Die biblischen Lesungen wurden mit freundlicher Genehmigung der Ständigen Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet den Lektionaren 2018 ff entnommen. - © 2024 staeko.net. - vgl. Impressum.
Die Katholischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und Schweiz stellen auf ihren Webseiten ausführliche Kommentare und Anleitungen zum Lesen der biblischen Lesungen für Sonn- und Feiertage zum Download im PDF-Format zur Verfügung. Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Bibelwerke übernehmen wir die Kurzeinleitungen zu den Lesungen.
Lesung aus dem Buch Ezechiel.
So spricht der Herr:
Du Menschensohn,
ich habe dich dem Haus Israel als Wächter gegeben;
wenn du ein Wort aus meinem Mund hörst,
musst du sie vor mir warnen.
Wenn ich zum Schuldigen sage:
Schuldiger, du musst sterben!
und wenn du nicht redest,
um den Schuldigen vor seinem Weg zu warnen,
dann wird dieser Schuldige seiner Sünde wegen sterben;
sein Blut aber fordere ich aus deiner Hand zurück.
Du aber, wenn du einen Schuldigen vor seinem Weg gewarnt hast,
damit er umkehrt,
und er sich nicht abkehrt von seinem Weg,
dann wird er seiner Sünde wegen sterben;
du aber hast dein Leben gerettet.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Kv: Hört auf die Stimme des Herrn;
verhärtet nicht euer Herz! – Kv
(GL 53,1)
Kommt, lasst uns jubeln dem Herrn, *
jauchzen dem Fels unsres Heiles!
Lasst uns mit Dank seinem Angesicht nahen, *
ihm jauchzen mit Liedern! – (Kv)
Kommt, wir wollen uns niederwerfen, uns vor ihm verneigen, *
lasst uns niederknien vor dem Herrn, unserm Schöpfer!
Denn er ist unser Gott, /
wir sind das Volk seiner Weide, *
die Herde, von seiner Hand geführt. – (Kv)
Würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören! /
Verhärtet euer Herz nicht wie in Meríba, *
wie in der Wüste am Tag von Massa!
Dort haben eure Väter mich versucht, *
sie stellten mich auf die Probe und hatten doch mein Tun gesehen. – Kv
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Rom.
Schwestern und Brüder!
Niemandem bleibt etwas schuldig,
außer der gegenseitigen Liebe!
Wer den andern liebt,
hat das Gesetz erfüllt.
Denn die Gebote:
Du sollst nicht die Ehe brechen,
du sollst nicht töten,
du sollst nicht stehlen,
du sollst nicht begehren!
und alle anderen Gebote
sind in dem einen Satz zusammengefasst:
Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses.
Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Halleluja. Halleluja.
Gott hat in Christus die Welt mit sich versöhnt
und uns das Wort von der Versöhnung anvertraut.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus:
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Wenn dein Bruder gegen dich sündigt,
dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht!
Hört er auf dich,
so hast du deinen Bruder zurückgewonnen.
Hört er aber nicht auf dich,
dann nimm einen oder zwei mit dir,
damit die ganze Sache
durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen
entschieden werde.
Hört er auch auf sie nicht,
dann sag es der Gemeinde!
Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht,
dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.
Amen, ich sage euch:
Alles, was ihr auf Erden binden werdet,
das wird auch im Himmel gebunden sein,
und alles, was ihr auf Erden lösen werdet,
das wird auch im Himmel gelöst sein.
Weiter sage ich euch:
Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten,
werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.
Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind,
da bin ich mitten unter ihnen.
(Lektionar 2018 ff. © 2024 staeko.net)
Wir sehnen uns nach Frieden, harmonischem Miteinander, Gemeinschaft. Wie kann dies gelingen, wenn Menschen aneinander schuldig geworden sind, oder gegensätzliche Interessen uns entzweien? Jesus zeigt einen Weg zu Frieden und Gemeinschaft auf.
„Was geht mich das denn an? Da mische ich mich jetzt lieber nicht ein.“ Diese Sätze sind schnell gesagt; ein Streit in der Familie oder ein Konflikt unter Freunden; ein Mensch, der offensichtlich einen falschen Weg einschlägt; Eine Ungerechtigkeit, die wir beobachten… Oft ist es doch viel leichter sich herauszuhalten und weiterzugehen.
Und selbstverständlich gibt es Situationen, in denen wir die Grenzen anderer Menschen respektieren müssen. Die Schrifttexte dieses Sonntags stellen uns trotzdem eine wichtige Frage: Tragen wir Verantwortung füreinander?
In der ersten Lesung ist der Prophet Ezechiel der „Wächter“ Gottes für das Volk Israel. Und als solcher sollte er aufmerksam sein. Er sollte nicht schlafen, wenn Gefahr droht. Er sollte warnen, wenn er sieht, dass jemand einen Fehler macht oder gar auf einen falschen Weg gerät. Das ist eine schöne Metapher. Auch wir sind bzw. sollten füreinander manchmal wie Wächter sein. Nicht, indem wir uns ständig kontrollieren oder über andere urteilen. Nicht, indem wir uns über andere stellen, sondern indem wir aufmerksam bleiben, miteinander und füreinander. Manchmal braucht es eben einen Menschen, der sagt: „Ich mache mir Sorgen um dich, kann ich dir irgendwie helfen?“ Oder der uns aufmerksam macht: „So, wie du gerade handelst, verletzt du andere.“
Die zweite Lesung fasst diese Verantwortung in einem einzigen Wort zusammen: Liebe. - Paulus sagt: „Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses.“ Wer liebt, fragt daher nicht zuerst: Was habe ich davon? Sondern: Was braucht der andere im Moment, wie kann ich für ihn da sein?
Und genau darum geht es auch im Evangelium. Jesus spricht dort von einer schwierigen Situation: Ein Mensch hat sich gegen seinen Bruder versündigt. Was soll man tun? Vielleicht erwarten wir eine klare Anweisung: Sofort zur Rede stellen, sofort Konsequenzen ziehen, sofort den anderen verurteilen… Jesus zeigt einen anderen Weg. Der erste Schritt ist erstaunlich schlicht: „Geh und weise ihn unter vier Augen zurecht.“
Unter vier Augen. Nicht zuerst über den anderen reden oder gar lästern. Nicht zuerst darüber urteilen, was für ein schlechter Mensch der andere ist, sondern hingehen und mit ihm reden und auch ihm zuhören. Wie schwer ist gerade das manchmal, denn oft ist es leichter, mit anderen über jemanden zu sprechen als mit diesem Menschen selbst. Aber damit wird ein Konflikt immer größer, weil niemand den Mut hat, das direkte Gespräch zu suchen. Jesus sagt: Geh zu dem Menschen. Das bedeutet nicht, dass ein solches Gespräch immer leicht ist und sofort gelingt. Es braucht Zeit, Mut und Geduld. Aber vor allem braucht es Versöhnung!
Das ist vielleicht der wichtigste Gedanke des Evangeliums. Jesus sagt: „Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen.“ Es geht nicht darum, den Streit zu „gewinnen“, nein, es geht darum, den Menschen zu gewinnen und nicht zu verlieren. Das ist ein großer Unterschied. Wie viele Beziehungen scheitern daran, dass jeder das letzte Wort haben will. Jesus aber fragt anders: Ist mir die Beziehung wichtig genug, dass ich einen Schritt auf den anderen zugehe?
Jesus spricht heute auch davon, dass dort, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, er mitten unter ihnen ist. Vielleicht ist das gerade für unser Miteinander eine große Hoffnung. Wir müssen Konflikte nicht allein lösen oder aus eigener Kraft immer die richtigen Worte finden.
Christus selbst kann in unserer Mitte sein, wo zwei Menschen ehrlich miteinander sprechen; wo jemand den Mut hat, um Verzeihung zu bitten; wo einer sagt: „Es tut mir leid“; wo ein anderer antwortet: „Ich vergebe dir“; wo Menschen nach einem Streit wieder aufeinander zugehen. Dort ist Christus mitten unter ihnen.
Vielleicht können wir heute selbst nachdenken: Gibt es einen Menschen, mit dem ich einen Konflikt klären sollte? Gibt es etwas, das ich zu lange mit mir herumtrage? Und gibt es jemanden, der vielleicht darauf wartet, dass ich den ersten Schritt mache?
Der heutige Sonntag lädt uns ein, Verantwortung füreinander zu übernehmen – nicht aus Rechthaberei, sondern aus Liebe. Denn wir gehören zusammen. Wir sind als Christen nicht dazu berufen, aneinander vorbeizuleben. Wir sind Schwestern und Brüder. Und manchmal bedeutet das auch, einander zu begegnen mit einem ehrlichen Wort, einem offenen Gespräch oder gar mit der Bitte um Vergebung. Dann übernehmen wir Verantwortung miteinander und füreinander und wir können darauf vertrauern: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“
Religion bietet viele Gelegenheiten miteinander zu streiten. Das Evangelium stellt uns eine Regel aus der Anfangszeit des Christentums vor, wie Konflikte gelöst werden sollen. Diese Regel bietet Anlass, gegenwärtige Versöhnungspraxis zu überdenken.
Es gibt viele Anlässe zu streiten. Manchen Menschen scheint die Lust zu streiten in die Wiege gelegt zu sein. Auseinandersetzungen, Diskussionen bis hin zum Streiten gehören in einigen gesellschaftlichen Bereichen, etwa in der Politik oder in der Wissenschaft, zum Alltagsgeschäft. Die Heftigkeit, mit der manche religiöse Gruppen, die sich dem Frieden, der Gerechtigkeit und Wahrheit verpflichtet wissen, streiten, verwundert jedoch. Die einen berufen sich auf ihre Wissenschaft, andere setzen auf den Hausverstand und nicht zuletzt fühlen sich manche kirchliche Amtspersonen im Besitz der Wahrheit und versuchen, diese durchzusetzen. Dabei geht es meist um die Auslegung von Geboten und Gesetzen, was erlaubt und was Sünde sei. Fast immer sind diese Auseinandersetzungen auch mit Machtansprüchen verbunden.
Jede Religion hat Fundamentalisten, die unerbittlich für ihre Wahrheit kämpfen. Im Namen der Religion kam es immer wieder zu Streitigkeiten, ja sogar zu Kriegen. In der Geschichte haben diese Chaos und Spaltung über die Bevölkerung gebracht, wie etwa der 30-jährige Krieg oder auch die Kreuzzüge.
Dabei tröstet es wenig, dass es offenbar auch bereits in den ersten Jahrzehnten des Christentums Meinungsverschiedenheiten und zum Teil heftige Auseinandersetzungen gegeben hat. Solange Jesus mit den Jüngern umhergezogen ist, hat er sie in die Schranken gewiesen, wenn sie sich z.B. nicht einig waren, wer von ihnen der Größte im Reich Gottes sein werde oder wessen Sünde für Unglücksfälle verantwortlich sei.
Die Regelung für den Umgang mit Verfehlungen und Konflikten, die wir heute im Evangelium vorgestellt bekommen haben, ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Sie gilt vor allem für den Umgang mit persönlichen Konflikten, die durch schuldhafte Vergehen oder durch sündhaftes Verhalten eines Mitchristen ausgelöst worden sind. Aus ihr kann man aber auch Folgerungen für den Umgang mit Konflikten und Meinungsverschiedenheiten zwischen Gruppierungen ziehen.
Mir fällt auf, wie sehr diese Regel um Diskretion bemüht ist. Das Vergehen des Mitchristen soll nicht an die große Glocke gehängt werden. Zuerst soll man miteinander reden. Erst wenn das nichts nützt, soll man die Angelegenheit im kleinen Kreis behandeln. Damit soll wohl sichergestellt werden, dass nicht jede Kleinigkeit aufgebauscht oder im Gemeindetratsch breitgetreten wird. Wenn auch im kleinen Kreis keine Lösung gefunden wird, soll die Gemeinde, d. h. die kirchliche Öffentlichkeit, damit befasst werden. Als allerletztes Mittel – als "ultima ratio" – soll erst der Abbruch der Beziehung und der Ausschluss aus der Gemeinschaft veranlasst werden.
Für heute können wir daraus schließen: Es soll nicht gleich alles über die Medien verhandelt und zu einem Politikum hochstilisiert werden. Ein diskreter Umgang mit Konflikten und persönlichem Versagen darf nicht gleich mit Vertuschung gleichgesetzt werden, solange damit nicht staatliche Gesetze verletzt werden.
Beachtenswert ist, dass an dieser Stelle die Zusage wiederholt wird: "Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein."
Diesen Satz haben wir noch im Ohr von der Übergabe der Schlüssel des Himmelreiches an Petrus, den Jesus zum Fels und Kirchenfundament erklärt hat. Hier wird den einfachen Gemeindegliedern Lösungskompetenz zugesprochen. Alles, was wir im Kleinen und Verborgenen an Konflikten regeln können, hat auch vor Gott Geltung. Sünden, die wir im Diskreten einander vergeben und nachsehen, sind auch bei Gott vergeben. Nicht für alles, was wir im Kleinen regeln können, brauchen wir den Segen des Pfarrers oder des Bischofs. Und wir sollten gut überlegen, in welchen Fragen wir an die Kirchenleitung in Rom appellieren.
Diese uralte Gemeinderegel könnte manchen Druck und manche Aufregung aus unserem Alltagsleben als Christen nehmen. Es braucht nicht immer eine große Öffentlichkeit. Es braucht nicht immer große Gesten und die Zustimmung der Kirchenleitung…
Vor diesem Hintergrund ist auch die lange geübte Praxis der Kirche, verhältnismäßig kleine Dinge zur schweren Sünde zu erklären, die nur durch eine kirchenamtliche Lossprechung bereinigt werden kann, zu überdenken und den Einzelnen Kompetenz im Umgang mit Fehlern und Auffassungsunterschieden zuzutrauen. Nicht für jede Sünde braucht es eine sakramentale Vergebung.
Die Buß- und Beichtpraxis hat sich in den letzten Jahrzehnten weitgehend wie von selbst geändert. Das Sakrament der Versöhnung wird nur mehr selten in Anspruch genommen. Die Sorge, dass dabei "das Kind mit dem Bade ausgeschüttet worden ist", ist meines Erachtens durchaus berechtigt. Was uns fehlt: eine neue Praxis des einander Vergebens, entsprechende Zeichen und private Riten. Diese müssen erst gefunden, eingeübt und gepflegt werden.
In unserem Leben haben wir viele Konflikte zu bewältigen. Die in der Bibel gesammelten Erfahrungen im Umgang mit Konflikten und die biblischen Texte dieses Sonntags zeigen uns viele Wege und Möglichkeiten, mit Konflikten zurechtzukommen.
Die Lesungen dieses Sonntags bieten wieder große Themenbereiche an, die in unserem Leben präsent sind und uns durch Generationen hindurch nicht zur Ruhe kommen lassen. Jede Generation muss sich damit neu befassen: Konflikte, Scheitern, Fehler machen, Schuld auf sich laden, Leiden, Vergebung, Versöhnung. Als erfreulich dürfen wir ansehen, wenn nach all den Bemühungen Liebe und Friede einkehren. Jeden Sonntag, bzw. vor dem Wortgottesdienst jeder Eucharistiefeier legen wir ein Schuldbekenntnis ab, klopfen uns dabei an die Brust und bitten um Vergebung. Ähnliches geschieht auch im Sakrament der Buße und Versöhnung.
Konflikt (lat.: confligo) bedeutet zusammenstoßen, zusammenkrachen. Bereits bei individuellen Konflikten gibt es verschiedene Arten: Mein Herz sagt z.B. ja, doch mein Verstand sagt nein. Dann gibt es Beziehungskonflikte (Familie, Generation, Arbeitsplatz), Konflikte gesellschaftlicher Natur, weitgehend abhängig von gesellschaftlichen Normen und Werthaltungen; Generationskonflikte, Konflikte um Verteilungsgerechtigkeit, die hinführen zu wirtschaftlichen Auseinandersetzungen.
Die Heilige Schrift, im Besonderen das Alte Testament, kann als „Kompendium des Scheiterns“ gesehen werden. (siehe Dominik Markl SJ). Das Scheitern im Alten Testament finden wir bereits durch den Sündenfall belegt (Gen 3,9-12) als Seinwollen wie Gott, daraus folgt Überheblichkeit, Arroganz. Der Mensch koppelt sich von Gott ab.
Im Neuen Testament ist dazu zu lesen: „Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln nicht, wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen, wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet.“ (2 Kor 4,8-10).
Getrieben werden, nicht zur Ruhe kommen, in die Enge getrieben werden durch Intrigen, durch Stalking und Mobbing, das sind einige Wurzeln des Konflikts aus biblischer Sicht. Es gibt aber auch Hoffnungsworte dazwischen: Du bist nicht alleingelassen.
Was ist somit zu tun? Wir können in den biblischen Texten Konfliktlösungsansätze finden. In der ersten Lesung wird der Prophet Ezechiel als Wächter bezeichnet. Propheten sprechen im Auftrag Gottes. Sie sind ein Korrektiv zwischen Herrschern und Volk, mahnen aber auch das Volk selber. Sie schweigen nicht zu Missständen, sind als Wächter mit Mut und Klugheit ausgestattet, beweisen Zivilcourage. Auffallend der Titel „Menschensohn“ (Vers 10). In diesem Titel wird aus alttestamentlicher Sicht die Göttlichkeit des Menschen und sein Anteil am Göttlichen hervorgehoben. Man könnte sagen: Mit Hilfe Gottes Probleme aufzeigen, nicht wegschauen. Wenn wir dieses prophetische Merkmal nicht wahrnehmen, machen wir uns mitschuldig, weil wir nichts zur Umkehr des Sünders beitragen.
In der zweiten Lesung finden wir schon so eine Art Zielangabe zur Lösung von Konflikten, die ja auch immer wieder zu Hass und Gewalt führen: „Niemanden bleibt etwas schuldig, außer der gegenseitigen Liebe. Wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt.“ (Röm 13,8). Diese Aussage, ja sogar diesbezügliche Forderungen finden sich an mehreren Stellen der Heiligen Schrift: Gal 5,14; Mk 12,30; Mt 22,37-40.
In der Matthäusgemeinde gab es viel Streit, Spaltungen, die zu schlimmen Zerreißproben führen. Deshalb wird uns heute so ein Konfliktregelungsmodell vorgestellt, eigentlich höchstmodern, denn hier wird festgehalten, wie man Schwierigkeiten gemeinsam bewältigen kann: Schau einmal auf dich selber, ob du nicht ein Zerrissener bist, der selbst sehr unruhig ist. Wichtig ist aufeinander zu hören, zuhören können, eine individuelle Aussprache unter vier Augen, miteinander reden, nicht übereinander schimpfen. Das nützt vielleicht nichts, ist auch Sache des Temperaments und der Beherrschung. Die Reihenfolge der Konfliktlösung beginnt nicht in der Öffentlichkeit, funktioniert nicht über Tratsch oder Fakenews.
Was tun, wenn nichts mehr geht? Sich beruhigen, beten, Probleme auf den Tisch legen… „Wo zwei oder drei zusammen sind, bin ich mitten unter ihnen.“ (Mt 18,20). Sicher ein mühsamer Weg mit geballten Emotionen. Nicht immer muss man Schuld bei sich selbst suchen, aber auch nicht immer bei den anderen.
Der Weg zur Vergebung und zur Versöhnung ist schwer. Das benötigt Reflexionsfähigkeit, Geduld, Widerstandskraft, Bereitschaft zur Aussprache, respektvolle Begegnung und Mut Fehler einzugestehen. Das bedeutet auch, eigene Angst zu überwinden. Dann kann auch Versöhnung gelingen.
Jemand kritisieren oder gar zurechtzuweisen ist ein heikles Unterfangen. Es kann gelingen, wenn ich dem Gegenüber die Würde und die Freiheit lasse. Einander in guter Form zurechtzuweisen ist ein Akt der Nächstenliebe und er Verantwortung füreinander.
Es ist noch gar nicht so lange her: Ein Kollege sagte mir, dass er das, was ich gemacht hatte, nicht gut fand. Im ersten Augenblick habe ich auf Abwehr geschaltet. Doch mit der Zeit habe ich darüber nachgedacht. Ich spürte, dass er mir helfen wollte, dass er mich auf einen Fehler aufmerksam machen wollte. Ich spürte: Es ging ihm einzig und allein um mich persönlich. Immer wieder spüre ich: gerade die Menschen, die mir auch schon einmal ein kritisches Wort sagen, sind bessere Freunde als welche, die mir immer schmeicheln. Gerade durch Menschen, die mich korrigieren, komme ich weiter. Es ist sicher schwer, Kritik und Zurechtweisung einzustecken. Doch bei keinem ist alles Gold, was glänzt. Wir haben unsere Schwächen und Fehler, sei es, dass wir sie kennen, sei es, dass wir sie nicht bemerken.
So schwer es auch ist, sich Fehler einzugestehen, ebenso schwer ist es, andere auf Fehler aufmerksam zu machen. Ich will ja nicht verletzen. Der Mitmensch könnte mir böse sein. Es könnte Streit geben. Wenn ich jemanden auf einen Fehler aufmerksam mache, dann muss das immer in der Haltung geschehen: Ich habe selbst meine Fehler. Ich möchte dir helfen und dich nicht ins Unglück laufen lassen. Es gibt eine gute Haltung, mit der jeder auf eine gut gemeinte Kritik reagieren kann: „Danke, dass du mir das gesagt hast. Ich will es auch bedenken. Und ich bin nicht auf der Welt, um so zu werden wie du mich haben willst!“ Wer das sagt, zeigt: Ich bin bereit nachzudenken. Ich entscheide selbst, ob ich deine Kritik annehme oder nicht. Wer andere auf Fehler hinweist, will nicht jemanden erziehen.
Bei diesen Gedanken wird mir deutlich: Wenn es auch schwer ist, Kritik anzunehmen, da sie oft auch weh tut, da sie mir schmerzlich vor Augen führt: Auch wenn ich nicht so vollkommen bin wie ich es glaube, so ist auch eine notwendige Zurechtweisung einer Schwester oder eines Bruders sehr wichtig im Leben einer christlichen Gemeinde, im Leben eines Christen. Jesus zeigt das im Evangelium. In jeder Gemeinde und auch im Leben eines Menschen gibt es Punkte, die anderen schaden können, die das Leben in der Gemeinde und auch das Leben eines Menschen oder das eigene Leben schaden können. Da kann es ein Akt der gegenseitigen Liebe sein, wenn ich einen Mitmenschen zurechtweise. Ich suche das Wohl des anderen. Ich suche das Glück des anderen. Ich möchte, dass sein Leben gelingt. Darum versuche ich es in echter Demut unter vier Augen, so wie Jesus es empfiehlt. Ein Gespräch unter vier Augen schützt den Nächsten. Es wahrt seine Würde. Schon dazu braucht es Mut. Doch es geht mir um den anderen. Bringt das keinen Erfolg, dann soll man sich Zeugen dazuholen. Auch das schützt noch den anderen. Wenn das nichts bringt, dann erst soll die Gemeinde entscheiden. Erst dann "sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner". Beachten wir eines: Jesus hat sich stets um diese Menschen bemüht. Er wollte sie zurückgewinnen für Gott. Jeder Mensch braucht die Möglichkeit, neu umzukehren.
Wir können uns fragen: Ja, welche Verhalten können mit diesen Gedanken gemeint sein? Ich glaube, da ist die ganze Bandbreit mit gemeint. Wo sich Menschen von jemandem abwenden wegen eines Benehmens, wo ein Priester durch sein Verhalten unglaubwürdig wird, dort wäre es angebracht, zu korrigieren. Wer zum Beispiel ständig nur einen bestimmten Menschen zurücksetzt, schadet nicht nur diesem Menschen. Wenn sich dieser Mensch von der Gemeinde zurückzieht, dann kann einer Gemeinde ein wertvolles Mitglied verloren gehen. Wer nur die eigene Frömmigkeit, die eigene Art und Weise des Glaubens, die eigenen Gebetsweisen als richtig erachtet, kann sich leicht unbeliebt machen und anderen das Gebet verleiden. Es geht um den einzelnen und auch um die Gemeinde. In Liebe andere zurechtweisen, das ist ein echtes Zeugnis für den Glauben. Hier zeigt sich, wie sehr es um den einzelnen Menschen geht. Nicht zuletzt helfe ich dem anderen zu wachsen und zu reifen.
Es geht aber auch um das Zeugnis für Gott, dem es immer um die Menschen geht, und dem es auch immer um sein Volk gegangen ist. Gott will, dass die Menschen leben. Immer wieder hat Gott auch Propheten gesandt. Immer wieder sollten sie das Volk zu Gott zurückführen, denn immer wieder lief das Volk in sein Verderben. Diese Worte zeigen uns, dass das Wohl des Propheten davon abhängt, ob er seinen Auftrag auch ausführt. Sie zeigen uns auch, dass der Prophet Verantwortung hat. Ob nun sich das Volk oder der Schuldige bekehrt, das ist nicht Sache des Propheten. Das liegt in der freien Entscheidung des anderes. Es geht nicht um Zwang, es geht nicht darum, andere mit Gewalt zu einem neuen Verhalten zu zwingen. Es geht darum, dass er nicht in sein Unglück rennt. Es geht um das Leben des Mitmenschen. Wir haben hier alle Verantwortung füreinander für das Leben in der Gemeinde, Verantwortung auch für das Leben in der Gesellschaft.
Liebe zeigt sich, dass wir Verantwortung übernehmen. "Bleibt niemandem etwas schuldig, außer der gegenseitigen Liebe." Beachten wir die Liebe, gerade, wenn wir einander zurechtweisen.
Die ökotheologischen australischen Handreichungen von Pater Charles Rue für die Sonntage im September, die ins Lesejahr A fallen können, sind als Denkanstöße ins Deutsche übersetzt.
"SchöpfungsZeit 2020 - 23. Sonntag im Lesejahr A in der Liturgie der Römisch-katholischen Kirche" - als PDF herunterladen
Mehr Information zur SchöpfungsZeit und zum Verein oeku Kirche und Umwelt finden Sie unter folgendem Link:
https://www.oeku.ch/de/schoepfungszeit.php
Schweigen ist nicht immer Gold, es kann auch stillschweigendes Dulden von Unrecht sein. Wie im Konfliktfall vorzugehen ist, zeigt der Evangelist anhand einer alten Regel. Konflikte müssen angesprochen werden, damit es nicht zur Spaltung kommt.
Das heutige Evangelium, das sich inhaltlich mit dem Ermahnen befasst, schreibt Matthäus aus einer doppelten Sorge. Einmal galt es zu bedenken, dass die jüdische Umwelt die neue Gemeinschaft der Christen ständig beäugte und mit Argwohn betrachtete. Jedes Versagen unter den Christen wurde hervorgehoben und herausgestellt. Aufgespürtes Fehlverhalten bot den Gegnern Stoff, das Christentum madig zu machen. Gröbere Verfehlungen Einzelner, Uneinigkeit oder gar gehässiger Streit in der Gemeinde, alles wurde zu einem Hindernis für die christliche Mission.
Abgesehen davon war es Matthäus ein Anliegen, die Gläubigen zu ermutigen, schon von sich aus zu falschem Verhalten nicht einfach zu schweigen und alles laufen zu lassen. Der Evangelist wollte erreichen, dass unrechtem Verhalten Einhalt geboten werde durch gegenseitiges Ermahnen.
Die von Matthäus vorgeschlagene feinfühlige Art, wie ein Mahnen vollzogen werden sollte, entnimmt er den Weisungen Jesu. Und es lässt sich deutlich erkennen, dass der Evangelist sich der Mahnung Jesu bewusst ist, sich nicht zum Richter über andere aufzuschwingen. „Warum siehst du den Splitter im Auge deines Nächsten, aber den Balken im eigenen Auge siehst du nicht“, hatte Jesus gesagt. Zunächst „vor der eigenen Tür kehren“ setzt der Evangelist als persönliche Haltung voraus.
Aber es allein dabei zu belassen, ist dem Evangelisten zu wenig. Denn er weiß auch um die Chance, die sich eröffnen kann, wenn Fehlverhalten gegenseitig angesprochen wird. Es ist keine Tugend, zu allem zu schweigen. Darauf möchte Matthäus hinweisen. Daher wirbt er um ein gegenseitiges Ermahnen, das allerdings von Güte und Vorsicht getragen ist. In Achtung voreinander und aus Liebe zueinander sollen die Gläubigen Fehlverhalten, wodurch der Einzelne sich selbst und anderen schadet, gegenseitig ansprechen. Wo dies einfühlsam, liebevoll und in Achtung geschieht, wird Güte der Grundton des Gesprächs sein, in dem Vorwürfe, Anklage und Erniedrigung unterbleiben.
Ein erster Versuch soll unter vier Augen stattfinden. Der Vorteil besteht darin: Ein Bloßstellen wird so schon einmal vermieden. Wenn dann noch hinzukommt, dass im Gespräch miteinander Vorwürfe, Anklage und Beschämung unterlassen werden, kann der Angesprochene oft leicht die Gründe benennen, die ihn zu seinem Handeln veranlassten. Aus eigener Erfahrung können wir uns ausmalen, dass im Angesprochenen viel Kraft zur Umkehr geweckt wird, wenn er spürt und erfährt: Ihm wird weitaus Besseres zugetraut. Das Loslassen von seinem Fehlverhalten – z.B. das Abrücken von Rache, Gewalt, Zufügen von Gehässigkeiten – wird nicht als Schwäche ausgelegt. Ihm wird durch das Gespräch eventuell sogar Hilfe angeboten, falls eine Veränderung in seinem Verhalten nur schwer und mit Überwindung vieler Hindernisse zu gestalten ist. Wo Güte und Wohlwollen ein Vier-Augen-Gespräch bestimmen, ist oft mit einem Erfolg zu rechnen.
Nun kann es sein, dass man im Gespräch unter vier Augen spürt: Ich bin nicht die richtige Person, auf den sich der Betroffene einlassen kann. Hier regt Matthäus an: Zieh dich nicht einfach oder sogar beleidigt zurück. Schau dich vielmehr um, ob du jemanden oder mehrere findest, auf die der Angesprochene eher oder vielleicht sogar gern hört. Nimm sie mit und versuch es neu.
Bei dem dritten Vorschlag des Matthäus – ein Fehlverhalten ins Gespräch mit der gesamten Gemeinde einzubringen – geht es nicht darum, den Druck auf den Einzelnen zu erhöhen, um ihn gewaltsam in die Knie zu zwingen; sondern es geht darum, es in einer Gemeinde nicht zur Spaltung kommen zu lassen. Es gibt ja immer wieder einmal Verfechter von eigenen Meinungen, die dem christlichen Geist widersprechen. Matthäus möchte verhindern, dass es in diesem Fall dann innerhalb der Gemeinde zu Missmut, Streit und Abkehr voneinander kommt. Wenn Gespräche unter vier Augen mit den Einzelnen nichts bewirken, dann ist zur Abwehr von Spaltung und sich bekämpfenden Gruppen die Gemeinde als Ganze gefordert, ins Gespräch miteinander einzutreten mit der Frage: Was ist im Sinne Jesu richtig, was ist andererseits deutlich abzulehnen? In welchen Formen und auf welche Weise ist der Wille Gottes zu verwirklichen?
Für Matthäus ist klar: Jeder Einzelne in der Gemeinde ist mitverantwortlich, zu lebendigem, christlichen Handeln und Verhalten in seiner Gemeinde beizutragen. Daher darf das Gespräch miteinander nicht unterbleiben. Viel Negatives entwickelt sich oft, weil grundsätzlich oder viel zu schnell geschwiegen wird. Dem möchte der Evangelist entgegenwirken. Natürlich sollen die Gespräche in der Gemeinde besonnen, sachlich, fair und mit Geduld geführt werden. Das Ziel ist: Dem Geist Jesu Widersprechendes eine deutliche Absage zu erteilen und jedes weitere Fortbestehen zu unterbinden.
Matthäus weiß, dass es im Wissen um eigenes Versagen Mut, Selbstüberwindung und viel Kraft kostet, jemanden wegen seines Fehlverhaltens zur Rede zu stellen. Andererseits kann durch Schweigen aber auch die Chance vertan werden, Umkehr anzuregen, die dem Betroffenen sowie anderen zugutekommen würde. So wirbt der Evangelist bei den Gläubigen darum, die Verantwortung für den Nächsten und die Gemeinde nicht auszublenden. Natürlich soll alles Ermahnen im Geiste Jesu geschehen: mit Güte, Wohlwollen, ohne jedes Moralisieren und Demütigen. Genau das zeichnet ja liebevolle Verantwortung und echte gegenseitige Wertschätzung aus.
Sicher nicht unbedacht, sondern sehr bewusst setzt Matthäus an den Schluss seiner Werbung für gegenseitiges Ermahnen den Aufruf zum Gebet. Er verweist auf Jesus, der zugesichert hat: Alles, was zwei von euch auf Erden erbitten, werden sie von meinem Vater im Himmel erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen. Miteinander Betenden gelingt es oft am ehesten, sich in den Geist von Demut, Güte, Wohlwollen, Geduld, aber auch von Beherztheit und Entschlossenheit einzuklinken. Durch das Vertrauen in Gottes versprochenen und zugesicherten Beistand sollen sich die Gläubigen zurüsten und im Geiste Jesu gütig und wohlwollend, aber auch entschlossen ans Werk gehen. Lassen auch wir uns von Matthäus dazu einladen!
Dem Evangelisten ist an der Einheit der Gemeinde gelegen. Diese ist bedroht durch die Verfehlungen, die nicht bewältigt werden. Er gibt eine alte Vorgangsweise wider, wie Fehlverhalten bewältigt werden kann. Versöhnung eint und gemeinsames Beten eint.
„Brüderliche Zurechtweisung“ ist heute der Evangelien-Abschnitt überschrieben, den wir gehört haben. Davor lesen wir das Gleichnis vom Hirten, der dem verlorenen Schaf in der Wüste nachgeht und sich überschwänglich freut, wenn er es findet. Nach unserem Abschnitt folgt das Gespräch Jesu mit Petrus über die Pflicht, dem Nächsten die Schuld zu vergeben. Wir dürfen folgern: Matthäus wollte den Gemeinden, in denen schwache und zum Bösen verführbare Menschen leben, sagen, wie wichtig es ist, sich nach Fehlern und inneren Brüchen zu versöhnen. Das Ziel ist die geschwisterlich-liebende und geeinte Gemeinde, in der die Menschen Jesu Gegenwart spüren können.
So rät heute das Evangelium: Wenn ein Mitchrist gegen Dich sündigt, so versuche ein Vieraugengespräch. Lässt sich nichts ausrichten, nimm Zeugen mit zu einem erweiterten Gespräch. Das Gespräch könnte dann sachlicher und versöhnlicher werden, weil ein anderer vielleicht besser den richtigen Ton trifft.
Wir wissen alle, wie schwer es ist, jemand zu sagen, dass er sich in einem Punkt falsch verhält. Eltern haben oft entmutigende Erfahrungen mit den eigenen Kindern. Sind die Gesprächsversuche erfolglos, erst dann soll in der Gemeinde darüber gesprochen werden. Wenn das alles nichts fruchtet, soll die Versammlung der Gläubigen den Sünder sich selbst überlassen. Er ist es ja, der sich ausklinkt und mit seinem Verhalten die Gemeinde gefährdet. Er wird nun unmittelbar dem Gericht und dem Heilswirken Gottes überstellt.
Seine Sünde ist vielleicht trotziger Eigenwille, eine Lieblosigkeit gegen Schwächere, ein Verhalten, das ein gutes Miteinander schier unmöglich macht. Die Gemeinde hat von Jesus die Vollmacht, zu binden und zu lösen. Doch auch dann, wenn beim Sünder alles Mühen um seine Umkehr erfolglos ist, geht Jesus, der gute Hirte – das ist sein Evangelium - dem Verlorenen in die Wüste weiter nach, bis er ihn findet. Unsereins darf sich nie zum Richter aufspielen über den Mitmenschen und sein Heil.
Uns wird das Gebet empfohlen. Es sollen mehrere Menschen sein. „Zwei von euch“, heißt es. Das ist die kleinstmögliche Anzahl von Menschen, die eine Gemeinschaft bilden. Jesus sagt: „Was zwei von euch gemeinsam erbitten.“ Er möchte, dass wir zusammen bitten und dies einmütig tun: mit „einer“ Stimme. Es geht um den inneren Einklang. Im Grunde genommen betont Jesus, dass die gegenseitige Liebe unter uns die Voraussetzung dafür ist, dass wir erhalten, worum wir bitten. Da müssen wir uns zuerst in die Augen schauen, um vielleicht Entschuldigung bitten, wenn wir einander Liebe schuldig geblieben sind. In der erneuerten Haltung, miteinander geschwisterlich zu leben und einander zu dienen, steigt unser Gebet zum Vater auf.
Wir sind dann Kirche im Kleinen: eine Gemeinschaft, in deren Mitte Jesus der Herr gegenwärtig ist. „Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Das Wichtige steckt in den Worten „in meinem Namen versammelt sein“. Was heißt in seinem Namen versammelt sein? Sicher nicht allein schon das Sprechen von frommen Glaubensformeln oder das Vollziehen heiliger Riten! Erst die Bereitschaft, gemeinsam wie Jesus den Vater und den Nächsten zu lieben, zeigt, dass Jesu unter uns ist. Sensible Menschen sprechen dann von einer „guten“ Atmosphäre, in der man sich innerlich berührt fühlt und eine tiefe Freude aufkommt. Die Umkehr zu mehr Glaube und Liebe sind die Früchte. Kirche wird lebendig.
Menschliches Zusammenleben braucht faire Gesetze. Diese sind verbindlich, müssen aber im gesellschaftlichen Dialog ausverhandelt werden.
In diesem Evangelium wird von Regelungen und Vereinbarungen gesprochen, die im Leben von Menschen geschlossen werden. Ein Gesetz, eine persönliche Verbindung, Freundschaft, Ehe, ein Vertrag - alles was ihr auf Erden bindet wird auch im Himmel gebunden sein, und ebenso was aufgelöst ist, wird aufgelöst sein. Gott sei Dank auch das Aufgelöste! Es kann ja nicht alles immer gültig bleiben. Also - was bedeutet das wirklich: es wird alles auch im Himmel so gelten, wie ihr’s auf Erden vereinbart habt?
Können die Menschen darüber verfügen, was im Himmel zu gelten hat? Und müssen Fehlentscheidungen, die wir hier treffen, eine ewige Gültigkeit erhalten? So kann es sicher nicht gedacht sein, denn das würde die Macht des Menschen über den Tod hinaus, und seine Verfügungsmacht in die Ewigkeit hinein ausdehnen. Natürlich lehrt auch die menschliche Erfahrung, dass wir irren können und Verträge abschließen, die wir nachher bereuen, Gesetze machen, die wieder geändert werden müssen usw. Das macht doch eigentlich die Qualität der Menschen und die Besonderheit ihrer Gemeinschaft aus: dass sie aus Fehlern lernen können und sich immer wieder weiterentwickeln!
Praktisch ist uns das irgendwie klar - wir kämen in Teufels Küche, wenn wir alles, was Menschen vereinbart haben, als unfehlbar und unumkehrbar erklären würden. Im Gegenteil, müssen wir manchmal schmerzhaft einsehen, dass wir umdenken müssen! (Und man soll bitte dieses Evangelium nicht eingeschränkt lesen, so als ob es nur über die Ehe oder die Beichte sprechen würde!)
Es ist aber doch interessant, dass die Normen und Spielregeln in der Bibel eine überzeitliche - religiöse - Bedeutung bekommen, obwohl sie gleichzeitig auch immer reversibel, umkehrbar sind, und Fehler und Irrtum enthalten können. Worin könnte diese überzeitliche Bedeutung liegen? Sicher nicht in der wortwörtlichen Richtigkeit all dieser menschlichen Verträge, Gesetze und Vereinbarungen - ich möchte dazu auf den Lesungstext (Röm 13,8-10) zurückkommen.
„Wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt.“ (Anm.: Wir wissen, dass Paulus nicht an das moderne österreichische Bundesgesetz oder EU-Recht denkt, sondern die jüdische Thora und ihre damalige Auslegung durch Rabbiner vor Augen hat. Aber auch diese biblischen Gesetze lesen sich wie Paragraphen mit detaillierten Vorschriften, vgl. die Bücher Exodus, Levitikus, Deuteronomium ...). Paulus geht hier vom Sinn der Gesetze aus. Wir kennen das auch aus moderner Sprache, wo wir manchmal sagen: Du hast zwar den Buchstaben eines Gesetzes erfüllt, aber gegen seinen Geist oder Sinn verstoßen.
Nicht die wortwörtliche Erfüllung aller bürokratischen Auflagen macht das Wesen der Gesetze aus: „Sie haben das binnen 14 Tagen ab dem Zustellungstermin in 7facher Ausfertigung dort und dort einzureichen“. Nein, es kommt viel mehr darauf an, was wir in diesen Antrag oder Bericht hineinschreiben! Es gibt in der Tat so etwas wie die Seele eines Gesetzes. Und diese Seele besteht darin, dass die Spielregeln, Normen und Gebote dazu führen sollen, dass wir gut leben, auch gut miteinander umgehen.
Wenn wir z. B den Vertrauensgrundsatz in unseren Verfassungsgesetzen stehen haben, dann ist das bewusst auch eine Einschränkung für künftige Gesetzgeber: sie sollen keine neuen Normen beschließen, die jemanden „kalt erwischen“, das heißt, unvorhergesehen seine Lebenssituation beträchtlich erschweren. Man darf also nicht grundlos einen Lohn kürzen oder eine Pension rückwirkend senken, obwohl man dazu durchaus eine Mehrheit hätte, die es beschließen kann. Man darf es vielleicht formal - aber nicht nach dem Geist der Verfassung und nicht im Sinn guten Miteinanders.
Man darf Menschen, denen man etwas zugesagt hat, nicht einfach nachträglich sagen: das gilt jetzt nicht mehr, denn das haben wir soeben mit Mehrheit beschlossen. Eine Mehrheit, die das tut, kommt bisweilen in der Geschichte vor, sie begeht aber Machtmissbrauch. Demokratie und Rechtsstaat bedeuten nicht Willkürherrschaft irgendwelcher Parteien oder Mehrheiten, sondern Achtung auf Gemeinwohl und Rücksicht auch auf die einzelnen Menschen.
Gesetze haben ihren Sinn nicht nur in einem Herrscher, oder in einer Mehrheit, die sie beschließt, auch nicht in den Interessen bestimmter Gruppen, die sich halt durchsetzen, sondern sie sollen - das steht sinngemäß in allen demokratischen Verfassungen der modernen Welt - im Geiste für Alle, für die Gesamtheit gedacht sein. Die Seele eines Gesetzes, einer Norm besteht nicht im „justament“, sondern in der Fairness: „Das muss für alle so gelten“.
Es ist etwas Positives zu wissen und einzusehen, dass es Spielregeln braucht. Je komplexer und größer Gesellschaften werden, umso differenziertere Spielregeln benötigen sie. (Denken wir nur an die heutige Globalisierung und beginnende Weltgesellschaft - sie bräuchte so notwendig neue Gesetze und Regeln für den Erhalt des Klimas, der Regenwälder, für das Überleben bestimmter bedrohter Völker und so weiter.)
Gesetze, Gebote, Normen sind keine Einschränkungen um ihrer selbst willen, sondern Mittel zum gemeinsamen Überleben: man kann eben z. B. nicht gut zusammenleben, wenn nicht geklärt ist, dass Diebstahl verboten ist. Daher ist eine solche Regel - auch wenn sie eine Einschränkung meiner Freiheit darstellt! - für mich selbst ebenfalls gut!
Dasselbe gilt aber von Sozialgesetzen: dass alle überleben und eine faire Pension, einen angemessenen Lohn erhalten, dass sie bei Krankheit versorgt werden - das alles ist auch gut, und es könnte ja auch einmal mich oder dich treffen. Wir sollen daher nicht sagen: „Das ist uns viel zu teuer“ oder: „Warum muss ich die anderen mitfinanzieren?“
Die Spielregel sorgt, wenn sie gut gemacht ist, dafür, dass alle einigermaßen gut leben können. Der Reiche, der Gesunde, der Junge. Der, der stark und handlungsfähig ist, sieht das möglicherweise nicht immer ein. Er mag denken: „Was nützt das mir?“ Aber das Gesetz denkt hier richtig: Du bist nicht mehr wert als der andere. Und ebenso gut kannst Du schon morgen krank, arm, verlassen oder schwach sein. Und auch Du wirst älter.
Das bedeutet auch etwas für unsere Gesetzgeber(innen): Gesetze sollen nicht willkürlich und justament erlassen werden! Sie haben die Pflicht, dem Gemeinwohl zu dienen. Gesetze dürfen Minderheiten oder Randgruppen (z. B Asylsuchende!), aber auch nicht große Bevölkerungsgruppen benachteiligen: z. B. Frauen! Oder: Arbeiter! Oder: Pensions-BezieherInnen! In diesem Sinn gibt es sehr wohl manchmal auch Gesetze, die zwar formal in Kraft, dem Geist nach jedoch ungerecht sind.
(Es gehört eben zum guten Stil in der Demokratie, dass alle sich einsetzen dürfen, schlechte Gesetze zu korrigieren und gerechtere zu schaffen.) Im Extremfall kann das heißen: Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht. Die eigentliche Verpflichtung geht aber dahin, daran zu arbeiten, dass das Unrecht nicht zu groß wird und immer wieder in Richtung Fairness und Gerechtigkeit hin korrigiert wird.
„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“, heißt es in unserem Paulustext (Lesung). Und: „Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes.“ Wer das Gesetz erfüllt, handelt nicht nur nach dem Buchstaben, sondern nach der Seele, dem Geist und Sinn des Gesetzes. Der Mensch kann erkennen, dass sie und er auch für das gute Leben der Mitmenschen eintreten, sie „mitfinanzieren“, Rücksicht nehmen etc. soll. Und ich kann sogar dankbar dafür sein, dass es solche Spielregeln gibt, denn mir selbst wird in ihnen ebenfalls Rücksicht zugesagt.
© DDr. Severin Renoldner, Sozialreferat der Diözese Linz.
Lieder:
GL 161: Du rufst uns, Herr, trotz unserer Schuld
GL 162: Mit lauter Stimme ruf ich zum Herrn
GL 267: O Mensch, bewein dein Sünde groß
GL 273: O Herr, nimm unsre Schuld
GL 405: Nun danket alle Gott
GL 409: Singt dem Herrn ein neues Lied
GL 422: Ich steh vor die mit leeren Händen, Herr (3. Str.)
GL 425: Solang es Menschen gibt auf Erden (4. und 5. Str.)
GL 427: Herr, deine Güt ist unbegrenzt
GL 428: Herr, dir ist nichts verborgen
GL 442: Wo die Güte und die Liebe wohnt (2. Str.)
GL 451: Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nich trennen
GL 457: Suchen und fragen, hoffen und sehn
GL 458: Selig seid ihr
GL 477: Gott ruft sein Volk zusammen
GL 483: Halleluja (Gehe nicht auf in den Sorgen) (1. und 5. Str.)
GL 484: Dank sei dir, Vater, für das ewge leben (3. bis 6. Str.)
GL 543: Wohl denen, die da wandeln vor Gott
GL Ö815: Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt
GL Münster 831: Liebe ist nicht nur ein Wort
Psalmen und Kehrverse:
GL 53: Hört auf die Stimme des Herrn, verschließt ihm nicht das Herz - Mit Psalm 95 - VI.
GL 517: Der Herr vergibt die Schuld und rettet unser Leben - Mit Psalm 51 (GL 639,2) oder mit Psalm 63 (GL 616,2) - IV.
Gl 518: Beim Herrn ist Barmherzigkeit und reiche Erlösung. - Mit Psalm 146 (GL 77,2) - VII.
GL 584,4: Herr, du hast Worte des ewigen Lebens - Mit Psalm 19 - II.
GL 639,3-4: Beim Herrn ist Barmherzigkeit und reiche Erlösung - Mit Psalm 130 - II.
Verantwortung, was für ein großer Begriff. Wir benutzen ihn täglich, oft ohne nachzudenken, was er bedeutet.
Das Wörterbuch der deutschen Sprache unterscheidet Verantwortung auf zwei Arten. Erstens: Verantwortung ist die Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass alles einen möglichst guten Verlauf nimmt, dass das jeweils Notwendige und Richtige getan wird und möglichst kein Schaden entsteht. Zweitens: Verantwortung ist Verpflichtung, für etwas Geschehenes einzustehen.
Zu beidem ruft uns Jesus heute im Evangelium auf. Hören wir auf sein Wort und bitten zu Beginn dieses Gottesdienstes um sein Erbarmen.
Wo immer Menschen zusammenleben, brauchen sie ausgesprochen oder unausgesprochen eine Ordnung, damit das Zusammenleben gelingt. Sobald jedoch eine Ordnung eingefordert werden muss, kommt es zu Auseinandersetzungen und Konflikten. Das ist auch in der Kirche nicht anders als im übrigen Leben.
Jesus hat uns zugesichert, dass er mitten unter jenen sei, die in seinem Namen sich versammeln. Dieser Blick auf die Mitte und damit auf das Wesentliche unserer Gemeinschaft hilft uns, die Gegensätze zu überwinden.
So blicken wir am Beginn unseres Zusammenseins auf den, der uns hier zusammengerufen hat, und bitten ihn, dass er uns seine Gegenwart und Nähe erfahren lasse.
Gott ist die Liebe. Gott geht es darum, dass wir ein gelungenes und glückliches Leben führen können. Gott geht es um unser Heil. Auch unser Leben, unser Denken, Handeln und Tun muss von der Liebe bestimmt sein. "Niemandem bleibt etwas schuldig, außer der gegenseitigen Liebe", schreibt es Paulus.
Erneuern wir unsere Liebe, wenn wir Gottes Wort hören. Stärken wir unsere Liebe füreinander, wenn wir die Liebe Gottes in der Eucharistie feiern und IHN empfangen.
Bitten wir IHN, der mitten unter uns ist, um sein Erbarmen.
Gelingendes Leben wünschen wir Menschen uns. Und Gott will uns solches Leben in Fülle schenken. Und doch leben wir manchmal an uns selbst und unserem Leben vorbei: durch unseren Lebensstil, durch die Schwerpunkte, die wir setzen, durch manche bewusste oder unbewusste Entscheidung. Immer wieder sind wir eingeladen, uns darauf zu besinnen, was uns wirklich zu erfülltem Leben führen kann. Immer wieder dürfen wir auf diesen Weg zurückkehren - so auch jetzt in diesem Gottesdienst.
Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr A 7/2011. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2011, S. 36-48.
Herr Jesus Christus,
du bist bereit, unsere Sünden zu vergeben.
Kyrie, eleison.
Du bist gerecht und barmherzig zu allen,
die dich um Heimat bitten.
Christe, eleison.
Du vereinst die Christenheit auf der ganzen Welt
einmütig im Gebet.
Kyrie, eleison.
Herr, Jesus Christus, Wort des Vaters.
Erbarme dich unserer Taubheit.
Herr, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus, Verkünder der Liebe und Barmherzigkeit Gottes.
Erbarme dich unserer Ungnädigkeit.
Christus, erbarme dich.
Herr, Jesus Christus, Überwinder aller Grenzen.
Erbarme dich unserer Begrenztheit.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du hast Liebe gepredigt.
Herr, erbarme Dich.
Liebe soll auch für unser Handeln die Richtschnur sein.
Christus, erbarme Dich.
Wir wollen im Frieden mit unseren Mitmenschen leben.
Herr, erbarme Dich.
Herr, Jesus Christus,
du hast uns das Tor des Himmelreiches geöffnet.
Herr, erbarme dich.
Du hast allen, die zu Gott umkehren,
die Vergebung der Sünden zugesichert.
Christus, erbarme dich.
Du hast verheißen, wo zwei oder drei in deinem Namen versammelt sind,
da bist du mitten unter ihnen.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
durch deine Worte und Taten führst du uns zur Umkehr.
Herr, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du trägst uns auf, einander zu lieben.
Christus, erbarme dich.
Herr Jesus Christus,
du bist mitten unter uns, wo wir als Gemeinschaft beten und leben.
Herr, erbarme dich.
Gott, unser Vater,
du hast uns durch deinen Sohn erlöst
und als deine geliebten Kinder angenommen.
Sieh voll Güte auf alle, die an Christus glauben,
und schenke ihnen die wahre Freiheit
und das ewige Erbe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB 5. Sonntag der Osterzeit
MB 23. Sonntag im Jahreskreis
Guter Gott.
Durch deinen Sohn Jesus Christus
hast du begonnen,
unter uns Menschen
dem Frieden und der Versöhnung Raum zu schaffen.
Mach uns
zu einer offenen und brüderlichen Gemeinde.
Hilf uns, daß wir um seinetwillen
einander annehmen und zu verstehen suchen,
auch wo wir verschiedener Meinung sind.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.
MB Auswahl 34
Gott, unser Vater.
Um deinen Frieden zu bringen
in unsere Welt voll Spannung und Streit,
ist dein Sohn zu uns gekommen
und hat sein Leben eingesetzt.
Er lebte nicht für sich, sondern gab sich dahin.
Laß uns erfassen, was er getan hat.
Hilf uns,
mit ihm dem Frieden und der Versöhnung zu dienen,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Amen.
MB Auswahl 21
Gott Dein Wort bringt Licht und Freude in die Welt.
Es macht das Leben reich,
es stiftet Frieden und Versöhnung.
Gib, dass wir es nicht achtlos überhören.
Mach uns aufnahmebereit.
Bring dein Wort in uns zu hundertfältiger Frucht.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
MB Auswahl 6
Gott,
wenn wir uns in deinem Namen versammeln,
bist du mitten unter uns.
Zeige uns Wege zur Umkehr
und mache uns fähig zu wahrer Gemeinschaft
mit dir und untereinander.
Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, deinen Sohn,
der mit dir und dem Heiligen Geist,
lebt in Ewigkeit.
WB 23. Sonntag im Jahreskreis A
Jesus Christus, Menschensohn,
mit dir sind wir auf dem Weg durch diese Zeit. Oft plagen uns Sorgen und Nöte. Aber wir wissen, du nimmst sie von uns und lässt uns bei dir geborgen sein.
Sei uns jetzt nahe, wenn wir dein Wort hören und gib uns Freude an deiner Gegenwart.
Darum bitten wir dich, der du in der Einheit mit dem Vater und dem des Heiligen Geist lebst und herrschst in alle Ewigkeit. – Amen.
Guter Gott,
in Namen deines Sohnes haben wir uns versammelt.
Er hat uns zugesprochen,
wo wir zu zweit oder zu dritt in seinem Namen versammelt sind,
ist er mitten unter uns.
Öffne uns für seine Gegenwart
und mache uns bereit, seine Botschaft in die Welt zu tragen,
damit die Welt erkennt,
dass du ein liebender und barmherziger Gott bist.
Das erbitten wir durch ihn, Jesus Christus,
unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Guter Gott,
miteinander zu leben,
einander anzunehmen,
einander auf einem guten Weg zu führen,
ist oft schwer.
Hilf uns,
dass wir von der Liebe zu dir und zueinander bestimmt werden.
Dein Wort gebe uns Mut dazu. - Amen.
Unser Miteinander ist oft gestört von Streit und Konflikten.
Im Vertrauen auf Christi Liebe wenden wir uns an ihn und bitten wir ihn:
Erhöre uns Christus!
Streit gefährdet so oft unser Zusammenleben – ob im Kleinen oder im Großen.
Lass alle Beteiligten eines Konfliktes zu einer friedlichen Lösung kommen.
Flucht zwingt viele Menschen, ihre Heimat und alles Vertraute zurückzulassen.
Schenke ihnen Schutz und Hoffnung und bewege die Herzen der Menschen zu gegenseitiger Hilfsbereitschaft.
Viele Menschen übernehmen Verantwortung in ihrem Beruf und in einem Ehrenamt.
Stärke sie in ihrem Dienst und schenke ihnen Freude und Anerkennung für ihr Engagement.
Sorgen und Ängste machen uns oft taub.
Schenke uns Vertrauen auf deinen Weg uns lass uns erfahren, dass du in allen täglichen Höhen und Tiefen unser Begleiter bist.
Krankheit und Leid belasten viele Menschen, ihre Angehörigen und alle, die für sie sorgen.
Sei ihnen nahe, schenke ihnen Kraft und Zuversicht.
Guter Gott,
voll Vertrauen lässt du uns jeden Tag ins Leben gehen.
Sei bei uns und höre unsere Bitten in Zeit und Ewigkeit. – Amen.
Dass das Miteinander in Kirche und Gesellschaft gelingt, ist eine ständige Herausforderung.
Lasst uns gemeinsam um Gottes Geist und seine Hilfe dabei bitten:
Für deine Kirche, die gefordert ist, mit menschlicher Begrenztheit, Fehlbarkeit und Konfliktsituationen im Sinne deines Auftrags an sie umzugehen.
Für eine Gesellschaft, in der die Verantwortung füreinander in einem lebens- und menschenfreundlichem Miteinander sichtbar wird.
Für alle jene, die in den verschiedenen politischen Systemen und Kulturen als Rechtsinstanz aktiv und anerkannt sind, um Konflikte gewaltfrei zu lösen.
Für uns selbst, wenn uns der Mut zu ehrlichen Gesprächen fehlt, wir uns lieber bei Dritten beschweren als die direkte Auseinandersetzung zu wagen und dabei unsere subjektive Sichtweise hinterfragen zu müssen.
Für unsere Verstorbenen, besonders für jene, mit denen wir uns zu ihren Lebzeiten nicht mehr aussöhnen konnten.
Nimm diese unsere Bitten um die Kraft deines Geistes an und stärke unsere Gemeinschaft in ihrem Glauben an deine Gegenwart unter uns.
Dir gilt unser Dank und Lobpreis jetzt und allezeit. - Amen.
Guter Gott,
du möchtest, dass wir in Frieden miteinander leben.
Wir bitten dich:
Für alle Menschen, die in den verschiedensten Funktionen unseres Rechtsstaates unterwegs sind:
dass sie nimmer müde werden, den besten Weg zu suchen, zu einem gerechten Urteil zu kommen.
Für alle Menschen, die in unserer Kirche eine Führungsrolle einnehmen:
dass sie immer im Blick haben, dass die Liebe die Richtschnur allen Handels sein soll.
Für alle Politiker:
dass sie darum ringen, dass Beste für die ihnen anvertrauten Menschen und entsprechend zu handeln.
Für uns selbst:
dass wir uns immer an das Pauluswort erinnern, dass die Liebe die Erfüllung des Gesetzes ist.
Für alle Menschen, die in Nöten sind:
dass sie Gerechtigkeit und Liebe erfahren.
Für unsere Verstorbenen:
Nimm sie auf in Dein Reich.
Guter Gott,
du bist die Liebe. Hilf uns, deine Liebe zu erkennen und in deiner Liebe zu leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus unseren Sohn. – Amen.
Herr Jesus Christus,
deine Liebe zeigt sich auch darin, dass du Menschen zur Umkehr rufst.
Wir bitten dich:
Hilf deiner Kirche, offen zu sein für berechtigte Kritik und zeige ihr, wo sie sich erneuern muss.
Schenke allen den Mut, Fehler und Schwächen zu benennen, dabei aber demütig zu bleiben.
Erneuere die Herzen derer, die glauben, ohne Fehler und Sünde zu sein.
Segne alle Mühen um Frieden und Gerechtigkeit in allen Ländern
und in unserem persönlichen Lebensbereich.
Steh allen Kindern und Jugendlichen bei, die in ihrer Erziehung wenig Liebe erfahren.
Lass alle, die sich in dieser Zeit der Pandemie um ihre Existenz sorgen, Hilfe erfahren.
Dir sei Lob und Preis, jetzt und in alle Ewigkeit. – Amen.
Herr, unser Gott,
du schenkst uns den Frieden
und gibst uns die Kraft, dir aufrichtig zu dienen.
Laß uns dich mit unseren Gaben ehren
und durch die Teilnahme
an dem einen Brot und dem einen Kelch
eines Sinnes werden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 23. Sonntag im Jahreskreis
4. Januar, 7.Januar
Herr und Gott,
du hast dir
das eine Volk des Neuen Bundes erworben
durch das Opfer deines Sohnes,
das er ein für allemal dargebracht hat.
Sieh gnädig auf uns
und schenke uns in deiner Kirche
Einheit und Frieden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 21. Sonntag im Jahreskreis
Menschenfreundlicher Gott,
du schenkst uns deine Gaben in deiner großen Liebe. Wie Eltern für ihre Kinder sorgen, so sorgst du für uns und schenkst uns, was wir zum Leben brauchen.
Nimm die Gaben an, die wir zu deinem Altar bringen, und verwandle sie für uns in ein Zeichen deiner Nähe und Liebe.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Bruder und Herrn. – Amen.
Guter Gott,
deine Liebe zu uns ist immer unverdient.
Wir feiern deine Liebe
jetzt im heiligen Mahl,
in Brot und Wein.
Sie zeigen, dass du alles aus Liebe zu uns vollbringst.
In diesem Mahl zeigst du uns den Weg,
wie wir selbst füreinander leben,
wie wir selbst Liebende werden können
und immer wieder den Weg zu dir finden. - Amen.
Kehrvers:
Freut euch: Wir sind Gottes Volk,
erwählt durch seine Gnade. (GL 56,1)
Guter Gott, wir kommen zu dir, um dir zu danken,
denn du bist ein Gott, der Gemeinschaft stiftet
und die Menschen zusammenführt.
Kehrvers
Einst hast du dein Volk aus der Knechtschaft Ägyptens herausgefürht
und auf dem Weg durch die Wüste zu deinem auserwählten Volk geformt.
Du hast mit ihm einen Bund geschlossen
und ihm ein Gesetz gegeben, das zum wahren Leben führt.
Kehrvers
Jesus von Nazareth hat diesen Bund erneuert
und seinen Jängern das Gesetz der Gottes- und Nächstenliebe ins Herz geschrieben,
damit sie so den Menschen den Weg zum Himmelreich erschließen.
Kehrvers
Sein Geist hält uns in seiner Liebe.
Er gibt uns die Kraft, seine Gebote zu halten
und unsere Spannungen und Konflikte zu lösen.
Kehrvers
Dafür danken wir dir und preisen wir dich.
Mit den Engeln und Heiligen singen wir dir zum Lob.
Danklied, z. B. Dein Lob, Herr, ruft der Himmel aus (GL 381)
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, allmächtiger Vater, zu danken
und dein Erbarmen zu rühmen.
Die Sünde hatte die Menschen von dir getrennt,
du aber hast sie zu dir zurückgeführt
durch das Blut deines Sohnes
und die Kraft deines Geistes.
Wie du eins bist mit dem Sohn
und dem Heiligen Geist,
so ist deine Kirche geeint
nach dem Bild des dreieinigen Gottes.
Sie ist dein heiliges Volk,
der Leib Christi und
der Tempel des Heiligen Geistes
zum Lob deiner Weisheit und Liebe.
Darum preisen wir dich in deiner Kirche
und vereinen uns
mit den Engeln und
Heiligen zum Hochgesang
von deiner göttlichen Herrlichkeit:
Heilig ...
MB Sonntage 8
In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir Dank zu sagen, heiliger Gott.
Du hörst nicht auf,
uns zu einem reicheren Leben zu berufen.
Weil du ein Gott voll herzlichen Erbarmens bist,
wirst du nicht müde,
uns immer neu deine Verzeihung anzubieten.
Du lädst den sündigen Menschen ein,
auf deine Vergebung zu bauen.
Obwohl wir deinen Bund gebrochen hatten,
hast du dich nicht von uns abgewandt.
Durch deinen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus,
hast du zwischen dir und der Menschheit
ein neues Band geknüpft, das nicht mehr zerreißt.
Immer wieder wendest du dein Volk dir zu
und läßt es aufatmen in Christus.
Du gibst ihm Mut,
sich mehr und mehr dem Heiligen Geist zu überlassen
und den Menschen zu dienen.
Darum bewundern wir dich und danken dir.
Wir verkünden die Kraft deiner Liebe
und die Freude deines Heiles in Christus.
Wir vereinen unsere Stimmen
mit den ungezählten Stimmen des Himmels und rufen:
Aus dem Hochgebet Versöhnung 2
Wir danken dir, Gott, allmächtiger Vater,
und preisen dich für dein Wirken in dieser Welt
durch unseren Herrn Jesus Christus:
Denn inmitten einer Menschheit,
die gespalten und zerrissen ist,
erfahren wir,
daß du Bereitschaft zur Versöhnung schenkst.
Dein Geist bewegt die Herzen,
wenn Feinde wieder miteinander sprechen,
Gegner sich die Hände reichen,
und Völker einen Weg zueinander suchen.
Dein Werk ist es,
wenn der Wille zum Frieden den Streit beendet,
Verzeihung den Haß überwindet
und Rache der Vergebung weicht.
Darum können wir nicht aufhören,
dir zu danken und dich zu preisen.
Wir stimmen ein
in den Lobgesang der Chöre des Himmels,
die ohne Ende rufen:
Aus dem Hochgebet Versöhnung 1
Herr aller Mächte und Gewalten,
gepriesen bist du
in deinem Sohn Jesus Christus,
der in deinem Namen gekommen ist.
Er ist dein rettendes Wort für uns Menschen.
Er ist die Hand, die du den Sündern entgegenstreckst.
Er ist der Weg,
auf dem dein Friede zu uns kommt.
Gott, unser Vater,
als wir Menschen uns von dir abgewandt hatten,
hast du uns durch deinen Sohn zurückgeholt.
Du hast ihn in den Tod gegeben,
damit wir zu dir und zueinander finden.
Darum feiern wir die Versöhnung,
die Christus uns erwirkt hat,
und bitten dich:
Heilige diese Gaben durch deinen Geist,
da wir nun den Auftrag deines + Sohnes erfüllen.
Denn bevor er sein Leben hingab,
um uns zu befreien,
nahm er beim Mahl das Brot in seine Hände,
dankte dir,
brach es,
reichte es seinen Jüngern und sprach:
NEHMET UND ESSET ALLE DAVON:
DAS IST MEIN LEIB,
DER FÜR EUCH HINGEGEBEN WIRD.
Ebenso nahm er an jenem Abend den Kelch,
pries dein Erbarmen,
reichte den Kelch seinen Jüngern und sprach:
NEHMET UND TRINKET ALLE DARAUS:
DAS IST DER KELCH
DES NEUEN UND EWIGEN BUNDES,
MEIN BLUT,
DAS FÜR EUCH UND FÜR ALLE VERGOSSEN WIRD
ZUR VERGEBUNG DER SÜNDEN.
TUT DIES ZU MEINEM GEDÄCHTNIS.
Geheimnis des Glaubens ...
Herr, unser Gott.
Dein Sohn hat uns
dieses Vermächtnis seiner Liebe anvertraut.
In der Gedächtnisfeier seines Todes
und seiner Auferstehung
bringen wir dar,
was du uns gegeben hast:
das Opfer der Versöhnung.
Wir bitten dich,
nimm auch uns an in deinem Sohn
und schenke uns in diesem Mahl den Geist,
den er verheißen hat,
den Geist der Einheit,
der wegnimmt, was trennt,
und der uns zusammenhält in der Gemeinschaft
mit unserem Papst ...,
unserem Bischof ...,
mit allen Bischöfen
und mit deinem ganzen Volk.
Mach deine Kirche zum Zeichen der Einheit
unter den Menschen
und zum Werkzeug deines Friedens.
Wie du uns hier am Tisch deines Sohnes versammelt hast,
in Gemeinschaft
mit der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria
und mit allen Heiligen,
so sammle die Menschen aller Rassen
und Sprachen,
aller Schichten und Gruppen
zum Gastmahl der ewigen Versöhnung
in der neuen Welt
deines immerwährenden Friedens
durch unseren Herrn Jesus Christus.
DURCH IHN UND MIT IHM UND IN IHM
IST DIR, GOTT, ALLMÄCHTIGER VATER,
IN DER EINHEIT DES HEILIGEN GEISTES
ALLE HERRLICHKEIT UND EHRE
JETZT UND IN EWIGKEIT.
Amen.
MB (Anhang) Votivhochgebet Versöhnung
Einleitung zum Vater Unser:
Um Schuld, Vergebung und Versöhnung geht es immer wieder. Auch dann, wenn wir uns auf das gemeinsame Gebet unseres Glaubens einlassen:
Vater Unser...
Einleitung zum Friedensgebet:
Wer einen anderen mahnt, führt ihn zur Erfahrung des befreienden Friedens, den Gott geben kann. Wir können Menschen besser dahin führen, wen wir wissen, was uns dieser Friede bedeutet und wie er uns verändern kann.
Darum bitten wir:
Herr, Jesus Christus, schaue nicht auf unsere Sünden...
Liebender Gott
väterlich und mütterlich
nahe allen Menschen
Du forderst uns auf
deine Liebe dorthin zu tragen
wo Arme erniedrigt werden,
Freude dorthin
wo die Kirche mutlos geworden ist,
Versöhnung dorthin
wo Menschen sich voneinander entfernt haben,
Frieden dorthin
wo Gewalt und Krieg das Leben bedrohen,
Hoffnung dorthin
wo die Angst alles lähmt.
Bahne du uns diesen Weg
den Weg zu den Menschen
den Weg zu mehr Liebe
zu Frieden und Versöhnung
zu Hoffnung und Freude
den Weg zur Gemeinschaft
in Christus
Herr, unser Gott,
in deinem Wort und Sakrament
gibst du uns Nahrung und Leben.
Laß uns durch diese großen Gaben
in der Liebe wachsen
und zur ewigen Gemeinschaft
mit deinem Sohn gelangen,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
MB 23. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
schenke uns durch dieses Sakrament
die Fülle deines Erbarmens
und mache uns heil.
Gewähre uns deine Hilfe,
damit wir so vor dir leben können,
wie es dir gefällt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB 21. Sonntag im Jahreskreis
Herr, unser Gott,
die Teilnahme am eucharistischen Mahl heilige uns,
damit durch den Leib und das Blut Christi
die brüderliche Verbundenheit
in deiner Kirche gefestigt wird.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
MB Votivmesse von der hl. Eucharistie
Friedliebender Gott,
danke für dein Wort, danke für dein Mahl, danke für deine Nähe.
Mache uns nun bereit, deine Botschaft in die Welt zu tragen und hilf uns, Tag für Tag zu besseren Menschen zu werden, wie es dir gefällt.
Heute und in Ewigkeit. – Amen.
Herr,
wenn wir unser Herz öffnen für das Wort, das du uns zusprichst,
dann wirst du uns zeigen, welcher Weg vor uns liegt,
welchen Auftrag wir erfüllen sollen.
Gib uns den Mut, uns dem zu stellen,
und die Kraft, deinem Gebot der Nächstenliebe zu folgen.
Das erbitten wir durch Christus, unseren Herrn. – Amen.
Guter Gott,
unsere Liebe bewährt sich in vielem.
Im Vergeben und auch im Zurechtweisen.
Segne uns,
dass wir in allem, was wir tun,
in allem, was wir einander sagen,
die Liebe beachten,
das Wohl des Mitmenschen. - Amen.
Zank und Streit begleiten unser Leben. Von Kleinigkeiten bis hin zum großen, alles überschattenden Streit ist alles dabei: niemand kann sich dem entziehen, niemand davon freisprechen. Mancher Streit schlägt Wunden, manche heilen nie ganz oder bleiben empfindlich.
Das ist nicht neu. Das gab es schon zu Jesu Zeiten, das gab es schon vorher, und wahrscheinlich wird das auch so bleiben.
Mancher Streit wäre vermeidbar, mancher entsteht aus Neid und Missgunst, aus Missverständnissen oder aus Unkenntnis, mancher auf Grund echter Ablehnung, Hass, was auch immer. Die Frage ist nicht, ob wir Streit erleben, die Frage ist: Wie gehen wir damit um? Steigen wir ein in diesen Streit?
Für Jesus ist klar: man muss mit dem Schuldiger sprechen, mehrfach, allein oder auch mit mehreren. Und wenn das nicht hilft, dann soll man ihn einfach links liegen lassen, so hört sich für mich dieses „wie Heiden und Zöllner“ an. Was man aber eben genau nicht tun soll, ist mitstreiten und so dafür zu sorgen, dass sich Dinge aufschaukeln, die vielleicht aufgelöst werden könnten.
Ich glaube, dass bei ganz vielen Streitthemen der Fall ist, dass man miteinander reden kann, dass man Dinge klären kann; nicht immer, aber häufig. Manchmal auch da, wo man es gar nicht erwartet, weil ruhige Ansprache nicht erwartet wird, wenn man jemanden provoziert. Provokationen laufen meist ins Leere.
Und wie verhindern wir, dass wir selbst zu Schuldigern werden? Da hat Paulus ein einfaches Rezept: Liebt einander. Wen man liebt, dem will man nichts Böses. Es ist nicht die Liebe gemeint, die Gegenseitigkeit braucht, es ist eine selbstlose Liebe gemeint, die Liebe in der Liebe Gottes.
Wenn wir das beherzigen, wird es uns leichter fallen, einen Streit nicht anzufangen oder auf Streit nicht einzugehen. Wen ich liebe, dem wünsche ich alles Gute dieser Welt und so werde ich ihm oder ihr gegenüber auch handeln. Damit benötige ich auch keine anderen Regeln mehr. Liebet einander. Das genügt.
Edith Furtmann 2023.
so viele Zündschnüre
von Gewalt
Hass
und Krieg
sie zersprengen die Welt
im Großen
und
im Kleinen
lege aus
die kleine Schnur
der Liebe
dass sie sich
wie ein rotes Wollknäuel
in die Welt rollt
und
sich verbindet
mit all den vielen
und
zu einem Netz wird
das trägt
in dem die Hoffnungslosen
Hoffnung bekommen
die Gebeugten
Aufrichtung
die Schwachen
Halt
machen wir diese Zündschnur
zu einem immerwährenden Docht
damit sich die Forderung Jesu erfüllt
in die wir gerufen sind:
die LIEBE
TUT dem Nächten GUTES
nichts Böses
Beatrix Senft 2023.
Herr,
mache deine Kirche zum Werkzeug deines Friedens
Wo Menschen sich befehden
ein jeder gegen jeden
hilf uns den Frieden schaffen
in einer Welt von Waffen
Herr,
mache deine Kirche zur Stimme deiner Wahrheit
Inmitten von Intrigen
Verdrehungen und Lügen
hilf uns die Wahrheit finden
und unbeirrt verkünden
Herr,
mache deine Kirche zum Anwalt aller Armen
Dass sie stets auf der Seite
der Unterdrückten streite
hilf uns das Recht verbreiten
auch für die Minderheiten
Herr,
mache deine Kirche zum Anfang deiner Zukunft
Dass alle in ihr sehen
die neue Welt entstehen
du kannst uns Menschen einen
Herr, lass dein Reich erscheinen
Lothar Zenetti in: Reinhard Kürzinger / Bernhard Sill, Das große Buch der Gebete. Über 800 alte und neue Gebetstexte für jeden Anlass. Hohe Verlag Erfstadt 2007.
Es kommt vor, dass ein Bruder trotzig oder ungehorsam oder hochmütig ist oder dass er murrt und in einer Sache gegen die Heilige Regel und die Weisungen seiner Vorgesetzten handelt. Wenn er sich so als Verächter erweist, werde er nach der Weisung unseres Herrn einmal und ein zweites Mal im geheimen von seinen Vorgesetzten ermahnt. (Mt 18,15–17) Wenn er sich nicht bessert, werde er öffentlich vor allen zurechtgewiesen. Wenn er sich aber auch so nicht bessert, treffe ihn die Ausschließung, falls er einsehen kann, was die Strafe bedeutet. Wenn er es aber nicht versteht, eine körperliche Strafe.
Aus: Salzburger Äbtekonferenz (Hrsg.), Die Regel des heiligen Benedikt, Beuron 3. Auflage 1990, Kapitel 23.
Wenn ein Bruder öfter für ein Vergehen zurechtgewiesen
und wenn er sogar ausgeschlossen wurde,
sich aber nicht gebessert hat,
verschärfe man die Strafe,
das heißt, er erhalte noch Rutenschläge.
Wenn er sich aber auch so nicht bessert
oder wenn er gar, was ferne sei, stolz und überheblich
sein Verhalten verteidigen will,
dann handle der Abt wie ein weiser Arzt.
Er wende zuerst lindernde Umschläge
und Salben der Ermahnungen an,
dann die Arzneien der Heiligen Schrift
und schließlich wie ein Brenneisen
Ausschließung und Rutenschläge.
Wenn er dann sieht, dass seine Mühe keinen Erfolg hat,
greife er zu dem, was noch stärker wirkt:
Er und alle Brüder beten für den kranken Bruder,
dass der Herr, der alles vermag,
ihm die Heilung schenkt.
Wenn er sich aber auch so nicht heilen lässt,
dann erst setze der Abt das Messer zum
Abschneiden an.
Es gelte, was der Apostel sagt:
"Schafft den Übeltäter weg aus eurer Mitte."
Und an anderer Stelle:
"Wenn der Ungläubige gehen will, soll er gehen."
Ein räudiges Schaf soll nicht die ganze Herde anstecken.
Aus: Salzburger Äbtekonferenz (Hrsg.), Die Regel des heiligen Benedikt, Beuron 3. Auflage 1990, Kapitel 28.
Da lebte einmal ein Mönch. Dieser Mönch war bei den Menschen unbeliebt. Es hieß, er lebe mit einer Frau zusammen. Nun kam eines Tages der Bischof zur Visitation in dieses Dorf. Sofort gingen die Menschen zu diesem Bischof. Sie klagten den Mönch an. Der Bischof ging sofort zu dem Mönch. Er sah die Frau. Er forderte die Frau auf, sich im Fass, das in der Ecke stand, zu verstecken. Der Bischof setzte sich auf das Fass. Die Menschen aus dem Dorf kamen. Sie wollten sehen, was der Bischof mit dem Mönch gemacht hatte. Nun forderte der Bischof die Menschen des Dorfes auf, doch das Haus nach der Frau abzusuchen. Das taten die Menschen. Überall suchten sie nach der Frau. Wo aber der Bischof saß, da schauten sie nicht! „Habt ihr die Frau gefunden?“ fragte er die Menschen. Als sie verneinten, sagte er: „Dann hört auch auf, den Mönch zu denunzieren.“ Als die Menschen die Zelle verlassen hatten, wandte er sich zu dem Mönch und sagte: „Bruder, gib auf dich acht!“
Quelle unbekannt
Mag uns die Gewaltlosigkeit in Religionsdingen die pure Selbstverständlichkeit sein, die junge Christenheit stand mit diesem ihrem Postulat eigentlich allein. Ja, sie legte sich mit dem Gewaltverzicht eine strapaziöse Aufgabe auf, die eine doppelte Distanzierung erforderte. Zuerst schon hatte sie sich von dem als gültig übernommenen Alten Testament zu lösen, das Steinigung für Gotteslästerer vorschrieb: "Wer den Namen des Herrn schmäht, wird mit dem Tode bestraft; dann soll ihn die ganze Gemeinde steinigen" (Lev 24,16), desgleichen von der zeitgenössischen Synagoge, deren Steinigung Stephanus (Apg 7,58: "hinausgetrieben und gesteinigt") und deren Auspeitschung Paulus zusammen mit der Steinigung erfahren hatten (vgl. Ap 14,5: "mißhandeln und steinigen"). Nirgends sind solche Strafen anfangs im Christentum festzustellen; erst viel später sollte allein nur die Auspeitschung zur asketischen Strafprozedur werden. Somit ist eindeutig: Die frühe Christenheit distanzierte sich von Körperstrafen, obwohl solche im Alten Testament angeordnet waren und in der Synagoge weiterhin praktiziert wurden.
Weiter mußte sich die Christenheit mit ihrem Gewaltverzicht auch von der einhelligen Praxis der Antike, ja überhaupt aller Religionswelt lösen, was umso schwieriger war, als der Gottesfrevel längst aus der Lynchjustiz in die offizielle Gerichts- und Strafbarkeit überführt war, sodaß die Ahndung der Gottesfeinde der jeweiligen Hoheitsgewalt oblag. In Rom galt die Verachtung der angestammten Religion als Frevel, ebenso ein Vergehen gegen den Kaiser, das Majestätsverbrechen. Immer gehörten zur Kaiserherrschaft auch Sakralpflichten, nämlich das öffentliche Heil (salus publica) zu fördern und Schadensmächte abzuwehren, was die Eliminierung der Gottesfeinde einschloß. Als ein Mitglied des flavischen Kaiserhauses zum jüdischen Glauben überging, erfolgte die Enthauptung. In der Spätantike deklarierten Kaisergesetze Zukunftsdeutung (Divination), Magie und Astrologie zu Religionsdelikten, weil solch provozierendes bzw. schädigendes Verhalten göttliche Vernichtung auf das Gemeinwesen herabrief. All dies fiel unter justiziables Recht und war darum prozessual zu ahnden.
Vor diesem Hintergrund erst ist die diffizile Doppelaufgabe zu verstehen, die sich dem ersten christlichen Kaiser Konstantin (+ 337) stellte: einerseits der staatlichen Pflicht der Beseitigung der Gotteslästerer nachzukommen und andererseits das christliche Gebot der Gewaltlosigkeit einzuhalten. Dem Althistoriker Klaus M. Giradet zufolge, der hierzu wichtige Untersuchungen vorgelegt hat, blieb Konstantin keine Wahl: Ihm oblag weiterhin die "in Jahrhunderten 'gewachsene' Pflicht eines Kaisers, durch Herstellung und Wahrung der kultischen Einheit im Reich für die pax deorum [den Frieden mit den Göttern] zu sorgen", und in Fortsetzung davon nun auch im Christlichen eine Korrektionspolitik einzuleiten "nach Maßgabe der 'richtigen' Auffassung von Kultus und Glaube den Ketzern und Schismatikern gegenüber". Zu entscheiden war, wie nun die christliche Gewaltlosigkeit zu handhaben sei. Tatsächlich hat Konstantin gegenüber Ketzern "mit beträchtlicher Geduld in einer Art Re-Christianisierungspolitik zunächst alles daran gesetzt, schismatische bzw. häretische Bewegungen vor und nach Reichskonzilien auf gütlichem Wege für die Einigung und die Mehrheitskirche zu gewinnen". Die für gewöhnlich gegen Abweichler verhängte Maßnahme war die Verbannung, nicht die Hinrichtung.
Allerdings sind bei Konstantin auch schon Ansätze zu radikaleren Maßnahmen festzustellen, die sich nach ihm weiter verstärkten, sogar bis zur Todesstrafe, So heißt es in Nummer 72 der ,Novellae‘ des »Codex Iustinianus«, der wie kaum ein anderes Rechtsbuch Sakrileggesetze vereint: "Wir haben nämlich den ruhmwürdigsten Praefectus der Kaiserstadt beauftragt, diejenigen, welche bei den angegebenen unerlaubten und frevelhaften Handlungen auch nach dieser Unserer Verordnung beharren, fesseln zu lassen und der höchsten Strafe [Todesstrafe] zu unterwerfen, damit "nicht in Folge des Übersehens solcher Vergehen sowohl die Stadt als der Staat durch solche frevelhafte Handlungen Schaden leide".
Der eigentliche Grund für die staatliche Verurteilung lag wiederum darin - wie der Regensburger Kirchenhistoriker Norbert Brox (+ 2006) schrieb -, daß die Häresie eine Gotteslästerung und damit eine Attacke auf das Gemeinwesen war. Die althergebrachte Eliminierung übertrug sich auf die Häretiker, denen ein schuldhafter Abfall vom einhelligen Glauben vorgeworfen wurde. Doch waren die bis zur Todesstrafe reichenden Gesetzesbestimmungen "grundsätzlich nicht zur Anwendung bestimmt", so daß die Effektivität der Religionsgesetze des 4. bis 6. Jahrhunderts "nicht hoch zu veranschlagen" ist. Immerhin, die Kirchenleute begannen zuzustimmen, wenn auch nicht vorbehaltlos: denn die Bereitschaft zur Gewaltanwendung ist "nicht aus Vernichtungswillen, vielmehr als Vorbeugung gegen weitere Ausdehnung und zusätzlichen schädlichen Einfluß der Häresie als Werk von Gottesfeinden zu verstehen".
Aus: Arnold Angenendt, Toleranz und Gewalt. Das Christentum zwischen Bibel und Schwert. Aschendorf Verlag, Münster 2009/2012.
Veränderung
Wandlung
Wachstum
Umkehr
Braucht Zeit
Geschieht
Passiert
Unterwegs auf neuen Wegen
Bin ich
Ich will wachsen
Alleine
Ich brauche Raum und Zeit
Um herauszufinden
Was in mir ist
Und die Zeit
Wird mir eine Antwort geben...
Aus: Petra Focke, Hermann Josef Lücker (Hrsg); Gott und die Welt. Gebete und Impulse für junge Menschen in allen Lebenslagen. Ohne Ort, ohne Verlag, ohne Jahr.
Was zählt
Ist wie einer mit dem Anderen umgeht
Ist wie miteinander gesprochen wird
Ist wie du dich stark machst für den Anderen.
Was zählt
Ist wie du dich abhebst von der gängigen Meinung
Ist wie du gegen Unrecht aufschreist
Ist wie du Verantwortung übernimmst
Was zählt
Ist was du wirklich denkst
Ist dein Mitgefühl
Ist deine Zivilcourage
Aus: Petra Focke, Hermann Josef Lücker (Hrsg); Gott und die Welt. Gebete und Impulse für junge Menschen in allen Lebenslagen. Ohne Ort, ohne Verlag, ohne Jahr.
Die Bewältigung der Situation der Kirche in pluralistischen Gesellschaften ist immer noch eine große Aufgabe. Manche meinen, die damit gegebenen Schwierigkeiten seien weitgehend ein Problem der Kirche, weil sie sich zu wenig "anzupassen” verstehe. Nun soll nicht bestritten werden, dass es da und dort eine größere Flexibilität der Kirche in der Reaktion auf gesellschaftliche Herausforderung geben könnte und müsste, ohne dass die Kirche sich bloß in das Bestehende einzufügen hätte.
Aber die Frage ist eben auch nicht weniger ein Problem pluralistischer Gesellschaften selbst: Im Grunde ist in ihnen, besonders ethisch, fast alles möglich und erlaubt. Über verpflichtend Gemeinsames wird relativ wenig gesprochen. Formelkompromisse täuschen nicht selten eine Einheit bloß vor. Schon darum ist es fast unmöglich, in allseits akzeptabler Weise auf elementare gesellschaftliche Herausforderungen befriedigend zu reagieren. Viele erwarten nämlich jeweils etwas ganz anderes, ohne dass dies aus falsch verstandener Höflichkeit und angeblicher Toleranz immer auch klar zum Ausdruck kommt. Aber man ist eben der Meinung, die Kirche habe grundsätzlich in allen Situationen notwendiger Hilfe - wie immer - zu dienen. Eine solche Haltung, die von hohen Erwartungen an die Kirche zeugt, begegnet mir immer wieder.
Man ist jedoch nicht selten enttäuscht, wenn die Kirche tatsächlich eine Antwort versucht. Man könnte dies leicht aufzeigen bei den verschiedenen Stellungnahmen zur Schwangerschaftskonfliktberatung, zur Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare oder auch angesichts der Parteispendenaffäre. Es ist eine Gefahr, dass im Grunde jeder bloß in seiner Meinung bestätigt werden möchte. Wenn dies nicht geschieht, kann die Enttäuschung rasch bis zur Distanzierung von Kirche oder gar zum Kirchenaustritt umschlagen.
In einer solchen Lage gerät die Kirche manchmal in gefährliche Bedrängnis. Sie möchte gerade in Fragen des grundlegenden Ethos möglichst integrierend wirken. Es geht ja auch um sittliche Grundlagen eines gemeinsamen Lebens. Außerdem fürchtet man im Blick auf manche Fehltritte in der Geschichte den Vorwurf der Gesprächsunfähigkeit, der Borniertheit oder gar der Intoleranz. Es ist nicht leicht, hier so zu sprechen, dass Entschiedenheit und Klarheit vorherrschen, zumal auch die Kirche in sich selbst angesichts der vielen Einflüsse von außen her und der Vielfalt in ihr selbst immer wieder mühsam den Konsens suchen muss.
Ich bin der festen Überzeugung, dass mancher Vorwurf, der auf mangelnde Eindeutigkeit hinausläuft, zwar im Blick auf einzelne Formulierungen rechthaben mag, aber als pauschaler Vorwurf nicht stimmt. Wir müssen heute stärker als früher in vielen Fragen den Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche, wenn wir sachgerecht und hilfreich zugleich bleiben wollen, ein differenzierteres Sprechen zumuten, ohne damit den Willen zu einer klaren Orientierung aufzugeben. Dies ist meines Erachtens vielfach gelungen, nicht zuletzt auch in nicht wenigen gemeinsamen ökumenischen Verlautbarungen.
Dennoch ist, wie ich in den letzten Jahren immer wieder anmahnte, in mancher Hinsicht eine noch deutlichere Positionsnahme vonnöten. Wir sind inzwischen ausreichend eingeübt und ausgewiesen in der Rücksichtnahme auf andere Meinungen, in der Gesprächsfähigkeit darüber und auch in einem zivilisierten Streit. In pluralistischen Gesellschaften geht man jedoch unter, wenn man nicht in der immer unübersichtlicher werdenden Vielfalt der zahlreichen Stimmen seinen eigenen, unverwechselbaren Standort kräftig und vernehmbar markiert.
Dies ist nicht nur sachlich notwendig, um die eigene Position überzeugend darzustellen, sondern nur so wird auch ein bestimmter Standort, hier aus dem Glauben verantwortet, wirklich mitteilbar - in der Mediengesellschaft ist die Sorge darum unübersehbar wichtig. Deshalb muss es hier manchmal zu Streit, Konfrontation, auf jeden Fall zu mehr Wettbewerb der geistigen Standorte kommen. Deshalb kann die Kirche nicht eine Allerweltsantwort geben. Sie kann nur wirklich helfen, wenn z. B. sie tatsächlich die Wunden aufzeigt und auch schmerzliche Wege der Heilung nicht verschweigt.
In vielen Fragen ist auch zuerst ein Umdenken, d. h. eine Ab- und Umkehr von bisherigen Haltungen, notwendig. Wenn dies zunächst fremd und auch schmerzlich ist, wird es in vielen Fällen - wenigstens auf mittlere oder längere Sicht - mehr helfen als weiche Angebote. In diesem Sinne kann gerade das zunächst Unbekannte und Fremde zu einem Segen werden. Besonders in der Österlichen Bußzeit sollten wir diese Aufgabe des Umdenkens, wie sie immer notwendig ist, in der konkreten Gestalt für heute nicht vergessen. Sonst versteht man im Grunde nicht, warum die Kirche so und nicht anders spricht und sprechen muss.
Aus: Karl Kardinal Lehmann, Mut zum Umdenken. Klare Positionen in schwieriger Zeit. Herder Freiburg Basel Wien 2000.
Gott,
ich gebe dir meinen Panzer,
meine Unverletzbarkeit:
laß mein Blut fließen.
Ich gebe dir meinen Star,
meine Blindheit:
stich durch, laß Licht fallen.
Ich gebe dir meine reine Haut,
meine Gerechtigkeit:
laß sie schmutzig werden im Leid.
Ich gebe dir meine musiküberwehten Ohren,
meine Schwerhörigkeit:
laß Notschreie meine Seele erschüttern.
Ich gebe dir meine verzärtelten Hände,
meine Ängstlichkeit:
laß sie das Zupacken lernen.
Aus: Ulrich Schaffer, Sehnsucht nach Nähe. Kreuz Verlag Stuttgart 1986.

Seit 1. Fastensonntag 1996 veröffentlicht ein Team von Priestern, Diakonen, Ordensleuten und pastoral engegierter Laien
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Ab 1. Adventsonntag: Vorschläge für Wort-Gottes-Feiern
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Jeder, der solches bei einem anderen wachsam wahrnimmt, steht in der Verantwortung, liebevoll und deutlich zu warnen. Versäumt er dies, so wird er mitschuldig am Unglück des anderen (Vers 8). Teilt er dem anderen mit, was er sieht und ahnt, so hat er seine Aufgabe erfüllt. Ob der andere umkehrt oder nicht, steht dann allein in dessen eigener Verantwortung (Vers 9). Diese Gegenüberstellung von Alternativen verdeutlicht die Wichtigkeit und auch die Grenzen von Verantwortlichkeit einem Mitmenschen gegenüber. Zwischen den beiden Extremen "Das geht mich nichts an, deshalb mische ich mich nicht ein." und "Wenn ich sehe, dass einer in sein Unglück rennt, muss ich ihn retten!" wird ein gesunder Mittelweg aufgezeigt. So fordert diese Lesung heute dazu heraus, einen realistischen Umgang mit Verantwortung anderen gegenüber einzuüben.
Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr A 7/2011. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2011, S. 36-48
Ezechiel möchte als Prophet den Israeliten die Augen öffnen, damit sie vor dem Unheil bewahrt bleiben. Die Situation des Volkes Israel war davon geprägt, dass das Gottesvolk nicht mehr in Sicherheit mit Gott in seiner Mitte wohnt, sondern dass die Menschen ins Exil deportiert worden waren. Der Heimat entwurzelt, herausgerissen aus festen Familien- und Volkstraditionen, bilden die Exilianten eine heterogene Gruppe. Einer diffusen Gemeinde steht nun Ezechiel gegenüber. Die Gefahr, vor der Ezechiel warnen muß, kommt nicht von außen durch einen feindlichen Angriff. Er muß vor Jahwe selbst warnen, der in seinem richtenden Handeln eine Bedrohung für das "ungläubig gewordene" Volk werden kann. Ezechiel versucht, den einzelnen in seiner Selbständigkeit und Verantwortlichkeit im Glauben für sich selber und seinen Mitmenschen anzusprechen.
In diese Situation hinein kommt Ezechiel. Er wird berufen zum Wächter. Er soll mahnen, dass nicht wieder ein Leben in Sünde beginnt. Er soll aufpassen, dass ein Volk, das sich bekehrt hat, wieder seine alte Würde und Größe bekommen kann. Als Wächter hat er freilich keine Freiheit. Er muss Rechenschaft ablegen über jede erfolgreiche, mehr noch über jede vergebliche Mahnung an die Menschen.
Praktische Tipps zum Vorlesen und Textauslegung der Katholischen Bibelwerke Deutschland, Österreich und Schweiz
Auslegung aus jüdischer und christlicher Perspektive