Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
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Lesung aus dem Buch Exodus.
In jenen Tagen
stand Mose früh am Morgen auf
und ging auf den Sinai hinauf,
wie es ihm der HERR aufgetragen hatte.
Die beiden steinernen Tafeln nahm er mit.
Der HERR aber stieg in der Wolke herab
und stellte sich dort neben ihn hin.
Er rief den Namen des HERRN aus.
Der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber
und rief: Der HERR ist der HERR,
ein barmherziger und gnädiger Gott,
langmütig
und reich an Huld und Treue:
Sofort verneigte sich Mose bis zur Erde
und warf sich zu Boden.
Er sagte:
Wenn ich Gnade in deinen Augen gefunden habe,
mein Herr,
dann ziehe doch, mein Herr, in unserer Mitte!
Weil es ein hartnäckiges Volk ist,
musst du uns unsere Schuld und Sünde vergeben
und uns dein Eigentum sein lassen!
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Lesung aus dem Buch Exodus.
In jenen Tagen
stand Mose früh am Morgen auf
und ging auf den Sinai hinauf,
wie es ihm der HERR aufgetragen hatte.
Die beiden steinernen Tafeln nahm er mit.
Der HERR aber stieg in der Wolke herab
und stellte sich dort neben ihn hin.
Er rief den Namen des HERRN aus.
Der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber
und rief: Der HERR ist der HERR,
ein barmherziger und gnädiger Gott,
langmütig
und reich an Huld und Treue:
Er bewahrt tausend Generationen Huld,
nimmt Schuld, Frevel und Sünde weg,
aber er spricht nicht einfach frei,
er sucht die Schuld der Väter
bei den Söhnen und Enkeln heim,
bis zur dritten und vierten Generation.
Sofort verneigte sich Mose bis zur Erde
und warf sich zu Boden.
Er sagte:
Wenn ich Gnade in deinen Augen gefunden habe,
mein Herr,
dann ziehe doch, mein Herr, in unserer Mitte!
Weil es ein hartnäckiges Volk ist,
musst du uns unsere Schuld und Sünde vergeben
und uns dein Eigentum sein lassen!
GL 616,3
Gepriesen bist du, Herr, du Gott unsrer Väter,
Kv: Gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.
Gepriesen bist du im Tempel deiner heiligen Herrlichkeit,
Kv: Gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.
Gepriesen bist du, der in die Tiefen schaut und auf Kerubim thront.
Kv: Gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.
Gepriesen bist du auf dem Thron deiner Herrschaft.
Kv: Gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.
Gepriesen bist du am Gewölbe des Himmels.
Kv: Gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.
Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Korinth.
Schwestern und Brüder,
freut euch,
kehrt zur Ordnung zurück,
lasst euch ermahnen,
seid eines Sinnes,
haltet Frieden!
Dann wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.
Grüßt einander mit dem heiligen Kuss!
Es grüßen euch alle Heiligen.
Die Gnade des Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen!
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Text ist der Briefschluß des zweiten Korintherbriefes. Der Apostel rechtfertigt noch einmal sein Schreiben. Er greift in Korinth ein, um Gemeinde aufzubauen. Er weiß sich als Beauftragter des Herrn, und mit dessen Autorität war er auch aufgetreten. Nun folgen Freudenwünsche und Grüße, wie es die antike Briefform nahelegt.
V 11: Hier folgt eine Reihe von Imperativen, von denen ein jeder einem ganz bestimmten Kontext angehört. Der Apostel spricht die Christen in Konrinth mit „Brüder“ an, nicht als Schüler. Das heißt, er weiß sich vor dem Herrn als Bruder unter Brüdern. Der erste Imperativ fordert zur Freude auf. Gemeint ist die eschatologische Freude, die der Wiederkunft Christi entgegensieht. Der nächste Imperativ fordert Vollkommenheit, die Realisation der Forderung Jesu. Die dritte Aufforderung heißt: Tröstet einander und ermahnt einander, baut einander als Gemeinde auf! Die nächste Mahnung gilt der Einheit im Denken und Trachten: Seid auf das Eine bedacht, was in Christus gilt. Sodann: Wahret Frieden und stiftet Frieden! Diese Imperative schärfen genau diese Lebensweise ein, die den Christen ausmachen und von seiner Umwelt abheben.
V 12: Es folgt die Grußformel. Christen sollen einander begrüßen mit heiligem Kuß. Schließlich richtet der Apostel die Grüße der anderen Christen aus. Er nennt sie Heilige; solche, die zur Heiligkeit berufen sind und schon auf dem Weg ihrer Berufung sind. Sie sind ausgegrenzt aus der Welt des Bösen, sie sind Bereich Gottes und Christi.
V 13: Bei diesem Vers handelt es sich um eine feststehende Formel, die höchstwahrscheinlich um eine liturgische Formel. Was den Christen hier zugesprochen und verheißen wird, ist die Liebe Gottes. Das nächste Gut für die Getauften ist die Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist. Die getauften stehen im Kraftfeld dieses Geistes. Sie sind sein Werk und sind auf Gemeinschaft mit ihm angewiesen.
Die Perikope enthält die letzten Verse des zweiten Korintherbriefes. Die Schlußworte der paulinischen Schreiben gelten in der Regel als stark persönlich gefärbte Abschnitte. So gesehen sind mit der fünffachen Ermahnung ("freut euch, kehrt zur Ordnung zurück, laßt euch ermahnen, seid eines Sinnes, lebt in Frieden") die Herzensanliegen des Apostels gegenüber der Gemeinde von Korinth formuliert. Andererseits ist auffällig, daß der vorliegende Briefschluß knapper als in anderen Schreiben gehalten ist. Paulus sah sich in der von ihm gegründeten Gemeinde zunehmend mit internen Auseinandersetzungen, aber auch mit harter Opposition gegen sich selber konfrontiert. Die Kap. 10-13 des zweiten Konrintherbriefes enthalten eine scharfe Abrechnung mit den Gegnern und Kritikern. Die erhitzte Stimmung, in der diese Abrechnung gehalten ist, stand breit ausladenden Schlußworten offensichtlich entgegen.
Immerhin greift Paulus am Ende nach einer bedeutungsschweren und in seinen Briefen singulären Segensformel: "Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen." Wie kommt er darauf? Dem Apostel ist an einer neuen Einheit mit der Gemeinde und in der Gemeinde gelegen. Von alleine, nur aus den Kräften menschlichen Bemühens, geht das nicht. Wann immer Einheit möglich wird, ist sie eine Gabe Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, jenes dreifaltigen Gottes, der in der Einheit der drei Personen selber als Gemeinschaft existiert. Dies ist die lebendige Überzeugung eines Mannes, dem die Unwilligkeit und Uneinigkeit der Gemeinde von Korinth einigen Ärger bereitete. Ob diese Überzeugung auch in unseren Gemeinden und in der Kirche von heute das letzte Wort hat?
Als zweite Lesung wurde der Schluß des 2. Briefes des Apostels Paulus an die Korinther ausgewählt. Er enthält ein trinitarische Segensformel, in der neben dem Sohn der Vater und der Heilige Geist angerufen werden. Solche Formeln sind im Neuen Testament durchwegs geläufig. Sie dürften im liturgischen Gebrauch entstanden sein und bilden die biblische Grundlage der Theologie des dreifaltigen Gottes.
Der Briefschluß hält sich im übrigen an die damals geläufige Form, einen Brief abzuschließen.
Paulus ermahnt seine Adressaten, zur Ordnung zurückzukehren. Eine Reihe von Problemen, die die Gemeinde von Korinth zu sprengen drohten, waren der Anlaß für diesen Brief.
Auf die Ermahnung folgt eine Verheißung: Der Gott der Liebe und des Friedens wird mit euch sein.
Die unseren Ohren ungewohnte Formulierung "mit heiligem Kuß" stammt einerseits aus einer jüdischen Umgangsform, welche in die christliche Liturgie übernommen worden ist: Der Kuß als Ausdruck der Versöhnung und des Friedens. Die Christen als Heilige zu bezeichnen, kommt ebenfalls aus dem liturgischen Sprachgebrauch.
Halleluja. Halleluja.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Ehre sei dem einen Gott,
der war und der ist und der kommen wird.
Halleluja.
Aus dem hl. Evangelium nach Johannes.
Gott hat die Welt so sehr geliebt,
dass er seinen einzigen Sohn hingab,
damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht,
sondern ewiges Leben hat.
Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt,
damit er die Welt richtet,
sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.
Wer an ihn glaubt,
wird nicht gerichtet;
wer nicht glaubt, ist schon gerichtet,
weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes
geglaubt hat.
(Lektionare 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Der Perikopentext findet sich im Rahmen des sogenannten Nikodemusgespräches. Es geht beim Gespräch mit Nikodemus um die Wiedergeburt des Menschen aus dem Geist. Für den Christen geht es um diese Geistgeburt und ein geistgelenktes Leben.
V 16: Dieser Vers hört sich bereits als eine liturgische und katechetische Formel aus dem Leben der Gemeinde an. Es ist andererseits die Theologie des Verfassers zu spüren. Nach Johannes ist es der Vater, der den Sohn dahingibt. Diese einmalige Tat ist der Erweis seiner Liebe.
Dieses Ereignis hat Folgen. Jeder, der an den Sohn glaubt, soll nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben. An den Sohn glauben ist bereits Formel für die Nachfolge Jesu. Es heißt: in Jesus den Sohn Gottes sehen. Der Glaubende soll nicht zugrunde gehen, sondern im Sohn einen neuen und bleibenden Bestand haben.
V 17: In formelhafter Wendung wird die Rede Jesu weiterführt, die eine Offenbarunsrede sein soll: Jesus offenbart den Vater und sich selbst als Sohn. Der Gesandte hat einen Auftrag, der heißt: die Welt retten und nicht richten. Die „Welt“ ist bei Johannes die Sphäre der Gottesferne. „Welt“ ist aber auch die Gesamtheit der Menschen, die gegen ihren eigenen Schöpfer stehen. Menschen und Welt sollen gerettet werden, sie sollen im Herrschaftsbereich des Sohnes und durch dessen Vermittlung gerettet werden.
V 18: Der Glaubende hat die Krisis bereits durchschritten, er hat das Gericht des Sohnes nicht mehr vor sich. Der Glaube ist das Gericht. Die Antithese ist nun der Nicht-Glaubende. Auch er hat das Gericht bereits hinter sich, denn er richtet und verurteilt sich selbst durch seinen Unglauben. Er besteht darin, nicht an den Namen des einziggeborenen Gottessohnes zu glauben. Dieser Prozeß der Ablehnung ist bereits Gericht. Es gibt für Jesus keine neutrale Zone vor Gott. Es gibt nur die Alternative der Annahme oder der Abweisung.
Die Perikope entstammt jenem Abschnitt im Johannesevangelium, der unmittelbar an das Gespräch Jesu mit Nikodemus (Joh 3,1-13) anknüpft. Dieser "führende Mann unter den Juden", wie er genannt wird, kommt in der Dunkelheit der Nacht, in der Dunkelheit des verlorenen Zustandes der Welt, zu Jesus. Was ihm noch am Ende seines Gesprächs nebulös bleibt, wofür er sich zwar interessiert, aber noch nicht ereifern kann, das wird in den drei Versen der Perikope in helles Licht gesetzt: die Bedeutung der Sendung Jesu Christi. Wir haben es mit einem Grundriß der johanneischen Theologie zu tun.
Gott bietet aus Liebe zur Welt das Kostbarste auf, das er hat, seinen Sohn - und damit sich selbst. Ohne Vorbehalt verschenkt er sich an die Welt, wird den Menschen Mitmensch und teilt ihr Geschick. Ziel der Hingabe des Sohnes ist die Rettung der Welt, die Rettung jedes einzelnen Menschen. Wenn der Mensch glaubt, wenn er auf die Initiative Gottes eingeht, wenn er vertrauensvoll seine Hand in die Hände des Sohnes legt, kann er Lebensglück und Lebensfülle, das ewige, will heißen: das göttliche Leben erreichen. Die menschliche Freiheit läßt freilich auch den Unglauben zu. Wer nicht glaubt, verhängt aus Eigenem über sich das Gericht, er verstellt sich selbst den Weg zu Lebensfülle und Lebensglück.
Das Johannesevangelium läßt offen, ob Nikodemus noch anwesend ist, als Jesus seine Sendung erläutert. Es fehlt jede Reaktion. Fast scheint es, daß er sich bereits in die Dunkelheit der Nacht verabschiedet hat, aus der er gekommen war. Nikodemus begegnet noch einmal, als er im Hohen Rat dafür plädiert, Jesus eine gerechte und gesetzesgemäße Behandlung zuteil werden zu lassen (Joh 7,50). Schließlich führt er gemeinsam mit Josef von Arimathäa die Bestattung Jesu durch (Joh 19,39). Jetzt, da der vom Vater gesandte Sohn Leiden und Tod nicht scheute, um die Welt zu retten, steht Nikodemus als Glaubender da, beschämt vielleicht, aber bereit, Jesus jeden guten Dienst zu tun, ihn anzurühren, ihn zu bergen.
Ein in unseren Breiten bekanntes Dreifaltigkeitsbild ist der Gnadenstuhl. Dieses Bild stellt Gott-Vater dar, der dem Betrachter den Gekreuzigten zeigt. Eine treffende Illustration für die Erkenntnis, zu welcher Nikodemus erst allmählich fand: "Gott hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat." (Joh 3,16). Der Heilige Geist, der auf dem Bild des Gnadenstuhls als Taube aufscheint, mag zu dieser Erkenntnis verhelfen!
Die Perikope stammt aus dem Zusammenhang einer Logienkette. Sie enthält jeweils ein Logion zum Thema Hingabe des Sohnes (Vers 16), Sendung des Sohnes (Vers 17) und Glaube und Gericht (Vers 18).
Kernstück der Aussagen ist die Liebe Gottes, die bis zum Opfertod des Sohnes geht. Dramatisch gesteigert wird Darstellung im Wechsel von "Menschensohn" (Vers 14) zum "einzigen Sohn" (Vers 15ff). Auffallend ist die Gegenüberstellung der Liebe Gottes und der durch sie beeinflussten Welt. Auch betont Paulus die freie Willensentscheidung für den Glauben: Sie ermöglicht auch eine Ablehnung der Liebe Gottes, die eine prompte Tatstrafe nach sich zieht.
Nach: Gnilka, J.; Johannesevangelium (=NEB NT 1), 29
Der Glaube an einen dreifaltigen Gott erscheint zunächst als komplizierte Glaubensformel. Ihre Entstehung wird im geschichtlichen Rückblick verstehbar. Die Liebe des Schöpfers ist in der Liebe Jesu und im Wirken des Heiligen Geistes erfahrbar.
Der Erfolg populistischer Politiker beruht zu einem guten Teil darauf, dass sie ihren Anhängern für brennende Fragen eine vereinfachte Sicht komplexer Probleme bieten. In der Praxis stellt sich dann jedoch heraus: "Es ist alles kompliziert"; eine Feststellung, mit der sich ein ehemaliger österreichische Bundekanzler an das Gedächtnis vieler Österreicher eingeschrieben hat.
"Es ist alles kompliziert", gilt auch für viele Glaubensfragen. Und auch hier tummeln sich auf der einen Seite Vereinfacher und Fundamentalisten, auf der anderen Seite fragt man sich berechtigterweise: Kann man das nicht auch einfacher erklären? Im Besonderen gilt das für unseren Glauben an 1 Gott in 3 Personen. Eine einfache Erklärung kann ich Ihnen nicht bieten. Mir hilft jedoch der Blick darauf, wie es zu dieser Glaubensformel gekommen ist. Was möchte sie zum Ausdruck bringen? Wichtiger ist mir jedoch, welche Bedeutung der Glaube an einen freifaltigen Gott für mich persönlich hat.
Um diesen zentralen Glaubenssatz von der Dreifaltigkeit und Dreieinigkeit Gottes zu verstehen, kann helfen, sich den geschichtlichen Hintergrund vor Augen zu führen.
Alle antiken Kulturen, aus denen das Judentum und später das Christentum und der Islam herausgewachsen ist, haben eine Vielzahl von Gottheiten verehrt. Für jeden Lebensbereich, in dem man eine religiöse Dimension wahrgenommen hat, war eine Gottheit zuständig.
Für das Volk Israel wurde prägend, dass es sich immer wieder aus der Unterdrückung durch mächtige Nachbarvölker befreien konnte. Dies schrieben sie ihrem Gott zu, unter dem sie die Erfahrung machten, dass er mit ihnen als der "Ich-bin-da" mit ihnen mitzog und sich als allen anderen Gottheiten überlegen erwies.
Diesen Gott erlebten sie als väterlich-mütterlich, ihm schrieben sie die Erschaffung der Welt zu, er gab ihnen Gebote, die ihnen den Zusammenhalt und das Überleben im Kampf mit anderen Völkern ermöglichte. Von ihm fühlten sie sich in allen Lebenslagen begleitet.
Jesus von Nazareth, der in dieser Kultur und religiösen Atmosphäre aufwuchs, führte dieses gläubige Bewusstsein noch weiter. Ihm war es ein Anliegen, die Liebe dieses Schöpfergottes und väterlichen Begleiters in seinem Reden und Tun auch zwischenmenschlich erfahrbar zu machen. Der unnahbare ferne Gott kam in Jesus den Menschen nahe. Die Jünger sahen in ihm den von Gott gesandten Messias und erkannten in ihm den fleischgewordenen "Sohn Gottes".
Nach dessen gewaltsamen Tod erlebten sie, dass sein Geist nicht ausgelöscht war, dass er in neuer Weise weiterlebte und dass er als Heiliger Geits Gottes in der Kirche weiterwirkte und gegenwärtig war.
In den ersten Jahrhunderten des Christentums gab es heftige theologische Auseinandersetzung, wie all diese unterschiedlichen Gotteserfahrungen als Einheit verstanden werden können und was sich daraus für ein gemeinsames christliches Gottesbild und Glaubensbekenntnis ergibt.
Für mich persönlich haben die damals verhandelten Aspekte auch heute richtungweisende Bedeutung.
Grundlegend für meine Weltsicht ist, dass es über die mit menschlichen und naturwissenschaftlichen Mitteln erfassbare Welt hinaus eine religiös-geistige Dimension gibt, geben muss, die traditionellerweise als göttlich wahrgenommen und bezeichnet wird. Für mich bleibt das ein Geheimnis im Sinne von Mysterium, das ich mit meinem menschlichen Geist nicht auflösen kann.
Die Erfahrungen, die Menschen im Laufe der Geschichte mit dieser göttlichen Dimension gemacht haben, kann ich in den verschiedenen eigenen Lebenserfahrungen gut nachvollziehen. Über sie nachzudenken ist für meinen Glauben hilfreich:
So glaube ich an einen väterlich-mütterlicher Schöpfergott, der aus Liebe diese Welt hervorgerufen hat und gewollt hat, dass es auch mich als konkreten Menschen gibt. Seine lebensbejahende Liebe zu allen Menschen und zu seiner ganzen Schöpfung erfahre ich aber auch in meinen Beziehungen zu anderen Menschen und im Zusammenwirken aller "Menschen guten Willens". In meiner eigenen Kreativität und in der Kreativität der ganzen Menschheit erlebe ich die geistige Kraft dieser göttlichen Wirklichkeit.
Die viel größere Herausforderung des christlichen Gottesbildes sehe ich darin, dass Gott Person ist. Dass es "irgend etwas geben muss", glauben die meisten Menschen. Ein "Etwas" ist mir jedoch zu wenig. Einem "Etwas" fühle ich mich als einzigartige und einmalige Person, als die ich mich wahrheme, überlegen. Als Person kann ich einem Du gegenübertreten, das auch einzigartig und einmalig ist. Als Person kann ich zu diesem Du sprechen, kann diese Person lieben und zu ihr eine unverwechselbare Beziehung aufbauen. Als Person bin ich auch für Gott einzigartig. Jesus hat uns angeleitet, diesen väterlichen Gott als Du anzusprechen.
Das Wesen Gottes lässt sich, wie der Verfasser des Johannesbriefes es formuliert, in dem einfachen Satz zusammenfassen: "Gott ist Liebe…" (1 Joh 4,16). In diese Liebe sind wir Menschen hineingenommen: "Wie mich der Vater geliebt hat, so habe ich euch geliebt…", sagt Jesus (Joh 15,9). – Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist das Geheimnis Gottes gar nicht so kompliziert, wie es zunächst erscheint.
Das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit fasst die Offenbarung Gottes zusammen.
Heute beschäftigen wir uns mit Texten, die uns zum „Grundwasserspiegel unseres Glaubens“ führen. In der kürzlich zu Ende gegangenen Trockenperiode haben wir erlebt, dass der Grundwasserspiegel in der Natur tief abgesunken ist. Als Seelsorger beobachte ich mit Sorge, dass gegenwärtig offenbar auch der Grundwasserspiegel des Glaubens absinkt.
Am Beginn dieses Gottesdienstes habe ich Sie bereits mit dem Satz aus dem 2. Korintherbrief begrüßt: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch.“ Jeder Christ und jede Christin sollte Bescheid wissen und wenigstens ansatzweise erklären können, was mit „Dreifaltigkeit“ gemeint ist, und was uns in schwierigen Zeiten hoffnungsfroh macht und wie wir getrost durchs Leben gehen können, selbst dann, wenn es zu brandgefährlichen Situationen kommt. Das alles sind jedoch nur Formulierungs- und Erklärungsversuche, weil wir es mit einem „Geheimnis des Glaubens“ zu tun haben.
Bei der Beschäftigung mit diesem Thema geht es um die Frage: Wer ist Gott für mich, für Sie, für uns alle? Sollte es uns gelingen, Gott in einigen Facetten verständlich zu machen, holt uns der hl. Bischof und Kirchenlehrer Augustinus (354-430) zurück auf den Boden der Realität, wenn er behauptet: „Verstehst du Gott, dann ist es nicht Gott.“
Gott ist weder männlich noch weiblich, zeigt aber durchaus männliche und weibliche Eigenschaften, wie die erste Lesung erwähnt: „Der Herr ist barmherzig, langmütig, reich an Huld und Treue.“ (Ex 34,6). Er wendet sich voll Güte seinem Volk zu, auch wenn dieses seine Liebe ablehnt und seine Treue durchbricht. Die Glaubensgeschichte Israels besteht aus Wechsel von Berufung und Ablehnung. Dieses Volk ist ein „störrisches Volk“ (Ex 32,9), und im Neuen Testament sieht es nicht viel besser aus. Paulus bringt das Christentum nach Europa, und als er die Athener über die „Auferstehung der Toten“ informieren will, kam prompt die Reaktion: „Die einen spotteten darüber, andere sagten: Darüber wollen wir dich ein andermal hören… Einige schlossen sich ihm an und wurden gläubig.“ (Apg 17,32-34).
Besser könnte man auch die gegenwärtige Situation nicht beschreiben. Mit ähnlichen Worten könnte man darstellen, wie es um die Annahme christlicher Verkündigung heute steht: Gleichgültigkeit, Unwilligkeit… - dazwischen liegen Unsicherheit und Zweifel. Mag sein, dass dieser Zweifel zum Nachdenken, zu Einsicht und Erkenntnis des Glaubens führt.
Gott offenbart sich auf mehrfache Weise: „Ich-bin-der-ich-bin-da“, ich bin mitten unter euch gegenwärtig. Eine göttliche Offenbarung, keine Projektion, wie der Philosoph Ludwig Feuerbach (1804-1872) meinte. Gott sagt, es gibt mich, daher muss es auch ein DU geben. Diesem DU, also uns Menschen, wird Freiheit geschenkt. Gott gibt Freiheit, sonst wären wir Marionetten. Diese Freiheit hat der Mensch von Anbeginn missbraucht. Weil Gott langmütig ist, hat er diesen Bruch des Bundes mit ihm, den der freie Mensch immer wieder herbeiführte, immer wieder erneuert. Das ist Liebe bis hinein in den Tod, eine Liebe, die über den irdischen Tod hinausgeht.
Gott baut das ursprüngliche Vertrauensverhältnis durch seinen Sohn Jesus wieder auf. Vertrauen braucht keine Beweise: cor dare heißt zusammengezogen credo: Ich schenke dir mein Herz, so wie es Verliebte tun und wie es sich auch in den verschiedenen Formen der Liebe zeigt. Der Heilige Geist stellt diese Beziehung her und schafft Gemeinschaft.
Der Urgrund des Seins ist eine Ich-Aussage und Zeichen der Liebe wie wir sie in den Ich-bin-Worten Jesu immer wieder finden (z.B. in den Aussagen: Ich bin der gute Hirte; Ich bin der Weinstock…). Ein Zeichen großer Liebe finden wir auch im Johannes- Evangelium: „Denn Gott hat seinen einzigen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde.“ (Joh 3,17). Voraussetzung ist aber unser Glaube. Deshalb sollten wir uns immer wieder fragen: an wen verschenken wir unser Herz?
Kann man heute noch an Gott glauben? Lohnt sich das heute noch? Brauchen wir überhaupt einen Gott? Wer Gott braucht, läuft Gefahr, ihn zu missbrauchen... Nicht wenige meinen heute, ohne Gott besser leben zu können. Die historisch gewachsene theologische Formulierung des Gottesglaubens ist einigermaßen kompliziert. Sie eröffnet jedoch eine Weite der Gottesvorstellung und Gottesbeziehung, die in den gegenwärtigen großen Herausforderungen hilfreich ist.
"Gott existiert. Ich bin ihm begegnet" lautet der Titel eines Bestsellers des französischen Schriftstellers André Frossard, in dem er beschreibt, wie er im Alter von 20 Jahren als ein in einer atheistischen Familie aufgewachsener überzeugter Marxist seine Bekehrung erlebt hat und seitdem nicht müde geworden ist, seine Überzeugung, dass Gott existiert, zu bezeugen.
Nicht wenige große Denker, Naturwissenschaftler und Philosophen werden nicht müde zu betonen, dass sich eine Existenz Gottes nicht beweisen lasse. Vor etwa 15 Jahren rollte weltweit durch viele Großstädte eine Werbekampagne mit der Botschaft: "Wahrscheinlich gibt es keinen Gott – also hör' auf, dir Sorgen zu machen und genieße das Leben." Genau besehen richtete sich diese Aktion an Menschen, die sich vor Gott ängstigen, und wandte sich gegen Menschen, die solche Ängste schüren und mit angstmachenden Gottesbildern religiösen Druck ausüben.
Der deutsche Autor Heinrich Böll, ein bekennender Christ, spottet in seinem Buch Ansichten eines Clowns: "Atheisten langweilen mich, weil sie immer nur von Gott sprechen." Wenn man bei anderen gläubigen Autoren nachgräbt, entdeckt man eine Menge ähnlich flotter Sprüche. Auch als gläubiger Menschen kann ich diesen Auseinandersetzungen Positives abgewinnen, sie treffen aber nicht den entscheidenden Kern der Frage nach Gott.
Die Bibel – in den großen heiligen Schriften anderer Religionen verhält es sich nicht wesentlich anders – erzählt zwar immer wieder von Menschen, die nicht an Gott glaubten, ihr Hauptinteresse ist es aber, die Erfahrungen und Erlebnisse, die gläubige Menschen mit ihrem Glauben an Gott gemacht haben, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Solche Gotteserfahrungen kann man psychologisch, naturwissenschaftlich, historisch oder auch philosophisch in Frage stellen, die Existenz oder Nicht-Existenz Gottes lässt sich jedoch nicht beweisen. Beides bleibt eine Sache persönlichen Glaubens.
Die biblischen Texte fragen nicht, ob Gott ist, sondern wie Gott ist. So auch die Bibeltexte, die heute am Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit in der Liturgie vorgetragen werden.
Die Erzählung von der Begegnung des Mose mit Gott auf dem Berg Sinai stellt uns einen Gott vor, der zu den Menschen hält, mit ihnen mitgeht, sie ins Gelobte Land führt, obwohl er Grund hätte, sich von diesen Menschen abzuwenden, nachdem sie von ihm abgefallen waren und sich andere Gottheiten gesucht hatten.
Paulus beschließt seien Zweiten Brief an die Korinther mit einer Segensformel, die eine bereits sehr frühe liturgische Sprechweise von einem dreifaltigen Gott bezeugt. Mit ihr ruft er Gnade, Liebe und Gemeinschaft, das Wohlwollen Gottes, auf die Gemeinde herab.
Im Johannesevangelium stellt Jesus seinem Gesprächspartner Nikodemus, einem gottesfürchtigen jüdischen Schriftgelehrten, Gott als den großen Liebenden vor, der bereit ist, seinen Sohn hinzugeben, um den Menschen zu zeigen, wie sehr er die Menschen liebt und um ihr Heil besorgt ist: "Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird."
Sich Gott als dreifaltig und dreieinig vorzustellen und zu bekennen, ist das Ergebnis langer theologischer Diskussionen. Der Dreifaltigkeitssonntag ruft uns das alljährlich in Erinnerung. Wer den biblischen Gottesbildern folgt, lernt diesen als wohlwollenden und die Menschen liebenden Gott kennen. Er braucht sich vor diesem Gott nicht zu ängstigen.
Die Menschen, von denen die Bibel erzählt, haben diesen Gott aber auch als mächtigen Gott kennengelernt, der nicht zulässt, dass seiner Schöpfung auf Dauer Schaden zugefügt wird oder dass sie zerstört wird. Zu fürchten haben ihn jene, die sich selbst zu Herren der Welt und der Schöpfung erklären, die diese Welt ausbeuten, andere erniedrigen und ihrer Herrschaft unterwerfen. Sie sollen ihn nicht unterschätzen. Er hat einen langen Atem. Seine Macht reicht über Generationen hinweg: "Der HERR ist der HERR, ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig und reich an Huld und Treue: Er bewahrt tausend Generationen Huld, nimmt Schuld, Frevel und Sünde weg, aber er spricht nicht einfach frei, er sucht die Schuld der Väter bei den Söhnen und Enkeln heim, bis zur dritten und vierten Generation."
Angesichts der großen Probleme, die uns in der gegenwärtigen Welt bedrängen – Kriege, Umweltzerstörung, Klimakrise, soziale Ungerechtigkeit u.a.m. – gibt uns der Glaube an diesen menschenfreundlichen und wohlwollenden Gott Hoffnung. Er hat, so bin ich überzeugt, den längeren Atmen. Somit ist die Frage, ob es Gott gibt, nicht nur eine Frage des Glaubens, sondern auch eine Frage der Hoffnung. Ihn zu lieben und ihm vertrauen, ist die großartige Einladung des heutigen Festes.
Die Lehre von der Dreifaltigkeit Gottes erscheint uns als schwierig. Sie eröffnet uns aber einen Zugang zu einem Gott, der uns auf vielfältige Weise nahe ist.
Heute feiern wir den Dreifaltigkeitssonntag. Wir feiern etwas, was uns vertraut und doch fremd ist: den dreieinigen Gott bekennen wir immer im Kreuzzeichen vor dem Gebet, gefragt, was das eigentlich soll, und wieso wir uns Monotheisten nennen, obwohl es doch eigentlich drei Götter sind, kommen die meisten von uns ins Straucheln.
Die Dreifaltigkeit war immer schon auch Streitthema, bereits in der frühen Kirche zur Zeit des Ambrosius von Mailand gab es die Arianer, die einen Gott in drei Personen als Blasphemie empfanden. Solche Kritiken kamen im Lauf der Kirchengeschichte immer wieder auf. Auf dem Konzil von Konstantinopel wurde festgehalten, dass das Wesen Gottes in seiner Verwirklichung drei Formen beinhaltet, die eins sind und dennoch verschieden: Gott Vater, den Schöpfer, Gott Sohn, der in seiner Göttlichkeit ganz Mensch geworden ist und der Heilige Geist, der in den Menschen wirkt. Eine, wie ich finde, schöne Formulierung findet sich bei Hans Küng: „Gott ist als Vater der „Gott über uns“, als Sohn, der in Jesus Christus Mensch geworden ist, der „Gott mit uns und neben uns“, als Geist der „Gott in uns““ (Küng, Hans, Das Christentum. Wesen und Geschichte, München 2007).
In den heutigen Tagestexten wird Gott vor allem als der mitleidende, mitfühlende, barmherzige Gott geschildert, dem nichts so am Herzen liegt wie das Wohl der von ihm geschaffenen Menschen. „Freut Euch“ fordert Paulus die (immer wieder mal zerstrittenen) Mitglieder der Gemeinden in Korinth auf, und Mose wagt es gar, diesen Gott darum zu bitten, Schuld und Sünde zu verzeihen, weil die Israeliten doch sein Volk sind. Und im Evangelium hören wir, dass Gott den Sohn geschickt hat, nicht um zu richten, sondern um zu retten. Zu Pfingsten befähigte der Geist die Jünger und Jüngerinnen Jesu, ihre Angst zu überwinden und vor die Menschen zu treten, um Sein Wort zu verkünden.
Was heißt das nun für uns? Wie kommen wir nunmehr diesem dreieinigen Gott näher? Gott ist vielfältig. Er ist immer bei uns – so, wie wir es gerade brauchen. Sei es der liebende Vater, der tröstet, wenn wir Trost brauchen, sei es der Geist, der uns antreibt, der uns Auswege zeigen kann in der Ausweglosigkeit, sei es der Sohn, unser Mensch gewordener Bruder, der als Mensch unter Menschen gelebt hat, dessen Leben uns zeigt, wie es auch gehen kann, dessen Lehre uns helfen kann, immer wieder umzugehen, wenn wir in die Irre gelaufen sind.
Oft merken wir nichts davon. Aber wenn wir Augen und Ohren offenhalten, begegnet uns dieser Gott in vielfacher Gestalt: wenn wir auf einem Berggipfel stehen oder am Meeresstrand und die Schöpfung bestaunen; wenn im Frühling aus Bäumen, die wie tot aussehen, die ersten Blätter wieder neu sprießen; wenn uns, wenn wir Hilfe brauchen, plötzlich eine helfende Hand gereicht wird; wenn wir in den Krisen unserer Zeit merken, was wirklich wichtig ist im Leben; aber auch, wenn wir unsere Hilflosigkeit angesichts von Klimaerwärmung, Kriegen und anderen zum großen Teil menschengemachten Katastrophen dennoch nicht verzweifeln.
Auch in der Musik und der Kunst kann uns Gott begegnen: Als Karfreitag 2015 in Bonn meine Freundin starb, sind mein Mann und ich anschließend zum Gebet in die Münsterkirche gegangen. Im Altarraum hing ein großes, dunkles Bild mit einer Art Tunnel zum hellen Licht. Und ich saß da und wusste: Sie ist angekommen, da, wo wir uns alle einmal wiedersehen werden.
Dreifaltigkeitssonntag: Haben wir jetzt etwas mehr verstanden, was es bedeuten soll? Ich weiß es nicht. Aber ist es nicht so, dass es um unseren Glauben geht? In jeder Eucharistiefeier preisen wir das „Geheimnis des Glaubens“. Glauben ist nicht wissen. Glauben heißt, nicht alles erklären zu müssen. Sich drauf einlassen zu können. Gott ist vielfältig in seiner Gestalt. Er begegnet und begleitet uns, wenn wir es zulassen. Er ist bei uns alle Tage bis zum Ende der Welt. Das ist die Zusage. Für mich. Und für Euch. Und für alle, die an diesen geheimnisvollen dreieinigen Gott glauben.
Der Dreifaltigkeitssonntag erinnert uns daran, dass wir von Gott nicht reden können, wie wir über andere Wirklichkeiten reden. Wir können Erfahrungen mit ihm austauschen und diskutieren, können aber sein Geheimnis nicht in Begriffe pressen und ihn "begreifen". Staunend stehen wir vor dem großen Geheimnis Gott, ehrfürchtig verneigen wir uns vor ihm und preisen wir ihn.
Vor vielen Jahren kam ich beim Mittagessen in der Klostergemeinschaft mit drei älteren Mitbrüdern an einem Tisch zu sitzen. Alle drei waren mehr oder weniger schwerhörig. Wir haben uns trotzdem angeregt unterhalten. Bald fiel mir auf, dass jeder von etwas anderem redete. Solange die einzelnen Beteiligten dies nicht bemerkten, verlief das Gespräch für jeden befriedigend… Keine Sorge, wir haben uns nicht die Köpfe eingeschlagen, als wir nach und nach mitbekamen, dass wir lediglich meinten, uns über dasselbe zu unterhalten.
Ähnlich ergeht es mir, wenn ich in Gespräche über Gott verwickelt werde. Ich frage mich: Reden wir über dasselbe? Worüber reden wir, wenn wir das Wort Gott in den Mund nehmen? Meinen wir wirklich das Gleiche?
Jeder Mensch, entwickelt im Laufe seines Lebens seine eigenen Gottesvorstellung, auch jene, die zum Schluss kommen, wahrscheinlich gibt es ihn gar nicht. Jede Religion hat ihre eigene Geschichte ihrer Rede von Gott. Alle durchliefen einen langen Diskurs von Gottesvorstellungen, Gottesbildern und formulierten daraus für ihre Anhänger Glaubenssätze. Manche erliegen dabei der Versuchung, anderen ihre Gottesvorstellungen eintrichtern zu wollen oder gar einander die Köpfe einzuschlagen.
Die Christen haben für ihre Rede von Gott die theologische Formel "1 Gott in 3 Personen" gefunden. Sie glauben an den einen, dreifaltigen und dreieinigen Gott. Aber was bedeutet das konkret?
Mit der Rede von Gott ist es ähnlich wie mit der Rede vom Heiligen Geist. Geist kann man nicht sehen, man kann aber sein Wirken erkennen und daraus Rückschlüsse auf ihn ziehen.
Die Heiligen Schriften, die wir als Grundlage unseres Glaubens betrachten, aber auch eine Vielzahl von anderen Büchern erzählen uns von Menschen und ihren Erfahrungen mit Gott. Diese Texte sind jedoch zeitbedingt und geprägt von den Gottesvorstellungen und Redeweisen der jeweiligen Zeit. Wenn ich sie lese, drängt sich mir dabei die Frage auf: Was wollen diese Menschen mir damit sagen? Welche Glaubenserfahrungen möchten sie damit späteren Generationen weitergeben? Welche Botschaft wollen die biblischen Autoren, die diese alten zunächst mündlich weitergegebenen Erzählungen gesammelt und aufgeschrieben haben, ihren Lesern vermitteln? Sie tun es mit den Ausdrucksmitteln ihrer jeweiligen Zeit. Viele Texte sind literarische Kleinode, lesenswerte Weltliteratur. Sie haben einen viel größeren und weiteren Horizont, als wir ihnen in ihrer zeitbedingten Aufmachung zutrauen. Wir werden ihnen nicht gerecht, wenn wir sie wie Zeitungsberichte unserer Tage lesen. Sie verlangen von uns einen behutsamen und geduldigen Umgang mit ihnen.
Das Judentum und auch der Islam verbieten ihren Gläubigen, sich Bilder von Gott anzufertigen. Sie vermitteln ihnen damit: Jedes Bild das wir uns von Gott machen, ist unzulänglich und damit auch falsch. Wir können Gott nicht in Bildern festhalten, abgesehen davon, dass naive Menschen unter Umständen die Bilder selbst für Gottheiten halten.
Das gilt auch für das Sprechen von Gott. Wir können einander unsere Erfahrungen mit Gott und unsere Vorstellungen von Gott mittteilen, wir können damit aber nicht Gott "einfangen". Wir können Gott nicht begreifen und nicht durch Begriffe definieren. Gott übersteigt unsere Begriffe, Vorstellungen und Bilder. Persönliche Glaubenserfahrungen sind Momentaufnahmen und Deutungen des Erlebten. Sie haben begrenzten Wahrheitswert.
Die theologische Rede vom dreifaltigen und dreieinigen Gott ist der Versuch, die vielfachen Gotteserfahrungen gläubiger Menschen zusammenzufassen und auf den Punkt zu bringen ohne dabei der Versuchung zu erliegen, Gott in den Griff bekommen zu wollen oder ihn begreifen zu können.
Das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit folgt auf die drei großen Feste des Christentums, an denen wir unsere Aufmerksamkeit jeweils auf einen Erzählkreis über das Geheimnis Gottes gerichtet hatten.
Rund um Weihnachten betrachteten wir die Überlieferungen, die uns von der Nähe und Menschenfreundlichkeit Gottes und von seiner Menschwerdung in Jesus von Nazareth erzählen.
Rund um Ostern richteten wir unsere Aufmerksamkeit auf Jesus Christus, in dem die Liebe Gottes bis hin zur Selbstaufopferung sichtbar und spürbar geworden ist.
Zu Pfingsten machten wir uns den Atem Gottes bewusst, der die ganze Schöpfung von ihrem ersten Anfang an bis in unsere gegenwärtige Welt hinein durchweht.
Wir stehen ehrfürchtig staunend vor dem großen Geheimnis, das wir Gott nennen. Wir stehen ihm nicht beziehungslos gegenüber, sondern glauben, dass er uns persönlich liebt, denn persönlich geliebt werden ist die unübertrefflich intensivste Liebe, die wir Menschen erleben können.
Mit allen, die sich vom Geheimnis Gottes berühren, erschüttern und faszinieren lassen, stimmen wir am Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit in das "Te Deum", in das "Großer Gott, wir loben dich" der ganzen Menschheit ein.
(Als Schlusspunkt der Predigt schlage ich vor, gemeinsam das "Großer Gott, wir loben dich" zu singen.)
Der Glaube an einen dreifaltigen Gott hat seine Wurzeln im Geheimnis der Liebe Gottes. Der Mensch und die ganze Schöpfung wurden von ihm aus Liebe geschaffen. Gott nimmt auch teil am Leben der Menschen. Er hört ihre Not. Der Dreifaltigkeitssonntag ist ein Fest gegen den Egoismus und fordert uns auf, die Liebe Gottes weiterzutragen.
"Der Mensch ist nicht für sich allein geboren!" Dieses Wort habe ich zum ersten Mal im Lateinunterricht gehört. Es ist wichtig, sich für eine Sache im Leben einzusetzen. Nur für sich selber zu leben, das wird auf die Dauer unbefriedigend. Wir alle gehören zu einer Gemeinschaft. Da ist es wichtig, dass sich jeder, so gut es geht, einbringt mit dem, was er/sie kann. Das sind für mich sehr einsichtige Gedanken.
Wenn ich an das Fest von heute denke - Dreifaltigkeit - dann möchte ich das im gläubigen Sinne weiterführen. Der Mensch ist ein Ebenbild von Gott. Wir beten zu Gott, dem Vater, zu Gott dem Sohn und zu Gott, dem Heiligen Geist. Es sind nicht drei Götter. Gott ist der Vater, der diese Welt aus Liebe geschaffen hat. Gott ist der Sohn. Im Sohn zeigt sich die ganze Liebe des Vaters, spricht der Vater das Wort: "Ich liebe dich, du Mensch". Im Heiligen Geist wirkt Gott auch heute in der Welt und in seiner Kirche. Es ist der Gott für uns.
Dort, wo der Mensch sein Leben für andere lebt, dort zeigt er viel von Gott. Der Mensch findet dort zu sich selbst, zu seinem Wesen, wenn er für andere Menschen lebt. Denn: Gott ist nicht für sich allein geblieben. Gott hat sich - in seiner großen Liebe - verschenkt. Die Liebe sucht immer das Leben, das Glück und auch die Freude des anderen. Die Liebe nimmt vor allen Dingen Anteil am dem, was der andere, das Gegenüber in seinem Leben erfährt.
Als Christen/ innen dürfen wir an diesen Gott glauben. In der Lesung aus dem Buch Exodus lesen wir: Er lässt sein Volk Israel nicht allein in der Gefangenschaft in Ägypten. Gott hört das Schreien und das Wehklagen des Volkes. Weil Gott das Leben seines Volkes will, darum stellt er sich in der Lesung vor als "ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue." Gott ist diesem Volk, das die Treue zu IHM bricht, immer treu. Gott geht es um sein Volk, dass es zu IHM findet. Gott geht es darum, sein Volk in das gelobte Land zu führen. Gott möchte das Wohl seines Volkes, seine Erfüllung.
Dass Gott immer mit seinem Volk geht, das hat sich in der Geschichte Gottes mit uns immer gezeigt. Wo wir uns auf Gott einlassen, wo wir Frieden halten, wo wir versuchen in Gott eine Gemeinschaft zu sein, dort wird er unser Leben mit uns teilen. Sein Leben teilt Gott mit uns in Jesus Christus. In Jesus ist die Liebe Gottes sichtbar geworden. Gott ist nicht bei sich geblieben. Er verschenkt sich in seinem Sohn. In seinem Sohn schenkt Gott uns seine Gnade. Seine Gnade zeigt sich in der Liebe und in der Zuwendung gerade zu den Schwächsten und zu den Sündern, zu denen, die am Rande standen. Seine Gnade zeigt sich darin, dass Gott alle Menschen retten will, bei sich haben will.
Darum schreibt Johannes in seinem Evangelium, dass er die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen Sohn in die Welt gesandt hat, nicht um zu richten, sondern um zu retten. Wer an Jesus glaubt, der hat das ewige Leben. Alles, was Gott getan hat, das hat Gott aus Liebe zu uns getan. In Jesus ist die Liebe Gottes sichtbar und auch greifbar geworden, Mensch geworden.
Gott hat diese Welt nicht geschaffen und sie dann dem Schicksal überlassen. Sondern er hat eingewirkt in die Geschichte der Menschen. Gott greift auch ein in die Geschichte eines jeden einzelnen Menschen. An Christi Himmelfahrt und auch an Pfingsten haben wir gefeiert: Gott sendet seinen Heiligen Geist. In diesem Heiligen Geist wirkt Gott auch heute noch. Dort, wo Menschen miteinander als Christen leben, wo sie Gemeinschaft suchen, da ist auch Gott in seinem Heiligen Geist sichtbar und erfahrbar.
Dreifaltigkeit - Gott sucht Gemeinschaft mit uns und mit der Welt. Wir werden - ich habe es ja gesagt - dort am meisten Mensch, wo wir füreinander und miteinander leben. Wir kommen dort zu unserem Wesen, wo wir die Beziehung zueinander suchen. Wir finden dort zum Sinn unseres Lebens, wo wir "Liebe" wagen. Wo wir das wagen und uns redlich mühen, dort leben wir unseren Glauben an Gott, der sich in den drei Personen Vater, Sohn und Geist den Menschen zeigt.
So leben wir doch dort am Sinn vorbei, wenn wir eben nur noch für uns leben, nur noch die eigenen Interessen sehen. wir leben auch am Willen Gottes vorbei, wenn wir die Mitmenschen nicht als Bereicherung ansehen, sondern als Feinde, als jemanden, der unser Leben eingrenzt. Wenn ich nur noch meine eigene Meinung gelten lassen, wenn ich glaube, nur mein Volk, meine Religion ist das einzig wahre oder das bessere, dann geht das am Willen Gottes vorbei.
Viel Unterdrückung und Kriege sind wegen derartiger Meinungen entstanden. Wie oft wurden und werden auch heute noch Menschen getötet und unterdrückt wegen ihrer religiösen Anschauung, wegen ihrer politischen Meinung. Der ganze Terror, den wir zurzeit erleben, ist doch auch ein Zeichen davon, dass Menschen nur noch ihre eigenen Interessen sehen. Da ist kein Zugehen mehr auf andere. Da ist auch kein Verständnis für andere. Es macht auch Sorge, dass immer mehr PolitikerInnen nur noch die Interessen des eigenen Landes sehen. Hatte man in früheren Jahren sich um die Einheit bemüht, heute will man aus der Einheit und aus der Gemeinschaft ausbrechen. Viele Probleme, ganz besonders die Flüchtlingsprobleme sind eine Herausforderung, auch an uns als Christen. Hier zeigt sich - besonders in Deutschland, - ob wir nur für uns leben wollen oder ob wir bereit sind zu teilen, ob wir offen sind für die Menschen, die unsere Hilfe suchen.
Klar kann ich hier keine Lösung aller Probleme liefern, aber es geht ja auch um eine Grundeinstellung, das Dasein für andere, das Achten auf die Not der anderen, und nicht einfach das leben für sich selbst. Eine derartige Fehlhaltung kann und ist auch in der Kirche aufgetreten. Auch die Kirche in Deutschland hat so manchen Skandal erleben müssen. Papst Franziskus hat das vor gar nicht all zu langer Zeit angeprangert. Doch dürfen wir nicht mit dem Finger auf andere zeigen. Sondern wir sollten immer wissen: Wir haben unseren Glauben nicht für uns allein. Wir müssen ihn weitertragen und auch weitersagen.
Gebet und Gottesdienst, das alles sind Wege, in unserer Liebe zu Gott zu wachsen. Es sind Wege immer mehr mit Gott eins zu werden. Unser Wesen, unser Herz kann und soll sich wandeln. So wie Gott nicht für sich selbst da ist, so sind auch wir nicht für uns selbst da. Wir sollen hineinwachsen in diese Liebe, immer mehr und tiefer. Wir sollen hineinwachsen in der Einstellung, für andere zu leben. Wir sollen hineinwachsen in die Liebe, die sich verschenkt. Wachsen wir in die Liebe Gottes hinein.
Die Rede vom dreifaltigen Gott hat ihren Ursprung im Mysterium der Liebe Gottes. Seine Liebe begegnet uns Menschen in verschiedenen Gestalten. Sie nachzuahmen ist unsere Sendung.
„Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ - Ein zentraler Text des Johannesevangeliums, eine Kurzformel der Rettungstat Gottes am Menschen, ein Hoffnungswort für die verlorene Menschheit. Große Komponisten wie Bach, Schütz, Buxtehude, Telemann vertonten diese. Auch Liedermacher unserer Tage, wie der Musiker Albert Frey, wagten sich an dieses große Hoffnungswort.
Gott liebt uns so sehr, dass er für uns den Sohn dahingibt, damit jeder der an ihn glaubt, das ewige Leben hat. Der Sohn, Jesus, empfängt sein Leben und seine Liebe vom Vater. Er liebt den Vater und schenkt sich an den Vater zurück. Er lässt sich in dieser Liebe zu uns Menschen senden und senkt den hl. Geist Jesu allen, die glauben, ins Herz. Jesus bringt und verwirklicht auf unsere Erde, was die Propheten in Israel verkündeten: „Gnädig und barmherzig ist der Herr.“ Er versteht sich als der, auf dem der Geist des Herrn ruht, der gesandt ist, „den Armen eine gute Nachricht zu bringen, den Gefangenen die Entlassung zu verkünden und den Blinden das Augenlicht; und ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen.“ Jesus greift nicht zur Gewalt, er bleibt äußerlich schwach, ist göttlich groß in der Liebe inmitten seiner Bedrängnis. Das alles, weil er im Vater lebt und im Hl. Geist. Vater, Sohn und Hl. Geist sind die Dreifaltigkeit als höchste, lebendige Beziehung in glühender Liebe füreinander. Weil die drei göttlichen Personen in der Liebe eins sind, sind sie auch die Dreieinigkeit. Wir sind in Gefahr, den dreifaltigen Gott in Formeln auszudrücken, und vergessen dabei, dass wir erst dann uns dem Geheimnis nähern, wenn wir lieben.
Wir können in diese Dynamik eintreten und an ihr teilhaben, wenn wir nicht egoistisch für uns selbst leben, sondern für andere da sind. Den Lebensstil des dreifaltigen Gottes leben heißt, auf jede Form von ichbezogener Macht und, sei sie mir vielleicht zugestanden, zu verzichten und auf die Kraft der Liebe zu vertrauen. Wenn wir gegenüber Fremden unsere spontane Ablehnung und Berührungsangst von Jesu Geist wandeln lassen zu Offenheit, und in unserem Land alles tun, Fremden ein Zuhause erfahren zu lassen. Dann versuchen wir, wie Gott zu leben. Wir leben das Leben der Dreifaltigkeit, Gemeinschaft in der Verschiedenheit, getragen durch Annahme, Wohlwollen und Liebe.
Die Dreifaltigkeit offenbart sich in den Evangelien als die Urzelle von Gemeinschaft. Auch im Leiden und Sterben Jesu bleibt für uns geheimnisvoll diese Einheit erhalten und offenbart sich als göttlicher Abgrund der Liebe für uns Menschen. Ein großes Geheimnis. Wir können nur lobpreisen, staunen und anbeten. Es vollzieht sich in dem schlichten Gebet: "Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit."
Auch das sich Bekreuzen im Namen des dreifaltigen Gottes ist jedes Mal, wenn wir es tun, eine erneute Weihe an den dreifaltigen Gott, der intensivste Liebesgemeinschaft in der Verschiedenheit und Einheit ist.
Möge uns die Gnade des Miteinander in unserem Beziehungen und Gemeinschaften gegeben werden.
Alle Versuche, Dreifaltigkeit zu erklären, stoßen an unsere intellektuellen Grenzen, auch wenn es ganze Bibliotheken voll Literatur dazu gibt. Boshafter Spruch: Gott erfand die Theologen und schuf Handwerkszeug für sie, damit er endlich etwas über sich erfahren kann.
Lange Zeit sprachen wir von drei göttlichen Personen. Das brachte den Christen, vor allem seitens des Islam, den Vorwurf ein, selbst ein polytheistisches, also ein Gottesbild der Vielgötterei zu besitzen. Das Wort "Person" bedeutet heute etwas anderes als zur Zeit Jesu. Unter "Person" verstehen wir heute jemanden, der eigenständig und in Freiheit denkt und handelt, der über sich selbst bestimmen kann. Dadurch wird der Ausdruck von den "drei göttlichen Personen" missverstanden. Das war auch der Grund, weshalb das Konzil von Trient (1545-1563) die bildhafte Darstellung des Heiligen Geistes als Person verboten hat.
Wir feiern heute ein großes Fest der Beziehungen - DREIFALTIGKEITSSONNTAG. Die Texte am reich gedeckten Tisch des Wortes führen zu diesem Text der Beziehungen hin: "Meine Freude war es, bei den Menschen zu sein" (Spr 8,31) und Psalm 8,5-6: "Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt." Das Buch Genesis weist darauf hin, dass Gott dem Menschen, also Mann und Frau, göttlichen Atem eingehaucht hat. Luft brauchen wir zum Leben, auch zum Sprechen.
Das lateinische Wort personare bedeutet "durchtönen", "laut verkünden" In welchem Geist sprechen und handeln wir? Immer im Sinn des Evangeliums, der Frohen Botschaft?
Die erste Lesung verdeutlicht, dass Gott der Spender allen Lebens ist und er mit den Menschen in eine innige Beziehung eintreten will. Wie soll man sich das vorstellen?
Cogito ergo sum: Ich denke, also bin ich. Der Verstand allein reicht nicht aus, dieses große Geheimnis der Dreifaltigkeit zu begreifen.
Dubio ergo sum: Ich zweifle, daher bin ich. Auch Zweifel begleiten uns lebenslang, vor allem in dunklen Stunden nach Niederlagen und Schicksalsschlägen. Wird wirklich alles so sein, wie es uns zugesagt ist, eine in Frieden vollendete Welt? Sprechen nicht die täglichen Nachrichten dagegen?
Amo ergo sum: Ich liebe, ich lebe, daher bin ich. "Liebe" und "Leben" haben ähnliche Wortwurzeln. Amo ergo sum ist wohl die schönste Formel. In diesen drei Existenzweisen lebt der Mensch.
Der heutige Dreifaltigkeitssonntag zeigt, wozu wir berufen sind: Liebende Beziehung zu schaffen, zu uns selbst, zu unseren Mitmenschen - ob es auch bei Unsympathischen gelingt, einen Versuch wäre es wert! Die liebende Beziehung entsteht durch einen guten Geist.
Am Beginn und am Ende eines jeden Gottesdienstes rufen wir die Dreifaltigkeit an. Damit wird zum Ausdruck gebracht, was Paulus in seiner Areopagrede (Apg 17,28) meint: "In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir."
Gott umgibt uns als "Vater" (und "Mutter"), als "Sohn" und als "Heiliger Geist". Seine Dreifaltigkeit soll unseren Glauben nicht kompliziert machen, sondern zum Erlebnis eines Ereignisses werden. Reden und Erklärungsversuche kommen dadurch an Grenzen: "Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen." (Joh.16,12).
Die vielen Versuche, religiöse Weltbilder durch wissenschaftliche zu ersetzen wollen nicht so recht gelingen. Eine Vielzahl von menschlichen Erfahrungen führt zur Ahnung einer hinter allem stehenden Göttlichkeit.
Die einen sind überwältigt von den immer neuen "Wundern der Natur" und sagen sich, es muss "etwas Höheres" geben. Auch Wissenschaftler kommen aus dem Staunen nicht heraus, wenn sie die Welt in ihre chemischen und physikalischen Bestandteile zerlegen. Sie haben entdeckt, dass auch Atome nicht "atomoi" (giechisch, auf Deutsch "unteilbar") sind, und sind dabei auf Zusammenhänge gestoßen, die die alten Grenzen zwischen Materie und Geist verschwimmen lassen. Ähnlich ergeht es jenen, die in den Kosmos hinausschauen und nach Erklärungen für sein sich immer weiter Ausdehnen suchen. Natürlich führen all diese Beobachtungen nicht schnurgerade zum Gottes- und Schöpfungsglauben, oder liefern gar "Gottesbeweise". Sie lassen uns aber staunen und fragen.
Zum faszinierten Staunen und oft zu persönlicher innerer Erschütterung kann man auch auf anderen Wegen kommen. Mütter erzählen, dass sie sich dem Göttlichen verbunden fühlten, als sie nach den Strapazen der Geburt ihr Kind in den Armen hielten. Andere sind zutiefst betroffen von der Erfahrung, in einer schwierigen Situation durch eine höhere Macht geführt worden zu sein und sie wollen sich nicht mit der Erklärung "Zufall" abfinden.
Viele Menschen begeben sich auf die Suche nach spiritueller Tiefe für ihr Leben. Sie üben Meditation, Yoga, Tantra oder suchen Kontemplation nach Anleitungen alter Meister der Mystik. Sie entdecken das Göttliche in sich und geben ihm unterschiedliche Namen und Beschreibungen.
Manche Christen geraten in Panik, wenn sie davon hören, verbieten sich und anderen solche Erfahrungen, weil sie ihre eigene Glaubenstradition dadurch gefährdet sehen. Ich sehe nur Anlass vor 1 Gefahr zu warnen: Die eigene persönliche Erfahrung nicht auch kritisch zu hinterfragen und eine eigene Religion, bzw. einen Religionsersatz daraus zu machen sowie in einem weiteren Schritt dafür zu kämpfen und zu missionieren.
Jede dieser Erfahrungen kann Menschen zu Gott hinführen, muss aber auch den Weg der Läuterung gehen. Am eindrücklichsten wird uns dies in der biblischen Erzählung von der Gotteserfahrung des Propheten Elija vor Augen geführt. Auf dem Höhepunkt seines Prophetenlebens, als er durch einen offensichtlichen Gottesbeweis über die Baalsanhänger triumphiert, muss er zur Kenntnis nehmen, dass Gott ganz anders ist. Auf dem Gottesberg Horeb gibt Gott ihm zu verstehen: Gott ist nicht im Sturm, nicht im Feuer, nicht im Erdbeben . . .
Bis die Christen zur Ausformulierung ihres Glaubensbekenntnisses gekommen sind, mussten auch sie einen Weg der Läuterung ihrer Gottesvorstellungen gehen. Erst nach langen heftigen Auseinandersetzungen haben sie ihre Gottesvorstellung als Glauben an 1 Gott in 3 Personen definiert.
Aus der jüdischen Tradition haben sie den Glauben an den 1 Gott, der alles erschaffen hat, übernommen. Hinzu kam die Gewissheit, dass dieser Gott sie aus der Unterdrückung der Ägypter befreit und sie zu seinem Volk gemacht hat. Auch das Volk Israel musste im Laufe seiner Geschichte viele engführende Gottesvorstellungen zurücklassen und lernen: "Gott ist ganz anders". Besonders einschneidend war für sie der Zusammenbruch des von Saul und David begründeten Königtums und des babylonischen Exils.
Es sind aber auch ganz neue Gotteserfahrungen hinzu gekommen. Im Auftreten Jesu machten seine Anhänger und einige Personen darüber hinaus die Erfahrung: "Wahrhaftig, dieser Mensch ist Gottes Sohn!".Bezeichnenderweise lässt Markus dies den römischen, d.h. heidnischen Hauptmann, die die Hinrichtung Jesu beaufsichtigte, aussprechen. Im Rückblick auf das Leben Jesu entdeckten seine Jüngerinnen und Jünger immer deutlicher, dass in Jesu Art zu leben, zu reden und zu handeln, sich Göttliches manifestierte. Diese Überzeugung fand in der Rede vom "Sohn Gottes" seinen Ausdruck und seine Ausfaltung.
Doch damit nicht genug. Nach seinem Tod machten seine Anhänger die Erfahrung: Er lebt weiter in neuer Weise. Er wirkt weiter durch seinen Geist. Die Christen empfanden dies als ganz neue Epoche des Gottesglaubens. Da sich mittlerweile dieser Bewegung immer mehr Menschen aus dem multikulturellen Raum der römisch-griechischen Welt angeschlossen hatte, ergab sich die Notwendigkeit, ihre gesammelten Gotteserfahrungen in einer alle vereinenden Formel zum Ausdruck zu bringen, wie wir sie in den beiden großen Glaubensbekenntnissen überliefert bekommen haben.
Wir feiern heute das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit. Ist es mehr als eine historische Reminiszenz? Hat diese überlieferte Glaubensformel auch heute noch Bedeutung? Für mich wird darin der Raum abgesteckt, innerhalb dessen sich das christliche Reden von Gott bewegen kann.
Zunächst fordert mich das Bekenntnis zum 1 Gott in 3 Personen auf, die vielen Erfahrungsmöglichkeiten des Göttliches, die wir auch heute machen, einerseits ernst zu nehmen und andererseits kritisch zu diskutieren. Ich finde die Vielfalt, mit der wir heute konfrontiert sind, ungemein inspirierend. Doch auch wir haben hinsichtlich unserer Gottesvorstellungen einen Weg der Läuterung nötig. Ich bin z. B. den Anhängern eines "wissenschaftlichen" Weltbildes dankbar, die darauf aufmerksam machen, dass ein einfältiger (!) Kreationismus (Schöpfungsglaube) zu kurz greift. Zugleich bin ich aber sicher, dass die Schöpfer der biblischen Schöpfungserzählungen alles andere als naive Kreationisten waren. Sie haben in einer literarisch unübertroffenen Weise ihren Glauben, dass diese Welt von einem unfassbaren und unbegreiflichen Gott ins Dasein gerufen worden ist, zum Ausdruck gebracht. Umgekehrt kreide ich ihnen an, dass manche ihre naturwissenschaftlichen Einsichten und Standpunkte zu einer Glaubenslehre hochstilisieren.
Ich bin überzeugt, dass jede Glaubens- und Gotteserfahrung einen kleinen Ausschnitt des großen und überwältigenden Geheimnisses Gottes zum Ausdruck bringt. Die jüdisch christliche Tradition lehrt mich aber: Gott ist immer noch viel größer und er ist jenseits jeder menschlichen Vorstellung.
Einen wichtigen Gegenpol zum alles übersteigenden Geheimnis Gottes finden wir im Glauben an die Göttlichkeit und Gottessohnschaft Jesu. Johannes lässt ihn sagen: "Wer mich sieht, sieht den Vater". In Jesus wird anschaubar, wie der Glaube an Gott im konkreten Leben Gestalt gewinnen kann. Wer seine persönliche Gotteserfahrung in eine persönliche Lebensgestaltung einfließen lassen und umsetzen will, kommt an der Person Jesu nicht vorbei. Er hat uns einen Maßstab vorgegeben, mit dem sich jeder religiös lebende Mensch früher oder später auseinandersetzen muss.
Gott ist aber nicht nur eine geschichtliche Größe, die das gesamt Dasein geschaffen und den Kosmos bis jetzt gelenkt hat. Der Geist Gottes lenkt auch in der Gegenwart und in der Zukunft das, was er geschaffen hat. Damit rechne ich, darauf vertraue ich.
Ein bedeutsamer Aspekt des christlichen Gottesbildes ist die Vorstellung, dass Gott Person ist, bzw. dass uns Gott in 3 Personen begegnet. Dass ich als Person einem anderen Menschen begegnen kann, dass ich lieben kann und mich geliebt erleben kann, gehört für mich zur dichtesten Erfahrung des Menschseins. Ein Gott, der dies nicht könnte, wäre für mich kleiner als der Mensch. Dass Gott dem Menschen nicht nur als unfassbares Mysterium gegenübertritt sondern auch als Person mit ihm spricht und ihn liebt, macht einen wesentlichen Teil meines christlichen Gottesbildes aus.
Das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit lädt ein, sich über Gott Gedanken zu machen, das eigene Gottesbild zu überprüfen und es vielleicht auch zu erweitern. Es lädt aber auch ein, mit diesem Gott in Kontakt zu treten, mit ihm zu reden und ihm zu begegnen.
Nach den Feiern der großen Hochfeste des Kirchenjahres, Weihnachten, Ostern und Pfingsten, blickt am Sonntag nach Pfingsten die Kirche in besonderer Weise auf das Geheimnis der Heiligsten Dreifaltigkeit. Als Christen glauben wir an 1 Gott in 3 Personen. Gott ist für uns allgegenwärtig. In vielgestaltiger Weise können wir ihm begegnen. Bei aller Nähe zu uns Menschen ist und bleibt er für uns ein großes unfassbares und unbegreifliches Geheimnis.
In Jesus Christus hat er uns ein menschliches Gesicht bekommen. An ihn, den Herren aller Herren, wenden wir uns im Kyrieruf.
Herr und Gott,
in Jesus Christus bist du in die Welt gekommen,
damit die Welt durch ihn gerettet wird.
Herr, erbarme dich.
Du bist ein barmherziger und gnädiger Gott,
langmütig und reich an Huld und Treue.
Christus, erbarme dich.
Du bist der Gott der Liebe und des Friedens
und wirkst in der Welt als Heiliger Geist.
Herr, erbarme dich.
Guter Gott,
Du bist der Schöpfer der Welt.
Herr, erbarme dich.
Dein Sohn ist Mensch geworden wie wir.
Christus erbarme dich.
Dein Heiliger Geist stärke uns in unserem Handeln.
Herr erbarme dich.
Herr, Jesus Christus,
aus der Liebe des Vaters und der Kraft des Hl. Geistes hast du dich in unser menschliches Leben senden lassen.
Herr, erbarme dich.
In den Konsequenzen deines menschlichen Lebens bist du durch Kreuz und Tod für uns gegangen und hast uns so die Auferstehung geschenkt.
Christus, erbarme dich.
Du hast uns zugesagt, uns nicht als Waisen zurückzulassen, sondern uns den Heiligen Geist zu senden.
Herr, erbarme dich.
Herr, himmlischer Vater,
du hast dein Wort und deinen Geist in die Welt gesandt,
um das Geheimnis des göttlichen Lebens zu offenbaren.
Gib, daß wir im wahren Glauben
die Größe der göttlichen Dreifaltigkeit bekennen
und die Einheit der drei Personen
in ihrem machtvollen Wirken verehren.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Dreifaltigkeitssonntag
Gott, du bist da.
Deine Gegenwart umhüllt und durchdringt uns
wie die Luft, die wir atmen,
ohne die wir nicht leben können.
Gib, daß wir dir ganz vertrauen
und leben ohne Angst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 5
Gott der Liebe und des Friedens, wir bitten dich,
öffne uns in diesem Gottesdienst neu für dein Heil zusprechendes Wort,
das du uns durch deinen Sohn Jesus Christus verkündet hast.
Richte in uns auf, was gebeugt und erlahmt ist,
damit wir gestärkt und mit der Kraft des Hl. Geistes in die neue Woche gehen können
und dich in der Vielfältigkeit deiner Dreifaltigkeit mutig bezeugen. - Amen.
Guter Gott,
in deiner übergroßen Liebe hast du die Welt ins Dasein gerufen und von Anfang an gewollt, dass wir deinem Leben teilhaben.
Für alle, die sich im Leben schwertun, bringen wir unsere Bitten vor dich:
Wir bitten dich für alle, die in ihren Lebensmöglichkeiten durch Krankheiten oder Behinderungen eingeschränkt sind.
Lass sie mitfühlende Helfer und Lebensfreude finden.
Wir bitten dich für alle, deren Lebensträume zerbrochen sind.
Eröffne ihnen neue Perspektiven und gibt ihnen die Kraft zu einem Neubeginn.
Wir bitten dich für alle, die dein Wirken in dieser Welt nicht zu erkennen vermögen und nicht an dich glauben können.
Lass sie deine Liebe erfahren und schenke ihnen die Gnade des Glaubens.
Wir bitten dich für alle, die diese Welt rücksichtslos ausbeuten und zugrunde richten.
Gebiete ihnen Einhalt und wecke in ihnen Mitgefühl für die Opfer ihres Tuns.
Wir bitten dich für alle, die durch Terror, Kriege oder Katastrophen um ihr Leben gebracht worden sind.
Schenke ihnen, was ihnen in diesem Leben vorenthalten geblieben ist.
Wir bitten dich für alle, die ihr Leben auf dieser Erde bereits in deine Hände zurückgelegt haben.
Schenke ihnen ewiges Leben in Fülle.
Du, guter Gott,
hast deinen Sohn in die Welt gesandt, damit sie durch ihn gerettet wird. Der Heilige Geist, der von euch ausgeht, erneuere das Angesicht der Erde. – Amen.
Mensch geworden hat Jesus uns vorgelebt, wie Beziehung untereinander gelingen kann und dass mit dem Leben hier nicht alles vorbei ist.
Sein Geist wirkt weiter und lässt uns zu Gott, als dem Dreieinen, beten:
Für deine Kirche und ihre Berufung, dein Antlitz in der Welt sichtbar zu machen.
Für eine Menschheit, die in aller bestehenden Verschiedenheit miteinander teilt, einander vertraut, vergibt und sich immer wieder versöhnt.
Für das Miteinander in unseren Beziehungen, die davon leben, dass wir einander wahrnehmen, annehmen und einander Raum geben.
Für alle, die im Vertrauen auf dich leben und sich von deinem Geist leiten lassen.
Für alle Verstorbenen, für die wir Geborgenheit und Vollendung in dir erhoffen.
Denn du bist über uns, mit uns und in uns.
Dir danken wir und preisen dich jetzt und bis in Ewigkeit. - Amen.
Herr, unser Gott,
Du hast unsere Welt erschaffen. Dein Sohn hat uns den Weg gezeigt in Dein Reich. Dein Geist befreit uns und macht uns zu Deinen Kindern.
Wir bitten dich:
Oft fühlen wir uns gefangen in den Verpflichtungen unseres Alltags und schaffen es nicht, uns daraus zu befreien.
Schicke uns deinen Geist, damit wir ab und zu innehalten und deine tröstende Stimme hören.
Manchmal verwechseln wir deine Frohe Botschaft mit einer Drohbotschaft: wenn wir dies tun oder jenes nicht tun, so meinen wir, wären wir nicht in deiner Liebe.
Lass uns erkennen, dass du ein liebender Vater bist und deine bedingungslose Liebe in die Welt tragen.
Für die Leidenden und Kranken, die Flüchtenden und die Verlassenen.
Steh Ihnen bei und lass sie Trost finden in dem Wissen, dass du weißt, was Leiden ist und sie auf ihrem Weg begleitest.
Manchmal zweifeln wir in unserem Glauben an dich, weil wir so vieles nicht verstehen.
Sende uns Deinen Geist, damit wir das Geheimnis des Glaubens erkennen und das Nichtverstehen aushalten lernen.
In unserer Welt gibt es Kriege und Verfolgung, sie und die Zerstörung der Umwelt machen Menschen heimatlos. Immer mehr Menschen nehmen die lebensgefährliche Flucht auf sich, ein Leben in Frieden zu finden, und sind doch nirgends willkommen.
Stärke uns im Glauben, dass wir ihnen beistehen können.
Unser Fokus richtet sich auf den Krieg in der Ukraine.
Lass uns die Kriege in Syrien, die Angriffe auf die Kurden im Irak, die Menschenrechtslage in Afghanistan und Jemen, die Geflüchteten, die an den Grenzen der EU, in den Wäldern von Belarus und im Mittelmeer scheitern, die Hungersnöte und all die anderen Menschen in den Krisen dieser Welt darüber nicht vergessen.
Für die Verstorbenen.
Nimm sie auf in dein Reich, wo sie Dir nahe sind.
Durch Deinen Sohn Jesus Christus wissen wir, dass du, Vater, unser einziger Gott bist. Dir können wir bedingungslos vertrauen. Sei uns immer nahe in deinem Wort.
Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Dreifaltiger und dreieiniger Gott,
wir glauben an deine Gegenwart und an dein Wirken in unserer Welt.
Darum bitten wir dich:
Auf vielfache Weise hast du den Menschen gezeigt,
dass du ein Gott bist, der Leben schenkt
und es in vielen Facetten und Nuancen zur Entfaltung bringt.
Hilf uns, deine Schöpfung zu erhalten
und allen Menschen Lebensraum zu geben.
Du hast den Menschen als dein Abbild geschaffen
Lass nicht zu, dass sich einige über andere erheben
und sie unterdrücken und ausbeuten.
Viele Kulturen und Religionen haben sich im Laufe der Jahrhunderte herausgebildet.
Schenke allen Menschen gegenseitigen Respekt und Wertschätzung.
Dein Geist vermag die Welt in eine gute Zukunft führen.
Lass alle Menschen erkennen, wie wertvoll Frieden ist,
der den Bedürfnissen aller gerecht wird.
Lass auch unsere Verstorbenen an der kommenden Welt teilhaben,
die du erschaffen wirst.
Dir dreifaltiger und dreieiniger Gott danken wir für alles,
was du uns gegeben hast.
Wir preisen dich mit der ganzen Schöpfung. – Amen.
Unser Leben steht unter dem dreieinen Gott:
dem Vater, von dem alles ausgeht,
dem Sohn, dessen Worte uns beten und handeln lehren,
und dem Heiligen Geist, der uns begleitet, tröstet und zum Guten stärkt.
In diesem Glauben bitten wir:
Beziehung gehört zum Wesen Gottes.
Schenke uns daran Anteil, wenn wir uns gemeinsam real oder in diesen Zeiten auch teilweise virtuell zum Gottesdienst versammeln.
Beziehung bedeutet auch füreinander Verantwortung zu übernehmen.
Öffne unsere Herzen für die Nöte der Kranken, der Einsamen, der Arbeitslosen und der aus vielerlei Gründen an den Rand Gedrängten unserer Gesellschaft.
Beziehung ist Liebe, die sich im Zueinander von Personen verwirklicht.
Lehre uns, immer mehr auf das Wohl der anderen zu achten.
Beziehung braucht verzeihen können.
Hilf uns, unsere Fehler- und Konfliktkultur zu verbessern.
Beziehung hört mit dem Tod nicht auf.
Beten wir für alle jene, die während dieser Pandemie verstorben sind, ohne sich von ihren Lieben verabschieden zu können.
Gott! Du hast uns geschaffen, erlöst und begleitest uns mit deinem Geist durch alle Höhen und Tiefen unseres Lebens.
Dir gilt unser Dank und Lobpreis. - Amen.
Gott, unser Vater,
wir rufen deinen Namen an über Brot und Wein.
Heilige diese Gaben
und nimm mit ihnen auch uns an,
damit wir dir auf ewig gehören.
Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Herrn.
MB Dreifaltigkeitssonntag
Erhabener Gott,
durch die Feier des heiligen Opfers
gewährst du uns Anteil an deiner göttlichen Natur.
Gib, dass wir dich nicht nur als den einen wahren Gott erkennen,
sondern unser ganzes Leben nach dir ausrichten.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 5. Sonntag der Osterzeit
Jesus, Gottes Sohn,
in Brot und Wein, gewandelt in deinen Leib und dein Blut,
sehen und schmecken wir deine Liebe und Hingabe.
Du willst dich mit uns eins machen, wenn wir dich empfangen.
Wandle unsere Herzen, damit wir für dich und für andere leben
und unser Leben füreinander leben.
Darum bitten wir dich in dieser Feier. - Amen.
Te Deum (altes GL 706)
Kehrvers: Dich, Gott, loben wir, dich Herr, preisen wir.
Dir, dem ewigen Vater, huldigt das Erdenrund.
Dir rufen die Engel alle, dir Himmel und Mächte insgesamt,
die Cherubim dir und die Serafim, mit niemals endender Stimme zu:
Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott der Scharen!
Voll sind Himmel und Erde von deiner hohen Herrlichkeit.
Kehrvers
Dich preist der glorreiche Chor der Apostel;
dich der Propheten lobwürdige Zahl;
dich der Märtyrer leuchtendes Heer;
dich preist über das Erdenrund die heilige Kirche;
dich, den Vater unermessbarer Majestät;
deinen wahren und einzigen Sohn;
und den Heiligen Fürsprecher Geist.
Kehrvers
Du König der Herrlichkeit, Christus.
Du bist des Vaters allewiger Sohn.
Du hast der Jungfrau Schoß nicht verschmäht,
bist Mensch geworden, den Menschen zu befreien.
Du hast bezwungen des Todes Stachel
und denen, die glauben, die Reiche der Himmel aufgetan.
Kehrvers
Du sitzest zur Rechten Gottes in deines Vaters Herrlichkeit.
Als Richter, so glauben wir, kehrst du eins wieder.
Dich bitten wir denn, komm deinen Dienern zu Hilfe,
die du erlöst mit kostbarem Blut.
In der ewigen Herrlichkeit zähle uns deinen Heiligen zu.
Danklied, z. B. GL 392: Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren.
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken.
Mit deinem eingeborenen Sohn und dem Heiligen Geist
bist du der eine Gott und der eine Herr,
nicht in der Einzigkeit einer Person,
sondern in den drei Personen
des einen göttlichen Wesens.
Was wir auf deine Offenbarung hin
von deiner Herrlichkeit glauben,
das bekennen wir ohne Unterschied von deinem Sohn,
das bekennen wir vom Heiligen Geiste.
So beten wir an
im Lobpreis des wahren und ewigen Gottes
die Sonderheit in den Personen,
die Einheit im Wesen und
die gleiche Fülle in der Herrlichkeit.
Dich loben die Engel und Erzengel,
die Cherubim und Serafim.
Wie aus einem Mund preisen sie dich
Tag um Tag und singen auf ewig
das Lob deiner Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Dreifaltigkeitssonntag
Wir glauben an Gott
der die Welt erschaffen
und den Himmel ausgespannt hat
wie ein Zelt
Alles auf dieser Erde ist sein Werk
den Menschen
hat er sich zum Ebenbild gemacht
Wir glauben an Jesus
die Mensch gewordene Liebe
dem Himmel nahe
und doch mit der Erde fest verbunden
Bruder und Freund aller
besonders aber sieht er
auf die Armen und Ausgegrenzten
Wir glauben an Gottes Geist
der uns begleitet
durch die Stürme unseres Lebens
er ist da und durchströmt uns
auch wenn wir ihn nicht sehen
Verbunden in diesem Geist
können wir im Namen Gottes
die Welt verändern
Treu bist du Gott
und heilsam erfahrbar
im Hören auf dein Wort
Treu bist du Gott
und heilsam erfahrbar
im Schweigen
Treu bist du Gott
und heilsam erfahrbar
in Freude und Schmerz
Treu bist du Gott
und heilsam erfahrbar
wenn ich an Grenzen stoße
Treu bist du Gott
und heilsam erfahrbar
in den Mühen des Alltags
Treu bist du Gott
und heilsam erfahrbar
im Annehmen von
Licht und Schatten
Treu bist du Gott
und heilsam erfahrbar
in der Nacht der Einsamkeit
Treu bist du Gott
und heilsam erfahrbar
in Begegnung und Gespräch
Treu bist du Gott
und heilsam erfahrbar
im Dasein für andere
Treu bist du Gott
und heilsam erfahrbar
wenn ich Einsicht gewinne
und mein Leben bejahe
Treu bist du Gott
und heilsam erfahrbar
im Loslassen und Neubeginnen
Treu bist du Gott
und heilsam erfahrbar,
wenn ich mich dir anvertraue
und in deinem Namen
meine Schritte setze.
Herr, unser Gott,
wir haben den Leib
und das Blut deines Sohnes empfangen.
Erhalte uns durch dieses Sakrament
im wahren Glauben und im Bekenntnis
des einen Gottes in drei Personen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Dreifaltigkeitssonntag
Gott, unser Vater,
dein Sohn hat uns von dir Kunde gebracht.
Er hat uns erkennen lassen, wie du bist:
groß in deiner Huld für deine Geschöpfe,
gewaltig in deiner Hoheit,
wehrlos in deiner Liebe.
Vater, wir sagen Dank durch deinen Sohn,
der sich uns im heiligen Mahl geschenkt hat,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB Schlussgebete zur Auswahl 5
Du, Herr, bist der Herr,
langmütig und barmherzig, reich an Gnade.
So nimmst du uns immer wieder in deiner bergenden Liebe an
und beweist uns deine Treu zu uns immerfort.
Dir sei mit deinem Sohn Jesus Christus und dem Hl. Geist Lob und Dank in Ewigkeit. – Amen.
Es segne uns der Vater,
der uns und die ganze Schöpfung ins Leben rief.
Es segne uns der Sohn,
der mit uns dieses irdische Leben teilte
und dem alles Menschliche vertraut ist.
Es segne uns der Hl. Geist,
dass er Ansporn für unser Leben sei.
André Frossard war eben 20 Jahre alt, als ihm in einer Kapelle in der rue d'Ulm zu Paris »Gott begegnete«. Heute ist er 54 und einer der bekanntesten Journalisten Frankreichs, Kolumnist des konservativen »Figaro«. In einem 176 Seiten umfassenden Bändchen beschrieb er jetzt zum erstenmal, was ihm vor bald 40 Jahren in der rue d'Ulm zustieß -- unter dem Titel: »Gott existiert,. ich bin ihm begegnet«. Es wurde ein Bestseller*.
Ganzer Beitrag:
https://www.spiegel.de/kultur/gott-existiert-a-fa4f7c14-0002-0001-0000-000045702471
Der Spiegel, 23.03.1969
GOTT - dreifaltig einer
nur der eine Gott
aber nicht einsam – ein ICH
kein starrer Punkt –
sondern Dynamik
Ein Gott der Bewegung
ein Gott der Beziehung
ein Gott des Lebens
und vor allem -
ein Gott der Liebe
VATER
Ursprung allen Lebens
DU
vielfältig
uns und diese Welt schaffend
nach deinem Bild
größer – als wir ein Bild von dir denken können
schenkende Liebe
durch und durch
So große Liebe
dass du sie als SOHN
in diese Welt gesandt hast
als dein Wort
als Zeichen deiner Liebe
als unseren Bruder
sich diesem menschlichen Leben ganz aussetzend
gehorsam dir –
bis in den Tod
ER – der dein Wesen neu offenbarte
sich deinem Willen unterwarf
damit wir Erlösung finden
Und der uns nicht zurückließ
verwaist
vereinsamt
ohne Hoffnung
Sondern uns als Geschenk und Beistand
RUACH –
die Geistin
der ewigen Schöpfung
der ewigen Liebe
zurückließ
damit wir das Leben
in Fülle
haben
Dreifaltig bist du
GOTT
und doch
ganz unfassbare
VIELFALT.
Beatrix Senft 2023.
Drei Engel
in ähnlichem Gewand bei Tisch
mit einladender Geste
Brot und Wein anbietend
ein Platz vorne freigehalten.
Wer immer Platz nehmen wird –
Er ist willkommen.
Ilse Pauls
Gott ist als Geheimnis über uns;
Gott ist in Jesus Christus mit uns;
Gott ist im Hei'gen Geist in uns;
Gott ist als Geheimnis über uns.
Kanon:
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Text nach Hans Küng, Musik: Reinhardt Burchhardt
Christen glauben an einen einzigen Gott. Und sie glauben, dass sich dieser Gott in der Geschichte Israels – wie im Alten Testament zu lesen – zu erkennen gegeben hat. Dass Gott in Jesus Mensch geworden ist, bedeutet für die Christen auch, dass er jedem Menschen nahe sein will. Sie sehen in Jesus den Erlöser. Als Sohn Gottes ist er Teil der Dreifaltigkeit (Vater, Sohn, Heiliger Geist).
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http://religionv1.orf.at/projekt03/religionen/christentum/re_ch_fr_glaube_gottesbilder.htm
Für viele, vielleicht sogar die meisten Menschen hierzulande sind traditionelle Gottesbilder fraglich oder obsolet geworden und hat die überkommene Weise, Gott zur Sprache zu bringen, an Plausibilität verloren. „Gott“ ist für sie zu einem leeren Wort oder Namen geworden, von dem zu sprechen keinerlei Relevanz für ihr alltägliches Leben besitzt. In diesem Sinne kann von einer „Gotteskrise“ (Johann Baptist Metz) in der heutigen Gesellschaft bei einer zugleich (wieder) wachsenden Religiosität gesprochen werden. „Wir leben in einer Art religionsfreundlichen
Gottlosigkeit, gewissermaßen in einem Zeitalter der Religiosität ohne Gott.“ Was Johann Baptist Metz mit dieser Diagnose vor mehr als zwei Jahrzehnten beschreiben konnte, gilt bis heute. Gott scheint seltsam schillernd-konturlos, diffus und irrelevant geworden zu sein. Der Glaube an den persönlichen Gott der christlichjüdischen und muslimischen Tradition ist nur eine Option in der Pluralität der Gottesbezüge, die Menschen heute für sich in Anspruch nehmen. Bedeutsam ist die Frage nach den Ursachen: ist die Gotteskrise eine „Signatur der Zeit“
(Metz) oder doch eher ein (hausgemachtes) „praktisches Problem der Theologie“ (Hans-Joachim Sander)? Ist Gott in der Krise, oder fehlen uns die richtigen Worte, ihn zur Sprache zu bringen? Die Hoffnung, die in dieser Planungshilfe zum Ausdruck kommen soll, ist die, dass gerade die Krise der Gottesrede insofern „religionsproduktiv“ (Hans-Joachim Höhn) sein kann, als dass die neue Frage nach Gott zu einer heute plausiblen Rede von Gott und zu heute tragfähigen Gottesbildern führen kann.
Diesen soeben skizzierten Herausforderungen hat sich die Vermittlung des christlichen Gottesbildes zu stellen. Aufgrund einer zunehmenden Pluralisierung der gesellschaftlichen Lebensbereiche, aber auch der Glaubenserfahrungen und religiösen Vorstellungen ist nicht davon auszugehen, dass die Teilnehmer/-innen in Katechese, Erwachsenenbildung oder Predigt mit dem Wort „Gott“ das Gleiche verbinden wie die Katecheten, Erwachsenenbildner oder Prediger. In religiösen Lernprozessen muss daher häufig erst der Boden für eine Vermittlung des persönlichen Gottesverhältnisses bereitet werden. Statt
eines Einstiegs mit der überlieferten Gotteslehre bietet es sich daher an, zunächst im alltäglichen Leben Hinweise zu entdecken, die zum Nachdenken, Fragen und Suchen nach Gott einladen. Auf dem Weg einer solchen Spurensuche vermag es dann in einem zweiten Schritt möglich sein, das Potential traditioneller Gottesrede zu erschließen.
[...]
Religiöse Rede im engen Sinn ist – vor allem in der Bibel – metaphorische, also bildhafte Rede. Wo der Begriff exklusiv ist (er gewinnt seine Präzision gerade dadurch, dass gesagt werden kann, was er nicht ist), ist die Metapher inklusiv. Durch ihre „Uneigentlichkeit“ (sie meint etwas anderes, als sie eigentlich bezeichnet, Ricoeur nennt das ihre „semantische Impertinenz“) gewinnt sie eine Offenheit der Bedeutung, die die der reinen Begriffsebene übersteigt. Wesentliches in unserem Leben drücken wir deshalb unwillkürlich metaphor isch aus, da wir die Unangemessenheit einer begrifflichen Festlegung
intuitiv erahnen: „Mir geht das Herz aus“, „das war ein Lichtblick“, „ich habe Schmetterlinge im Bauch“ sind sprechende Beispiele. Metaphorische Gottesbilder bringen daher Gott und das Leben meistens besser zusammen, als Gottesideen, -begriffe oder -spekulationen. Sie sind immer bezogen auf konkrete Menschen und konkrete Situationen, wollen aber weder Gott noch den Menschen endgültig festlegen. Bilder, die in bestimmten Kontexten wahr und stimmig sind, mögen dies in anderen Situationen nicht oder nur bedingt sein. In jedem Fall fordern sie die menschliche Vorstellungskraft heraus und durchbrechen die Zwecksprache des Alltags. Im Wissen, dass keines der verwendeten Bilder Gott umfassend beschreiben kann, soll ihn ihnen doch jeweils ein Aspekt des unsichtbaren Gottes sichtbar werden. Wie Jürgen Werbick betont hat, kann man sich Bilder darum als Wege vorstellen: Sie erschließen sich nicht, indem man sie lediglich von ferne oder von außen betrachtet. Ihre Kraft entfalten sie erst dadurch, dass man auf ihnen geht, sie benutzt und mit ihnen im Wortsinn umgeht. Erst dann vermögen sie ihre Leuchtkraft freizugeben oder die Schwierigkeiten offen zu legen, die sich in ihnen gleichfalls verbergen. Das sprechendste Beispiel dafür sind zweifellos die Gleichnisse Jesu.
Am Anfang jeder theologischen Beschäftigung mit Gottesbildern sollte das biblische Bilderverbot stehen, das im Alten Testament formuliert wird und auch im Neuen Testament seine Gültigkeit nicht verliert: „Du sollst dir kein Gottesbildnis machen“ (Ex 20,4 und Dtn 5,8). Zu Recht hat man es als Stück „biblischer Aufklärung“ (E. Nordhofen) bezeichnet, worin es mit dem „ersten“ Schöpfungsbericht (Gen 1–2,4a) vergleichbar ist. Dort wird berichtet, dass Gott Sonne und Mond erschafft, damit sie als „Lichter“ (Gen 1,14) am Himmel leuchten. Dies bedeutet einen fundamentalen Einschnitt und Unterschied
verglichen mit den Nachbarreligionen Israels, wo diese Gestirne stattdessen als Götter verehrt wurden. In einen ähnlichen Zusammenhang gehört auch das Bilderverbot. Damit ist weder ein allgemeines oder spezielles Kunstverbot gemeint, noch ein Verbot von Wortbildern, Metaphern oder Gleichnissen angesprochen. Ziel des Bilderverbotes ist ein Verbot von Kultbildern. Das Beispiel schlechthin für ein solches Kultbild ist das Goldene Kalb (Ex 32,1–6). Es steht exemplarisch für die schmerzliche Erfahrung Israels, dass die Verehrung eines Kultbildes die Menschen vom wahren und einzigen Gott entfremdet. Das Kultbildverbot als zweites Gebot verdeutlicht daher, was bereits Aussage des ersten Gebotes war („Du sollst neben mir keine anderen Götter haben“ Ex 20,3), und schärft dessen praktische Konsequenzen ein. Man geht in der exegetischen Forschung davon aus, dass unter historischen Gesichtspunkten dieses erste Gebot der „Motor“ für die Entwicklung des Kultbildverbotes war. Undenkbar ist es aus biblischer Sicht, dass der lebendige und einzige Gott in einer toten Statue verehrt werden könnte. Aus diesen Gründen betont das zweite Gebot deutlich die Unverfügbarkeit Gottes und stellt statt eines Kultbildes den Gottesnamen JHWH in den Mittelpunkt der Verehrung. Diesem „Tetragramm“ tritt zugleich auch eine zweite Einsicht an die Seite: Gott, den niemand je geschaut hat,
lässt sich sehen in jedem Menschen, da dieser Gottes Bild in sich trägt, ja dieses Bild ist (Gen 1,26f).
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https://www.erzbistum-koeln.de/
Die Aussage "Der Logos und der Heilige Geist sind Gott selbst" ist nicht eine Abschwächung oder Verdunkelung des richtig verstandenen Monotheismus, sondern seine Radikalisierung. Monotheismus als religiöse und theologische Aussage ist ja nicht eine abstrakt metaphysische Theorie über ein fernes Absolutum, sondern die Aussage des einzigen Absolutums gerade von dem Gott, mit dem wir es konkret in der Heilsgeschichte zu tun haben. Wenn dieser Gott der konkreten Heilsgeschichte darin seine absolute und unbedingte Selbstmitteilung in Geschichte und Transzendenz verwirklicht, dann darf auf der einen Seite die Verschiedenheit dieser Gegebenheitsweisen nicht geleugnet werden, darf aber diese Gegebenheitsweise andererseits nicht so zwischen den einen Gott und die mit Gott begnadete Kreatur geschoben werden, daß sie als bloß kreatürliche eben doch mehr den Abstand als die Nähe Gottes zur Kreatur konstituieren würde. Wenn und insoweit (was natürlich nicht bestritten werden kann) kreatürliche Vermittlungen zwischen Gott und den Menschen gedacht werden können und gegeben sind, und wenn diese im Bereich des religiösen Verhältnisses des Menschen zu Gott auftreten und so eine numinose Qualität haben, ist eigentlich die Gefahr eines ausdrücklichen oder verschleierten Polytheismus immer gegeben: Der Mensch greift zu solcher Vermittlung, hält sie absolut fest, bejaht sie wenigstens unausdrücklich in solchem absolutem Festhalten als Gott selbst, und sie ist doch in Wahrheit endliche Kreatur, die gar nicht Gott in sich selbst geben kann.
Der religiöse Monotheist steht darum für den Christen unausweichlich vor folgenden Alternativen: Entweder entmythologisiert er in einem theoretischen Monotheismus alle (wenn auch bleibenden und unvermeidlichen) Vermittlungen seines Verhältnisses zu Gott (gleichgültig, ob solche als Wort, Schrift, Sakrament, Institution usw. gedacht werden) als bloß kreatürliche, die letztlich den absoluten Gott in eine unendliche Ferne entrücken, und wird so zu einem bloß theoretischen Monotheisten, für den Gott so entrückt ist, wie die oberste Gottheit in sehr alten und primitiven Religionsgestalten, weil man sich konkret eben doch an diese partikulären und endlichen Vermittlungen ausdrücklich oder verhohlen polytheistischer Art halten muß und so die Religion praktisch doch wieder Andacht und numinose Verklärung der Welt wird; oder der Mensch nimmt den radikalen Monotheismus ernst, weigert sich aber dabei, die Gegebenheitsweise des monotheistischen Gottes für ihn selbst als selbstgöttlich zu verstehen, dann muß er die Gegebenheitsweise Gottes als radikal kreatürlich und endlich und diesseits des Abgrundes zwischen Gott und der Kreatur liegend verstehen und endet dann eben doch nur auch wieder in einem theoretischen und abstrakten Monotheismus, der Gott nur unendlich ferne sein läßt, und hält sich zwangsläufig im faktischen religiösen Vollzug an diese kreatürlichen Vermittlungen als dem für ihn eigentlich doch nur konkret in Frage kommenden Religiösen, ob dieses dann Gebot, Schrift, Bund Gottes usw. genannt werden mag. In beiden Fällen also wird er unsicher schweben zwischen einem abstrakten Monotheismus, der das Eigentliche des religiösen Monotheismus gar nicht radikal ernst nehmen kann, und einem verhohlenen Polytheismus, der jene geschöpflichen Wirklichkeiten faktisch doch absolut setzt, die ihm Gott vermitteln sollen, obwohl sie endlich sind. (Es scheint mir, daß man dieses Schweben zwischen einem abstrakten Monotheismus und einem uneingestandenen Polytheismus bis in die heutige abendländische Geistesgeschichte hinein verfolgen könnte, bis etwa bei Hölderlin, Rilke, Kerenyi, Heidegger usw.) Immer wieder wird versucht, zwischen dem Göttlichen und den Göttern zu unterscheiden.
Oder der religiöse Monotheist hat, getragen von Gottes Gnade selbst, die absolute Zuversicht, daß der absolute Gott an sich selbst ihm unbedingt nahe gekommen ist. Dann aber muß er die vermittelnden Gegebenheitsweisen selbst für göttlich im strengen Sinn des Wortes erachten. Er muß beides sagen, auch wenn er zu dieser Doppelaussage keine sie überbietende, sie aus einem ursprünglicheren Punkt verständlich machende höhere Synthese für diese Doppelaussage anbieten kann: Der eine, einzige Gott ist in zwei Gegebenheitsweisen als er selber dem Menschen nahe, und diese beiden Gegebenheitsweisen sind selber Gott. Diese nicht mehr übergreifbare Doppelaussage ist darum die Radikalisierung desjenigen Monotheismus, um den es sich in einer religiösen Dimension handelt. Denn der richtig verstandene monotheistische Gott ist der nahe Gott konkreter Heilsgeschichte. Nur wenn diesem in einem letzten Sinne geschöpfliche Vermittlungsweisen abgesprochen werden, sosehr es natürlich auch solche gibt, ist er wirklich der einzige und dennoch zugleich der nahe Gott, der als er selber in der Heilsgeschichte da ist. Der Satz von der Identität der Gegebenheitsweisen Gottes mit Gott selbst ist nur die andere Seite des Satzes, daß jede bloß kreatürliche Vermittlung zwischen Gott und Mensch diesen Gott in eine absolute Ferne rückt, aus einem konkreten Monotheismus einen abstrakten macht und den Menschen dann in der Konkretheit seines religiösen Lebens doch verhohlen polytheistisch sein läßt. Gott muß durch sich selbst zu sich vermitteln, sonst bleibt er letztlich fern und nur in dieser Ferne gegeben durch die zerteilende Vielfalt kreatürlicher Wirklichkeiten, die in Gottes Ferne hineinweisen. Das sagt der Satz von der Göttlichkeit der zwei fundamentalen Gegebenheitsweisen Gottes in der Welt, und er ist somit das radikale Ernstnehmen des konkreten Monotheismus.
Aus: Karl Rahner Lesebuch. Herausgegeben von Karl Kardinal Lehmann und Albert Raffelt. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien. 2004 (1982).

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Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
Schneller am Ziel
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Der Abschnitt Ex 34,4-6,8-9 findet sich innerhalb der Erzählung von der Bundesschließung am Sinai. Nach allgemeinem Urteil ist sie in Beziehung mit Ex 19,10-16 und Ex 24,12-15 zu sehen.
V 4b: Mose steigt auf den Gipfel des Berges Sinai. Das tut er, weil Jahwe ihm das befohlen hat. Die Initiative zu ihrer Begegnung liegt also bei Gott. Entsprechend der übrigen Darstellung kommt Jahwe wieder auf den Berg herab. Der Berg ist also nicht die Wohnung Gottes, sondern nur die Stätte, wo er sich offenbart. Bei der Erscheinung Gottes handelt es sich aber nicht um ein direktes Sehen des göttlichen Wesens, denn Gott bleibt in der Wolke verborgen.
V 5-6: Steht Mose in der Gegenwart Gottes, so „ruft“ er nun seinen Namen an. Dieses Verb ist ein terminus technicus und bezeichnete das öffentliche, meist kultische Bekenntnis zu Jahwe als Gott. Die logischen zum Ritual gehörenden Aktionen wie „sich beugen“ und „sich niederwerfen“ sind gleichfalls aus dem kultischen Ritual. In der geläufigen Sprache, die aus der Tradition des Kults stammte, erzählt hier der Jahwist die Begegnung Gottes mit Mose auf dem Berg Sinai, als ein Geschehen, das zum zentralen Akt der Geschichte Israels, dem Bundesschluß, gehört.
V 8-9: Mose beruft sich auf die Gunst, die er bei Jahwe genießt, und tritt fürbittend für sein Volk ein. Mose wiederholt hier in der Stunde der Bundesschließung, was er Jahwe bereits vorgetragen hatte. Er weiß wohl, daß sein Volk ein halsstarriges ist, aber gerade deswegen braucht es Jahwes ständige Gegenwart und Fürsorge in seiner Mitte. Das Volk zeigte sich bereits vor der Bundesschließung untreu, und so wollte Jahwe keinen Bund mehr schließen. Nicht dem eigenen Ja, sondern Liebe Gottes, entspringt der Bund. Das sollte Israel nicht mehr vergessen, daß es das eigenen Dasein der Initiative und unverdienten Liebe Jahwes verdankt. Was der Bund bedeutete, wird in diesem Zusammenhang auch gesagt: Eigentum Jahewes werden. Es geht also um Totaliät. Ihm ganz zu gehören mit allem, was man hat.
Die Perikope ist in den dritten großen Erzählbogen des Buches Exodus eingespannt. Nachdem in diesem Buch zunächst vom Auszug des Volkes Israel aus Ägypten (erster Erzählbogen) und dann vom Weg durch die Wüste und von der Gesetzesgabe bzw. vom Bundesschluß am Sinai (zweiter Erzählbogen) berichtet worden ist, wird in Ex 24,12-40,38 folgendes geschildert: Mose erhält auf dem Sinai den Auftrag zur Errichtung eines Zeltheiligtums und zur Einsetzung des priesterlichen Dienstes. Währenddessen übertritt das Volk durch die Verehrung des goldenen Kalbes den bereits geschlossenen Bund. Jahwe erneuert den Bund und verkündet seine Vergebungsbereitschaft (vgl. die Lesungsperikope). Darauf folgt die Ausführung jenes Auftrags, der Mose bereits zuvor gegeben wurde. Die über dem Berg Sinai ruhende Wolke zieht über das Zeltheiligtum, welches gewissermaßen zu einem wandernden Ort der Gottesbegegnung wird.
Sieht man von der Stellung der Perikope in der Konstruktion des Buches Exodus ab, wird darin einmal mehr ein Licht auf die Gotteserfahrung geworfen, welche dem Volk Israel am Berg Sinai zuteil geworden ist: Jahwe erweist sich als der nahe und anwesende, als der ansprechbare und barmherzige Gott. Er hält an seinem Bund, an seiner Gemeinschaft mit Israel fest. Israel darf sich als sein Eigentum empfinden. Es ist seiner Treue und seinem Langmut anempfohlen.
Daß Gott einen Namen - Jahwe - hat, ergibt sich nicht von ungefähr. Im polytheistischen Kontext, in dem das Volk Israel lebte, war es wichtig den Namen eines bestimmten Gottes zu kennen, um ihn von den Göttern, welche die anderen verehrten, unterscheiden zu können. Außerdem hatte, wer den Namen eines Gottes kannte, Zugang zu diesem Gott. Man konnte ihn anrufen. Schließlich handelt es sich um einen sprechenden Namen, das heißt, es wurde mit ihm etwas über seinen Träger ausgesagt. Nach Ex 3,14 bedeutet Jahwe "Ich bin da", genauer: "Ich bin für euch da".
Diese Zusage erschließt sich dem neutestamentlichen Gottesvolk, der Kirche, auf besondere Weise. In Jesus Christus und im Heiligen Geist hat sich Gott ganz und gar als derjenige mitgeteilt, der für sein Volk und darüber hinaus für die ganze Menschheit da ist. Er wird sichtbar und spürbar. Er öffnet sein Innerstes und stiftet Gemeinschaft mit denen, die an ihn glauben. Der hl. Irenäus von Lyon hat den Sohn und den Geist als die "zwei Hände" bezeichnet, mit denen Gott-Vater in der Welt wirkt. Immer handelt es sich aber um denselben Jahwe-Gott, der sich Israel am Sinai offenbarte. Tief sind die Brunnen der Gotteserfahrung!
Die erste Lesung erzählt von einer Erscheinung Gottes vor Mose auf dem Sinai. Bemerkenswert ist der der Berg Sinai als Ort der Erscheinung, der Morgen als Zeitpunkt, die Wolke als Attribut Gottes sowie das Zeremoniell.
Der Berg Sinai ist der Ort der Gesetzesoffenbarung, der Berg Gottes schlechthin. Gott ist der Ferne, schwer zugänglich, nicht greifbar und verfügbar. Der unverrückbare Berg bürgt jedoch auch für Kontinuität, Beständigkeit über alle Zeiten hinweg.
Berg und Wolke sind jedoch auch die Attribute des kanaanäischen Fruchtbarkeitsgottes Baal. Der Verfasser hat trotz aller Vorbehalte gegen den Baalskult keine Probleme, die Attribute dieses Gottes für Jahwe in Anspruch zu nehmen.
Die Gotteserscheinung findet am Morgen statt. Dieses Moment könnte aus den Vorstellungen von Sonnengottkulten herrühren.
Die Gottesbegegnung läuft nach einem altorientalischen Hofzeremoniell ab. Mose allein ist für würdig befunden worden, Gott gegenüberzutreten und die Anliegen des Volkes vorzutragen.
Obwohl der Verfasser auf Gottesbilder anderer Kulturen zurückgreifen muß, stellt er damit den Gott Israels vor: Der ferne und zugleich nahe Gott. Zwar König und Richter, jedoch barmherzig und gnädig.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive