Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Genesis.
Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde.
Die Erde war wüst und wirr
und Finsternis lag über der Urflut
und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.
Gott sprach:
Es werde Licht.
Und es wurde Licht.
Gott sah, dass das Licht gut war.
Und Gott schied das Licht von der Finsternis.
Und Gott nannte das Licht Tag
und die Finsternis nannte er Nacht.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
erster Tag.
Dann sprach Gott:
Es werde ein Gewölbe mitten im Wasser
und scheide Wasser von Wasser.
Gott machte das Gewölbe
und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes
vom Wasser oberhalb des Gewölbes.
Und so geschah es.
Und Gott nannte das Gewölbe Himmel.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
zweiter Tag.
Dann sprach Gott:
Es sammle sich das Wasser unterhalb des Himmels an einem Ort
und das Trockene werde sichtbar.
Und so geschah es.
Und Gott nannte das Trockene Land
und die Ansammlung des Wassers nannte er Meer.
Gott sah, dass es gut war.
Dann sprach Gott:
Die Erde lasse junges Grün sprießen,
Gewächs, das Samen bildet,
Fruchtbäume,
die nach ihrer Art Früchte tragen mit Samen darin auf der Erde.
Und so geschah es.
Die Erde brachte junges Grün hervor,
Gewächs, das Samen nach seiner Art bildet,
und Bäume,
die Früchte tragen mit Samen darin nach ihrer Art.
Gott sah, dass es gut war.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
dritter Tag.
Dann sprach Gott:
Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein,
um Tag und Nacht zu scheiden.
Sie sollen als Zeichen
für Festzeiten, für Tage und Jahre dienen.
Sie sollen Lichter am Himmelsgewölbe sein,
um über die Erde hin zu leuchten.
Und so geschah es.
Gott machte die beiden großen Lichter,
das große zur Herrschaft über den Tag,
das kleine zur Herrschaft über die Nacht,
und die Sterne.
Gott setzte sie an das Himmelsgewölbe,
damit sie über die Erde leuchten,
über Tag und Nacht herrschen
und das Licht von der Finsternis scheiden.
Gott sah, dass es gut war.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
vierter Tag.
Dann sprach Gott:
Das Wasser wimmle von Schwärmen lebendiger Wesen
und Vögel sollen über der Erde am Himmelsgewölbe fliegen.
Und Gott erschuf die großen Wassertiere und alle Lebewesen,
die sich fortbewegen nach ihrer Art,
von denen das Wasser wimmelt,
und alle gefiederten Vögel nach ihrer Art.
Gott sah, dass es gut war.
Gott segnete sie
und sprach: Seid fruchtbar und mehrt euch!
Füllt das Wasser im Meer
und die Vögel sollen sich auf Erden vermehren.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
fünfter Tag.
Dann sprach Gott:
Die Erde bringe Lebewesen aller Art hervor,
von Vieh,
von Kriechtieren
und von Wildtieren der Erde nach ihrer Art.
Und so geschah es.
Gott machte die Wildtiere der Erde nach ihrer Art,
das Vieh nach seiner Art
und alle Kriechtiere auf dem Erdboden nach ihrer Art.
Gott sah, dass es gut war.
Dann sprach Gott:
Lasst uns Menschen machen
als unser Bild, uns ähnlich!
Sie sollen walten über die Fische des Meeres,
über die Vögel des Himmels,
über das Vieh,
über die ganze Erde
und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen.
Gott erschuf den Menschen als sein Bild,
als Bild Gottes erschuf er ihn.
Männlich und weiblich erschuf er sie.
Gott segnete sie
und Gott sprach zu ihnen:
Seid fruchtbar und mehrt euch,
füllt die Erde
und unterwerft sie
und waltet über die Fische des Meeres,
über die Vögel des Himmels
und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!
Dann sprach Gott:
Siehe, ich gebe euch alles Gewächs,
das Samen bildet auf der ganzen Erde,
und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin.
Euch sollen sie zur Nahrung dienen.
Allen Tieren der Erde,
allen Vögeln des Himmels
und allem, was auf der Erde kriecht,
das Lebensatem in sich hat,
gebe ich alles grüne Gewächs zur Nahrung.
Und so geschah es.
Gott sah alles an, was er gemacht hatte:
Und siehe, es war sehr gut.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
der sechste Tag.
So wurden Himmel und Erde und ihr ganzes Heer vollendet.
Am siebten Tag
vollendete Gott das Werk, das er gemacht hatte,
und er ruhte am siebten Tag,
nachdem er sein ganzes Werk gemacht hatte.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Genesis.
Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde.
Dann sprach Gott:
Lasst uns Menschen machen
als unser Bild, uns ähnlich!
Sie sollen walten über die Fische des Meeres,
über die Vögel des Himmels,
über das Vieh,
über die ganze Erde
und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen.
Gott erschuf den Menschen als sein Bild,
als Bild Gottes erschuf er ihn.
Männlich und weiblich erschuf er sie.
Gott segnete sie
und Gott sprach zu ihnen:
Seid fruchtbar und mehrt euch,
füllt die Erde
und unterwerft sie
und waltet über die Fische des Meeres,
über die Vögel des Himmels
und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!
Dann sprach Gott:
Siehe, ich gebe euch alles Gewächs,
das Samen bildet auf der ganzen Erde,
und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin.
Euch sollen sie zur Nahrung dienen.
Allen Tieren der Erde,
allen Vögeln des Himmels
und allem, was auf der Erde kriecht,
das Lebensatem in sich hat,
gebe ich alles grüne Gewächs zur Nahrung.
Und so geschah es.
Gott sah alles an, was er gemacht hatte:
Und siehe, es war sehr gut.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Sende aus deinen Geist,
Und das Angesucht der Erde wird neu - Kv
(oder GL 312,2)
Preise den HERRN, meine Seele! /
HERR, mein Gott, überaus groß bist du!
Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.
Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel,
du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt. - Kv
Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet,
in alle Ewigkeit wird sie nicht wanken.
Einst hat die Urflut sie bedeckt wie ein Kleid,
die Wasser standen über den Bergen. - Kv
Du lässt Quellen sprudeln in Bäche,
sie eilen zwischen den Bergen dahin.
Darüber wohnen die Vögel des Himmels,
aus den Zweigen erklingt ihr Gesang. - Kv
Du tränkst die Berge aus deinen Kammern,
von der Frucht deiner Werke wird die Erde satt.
Du lässt Gras wachsen für das Vieh
und Pflanzen für den Ackerbau des Menschen, - Kv
Wie zahlreich sind deine Werke, HERR, /
sie alle hast du mit Weisheit gemacht,
die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Preise den HERRN, meine Seele!
Herr, mein Gott, überaus große bist du! - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv - Von deiner Huld, o HERR, ist die Erde erfüllt. - Kv
Oder: GL 51,1
Das Wort des HERRN ist redlich,
all sein Tun ist verlässlich.
Er liebt Gerechtigkeit und Recht,
erfüllt von der Huld des HERRN ist die Erde. - Kv
Durch das Wort des HERRN wurden die Himmel geschaffen,
ihr ganzes Heer durch den Hauch seines Mundes.
Er sammelt das Wasser des Meeres und dämmt es ein,
legt die Fluten in Kammern. - Kv
Selig die Nation, deren Gott der HERR ist,
das Volk, das er sich zum Erbteil erwählt hat.
Der HERR blickt herab vom Himmel,
er sieht alle Menschen. - Kv
Unsre Seele hofft auf den HERRN;
er ist unsere Hilfe und unser Schild.
Lass deine Huld über uns walten, HERR,
wie wir auf dich hofften! - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Genesis.
In Jenen Tagen
stellte Gott Abraham auf die Probe.
Er sprach zu ihm: Abraham!
Er sagte: Hier bin ich.
Er sprach: Nimm deinen Sohn,
deinen einzigen, den du liebst, Isaak,
geh in das Land Morija
und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne,
als Brandopfer dar!
Frühmorgens stand Abraham auf,
sattelte seinen Esel,
nahm zwei seiner Jungknechte mit sich und seinen Sohn Isaak,
spaltete Holz zum Brandopfer
und machte sich auf den Weg
zu dem Ort, den ihm Gott genannt hatte.
Als Abraham am dritten Tag seine Augen erhob,
sah er den Ort von Weitem.
Da sagte Abraham zu seinen Jungknechten:
Bleibt mit dem Esel hier!
Ich aber und der Knabe,
wir wollen dorthin gehen und uns niederwerfen;
dann wollen wir zu euch zurückkehren.
Abraham nahm das Holz für das Brandopfer
und lud es seinem Sohn Isaak auf.
Er selbst nahm das Feuer und das Messer in die Hand.
So gingen beide miteinander.
Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham.
Er sagte: Mein Vater!
Er antwortete: Hier bin ich, mein Sohn!
Dann sagte Isaak:
Hier ist Feuer und Holz.
Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer?
Abraham sagte:
Gott wird sich das Lamm für das Brandopfer ausersehen,
mein Sohn.
Und beide gingen miteinander weiter.
Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte,
baute Abraham dort den Altar,
schichtete das Holz auf,
band seinen Sohn Isaak
und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz.
Abraham streckte seine Hand aus
und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten.
Da rief ihm der Engel des HERRN vom Himmel her zu und sagte:
Abraham, Abraham!
Er antwortete: Hier bin ich.
Er sprach:
Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus
und tu ihm nichts zuleide!
Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest;
du hast mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten.
Abraham erhob seine Augen,
sah hin und siehe, ein Widder hatte sich hinter ihm
mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen.
Abraham ging hin,
nahm den Widder
und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar.
Abraham gab jenem Ort den Namen:
"Der HERR sieht",
wie man noch heute sagt:
Auf dem Berg lässt sich der HERR sehen.
Der Engel des HERRN
rief Abraham zum zweiten Mal vom Himmel her zu
und sprach:
Ich habe bei mir geschworen - Spruch des HERRN:
Weil du das getan hast
und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast,
will ich dir Segen schenken in Fülle
und deine Nachkommen überaus zahlreich machen
wie die Sterne am Himmel
und den Sand am Meeresstrand.
Deine Nachkommen werden das Tor ihrer Feinde einnehmen.
Segnen werden sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde,
weil du auf meine Stimme gehört hast.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Genesis.
In Jenen Tagen
stellte Gott Abraham auf die Probe.
Er sprach zu ihm: Abraham!
Er sagte: Hier bin ich.
Er sprach: Nimm deinen Sohn,
deinen einzigen, den du liebst, Isaak,
geh in das Land Morija
und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne,
als Brandopfer dar!
Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte,
baute Abraham dort den Altar,
schichtete das Holz auf,
Abraham streckte seine Hand aus
und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten.
Da rief ihm der Engel des HERRN vom Himmel her zu und sagte:
Abraham, Abraham!
Er antwortete: Hier bin ich.
Er sprach:
Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus
und tu ihm nichts zuleide!
Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest;
du hast mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten.
Abraham erhob seine Augen,
sah hin und siehe, ein Widder hatte sich hinter ihm
mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen.
Abraham ging hin,
nahm den Widder
und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar.
Der Engel des HERRN
rief Abraham zum zweiten Mal vom Himmel her zu
und sprach:
Ich habe bei mir geschworen - Spruch des HERRN:
Weil du das getan hast
und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast,
will ich dir Segen schenken in Fülle
und deine Nachkommen überaus zahlreich machen
wie die Sterne am Himmel
und den Sand am Meeresstrand.
Deine Nachkommen werden das Tor ihrer Feinde einnehmen.
Segnen werden sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde,
weil du auf meine Stimme gehört hast.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv - Behüte mich, Gott,
denn ich vertraue auf dich. – Kv
(Oder GL 312,3)
Der HERR ist mein Erbanteil, er reicht mir den Becher,
du bist es, der mein Los hält.
Ich habe mir den HERRN beständig vor Augen gestellt,
weil er zu meiner Rechten ist, wanke ich nicht. - Kv
Darum freut sich mein Herz und jubelt meine Ehre,
auch mein Fleisch wird wohnen in Sicherheit.
Denn du überlässt mein Leben nicht der Totenwelt;
du lässt deinen Frommen die Grube nicht schauen. - Kv
Ich sagte zum HERRN: Mein Herr bist du,
mein ganzes Glück bist du allein.
Du lässt mich den Weg des Lebens erkennen. /
Freude in Fülle vor deinem Angesicht,
Wonnen in deiner Rechten für alle Zeit. - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Exodus.
In jenen Tagen,
als die Israeliten sahen, dass die Ägypter ihnen nachrückten,
erschraken sie sehr.
und schrien zum Herrn.
Da sprach der HERR zu Mose: Was schreist du zu mir?
Sag den Israeliten, sie sollen aufbrechen.
Und du heb deinen Stab hoch,
streck deine Hand über das Meer und spalte es,
damit die Israeliten
auf trockenem Boden in das Meer hineinziehen können!
Ich aber will das Herz der Ägypter verhärten,
damit sie hinter ihnen hineinziehen.
So will ich am Pharao und an seiner ganzen Streitmacht,
an seinen Streitwagen und Reitern meine Herrlichkeit erweisen.
Die Ägypter sollen erkennen, dass ich der HERR bin,
wenn ich am Pharao, an seinen Streitwagen und Reitern
meine Herrlichkeit erweise.
Der Engel Gottes, der den Zug der Israeliten anführte, brach auf
und ging nach hinten
und die Wolkensäule brach auf
und stellte sich hinter sie.
Sie kam zwischen das Lager der Ägypter
und das Lager der Israeliten.
Die Wolke war da und Finsternis
und Blitze erhellten die Nacht.
So kamen sie die ganze Nacht einander nicht näher.
Mose streckte seine Hand über das Meer aus
und der HERR trieb die ganze Nacht
das Meer durch einen starken Ostwind fort.
Er ließ das Meer austrocknen
und das Wasser spaltete sich.
Die Israeliten zogen auf trockenem Boden ins Meer hinein,
während rechts und links von ihnen
das Wasser wie eine Mauer stand.
Die Ägypter setzten ihnen nach;
alle Pferde des Pharao, seine Streitwagen und Reiter
zogen hinter ihnen ins Meer hinein.
Um die Zeit der Morgenwache
blickte der HERR aus der Feuer- und Wolkensäule
auf das Lager der Ägypter
und brachte es in Verwirrung.
Er hemmte die Räder an ihren Wagen
und ließ sie nur schwer vorankommen.
Da sagte der Ägypter:
Ich muss vor Israel fliehen;
denn der HERR kämpft auf ihrer Seite gegen Ägypten.
Darauf sprach der HERR zu Mose:
Streck deine Hand über das Meer,
damit das Wasser zurückflutet
und den Ägypter, seine Wagen und Reiter zudeckt!
Mose streckte seine Hand über das Meer
und gegen Morgen flutete das Meer an seinen alten Platz zurück,
während die Ägypter auf der Flucht ihm entgegenliefen.
So trieb der HERR die Ägypter mitten ins Meer.
Das Wasser kehrte zurück
und bedeckte Wagen und Reiter,
die ganze Streitmacht des Pharao,
die den Israeliten ins Meer nachgezogen war.
Nicht ein Einziger von ihnen blieb übrig.
Die Israeliten aber waren auf trockenem Boden
mitten durch das Meer gezogen,
während rechts und links von ihnen
das Wasser wie eine Mauer stand.
So rettete der HERR an jenem Tag Israel aus der Hand der Ägypter.
Israel sah die Ägypter tot am Strand liegen.
Als Israel sah,
dass der HERR
mit mächtiger Hand an den Ägyptern gehandelt hatte,
fürchtete das Volk den HERRN.
Sie glaubten an den HERRN
und an Mose, seinen Knecht.
Damals sang Mose mit den Israeliten dem HERRN dieses Lied;
sie sagten:
Ich singe dem HERRN ein Lied,
denn er ist hoch und erhaben.
Ross und Reiter warf er ins Meer.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Das Buch "Exodus" erzählt den Anfang der Geschichte der zu einem Volk gewordenen Nachkommen der zwölf Söhne Jakobs von der Unterdrückung in Ägypten über die Befreiung, die wunderbare Rettung am Schilfmeer, den Weg durch die Wüste, den Bundesschluß am Sinai, den Bundesbruch, die Erneuerung des Bundes und die anschließende Errichtung des Zeltheiligtums als Zeichen der Gegenwart Gottes bei seinem Volk.
Ein Ereignis, das den Glauben und das Gottesverständnis des israelitischen Volkes zutiefst prägt, ist der Auszug aus Ägypten und die Rettung am Schilfmeer. Diese "Großtat" Jahwes steht paradigmatisch für die Zuwendung Gottes zu den Schwachen und Gebeugten, nicht nur mit Worten sondern auch mit Taten. Die Erfahrung der Mosegruppe, die aller Wahrscheinlichkeit nach zu den Arbeitssklaven des Pharaos Ramses II. (ca. 1290-1230 v. Chr.) gehörte, wird zum fundamentalen Ereignis der Heilsgeschichte, weil sie das Befreiungswalten Gottes und den Vorausblick auf sein endzeitliches Heilsschaffen bezeugt. Von den Propheten und den Psalmisten und auch im Neuen Testament wird immer wieder auf diese Urerfahrung der Befreiung zurückgegriffen.
Die Erzählung läßt verschiedene Stränge erkennen, wo nachträglich verschiedene Berichte mit einander verwoben wurden. Sehr deutlich erkennbar etwa bei der Schilderung des Durchzugs, wo zuerst von der Austrocknung des Meeres durch einen starken Wind, dann aber vom "Wasser, das links und rechts von den Israeliten wie eine Mauer stand" die Rede ist.
Den verschiedenen Schreibern ging es darum, den Auszug aus Ägypten nicht als Zugeständnis des Pharaos sondern als Befreiungstat Jahwes herauszustellen. Die Verwendung der Stilmittel des sogenannten "Jahwekrieges", z.B. der Gottesschrecken der die Ägypter befällt, die mirakelhafte Schilderung der Wolken- und Feuersäule und die Passivität und Hilflosigkeit des Volkes unterstreichen, daß einzig und allein Gott der Handelnde ist. Die beherrschende Gestalt dieses "Spiels der Befreiung" ist Gott. Die anderen Beteiligten, Mose, die Israeliten, die Ägypter und der Pharao, die Naturphänomene können nur auf das Tun Jahwes reagieren.
Kv - Dem HERRN will ich singen,
Machtvoll hat er sich kundgetan. - Kv
(Oder GL 312,4)
Ich singe dem HERRN ein Lied, /
denn er ist hoch und erhaben.
Ross und Reiter warf er ins Meer.
Meine Stärke und mein Lied ist der HERR,
er ist mir zur Rettung geworden. - Kv
Er ist mein Gott, ihn will ich preisen;
den Gott meines Vaters will ich rühmen.
Der HERR ist ein Krieger,
HERR ist sein Name. - Kv
Pharaos Wagen und seine Streitmacht warf er ins Meer.
Seine besten Vorkämpfer versanken im Roten Meer.
Fluten deckten sie zu,
sie sanken in die Tiefe wie Steine. - Kv
Deine Rechte, HERR, ist herrlich an Stärke;
deine Rechte, HERR, zerschmettert den Feind.
Du lenktest in deiner Güte das Volk, das du erlöst hast,
du führtest sie machtvoll zu deiner heiligen Wohnung. - Kv
Du wirst sie hinbringen und einpflanzen auf den Berg deines Erbes,
den du, HERR, zu deiner Wohnstätte gemacht hast, um dich niederzulassen,
zu einem Heiligtum, HERR, von deinen Händen gegründet.
Der HERR ist König für immer und ewig. - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Jesaja.
Jerusalem, dein Schöpfer ist dein Gemahl,
HERR der Heerscharen ist sein Name.
Der Heilige Israels ist dein Erlöser,
"Gott der ganzen Erde" wird er genannt.
Ja, der HERR hat dich gerufen
als verlassene, bekümmerte Frau.
Kann man denn die Frau seiner Jugend verstoßen?,
spricht dein Gott.
Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen,
doch mit großem Erbarmen werde ich dich sammeln.
Einen Augenblick nur verbarg ich vor dir mein Gesicht
in aufwallendem Zorn;
aber in ewiger Huld habe ich mich deiner erbarmt,
spricht dein Erlöser, der HERR.
Wie bei der Flut Noachs soll es für mich sein:
So wie ich damals schwor,
dass die Flut Noachs die Erde nie mehr überschwemmen wird,
so schwöre ich jetzt, dir nie mehr zu zürnen
und dich nie mehr zu schelten.
Mögen auch die Berge weichen
und die Hügel wanken -
meine Huld wird nicht von dir weichen
und der Bund meines Friedens nicht wanken,
spricht der HERR, der Erbarmen hat mit dir.
Ärmste, vom Sturm Gepeitschte, die ohne Trost ist:
Siehe,
ich selbst lege dir ein Fundament aus Malachit
und Grundmauern aus Saphir.
Aus Rubinen mache ich deine Zinnen,
aus Beryll deine Tore
und alle deine Mauern aus kostbaren Steinen.
Alle deine Kinder sind Schüler des HERRN
und groß ist der Friede deiner Kinder.
Du wirst auf Gerechtigkeit gegründet sein.
Du bist fern von Bedrängnis,
denn du brauchst dich nicht mehr zu fürchten
und bist fern von Schrecken;
er kommt an dich nicht heran.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die vierte Lesung der Osternacht ist Teil des Deuterojesaja, des "Evangelisten des ersten Testamentes", bei dem auch die vier Gottesknechtslieder zu finden sind. Nach dem letzten (Jes 52:13-53,12) hat die Redaktion eine Fülle von göttlichen Verheißungen angefügt: Vorgängiger Grund für das Heil Gottes ist das Leiden des Gottesknechtes, zumindest scheint das das Anliegen der Redaktion zu sein. Adressaten der Verheißungen sind Jerusalem und seine Bewohner. In Vv. 5-6 der Lesung wird Jerusalem direkt angesprochen. Dann ist es Gott selbst, der bis zum Ende der Lesung und darüber hinaus zu Wort kommt. Der Verfasser dieses Textes macht die Leser auf die Herkunft der Verheißungen aufmerksam: Drei Mal werden wir in der Lesung – im gesamten Abschnitt 54:1-17 fünf Mal - daran erinnert, aus wessen Mund diese Worte kommen: V. 6 "dein Gott." V. 8 "dein Erlöser, der Herr." Und V. 10 "der Herr, der Erbarmen hat mir dir." Damit wird Wesentliches von der Beziehung zwischen Gott und seinem Volk ausgesagt: Es ist ein Gott für ein bestimmtes Volk, in diesem Abschnitt nicht primär ein Gott aller Völker. Es ist ein Gott, der seinem Volk Gutes will, nämlich erlösen: "ga’al" (loskaufen) ist zunächst ein juridischer Begriff und meint die Pflicht eines Verwandten (des Lösers). Auch mit Gott steht das Volk Israel in einem solchen Verwandtschaftsverhältnis, durch das es Gott als seinen Löser ("go’el") ansieht. Jahwe ist nicht nur der Löser, er ist zudem auch barmherzig, eine Grundeigenschaft Gottes, die im Alten Testament fast ausschließlich Gott zugeschrieben wird.
Kv - Herr, du zogst mich herauf aus der Tiefe;
ich will dich rühmen in Ewigkeit. – Kv
(Oder GL 312,5)
Ich will dich erheben, HERR, /
denn du zogst mich herauf
und ließest nicht zu, dass meine Feinde sich über mich freuen.
HERR, du hast meine Seele heraufsteigen lassen aus der Totenwelt,
hast mich am Leben erhalten, sodass ich nicht in die Grube hinabstieg. - Kv
Singt und spielt dem HERRN, ihr seine Frommen,
dankt im Gedenken seiner Heiligkeit!
Denn sein Zorn dauert nur einen Augenblick,
doch seine Güte ein Leben lang. - Kv
Wenn man am Abend auch weint,
am Morgen herrscht wieder Jubel.
Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt,
HERR, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit. - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Jesaja.
So spricht der Herr:
Auf, alle Durstigen, kommt zum Wasser!
Die ihr kein Geld habt, kommt,
kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld
und ohne Bezahlung Wein und Milch!
Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt,
und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?
Hört auf mich,
dann bekommt ihr das Beste zu essen
und könnt euch laben an fetten Speisen!
Neigt euer Ohr und kommt zu mir,
hört und ihr werdet aufleben!
Ich schließe mit euch einen ewigen Bund:
Die Erweise der Huld für David sind beständig.
Siehe, ich habe ihn zum Zeugen für die Völker gemacht,
zum Fürsten und Gebieter der Nationen.
Siehe, eine Nation, die du nicht kennst, wirst du rufen
und eine Nation, die dich nicht kannte, eilt zu dir,
um des HERRN, deines Gottes, des Heiligen Israels willen,
weil er dich herrlich gemacht hat.
Sucht den HERRN, er lässt sich finden,
ruft ihn an, er ist nah!
Der Frevler soll seinen Weg verlassen,
der Übeltäter seine Pläne.
Er kehre um zum HERRN,
damit er Erbarmen hat mit ihm,
und zu unserem Gott;
denn er ist groß im Verzeihen.
Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken
und eure Wege sind nicht meine Wege - Spruch des HERRN.
So hoch der Himmel über der Erde ist,
so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege
und meine Gedanken über eure Gedanken.
Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt
und nicht dorthin zurückkehrt,
ohne die Erde zu tränken
und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen,
dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen,
so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt:
Es kehrt nicht leer zu mir zurück,
ohne zu bewirken, was ich will,
und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Dieser Text gehört noch zum zweiten Teil des Jesajabuches und ist im babylonischen Exil entstanden. Der Prophet spricht dem Volk das Heil Gottes zu.
In einem ersten Abschnitt ahmt der Prophet in seiner Heilszusage einen Händler auf dem Basar nach, der seine Ware anpreist: Wasser, Getreide, Wein, Milch ... alles ohne Geld.
Im zweiten Abschnitt wirbt Gott um das Volk und bietet ihm einen Bund an, der den Bund mit David übertrifft. Während die Könige sich ihre Völker mit Waffengewalt unterwerfen müssen, kommen nun alle Völker freiwillig zu ihrem Herrn.
Der dritte Abschnitt fordert auf, den Herrn zu suchen. Dies geschieht in der Umkehr zum Herrn. Dieser bietet sein Verzeihen an.
Der letzte Abschnitt beschreibt die Zuverlässigkeit und die Wirksamkeit des Wortes Gottes in Vergleichen mit dem Regen und Schnee und dem Wachsen des Samens.
Kv - Ihr werdet Wasser freudig schöpfen
aus den Quellen des Heils. – Kv
(Oder GL 312,6)
Siehe, Gott ist mein Heil;
ich vertraue und erschrecke nicht.
Denn meine Stärke und mein Lied ist Gott, der HERR.
Er wurde mir zum Heil. - Kv
Ihr werdet Wasser freudig schöpfen
aus den Quellen des Heils.
Dankt dem HERRN! Ruft seinen Namen an! /
Macht unter den Völkern seine Taten bekannt,
verkündet: Sein Name ist erhaben! - Kv
Singt dem HERRN, denn Überragendes hat er vollbracht;
bekannt gemacht sei dies auf der ganzen Erde.
Jauchzt und jubelt, ihr Bewohner Zions;
denn groß ist in eurer Mitte der Heilige Israels. - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Baruch.
Höre, Israel, die Gebote des Lebens;
merkt auf, um Einsicht zu erlangen!
Warum, Israel, warum lebst du im Gebiet der Feinde,
wirst alt in einem fremden Land,
bist unrein geworden, den Toten gleich,
wurdest gezählt zu denen, die in die Unterwelt hinabsteigen?
Du hast den Quell der Weisheit verlassen.
Wärest du auf Gottes Weg gegangen,
du wohntest in Frieden für immer.
Nun lerne, wo die Einsicht ist,
wo Kraft und wo Klugheit,
dann erkennst du zugleich,
wo langes Leben und Lebensglück,
wo Licht für die Augen und Frieden zu finden sind!
Wer hat je ihren Ort gefunden?
Wer ist zu ihren Schatzkammern vorgedrungen?
Doch der Allwissende kennt sie;
er hat sie in seiner Einsicht entdeckt.
Er hat ja die Erde für immer gegründet,
er hat sie mit vierfüßigen Tieren bevölkert.
Er entsendet das Licht und es eilt dahin;
er ruft es zurück und zitternd gehorcht es ihm.
Froh leuchten die Sterne auf ihren Posten.
Ruft er sie,
so antworten sie: Hier sind wir.
Sie leuchten mit Freude für ihren Schöpfer.
Das ist unser Gott;
kein anderer gilt neben ihm.
Er hat den Weg der Erkenntnis ganz erkundet
und hat sie Jakob, seinem Diener, verliehen,
Israel, seinem Liebling.
Dann erschien sie auf der Erde
und lebte mit den Menschen.
Sie ist das Buch der Gebote Gottes,
das Gesetz, das ewig besteht.
Alle, die an ihr festhalten, finden das Leben;
doch alle, die sie verlassen, verfallen dem Tod.
Kehr um, Jakob, ergreif sie!
Geh in ihrem Glanz den Weg zum Licht!
Überlass deinen Ruhm keinem andern
und deinen Vorzug keinem fremden Volk!
Glücklich sind wir, das Volk Israel;
denn wir wissen, was Gott gefällt.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Die ältesten Textzeugen für das Buch Baruch sind griechisch. Nach eigener Angabe soll das Buch vom Sekretär des Propheten Jeremia während der Exilszeit verfaßt worden sein. Es wird zuerst den in Babel lebenden Israeliten vorgelesen und soll dann nach Jerusalem geschickt werden, um auch dort vorgetragen zu werden. Die heutige Gestalt dürfte der Text im ersten vorchristlichen Jahrhundert erhalten haben.
Grundsätzlich neue Ideen bringt das Buch Baruch nicht, seine Leistung ist eine Zusammenschau von geschichtlichen, weisheitlichen und prophetischen Texten des Alten Testaments. In der Hoffnung auf die Bestrafung der fremden Herren unterstreicht es die loyale Haltung zum Tempel und den mosaischen Gesetzen und das Vertrauen auf die Verheißungen Gottes.
Der Lesungsabschnitt greift einen Teil aus der Mahnrede von Baruch heraus. In diesem Text spricht der Autor aus, worauf es ihm ankommt und was er mit seiner Schrift erreichen will: Israel soll lernen, die Dinge "weise" anzupacken, sich richtig zu verhalten und das Leben gut zu gestalten. Dabei geht es nicht um eine abstrakte, philosophische Weisheit, sondern um anzuwendende Weisheit, Verstehen, Erkenntnis und Einsicht. Um die Situation des Volkes zu verbessern, ist es notwendig, die Gesetze Gottes zu befolgen und die Größe Gottes anzuerkennen. Dann sind es die Gesetze, die zum Leben führen, die Weisheit, die Rat und Hilfe gibt.
Der Grund für den Zustand, in dem sich das Volk befindet, das Exil, ist, daß Israel seinen Gott verlassen hat. Es hat keinen Sinn, bei Menschen auch nicht bei anderen Völkern nach der Weisheit zu fragen, denn nur Gott kennt den Weg der Weisheit. Er ist der Gott Israels, der Schöpfer und damit der einzige Gott. Er wählt nicht das Mächtige, Große und Berühmte um es mit Weisheit auszustatten, vielmehr hat Gott die Weisheit seinem Volk gegeben. Die Gebote Gottes sollen das Volk zu Leben und Glück führen. Sich nicht an die Gebote, an die Weisheit Gottes zu halten führt zu Unheil und Tod: Umkehr ist notwendig, der falsche Weg muß verlassen werden. Kein anderes Volk soll sich rühmen können, die Weisheit zu besitzen, was eintreten könnte, wenn das Volk Israel nicht der göttlichen Weisung folgt und so ins Unglück gerät.
Kv - Herr, du hast Worte des ewigen Lebens. - Kv
(Oder Gl 312,7)
Die Weisung des HERRN ist vollkommen,
sie erquickt den Menschen.
Das Zeugnis des HERRN ist verlässlich,
den Unwissenden macht es weise. - Kv
Die Befehle des HERRN sind gerade,
sie erfüllen das Herz mit Freude.
Das Gebot des HERRN ist rein,
es erleuchtet die Augen. - Kv
Die Furcht des HERRN ist lauter,
sie besteht für immer.
Die Urteile des HERRN sind wahrhaftig,
gerecht sind sie alle. - Kv
Sie sind kostbarer als Gold, als Feingold in Menge.
Sie sind süßer als Honig, als Honig aus Waben.
Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen;
reichen Lohn hat, wer sie beachtet. - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Ezechiel.
Das Wort des HERRN erging an mich:
Menschensohn,
als die vom Haus Israel in ihrem Land wohnten,
machten sie es durch ihre Wege und ihre Taten unrein.
Da goss ich meinen Zorn über sie aus,
weil sie Blut vergossen im Land
und es mit ihren Götzen befleckten.
Ich zerstreute sie unter die Nationen;
in die Länder wurden sie vertrieben.
Nach ihren Wegen und nach ihren Taten habe ich sie gerichtet.
Als sie aber zu den Nationen kamen,
entweihten sie überall, wohin sie kamen,
meinen heiligen Namen;
denn man sagte von ihnen:
Das ist das Volk des HERRN
und doch mussten sie sein Land verlassen.
Da tat mir mein heiliger Name leid,
den das Haus Israel bei den Nationen entweihte,
wohin es auch kam.
Darum sag zum Haus Israel:
So spricht GOTT, der Herr:
Nicht euretwegen handle ich, Haus Israel,
sondern um meines heiligen Namens willen,
den ihr bei den Nationen entweiht habt,
wohin ihr auch gekommen seid.
Meinen großen, bei den Nationen entweihten Namen,
den ihr mitten unter ihnen entweiht habt,
werde ich wieder heiligen.
Und die Nationen
- Spruch GOTTES, des Herrn -
werden erkennen, dass ich der HERR bin,
wenn ich mich an euch vor ihren Augen als heilig erweise.
Ich nehme euch heraus aus den Nationen,
ich sammle euch aus allen Ländern
und ich bringe euch zu eurem Ackerboden.
Ich gieße reines Wasser über euch aus,
dann werdet ihr rein.
Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen.
Ich gebe euch ein neues Herz
und einen neuen Geist gebe ich in euer Inneres.
Ich beseitige das Herz von Stein aus eurem Fleisch
und gebe euch ein Herz von Fleisch.
Ich gebe meinen Geist in euer Inneres
und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt
und auf meine Rechtsentscheide achtet und sie erfüllt.
Dann werdet ihr in dem Land wohnen,
das ich euren Vätern gegeben habe.
Ihr werdet mir Volk sein und ich,
ich werde euch Gott sein.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Gedeutete Geschichte: Israels Zerstreuung unter den Völkern wird von dem Propheten Ezechiel verstanden als Strafe. Durch sein Verhalten hat Israel das ihm anvertraute Land „unrein“ gemacht. Angesprochen werden der Götzendienst und das Blutvergießen. Obwohl nicht näher spezifiziert, setzt der Prophet voraus, dass die Menschen eine Verbindung zu ihrer Geschichte herstellen – und ihr Geschick verstehen. Ezechiel wendet dann den Blick: Selbst in der Fremde entweihen sie „überall, wohin sie kamen“ den heiligen Namen Gottes. Der Prophet deutet auch an, wie das geschieht: Das Volk Jahwes habe sein Land verlassen müssen, sei also in Ungnade gefallen – sagt „man“. Was die Leute sagen, nimmt sich Gott zu Herzen. Auf ihn fällt die Erfahrung Israels zurück – und wird von ihm angenommen. Ezechiel kündet einen neuen Anfang an: Gott wird seinen Namen wieder heiligen – indem er vor den Augen der Völker Israel herausholt, sammelt und in sein Land bringt. Betont: „Nicht euretwegen handle ich, Haus Israel, sondern um meines heiligen Namens willen.“
In drei Sätzen legt der Prophet die Verheißung eines neuen Anfangs aus: „Ich gieße reines Wasser über euch aus …“ Ich schenke euch ein neues Herz … Ich lege meinen Geist in euch … Es ist eine Steigerung, die allerdings auch weit über das hinausgeht, was geschichtlich erfahrbar sein kann. Dass Israel wieder in dem Land wohnt, „das ich euren Vätern gab“, belegt zwar, dass – wie in der alten Bundesformel – Israel „mein Volk“ und „ich euer Gott“ bin, aber das reine Wasser, das neue Herz, Gottes Geist sind Gaben, auf die kein Rückblick möglich ist, wohl aber Bitte und Hoffnung. Es gehört zum Geheimnis des heiligen Namens, dass Menschen zu keiner Zeit sagen können, sie könnten ihre Geschichte mit Gott abschließen.
Zu Pfingsten tritt die Kirche in eine Hoffnungsgeschichte ein, die lange vor ihr von Gott um seines Namen willen angefangen hat.
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden,
sind auf seinen Tod getauft worden.
Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod,
damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters
von den Toten auferweckt wurde,
in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln.
Wenn wir nämlich mit der Gestalt seines Todes verbunden wurden,
dann werden wir es auch
mit der seiner Auferstehung sein.
Wir wissen doch:
Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt,
damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde,
sodass wir nicht mehr Sklaven der Sünde sind.
Denn wer gestorben ist,
der ist frei geworden von der Sünde.
Sind wir nun mit Christus gestorben,
so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.
Wir wissen,
dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt;
der Tod hat keine Macht mehr über ihn.
Denn durch sein Sterben
ist er ein für alle Mal gestorben für die Sünde,
sein Leben aber lebt er für Gott.
So begreift auch ihr euch als Menschen,
die für die Sünde tot sind,
aber für Gott leben in Christus Jesus.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Verse 6,1-4:
Im Text Röm 6,1-11 zeigt Paulus auf, daß in der Taufe eine neue Lebensgemeinschaft mit Christus begründet wird. Wenn Paulus in Röm 5 meint, daß einer großen Sünde eine immer noch größere Gnade gegenüberstehe, so stellt er in Röm 6,1 die rhetorische Frage, ob wir etwa in der Sünde bleiben sollen, damit die Gnade weiter zunehme.
Das soll jedoch keineswegs geschehen, denn durch die Taufe haben wir eine neue Existenzweise; wir sind für die Sünde gestorben, und können folglich nicht mehr in der Sünde leben. Die Formulierung "auf Jesus getauft sein" ist für Paulus bereits ein terminus technicus für einen Ritus. Im Unterschied zu Johannes dem Täufer wird jetzt auf Christus getauft. Bei der Taufe zieht der Täufling gleichsam Christus an und gehört nun Gott an. Das "mit Christus sterben" wird gedeutet als "mit Christus begraben werden", damit auch wir, wie er, von den Toten auferweckt werden. Die Taufe ist somit Beginn eines neuen Lebens, welches erst im Tod zur Vollendung gelangt.
Verse 6,5-7:
Die Taufe ist nicht nur ein äußerliches Zeichen, sondern bewirkt auch das Zusammenwachsen mit Christus; sogar mit seinem Tod. In den Versen 6 und 7 wird die Aussage von V. 5 näher interpretiert: Der alte Mensch ist der Mensch vor der Taufe, der in Sünde lebt. Unser alter Mensch wird in Christus mitgekreuzigt, damit der Leib der Sünde vernichtet werde und wir als neue Menschen auferstehen.
Verse 8-11:
Wenn wir mit Christus gestorben sind, so sind wir auch mit ihm auferstanden. Aufgrund des Zeugnisses der Überlieferung wissen wir, daß Christus nicht mehr stirbt und der Tod keine Macht mehr über ihn hat.
Vers 11:
In der Taufe vollzieht sich ein Herrschaftswechsel. Wir gehören nicht mehr der Macht des Bösen, sondern Christus an.
Kv - Halleuja, Halleluja, Halleluja - Kv
Oder: GL 312,9
Dankt dem HERRN, denn er ist gut,
denn seine Huld währt ewig!
So soll Israel sagen:
Denn seine Huld währt ewig. - Kv
Die Rechte des HERRN, sie erhöht,
die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie.
Ich werde nicht sterben, sondern leben,
um die Taten des HERRN zu verkünden. - Kv
Ein Stein, den die Bauleute verwarfen,
er ist zum Eckstein geworden.
Vom HERRN her ist dies gewirkt,
ein Wunder in unseren Augen. - Kv
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
Am ersten Tag der Woche
gingen die Frauen
mit den wohlriechenden Salben, die sie zubereitet hatten,
in aller Frühe zum Grab.
Da sahen sie,
dass der Stein vom Grab weggewälzt war;
sie gingen hinein,
aber den Leichnam Jesu, des Herrn, fanden sie nicht.
Und es geschah,
während sie darüber ratlos waren,
siehe, da traten zwei Männer in leuchtenden Gewändern zu ihnen.
Die Frauen erschraken und blickten zu Boden.
Die Männer aber sagten zu ihnen:
Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?
Er ist nicht hier,
sondern er ist auferstanden.
Erinnert euch an das, was er euch gesagt hat,
als er noch in Galiläa war:
Der Menschensohn
muss in die Hände sündiger Menschen ausgeliefert
und gekreuzigt werden
und am dritten Tag auferstehen.
Da erinnerten sie sich an seine Worte.
Und sie kehrten vom Grab zurück
und berichteten das alles den Elf und allen Übrigen.
Es waren Maria von Magdala,
Johanna und Maria, die Mutter des Jakobus,
und die übrigen Frauen mit ihnen.
Sie erzählten es den Aposteln.
Doch die Apostel hielten diese Reden für Geschwätz
und glaubten ihnen nicht.
Petrus aber stand auf und lief zum Grab.
Er beugte sich vor,
sah aber nur die Leinenbinden.
Dann ging er nach Hause,
voll Verwunderung über das, was geschehen war.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Mit der Erzählung vom leeren Grab beginnt Lukas wie die anderen Evangelien den Osterbericht. Nach dem Ruhetag gehen die Frauen schon am frühesten Morgen zum Grab. Ihr Eifer und ihre Sehnsucht, die darin zum Ausdruck kommt, wird gebremst durch die unerwartete Situation des offenen Grabes. Die Frauen verstehen nicht, auch nicht, als sie feststellen müssen, daß das Grab leer ist. Sie denken weder an einen Diebstahl des Leichnams wie bei Matthäus und schon gar nicht an die Auferstehung. Das leere Grab für sich führt nicht zum Glauben. Zwei Gottesboten verkünden ihnen die Osterbotschaft: Jesus ist nicht tot, er lebt, weil Gott ihn auferweckt hat. Ein Lebender ist nicht an einem für Tote bestimmten Ort zu finden. Die Botschaft von der Auferstehung ist zugleich auch ein Denkanstoß. Bezeichnend für die lukanische Akzentuierung ist, daß die Sendung nach Galiläa fehlt: Jerusalem ist die Heilige Stadt, in der Jesus seine Sendung zu vollenden hat und von dort geht auch die Botschaft der Auferstehung aus (Apg 1,8).
Die Frauen sollen sich an die Verkündigung Jesu selber erinnern. Erst im Zusammenhang mit dem Leben Jesu kann der österliche Glaube beginnen. Aus der anfänglichen Furcht wird Verstehen und die Frauen werden zu Zeuginnen der Auferstehung. Ohne daß sie eines Auftrages bedürfen, werden die Frauen Verkünderinnen der Osterbotschaft. Drei von den Frauen werden mit Namen genannt. Maria von Magdala findet sich in allen vier Traditionen, Lukas nennt auch noch Johanna (die Frau des Chuza, Lk 8,3) und Maria die Mutter des Jakobus. Im Unterschied zu den anderen Evangelien ist auch noch von anderen Frauen die Rede. Einige Exegeten gehen davon aus, daß parallel zum Zwölferkreis auch ein Frauenkreis existierte, bei dem Maria von Magdala eine Art Führungsrolle gehabt haben dürfte.
Frauen sind die ersten Zeuginnen der Auferstehung Jesu. In den Aposteln findet der Osterglaube Widerstand. Nur Petrus läßt sich "bewegen", er steht auf und geht zum Grab, er überzeugt sich, ob das Grab wirklich leer ist. Aber auch er verläßt das Grab wieder, ohne die Osterbotschaft auch nur zu erwägen. Petrus bleibt in der Verwunderung stecken, kommt noch nicht zum Glauben. Das leere Grab allein ist kein eindeutiger Beweis auch wenn der Evangelist davon überzeugt ist, daß nach der Auferweckung der Leichnam Jesu nicht mehr im Grab sein kann.
Es gibt vieles, was uns verzweifeln lassen könnte. Können wir noch auf dieser Welt entdecken, was Hoffnung schenkt?“ Ist diese Welt noch lebenswert? Sollen wir noch ja sagen zum Kind? Die Stimmung unter den Menschen, in den Gesellschaften wird immer rauer und kälter. Egoismus in unserem persönlichen Leben wie auch unter den Staaten belasten uns. Auch in Deutschland steigt die Arbeitslosigkeit. Gerade die jungen Menschen machen sich Sorgen um das Klima. Werden wir noch in einer Welt leben können, die lebenswert ist? Bedrohen uns nicht zunehmend Naturkatastrophen. Ganz zu schweigen von den Sorgen um den Frieden in der Welt. Viele haben geglaubt, dass Militär und Kriege – zumindest in Europa – der Vergangenheit angehören. Dazu kommen die Belastungen und Sorgen im eigenen Leben. Ehen sind zerrüttet. Berufliche Pläne scheitern. Krankheiten und Sterben bestimmen unser Leben.
Es gibt ein Wort, das ein Mensch - Dietrich Bonhoeffer - in einer Situation gesprochen hat, die viele andere hätte verzweifeln lassen. „Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln…“
Vor 80 Jahren wurde er hingerichtet. Er hatte Widerstand geleistet gegen das Regime der Nationalsozialisten. Bonhoeffer gab – sicher mit vielen anderen Männern und Frauen – ein Zeichen für das Leben. Das Regime der Nationalsozialisten verachtete menschliches Leben. Es brachte Tod und Leid über die Menschen. Bonhoeffer konnte diesen Widerstand nur leisten, weil er einen ganz tiefen Glauben daran hatte, dass Jesus auferstanden ist. Darum konnte er auch in der Haft, als er auf seine Hinrichtung wartete, das Lied dichten „Von guten Mächten wunderbar geborgen…“ Darum konnte er auch sagen: „Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln.“
Dieser Osterglaube kann auch durch viele Zweifel und Fragen gehen. Wenn wir in das Evangelium schauen, dann spüren wir, wie schwer sich die Menschen taten, zu glauben, was die Frauen verkündeten. „Weibergeschwätz.“ Frauen wurden damals nicht immer sehr ernst genommen, Männer stehen ja mitten im Leben, sind Realisten… Viele Christen unserer Zeit glauben ebenso wenig daran, dass es eine Auferstehung gibt.
Von Petrus hören wir, dass er voller Verwunderung war. Bei der Verwunderung fängt der Glaube an. Es gibt zwischen Himmel und Erde mehr als das, was ich sehen und beweisen kann. Ich bin offen für das, was mich verwundert, worüber ich staunen kann.
Petrus und auch die anderen Apostel kamen erst langsam zum Glauben an Ostern, an die Auferstehung von Jesus. Er brauchte es, dass Jesus ihm begegnete. Noch vor ein paar Tagen haben wir gehört, dass Petrus Jesus verleugnete. Später werden er und alle anderen Apostel dann die Botschaft „Jesus ist auferstanden“ verkünden und für diese Botschaft ihr Leben hingeben. Wer Jesus so hautnah erfahren hat, wer so tief erfüllt ist von der Botschaft „Jesus ist auferstanden“ kann nicht mehr anders als diese Botschaft der Hoffnung und der Freude den Menschen zu verkünden.
Diese Botschaft lässt Menschen nicht mehr verzweifeln, wenn sie dunkle Stunden erleben. Österliche Menschen verzweifeln nicht. Sie glauben an den Sieg des Lebens über den Tod, weil Gottes Macht stärker ist.
Wir haben es in den Lesungen aus dem Alten Testament gehört, wo Tod und Verzweiflung herrschten, griff Gott ein. Dort siegte das Leben über den Tod. Gottes Kraft ließ das Leben entstehen aus dem Nichts, mehr noch aus Liebe. Allein durch Gottes Kraft konnte das Volk Israel dem mächtigen Pharao entkommen. Die Propheten führten das Volk immer zum Leben spendenden Gott zurück.
Als Christen leben wir mitten in der Welt. Wir sehen alle Herausforderungen, denen wir ausgesetzt sind. Wir stehen im Leben, doch richten wir – wie es Paulus einmal geschrieben hat – unseren Blick auf das Himmlische. Wir richten unseren Blick auf unser Ziel, einmal in der Nähe Gottes zu leben.
Dort, wo wir uns unseren Problemen und Sorgen stellen, wo wir uns für das Leben einsetzen, so wie es Bonhoeffer getan hat und auch in unserer Zeit Menschen tun, dort leben wir aus der Auferstehung. Dort sprechen wir unser Ja zum Leben. Wenn junge Menschen Kindern das Leben schenken, sprechen sie ein Ja zum Leben. Jedes Kind ist ein Beweis, dass Gott seine Schöpfung noch nicht aufgegeben hat. Martin Luther hat das berühmte Wort gesagt: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterging, ich würde heute noch einen Apfelbaum pflanzen.“ Wer so redet und in dieser Haltung inmitten von Schwerem und Anfechtungen lebt, gibt ein Zeugnis vom Gott des Lebens, der Jesus von den Toten auferweckt hat.
„Wer Ostern kennt, wer an Ostern glaubt, kann nie verzweifeln.“
Ostern 2022 ist überschattet von den Kriegsereignissen in der Ukraine. Das Todesmotiv beherrscht unser Empfinden und macht uns ratlos. Die erste Konfrontation mit der Osterbotschaft von der Auferstehung Jesu löst bei den Frauen und den Jüngern Irritation aus, da sie den Leichnam Jesu nicht finden. Die Worte der Engel bleiben uns im Ohr und erschließen uns Ostern.
Das Ende der Geschichte war nicht zu erwarten! Drei Frauen werden namentlich erwähnt - Maria von Magdala, Johanna, Maria, die Mutter des Jakobus. Viele andere Frauen waren dabei. Namenlos. Früh am Morgen waren sie zum Grab gegangen, in das Jesus gelegt worden war. Sie wollten ihn einsalben. Sie wollten noch einmal seinen Körper schön machen. Ihm noch einmal nahe sein. Er ist gekreuzigt worden. Gekreuzigt! Qualvoll ist er erstickt. Er musste den Tod eines Verbrechers sterben. Er, der unschuldig und gerecht war, voller Liebe. Jetzt ist der 1. Tag der Woche angebrochen. Hatte Gott nicht am ersten Tag das Licht geschaffen?
Dann sehen die Frauen, dass der Stein weggewälzt ist. Der schwere Stein, der die Welt der Lebenden und der Toten auseinanderhält. Ausgerechnet jetzt. Aufgeschreckt, überrascht, ängstlich wagen die Frauen es, in das Grab zu sehen. Was sie sehen? Leere. Eine entsetzliche Leere. Jesus ist nicht mehr da. Ratlos schauen sie sich an. Sie sagen nichts.
Zwei Engel, leuchtend, sprechen sie an. Was sie sagen, ist ungeheuerlich:
Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?
Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden.
Erinnert euch an das, was er euch gesagt hat,
als er noch in Galiläa war:
Der Menschensohn muss in die Hände sündiger Menschen ausgeliefert
und gekreuzigt werden
und am dritten Tag auferstehen.
Klar doch: Vorgestern ist er gestorben. Jetzt ist der dritte Tag – und der erste Tag der Woche. Aber den Frauen hat es die Sprache verschlagen. Lippen verschließen die Worte. Damit keiner auf dumme Gedanken kommt, den Frauen etwas vorzuwerfen oder nachzusagen. Es ist ungeheuerlich!
Das Ende der Geschichte war nicht zu erwarten! Dieses Ende nicht!
Heute hören wir die Geschichte von der Auferstehung Jesu aus der Feder des Lukas. Ein Meistererzähler! Er schafft mit Worten eine neue Welt, während ich an einzelnen Worten hängenbleiben darf. Ich bin gerade ratlos. Das Evangelium legt mir auch dieses Wort in den Mund. Ratlos. Geadelt von den Frauen. Von denen mit Namen, von denen ohne Namen.
An vielen Orten wird Ostern gefeiert: bei Katholiken und Protestanten. Die Orthodoxen Kirchen feiern Ostern 1 Woche später. Sie feiern am diesem Wochenende den Palmsonntag.
In der Osternacht wird vom Leben erzählt, in der Osternacht wird das Leben besungen. In der Osternacht wünschen Menschen einander Frieden. Doch draußen ist die Welt kaputt. Kaputt gemacht.
In dieser Nacht denken wir an Menschen, die gefoltert, gefesselt und erschossen werden. An Menschen, die in Massengräbern verscharrt werden. An Menschen, die gehasst werden. Einfach so. Ratlos schaue ich zu, wie festlich gewandet die hohe Geistlichkeit in Moskau Ostern zelebriert. Die Luft ist von Mythos und Pathos geschwängert. Der Krieg wird nicht verurteilt. Die Wahrheit nicht gesagt. Das Evangelium nicht ernst genommen. Der Auferstandene wird in einem Ritus zum Schweigen gebracht.
Ich bin ratlos. Man kann auch zu Ostern den Tod feiern.
ER ist nicht hier,
ER ist auferstanden.
Die beiden Männer in ihren leuchtenden Gewändern gehen überall dahin, wo Menschen unter dem Tod leiden, wo Menschen keine Hoffnung mehr haben, wo Menschen nicht mehr wissen, ob sie noch leben oder schon tot sind.
Ich möchte einer von den Engeln sein!
Haben Sie das Gehörte noch im Ohr? Die Frauen eilen zu den Jüngern Jesu, um ihnen alles zu berichten. Von dem Stein, von den Männern in leuchtenden Gewändern, von der Botschaft: Jesus ist auferstanden. Doch die Reaktion ist – sie hielten diese Reden für Geschwätz! Für dummes Zeug! Typisch Frau? Ehrlicherweise, das sagen sie nicht. Zumindest erzählt es Lukas nicht. Ob sie es gedacht haben? In der Osternacht wollen wir den Jüngern nichts unterstellen. Aber eins ist sicher: die Osterbotschaft wird zum ersten Mal von Frauen weitergegeben. Von Frauen, die sonst nicht einmal als Zeugen vor Gericht gehört wurden. Gehört werden durften. Die Wahrheit war immer schon Männersache! Bis Ostern! Jetzt ist auch das vorbei. Maria von Magdala, Johanna, Maria, die Mutter des Jakobus und dann noch die vielen anderen Frauen – sie sind DIE Zeugen. Ob Lukas mal nach Rom schreiben soll?
Petrus, der alte Haudegen, muss natürlich nachschauen. Sich vergewissern. Wohl auch seinen Senf dazugeben. Wir sehen ihn zum Grab laufen. Laufen! Auch er beugt sich vor, sieht die Leinenbinden und kehrt dann auch schnell wieder zurück. Was hat er denn jetzt gesehen? Was hat er gesehen, was er nicht schon gehört hatte? Was kann er jetzt Neues sagen?
Kein Mensch hat gesehen, wie Jesus aus dem Grab herausgetreten ist. Aber alle sehen die leere Stelle. Richtig: An diesem Morgen ist der Tod leer. Ausgezogen. Weggebracht.
ER ist nicht hier,
ER ist auferstanden
In dieser Nacht, an diesem Morgen gerät die Welt aus den Fugen. Die alten Ordnungen, Machtstrukturen, Selbstverständlichkeiten – sie gelten nicht mehr. Die Ängste, das Schweigen, die Trauer – sie sind überwunden. Der Hass, die Lüge, die Verschwörungstheorien – sie haben keine Zukunft.
Die beiden Männer in ihren leuchtenden Gewändern gehen überall dahin, wo Menschen unter dem Tod leiden, wo Menschen keine Hoffnung mehr haben, wo Menschen nicht mehr wissen, ob sie noch leben oder schon tot sind.
Ich möchte einer von den Engeln sein!
Frohe Ostern!
Und der Friede Gottes,
der höher ist als unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Christus Jesus,
unserem Herrn.
PS: Ich fühle mich wie Petrus. Aber dann doch nicht so ganz. Petrus geht nach Hause, voll Verwunderung über das, was geschehen war – ich bin eher irritiert.
Die Osternachtfeier fasst die ganze Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk zusammen. Angefangen bei der Erschaffung der Welt bis hin zum neuen Leben mit dem auferstandenen Christus als Getaufte.
Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaft auferstanden!
Aber ist das nicht alles nur Geschwätz, der Fantasie von ein paar Frauen entsprungen, die damals von den Aposteln genau so wenig für voll genommen wurden, wie heute von ihren Nachfolgern. Petrus ließ es trotzdem nicht los, er musste sich selbst überzeugen, doch alles was er entdeckte war ein leeres Grab und ein paar Leinenbinden, keine Boten, die ihm auf die Sprünge halfen. Ratlos, voll Verwunderung geht er nach Hause. Und doch ist da die Aufforderung der Boten an die Frauen: Erinnert Euch an das, was er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war!
Darum die vielen Lesungen in der heutigen Osternacht, die Feier des Abendmahls am Gründonnerstag und des Leidens und Sterbens Jesu am Karfreitag, auch wir sollen uns erinnern an Jesus, an seinen Vater und an die Botschaft für die Jesus sein Leben eingesetzt hat.
Erinnern ist aber im Verständnis des auserwählten Volkes kein Schwelgen in Nostalgie und auch keine Übung billiger Folklore, sondern die Vergegenwärtigung von Erfahrungen, als seien sie an uns heute geschehen. So feierte auch Jesus das Pessach, das Passah-Mahl, die Erinnerung an den befreienden Gott der Geschichte: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Sklavenhaus Ägyptens befreit hat.“ Israel erfährt Gott, als einen Gott des Lebens, der die Schwachen schützt, die Unterdrückten befreit, einen Gott, der da ist und mit seinem Volk den Weg in die Freiheit geht, so wie Mose ihn schon im brennenden Dornbusch erlebte, als „Jahwe“ – "ich bin, der ich bin da", und wie sie ihn erlebt haben, beim Zug durchs rote Meer, wo das, was das Leben bedroht, Waffen und Streitwagen einer übermächtigen Armee, in den Fluten versank. Israel bringt nach dieser Erfahrung Gottes, auch all seine geschichtlichen Überlieferungen mit diesem befreienden Gott des Lebens in Verbindung und deutet sie als Beziehungsgeschehen.
Da sind die Überlieferungen vom Stammvater Abraham, der das Leben suchte, Familie, Verwandtschaft und Heimat verlässt, im Vertrauen auf diesen Gott des Lebens. Abraham, der sich dem Priesterkönig Melchisedek unterordnet, Weiderechte und Schutz erkauft und dafür auch die Opferung der Erstgeburt als göttliche Weisung akzeptiert. Bis er selbst diesem Gott des Lebens in den drei Fremden unter den Eichen von Mamré begegnet, seine Frau Sarah noch im hohen Alter einen Sohn gebiert, und er mit seinem Sohn Isaak den Weg zum Berg Moria, dem heutigen Tempelberg in Jerusalem, hinaufsteigt. Abraham ringt mit seinem Gewissen, er entscheidet sich gegen das königlich-göttliche Gesetz des Kindesopfers und erkennt in der Entscheidung für das Leben den Boten Gottes, den Engel des Herrn: Kein Mensch darf dem Gesetz geopfert werden, selbst wenn es sich als göttlich ausgibt. Gott belohnt diese Gewissensentscheidung des Abraham und macht ihn zum Vater aller Glaubenden.
Wir hörten es in der zweiten Lesung und so verkündeten es auch alle Propheten, Gott will keine Opfer, er will unser Herz. Wenn der, dem Leben dienende Gott so groß ist, dass er selbst über dem Gesetz steht, dann können wir seine Handschrift auch in der gesamten Schöpfung finden und entziffern, davon berichtete die erste Lesung, dass dieser dem Leben dienende Wille Gottes, das Chaos ordnete und damit Räume schuf, in denen sich Leben entwickeln und entfalten kann. Selbst die angstmachende und lebensbedrohende Dunkelheit wird von Ihm begrenzt und hat fortan die positive Aufgabe, als Raum der Ruhe, der Erholung und Erneuerung, dem Leben zu dienen. „Und er sah alles, was er gemacht hatte: Es war sehr gut.“
Doch die Geschichte Israels mit seinem Gott ist eine Geschichte des Versagens, des Abfalls und der Sünde, aber ebenso der Barmherzigkeit Gottes und seiner bedingungslosen Liebe. Und so erfährt es auch der Prophet Ezechiel, Israel war aus dem eigenen Land vertrieben und unter die Völker zerstreut. Und warum? Gott selbst gibt die Antwort: Weil sie Blut vergossen im Land und das Land mit ihren Götzen befleckt haben. Es ist und bleibt der alte Unglaube an die rettende und erlösende Macht der Gewalt, der sich immer wieder über die Entscheidung und Erkenntnis Abrahams hinwegsetzt: Kein Mensch darf dem Gesetz geopfert werden!
Diesem Unglauben sieht sich auch Jesus konfrontiert, das römische Imperium hatte mit brutaler Gewalt Israel besetzt und hielt es unter Kontrolle. Auch damals sahen die Menschen nur zwei mögliche Wege, auf diese Gewalt zu reagieren: A) aus Feigheit und Angst sich zu unterwerfen, zu kollaborieren oder zu fliehen und B) zu rebellieren, selbst zur Waffe zu greifen und Gewalt anzuwenden. Jesus lehrt seine Jünger einen dritten, einen neuen Weg: einen Weg des Widerstands, der Nichtgewalt, einen Weg der Gewaltfreiheit und Liebe, die selbst den Feind einschließt, ein Weg des langen Atems, weil er der Weg Gottes ist. Kein leichter Weg, denn er erfordert die Bereitschaft, eher selbst Leid auf sich zu nehmen, als dem Anderen Leid zuzufügen.
So sagt es Jesus in allen Evangelien: „Wer mir nachfolgen will, nehme sein Kreuz auf sich.“ Und Jesus geht diesen Weg bis zum bitteren Ende am Kreuz und erst da merken seine Freunde: Das Kreuz ist nicht das Ende, sondern der Sieg des Lebens über den Tod. Mit der Erfahrung des geöffneten und leeren Grabes und des weggerollten Steins, wurden auch die Jüngerinnen und Jünger geöffnet für neue Begegnungen mit dem Auferstanden, wurde in ihnen die Bereitschaft geweckt, Ihm auf diesem Weg zu folgen. Die Teufelskreisläufe der Gewalt sind zerbrochen, die Liebe hat den Hass überwunden und die Angst ist einem tiefen inneren Frieden gewichen.
Und wieder ist es Gott, der uns einen Neuanfang ermöglicht, wie damals zur Zeit des Propheten Ezechiel: „Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein. Ich reinige euch von aller Unreinheit und von all euren Götzen. Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch“.
Dieser neue Geist der Liebe und der Achtung vor allem Leben, ist uns in der Taufe eingepflanzt worden, es ist der Geist Jesu, der uns aus der Rolle des unterdrückten Sklaven oder des prekär entlohnten Knechtes herausholt und uns zu Söhnen und Töchtern Gottes macht, zu Erben seines Reiches. So haben wir es vorhin im Brief des Apostels Paulus an die Römer gehört: „So sollt auch ihr euch als Menschen begreifen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus“. Für die Sünde tot sein, heißt aber, nicht mehr empfänglich sein für die Kriegsrhetorik, für die Illusion der Götzen der Gewalt, für das Verteufeln des Gegners, den Hass und die Angst. Stattdessen sollen wir uns als Menschen begreifen, die für Gott leben, der das Leben selbst ist, alles Leben, so sind wir in Ihm auch mit Allem verbunden. Fratelli Tutti, alles Geschwister, wie Papst Franziskus es in seiner Enzyklika formulierte.
In diese geschwisterliche Verbundenheit nimmt uns Jesus hinein, wenn er das Brot bricht, dem Vater dankt und spricht: Mein Leib, der für euch hingegeben wird, mein Blut, das für euch vergossen wird. Brot und Wein – wie alle Materie – fleischgewordene Liebe Gottes, Einladung, Jesus auf dem Weg der Gewaltfreiheit und Liebe zu folgen, denn so sagt ER es uns zu: „Ich bin der Weg, Auferstehen und Leben.“
Die biblischen Erzählungen liefern keinen Beweis für die Auferstehung Jesu. Um den Auferstehungsglauben zu verstehen muss man auf die Ebene persönlichen Glaubens wechseln. Aus dem Welt- und Gottesbild Jesu nährt sich unsere Hoffnung auf Auferstehung und ewiges Leben.
Arme Frauen! Niemand glaubt ihnen. Was sie am Ostermorgen gesehen und gehört haben, war eine Sensation sondergleichen, doch sie finden dafür kein Gehör. Petrus geht zwar hin, um sich sein eigenes Bild zu machen, was er dort vorfindet, behält er aber für sich.
Inzwischen haben Theologen und Kirchenleute aller Schattierungen hin und her überlegt, wie man diese Frohe Botschaft von der Auferstehung Jesu unter die Leute bringen könne, doch auch ihnen schenkt man wenig Gehör. Woran liegt es, dass diese zentrale Botschaft des Christentums nicht mehr Anklang findet?
Man kann die Sache aber auch umdrehen: Nun sind schon fast 2000 Jahre seit dem Tod Jesu vergangen und es gibt immer noch Leute, die sind fest überzeugt, er sei wirklich von den Toten auferstanden, er lebe und sei auch heute noch am Werk. Warum lässt sich dieser Glaube nicht ausrotten?
Wer den Glauben an die Auferstehung verstehen will, muss sich dieser Frage von einer anderen Seite her nähern, als dies häufig versucht wird. Es geht nicht um eine Sensationsmeldung, die man durch einen "Faktencheck" bestätigen oder widerlegen kann. Die Frauen, die Jesu Leichnam die letzte Ehre erweisen wollten, finden das Grab leer. Ein leeres Grab beweist noch gar nichts, es wirft bestenfalls Fragen auf. Sobald dann auch noch Engel mit religiösen Botschaften ins Spiel kommen, werden Kriminologen, Historiker oder sonstige wissenschaftlich denkende Menschen sich für nicht zuständig erklären.
Ähnlich ist es auch mit den Berichten, die von Jesus nahestehenden Personen erzählen, denen er nach seinem Tod begegnet sein will. Hier geht es um persönliche Glaubenserfahrungen und Deutungen. Diese sind insofern historisch interessant, als diese Überzeugungen gläubiger Menschen weitreichende gesellschaftliche Veränderungen ausgelöst haben. Kein Historiker kann dies leugnen. Anhänger Jesu sind so fest davon überzeugt, dass er von den Toten auferstanden ist, dass er lebt und in neuer Weise wirkt, dass sie diese Botschaft mit Einsatz ihres Lebens in die ganze damals bekannte Welt hinaustragen.
Die Auferstehung Jesu wird man als historisches Faktum heute weder beweisen noch widerlegen können. Wer heute auf die Frage nach der Auferstehung eine Antwort erhalten möchte, kann sich nur über einen persönlichen Glauben dieser Frage annähern. Dass viele Menschen dazu keine klare Meinung haben, irritiert mich nicht. Die Frage nach der Auferstehung der Toten, bzw. eines Weiterlebens nach dem Tod stellt sich normalerweise in unterschiedlicher Dringlichkeit. Wer mitten im Leben steht, hat oft keinen Anlass, sich mit solchen Fragen zu beschäftigen, bzw. tut dies mit dem gleichen Engagement wie mit der Frage, ob es Aliens gibt. Wenn dann noch hinzukommt, dass jemand ohne unmittelbare Berührung mit religiösen Menschen aufgewachsen ist, dem werden derartige Fragen fremd sein.
Anders ist es, wenn jemand sich von Menschen trennen muss, die einem ans Herz gewachsen sind. Im vergangenen Jahr habe ich mehrere Menschen verloren, die für mein Leben bedeutsam waren. Zu jedem von ihnen war die Beziehung einzigartig: so zu meinem Bruder, mit dem ich aufgewachsen bin, der in meinem Elternhaus lebte und für mich ein Stück Heimat verkörperte, oder zu einem Ordensmitbruder, mit dem ich viele Ideale und Ziele teilte, Aufgaben gemeinsam wahrnahm usw. Ähnlich erging es mir auch noch mit anderen Personen. Ich kann an das Fehlen dieser Menschen sachlich psychologisch herangehen und den Verlust aufarbeiten, wie man so sagt. Das beantwortet aber nicht meine Fragen nach dem Woher und Wohin ihres Lebens, meines Lebens, unseres Lebens, die mich angesichts ihres Todes beschäftigten.
Antwort auf diese Fragen finde ich vor allem im Weltbild Jesu von Nazareth. Mich fasziniert daran, dass ich mein Leben einem mich persönlich liebenden Schöpfer verdanke; einem Gott, der mir so viele Lebensmöglichkeiten mit auf meinen Weg gab, dass ich sie niemals hätte vollständig ausschöpfen können; einem Gott, der mit Wohlwollen auf unser aller Leben schaut und einen jeden von uns in Freiheit sehen will; einem Gott, der mir hilft, mich aus Abhängigkeiten von Ideologien und scheinbaren Sachzwängen zu befreien. (Das waren auch die Themen der Lesungen dieser Osternahtfeier.) Wie Jesus selbst traue ich diesem Gott zu, dass mein Leben nicht zu Ende ist, wo immer wir meinen, dass es darüber hinaus nichts weiter mehr geben könne.
Dieser Glaube hat Jesus selbst am Kreuz nicht verzweifeln lassen. Dieser Glaube hat seine Anhänger zum Schluss geführt, "dass er auferstehen musste". Dieser Glaube lässt mich hoffen, dass es auch für mich und für alle meine Lieben ein Leben gibt, das nicht so enden kann, wie es scheinbar geendet ist.
Vor dem Hintergrund dieses Glaubens Jesu lese ich die Berichte unserer Heiligen Schriften mit anderen Augen und finde ich sie für glaubwürdig. Mögen andere diese Erzählungen als Frauengeschwätz oder Phantasien religiöser Spinner abtun, für mich sind sie eine Brücke, die mich in eine unendliche Weite führt und meine Überzeugung nährt: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden!
Die diesjährige Oster-Nacht ist besonders dunkel nach den Anschlägen in Brüssel und der ganzen Dramatik in den Wochen davor. Die Oster-Nacht war dunkel für die Beteiligten damals in Jerusalem. Diese Nacht aber ist die Wende zum Tag, zum Leben, zum Licht der neuen Schöpfung. Eine Nacht, die den Tod entmachtet hat. Es ist wichtig, dass wir dies in Erinnerung halten und in Erinnerung rufen, wenn wir Osternacht feiern.
Was zu Ostern in Jerusalem geschehen ist, überrascht alle Beteiligten. Sie können es zunächst nicht glauben. Man braucht "Osteraugen", um diese Wahrheit glauben und annehmen zu können. Wem diese Osteraugen gegeben sind, der kann auch selbst dem Tod mit Zuversicht entgegengehen.
Von einem Mitbruder wird erzählt, dass er sich beim Predigen krampfhaft am Rednerpult, bzw. an der Kanzel festhielt und nie auch nur eine kleine Geste wagte. Ein Kollege wollte ihn ermutigen, seine Rede sowohl im Tonfall wie auch körpersprachlich etwas lebendiger werden zu lassen. Bei der Osterpredigt sei es ihm gelungen, ab und zu den linken oder den rechten Daumen zu bewegen und beim Satz "Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden!" habe er sogar beide Mittelfinger hochgehalten...
Nicht jeder liebt es theatralisch. - Ganz anders der Evangelist Matthäus. Er schildert die Auferstehung Jesu, wie sie vielleicht ein Hollywood-Regisseur inszeniert hätte. Die übrigen drei Evangelisten erzählen jedenfalls nicht vom Erdbeben, nichts von den Wächtern und auch die Engel verhalten sich bei ihnen viel dezenter.
Ein wenig kann ich die Not des biblischen Schriftstellers nachfühlen. Man kann doch nicht ein so großes Ereignis, das unsere Lebenswirklichkeit schlagartig so grundlegend verändert, sang- und klanglos über die Bühne gehen lassen. Die Stilelemente, die der Evangelist einsetzt, sind nicht an den Haaren herbeigezogen. Von alters her sind sie das Beiwerk einer Gotteserscheinung. Wenn Gott selbst eingreift, wenn Gott selbst tätig wird, dann erschüttert das nach diesen Vorstellungen die ganze Erde. Sie bebt, Blitz und Donner u. a. m. lassen den Menschen erzittern.
Dem Evangelisten Matthäus geht es dabei weniger um einen historischen Tatsachenbericht, wie wir es von einer modernen Nachrichtenagentur gewohnt sind. Er will mit Nachdruck darauf aufmerksam machen, was da Unvorstellbares geschehen ist.
Der Glaube, dass Jesus von den Toten auferstanden ist, und die Hoffnung, dass er auch uns nicht im Tod verkommen lässt, stellt wahrlich das ganze Leben unter ein neues Vorzeichen.
Der Tod bleibt zwar Tod, Krankheit bleibt Krankheit, Hass bleibt Hass und Unrecht bleibt Unrecht. Das Leiden daran bleibt auch Leiden, es fühlt sich aber anders an. Wer so auf Gott vertraut wie Jesus und wer so wie Jesus glauben kann, dass Gott auch ihn nicht dem Untergang überlässt, für den haben all diese Negativa den letzten Schrecken verloren. "Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?" (1 Kor 15,55), bringt dies der Apostel Paulus auf eine bündige Formuierung.
In diesem Sinne es gut, dass der Evangelist uns auf diese dramatische Wende aufmerksam macht, auch wenn Erdbeben, Blitz und Donner nicht mehr die Mittel unserer Wahl sind. Der Weg zum Glauben an die Auferstehung verläuft aber viel weniger spektakulär. Matthäus versäumt nicht, uns diesen Weg auch zu zeigen. Der auferstandene Christus schickt seine Jünger zurück in das Leben, aus dem heraus sie aufgebrochen und ihm nachgefolgt sind. Er lässt ihnen durch die beiden Frauen ausrichten, sie sollten zurück nach Galiläa gehen, dort würden sie ihm begegnen.
Wo Menschen nach den Worten und nach dem Beispiel des Jesus von Nazareth zu leben beginnen, dort begegnen sie dem liebenden und treuen Gott, der Jesus aus dem Tod gerettet hat. Das Leben in der Geborgenheit eines liebenden und väterlichen Gottes war für Jesus Alltagsrealität. Dieses begann für ihn nicht erst nach seinem Tod. Die Macht und die Größe Gottes begegnete ihm in seinem Alltag. Weil er in einer so ungewöhnlichen Gottesbeziehung lebte, sind um ihn herum die Menschen heil und ganz geworden. Lahme sind aufgestanden und gesund heimgegangen, Blinden sind die Augen aufgegangen, Menschen haben sich miteinander, mit Gott und mit sich selbst versöhnt und so ein neues Leben begonnen.
An die Auferstehung glauben heißt, mit dem Wissen um die Geborgenheit des liebenden Gottes durchs Leben zu gehen. Er ist die Basis unseres Auferstehungsglaubens. Dank Jesus leben wir in dieser neuen Realität. Das ewige Leben, nach dem wir uns im Innersten sehnen, hat bereits begonnen.
Ostern erinnert uns an die Taufe. In der Taufe hat für uns die neue Wirklichkeit des ewigen Lebens begonnen. Auch das Leben in diesem neuen Bewusstsein ist nicht spektakulär. Es zeigt sich vor allem in einer positiven Grundstimmung unseres Lebens.
Wichtig scheint mir, dass diese positive Grundstimmung tief genug in uns verwurzelt ist. Es genügt nicht, dass wir sie einmal im Jahr mit Pauken und Trompeten inszenieren und feierlich zu Schau tragen. Entscheidend ist, dass wir uns von diesem Wissen verwandeln und in unseren Handlungen und Gedanken diese neue Wirklichkeit durchscheinen lassen.
Wir werden Christen in Japan in diesem Jahr Ostern feiern?
Wie würden Menschen in Lybien, wenn Sie denn Christen wären, in diesem Jahr Ostern feiern?
Wie würden Menschen in Afghanistan, wenn Sie den Christen wären, in diesem Jahr Ostern feiern?
Wie können Menschen in Japan, ganz besonders um das Atomkraftwerk Fukushima herum überhaupt noch leben angesichts der Zerstörung und der täglichen Bedrohung, dessen Ende nach menschlichem Ermessen unabsehbar ist?
Wie können Menschen in Lybien angesichts des Krieges im eigenen Land noch leben, wo ihre Nachbarn, Freunde und Familien täglich um Leib und Leben bangen müssen?
Wie wollen Menschen in Afghanistan, angesichts einer so langen Zeit, in der sie mit der täglichen Bedrohung und der täglichen Sorge um genügend Essen leben müssen, überhaupt noch wieder eine Perspektive für ein friedliches Zusammenleben entwickeln?
Was Jahre lang eine Nachricht aus fernen Ländern war, so spüre ich es zumindest, wird auf einmal etwas, was mich angeht, was mich nicht mehr einfach zur Tagesordnung übergehen lässt. Und ich spreche hier nur von einigen großen Nachrichten, viele bleiben ungenannt, ebenso wie unsere persönlichen Bedrohungen.
Wie feiern wir als Menschen und Christen hier in Rheine in diesem Jahr Ostern wenn wir all das wahrnehmen und an uns heranlassen.
Können wir Ostern feiern angesichts des Leids der Menschen in Japan, in Lybien und Afghanistan und an vielen anderen großen und kleinen Orten unserer Welt?
Ist Ostern nicht das Versprechen Gottes, das das Leben den Tod besiegt hat? Gilt das hier uns jetzt, für uns und für die Menschen in Japan und anderswo?
Mir geht es angesichts des Leids und der Not in der Welt, aber auch der eigenen Sorge um die Zukunft so, dass ich eine große Angst und Dunkelheit spüre. Kann das alles noch gut ausgehen? Hier möchte ich meine und die Verantwortung von Menschen insgesamt sehen. Ich könnte mehr tun für eine bessere und gerechtere Welt und doch bleibt auch der Teil, den wir nicht beeinflussen können. Ein Erdbeben ist nicht von Menschen gemacht, wohl aber das Atomkraftwerk, das ein einer solchen Stelle steht.
Wie können wir Ostern feiern? Das Licht der Osterkerze brennt nicht. Kann sie, darf sie brennen heute, hier und jetzt für uns und zum Zeichen des Lebens?
Ein chinesisches Sprichwort lautet: Es ist besser ein Licht anzuzünden, als über die Dunkelheit zu klagen. Oder vielleicht auch eine einfachere deutsche Variante: Wenn du meinst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her.
Christus, gestern und heute (senkrechter Balken)
Anfang und Ende (Querbalken)
Alpha (über dem Kreuz)
Omega (unter dem Kreuz)
Sein ist die Zeit (1. Ziffer)
und die Ewigkeit (2. Ziffer)
Sein ist die Macht und Herrlichkeit (3. Ziffer)
in alle Ewigkeit Amen. (4. Ziffer)
Durch seine heiligen Wunden,
die leuchten in Herrlichkeit,
behüte uns und bewahre uns
Christus, der Herr. Amen
Lasset uns beten.
Allmächtiger, ewiger Gott,
du hast durch Christus allen,
die an dich glauben,
dass Licht deiner Herrlichkeit geschenkt.
Segne diese Osterkerze
und entflamme in uns die Sehnsucht nach dir,
dem unvergänglichen Licht,
damit wir mit reinem Herzen
zum ewigen Osterfest gelangen.
Darum bitten wir durch Christus,
unserem Bruder und Freund. Amen.
In dem dieses kleine, teilweise unscheinbare, auch verletzliche Licht hier brennt, sind wir damit in allem, was uns angeht, mit unseren Dunkelheiten und unserer Sehnsucht nach Licht mit hineingenommen in die Verletzlichkeit und Dunkelheit unserer Welt, aber ihr nicht aussichtslos ausgeliefert.
Der Keim der Hoffnung, der nicht ganz erstickt, die kleine Flamme, die dennoch brennt, den nächsten Schritt, den wir trotz allem wagen, ist vielleicht in unserer Welt, ganz sicher aber für uns selber von größerer Bedeutung als so manche gewaltige Aktion.
Als Menschen und als Christen bleiben wir verletzlich, angestoßen und ausgeliefert, aber wir können Ostern feiern in Japan, in Lybien und hier, weil Jesus all unsere Erfahrung mit in seine Gottheit aufgenommen hat und zu einer wirklichen Vollendung führt.
Lied: Gl. 928 1-3 Alleluja Lasst uns singen
Es waren schon einmal bessere Zeiten. Für die Botschaft von Ostern. Oder besser gesagt, für die Kirche, die diese Botschaft mit allem Freimut und aller Treue verkünden soll. Wir wissen um die gegenwärtige Not vor Ort, wo Seelsorger fehlen, wo Gemeinden zusammengelegt werden müssen, wo Kinder und Jugendliche aus dem Alltag der Kirche immer mehr verschwinden,... wo viele Christen die Kirche mit ihrem "Austritt" verlassen, ... oder aber wo eine "Gottvergessenheit" - vielleicht weniger eine "Religionsvergessenheit" - Einzug in den Alltag hält...
Wir wissen auch um Vorwürfe gegen einzelne Seelsorger und Seelsorgerinnen... Es waren schon einmal bessere, aber wohl auch schlechtere Zeiten - für die Botschaft von Ostern. Denken wir nur an die Verfolgungszeiten der ersten Jahrhunderte, oder an blutige Christenhetzte bis in unser Jahrhundert. Wie oft war und ist es gefährlich Ostern zu feiern...
Das derzeitige Image der Kirche, die schlechten Meldungen, dies alles betrifft viele von uns hier, die wir feiern wollen, die wir uns vom Auferstandenen "treffen" lassen wollen, die wir in unserem Zeugnis bestärkt werden wollen: Laien, Frauen und Männer in der caritativen oder pastoralen Mitarbeit, Seelsorger und Seelsorgerinnen. Viele von uns leiden an diesem Zustand, auch in diesen Tagen von Ostern.
Zugleich begegnen uns gerade in diesen Tagen von Ostern viele Menschen in unseren Gottesdiensten, die nur von Zeit zu Zeit, vielleicht an den hohen "Festtagen", unter uns sind. Es ist schön, dass Sie heute hier und unter uns sind. Auch Sie gehören wesentlich zu uns!
Wenn wir heute diese Liturgie der Osternacht feiern, so dürfen wir uns alle hier zuerst ganz einfach "erfassen" lassen von den Texten, den Liedern, den Zeichen (Licht, Wasser...) und vor allem vom frohen Halleluja! Es ist nicht bloß ein Gedächtnis eines Ereignisses vor langer Zeit, das wir heute begehen. Es betrifft uns Menschen heute, ganz gleich wo wir leben, wie weit wir im Glauben feststehen, wie alt oder jung wird sind.
Papst Benedikt XVI. hat in seinem neuesten Jesusbuch auch Bezug genommen zum Glauben von Ostern, dem Glauben an die Auferstehung von Jesus von Nazareth. Er stellt dabei einmal mehr fest: "Der christliche Glaube steht und fällt mit der Wahrheit des Zeugnisses, dass Christus von den Toten auferstanden ist. Wenn das nicht so wäre, hätte das Christentum wohl einige Ideen, von bemerkenswerten Vorstellungen über das Sein und das Sollen formuliert, wäre also eine religiöse Weltanschauung und Jesus eine religiöse Persönlichkeit, die uns vielleicht zum Nachdenken einladen könnte". Aber: es wäre alles dies kein Maßstab für die Fragen nach dem 'woher' und 'wohin' und 'wozu'.
"Nur wenn Jesus auferstanden ist, ist wirklich Neues geschehen, das die Welt und die Situation des Menschen verändert", so der Papst. "Nur wenn Christus auferstanden ist, haben wir einen Maßstab, auf den wir uns verlassen können. Denn dann hat Gott sich wirklich gezeigt". Das ist auch der zentrale Punkt unseres heutigen Festes. Wir feiern und bekennen die Auferstehung von Jesus Christus, der damit die Welt- und Menschheitsgeschichte verändert hat.
Manchmal denke ich mir, es ist wohl mehr als ein Wunder, dass die Kirche, die Kirchen, durch all die Jahrhunderte dieses Geheimnis weiterzutragen vermochten, trotz und neben all dem oft viel zu mangelhaften "Bodenpersonal".
Heute feiern wir Ostern - die Auferstehung von Jesus Christus. Auferstanden in eine neue Dimension, welches wir in seinem großen Geheimnis nur erahnen können. Dieser Auferstandene ist der von Gott endgültig selig "Aufgenommene", dessen "Geschichte nicht verwest ist in der leeren Nichtigkeit der Vergangenheit, sondern ihr Ende in der Vollendung hat" (Karl Rahner). Auferstehung ist dann auch ein Zeichen und Hinweis auf unser mögliches Ziel als Einzelne und als Volk Gottes.
Heute dürfen wir uns als Beschenkte fühlen. Wir dürfen dafür danken, dass wir in diese große Gemeinschaft der Christen gestellt sind. Wir dürfen dafür danken, dass wir in einer großen Weltgemeinschaft von Milliarden Getaufter - in seiner Kirche - unterwegs sind. Wir dürfen dafür danken und erahnen, dass die Botschaft von Jesus Christus auch mich ganz persönlich meint und betrifft: mein Leben, meine Hoffnungen, meine Zweifel, meine Sorgen und meine Ängste - die bis in das Sterben hinein gehen.
Nehmen wir heute ganz bewusst ein Zeichen dieses Festes mit nach Hause. In Form einer Kerze, in einem anderen Zeichen, in Eiern, Osterschinken, Osterbrot (in Speisen, welche an diesem Abend gesegnet werden) oder einfach als inneres Licht! Es waren schon einmal bessere Zeiten, aber auch schon viel schlimmere.
Ostern und die Botschaft der Auferstehung soll uns - trotz und neben allem - ermutigen und mit Freude erfüllen. Wenn der Herr mit uns ist, wer kann uns letztlich wirklich bezwingen? Wenn der Herr mit uns ist, wird er auch seine Kirche immer wieder erneuern; wer könnte dies je verhindern?
Auch wenn immer auch Fragen offen bleiben, so dürfen wir heute in aller Freude und mit Freimut sagen: Der Herr ist auferstanden. Er ist wirklich auferstanden!
Die Liturgie, besonders in der Heiligen Woche, der Karwoche, weist eine Symbolik auf, die uns alle berührt und uns in großer Dichte die Existenz unseres Lebens und unserer Lebenswege vor Augen führt und auch durch viele Schriftlesungen zu Gehör bringt.
In der Segnung des Feuers und der Osterkerze werden Wesensmerkmale unserer Existenz angesprochen: Licht, Dunkelheit, Zeit, aber auch die Wundmale bzw. Verwundungen und Niederlagen, die niemand wegleugnen kann.
In dieser Nacht der vielen Erzählungen, der Dunkelheit und des Lichts, der vielen Wege, die auch Umwege, vielleicht gar nicht so selten auch Irrwege sein können, erfahren wir einen gemeinsamen Durchzug durch die Geschichte Israels und damit auch den schwierigen Weg unseres Christseins. Aber nicht genug damit! Die vielen Stationen können auch eine Widerspiegelung unseres Lebens sein. Manche davon sind vielleicht nicht unsere persönlichen, aber doch die von vielen Frauen und Männern. Durch diese biblischen Erfahrungstexte zieht sich wie ein roter Faden Gottes Sehnsucht, dass wir Menschen ihn unter uns wohnen lassen und unser Leben nach seiner Sehnsucht gestalten.
Der Exodus-Text zeigt, dass Gott punktgenau führt. Wir erkennen allerdings viel erst davon im Nachhinein, im Rückblick. Gott hat die Israeliten vor dem Tod errettet. Aber wie geschieht das? Die einen durften leben auf Kosten anderer. In diesem Fall sind es die Ägypter, die mit Ross und Wagen ertranken. Das wirft manche schwerwiegende unbeantwortbare Frage auf: nach dem Gottesbild, nach der Vernichtung unschuldigen Menschenlebens. Für uns alles unverständlich! Sogar am höchsten Fest des Lebens kommt der Tod herein. Der liturgische Festkreis, ja auch der Alltag selbst, lehren, dass Tod und Leben sehr nahe beieinander sind.
Der Glaubensformel des Zweiten (=Neuen Testaments) "Gott, der Jesus von den Toten erweckt hat" steht der Satz des Ersten (=Alten Testaments) gegenüber "Gott, der dich aus Ägypten geführt hat." - Heute ist auch dort Ägypten, wo es Ausbeutung der Arbeitskraft gibt, wo Profite nicht hoch genug sein können und viele ihre Arbeitsplätze verlieren. Ägypten ist dort, wo Menschen Schmach und Beleidigungen ausgesetzt sind, wo ihre Menschenwürde nicht ernst genommen wird, wo sie sich in ihren Beziehungen, in ihrer Arbeitswelt eingeengt fühlen, wo sie unmündig gemacht werden, das heißt, all ihren Schmerz, ihre Trauer nicht artikulieren können und dürfen, wo die Sklaverei auch heute in neuer Form das Sagen hat. Es bleibt uns aber auch nicht erspart, die sicheren Fleischtöpfe zu verlassen und wegzuziehen, eine neue Existenz aufzubauen. Das war damals nicht leicht und ist heute genauso schwierig im Zeitalter der Flexibilität und Dynamik, wo der Mensch nicht zur Ruhe kommt und auch nur schwer Geborgenheit und Sicherheit findet.
Unsere Verwundungen und Wundmale, die wir dabei hinzunehmen haben, die wir aber auch anderen bewusst oder unbewusst schlagen, sind auch die Wundmale des Herrn, die in der Osterkerze in kreuzförmiger Gestalt dargestellt sind. In der Osterkerze ist auch die Jahreszahl eingeprägt, aber nicht alles findet hier auf Zeit Heilung oder Linderung der Schmerzen, der Angst, aber vielleicht wird einiges, was uns plagt, leichter erträglich. Jesus lädt uns ein, der Macht des Bösen, der Macht des Todes Hoffnung entgegenzusetzen.
Es ist jene Hoffnung, die durch die Errettung aus Ägypten und durch die Auferstehung Jesu zur Realität geworden ist.
Christus sagt von sich, dass er Weg, Wahrheit, Licht und Leben ist. In der Taufe erhält der Getaufte seine Taufkerze, die an der Osterkerze entzündet wird als Zeichen dafür, dass Christen Lichtträger sind, die durch die Geheimnisse der Osternacht auch Wärme geben können.
Christen sind eingeladen, sich zu "verbrennen", indem sie Licht und Wärme für sich selbst und andere sind. Weil wir aber diesen Anforderungen kaum gerecht werden, sendet er uns seinen Geist: "Ich …lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch." (Ez. 36,26). Auch die pfingstlichen Gnadengaben dürfen wir schon jetzt in der Osternacht empfangen.
Ostern 2008. - Ich wünsche uns allen, dass sich der österlich-pfingstliche Geist in unseren Familien, Gemeinden, Dörfern und Städten, besonders auch in den Kirchen sichtbar macht, dass wir alle Mut haben, aufzustehen - also den Aufstand zu wagen gegen alles Einengende, Ängstliche und Krankmachende.
Wir haben die Osternacht feierlich eröffnet. Wir haben Gott gelobt und gepriesen. Jetzt hören wir sein Wort. Es verkündet uns, dass Gottes Macht, Gottes Liebe Leben schenken will und jede Bosheit, jeden Unglauben und jeden Tod überwinden kann. Gottes Liebe ist stärker als der Tod. Sein Wort möge in uns den Glauben, die Hoffnung und die Liebe stärken.
Wir stehen am Beginn (am Ende) der Osternacht. Diese Nacht ist eine besondere Nacht. Jesus ist in dieser Nacht auferstanden. Der Tod ist besiegt. Der Tod – gleichwohl er noch unser Leben begrenzt – hat seinen Schrecken verloren.
Ich segne jetzt das Feuer, das wir entzündet haben.
Von der Dunkelheit des Lebens und des Sterbens sind wir noch umfangen und erwarten doch auch das Licht der Welt. Es ist die Nacht, in der das Kreuz, der Tod, das Leiden überwunden ist, in der das neue und ewige Leben von Gott in unserer Welt Einzug hält: Der Stein ist weg. Das Grab ist leer. Jesus ist auferstanden.
Allmächtiger, ewiger Gott,
du hast durch Christus allen, die an dich glauben,
das Licht deiner Herrlichkeit geschenkt.
Segne dieses neue Feuer,
das die Nacht erhellt
und entflamme in uns die Sehnsucht nach dir,
dem unvergänglichen Licht,
damit wir mit reinem Herzen zum ewigen Osterfest gelangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
(aus dem MB)
Jesus Christus ist für uns Wärme, Licht und Leben.
Zeichen dafür ist die Osterkerze, die wir nun entzünden:
Guter Gott,
Gott der Liebe, Gott des Lebens.
Voll Vertrauen auf Dein unvergängliches Licht
zünden wir diese Kerze an.
Das Licht sei uns ein Zeichen des Vertrauens,
der Liebe und der Hoffnung,
in Stunden der Freude und in Stunden des Leides.
Wir zünden diese Kerze an, weil wir wissen:
Dein Sohn Jesus Christus ist bei uns
und bleibt bei uns alle Tage unseres Lebens und darüber hinaus.
Lass sein Licht über uns und alle Menschen leuchten.
Das Licht Christi aber gehe in unseren Herzen auf
und erstrahle in der ganzen Welt. Amen.
Diese österliche Freude lasst uns weiterreichen von Hand zu Hand,
von Licht zu Licht.
Wir wollen uns alle erfassen lassen von diesem einen Licht
und uns vereinen im Licht des österlichen Lebens,
das in dieser Nacht den ganzen Erdkreis umspannt.
Nach der Lichtfeier hören wir in den Lesungen des ersten und zweiten Testamentes den Grund unserer Osterfreude, die Heilsgeschichte vom Anfang der Welt bis hin zur Auferstehung Jesu Christi: Gott erweist sich als der, der Leben schafft und Leben will, der den Menschen immer wieder von allem Schweren befreit. Wir hören, wie die Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen seine Fortsetzung findet und in dieser Nacht auch in unseren Herzen weitergeschrieben werden will.
Der dritte Teil der Osternachtliturgie ist die Tauffeier, in der wir unsere Gotteskindschaft durch die Taufe erneuern. Am Anfang der Weihe des Wassers wird die Allerheiligenlitanei gesungen: Die heiligen Männer und Frauen sind Zeichen dafür, dass für uns alle das Ziel des ewigen Lebens erreichbar ist. So sind sie uns Vorbilder, wie wir unser Leben auf dieses Ziel hin gestalten sollen.
Allerheiligenlitanei
Wir haben die Osternachtfeier mit der Segnung des Feuers und der Osterkerze, mit dem Einzug der Osterkerze und dem feierlichen Exsultet eröffnet. Von alters her haben die Christen diese heilige Nacht singend und betend durchwacht.
Dabei riefen sie in Erinnerung, wie Gott der Herr sich in der Geschichte seines Volkes als Gott des Lebens erwiesen hat. Immer wieder hat er sich der Not seines Volkes erbarmt und ihm neue Lebensmöglichkeiten eröffnet.
In den nun folgenden Lesungen hören wir von der Erschaffung der Welt, (1. Lesung);
[vom Gehorsam des Abraham, der bereit ist, seinen Sohn zu opfern, (2. Lesung);]
von der wunderbaren Errettung des Volkes Israel aus der Hand der Ägypter, (3. Lesung);
und von den Verheißungen, die Gott seinem Volk durch die Propheten zusichert.
Viele dieser Worte erhalten durch den Tod und durch die Auferstehung Jesu eine neue Sinntiefe. Durch die Taufe sind auch wir mit dem Leib Christi verbunden, haben wir teil am neuen Bund Gottes mit seinem Volk und an den Hoffnungen der Christen, die sich daran knüpfen. Davon hören wir in den neutestamentlichen Lesungen.
In der Osternacht empfangen von alters her die Taufbewerber das Sakrament der Taufe. Durch die Taufe erhalten sie Anteil an der Fülle des ewigen Lebens, das Christus uns durch seinen Tod und seine Auferstehung erschlossen hat.
Für alle Getauften ist die Anlass, für das Geschenk der Gotteskindschaft zu danken und das Taufversprechen zu erneuern.
Die nun folgende Tauffeier beginnt mit der Anrufung aller Heiligen. Durch die Taufe sind wir von Gott geheiligt und in die Schar der Heiligen berufen worden.
Als letzter Abschnitt der Osternachtliturgie folgt nun die Eucharistiefeier. Dankbar gedenken wir des Todes und der Auferstehung Jesu. Im heiligen Mahl erhalten wir Anteil an seinem Leib und dem Blut, das er für uns vergossen hat. Christus nimmt uns mit hinein in seine innige Verbundenheit mit dem Vater und in sein ewiges Leben.
Gebet nach der 1. Lesung (Gen 1,1 - 2,2):
Allmächtiger Gott,
du bist wunderbar in allem, was du tust.
Lass deine Erlösten erkennen,
dass deine Schöpfung groß ist,
doch größer noch das Werk der Erlösung,
die du uns in der Fülle der Zeit geschenkt hast
durch den Tod des Osterlammes,
unseres Herrn Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Oder (wenn die Kurzfassung gelesen wurde):
Allmächtiger Gott,
du hast den Menschen wunderbar erschaffen
und noch wunderbarer erlöst.
Hilf uns, den Verlockungen der Sünde
durch die Kraft des Geistes zu widerstehen,
damit wir zu den ewigen Freuden gelangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Gebet nach der 2. Lesung (Gen 22, 1-18):
Gott, du Vater aller Gläubigen,
durch deine Gnade
mehrst du auf dem ganzen Erdenrund
die Kinder deiner Verheißung.
Durch das österliche Sakrament der Taufe
erfüllst du den Eid,
den du Abraham geschworen hast,
und machst ihn zum Vater aller Völker.
Gib allen, die du zu deinem Volk berufen hast,
die Gnade, diesem Ruf zu folgen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Gebet nach der 3. Lesung (Ex 14,15 - 15,1):
Gott,
deine uralten Wunder
leuchten noch in unseren Tagen.
Was einst dein mächtiger Arm
an einem Volk getan hat,
das tust du jetzt an allen Völkern:
Einst hast du Israel
aus der Knechtschaft des Pharao befreit
und durch die Fluten des Roten Meeres geführt;
nun aber führst du alle Völker
durch das Wasser der Taufe zur Freiheit.
Gib, dass alle Menschen Kinder Abrahams werden
und zur Würde des auserwählten Volkes gelangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Oder:
Herr, unser Gott,
du hast uns durch das Licht des Neuen Bundes
den Sinn der Wunder erschlossen,
die du im Alten Bund gewirkt hast:
Das Rote Meer ist ein Bild für das Wasser der Taufe;
das befreite Volk Israel deutet hin
auf das heilige Volk des Neuen Bundes.
Gib, dass alle Menschen durch den Glauben
an der Würde Israels teilhaben
und im Heiligen Geist
die Gnade der Wiedergeburt empfangen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Gebet nach der 4. Lesung (Jes 54,5-14):
Allmächtiger, ewiger Gott,
verherrliche deinen Namen.
Gewähre, was du den Vätern
um ihres Glaubens willen versprochen hast,
und mehre durch die Taufe die Zahl deiner Kinder.
Lass deine Kirche erfahren, dass sich erfüllt,
was die Heiligen des Alten Bundes gläubig erhofft haben.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Gebet nach der 5. Lesung (Jes 55,1-11):
Allmächtiger, ewiger Gott,
du einzige Hoffnung der Welt,
durch die Propheten hast du die Heilsereignisse angekündigt,
die sich in unseren Tagen erfüllen.
Erwecke du selbst in uns das Verlangen,
dir immer treuer zu dienen;
denn niemand macht Fortschritte im Guten,
wenn ihn nicht deine Gnade führt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Gebet nach der 6. Lesung (Bar 3,9-15.32 - 4,4):
Gott, unser Vater,
du mehrst die Zahl deiner Kinder
und rufst aus allen Völkern
Menschen in deine Kirche.
Beschütze gütig die Täuflinge,
damit sie den Quell der Weisheit niemals verlassen
und auf deinen Wegen gehen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Gebet nach der 7. Lesung (Ez 36,16-17a.18-28):
Gott,
du unwandelbare Kraft, du ewiges Licht,
schau gütig auf deine Kirche
und wirke durch sie das Heil der Menschen.
So erfahre die Welt,
was du von Ewigkeit her bestimmt hast:
Was alt ist, wird neu,
was dunkel ist, wird licht,
was tot war, steht auf zum Leben,
und alles wird wieder heil in dem,
der der Ursprung von allem ist,
in unserem Herrn Jesus Christus,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Oder:
Herr, unser Gott,
durch die Schriften des Alten und des Neuen Bundes
führst du uns ein
in das Geheimnis dieser heiligen Nacht.
Öffne unsere Augen für das Werk deines Erbarmens
und schenk uns durch die Gnade dieser Osternacht
die feste Zuversicht, dass auch unser Leben
in deiner Herrlichkeit vollendet wird.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Oder (wenn eine Taufe folgt):
Sei uns nahe, allmächtiger Gott,
und wirke in den Sakramenten,
die uns deine Liebe schenkt:
Sende den Geist aus,
der uns zu deinen Kindern macht,
den Geist, durch den dir aus dem Wasser der Taufe
ein neues Volk geboren wird.
Was wir unter heiligen Zeichen vollziehen,
das vollende du mit deiner Kraft.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Nach dem Gebet zur letzten Lesung aus dem Alten Testament:
Lasset uns beten.
Gott, du hast diese Nacht hell gemacht
durch den Glanz der Auferstehung unseres Herrn.
Erwecke in deiner Kirche den Geist der Kindschaft,
den du uns durch die Taufe geschenkt hast,
damit wir neu werden an Leib und Seele
und dir mit aufrichtigem Herzen dienen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Osternacht
Gebet nach der 1. Lesung (Gen 1,1 - 2,2 oder Gen 1,26-31a):
Guter Gott, du bist ein Gott des Lebens.
Wir glauben, dass du diese Welt aus Nichts erschaffen hast. Mehr noch hast du diese Welt aus Liebe geschaffen. Sie ist so wunderschön. Die Tiere und die Natur riefst du ins Leben. Die Menschen sind dein Abbild und sehr wertvoll. Alles hast du den Menschen anvertraut. Wir sind berufen, deine Welt und unser Leben so zu gestalten, dass Leben wachsen und blühen kann. - Amen.
Gebet nach der 2. Lesung (Gen 22, 1-18):
Guter Gott, du Gott der Liebe, alles gehört dir.
Du hast mit Abraham einen Bund geschlossen. Du hast ihm Nachkommen verheißen, so zahlreich wie die Sterne am Himmel. Du willst nicht den Tod, sondern das Leben. Durch dich sollen alle Völker der Erde Segen erlangen. Sie alle sind zum Leben berufen. Lass uns an dich glauben, wie Abraham es tat. - Amen.
Gebet nach der 3. Lesung (Ex 14,15 - 15,1):
Guter Gott, du Gott der Freiheit.
Das Volk Israel war gefangen. Es war ausgebeutet. Du aber hast es befreit mit deiner Macht.
Der Durchzug durch das Rote Meer ist ein Bild für die Taufe. Wie du einst dein Volk Israel aus Ägypten befreit hast, so befreie uns durch den Glauben an dich von allem, was uns unfrei macht.
Befreie uns von allem, was unser und anderer Leben zerstört oder hindert. - Amen.
Gebet nach der 4. Lesung (Jes 54,5-14):
Guter Gott, du Gott der Treue,
du stehst immer zu deinem Volk, zu uns Menschen, auch wenn wir schuldig werden an dir.
Hab auch Erbarmen mit unserer Zeit, mit allen, die sich von dir abgewandt haben. Sei uns nahe in allem, was uns heute bedrängt. - Amen.
Gebet nach der 5. Lesung (Jes 55,1-11):
Guter Gott, du Gott der Hoffnung,
durch die Propheten hast du uns zu dir geführt, wenn wir auf Irrwegen waren. Du willst unser Leben erfüllen mit Freude und Hoffnung.
Deine Worte mögen in uns bewirken, was du willst – und das ist Leben. - Amen.
Gebet nach der 7. Lesung (Ez 36,16-17a.18-28):
Guter Gott, du Gott der Vergebung,
immer wieder gehen wir andere Wege, als du sie uns vorgibst. Wir wenden uns fremden Göttern zu. Wir geben deinem Namen keine Ehre. Du aber holst uns heraus aus allem Verderben, das wir uns selbst geschaffen haben, aus allen Gräbern, die wir uns selbst gegraben haben. Du schenkst uns neues Leben.
Dafür danken wir dir. Amen.
Nach dem Gebet zur letzten Lesung aus dem Alten Testament:
Jesus, auferstandener Christus.
Das können wir gar nicht groß genug feiern,
gar nicht oft genug aussprechen.
Es ist so unfassbar.
Deine Worte, die uns geschenkt werden,
deine Liebe, die wir im heiligen Mahl feiern,
stärken unseren Glauben und mache unser Herzen zu Herzen der Hoffnung und Zuversicht. - Amen.
Herr Jesus Christus, auferstanden von den Toten.
Du schenkst uns Leben in Fülle.
Wir bitten dich:
Richte die Schritte und die Herzen aller Menschen, besonders aller Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft, auf den Wegen des Friedens.
Erfülle mit Freude alle, die in Gesundheits- und Pflegeberufen dem Leben ihrer Mitmenschen dienen.
Lass die Kinder und jungen Menschen die Freude am Leben entdecken und steh denen bei, die keine Liebe erfahren.
Segne deine Kirche, segne alle, die an dich glauben, dass sie echte Zeugen der österlichen Botschaft sind.
Schenke allen, die an diesem Osterfest und in den kommenden Wochen neu getauft werden, Wachstum im Glauben
Nimm alle Sterbenden und alle Verstorbenen auf in deine ewige Freude.
Christus, du bist erstanden.
Dich loben und preisen wir, jetzt und in alle Ewigkeit. - Amen.
Die Osterkerze steht mit ihrem Licht für unseren Glauben an dich, den Gott des Lebens.
Dich bitten wir:
Um das Licht eines treuen und lebendigen Glaubens für alle, die in diesen Tagen getauft werden, und für die, die ihr Taufversprechen erneuern.
Um das Licht des österlichen Friedens in allen geopolitischen Krisen und gesellschaftlichen Spannungen.
Um das Licht der Hoffnung für alle Menschen, die sinnentleert durch ihr Leben irren.
Um das Licht und die Wärme deiner übergroßen Liebe dort, wo unsere eigene ausgestreckte Hand ins Leere greift.
Um das Licht deiner Güte und Barmherzigkeit in der Konfrontation mit der Endlichkeit allen irdischen Lebens.
Mit allen, die mit uns die Sehnsucht nach dir, dem Gott des Lebens, teilen, preisen wir dich und danken dir mit dem österlichen Halleluja. - Amen.
Wir gehen mit den vielen Frauen zum Grab Jesu.
Wir sehen den großen Stein weggewälzt.
Wir hören die Engel sagen:
ER ist nicht hier, ER ist auferstanden.
In dieser Nacht erwarten wir den Morgen, den Aufgang der Sonne,
das Licht eines neuen Tages.
In dieser Nacht beten wir für das Leben und die Zukunft
aller Menschen.
Für die Menschen in der Ukraine, die von ihrem Nachbarvolk überfallen wurden, beten wir.
Für die Verletzten, für die Toten,
für die Geflüchteten und für die, die in Ruinen ausharren.
Sende aus deinen Geist,
Und das Angesicht der Erde wird neu
Für die Menschen in Russland, die die Wahrheit nicht erfahren dürfen, beten wir.
Für die Verblendeten, für die Opfer der Propaganda,
für die, die für ihre Großmachtträume Menschen opfern.
Für die Menschen, die neue Sicherheitsarchitekturen entwickeln, beten wir.
Für die Politiker und Politikerinnen, für die Medien,
für die, die Geschichten überliefern und Bilder teilen.
Für die Menschen, die das Evangelium verkünden, beten wir.
Für die Mutigen, die für das Leben kämpfen, für die Zauderer, die in Formeln erstarren,
für die Mächtigen, die mit den Wölfen heulen.
Für die Menschen, die Flüchtlinge aufnehmen, beten wir.
Für die Familien, die Zimmer teilen, für die Behörden, die vieles möglich machen,
für die Schulen, die Kinder integrieren.
Die Frauen laufen zurück vom Grab.
Sie verkünden:
ER ist nicht hier, ER ist auferstanden.
In dieser Nacht lernen wir das Staunen wieder.
Wir werden einander zu Engeln, die leuchten,
Boten und Zeugen deines Reiches.
In Christus, dem Anführer und Vollender
unserer Hoffnung. – Amen.
In der Mitfeier der Kartage haben wir Gottes Liebe zu uns Menschen erfahren dürfen. Gott will uns hineinziehen in seine Liebe. Durch unsere Taufe sind wir mit Jesus in seinem Sterben und Auferstehen verbunden.
Ihn lasst uns bitten:
Für alle, die in dieser Nacht oder in den nächsten Tagen die Taufe empfangen,
um die beglückende Erfahrung eines Glaubens, der trägt und Halt im Leben gibt.
Für alle, die sich um Frieden bemühen: im eigenen Leben, in der Gesellschaft, in Europa, und da besonders in der Ukraine, in den Ländern des Nahen Ostens und weltweit.
Für alle, die sich vom Geheimnis der Auferstehung ergreifen lassen,
und für die, die nur das glauben können, was sie mit ihrem Verstand erfassen können.
Für alle unsere zutiefst persönlichen Anliegen.
Für alle Verstorbenen, dass du sie nach dem Dunkel des Todes mit deinem Licht beschenkst.
Mit allen Christinnen und Christen, die weltweit das Osterfest feiern, stimmen wir in das österliche Halleluja ein. - Amen.
Als getaufte Christen dürfen wir mit Christus, dem vom Tod Erweckten, leben.
Ihn lasst uns bitten:
Für alle Christen, die durch deine Erlösung in Gemeinschaft mit dir leben dürfen, um Freude und Hoffnung, die sie in die Welt tragen.
Für den Frieden unter den Völkern und Religionen, der es erst dem Einzelnen ermöglicht, die in ihm angelegten Gaben und Talenten für sich und die Gemeinschaft zu entfalten.
Für alle, die durch ihre Taufe in dieser Nacht dir, Christus, tief verbunden, nun in ihrem Leben einen Neuanfang setzen.
Für alle Menschen, mit denen wir uns in Liebe verbunden fühlen und deren Nöte und Anliegen wir dir anempfehlen.
Für alle Menschen, die diese irdische Welt bereits verlassen haben, um das Licht deiner Auferstehung.
In Christus ist uns die Fülle des Lebens geschenkt.
In dieser österlichen Freude lasst uns ihm danken und gemeinsam loben und preisen. - Amen.
Herr, unser Gott,
nimm die Gebete und Gaben deines Volkes an
und gib, dass diese österliche Feier,
die im Opfer des wahren Osterlammes ihren Ursprung hat,
uns zum ewigen Heil führt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Osternacht
Jesus, auferstandener Christus.
Wir feiern das Leben.
Wir feiern deine Liebe.
Du bist nahe in Brot und Wein.
Sie sind dein Leib und Blut.
Sie sind das ewige Leben, das uns verheißen ist.
Verwandle unsere Herzen in Herzen, die einander lieben in Tat und Wahrheit. - Amen.
Wir bringen das Brot,
Zeichen für alles, was die Erde hervorbringt;
wovon die Menschen leben,
wonach wir Menschen hungern,
warum wir uns abmühen,
Brot, das alle Menschen der Erde ernähren soll.
Wir bringen den Wein,
Zeichen für das, was die Erde uns schenkt und bietet.
Zeichen für das Leben selbst.
Denn wir dürsten nach Leben,
nach Lebenserfüllung, nach Lebensfreude;
Freude, die allen Menschen verheißen ist.
Wir bringen uns selber.
Nimm uns, wie wir sind,
wie wir sein möchten.
Bediene dich unserer Anstrengungen.
Mache Brot und Wein, -
mach uns, deine Gemeinde -
zum Zeichen deiner Gegenwart in unserer Welt.
darum bitten wir durch Christus,
den Auferstandenen Herrn und Bruder.
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Vater, immer und überall zu danken,
diese Nacht (diesen Tag, diese Tage)
aber aufs höchste zu feiern,
da unser Osterlamm geopfert ist,
Jesus Christus.
Denn er ist das wahre Lamm,
das die Sünde der Welt hinwegnimmt.
Durch seinen Tod
hat er unseren Tod vernichtet
und durch seine Auferstehung
das Leben neu geschaffen.
Darum jubelt in dieser Nacht (heute)
der ganze Erdkreis in österlicher Freude,
darum preisen dich die himmlischen Mächte
und die Chöre der Engel
und singen das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Osterzeit 1
Gott ist nicht tot
das Licht ist nicht für immer verloschen
der Stein, der so schwer war
ist weggewälzt
Gott ist nicht tot
Jesus ist nicht eine geschichtliche Episode
kein leerer Name
nichts Vergangenes
nein
Jesus ist der Auferstandene
der Kommende
das Licht für alle Zeiten
der Stein ist weg
wir dürfen das Licht sehen
Jesus lebt
wir dürfen glauben
Gott ist nicht tot
Feuer
Entsteht aus einem kleinen Funken. -
Aber nur, wenn es etwas gibt,
das sich anstecken lässt.
Dann wir der Funkten zu einem Licht,
das wärmt
das durch seine Hitze
etwas verändert.
Gott,
lass deinen Funken auf mich überspringen,
damit ich deinen Funken
weitertragen kann,
damit ich die Welt ein bisschen
verändern kann,
damit ich die Menschen ein bisschen
verändern kann,
damit ein großes Feuer entsteht,
das uns Menschen von der
klebrigen Schlacke, die uns umhüllt, befreit.
Aus: Werkmappe, Kath. Jungschar, Innsbruck 1996.
Herr, unser Gott,
du hast uns durch die österlichen Sakramente gestärkt.
Schenke uns den Geist deiner Liebe,
damit deine Gemeinde ein Herz und eine Seele wird.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Osternacht
Jesus, auferstandener Christus.
Wir sind erfüllt von deiner Auferstehung.
Wir wollen unsere Hoffnung weiterschenken.
Wir wollen dort, wo wir stehen, dich bezeugen.
Wir stehen mit einem Bein auf dieser Welt.
Unser Blick geht aber zu dir, unserem Ziel, einst aufzuerstehen und in deiner Nähe zu sein.
Segne uns dazu. - Amen.
„Um es deutlich zu sagen – dass ein Mensch in den Armen seiner Frau sich nach dem Jenseits sehnen soll, das ist milde gesagt eine Geschmacklosigkeit und jedenfalls nicht Gottes Wille. Man soll Gott in dem finden und lieben, was er uns gerade gibt; wenn es Gott gefällt, uns ein überwältigendes Glück genießen zu lassen, dann soll man nicht frömmer sein als Gott und dieses Glück durch übermütige Gedanken und Herausforderungen und durch eine wildgewordene Fantasie, die an dem, was Gott gibt, nie genug haben kann, wurmstichig werden zu lassen. Gott wird es dem, der ihn in seinem irdischen Glück findet und ihm dankt, schon nicht an Stunden fehlen lassen, in denen er daran erinnert wird, dass das Irdische nur etwas Vorläufiges ist und dass es gut ist, sein Herz an die Ewigkeit zu gewöhnen.“
Dietrich Bonhoeffer, in: Andrea Schwarz, Wie ein Gebet sei mein Leben, Herder Verlag Freiburg 2002.
Ostern ist das Fest der Lichtblicke
in den Finsternissen der Zeit.
Wo alles aus zu sein scheint,
keimt Hoffnung auf.
Leben bricht durch den toten Stein.
Lichtblicke lassen
aufschauen,
Hoffnung schöpfen
Mut fassen.
Der Oster-Blick des Auferstandenen
auf Maria von Magdala,
auf die Emmausjünger,
auf den zweifelnden Thomas
ermöglicht Umkehr, Erkennen, Glauben.
Es ist der Oster-Licht-Blick,
der Hoffnungskeime erblühen lässt
Kraft in schweren Zeiten gibt
und Trauer in Freude wandelt.
Johann Pock, Ostern 2025
Menschen
die aus der Hoffnung leben
sehen weiter.
Menschen
die aus der Liebe leben
sehen tiefer.
Menschen
die aus dem Glauben leben
sehen alles
in einem anderen Licht.
Dietrich Bonhoeffer, in: Andrea Schwarz, Wie ein Gebet sei mein Leben, Herder Verlag Freiburg 2002.
Niedergeschmettert
ausgelaugt
vernichtet
am Ende
Alles aus und vorbei?
Hilflos, leblos, tot?
Karfreitag
Karsamstag
Unbemerkt wächst
im tiefsten Winter
der Keim, der im Frühling die Erde durchbricht.
Der Hoffnungskeim,
gesät in die Herzen,
lebt weiter.
Die Hoffnung kommt
nicht von den Mächtigen,
sondern vom Ohnmächtigen am Kreuz
und vom Gott, der zeigt:
Liebe ist stärker als der Tod.
Hinabgestiegen ins Totenreich
wird der Tod an der Wurzel gepackt,
und Hoffnung auf Leben
entsteigt
den zerbrochenen Pforten.
Johann Pock, inmitten von Russlands Krieg gegen die Ukraine und einer nicht enden wollenden Pandemie
Ein Freudenjubelruf
der sich verbreiten will
sich in die Länge zieht
auskostend die Vokale
sich immer höher schraubt
von einem Vers zum anderen
hinauf zu himmlischen Höhen
um wie ein Glockenton
zu verkünden:
„Auferstanden ist der Herr!“
Ilse Pauls
Nicht erst,
wenn alle Mißverständnisse
weggeräumt sind,
sondern
wenn ich alles
vergeben habe.
Wenn der schwere Stein
meiner Traurigkeit
vom Herzen weggeweint ist
und ich wieder
Hoffnung habe.
Wenn ich nicht mehr
flüchten will,
sondern mich
auf den Weg mache
zu meinen Brüdern und Schwestern.
Dann erst
werde ich IHM begegnen
in den Gesichtern
der geringsten meiner Brüder,
in Seinem Wort,
in Seinem Brot.
Dann erst werden mir
die Augen aufgehen,
und mein totes Herz
lebt wieder
und brennt für Dich
Ilse Pauls
Wir loben dich
Jesu Einzug in Jerusalem
Das letzte Abendmahl
Erinnerung an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern
Überall ist Golgatha
Die Leiden Jesu Christi und dieser Welt heute sind eins
Das Kreuz des Jesus Christus
Zur Meditation
Deinen Tod o Herr verkünden wir
Lobpreis für den Überwinder des Todes
Lied vom Ostermorgen
Befreiung zum Neubeginn
Der Herr sei mit euch
Gruß der Jünger Jesu – heute
Welcher Engel wird uns sagen
Für eine ganz persönliche Auferstehung
(c) Reinhard Burchhardt
Linzer Bischof verortet Leibfreundlichkeit des Christlichen in Werken der Barmherzigkeit, in Sakramenten, in leiblicher Auferstehung und auch in der leiblichen Liebe.
Linz, 24.3.2016 (KAP) Mit Ostern setzt Gott ein "Ausrufezeichen" mit der Botschaft "Ich mag den Leib". Entgegen allen Klischees von christlicher Leibfeindlichkeit sieht der Linzer Bischof Manfred Scheuer viele Elemente einer "Leibfreundlichkeit des Christlichen". Er verortete diese in einem Oster-Interview der Linzer "KirchenZeitung" in den leiblichen Werken der Barmherzigkeit, in den sinnlich erfahrbaren Sakramenten, und ebenso im Glauben an die Auferstehung auch des Fleisches, den die Christen bekennen. Als weitere Beispiele nannte Scheuer die leibliche Liebe, "in den Dimensionen von Agape, Caritas, aber auch von Freundschaft und Eros".
In der heutigen Gesellschaft gebe es zwar die "Betonung einer vordergründigen Leibfreundlichkeit", jedoch sind viele der alltäglichen Erfahrungen nach den Worten des Bischofs leibfeindlich. Bei der Arbeit werde der Leib oft losgelöst vom ganzen Menschen gesehen, in der Medizin werde der Leib manchmal "wie ein Motor" behandelt, "den man repariert" und der zu funktionieren habe. Es gehe aber vielmehr darum, "auf den Rhythmus des Leibes zu achten und auf seine Signale zu hören", erklärte der leidenschaftliche Bergwanderer.
Ostern ist für Scheuer "das Zusammen von Tod und Auferstehung" und somit mehr als nur ein Frühlingsfest, als welches von vielen der Palmsonntag empfunden werde. Auferstehung knüpfe an eine menschliche Ursehnsucht an, die über den Tod hinaus auf eine Versöhnung von Glück und Gerechtigkeit hofft.
Wenn Umfragen einen hohen Prozentsatz an Christen ergeben, die nicht an die Auferstehung glauben, stelle sich für ihn - so Scheuer - die Frage: "Finden sich die Leute einfach ab damit, dass Menschen kaputtgehen und das eigene Leben sinnlos ist? Das wäre schon ein Alarmzeichen." Denn das würde nach den Worten des Bischofs bedeuten, "dass todbringende Kräfte letztlich obenauf sind". Der Auferstehungsglaube sei auch ein Fingerzeig dafür, ob "wir das Leben lieben und annehmen können, oder finden wir uns eigentlich ab mit den offenen oder versteckten Formen des Todes?"
Für "kritische und solidarische Zeitgenossenschaft"
Zu Ostern ist laut Scheuer "die Gegenwart der leiblichen und auch durch das Leid hindurchgehenden Liebe Gottes" besonders erfahrbar. Gott fordere die Kirche zugleich auf, an den konkreten Menschen mit ihren Freuden und Hoffnungen, ihrer Trauer und Angst dranzubleiben. "Das gelingt uns manchmal besser, manchmal schlechter." Der Linzer Bischof plädierte für eine "Zeitgenossenschaft" der Kirche, die nicht einfach Angleichung bedeute. "Wer sich mit dem Zeitgeist verheiratet, erlebt sich schnell als Witwer", zitierte Scheuer den dänischen Philosophen Sören Kierkegaard. "Mir geht es um eine kritische und solidarische Zeitgenossenschaft", betonte der Bischof.
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Manchmal stehen wir auf
Stehen wir zur Auferstehung auf
Mitten am Tage
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut.
Nur das Gewohnte ist um uns.
Keine Fata Morgana von Palmen
Mit weidenden Löwen
Und sanften Wölfen.
Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken
Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.
Und dennoch leicht
Und dennoch unverwundbar
Geordnet in geheimnisvolle Ordnung
Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.
Marie Luise Kaschnitz in: Georg Langenhorst, Gedichte zur Bibel. Texte – Interpretationen – Methoden. Ein Werkbuch für Schule und Gemeinde. Kösel Verlag, München 2001.
Deutscher Theologe Bruners in Zeitschrift "miteinander": Glaube an Auferstehung bedeutet Hoffnung auf Gerechtigkeit für die Opfer.
Wien, 15.04.14 (KAP) Wer die Möglichkeit einer Auferstehung der Toten ausschließe, der riskiere, "unter Niveau zu leben", da er die Möglichkeit einer Gerechtigkeit auch für die Opfer der Geschichte nicht sehe. Das unterstreicht der deutsche Theologe und Seelsorger Wilhelm Bruners in einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "miteinander" des Canisiuswerks. Ostern könne daher als ein Fest des Widerstandes gegen den Tod und Christen entsprechend als "Widerstandskämpfer gegen den Tod" verstanden werden.
Angesichts der Millionen Menschen, die täglich "um ihr Leben auf Erden betrogen" werden - sei es durch Kriege, Missbrauch oder unmenschliche Systeme -, sei es "geradezu zynisch, ihnen zu sagen, mit dem Tod sei alles zu Ende", so Bruners. "Dann wären die Mörder und Täter gut heraus. Wer zieht sie zur Rechenschaft? Keiner?" Zugleich warnt Bruners vor einer überzogenen "Heldenverehrung der Toten", die häufig an die Stelle der "Lebensverehrung" trete: "Junge Menschen, die so früh gestorben sind, ermordet wurden, wollten leben. Wollten keine toten Helden sein."
Wilhelm Bruners ist Theologe, Seelsorger und Erwachsenenbildner am Theologisch-Pastoralen Institut (TPI) in Mainz. Von ihm stammt u.a. das Buch "Und die Toten laufen frei herum. Ein Begleiter durch die österliche Zeit". (Weitere Infos: <link http://www.canisius.at/ _blank external-link-new-window "Opens external link in new window">www.canisius.at</link>)
Kathpresss 15.04.14 - Copyright 2014 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich (www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten.
Glauben Sie fragte man mich
An ein Leben nach dem Tode
Und ich antwortete: ja
Aber dann wusste ich
Keine Antwort zu geben
Wie das aussehen sollte
Wie ich selber
Aussehen sollte
Dort
Ich wusste nur eines
Keine Hierarchie
Von Heiligen auf goldnen Stühlen sitzend
Kein Niedersturz Verdammter Seelen
Nur
Nur Liebe frei geworden
Niemals aufgezehrte
Mich überflutend
Kein Schutzmantel starr aus Gold
Mit Edelsteinen besetzt
Ein spinnwebenleichtes Gewand
Ein Hauch
Mir um die Schultern
Liebkosung schöne Bewegung
Wie einst von tyrrhenischen Wellen
Wie von Worten die hin und her
Wortfetzen
Komm du komm
Schmerzweb mit Tränen besetzt
Berg-und-Tal-Fahrt
Und deine Hand
Wieder in meiner
So lagen wir lasest du vor
Schlief ich ein
Wachte auf
Schlief ein
Wache auf
Deine Stimme empfängt mich
Entlässt mich und immer
So fort
Mehr also fragen die Frager
Erwarten Sie nicht nach dem Tode?
Und ich antworte
Weniger nicht.
Marie-Luise KASCHNITZ: Ein Leben nach dem Tode, in: Gesammelte Werke in sieben Bänden. Bd. 5: Die Gedichte. Insel Verlag, Frankfurt/M. 1985.
Wagen wir es, die Auferstehung zu glauben? Oder ist sie uns nur ein Mythos, den man an einem solchen Ostertag - auf sich beruhen lässt oder umgekehrt? Warum glauben wir? Warum können wir intellektuell redlich glauben? Wir können es. Glaubend bejahend natürlich, nicht rationalistisch eine Zustimmung erzwingen. Wir können intellektuell redlich an Jesu Auferstehung glauben, auch ohne in alle Probleme der heutigen Exegese über diese Frage eingestiegen zu sein. Warum? Gegenfrage: Darf ich intellektuell redlich an meine eigene "Auferstehung" glauben? Das heißt: Darf ich mein Leben darauf aufbauen, dass das, was mein Leben ausmacht: Freiheit, Verantwortung, Liebe, endgültige Bedeutung hat und nicht verschwindet in den Abgrund des sinnlosen Nichts? Wenn ich aber darauf baue und dabei weiß, dass ich mich nicht zerfällen kann in zwei heterogene Wirklichkeiten, die sich in ihrem Schicksal gleichgültig trennen, Materie und Geist genannt, dann glaube ich an meine Auferstehung.
Karl Rahner, Das große Kirchenjahr. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 1990.
halleluja
das lachen beginnt
es füllt neu
das leben
das land
halleluja
die lasten des tages
sind freudig zu nehmen
den staub des alltags
von der seele gewaschen
halleluja
das herz ist neu offen
für gott
für die menschen
hinein kann das neue
der kommenden zeit
halleluja
die wege sind wagnis
doch tragen sie sicher
auch wenn nur die nächsten
schritte zu kennst
halleluja
sag
singe und rufe
so laut und behutsam
dass jeder begreift
halleluja
ostern ist jetzt
hier, heute und morgen
bei dir und bei mir
beim freund und beim feind
halleluja
das lachen beginnt
Almut Haneberg, woher-wohin-wozu, Gebete und Texte für junge Christen, Hrsg. Provinzialat der Redemptoristen, A-1010 Wien, 2007.
Abel steh auf
Es muß neu gespielt werden
Täglich muß es neu gespielt werden
täglich muß die Antwort noch vor uns sein
die Antwort muß ja sein können
wenn du nicht aufstehst Abel
wie soll die Antwort
diese einzig wichtige Antwort
sich je verändern
wir können alle Kirchen schließen
und alle Gesetzbücher abschaffen
in allen Sprachen der Erde
wenn du nur aufstehst
und es rückgängig machst
die erste falsche Antwort
auf die einzige Frage
auf die es ankommt
steh auf
damit Kain sagt
damit er es sagen kann
Ich bin dein Hüter
Bruder
Wie sollte ich nicht dein Hüter sein
Täglich steh auf
Damit wir es vor uns haben
Dies Ja ich bin hier
Ich
dein Bruder
Damit die Kinder Abels
sich nicht mehr fürchten
weil Kain nicht Kain wird
Ich schreibe dies
Ich ein Kind Abels
Und fürchte mich täglich
vor der Antwort
die Luft in meiner Lunge wird weniger
wie ich auf die Antwort warte.
Abel steh auf
damit es anders anfängt
zwischen uns allen
Die Feuer die brennen
Das Feuer das brennt auf der Erde
soll das Feuer von Abel sein
Und am Schwanz der Raketen
Sollen die Feuer von Abel sein.
Hilde Domin, Sämtliche Gedichte, hrsg. Nikola Herweg und Melanie Reinhold, Frankfurt: S. Fischer 2009.
"Ist aber Jesus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos. Wir werden dann auch als falsche Zeugen Gottes entlarvt, weil wir im Widerspruch zu Gott das Zeugnis abgelegt haben: Er hat Christus auferweckt" (1 Kor 15,14). Mit diesen Worten stellt der heilige Paulus ganz drastisch heraus, welche Bedeutung der Glaube an die Auferstehung Jesu Christi für die christliche Botschaft als Ganze hat: Er ist ihre Grundlage. Der christliche Glaube steht und fällt mit der Wahrheit des Zeugnisses, dass Christus von den Toten auferstanden ist.
Wenn man dies wegnimmt, dann kann man aus der christlichen Überlieferung zwar immer noch eine Reihe bedenkenswerter Vorstellungen über Gott und den Menschen, über dessen Sein und Sollen zusammenfügen - eine Art von religiöser Weltanschauung -, aber der christliche Glaube ist tot. Dann war Jesus eine religiöse Persönlichkeit, die gescheitert ist; die auch in ihrem Scheitern groß bleibt, uns zum Nachdenken zwingen kann. Aber er bleibt dann im rein Menschlichen, und seine Autorität reicht so weit, wie uns seine Botschaft einsichtig ist. Er ist kein Maßstab mehr; der Maßstab ist dann nur noch unser eigenes Urteil, das von seinem Erbe auswählt, was uns hilfreich erscheint. Und das bedeutet: Dann sind wir alleingelassen. Unser eigenes Urteil ist die letzte Instanz. Nur wenn Jesus auferstanden ist, ist wirklich Neues geschehen, das die Welt und die Situation des Menschen verändert. Dann wird er der Maßstab, auf den wir uns verlassen können. Denn dann hat Gott sich wirklich gezeigt.
Joseph Ratzinger, Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, Herder-Verlag, Freiburg, 2011.
Wagen wir es, die Auferstehung zu glauben? Oder ist sie uns nur ein Mythos, den man an einem solchen Ostertag auf sich beruhen lässt oder umgekehrt? Warum glauben wir? Warum können wir intellektuell redlich glauben? Wir können es. Glaubend bejahend natürlich, nicht rationalistisch eine Zustimmung erzwingen. Wir können intellektuell redlich an Jesu Auferstehung glauben, auch ohne in alle Probleme der heutigen Exegese über diese Frage eingestiegen zu sein. Warum? Gegenfrage: Darf ich intellektuell redlich an meine eigene "Auferstehung" glauben? Das heißt: Darf ich mein Leben darauf aufbauen, dass das, was mein Leben ausmacht: Freiheit, Verantwortung, Liebe, endgültige Bedeutung hat und nicht verschwindet in den Abgrund des sinnlosen Nichts? Wenn ich aber darauf baue und dabei weiß, dass ich mich nicht zerfällen kann in zwei heterogene Wirklichkeiten, die sich in ihrem Schicksal gleichgültig trennen, Materie und Geist genannt, dann glaube ich an meine Auferstehung.
Karl Rahner, Das große Kirchenjahr, Herder-Verlag, Freiburg Basel Wien 1990.
Ostern ist neben Pfingsten das älteste und es ist das höchste Fest der Christenheit. Seine Wurzeln liegen im jüdischen Passah (Pessach)-Fest. Das deutsche Wort Ostern leitet sich vom indogermanischen Wort für Morgenröte ab. Die Osterzeit beginnt mit dem Ostermorgen und endet 50 Tage später mit Pfingsten.
Bis zum 3. Jahrhundert feierte man Ostern als einen Festtag, im 3. Jahrhundert wurde dann die Woche vorher, die Karwoche, als Vorbereitungszeit zur Fastenzeit; im 4. Jahrhundert wurden die drei heiligen Tage von Gründonnerstag Abend bis Ostersonntag Morgen als Höhepunkt des Kirchenjahres eingeführt.
Das 1. Konzil von Nicäa legte fest, dass der Ostersonntag am 1. Sonntag nach dem 1. Vollmond nach Frühlingsanfang gefeiert wird. Daraus ergibt sich, dass der Ostersonntag nach dem im Westen gültigen gregorianischen Kalender frühestens am 22. März, spätestmöglich am 25. April stattfindet. Die orthodoxen Kirchen berechnen Ostern nach dem julianischen Kalender (► Kalenderwesen), der gegenüber unserem gregorianischen derzeit um 13 Tage zurückhinkt. Nach orthodoxer Tradition darf Ostern außerdem nicht vor oder zusammen mit dem jüdischen Passahfest gefeiert werden. Deshalb feiern orthodoxe und westliche Kirchen das Osterfest meist an unterschiedlichen Sonntagen.
Traditionell wird in orthodoxen und katholischen Kirchen, zunehmend auch in protestantischen, die Osternacht gefeiert. Die Liturgie der Osternachtfeier besteht traditionell aus vier Teilen:
Die Lichtfeier hat neben dem Halleluja-Ruf das Licht als wichtigsten Bestandteil. Meist erhalten die Gottesdienstteilnehmer bereits am Eingang der Kirche eine Kerze, die dann an der Osterkerze entzündet wird. Gelegentlich wird sogar ein richtiges Osterfeuer entfacht. Solche Feuer wurden bereits in heidnischer Zeit praktiziert: man versuchte, mit diesem Frühlingsfeuer die Sonne magisch auf die Erde herab zu ziehen. Die ersten christlichen Osterfeuer gab es um 750 in Frankreich, seit dem 11. Jahrhundert sind sie im deutschsprachigen Raum verbreitet. Auch Flammenräder ließ man von Hügeln hinabrollen. Heute steht die Osterkerze im Mittelpunkt der Osternachtfeier. Erstmals erwähnt wurde eine Osterkerze 384 in Piacenca in einem Brief von Hieronymus. Spätestens 417 gebrauchte sie Papst Zosimus in Rom. Im 10. Jahrhundert etablierte sich die Osterkerze; sie brennt während der ganzen Osterfestzeit bis Pfingsten. Danach wird die Kerze neben den Taufstein gestellt und brennt bei Taufen.
Wortgottesdienst
Taufe bzw. Tauferneuerung: Im 4. Jahrhundert wurde die Osternacht zur großen Taufnacht der Kirche, dadurch entstand die Verbindung von Ostern und Taufe. In der katholischen Kirche weiht der Priester in der Osternacht das Taufwasser für das ganze Jahr. Die Gläubigen nehmen das geweihte Wasser mit nach Hause, es soll sie zuhause ebenso so wie ihre Häuser vor Unheil schützen.
Ein Teilablass wird demjenigen Gläubigen gewährt, der sein Taufversprechen nach einer dafür vorgesehenen Formel erneuert; geschieht dies während der Feier der Osternacht oder am Jahrestag der Taufe, so kann ein vollkommener Ablass gewonnen werden.
- Die <link http://www.heiligenlexikon.de/Kalender/Ostern.html>Eucharistie</link>- (Abendmahls-)feier als Vergewisserung der Gegenwart des Auferstandenen Christus.
Das Lamm - oder eine junge Ziege - ist Symbol der Wehrlosigkeit gegen wilde Tiere, den Scherer und den Schlächter, es ist das klassische Opfertier im Alten Testament. Auch Jesus Christus wird als Lamm bezeichnet: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt (Johannesevangelium 1, 29). Im christlichen Altertum legte man Lammfleisch unter den Altar. Es wurde geweiht und am Auferstehungstag als erste Speise verzehrt.
Im 12. Jahrhundert wurden erstmals nachweislich Eier geweiht. Eier gelten seit jeher als Fruchtbarkeitssymbol; im Mittelalter waren sie als Zahlungsmittel bedeutend. Sie wurden zum Symbol der Auferstehung Christi, weil seine Auferstehung aus dem Grab dem Schlüpfen der Küken aus der Schale verglichen wurde. Neben Eiern wurden bald auch Schinken, Milchprodukte und Brot zur Weihe gebracht. Man wollte die lange Fastenzeit mit dem Verzehr der geweihten Speisen würdig beenden.
Im 13. Jahrhundert werden erstmals bemalte Ostereier erwähnt. Nach den Fastenvorschriften war der Verzehr von Eiern in der Karwoche untersagt; die Hennen legten trotzdem, die Eier wurden gelagert; am Ostermorgen war dann der Eierkonsum besonders hoch. Man beschloss, diese gesammelten Karwochen-Eier zu bemalen und weihen zu lassen, damit sie sich von gewöhnlichen Eiern unterscheiden. Eine Färbung der Eier ist 1615 durch einen Straßburger Handwerksmeister belegt, die kunstvolle Bemalung der Eier war vor allem in Osteuropa verbreitet.
Evangelische Familien entwickelten im 17. Jahrhundert den Osterhasen als Eierlieferanten, erstmals erwähnt um 1680 im Elsass von dem Mediziner Georg Franck von Frankenau. Er sollte die Eier bemalen, verstecken und legen. Damit wollten die Protestanten sich von den Katholiken distanzieren, deren Fastenbräuche und Eierweihe sie ablehnten. Der Osterhase ist Symbol für Ostern und neues Leben wegen seiner Fruchtbarkeit - besonders im Frühling - und weil er mit offenen Augen schläft. Auch der Hahn brachte in manchen Gegenden die Eier, in der Schweiz der Kuckuck, in Westfalen der Fuchs, in Thüringen der Storch. Im fränkischen Ansbach wurde 1757 angeblich ein eierlegender Hase gefangen und darüber ein Protokoll verfasst. Erst im 19. Jahrhundert konnte sich der Osterhase überall durchsetzen.
Aus Polen stammt der Brauch der Speisensegnung. Am Karsamstag oder zu Ende der Osternacht-Feier werden in katholischen und einigen orthodoxen Kirchen Speisen gesegnet, die die Gläubigen in Körben mitgebracht haben und die dann zum Frühstück am Ostersonntag im Kreis der Familie verzehrt werden .
http://www.heiligenlexikon.de/Kalender/Ostern.html
Was das Geheimnis der Osternacht - die Auferstehung des Herrn - bedeutet, versucht die Kirche in dieser heiligen Nacht in ihrer Sprache zu sagen: in der Sprache der Symbole. Drei große Symbole sind es, die die Liturgie der Auferstehungsnacht beherrschen: das Licht, das Wasser und »das neue Lied« , das Alleluja.
Das Licht zunächst. Es ist eines der Ursymbole der Menschheit. Das irdische Licht ist der unmittelbarste Abglanz der göttlichen Wirklichkeit, der am meisten uns ahnen läßt von demjenigen, der im unzugänglichen Lichte wohnt (1 Ti 6,16). In den beiden großen heiligen Nächten des Kirchenjahres, Weihnachten und Ostern, verschmilzt die Symbolik des Lichts mit derjenigen der Nacht. Beide Male stellt die Kirche im Widerspiel von Nacht und Licht symbolisch dar, was der jeweilige Inhalt des Festes ist: der sieghafte Einbruch Gottes in die Welt, die ihm keinen Platz geben will und ihm dennoch am Ende den Platz nicht verwehren kann. Dies Christusdrama von Licht und Finsternis erreicht nun, an Ostern, seinen Mittel- und Höhepunkt. Die Finsternis hat zu ihrer letzten Waffe gegriffen, zum Tod. Sie hat in ordentlichem Gerichtsverfahren die Wahrheit und die Liebe zu den Hauptschuldigen der Weltgeschichte erklärt und den Träger des Lichts verurteilt. Aber die Auferstehung bringt die große Wende. Das Licht hat gesiegt und lebt nun unbesiegbar, und das Wichtigste: Es hat ein Stück Welt an sich gezogen und verwandelt in sich. Damit ist das Drama freilich noch nicht zu Ende. Sein Ende steht noch aus. Es trägt sich zu in der Parusie des Herrn. Noch ist es Nacht, wenn auch eine Nacht, in der ein Licht entzündet ist. Wenn er wiederkommt, wird Tag sein für immer.
Das zweite österliche Element ist das Wasser. Wie das Licht so ist auch das Wasser ein Ursymbol der Menschheit. Das Wasser verkörpert die Köstlichkeit der Erde. Wer einmal Durst gelitten hat, der weiß das. Wer einmal die sengende Gewalt der Sonne ertragen hat viele Stunden hindurch und dann plötzlich einen frischen, glitzernden Wasserquell entdeckte, weiß, daß es in der Tat nichts Köstlicheres gibt als dies helle klare Wasser. So ruft das Wasser die Erinnerung wach an Paradies und Fruchtbarkeit. Dies ganze Geheimnis des Wassers ist anwesend in der Osterfeier, eingefangen in sie und zugleich auf höhere Ebene erhoben. Denn davon will uns die Osternacht sagen, daß ein weit köstlicherer Quell noch als es je auf Erden ihn gab, aus der geöffneten Seite des Herrn entsprungen ist (Joh. 4,10; 7,37; 19,34). So ist am Kreuz der wahrhaft köstliche Quell der reinen Hingabe, der sich selbst verschwendenden Liebe Gottes entsprungen. Alle Kostbarkeit des Wasser ist darin gesammelt: die Kraft der Reinigung, der Fruchtbarkeit, das Erquickende und Tröstende und Belebende.
Das dritte österliche Element ist "das neue Lied" : das Alleluja. Freilich - das neue Lied im Vollsinn werden wir erst singen in der "neuen Welt", wenn Gott uns beim "neuen Namen" ruft (Apok. 2,17), wenn alles neu geworden ist. Aber etwas davon dürfen wir vorwegnehmen in der großen Freude der Osternacht. Denn das Singen und zumal dasjenige des neuen Liedes ist im Grunde gar nichts anderes als die Gestaltwerdung der Freude. Das Alleluja ist einfach das wortlose Sich-Aussingen einer Freude, die keine Worte mehr braucht, weil sie über allen Worten steht. Wenn aber das Alleluja-Singen das dritte Element des Symboldramas der österlichen Liturgie ist, dann ist dies dritte Element im Grunde der Mensch selbst, in dem diese Urmöglichkeit des Singens und Jubilierens steckt. Es ist wie ein erstes Aufdecken dessen, was mit uns einmal sein kann und sein soll: daß unser ganzes Wesen einmal eine einzige große Freude sein wird. Welch ein Ausblick!
Aus: Joseph Ratzinger, Dogma und Verkündigung. München : Erich Wewel Verlag 1973.
Wir können nur dann von einer endgültigen Lebenshoffnung redlich sprechen, wenn wir, wenigstens anfänglich, schon eine Erfahrung von Auferstehung gemacht haben, schon in diesem Leben, hier und heute.
Wie der Mensch schon viele Tode mitten im Leben stirbt, so geschieht auch Auferstehung jetzt, zum Beispiel dieser Art:
Aus: Karlheinz May, Vom Duft der Auferstehung. Die vier Evangelien in Auszügen mit Meditationen, kommentierenden Texten und Zeichnungen. Im Eigenverlag (Holsteinstr 1, D-51065 Köln).
Eingesperrt sein, mit drückenden Lasten beladen sein - all das erweckt die Sehnsucht nach Befreiung, nach Erlösung aus solcher Entfremdung. Man kann die Worte "Befreiung" und "Erlösung" auch ohne Bezug auf einen religiösen Inhalt aus-sprechen. In der Sicht des christlichen Glaubens aber ist die tiefste Wurzel aller Unfreiheit, aller Entfremdung des Menschen die Gebrochenheit seiner Beziehung zu Gott. Erlösung bedeutet im Vollsinn dieses Wortes dann die Wiederherstellung der Freundschaft zu Gott. Aus dieser Gottesfreundschaft erwächst auch die Kraft, andere Menschen und sich selbst anzunehmen.
Christus, der Sohn Gottes, ist den Menschen nachgegangen bis in die äußerste Entfernung von Gott. Bis dorthin, wo der Mensch dem Menschen zum Wolf wird; wo Kain seinen Bruder Abel tötet; wo das Kreuz steht, an dem der Herr einsam zwischen Himmel und Erde leidet und stirbt.
Christus hat in äußerster Liebe den Raum der Distanz der Menschen von Gott leidend und sterbend durchschritten. Und er hat diesen Raum in seiner Auferstehung aufgebrochen und eine Bresche geschlagen in den verschlossenen Horizont, der die Menschen von der siegreichen Liebe Gottes trennt. Die Kirche besingt diesen er-lösenden Durchgang Christi durch das "Rote Meer" der Sünde und des Todes in das "Gelobte Land” des Himmels, in die vollendete Beziehung zum Vater Gott auch mit den hymnischen lateinischen Worten "Captivam duxit captivitatem": "Er hat die Gefangenschaft gefangen gesetzt."
Das Osterereignis, das den Karfreitag mit dem Ostermorgen Christi verbindet, hat grundsätzlich allen Menschen die Tür aufgetan zu einem neuen Himmel und zu einer neuen Erde, zum ewigen Ostern. Der Weg dorthin ist zeitlebens freilich nur Pilgerschaft, und quer über diesen Weg sind Schwellen gelegt, an denen wir uns für oder gegen die Liebe Gottes entscheiden.
Aus: Egon Kapellari, Ein Fest gegen die Schwerkraft. Osterbetrachtungen. Styria Verlag Wien Graz Klagenfurt 1993.

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Es handelt sich um den ersten der beiden Schöpfungsberichte aus dem Buch Genesis. Er entstammt in seiner Endgestalt vermutlich der Zeit nach dem Babylonischen Exil, also frühestens der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts vor Christus. Ein zentrales Anliegen war es damals wohl zu zeigen, daß der Gott des kleinen, machtlosen Israel der Schöpfer des Himmels, der Erde und der Menschen ist.
Von seiner Gattung her ist der erste Schöpfungsbericht der Genesis eine "Kosmogonie", also eine Erzählung von der Entstehung des Kosmos. Allerdings darf er nicht als eine naturwissenschaftliche Darstellung im heutigen Sinn verstanden werden. Es handelt sich nicht um einen Tatsachenbericht, sondern es geht um eine theologische Aussage über Gott und sein Verhältnis zur Welt und zum Menschen. Wichtige Aspekte dieser Aussage seien im folgenden genannt:
1. Der Schöpfungsbericht ist das Bekenntnis, daß die Welt und der Mensch sich Gott verdanken und deshalb in guten Händen geborgen sind.
2. Die Schöpfung ist Gleichnis und Ausdruck Gottes. So wie ein Kunstwerk auf seinen Meister verweist, verweist die Welt auf ihren Schöpfer. Gott gibt der Welt seine Gutheit mit und will sie in ihr zur Geltung gebracht sehen.
3. In besonderer Weise gilt dies vom Menschen. Er wird als das Ebenbild Gottes bezeichnet (Gen 1:27). Im ganzen antiken Denken hat das Ebenbild engste Beziehung mit dem Urbild. Es ist gewissermaßen der Stellvertreter des Urbildes.
4. Zum menschlichen Sein gehört von Anfang an die Dimension der Gemeinschaft. Gerade in der Gemeinschaftlichkeit und im Aufeinander-verwiesen-sein von Mann und Frau ist der Mensch Ebenbild Gottes.
5. Gott als Schöpfer anzuerkennen heißt, auch die Verantwortung des Menschen für die Schöpfung zu sehen. Der sogenannte Herrschaftsauftrag (Gen 1:28) versetzt den Menschen in die Stellung eines Sachwalters. Er soll die Schöpfung sich aneignen und kreativ weiterführen. Wer den Herrschaftsauftrag des Menschen über die Schöpfung im Sinne von bloßer Selbstherrlichkeit auffaßt, mißversteht ihn. Der Mensch und die übrige Schöpfung bilden eine Solidargemeinschaft, da sie beide von Gott hervorgebracht sind. Außerdem wird der Herrschaftsauftrag in einem Segenswort übertragen. Das heißt: Nur unter den Bedingungen des Segens ist dieser Auftrag erfüllbar.
Für das Volk Israel war die Vorstellung von Gott als Schöpfer gegenüber der Vorstellung von Gott als dem geschichtsmächtigen Befreier aus der Knechtschaft Ägyptens lange Zeit eher zweitrangig, wiewohl freilich nicht unwichtig. Erst die frühe Kirche hat den Schöpfungsglauben zu einer vorrangigen Lehre gemacht: siehe Glaubensbekenntnis. In der Osternacht, die in vielerlei Hinsicht aufs Ganze geht, haben beide Sichtweisen des einen Gottes ihren Platz. Gott als der gute Schöpfer und der in der Geschichte wirkende Gott.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz