Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus der Apostelgeschichte.
Durch die Hände der Apostel
geschahen viele Zeichen und Wunder im Volk.
Alle kamen einmütig in der Halle Salomos zusammen.
Von den Übrigen wagte niemand, sich ihnen anzuschließen;
aber das Volk schätzte sie hoch.
Immer mehr wurden im Glauben zum Herrn geführt,
Scharen von Männern und Frauen.
Selbst die Kranken trug man auf die Straßen hinaus
und legte sie auf Betten und Liegen,
damit, wenn Petrus vorüberkam,
wenigstens sein Schatten auf einen von ihnen fiel.
Auch aus den Städten ringsum Jerusalem
strömten die Leute zusammen
und brachten Kranke und von unreinen Geistern Geplagte mit.
Und alle wurden geheilt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Danket dem Herrn, denn er ist gut,
denn seine Huld währt ewig. – Kv
(GL 444)
Oder: Kv Halleluja. – Kv
So soll Israel sagen: *
Denn seine Huld währt ewig.
So sollen sagen, die den Herrn fürchten: *
Denn seine Huld währt ewig. – (Kv)
Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, *
er ist zum Eckstein geworden.
Vom Herrn her ist dies gewirkt, *
ein Wunder in unseren Augen. – (Kv)
Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; *
wir wollen jubeln und uns über ihn freuen.
Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn! /
Wir segnen euch vom Haus des Herrn her. *
Gott ist der Herr. Er ließ Licht für uns leuchten. – Kv
Lesung aus der Offenbarung des Johannes.
Ich, Johannes, euer Bruder und Gefährte in der Bedrängnis,
in der Königsherrschaft
und im standhaften Ausharren in Jesus,
war auf der Insel, die Patmos heißt,
um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses für Jesus.
Am Tag des Herrn wurde ich vom Geist ergriffen
und hörte hinter mir eine Stimme, laut wie eine Posaune.
Sie sprach: Schreib das, was du siehst, in ein Buch
und schick es an die sieben Gemeinden in Kleinasien.
Da wandte ich mich um,
weil ich die Stimme erblicken wollte, die zu mir sprach.
Als ich mich umwandte,
sah ich sieben goldene Leuchter
und mitten unter den Leuchtern
einen gleich einem Menschensohn;
er war bekleidet mit einem Gewand
bis auf die Füße
und um die Brust trug er einen Gürtel aus Gold.
Als ich ihn sah,
fiel ich wie tot vor seinen Füßen nieder.
Er aber legte seine rechte Hand auf mich und sagte:
Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte
und der Lebendige.
Ich war tot, doch siehe, ich lebe in alle Ewigkeit
und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt.
Schreib auf, was du gesehen hast:
was ist und was danach geschehen wird.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus der Offenbarung des Johannes.
Ich, Johannes, euer Bruder und Gefährte in der Bedrängnis,
in der Königsherrschaft
und im standhaften Ausharren in Jesus,
war auf der Insel, die Patmos heißt,
um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses für Jesus.
Am Tag des Herrn wurde ich vom Geist ergriffen
und hörte hinter mir eine Stimme, laut wie eine Posaune.
Sie sprach: Schreib das, was du siehst, in ein Buch
und schick es an die sieben Gemeinden:
nach Ephesus, nach Smyrna, nach Pergamon, nach Thyatira, nach Sardes, nach Philadelphia und nach Laodizea!
Da wandte ich mich um,
weil ich die Stimme erblicken wollte, die zu mir sprach.
Als ich mich umwandte,
sah ich sieben goldene Leuchter
und mitten unter den Leuchtern
einen gleich einem Menschensohn;
er war bekleidet mit einem Gewand
bis auf die Füße
und um die Brust trug er einen Gürtel aus Gold.
Sein Haupt und seine Haare waren weiß wie weiße Wolle,
wie Schnee,
und seine Augen wie Feuerflammen;
seine Beine glänzten wie Golderz, das im Schmelzofen glüht,
und seine Stimme war wie das Rauschen von Wassermassen.
In seiner Rechten hielt er sieben Sterne
und aus seinem Mund kam ein scharfes, zweischneidiges Schwert
und sein Gesicht leuchtete wie die machtvoll strahlende Sonne.
Als ich ihn sah,
fiel ich wie tot vor seinen Füßen nieder.
Er aber legte seine rechte Hand auf mich und sagte:
Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte
und der Lebendige.
Ich war tot, doch siehe, ich lebe in alle Ewigkeit
und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt.
Schreib auf, was du gesehen hast:
was ist und was danach geschehen wird.
Das Geheimnis der sieben Sterne,
die du auf meiner rechten Hand gesehen hast,
und der sieben goldenen Leuchter ist:
Die sieben Sterne sind die Engel der sieben Gemeinden
und die sieben Leuchter sind die sieben Gemeinden.
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Weil du mich gesehen hast, Thomas, glaubst du.
Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.
Am Abend dieses ersten Tages der Woche,
als die Jünger aus Furcht vor den Juden
bei verschlossenen Türen beisammen waren,
kam Jesus,
trat in ihre Mitte
und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
Nach diesen Worten
zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite.
Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.
Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch!
Wie mich der Vater gesandt hat,
so sende ich euch.
Nachdem er das gesagt hatte,
hauchte er sie an
und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
Denen ihr die Sünden erlasst,
denen sind sie erlassen;
denen ihr sie behaltet,
sind sie behalten.
Thomas, der Didymus genannt wurde, einer der Zwölf,
war nicht bei ihnen, als Jesus kam.
Die anderen Jünger sagten zu ihm:
Wir haben den Herrn gesehen.
Er entgegnete ihnen:
Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe
und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel
und meine Hand nicht in seine Seite lege,
glaube ich nicht.
Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt
und Thomas war dabei.
Da kam Jesus bei verschlossenen Türen,
trat in ihre Mitte
und sagte: Friede sei mit euch!
Dann sagte er zu Thomas:
Streck deinen Finger hierher aus
und sieh meine Hände!
Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite
und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
Thomas antwortete und sagte zu ihm:
Mein Herr und mein Gott!
Jesus sagte zu ihm:
Weil du mich gesehen hast, glaubst du.
Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
Noch viele andere Zeichen
hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan,
die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind.
Diese aber sind aufgeschrieben,
damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist,
der Sohn Gottes,
und damit ihr durch den Glauben
Leben habt in seinem Namen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der vorliegende Text kann in drei abgeschlossene Einheiten geteilt werden: die Begegnung Jesu mit den Jüngern, die Begegnung Jesu mit Thomas und die Schlusserklärung. Anders als sonst (Joh 18:20) finden die Ereignisse hinter verschlossenen Türen statt. Jesus tritt in die Mitte seiner Jünger und begrüßt sie mit dem jüdischen Friedensgruß -dieser wird nun zum Zeichen des Heiles und der Auferstehung. Nach einer Legitimationsgeste beauftragt und ermächtigt Jesus die Jünger (und Jüngerinnen?) zur Sündenvergebung. Wie das aber genau aussehen soll (Taufe etc.), bleibt unklar. Die Beauftragung findet sich versinnbildlicht in der Weitergabe des Lebensatems (vgl. Gen 2,7; Ex 37,9).
Die Thomas-Begegnung hat den Charakter einer Ermahnung an die nachösterlichen Gemeinden. Sie müssen sich anders als die Apostel damit begnügen, dass sie glauben sollen ohne zu sehen - in diesem Glauben aber sollen sie standhaft sein. Die Aussage, dass sich die Jüngerschar jeweils am ersten Tag der Woche (der Ausdruck “achter Tag” beinhaltet Ausgangs- und Endtag der Zählung) versammelte, ist ein Hinweis auf den Herrentag, zu dem die Gemeinde zusammenkommt, das Mahl feiert und an Jesu Gegenwart in den Gestalten von Brot und Wein glaubt, ohne ihn leiblich zu sehen. Die Bedeutung der Thomas-Geschichte im Auferstehungsgeschehen selbst ist zweitrangig. Das zeigt sich an dem Umstand, dass - anders als bei der ersten Begegnung Jesu mit der Jüngerschar - recht ungenau formuliert wird. So bleibt etwa die Frage, warum Thomas nicht bei der Schar ist, ungeklärt. Auch wird nicht beschrieben, ob Thomas Jesus berührt hat. Die Abschlusserklärung (Vv. 30f) unterstreicht die Ermahnung.
Es ist eine paradoxe Situation, die Johannes beschreibt: Die Jünger wissen durch Maria Magdalena bereits, dass Jesus lebt, dieses Wissen bleibt aber ohne Folgen. Sie tun nichts, denn ohne Jesus sind sie noch unfähig, etwas zu tun. Sie fühlen sich alleingelassen und sind voll Furcht hinter verschlossenen Türen. Da erscheint plötzlich Jesus, mitten unter den Jüngern macht er sich sichtbar. Er entbietet ihnen seinen Frieden, als Zeichen, dass er die gottfeindliche Welt besiegt hat, und er zeigt sich ihnen als der verherrlichte Gekreuzigte. Nun können sich die Jünger auch darüber freuen, dass Jesus zum Vater zurückgegangen ist.
Der zweite Friedensgruß soll die Jünger befähigen, sich der Welt als Gesandte Jesu zuzuwenden. Von nun an wird der Heilige Geist, der von Gott und von Jesus stammt, in den Jüngern weiterwirken.
Thomas kann dem Wort der Übrigen nicht trauen. Das Kommen Jesu acht Tage später gilt Thomas. Jesus tadelt zwar sein Begehren, weist es aber nicht zurück. Thomas spricht sein Bekenntnis, ohne sein Begehren, die Wunden zu berühren, auszuführen. Johannes schreibt diese Szene für die skeptischen Menschen. Im Zweifel des Thomas kommt auch ihr Zweifel zum Ausdruck. Sie sollen ebenfalls zum Bekenntnis für Jesus gelangen, auch wenn sie keine Chance mehr haben, ihren Zweifel durch die Möglichkeit einer eigenen Untersuchung ausräumen zu können.
Auch wenn wir alle Hinweise rund um die Auferstehung Jesu zusammentragen, ergeben sie noch keine ausreichenden Beweise für den Glauben an seine Auferstehung. Was muss passieren, dass Menschen auch persönlich an seine Auferstehung und an die Hoffnung auf Auferstehung glauben können? Thomas gibt uns dazu ein interessantes Beispiel.
Oft werde ich mit Klagen konfrontiert, dass die Glaubensweitergabe nicht gelungen sei. Eltern betonen, sie hätten alles getan, dass ihre Kinder und Enkelkinder ein positives Verhältnis zu Kirche, Glauben und Religion mitbekämen. Doch es scheint vergeblich gewesen zu sein. Manche fragen sich, ob sie eventuell "zu viel" getan haben. Ähnlich die Ratlosigkeit in vielen Gemeinden. Liegt es an den hohen Forderungen, am mangelnden Beispiel, am "schlechten Einfluss" von Freunden, unbefriedigendem Religionsunterricht? Gerne sucht man die Schuld auch bei den Seelsorgern, Bischöfen, Kirchenskandalen und nicht zuletzt im "Zeitgeist".
Angesichts des heutigen Evangeliums vom "ungläubigen Thomas" – bereits diese Redeweise ist schon fragwürdig – stelle ich mir die Frage: Kann man Glauben weitergeben? Oft sprechen wir vom religiösen Erbe, das es zu bewahren und weiterzugeben gelte. Wir schielen auf andere Religionen, denen dies scheinbar leichter gelingt. Jude wird man durch Abstammung, Muslim durch ein einfaches Glaubensbekenntnis vor wenigstens zwei Zeugen, Christ wird man durch die Taufe. Stellvertretend für den meist unmündigen Täufling sprechen dabei die Paten und die Eltern das Glaubensbekenntnis und versprechen die religiöse Erziehung des Kindes. Immer öfter aber gehen dann die Heranwachsenden und Herangewachsenen andere Wege.
Da gibt mir die Erzählung vom Apostel Thomas zu denken. Auch bei ihm hat es nicht funktioniert. Er hatte wohl die beste und originärste religiöse Erziehung, die wir uns als Christen wünschen können: Er war Jünger Jesu… er hatte die besten und glaubwürdigsten Zeugen, die wir uns vorstellen können: Freunde und Freundinnen, mit denen er mehrere Jahre durch das Land zog und die mit ihrem Glaubenszeugnis gleichsam über ihn herfielen… Trotzdem hält er an seiner Einstellung fest: "Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht." Erst die persönliche Begegnung mit dem auferstandenen Christus überzeugt ihn und lässt ihn bekennen: "Mein Herr und mein Gott!"
In der langen Geschichte der Kirche ist er nicht der Einzige, der erst auf Umwegen den Schatz des Glaubens an Christus entdeckt hat: Denken Sie an Saulus von Tarsus, der durch ein persönliches Begegnungserlebnis mit Christus auf dem Weg nach Damaskus sein Leben völlig auf den Kopf gestellt bekam, oder an Franz von Assisi, Johannes von Gott, Ignatius von Loyola und viele andere mehr.
Worin liegt nun der Unterschied? Ich glaube, es geht um persönliches Betroffensein. Zum Glauben und schon gar nicht zum Glauben an die Auferstehung kann man mit dem Kopf allein kommen. So wichtig die intellektuelle Auseinandersetzung mit den Grundlagen des Glaubens ist, es braucht einen letzten Anstoß, und der kommt meiner Erfahrung nach aus der persönlichen Betroffenheit.
Wenn es z.B. um die Frage des Weiterlebens eines nahen und von Herzen geliebten Menschen geht, stellt sich die Frage nach der Auferstehung noch einmal ganz anders. Ähnlich ist es, wenn die Frage nach der eigenen Zukunft geht konkret wird.
Heißt das nun, dass wir gar nichts dazu beitragen können, dass Menschen zum Glauben kommen? – Wir können einiges tun, aber wir können den Glauben niemandem eintrichtern; auch nicht dem geliebtesten Menschen.
Wie bereits angesprochen, kann die verstandesmäßige Auseinandersetzung mit den Glaubensgrundlagen neue Sichtweisen erschließen. In mehreren biblischen Erzählungen wird von Jesus erzählt: "Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht." (Lk 24,27); "Darauf öffnete er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften." (Lk 24,45); "Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse." (Joh 20,9). Auch wir haben es immer neu notwendig, den Sinn der heiligen Schriften zu bedenken und uns von allen Seiten in sie zu vertiefen.
Nicht zu unterschätzen ist auch die Pflege der durch Jahrhunderte gewachsenen christlichen Kulturgüter, der Kirchen und sonstigen Baudenkmäler, der Musik bis hin zu den Volksbräuchen. Sie erschließen eine Atmosphäre, die uns für religiöse Deutungen unserer Lebensfragen öffnet.
Für das Wichtigste halte ich, dass wir "Glaubensräume" aufbauen und lebendig halten. Der Raum des Abendmahles, in den sich die Jünger aus Furcht vor den Juden zurückgezogen hatten und in dem sie ihre Erfahrungen und Erlebnisse in geschützter Atmosphäre austauschen konnten, ist für mich mehr als nur ein Begleitumstand unserer heutigen Evangeliumserzählung, auch der Raum der Gastfreundschaft in Emmaus und das Treffen des Freundeskreises am See Genesareth. Es sind reale und virtuelle Räume, in denen Vertrauter Austausch darüber, was die Jünger bewegt und bedrängt hat, stattfinden konnte.
Wie sieht es um unsere "Glaubensräume" aus? Sind unsere Gemeinden mehr als Veranstaltungsorte für Gottedienste? Viele Gemeinden sind im Umbruch, man versucht, sie durch Seelsorgsräume zu ersetzen. Kann in diesen neuen Gebilden auch persönliche Glaubensgemeinschaft gelebt und erlebt werden? Wo kann man sich geschützt und diskret über ganz persönliche Erfahrungen austauschen? Sind wir ausreichend geübt, mit Diskretion verantwortungsvoll umzugehen?
Wir brauchen Glaubensräume, die zu Begegnungsräumen werden können, die auch in Zeiten ganz persönlicher Herausforderungen und Lebenskrisen aufgesucht werden können und Heimat bieten; auch für Menschen, die aus welchen Gründen auch immer "draußen" waren und ihre eigenen Wege gegangen sind.
In solcher Umgebung ist es auch möglich, wie Thomas in die Knie zu gehen und zu bekennen: "Mein Herr und mein Gott."
Wenn der Autor des heutigen Evangeliums im letzten Satz mit den Worten „diese Zeichen sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist…“ begründet, warum er diese österlichen Geschichten erzählt, gilt dies nicht nur für diese Evangelien-Erzählung, sondern fasst damit seine Absicht für das ganze Johannesevangelium zusammen. Als begeisterter Jesusnachfolger will er für die Nachwelt verbindliche Erzählungen der Zeitzeugen aufbewahren, die den nachfolgenden Generationen erleichtern, sich für den Weg und die Botschaft Jesu zu begeistern.
Seine Erzählung von den ersten direkten Begegnungen zwischen Jesus und seinen verängstigten Jüngern will allen späteren Jesusnachfolgern, also auch uns, ein klares Zeichen der Lebendigkeit jenes Mannes aufzeigen, dessen Kreuzestod sie vor ein paar Tagen geschockt miterlebt haben.
Nicht das leere Grab oder Erzählungen von Frauen oder Wanderern sind für den Evangelisten Johannes der klare Erweis der Auferstehung Jesu, sondern seine anschaulichen Berichte von direkten Begegnungen des Auferstandenen mit seiner vertrauten Gruppe. Diese Jünger sind für ihn die glaubwürdigsten Zeugen der Auferstehung Jesu, und ihre Berichte und Erzählungen gilt es festzuhalten.Wenn sie sich treffen, werden aus Angst alle Fenster und Türen verriegelt. Aber das kann Jesus nicht abhalten sie aufzusuchen. Sein Kommen durch geschlossene Türen ist für sie der Erweis seiner Göttlichkeit. Er bringt ihnen, was sie nach den schlimmen Ereignissen der letzten Wochen bitter nötig haben. Sie erhalten Frieden durch die Begegnung mit ihm, weil von ihm eine Kraft ausgeht, die sie stärkt und befreit und ihnen eine tiefe innere Ruhe schenkt.
Er zeigt ihnen seine Wundmale und sie erkennen voll Freude ihren Rabbi, ihren Jesus. Nun gibt es wieder eine gemeinsame Zukunft. Eine Zukunft, die Jesus gleich mit einem Sendungsauftrag einleitet. Er ermächtigt sie, ihren Mitmenschen die Sünden zu erlassen. Was damit gemeint ist, wird unterschiedlich interpretiert. Sünde bedeutend Gottferne. Ich sehe darin die Ermächtigung und den Auftrag, Menschen bei ihrer Suche nach einer guten Gottesbeziehung behilflich zu sein. Dasselbe gilt auch für die Berufung Jesu Lehre zu verkünden.
Der erste Proband der Neugesendeten ist ihr Gefährte Thomas, der nicht anwesend war, als Jesus ihnen erschienen ist. Voll Freude erzählen sie Thomas von ihrer Begegnung mit Jesus. Aber sie müssen erkennen, dass Berichte oder Erzählungen vom Auferstandenen nicht ausreichen um diese wunderbare Wahrheit glaubend annehmen zu können.
Uns kann das zeigen, dass auch eine klare Berufung zur aktiven Jesusnachfolge nicht ohne Erlebnisse des Scheiterns auskommt. Ich denke jeder, der in Pastoral oder Verkündigung tätig ist, kennt solche Erfahrungen.
Ein zweiter Grund für ihr Scheitern ist, dass vollkommenes Vertrauen eine große Herausforderung für jeden Menschen darstellt; selbst im Austausch mit Menschen, die wie die Jüngerfreunde mit Thomas miteinander sehr vertraut sind. Wo uns Menschen Vertrauen abverlangt wird, ohne auf die Hilfsmittel von empirischen Erfahrungen und Verstand zurückgreifen zu können, sind Zweifel und Unglaube schnell zur Stelle. Schlechte Erfahrungen, seelische Verletzungen oder ein unterentwickeltes Urvertrauen tun dann noch ein Übriges.
Der Evangelist personifiziert in der Gestalt des Thomas unsere menschlichen Emotionen des Zweifels und des Unglaubens. Dadurch ist Thomas jedem von uns sofort nah. Es entsteht das Gefühl, was hier passiert, hat direkt mit mir zu tun. Wir alle kennen Gedanken von Zweifel und Unsicherheit, wenn es um unseren persönlichen Glauben geht. Selbst große Persönlichkeiten der Kirche sind da nicht ausgenommen, wie z.B. von Mutter Teresa erzählt wird.
Die christliche Botschaft ist eine herausfordernde, und es wird sich kaum jemand finden, der nicht schon einmal seine eigenen Glaubenssätze kritisch hinterfragt hat. Genau deshalb ist es wichtig, dass diese Geschichte vom ungläubigen Thomas erzählt wird. Der zweite Besuch Jesu zeigt, dass er den Einzelnen genauso wertschätzt wie die Gruppe. Jeder ist ihm wichtig.
Thomas wird uns als Didymus, das heißt Zwilling, vorgestellt. Dieser Hinweis beschreibt zugleich auch die Veränderung, die ein Mensch erfährt, dem Gott begegnet: Durch die Begegnung mit dem Auferstandenen wird aus dem ursprünglichen Zweifler ein überwältigter Bekenner der Gottessohnschaft Jesu. Zweifler und Bekenner sind "Zwillinge". Thomas ist also Zweifler und Bekenner in einer Person. Dieses Zwillingsbrüderpaar existiert in jedem von uns, beide gehören einfach zusammen. Die frohe Botschaft des Evangelisten sagt uns damit, dass immer, wenn Zweifel und Unglaube sich breitmachen, der Glaube in unmittelbarer Nähe ist, denn einer kann ohne den anderen nicht sein.
Der eigentliche Gegenspieler des Glaubens ist nicht der Zweifel, sondern die Gleichgültigkeit. Sie findet sich bei Menschen, welche die Sehnsucht nach wirklichen Leben unterdrücken, die sich mit bloßes Existieren zufriedengeben.
In der Begegnung mit dem Auferstandenen hat Thomas eine Kraft empfangen, die jeden Zweifel ausschließt. Das ist eine wichtige Botschaft für uns, die wir ja auch zu denen gehören, die nicht sehen und doch glauben: Unser Leben wandelt sich ab dem Moment, wo wir uns nach einer Begegnung mit unserem "Herrn und Gott" sehnen. Der Auferstandene wird Mittel und Wege finden, uns zu treffen, sogar wenn wir dicke Mauern um uns bauen.
Die Sehnsucht nach Heilung ist eine wichtige Triebfeder der Menschen. Ihr steht der Zweifel gegenüber, der einfache Lösungen in Frage stellt. Das gilt auch für die Kräfte des Glaubens. In der Begegnung kann Vertrauen aufgebaut werden und so zur Grundlage der Hoffnung werden.
Dreimal sagt Jesus zu den Jüngern: Friede sei mit euch! Frieden ist ein Geschenk des Auferstandenen, er verlangt aber auch unser Zutun bis an die Grenzen unserer Kräfte. Jesus gibt uns dazu seinen Heiligen Geist.
Am Ostermontag hat Papst Franziskus beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz einen eindringlichen Appell zur Versöhnung an die Konfliktparteien in der Ukraine, im Nahen Osten und in anderen Ländern gerichtet. Wie aber kann Frieden möglich werden, solange die Beteiligten einander viele offene Rechnung vorhalten und noch viele Wunden offen sind. Ein ukrainischer Bischof hat vor Ausbruch des Krieges gewarnt: Ein Krieg ist erst zu Ende, wenn die letzten Beteiligten gestorben sind. Die Traumata, die ein Krieg in den Menschen hinterlässt, heilen nie zur Gänze ab. Ist da noch Friede möglich?
Im Evangelium hörten wir von der Begegnung Jesu mit seinen Jüngern nach seiner Kreuzigung und Auferstehung. Das Staunen und die große Freude sind leicht nachvollziehbar. Ich kann mir aber auch noch ganz andere Begegnungen vorstellen, die möglich gewesen wären. Mich hätte nicht gewundert, wenn Jesus den Jüngern vorgehalten hätte: Ihr habt mich ganz schön im Stich gelassen. Warum habt ihr mir nicht geglaubt? Was ist aus euren vollmundigen Versprechen geworden? Am Palmsonntag haben wir aus dem Mund des Petrus gehört: "Herr, ich bin bereit, mit dir sogar ins Gefängnis und in den Tod zu gehen…".
Stattdessen zeigt ihnen Jesus seine Verwundungen und spricht von Frieden und Vergebung. Der Evangelist Johannes hat zusammengefasst, worauf es jetzt ankommt und worauf es Jesus ankommt. Es gilt nun vorauszuschauen und nicht Vergangenheits- und Konfliktbewältigung zu betreiben. Jesus macht einen Schlussstrich hinter das Vergangene. Er vergibt und fordert auf zu vergeben. Wer vergibt kann neu anfangen und muss nicht darauf warten, bis in Vergessenheit geraten ist, was man einander vorzuwerfen hat. Jesus zeigt seine Wunden. Die Wunden bleiben. Thomas fordert er sogar auf, sie zu berühren und seine Finger in seine Wunden zu legen. Jesus weist ihnen trotz Enttäuschungen und Verwundungen einen Weg zum Frieden.
Frieden und Neubeginn setzen Vergebung und Versöhnung voraus. Das ist nach so viel Zerstörung, wie ein Krieg auf beiden Seiten zur Folge hat, kaum vorstellbar. Zu tief sind die aufgerissenen Gräben, zu schmerzhaft die geschlagenen Wunden. Dennoch: auf lange Sicht führt daran kein Weg vorbei.
Wir sind gewohnt, Konflikte zu analysieren, herauszufinden, wer schuldig ist, und in welcher Weise Schuld ausgeglichen, gesühnt werden kann. Auf dem Weg zum Frieden hat das auch seinen Platz. Wir stoßen damit aber an Grenzen. Können Menschenleben abgegolten werden? Wie können Opfer gesühnt werden? Es gibt Wunden, die nie gänzlich heilen.
Wenn Jesus zu seinen Jüngern sagt: "Empfanget den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten", dann steckt in diesen Worten mehr als die Stiftung eines sakramentalen Ritus, mehr als eine Vollmacht für Bischöfe und Priester. Es ist ein fundamentaler Auftrag zu Vergebung und Versöhnung für alle, die sich für seinen Weg entscheiden.
Dass dieser Weg nicht einfach ist, erleben alle, die bereit sind, ihn zu gehen. Sobald es um mehr als um Kleinigkeiten geht, fordert er unsere psychischen und manchmal auch unsere physischen Kräfte. Versöhnung wird erst glaubwürdig, wenn die Schuld eingestanden und der angerichtete Schaden nach Kräften ausgeglichen wird.
Die österliche Freude, dass Christus auferstanden ist, tut uns gut. Sie darf aber nicht dazu führen, dass das Schreckliche, das am Karfreitag geschehen ist, verharmlost wird. Auferstehung ist ein Neubeginn, der das Vergangene zurücklässt und gemeinsam in eine gute Zukunft aufbrechen lässt. Jesus gibt uns dazu seinen Heiligen Geist.
Dem Osterfest kann ihm viele Aspekte abgewinnen. Nach dem Karfreitag gab es damals viel aufzuarbeiten: der Auferstandene bringt Frieden, Versöhnung und Entängstigung.
Der erste Sonntag nach Ostern wird auch der „Weiße Sonntag“ genannt. In der Zeit des frühen Christentums trugen die Neugetauften, die in der Osternacht das Taufsakrament empfangen hatten, weiße Kleider, die sie an diesem Sonntag ablegten. In manchen Pfarren ist dieser Sonntag der Zeitpunkt, an dem die Kinder ihr Erstkommunionfest feierten, auch in festlichen (weißen) Kleidern.
Seit etwas mehr als zwanzig Jahren kommt noch das Thema „Barmherzigkeit“ dazu. Man könnte diesen Begriff so definieren: Dein von Leid und Not erschüttertes Herz ist auch mein gepeinigtes Herz. Ich nehme teil, An-teil, an deinem Leid und suche mit dir, mit all deinen Zweifeln und Ängsten den Weg aus der Gottverlassenheit. Das trifft genau unsere jetzige Situation des Kriegs vor der Haustür, auch der Krankheit der Pandemie, der weltweit vielen Konflikte, aber auch die Situation vieler scheinbar von Gottverlassener, die es ringsum uns gibt.
Die sonntäglichen Texte führen vor allem den Gedanken der Barmherzigkeit noch weiter. Es geht um Glauben, Glaubensbegeisterung, um Friede und Schuldvergebung. Die Apostelgeschichte ist Urkunde des Glaubens, Dokument für die Urkirche. Wer Bibel gründlich meditieren und durchstudieren will, sollte mit der Apostelgeschichte beginnen. Die Stelle, die wir heute hörten, ist wohl etwas idealisierend dargestellt. Man müsste danach fragen, was die Leute anzieht, dorthin zu gehen: Sensationslust, Neugier, das Ereignis an sich, man merkt sich die Personen, und dann steht: „Immer mehr wurden zum Glauben geführt.“ Was bleibt davon, wie lange? Die Apostelgeschichte strahlt aber auch viel Begeisterung und Zuspruch aus: „Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird, und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa … bis an die Grenzen der Erde.“ (Apg 1,9). Einige Kapitel weiter hören wir schon von der Begeisterung der Jünger: „Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben“ (Apg 4,20).
Absicht dieser Stelle ist, die Auferstehung zu beweisen. Die Angst (siehe Joh 20,19) weiter hinter verschlossenen Türen zu leben, ist weg. Die Jünger, die ersten Christ*innen, gehen hinaus. Die Kirche hat sich lange eingeigelt, sich nicht den Strömungen, Philosophien, wissenschaftlichen Erkenntnissen der Zeit gestellt, zeitlich bedingte Probleme durch Exkommunikation abgewehrt, Lehrverfahren gegen unbotmäßige Professoren eingeleitet, die Chance nicht oder kaum wahrgenommen, von der Welt, vom Profanen, also was sich vor dem Heiligtum abspielt, wahrzunehmen. Manches davon geht bis in unsere Tage herauf.
Die erste Botschaft, die der Auferstandene verkündet, ist eine Friedensbotschaft. In dieser Perikope hören wir diesen Gruß zweimal. „Friede sei mit euch!“ In der Eucharistiefeier sprechen wir ihn wieder aus.
Wie sieht es heute damit aus? Es geht um Macht. Das beobachten wir in der gesamten Menschheitsgeschichte immer wieder, gute Beispiele sind das Reich Alexander des Großen, das Römische Reich, die Machtblöcke von Ost und West, bis dorthin, was sich heute in der Ukraine abspielt. Das Böse wird dabei nicht ausgerottet, nein, ganz im Gegenteil.
Da kommt Jesus mit seiner Friedensbotschaft. Er will aus dem Chaos, das Menschen angerichtet haben, herausführen. Der Friede kommt als Entängstigungsvorgang aus dem Inneren heraus. Wahrer Friede ist keinesfalls Gleichgewicht des Schreckens, wo alle brisanten Fragen ungelöst bleiben.
Wichtige Voraussetzung für Entängstigung ist Vertrauen. Da kommt jetzt Thomas dazu, lange Zeit als „ungläubig“ bezeichnet. Er will Beweise, Sicherheiten, gut verständlich, denn Messiasse gab es zu seiner Zeit, genügend, die Erlösung von allem Möglichen versprachen, auch von der Befreiung aus der Unterjochung durch das römische Imperium. Wieso soll Jesus auf einmal der richtige Messias sein, er ist doch am Kreuz gescheitert? Er will es genau wissen, was zu seiner Heilsgewissheit durch Berührung führt. Christentum will uns mit allen Sinnen berühren. Thomas kommt zur Erkenntnis: „Mein Herr und mein Gott.“ Es ist dies eine schrittweise Glaubenserfahrung, eine „zu-Jesus-hin-Bewegung“, die uns allen gut tut.
Michelangelo Merisi da Caravaggio hat die Szene des heutigen Evangelium in drastischer Weise gemalt und damit spürbar gemacht, was es heißt, den Finger in die offenen Wunde Jesu zu legen. Die Erzählung von der Begegnung zwischen Jesus und Thomas und das Bild Caravaggios konfrontieren uns mit den offenen Wunden der Menschheit. Der Finger in der Wunde – das ist ein Schlüssel für die neue Welt. Für die Welt Gottes. Für die Auferstehung.
Das trifft sich doch gut! Ist heute nicht der 8. Tag? Der 8. Tag nach Ostern? Der richtige Tag für Zweifler.
„Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe
und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel
und meine Hand nicht in seine Seite lege,
glaube ich nicht.“
Glaube i c h nicht!
Ich sehe Thomas vor mir. Ich sehe mich in dieser Geschichte. Am 8. Tag nach Ostern.
Heute ist Thomas auch da, als Jesus kommt. Vor einer Woche fehlte er. Warum, wissen wir nicht. Aber die 8 Tage erhöhen die Spannung ungemein. War zu erwarten, dass Jesus kommt? Hatte er sich angekündigt? War er auf einmal da?
Bild Caravaggio: https://brandenburg.museum-digital.de/singleimage.php?imagenr=26073
Mir geht ein Bild nicht aus dem Kopf. Sie kennen es vielleicht auch. Caravaggio hat es 1602 in Rom gemalt. Richtig massiv – und brutal. Schauen Sie sich doch im Internet einmal das Bild an! Man sieht 4 Gestalten. Alle in Brauntönen. In der Farbe der Erde. Einer von ihnen ist Jesus. Er präsentiert seine klaffende Seitenwunde – und Thomas geht mit seinem Zeigefinger richtig hinein. Licht fällt auf diese Szene. Licht, das von außen kommt. Schaut man genauer hin: Jesus selbst führt Thomas die Hand. Die Figuren kommen förmlich aus dem Dunkel heraus. Ob Thomas nicht so recht will? Den Mut verloren hat? Zaudert? Man sieht die Falten auf seiner Stirn. Große Augen. Staunen – oder Entsetzen? Hat er genug gesehen? Hält er aus, was er sieht? Was sieht er eigentlich?
Zwei Figuren starren in die Szene. Was wohl mehr auffällt? Die Wunde, der Finger, Jesus? Doch Jesus selbst beugt seinen Kopf, um diese Begegnung – oder Berührung – auszukosten. Für Kinder gibt es sogar eine Malvorlage. Ob ich sie nutzen soll, weiß ich nicht. Stimmt schon: Wenn ich etwas erzähle, entstehen die Bilder im Kopf, lebendig und offen, male ich etwas, ist das Bild fest und festgelegt. Erst auf dem Papier, dann auf der Leinwand. Was ist das für ein Finger, der Zeigefinger in der Wunde? Im Bild sieht die Wunde nur schön aus. Gar nicht wie eine Wunde. Jesus übrigens sieht auch blendend aus. Barockes Schönheitsideal eben. Vor wieviel Tagen hat ein Soldat in die Seite Jesu gestochen? Sind es nicht erst 10 Tage her? Ist er da nicht am Kreuz gestorben? Aber die Wunde, die Caravaggio malt, heilt nicht, sie schmerzt auch nicht – sie ist einfach nur offen. Und soll wohl auch offen bleiben. Für Neugierige? Zweifler? Voyeure? Für Andächtige? Fromme? Ach Thomas, was hast du uns angetan. Und du, Caravaggio – was hast du dir dabei gedacht?
Den Ruf, Zweifler zu sein, wird unser Thomas wohl nie mehr los. Wenn es jemand namentlich in ein Sprichwort schafft, ist ihm Ewigkeit gesichert. Der ungläubige Thomas! Aber war etwas anderes von ihm zu erwarten? Hätte ich etwas anderes gesagt?
Caravaggio hat tatsächlich etwas gesehen und dann auch abgebildet, was er in dieser Geschichte mit Thomas entdeckt hat. Es geht auch nicht einfach darum, den ebenso sprichwörtlichen Finger in eine Wunde zu legen – das auch! -, es geht darum, das Herz Jesu zu berühren. Wie man das wohl malen kann? Thomas hat mit seinem Zweifel tatsächlich die Vorlage geschaffen: Jesus hat sein Herz in einer Wunde geöffnet. Der Zeigefinger passt dann sogar. Womit Caravaggio wohl nicht gerechnet hat, ist, dass jetzt alle Leute auf diese Szene stieren, entweder den Kopf schütteln, angewidert wegschauen oder am liebsten auch den Finger ihrer rechten Hand in die Wunde legen möchten. Was gibt es überhaupt hier zu sehen?
Kritische Geister haben allerdings auch schon angemerkt, dass hier der moderne Mensch sichtbar wird, der seine dreckigen Finger überall im Spiel hat – sogar im Allerheiligsten. Wenn das so wäre – Jesus öffnet sich auch dann dem Thomas. Er darf Jesus berühren, er darf seinen Finger in die Wunde legen, nein, er darf seinem Herzen nahe kommen. So entsteht übrigens Glauben! Ohne Zweifel – Thomas wär‘ nicht der, der er geworden ist. Einer, der nicht nur Jesus berührte, sondern von ihm berührt wurde! 8 Tage nach Ostern.
Und jetzt sind wir mitten drin in einer Geschichte, die sich überschlägt. Als sie erzählt wurde, ganz am Anfang, wehrten sich die Christen gegen den Vorwurf, ihr Jesus sei nur ein Geist. Oder nur noch ein Geist. Aber hat ein Geist – eine Wunde? Ein Herz? Liebevoll malt der Evangelist Johannes die Szene aus. Klar, nach Ostern sieht Jesus anders aus und bleibt in seiner Liebe doch der, der er immer schon war. Das erzählt die Wunde. Die offene Wunde. Die berührbare. Als Caravaggio die beiden Zuschauer in ihrer Aufregung malte – es mögen Jünger gewesen sein – hat er für mich einen Platz freigehalten. Einen Platz in dieser Auferstehungsgeschichte.
Doch dann hören wir: Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Im kirchlichen Sprachgebrauch ist dieses Jesus-Wort zu einem Renner geworden. Sehen, wahrnehmen, nachfragen, genau hinschauen – lieber nicht. Vornehme Distanz gibt es in einem Hofzeremoniell. Wo Menschen aber verwundet werden, wo Wunden sichtbar sind, wo viele Wunden nicht einmal heilen können, hören wir Jesus sagen: Streck deinen Finger aus – streck deine Hand aus. Die Geschichte erzählt von Nähe, von körperlicher Nähe. Von großen Augen. Fängt hier nicht Glaube an? Für die Menschen, die Thomas – und sich - kennenlernen, ist die Geschichte voller Überraschungen und einer große Ermutigung: Selig sind, die ab jetzt nicht noch mehr sehen müssen, die jetzt alles gesehen haben, vor allem: die nicht länger warten. Ein Augen-Blick genügt. Und der ist Caravaggio mehr als gelungen!
Sehen wir Jesus, sehen wir die Wunden, die Wunden von Menschen, auch die, die nicht heilen wollen. Auch die, die nicht heilen sollen. Die immer wieder neu aufgerissen werden.
Sehen wir Jesus, sehen wir verwundete Herzen, aber auch Herzen voller Vertrauen. Auch mit den Hoffnungen, wieder leben zu können. Mit den Hoffnungen, dass die Liebe stärker ist als der Tod.
Sehen wir Jesus, sehen wir uns als zweifelnde Menschen. Wir möchten alles verstehen, aber auch alles beherrschen. Wir machen uns zu Herren der Welt, schlagen aber Wunden über Wunden.
Kommt der Auferstandene, zeigt er uns nicht nur seine Wunde. Er hilft, die Welt neu aufzublättern, aus dem Dunkel herauszutreten und im Licht Berührungen zu wagen, Nähe, Verstehen.
Wer nicht sieht, wer nicht hinsieht, kann nicht glauben – doch wer glaubt, dem gehen die Augen auf! Selig sind, die viel sehen! Die können viel glauben! Ob Jesus mir jetzt widersprechen würde? Sein Wort vom Sehen und vom Glauben ist so wunderbar, dass er alle Gegensätze überwindet.
Ist heute nicht der 8. Tag? Der 8. Tag nach Ostern? Der richtige Tag für Zweifler. Für Zweifler, die Liebe entdecken und Liebe schenken. Der Finger in der Wunde – das ist ein Schlüssel für die neue Welt. Für die Welt Gottes. Für die Auferstehung.
Was ich jetzt noch sagen will: Danke, Caravaggio!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
Die Apostelgeschichte gibt uns Einblick in das Leben und Selbstverständnis der Kirche am Anfang. Kirche ist eigentlich ganz einfach. Sie ist erfüllt und getragen vom Hl. Geist, den Jesus ihr einhaucht, bzw. eingehaucht hat. Sie hält und gibt Halt.
Die Kirche steht immer noch auf ihrem Platz, aber sie ist leer geworden. Nur vereinzelt dürfen Menschen sie betreten. Zu besichtigen gibt es nichts mehr.
Die Kirche sucht immer noch ihren Platz, aber er wird ihr von vielen schon lange streitig gemacht. Eine große Institution mit ehrwürdiger Vergangenheit ist auf Anfänge zurückgeworfen.
Die Kirche behauptet immer noch ihren Platz, aber die großen Worte verhallen. In den alten vertrauten Formen wohnt eine unstillbare Sehnsucht.
Dabei ist Kirche so einfach, so schlicht: Festhalten an der Lehre der Apostel, treue Gemeinschaft, Brechen des Brotes und das Gebet. Dann, so heißt es, geschehen sogar viele Wunder und Zeichen.
Lukas beschreibt hier das Urbild von Kirche – Wunder und Zeichen eingeschlossen, ungeachtet der vielen später hinzugekommenen Ausdrucksformen, Dogmen und Streitigkeiten. Klar, ich kann darüber diskutieren, was denn die Lehre der Apostel ist, ich kann einer Gemeinschaft Grenzen ziehen, ich kann mich über die Eucharistie entzweien und selbst im Gebet kann ich Menschen ausschließen. Das geschieht bis heute. Doch Lukas beschreibt in seiner Ur-Geschichte des Christentums, was - eigentlich - alle (!) sehen: Die Gläubigen halten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten. Besonders schön ist das Wort „Festhalten“. Eine Hand hält fest – eine Hand wird gehalten. Ich halte fest – ich werde gehalten. Wenn das nicht auch ein Wunder ist, was denn?
Eine kleine Beobachtung, aber nicht am Rande! Lukas beschreibt „Kirche“ als österliche, als pfingstliche Geschichte. Im Evangelium heißt es, dass Jesus nach seiner Auferstehung seine Jünger „anhaucht“ und mit Geist (er)füllt. Ostern beseelt! In der Apostelgeschichte wird diese Geschichte in bunten Farben erzählt. Der Auferstandene gießt seinen Geist aus! Wobei das Wort „gießt“ schon von einer Fülle ausgeht, die nicht tröpfchenweise auf uns kommen kann. Und weil das nicht reicht: es ist ein feuriges Geschehen. Wir werden entzündet. Ostern steckt an! Was daraus folgt? Einfach und schlicht: Menschen halten fest und werden gehalten, sie teilen das eine Brot und sind im Gebet alle verbunden. Das ist Gottes Geist, der Geist der Liebe, lebendig, vielseitig, umfassend und ergreifend.
Ein Dämon geht um. Zuviel Leid ist in der Welt. Viele Menschen sind schon einen schrecklichen Tod gestorben, viele werden die Krise nicht überstehen. Andere Menschen haben riesige Ängste um ihren Lebensunterhalt, um ihre Familien. Sie bangen um ihre Existenz. Die, die Verantwortung tragen in Wissenschaft, Politik und Wirtschaft müssen auf Hochseilen lavieren. Sie müssen Stärke und Elastizität demonstrieren – und wissen doch vieles auch nicht. Sicherheiten, die fest verankert und gut aufgestellt schienen für die Ewigkeit – Makulatur. Das weltweit. Die einen werden es besser verkraften, andere – in Flüchtlingslagern, in Entwicklungs- und Schwellenländern – noch einmal mehr an Grenzen geführt. Nein, Corona macht nicht alle gleich! Not macht einsam!
Unsere Kirchen sind geschlossen. Unsere Herzen nicht.
Wir freuen uns an der Lehre der Apostel, die uns die Welt Gottes aufschließt.
Wir danken für die Gemeinschaft, die uns auch in der Distanz trägt.
Wir schmecken das Brot, das auf der Zunge zergeht.
Wir verbinden uns im Gebet. Mit Gott und den Menschen.
Manchmal haben wir keine Worte. Manchmal schaffen wir es nur bis zur Klage. Manchmal wächst uns aber ein großes Vertrauen zu.
Lukas stellt uns eine Kirche vor Augen, die etwas in der Hand hält – und die gehalten wird. Die etwas sagen, etwas zeigen kann – und doch nicht aus sich lebt.
Zu den schönsten Zügen dieser Kirche gehört, wie Menschen etwas von sich abgeben können, um es anderen zuzuwenden. Wie Menschen von sich wegschauen können, um andere in den Blick zu nehmen. Wie Menschen die Lehre der Apostel teilen, um dann Gemeinschaft zu feiern.
„Sie lobten Gott und waren beim ganzen Volk beliebt.
Und der Herr fügte täglich ihrer Gemeinschaft die hinzu,
die gerettet werden sollten.“
Wie können wir eine österliche Kirche sein?
Wir haben nur die Lehre der Apostel, die Gemeinschaft, das Brotbrechen und das Gebet.
Und, natürlich, die Aussicht, dass viele Wunder und Zeichen geschehen!
Die Kirche liebt ihren Platz, der groß ist und weit. Wie die Lehre der Apostel, wie die Gemeinschaft der Heiligen, wie das geteilte Brot, wie das die Welt umspannende Gebet.
Jesus zeigt bei seiner Begegnung nach seiner Auserstehung den Jüngern seine Wunden und fordert Thomas auf, seinen Finger in seine Wunden zu legen. Uns kann diese Szene anregen, mit Verwundungen behutsam und bewusst umzugehen.
Vor einigen Jahren wurde ich gebeten, die Begräbnisfeier für einen Mann zu halten, den ich die letzten Monate seines Lebens seelsorgerlich begleitete. Ein Krebsleiden führte zu einem frühen Tod. Ein Nebensatz in meiner Begräbnisansprache wurde von der hinterbliebenen Gattin anders verstanden, als ich ihn gemeint hatte, und hat sie tief verletzt. Weder ein Gespräch darüber noch meine Bitte um Entschuldigung konnten sie beruhigen. Wir sind uns seither nicht mehr begegnet. Ich weiß nicht, ob und wann diese ihre Wunde verheilt ist.
Wie diese Frau werde ich wohl schon öfter Menschen verletzt haben, ohne dass ich es wollte und ohne dass ich es danach erfahren habe. Mit Sicherheit bin ich auch vielen Menschen etwas schuldig geblieben, ohne dies beabsichtigt zu haben. Umgekehrt habe auch ich im Laufe meines Berufslebens Verletzungen davongetragen, gewollte und ungewollte. Früher oder später sind sie vernarbt. Die Erinnerung an manche Ereignisse ist aber noch vorhanden.
Der Evangelist Johannes lenkt im Bericht von der Begegnung des Auferstandenen mit den Jüngern unsere Aufmerksamkeit auf seine Wunden. Jesus zeigt sie und fordert Thomas auf, sie zu berühren, ja sogar seine Finger in seine Wunden zu legen.
Bei oberflächlicher Betrachtung haben diese ihm die Soldaten im Namen seiner Verfolger zugefügt. Aber gerade in den letzten Stunden seines Lebens gab es auch seelische Verletzungen durch seine Jünger. Da war der Verrat des Judas, der unterlassene Beistand der Jünger in seiner Todesangst auf dem Ölberg, die Verleugnung des Petrus, das Im-Stich-gelassen-werden auf dem Kreuzweg. Menschlich betrachtet sind das seelische Wunden, die noch nicht verheilt sein konnten.
Durch die Auferstehung Jesu treten diese in den Hintergrund und geraten aus dem Blickfeld. Jetzt zeigt er ihnen seine Hände und seine Seite, ohne die Wunden zum Vorwurf werden zu lassen. Für ihn sind sie angesichts der Auferstehung nicht mehr der Rede wert. Es braucht aber einen aufrichtigen Umgang mit dem eigenen Versagen. Ein bewusster und aufrichtiger Umgang mit dem eigenen Versagen, ob bewusst oder unbewusst, ob gewollt oder ungewollt, gibt dem Auftrag zur Sündenvergebung eine zusätzliche Tiefendimension.
In Begräbnisfeiern bitten wir Gott, er möge dem oder der Verstorbenen ein gnädiger Richter sein und ihm oder ihr alle Schuld und Sünden vergeben. Mindestens ebenso wichtig ist mir, dass wir die Verstorbenen um Vergebung bitten für alles, was wir ihnen schuldig geblieben sind, für alles, das wir nicht mehr klären und lösen konnten. Es tut gut, wenn wir bewusst zu den gegenseitigen Verwundungen stehen und wenn wir bewusst den Verstorbenen vergeben.
In einem Krankenhaus bin ich einmal Zeuge geworden, wie zwei hochbetagte Frauen - sie waren leibliche Schwestern - von einander Abschied genommen haben, weil eine von ihnen den baldigen Tod vor Augen hatte. Beide haben sich bedankt für alles, was sie sich wechselseitig geben konnten, und um Verzeihung gebeten für alles, was sie sich durch die Lebensumstände nicht geben konnten. Ich war zutiefst berührt.
Die Begegnung Jesu mit seinen Jüngern und der Umgang mit ihren Wunden zeigt mir, dass diese im Lichte der Auferstehung ein anderes Gewicht bekommen. Mit Recht singen wir "Die Wunden rot, jetzt o wie schön" (GL 337,2). Das darf uns aber nicht zu einer Verharmlosung der Wunden führen, die wir einander zugefügt haben. Es gilt, diese bewusst anzuschauen.
Solange wir seelische Verletzungen nicht ernst nehmen, kann es auch nicht zu einer wirksamen Versöhnung kommen. Ein vorschneller Ruf nach Barmherzigkeit vertieft eine Verletzung eher als er sie heilt. Der Sonntag der Barmherzigkeit bedeutet nicht, "nun ist eitle Wonne", sondern fordert einen bewussten Umgang mit persönlicher und gemeinschaftlicher Schuld angesichts der Barmherzigkeit Gottes. Wenn wir dann unsere Wunden und Narben ins Licht der Auferstehung stellen, können auch diese verwandelt und zur Quelle spiritueller Kraft werden.
Die Jünger müssen jeder einzeln schrittweise zum Glauben an die Auferstehung kommen. Thomas kann es nicht glauben, obwohl er schon lange Zeit mit Jesus in engem Kontakt gelebt hat. Er muss sich erst äußerlich und innerlich von Jesus berühren lassen, damit er glauben kann. Auch unser Glaube braucht Zeit zum Wachsen und schrittweise Vertiefung.
Selig, die nicht sehen und doch glauben. In einem sind sich die nach der Kreuzigung Jesu verbliebenen elf Apostel und Jünger völlig einig: Sie misstrauen der sie erreichenden Botschaft von der Auferstehung Jesu. Frauen aus dem engeren Umkreis Jesu hatten sich in der Frühe des ersten Ostertages zum Grabe aufgemacht, fanden es aber leer. Zwei den Menschen ähnliche Gestalten in weißen Gewändern verkündeten ihnen, er sei auferstanden. Diese Nachricht, von den Frauen den Aposteln und Jüngern überbracht, bewegt diese jedoch nicht zum Jubeln; sie halten die Nachricht für phantasievolles, aber dummes Frauengeschwätz. Trotz der Nachricht von der Auferstehung hält zwei von den Jüngern nichts davon ab, ohne jedes Zögern nach Emmaus aufzubrechen. Auch Thomas muss sich aus der Gruppe entfernt haben. Denn er ist am Abend, als Jesus den Jüngern erscheint, nicht anwesend. Dem späteren Bericht der Apostel und Jünger, der Auferstandene sei ihnen erschienen, traut Thomas nicht über den Weg. Er will den Auferstandenen selbst sehen. Nur das soll ihn überzeugen können.
Im Vergleich mit den anderen Aposteln und Jüngern ist Thomas nicht ungläubiger als diese. Wenn er den Glauben an Jesus völlig aufgegeben hätte, hätte er sich für immer verabschiedet, so wie die Emmausjünger es getan hatten. In seinem tiefsten Innern muss in Thomas eine Sehnsucht gelebt haben und verblieben sein, es möge wahr sein, was ihm von den anderen berichtet wurde. Aber jubeln und fest daran glauben will er erst nach persönlicher Überzeugung. Und dann geschieht, was er sich zutiefst gewünscht hat. Jesus kommt auch ihm wie den anderen entgegen, zeigt sich ihm und fordert ihn auf: Leg deine Finger in meine Wunden.
Thomas befindet sich plötzlich in einer Situation, die es bei uns Menschen gelegentlich gibt:
Tief etwas, das das Normale und Vertraute übersteigt, ersehnen, dabei aber skeptisch bleiben und eher nicht glauben, dass das Ersehnte eintreten und Wirklichkeit werden könnte, und dann fassungslos und überglücklich zugleich erleben, dass das zunächst nicht recht Glaubbare, aber zutiefst Ersehnte in Erfüllung geht. Thomas verschlägt es die Sprache. Er kann nur noch stammeln: Mein Herr und mein Gott.
Fragen wir uns: Was will der Evangelist Johannes den Gläubigen seiner Gemeinde mit diesem Bericht vermitteln?
Als erstes möchte er sicher, dass sie, und damit auch wir, sich einmal mit den Aposteln und Jüngern vergleichen. Drei Jahre hielten sie sich in der Nähe Jesu auf und erlebten ihn. Wie tief ließen sie sich eigentlich von den Worten und Taten Jesu berühren? Wie wenig haben sie davon in ihr Herz aufgenommen und darin bewahrt, sodass sie bei der Nachricht von seiner Auferstehung kaum reagieren. Offenbar unberührt verbleiben sie hinter verschlossenen Türen. Johannes möchte, dass wir uns fragen: In welchem Maße bewegt mich mein Glaube, die Worte und die Gestalt Jesu? Drängt er mich, Verschlossenes in mir zu öffnen, um begeistert meinen Glauben zu leben und aus ihm heraus zu handeln?
Das zweite Bild, das uns Johannes zur Betrachtung vor Augen stellt, ist der Apostel Thomas. Er hat den Spitznamen oder Beinamen: Didymus, Zwilling. Thomas trägt in der Tat zwei Seiten in sich. Einmal glaubt er nicht alles, was ihm selbst Vertraute sagen. Es überzeugt ihn nicht, was die Apostel und Jünger – diesmal sogar Männer – ihm vom Auferstandenen berichten. Und auch dem Menschen Jesus gegenüber muss er skeptisch gewesen sein. Dieser hatte ja seine Auferstehung mehrfach vorausgesagt. Lebendiger Glaube an die Worte Jesu hätte Thomas in Jubel versetzen müssen, als er den Bericht von der Erscheinung des Auferstandenen vernahm. Aber auch Jesus gegenüber behält seine Skepsis die Oberhand.
Die andere Seite des Apostels ist seine Sehnsucht in ihm, es möge wahr sein, was ihm so unglaublich vorkommt. Thomas ist nicht völlig ungläubig im Bezug auf Jesus, sonst hätte er sich längst für immer verabschiedet. Dieser Jesus war auch für ihn etwas ganz Besonderes, einmalig und wunderbar. Aber Auferstehung vom Tode, so etwas gab es noch nie. Darf man das ernsthaft glauben? Thomas möchte hundertprozentige Gewissheit haben, um endlich alle seine Zweifel begraben zu können. Dafür stellt er die Bedingung: Ich möchte ihn persönlich sehen.
Mit der Gestalt des Thomas und seinen zwei Seiten fängt Johannes viele auf, denen es ergeht wie dem Apostel. Die Gläubigen der Johannes-Gemeinde können Jesus nicht persönlich sehen. Wie sie sich verhalten sollen, sagt ihnen Jesus: Selig die mich nicht sehen und dennoch an mich glauben. Thomas hätte sich manchen Zweifel ersparen können, wenn er die dreijährige Begegnung mit Jesus besser für eine Vertiefung seines Glaubens genutzt hätte. Jesus kommt ihm trotzdem entgegen.
Im Blick auf unseren Glauben steht hier die Frage an: Wie sehr lasse ich mich innerlich berühren von den Worten, Hinweisen und durch das Leben Jesu? Stehen die Kenntnisse über ihn mehr als Berichte neben mir, erhöhen zwar mein Wissen, aber ohne mich immer neu herauszufordern und in meinem Glauben stärken?
Wir dürfen und sollten uns außerdem auch offen halten für eine Erfahrung, wie sie Thomas erleben durfte: Das noch mit großer Skepsis von uns Ersehnte und Erbetene wird auf einmal wahr. Dies darf auch uns erst einmal die Stimme verschlagen und umso mehr das Herz sprechen zu lassen: Mein Herr und mein Gott, ich glaube und ich danke.
Das Wirken Jesu auf Erden, für die Menschen da zu sein, setzt er als Auferstandener fort, indem er den Nöten seiner Apostel und Jünger entgegenkommt. Er wird sie auch künftig begleiten, wenn sie ihn nicht mehr von Angesicht zu Angesicht sehen können. Jesu Begleitung und Hilfe ist auch uns zugesagt. Wo wir wach genug sind, können wir dies immer wieder einmal deutlich spüren. Nehmen wir dies wahr, kosten wir diese Erfahrung aus! Sie wird uns helfen, unseren Glauben zu stärken und zu festigen.
Manchen Menschen fällt es schwer an ein Weiterleben nach dem Tod zu glauben. So können sie auch nicht an die Auferstehung Jesu glauben. Jesus ist in neuer Weise gegenwärtig, etwa in persönlichen Erfahrungen, wo zwei oder drei in seinem Namen beisammen sind oder auch in der Eucharistie.
Bei dem heutigen Evangelium geht es um die Überwindung der Macht des Todes. Wer von uns kann den Tod überwinden? Niemand. Man kann auch nicht durch Befestigungsanlagen den Tod aufhalten. Daher kann ich den Apostel Thomas gut verstehen. Er will handfeste Beweise, dass der Gekreuzigte lebt. Er sagt: „Wenn ich nicht an Jesu Händen das Mal der Nägel sehe und meine Finger in seine Seite legen kann, glaube ich nicht“ (Joh 20.25).
Ein Universitätsprofessor sagte mir Ähnliches: „Das Fortleben nach dem Tod, habe für ihn nur Unterhaltungswert“. Für ihn gilt nur das, was er sehen und begreifen kann. Mir ist da der Satz eingefallen: „Si tacuisses, philosophus mansisses“. Dieser Professor wäre in meinen Augen ein Philosoph geblieben, wenn er geschwiegen hätte. Denn schon Aristoteles spricht von der Unsterblichkeit der Seele. Aber im heutigen Evangelium geht es nicht um die Unsterblichkeit der Seele, sondern um die Auferstehung des Leibes. Das ist noch schwerer zu glauben. Aus diesem Grund wird die Auferstehung vehement bestritten.
Einmal habe ich bei Vorgesprächen zu einem Begräbnis den Satz gehört: „Die Auferstehung sei ein Märchen“. Ich bat dann den Sohn des Verstorbenen die Ansprache zu halten. Das hat er auch getan. Am Schluss seiner Rede hat er gesagt : „Lieber Vater, ich danke dir für alles. Auf Wiedersehen!“ Diesen Satz habe ich mir gemerkt. Wenn ich von einem Wiedersehen spreche, glaube ich doch an ein Fortleben.
Jetzt frage ich mich: Wie kann ich heute zum Glauben an die Auferstehung Jesu gelangen? Das ist gar nicht so leicht. Das braucht Zeit. Denn Jesus hat als Auferstandener keinen irdischen, sondern einen verklärten Leib. Mit so einem Leib kann er auch durch verschlossene Türen gehen. Als Jesus den Aposteln erschienen ist, dachten sie zunächst an einen Geist. An was wurde der Auferstandene erkannt? Maria Magdalene erkannte Jesus an der Stimme, die Emmausjünger erkannten Jesus am Brotbrechen und die Apostel an den Wunden. Und wie können wir Jesus erkennen? Nicht durch Wissen, sondern durch Erfahrungen.
Ich werde öfters zu religiösen Gesprächen eingeladen. Einmal sagte eine Teilnehmerin am Schluss der Runde Folgendes: „Die Situation war so dicht, dass ich die Gegenwart des Herrn spürte. Denn Jesus selbst hat gesagt: 'Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen (Mt 18,20)'“.
Noch dichter und intensiver kann einer den Auferstandenen in der Eucharistie erfahren. Ich war 1983 im Heiligen Land. Ich wollte auf dem Boden stehen, auf dem Jesus gestanden ist. Da sagte ein mir bekannter Archäologe: „Jerusalem ist oft zerstört worden. Du müsstest Grabungen machen, um sagen zu können, dass du auf dem Boden stehst, wo Jesus selbst gestanden ist“. Dieser Gedanke hat meine Freude an den historischen Stätten ein bisschen gedämpft. Ich bin dann in das Hotel zurückgegangen. In diesem Hotel war zu meinem Erstaunen auch eine Kapelle mit dem Allerheiligsten. Dort verweilte ich längere Zeit. Ich betrachtete das Flackern des ewigen Lichtes vor dem Tabernakel. Da kam mir der Gedanke: Warum suche ich Jesus an den historischen Stätten? Er ist hier gegenwärtig. Da erging es mir wie dem Jünger Kleophas. Ich erkannte den Auferstandenen in der Eucharistie. Auf einmal brannte in mir das Herz. Ich kann nicht mehr schweigen, ich verkünde mit ganzem Herzen unseren frohmachenden Glauben.
Von Ostern kann man nur in Superlativen sprechen. Denn Jesus hat nicht nur den Tod überwunden, sondern uns schon jetzt das ewige Leben gebracht. Der erste Mensch stammt von der Erde, der zweite Mensch stammt vom Himmel. Wir dürfen schon jetzt in der eucharistischen Feier am ewigen Hochzeitsmahl teilnehmen. Ja, das ist der Tag, den der Herr gemacht hat. Darum lasst uns jubeln und fröhlich sein.
Doch ich kenne Menschen, die das Leben nicht schätzen. Sie meinen, dass mit dem Tod alles aus sei. Sie kennen nicht Christus, den Überwinder des Todes. Daher ist es von größter Bedeutung, dass wir eine persönliche Beziehung zu Jesus aufbauen. Nachfolge Jesu heißt: Bereit sein, sich von der bedingungslosen Liebe des Herrn verwandeln zu lassen.
Das höchste Gut ist unter uns in den Gestalten von Brot und Wein bis zum Ende der Zeiten gegenwärtig. Die Begegnung mit dem Herrn im Tabernakel öffnet uns neue Türen und Möglichkeiten. Nutzen wir sie! Die Schöpfung wird neu durch unseren Herrn. Jesus lebt und wirkt auch heute.
Den aufmerksamen Bibelleser überrascht es, dass Jesus bei der Begegnung mit seinen Jüngern als erstes Thema die Frage der Vergebung und der Barmherzigkeit in den Mittelpunkt stellt. Er sendet seine Jünger aus, eine Kultur der Barmherzigkeit aufzubauen.
Das Beispiel der Urgemeinde basiert auf einer neuen Eistellung gegenüber der Gemeinschaft. Dazu gehören Tugenden wir Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit.
Jesus erscheint seinen Jüngern nicht, um sich als Auferstandener feiern zu lassen, sondern tritt mit der Sendung, sein Werk der Versöhnung der Menschheit mit Gott fortzusetzen, an seine Jünger heran. Dazu braucht er alle, auch den Thomas.
Wer kennt das nicht: Man fühlt sich allein in einem Raum und plötzlich ist jemand da, mit dem oder mit der man nicht gerechnet hat? "Hast du mich jetzt erschreckt!" heißt es dann und man ist erleichtert, wenn der oder die Unerwartete eine vertraute Person ist. Der Schrecken muss wohl umso größer sein, wenn diese Person fremd ist oder man sich nicht vorstellen kann, wie sie hereingekommen ist.
So muss es wohl auch den Jüngern ergangen sein, als da plötzlich Jesus in ihrer Mitte war, obwohl sie sich aus Furcht vor Verfolgung eingeschlossen hatten. Erst recht konnte niemand damit rechnen, dass Jesus da war, nachdem ihnen all die Ereignisse um seinen Tod noch in den Knochen steckten.
Und es ist durchaus verständlich, dass einer, der das nicht miterlebt hat, alles nicht glauben kann. Da muss man gar kein großer Skeptiker sein, zu dem der Apostel Thomas gerne hochstilisiert wird.
Jesus war es aber offensichtlich ein Anliegen, dass alle auf dem gleichen Wissens- und Überzeugungsstand waren. Einerseits waren die Jünger ja seine Freunde, andererseits hatte er ein Anliegen, für das er alle brauchte und ins Boot holen wollte. Für ihn begann eine neue Ära, von der die Jünger noch nichts ahnten. Jesus will, dass seine Sache weitergeht. Für ihn ist seine Mission noch nicht zu Ende.
Um dies zu verstehen, müssen wir zurück an den Anfang: Bei seiner Taufe im Jordan kam der Geist Gottes auf Jesus herab. Dieser ist von nun an die treibende Kraft, die ihn erfüllt. Der Geist führt ihn zunächst in die Wüste. Nach der Gefangennahme des Täufers treibt der Geist Jesus öffentlich aufzutreten und den Anbruch des Reiches Gottes als Evangelium zu verkünden, während die anderen Johannes-Jünger sich zurückzogen. Der Geist Gottes begleitet Jesus auf dem ganzen Weg bis zum von den Jüngern unerwarteten Ende in Jerusalem. Die Evangelisten Matthäus und Lukas wissen sogar zu berichten, dass bereits die Zeugung und die Geburt Jesu vom Heiligen Geist bewirkt waren.
Das Werk des Heiligen Geistes ist nicht mit dem Tod Jesu und auch nicht mit seiner Auferstehung zu Ende. Die Auferstehung Jesu ist mehr als ein Happy End einer dramatischen Geschichte. Auferstehung, Himmelfahrt und Pfingsten müssen zusammen gesehen werden, um sie verstehen zu können.
Jesus tritt in die Mitte seiner noch verstörten Jünger und übergibt ihnen sein Werk mit den Worten: "Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch;" und: "Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert." Das große Werk der Versöhnung der Menschheit mit dem Vater, das Jesus begonnen hat, geht weiter in der Verantwortung der Jünger.
Das "Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch", gilt auch uns, den Nachfolgern der Jünger Jesu. Den Auftrag "Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert", nur als Vollmacht der Sündenvergebung zu betrachten und den Papst und die Bischöfe dafür zuständig zu erklären, ist eine Engführung in der Auslegung dieses Sendungsauftrages Jesu.
Papst Johannes Paul II. hat den Weißen Sonntag zum Sonntag der Barmherzigkeit erklärt und damit das Thema Barmherzigkeit stärker in die Mitte der Theologie und der Pastoral gerückt. Das Jahr der Barmherzigkeit, das Papst Franziskus ausgerufen hat, ist zwar zu Ende, bleibt aber Programm für die ganze Kirche.
Dabei geht es meines Erachtens nicht nur um die Frage, wie finde ich einen barmherzigen Gott angesichts meines persönlichen Versagens und wie kann das Sakrament der Versöhnung neu belebt werden. Vielmehr sollte unser ganzes Leben von Barmherzigkeit geprägt und getragen werden. Das gilt im Umgang mit den Menschen, die an uns schuldig geworden sind, dies gilt aber auch für den Umgang mit Menschen, die in unserem unbarmherzigen Gesellschafts- und Wirtschaftssystem zu Verlierern geworden sind. Dies betrifft die Schwächeren in unserer eigenen Gesellschaft. Dies betrifft aber auch all jene, die von den selbsternannten Herrschern aus ihren Heimatländern vertrieben worden sind. Nicht zuletzt ist unser ganzes Weltwirtschaftssystem davon betroffen, das einzelne sehr reich macht und viele arm bleiben lässt.
Die Jünger hatten sich zunächst "aus Furcht vor den Juden" eingeschlossen. Wir neigen aus diversen anderen Gründen dazu, uns abzukapseln und auf unser eigenes Wohl – leiblich wie seelisch – zu schauen. Jesus tritt auch an uns heran und fordert uns auf, sein Werk der Barmherzigkeit Gottes in die ganze Welt hineinzutragen.
Papst Johannes Paul II. hat auf Bitten der Sr. Faustina hin den Weißen Sonntag zum Sonntag der Barmherzigkeit erklärt. Das Thema Barmherzigkeit geht aus den Bibeltexten, die an diesem Sonntag gelesen werden hervor.
Als die Jünger sich nach dem Verrat an Jesus und nach dessen Tod im Abendmahlsaal eingesperrt hatten, befanden sie sich wie in einem Loch. Das schlechte Gewissen, Jesus verleugnet zu haben, bedrängte sie. Hoffnungslosigkeit drückte sie nieder. Jesus war in ihren Augen tot. Dazu kam die Angst, die Juden könnten mit ihnen so verfahren wie mit Jesus. Da ergreift Jesus die Initiative. Er betritt am Osterabend den Raum - trotz verschlossener Türen - und spricht zu ihnen: “Friede sei mit Euch!” Er zeigt ihnen die Wundmale - er ist es wirklich, der Gekreuzigte. Die Jünger erkennen ihn - sie sehen die Wunden und müssen sich ihnen stellen. Auch jetzt keine Vorwürfe, sondern wieder: “Friede sei mit Euch!“ Keine Abrechnung oder Strafe. Jesus ermutigt, seine Gegenwart belebt. Er ist barmherzig, trägt nichts nach, er vergibt. Dann haucht er sie an. Dieses Anhauchen ist die Geste, mit der Gott in die Nase des Adam den Odem des Lebens eingehaucht hat. Nun erschafft Jesus die Jünger im Oster-Geiste neu. Er ermächtigt zu neuem Leben. Umkehr, Neuanfang beginnen beim auferstandenen Christus, der entgegengeht. Versöhnung ist der Lobpreis auf den barmherzigen Jesus, der uns vergibt.
Deshalb hat Johannes Paul II. im Jahr 2000 gleich nach dem Osterfest den Weißen Sonntag zum Sonntag der Barmherzigkeit erklärt. Er selbst starb im Jahre 2005 am Vorabend dieses Sonntags.
Seinen Ursprung hat dieser neue Titel in den Erscheinungen der heiligen Ordensschwester Faustyna Kowalska aus Krakau in Polen. Sie lebte von 1905 bis 1938, in einer Zeit mit dem ersten Weltkrieg, der Weltwirtschaftskrise und mit dem Europa bedrohenden Nationalsozialismus. In der Glaubensverkündigung herrschte eine gewisse Strenge vor. Nach Aussage von Schwester Faustina erschien ihr Jesus mehrere Male. In den Visionen erhielt sie den Auftrag, Künderin der Barmherzigkeit Gottes zu sein. Es wurde Ihr auch aufgetragen, ein Bild Jesu malen zu lassen, von dessen Herzen zwei Strahlen ausgehen. Das gemalte Bild trägt die Unterschrift: „Jesus, ich vertraue auf Dich“. Das sollten wir oft beten. Jesus habe ihr auch aufgegeben, sich für die Einführung des Sonntags der Barmherzigkeit als Fest der Göttlichen Barmherzigkeit am Sonntag nach Ostern einzusetzen. Durch Sr. Faustina verbreitete sich auch der Barmherzigkeitsrosenkranz.
Das ist der Hintergrund, warum die Kirche seit einigen Jahren heute nicht nur den Weißen Sonntag begeht, sondern auch den Barmherzigkeitssonntag. Johannes Paul II. wusste, dass unsere Welt der Barmherzigkeit bedarf. Papst Franziskus führte dies in dem Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit fort.
Überraschenderweise gipfelt das Evangelium vom Osterabend, wo Thomas nicht da war, im vergebenden Friedensangebot und im Satz: "Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben.“ Die Versöhnung der Menschheit mit dem Vater, seine Barmherzigkeit, soll durch die Jünger zu allen Menschen gebracht werden: das ist der johanneische Akzent des Missionsbefehls. Der Geist der Barmherzigkeit soll das Angesicht der Erde erneuern. Dieses „Pastoralprogramm“ gilt es auch heute, 2000 Jahre später, einzulösen. Wenn wir diese "Mission der Barmherzigkeit" ernst nehmen und uns an ihr ausrichten, helfen wir vielen Mitmenschen, den österlichen Geist Jesu zu entdecken.
Thomas versäumt diese erste Begegnung der Jünger mit dem Herrn. Er glaubt den Jüngern nicht, was sie vom Auferstandenen berichten. Er will Fakten sehen, die er begreifen kann. „Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.“
Als ihm Jesus eine Woche später gegenübertritt, ist dieser Wunsch plötzlich zweitrangig. Er wird überwältigt von der Ausstrahlung, die von der Person des Auferstandenen ausgeht. Nun "sieht" er viel mehr, als er zu sehen verlangte, und bekennt: "Mein Herr und mein Gott!". Jesus sagte zu ihm: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“
Das sind wir. Wir sehen Jesu nicht, doch mit unseren Schwestern und Brüdern, die mit uns als Kirche Ostern feiern, glauben wir. Um tiefer in seine österliche Barmherzigkeit hineinzufinden, sind wir eingeladen, das kurze Gebet „Jesus, ich vertraue auf Dich“! zu sprechen und zu wiederholen.
Was meinte Jesus mit dem Auftrag, die Sünden nachzulassen? Wir tun gut daran, zuvor die Begriffe wie Sünde und Schuld zu klären und auf ein tieferes Verständnis von Sünde als Gottferne unser Augenmerk zu richten.
Thomas gilt als der Zweifler, ja sogar als der "ungläubige". Er ist aber auch der ,der Fragen stellt, die gestellt werden müssen. Die Begegnung mit dem Auferstandenen führt ihn auf einen andere Ebene: Er wird mit den Wunden des Gemarterten und Hingerichteten konfrontiert.
Auf längeren Autofahrten bin ich schon öfter auf die Rundfunksendung "Kinderuni" gestoßen. Dazu wird jeweils eine kleine Runde von Kindern eingeladen, Experten zu einem bestimmten Thema Fragen stellen. Diese beantworten die Fragen in einer altersgemäßen Sprache. Spannend ist für mich immer, auf welche Fragen die wissbegierigen Kinderuniteilnehmer kommen.
Als ich so alt war wie diese Kinder, stellten nur die Lehrer Fragen, die ich richtig zu beantworten hatte. Erst im Gymnasium hatte ich auch Lehrer, die Fragen zuließen. Doch ich erinnere mich auch an die Befürchtung, dass meine Fragen als dumm abqualifiziert werden könnten. Sehr dankbar bin ich meinen Lehrern an der Universität, die uns ermutigten, Fragen zu stellen und auch theologische Lehrmeinungen zu hinterfragen und so der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Nicht alle meine Studienkollegen und vor allem nicht alle älteren Mitbrüder schätzten diesen Zugang zur Theologie. Einige hatten die Befürchtung, dass das Genau-wissen-wollen vom Glauben wegführen könnte.
Mittlerweile haben höchste kirchliche Autoritäten klargestellt, dass Glaube und Wissenschaft einander nicht ausschließen. Papst Benedikt XVI. hat immer wieder betont, dass sich unser Glauben kritischen Fragen der übrigen Wissenschaften stellen müsse. Er selbst hat kritische Fragen gestellt, selbst wenn es politisch nicht opportun war.
Im Evangelium begegnete uns heute der Apostel Thomas, der ganz zu Unrecht den Spitznamen "der Ungläubige" bekommen hat. Es ist schon bezeichnend, dass er nicht dabei war, als Jesus den Jüngern am Ostertag zum ersten Mal erschienen ist. Offenbar ist er auch sonst eigene Wege gegangen. Er ist skeptisch und weiß darum, wie schnell Menschen bereit sind, von etwas überzeugt zu sein, allein weil es "alle" sagen. Er will es genau wissen. Als Jesus ihm eine Woche später gegenübertritt und ihm anbietet, die Finger in seine Wunden zu legen und seine Hand in die offene Seitenwunde, geht er in die Knie und bekennt "mein Herr und mein Gott". Offen bleibt, ob er wirklich die Wunden berührt hat oder ob ihm nicht die Begegnung mit dem Auferstandenen genügt hat.
Für mich ist in dieser Erzählung das Verhältnis von Wissen und Glauben bildhaft dargestellt. Es ist gut, wenn Menschen, die glauben wollen, kritische und heikle Fragen stellen, und wenn Fachleute diesen Fragen sorgfältig nachgehen. Das Fragen und das Beantworten von Glaubensfragen allein führt aber noch nicht zum Glauben, denn es gibt verschiedene Weisen des Glaubens. Z.B. glaube ich etwas, solange ich es nicht besser weiß. Das ist aber kein Glaube im existentiellen Sinn. Im "mein Herr und mein Gott" steckt viel mehr drinnen: Es enthält das Bekenntnis zu einer Person, der er vertrauensvoll folgen will. Dieser persönliche Akt geht über ein Glauben als "für wahr halten" weit hinaus. Dies ist eine persönliche Entscheidung, an die ich durch kritisches Fragen und Suchen zwar herangeführt werden kann, das Glauben ist jedoch ein eigener Akt. Ein Glauben in diesem Sinn kann nicht bewiesen werden und entzieht sich der Logik der Wissenschaften.
Der Glaube des "für wahr Haltens" hingegen ist ein weites Feld, auf dem sich viele große und kleine Geister tummeln. Es ist spannend und lohnend, sich damit zu beschäftigen. Es gehört dazu jedoch neben Intelligenz auch eine gewisse Redlichkeit. Immer wieder melden sich Menschen zu Wort, die nicht nur "alles" wissen, sondern vor allem alles besser wissen. Mit ihnen ist schwer zu diskutieren. Rund um das Osterfest werden sie von Medien gerne eingeladen, ihre Thesen darzulegen, weil dies meist mehr Interesse weckt als eine redliche Diskussion.
Und wie können Menschen damit umgehen, denen das alles zu kompliziert und zu hoch ist? Sie können sich am Wort des Auferstandenen anhalten: "Selig sind, die nicht sehen und doch glauben". Sie lassen sich von der Glaubwürdigkeit des Jesus von Nazareth überzeugen. Sie halten sich an das, was dieser Mensch gelebt, gesagt und ausgestrahlt hat. Zwar müssen sie damit rechnen, dass sie von einigen Zeitgenossen dafür ein wenig belächelt werden. Wenn sie jedoch selbst ein redliches und glaubwürdiges Leben führen, dürfen sie sich der Hochachtung wirklich "Weiser und Kluger" sicher sein.
Das Erwachen der Natur "Vom Eise befreit...", Frühlingsglockenblumen, Fünftageurlaub.
Kirchlich: Exsultet - Osterfrühstück - Segen Urbi et Orbi in einem Sprachenwirrwarr.
Ein neuer Umgang des "Bischofs von Rom" mit den Katholiken - Reformhoffnungen.
Wer spricht von einer glückseligen Schuld, neuem Leben aus Ruinen, wer ist Zeuge der Auferstehung? Was ist der eigentliche Bereich des Todes, wer ist grenzüberschreitend am Ufer des Lebens? Was sind die Zeichen und Wunder, die jetzt von einer besseren Welt etwas ahnen lassen?
Wir können nicht in seine Seitenwunde tasten, ein leeres Grab nachprüfen. Ist nicht nötig!
Wir erleben ihn nicht einmal wie Magdalena als den fremdartigen, unantastbaren Gärtner? Wir stellen verbittert fest, dass uns der Bischof keinen seelsorgernden Pfarrer mehr schickt. Die jüngere Generation überlässt den ganzen falschen Zauber dem Osterhasenwarenhaus.
Die Reichen werden maßlos reich und die Armen werden kaum merklich immerzu ärmer.
Angst und Verelendung überborden allerorten, greise Menschen warten sinnlos und dement aufs Sterben, Pfleger und Betreuer holen wir aus noch ärmeren Ländern für sie herbei.
Thomas zweifelte - Judas hat verzweifelt - Petrus glaubt, jetzt müssten eigentlich alle wie er Juden werden. Eine Generation später meinen sie, sie müssen die Jesusgeschichte aufschreiben. Was er getan - und dass er, wenngleich schmählich hingerichtet am Schandpfahl, doch nicht gescheitert ist. Im Glaubensbekenntnis halten sie fest: er ist geboren aus einer Jungfrau, hat gelitten und ist hinab-gestiegen in die Vorhölle, dann aber war das Grab leer und er in den Himmel entschwebt. Dort sitzt er zur Rechten des Vaters. Er kommt am Ende der Zeiten als Weltenrichter! Was er getan hat und was er eigentlich wollte, findet weniger Erwähnung. Ja, sie hätten noch Vieles aufschreiben können.
Für Judas, den Verräter suchen sie einen Nachfolger. Welche Qualifikation braucht ein Apostel-nach-folger? Er muss die Auferstehung bezeugen können. Wie denn nur? Wenn so einer dann behauptet, er habe den Auferstandenen gesehen wie Paulus, dann kann schon auch sein, dass er in einer schlimmen Nachfolge des Judas steht, zumal wenn er auf Macht und Rechthaberei setzt und dies sich in seinem Kopf so festgesetzt hat, dass für Liebe zu den Menschen im Herzen kein Platz bleibt.
Wenn er die Lasten anderer trägt und glaubhaft vorlebt, dass die Liebe stärker ist als Tod und Teufel und alle Übel dieser Welt. Wenn er eine jesuanische Antwort hat, wie mit Macht, Geld und Sex zurechtzukommen ist. Der seiner Zweifel enthobene Thomas ging nach Indien: zweifellos bekommen wir jetzt dafür indische Sakramentenspender.
Paulus war stolz, römischer Bürger zu sein. Da durfte ihm Petrus nicht nachstehen und wollte ebenfalls nach Rom, die Hauptstadt der Welt. In einem Roman heißt es, dass Christus nur bis Eboli gekommen sei. Möglich, dass sein hitzköpfiger, doch erstrangiger Apostel es nicht einmal so weit geschafft hat.
Haben sie's gehört und beachtet: die ersten Christen hatten alles gemeinsam, waren also Kommunisten, keine gottlosen natürlich. Ich frage mich manchmal: wieso wurden Juden und Kommunisten die Feindbilder der katholischen Kirche schlechthin? Manche Intellektuellen fragten vor 70 Jahren: wenn es einen Gott gibt, wie konnte er Auschwitz zulassen? Ich frage: wenn wir Jesus verstanden haben, wie konnten gute Christenmenschen dann Kreuzzüge predigen, Kräuterweiblein als Hexen verbrennen, Waffen segnen und Herrschaftspaläste als Residenzen bewohnen? Und wer hat sich je dafür als Sünder bekannt?
Wir haben von dem Leben, das die Todesmächte überwindet, wahrscheinlich viel zu wenig kapiert. Wie optimistisch heißt es aber dennoch im Petrusbrief: "Ihr habt ihn nicht gesehen - aber ihr seid erfüllt von unaussprechlicher, von himmlischer Herrlichkeit verklärter Freude, die Ziel allen Glaubens ist!" (1 Petr1,8f).
Wolfgang Dettenkofer, Unterkirchengemeinschaft Christkönig Rosenheim.
HWDKHA@t-online.de
Das heutige Evangelium berichtet vom sogenannten "ungläubigen Thomas". Über seine Person, bzw. über seine Lebensdaten wissen wir sehr wenig.
In allen vier Evangelien des Neuen Testaments wird sein Name genannt, und zwar genauer gesagt in den "Apostel-Listen", also der Zusammenstellung, bzw. Nennung der Namen aller Apostel. In den synoptischen Evangelien (Markus, Matthäus und Lukas) steht er neben dem Zöllner Matthäus. In der Apostelgeschichte ist sein Platz neben Philippus. Vor allem aber das vierte Evangelium, das Evangelium nach Johannes, bietet mehr Informationen über ihn.
Weg - Wahrheit - Leben
Auch im Bericht über das "Letzte Abendmahl" wird Thomas erwähnt. Im Wissen um seinen baldigen Tod spricht Jesus davon, dass er gehe, um für die Jünger einen Platz vorzubereiten und, dass diese wüssten, wohin er gehe. Auch hier fällt Thomas auf, indem er meint, dies nicht zu wissen: "Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?". Die Metapher Jesu wird von ihm offensichtlich nicht verstanden und dies veranlasst Jesus zum berühmten Wort "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben."
Mit Jesus gehen - mit Jesus sterben
Ein weiteres Mal begegnet uns Thomas im Johannesevangelium als sich Jesus entschließt, nach Betanien zu gehen und Lazarus von den Toten aufzuerwecken. Hier spricht Thomas zu den anderen Jüngern: "Dann lasst uns mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben".
Der vielleicht wichtigste und bekannteste Abschnitt ist das heutige Sonntagsevangelium. In diesem Text wird geschildert, wie Thomas Zweifel an der Auferstehung des Herrn formuliert und gleichsam einen Beweis dafür fordert. Als er dann acht Tage später die Wundmale sieht, spricht er das Glaubensbekenntnis "Mein Herr und mein Gott!" und kommt zum Glauben an die Auferstehung Jesu Christi. Ob er allerdings, so wie wir es wahrscheinlich vermuten würden und es auch auf vielen historischen Gemälden sehen können, seine Finger wirklich in die Wundmale des Herrn gelegt hat, ist im Neuen Testament nicht überliefert - und angesichts seines Glaubensbekenntnisses letztlich auch nicht mehr nötig.
Denken wir an die Evangelienstellen der vergangenen Tage, so sehen wir, dass der Apostel Thomas mit seinen "Glaubensproblemen und -zweifeln" nicht alleine ist.
Maria von Magdala etwa entdeckt das leere Grab, deutet es aber rein natürlich: der Leichnam ist weggenommen worden. Auch bei Simon Petrus löst das leere Grab kein Glaubensbekenntnis aus und der andere Jünger "sah" und "glaubte" erst dann. Auch Maria vermeint zuerst im auferstandenen Jesus den Gärtner zu erkennen und erfasst noch nicht, was sich ereignet hat. Erst die Anrede durch Jesus öffnet ihre Augen und lässt uns erkennen, dass der Auferstehungsglaube ein Geschenk des Auferstandenen ist.
Als der Auferstandene am ersten Tag der Woche zu den Jüngern kommt, zeigt er ihnen - so wie später auch unserem Apostel Thomas - seine Wundmale. Im Anschluss an das heutige Evangelium schreibt der Evangelist: "Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan. Diese sind aber aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen."
Wenn wir vom ungläubigen Apostel Thomas sprechen, so hat dies in der Tradition zumeist einen schlechten oder gar negativen Beigeschmack. Irgendwie kommt er bei uns "nicht gut weg". Und doch müssen wir sehen, dass es viele unterschiedliche Personen im Evangelium gibt, die nicht so einfach zum Glauben kommen können. Auch für sie ist der Weg dorthin nicht einfach und bedarf der "Gabe zum Glauben" durch den Auferstandenen selbst.
Ich denke, Thomas ist im Evangelium vielleicht nur einer unter vielen, der seinen ganz persönlichen Zugang zum Glauben an die Auferstehung sucht. Aber einer, in dem wir uns wiederfinden können. Wie oft hätten denn nicht auch wir gerne ein Zeichen, das uns für unseren Glauben Gewissheit geben könnte, es uns einfacher machen würde: in Momenten der Trauer, der Enttäuschung, des persönlichen Scheiterns... Und so sind wir doch in guter Gemeinschaft mit Thomas, denn es gibt Mut zu sehen, dass auch er in seinem Glauben wachsen musste und letztlich doch das Glaubensbekenntnis "Mein Herr und mein Gott!" sprechen durfte.
In der Liturgie der Kar- und Ostertage steht das Schicksal Jesu, sein Kreuz und seine Auferstehung im Vordergrund. Aber was bedeuten diese Ereignisse für uns Menschen? Was bringt uns Ostern? Welche Konsequenzen ergeben sich für unser Schicksal?
Diese Frage ist verwandt mit der Frage, die Karl Rahner in seinem letzten großen Vortrag aufgeworfen hat. Es ist die Frage: Was ist die "eigentliche Mitte des christlichen Glaubens"?
Karl Rahner beklagt, dass diese zentrale Frage von den Theologen "faktisch oft oder fast immer vergessen wird". Dies trifft nicht nur für Theologen zu, sondern auch für viele Christen. Auch sie haben die "eigentliche Mitte des christlichen Glaubens" oft nicht in den Blick bekommen oder sie vergessen
Was ist nun auf dem Hintergrund der Ostererfahrung "die eigentliche Mitte des christlichen Glaubens"? Was bewirkt Jesus Christus, der Gekreuzigte und Auferstandene für uns? Was sagt uns zu dieser Frage der 1. Petrusbrief? Welche Antwort gibt Karl Rahner in seiner letzten großen Rede anlässlich seines achtzigsten Geburtstages?
Was sagt der 1. Petrusbrief in der heutigen Lesung? Die Aussagen sind gewichtig: Der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus hat uns in seinem großen Erbarmen neu geboren. Durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten haben wir eine lebendige Hoffnung. Wir empfangen das unzerstörbare, makellose und unvergängliche Erbe. Wir erlangen das Heil. Es wird uns Lob, Herrlichkeit und Ehre zuteil.
Nach diesen Worten werden wir durch Jesus Christus reich beschenkt:
Durch eine neue Geburt, eine lebendige Hoffnung, ein unzerstörbares und unvergängliches Erbe, durch den Anteil an Gottes Ehre und Herrlichkeit.
All diese Begriffe haben mit Gott zu tun. Gott ist uns in besonderer Weise nahe. Er wirkt in uns, er verwandelt uns. Er gibt uns Anteil an der göttlichen Natur (2 Petr 1,4)
Bei all diesen Begriffen geht es auch um die Mitte des christlichen Glaubens. Worin besteht die Mitte des Christentums nach Karl Rahner? "Die eigentliche und einzige Mitte des Christentums und seiner Botschaft ist darum für mich die wirkliche Selbstmitteilung Gottes in seiner eigensten Wirklichkeit und Herrlichkeit an die Kreatur, ist das Bekenntnis zu der unwahrscheinlichsten Wahrheit, dass Gott selbst mit seiner unendlichen Wirklichkeit und Herrlichkeit, Heiligkeit, Freiheit und Liebe wirklich ohne Abstrich bei uns selbst in der Kreatürlichkeit unserer Existenz ankommen kann und alles andere, was das Christentum anbietet oder von uns fordert dem gegenüber nur Vorläufigkeit oder sekundäre Konsequenz ist". (K. Rahner, Von der Unbegreiflichkeit Gottes. Erfahrungen eines katholischen Theologen, 4. Aufl., Freiburg: Verlag Herder 2006, S. 36).
Die Mitte des Christentums ist nicht das Engagement für Liebe und Gerechtigkeit in der Welt, nicht ein "Humanismus, der Gott für den Menschen verbrauchen will". Diese Mitte des Christentums ist eine neue Qualität der Beziehung zwischen Gott und Mensch, die Rahner als "Selbstmitteilung Gottes" beschreibt, eine Beziehung, wo der Geber und die Gabe identisch sind. Gott teilt sich uns mit und ist in uns. Der dreifaltige Gott wohnt in uns und wir in ihm.
Das ewige Leben - die Anschauung Gottes- ist sozusagen die organische Entfaltung dessen, was in der Selbstmitteilung Gottes schon gegenwärtig ist.
So gesehen geht es in der Osterliturgie um die eigentliche und letzte Bestimmung - Berufung - des Menschen. Jesus Christus , der Gekreuzigte und Auferstandene räumt die Hindernisse aus, die dieser Berufung entgegenstehen, und öffnet die Tore, damit sie sich verwirklichen kann.
Gestatten Sie, dass ich mich vorstelle? Mein Name ist Thomas, Apostel des Jesus von Nazareth... Dass ich vor meiner Begegnung mit IHM Fischer war, wissen Sie vermutlich nicht, aber Sie kennen wahrscheinlich meinen Spitznamen: Didymos. Dabei ist das gar kein Spitzname, sondern nur die griechische Übersetzung meines aramäischen Vornamens. "Thomas" bedeutet "Zwilling".
Und noch etwas ist weitum bekannt: Dass ich der Zweifler bin. Und darum glauben Sie mich zu kennen, nicht wahr? Thomas, der Zweifler. Der, der nicht glauben wollte, was er nicht sah. Aber Sie irren sich. Gezweifelt haben die anderen. Ich war verzweifelt.
Darum war ich auch nicht dabei, als ER den anderen Aposteln erschienen ist. Ich hielt es nicht aus in ihrer Gegenwart. Sie verschanzten sich und spielten "geschlossene Gesellschaft". Mich trieb es hinaus vor die Stadt. Ich wollte allein sein.
Aber auch wenn ich nicht wie sie hinter verschlossenen Türen in Todesstarre verfiel, so igelte ich mich dennoch ein in Verschlossenheit. Ich wollte nichts mehr hören und sehen.
Als ich sie dann wieder traf, erzählten sie mir von einer Begegnung mit IHM. Ich konnte es nicht glauben. Aber ich hatte den Eindruck, sie wussten auch nicht, was sie mir da erzählten. Und so sprach ich eigentlich nur aus, was alle dachten. Keiner von uns hatte kapiert, was hier eigentlich vorgefallen war. Unsere Türen waren wieder zugefallen.
Ich bin mir sicher, ER kam nicht wegen mir nocheinmal. ER kam nocheinmal, weil die Türen immer noch verschlossen waren. Er wusste, wie immer, wie es um uns stand.
So wie der Stein auf seinem Grab für ihn kein Hindernis war, so öffnete er die Türen vor unseren Seelengrüften. "Friede sei mit euch", sprach er zu uns. Jesu Friede ist der Dietrich, der Türen öffnet.
Jesus meinte keinen politischen Frieden. Sein Friede ist ein vom Geist erfülltes, gehauchtes Schalom, das Heilung schenkt. Der Friede Jesu ist eine offene Tür zum Leben.
Und so wurde auch für uns Auferstehung erfahrbar. Ich weiß jetzt: Auferstehung passiert nicht erst nach dem Tod des Menschen, sondern es ist täglich erfahrbar. Auferstehung passiert, wenn sich eine Tür zum Leben öffnet: Wenn jemand nach einer schweren Krankheit überraschend gesund wird, wenn man sich nach einem Streit versöhnt, wenn in einer ausweglosen Situation eine Lösung gefunden wird, wenn ein Wunsch in Erfüllung geht...
Ich konnte anfangs nicht glauben, was ich nicht angreifen konnte, was ich nicht be-greifen konnte. Und als dann Jesus vor mir stand, begriff ich: Ich muss ihn gar nicht angreifen. Es genügt Jesus zu erfahren. Wichtig ist nicht, ihn zu berühren. Wichtig ist es, die Sehnsucht wach zu halten und sich berühren zu lassen. Und darin habe ich Ihnen gar nicht so viel voraus. Gewiss, ich habe ihn dann tatsächlich gesehen, aber auch Sie dürfen darauf vertrauen, dass Jesus auch ihre Türen öffnet und sein heilendes Shalom über Sie haucht. Sie müssen sich nur ausrichten auf das Leben, das Jesus schenkt. "Selig sind, die nicht sehen und doch glauben." Denn das Wesentliche ist ohnehin für die Augen unsichtbar.
Ostern ist noch nicht zu Ende. Nach dem ersten Überschwang der Freude über die Auferstehung Jesu, gilt es nun, für die verschiedenen Lebensbereiche daraus Konsequenzen zu ziehen. Ein Bereich ist unser Umgang mit Schuld und Verletzungen. In der Begegnung mit den Jüngern zeigt ihnen Jesus seine Wunden. Waren diese schon voll verheilt? Diese Begebenheit fordert uns heraus, auf die Wunden zu schauen, die wir einaner und ihm zugefügt haben, und einander und den Herrn um Vergebung zu bitten.
Glaube benötigt Wachheit und ein „sich-berühren-lassen“ im Herzen. Dieses Anliegen verfolgt der Evangelist Johannes mit seinem Evangelium von der Begegnung des Auferstandenen mit den Jüngern und im Besonderen mit Thomas.
Wir sollen und wollen uns davor bewahren, uns innerlich zu verschließen. Jesus möge uns entgegenkommen, wie er es bei den Aposteln und Jüngern tat, und uns helfen, Lebendigkeit und Festigkeit in unseren Glauben zu bringen.
Herr, Jesus Christus,
es liegt uns fern, dich zu verraten wie Judas.
Wir überlassen aber dein Herzensanliegen, das Reich Gottes, gerne dem Lauf der Geschichte.
Herr, erbarme dich!
Es liegt uns fern, dich zu verleugnen wie Petrus.
Wir verhalten uns aber oft so, als ob uns deine Botschaft nichts anginge.
Christus, erbarme dich.
Es liegt uns fern, dich im Stich zu lassen wie deine Jünger.
Wir verlassen aber gerne darauf, dass andere etwas tun.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du willst uns die Augen für dich und dein Wesen öffnen.
Herr, erbarme dich.
Du willst unsere Herzen berühren, um unseren Glauben zu stärken.
Christus, erbarme dich.
Du willst uns befreien, wenn wir durch Versagen oder Gleichgültigkeit uns innerlich verschließen.
Herr, erbarme dich.
Barmherziger Gott,
durch die jährliche Osterfeier
erneuerst du den Glauben deines Volkes.
Laß uns immer tiefer erkennen,
wie heilig das Bad der Taufe ist,
das uns gereinigt hat,
wie mächtig dein Geist,
aus dem wir wiedergeboren sind,
und wie kostbar das Blut, durch das wir erkauft sind.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 2. Sonntag der Osterzeit
Gott Dein Wort bringt Licht und Freude in die Welt.
Es macht das Leben reich,
es stiftet Frieden und Versöhnung.
Gib, dass wir es nicht achtlos überhören.
Mach uns aufnahmebereit.
Bring dein Wort in uns zu hundertfältiger Frucht.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 6
Gott, unser Vater.
Um deinen Frieden zu bringen
in unsere Welt voll Spannung und Streit,
ist dein Sohn zu uns gekommen
und hat sein Leben eingesetzt.
Er lebte nicht für sich, sondern gab sich dahin.
Laß uns erfassen, was er getan hat.
Hilf uns,
mit ihm dem Frieden und der Versöhnung zu dienen,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Amen.
MB Auswahl 21
Guter Gott.
Durch deinen Sohn Jesus Christus
hast du begonnen,
unter uns Menschen
dem Frieden und der Versöhnung Raum zu schaffen.
Mach uns
zu einer offenen und brüderlichen Gemeinde.
Hilf uns, daß wir um seinetwillen
einander annehmen und zu verstehen suchen,
auch wo wir verschiedener Meinung sind.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 34
Gott,
Friede und Vergebung
sind die großen Gaben des Auferstandenen an seine Jünger.
Schenke auch uns den Glauben,
daß der Herr mitten unter uns lebt und wirkt.
Durch Christus, unseren Herrn.
Barmherziger Gott,
du schenkst uns Vergebung und Gemeinschaft mit dir.
Laß uns dein Handeln nachahmen
und Boten deiner Barmherzigkeit sein.
Durch Christus, unseren Herrn.
In Jesus Christus hat sich uns die Barmherzigkeit Gottes offenbart.
Zu ihm rufen wir:
Herr, erbarme dich. Christus, erbarme dich. Herr, erbarme dich.
Für Papst Franziskus, der heimgekehrt ist zu seinem Schöpfer, auf dessen Leben und Wirken wir dankbar blicken, und für den wir die Vollendung in der Gemeinschaft mit Gott erhoffen.
Für alle, die wie Papst Franziskus Gottes Barmherzigkeit verkünden,
für alle, die eine Kirche der offenen Türen leben,
für alle, die in ihrem Alltag Zeugnis für die frohe Botschaft ablegen.
Für eine Kirche, die wie ein Feldlazarett die Wunden der Verwundeten heilt, die eine hörende Kirche ist, und deren Sendung in gemeinschaftlicher Verantwortung aller Gläubigen verwirklicht wird.
Für unsere Erde, die uns als gemeinsames Haus anvertraut ist,
für alle, die um einen achtsamen Ressourceneinsatz ringen und nachhaltige Lösungen suchen,
für alle, die sich für ein globales und gerechtes Miteinander angesichts des Klimawandels einsetzen.
Für die Menschen in den Kriegsgebieten, die unter Gewalt und Zerstörung leiden,
für alle, die Wege der Versöhnung und des Dialogs suchen,
für alle, die nicht aufhören, für Frieden und Gerechtigkeit einzutreten.
Für die Armen, die Ausgegrenzten und Vergessenen, für die Geflüchteten und Heimatlosen,
für die Kranken, die Leidenden und Sterbenden.
Herr, Jesus Christus,
du hast uns an deinen Tisch gerufen und Anteil geschenkt am himmlischen Festmahl.
Dich loben und preisen wir mit Gott dem Vater und dem Heiligen Geist jetzt und in Ewigkeit. – Amen.
Herausgegeben vom Pastoralamt der ED Wien.
Verschlossene Türen sind kein Hindernis für Gottes Geist. Er durchdringt die ganze Schöpfung.
Von ihm angeleitet bitten wir:
Im Andenken an Papst Franziskus bitten wir um den Geist der Gemeinschaft mit allen Menschen und besonders mit denen, die an den Rändern unserer Gesellschaft leben.
Im Andenken an Papst Franziskus bitten wir um den Geist der gegenseitigen Wertschätzung, der die Türen zwischen den verschiedenen Völkern, Kulturen und Machtblöcken öffnet und globalen Frieden ermöglicht.
Im Andenken an Papst Franziskus bitten wir um eine neue Sicht auf die Perspektive der anderen und um Verständnis füreinander besonders dort, wo mehr über als miteinander geredet wird.
Im Andenken an Papst Franziskus bitten wir um offene Türen in uns selbst für deine Osterbotschaft, die immer eine Hoffnung für alle bereit hält.
Da wir alle in dir, Christus, einen Retter und Richter haben, der als Gott unser Menschsein durchlebt hat, bitten wir dich für alle Verstorbenen, in besonderer Weise aber für Papst Franziskus.
Denn der Glaube an dein Wort und dein Geist führen uns in die Gemeinschaft mit dir, dem dreieinen Gott.
Dich beten wir an und rühmen wir deine Größe und Allmacht jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Herr, Jesus Christus,
deine Auferstehung erfüllt uns mit Freude und Hoffnung.
Wir brauchen aber deine Hilfe, damit deine Frohe Botschaft die Welt verändert.
Wir bitten dich:
Für alle, die unserer Barmherzigkeit bedürfen.
Gib uns die Kraft, allen zu vergeben, die auf unsere Vergebung angewiesen sind.
Für alle, die Opfer kirchlichen oder persönlichen Machtmissbrauchs geworden sind.
Lass ihre Wunden heilen und gib ihnen die Kraft zu vergeben.
Für alle, die ihren Vertrauensvorschuss als Seelsorger missbraucht
und andere für ihre eigenen Interessen ausgenützt haben.
Lass sie das verübte Unrecht einsehen und zur Wiedergutmachung das Ihre beitragen.
Für die Verantwortungsträger der Kirche.
Gib ihnen den Mut, Fehler einzubekennen und notwendige Konsequenzen zu ziehen.
Für unsere Verstorbenen.
Lass sie die Vergebung der Sünden und Fehler erfahren,
die zu verkünden du uns berufen hast.
Mit Thomas und den anderen Jüngern bekennen wir dich als unseren Herrn und Gott.
Wir preisen dich für deine übergroße Barmherzigkeit. – Amen.
Herr Jesus Christus,
zuversichtlicher Glaube an dich war in den Aposteln und Jüngern geschwunden. Nicht nur ihre Türen, vor allem ihre Herzen waren verschlossen. Mit neuer Kraft hast du ihren Glauben versehen. In gleicher Weise willst du auch an uns handeln.
In diesem Vertrauen bitten wir dich:
Hilf uns, unsere Augen für dich zu öffnen und uns in unserem Herzen von dir, deinen Worten und deinem Wesen berühren zu lassen.
Christus, Auferstandener vom Tode…
Verhilf den Kindern, die dich heute ein erstes Mal empfangen, in ihrem Glauben zu wachsen und zu erstarken.
Christus, Auferstandener vom Tode…
Segne die Mühe und Arbeit aller, die im Dienst der Verkündigung stehen, dass es ihnen gelingt, den Menschen dein Wesen und Wirken für ihre Herzen zu erschließen.
Christus, Auferstandener vom Tode…
Gewähre allen, die in ihrem Leid und in ihren Nöten ihre Zuflucht zu dir nehmen und Hilfe erbitten, deinen Beistand.
Christus, Auferstandener vom Tode…
Die Verstorbenen, gläubig oder distanziert, nimm sie auf in die Gemeinschaft mit dir.
Christus, Auferstandener vom Tode…
Herr Jesus Christus,
deiner Fürsorge, Hilfe und Liebe vertrauen wir uns neu an
und danken dir beglückt.
Du bist unser Herr und Gott. – Amen.
Gelebter Glaube an Dich, den dreifaltigen Gott, braucht Erfahrung im Glauben und Gemeinschaft. Danach suchen wir, wenn wir uns um deinen Tisch und dein Wort versammeln. Du bist jetzt in unserer Mitte.
Dich bitten wir:
Für deine Kirche, dass sie ein Ort ist, an dem viele Menschen ihre Glaubenserfahrungen machen können.
Für unsere Gesellschaft, die sich von Kriegen, Überbevölkerung und Migrationsströmen, Klimaerwärmung und Zerstörung unseres Lebensraums bedroht fühlt und in einem gelebten Glauben keinen Halt mehr findet.
Für alle Menschen, die im steten Fluss ihres Lebens, den für sie richtigen Weg suchen..
Für alle, die in Unfrieden mit dir, ihren Mitmenschen oder sich selbst leben, dass sie deine Friedenszusage erreicht.
Für unsere Verstorbenen, dass sie in deiner Barmherzigkeit gut aufgehoben sind.
Mit allen Menschen, die durch Deinen Geist beschenkt, auf den von dir zugesagten Frieden hoffen,
preisen wir Dich, den Vater, Dich, den auferstanden Herrn Jesus Christus, im Heiligen Geist. - Amen.
Gott,
du hast deinem Volk
durch das Bekenntnis des Glaubens
und den Empfang der Taufe neues Leben geschenkt.
Nimm die Gaben (der Neugetauften und aller)
deiner Gläubigen gnädig an
und laß uns in dir Seligkeit und ewiges Leben finden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Sonntag der Osterzeit
Herr und Gott,
dein Heiliger Geist kommt auf uns herab.
Er mache uns bereit
für die Feier des heiligen Opfers,
denn er ist die Vergebung der Sünden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 7. Samstag der Osterzeit
Wir danken dir, Vater im Himmel,
und rühmen dich
durch unseren Herrn Jesus Christus.
Durch ihn erstehen die Kinder des Lichtes
zum ewigen Leben,
durch ihn wird den Gläubigen
das Tor des himmlischen Reiches geöffnet.
Denn unser Tod ist durch seinen Tod überwunden,
in seiner Auferstehung ist das Leben für alle erstanden.
Durch ihn preisen wir dich (in österlicher Freude)
und singen mit den Chören der Engel
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Osterzeit 2
Er kam durch verschlossene Türen
mitten hinein in ihre Ängstlichkeit
und schenkte
seinen Frieden
Er durchbrach alle Hindernisse
beseitigte alle Zweifel
und schenkte
seinen Frieden
Er kommt auch heute
in unsere verschlossenen Herzen
durch den Beton unserer Wände
und schenkt uns
seinen Frieden
Er durchbricht auch heute
unseren starren Egoismus
und unseren Unglauben
und schenkt uns
seinen Frieden
Allmächtiger Gott,
im heiligen Sakrament haben wir
den Leib und das Blut deines Sohnes empfangen.
Laß diese österliche Gabe in uns weiterwirken
und fruchtbar sein.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 2. Sonntag der Osterzeit
Ich bin Thomas,
der zweifelt,
der nicht glauben kann,
der nur auf Tatsachen baut,
nicht auf andere hört …
Der die Zweifel erst vergessen kann
im Hinübergehen
ins andere Leben – abgeholt von IHM. –
„Mein Herr und mein Gott!“
Ilse Pauls
"Unsere Augen sind ungläubig, in diesem Ostern des Krieges. Wir haben zu viel Blutvergießen, zu viel Gewalt gesehen. Unsere Herzen waren von Angst und Schrecken erfüllt, während so viele unserer Brüder und Schwestern sich vor den Bomben schützen mussten", so Franziskus.
"Werde der leidgeprüften Ukraine, die durch die Gewalt und Zerstörung des grausamen und sinnlosen Krieges, in den sie hineingezogen wurde, so sehr gelitten hat, Frieden zuteil. Gehe bald eine neue Morgendämmerung der Hoffnung über dieser schrecklichen Nacht des Leidens und des Todes auf! Möge man sich für den Frieden entscheiden. Man höre auf, die Muskeln spielen zu lassen, während die Menschen leiden", sagte der Pontifex Maximus vor circa 50.000 Gläubigen, wie der Vatikan mitteilte.
All die vielen ukrainischen Opfer, die Millionen von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen, die auseinandergerissenen Familien, die allein gelassenen alten Menschen, die zerstörten Leben und die dem Erdboden gleichgemachten Städte trage ich in meinem Herzen. Vor meinen Augen habe ich den Blick der Waisenkinder, die vor dem Krieg fliehen. Wenn wir sie betrachten, können wir nicht umhin, ihren Schmerzensschrei zu hören", so der Heilige Vater.
Inmitten des Schmerzes des Krieges fehle es nicht an ermutigenden Zeichen, wie die offenen Türen vieler Familien und Gemeinschaften, die in ganz Europa Migranten und Flüchtlinge aufnehmen. "Seien diese vielen Taten der Nächstenliebe ein Segen für unsere Gesellschaft, die durch so viel Egoismus und Individualismus zuweilen verkommt. Mögen diese Taten dazu beitragen, die Gesellschaft für alle aufnahmebereit zu machen", betonte Franziskus.
Der Papst sprach auch über die Lage im Nahen Osten, der seit Jahren von Spaltung und Konflikten zerrissen sei. Er betete für Frieden in Jerusalem. "Mögen Israelis, Palästinenser und alle Bewohner der Heiligen Stadt zusammen mit den Pilgern die Schönheit des Friedens erfahren, in Geschwisterlichkeit leben und möge ihnen der freie Zutritt zu den Heiligen Stätten unter gegenseitiger Achtung der Rechte jedes Einzelnen gewährt werden", sagte der Papst.
Der Pontifex urgierte Frieden und Versöhnung für den Libanon, Syrien und den Irak und für alle im Nahen Osten lebenden christlichen Gemeinschaften. Er betete auch für das Ende der Spannungen in Libyen und im Jemen. Der Papst zeigte sich über die Lage in Myanmar und Afghanistan besorgt, in dem "eine tragische humanitäre Krise die Bevölkerung quält". Er drückte auch seine Solidarität mit den von verheerenden Überschwemmungen betroffenen Bevölkerungen im Osten Südafrikas aus.
In den Gebeten der Gläubigen bei der von Papst Franziskus geleiteten Ostermesse auf dem Petersplatz gab es auch ein Gebet in ukrainischer Sprache: "Gott gebe unseren verstorbenen Brüdern und Schwestern Anteil am ewigen Ostern". Die Gebete wurden auch auf Arabisch, Chinesisch, Deutsch und Englisch gesprochen.
Franziskus hat am Ostermontag den zentralen christlichen Wert der Versöhnung betont. „Mögen Streit, Kriege und Auseinandersetzungen der Verständigung und Versöhnung weichen“, sagte das Kirchenoberhaupt nach dem traditionellen Mittagsgebet an Sonn- und Feiertagen.
„Betont immer wieder dieses Wort: Versöhnung“, riet der Papst. „Denn was Jesus auf Golgatha und mit seiner Auferstehung getan hat, ist die Versöhnung aller mit dem Vater, mit Gott und untereinander. Versöhnung!“ Gott habe „die entscheidende Schlacht gegen den Geist des Bösen gewonnen: Lasst ihn gewinnen! Verzichten wir auf unsere menschlichen Pläne, bekehren wir uns zu seinen Plänen des Friedens und der Gerechtigkeit.“
angefangen in Jerusalem
vor mehr als 2000 Jahren
angefangen
von verunsicherten
von ungläubigen
Jüngerinnen und Jüngern
neu
angefangen
hinter verschlossenen Türen
neu
angefangen
durch die
die es selbst in der Freude nicht glauben konnten
durch die
die sich neu wundern mussten
die ihre Sinne neu öffnen lassen mussten
die ein neues Verständnis
geschenkt bekommen mussten
ja
durch sie
ist es in die Welt getragen worden
sie trugen
den Aufstand
des AUFERSTANDENEN
weiter
und
weiter
ja sie
in allen Generationen
sie die
zweifeln
anfragen
unsicher sein durften
die
denen immer wieder neu
das Wunder
der Auferstehung
nahegebracht
werden musste
in allen Generationen
in unserer Generation?
durch
mich?
durch
dich?
mit allem
was mich ausmacht?
mit allem
was dich ausmacht?
zweifel nur -
hinterfrage nur
nur so kannst du finden
den
der aufgestanden ist
auferstanden
zum Leben.
Beatrix Senft, unveröffentlicht.

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Im Kontext von Einzelereignisses in der Urgemeinde (5,1-11: Betrug des Hananias und der Saphira; 5,17-21: Verhaftung der Apostel; 5,22-42: Die Apostel vor dem Hohen Rat) stellt dieser Abschnitt 5,12-16 einen sogenannten Sammelbericht dar. Dieser will einen Gesamteindruck vom Leben der ersten Christengemeinde vermitteln will: die davor und danach erzählten Einzelfälle sind als Beispiele für das Leben der Gemeinde insgesamt zu lesen.
Durch die Betonung der Wunderhandlungen der Apostel wird aufgewiesen, daß in allen Geschehnissen der jungen Gemeinde Gott am Werke ist; die Wunder bekräftigen die Verkündigung der Apostel. Die Folge der Predigt und der Wunder ist eine zahlenmäßige Zunahme der Gemeinde: Die Christen erobern die Öffentlichkeit - und zwar Männer und Frauen (Vers 14)!
Das Kennzeichen der Gemeinde ist ihre Einmütigkeit, die ihren Grund im Glauben an den einen Herrn hat. Der gemeinsame Glaube an ihn reißt die Schranken von Geschlecht (5,14), Herkunft (1,5-11) und Religion (11,1-8) nieder.