliche Zurechtweisung, die auch Eingang in unsere katholische Tradition gefunden hat, ist das Gemeinwohl vor allem Eigenwohl.
In Phil 2,6-11 schiebt Paulus einen Christus-Hymnus ein. Die feierliche, gehobene Sprache der Mahnrede in den Versen 1-4 deutet bereits an, dass dieser Teil in einem engen Zusammenhang steht mit dem Christuslied, das schon vor Paulus in den Gemeinden gesungen wurde. Vers 5 leitet über: Als getaufte Christen sollen sich die Glieder der Gemeinde in einem neuen, besonderen Verhältnis zu Jesus Christus begreifen: Nicht nur nach dem Vorbild Jesu Christi zu leben, sondern das ganze Dasein als In-Christus-Sein zu verstehen.
Durch die feierliche „Ermahnung in Christus“ wird der darauffolgende Hymnus einerseits vorbereitet, andererseits wird die Mahnung des Apostels durch das Lied christologisch begründet. Wenn die Gemeinde eines Sinnes ist, in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig, dann deutet schon etwas auf von der großen Freude, die Gott am Ende der Zeiten schenkt ( ... macht meine Freude dadurch vollkommen, ...).
Das Christuslied selbst läßt zwei Teile erkennen: Die Erniedrigungsaussagen (Verse 6-8), in denen Christus der Handelnde ist, und die Erhöhungsaussagen (Verse 9-11); hier ist Gott der Handelnde. Der ganze Hymnus ist geprägt vom Stilmittel des Parallelismus. Die Verse 6 und 7 stehen einander gegenüber als These und Antithese: Er, der sich in der Daseinsweise Gottes befand, nahm Sklavendasein an; der nicht mit aller Macht daran festhielt, Gott gleich zu sein, entäußerte sich. Das gleiche gilt für die Verse 8 und 9: Er, der sich selbst erniedrigt hat, wird von Gott erhöht – und die Verse 7cd und 10: Der den Menschen völlig gleich gewordene wird vom ganzen Kosmos geehrt.
Der Hymnus endet mit der Proklamation: Jesus Christus ist der Herr! Der Name Jesus, der noch einmal an sein Menschsein erinnert, ist zugleich der Hoheitstitel. Aus dem ganzen Abschnitt wird klar: Kultische Verehrung, Bekenntnis des Glaubens und Leben aus seiner Gesinnung gehören zusammen. Durch alle Lebensvollzüge der Gemeinde wird Christus bekannt und geehrt, und durch ihn Gott der Vater.
De Hymnus ist geprägt von der Dynamik der Kenosis, der Entäußerung Christi. Gott geht für uns bis ins Letzte hinunter. Am Kreuz aber ist der Wendepunkt - der Aufstieg Jesu Christi nimmt dort seinen Anfang bis zum Lobpreis und dem Bekenntnis aller Geschöpflichkeit.
Paulus zitiert einen Hymnus, der in der frühen Kirche unbefangen das Geheimnis Christi mit dem – alten und in der Mythologie verbreiteten – Schema Abstieg / Aufstieg besingt. Der Entäußerung, die bis in den Tod reicht, wird der "verliehene Name" gegenübergestellt, der im Christus-Bekenntnis "Herr ist Jesus" mündet. Wir begegnen hier dem ursprünglichen Glaubensbekenntnis, das noch ohne streitbehaftete (und auslegungsbedürftige) Sätze zusammenfasst, was christliches Leben ausmacht: dass er das letzte Wort hat, über alles – und für alle.
Paulus, ein Meister, der das Evangelium in Briefen zu den Menschen bringt, entwindet den Hymnus mythologischen Denkmustern und verbindet das Leben Jesu mit dem seiner Jüngerinnen und Jünger: Seid untereinander auch so gesinnt… In einem Leben, das dem "Leben in Christus Jesus entspricht", erweist sich das Bekenntnis zu ihm als tragfähig und wirklich. Bedenken, zumal die vielen Bedenken, die von Gottesdienst zu Gottesdienst heute variiert werden, werden von Paulus nicht geteilt. Er hat das Zutrauen, das ein Leben gelingt, in dem Jesus als der "Kyrios" bekannt und angerufen wird. Dass der Ort Philippi keine Insel der Seligen ist, weiß Paulus, hindert ihn aber nicht, den Lebenslauf Christi als Verheißung und Vorbild hinzustellen.
Als Paulus den Hymnus aufgreift und ihn zitiert, gibt es die schriftlich ausformulierten Evangelien noch nicht. Heute gelesen, mutet er wie eine Kurzfassung des Evangeliums an, das vierfach überliefert wird und auch die Briefe im NT prägt. Nicht zuletzt geht es darum, Jesu Namen zu tragen (Taufe), sich mit ihm zu schmücken und zu segnen. Im übrigen: der Christus-Hymnus, aus alter Zeit von Paulus gerettet, steht auch dafür, dass, wie der Theologe Edmund Schlink sagte, das Dogma Lobpreis und Lebenshilfe ist (und nicht das Gerüst, um Wahrheiten festzulegen).
Die zweite Lesung am heutigen Sonntag führt uns den Christushymnus aus dem Brief des Paulus an die Gemeinde in Philippi zu Ohren und Herzen. Dieser Hymnus ist eine der komplexesten und ältesten (Abfassungszeit des Philipperbriefes zwischen 50 und 60 n. Chr.) paulinischen “Kurzformeln des Glaubens” (Rahner). Anders als die anderen vergleichbaren Textbeispiele ist der Christushymnus nahezu ein vollständiges Christusbekenntnis und umfasst das ganze christologische Heilsmysterium: der Hinweis auf Jesu menschliche und göttliche Natur, die Annahme des Leidens als göttlicher Solidarakt mit der Menschheit und schließlich die Befreiung aus allem Unheil und die Erhöhung zu Gott.
Dieses Christusbekenntnis des Paulus spiegelt auch seine aktuelle Spiritualität. Philippi war zu Beginn seiner Mission ein großer Erfolg des Paulus. Später dann erfuhr er gerade aus Philippi antichristliche Ressentiments und Verfolgung.
Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit! – Kv
Christus war gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht
und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen,
Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit!
Das Mahl
E Als die Stunde gekommen war,
legte er sich mit den Aposteln zu Tisch.
Und er sagte zu ihnen:
+ Mit großer Sehnsucht habe ich danach verlangt,
vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen.
Denn ich sage euch:
Ich werde es nicht mehr essen,
bis es seine Erfüllung findet im Reich Gottes.
E Und er nahm einen Kelch,
sprach das Dankgebet
und sagte:
+ Nehmt diesen und teilt ihn untereinander!
Denn ich sage euch:
Von nun an
werde ich nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken,
bis das Reich Gottes kommt.
E Und er nahm Brot,
sprach das Dankgebet,
brach es und reichte es ihnen
mit den Worten:
+ Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.
Tut dies zu meinem Gedächtnis!
E Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch
und sagte:
+ Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut,
das für euch vergossen wird.
Doch siehe, die Hand dessen, der mich ausliefert,
ist mit mir am Tisch.
Der Menschensohn muss zwar den Weg gehen,
der ihm bestimmt ist.
Aber weh dem Menschen, durch den er ausgeliefert wird!
E Da fragte einer den andern,
wer von ihnen das wohl sei, der dies tun werde.
Vom Dienen und Herrschen
E Es entstand unter ihnen ein Streit darüber,
wer von ihnen wohl der Größte sei.
Da sagte Jesus zu ihnen:
+ Die Könige herrschen über ihre Völker
und die Vollmacht über sie haben, lassen sich Wohltäter nennen.
Bei euch aber soll es nicht so sein,
sondern der Größte unter euch soll werden wie der Jüngste
und der Führende soll werden wie der Dienende.
Denn wer ist größer:
Der bei Tisch sitzt
oder der bedient?
Ist es nicht der, der bei Tisch sitzt?
Ich aber bin unter euch wie der, der bedient.
Ihr aber habt in meinen Prüfungen bei mir ausgeharrt.
Darum vermache ich euch das Reich,
wie es mein Vater mir vermacht hat:
Ihr sollt in meinem Reich
an meinem Tisch essen und trinken
und ihr sollt auf Thronen sitzen
und die zwölf Stämme Israels richten.
Die Ankündigung der Verleugnung
+ Simon, Simon,
siehe, der Satan hat verlangt,
dass er euch wie Weizen sieben darf.
Ich aber habe für dich gebetet,
dass dein Glaube nicht erlischt.
Und wenn du wieder umgekehrt bist,
dann stärke deine Brüder!
E Darauf sagte Petrus zu ihm:
S Herr, ich bin bereit,
mit dir sogar ins Gefängnis und in den Tod zu gehen.
E Jesus aber sagte:
+ Ich sage dir, Petrus, ehe heute der Hahn kräht,
wirst du dreimal leugnen, mich zu kennen.
Die Stunde der Not
E Dann sagte Jesus zu ihnen:
+ Als ich euch ohne Geldbeutel aussandte,
ohne Vorratstasche und ohne Schuhe,
habt ihr da etwa Not gelitten?
E Sie antworteten:
S Nein.
E Da sagte er zu ihnen:
+ Jetzt aber soll der, der einen Geldbeutel hat, ihn mitnehmen
und ebenso die Tasche.
Wer dies nicht hat,
soll seinen Mantel verkaufen
und sich ein Schwert kaufen.
Denn ich sage euch:
An mir muss sich erfüllen, was geschrieben steht:
Er wurde zu den Gesetzlosen gerechnet.
Denn alles, was über mich gesagt ist,
geht in Erfüllung.
E Da sagten sie:
S Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter.
E Er erwiderte:
+ Genug davon!
Das Gebet in Getsemani
E Dann verließ Jesus die Stadt
und ging, wie er es gewohnt war, zum Ölberg;
seine Jünger folgten ihm.
Als er dort war, sagte er zu ihnen:
+ Betet, dass ihr nicht in Versuchung geratet!
E Dann entfernte er sich von ihnen ungefähr einen Steinwurf weit,
kniete nieder und betete:
+ Vater, wenn du willst,
nimm diesen Kelch von mir!
Aber nicht mein,
sondern dein Wille soll geschehen.
E Da erschien ihm ein Engel vom Himmel
und stärkte ihn.
Und er betete in seiner Angst noch inständiger
und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte.
Nach dem Gebet stand er auf,
ging zu den Jüngern zurück
und fand sie schlafend;
denn sie waren vor Kummer erschöpft.
Da sagte er zu ihnen:
+ Wie könnt ihr schlafen?
Steht auf und betet,
damit ihr nicht in Versuchung geratet!
Die Gefangennahme Jesu und die Verleugnung des Petrus
E Noch während er redete,
siehe, da kam eine Schar Männer;
und der Judas hieß, einer der Zwölf, ging ihnen voran.
Er näherte sich Jesus, um ihn zu küssen.
Jesus aber sagte zu ihm:
+ Judas, mit einem Kuss lieferst du den Menschensohn aus?
E Als seine Begleiter merkten, was bevorstand,
fragten sie:
S Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?
E Und einer von ihnen schlug
auf den Diener des Hohepriesters ein
und hieb ihm das rechte Ohr ab.
Da sagte Jesus:
+ Lasst es! Nicht weiter!
E Und er berührte das Ohr
und heilte den Mann.
Zu den Hohepriestern aber,
den Hauptleuten der Tempelwache
und den Ältesten, die vor ihm standen, sagte Jesus:
+ Wie gegen einen Räuber
seid ihr mit Schwertern und Knüppeln ausgezogen.
Tag für Tag war ich bei euch im Tempel
und ihr habt nicht Hand an mich gelegt.
Aber das ist eure Stunde
und die Macht der Finsternis.
E Darauf nahmen sie ihn fest,
führten ihn ab
und brachten ihn in das Haus des Hohepriesters.
Petrus folgte von Weitem.
Mitten im Hof hatte man ein Feuer angezündet
und Petrus setzte sich zu den Leuten,
die dort beieinandersaßen.
Eine Magd sah ihn am Feuer sitzen,
schaute ihn genau an
und sagte:
S Der war auch mit ihm zusammen.
E Petrus aber leugnete es
und sagte:
S Frau, ich kenne ihn nicht.
E Kurz danach sah ihn ein anderer
und bemerkte:
S Du gehörst auch zu ihnen.
E Petrus aber sagte:
S Nein, Mensch, ich nicht!
E Etwa eine Stunde später behauptete wieder einer:
S Wahrhaftig, der war auch mit ihm zusammen;
er ist doch auch ein Galiläer.
E Petrus aber erwiderte:
Mensch, ich weiß nicht, wovon du sprichst.
E Im gleichen Augenblick, noch während er redete,
krähte ein Hahn.
Da wandte sich der Herr um
und blickte Petrus an.
Und Petrus erinnerte sich an das Wort,
das der Herr zu ihm gesagt hatte:
Ehe heute der Hahn kräht,
wirst du mich dreimal verleugnen.
Und er ging hinaus und weinte bitterlich.
Die Männer, die Jesus bewachten, trieben ihren Spott mit ihm.
Sie schlugen ihn,
verhüllten ihm das Gesicht
und fragten ihn:
S Du bist doch ein Prophet,
sag uns: Wer hat dich geschlagen?
E Und noch viele andere Lästerungen stießen sie gegen ihn aus.
Jesus vor dem Hohen Rat
E Als es Tag wurde,
versammelte sich der Ältestenrat des Volkes,
die Hohepriester und die Schriftgelehrten
und sie ließen Jesus vor ihren Hohen Rat führen.
Sie sagten zu ihm:
S Wenn du der Christus bist,
dann sag es uns!
E Er antwortete ihnen:
+ Wenn ich es euch sage,
glaubt ihr mir ja doch nicht;
und wenn ich euch etwas frage, antwortet ihr nicht.
Von nun
an wird der Menschensohn
zur Rechten der Macht Gottes sitzen.
E Da sagten alle:
S Du bist also der Sohn Gottes?
E Er antwortete ihnen:
+ Ihr sagt es -
ich bin es.
E Da riefen sie:
S Wozu brauchen wir noch eine Zeugenaussage?
Wir haben es selbst aus seinem Mund gehört.
Jesus vor Pilatus und Herodes
E Daraufhin erhob sich die ganze Versammlung
und man führte Jesus zu Pilatus.
Dort brachten sie ihre Anklage gegen ihn vor;
sie sagten:
S Wir haben festgestellt,
dass dieser Mensch unser Volk verführt,
es davon abhält, dem Kaiser Steuer zu zahlen,
und behauptet, er sei der Christus und König.
E Pilatus fragte ihn:
S Bist du der König der Juden?
E Er antwortete ihm:
+ Du sagst es.
E Da sagte Pilatus zu den Hohepriestern und zur Volksmenge:
S Ich finde keine Schuld an diesem Menschen.
E Sie aber blieben hartnäckig
und sagten:
S Er wiegelt das Volk auf;
er verbreitet seine Lehre im ganzen jüdischen Land,
angefangen von Galiläa bis hierher.
E Als Pilatus das hörte,
fragte er, ob der Mann ein Galiläer sei.
Und als er erfuhr,
dass Jesus aus dem Herrschaftsgebiet des Herodes komme,
ließ er ihn zu Herodes bringen,
der in jenen Tagen ebenfalls in Jerusalem war.
Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah;
schon lange hatte er sich gewünscht, ihn zu sehen,
denn er hatte von ihm gehört.
Nun hoffte er, ein von ihm gewirktes Zeichen zu sehen.
Er stellte ihm viele Fragen,
doch Jesus gab ihm keine Antwort.
Die Hohepriester und die Schriftgelehrten, die dabeistanden,
erhoben schwere Beschuldigungen gegen ihn.
Herodes und seine Soldaten zeigten ihm offen ihre Verachtung.
Er trieb seinen Spott mit Jesus,
ließ ihm ein Prunkgewand umhängen
und schickte ihn so zu Pilatus zurück.
An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde;
vorher waren sie Feinde gewesen.
Pilatus rief die Hohepriester
und die anderen führenden Männer und das Volk zusammen
und sagte zu ihnen:
S Ihr habt mir diesen Menschen hergebracht
und behauptet, er wiegle das Volk auf.
Und siehe, ich selbst habe ihn in eurer Gegenwart verhört
und habe an diesem Menschen die Schuld,
wegen der ihr ihn anklagt,
nicht gefunden,
auch Herodes nicht,
denn er hat ihn zu uns zurückgeschickt.
Ihr seht also:
Er hat nichts getan, worauf die Todesstrafe steht.
Daher will ich ihn auspeitschen lassen
und dann freilassen.
E Er musste ihnen aber zum Fest einen Gefangenen freilassen.
Da schrien sie alle miteinander:
S Weg mit ihm;
lass den Barabbas frei!
E Dieser Mann war wegen eines Aufruhrs in der Stadt
und wegen Mordes ins Gefängnis geworfen worden.
Pilatus aber redete wieder auf sie ein,
denn er wollte Jesus freilassen.
Doch sie schrien:
S Kreuzige ihn, kreuzige ihn!
E Zum dritten Mal sagte er zu ihnen:
S Was für ein Verbrechen hat er denn begangen?
Ich habe nichts feststellen können, wofür er den Tod verdient.
Daher will ich ihn auspeitschen lassen
und dann werde ich ihn freilassen.
E Sie aber schrien
und forderten immer lauter, er solle Jesus kreuzigen lassen,
und mit ihrem Geschrei setzten sie sich durch:
Da entschied Pilatus, dass ihre Forderung erfüllt werden solle.
Er ließ den Mann frei,
der wegen Aufruhrs und Mordes im Gefängnis saß
und den sie gefordert hatten.
Jesus aber lieferte er ihrem Willen aus.
Kreuzweg und Kreuzigung
E Als sie Jesus hinausführten,
ergriffen sie Simon, einen Mann aus Kyrene,
der gerade vom Feld kam.
Ihm luden sie das Kreuz auf,
damit er es hinter Jesus hertrage.
Es folgte ihm eine große Menge des Volkes,
darunter auch Frauen, die um ihn klagten und weinten.
Jesus wandte sich zu ihnen um
und sagte:
+ Töchter Jerusalems, weint nicht über mich;
weint vielmehr über euch und eure Kinder!
Denn siehe, es kommen Tage,
da wird man sagen: Selig die Frauen, die unfruchtbar sind,
die nicht geboren und nicht gestillt haben.
Dann wird man zu den Bergen sagen:
Fallt auf uns!
und zu den Hügeln:
Deckt uns zu!
Denn wenn das mit dem grünen Holz geschieht,
was wird dann erst mit dem dürren werden?
E Zusammen mit Jesus
wurden auch zwei Verbrecher zur Hinrichtung geführt.
Sie kamen an den Ort, der Schädelhöhe heißt;
dort kreuzigten sie ihn und die Verbrecher,
den einen rechts von ihm, den andern links.
Jesus aber betete:
+ Vater, vergib ihnen,
denn sie wissen nicht, was sie tun!
E Um seine Kleider zu verteilen, warfen sie das Los.
Das Volk stand dabei und schaute zu;
auch die führenden Männer verlachten ihn
und sagten:
S Andere hat er gerettet,
nun soll er sich selbst retten,
wenn er der Christus Gottes ist, der Erwählte.
E Auch die Soldaten verspotteten ihn;
sie traten vor ihn hin,
reichten ihm Essig
und sagten:
S Wenn du der König der Juden bist,
dann rette dich selbst!
E Über ihm war eine Aufschrift angebracht:
Das ist der König der Juden.
Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn:
S Bist du denn nicht der Christus?
Dann rette dich selbst und auch uns!
E Der andere aber wies ihn zurecht
und sagte:
S Nicht einmal du fürchtest Gott?
Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen.
Uns geschieht recht,
wir erhalten den Lohn für unsere Taten;
dieser aber hat nichts Unrechtes getan.
E Dann sagte er:
S Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!
E Jesus antwortete ihm:
+ Amen, ich sage dir:
Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.
Der Tod Jesu
E Es war schon um die sechste Stunde,
als eine Finsternis über das ganze Land hereinbrach -
bis zur neunten Stunde.
Die Sonne verdunkelte sich.
Der Vorhang im Tempel riss mitten entzwei.
Und Jesus rief mit lauter Stimme:
+ Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.
E Mit diesen Worten hauchte er den Geist aus.
(Hier knien alle zu einer kurzen Gebetsstille nieder)
E Als der Hauptmann sah, was geschehen war,
pries er Gott
und sagte:
S Wirklich, dieser Mensch war ein Gerechter.
E Und alle, die zu diesem Schauspiel herbeigeströmt waren
und sahen, was sich ereignet hatte,
schlugen sich an die Brust
und gingen weg.
Alle seine Bekannten aber
standen in einiger Entfernung,
auch die Frauen,
die ihm von Galiläa aus nachgefolgt waren
und die dies mit ansahen.
Das Begräbnis Jesu
E Und siehe, da war ein Mann mit Namen Josef,
ein Mitglied des Hohen Rats
und ein guter und gerechter Mensch.
Dieser hatte ihrem Beschluss und Vorgehen
nicht zugestimmt.
Er war aus Arimathäa, einer jüdischen Stadt,
und wartete auf das Reich Gottes.
Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu.
Und er nahm ihn vom Kreuz, hüllte ihn in ein Leinentuch
und legte ihn in ein Felsengrab,
in dem noch niemand bestattet worden war.
Das war am Rüsttag,
kurz bevor der Sabbat anbrach.
Die Frauen in seiner Nachfolge,
die mit Jesus aus Galiläa gekommen waren,
sahen das Grab
und wie der Leichnam bestattet wurde.
Dann kehrten sie heim
und bereiteten wohlriechende Salben und Öle zu.
Am Sabbat aber
hielten sie die vom Gebot vorgeschriebene Ruhe ein.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Jesus vor Pilatus und Herodes
E Die Ältesten des Volkes,
die Hohenpriester und die Schriftglehrten erhoben sich
und man führte Jesus zu Pilatus.
Dort brachten sie ihre Anklage gegen ihn vor;
sie sagten:
S Wir haben festgestellt,
dass dieser Mensch unser Volk verführt,
es davon abhält, dem Kaiser Steuer zu zahlen,
und behauptet, er sei der Christus und König.
E Pilatus fragte ihn:
S Bist du der König der Juden?
E Er antwortete ihm:
+ Du sagst es.
E Da sagte Pilatus zu den Hohepriestern und zur Volksmenge:
S Ich finde keine Schuld an diesem Menschen.
E Sie aber blieben hartnäckig
und sagten:
S Er wiegelt das Volk auf;
er verbreitet seine Lehre im ganzen jüdischen Land,
angefangen von Galiläa bis hierher.
E Als Pilatus das hörte,
fragte er, ob der Mann ein Galiläer sei.
Und als er erfuhr,
dass Jesus aus dem Herrschaftsgebiet des Herodes komme,
ließ er ihn zu Herodes bringen,
der in jenen Tagen ebenfalls in Jerusalem war.
Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah;
schon lange hatte er sich gewünscht, ihn zu sehen,
denn er hatte von ihm gehört.
Nun hoffte er, ein von ihm gewirktes Zeichen zu sehen.
Er stellte ihm viele Fragen,
doch Jesus gab ihm keine Antwort.
Die Hohepriester und die Schriftgelehrten, die dabeistanden,
erhoben schwere Beschuldigungen gegen ihn.
Herodes und seine Soldaten zeigten ihm offen ihre Verachtung.
Er trieb seinen Spott mit Jesus,
ließ ihm ein Prunkgewand umhängen
und schickte ihn so zu Pilatus zurück.
An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde;
vorher waren sie Feinde gewesen.
Pilatus rief die Hohepriester
und die anderen führenden Männer und das Volk zusammen
und sagte zu ihnen:
S Ihr habt mir diesen Menschen hergebracht
und behauptet, er wiegle das Volk auf.
Und siehe, ich selbst habe ihn in eurer Gegenwart verhört
und habe an diesem Menschen die Schuld,
wegen der ihr ihn anklagt,
nicht gefunden,
auch Herodes nicht,
denn er hat ihn zu uns zurückgeschickt.
Ihr seht also:
Er hat nichts getan, worauf die Todesstrafe steht.
Daher will ich ihn auspeitschen lassen
und dann freilassen.
E Er musste ihnen aber zum Fest einen Gefangenen freilassen.
Da schrien sie alle miteinander:
S Weg mit ihm;
lass den Barabbas frei!
E Dieser Mann war wegen eines Aufruhrs in der Stadt
und wegen Mordes ins Gefängnis geworfen worden.
Pilatus aber redete wieder auf sie ein,
denn er wollte Jesus freilassen.
Doch sie schrien:
S Kreuzige ihn, kreuzige ihn!
E Zum dritten Mal sagte er zu ihnen:
S Was für ein Verbrechen hat er denn begangen?
Ich habe nichts feststellen können, wofür er den Tod verdient.
Daher will ich ihn auspeitschen lassen
und dann werde ich ihn freilassen.
E Sie aber schrien
und forderten immer lauter, er solle Jesus kreuzigen lassen,
und mit ihrem Geschrei setzten sie sich durch:
Da entschied Pilatus, dass ihre Forderung erfüllt werden solle.
Er ließ den Mann frei,
der wegen Aufruhrs und Mordes im Gefängnis saß
und den sie gefordert hatten.
Jesus aber lieferte er ihrem Willen aus.
Kreuzweg und Kreuzigung
E Als sie Jesus hinausführten,
ergriffen sie Simon, einen Mann aus Kyrene,
der gerade vom Feld kam.
Ihm luden sie das Kreuz auf,
damit er es hinter Jesus hertrage.
Es folgte ihm eine große Menge des Volkes,
darunter auch Frauen, die um ihn klagten und weinten.
Jesus wandte sich zu ihnen um
und sagte:
+ Töchter Jerusalems, weint nicht über mich;
weint vielmehr über euch und eure Kinder!
Denn siehe, es kommen Tage,
da wird man sagen: Selig die Frauen, die unfruchtbar sind,
die nicht geboren und nicht gestillt haben.
Dann wird man zu den Bergen sagen:
Fallt auf uns!
und zu den Hügeln:
Deckt uns zu!
Denn wenn das mit dem grünen Holz geschieht,
was wird dann erst mit dem dürren werden?
E Zusammen mit Jesus
wurden auch zwei Verbrecher zur Hinrichtung geführt.
Sie kamen an den Ort, der Schädelhöhe heißt;
dort kreuzigten sie ihn und die Verbrecher,
den einen rechts von ihm, den andern links.
Jesus aber betete:
+ Vater, vergib ihnen,
denn sie wissen nicht, was sie tun!
E Um seine Kleider zu verteilen, warfen sie das Los.
Das Volk stand dabei und schaute zu;
auch die führenden Männer verlachten ihn
und sagten:
S Andere hat er gerettet,
nun soll er sich selbst retten,
wenn er der Christus Gottes ist, der Erwählte.
E Auch die Soldaten verspotteten ihn;
sie traten vor ihn hin,
reichten ihm Essig
und sagten:
S Wenn du der König der Juden bist,
dann rette dich selbst!
E Über ihm war eine Aufschrift angebracht:
Das ist der König der Juden.
Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn:
S Bist du denn nicht der Christus?
Dann rette dich selbst und auch uns!
E Der andere aber wies ihn zurecht
und sagte:
S Nicht einmal du fürchtest Gott?
Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen.
Uns geschieht recht,
wir erhalten den Lohn für unsere Taten;
dieser aber hat nichts Unrechtes getan.
E Dann sagte er:
S Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!
E Jesus antwortete ihm:
+ Amen, ich sage dir:
Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.
Der Tod Jesu
E Es war schon um die sechste Stunde,
als eine Finsternis über das ganze Land hereinbrach -
bis zur neunten Stunde.
Die Sonne verdunkelte sich.
Der Vorhang im Tempel riss mitten entzwei.
Und Jesus rief mit lauter Stimme:
+ Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.
E Mit diesen Worten hauchte er den Geist aus.
(Hier knien alle zu einer kurzen Gebetsstille nieder)
E Als der Hauptmann sah, was geschehen war,
pries er Gott
und sagte:
S Wirklich, dieser Mensch war ein Gerechter.
E Und alle, die zu diesem Schauspiel herbeigeströmt waren
und sahen, was sich ereignet hatte,
schlugen sich an die Brust
und gingen weg.
Alle seine Bekannten aber
standen in einiger Entfernung,
auch die Frauen,
die ihm von Galiläa aus nachgefolgt waren
und die dies mit ansahen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
„Wer hoch steigt, fällt tief.“ Ist das das Sprichwort der neiderfüllten, „kleinen“ Menschen, die es zu wenig bringen? Eine Lebenserfahrung, eine Tatsache? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Dass Menschen als Stars, neue Erlöser und Hoffnungsträger:innen in den Himmel gelobt und auf ein Stockerl gestellt werden, das erleben wir immer wieder: Schauspieler:innen, Musiker:innen, Sänger:innen; Jungpolitiker:innen, Quereinsteiger:innen, Firmenchefs; Sporttalente, Börsengurus, Selfmade-Millionär:innen. Es rattert schon im Kopf, Sie haben da sicher ein paar Namen parat.
Eine Zeitlang geht alles gut, diese Menschen feiern Erfolg um Erfolg, das Vertrauen in sie erscheint gerechtfertigt. Die Fangemeinde wächst, und mit ihr die Hoffnung auf anhaltende Erfolge, endgültige Lösungen, vielleicht auch auf Reichtum und Glanz, der auf uns selber als begeistert Zuschauende abfärbt. Selten hält dieses Plateau, dieses Hoch des Erfolgs ein Leben lang an. Kein Mensch ist perfekt und vollkommen. Flecken in der Persönlichkeit, Risse und Schrammen im Image treten auf: Kleinigkeiten werden aufgebauscht, oder größere Fehltritte kommen ans Tageslicht: unbedachte Aussagen aus Vergangenheit oder Gegenwart, ein finanzieller Fehlgriff, moralische Schwäche, Krankheit oder Sucht, misslungene Beziehungen, eine falsche Einschätzung der Situation, des Problems oder des Lösungsversuchs, falsche Freundinnen und Freunde, unglückliche Allianzen… Der Abstieg kommt schleichend, oder er geht rasant. Auch dazu fallen Ihnen jetzt einige Namen ein.
Oft ist der Fall tief, und die mediale Öffentlichkeit tritt auf die am Boden Liegenden auch noch drauf, seziert ihre Fehler und nimmt alles unter die Lupe, beleuchtet unbarmherzig den letzten Winkel, zerrt alles ans Licht. Die Familie leidet mit. Wie man sich davon erholen kann, ist mir kaum vorstellbar. Da bin ich dann nur froh, nicht an ihrer Stelle zu sein. Denn wer weiß, worüber in meinem Leben, in meinem Umfeld und Handeln sich andere auslassen könnten, was sie aus der Vergangenheit hervorholen und skandalisieren würden, ob berechtigt oder nicht. Zum Glück bin ich nicht so bekannt, nicht so erfolgreich, medial nicht so präsent!
Bei Jesus war es auch ein wenig so. Als unbekannter aber charismatischer Mensch sammelt er eine Schar von Jüngerinnen und Jüngern um sich, die von seiner Botschaft berührt und begeistert sind, die ihren Alltag und ihre familiären Beziehungen hinter sich lassen und ihm folgen. Was er sagt, ist nicht immer angenehm, sondern radikal. Wie er seine Gottesbeziehung lebt, ist faszinierend und gibt Hoffnung. Und diese Hoffnung überträgt sich auf eine größere Menschenmenge, die die Person „Jesus aus Nazareth“ auch noch mit politisch gefärbter Hoffnung auflädt: Jesus, der neue König, der mit der römischen Besatzung Schluss machen wird und die Freiheit zurückbringt...
Jesus wird gefeiert, ob es ihm gefällt oder nicht. Die Eifersucht und besorgte Angst der religiösen jüdischen Elite machen diesem Jubel ein Ende. Jesus wird hingerichtet, in Zusammenarbeit mit der politischen Verwaltung. Der tiefe Fall des Jesus von Nazareth, mit einer Hinrichtung als Verbrecher am Ende. So könnte es enden, wenn Gott den Gesetzmäßigkeiten unter Menschen folgte, wenn es bei Gott nicht anders wäre als bei uns Menschen.
Aber es ist anders bei Gott: Er steigt ein ins Geschehen, wo Menschen am Boden liegen und gedemütigt sind. Denn auch da sind sie in seiner Hand, auch da hält er sie, allem Augenschein zum Trotz. Er ist bei Jesus in seinem Leiden, er ist bei Jesus, der dieses „ganz unten Sein“ erträgt, der Spott und Hohn auf sich nimmt, ohne sich gewaltsam zu wehren. Der - von außen gesehen – das letzte Fünkchen Würde in den Demütigungen seiner Peiniger verliert.
Gott sagt nicht „das war's jetzt!“, wenn Menschen am Tiefpunkt sind. Er führt sie durchs Leid hindurch und hilft ihnen, aufzustehen. Die Auferstehung Jesu vom Tod ist die mächtigste Art, aufzustehen. Dass Menschen wieder aufstehen, ist in Gottes Sinn. Er hilft und er lässt uns helfen, dass Menschen den Kopf wieder heben, Boden unter den Füßen bekommen, dass wir aufbauende Worte sagen -egal, was vorher an Schlimmem geschehen ist.
Wenn wir weitertun, was Jesus gelebt hat, und was Gott (mit Hilfe anderer Menschen) schon vor Jesus begonnen hat, dann ändert sich etwas am Aufstieg und Niedergang von Menschen, Leben und Karrieren.
Dann loben wir Menschen nicht in den Himmel, denn sie sind menschlich wie wir. Sie werden dann nicht überfrachtet mit Hoffnungen und Erwartungen, sondern sie können einfach das tun, was möglich ist. Das kann sie vor Positionen bewahren, die nicht gut für sie selbst und für die Gesellschaft sind.
Dann treten wir nicht auf Menschen, die am Boden liegen, denn sie sind menschlich wie wir. Vielleicht haben sie Fehler gemacht, schwere Fehler, für die sie einstehen müssen. Aber auch ich könnte dort liegen, oder du, oder Sie. Niemand hat das verdient, von anderen zerstört zu werden.
Und dann helfen wir Menschen aufzustehen, denn sie sind menschlich wie wir. Im Unglück und Elend schon die Auferstehung, das Aufrichten zu üben, das ist „wie Gott zu handeln“. Einen Neubeginn, neues Leben zu ermöglichen, die Würde aller zu sehen.
Das alles ist die ganze Kar- und Osterwoche, an jedem Tag des Jahres.
© Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Seelsorgerin Wels St. Franziskus.
[Jesus Christus] „war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen, er erniedrigte sich und war gehorsam bis zu seinem Tod, bis zum Tod am Kreuz.“ (Phil. 2,6- 8). Dieser Hymnus, im Besonderen das Wort „gleich“, löste im 4. und 5. Jhdt. eine große Diskussion aus, wer dieser Christus wirklich war: wesensähnlich wie Gott? Wesensgleich oder wesenseins?
Das Evangelium dieses Sonntags veranschaulicht deutlich das herannahende Ende Jesu. In Jerusalem fällt die Entscheidung. Jesus kommt in die Zielgerade seines irdischen Lebens, sein Pilgerweg geht dem Ende entgegen. Auf der Straße entsteht das Stimmungsbild aufgeheizter Emotionen. Bei heutigen gesellschaftspolitischen Demonstrationen ist das nicht anders. Aufgeheizte Meinungen prallen heftig aufeinander. Hier die Jünger: „Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn. Im Himmel Friede und Ehre in der Höhe.“ (Lk 19,38). Der Evangelist übernimmt dieses Wort aus dem Psalm 118,26, wo es heißt: „Hosianna, bring doch Rettung.“ Dagegen die „Pharisäer aus der Menge: Meister, weise deine Jünger zurecht.“ (Lk 19,39). In heutiger Sprache würde das heißen: Sie sollen gefälligst den Mund halten.
So ein Erscheinungsbild erzeugen auch gegenwärtige Demonstranten, je nach Interessenslage. Dazwischen stehen wahrscheinlich Menschen, die nicht genau wissen, worum es geht. Probleme verschiedenster Art werden durchmischt. So war es auch zu Jesu Zeiten. Bei seinem Einzug in Jerusalem ist es offenbar geworden.
Für die Pharisäer war klar, dass Jesus durch Übertreten der Gesetze und Gotteslästerung viel Schuld auf sich geladen hatte und seine Jünger um nichts besser waren als ihr Meister. Für andere wieder scheint er der große Befreier von der römischen Herrschaft zu sein, gleichsam ein König. Jesus hat aber diesen Titel nie beansprucht und auch selbst nicht so gemeint. So entsteht ein giftiges Gebräu aus Politik und Religion.
Die Weltsituation ist heute ähnlich gelagert, durchdrungen von Politik und eigenartigem religiösem Mix von evangelikalen Gruppierungen und christlichen Fundamentalisten in Amerika bis hin zu terroristischen Organisationen im Nahen und Fernen Osten mit sehr unterschiedlichen politischen Interessen und radikalen religiösen Vorstellungen. Wenn die Jünger schweigen, werden die Steine schreien, das heißt: Wenn sie nicht mehr den Auftrag Jesu wahrnehmen, das Wort Gottes in Wort und Tat zu verkünden, „schreien die Steine“ (Lk 19,40). Einige Kapitel weiter heißt es: „Kein Stein wird auf dem anderen bleiben.“ (Lk 21,5). Das ist Jesu Tempelprophetie. Der jüdische Tempel wurde im Jahre 70 durch die Römer zerstört. Damit ging ein beachtlicher Teil jüdischer Identität verloren. Als der Evangelist Lukas sein Evangelium um das Jahr 85 niederschreib, war dies bereits Geschichte.
Diese Redewendung „Kein Stein bleibt auf dem anderen“ begleitet uns bis in unsere Tage und weist auf einen Neuanfang hin, der sehr ungemütlich werden kann. Jesus setzt diesen Neuanfang in Jerusalem, auch für ihn wird es sehr schmerzhaft. Trotz allem Leids breitet Jesus die Hände aus und spricht ein Wort des Trostes: "Herr, verzeih ihnen, sie wissen nicht, was sie tun." (Lk 23,34). Auch wir gehen einen Pilgerweg zum Vater mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten Erkenntnissen und persönlichen Lebenserfahrungen.
Auch heute scheint kein Stein auf dem anderen zu bleiben. In unseren Beziehungen gibt es viele kommunikative Störungen. Wir werden immer mehr zu einer Konfliktgesellschaft mit Auswirkungen auf Politik, Wirtschaft sowie privates Umfeld. Das spüren wir auch in den Kirchen. Rasch aufeinanderfolgende Krisen schütteln uns durcheinander. In der Gesellschaft hören und spüren wir den Ruf nach Veränderung und Neuanfang und sind uns bewusst, dass der Neubeginn schmerzlich, auch von Ängsten, Zweifeln und Misstrauen durchdrungen ist. Die Zukunftsängste sind groß.
Kein Stein bleibt auf dem anderen. Ostern sagt uns: Steht auf, werdet neue Menschen, legt den grauslichen, ängstlichen, hasserfüllten, machtbesoffenen und gierigen alten Menschen ab. Das Reich des Vaters ist ein friedvolles, liebendes. Sichtbare Spuren dieses Reiches sind schon da, ihr müsst sie nur erkennen und noch deutlicher sichtbar machen.
Es lohnt sich, den bedeutungsgeladenen Orten auf dem Weg Jesu nach Jerusalem nachzugehen und nachzuspüren: Jericho, Betanien, Betfage und einzelne Orte in Jerusalem. Es sind Orte, die Schritt für Schritt Raum schaffen für das Reich Gottes.
Ein Kommen und Gehen von Haus zu Haus wurde uns eben im Evangelium geschildert. Mit der uns vertrauten Mobilität Jesu und seiner Freundesgruppe werden wir, seine Jünger:innenschar heute, bei der Ankunft Jesu in Jerusalem neuerlich konfrontiert. Jesus bedient sich bei seinen „Hausbesuchen“ des „Voraussendens“: Er bittet zum Beispiel vor Jerusalem seine Jünger: „Geht und holt“ das Fohlen, auf dem er später in die Stadt reiten wird. Später in Jerusalem sendet er wieder seine Freunde voraus: „Geht und bereitet das Mahl für das Paschalamm vor“. Schon zuvor eröffnete Jesus in Jericho dem stadtbekannten Zachäus, dass er „in sein Haus einkehren möchte“.
Der Evangelist Lukas möchte mit dem für ihn typischen Motiv der „Hausbesuche“ seinen Hörer:innen eine Aussicht bzw. eine Innenansicht auf „Räume der Glaubenserfahrung“ eröffnen.
Schauen wir uns also jene Häuser näher an, die Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem aufsucht, besucht.
Schon erwähnt wurde das Haus von Zachäus in Jericho: "Heute ist diesem Haus Heil geschenkt worden“ ist die Erfahrung, die Zachäus in seinem Haus machte. Zachäus „nahm Jesus freudig bei sich auf“, so schildert es Lukas! Zachäus war bereit, war offen für diesen Besuch, der ihn das Reich Gottes erfahren ließ.
Von Jericho auf dem Weg nach Jerusalem liegt Betanien. Ein Ort, den Jesus im gastlichen Haus seines Freundes Lazarus und dessen Schwestern Maria und Martha immer wieder aufsuchte und dort zum Mahl geladen war. Der Dorfname „Betanien“ bedeutet „Haus der Armen, Haus der Armut“. Der Name verweist auf eine karge Gegend, denn Betanien liegt östlich vom Ölberg, nicht weit weg von der judäischen Wüste. Im Vergleich zu Galiläa, das fruchtbar war und seine Landwirtschaft ertragreich, waren Betanien und die Umgebung „arm, ein Haus der Armen“. So sahen es die vielen Pilger, die aus Galiläa nach Jerusalem gingen und in Betanien Rast machten. Von diesem Ort aus, konnten sie bequem in einem Tag nach Jerusalem ziehen und auch abends wieder zurück in eine Unterkunft, wo ihnen Freunde oder Familien Unterkunft gewährten; ein Weg von etwa 3 km hin und 3 km zurück!
Obwohl Betanien „das Haus der Armen“ genannt wurde, war es ein Ort der Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft, wo man Aufnahme in den Häusern der Dorfbewohner fand. Dies galt auch für Jesus und seine Gruppe.
Nicht weit weg von Betanien liegt auf dem Weg nach Jerusalem Betfage, jener Ort am Ölberg, wo Jesus seine Jünger aussendet, um ein Fohlen zu holen. Jesus und seinem Freundeskreis war dieser Ort vertraut als eine Stätte, wo sie in den Häusern willkommen waren. Betfage heißt übersetzt „Haus der unreifen Feigen“ und ist mit der Erzählung vom Feigenbaum, der keine Früchte trägt, in Verbindung zu bringen. Wir haben dieses Evangelium am 3. Fastensonntag gehört.
Die religiöse Bedeutung, auf die hier Lukas anspielt, ist das Reich Gottes. Der Name des Ortes verweist auf die kommenden Tage in Jerusalem, dort, wo das Reich Gottes „verkannt“ wird. Und verweist schon auf die Ankunft in Jerusalem, wo Jesus nicht diese Gastfreundschaft erfährt, wie sonst auf seinem Weg.
Aber, wie Lukas (Lk 13,9a) schreibt: „Vielleicht trägt er – der Feigenbaum - in Zukunft Früchte“? In diesem Sinne sind die Feigenbäume, die frisch austreiben und Frucht tragen, ein Bild für das Reich Gottes und Symbol für Wohlergehen und Frieden.
Auch das Eselfohlen, auf dem Jesus in die Stadt reitet, ist symbolisch zu verstehen. Es verweist auf Gerechtigkeit, Frieden und Demut, die Jesus der Stadt bringen wollte. Aber dafür sind die Mächtigen dieser Stadt nicht bereit. Jesus ist sich dessen bewusst: „Als er näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie und sagte: „Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was dir Frieden bringt.“ (Lk 19,41f). Diese Worte lassen aufhorchen. Der Besuch Jesu in Jerusalem wird kein Honiglecken sein: Ablehnung, Misstrauen, Hochmut, Anklage usw. werden die Antworten auf den Besuch von Jesus in der Stadt sein.
Vor seinem „unfreiwilligen Auftritt“ im Haus des Hohepriesters, dem religiös Mächtigen von Jerusalem und im Haus des Pilatus, dem Prätorium, dem politisch Mächtigen, sucht Jeus noch zwei andere Häuser in der Stadt auf.
Das erste der beiden Häuser, welches Jesus mit seiner Gruppe in Jerusalem „besucht“, ist „das Haus des Gebetes“, ist der Tempel in Jerusalem. Dort erwartet ihn Tag für Tag das Volk, das ihn hören wollte. Nicht so die Schriftgelehrten, die Sekretäre der „Mächtigen“. Die lebensbedrohliche Ablehnung Jesu nahm im Tempel ihren Beginn. Dieses Haus, von dem Jesus sagte, dass sie eine Räuberhöhle daraus gemacht haben, war nicht aufnahmebereit für den Besuch Jesu. Zu groß war der Gegensatz zwischen ihm und der religiösen Führung, so wie der Oberschicht in Jerusalem.
Schon zu seinen Eltern, die ihn einst im Tempel suchten, sagte Jesus: "Wusstet ihr nicht, dass ich in dem (Haus) sein muss, was meinem Vater gehört?" (Lk 2,49).
So vertrieb Jesus die Händler aus dem Tempel, aus dem Haus seines Vaters! Für die religiös Mächtigen war jedoch der Handel im Tempel gewinnbringend. So wird gerade im „Haus Adonais“ der Beschluss gefasst, ihn zu beseitigen. Nicht gerade sehr gastfreundlich dieses religiöse Zentrum, das Haus „Adonais“ in Jerusalem. Das Verhalten der „Mächtigen“ war ein Verstoß gegen die jüdische Praxis der Gastfreundschaft einem Fremden gegenüber. Lukas kritisiert in seinem Evangelium vehement dieses Verhalten.
Gehen wir in der Stadt Jerusalem weiter zu jenem Haus, wo Jesus seine Jünger bittet: "Geht und bereitet das Mahl des Paschalammes vor“. Der Hausherr hat ihnen einen großen Raum gezeigt, der im Obergeschoss lag. In diesem Raum, mit Polstern ausgestattet, konnten sie in Ruhe alles für das Paschafest vorbereiten. Es ist das „letzte Haus“, das Jesus besuchte und inmitten seiner Freundesgruppe zu Tisch lag und seiner Sehnsucht nach dem gemeinsamen Mahl freien Lauf ließ!
Stille…
Wohin gehen wir, welche Häuser besuchen wir, wo ist der Raum für unser Abendmahl? Diese Fragen können aus der jüdisch-christlichen Praxis der Gastfreundschaft beantwortet werden!
Die Gastfreundschaft ist Grundbotschaft der „Reich-Gottes-Welt“ für uns und für alle, die in unsere Häuser, in unsere spirituellen Häuser, kommen. Das Evangelium wirbt buchstäblich um die Gastfreundschaft, die wir der Gesellschaft schenken, indem wir miteinander teilen, nicht nur das Wort oder das Brot, sondern unser Leben als Weggemeinschaft, Glaubensgemeinschaft.
Unsere Häuser, als Raum der Freiheit und Gnade, können einen Ort für das Gebet und die Gemeinschaft anbieten. Dort ist auch Raum für unser Abendmahl – für den „Hausbesuch“ Jesu in unserem Leben. Gewähren wir ihm jene Gastfreundschaft, wie auch einst Zachäus. Dann erfahren auch wir: "Heute ist diesem Haus Heil geschenkt worden!"
Der Einzug Jesu steht für den Weg der Gerechtigkeit und der Gewaltlosigkeit, den er in den Jahren seines öffentlichen Auftretens gegangen ist. Wir sind aufgefordert, ihm darin zu folgen.
Menschen sind unterwegs in ihrem Leben. Die Straßen, die Wege die sie nehmen, einschlagen, sind so vielfältig wie die Menschen, die sie begehen. Wir nähern uns bei jedem Schritt einer neuen Situation, einer neuen Lebensmöglichkeit. - Was sind die Namen dieser Lebensstraßen? Können sie überhaupt benannt werden, wie die Straßen, der Plätze, die Wege, wo wir wohnen?
Es wäre ein sinnerfülltes, wegweisendes Projekt, die Lebensstraßen, die wir schon gegangen sind, dir wir gehen möchten, weil dort unsere Zukunft liegt, einen Namen zu geben. Sowohl die Rückschau, wie auch die Vorschau würden auf einmal viele „Gesichter“ bekommen.
Viel tut sich im heutigen Evangelium auf den Straßen vor der Stadt Jerusalem an den Tagen vor dem Pessachfest, dem großen Wallfahrtsfest. Jesus und seine Freundesgruppe bewegen sich mit dem Pilgerstrom auf der Straße nach Jerusalem. Schon lange gehen sie gemeinsam auf Wegen zum Reich Gottes in aller Öffentlichkeit. Geographisch gesehen sind sie dabei von Galiläa aus bis nach Judäa, nach Jerusalem gekommen.
Welche Erinnerungen, welche Spuren aus der Vergangenheit haben sie unterwegs mitgenommen? - Da gibt es einmal die Reich Gottes Erfahrungen mit Jesus, von denen sie nicht reden sollten. Dann die Heilungsgeschichten, die zeigen, wie Leben neue Gesichter bekommt, die einen Neuanfang ermöglichten. Und vieles mehr, was sie mit diesem Wanderprediger, Jesus von Nazaret, verbindet, haben sie auf ihrem persönlichen „Jesusweg“, Pilgerweg mit Jesus mitgenommen.
Was davon gab ihrem Unterwegssein Kraft und Ausdauer, der Botschaft Jesu vom Reich Gottes zu folgen? - Das wird sich zeigen, aber noch ist nicht so weit. Eben stehen sie erst vor den Toren der Stadt Jerusalem. Hinter den Mauern der Stadt liegen Wege, die von religiösen und politischen Strukturen der Macht geplant, organisiert wurden und werden. Sie kennen diese Wege von früheren Besuchen. Sie sind ihnen, Jesus und seinen Jünger und Jüngerinnen, vertraut. Doch zugleich sind sie eine Bedrohung, eine Gefahr, sich in diesem Machtraum der Stadt Jerusalem zu bewegen.
Aber noch sind sie nicht auf diesen Wegen der Stadt unterwegs. Erst muss einiges getan werden, denn Jesus kommt „nicht hoch zu Ross“, er „setzt“ auf einen Esel, auf ein Eselfohlen! Sehr ungewöhnlich, um in diese Stadt, die gezeichnet ist von Machtstrukturen, Fuß zu fassen, sich zu bewegen, sich zu zeigen. Aber, so wie es Jesus sagt, geschieht es auch. Das Eselfohlen wird herbeigebracht, damit Jesus darauf in die Stadt reiten kann.
Was nun geschieht ist ein Zusammenprall von Realität und messianischen Glaubenserwartungen. Noch geht es gut, Jesus der Wege der Gewaltlosigkeit, der Gerechtigkeit, des Reich Gottes geht, wird als Segen, Hilfe gegen die herrschende politische Macht gesehen und der Jubel gilt ihm. Nein nicht ihm gilt der Jubel, sondern einer Sehnsucht der Menschen auf der Straße, dass der davidische Messias endlich da ist, wie die Schriften erzählen:
Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat;
wir wollen jubeln und uns über ihn freuen.
Ach, Herr, bring doch Rettung!
Ach, Herr, gib doch Gelingen!
Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn!
(Ps 118,24-26)
Diese Erwartungshaltung der Leute, die dabei waren und jubelnd auf dem Weg in die Stadt ihrem vermeintlichen Retter vorher gingen, war zum Scheitern verurteilt, denn hier begegnet die Ohnmacht der Macht, die Gerechtigkeit der Ungerechtigkeit, das Reich Gottes der Gewalt.
Das heutige Evangelium regt uns zum Weiterdenken, zur Neuorientierung an, es zeigt auf, wie Lebenswege sich verändern können, weil Menschen, dazu gehören auch wir, der Spur Jesu folgen. Dazu braucht es aber Wege, die nicht von Illusionen „gepflastert“ wurden, die nicht über „Köpfe“ anderer hinweg führen, die nicht Namen wie Weg des Stärkeren, Weg des Reichtums, Weg der Korruption… als Ziel angeben, sondern ganz einfach, Wege, die persönlich, aber auch gemeinsam der Botschaft vom Gottes Reich folgen. Macht, Gewalt, Dreinschlagen sind da fehl am Platz auf dem Weg.
Erfahrungen von einem sinnentleerten Miteinander, wo Vereinsamung, Egoismus, Nebeneinander die Lebenswege bis aufs unerträglich einengen, sind aufzubrechen und brauchen den Zuruf:
Denkt weiter! Orientiert euch neu auf euren Lebenswegen!
Die Erzählung vom Einzug Jesu in Jerusalem kommt wie eine harmlose Geschichte daher, ist aber voller Anspielungen, hohe Theologie, in ihr sind Anspruch und Hoffnungen des Volkes Gottes zusammengefasst.
Wissen Sie, was eine Geschichte spannend macht, richtig spannend? Die Andeutungen…, die verspielten Ecken… , die versteckten Hinweise... Da muss man dann schon alle seine Sinne beieinander haben. - Voilà, hier ist sie, die spannende Geschichte!
Jesus zieht, in Kürze erzählt, nach Jerusalem ein. Merkwürdigerweise auf einem Esel. Untypisch. Untypisch für groß inszenierte und minutiöse vorbereitete „Einzüge“. Herren kommen hoch zu Ross! Esel sind was für Säcke!
Die Vorgeschichte lassen wir einmal. Jesu Jünger tun, was ihr Meister sagt. Sie gehen in das Dorf. Sie finden die Eselin. Sie finden auch das Fohlen. Und jetzt sind sie da – die Andeutung, die verspielte Ecke, der versteckte Hinweis. Wussten Sie, dass schon der Prophet Sacharja diese Szene im Blick hatte? Oder umgekehrt: dass der Evangelist in eine alte Geschichte schlüpft? Aber hören Sie selbst:
Aber du, Tochter Zion, freue dich sehr,
und du, Tochter Jerusalem, jauchze!
Siehe, dein König kommt zu dir,
ein Gerechter und ein Helfer, arm,
und reitet auf einem Esel
und auf einem jungen Füllen der Eselin.
Denn ich will die Wagen abtun von Ephraim
und die Rosse von Jerusalem,
und der Streitbogen soll zerbrochen werden;
denn er wird Frieden lehren unter den Heiden;
und seine Herrschaft wird sein
von einem Meer bis ans andere
und vom Strom bis an der Welt Ende.…
(Sach. 9,9f.)
Noch einmal: Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Esel – denn ich, der Herr, will die Wagen abtun von Ephraim und die Rosse von Jerusalem. Jetzt wird der Esel zu einem Tier, das Glück bringt. Die Rosse bleiben im Stall. Die Panzer in der Garage. Und die Streitbögen sollen zerbrochen sein! Die Waffen schweigen. Es wird Frieden!
Das gehört zu dieser spannenden Geschichte, dass in wenigen Zügen die ganze Kriegsmaschinerie, die Herrenmenschmentalität und der Größenwahn auf der Strecke bleiben, mit Klamotten auf der Straße und Zweigen rechts und links. Es ist eine Szene, die entwaffnend ist! Die Menschen, die dabei sind, können ihre Oberkleider ablegen. Sie müssen sich nicht mehr schützen, sie müssen nicht mehr perfekt gekleidet sein, sie müssen sich auch nicht mehr voneinander abheben. Sie können etwas von sich abgeben! Und: auch der zerschlissene Rock, die löchrige Schürze, die wie Fremdkörper unter den besser Gekleideten auffielen, liegen jetzt Jesus zu Füßen. Geehrt, angenommen und gewürdigt. Im Staub des Weges bleiben auch Samt und Seide nicht unbeeindruckt. Schon gar nicht schön. In wie vielen Sätzen bekommt es Matthäus hin, eine ganze Welt auf den Kopf zu stellen? Nein, ein Satz reicht! „Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf der Straße aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.“
Der Evangelist hat geradezu aus dem Vollen schöpfen können. Die Geschichte, die er erzählt, atmet tatsächlich große Geschichte. Die Geschichte Gottes mit Menschen. Während Menschen große Geschichten erzählen wollen, dabei auch zu Beschönigungen, Übertreibungen und Seitenhieben neigen, während Menschen Horrorszenarien in Worte und Bilder fassen, während Menschen in vielen Geschichten einfach untergehen, holt Gott Menschen da ab, wo sie gerade sind. Die Tochter Zion, die Stadt Jerusalem – tolle Namen! Aber die Menschen dort sind abgeschlagen, überrollt, ohne Zukunftsperspektiven. Hier lauert die Angst! „ Aber du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm, und reitet auf einem Esel…“ »Trotz« aus dem Himmel, »Trotz« auf der Straße! Der Glaube ist ein trotzig unverzagt Ding!
Eigentlich wollte ich das Wort „Corona“ nicht in den Mund nehmen. Es ist „allmächtig“, „allgegenwärtig“ und „allwissend“ geworden. Aber Jesus zieht - auch - bei uns ein. Unsere Ängste, unser Unwissen, unsere Zerrissenheit kennt er. Er kommt zu uns – sein Weg nach Jerusalem ist ein Weg in das Leid, in den Tod. Er, der König, der Gerechte, der Helfer, ist einer von uns.
Übrigens: Es gibt hier eine kleine Übersetzungshürde. Ein Stolperstein. Nicht einmal zufällig. Der König ist gerecht, aber – und jetzt kommt’s - ihm muss geholfen werden! Das wirft ein neues Licht auf den „Helfer“. Und Sacharja hat diese Spur schon gelegt! Wie ein Wissender, der um das Göttliche und um das Menschliche weiß. Manches große Wort hat – hebräisch zumal – so viele Seiten, dass man schon genau hinschauen muss, was eigentlich gesagt wird. Der Helfer ist hier klein, arm, eben für den Esel.
Die Andeutungen…, die verspielten Ecken… , die versteckten Hinweise...
Es gibt noch mehr davon. Spannende Geschichten sind sehr kunstvoll. Schauen wir einmal auf die Leute! Toll, dass uns heute einfach Leute begegnen! Ob sie einen Sicherheitsabstand halten mussten? So etwas hat Matthäus noch nicht erlebt. Wir bis vor Kurzem auch nicht.
„Die Leute aber, die vor ihm hergingen
und die ihm folgten, riefen:
Hosanna dem Sohn Davids!
Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn.
Hosanna in der Höhe!“
Es ist, als ob der Evangelist mitten in dieser Geschichte wieder eine andere öffnet. Eine, die erst noch entdeckt werden will. Eine Tür. Führt sie in die Vergangenheit? In die Zukunft? Hosanna, eigentlich Hoschia na, ist ein Wort voller Flehen, aber auch voller Jubel. Auf deutsch: Hilf doch! Eile doch! Mach schon! Dass Flehen und Jubel gar nicht so getrennt sein müssen, wie wir das in unserer Sprache in der Regel auseinanderhalten, gehört zu den Schönheiten der Hebräischen Bibel. Eine Vertrauensaussage, ein Bekenntnis, ein Lobpreis ist das. Gott wird helfen! Gott hilft! Ihn kann ich anrufen. Ihm kann ich mein Leben anvertrauen. Er achtet auf mein Flehen und sieht es als Lobpreis an! Er versteht alle meine Gedanken und er versteht sie richtig! Wie ich es meine. Alte Erfahrungen, die Menschen mit Gott gemacht haben, werden von Generation zu Generation weitergegeben. Er ist treu, sein Wort ist verlässlich!
Tatsächlich: Was die Leute dann sagen, ist – mehr oder weniger – ein Zitat. Ein fliegendes Wort? Womöglich Allgemeingut? Das weiß ich natürlich nicht, aber Matthäus tut so, als ob ein Psalm –es ist der 118. - in dieser Geschichte lebendig wird. So oder so: es sind kluge Leute!
Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat;
wir wollen jubeln und uns über ihn freuen.
Ach, HERR, bring doch Rettung!
Ach, HERR, gib doch Gelingen!
Gesegnet sei, der da kommt im Namen des HERRN!
Wir segnen euch vom Haus des HERRN her.
(Psalm 118,24-26)
Der 118. Psalm ist der österliche! In ihm heißt es: Ich werde nicht sterben, sondern leben und die Werke des Herrn verkündigen! Schauen wir – noch – genauer hin, sozusagen um’s Eck, fällt uns eine Entdeckung zu. Hoschia na, oder aramäisch: Hoschana, ist verwandt mit „Jehoschua“ – und den Namen kennen und lieben wir: Jesus. Übersetzt: Gott ist Rettung.
Die Leute – wo auch immer sie jetzt herkommen – rufen ein Bekenntnis aus, einen Lobpreis: Gesegnet der, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe! Klar doch, dieser Lobpreis ist fest verbunden mit der Eucharistiefeier, mit der großen Vorrede zum Mahl! Heilig, Heilig, Heilig – hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höh!
Der 118. Psalm ist im Judentum ein Höhepunkt der Pessach-Liturgie, die zur Zeit Jesu noch im großen Stil im Tempel in Jerusalem gefeiert wird. Hier passt alles zusammen. Jesus zieht zum Pessachfest nach Jerusalem! Und die Leute rufen ihm zu, sie geben ihm mit, was der Psalm vor so langer Zeit in Worte fassen konnte. Er kommt im Namen Gottes. Er trägt den Namen Gottes. Er ist der Name Gottes. Was ein Zitat in einer Geschichte mit der ganzen Geschichte macht! Fast schon unheimlich. Anspielungen… verspielte Ecken… versteckte Hinweise.
Darf ich Ihnen jetzt am Schluss noch einen versteckten Hinweis öffnen? Der Einzug Jesu in Jerusalem ist eine Prozession, mehr noch: eine Liturgie. Sie beginnt mit der Suche nach dem Esel, zeigt den König, der Frieden bringt, und lässt die Leute ihn loben und preisen. Jesus kommt als König. Vor ihm legen sie ab. Vor ihm legen sie auf den Weg, womit sie sich einhüllten und schmückten. Vor ihm werden alle gleich. Der König selbst ist arm und gering. Ihm muss geholfen werden! Die Hoffnungen, die Sehnsüchte der Menschen seit alters her: hier wachsen sie zusammen. Die Leute sagen: Das ist der Prophet Jesus von Nazareth in Galiläa. So versteckt ist in dieser Geschichte der König! Und der Esel ist verschwunden! Lauter Anspielungen… verspielte Ecken… versteckte Hinweise.
Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;
es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich,
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt;
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Schöpfer reich von Rat.
Er ist gerecht, ein Helfer wert;
Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,
sein Königskron ist Heiligkeit,
sein Zepter ist Barmherzigkeit;
all unsre Not zum End er bringt,
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Heiland groß von Tat.
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Die Passion Jesu erzählt uns von einem der ganz unten angekommen ist. Sein Schicksal gleicht den Folteropfern autoritärer Systeme, den in Syndikatskämpfen Hingerichteten… (Mittlerweile auch den Opfern einer heimtückischen Krankheit.) Gott ist nicht in Prunk, Ansehen und Macht zu finden. Er hat die Komfortzone verlassen, um uns Menschen nahe zu sein. Die Passion und Ostern sind uns Christen ein Stachel im Fleisch…
Eine große Bandbreite an Emotionen liegt vor uns, wie wir sie zum Teil auch aus dem eigenen Leben kennen: Erwartung, Jubel, Wehmut, Abschied, Angst, Verzweiflung und Liebe.
In den Lesungen ist der ganze Bogen des Abschieds und der Passion Jesu heute vor uns aufgespannt: zuerst der Einzug in Jerusalem, in den letzten Aufenthaltsort Jesu, begleitet von einer fröhlichen Menschenmenge, von berührenden Zeichen der Verehrung und Bescheidenheit Jesu, dann die Vorbereitungen für den Abschied, das Abschiedsmahl Jesu beim Pessach, der Verrat seines Freundes, das Gebet in tiefer Verzweiflung, die Wache in der Nacht, die Folter und Verurteilung, der grausame Gang in den Tod.
Als Triumphator, als siegreicher Held, als Gottgleicher ist Jesus in den heutigen Texten nicht gezeichnet: Er reitet auf einem Esel - dem alltäglichen, sanften Arbeitstier, er ringt ihm Gebet mit Gott, er wird geschlagen und verspottet, vom Freund verleugnet, völlig ausgeliefert, schmählich hingerichtet.
Wir sehen einen Christus, der Folteropfern aus Syrien oder in Syndikatskämpfen Mexikos Hingerichteten gleicht; der nicht strahlt und stolz dasteht, sondern geschlagen, verletzt und gedemütigt um seine Verbindung zu Gott ringt.
Diese Momente fasst der Apostel Paulus in Worte, wenn er im sogenannten Philipper-Hymnus von Christus spricht. Wir haben es in der Lesung gehört, und die Übersetzung der Bibel in gerechter Sprache schält es noch deutlicher heraus: "Über göttliche Gestalt verfügend, hielt Christus die Gottgleichheit doch nicht wie ein glückliches Los fest, sondern entäußerte sich selbst aller Vorrechte und nahm die Gestalt eines versklavten Menschen an, wurde den Menschen gleich und seine ganze Erscheinung zeigte: Er war ein Mensch wie du und ich."
Jesus Christus erscheint nicht mit Prunkgewändern, in Limousinen und mit Titeln überhäuft; er wirft nicht mit Geld um sich oder macht Profit mit Aktien und Immobilien, sondern er kommt „ganz unten an“, wie wir es nennen, wenn Menschen ihr Leben nicht mehr in der Hand haben oder bestimmen können, wenn sie zerschlagen, alleine und dem Tod nahe sind.
So möchte ich noch einen Satz aus dem Philipperbrief dazustellen, der unmittelbar vor dem Gehörten zu finden ist: "Euer Verhältnis zueinander soll der Gemeinschaft mit Jesus Christus entsprechen." (Phil 2,5 - BiGS).
Der Gemeinschaft mit welchem Jesus Christus? Wenn Jesus Christus - unser Gott - der Geschlagene, der Schwache ist, dann heißt es für uns auch: Gott ist dort zu finden, wo die Schwachen, die Gedemütigten, die Hilflosen und Armen sind. Um ihre Gesellschaft geht es - und sie brauchen unsere Gesellschaft, Anwaltschaft und Gegenwart. Sie zeigen uns Christus, dort ist Gott daheim. Wir kennen das aus anderen Bibeltexten, etwa „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“.
Und Gott ist nicht vordergründig dort zu finden, wo Prunk, Titel, Macht, Geld und Ansehen daheim sind. Weder in Wirtschaft und Politik, noch in der Kirche mit all ihren scheinbar unverrückbaren (männlichen) Hierarchien, „Heiligkeiten“ und Eitelkeiten. Ja, er wird dort schon auch zu finden sein, aber das Wesen Gottes ist nicht, - verzeihen Sie mir - sein „Gott-sein heraushängen zu lassen“, ganz oben an der Spitze zu stehen, verkörpert von einem Mann, sondern freiwillig dort zu sein, wo es sich nicht gut lebt, wo Menschen anderen ausgeliefert sind.
Diese Botschaft von Passion und Ostern ist ein Stachel, ein Stachel in meinem Fleisch (weil ich auch zu den recht gut situierten Menschen auf dieser Welt gehöre), ein Stachel in unserem Land, ein Stachel in der Kirche.
Als Christinnen und Christen können wir mit Jesus auch diese Wege gehen: hinaus aus der Komfortzone, gestärkt und begleitet von ihm, mit der Ahnung oder der Gewissheit, dass wir dem Leben in und mit Gott entgegengehen, dort und auch schon hier.
© Mag.a Angelika Gumpenberger-E., Pastoralassistentin St. Franzikus, Wels.
Anhand der „Goldenen Altartafel“, Pala D’oro im Aachener Dom erschließt uns der Autor einen ungewohnten Zugang zum Einzug Jesu in Jerusalem. Eine österliche Bildbetrachtung.
Links oben! Schauen Sie mal! Da sehen Sie den Einzug Jesu in Jerusalem!
Ich stehe mit Patienten einer Rehaklinik vor dem Altar im Aachener Dom. Da stehen sie nun mit ihren Krücken und Rollatoren! So dicht wie möglich gehen wir heran. Doch der Abstand ist vornehm. Auf die Altarinsel dürfen wir nicht. Schade. Dabei kann man sich nicht einmal sattsehen! Vor genau 1.000 Jahren, 1020, wurde die goldene Altartafel, die Pala D’oro, geschaffen – ein Wunderwerk.
Aber schauen Sie doch auch einmal:
https://de.wikipedia.org/wiki/Pala_d%E2%80%99oro_(Aachen)#/media/Datei:Aachen_Cathedral_altar.jpg
Eine Woche aus dem Leben Jesu wird kunstvoll dargestellt. Von seinem Einzug nach Jerusalem bis zum leeren Grab, vom Palmsonntag bis zu Ostern. 8 Tage! Und in der Mitte der vielen Bilder sehen wir Christus! Jugendlich schön – Er hat den Tod überwunden! Seine Mutter Maria weist auf ihn. Der Erzengel Michael sticht den Bösen ab. Flankiert von den Evangelisten, die die Geschichte erzählen. Die Geschichte einer Woche. Von Sonntag zu Sonntag.
Links oben! Schauen Sie mal! Mit diesem Bild beginnt die Geschichte, die wir heute lesen. Jesus zieht nach Jerusalem ein. Heute verweilen wir hier. Heute schauen wir genauer hin.
Aachener Dom, Antependium („Goldene Altartafel“, Pala D’oro): Einzug Jesu in Jerusalem
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/YYGDROATUFJ5N6WYIJWM27RGSAO4Q7WM
Nur 26,7 cm lang und 23,8 cm hoch ist die Reliefplatte aus Goldblech, links oben – nicht gerade groß. Aber jedes Fleckchen ist genutzt! Das Bild lebt geradezu. In der Mitte sehen wir Jesus. Er reitet auf einem Esel. Ein Heiligenschein umgibt ihn. Aber sein Gesicht ist bärtig, fast ein wenig traurig. Gar alt? Jesus sitzt auf dem Esel – und hält ein verschlossenes Buch in seiner linken Hand. Ob er mit der rechten Hand segnet? Es sieht fast so aus.
Dieses geschlossene Buch hat es mir angetan! Warum trägt Jesus ein geschlossenes Buch in seiner Hand? Demonstrativ? So, als ob wir darauf gestoßen werden sollen: Seht her! Im Evangelium aber wird von einem Buch nichts erzählt. Wo das wohl herkommt?
Die Spur führt in die Offenbarung des Johannes. Dort kommt das Buch vor – das Buch mit den sieben Siegeln. So verschlossen, dass uns ein Aufblättern nicht möglich ist. Bis in unsere Sprache hinein ist das Buch mit den sieben Siegeln nicht nur geheimnisvoll, sondern eher von großer Rat- und Hilfslosigkeit gezeichnet. Es ist, als ob wir nicht alles wissen, auch nicht alles wissen können. Nicht nur für moderne Menschen eine Zumutung! Das Buch mit den sieben Siegeln markiert eine Grenze. Trotzdem: es ist ein Buch des Lebens!
Jetzt stehe ich hier und schaue. Was wohl alles in diesem Buch steht? Stehen könnte? Wollen Sie mit raten? Hier dürfen wir das! Auch die Leute, mit denen ich vor diesem Bild stehe, fangen an, etwas zu erzählen. Kleine Geschichten, alle auch ein wenig verhuscht. Aber in ihnen stecken nicht bewältigte Konflikte, verschwiegene Ängste, stille Wut. Aber auch ein großes Staunen, ein liebesvolles Lächeln, eine unbändige Hoffnung. Alles im Flüsterton. Aber vor dem Altar. Dieses Buch hat viele Seiten.
Gerade denke ich an die Ärzte, die im Notfall darüber entscheiden müssen, wer beatmet werden kann. Es muss alles so schnell gehen. Nicht einmal für ein Gespräch ist noch Zeit. In kritischen Situationen ist auch die Menschenwürde zerbrechlich. Ethiker diskutieren „Fälle“, Juristen „Straftatbestände“, Ökonomen „wirtschaftliche Folgen“. Alles hängt zusammen, aber die Fäden sind wirr, ungeordnet, ein Sammelsurium. Geredet wird viel in diesen Tagen, aber Klarheit stellt sich nicht ein. Eher das Gefühl einer großen gemeinsamen Hilflosigkeit. Ein verschlossenes Buch. Es ist nicht zum Aushalten!
Vor dem Altar haben schon viele Menschen ihre Gedanken und Geschichten abgelegt, ohne dass sie es wussten oder wollten. In der Umgebung des Domes, der schon viel Unheil gesehen oder auch abbekommen hat, ist die Stille laut, die Leere aber dröhnend. Viele Existenzen stehen auf dem Spiel. Die Angst, wirtschaftlich abzustürzen, ist groß. Wie realistisch auch immer, es ist die Angst, die umgeht und auch in WhatsApp-Gruppen ihre Schatten ausbreitet. Innerhalb kürzester Zeit ist nichts mehr wie gewohnt und vertraut. Viele Sicherheiten und Träume sind über Nacht eingestürzt. Pläne von einem auf den anderen Tag hingefallen. Die Sorge um die altgewordenen Eltern und Großeltern kommt hinzu. Kinder fragen, warum sie nicht mehr zum Opa dürfen. Und die Oma, ob sie die Enkel noch einmal sehen kann. Ein verschlossenes Buch.
Ein verschlossenes Buch ist unbarmherzig. Unbarmherzig? Vielleicht ist es auch barmherzig! Weil es uns nicht alles Unheil präsentiert, das von Seite zu Seite wachsen könnte. Doch, es ist diskret – an vielem Unheil sind wir sogar schuld! In einer Welt, die auch ohne Corona zerbrechlich ist. Wir wissen das doch alles – und wissen doch nichts! Ein verschlossenes Buch sagt alles.
Links oben! Schauen Sie noch einmal hin! Jesus auf dem Esel hält das Buch vor seinem Herzen. Fest und nah. Er birgt so die vielen Geschichten, die Menschen erzählen, beklagen und bestreiten. Er trägt sie mit nach Jerusalem. Er trägt sie am Kreuz immer noch. Mein Blick fällt auf die segnende Hand: Sieht es nicht so aus, muss es nicht so aussehen, als ob von diesem Buch Segen ausgeht? Jedenfalls hat der – leider – unbekannte Künstler, das Buch mit den Händen gerahmt – und gehalten. Links bergend, rechts segnend.
Ich muss Ihnen jetzt – natürlich – die ganze Stelle aus der Offenbarung (5,1-5) zeigen:
Und ich sah in der rechten Hand dessen,
der auf dem Thron saß,
ein Buch, beschrieben innen und außen,
versiegelt mit sieben Siegeln.
Und ich sah einen starken Engel,
der rief mit großer Stimme:
Wer ist würdig, das Buch aufzutun
und seine Siegel zu brechen?
Und niemand, weder im Himmel
noch auf Erden noch unter der Erde,
konnte das Buch auftun noch es sehen.
Und ich weinte sehr,
weil niemand für würdig befunden wurde,
das Buch aufzutun und hineinzusehen.
Und einer von den Ältesten spricht zu mir:
Weine nicht! Siehe, es hat überwunden
der Löwe aus dem Stamm Juda,
die Wurzel Davids,
aufzutun das Buch und seine sieben Siegel.
Jetzt sollten wir uns die goldene Altartafel doch noch einmal anschauen. Ganz in der Mitte, als ob von hier aus sich die Leidensgeschichte öffnet und alle Fäden hier zusammenlaufen, sitzt Christus auf dem Thron. Jugendlich. So sieht Leben aus! So die Zukunft! So der Anfang! Und was hält Jesus in der linken Hand? Ein Buch! Gehüllt in ein Tuch – wie kostbar ist doch das Buch! Doch nicht das verschlossene Buch, das geöffnete Buch wird uns entgegengehalten. Fast schon triumphierend! Seht her! Die Siegel sind gebrochen!
In diesem Bild, Blickfänger sowieso, schaut uns Christus an. Er, der den Tod besiegt hat, sitzt auf dem Thron! Er hat auch das Siegespanier in seiner rechten Hand! Das letzte Wort ist von ihm! Und die vielen Geschichten, die in diesem Buch aufbewahrt sind, sind in Lebensgeschichten verwandelt! In Siegesgeschichten! In Liebesgeschichten! Hier schöpfe ich Kraft und Mut, weiter zu glauben und weiter zu hoffen. Dass seit 1.000 Jahren Menschen hier ihre Geschichten ablegen und neue in Empfang nehmen konnten, verbindet mich mit den vielen, die immer wieder Krisen erlebten und durchstanden. Ich bin nicht allein! Vor diesem Altar!
Links oben! Doch noch ein Blick auf diese Szene mit dem Einzug Jesu in Jerusalem? Wir sehen die Jünger. Sie füllen die linke Hälfte des Bildes aus! Die Gesichter sind gut zu sehen! Ich finde, sie sehen mutig aus! Und der eine Jünger, der direkt hinter Jesus geht, hält seine rechte Hand so, dass sie wie ein Hinweis wirkt. Sie weist auf Jesus. Aber was sehen meine Augen? Bücher! Zwei Bücher sind sogar gut zu sehen. Ob auch die anderen Jünger Bücher tragen? Schade, ich kann es nicht sehen. Doch die Jünger helfen Jesus, die vielen Geschichten, Hoffnungen, Schmerzen, Träume nach Jerusalem zu tragen. Ein starkes Bild! Die Bücher erzählen von Gemeinschaft, von gemeinsamem Leid, von gemeinsamer Hoffnung. Und weil die Jünger in einer Reihe sind, fast aus dem Nichts kommend, bekommt ihr Zug etwas Drängendes, nach vorne Strebendes. Sie folgen Jesus nicht nur, sie sind ihm auf dem Fuß, sie treiben ihn.
Auf der anderen Seite des Bildes sieht man die Stadt Jerusalem, fein angedeutet. Von hier haben sich Menschen aufgemacht, Jesus zu empfangen. Sie legen Kleidungsstücke vor ihm ab. Doch schaue ich genau hin, sehe ich, wie der Mann ganz vorne nicht nur etwas ausbreitet, sondern etwas in Empfang nehmen will. Seine Hände sind ausgebreitet – und das Stück Stoff in seinen Händen lädt ein, etwas mitzunehmen. Könnte auch ein Sack sein. Überhaupt: Der Meister dieses goldenen Altarbildes hat die Kunst beherrscht, mit Andeutungen immer neue Verbindungen zu schaffen: Schauen Sie einmal die Hände in diesem Bild! Die Hände der Jünger! Die Hände der Leute! Sie sprechen. Sie locken. Sie deuten. Sie nehmen auf. Sie halten fest. Tatsächlich, beim nächsten Mal fangen wir gleich mit den Händen an, um uns diese Geschichte erzählen zu lassen.
Aber jetzt am Ende unserer kleinen Führung.
Wollen Sie einmal durch den Dom gehen? Nehmen Sie sich ruhig die Zeit. Es geht wie im Fluge!
https://www.aachenerdom.de/dom-erlebnis/virtueller-3d-rundflug/
Und sollten Sie mal nach Aachen kommen: Herzlich willkommen! Die goldene Altartafel hält noch manches Geheimnis bereit!
In der Politik wird viel inszeniert: Auftritte von Politikern, Präsentationen von Parteiprogrammen usw. Der Einzug Jesu in Jerusalem wurde von ihm und seinen Jüngern bewusst inszeniert. Jesus kommt als Messias und Friedenskönig. Seinen weiteren Weg haben die Menschen sich damals anders vorgestellt, als ihn uns die Leidensgeschichte erzählt.
Politische Wahlen sind spannend, weil sich in ihnen entscheidet, welche Volksvertreter die Verantwortung im Staat, im Land oder in der Gemeinde übernehmen. Vor der Wahl schauen wir uns an, welches Programm die Wahlwerber verfolgen, wofür sie stehen. Die Anhänger der Wahlsieger feiern ihre Kandidaten am Wahlabend mit großer Begeisterung.
Am Palmsonntag feiern wir den Einzug Jesu in Jerusalem, der Hauptstadt der jüdischen Welt. Er selbst und seine Jünger inszenieren ihn bewusst und gezielt als Einzug des Messias und Friedenskönigs. Das mag für manche ein heiteres Spektakel gewesen sein, es hatte aber einen ernstzunehmenden Hintergrund. Die Anhänger Jesu und viele Mitläufer feiern ihn begeistert, die Gegner verfolgen die Aktion mit Argusaugen.
Der Evangelist Lukas beschreibt auch das Programm, mit dem Jesus seine Messiasherrschaft antritt: Der "Herr" requiriert ohne Widerspruch einen jungen Esel als Reittier. Der Kontrast zu Feldherren auf hohem Ross ist gezielt kalkuliert. Beim Propheten Sacharja heißt es (9,9): "Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin." Jesus verspricht, sich als Friedenskönig zu profilieren. Legitimiert wird er durch die "Machttaten", die seine Anhänger lautstark preisen. Gemeint sind wohl die Zeichen und Wunder, die Jesus getan hat. Für sie ist Jesus "der König, der kommt im Namen des Herrn." Das Ausbreiten der Kleider kann als Zeichen der Unterwerfung verstanden werden. Bemerkenswert ist auch das Bildwort, das Jesus seinen Kritikern entgegenhält: "Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien." Für ihn ist die Stunde gekommen, in der zum Himmel geschrieen wird, was gesagt werden muss. In der Passion werden wir allerdings hören, dass sich das, was bei seinem Einzug inszeniert wurde, in anderer Weise bewahrheitete, als die Anhänger wie auch die Gegner es zunächst vermuteten.
Heute, 2000 Jahre später, inszenieren wir den Einzug Jesu als Messias in unsere Gemeinde. Das ist mehr als ein historisches Rollenspiel, mehr als ein Nachspielen einer historischen Begebenheit. Wir empfangen Christus als unseren Messias und König, wir unterwerfen uns seiner Herrschaft. Wir sehen in ihm den Friedenskönig, den die Völker zu allen Zeiten herbeigesehnt haben. Wir wissen, dass ein Weg durch Leiden und Tod nicht vergeblich war, sondern dass durch Jesus und mit Jesus ein neuer Geist in unsere Welt eingezogen ist. Wir gehen mit ihm, auch wenn wir seine Passion miterleiden müssen. Wir gehen trotzdem mit ihm, weil wir überzeugt sind, dass dieser Weg zur Auferstehung führt, zu einer durch seinen Geist erneuerten Menschheit.
Predigtgedanken zur Leidensgeschichte.
„Darüber muss ich weinen, von Tränen fließt mein Auge.“ So wird im Buch der Klagelieder die angeborene Fähigkeit des Menschen zu weinen, in poetische, berührende Worte gefasst. Die Tränen überschreiten die Grenze des Körpers von innen nach außen. Wer weint, gibt sich seiner Empfindung hin.
Was wir eben in der Leidensgeschichte gehört haben ist eigentlich zum Weinen. Aber wer weint, wenn er oder sie diese Geschichte hört? Diesem Geschehen des Folterns, des Leidens, des Mordens, um nur die Höhepunkte der Leidensgeschichte zu nennen, mit Tränen der Wut, der Trauer, der Verzweiflung zu reagieren, ist nicht vorstellbar in unseren Gottesdiensten. Wahrscheinlich sind wir auch mit unserem Empfinden zu weit weg vom damaligen Geschehen.
Versuchen wir daher jene Personen, die konkret in dieser Leidensgeschichte bei Lukas „weinen“, heraus zu holen. Vielleicht können wir so aufgrund ihres Weinens auch uns und unsere Tränen hinterfragen. Widmen wir uns daher Petrus und den Frauen, von denen Lukas erzählt. Sie weinen aus ganz unterschiedlichen Gründen:
"Da wandte sich der Herr um und blickte Petrus an. Und Petrus erinnerte sich an das Wort, das der Herr zu ihm gesagt hatte: 'Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.' Und er ging hinaus und weinte bitterlich." Tränen drücken aus, wofür es keine Worte mehr gibt. In diesem Fall für ein Fehlverhalten einem Freund gegenüber. Und die Chance, den Freund „lebend“ wiederzusehen, um mit ihm die Sache zu klären, ist in diesem Fall Null.
Worüber weine ich bitterlich?
(kurze Stille)
Es folgte Jesus eine große Menge des Volkes, darunter auch Frauen, die um ihn klagten und weinten. Es sind die Frauen aus Jerusalem, die hier über das, was sie da auf dem Weg sehen, erleben, mit wortreichem Klagen reagieren. Dieses Klagen kann andere im Inneren zutiefst bewegen.
Worüber klagen und weinen wir?
(kurze Stille)
Jedoch haben wahrscheinlich auch noch andere Personen stille Tränen, stummes leises Weinen über ihre abgrundtiefe Trauer, ihr Leid, ihren Schmerz damals fließen lassen, wie die Mutter Jesu, Maria, die in der Johannespassion unter dem Kreuz steht.
Maria weint über den Tod des eigenen Kindes im unfassbaren Schmerz und in tief bewegter Trauer. Das Zulassen der Tränen ist hier Ausdruck der Liebe. Wer so weint, empfindet unmittelbar seine Geschöpflichkeit.
Welcher Schmerz lässt meine Tränen fließen?
(kurze Stille)
Und Jesus selbst – auch er weinte. Bei Lukas zum Beispiel über die Stadt Jerusalem wie es im 19. Kapitel heißt:
"Als er näher kam und die Stadt Jerusalem sah, weinte er über sie und sagte: 'Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was Frieden bringt. Jetzt aber ist es vor deinen Augen verborgen.'“
Worüber weint Jesus heute – und wir mit ihm?
Weinen, die Tränen fließen lassen ist biblisch. Die Bibel kennt viele tränenreiche Geschichten und berichtet immer wieder von Menschen, die weinen und ihre Tränen vor Gott bringen. Lassen wir uns von ihnen berühren und Unaussprechliches, Unbegreifliches, so wie Schmerzliches aus unserem eigenen Leben Gott hinhalten.
Gehen wir den Ereignissen, Begebenheiten, die unseren Tränen, unserem Weinen zugrunde liegen, nach. Sehen wir uns das Leidvolle im Leben von uns, von anderen, an, das unsere Seele oft nicht begreift, aber unsre Tränen fließen lässt. Unsere Tränen be-greifen, aus-drücken, ihnen Platz und Raum geben und sie vor Gott bringen bedeutet: auf-stehen, dazu-stehen, zu dem, was uns bedrückt, was uns weinen lässt.
Unterwegs zum nahen Osterfest, sollen die Worte des Trostes aus der Offenbarung uns begleiten: „Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen“, auch unsere Tränen.
Jesus setzt ein sonderbares Statussymbol. Er zieht auf einem Esel in Jerusalem ein. Damit zeigt er seine Wertschätzung der Einfachen und Kleinen. Wem jubeln wir zu?
In der Leidensgeschichte Jesu wird uns sein Leidensweg vor Augen gestellt, sein körperliches wie auch sein seelisches Leiden. In Jesus stellt sich Gott auf die Seite aller Leidenden. Angesichts der Passion Jesu stellt sich einem jeden von uns die Frage: Wo stehe ich?
Mit dem Einzug in Jerusalem erfüllt Jesus die Prophezeiungen der Propheten: Er kommt bescheiden und friedlich und reitet auf einem Esel. Er setzt nicht auf Macht.
Die »Passion« erzählt in einer Reihe von Geschichten eine Lebensgeschichte, in der sich Lebensgeschichten vieler Menschen widerspiegeln. Zugleich ist es die Geschichte einer Liebe. Die den Tod überwindet.
Die Passion fasst den Weg des Messias zusammen, der als Sohn Davids in Jerusalem einzieht und von seinen Gegner aus dem Weg geräumt wird. Am Ende zeigt Gott, dass diese ohnmächtige Liebe stärker ist als der Tod.
Am Palmsonntag steht Jesus zwischen Jubel und Passion. Wir stehen vor der Entscheidung, mit wem wir gehen.
Politiker, die eine straffe Führung versprechen und das nationale Wir-Gefühl stärken, erfreuen sich derzeit in vielen Ländern eines regen Zuspruchs. Offenbar kommen diese damit den Bedürfnissen vieler Menschen entgegen. Es erhebt sich jedoch die Frage, ob sie ihre Versprechen auch einlösen können und ob damit ihre Länder in eine nationalistische Sackgasse geführt werden, aus der sie sich nur mühsam wieder befreien können.
Ein ähnliches Stimmungsgebräu fand Jesus vor, als er mit seinen Jüngern hinauf nach Jerusalem ging. Die Menschen trauten ihm zu, dass er ihre verletzte nationale Identität heilen und ihre Interessen gegenüber der Besatzungsmacht und den religiösen Herrschern vertreten kann.
In der Art der Propheten setzte Jesus aber andere Zeichen: Er reitet auf dem Fohlen einer Eselin. Er zitiert damit den Propheten Sacharja und will sich als Friedenskönig verstanden wissen. Für Kenner der heiligen Schriften bedeutete dies eine klare Absage gegenüber Aufstands- und Kriegsgelüsten. Ein weiteres Zeichen setzte er beim Abschiedsmahl, als er beim Brotbrechen und beim Reichen des Weines sein Selbstverständnis darlegte. Ihm ging es um die Hingabe seiner selbst und nicht um Machtergreifung. Bei seiner Gefangennahme wies er jede Form von Gewaltanwendung zurück. Alles zusammen kein Programm, mit dem man Staat machen oder Wahlen gewinnen kann.
Trotzdem sammelt er aber Anhänger hinter sich. Was er ihnen bietet, ist aber nicht mehrheitsfähig sondern eher ein Minderheitenprogramm. Von vornherein ist klar, dass er den Machtkampf vor dem Hohen Rat und vor dem politischen Statthalter nicht gewinnen kann.
Warum lesen wir das heute noch? Um ihn zu bewundern? Zu bemitleiden?
Auch wenn ihn in diesen Stunden alle im Stich gelassen haben oder ohnmächtig aus der Ferne zuschauen mussten, sodass er am Kreuz mit dem Gefühl der Gottverlassenheit ringt: Er wirbt um Jüngerinnen und Jünger, die in seine Fußstapfen treten, die ihm nachfolgen; um Menschen, die bereit sind, den gleichen Weg des Daseins füreinander, des sich Hingebens für andere zu gehen. Für ihn ist es nicht ein politisches sondern ein existenzielles Programm.
Wir, die wir in der Fastenzeit ihn begleitet haben und mit ihm hinaufgegangen sind nach Jerusalem, stehen vor der gleichen Entscheidung, vor der die Menschen damals standen: Klatschen wir seinem Programm Beifall unter dem Vorbehalt, dass er unsere Wünsche und Sehnsüchte erfüllt? Spanen wir ihn vor unsere eigenen politischen Karren als Religionserneuerer, Sozialreformer oder Gesellschaftspolitiker? Gehen wir mit ihm, weil ein so aufrichtiger Mensch unsere Solidarität verdient? Oder folgen wir ihm nach, weil wir für uns erkannt haben, dass seine Art zu leben unser eigenes Dasein mit Sinn und Tiefe erfüllt?
Unsere Inszenierung des Palmsonntags mündet in die Eucharistiefeier, in der wir Brot und Wein zum Gedächtnis an ihn erheben, seinen Leib und sein Blut uns einverleiben und so fähig werden, selbst in sein Dasein für die Menschen einzutreten. Hier entscheidet sich, ob dieser Tag nur ein traditionsfrohes Spiel bleibt oder uns in das Geheimnis von Tod und Auferstehung Jesu hineinführt.
Begrüßung und Hinführung:
Zur Feier des Palmsonntagsgottesdienstes begrüßen wir Sie recht herzlich. Vielleicht hat sich der eine oder andere gefragt, was der Esel hier soll. Es ist in der Tat ungewöhnlich. Doch er hat heute durchaus eine tragende Rolle zu spielen. Wir erinnern uns, was vor 2000 Jahren sich bei und in Jerusalem ereignet hat. Und wir hören hin, was uns überliefert wurde. Und werden dann - so hoffe ich - verstehen, worum es geht, und was der Esel heute hier verloren hat. Passen wir gut auf!
Erzähler: Jesus ist mit seinen Jüngern unterwegs. Er ist auf dem Weg nach Jerusalem. Bevor sie in die Stadt kommen, bleibt Jesus stehen. Er sagt zu seinen Jüngern:
Jesus: "Geht voraus in das nächste Dorf. Es heißt Betphage. Dort werdet ihr einen Esel finden, der an einem Pflock angebunden ist. Noch niemand ist auf diesem Esel geritten. Bindet ihn los und bringt ihn zu mir. Auf ihm will ich in die Stadt hineinreiten. Wenn euch der Herr, dem der Esel gehört, fragt, warum ihr das Tier losbindet und mitnehmt, so sagt ihm: Der Herr braucht ihn. Dann wird er ihn euch geben.
Erzähler: Die beiden Jünger gehen in das nächste Dorf. Sie finden alles so, wie Jesus es gesagt hat. Sie sehen den jungen Esel und wollen ihn losbinden, doch da kommt der Besitzer und fragt: Was bindet ihr meine Esel los? Die beiden Jünger sagen: Der Herr braucht ihn. Da gibt der Mann ihnen den jungen Esel.
Als sie den Esel zu Jesus gebracht haben, setzt Jesus sich darauf. Und so reitet er in die Stadt Jerusalem hinein. Viele Menschen kommen ihm entgegen und ziehen mit ihm in die Stadt hinein. Doch plötzlich geschieht etwas Seltsames, Ungewohntes, was noch niemand gehört hat. Die Leute beginnen zu singen: Jesus soll unser König sein! Hosianna, hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn.
Barmherziger, ewiger Gott,
segne diese Zweige,
die Zeichen des Lebens und des Sieges sind.
Mit ihnen ehren wir Jesus, unseren König.
Mit Liedern begleiten wir ihn in seine heilige Stadt.
Gib, dass wir durch ihn zum himmlischen Jerusalem gelangen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
(Nach Regine Schindler, Mit Gott unterwegs. Die Bibel für Kinder und Erwachsene neu erzählt, 1996)
Kind: Eine Frage habe ich mir schon oft gestellt. Warum hast du damals den Esel genommen, und nicht ein Pferd?
Jesus: Erinnere dich, was in den alten Schriften beim Propheten Sacharja geschrieben steht: "Freue dich, du Stadt Jerusalem. Dein König kommt zu dir. Ein gerechter König ist er. Er ist arm und mächtig. Auf einem jungen Esel wird er in die Stadt reiten." Darum brauche ich dieses Tier. Weil ich dieser König bin. Euer König. Wie damals ziehe ich euch heute nach Jerusalem ein. Ob mir auch heute die Leute, große und kleine, so zujubeln wie damals?
Liedruf (Teil aus dem Sanktus - einmal vorgesungen - alle wiederholen):
Hosanna, hosanna, hosanna, so preisen dich alle
Kind: Herr Jesus, wir loben dich. Denn du hast viele Menschen geheilt.
Liedruf
Kind: Herr Jesus, wir preisen dich. Denn du hast uns von Gott erzählt.
Liedruf
Kind: Herr Jesus, wir loben dich. Denn du bist unsere grosse Hoffnung.
Liedruf
in der Kirche Orgel
KG 414,1-2. "Seht, er kommt, seht unsern Herrn nach Jerusalem"
(Nach Regine Schindler, Mit Gott unterwegs. Die Bibel für Kinder und Erwachsene neu erzählt, 1996)
Evangelist: (Ambo), Jesusworte (Altar), Sonstige: (Stabmikrofon), Petrus/Pilatus: (Stabmikrofon)
Die Leidensgeschichte unseres Herrn Jesus Christus.
(Geräusche )
Evangelist: Nach dem Abendmahl ging Jesus in einen Garten auf dem Ölberg. Seine Jünger gingen mit ihm. Dort kniete er nieder und betete:
Jesus: "Vater, wenn du willst, kannst du mir das Leiden und den Tod ersparen. Doch nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen."
Evangelist: In seiner Todesangst betete Jesus so sehr, dass sein Schweiß wie Blut auf die Erde tropfte.
(Trommelschläge - wie das Blut auf die Erde tropft ...)
Lied: KG 216,1. Strophe, Komm zu mir, mein Herr
Evangelist: Jesus stand auf und ging zu seinen Jüngern zurück. Doch sie schliefen. Es war Abend und Angst und Sorge haben sie müde gemacht. Jesus fragt sie:
Jesus: "Wie könnt ihr schlafen? Wacht auf und betet, damit ihr der kommenden Prüfung standhaltet."
Evangelist: Als Jesus noch mit seinen Jüngern sprach, kamen Männer in den Garten. Judas Iskariot, einer der Jünger Jesu, war ihr Anführer. Er ging auf Jesus zu und wollte ihm einen Begrüßungskuss geben. Jesus fragte:
Jesus: "Judas, willst du mich mit diesem Kuss verraten?"
(Leiser Schlag auf das Becken)
Evangelist: Zu den Männern sagte Jesus:
Jesus: "War ich nicht Tag für Tag bei euch im Tempel? Warum habt ihr nicht gewagt, dort etwas gegen mich zu unternehmen? Aber jetzt ist eure Stunde da, jetzt hat die Finsternis die Macht."
(Leiser Schlag auf das Becken)
Evangelist: Die Soldaten nahmen Jesus fest und führten ihn in das Haus des Hohenpriesters. Dort versammelten sich die Ältesten, die obersten Priester und die Gesetzeskundigen. Sie fragten Jesus:
Sonstige: "Bist du Gottes Sohn?"
Jesus: "Ich bin es."
Evangelist: Im Hof des Hohen Rates saß auch Petrus. Er wollte wissen, was weiter mit Jesus geschah. Da kam eine Magd zu ihm und sagte:
Sonstiger: Auch du warst mit diesem Jesus aus Galiläa zusammen.
Evangelist: Doch er leugnete es vor allen Leuten und sagte:
Petrus: "Ich weiß nicht , wovon du redest, ich kenne den Menschen nicht."
Gleich darauf krähte ein Hahn.
Evangelist: Und Petrus erinnerte sich an das, was Jesus gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.
(Leise Trommelschläge: die Tränen fallen auf die Erde)
Lied: KG 216,2 Jemand weint, mein Herr
Evangelist: Sie brachten Jesus zum römischen Statthalter Pontius Pilatus. Ihre Anklage lautete:
Sonstige: Er beunruhigt das Volk! Er behauptet, er sei der Retter den Gott seinem Volk versprochen hat, der König!
Evangelist: Pilatus fragte Jesus:
Pilatus: " Bist du der König?"
Jesus: "Du sagst es."
Evangelist: Für Pilatus war Jesus unschuldig. Trotzdem führte er Jesus hinaus zu seinen Anklägern und sagte:
Pilatus: "Da seht, der Mensch!"
Evangelist: Sie aber riefen:
Sonstige: "Er soll am Kreuz hängen"
Pilatus: "Dann nehmt ihn und kreuzigt ihn! Für mich ist er unschuldig."
Sonstige: "Wir haben ein Gesetz, das bestimmt, dass er sterben muss. Er hat ja von sich selbst gesagt, er sei Gottes Sohn."
Evangelist: Sie bedrängten Pilatus so lange, bis er Angst bekam und Jesus zum Tod am Kreuz verurteilte.
Lied: KG 216,4 Jemand betet, Herr
Evangelist: Jesus trug sein Kreuz bis vor die Stadt hinaus auf einen Hügel. Dieser Hügel war die so genannte Schädelhöhe, die auf Hebräisch Golgota heißt. Dort schlugen sie ihn ans Kreuz.
(Hammer- Nägel ins Holz schlagen)
Evangelist: Mit ihm wurden zwei Verbrecher hingerichtet. Ihre Kreuze standen links und rechts vom Kreuz Jesu. Pilatus ließ ein Schild oben an das Kreuz Jesu nageln. Darauf stand: Das ist Jesus von Nazareth, der König der Juden.
(Ministrant bringt das Kreuz mit dem Corpus und stellt es vor dem Altar auf)
Evangelist: Beim Kreuz standen vier Frauen: Seine Mutter, die Schwester seiner Mutter, die Frau des Klopas und Maria von Magdala. Der Jünger, den Jesus liebte, stand bei Maria. Als Jesus seine Mutter sah, sagte er:
Jesus: "Er ist von nun an dein Sohn."
Evangelist: Zu dem Jünger sagte er:
Jesus: "Sie ist von nun an deine Mutter."
Evangelist: Von da an nahm der Jünger Maria zu sich und sorgte für sie. Jesus wusste, dass sein Leiden nun ein Ende hatte.
Jesus: "Es ist vollbracht!"
Evangelist: Dann senkte er den Kopf und starb.
(Jesus setzt sich auf den Boden)
Evangelist: Wir knien nieder und halten einen Augenblick Stille
Danach alle Sprecher: Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Rettung, im Kreuz ist Erlösung. Wir danken dir, Herr Jesus Christ, dass du für uns gestorben bist.
Evangelist: Josef von Arimathäa nahm Jesus Leib vom Kreuz, wickelte ihn in ein Leinentuch und legte ihn in ein Grab, das in einen Felsen gehauen war. Dann rollte er einen großen Stein vor den Eingang.
Kurzes Orgelspiel
Wer hätte das geglaubt? Da spielt einer den König, reitet auf einem Esel in Jerusalem ein. Seine Anhänger jubeln, sehen sich am Ziel ihrer Wünsche und hoffen, dass es jetzt endlich losgeht mit dem lang erwarteten Neuen, mit diesem geheimnisvollen Reich des Messias.
Sie können sich doch nicht verrechnet haben in Jesus. Tatsächlich ist etwas Königliches in ihm, auch wenn er auf einem Esel daher geritten kam. Er benimmt sich so, als ob er alle Macht, alle Autorität auf seiner Seite hätte.
Sogar später noch, als für Petrus alles in Scherben liegt, hat Pilatus dieselbe Erfahrung gemacht, und schließlich bei seinem Tod auch noch diejenigen, die dabei waren.
Wer hätte das geglaubt? Das mit dem Esel war kein Spiel. Und die Kinder haben sich nicht getäuscht, als sie Hosanna riefen. Und Pilatus nicht, und Johannes nicht und Maria nicht, und Maria von Magdala nicht.
Die Kinder, die Fremden und die Liebenden haben schon sehr früh verstanden. Und später Tausende, Zehntausende, Hunderttausende andere auch. Durch alle Höhen und Tiefen der Kirchengeschichte haben sie verstanden. Und die silberne Spur der Begeisterung, der Tränen und der Liebe zieht sich immer länger hin. Jesus ist ein König. Er ist es tatsächlich. Wenn auch auf ganz andere Art. Selbst ein Esel erkennt das immer mehr. (nach Jürgen Olf)
Herr Jesus Christus, du bist unser König.
Du hast ein weites Herz für alle unsere Anliegen.
Wir vertrauen dir.
Darum bitten wir dich:
Wir beten für alle, die sich nach Frieden sehnen.
Wir beten für alle, deren Vertrauen enttäuscht wurde.
Wir beten für alle, die in diesen Tagen den Weg mit Jesus gehen.
Wir beten für alle, die ihre Hoffnung auf Jesus setzen.
Wir beten für alle, die um einen lieben Verstorbenen trauern.
Erhöre unsere Bitten, o Herr,
und sende uns deinen guten Geist,
der uns Kraft gibt, Mut und Liebe.
Dir sei Lob und Preis in alle Ewigkeit.
Amen.
Gabenbereitung: Orgelspiel.
Gabengebet: aus dem Messbuch
Präfation aus dem Messbuch
Sanktus: Heilig ... (siehe Sanktuslied beim 1. Teil)
Kinder-Hochgebet
Akklamation: "Wir preisen deinen Tod ..." - gesungen
Vater unser: gesungen
Kommunion: Orgel
Gott des Lebens.
Wir haben gefeiert, dass Jesus in Jerusalem als König eingezogen ist.
Er ist unser König - viel stärker als der Tod.
Wir bitten dich,
lass uns ihn loben und preisen durch unser Leben.
Heute und alle Tage unseres Lebens und darüber hinaus.
Danklied: KG 593,1-3 Gib uns Frieden jeden Tag
Segen und Entlassung:
Auszug: Orgel
In der Kar- und Osterliturgie geht es nicht nur um das Schicksal Jesu, sondern auch um unser Schicksal.
Zum Einzug Jesu in Jerusalem gibt der Evangelist Johannes einen sehr nüchternen Kommentar: "Das alles verstanden seine Jünger zuerst nicht" (Joh 12,16)
Die feierliche Palmprozession mit ihren Riten und Gebräuchen findet in vielen Gegenden großen Anklang. Aber wird ihr Sinn begriffen? Was bedeutet der festliche Einzug Jesu, den die Jünger erst nach Ostern begriffen haben? Was sagt uns die Palmprozession am Beginn der Kar- und Ostertage?
Der Einzug Jesu in Jerusalem ist keine Episode am Rande, keine Nebensache, die sich zufällig ergeben hat. Die Initiative zu diesem Einzug geht von Jesus selbst aus. Er gibt den zwei Jüngern den Auftrag: "Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los, und bringt sie zu mir." Jesus selbst will durch diesen Einzug ein Zeichen setzen und zum Ausdruck bringen, wer er ist und was sich nun in Jerusalem ereignen wird.
Die Jünger, das Volk und selbst die Pharisäer lassen sich auf den Vorgang ein, ohne recht zu wissen, was das Ganze zu bedeuten hat. Die beiden Jünger holen die Eselin und das Fohlen, viele breiten ihre Kleider auf der Straße aus, andere schneiden Zweige von den Bäumen und streuen sie auf den Weg. Und immer mehr jubeln Jesus zu: "Hosanna dem Sohn Davids"; das heißt übersetzt: "Bringt doch Heil". Die ganze Stadt gerät in Aufregung und man fragt: "Wer ist das?"
Jesus erhebt mit diesem Einzug den Anspruch, der Messias zu sein. Er bringt aber zugleich zum Ausdruck, dass er in ganz anderer Weise Messias ist als erwartet. Er kommt nicht mit Macht, nicht hoch zu Ross. Er reitet auf einer Eselin. Er kommt gewaltlos und friedfertig.
Die Gegner Jesu spüren trotzdem den Anspruch Jesu, der hier verborgen ist. Sie fordern: "Meister bring doch deine Jünger zum Schweigen" (Lk 19,39).
Jesus weist sie zurück: "Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien" (Lk 19,40).
Beim Einzug Jesu in Jerusalem kündet sich an, was sich in nächster Zeit ereignen wird: Jesu Tod am Kreuz und seine Auferstehung.
Was hat uns dies heute zu sagen? - Das, was sich vor fast 2000 Jahren ereignet hat, ist nicht Vergangenheit. Die Liturgie der Kar- und Ostertage will dieses Geschehen, das auch uns unmittelbar betrifft, vergegenwärtigen. Wie die Zeitgenossen Jesu, sollen wir uns von diesen Ereignissen betreffen lassen und in Glaube oder Unglaube dazu Stellung beziehen. Das Werk der Erlösung soll an uns wirksam werden.
Die Palmprozession mit der anschließenden Eucharistiefeier ist die Eröffnung der Liturgie der Kar- und Ostertage, die am Gründonnerstag, am Karfreitag und in der Osternacht ihre Höhepunkte findet. Es geht in diesen Tagen nicht um eine fremde Sache, die uns nichts angeht. "Res mea agitur". Es geht um meine Sache; es geht nicht nur um das Schicksal Jesu, sondern auch um mein Schicksal.
Liedvorschläge:
GL 279: Hosanna dem Sohne Davids (Kyrie)
GL 280: Singt dem König Freudenpsalmen
GL 281: Also sprach beim Abendmahle
GL 288: Hört das Lied der finstern Nacht
GL 289: O Haupt voll Blut und Wunden
GL 290: Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen
GL 299: Der König siegt, sein Banner glänzt
GL 369: O Herz des Königs aller Welt
GL 460: Wer leben will wie Gott auf dieser Erde
GL 477: Gott ruft sein Volk zusammen
GL 485: O Jesu Christe, wahres Licht
GL Ö818: Aus der Tiefe rufen wir zu dir
GL Ö819: Lass mich deine Leiden singen
GL Ö820: Herr Jesus Christ, wir suchen dich
GL Ö821: Jesus zieht in Jerusalem ein, Hosianna
Kehrverse und Psalmen:
GL 36,1-2: Auf dich haben unsere Väter vertraut, und du hast sie gerettet. - Mit Psalm 22 - II.
GL 52: Herr, du bist König über alle Welt - Mit Ps 93 - VIII.
GL 293: Mein Gott, mein gott, warum hast du mich verlassen? - Mit Psalm 27 (GL 38,2) - IV.
GL 302,2: Hosanna dem Sohne Davids! - Mit Psalm 57 (GL 649,6) - VII.
GL 302;3: Hosanna, hosanna, hosanna in der Höhe - Mit Psalm 118 (GL 66,2) oder Psalm 122 (GL 68,2) - VI.
GL 629,5-6 (564): Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit - Mit Phil 2,6-11 - VI.
GL 639,1: Erbarme dich meiner o Gott, erbarme dich meiner. - Mit Psalm 121 (GL 68,2) - VI.
GL 657,5: Christus war für uns gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuze. Mit Psalm 121 (GL 68,2) - VI.
Wir loben dich
Jesu Einzug in Jerusalem
Das letzte Abendmahl
Erinnerung an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern
Überall ist Golgatha
Die Leiden Jesu Christi und dieser Welt heute sind eins
Das Kreuz des Jesus Christus
Zur Meditation
Deinen Tod o Herr verkünden wir
Lobpreis für den Überwinder des Todes
Lied vom Ostermorgen
Befreiung zum Neubeginn
Der Herr sei mit euch
Gruß der Jünger Jesu – heute
Welcher Engel wird uns sagen
Für eine ganz persönliche Auferstehung
Mit der Feier des Palmsonntags beginnen wir die Feier der Karwoche, der großen heiligen Woche.
Im Geiste ziehen wir mit Jesus hinauf nach Jerusalem und erleben wir mit ihm seine Vollendung als von Gott gesandten Messias. Mit ihm durchleiden wir auch den Weg des Kreuzes, den er für uns gegangen ist. Mit ihm erinnern wir uns, wie er beim Abschiedsmahl seinen Jüngern die Füße gewaschen, mit ihnen Mahl gehalten hat und seinen bevorstehenden Leidensweg als Hingabe für uns gedeutet hat.
Am Beginn dieser Feier huldigen wir Christus als Sohn Davids, als Messias und Erlöser.
(Fortsetzung der Feier mit der Segnung der Palmzweige und der Palmprozession oder mit den Kyrierufen)
Barmherziger, ewiger Gott,
segne + diese Zweige,
die Zeichen des Lebens und des Sieges sind.
Mit ihnen ehren wir Jesus, unseren König.
Mit Liedern begleiten wir ihn in seine heilige Stadt.
Gib, dass wir durch ihn zum himmlischen Jerusalem gelangen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Palmsonntag
Herr, Jesus Christus,
der Versuchung des Jubels bist du nicht erlegen.
Herr erbarme dich.
Bis zuletzt hast du den liebenden Dienst am Vater und den Menschen gelebt.
Christus, erbarme.
Deiner Bestimmung bist du trotz Todesangst treulich gefolgt.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
du hast den Auftrag deines Vaters angenommen
und hast dich kleingemacht in unsere Menschlichkeit.
Herr, erbarme dich.
Du hast in deinem Wirken gezeigt,
wie wir in dieser Welt leben sollen.
Christus, erbarme dich.
Du hast dich vom Jubel der Menschen nicht von deinem Weg abbringen lassen,
sondern bist den dir vorbestimmten Weg bis in Leid und Tod gegangen.
Herr, erbarme dich.
Allmächtiger, ewiger Gott,
deinem Willen gehorsam,
hat unser Erlöser Fleisch angenommen,
er hat sich selbst erniedrigt
und sich unter die Schmach des Kreuz es gebeugt.
Hilf uns,
daß wir ihm auf dem Weg des Leidens nachfolgen
und an seiner Auferstehung Anteil erlangen.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
MB Palmsonntag
Allmächtiger, ewiger Gott,
dein Sohn hat sich bis zum Tod am Kreuz erniedrigt
und die Sünden der Menschen auf sich genommen.
Hilf uns,
daß wir mit ihm im Leiden ausharren
und zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangen.
Durch ihn, Christus, unseren Herrn.
Großer Gott,
wir feiern in dieser Heiligen Woche
den Höhepunkt des Kirchenjahres.
Laß uns still und nachdenklich werden
und unsere Verbindung zu Christus stärken,
der uns in Tod und Auferstehung den Weg
vorausgegangen ist, und der mit dir lebt
und herrscht in Ewigkeit.
Vater unser im Himmel,
wir gedenken in der vor uns liegenden Karwoche
in besonderer Weise des Leidens und Sterbens Jesu.
Er hat aus Liebe zu dir und zu uns alles auf sich genommen,
damit wir durch ihn ewige Hoffnung haben.
Wir danken dir und Jesus für dieses große Geschenk an unser Leben
und bitten dich,
begleite auch uns auf allen Wegen,
damit wir deinem Willen folgen können. - Amen.
Gott,
der du Jesus zu uns geschickt hast, damit du uns Menschen gleich wirst und nahe bist.
Wir bitten dich:
Für die zerschlagenen und stimmlosen Menschen auf der Erde. – Stille…
Wir bitten dich, erhöre uns.
Für die kranken und einsamen Menschen. – Stille…
Für die Menschen, die andere pflegen, und für uns um Kraft, anderen beizustehen. – Stille…
Für die Mächtigen um einen demutsvollen Umgang mit Macht. – Stille…
Für die geschundene Schöpfung. – Stille…
Für die Verstorbenen. . – Stille…
Gott,
menschgeworden weißt du, was wir brauchen. Wir vertrauen uns deiner Hilfe und Begleitung an. Berühre uns mit deinem Segen. - Amen.
© Angelika Gumpenberger-Eckerstorfer, Seelsorgerin Wels St. Franziskus.
An Jesus, unseren Bruder und Herrn, richten wir unsere Bitten:
Hoffnung und Resignation liegen auch in deiner Kirche oft knapp nebeneinander.
Hilf uns, dir und deinem Geist zu vertrauen.
Gewinner und Verlierer spalten Nationen, Völker und Gesellschaft.
Hilf uns, im Bewusstsein unserer gegenseitigen Abhängigkeit und Bedürftigkeit Brücken zu bauen.
Viele erleben sich niedergedrückt durch körperliche oder seelische Leiden, Zukunftsängste, Sinnlosigkeit oder Einsamkeit.
Verhilf ihnen zur Erfahrung eines Umschwungs als Geschenk deiner Gnade.
Bewunderung und Verachtung sind oft nahe Nachbarn.
Hilf uns, so mit beiden umzugehen, dass sie uns zu dir hinführen und nicht von dir wegführen.
Geburt und Tod begrenzen unser irdisches Leben.
Erfülle an allen Verstorbenen deine Verheißungen.
Jesus,
durch dich, mit dir und in dir dürfen wir unsere Bitten deinem und unseren Vater anvertrauen. Seine Größe, Macht und Liebe preisen wir allezeit. - Amen.
Voll Erwartung jubeln die Menschen Jesus, dem erwarteten Messias, zu.
Diese Stimmung schlägt aber einige Tage später um.
Solche Erfahrungen kennen wir aus dem letzten Jahr.
Wenn wir heute, am Palmsonntag, Jesus als unseren Messias begrüßen,
übergeben wir ihm unsere Bitten:
Mit allen, die in ihrem Glaubensleben mehr als die Erfüllung von Traditionen sehen,
bitten wir dich für deine Kirche und alle ihre Glieder.
Mit allen, die aufgrund ihres Amtes Macht haben,
bitten wir dich für die Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft.
Mit allen, die die Fähigkeit entwickeln, an schwierigen Lebensumständen zu reifen,
bitten wir dich:
für die Kinder und Jugendlichen, die gewohnte Strukturen in ihrem Leben verloren haben;
für die Arbeitslosen und die durch den Lockdown in Bedrängnis geratenen Unternehmer;
für alle Kranken, die nur mühsam in ein aktives Leben zurückfinden;
für die Wissenschaftler, Ärzte und die in der Pflege Tätigen, die sich gefordert und oft überfordert fühlen.
Mit allen, die nicht die Rolle erfüllen können, die ihnen von anderen zugedacht wird,
bitten wir dich für die, die ihre eigenen Wünsche und Sehnsüchte auf Kosten der anderen verwirklicht sehen wollen.
Mit allen, die nach dem Tod eines geliebten Menschen, nach Trost und Sinn in ihrem Leben suchen,
bitten wir dich für unsere Verstorbenen.
Denn du, Jesus Christus, bist uns als Mensch und Gott durch deine Passion so nahe geworden, dass wir uns in unseren Leiden und Schmerzen von dir verstanden fühlen.
Dir sei Lob und Ehre jetzt und allezeit. - Amen.
Gott, der du Jesus zu uns geschickt hast,
damit du uns Menschen gleich wirst und nahe bist:
Wir bitten dich:
Für die zerschlagenen und stimmlosen Menschen auf der Erde
Für die kranken und einsamen Menschen.
Für uns, um Kraft, anderen beizustehen.
Für die Mächtigen - um einen demutsvollen Umgang mit Macht.
Für die geschundene Schöpfung.
Für die Verstorbenen.
Gott - menschgeworden weißt du, was wir brauchen.
Wir vertrauen uns deiner Hilfe und Begleitung an.
Berühre uns mit deinem Segen. - Amen.
© Mag.a Angelika Gumpenberger-E., Pastoralassistentin St. Franzikus, Wels.
In der Mitfeier der kommenden Tage erleben wir in ganz dichter Form, was Christsein ausmacht.
Gemeinsam beten wir:
Jesus, dein Königtum entspricht nicht unseren menschlichen Vorstellungen von einem König.
Hilf allen christlichen Kirchen nach deinem Vorbild von Gleichheit und Geschwisterlichkeit zu leben.
Jesus, du hast den Willen des Vaters bis zur letzten Konsequenz gelebt.
Stärke alle Menschen, die konsequent deine Werte verwirklichen wollen.
Jesus, du lässt dich auch in den Stunden größter eigener Bedrängnis vom Leid anderer berühren.
Schenke uns offene Augen und Ohren für das Leid unserer Mitmenschen.
Jesus, dein Blick trifft Petrus und verändert ihn.
Mach uns achtsam für die notwendigen Veränderungen in unserem Leben.
In dir, Jesus, kommt Gott uns Menschen sogar im Tod ganz nahe.
Begleite unsere Verstorbenen mit deiner beglückenden Nähe.
Jesus eröffnet uns eine neue und ganz andere Lebensperspektive.
Ihm sei Dank und Ehre heute und allezeit. - Amen.
Heiliger, starker Gott,
erschüttert stehen wir vor dem grausamen Tod,
den dein Sohn für uns auf sich genommen hat.
Wir bitten dich:
Für alle, die in unserer Zeit geschunden, gefoltert und ermordet werden.
Lass auch ihren Tod nicht vergeblich sein,
sondern fruchtbar werden für das Kommen deines Reiches.
Für alle, die im Einsatz für andere ums Leben gekommen sind.
Gib ihnen einen Platz in deinem Reich.
Für die Politiker, die in diesen Tagen ihre Programme für die Wahlen zum Europäischen Parlament präsentieren.
Gib ihnen die Kraft, das Wohl aller vor ihre Eigeninteressen zu stellen.
Für die Verantwortungsträger der christlichen Kirchen und aller Religionen.
Gib ihnen Mut, den Einsatz für Menschenwürde, Gerechtigkeit und Frieden wichtiger zu nehmen als die Wahrung der Traditionen und der eigenen Macht.
Für alle, die zu den himmlischen Wohnungen, die du den Deinen bereitet hast, heimgekehrt sind.
Schenke ihnen den Frieden deines ewigen Reiches.
Heiliger, unsterblicher Gott,
wir danken dir, dass du uns in Jesus deine grenzenlose Liebe gezeigt hast.
Lass sie aufleuchten in unserer ruhelosen Welt. – Amen.
Erst bejubelt, dann verurteilt. In dieser Spannung steht der Palmsonntag.
Zwischen Hochgefühl und Verzweiflung spielt sich oft auch unser Leben ab.
Dabei ist aber Christus an unserer Seite.
Durch ihn lasst uns den Vater bitten:
Um Formen kirchlichen Lebens, die die Menschen ansprechen
und sie in ihren Schwierigkeiten hilfreich unterstützen.
Um ein ausgewogenes Maß im Handeln unserer Politiker
für die verschiedenen sozialen Gruppierungen unserer Gesellschaft.
Um Trost und kompetente Hilfe für alle Kranken und Leidenden.
Um innere Ruhe und stille Stunden, in denen wir in den kommenden Tagen der Bedeutung Jesu Leiden und Sterben für uns selbst näherkommen.
Um deine ewige Nähe für unsere Verstorbenen.
Durch die Feier der Karwoche nehmen wir Anteil am Leidensweg Jesu.
Dass seine Leiden uns zum Heil werden, erbitten wir vom Vater im Heiligen Geist. - Amen.
Herr, unser Gott,
schenke uns Verzeihung
durch das Leiden deines Sohnes.
Wir haben sie zwar durch unsere Taten nicht verdient,
aber wir vertrauen auf dein Erbarmen.
Darum versöhne uns mit dir
durch das einzigartige Opfer
unseres Herrn Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Palmsonntag
Kehrvers:
Herr Jesus, dir sei Rum und Ehre. (GL176,3)
Guter Gott, wir danken dir,
dass du uns Jesus Christus als Messias und Erlöser gesandt hast.
Er ist als Friedensfürst in Jerusalem eingezogen
und hat uns deinen göttlichen Frieden gebracht.
Kehrvers
Er ist gekommen, nicht um zu herrschen,
sondern um zu dienen.
Er hat als Hirte sein leben hingegeben für seine Herde,
damit wir ewiges Leben erlangen.
Kehrvers
Er hat unsere Schuld getilgt
und uns mit dir, Gott und Vater, versöhnt.
Er hat uns die Macht gegeben, Kinder Gottes zu werden
und in deinem Licht zu leben.
Kehrvers
Dafür danken wir dir mit allen Engeln und Heiligen.
Wir stimmen ein in den Lobpreis deines auserwählten Volkes
und singen dir zur Ehre:
Danklied, z. B."Gott wohnt in einem Lichte... GL 429
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken und
das Werk deiner Liebe zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Er war ohne Sünde
und hat für die Sünder gelitten.
Er war ohne Schuld und hat sich
ungerechtem Urteil unterworfen.
Sein Tod hat unsere Vergehen getilgt,
seine Auferstehung
uns Gnade und Leben erworben.
Darum preisen wir jetzt
und in Ewigkeit dein Erbarmen
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Palmsonntag
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und das Werk deiner Gnade zu rühmen.
Denn das Leiden deines Sohnes
wurde zum Heil für die Welt.
Seine Erlösungstat bewegt uns,
deine Größe zu preisen.
Im Kreuz enthüllt sich dein Gericht,
im Kreuz erstrahlt die Macht des Retters,
der sich für uns dahingab,
unseres Herrn Jesus Christus.
Durch ihn loben dich deine Erlösten
und vereinen sich mit den Chören der Engel
zum Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Passionszeit 1
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und das Werk deines Erbarmens zu rühmen
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Denn wiederum kommen die Tage,
die seinem heilbringenden Leiden und
seiner glorreichen Auferstehung geweiht sind.
Es kommt der Tag des Triumphes über den alten Feind,
es naht das Fest der Erlösung.
Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel
und singen vereint mit ihnen
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Passionszeit 2
Mitgehen mit dir, Jesus,
mitgehen
nach Jerusalem.
Oh Herr
Wer kann das verstehen?
Eben noch Jubel und Lobgesang,
und jetzt -
das Gericht, die Henker,
der Tod.
Und wo bin ICH?
Schreie ich mit?
Hosanna -
und kreuzigt ihn!
Oder
verstecke ich mich,
leugne,
dazu zu gehören?
Du kennst mich Herr,
du kennst meine Schwachheit,
du kennst aber auch meinen guten Willen.
Lass mich mitgehen,
mitgehen
durch Leid und Tod
zur Auferstehung.
Jesus Christus
mit dir will ich aufstehen
gegen Not und Tod
gegen Folter und Leiden
gegen Armut und Elend
gegen Hass und Terror
gegen Zweifel und Resignation
gegen Unterdrückung und Zwang
Mit dir will ich aufstehen
gegen alles, was das Leben behindert
Mit dir will ich einstehen
für alles,
was das Leben fördert
Es genügt nicht
Hosanna, Hosanna zu rufen
darum
sei du meine Kraft
dass ich aufstehe mit dir
Nicht auf einem hohen Ross
sondern auf einem jungen Esel
kommst du, Jesus, in die Stadt
arm, schwach, machtlos
und doch wirst du wie ein König empfangen
Hosanna
jubelt man dir zu
Seit damals wissen wir
du bist ein König
du bist stark
du kannst den Tod besiegen
du kannst Frieden bringen
Hosanna
König des Himmels und der Erde
gepriesen bist du in Ewigkeit
Herr, unser Gott,
du hast uns im heiligen Mahl gestärkt.
Durch das Sterben deines Sohnes
gibst du uns die Kraft,
das Leben zu erhoffen, das uns der Glaube verheißt.
Gib uns durch seine Auferstehung die Gnade,
das Ziel unserer Pilgerschaft zu erreichen.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.
MB Palmsonntag
Vater im Himmel,
mit diesem Sonntag haben wir in besonderer Weise begonnen,
den Leidensweg deines Sohnes
und seine Hingabe zu dir und uns Menschen
neu anzuschauen.
Wir bitten dich:
schenke uns wache Augen
für das Leid aller Menschen
und die Bereitschaft,
dienend und helfend seinem Beispiel zu folgen.
Darum bitten wir, durch ihn,
Christus, unseren Bruder und Herrn.
da zieht ER ein
kein unbeschriebenes Blatt
die einen verehren ihn
weil ER
die Menschenliebe Gottes verkündet
die alles Geltende in den Schatten stellt
die anderen hassen ihn
weil ER
alles auf den Kopf -
vieles in Frage stellt
die einen
jubeln ihm zu
als ER nach Jerusalem kommt
die anderen
schmieden schon
den Plan des Todes –
„ER muss weg“
und ER
geht seinen Weg -
folgt seiner Bestimmung -
bleibt bescheiden
reitet auf einem Esel ein
in die Stadt
die ihm zum Verhängnis werden soll
und Er spürt es
die ihm zujubeln
sie suchen einen Herrscher
der die Besatzermacht sprengt
der die ungleichen Verhältnisse besiegt
der für sie die Ordnung „ihrer“ Macht
wieder herstellt
doch sein Weg
er ist ein anderer
er orientiert sich nicht an den Machtspielen
er lässt dem Kaiser was des Kaisers ist
ER will etwas Grundlegendes
ER will
dass die Welt erkennt
dass nur die Liebe
alles überwinden kann
eine Liebe
die zu verkünden
ihm sein Vater aufgetragen hat
eine Liebe der Aufrichtung
eine Liebe der Verzeihung
eine Liebe des Auf-einander-Zugehens
eine Liebe - die trennende Mauern sprengt
eine Liebe
deren Kraft
alles neu machen kann
ein Liebe
deren Dynamik
selbst den Tod
überwinden kann
und Er nimmt ihn an
den Weg
bis in Leid und Tod
damit die Ketten
der tödlichen Lieblosigkeit
ein für alle Mal
fallen
ER bleibt seinem Weg treu
ER geht ihn
bis zuletzt
ER geht ihn
für dich
für mich
für jeden
geht ihn für alle Zeit
auch für die Schrecken
unserer Zeit
ER geht ihn
damit wir im Aufstand –
im AUF-STAND DER LIEBE -
Gottes Licht sehen
2022
Beatrix Senft, 2022
du kommst daher
aus drei Jahren Wirken
drei Jahre
Erfüllung
des Willens deines Vater
drei Jahre
Begegnungen
Zuspruch
Heilung zusprechend
Augen
und
Ohren öffnend
Lebend teilend –
wie das täglich Brot
Liebe kündend
des Gottes
dessen ALL-MACHT
Liebe ist
geritten auf einem Esel
dem Füllen einer Eselin
bescheiden
deinem Wirken
entsprechend
und doch
umjubelt
und dann
dann
schlägt alles um
die Mächtigen
deines Glaubens
haben es beschlossen:
„der Mensch
der diese
unerschütterliche
Liebe Gottes
verkündet
er muss weg“
SIE
haben es beschlossen –
nicht die Machthaber Roms
aus dem Jubel
werden erste Gegenstimmen
laut
eine Welle entsteht
und
breitet sich aus
„kreuzigt ihn“
die Schreie
sie schlagen
über dir
zusammen
und du
schweigst
und
gehst den Weg
als Konsequenz
der Liebe
zum Vater
und zu den Menschen
aus Liebe
auch zu uns
mache auch uns
zu Anstiftern
der Liebe
in den Konsequenzen
unseres Lebens
Beatrix Senft, 2022
Auf den
Kreuzwegsteinen des Jesus von Nazareth
mit-gehen
IHN
wahrnehmen
mit allem
was ihn ausmacht
erspüren
seine Last
seine Angst
ja Todesangst
erspüren
auch
seine Hingabe
seine Liebe
bis in die letzte Konsequenz
bei ihm
verweilen
ausharren
aushalten
zum
Mit-Leiden
bereit
auch
die Last spüren
die
auf meinen Schultern
als Holz
des Leidens
liegt
erspüren
die Last
die auf den Schultern
meiner Lieben
und
so vieler
liegt
IHM
zeigen
hin-halten
und
mit
IHM
erhoffen dürfen
dass es
ein
AUF-ERSTEHEN
gibt
und
auf den
Kreuzwegsteinen
auch
in dieser Zeit
mutig
WEITER-GEHEN
mit IHM
bin ich bereit?
mutig
WEITER-GEHEN
mit IHM
ich bin
bereit
Beatrix Senft, 2022
Wir loben dich
Jesu Einzug in Jerusalem
Das letzte Abendmahl
Erinnerung an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern
Überall ist Golgatha
Die Leiden Jesu Christi und dieser Welt heute sind eins
Das Kreuz des Jesus Christus
Zur Meditation
Deinen Tod o Herr verkünden wir
Lobpreis für den Überwinder des Todes
Lied vom Ostermorgen
Befreiung zum Neubeginn
Der Herr sei mit euch
Gruß der Jünger Jesu – heute
Welcher Engel wird uns sagen
Für eine ganz persönliche Auferstehung
(c) Reinhard Burchhardt
Norwegische Politiker gaben bekannt, sie hätten die 16-jährige Umweltaktivistin Greta Thunberg für den Friedensnobelpreis angemeldet. Das Komitee in Oslo muss dazu schweigen. Bisher hat sich nur Trump als Nominierter geoutet.
Ganzer Beitrag:
https://diepresse.com/home/ausland/welt/5595892/
Einzug in die Halle mit einer Schar an Kindern über den roten Teppich. Der Applaus und die stehenden Ovationen verleiteten sie schon da zu Luftsprüngen….
Mit 97,8 Prozent wurde Pamela Rendi-Wagner zur ersten Frau an der Spitze der SPÖ gewählt. Auch Kern sprach lang - und nannte die neue SPÖ-Chefin eine "wandelnde Kampfansage“.
Ganzer Beitrag:
https://diepresse.com/home/innenpolitik/5535735/
Alle Evangelien stimmen in diesem Punkt überein: Jesus, der Sohn, entscheidet sich frei für den Tod am Kreuz. Aber er tut das in dem Bewusstsein, darin dem Willen Gottes, des Vaters, gehorsam zu sein. Eben diese einhellige Überzeugung der neutestamentlichen Autoren - und einer breiten christlichen Tradition stößt heute viele Menschen ab und empört sie. Sie sehen darin ein perverses Wechselspiel zwischen einem sadistischen »Vater« und einem masochistischen »Sohn«. Beide hätten, wenngleich auf unterschiedliche Weise, am Leiden ihre Lust. Und das soll als Heilsgeschehen verstanden und gewürdigt werden? Eine schlimmere Verirrung und Zumutung lässt sich kaum denken.
Verrät sich hier nicht eine verschwiegene, abgründige Leidenschaft für die Gewalt? Und erklärt diese nicht auch schlüssig die Blutspur, die das Christentum in der Geschichte hinterlassen hat? Jüngst wurde behauptet, der christliche Glaube könne ohne Blut nicht existieren, und darum wäre sein Verschwinden der beste Dienst an der Menschheit. Handelt es sich also bei in christlichem Namen ausgeübter Gewalt um kein Missverständnis und keinen Missbrauch des Glaubens, sondere um seine unausweichliche Konsequenz? Ist der Glaube selbst die Krankheit, die er zu heilen vorgibt?! Fragen über Fragen, die auf eine Schlüsselfrage hinauslaufen: Was bedeutet das Kreuz Jesu Christi?
Christen verehren das Kreuz als Zeichen der Erlösung des Menschen durch Gott. Es wäre unsinnig, zugleich anzunehmen, der Kreuzestod Jesu stünde im Widerspruch zum Willen Gottes. Gott und Jesus bejahen das Kreuz, weil es unter den gegebenen Bedingungen etwas Wichtiges sichtbar macht. Jesus ist schuldlos und wehrlos. Nichts rechtfertigt seinen gewaltsamen Tod. Genau deshalb führt das Kreuz nicht nur die Folge einer Gewalttat vor Augen, sondern mehr noch ihre Grundlosigkeit und damit die Abgründigkeit menschlicher Gewaltbereitschaft. »Christentum ist wesentlich Gewaltanschauung« (G. Fuchs). Nicht aus voyeuristischer Lust, Gewalt zu sehen oder das Leiden, das sie anrichtet, sondern weil Gott durch das Kreuz sehen lässt, was im Menschen steckt.
Aus: Franz Kamphaus, Hinter Jesus her. Anstöße zur Nachfolge. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2010.
Der, von dem ich erzählen will,
wurde geboren in Armut und starb,
noch jung, mit ausgebreiteten Armen
am Kreuz einen schrecklichen Tod.
Warum, worin bestand seine Schuld?
Oder anders gefragt: wem war er im Weg?
Er raubte kein Geld, kein Land, stürzte
keinen vom Thron, zog nicht in den
Krieg, schrieb nicht einmal Bücher.
Der Ort, wo er aufwuchs wie andere auch,
war ohne Bedeutung: ein Nest in den Bergen
am Rande des riesigen römischen Reiches.
Er lernte ein Handwerk, zimmerte Möbel,
bis er die Werkstatt verließ und sein Dorf
und umherzog im Land, das Wort auszusäen.
Er sah, wie man weiß, weder Rom noch Athen.
Aber er sah seinen Vater im Himmel und
sah auf der Erde die Menschen im Dunkel
und lehrte sie sehn mit anderen Augen.
Er heilte die Kranken, rief Tote ins Leben.
So zog er umher und warb um die Herzen
und sprach von der Liebe, dem
Königreich Gottes.
Er starb, wie er lebte,
und lebt, wie er starb:
mit ausgebreiteten Armen.
Aus: Lothar Zenetti, Leben liegt in der Luft. Worte der Hoffnung. Matthias-Grünewald Verlag, Ostfildern 2007.
Kein Prophet sprach: »Mich Geweihten sende!«
Eingebrannt als Mal war es in allen:
Furchtbar ist dem Menschen, in die Hände
Gottes des Lebendigen zu fallen.
Kein Prophet sprach: »Mich Bereiten wähle!«
Jeder war von Gottes Zorn befehdet.
Gott stand dennoch jedem vor der Seele,
wie ein Mann mit seinem Freunde redet.
Kein Prophet sprach: »Gott, ich brenne!«
Jeder war von Gott verbrannt.
Kein Prophet sprach: »Ich erkenne!«
Jeder war von Gott erkannt.
Jochen Klepper in: Georg Langenhorst, Gedichte zur Bibel. Texte - Interpretationen - Methoden. Ein Werkbuch für Schule und Gemeinde. Kösel Verlag München 2004 (2001).

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Der letzte Vers des in der Leseordnung vorgesehenen Evangeliums (Vers 40) ist inhaltlich mit den folgenden Versen 41 - 44 verbunden. Aus diesem Grunde empfiehlt sich eine Lektüre des Einzugs Jesu in Jerusalem in diesem Kontext.
Für meinen Predigtvorschlag habe ich die Erweiterung um die Verse 41 - 44 mit berücksichtigt.
Empfohlene Erweiterung:
Als er näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie und sagte:
Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was dir Frieden bringt.
Jetzt aber bleibt es vor deinen Augen verborgen.
Es wird eine Zeit für dich kommen,
in der deine Feinde rings um dich einen Wall aufwerfen,
dich einschließen und von allen Seiten bedrängen.
Sie werden dich und deine Kinder zerschmettern
und keinen Stein auf dem andern lassen;
denn du hast die Zeit der Gnade nicht erkannt.
Zwei Jünger werden in das vor ihnen liegende Dorf geschickt, einen jungen Esel zu holen. Was Jesus den beiden als Wegweisung mitgibt, erweist ihn als Propheten: Die Jünger finden alles so vor, wie es ihnen Jesus sagt, und auch die Frage, auf die er sie vorbereitet, wird dann so gestellt. "Der Herr braucht ihn". Warum? Für was? Im Hintergrund steht die prophetische Verheißung, die bei Sacharja formuliert ist (Sach. 9,9f.): Nicht nur, dass "dein König kommt" (angesprochen ist die Tochter Zion = Jerusalem) auf einem jungen Esel, sondern auch, dass Streitwagen, Rosse und Waffen vernichtet werden. "Er verkündet für die Völker den Frieden; seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer und vom Eufrat bis an die Enden der Erde."(Vers 10b). Dass diese Verheißung in Erfüllung geht, hat der Evangelist in Szene - 2 Jünger in einem Dorf vor Jerusalem - gesetzt, ohne auch nur ein Wort zuviel zu sagen.
Es sind die Jünger, die ihre Kleider auf den Esel legen und wie einen Roten Teppich auf den Weg vor ausbreiten. Die Menge hat Lukas ausgeblendet, ebenso die Palmzweige. Ihm lag an der Kleiderszene, die diesen Einzug von vielen anderen herrschaftlichen Empfängen abhebt und noch einmal unterstreicht, wer denn hier kommt. Dieser König kommt ohne Eskorte und ohne gepanzerten Begleitschutz (Statussymbol bis heute), sondern vor ihn legen Menschen ab, ziehen sich aus - und haben Anteil an seiner Wehrlosigkeit. Das Sacharjawort meint ursprünglich auch, dass ein König kommt, dem geholfen wird (passiv) bzw. dem geholfen werden muss.
Als der Abstieg (!) beginnt, begannen alle Jünger freudig und mit lauter Stimme Gott zu loben, wegen all der Wundertaten, die sie erlebt haben (nachdrücklich: alle Jünger - alle Wundertaten!). Ihr Lobpreis knüpft an den Psalm 118 an: "Ach, Herr, bring doch Hilfe - ach, Herr, gib doch Gelingen. - Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn" (Vers 25 f.). Lukas lässt eine Nähe erahnen zwischen der Akklamation der Jünger und dem Lobgesang der Engel aus Kap. 2,14: während die Engel auf die Menschen blicken ("Friede auf Erden"), wenden die Jünger ihre Blicke zum Himmel ("Friede im Himmel"). Anspielungen und Zuspitzungen liebt Lukas besonders. Überhaupt klingt in den Cantica Lukas 1 - Benedictus und Magnificat - an, wie Gott sein Volk besucht. Den roten Faden hat Lukas fein verwoben. Der Lobpreis der Jünger nimmt das Heil aus Gottes Hand. Jetzt.
Die kunstvolle Komposition von Lukas, in der der Einzug Jesu von langer Hand vorbereitet erscheint, aber nur in kurzen Schlüsselszenen aufleuchtet, erinnert gegen Ende an den Konflikt zwischen Jesus und den Pharisäern. Für sie ist die Akklamation ein Affront. Aber wenn der Lobpreis verstummt, wird der Tod das Wort an sich ziehen. Ohne vorwegzunehmen, was er dann weiter erzählt, bereitet Lukas das Ende vor. Das Bild von den "schreienden Steinen" stellt das Unheil dar, in das Jesus zieht. Umso nachdrücklicher hat Lukas "seine" Geschichte vom Einzug geformt.
Jerusalem hat eine heilsgeschichtliche Schlüsselstellung. Dort hat die Verkündigung des Evangeliums begonnen (Lk 1,8-22) und in Jerusalem wird sie auch enden (Lk 24,52 ff.). Von dort wird auch das Evangelium zu allen Volkern und in alle Länder getragen werden (Lk 24,46-49 und Apg 1,4-8).
Der Einzug in Jerusalem schließt den sogenannten "lukanischen Reisebericht" (Lk 9,51-19,27) ab. Jesus nimmt Jerusalem gleichsam in Besitz. Seine Verkündigung erreicht in der Stadt und im Tempel den Höhepunkt und führt zur letzten Entscheidung.
Der Einzug in die Stadt Jerusalem bedeutet das gleichsam "alles entscheidende" Heilsangebot an Israel. Der Jubel der Engel bei der Geburt in Betlehem (Lk 2,14) wird zum Jubel der Jünger vor Jerusalem. Die Huldigung geschieht auf dem Ölberg. Nur die Jünger, nicht die Volksmassen, proklamieren Jesus als als König Israels und rufen das politisch unverdächtige religiöse Reich Jesu aus.
Lukas verkündet hier eine Stunde der Entscheidung. Der Entscheidung zwischen der "Fülle des Lebens" und dem "ewigen Tod" in der Gottesferne.